Schon als achtjähriges Mädchen musste Shay für sich und die alleinerziehende, alkoholkranke Mutter Verantwortung übernehmen. In diesem Alter hat sie nämlich für die Schule erstmals erfolgreich die Unterschrift ihrer Mutter gefälscht und im gleichen Moment gewusst, dass sie sich nie mehr von ihrer Mutter herunterziehen lassen wird. Gleichzeitig hat sie gelernt, ihre Erwartungen tief zu halten, um sich Enttäuschungen zu ersparen und viele Dinge mit sich selber auszumachen. Ihre beste Zeit hatte sie als Neunjährige. Damals hatte sie zwar viele Aufgaben im Haushalt zu erledigen, aber ein verantwortungsbewusster Freund kümmerte sich um die Mutter.
Und so wie die Mutter trotz ihrer Sucht meistens eine sehr gepflegte Erscheinung war – jedenfalls, wenn man die Momente ausblendet, in denen ihre kleine Tochter Erbrochenes und anderes aufwischen musste – so hatte auch Shay das Vorspielen einer heilen Welt für die Umgebung perfektioniert. Freunde konnte sie nie einladen, da die Reaktionen ihrer Mutter unvorhersehbar waren und den Kontakt zu ihrer einzigen Freundin hat sie nach Schulabschluss abgebrochen.
Nun, mit fünfundzwanzig Jahren kehrt Shay wieder heim zu ihrer Mutter Nona. Die intelligente junge Frau hat sich jahrelang auf ihr auswärts absolviertes Studium konzentriert und der Kontakt zwischen den beiden Frauen beschränkte sich auf den unregelmässigen Austausch von Postkarten. Wegen Problemen in der Schule legt Shay auf Veranlassung ihres Mentors eine Semesterpause ein. Finanzielle Engpässe sowie die Vision ihrer Lieblingssängerin Nina Simone („go home!“) bewegen sie dazu, bei ihrer Mutter Unterschlupf zu suchen.
Shay, eigentlich LaShay Glory (wegen den „Morning Glories“ = Prunkwinden, die ihr Grossvater liebte), erkennt ihre völlig verändert erscheinende Mutter kaum wieder. Sie wohnt in einem gepflegten Haus, der Kühlschrank ist gefüllt und da ist Sunny, Shays dreijährige Halbschwester. Ist die Mutter wirklich trocken? Die emotional verkümmerte Shay, die sich in Stresssituationen ständig Haare ausreisst, misstraut den Zuständen und ist überzeugt, ihre Mutter spiele ihr etwas vor und trinke heimlich. Die junge Frau sperrt sich oft stundenlang in ihrem Zimmer ein, hört Musik und wird von ihren widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Dazu gehört auch Eifersucht auf die kleine Halbschwester, die eine ganz andere Mutter erlebt als sie während ihrer eigenen Kindheit. Shay kann offensichtlich nicht verzeihen und trauert um ihre gestohlene Jugend. Derweilen versagt sie sich alle Freuden; teils aus Geldmangel, teils um sich selber zu bestrafen. Nonas Worte, dass sie (Shay) allen Grund und das Recht habe, wütend zu sein, aber auch das Recht, glücklich zu sein, prallen an ihr ab.
Die vierzigjährige Nona selber, die bereits mit fünfzehn Mutter von ihrem Wunschkind Shay wurde, hat gewissermassen eine Sucht durch eine andere ersetzt. Dank A.A. ist sie trocken, aber inzwischen völlig gartenverrückt. Sie pflegt einen üppigen, wilden und dennoch strukturierten Garten und legt grossen Wert auf eine gesunde Ernährung mit selber gezogenen Zucchinis, Tomaten und Jalapenos und schmückt ihr Daheim mit eigenen Schnittblumen. Ihr persönliches Problemlösungs-Rezept funktioniert so, dass sie die Ursache von Schwierigkeiten auf einen Zettel schreibt und diesen in kleine Stücke zerreisst. Die Schnipsel buddelt sie im Garten ein, wo sie sich zersetzen und die Erde anreichern. Und das Wichtigste: im nächsten Frühling hilft das Problem den Pflanzen beim Wachsen.
Während des länger als geplant dauernden Besuch kommen sich Shay und Nona näher und die Tochter beginnt sich zu verändern. Sie findet eine Stelle und einen Freund und sie nimmt wieder Kontakt mit ihrer ehemals besten Freundin auf. Langsam finden Mutter und Tochter zu einer besseren Beziehung, das gegenseitige Vertrauen wächst und bildet einen guten Boden für die Zukunft. Shay lernt zu verzeihen und möchte ihre kleine Halbschwester aufwachsen sehen. Und sie muss schmerzlich erkennen, dass man im Leben oft nicht das bekommt, was man will und genau die Fehler macht, die man den Eltern vorwirft.
Die Liebe der Autorin Carleen Brice zum Gärtnern ist nicht nur in diesem traurig-schönen Buch ersichtlich, sondern auch in ihrem Blog "Pajama Gardener".
Carleen Brice:
Orange Mint and Honey
Random House, 2008
15. Oktober 2014
8. Oktober 2014
Zuletzt angefangen zu lesen: Jutta Blume - Ruf der Pflanzen
Eine Autorin mit dem Namen „Blume“ und ein Buchtitel, der lautet „Ruf der Pflanzen“ - diese Kombination weckt doch schon einige Erwartungen. Diese steigen noch, wenn die Sofagärtnerin sich den Buchbeschrieb genauer vornimmt (Zitat von der Umschlagseite):
"Außer „Sugar Creek“, der Zuckerrohrplantage, auf der sie aufgewachsen ist, mitten im Urwald von Guyana, kennt die Sklavin Ife nicht viel. Als 1761 der schwedische Forschungsreisende Sandquist sie für eine botanische Expedition kauft, wird sie mit der Ideenwelt der Aufklärung konfrontiert. Für die heilkundige Ife sind Pflanzen etwas Spirituelles und Heilbringendes, Teil einer Welt, in der alles miteinander verwoben ist. Doch der Wissenschaftler Sandquist gibt den Pflanzen komische Namen, systematisiert sie und presst sie in Bücher. Durch ihn lernt sie lesen und schreiben – und stellt seine Sicht auf die Dinge infrage.
Diese Begegnung mit der Wissenschaft verändert Ifes Leben für immer und ist der Anfang ihres Abenteuers, das sie bis nach Europa am Vorabend der Französischen Revolution führen wird. „Der Ruf der Pflanzen“ ist ein packender historischer Roman über eine starke Frau, die aller Widerstände zum Trotz nach Selbstbestimmung sucht in einer Welt im Umbruch."
Und wenn dann auf der Umschlaginnenseite auch noch steht, dass die Autorin Landschaftsplanung studiert hat und sich in Berlin als Kleingärtnerin betätigt, scheint das Buch tatsächlich eine Muss-Lektüre für den Sofagarten zu sein. In den Schulferien werde ich mit hoffentlich die Zeit dazu stehlen können. Vielleicht sogar in Berlin.
Jutta Blume:
Ruf der Pflanzen
Vergangenheitsverlag, 2014
"Außer „Sugar Creek“, der Zuckerrohrplantage, auf der sie aufgewachsen ist, mitten im Urwald von Guyana, kennt die Sklavin Ife nicht viel. Als 1761 der schwedische Forschungsreisende Sandquist sie für eine botanische Expedition kauft, wird sie mit der Ideenwelt der Aufklärung konfrontiert. Für die heilkundige Ife sind Pflanzen etwas Spirituelles und Heilbringendes, Teil einer Welt, in der alles miteinander verwoben ist. Doch der Wissenschaftler Sandquist gibt den Pflanzen komische Namen, systematisiert sie und presst sie in Bücher. Durch ihn lernt sie lesen und schreiben – und stellt seine Sicht auf die Dinge infrage.
Diese Begegnung mit der Wissenschaft verändert Ifes Leben für immer und ist der Anfang ihres Abenteuers, das sie bis nach Europa am Vorabend der Französischen Revolution führen wird. „Der Ruf der Pflanzen“ ist ein packender historischer Roman über eine starke Frau, die aller Widerstände zum Trotz nach Selbstbestimmung sucht in einer Welt im Umbruch."
Und wenn dann auf der Umschlaginnenseite auch noch steht, dass die Autorin Landschaftsplanung studiert hat und sich in Berlin als Kleingärtnerin betätigt, scheint das Buch tatsächlich eine Muss-Lektüre für den Sofagarten zu sein. In den Schulferien werde ich mit hoffentlich die Zeit dazu stehlen können. Vielleicht sogar in Berlin.
Jutta Blume:
Ruf der Pflanzen
Vergangenheitsverlag, 2014
1. Oktober 2014
Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern (DVD)
Jahrzehntelang ist man sich aus dem Weg gegangen. Spannungen haben die früheren Begegnungen geprägt. „Nur ein falsches Wort und der Teufel war im Dach“ erzählt die Mutter. Ein zufälliges Treffen von Vater und Sohn führt schliesslich zum Projekt, mit dem der kürzlich verstorbene Regisseur Peter Liechti seinen Eltern ein filmisches Denkmal gesetzt hat.
Einerseits erzählen die Eltern direkt oder beantworten die Fragen des Sohnes in Dialekt, anderseits sind ihre Gedanken auf Hochdeutsch nachgesprochen, während zwei Hasenmarionetten einem hämisch grinsenden Menschen gegenüberstehen. Im Zeitpunkt der Dreharbeiten war das Elternpaar seit 62 Jahren verheiratet. Trotz (oder wegen?) völlig unterschiedlicher Interessen. An jedem Hochzeitstag wundert sie sich, dass die Lebensgemeinschaft so lange funktioniert hat. Während er sehr kontaktfreudig und häufig unterwegs ist, führt sie ein eher zurückgezogenes Leben, taucht in ihre Bücherwelten ab und hat ihren Frieden im Glauben gefunden. Immer hat sie sich ihrem Mann untergeordnet, damit es keinen Streit gab.
Der Film zeigt stellvertretend das Leben einer Generation wie ich es mir nicht vorstellen könnte. Wiederholtes Kopfschütteln auf meiner Seite. Etwa wenn es heisst, die Frau gehört an den Herd und wer zahlt (und das Geld verdient), befiehlt. Als die Frau die Auszahlung ihres Anteils der AHV-Rente auf ein eigenenes Konto veranlasst, hat der Ehemann ihr das monatelang nachgetragen und sie das auch deutlich spüren lassen. Die Gesundheit der Frau wird der Unversehrtheit der Badezimmerplättli untergeordnet. In diese dürfen unter keinen Umständen zwei Löcher gebohrt werden, um einen Griff anzubringen. Ein weiterer Sturz mit gebrochenen Rippen scheint das kleinere Übel zu sein, als die dann irgendwann notwendig werdende Wieder-Instandstellung der Plättli. Ähnliche Überlegungen gelten für das (Nicht-)Aufhängen der Wohnzimmerlampe über dem Esstisch.
In dieser dokumentierten Annäherung von Vater, Mutter und Sohn erhält der Zuschauer einen tiefen Einblick in das Leben der Eltern, ihre Wurzeln und ihre Gedanken. Immer wieder werden die grossen Unterschiede zwischen dem Ehepaar deutlich und man kommt nicht um die Schlussfolgerung herum, dass eine in jüngerer Zeit geschlossene Ehe aufgrund dieser Basis wohl schon längst geschieden worden wäre. Sehr deutlich kommt aber auch das liebevolle Miteinanderumgehen zum Ausdruck und dass ihre Liebe im Alter wieder grösser geworden ist. Was sie ihm auch sehr oft sagt. Er weniger. Denn Gefühle sind eher Frauensache.
Zwischen diesen Einblicken in das Leben der Eltern sieht man immer wieder den gärtnernden Vater. Auch hier ist seine Prinzipientreue omnipräsent und ich könnte noch einiges in Sachen Gründlichkeit lernen. Die Beete sind unkrautfrei. Die Tomatenstangen aus Holz werden mit dem Abwaschbürsteli gereinigt und angeschrieben, damit sie nächstes Jahr für den gleichen Zweck wieder verwendet werden können. Die Frau gibt freimütig zu, oft auf den Garten eifersüchtig gewesen zu sein, in den er ihrer Ansicht nach vor ihren Ansprüchen geflüchtet ist. Er, 88 Jahre alt, will noch ein oder zwei Jahre weiter gärtnern und versorgt derweilen den Haushalt zur Erntezeit mit Bohnen, Salat und bringt Schnittblumen wie Rosen und Cosmeen nach Hause.
Vaters Garten (DVD) von Peter Liechti
Pelicanfilms, 2014
Einerseits erzählen die Eltern direkt oder beantworten die Fragen des Sohnes in Dialekt, anderseits sind ihre Gedanken auf Hochdeutsch nachgesprochen, während zwei Hasenmarionetten einem hämisch grinsenden Menschen gegenüberstehen. Im Zeitpunkt der Dreharbeiten war das Elternpaar seit 62 Jahren verheiratet. Trotz (oder wegen?) völlig unterschiedlicher Interessen. An jedem Hochzeitstag wundert sie sich, dass die Lebensgemeinschaft so lange funktioniert hat. Während er sehr kontaktfreudig und häufig unterwegs ist, führt sie ein eher zurückgezogenes Leben, taucht in ihre Bücherwelten ab und hat ihren Frieden im Glauben gefunden. Immer hat sie sich ihrem Mann untergeordnet, damit es keinen Streit gab.
Der Film zeigt stellvertretend das Leben einer Generation wie ich es mir nicht vorstellen könnte. Wiederholtes Kopfschütteln auf meiner Seite. Etwa wenn es heisst, die Frau gehört an den Herd und wer zahlt (und das Geld verdient), befiehlt. Als die Frau die Auszahlung ihres Anteils der AHV-Rente auf ein eigenenes Konto veranlasst, hat der Ehemann ihr das monatelang nachgetragen und sie das auch deutlich spüren lassen. Die Gesundheit der Frau wird der Unversehrtheit der Badezimmerplättli untergeordnet. In diese dürfen unter keinen Umständen zwei Löcher gebohrt werden, um einen Griff anzubringen. Ein weiterer Sturz mit gebrochenen Rippen scheint das kleinere Übel zu sein, als die dann irgendwann notwendig werdende Wieder-Instandstellung der Plättli. Ähnliche Überlegungen gelten für das (Nicht-)Aufhängen der Wohnzimmerlampe über dem Esstisch.
In dieser dokumentierten Annäherung von Vater, Mutter und Sohn erhält der Zuschauer einen tiefen Einblick in das Leben der Eltern, ihre Wurzeln und ihre Gedanken. Immer wieder werden die grossen Unterschiede zwischen dem Ehepaar deutlich und man kommt nicht um die Schlussfolgerung herum, dass eine in jüngerer Zeit geschlossene Ehe aufgrund dieser Basis wohl schon längst geschieden worden wäre. Sehr deutlich kommt aber auch das liebevolle Miteinanderumgehen zum Ausdruck und dass ihre Liebe im Alter wieder grösser geworden ist. Was sie ihm auch sehr oft sagt. Er weniger. Denn Gefühle sind eher Frauensache.
Zwischen diesen Einblicken in das Leben der Eltern sieht man immer wieder den gärtnernden Vater. Auch hier ist seine Prinzipientreue omnipräsent und ich könnte noch einiges in Sachen Gründlichkeit lernen. Die Beete sind unkrautfrei. Die Tomatenstangen aus Holz werden mit dem Abwaschbürsteli gereinigt und angeschrieben, damit sie nächstes Jahr für den gleichen Zweck wieder verwendet werden können. Die Frau gibt freimütig zu, oft auf den Garten eifersüchtig gewesen zu sein, in den er ihrer Ansicht nach vor ihren Ansprüchen geflüchtet ist. Er, 88 Jahre alt, will noch ein oder zwei Jahre weiter gärtnern und versorgt derweilen den Haushalt zur Erntezeit mit Bohnen, Salat und bringt Schnittblumen wie Rosen und Cosmeen nach Hause.
Vaters Garten (DVD) von Peter Liechti
Pelicanfilms, 2014
14. September 2014
Caroline Vermalle und Ryan van Ruben: Eine Blume für die Königin
Im November 1805 wird in Kanada ein alter Mann von einer Kutsche angefahren und verletzt. Die Insassen nehmen den Verletzten mit seinen wenigen Habseligkeiten nach Hause, wo er medizinisch versorgt wird. Gewissermassen als Lohn für die Behandlung erzählt der Patient seine Lebensgeschichte, die immer mehr Familienmitglieder fesselt. Es sind nämlich die spannenden Abenteuer eines Pflanzenjägers, die schliesslich zur (doch etwas gesuchten) Wiedervereinigung zweier Menschen führt, die sich jahrzehntelang immer wieder verpasst haben.
Ganz am Anfang der Erinnerungen steht im Jahr 1772 eine freie Stelle, für die sich kein Bewerber findet. Ausgeschrieben ist eine Tätigkeit als Pflanzenforscher auf botanischen Expeditionen, und zwar als Begleiter von Sir Joseph Banks. Als Francis Masson, seines Zeichens Gärtner in Kew, Samen und eine Paeonia albiflora am Sitz der Royal Society abliefern will, wird er von den beiden für die Vergabe der Stelle verantwortlichen Assistenten widerwillig zu Joseph Banks gezogen.
Masson bekommt in der Folge eine Stelle, für die er sich gar nie beworben, geschweige denn interessiert hat und damit steuert sein schon weitgehend vorgegeben scheinender Lebensweg in eine völlig neue Richtung. Eine Richtung, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Seine Aufgabe im Auftrag der britischen Krone ist das Auffinden einer besonderen Blume für die Königin und deren erfolgreicher Transport nach England.
Massons Vater ist vor vielen Jahren auf hoher See ums Leben gekommen und Francis hatte selber niemals den Wunsch, ebenfalls über die Meere zu fahren. Und beugt er sich dem Druck und verpflichtet sich für zwei Jahre. Als Lohn winken bei der Rückkehr dreihundert Pfund und fünf Morgen Land.
Vor seiner Abfahrt organisiert die Mutter noch seine Verlobung. Mit dem Lohn möchte Francis Masson eine Baumschule gründen und weiss schon genau, wo das Treibhaus hinkommt, welche Beete mit Buchsbaumhecken abgegrenzt werden und wo die Setzlinge von Kalmien, Rhododendron und Magnolien stehen werden. Da er nicht nur ein guter Gärtner, sondern auch ein hervorragender Zeichner ist, hat er schon genaue Pläne von seinem künftigen Betrieb aufs Papier gebracht. Doch noch ist der Aufbau seiner eigenen Gärtnerei in weiter Ferne und zunächst sind neben der Überfahrt etliche Abenteuer im gefährlichen Südafrika und die Rückreise zu überstehen. Gelingt es Masson, anhand der von Banks erhaltenen Skizze die gewünschte Paradiesvogelblume (Strelizia reginae) zu finden und in die Heimat zu bringen?
Dieser spannende historische Roman vermischt Fiktion mit wahren Begebenheiten aus dem Leben des Schotten Francis Masson, der jahrelang in Afrika Pflanzen gesammelt hat. Gemeinsam mit dem Botaniker Dr. Carl Thunberg meistert er viele schwierige Aufgaben. So wird Masson der Spionage verdächtigt und die beiden unterschiedlichen Charaktere überleben sogar den Angriff von Löwen.
Caroline Vermalle und Ryan van Ruben:
Eine Blume für die Königin
Bastei Lübbe, 2014
Ganz am Anfang der Erinnerungen steht im Jahr 1772 eine freie Stelle, für die sich kein Bewerber findet. Ausgeschrieben ist eine Tätigkeit als Pflanzenforscher auf botanischen Expeditionen, und zwar als Begleiter von Sir Joseph Banks. Als Francis Masson, seines Zeichens Gärtner in Kew, Samen und eine Paeonia albiflora am Sitz der Royal Society abliefern will, wird er von den beiden für die Vergabe der Stelle verantwortlichen Assistenten widerwillig zu Joseph Banks gezogen.
Masson bekommt in der Folge eine Stelle, für die er sich gar nie beworben, geschweige denn interessiert hat und damit steuert sein schon weitgehend vorgegeben scheinender Lebensweg in eine völlig neue Richtung. Eine Richtung, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Seine Aufgabe im Auftrag der britischen Krone ist das Auffinden einer besonderen Blume für die Königin und deren erfolgreicher Transport nach England.
Massons Vater ist vor vielen Jahren auf hoher See ums Leben gekommen und Francis hatte selber niemals den Wunsch, ebenfalls über die Meere zu fahren. Und beugt er sich dem Druck und verpflichtet sich für zwei Jahre. Als Lohn winken bei der Rückkehr dreihundert Pfund und fünf Morgen Land.
Vor seiner Abfahrt organisiert die Mutter noch seine Verlobung. Mit dem Lohn möchte Francis Masson eine Baumschule gründen und weiss schon genau, wo das Treibhaus hinkommt, welche Beete mit Buchsbaumhecken abgegrenzt werden und wo die Setzlinge von Kalmien, Rhododendron und Magnolien stehen werden. Da er nicht nur ein guter Gärtner, sondern auch ein hervorragender Zeichner ist, hat er schon genaue Pläne von seinem künftigen Betrieb aufs Papier gebracht. Doch noch ist der Aufbau seiner eigenen Gärtnerei in weiter Ferne und zunächst sind neben der Überfahrt etliche Abenteuer im gefährlichen Südafrika und die Rückreise zu überstehen. Gelingt es Masson, anhand der von Banks erhaltenen Skizze die gewünschte Paradiesvogelblume (Strelizia reginae) zu finden und in die Heimat zu bringen?
Dieser spannende historische Roman vermischt Fiktion mit wahren Begebenheiten aus dem Leben des Schotten Francis Masson, der jahrelang in Afrika Pflanzen gesammelt hat. Gemeinsam mit dem Botaniker Dr. Carl Thunberg meistert er viele schwierige Aufgaben. So wird Masson der Spionage verdächtigt und die beiden unterschiedlichen Charaktere überleben sogar den Angriff von Löwen.
Caroline Vermalle und Ryan van Ruben:
Eine Blume für die Königin
Bastei Lübbe, 2014
7. September 2014
Daniel J. Hinkley – The Explorer’s Garden
Da ich ja nun keine oder zumindest deutlich weniger Zeit zum Sofagärtnern habe, picke ich mir aktuell vermehrt Bücher aus dem Gestell, die ich schon lange lesen wollte, deren Lektüre ich aber aus verschiedenen Gründen immer wieder vertagt habe. Und solche gibt es viele – sowohl Bücher als auch Gründe…
Inzwischen habe ich auch die Abstände zwischen den neuen Posts nochmals deutlich vergrössert, so dass ich bei Intervallen von zwei Wochen nun bereits bis Ende März 2015 vorgebloggt habe. Danach werde ich wohl gelegentlich ältere Artikel über lesenswerte Bücher aus meiner Blogger-Anfangs-Zeit nochmals posten, damit es hier nicht ganz still wird. Schliesslich ist der Leserstamm permanent gewachsen und aufgrund der Statistiken kann ich darauf schliessen, dass eher wenige Zugriffe auf diese Beiträge stattfinden und nur wenige neue Leser die einzelnen Artikel durchklicken. Aber nun zur Buchvorstellung:
Daniel J. Hinkley hat schon in Japan, China, Südkorea, Nepal, Chile und Nordamerika nach grünen Schätzen gesucht. Da diese Publikation aus dem Jahr 1999 stammt, sind inzwischen wohl noch weitere Jagdgebiete dazugekommen. In 28 Kapiteln werden auf rund 350 Seiten Stauden und ihre Lebensräume vorgestellt: Leberblümchen (Hepatica), Wiesenraute (Thalictrum), Lerchensporn (Corydalis), Mammutblatt (Gunnera), Silberkerze (Cicmicifuga) und Elfenblumen (Epimedium) um nur einige zu nennen. … Dabei konzentriert sich der vielseitig interessierte, engagierte und mehrfach ausgezeichnete „Plantsman“ bewusst auf wenige Pflanzen, die er selber bewundert und die nach seinem Empfinden zu wenig verwendet und gewürdigt werden (nicht vergessen: Stand 1999!).
Die Bedürfnisse einer Pflanze können besser verstanden werden, wenn der Gärtner ihren Naturstandort kennt; entweder aus Fachlektüre oder sogar aus eigener Anschauung. Der weitherum gekommene Hinkley kann diesbezüglich aus einem schier unerschöpflichen Fundus schöpfen und teilt sein Wissen und seine Erfahrung grosszügig mit dem interessierten Leser. Nicht nur Erfreuliches, auch Enttäuschungen werden thematisiert. Etwa jene, wenn er glaubt, eine tolle Entdeckung gemacht zu haben, nur um festzustellen, dass im Botanischen Garten bereits prächtige Exemplare derselben Pflanze wachsen.
Überhaupt sind in diesem Buch sind nicht nur die Pflanzen und ihre Bedürfnisse wichtig. Viel Raum wird auch Freunden und anderen wichtigen Begleitern eingeräumt. Verschiedentlich pflanzt der Autor Gewächse nicht nur ihrer selber willen, sondern wegen des Namens, den sie tragen, oder weil diese ihn an bestimmte liebe Menschen erinnern. So stösst man während dem Seitenumblättern immer wieder auf bekannte Namen wie beispielsweise Helen Dillion, Rosemary Verey oder Allan Bloom und das Vorwort hat Roy Lancaster verfasst. Und in den Augen von Ms. Doncaster, der Namensgeberin von Geranium sylvaticum „Amy Doncaster“ stellt Hinkley die gleiche Freude fest, welche die ihr gewidmete Pflanze verbreitet.
Die Texte über die einzelnen Staudenfamilien werden jeweils mit ausführlichen Angaben zu Winterhärte, Kultivierung und Vermehrung ergänzt. Im Serviceteil finden sich zusätzlich eine Karte mit den einzelnen Winterhärtebereichen (leider nur für Nordamerika) sowie Bezugsquellen, ein Glossar, weitergehende Literaturhinweise und ein Pflanzenregister. Die Publikation ist reich bebildert mit Fotos von Lynne Harrison. Der Leser kann aber nicht von jeder vorgestellten Pflanze eine Aufnahme erwarten.
Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass es etliche „Asarümer“ (Asarum, Haselwurz) gibt, die ich gerne im eigenen Garten ansiedeln würde. Wohlwissend, dass der hier vorliegende Lebensraum nicht optimal ist. Aber in meiner Vorstellung würden diese eine visuell harmonische Ergänzung zu den sich immer schöner vermehrenden Cyclamen darstellen. Der Autor teilt meine Begeisterung für Asarum übrigens nicht. Er ist oder war zumindest lange Zeit kein grosser Freund dieser Bodendecker. Aber er hat irgendwann seine Meinung geändert und schreibt im Buch von über 100 Spezies mit einem grossen Potential...
Daniel J. Hinkley:
The Explorer’s Garden – Rare and unusual Perennials
Timber Presss, 2009
Inzwischen habe ich auch die Abstände zwischen den neuen Posts nochmals deutlich vergrössert, so dass ich bei Intervallen von zwei Wochen nun bereits bis Ende März 2015 vorgebloggt habe. Danach werde ich wohl gelegentlich ältere Artikel über lesenswerte Bücher aus meiner Blogger-Anfangs-Zeit nochmals posten, damit es hier nicht ganz still wird. Schliesslich ist der Leserstamm permanent gewachsen und aufgrund der Statistiken kann ich darauf schliessen, dass eher wenige Zugriffe auf diese Beiträge stattfinden und nur wenige neue Leser die einzelnen Artikel durchklicken. Aber nun zur Buchvorstellung:
Daniel J. Hinkley hat schon in Japan, China, Südkorea, Nepal, Chile und Nordamerika nach grünen Schätzen gesucht. Da diese Publikation aus dem Jahr 1999 stammt, sind inzwischen wohl noch weitere Jagdgebiete dazugekommen. In 28 Kapiteln werden auf rund 350 Seiten Stauden und ihre Lebensräume vorgestellt: Leberblümchen (Hepatica), Wiesenraute (Thalictrum), Lerchensporn (Corydalis), Mammutblatt (Gunnera), Silberkerze (Cicmicifuga) und Elfenblumen (Epimedium) um nur einige zu nennen. … Dabei konzentriert sich der vielseitig interessierte, engagierte und mehrfach ausgezeichnete „Plantsman“ bewusst auf wenige Pflanzen, die er selber bewundert und die nach seinem Empfinden zu wenig verwendet und gewürdigt werden (nicht vergessen: Stand 1999!).
Die Bedürfnisse einer Pflanze können besser verstanden werden, wenn der Gärtner ihren Naturstandort kennt; entweder aus Fachlektüre oder sogar aus eigener Anschauung. Der weitherum gekommene Hinkley kann diesbezüglich aus einem schier unerschöpflichen Fundus schöpfen und teilt sein Wissen und seine Erfahrung grosszügig mit dem interessierten Leser. Nicht nur Erfreuliches, auch Enttäuschungen werden thematisiert. Etwa jene, wenn er glaubt, eine tolle Entdeckung gemacht zu haben, nur um festzustellen, dass im Botanischen Garten bereits prächtige Exemplare derselben Pflanze wachsen.
Überhaupt sind in diesem Buch sind nicht nur die Pflanzen und ihre Bedürfnisse wichtig. Viel Raum wird auch Freunden und anderen wichtigen Begleitern eingeräumt. Verschiedentlich pflanzt der Autor Gewächse nicht nur ihrer selber willen, sondern wegen des Namens, den sie tragen, oder weil diese ihn an bestimmte liebe Menschen erinnern. So stösst man während dem Seitenumblättern immer wieder auf bekannte Namen wie beispielsweise Helen Dillion, Rosemary Verey oder Allan Bloom und das Vorwort hat Roy Lancaster verfasst. Und in den Augen von Ms. Doncaster, der Namensgeberin von Geranium sylvaticum „Amy Doncaster“ stellt Hinkley die gleiche Freude fest, welche die ihr gewidmete Pflanze verbreitet.
Die Texte über die einzelnen Staudenfamilien werden jeweils mit ausführlichen Angaben zu Winterhärte, Kultivierung und Vermehrung ergänzt. Im Serviceteil finden sich zusätzlich eine Karte mit den einzelnen Winterhärtebereichen (leider nur für Nordamerika) sowie Bezugsquellen, ein Glossar, weitergehende Literaturhinweise und ein Pflanzenregister. Die Publikation ist reich bebildert mit Fotos von Lynne Harrison. Der Leser kann aber nicht von jeder vorgestellten Pflanze eine Aufnahme erwarten.
Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass es etliche „Asarümer“ (Asarum, Haselwurz) gibt, die ich gerne im eigenen Garten ansiedeln würde. Wohlwissend, dass der hier vorliegende Lebensraum nicht optimal ist. Aber in meiner Vorstellung würden diese eine visuell harmonische Ergänzung zu den sich immer schöner vermehrenden Cyclamen darstellen. Der Autor teilt meine Begeisterung für Asarum übrigens nicht. Er ist oder war zumindest lange Zeit kein grosser Freund dieser Bodendecker. Aber er hat irgendwann seine Meinung geändert und schreibt im Buch von über 100 Spezies mit einem grossen Potential...
Daniel J. Hinkley:
The Explorer’s Garden – Rare and unusual Perennials
Timber Presss, 2009
31. August 2014
Nadja Bucher: Die wilde Gärtnerin
Ihr dreistöckiges Stadthaus im 8. Bezirk an der Lerchengasse in Wien fungiert seit zwei Jahren als Schneckenhaus für die Mitdreissigerin Helen Cerny. Auf wenigen Quadratmetern hat sie sich eingerichtet. Die restliche Fläche ist vermietet, sorgt für ein regelmässiges Einkommen und bietet ihr gleichzeitig den Luxus, sich den Lebensunterhalt nicht mit Arbeiten verdienen zu müssen. Seit dem Unfalltod ihres langjährigen Lebensgefährten Leo widmet sie ihre Zeit vollumfänglich ihrem Stoffwechsel und ihrem grossen Garten samt Komposttoilette.
Helen, von einer Schamanin grossgezogen, die mit Mitte Vierzig an Krebs gestorben ist, hat die beiden vergangenen Jahre im wahrsten Sinne des Wortes der Produktion von Scheisse oder schöner ausgedrückt ihrem Stoffwechsel gewidmet. Eine ganz eigene Philosophie verbirgt sich dahinter, die perfekten Dünger für den Garten liefert. Die Kontakte zur Umwelt beschränken sich weitgehend auf den Umgang mit ihrer Freundin Toni, die im gleichen Gebäude wohnt und unermüdlich versucht, Helen die Aussenwelt wieder näher zu bringen.
Doch Helen vermisst in ihrer selbst gewählten Einsamkeit nichts, schätzt aber doch die Ablenkung, die ihr der Blick in die Wohnung direkt gegenüber bietet. Nachdem diese wochenlang leer gestanden hat, scheinen plötzlich dort stehende Umzugskartons die Ankunft neuer Bewohner anzukünden. Und tatsächlich zieht eine junge Frau alleine dort ein.
Immer wieder beobachtet Helen diese Frau, die häufig stundenlang vor dem Laptop sitzt. Als gegenüber tagelang das Fenster offen ist, aber niemand zu sehen ist, verlässt Helen ihre eigene Wohnung und schaut nach, ob sie Hilfe anbieten kann. So kommt es zum ersten direkten Kontakt mit Berta und in der Folge grüssen sich die beiden Nachbarinnenn immer wieder von Fenster zu Fenster oder treffen sich gelegentlich auch persönlich. Die unregelmässigen Gespräche zwischen Helen und der Berta, die sich als engagierte Systemkritikerin entpuppt, führen dazu, dass sich erstere plötzlich für das Weltgeschehen zu interessieren beginnt. Als ein Waffenlobbyist einen Jagdunfall erleidet und Pensionsvorsorgefonds gehackt werden, stellt Helen Verbindungen zwischen den langen Abwesenheiten von Berta her, untersagt sich aber selber, diese Vermutungen weiterzuspinnen.
Die wichtigsten Menschen in Helens Leben begleiten sie seit ihrer Schulzeit. Nun scheint sie endlich bereit, sich zu öffnen und geht neue Bekanntschaften ein. Doch als ihre lebhafte Freundin Toni zusammen mit ihrem neuesten jungen Freund ein esoterisches Sommerfestival auf die Beine stellt, findet sich Helen plötzlich in einem nicht selbst gewählten Gefängnis wieder und Probleme um die Geschmeidigkeit des Stuhlgangs treten in den Hintergrund. Was hat sich hinter Helens Rücken und direkt vor ihren Augen abgespielt?
Die Idee der Komposttoilette geht übrigens auf Leo zurück und Helen war gar nicht begeistert als sie zum ersten Mal davon hörte und Leo versuchte, sie mit einem Amazonas-Märchen von der Permakultur zu überzeugen. Dass auf dem Titelbild des Buches eine WC-Schüssel auf einer Distel abgebildet ist, habe ich erst nach einiger Zeit festgestellt. Anscheinend habe ich das Cover bis zur Hälfte der Lektüre nie richtig angeschaut. Die detaillierten Beschreibungen über Helens Stoffwechsel sind zunächst etwas befremdlich, doch rasch wird man von den verschiedenen Themen (Garten, Komposttoilette, Wirtschaft, Schlagzeilen, anarchische Aktionen, Generationengeschichte, Menu-Tipps) des Buches vereinnahmt und will wissen, wie die einzelnen Stränge zusammenpassen.
Diese Familiengeschichte der Helen Cerny setzt sich aus verschiedenen Strängen zusammen. Helens Journal wird ergänzt durch die Verhörprotokolle von Toni und chronologischen Erzählungen aus dem Leben von Helens Urgrosseltern, Grosseltern und der Mutter sowie Helens eigener Kindheit und Jugendzeit und beginnt 1915 mit dem Warten auf den Kaiser. Ein Staummbaum erleichtert dem Leser die Orientierung.
Helens Journaleinträge handeln zu einem wesentlichen Teil von ihrem Garten und ihren Tätigkeiten im Laufe der Jahreszeiten. Obstbäume, Kräuter, eine Blumenwiese und grosse Gemüsebeete prägen die konsequent biologisch bearbeitete Anlage, die eine ideale Brutstätte für Wildbienen und Solitärwespen darstellt. Das Problem der Schneckenplage wird gelöst, indem die Gärtnerin die Schleimer über die Gartenmauer katapultiert. Der bedeutende hortikulturelle Hintergrund lässt vermuten, dass die Autorin eigene gärtnerische Erfahrungen in den Text hat einfliessen lassen.
Nadja Bucher:
Die wilde Gärtnerin
Milena Verlag, 2013
Helen, von einer Schamanin grossgezogen, die mit Mitte Vierzig an Krebs gestorben ist, hat die beiden vergangenen Jahre im wahrsten Sinne des Wortes der Produktion von Scheisse oder schöner ausgedrückt ihrem Stoffwechsel gewidmet. Eine ganz eigene Philosophie verbirgt sich dahinter, die perfekten Dünger für den Garten liefert. Die Kontakte zur Umwelt beschränken sich weitgehend auf den Umgang mit ihrer Freundin Toni, die im gleichen Gebäude wohnt und unermüdlich versucht, Helen die Aussenwelt wieder näher zu bringen.
Doch Helen vermisst in ihrer selbst gewählten Einsamkeit nichts, schätzt aber doch die Ablenkung, die ihr der Blick in die Wohnung direkt gegenüber bietet. Nachdem diese wochenlang leer gestanden hat, scheinen plötzlich dort stehende Umzugskartons die Ankunft neuer Bewohner anzukünden. Und tatsächlich zieht eine junge Frau alleine dort ein.
Immer wieder beobachtet Helen diese Frau, die häufig stundenlang vor dem Laptop sitzt. Als gegenüber tagelang das Fenster offen ist, aber niemand zu sehen ist, verlässt Helen ihre eigene Wohnung und schaut nach, ob sie Hilfe anbieten kann. So kommt es zum ersten direkten Kontakt mit Berta und in der Folge grüssen sich die beiden Nachbarinnenn immer wieder von Fenster zu Fenster oder treffen sich gelegentlich auch persönlich. Die unregelmässigen Gespräche zwischen Helen und der Berta, die sich als engagierte Systemkritikerin entpuppt, führen dazu, dass sich erstere plötzlich für das Weltgeschehen zu interessieren beginnt. Als ein Waffenlobbyist einen Jagdunfall erleidet und Pensionsvorsorgefonds gehackt werden, stellt Helen Verbindungen zwischen den langen Abwesenheiten von Berta her, untersagt sich aber selber, diese Vermutungen weiterzuspinnen.
Die wichtigsten Menschen in Helens Leben begleiten sie seit ihrer Schulzeit. Nun scheint sie endlich bereit, sich zu öffnen und geht neue Bekanntschaften ein. Doch als ihre lebhafte Freundin Toni zusammen mit ihrem neuesten jungen Freund ein esoterisches Sommerfestival auf die Beine stellt, findet sich Helen plötzlich in einem nicht selbst gewählten Gefängnis wieder und Probleme um die Geschmeidigkeit des Stuhlgangs treten in den Hintergrund. Was hat sich hinter Helens Rücken und direkt vor ihren Augen abgespielt?
Die Idee der Komposttoilette geht übrigens auf Leo zurück und Helen war gar nicht begeistert als sie zum ersten Mal davon hörte und Leo versuchte, sie mit einem Amazonas-Märchen von der Permakultur zu überzeugen. Dass auf dem Titelbild des Buches eine WC-Schüssel auf einer Distel abgebildet ist, habe ich erst nach einiger Zeit festgestellt. Anscheinend habe ich das Cover bis zur Hälfte der Lektüre nie richtig angeschaut. Die detaillierten Beschreibungen über Helens Stoffwechsel sind zunächst etwas befremdlich, doch rasch wird man von den verschiedenen Themen (Garten, Komposttoilette, Wirtschaft, Schlagzeilen, anarchische Aktionen, Generationengeschichte, Menu-Tipps) des Buches vereinnahmt und will wissen, wie die einzelnen Stränge zusammenpassen.
Diese Familiengeschichte der Helen Cerny setzt sich aus verschiedenen Strängen zusammen. Helens Journal wird ergänzt durch die Verhörprotokolle von Toni und chronologischen Erzählungen aus dem Leben von Helens Urgrosseltern, Grosseltern und der Mutter sowie Helens eigener Kindheit und Jugendzeit und beginnt 1915 mit dem Warten auf den Kaiser. Ein Staummbaum erleichtert dem Leser die Orientierung.
Helens Journaleinträge handeln zu einem wesentlichen Teil von ihrem Garten und ihren Tätigkeiten im Laufe der Jahreszeiten. Obstbäume, Kräuter, eine Blumenwiese und grosse Gemüsebeete prägen die konsequent biologisch bearbeitete Anlage, die eine ideale Brutstätte für Wildbienen und Solitärwespen darstellt. Das Problem der Schneckenplage wird gelöst, indem die Gärtnerin die Schleimer über die Gartenmauer katapultiert. Der bedeutende hortikulturelle Hintergrund lässt vermuten, dass die Autorin eigene gärtnerische Erfahrungen in den Text hat einfliessen lassen.
Nadja Bucher:
Die wilde Gärtnerin
Milena Verlag, 2013
24. August 2014
Craig Pittman: The Scent of Scandal - Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid
Die Orchideen bilden eine riesige, faszinierende Pflanzenfamilie. Während ich im Garten gerne welche ansiedeln würde, aber mangels auch nur annähernd optimaler Bedingungen und zur Vermeidung von kostspieligen Enttäuschungen darauf verzichte, gefallen mir die Wegwerf-Zimmerpflanzen zum Discountpreis zwar, aber ich kann gut und gerne auf diese verzichten.
Besonders gefallen mir hingegen Bücher, die Einblick in die Welt von Orchideenverrückten geben. Diese Publikationen lesen sich oft spannender als mancher Roman. In dieses Genre gehören beispielsweise „Orchideenfieber – Die Geschichte einer Leidenschaft„ von Eric Hansen (Klett-Cotta Verlag, 2002), „The Orchid in Lore and Legend“ von Luigi Berliocchi und „The Orchid Thief“ von Susan Orlean. Die beiden letzteren wurden nie auf Deutsch übersetzt, aber „The Orchid Thief“ diente als Grundlage für den Film „Adaption“ mit Nicolas Cage und Meryll Streep in den Hauptrollen. Das Oscar-gekrönte Werk hat es seinerzeit auch in die hiesigen Kinos geschafft und die DVD ist nach wie erwerbbar.
Meine aktuelle Lektüre trägt den vielversprechenden Titel „The Scent of Scandal“ und handelt von Gier, Betrug und der angeblich schönsten Orchidee der Welt. Schon im Prolog heisst es, dass bereits Adam und Eva bezeugen können, dass im schönsten Garten irgendwo eine Schlange steckt. Wer ist hier die Schlange? Am Anfang der Geschichte steht der Kauf einer unbekannten, grossblumigen Frauenschuh-Orchidee im Jahr 2002. „Tatort“ ist ein kleiner Stand an einer Strasse in Peru, das Objekt ein Frauenschuh mit purpurfarbener Blüte in der Grösse einer Männerhand, Verkäufer ein Einheimischer, Käufer der amerikanische Orchideensammler Michael Kovach. Oder waren es drei Pflanzen, die den Besitzer wechselten? Schon gehen die Aussagen und Meinungen auseinander.
Ebenfalls am Anfang steht ein Wettrennen um die erste offizielle botanische Beschreibung dieser Orchidee und die Namensgebung. Das ganze Buch samt Anklage und Prozess dreht sich darum, ob die Pflanze illegal aus Peru aus- und in die Vereinigten Staaten eingeführt worden ist oder doch nicht. Und ob dies wissentlich oder unwissentlich geschehen ist und ob sich die Mitarbeiter und die zunächst nicht eingeweihte Leiterin eines botanischen Gartens in Florida strafbar gemacht haben. Ein weiterer Streitpunkt ist, ob die Orchidee Phragmipedium kovachii heissen darf oder Phragmipedium peruvianum heissen soll. Dann geht es um die Schwierigkeiten, eine nicht blühende Orchidee eindeutig zu identifizieren und Richter und Staatsanwälte von der Wichtigkeit zu überzeugen, konsequent und mit dem nötigen Ernst gegen Pflanzenschmuggel vorzugehen. Als Leserin ist einem nicht immer ganz klar, wer hier die Guten und wer die Bösen sind. Eine Herausforderung ist auch das Einordnen von Informationen: handelt es sich um Gerüchte, Fakten oder Spekulationen?
Eingebettet in die Chronik erfährt der Leser immer wieder Interessantes aus der Pflanzenwelt - etwa über heimtückische Pflanzenjäger, über die grösste Orchideenschau der Vereinigten Staaten, die jeden Frühling auf einem offenen Feld ausserhalb von Miami stattfindet und zwischen acht- und zehntausend Besucher aus aller Welt anzieht, und über im Internet offen angebotene illegale Orchideen (eine Form von „sans-papiers“), die in ihren Verpackungen als „Kinderkleider“ oder „Spielwaren“ deklariert auf den Weg zum Käufer und Sammler geschickt werden.
Die Publikation lässt den interessierten Leser hinter die Kulissen in die die legalen, halblegalen und illegalen Seiten des Orchideenhandels blicken. Auch von einem gewissermassen alten Bekannten ist wiederholt die Rede. Und zwar von Harold Koopowitz, von dem ich kürzlich hier ebenfalls ein Buch vorgestellt habe. Ob es sich bei der auf dem Buchcover abgebildeten Pflanze tatsächlich um die schönste Orchidee der Welt handelt, sei dahingestellt und muss jeder für sich selber entscheiden. Falls Sie aber Bücher über Betrug, Verrat und Gier im Reich der Botanik schätzen, hier der Link zu einer weiteren solchen Publikation (nicht über Orchideen) von Karl Sabbagh mit dem Titel „The Rum Affair“. Dieses Buch habe ich vor Jahren gelesen und wollte hier im Blog längst einmal darüber schreiben. Da ich in absehbarer Zeit nicht dazu komme, verlinke ich zu einer englischen Rezension. Mit „Rum“ ist hier übrigens nicht das alkoholische Getränk, sondern eine schottische Insel gemeint.
Craig Pittman:
The Scent of Scandal – Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid
University Press of Florida, 2012
Besonders gefallen mir hingegen Bücher, die Einblick in die Welt von Orchideenverrückten geben. Diese Publikationen lesen sich oft spannender als mancher Roman. In dieses Genre gehören beispielsweise „Orchideenfieber – Die Geschichte einer Leidenschaft„ von Eric Hansen (Klett-Cotta Verlag, 2002), „The Orchid in Lore and Legend“ von Luigi Berliocchi und „The Orchid Thief“ von Susan Orlean. Die beiden letzteren wurden nie auf Deutsch übersetzt, aber „The Orchid Thief“ diente als Grundlage für den Film „Adaption“ mit Nicolas Cage und Meryll Streep in den Hauptrollen. Das Oscar-gekrönte Werk hat es seinerzeit auch in die hiesigen Kinos geschafft und die DVD ist nach wie erwerbbar.
Meine aktuelle Lektüre trägt den vielversprechenden Titel „The Scent of Scandal“ und handelt von Gier, Betrug und der angeblich schönsten Orchidee der Welt. Schon im Prolog heisst es, dass bereits Adam und Eva bezeugen können, dass im schönsten Garten irgendwo eine Schlange steckt. Wer ist hier die Schlange? Am Anfang der Geschichte steht der Kauf einer unbekannten, grossblumigen Frauenschuh-Orchidee im Jahr 2002. „Tatort“ ist ein kleiner Stand an einer Strasse in Peru, das Objekt ein Frauenschuh mit purpurfarbener Blüte in der Grösse einer Männerhand, Verkäufer ein Einheimischer, Käufer der amerikanische Orchideensammler Michael Kovach. Oder waren es drei Pflanzen, die den Besitzer wechselten? Schon gehen die Aussagen und Meinungen auseinander.
Ebenfalls am Anfang steht ein Wettrennen um die erste offizielle botanische Beschreibung dieser Orchidee und die Namensgebung. Das ganze Buch samt Anklage und Prozess dreht sich darum, ob die Pflanze illegal aus Peru aus- und in die Vereinigten Staaten eingeführt worden ist oder doch nicht. Und ob dies wissentlich oder unwissentlich geschehen ist und ob sich die Mitarbeiter und die zunächst nicht eingeweihte Leiterin eines botanischen Gartens in Florida strafbar gemacht haben. Ein weiterer Streitpunkt ist, ob die Orchidee Phragmipedium kovachii heissen darf oder Phragmipedium peruvianum heissen soll. Dann geht es um die Schwierigkeiten, eine nicht blühende Orchidee eindeutig zu identifizieren und Richter und Staatsanwälte von der Wichtigkeit zu überzeugen, konsequent und mit dem nötigen Ernst gegen Pflanzenschmuggel vorzugehen. Als Leserin ist einem nicht immer ganz klar, wer hier die Guten und wer die Bösen sind. Eine Herausforderung ist auch das Einordnen von Informationen: handelt es sich um Gerüchte, Fakten oder Spekulationen?
Eingebettet in die Chronik erfährt der Leser immer wieder Interessantes aus der Pflanzenwelt - etwa über heimtückische Pflanzenjäger, über die grösste Orchideenschau der Vereinigten Staaten, die jeden Frühling auf einem offenen Feld ausserhalb von Miami stattfindet und zwischen acht- und zehntausend Besucher aus aller Welt anzieht, und über im Internet offen angebotene illegale Orchideen (eine Form von „sans-papiers“), die in ihren Verpackungen als „Kinderkleider“ oder „Spielwaren“ deklariert auf den Weg zum Käufer und Sammler geschickt werden.
Die Publikation lässt den interessierten Leser hinter die Kulissen in die die legalen, halblegalen und illegalen Seiten des Orchideenhandels blicken. Auch von einem gewissermassen alten Bekannten ist wiederholt die Rede. Und zwar von Harold Koopowitz, von dem ich kürzlich hier ebenfalls ein Buch vorgestellt habe. Ob es sich bei der auf dem Buchcover abgebildeten Pflanze tatsächlich um die schönste Orchidee der Welt handelt, sei dahingestellt und muss jeder für sich selber entscheiden. Falls Sie aber Bücher über Betrug, Verrat und Gier im Reich der Botanik schätzen, hier der Link zu einer weiteren solchen Publikation (nicht über Orchideen) von Karl Sabbagh mit dem Titel „The Rum Affair“. Dieses Buch habe ich vor Jahren gelesen und wollte hier im Blog längst einmal darüber schreiben. Da ich in absehbarer Zeit nicht dazu komme, verlinke ich zu einer englischen Rezension. Mit „Rum“ ist hier übrigens nicht das alkoholische Getränk, sondern eine schottische Insel gemeint.
Craig Pittman:
The Scent of Scandal – Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid
University Press of Florida, 2012
17. August 2014
Jürgen Feder: Feders fabelhafte Pflanzenwelt
Pflanzenjäger und Hobbybotaniker müssen gar nicht weit reisen, um interessante Pflanzen zu entdecken. Falls es noch einen schriftlichen Beweis für diese Tatsache gebraucht hat, legt Jürgen Feder diesen mit seiner Publikation „Feders fabelhafte Pflanzenwelt“ vor. Ausserhalb von gepflegten Hecken, am Wegrand, an Ufern von Tümpeln oder entlang von Autobahnen finden sich Pflanzen, die gemeinhin oft als Unkraut definiert werden und deren Reiz und Besonderheit erst bei genauerem Hinsehen oder auf den zweiten Blick erkennbar ist.
Begleiten Sie den leidenschaftlichen, naturverbundenen Landespfleger Jürgen Feder auf seinen Touren und lassen Sie sich von seiner Begeisterung für die (neu-)heimische Flora anstecken. Und vielleicht schauen auch Sie in Zukunft genauer zwischen Mauerspalten und Fugen und entdecken dort oder anderen unwirtlichen Stellen interessante Gewächse, die den schwierigen Bedingungen trotzen. Schliesslich ist genau dies das Ziel des Autors: mit seinen Texten und Fotos Eigeninitiative zu wecken und dass dieser neugewonnene Tatendrang dann weitertragen und verbreitet wird.
Welche Pflanze liebt es, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht, mit welchem Gewächs lässt sich Wolle rot färben und welches Grünzeug bezeichnet der Autor als Zeitbombe, deren Blühzeit meist verpasst wird? Welche Alleskönner wachsen auf salzigen Böden, in Hitze und Staub? Wer bevorzugt Quellnässe und worum handelt es sich bei Mumienbotanik? Die Antworten sind im Buch nachzulesen und daneben erfährt der interessierte Leser von Pflanzen, die nach Schweinebratensauce riechen und von solchen, die den Botaniker und Farnliebhaber vor Verzückung fast vom Velo fallen lassen. Überhaupt ist seine Tätigkeit oft nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. Einmal ist er beim Zählen von Farnen von einer feuchten Ziegelmauer abgerutscht, worauf sich eine Zaunspitze gefährlich tief in seine Brust gebohrt hat.
Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kann der Autor bei Vorkommen von grossen Mengen von Vogelkot schöne Pflanzenarten ausschliessen und er weiss, dass die Teichrand-Flora im Mai nicht viel zu bieten hat und erst im Sommer nach Aufwärmung des Gewässers ein genauer Blick lohnenswert ist. Sein Jagdgebiet schliesst aber auch unordentliche Hinterhöfe, ölverschmierte Gleisflächen, Strassenbahndepots und Orte, wo Müll liegen bleibt, ein. Und der genügsame, konsequent sparsame Pflanzenfreund gibt preis, warum ausgerechnet er Militärplätzen etwas Positives abgewinnen kann.
Jürgen Feder ist meistens zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs. Gleich zu Beginn der Lektüre verrät er, weshalb seine linke Hals- und Nackenmuskulatur viel stärker ausgebildet ist als jene auf der rechten Seite. Nämlich vom ständigen nach-rechts-Schauen beim Velofahren. Rastlos ist er auf der Suche nach gefährdeten Pflanzen, dabei alle Sinne einsetzend und gleichzeitig oft die eigenen körperlichen Leistungsgrenzen ignorierend. Nicht immer ist er erwünscht und wird freudig begrüsst, doch ist er nicht um gepfefferte Koseworte verlegen. Selber wütend wird er bei Begegnung mit Frevlern. Gefährliche Begegnungen gibt es sowohl mit Zwei- als auch mit Vierbeinern; geschildert wird auch eine mit einer Wildsau samt Frischlingen.
Der Autor schläft oft draussen oder sucht Unterschlupf in ehemaligen Bahnhöfen, auf Friedhöfen oder in offenen Kapellen. Seine Exkursionen führen in weit herum – nach Rom, Moskau und Jerusalem. Damit sind aber nicht die bekannten Städte gemeint, sondern Orte in Mecklenburg-Vorpommern oder im Landkreis Cuxhaven.
Die Laiin staunt angesichts dieser enormen botanischen Wissensfülle. Des Profis Begründung: Pflanzen sind wie Freunde oder Familie, die man sofort erkennt. Die illustrierten Pflanzenportraits werden komplettiert durch einen Anhang mit Glossar, Literaturhinweisen und einem Register. Wer den engagierten Autor in Aktion erleben will, googelt seinen Namen und findet Aufzeichnungen von TV-Beiträgen und anderen Produktionen auf dem Videoportal YouTube.
Jürgen Feder:
Feders fabelhafte Pflanzenwelt – Auf Entdeckungstour mit einem Extrembotaniker
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2014
Begleiten Sie den leidenschaftlichen, naturverbundenen Landespfleger Jürgen Feder auf seinen Touren und lassen Sie sich von seiner Begeisterung für die (neu-)heimische Flora anstecken. Und vielleicht schauen auch Sie in Zukunft genauer zwischen Mauerspalten und Fugen und entdecken dort oder anderen unwirtlichen Stellen interessante Gewächse, die den schwierigen Bedingungen trotzen. Schliesslich ist genau dies das Ziel des Autors: mit seinen Texten und Fotos Eigeninitiative zu wecken und dass dieser neugewonnene Tatendrang dann weitertragen und verbreitet wird.
Welche Pflanze liebt es, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht, mit welchem Gewächs lässt sich Wolle rot färben und welches Grünzeug bezeichnet der Autor als Zeitbombe, deren Blühzeit meist verpasst wird? Welche Alleskönner wachsen auf salzigen Böden, in Hitze und Staub? Wer bevorzugt Quellnässe und worum handelt es sich bei Mumienbotanik? Die Antworten sind im Buch nachzulesen und daneben erfährt der interessierte Leser von Pflanzen, die nach Schweinebratensauce riechen und von solchen, die den Botaniker und Farnliebhaber vor Verzückung fast vom Velo fallen lassen. Überhaupt ist seine Tätigkeit oft nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. Einmal ist er beim Zählen von Farnen von einer feuchten Ziegelmauer abgerutscht, worauf sich eine Zaunspitze gefährlich tief in seine Brust gebohrt hat.
Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kann der Autor bei Vorkommen von grossen Mengen von Vogelkot schöne Pflanzenarten ausschliessen und er weiss, dass die Teichrand-Flora im Mai nicht viel zu bieten hat und erst im Sommer nach Aufwärmung des Gewässers ein genauer Blick lohnenswert ist. Sein Jagdgebiet schliesst aber auch unordentliche Hinterhöfe, ölverschmierte Gleisflächen, Strassenbahndepots und Orte, wo Müll liegen bleibt, ein. Und der genügsame, konsequent sparsame Pflanzenfreund gibt preis, warum ausgerechnet er Militärplätzen etwas Positives abgewinnen kann.
Jürgen Feder ist meistens zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs. Gleich zu Beginn der Lektüre verrät er, weshalb seine linke Hals- und Nackenmuskulatur viel stärker ausgebildet ist als jene auf der rechten Seite. Nämlich vom ständigen nach-rechts-Schauen beim Velofahren. Rastlos ist er auf der Suche nach gefährdeten Pflanzen, dabei alle Sinne einsetzend und gleichzeitig oft die eigenen körperlichen Leistungsgrenzen ignorierend. Nicht immer ist er erwünscht und wird freudig begrüsst, doch ist er nicht um gepfefferte Koseworte verlegen. Selber wütend wird er bei Begegnung mit Frevlern. Gefährliche Begegnungen gibt es sowohl mit Zwei- als auch mit Vierbeinern; geschildert wird auch eine mit einer Wildsau samt Frischlingen.
Der Autor schläft oft draussen oder sucht Unterschlupf in ehemaligen Bahnhöfen, auf Friedhöfen oder in offenen Kapellen. Seine Exkursionen führen in weit herum – nach Rom, Moskau und Jerusalem. Damit sind aber nicht die bekannten Städte gemeint, sondern Orte in Mecklenburg-Vorpommern oder im Landkreis Cuxhaven.
Die Laiin staunt angesichts dieser enormen botanischen Wissensfülle. Des Profis Begründung: Pflanzen sind wie Freunde oder Familie, die man sofort erkennt. Die illustrierten Pflanzenportraits werden komplettiert durch einen Anhang mit Glossar, Literaturhinweisen und einem Register. Wer den engagierten Autor in Aktion erleben will, googelt seinen Namen und findet Aufzeichnungen von TV-Beiträgen und anderen Produktionen auf dem Videoportal YouTube.
Jürgen Feder:
Feders fabelhafte Pflanzenwelt – Auf Entdeckungstour mit einem Extrembotaniker
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2014
19. Juli 2014
Catrin Barnsteiner: Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung
Wiederholt lieferte dieses Buch von Catrin Barnsteiner beim Googeln nach Stichworten wie „Garten“ und „Gärtner“ am meisten Treffer, so dass ich es mir im letzten Herbst nach wochenlangem Zögern und obwohl mir der Titel überhaupt nicht gefällt und ich betreffend des Inhalts Zweifel hatte (will ich meine freie Lesezeit in berufswandte Themen investieren?) schliesslich doch zugelegt habe. Nach der Lektüre blieb ich mit zwiespältigen Eindrücken zurück. Hier zum Inhalt:
Im Roman „Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung“ prallen zwei gänzlich unterschiedliche Welten aufeinander. Der stets korrekte, sich penibel an alle Regeln und Gesetze haltende Finanzbeamte Fred Eisenbogen und die chaotisch veranlagte Gärtnerin Sandra Schläpple. Deren Vater war bis zur Pensionierung während Jahrzehnten ebenfalls als Betriebsprüfer tätig. Trotzdem oder gerade deshalb findet die ganze Familie Schläpple an einem ganz speziellen Spiel grossen Spass, das mit viel Enthusiasmus regelrecht zelebriert wird. Regelmässig werden Privatquittungen von sämtlichen Auslagen gesammelt und kommen in einen Topf, aus dem dann Zettel gezogen werden. Wer den originellsten einigermassen plausiblen Grund für einen möglichen Steuerabzug liefert und die Hürden umgeht, die einen als Spielverderber ausweisen, kriegt die Quittung und darf die Auslage auf der nächsten Steuererklärung geltend machen. Eine Idee ist etwa, den Rasenmäher als Dienstwagen auszugeben.
Sandra verdient ihre Brötchen als selbständige Gärtnerin und ist mit ihrer mobilen Gärtnerei zu ihren Kunden unterwegs. Sie träumt von einem eigenen Gewächshaus, um dort verbotene Unkräuter zu züchten. Privat ist sie mit dem Architekten Gerry liiert, der einen sehr strengen Geschmack hat und sich überhaupt recht intolerant aufführt. Fred seinerseits teilt seine dunklen Locken streng durch einen akkuraten Beamtenscheitel und entlarvt jeden potentiellen Steuerbetrüger. So ist er etwa auch im Baumarkt bestrebt, keine Quittungen liegenzulassen, die dann missbräuchlich verwendet werden könnten. Er braucht Sicherheit und liebt Vordrucke und Paragraphen. Höchstes Ziel ist die Vermeidung von Fehlern (wer weiss, ob es eine zweite Chance gibt?) und er korrigiert sogar seine eigenen Fehler auf von ihm verfassten Glückwunschkarten mit dem Rotstift.
Doch wie lernen sich Fräulein Chaos und Herr Korrekt überhaupt kennen? Am einem späten Abend kurz nach oder vor Schalterschluss (Ansichtssache) um 22.00 Uhr in der Post rettet Fred Sandra, die unbedingt ihre Steuererklärung noch auf den letzten Drücker fristgerecht abstempeln lassen und fortschicken will. Dank dieser kurzen Begegnung interessiert sich Fred endlich wieder für eine Frau und um sich selber vorteilhafter darzustellen, gibt er sich als Archäologe aus. Der Zufall will es, dass Fred ausgerechnet bei Sandra Schläpple aufgrund eines anonymen Hinweises eine Betriebsprüfung durchführen muss. Und während Sandras Vater die Steuerprüfung wie eine Schlacht vorbereitet, räumt der aufgeregte Beamte Fred seinen Schreibtisch auf und spült daheim Geschirr, das längst sauber ist.
Hortikulturelles ist trotz dem Beruf von Sandra eher Mangelware, dafür geht es immer wieder um eine Fehde zwischen Böblingen und Sindelfingen und um Finanzamtwitze. Das Buch liest sich zwar gut, aber irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas.
Mit diesem Post verabschiede ich mich in die Sommerpause. Endlich habe ich hiermit alle längst fertig vorbereiteten Buchvorstellungen der letztjährigen (!) Urlaubslektüre online gestellt und es warten nunmehr aktuell gelesene Titel auf die Veröffentlichtung ab Mitte August. Wenn mich ein Buch nicht völlig überzeugt, rutscht es nämlich bei der Terminplanung fortlaufend weiter nach hinten, während interessantere Publikationen vorgezogen werden.
Sobald auch alle anderen"Pendenzen" abgearbeitet sind bzw. die bereits heute nur auf einen Knopfdruck wartenden Posts auch online gestellt sind, wird es hier im Sofagarten ruhig werden. Da ich im September mit einer zweijährigen Weiterbildung beginne, bleibt voraussichtlich keine Zeit mehr zum Sofagärtnern und zum Bloggen. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und werde mir ganz sicher die Zeit nehmen, Stefan Leszkos neues Büchlein "Was Sie schon immer über Gärtner wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" (erscheint im September 2014) zu lesen und vielleicht mit weiteren längst notierten, aber nie online gestellten "Müsterlis" von unserer Gartenumgestaltung anno 2012 hier vorzustellen.
Catrin Barnsteiner:
Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung
Bloomsbury/Berlin Verlag, 2013
Im Roman „Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung“ prallen zwei gänzlich unterschiedliche Welten aufeinander. Der stets korrekte, sich penibel an alle Regeln und Gesetze haltende Finanzbeamte Fred Eisenbogen und die chaotisch veranlagte Gärtnerin Sandra Schläpple. Deren Vater war bis zur Pensionierung während Jahrzehnten ebenfalls als Betriebsprüfer tätig. Trotzdem oder gerade deshalb findet die ganze Familie Schläpple an einem ganz speziellen Spiel grossen Spass, das mit viel Enthusiasmus regelrecht zelebriert wird. Regelmässig werden Privatquittungen von sämtlichen Auslagen gesammelt und kommen in einen Topf, aus dem dann Zettel gezogen werden. Wer den originellsten einigermassen plausiblen Grund für einen möglichen Steuerabzug liefert und die Hürden umgeht, die einen als Spielverderber ausweisen, kriegt die Quittung und darf die Auslage auf der nächsten Steuererklärung geltend machen. Eine Idee ist etwa, den Rasenmäher als Dienstwagen auszugeben.
Sandra verdient ihre Brötchen als selbständige Gärtnerin und ist mit ihrer mobilen Gärtnerei zu ihren Kunden unterwegs. Sie träumt von einem eigenen Gewächshaus, um dort verbotene Unkräuter zu züchten. Privat ist sie mit dem Architekten Gerry liiert, der einen sehr strengen Geschmack hat und sich überhaupt recht intolerant aufführt. Fred seinerseits teilt seine dunklen Locken streng durch einen akkuraten Beamtenscheitel und entlarvt jeden potentiellen Steuerbetrüger. So ist er etwa auch im Baumarkt bestrebt, keine Quittungen liegenzulassen, die dann missbräuchlich verwendet werden könnten. Er braucht Sicherheit und liebt Vordrucke und Paragraphen. Höchstes Ziel ist die Vermeidung von Fehlern (wer weiss, ob es eine zweite Chance gibt?) und er korrigiert sogar seine eigenen Fehler auf von ihm verfassten Glückwunschkarten mit dem Rotstift.
Doch wie lernen sich Fräulein Chaos und Herr Korrekt überhaupt kennen? Am einem späten Abend kurz nach oder vor Schalterschluss (Ansichtssache) um 22.00 Uhr in der Post rettet Fred Sandra, die unbedingt ihre Steuererklärung noch auf den letzten Drücker fristgerecht abstempeln lassen und fortschicken will. Dank dieser kurzen Begegnung interessiert sich Fred endlich wieder für eine Frau und um sich selber vorteilhafter darzustellen, gibt er sich als Archäologe aus. Der Zufall will es, dass Fred ausgerechnet bei Sandra Schläpple aufgrund eines anonymen Hinweises eine Betriebsprüfung durchführen muss. Und während Sandras Vater die Steuerprüfung wie eine Schlacht vorbereitet, räumt der aufgeregte Beamte Fred seinen Schreibtisch auf und spült daheim Geschirr, das längst sauber ist.
Hortikulturelles ist trotz dem Beruf von Sandra eher Mangelware, dafür geht es immer wieder um eine Fehde zwischen Böblingen und Sindelfingen und um Finanzamtwitze. Das Buch liest sich zwar gut, aber irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas.
Mit diesem Post verabschiede ich mich in die Sommerpause. Endlich habe ich hiermit alle längst fertig vorbereiteten Buchvorstellungen der letztjährigen (!) Urlaubslektüre online gestellt und es warten nunmehr aktuell gelesene Titel auf die Veröffentlichtung ab Mitte August. Wenn mich ein Buch nicht völlig überzeugt, rutscht es nämlich bei der Terminplanung fortlaufend weiter nach hinten, während interessantere Publikationen vorgezogen werden.
Sobald auch alle anderen"Pendenzen" abgearbeitet sind bzw. die bereits heute nur auf einen Knopfdruck wartenden Posts auch online gestellt sind, wird es hier im Sofagarten ruhig werden. Da ich im September mit einer zweijährigen Weiterbildung beginne, bleibt voraussichtlich keine Zeit mehr zum Sofagärtnern und zum Bloggen. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und werde mir ganz sicher die Zeit nehmen, Stefan Leszkos neues Büchlein "Was Sie schon immer über Gärtner wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" (erscheint im September 2014) zu lesen und vielleicht mit weiteren längst notierten, aber nie online gestellten "Müsterlis" von unserer Gartenumgestaltung anno 2012 hier vorzustellen.
Catrin Barnsteiner:
Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung
Bloomsbury/Berlin Verlag, 2013
15. Juli 2014
Zuletzt ausgelesen: Simone Ehrhardt – Der Mörder ist manchmal der Gärtner
Auf Simone Ehrhardt bin ich durch ihren früheren Blog „Krimigarten – Gartenkrimi“ (inzwischen zusammengelegt mit "Crimelady's Notes") gestossen und habe irgendwann festgestellt, dass ich schon längere Zeit ein ungelesenes Buch von ihr herumliegen habe. Inzwischen weiss ich endlich, ob der Gärtner tatsächlich der Mörder ist oder eben doch nicht, wie der Buchtitel so schön suggeriert - aber nun mal schön der Reihe nach.
Penelope Blank, eine kreative Schreiberin, die mehr oder weniger erfolgreich Romane verfasst, hat mit zwei älteren Damen einen Tagesausflug in den Zoo unternommen. Ziemlich entsetzt muss sie bei der Rückkehr feststellen, dass eine der beiden Frauen nicht wie angenommen tief und fest schläft, sondern gestorben ist. Wie sich erweist, ist sie nicht einfach sanft entschlafen. Nein, ihrem Leben wurde ein gewaltsames Ende gesetzt.
Und plötzlich steht die zweite ältere Frau vom Zooausflug, eine Nachbarin von Penelope, unter Mordverdacht. Da Penelope schon mehrfach erfolgreich ähnliche Fälle aufgelöst hat, wird sie mit der Bitte konfrontiert, ihre einschlägigen Erfahrungen einem weiteren Praxistest zu unterziehen. Hilfreich ist dabei der regelmässige Austausch mit ihrem künftigen Ehemann, dem Kommissar Peter Wilson.
Eigentlich hätte Penelope auch ohne private Mordermittlungen genug um die Ohren. Sie heiratet nämlich in drei Wochen und die ganze Hochzeitsfeier ist noch zu organisieren. Kurzerhand delegiert sie etliche Aufgaben an Mitglieder ihrer Kirchgemeinde und findet zwischen dem Anprobieren von Hochzeitskleidern und der Planung der Hochzeitsreise Zeit, sich an die Fersen des Mörders zu heften, den sie schliesslich (Zitat vom Umschlag) „mit Grips und Gottes Hilfe“ zur Strecke bringt.
In hortikultureller Sicht sind Penelopes Eltern etwas aktiv, die sich in deren Garten engagieren und Kleingehölze radikal zurückschneiden und dermassen rigoros aufräumen, dass ein Vogelbad zum Vorschein kommt, von dessen Existenz die Besitzerin gar nichts wusste. Die Schriftstellerin (die aus dem Buch) selber ist gärtnerisch nicht speziell interessiert und muss erfahren, dass es sich bei der von ihr geschätzten Kletterpflanze um ein tief wurzelndes Unkraut hält. Verraten sei auch noch, dass der Haupterbe Gärtner ist und die Autorin Simone Ehrhardt die Ich-Erzählerin und die Leserin nicht auf direktem Weg zur Lösung des Kriminalfalls führt.
Simone Ehrhardt:
Der Mörder ist manchmal der Gärtner
Books on Demand, 2011
Penelope Blank, eine kreative Schreiberin, die mehr oder weniger erfolgreich Romane verfasst, hat mit zwei älteren Damen einen Tagesausflug in den Zoo unternommen. Ziemlich entsetzt muss sie bei der Rückkehr feststellen, dass eine der beiden Frauen nicht wie angenommen tief und fest schläft, sondern gestorben ist. Wie sich erweist, ist sie nicht einfach sanft entschlafen. Nein, ihrem Leben wurde ein gewaltsames Ende gesetzt.
Und plötzlich steht die zweite ältere Frau vom Zooausflug, eine Nachbarin von Penelope, unter Mordverdacht. Da Penelope schon mehrfach erfolgreich ähnliche Fälle aufgelöst hat, wird sie mit der Bitte konfrontiert, ihre einschlägigen Erfahrungen einem weiteren Praxistest zu unterziehen. Hilfreich ist dabei der regelmässige Austausch mit ihrem künftigen Ehemann, dem Kommissar Peter Wilson.
Eigentlich hätte Penelope auch ohne private Mordermittlungen genug um die Ohren. Sie heiratet nämlich in drei Wochen und die ganze Hochzeitsfeier ist noch zu organisieren. Kurzerhand delegiert sie etliche Aufgaben an Mitglieder ihrer Kirchgemeinde und findet zwischen dem Anprobieren von Hochzeitskleidern und der Planung der Hochzeitsreise Zeit, sich an die Fersen des Mörders zu heften, den sie schliesslich (Zitat vom Umschlag) „mit Grips und Gottes Hilfe“ zur Strecke bringt.
In hortikultureller Sicht sind Penelopes Eltern etwas aktiv, die sich in deren Garten engagieren und Kleingehölze radikal zurückschneiden und dermassen rigoros aufräumen, dass ein Vogelbad zum Vorschein kommt, von dessen Existenz die Besitzerin gar nichts wusste. Die Schriftstellerin (die aus dem Buch) selber ist gärtnerisch nicht speziell interessiert und muss erfahren, dass es sich bei der von ihr geschätzten Kletterpflanze um ein tief wurzelndes Unkraut hält. Verraten sei auch noch, dass der Haupterbe Gärtner ist und die Autorin Simone Ehrhardt die Ich-Erzählerin und die Leserin nicht auf direktem Weg zur Lösung des Kriminalfalls führt.
Simone Ehrhardt:
Der Mörder ist manchmal der Gärtner
Books on Demand, 2011
11. Juli 2014
Sam Baker: Die besten Freunde meines Lebens
Als die junge Mutter Nicci den Kampf gegen den Brustkrebs verliert, vermacht sie ihn Abschiedsbriefen ihren drei besten Freundinnen Lizzie, Jo und Mona nicht nur ihren Garten, sondern auch die Zwillingstöchter und ihren Mann. Lizzie hat mit der Patenschaft für den Garten die scheinbar einfachste Aufgabe zugeteilt bekommen. Was sich in der Clique alles ereignet zwischen der Übernahme des krankheitsbedingt vernachlässigten Gartens, einem zwischenzeitlichen Aufblühen desselben und einer weiteren Verwilderung nach fast fünfhundert Romanseiten schildert Sam Baker in ihrem berührenden Roman „Die besten Freunde meines Lebens“.
Nicci war immer die erste (oder andere erste Male zählen eben nicht): beim Heiraten, beim Kinderkriegen und nun auch beim Sterben. Den Lebensinhalt der 150 cm kleinen Frau bildeten neben ihrer Familie modische Kleider. Ihren untrüglichen Fashion-Geschmack hat sie mit ins Grab genommen und wie sich herausstellt auch das eine oder andere Familiengeheimnis. Sechzehn Jahre war sie mit ihrem Mann David zusammen und fast gleich lange ging sie mit ihren besten Freundinnen durch dick und dünn und ein Wochenende ohne gemeinsamen Sonntagsbraten wäre kein richtiger Sonntag gewesen.
Der viel zu frühe Tod von Nicci lähmt ihre Freundinnen und auch die grotesken Briefe tragen nicht zur Vereinfachung bei. Was wollte sie mit diesem scheinbar sinnlosen Vermächtnis bezwecken? Doch schon allein wegen ihrer gemeinsamen Aufgabe, die vielen autobiografisch geordneten Kleiderschränke zu räumen, müssen die zurückgebliebenen drei Frauen als sogenanntes „Verscherbler-Bewahrer-Spenderinnen-Komitee“ funktionieren und sich regelmässig treffen. Bei diesem Schrank-Ausräumen bekommt die Leserin Einblick in weit zurückliegende Ereignisse und die dazu passenden Klamotten.
Und schon bald beginnt die unglücklich verheiratete Lizzie, Gartenbücher zu studieren. Zunächst fühlt sie sich mit ihrer Aufgabe überfordert und ist mit belastenden Erinnerungen an ein gepflegtes Gemüsebeet, einen bunten Garten, ein Wigwam aus Bohnenstangen und ein Flammenmeer aus Chrysanthemen behaftet, doch wider Erwarten bekommt sie dank angelesener Unterstützung von Alan Titchmarsh sogar Spass am Gärtnern. Bei dieser Tätigkeit kann sie ihren unerfüllten Kinderwunsch ebenso temporär bei Seite schieben wie die Sorgen um ihre demente Mutter.
Auch Mona, alleinerziehende Mutter und Geliebte eines verheirateten Mannes, bekundet Mühe mit dem ihr zugedachten Part. Sie soll nämlich den Witwer David heiraten. Da hat es Jo, die Zahlenjongleurin und Co-Geschäftspartnerin von Nicci, die sich bereits liebevoll um die beiden Söhne ihres Partners aus einer früheren Beziehung kümmert, einfacher. Ihr wurden die Zwillingsmädchen anvertraut.
Die Autorin hat überaus nachvollziehbare Charaktere geschaffen und die Abschiedsbriefe entpuppen sich als nicht ganz so absurd, wie zunächst allgemein vermutet wird. Die Zukunft und Gefühle lassen sich nicht steuern – oder doch? Sam Baker umschifft gekonnt Klippen, die dem Roman Glaubwürdigkeit genommen hätten, und so enden die harten Monate nach Niccis Tod mit vielen Ups and Downs in den Beziehungen zwischen diesen besten Freunden nicht überall mit einem Happyend, aber es sind Silberstreifen am Horizont auszumachen. Die Lektüre ist melancholisch und emotional, aber auch immer wieder witzig. Wie etwa dann, wenn es heisst, „Kohlenhydrate und Fett ölen den Motor häuslicher Harmonie“ (Zitat)….
Sam Baker:
Die besten Freunde meines Lebens
Diana Verlag, 2013
Nicci war immer die erste (oder andere erste Male zählen eben nicht): beim Heiraten, beim Kinderkriegen und nun auch beim Sterben. Den Lebensinhalt der 150 cm kleinen Frau bildeten neben ihrer Familie modische Kleider. Ihren untrüglichen Fashion-Geschmack hat sie mit ins Grab genommen und wie sich herausstellt auch das eine oder andere Familiengeheimnis. Sechzehn Jahre war sie mit ihrem Mann David zusammen und fast gleich lange ging sie mit ihren besten Freundinnen durch dick und dünn und ein Wochenende ohne gemeinsamen Sonntagsbraten wäre kein richtiger Sonntag gewesen.
Der viel zu frühe Tod von Nicci lähmt ihre Freundinnen und auch die grotesken Briefe tragen nicht zur Vereinfachung bei. Was wollte sie mit diesem scheinbar sinnlosen Vermächtnis bezwecken? Doch schon allein wegen ihrer gemeinsamen Aufgabe, die vielen autobiografisch geordneten Kleiderschränke zu räumen, müssen die zurückgebliebenen drei Frauen als sogenanntes „Verscherbler-Bewahrer-Spenderinnen-Komitee“ funktionieren und sich regelmässig treffen. Bei diesem Schrank-Ausräumen bekommt die Leserin Einblick in weit zurückliegende Ereignisse und die dazu passenden Klamotten.
Und schon bald beginnt die unglücklich verheiratete Lizzie, Gartenbücher zu studieren. Zunächst fühlt sie sich mit ihrer Aufgabe überfordert und ist mit belastenden Erinnerungen an ein gepflegtes Gemüsebeet, einen bunten Garten, ein Wigwam aus Bohnenstangen und ein Flammenmeer aus Chrysanthemen behaftet, doch wider Erwarten bekommt sie dank angelesener Unterstützung von Alan Titchmarsh sogar Spass am Gärtnern. Bei dieser Tätigkeit kann sie ihren unerfüllten Kinderwunsch ebenso temporär bei Seite schieben wie die Sorgen um ihre demente Mutter.
Auch Mona, alleinerziehende Mutter und Geliebte eines verheirateten Mannes, bekundet Mühe mit dem ihr zugedachten Part. Sie soll nämlich den Witwer David heiraten. Da hat es Jo, die Zahlenjongleurin und Co-Geschäftspartnerin von Nicci, die sich bereits liebevoll um die beiden Söhne ihres Partners aus einer früheren Beziehung kümmert, einfacher. Ihr wurden die Zwillingsmädchen anvertraut.
Die Autorin hat überaus nachvollziehbare Charaktere geschaffen und die Abschiedsbriefe entpuppen sich als nicht ganz so absurd, wie zunächst allgemein vermutet wird. Die Zukunft und Gefühle lassen sich nicht steuern – oder doch? Sam Baker umschifft gekonnt Klippen, die dem Roman Glaubwürdigkeit genommen hätten, und so enden die harten Monate nach Niccis Tod mit vielen Ups and Downs in den Beziehungen zwischen diesen besten Freunden nicht überall mit einem Happyend, aber es sind Silberstreifen am Horizont auszumachen. Die Lektüre ist melancholisch und emotional, aber auch immer wieder witzig. Wie etwa dann, wenn es heisst, „Kohlenhydrate und Fett ölen den Motor häuslicher Harmonie“ (Zitat)….
Sam Baker:
Die besten Freunde meines Lebens
Diana Verlag, 2013
6. Juli 2014
Shannon Stacey: Ganz oder Kowalski
Eben aus dem Militär entlassen, hat Sean Kowalski noch keine konkreten Pläne, was er mit seiner Freiheit und Selbständigkeit anstellen, geschweige denn, wie seine Zukunft überhaupt aussehen soll. Da klopft eine ihm unbekannte Frau an die Türe seines Zimmers und stellt sich als Emma Shaw, seine falsche Verlobte vor. Sean hält seinen attraktiven Besuch, dem er nie zuvor begegnet ist, zwar für verrückt, hört sich aber dennoch seine Erklärungen an.
Emma ist nach dem frühen Tod ihrer Eltern von den Grosseltern aufgezogen worden. Seit einiger Zeit lebt ihre inzwischen verwitwete Grossmutter in Florida. Und statt das Leben zu geniessen, macht sie sich ständig Sorgen um ihre allein lebende Enkelin. Um sie zu beruhigen, hat Emma einen perfekten Lebenspartner erfunden. Dieser Schwindel hat tatäschlich vorübergehend seinen Zweck erfüllt, doch nun steht ein einmonatiger Besuch der Grossmutter bevor und die junge Gartengestalterin muss Farbe bekennen. Oder eben sie schafft es, ihren angeblichen Verlobten Sean zu überzeugen, einen Monat bei ihrer Lüge aus Liebe mitzuspielen.
Sean lässt sich nach einer ersten spontanen Ablehnung auf das Unterfangen ein. Als Lohn für seine Teilnahme am Experiment springt für ihn ein Job auf Zeit in Emmas Betrieb „Landschafts- und Gartengestaltung von Emma“ ein und im Schlafzimmer bekommt er das Bett, während seine langbeinige Auftraggeberin mit dem kurzen Sofa vorlieb nehmen muss.
Die beiden versuchen, sich in zwei, drei Tagen miteinander vertraut zu machen und eine gemeinsame Vergangenheit zu konstruieren. In dieser kurzen Zeit ist es jedoch unmöglich, sich ein genaues Bild über die Vorlieben und Abneigungen des anderen zu machen und so hat Emmas Grossmutter schon als sie auf dem Flughafen von dem angeblichen Verlobungspaar abgeholt wird den Eindruck, dass in der Beziehung zwischen den beiden etwas nicht stimmen kann, lässt sich aber nichts anmerken.
Wenn Emma nervös ist, putzt sie wie verrückt. Und sie putzt viel in diesen Wochen. Denn während die beiden falschen Verlobten sich gezwungenermassen immer besser kennen lernen, steigt parallel die körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen. Und Sean ist nicht nur dem Gespött seiner Cousins ausgesetzt, sondern als Wettobjekt auch den indiskreten Fragen seiner Brüder.
Nebenbei erfährt die hortikulturell interessierte Leserin, dass sich die körperlich schwer arbeitende Emma gerne auf die Gestaltung von Gärten konzentrieren und fürs Grobe jemanden einstellen möchte. Vorläufig muss sie sich aber selber mit schwarzem und goldenem Mulch und Akzentbeleuchtungen herumschlagen und versucht Sean zu erklären, dass der Kunde immer König ist und sein Wunsch Befehl. Auch wenn er einen Barfussweg mit ungeeigneten Kieseln auslegen will. Sean wiederum stellt schnell fest, dass er nicht sein ganzes Berufsleben mit dem Pflanzen von Blumen verbringen will und findet, der Name „Emma“ im Firmenlogo sei kontraproduktiv. Einig sind sich die beiden, dass ständig schwindeln und ein anderes Leben vorführen sehr anstrengend ist.
Shannon Stacey:
Ganz oder Kowalski
Mira Taschenbuch, 2013
Emma ist nach dem frühen Tod ihrer Eltern von den Grosseltern aufgezogen worden. Seit einiger Zeit lebt ihre inzwischen verwitwete Grossmutter in Florida. Und statt das Leben zu geniessen, macht sie sich ständig Sorgen um ihre allein lebende Enkelin. Um sie zu beruhigen, hat Emma einen perfekten Lebenspartner erfunden. Dieser Schwindel hat tatäschlich vorübergehend seinen Zweck erfüllt, doch nun steht ein einmonatiger Besuch der Grossmutter bevor und die junge Gartengestalterin muss Farbe bekennen. Oder eben sie schafft es, ihren angeblichen Verlobten Sean zu überzeugen, einen Monat bei ihrer Lüge aus Liebe mitzuspielen.
Sean lässt sich nach einer ersten spontanen Ablehnung auf das Unterfangen ein. Als Lohn für seine Teilnahme am Experiment springt für ihn ein Job auf Zeit in Emmas Betrieb „Landschafts- und Gartengestaltung von Emma“ ein und im Schlafzimmer bekommt er das Bett, während seine langbeinige Auftraggeberin mit dem kurzen Sofa vorlieb nehmen muss.
Die beiden versuchen, sich in zwei, drei Tagen miteinander vertraut zu machen und eine gemeinsame Vergangenheit zu konstruieren. In dieser kurzen Zeit ist es jedoch unmöglich, sich ein genaues Bild über die Vorlieben und Abneigungen des anderen zu machen und so hat Emmas Grossmutter schon als sie auf dem Flughafen von dem angeblichen Verlobungspaar abgeholt wird den Eindruck, dass in der Beziehung zwischen den beiden etwas nicht stimmen kann, lässt sich aber nichts anmerken.
Wenn Emma nervös ist, putzt sie wie verrückt. Und sie putzt viel in diesen Wochen. Denn während die beiden falschen Verlobten sich gezwungenermassen immer besser kennen lernen, steigt parallel die körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen. Und Sean ist nicht nur dem Gespött seiner Cousins ausgesetzt, sondern als Wettobjekt auch den indiskreten Fragen seiner Brüder.
Nebenbei erfährt die hortikulturell interessierte Leserin, dass sich die körperlich schwer arbeitende Emma gerne auf die Gestaltung von Gärten konzentrieren und fürs Grobe jemanden einstellen möchte. Vorläufig muss sie sich aber selber mit schwarzem und goldenem Mulch und Akzentbeleuchtungen herumschlagen und versucht Sean zu erklären, dass der Kunde immer König ist und sein Wunsch Befehl. Auch wenn er einen Barfussweg mit ungeeigneten Kieseln auslegen will. Sean wiederum stellt schnell fest, dass er nicht sein ganzes Berufsleben mit dem Pflanzen von Blumen verbringen will und findet, der Name „Emma“ im Firmenlogo sei kontraproduktiv. Einig sind sich die beiden, dass ständig schwindeln und ein anderes Leben vorführen sehr anstrengend ist.
Shannon Stacey:
Ganz oder Kowalski
Mira Taschenbuch, 2013
1. Juli 2014
Katie Crouch: Der Magnolienclub
Zufälligerweise habe ich in letzter Zeit gleich zwei sehr ähnliche Romane aus den Südstaaten gelesen. Beide werden von jungen mutterlosen Frauen in der Ich-Form erzählt und beide hat des nach dem Tod der Mutter dorthin verschlagen. Dennoch könnten die Inhalte fast nicht unterschiedlicher sein. Bei diesem Buch hier habe ich mich vor allem darüber geärgert, dass ich nicht vor der Lektüre bemerkt habe, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Erzählung handelt. Denn ich mag Bücher nicht besonders, wenn sie genau dann aufhören, wenn so etwas wie Spannung aufkommt. Letztere ebbt dann natürlich wieder ab in der monate- oder jahrelangen Wartezeit auf die Fortsetzung und wenn frau dazwischen Dutzende anderer Titel gelesen und durchlitten hat, ist der Inhalt des ersten Bandes längst in irgendwelchen Gehirnwindungen verschwunden. Und manchmal wartet man sogar vergebens auf die versprochene Fortsetzung, wie zum Beispiel bei den "Poison Diaries", wo sich die Autorin nach dem zweiten Band entschieden hat, kein drittes Buch mehr zu schreiben. Zum Inhalt:
Die 16jährige Alexandria Lee ist ohne Vater in einer Hippie-Kommune in Kalifornien aufgewachsen und hat schon als Kleinkind auf den Feldern mitgeholfen. Sie weiss alles über den organischen Anbau von Gemüse und einiges über die Herstellung und Verwendung von Naturheilmitteln. Nach dem Tod ihrer Mutter, die über ein umfangreiches Kräuterwissen verfügte und einen grossen Teil davon als Geheimnis hütete, wird Alex gezwungen, zu ihrer Grossmutter nach Savannah, Georgia, zu ziehen und sie muss ihren Freund zurücklassen. Nun gilt es die Regeln der Grossmutter zu befolgen und prioritär soll sie in den kleinen elitären Magnolien-Club eingeführt werden und sich an Weihnachten den Debütantinnen anschliessen.
Doch die umweltbewusste etwas pummelige Alex fühlt sich nicht wohl in diesem Kreis, es zieht sie zurück nach Mendocino. Sie haut ab und muss tief enttäuscht feststellen, dass dort das Leben auch ohne sie weitergegangen ist. Ihr Freund hat eine andere und der Kräutergarten der Mutter wurde komplett gerodet und musste Platz machen für eine besser rentierende Hanfplantage. Denn schliesslich müssen auch die Bewohner der Raincatcher-Farm ihre Steuern bezahlen und Oma Lee hat ja dafür gebürgt, dass die Drogenpolizei die Öko-Kommune in Ruhe lässt.
Alex kehrt also zurück zu ihrer Grossmutter und schickt sich in ihr neues Leben. Sie liest immer noch gerne und viel und sie fährt weiterhin viel Velo und lehnt sich gegen Geldverschwendung, Oberflächlichkeit, Klamotten und die Magnolien auf. Doch nach und nach entwickelt sie sich immer weiter weg von ihren früheren Prinzipien und eifert plötzlich selber irgendwelchen Schönheitsidealen nach. Zufällig findet sie ein Pendant vom Paradies-Garten ihrer Mutter und sie erfährt von den Buzzards, die Magie verkaufen, diese aber nur sehr beschränkt anwenden, während die Magnolien ohne sie nicht leben und herrschen können. Und es gibt jemanden, der sie mag, wie sich wirklich ist. Die echte Alex mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, Dreadlocken, wilder roter Mähne und nicht die herausgeputzte abgemagerte Magnolie. Doch ist die definitive Verwandlung der Hippie-Ziege in eine Magnolie noch zu stoppen?
Ein Jugendroman mit offenem Ende (Fortsetzung folgt) über Manipulation, Intrigen, Zauberrituale, schwarze Magie (Hoodo ist nicht gleich Voodo), Kontrolle und die Gestaltung des Lebensweges und die Suche nach den Hintergründen des Rätsels rund um eine besondere Halskette.
Katie Crouch:
Der Magnolienclub
Carl Hanser Verlag, 2013
Die 16jährige Alexandria Lee ist ohne Vater in einer Hippie-Kommune in Kalifornien aufgewachsen und hat schon als Kleinkind auf den Feldern mitgeholfen. Sie weiss alles über den organischen Anbau von Gemüse und einiges über die Herstellung und Verwendung von Naturheilmitteln. Nach dem Tod ihrer Mutter, die über ein umfangreiches Kräuterwissen verfügte und einen grossen Teil davon als Geheimnis hütete, wird Alex gezwungen, zu ihrer Grossmutter nach Savannah, Georgia, zu ziehen und sie muss ihren Freund zurücklassen. Nun gilt es die Regeln der Grossmutter zu befolgen und prioritär soll sie in den kleinen elitären Magnolien-Club eingeführt werden und sich an Weihnachten den Debütantinnen anschliessen.
Doch die umweltbewusste etwas pummelige Alex fühlt sich nicht wohl in diesem Kreis, es zieht sie zurück nach Mendocino. Sie haut ab und muss tief enttäuscht feststellen, dass dort das Leben auch ohne sie weitergegangen ist. Ihr Freund hat eine andere und der Kräutergarten der Mutter wurde komplett gerodet und musste Platz machen für eine besser rentierende Hanfplantage. Denn schliesslich müssen auch die Bewohner der Raincatcher-Farm ihre Steuern bezahlen und Oma Lee hat ja dafür gebürgt, dass die Drogenpolizei die Öko-Kommune in Ruhe lässt.
Alex kehrt also zurück zu ihrer Grossmutter und schickt sich in ihr neues Leben. Sie liest immer noch gerne und viel und sie fährt weiterhin viel Velo und lehnt sich gegen Geldverschwendung, Oberflächlichkeit, Klamotten und die Magnolien auf. Doch nach und nach entwickelt sie sich immer weiter weg von ihren früheren Prinzipien und eifert plötzlich selber irgendwelchen Schönheitsidealen nach. Zufällig findet sie ein Pendant vom Paradies-Garten ihrer Mutter und sie erfährt von den Buzzards, die Magie verkaufen, diese aber nur sehr beschränkt anwenden, während die Magnolien ohne sie nicht leben und herrschen können. Und es gibt jemanden, der sie mag, wie sich wirklich ist. Die echte Alex mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, Dreadlocken, wilder roter Mähne und nicht die herausgeputzte abgemagerte Magnolie. Doch ist die definitive Verwandlung der Hippie-Ziege in eine Magnolie noch zu stoppen?
Ein Jugendroman mit offenem Ende (Fortsetzung folgt) über Manipulation, Intrigen, Zauberrituale, schwarze Magie (Hoodo ist nicht gleich Voodo), Kontrolle und die Gestaltung des Lebensweges und die Suche nach den Hintergründen des Rätsels rund um eine besondere Halskette.
Katie Crouch:
Der Magnolienclub
Carl Hanser Verlag, 2013
28. Juni 2014
Zuletzt ausgelesen: Gerard Donovan – Winter in Maine
Viele Jahre hat Julius Winsome allein in den Wäldern von Maine gelebt, die aus unzähligen Kiefern, Eichen, Fichten, Tannen und Ahornbäumen zusammengesetzt sind. Im Sommer legt er jeweils am Rand der Lichtung ein Blumenbeet an und freut sich nicht nur an den gelben, lilafarbenen und dunkelroten Blüten, sondern auch an den herumflatternden Schmetterlingen. Seit einigen Jahren ist ein Pitbullterrier namens Hobbes sein treuer Gefährte.
Die Winter in Maine sind kalt, lang und schneereich. Während Julius Winsome im Sommer als Landschaftsgärtner und in einer Autowerkstatt arbeitet, verbringt er den Winter grösstenteils lesend in seiner abgelegenen Hütte, oft den ganzen Tag im Bett in Decken gehüllt. 3‘282 Bücher hat er von seinem Vater geerbt, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. Die Bücherreihen dienen gleichzeitig der Lektüre und der Isolation gegen die Kälte und für jeden Titel existiert eine Karteikarte mit Angaben zu Autor, Titel, Verlag, Jahrgang und einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und die nächsten Nachbarn wohnen rund fünf Kilometer entfernt.
Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem Ausflug zurück und sein Herrchen muss feststellen, dass er mit einer Schrotflinte erschossen worden ist. Der 51jährige Ich-Erzähler versucht erfolglos, mit Plakaten Hinweise auf den Täter zu erhalten. Hat der Tod des Hundes etwas mit jener Frau zu tun, die eines Tages vor seiner Hütte auftauchte und nur wenig später wieder aus seinem Leben verschwunden ist? Jedenfalls beginnt der Mann mit Prinzipien einen unvergleichlichen, erschreckenden Rachefeldzug, welcher die wenigen Tage vom 30. Oktober bis 2. November, der Nacht des 2. Novembers und vom 3. – 5. November umfassen.
Gerard Donovan:
Winter in Maine
btb Verlag, 2011
Die Winter in Maine sind kalt, lang und schneereich. Während Julius Winsome im Sommer als Landschaftsgärtner und in einer Autowerkstatt arbeitet, verbringt er den Winter grösstenteils lesend in seiner abgelegenen Hütte, oft den ganzen Tag im Bett in Decken gehüllt. 3‘282 Bücher hat er von seinem Vater geerbt, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. Die Bücherreihen dienen gleichzeitig der Lektüre und der Isolation gegen die Kälte und für jeden Titel existiert eine Karteikarte mit Angaben zu Autor, Titel, Verlag, Jahrgang und einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und die nächsten Nachbarn wohnen rund fünf Kilometer entfernt.
Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem Ausflug zurück und sein Herrchen muss feststellen, dass er mit einer Schrotflinte erschossen worden ist. Der 51jährige Ich-Erzähler versucht erfolglos, mit Plakaten Hinweise auf den Täter zu erhalten. Hat der Tod des Hundes etwas mit jener Frau zu tun, die eines Tages vor seiner Hütte auftauchte und nur wenig später wieder aus seinem Leben verschwunden ist? Jedenfalls beginnt der Mann mit Prinzipien einen unvergleichlichen, erschreckenden Rachefeldzug, welcher die wenigen Tage vom 30. Oktober bis 2. November, der Nacht des 2. Novembers und vom 3. – 5. November umfassen.
Gerard Donovan:
Winter in Maine
btb Verlag, 2011
24. Juni 2014
Harold Koopowitz: Orchid Tales
Der Botaniker und Orchideenspezialist Harald Koopowitz nimmt für diese Orchideengeschichten bekannte und weniger bekannte Begebenheiten aus Pflanzenjägerbiografien als Grundlage und bettet diese in einen passenden Rahmen. Die Erzählungen tragen Titel wie „Chocolate slippers“, „A Red Feather Night“, „Tea, Tigers and Spice“, „At the End of the Day“, „Mrs. Spicer’s Orchid“ und „A Known Fact“ und handeln von verschiedenen Orchideen wie etwa „Cattleya labiata“, „Vanda coerulea“ und „Vanilla planifolia“.
Die Vanille-Orchidee konnte lange Zeit nur an ihrem angestammten Ort angepflanzt werden, weil sie zur Bestäubung auf ganz spezielle Bienen- und Kolibriarten angewiesen ist. Im Jahr 1841 entdeckte schliesslich ein zwölfjähriger Sklave namens Edmond Albius auf der kleinen Insel Réunion im Indischen Ozean, wie die Gewürz-Vanille manuell bestäubt werden kann. Durch diese Entdeckung konnte die Pflanze gezielt vermehrt werden, was dem Land einen gewissen Wohlstand verschaffte. Diese Methode der Bestäubung wird auch heute noch angewendet.
In einer anderen Kurzgeschichte soll 1925 die sogenannte "Shakespeareana", die damals grösste private Sammlung in Europa, ins Ausland verkauft werden, um mit dem Erlös finanzielle Mittel für den Kauf von kostbaren Orchideen zu generieren. Da ein Export mit hohen Zollkosten verbunden ist, wurde die kostbare Büchersammlung mit einem Trick ausser Land geschafft.
Bei Harold Koopowitz ist es nicht Edmond Albius, sondern William, dem die folgenreiche Beobachtung des Ablaufs in der Bestäubung der Vanille-Orchidee gelingt. Denn in sämtlichen Kurzgeschichten spielt dieser William zusammen mit George, Matilda und Grosstante Bertha die Hauptrolle. Mal ist das Quartett mit Frank Kingdon-Ward auf der Suche nach grünem Gold in Asien unterwegs, mal leben sie im Wilden Westen, mal im Mittelalter und eine Erzählung führt die Vier sogar in die Zukunft.
Diese Kurzgeschichten sind vorab in der Zeitschrift „Orchid Digest“ erschienen und werden mit dieser Publikation nun als Sammlung einer grösseren Lesergemeinde zugänglich gemacht. Die Geschichten sind meistens spannend, aber ich empfand es als Leserin der Buchform befremdend, dass sämtliche Hauptrollen - egal, in welchem Jahrhundert diese spielen, und wo auf der Welt sie angesiedelt sind – immer durch die gleichen vier Charaktere eingenommen werden. Diese Tatsache ist wahrscheinlich weniger auffällig und störend, wenn man die Erzählungen in der periodisch erscheinenden Publikation „Orchid Digest“ liest.
Im Anschluss an jede Orchideen-Kurzgeschichte erläutert der Autor kurz die wichtigsten Details zu den tatsächlichen Fakten, auf denen diese beruht.
Harold Koopowitz:
Orchid Tales – The Adventures of George and Matilda, William and Great-Aunt Bertha
Orchid Digest Corporation, 2013
Die Vanille-Orchidee konnte lange Zeit nur an ihrem angestammten Ort angepflanzt werden, weil sie zur Bestäubung auf ganz spezielle Bienen- und Kolibriarten angewiesen ist. Im Jahr 1841 entdeckte schliesslich ein zwölfjähriger Sklave namens Edmond Albius auf der kleinen Insel Réunion im Indischen Ozean, wie die Gewürz-Vanille manuell bestäubt werden kann. Durch diese Entdeckung konnte die Pflanze gezielt vermehrt werden, was dem Land einen gewissen Wohlstand verschaffte. Diese Methode der Bestäubung wird auch heute noch angewendet.
In einer anderen Kurzgeschichte soll 1925 die sogenannte "Shakespeareana", die damals grösste private Sammlung in Europa, ins Ausland verkauft werden, um mit dem Erlös finanzielle Mittel für den Kauf von kostbaren Orchideen zu generieren. Da ein Export mit hohen Zollkosten verbunden ist, wurde die kostbare Büchersammlung mit einem Trick ausser Land geschafft.
Bei Harold Koopowitz ist es nicht Edmond Albius, sondern William, dem die folgenreiche Beobachtung des Ablaufs in der Bestäubung der Vanille-Orchidee gelingt. Denn in sämtlichen Kurzgeschichten spielt dieser William zusammen mit George, Matilda und Grosstante Bertha die Hauptrolle. Mal ist das Quartett mit Frank Kingdon-Ward auf der Suche nach grünem Gold in Asien unterwegs, mal leben sie im Wilden Westen, mal im Mittelalter und eine Erzählung führt die Vier sogar in die Zukunft.
Diese Kurzgeschichten sind vorab in der Zeitschrift „Orchid Digest“ erschienen und werden mit dieser Publikation nun als Sammlung einer grösseren Lesergemeinde zugänglich gemacht. Die Geschichten sind meistens spannend, aber ich empfand es als Leserin der Buchform befremdend, dass sämtliche Hauptrollen - egal, in welchem Jahrhundert diese spielen, und wo auf der Welt sie angesiedelt sind – immer durch die gleichen vier Charaktere eingenommen werden. Diese Tatsache ist wahrscheinlich weniger auffällig und störend, wenn man die Erzählungen in der periodisch erscheinenden Publikation „Orchid Digest“ liest.
Im Anschluss an jede Orchideen-Kurzgeschichte erläutert der Autor kurz die wichtigsten Details zu den tatsächlichen Fakten, auf denen diese beruht.
Harold Koopowitz:
Orchid Tales – The Adventures of George and Matilda, William and Great-Aunt Bertha
Orchid Digest Corporation, 2013
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