An ihrem (angenommenen) 18. Geburtstag kommt Victoria Jones in ein Übergangsheim. Statt sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen, legt sie in einem Park in San Francisco aus in Vorgärten, Spielplätzen und Schrebergärten ausgegrabenen Pflanzen einen Garten an und wird kurz darauf obdachlos, da sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Die Jahre davor ist die junge Frau zwischen Pflegefamilien und Waisenhäusern herum geschubst worden. Die bisher beste Zeit ihres Lebens hat sie als zehnjähriges Mädchen verbracht. Verschiedene Umstände haben aber die geplante Adoption durch Elisabeth verhindert. Die Sprache der Blumen aus dem viktorianischen Zeitalter ist neben einem Blumenbuch alles, was Victoria aus diesen Monaten geblieben ist – Erinnerungen an den einzigen Menschen, der sie bedingungslos geliebt hat.
Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben Victoria in eine zurückhaltende und schweigsame Frau verwandelt. In der Sprache der Blumen hat sie eine Kommunikationsform gefunden, die ihr entspricht. Jedoch eine ziemlich einseitige – wer kennt heutzutage schon noch die genaue Bedeutung von Erika (Einsamkeit), Geissblatt (Hingabe) oder Akazie (heimliche Liebe)? Doch eben diese Einseitigkeit vermittelt Veronica Sicherheit. Wenn nämlich niemand antwortet, sind weder Zurückweisungen noch Vertrautheit möglich.
Victorias florale Kenntnisse verschaffen ihr schliesslich eine Anstellung in einem Blumenladen und sie kann ihre Bleibe im Park unter Büschen durch eine Art Wohnschrank ersetzen, wo auch ihre wenigen Habseligkeiten, hauptsächlich botanische Bücher und viktorianische Gedichtbände, Schutz finden. Die blumigen Kunstwerke der jungen Frau entwickeln sich rasch vom Geheimtipp zum „must-have“. Und auf dem Blumengrossmarkt lernt Victoria einen Händler kennen, der ihre Sprache spricht. Mit Blumen werden Botschaften ausgetauscht. Gibt es für die junge Frau vielleicht doch eine Zukunft ohne Bindungsängste und mit viel Liebe?
Der Roman wird in parallel verlaufenden Erzählsträngen aus der Sicht des Mädchens Viktoria und der erwachsenen Victoria erzählt. Vanessa Diffenbaugh ist eine einfühlsame Geschichte über Mütter-Tochter-Verbindungen gelungen. Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter und Pflegemutter stehen für die Authentizität. Am Schluss des Buches ist „Victorias Wörterbuch der Blumen“ abgedruckt (nicht jede Blume hat in den verschiedenen existierenden Büchern über die Sprache der Blume dieselbe Bedeutung). Sehr lesenswert!
Vanessa Diffenbaugh:
Die verborgene Sprache der Blumen
Droemer Verlag, 2011
14. März 2011
10. März 2011
Greenprints per E-Letter
In den nächsten Tagen wird pünktlich zum Frühlingsbeginn die erste Ausgabe 2011 von „Greenprints“ im Briefkasten liegen. Die Seiten der quartalsweise erscheinenden Publikation von jenseits des Atlantiks sind mit gärtnerischen und blumigen Geschichten und dazu passenden Illustrationen bedruckt. Es geht nicht wie in den meisten anderen grünen Blättern um das How-To-Do, sondern um die menschlichen Aspekte beim Gärtnern. Hier habe ich „Greenprints“ schon einmal vorgestellt.
Anfang März ist nun der erste kostenlose E-Letter erschienen. Vorgesehen ist eine Ausgabe pro Monat. Neben einem Auszug aus Karel Capek’s „The Gardener’s Year“ ist auch ein Klassiker aus der „Greenprints“-Backlist vertreten: „My No-Grow Azaleas“. Des weiteren plaudert der Herausgeber Pat Stone über die Liebe zum Gärtnern.
Schauen Sie doch mal rein! Den kostenlosen E-Letter können Sie unter der Webseite "Greenprints" abonnieren.
Anfang März ist nun der erste kostenlose E-Letter erschienen. Vorgesehen ist eine Ausgabe pro Monat. Neben einem Auszug aus Karel Capek’s „The Gardener’s Year“ ist auch ein Klassiker aus der „Greenprints“-Backlist vertreten: „My No-Grow Azaleas“. Des weiteren plaudert der Herausgeber Pat Stone über die Liebe zum Gärtnern.
Schauen Sie doch mal rein! Den kostenlosen E-Letter können Sie unter der Webseite "Greenprints" abonnieren.
6. März 2011
Rosenduft und Liebeszauber
Was regelmässig im Radio angehörte Gartensendungen für Folgen haben können, lässt sich im Roman „Rosenduft und Liebeszauber“ von Julia Williams nachlesen. Wie die Autorin selber hört auch die junge Witwe Amy Nicholson regelmässig die Programme ihres Lieblingssenders.
Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes zieht Amy mit ihrem kleinen Sohn Josh nach Nevermorewell in Suffolk. Eine Erbschaft hat es ihr ermöglicht, ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen und nun möchte sie für sich und ihren Jungen auf dem Land eine neue Zukunft aufbauen. Mit dem Wegzug von London lässt sie die oft alles erdrückende Trauer ihrer Schwiegermutter Mary hinter sich, verzichtet aber gleichzeitig auf deren unbezahlbare Unterstützung. Amy mietet ein Häuschen samt Schrebergarten und verwirklicht damit einen alten Traum. Die ausgebildete Lehrerin mit einer abgeschlossenen Fortbildung als Gärtnerin verliebt sich auf der Stelle in diese kleine grüne Oase inmitten des Marktstädtchens.
Unter den anderen Parzellenbesitzern findet Amy rasch neue Freunde, wie etwa den 85jährigen Harry, der immer einen guten Rat und Vogelbeerschnaps auf Lager hat, den attraktiven Arzt Ben oder die überlastete dreifache Mutter Saffron, die keine Mühen scheut, etwas mehr Schwung in ihre Ehe zu bringen. Und es tritt sich perfekt, dass Amys Vermieterin ihre Geschäftspartnerin Saffron samt dem noch im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb „Grüner Daumen“ im Stich gelassen hat und die junge Witwe so zu einem willkommenen Job kommt.
Julia Williams:
Rosenduft und Liebeszauber
Wilhelm Goldmann Verlag, 2011
Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes zieht Amy mit ihrem kleinen Sohn Josh nach Nevermorewell in Suffolk. Eine Erbschaft hat es ihr ermöglicht, ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen und nun möchte sie für sich und ihren Jungen auf dem Land eine neue Zukunft aufbauen. Mit dem Wegzug von London lässt sie die oft alles erdrückende Trauer ihrer Schwiegermutter Mary hinter sich, verzichtet aber gleichzeitig auf deren unbezahlbare Unterstützung. Amy mietet ein Häuschen samt Schrebergarten und verwirklicht damit einen alten Traum. Die ausgebildete Lehrerin mit einer abgeschlossenen Fortbildung als Gärtnerin verliebt sich auf der Stelle in diese kleine grüne Oase inmitten des Marktstädtchens.
Unter den anderen Parzellenbesitzern findet Amy rasch neue Freunde, wie etwa den 85jährigen Harry, der immer einen guten Rat und Vogelbeerschnaps auf Lager hat, den attraktiven Arzt Ben oder die überlastete dreifache Mutter Saffron, die keine Mühen scheut, etwas mehr Schwung in ihre Ehe zu bringen. Und es tritt sich perfekt, dass Amys Vermieterin ihre Geschäftspartnerin Saffron samt dem noch im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb „Grüner Daumen“ im Stich gelassen hat und die junge Witwe so zu einem willkommenen Job kommt.
Julia Williams:
Rosenduft und Liebeszauber
Wilhelm Goldmann Verlag, 2011
2. März 2011
Thoughtful Gardening
Bis zur Kündigung des Zeitungs-Abos habe ich an einer früheren Arbeitsstelle jeweils die Samstagsausgabe der Financial Times erhalten, aus welcher ich regelmässig die Gartenkolumne herausgerissen habe. Die meisten der fein säuberlich abgelegten Artikel stammen von Robin Lane Fox und ich blättere auch heutzutage noch gelegentlich im Ordner und lese mich meistens schnell in den interessanten Glossen fest.
Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).
Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.
Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010
Eine Auswahl aus mittlerweile fast 40 Jahren an wöchentlichen Financial Times-Gartenkolumnen von Robin Lane Fox ist kürzlich unter dem Titel „Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners“ in Buchform erschienen. Aufgeteilt nach Jahreszeiten erfährt man von einem Besuch an der holländischen Börse, wie der Kolumnist dazu kam, seine Ansichten über den richtigen Standort für Schneeglöckchen anzupassen oder über „Sophie’s World“, die nichts mit dem gleichnamigen Buch von Jostein Gaarder zu tun hat. Nicht nur für Eidgenossen lesenswert ist das Kapitel mit der Überschrift „On the Schynige Platte“. Besonders gefallen haben mit die Beiträge über Christopher Lloyd, Rosemary Verey, Valerie Finnis und Arthur Hellyer (Robin Lane Fox’s Vorgänger als Gartenkolumnist bei der Financial Times).
Erstaunlich, dass dies nach 24 Jahren das erste von Robin Lane Fox veröffentlichte Gartenbuch ist. Jedenfalls hat sich das Warten gelohnt. Soweit ich feststellen konnte, ist kein Artikel aus meiner kleinen Kolumnensammlung im Buch abgedruckt. Also werde ich diesen bald 20jährigen „Schatz“ an vergilbten Zeitungsartikeln weiterhin in Ehren halten.
Robin Lane Fox:
Thoughtful Gardening – Great Plants, Great Gardens, Great Gardeners
Particular Books, 2010
26. Februar 2011
Und noch ein BUGA-Krimi: Engelskraut
Anlässlich der diesjährigen BUGA in Koblenz ist nun wie kürzlich erwähnt bereits ein zweiter Krimi erschienen. Schon vor der Eröffnung der „Olympiade der Gärtner“ sind wiederholt Giftanschläge auf Blumenbeete in der Stadt verübt worden. Und nun liegt im mit biblischen Gewächsen wie Frauenmantel, Madonnenlilien und Kaukasusvergissmeinnicht bepflanzten Paradiesgarten ein Toter. Von der üppigen Bepflanzung ist auch hier nichts mehr auszumachen. Durch Unkrautvernichtungsmittel ist der Tatort in eine Kahlstelle verwandelt worden. Das verheiratete Mordopfer Jürgen Klaussner führte eine Apotheke, war Mitte vierzig und Vater eines kleinen Jungen.
Kommissarin Franca Mazzari führt mit ihrem Team die Ermittlungen. In Klaussners Computer finden sich beinahe unzählige Chat-Protokolle und eine rege Email-Korrespondenz, die belegen, dass er sich zu Lebzeiten häufig auf einschlägigen Plattformen herumgetrieben hat und ständig auf der Suche nach Bekanntschaften für Blind-Dates war. Liegt das Mordmotiv in den ausserehelichen Affären des Opfers?
Parallel zu den polizeilichen Untersuchungen frischt Franca Mazzari die Bekanntschaft zu ihrer früheren Schulkameradin Milla auf, die sich von einem Mauerblümchen in eine attraktive Frau verwandelt hat. Während Milla von lustigen Episoden aus der gemeinsamen Jungmädchenzeit erzählt, erinnert sich Franca mit zwiespältigen Gefühlen daran. Ihr selber ist im Gedächtnis geblieben, wie die Aussenseiterin Milla immer wieder Gemeinheiten anderer Kinder ausgesetzt war, während sie selber sehr beliebt war und sich in einem grossen eingeschworenen Freundeskreis bewegt hat. Auf ihre eigene Rolle bei diesem Mobbing ist die Kommissarin denn auch alles andere als stolz.
In diesem Gartenkrimi ist nicht nur der Tatort hortikulturell. Der Nachbar des Mordopfers ist ein pensionierter Gärtner und auch Milla übt den Beruf einer Gärtnerin aus. Und es kommen an diversen Stellen der Geschichte ein „Buchgärtner“, Engelskraut, Pflanzengifte, ein Schrebergarten und anderes Grünzeug vor. Ausserdem wird auch einmal kurz „gepottert“, als Francas Tochter der Mutter über Harry Potter und die magische Pflanze Alraune, auch Menschenwurzel genannt, berichtet. Die Lektüre habe ich genossen, obwohl ich das Ende recht früh erahnt und damit auch recht behalten habe.
Gabriele Keiser:
Engelskraut – Ein BUGA-Krimi
Gmeiner-Verlag, 2011
Kommissarin Franca Mazzari führt mit ihrem Team die Ermittlungen. In Klaussners Computer finden sich beinahe unzählige Chat-Protokolle und eine rege Email-Korrespondenz, die belegen, dass er sich zu Lebzeiten häufig auf einschlägigen Plattformen herumgetrieben hat und ständig auf der Suche nach Bekanntschaften für Blind-Dates war. Liegt das Mordmotiv in den ausserehelichen Affären des Opfers?
Parallel zu den polizeilichen Untersuchungen frischt Franca Mazzari die Bekanntschaft zu ihrer früheren Schulkameradin Milla auf, die sich von einem Mauerblümchen in eine attraktive Frau verwandelt hat. Während Milla von lustigen Episoden aus der gemeinsamen Jungmädchenzeit erzählt, erinnert sich Franca mit zwiespältigen Gefühlen daran. Ihr selber ist im Gedächtnis geblieben, wie die Aussenseiterin Milla immer wieder Gemeinheiten anderer Kinder ausgesetzt war, während sie selber sehr beliebt war und sich in einem grossen eingeschworenen Freundeskreis bewegt hat. Auf ihre eigene Rolle bei diesem Mobbing ist die Kommissarin denn auch alles andere als stolz.
In diesem Gartenkrimi ist nicht nur der Tatort hortikulturell. Der Nachbar des Mordopfers ist ein pensionierter Gärtner und auch Milla übt den Beruf einer Gärtnerin aus. Und es kommen an diversen Stellen der Geschichte ein „Buchgärtner“, Engelskraut, Pflanzengifte, ein Schrebergarten und anderes Grünzeug vor. Ausserdem wird auch einmal kurz „gepottert“, als Francas Tochter der Mutter über Harry Potter und die magische Pflanze Alraune, auch Menschenwurzel genannt, berichtet. Die Lektüre habe ich genossen, obwohl ich das Ende recht früh erahnt und damit auch recht behalten habe.
Gabriele Keiser:
Engelskraut – Ein BUGA-Krimi
Gmeiner-Verlag, 2011
22. Februar 2011
Schöner Mist - Über die Verwandlung in ein Teilzeit-Landei
Nicht nur beim Zeitschriftenhändler, wo immer mehr Zeitschriften rund ums Landleben um Käufer buhlen, wird klar, dass Gemüsegarten und Co. im Trend liegen. Zuletzt habe ich gleich zwei Bücher gelesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. In ihrem Taschenbuch "Schöner Mist" berichtet Irmgard Hochreither, wie es der Mann an ihrer Seite geschafft hat, sie – eine überzeugte Grossstadtpflanze – in ein Wochenend-Landei zu verwandeln.
Die reiselustige Hamburgerin ist zunächst gar nicht Feuer und Flamme, als ihr Mann von einem günstigen Mietangebot berichtet, das im ehemaligen Zonenrandgebiet liegt. Das uralte Bauernhaus mit viel Umschwung soll in Zukunft als Wochenendbehausung dienen. Schliesslich lässt sich die Autorin zu einem Besichtigungstermin breitschlagen und bereits am darauffolgenden Samstag wird die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Wohnung und dem vielleicht künftigen Wochenenddomizil zurückgelegt. Dieser erste Aufenthalt im ländlichen Refugium weckt in der Autorin Kindheitserinnerungen an Ferien im Grünen. Weitere Überredungskünste sind überflüssig - das Ehepaar ist sich einig, den Mietvertrag zu unterschreiben.
Die folgenden Kapitel erzählen von allerhand Getier, Nachbarn, Nachbarschaftshilfe, Klatsch und Tratsch und wieso es plötzlich schwierig ist, sich am Sonntagabend wieder für eine Arbeitswoche vom Teilzeitlandleben zu verabschieden.
Beiläufig erfährt die garteninteressierte Leserin, dass John Seymour’s „Selbstversorgung aus dem Garten“ schon seit Jahrzehnten auf das Bücheregal jedes Stadtflüchtlings gehört Während sich Irmgard Hochreither darüber wundert, dass ihr Gatte ein solches Buch besitzt, ist er schon mit der Planung von Hochbeeten beschäftigt und träumt von Jumbo-Radieschen. An anderer Stelle ist die Rede von einer sanftmütigen Frau (es handelt sich nicht um die Autorin!), die des Nachts im wahrsten Sinne des Wortes einschneidende Massnahmen ergreift, um der Nacktschneckenplage Herr (oder Frau) zu werden. Ansonsten ist wenig Gärtnerisches zu lesen, was aber kein Grund ist, auf die Lektüre zu verzichten!
Das zweite erwähnte Landlust-Buch ist übrigens von Novella Carpenter und heisst „Meine kleine Cityfarm“ – näheres dazu demnächst hier in diesem Blog.
Irmgard Hochreither:
Schöner Mist
Ullstein Buchverlage, 2011
Die reiselustige Hamburgerin ist zunächst gar nicht Feuer und Flamme, als ihr Mann von einem günstigen Mietangebot berichtet, das im ehemaligen Zonenrandgebiet liegt. Das uralte Bauernhaus mit viel Umschwung soll in Zukunft als Wochenendbehausung dienen. Schliesslich lässt sich die Autorin zu einem Besichtigungstermin breitschlagen und bereits am darauffolgenden Samstag wird die 122 Kilometer lange Strecke zwischen Wohnung und dem vielleicht künftigen Wochenenddomizil zurückgelegt. Dieser erste Aufenthalt im ländlichen Refugium weckt in der Autorin Kindheitserinnerungen an Ferien im Grünen. Weitere Überredungskünste sind überflüssig - das Ehepaar ist sich einig, den Mietvertrag zu unterschreiben.
Die folgenden Kapitel erzählen von allerhand Getier, Nachbarn, Nachbarschaftshilfe, Klatsch und Tratsch und wieso es plötzlich schwierig ist, sich am Sonntagabend wieder für eine Arbeitswoche vom Teilzeitlandleben zu verabschieden.
Beiläufig erfährt die garteninteressierte Leserin, dass John Seymour’s „Selbstversorgung aus dem Garten“ schon seit Jahrzehnten auf das Bücheregal jedes Stadtflüchtlings gehört Während sich Irmgard Hochreither darüber wundert, dass ihr Gatte ein solches Buch besitzt, ist er schon mit der Planung von Hochbeeten beschäftigt und träumt von Jumbo-Radieschen. An anderer Stelle ist die Rede von einer sanftmütigen Frau (es handelt sich nicht um die Autorin!), die des Nachts im wahrsten Sinne des Wortes einschneidende Massnahmen ergreift, um der Nacktschneckenplage Herr (oder Frau) zu werden. Ansonsten ist wenig Gärtnerisches zu lesen, was aber kein Grund ist, auf die Lektüre zu verzichten!
Das zweite erwähnte Landlust-Buch ist übrigens von Novella Carpenter und heisst „Meine kleine Cityfarm“ – näheres dazu demnächst hier in diesem Blog.
Irmgard Hochreither:
Schöner Mist
Ullstein Buchverlage, 2011
18. Februar 2011
Pflanzenschätze
Aus vielen unterschiedlichen Quellen wie Originaltagebüchern, Reiseaufzeichnungen und auch aus bisher unveröffentlichtem Material aus den Royal Botanic Gardens in Kew hat die bekannte Gartenjournalistin Carolyn Fry eine bibliophile Kostbarkeit zusammengestellt, deren Charme einem liebevoll selbst gestalteten Album gleicht. Das Bilderbuch für Erwachsene ist verschwenderisch illustriert mit Fotografien und botanischen Zeichnungen und enthält Faksimiles von Originaldokumenten wie beispielsweise der ältesten bekannten Landkarte von Kew Gardens. In meiner doch recht umfangreichen Gartenbüchersammlung ist es zweifelsfrei eines der schönsten Bücher und wenn ich eine Stimme bei der Vergabe des Gartenbuch-Preises hätte, müsste ich nicht lange überlegen, welcher Neuerscheinung ich diese geben würde.
Auf etwas mehr als sechzig Seiten bietet das Buch einen umfangreichen Einstieg in die Themen Pflanzenschätze und Pflanzensammler und beginnt nach einem Vorwort mit der ersten verbürgten Pflanzenexpedition ins Goldland Punt und dem Gewürzimport aus Fernost. Weitere der jeweils doppelseitigen Kapitel behandeln die Einführung der Tulpen in die europäischen Gärten und stellen Pflanzensammler wie die Tradescants, Francis Masson, David Douglas und E.H. Wilson vor. In einer geschichtlichen Zusammenfassung über grünes Gold dürfen natürlich auch Namen wie Carl von Linné, Sir Joseph Banks und Joseph Hooker nicht fehlen. Doch nicht nur über die Vergangenheit wird berichtet. Die heutigen Aufgaben der botanischen Gärten und der Millenium-Samenbank sowie die Folgen des Klimawandels werden ebenfalls erläutert und ein Kapitel handelt von den negativen Begleiterscheinungen durch die Verbreitung von invasiven Arten.
Entlang des fliessenden Gewässers in unserer unmittelbaren Umgebung breitet sich das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) jedes Jahr stärker aus. Obwohl die Problematik von Neophyten auch der hiesigen Lokalzeitung immer wieder mal einen Artikel wert ist, gibt es Hobbygärtner, die rund um eben dieses Unkraut an der an ihr Grundstück grenzenden Bachböschung den Boden jäten und die Pflanzen wahrscheinlich sogar noch regelmässig mit Wasser versorgen. Als Entschuldigung mag vielleicht angefügt werden, dass es aber auch ziemlich vergnüglich zu betrachten ist, wie die reifen Samenkapseln bei der kleinsten Berührung in alle Richtungen fliegen!
Carolyn Fry:
Pflanzenschätze
Callwey Verlag, 2010
Auf etwas mehr als sechzig Seiten bietet das Buch einen umfangreichen Einstieg in die Themen Pflanzenschätze und Pflanzensammler und beginnt nach einem Vorwort mit der ersten verbürgten Pflanzenexpedition ins Goldland Punt und dem Gewürzimport aus Fernost. Weitere der jeweils doppelseitigen Kapitel behandeln die Einführung der Tulpen in die europäischen Gärten und stellen Pflanzensammler wie die Tradescants, Francis Masson, David Douglas und E.H. Wilson vor. In einer geschichtlichen Zusammenfassung über grünes Gold dürfen natürlich auch Namen wie Carl von Linné, Sir Joseph Banks und Joseph Hooker nicht fehlen. Doch nicht nur über die Vergangenheit wird berichtet. Die heutigen Aufgaben der botanischen Gärten und der Millenium-Samenbank sowie die Folgen des Klimawandels werden ebenfalls erläutert und ein Kapitel handelt von den negativen Begleiterscheinungen durch die Verbreitung von invasiven Arten.
Entlang des fliessenden Gewässers in unserer unmittelbaren Umgebung breitet sich das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) jedes Jahr stärker aus. Obwohl die Problematik von Neophyten auch der hiesigen Lokalzeitung immer wieder mal einen Artikel wert ist, gibt es Hobbygärtner, die rund um eben dieses Unkraut an der an ihr Grundstück grenzenden Bachböschung den Boden jäten und die Pflanzen wahrscheinlich sogar noch regelmässig mit Wasser versorgen. Als Entschuldigung mag vielleicht angefügt werden, dass es aber auch ziemlich vergnüglich zu betrachten ist, wie die reifen Samenkapseln bei der kleinsten Berührung in alle Richtungen fliegen!
Carolyn Fry:
Pflanzenschätze
Callwey Verlag, 2010
16. Februar 2011
Martin Edwards: The Cipher Garden oder Die ohne Schuld sind
Zufällig habe ich entdeckt, dass die deutsche Übersetzung des Buches „The Cipher Garden“, das schon länger auf meiner Wunschliste steht, an mir vorbeigegangen ist. Der deutsche Titel lässt im Gegensatz zum Original auch keinen gärtnerischen Inhalt vermuten.
Chief Inspector Hannah Scarlett hat mit ihrem Team einen neuen „Cold Case“ übernommen. Der brutale Mord an einem Landschaftsgärtner ist nie aufgeklärt worden und die Ermittlungen werden nun nach Jahren aufgrund eines anonymen Hinweises wieder neu aufgerollt. Die Befragungen scheinen bald wieder im Sand zu verlaufen, als ein schockierender Selbstmord ein neues Licht auf die Tat und die Beziehungsgeflechte der Dorfbewohner wirft.
Der Historiker und Fernsehautor Daniel Kind wohnt noch nicht lange im Lake District. Seit seinem Umzug aufs Land hat er eine Affinität zum Gärtnern entwickelt. Hat er bis vor kurzem das Wort Brombeeren als Synonym für süsse Obstküchlein und dichte grüne Hecken betrachtet, so sind eben diese Rankpflanzen inzwischen zu seinem Feind Nr. 1 mutiert. Noch mehr beschäftigt ihn aber, einen Sinn hinter dem verrückten, seit Jahren vernachlässigten Garten zu entdecken, den er zusammen mit seinem Cottage erworben hat. Nicht nur die Pflanzenauswahl erscheint merkwürdig, auch die Wegführung ist völlig ziellos.
Auf der Suche nach Lösungen in ihren Fällen und Rätseln kreuzen sich die Wege von Hannah Scarlett und Daniel Kind immer wieder. Die Erzählstränge wechseln häufig ziemlich abrupt. Die Schlussfolgerungen zum Gartenrätsel fand ich nicht so ganz nachvollziehbar und Spannung kommt erst gegen Schluss des Buches auf.
Martin Edwards:
Die ohne Schuld sind
Bastei Lübbe, 2008
Chief Inspector Hannah Scarlett hat mit ihrem Team einen neuen „Cold Case“ übernommen. Der brutale Mord an einem Landschaftsgärtner ist nie aufgeklärt worden und die Ermittlungen werden nun nach Jahren aufgrund eines anonymen Hinweises wieder neu aufgerollt. Die Befragungen scheinen bald wieder im Sand zu verlaufen, als ein schockierender Selbstmord ein neues Licht auf die Tat und die Beziehungsgeflechte der Dorfbewohner wirft.
Der Historiker und Fernsehautor Daniel Kind wohnt noch nicht lange im Lake District. Seit seinem Umzug aufs Land hat er eine Affinität zum Gärtnern entwickelt. Hat er bis vor kurzem das Wort Brombeeren als Synonym für süsse Obstküchlein und dichte grüne Hecken betrachtet, so sind eben diese Rankpflanzen inzwischen zu seinem Feind Nr. 1 mutiert. Noch mehr beschäftigt ihn aber, einen Sinn hinter dem verrückten, seit Jahren vernachlässigten Garten zu entdecken, den er zusammen mit seinem Cottage erworben hat. Nicht nur die Pflanzenauswahl erscheint merkwürdig, auch die Wegführung ist völlig ziellos.
Auf der Suche nach Lösungen in ihren Fällen und Rätseln kreuzen sich die Wege von Hannah Scarlett und Daniel Kind immer wieder. Die Erzählstränge wechseln häufig ziemlich abrupt. Die Schlussfolgerungen zum Gartenrätsel fand ich nicht so ganz nachvollziehbar und Spannung kommt erst gegen Schluss des Buches auf.
Martin Edwards:
Die ohne Schuld sind
Bastei Lübbe, 2008
12. Februar 2011
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Auf einen Aufruf auf der Webseite des Blumenbüros Holland haben sich verschiedene Menschen entschlossen, ihre schönsten Blumenmomente auf Papier festzuhalten. Fünfzig dieser Einsendungen haben es schliesslich in die Publikation „Glück blüht“ geschafft, die mit einem Vorwort der Schauspielerin Christine Neubauer anfängt. Die einzelnen Erlebnisse sind ebenso verschieden wie das Niveau der Beiträge. So wird schon mal aus einer Paeonia rockii-Hybride kurzerhand eine Rose.
Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.
Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011
Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.
Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011
9. Februar 2011
Blogparade – Mein Lieblingsgartenbuch
Garten2null ruft Blogger dazu auf, ihre Lieblingsgartenbücher in einer Gartenblogparade vorzustellen. Das ist gar nicht so einfach – wie soll frau sich entscheiden, wenn Gartenliteratur gemeinhin oder im weitesten Sinn sämtliche Regale füllt?
Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.
Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011
Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.
Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011
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