1. Juni 2009

Of Flowers and a Village

Der britische Kunsthistoriker Wilfred Blunt (1901 – 1987) war seinerzeit bekannt für seine Biografie über Carl Linnaeus und durch sein Buch “The Art of Botanical Illustration”, das er zusammen mit William Thomas Stearn verfasst hatte. Letzteres handelt von der Geschichte der botanischen Zeichnungen. Die Novelle “Of Flowers and a Village” ist eine einfachere Lektüre, in Form von Briefen verfasst und erstmals 1963 erschienen. 

Flora, eine leidenschaftliche aber unerfahrene Gärtnerin, erholt sich von einer Krankheit, die sie zeitweise ans Bett gefesselt hat. Ihr Patenonkel schreibt ihr zur Aufmunterung fast täglich Briefe. Diese handeln von Nachbarn, vom neuesten Dorfklatsch, aber früher oder später endet jede Korrespondenz in botanischen Themen. Die Erzählung ist überaus witzig, oft sehr sarkastisch und da der Autor sehr belesen ist, wird auch einiges an allgemeinem Literaturwissen vermittelt. 

So bemerkt er in einem Schreiben selbstkritisch, dass so ziemlich alle seine Briefe die Bemerkung “ich habe gerade gelesen ...” enthalten. An einer anderen Stelle überlegt er, ob es nun positiv ist, dass ein Nachbar seine Zwergensammlung an einer versteckteren Stelle im Garten aufgestellt hat und den vorherigen Platz durch eine Araucaria aufgewertet hat. Oder wäre es nun angebracht und freundlich, den Herrn zu informieren, dass dessen Haus in ferner Zeit wegen dieser Pflanze in arge Bedrängnis kommen wird? Das Dilemma des Erzählers liegt nämlich darin, dass er gleichzeitig befürchtet, dass dann die Gartenzwerge wieder an ihrem ursprünglichen Ort präsentiert werden. 

Am Ende des Buches kennt der Leser nicht nur die Eigenarten der Nachbarn und Bekannten des Erzählers, sondern hat sich nebenbei auch noch botanisch etwas weitergebildet. 



Wilfrid Blunt: 
Of Flowers and a Village – An Entertainment for Flower Lovers 
Timber Press, 2006

27. Mai 2009

Schottische Erbschaft

Die Hamburgerin Marie Moorburg erbt überraschend ein Cottage in Schottland. Die leidenschaftliche Gärtnerin hat ihre Eltern nie kennen gelernt und ist von ihren Grosseltern aufgezogen worden. Zuletzt arbeitete sie im Park des Grossindustriellen Cornelius Marienthal. Als dieser stirbt, verliert sie ihren Job und erbt von ihrem ehemaligen Arbeitgeber “Hardinghouse”, ein Anwesen in den Highlands. Der Reeder und Mäzen Marienthal hatte sich jeden Sommer alleine für einen Monat dorthin zurückgezogen, um zu jagen. 

Marie lässt alles stehen und liegen und fliegt umgehend nach Schottland, um sich über ihre Erbschaft ein genaueres Bild zu machen. Es stellt sich rasch heraus, dass es sich bei dieser nicht nur um das stark verfallene Cottage handelt, sondern dass ein gut unterhaltenes Schloss, eine Farm mit einer Pferdezucht und viel Land dazugehören. Marie wird von den Bewohnern der Farm von Hardinghouse nicht sehr freundlich empfangen und das Schloss wird von einer anscheinend verrückten Frau mit lebenslangem Wohnrecht bewohnt, die mit einem Gewehr auf alles schiesst, was sicht bewegt. Ausserdem sind die nächsten Verwandten von Cornelius Marienthal natürlich auch gar nicht begeistert von der Tatsache, dass eine Gärtnerin im Testament so grosszügig bedacht worden ist.

Die Geschichte ist ganz nett, aber mehr nicht. Die Leserin ahnt schon bald, warum Marie diese Erbschaft zugefallen ist und wer hinter der verrückten Frau steckt. Die Handlung des Romans ist zu einfach gestrickt, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Auch die Handlungen von Marie sind nur bedingt verständlich. Entscheidungen und Umbauten/Renovationen werden in diesem Roman in einem völlig unrealistischen Tempo vorgenommen. Unverständlich und ziemlich abrupt ist auch der Schluss. Wie sich aus einer fast als Hass bezeichenbaren Antipathie so plötzlich eine grosse Liebe entwickelt hat, ist nicht nachvollziehbar. 

Die Idee hinter der Geschichte ist eigentlich gut, aber die Umsetzung leider nicht sehr gelungen. Gärtnerisches kommt immer wieder vor, spielt aber sicher keine Hauptrolle. Nachdem es Marie als reicher Erbin bald ziemlich langweilig ist, ist es doch ungemein passend, dass ihr durch ihre neue Liebe die Restauration von Klostergärten vermittelt wird. 



Christa Canetta: 
Ein Haus in Schottland 
Edition Tosca, 2009

24. Mai 2009

Gartenverführung

Die gebürtige Hamburgerin Gabrielle Pape gehört in Deutschland und England zu den führenden Gartenarchitektinnen. Anfang der 90er Jahre gründete sie zusammen mit Isabelle van Groeningen eines der bekanntesten englischen Gartendesignstudios und seit 2008 leitet sie die von ihr gegründete Königliche Gartenakademie (KGA) auf dem Gelände der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem. Dort bietet sie ihren Kunden nicht nur Pflanzen, sondern auch Gestaltungskurse an. Ihr Ziel ist es, die Gartenkunst (wieder) nach Deutschland zu bringen. Und sie möchte dazu beitragen, dass man hierzulande auch “gärtnern” geht und nicht im “Garten arbeiten” - Zitat: “Sie gehen ja auch kochen und nicht in der Küche arbeiten, oder?”. 

Einen Einblick in das gärtnerische Schaffen von Gabriella Pape ermöglicht nun der mit wunderschönen Fotos illustrierte Band “Gartenverführung”. Zwanzig Gartenprojekte werden vorgestellt, ein kleiner Hinterhofgarten ist ebenso vertreten wie grosse Landsitze oder der eigene Garten in der englischen Grafschaft Yorkshire. Letzterer wird hauptsächlich als Versuchsfeld benutzt, benötigte jedoch weil ein Teil rund 50 Meter lang, aber nur 14 Meter breit ist, trotzdem - oder gerade deshalb - eine durchdachte Struktur. Aus einem unkrautfreien Garten der DDT-Generation ist ein blühendes Paradies entstanden. So wurde der ehemalige Vorgartenrasen umgegraben und durch Rosen und Stauden ersetzt und der alte Vorgarten bekam eine Bepflanzung mit Allium cristophii, Silene orientalis und Knautia macedonica. Laut Kurzsteckbrief sind rund 95 % der gesamten Gartenfläche von 1250 m2 mit Stauden überwachsen. 

Zu Papes Kunden zählt auch einer, der kurzerhand den lokalen Steinbruch wieder öffnen liess. Dieser war nach dem zweiten Weltkrieg geschlossen worden und der zum Haus des Kunden passende Stein war nur dort erhältlich... Am schönsten sind aber die Gärten, in welchen die Besitzer selber leidenschaftliche Gärtner sind, und die Bepflanzung entsprechend anspruchsvoller angelegt worden ist. 

Im Kapitel “Ein deutscher Garten für die Queen” sind interessante Hintergrundinformationen zur Chelsea Flower Show allgemein und zur Gestaltung eines grossen Schaugartens speziell zu erfahren. Jeder Garten wird mit einem Kurzsteckbrief vorgestellt, aus welchem unter anderem Baujahr und -zeit ebenso ersichtlich sind wie Grösse, Ausgangssituation, spezielle Wünsche sowie bevorzugte Materialien. Eine Skizze erlaubt dem Leser, sich ein genaueres Bild über die Begebenheiten zu machen. 

Teilweise dokumentieren Vorher-Nachher-Aufnahmen die Veränderungen in der vorgenommenen Umgestaltung der Gärten. Ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nehmen wird, um die konkreten Anleitungen nachzulesen oder sich eben verführen zu lassen. Leider fehlt ein Register, welches das Nachschlagen erleichtern würde. 

Wer näheres über die Königliche Gartenakademie wissen möchte, erfährt dies im letzten Kapitel des Büchleins “Schritt für Schritt zum Traumgarten” von Gabriella Pape oder auf der Webseite der KGA. 



Gabriella Pape: 
Gartenverführung – Traumhaft schöne Gärten und ihre Umsetzung
Callwey Verlag, 2009 

Schritt für Schritt zum Traumgarten – Eine Anleitung für die Zusammenarbeit mit dem Gartengestalter 
Callwey Verlag, 2008

22. Mai 2009

Die Rose des Schachspielers

Eine junge Frau wird brutal ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Auf dem Bauch der Toten liegen drei rote Rosen. Dem Mord voran gingen zwei anonyme Rosengeschenke. Durch den Briefschlitz in der Türe hineingeworfen lag zunächst eine Rose in der Wohnung, später dann nochmals zwei rote Rosen. 

Kommissar Kroll beginnt die Leipziger Blumenläden abzuklappern. Und schon im zweiten Geschäft wird der Ex-Freund der Toten anhand eines Fotos als Rosenkäufer erkannt. Von diesem Ingo Melzer werden am Tatort DNA-Spuren sichergestellt. Ein Interims-Staatsanwalt veranlasst trotz Widerstand von Kroll die Einstellung weiterer Ermittlungen. 

Ohne ein Geständnis abgelegt zu haben, wird Ingo Melzer anhand von belastenden Indizien zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Monate später findet eine weitere Leipzigerin eine rote Rose in ihrem Briefkasten. Obwohl sie die Polizei informiert, gelingt es dem Täter, auch diese Frau zu ermorden und er hinterlässt diesmal zwei rote Rosen. 

Vom Mörder falsch gelegten Spuren führen zunächst zu einem Schauspieler. Schliesslich kommt Kroll dem Psychopathen immer näher und wird auch noch privat in den Fall hineingezogen. Ein spannender Krimi mit Leipziger Lokalkolorit, der sich auch durch Fachkenntnisse des Autors, einem Juristen, auszeichnet. 



Andreas Stammkötter: 
Die Rose des Schachspielers 
Neuer Europa Verlag, 2008

20. Mai 2009

Im, um, auf, über und neben dem Baum

Eine uralte, riesige Eiche ist das Daheim von Tobie Lolness und seinem Volk. Der 13jährige gehört zu einer angesehene Familie und lebt mit seinen Eltern in den oberen Ästen. Die kaum mehr als einen Millimeter grossen Bewohner des Baumes wissen nichts von einer Welt ausserhalb der Eiche. 

Auf dem Plant Baum ist wie auf dem Planet Erde einiges im Argen. Tobies Vater Sim macht eine wichtige Erfindung, welche der Grosse Rat zweckentfremdet verwenden will. Um den Lebensraum Baum nicht zu zerstören, weigert sich Sim, sein Geheimnis um das Wissen vom Baumsaft preiszugeben. Daraufhin wird Sim mit samt seiner Familie in die unteren Äste ins Exil verbannt. Dort lernt Tobie Elisha kennen und gewöhnt sich rasch an sein neues Leben. 

Doch schon bald beginnt eine beispiellose Hetzjagd, mit welcher der Bösewicht Jo Mitch sein Ziel verfolgt, an Sims Erfindung zu gelangen. Im zweiten Band hat sich der Baum von einem wertvollen Lebensraum in eine Hölle entwickelt. Weil inzwischen der Baumsaft angezapft worden ist, stirbt die Eiche. 

Die beiden Bücher zeichnen deutliche Parallelen zwischen dem Lebensraum Erde und Lebensraum Baum. Auch in der Miniwelt gibt es äusserst rücksichtslose Bewohner, die nur an ihren eigenen Vorteil denken. Die Bücher sind teilweise auch sehr brutal. Doch soviel verrate ich nun doch schon vorweg: alles wendet sich zum Guten. Weiter positiv erwähnenswert sind die wunderschön gestalteten Einbände der beiden Tobie-Bücher. 




Timothée de Fombelle: 
Tobie Lolness 
Gerstenberg Verlag, 2008 

Tobie Lolness – Die Augen von Elisha 
Gerstenberg Verlag, 2008

16. Mai 2009

Magischer Gärtner

“Was liest du denn für ein komisches Buch?” fragte dieser Tage die Jungmannschaft. Nun, nicht nur das Umschlagbild, auch der Inhalt meiner letzten Lektüre ähnelte in keiner Weise den Büchern, die sonst herumliegen. Die Covergestaltung entspricht überhaupt nicht meinem Geschmack, aber vielleicht gehört diese zu einem Fantasy-Roman. 

In Brendens Dorf sind viele Menschen schwer erkrankt. Es gelingt ihm, mit Hilfe von Kräutern viele von ihnen zu heilen. Leider aber sind seine Eltern an dem Fieber gestorben. Nachdem ihn auch noch sein Bruder verlässt, versinkt er in seiner tiefen Trauer und wendet sich immer mehr der Natur, Blumen und Pflanzen zu, deren Sprache er intuitiv versteht. 

Dann kommt Od, eine Riesin, auf den Einzelgänger Brenden zu und bittet ihn, sich um die Gärten der Magierschule in Kelior im Land Numis zu kümmern, und er macht sich auf den Weg dorthin. In Numis werden die Magier unter der strikten Kontrolle des Königshofes ausgebildet und jede private Ausübung unterliegt strengen Regeln. Brenden ist von Od dazu ausersehen worden, durch seine Magie ein uraltes Rätsel zu lösen. 

Das Buch liest sich recht flüssig, aber ich hatte Mühe, mir die Namen der verschiedenen Figuren zu merken. Es werden verschiedene Erzählstränge angefangen, aber nicht alle führen zu einem Ende. 

Habe ich überlesen, ob Brenden das Rätsel um die unbekannte, stachelige Pflanze gelöst hat? Meine nächste Lektüre ist bestimmt kein Fantasy-Roman. Ich freue mich nun darauf zu erfahren, wie es Peggy Lee in ihrem Shop „The Potting Shed“ in Charlotte in letzter Zeit ergangen ist. Nachzulesen im druckfrischen Gartenkrimi „A Corpse for Yew“ von Joyce und Jim Lavene. 



Patricia Mc Killip: 
Der Zaubergärtner 
Blanvalet, 2006

12. Mai 2009

Hobby- und andere Gärtner

Immer wieder und immer öfter erscheinen in Eigen- oder Kleinverlagen Gartenerlebnisse von Hobbygärtnern in Buchform. Einigen diesen Druckerzeugnissen merkt man dann etwas mehr oder weniger das fehlende oder mangelhafte Lektorat an. Mit viel Enthusiasmus und Liebe für den Garten und das Gartenbuch wird das aber wieder wett gemacht. 

Im Umkreis der leidenschaftliche Hobbygärtnerin Waltraud Hopf interessiert sich niemand für den Garten. Um ihre Freuden und Sorgen zu teilen, hat sie diese im Büchlein „Das Gartentor ist offen“ zu Papier gebracht. Sie erzählt begeistert über ihre Pflanzen und Tiere und ihren gelegentlich etwas speziellen Arbeitsstil. Wer sich nicht bereits vom Umschlagtext vom Weiterlesen abhalten lässt (Zitat: „… habe am selben Tag Geburtstag wie die legendäre Marilyn Monroe. Leider habe ich nicht deren Hollywood-Qualitäten, dafür lebe ich noch“), erfährt im Büchlein „Verhängnisvoller Goldfelberich“die Verwandlung eines Garten, der diesen Namen kaum verdiente, in ein blühendes Paradies. Auslöser zur Umgestaltung war ein Geschenk in einer Plastiktüte, eben ein abgestochener Goldfelberich. 

In rund 25 Kapiteln hat Anke Dreher Erlebnisse über ihren „irgendwie ganz normalen Reihenhausgarten“ zusammengetragen. Hier gibt es Geschichten über Grosswildjagd, einen Strandkorbkauf mit Folgen oder einfach über Glücksmomente. Den Abschluss der Kapitel bilden jeweils zur Episode passende Einsichten wie „Gib auch anderen eine Chance zu leben“ (zur Grosswild- bzw. Maulwurfjagd) oder „Stelle dich den Herausforderungen des Lebens und du wirst sie meistern“. 

Die Sicht eines Berufsgärtners und seine Rückschlüsse auf die Kundschaft aufgrund der Gartenbepflanzung näher bringen einem die Geschichten „Begegnungen im Garten“ von Lukas Lavater. „Duell bei der Hecke“ handelt von kleinlichen Leuten und der gerichtlich festgelegten Maximalhöhe einer Ligusterhecke, während „Mein ganz schwacher Tag“ das Dilemma eines Berufsgärtners aufzeigt, der um Kundenwünsche zu erfüllen, seine Ansichten und Meinungen zurückhalten muss und sich nachher ziemlich mies fühlt, weil er eine von Mietern gezogene Gartenecke auf Kommando eines Vermieters zerstören musste. 

Marita Eichler organisiert seit Jahren die offene Pforte „Über Zäune schauen“ im Raum Soltau-Fallingbostel und Umgebung. Weil sie für ihr schon ziemlich weit gediehenes Buchprojekt keinen Verlag finden konnte, hat sie Text, Fotos und Layout sowie die Finanzierung des gleichnamigen Buches selber in die Hand genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und braucht einen Vergleich mit ähnlichen Büchern aus renommierten Verlagen nicht zu scheuen. 54 unterschiedliche Gärten aus Niedersachsen werden in Text und wunderschönen Fotos präsentiert, darunter vertreten sind Künstlergärten, Sammlergärten, Gärtnereien. 



Anke Dreher: 
Gartenglück 
Eigenverlag, 2007 

Marita Eichler: 
Über Zäune schauen 
Marcus René Dünsing, 2008 
www.ueber-zaeune-schauen.de 

Waltraud Hopf: 
Das Gartentor ist offen 
Zwiebelzwerg Verlag, 2008 

Lukas Lavater: 
Begegnungen im Garten Verlag 
holapress, 2008 

Birgit Strähle: 
Verhängnisvoller Goldfelberich 
Engelsdorfer Verlag, 2008

9. Mai 2009

Ella in Bloom

Ella ist die jüngere von zwei Töchtern einer texanischen Familie. Sie ist nicht so hübsch und vollkommen wie ihre ältere Schwester Terrell. Als junge Frau nutzte sie die erstbeste Gelegenheit, ihr Elternhaus zu verlassen und heiratete völlig überstürzt Buddy. Ihre Ehe llief nicht gut. 

Nach dem Tod ihres Mannes bringt Ella nun sich und ihre 14jährige Tochter Birdie mit Jobs als Pflanzensitterin mehr schlecht als recht durchs Leben. Der Kontakt zu ihren Eltern beschränkt sich im Wesentlichen auf Briefe. Von ihrem beschwerlichen Leben als allein erziehende Mutter erzählt sie nichts, sondern baut eine einer verwitwete Tochter angemessene Welt auf. 

Ella erzählt von ihrem aufgrund von Katalogen „erfundenen“ Rosengarten und von Leinenkleidern, die sie sich nicht leisten kann. Dann kommt Terrell auf dem Weg zu ihrem Liebhaber bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ihr Tod bedeutet neben Leid auch eine grosse Veränderung in Ellas Leben. Sie ist nun die einzige Tochter und muss nach dem Verlust ihrer perfekten Schwester eine neue Rolle in der Familie übernehmen. Und Ella realisiert immer deutlicher, dass sie nicht die einzige in der Familie ist, die Gärten erfindet ... 



Shelby Hearon: 
Ella in Bloom 
Penguin Books, 2000

6. Mai 2009

Tulpen und Genmafia

Tils Eltern sind zu einer Hochzeit nach Wien gefahren. Deshalb wohnt sein Grossvater, genannt Opa Krause, während der Osterferien für ein paar Tage bei dem Elfjährigen in Frankfurt. Während Til gerne das Hallenbad besuchen und spannende Bücher lesen würde, hat sein Opa ein anderes Programm im Kopf, nämlich auf Stadtspaziergängen die Sehenswürdigkeiten erkunden. Doch Opa Krause kommt noch aus einem anderen Grund gerne an den Main. Er korrespondiert und telefoniert seit einiger Zeit mit einer ungefähr gleichaltrigen Dame, die wie er alles liebt, was grünt und blüht, insbesondere aber Tulpen. Und jetzt hat Opa Krause endlich Gelegenheit, Elfriede Zimperlich persönlich kennen zu lernen und ist schon beim Gedanken an ein Treffen ganz nervös. 

Diese Begegnung findet bereits am ersten Abend in einem Restaurant vor dem Römer statt. Während sich sein Grossvater ausgezeichnet mit der Tulpenzüchterin unterhält, ist Til recht bald ziemlich genervt und gelangweilt und verzieht sich Richtung Toilette. Dort verfolgt er ein seltsames Gespräch zwischen zwei Männern und entdeckt einen Zettel, der einem der beiden aus der Hosentasche gefallen ist. Darauf befinden sich Buchstaben und Pfeile sowie eine rote Tulpe mit spitz zusammenlaufenden Blütenblättern. Nun fängt auch Til an, sich für Tulpen zu interessieren, obwohl er in diesem Moment noch nicht ahnen kann, dass er mit diesem Zettelfund auf die Spur einer internationalen Genmafia gekommen ist. 

Das spannende Kinder- und Jugendbuch ist auch für Erwachsene interessant zu lesen und vermittelt nebenbei einiges Wissen über Auslesezüchtung und Gentechnik. Im Anschluss an die Geschichte sind die letzten Seiten mit kurzen Hintergrundinformationen über diese Themen gefüllt und Dr. Lars Baumbusch, der die Autorin auch schon bei der Geschichte in Sachen Gentechnik unterstützt hat, erklärt was Wissenschaftler tun und wie Gene funktionieren. Dieser Kinderkrimi ist leider vergriffen, aber über verschiedene Internet-Anbieter (neu-)antiquarisch noch erhältlich. Die Mühe lohnt sich. 



Andrea Liebers: 
Tulpenrausch Kam 
Gör Verlag, 2005

3. Mai 2009

Liegestuhllektüre

Die 30jährige Blumenladenbesitzerin Hope ist vor kurzer Zeit von einer Brustkrebserkrankung genesen. Sie fühlt sich nun nicht mehr als vollwertige Frau, wird von Ängsten um ihre Gesundheit geplagt und fühlt sich nicht mehr attraktiv und liebenswert. 

Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten lesend, in der Natur oder in ihrem Garten. Milly (76 Jahre alt) ist kürzlich nach Heart Lake zu ihrer geschiedenen Tochter gezogen, um diese im Haushalt und bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen. Sie fühlt sich aber bald ausgenutzt und eingeschränkt.

Die leidenschaftliche Gärtnerin pachtet etwas Land in einer Gemeinschaftsgartenanlage, um ihrem Lieblingshobby nachzugehen. Die junge Hausfrau und Mutter Amber bearbeitet die Parzelle neben Milly und Hope. Sie ist ebenfalls neu in die Stadt gezogen, nachdem sie und ihr Mann das eigene Restaurant aufgeben mussten. Ihr Mann ist nun schon seit längerem arbeitslos, und sie beabsichtigt, das Familienbudget durch selbstgezogenes Gemüse zu entlasten. 

Die beiden Neuzuzüger Milly und Amber freunden sich rasch an. Die erfahrene Gärtnerin Milly hilft Amber mit praktischen Gartentipps, Kochrezepten und gibt ihr auch Ratschläge in Sachen Eheprobleme. Mit einem Lavendel-Cookie-Rezept schafft es Amber, die Käufer auf dem Wochenmarkt zu begeistern und tatsächlich Geld für die Haushaltkasse zu verdienen. Amber steht Milly rasch näher als die eigene Tochter. Eine Panne bei einer Blumenstrauss-Auslieferung ändert Millys Leben unterwartet und radikal. 

Die Charaktere sind sehr lebensecht gezeichnet und man lebt mit ihnen mit. Unbedingt lesenswert! 



Sheila Roberts: 
Love in Bloom 
St. Martin's Press, 2009

29. April 2009

Gartengeflüster

Haben Sie schon einmal vom ehelichen Rosenkrieg gehört, der sich um 1900 in Pommern zwischen dem „Grimmigen“ und Elisabeth von Arnim abgespielt hat? Die Gärtnerin musste sich schon beim Frühstück Vorhaltungen über zu hohe Rechnungen für Rosen und Ziersträucher anhören. Auch auf Sissinghurst verlief bei der Planung und Ausführung der Gärten nicht immer alles reibungslos. So zertrampelte Harold im Dunkeln auf dem Weg zur Wasserpumpe die kurz zuvor von Vita gepflanzten Anemonen und verfeuerte anschliessend mangels trockenem Vorratsholz versehentlich die zur Markierung der Anemonen gedachten Hölzchen. Die Details dazu und vieles andere mehr hat der passionierte Gärtner Otto Krätz im Buch „Gartengeflüster“ zusammengetragen - ein Sammelsurium von Episoden aus der Gartengeschichte der letzten Jahrhunderte. 

Da gibt es Anekdoten über die Anfänge des Rasenmähers, über kandierte und geröstete Tulpenzwiebeln und über den Kampf gegen das Unkraut. Weitere Themen sind „Abgepackte napoleonische Helden“ (über Kunst- und natürliche Dünger), die Wintergärten der Mathilde Bonaparte, in welchen Gustave Flaubert und Marcel Proust bei der Prinzessin zu Gast waren. Überhaupt handeln etliche der Geschichten von Literaten und ihren Gärten im Werk oder in Wirklichkeit. Mein Favorit waren die Seiten zum Thema „Der Mörder ist immer der Gärtner“, die zeigen, dass Gärten schon seit vielen Jahren Autoren zu Kriminalgeschichten inspirieren. 

Die Geschichten laden zum Staunen ein und lassen einem beim Lesen auch immer wieder schmunzeln und sind sehr aufwendig illustriert. 



Otto Krätz: 
Gartengeflüster – Pikantes und Unterhaltsames aus der Geschichte der Gärten 
Callwey Verlag, 2009

26. April 2009

Blumenläden

Im Moment lese ich gerade einen Roman, in welchem eine jüngere Frau eine der Hauptrollen innehat, die gerade eine schwere Krankheit überstanden hat und mit viel Engagement und Kreativität einen beliebten Blumenladen namens „Changing Season Floral“ führt. Dies ist ein passender Anlass, wieder einmal in meinen Blumenladenbüchern zu schmökern. 

Die beiden reich illustrierten Bücher „The Flower Shop“ von Sally Page porträtieren ein ländliches Geschäft im englischen Tisbury. Wie aus den Untertiteln hervorgeht zeichnet ein Band das Leben im Blumenladen im Verlauf der Jahreszeiten auf, während sich der zweite Band der Advents- und Weihnachtszeit widmet (zur Zeit natürlich nicht sehr passend). Viele meist kleinformatige Fotos bringen dem Betrachter zusammen mit kurzen Texten die Angestellten von „Ted Martins Flowers“ und ihre Kunden näher. Dekorations- und Bindetipps runden die sympathischen Bücher ab. Inzwischen ist ein weiteres Flowershop-Buch zum Thema Freunde herausgekommen. 

Die kürzlich verstorbene legendäre Blumenfrau Maria Binder und ihr Laden im Zürcher Oberdorf-Quartier werden im 2005 erschienenen schön eingefassten und illustrierten Buch vorgestellt. Auf den ersten knapp 20 Seiten wird ihr Werdegang erzählt, dann folgen Farbfotos aus dem Blumenladen, von floralen Kunstwerken und vier Betrachtungen von Nahe stehenden über die Blumenkünstlerin.

„Begegnungen im Blumenladen“ ist kein Buch, das einlädt in schönen Farbfotos von Blumenkreationen zu schwelgen. Nein, es gibt kein einziges davon. Wolf Klein schreibt Geschichten auf. Er sitzt in seinem Laden, betrachtet die Kunden und Vorübereilende und notiert, was passiert. Diese Episoden, welche früher in einem Blog veröffentlicht worden sind, protokollieren die Begegnungen im Blumenladen. Übrigens, bei diesem „Blumenladen“ handelt es sich nicht um einen Ort, wo Floristik in Form von normalen, natürlichen Schnittblumen verkauft wird, sondern alle Blumen sind fotografiert. Die Ware sieht zwar aus wie Blumen und funktioniert visuell wie Blumen, aber es sind eben keine echten Blumen. 



Wolf Klein: 
Begegnungen im Blumenladen 
Balkon und Garten Buch, 2008 

Sally Page: 
The Flower Shop – A year in the Life of an English Country Flower Shop 
Fanahan Books, 2006 

The Flower Shop – Christmas 
Fanahan Books, 2007 

Esther Scheidegger Zbinden (Text) und Nadja Athanasiou: 
Blumenfrau Maria Binder 
Th. Gut Verlag

23. April 2009

Endlich gärtnern!

An Sabine Reber und ihren Gartenbüchern scheiden sich die Geister. Diesen Frühling ist bereits ihr drittes Buch zu diesem Thema erschienen, und ich war auch etwas skeptisch nachdem ich die Vorschau gelesen hatte. Ein erstes Durchblättern hat nicht dazu beigetragen mich vom Buch zu überzeugen, im Gegenteil, ich befürchtete aufgrund der Fotos eine Art Selbstdarstellung. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, habe ich auch meine Meinung geändert. Mir – auch einer Autodidaktin in Sachen gärtnern - gefällt Sabine Rebers Schreibstil, und ob nun alle Tipps etwas taugen oder nicht, kann ich nicht vollumfänglich beurteilen. 

„Endlich gärtnern!“ beginnt mit dem Garten-Manifest, welches auch auf Sabine Rebers Internetseite nachzulesen ist. Zwischen der Vermittlung von Grundlagen zu Mist, Kompost, Dünger oder etwas Botanik und Werkzeugen, die ein Gärtner tatsächlich braucht, sind immer wieder persönliche Erfahrungen wie beispielsweise über ihre Lehrjahre als Gartenanfängerin oder den Beginn ihrer Gärtner-Karriere während einem längeren Irland-Aufenthalt, eingestreut. Oder sie beneidet Gartenlaien, die sich in ihrer Unbekümmertheit noch für alles Blühende begeistern, während ein „Fortgeschrittener“ weiss, dass sich ein Kauf nicht lohnt, weil die richtigen Wachstumsbedingungen sowieso nicht mit vernünftigem Aufwand erfüllt werden können. 

Im Kapitel „Pflanzen, die Freude machen“ handelt eine Episode von einer Schnupperstunde (im wahrsten Sinne des Wortes) über die Königslilie, einer Lieblingspflanze der Autorin. Wer ab und zu ihre Webseite besucht, wird einzelne Geschichten schon kennen, aber es ist doch immer schöner, in einem Buch zu lesen! Etwas speziell mutet der Tipp an, im Sommer das Gästebett in den Garten zu tragen... 

Wer nun noch mehr von Sabine Reber lesen möchte: Von Pflanzenkombinationen handelt „Traumpaare im Beet“. Nicht von richtig oder falsch, sondern von Harmonie. Teilweise werden altbekannte Verbindungen empfohlen werden, andere sind eher speziell und originell. Wer kann mit wem verkuppelt oder wer mag gemeinsam alt werden? Aufgelockert werden die Pflanzen-Beziehungsgeschichten durch Paargeschichten aus der Gartenszene im weitesten Sinne. Diese handeln von Claude Monet und Alice Hoschéde, Kaiserin Josephine und Napoleon oder Cäsar und Kleopatra und anderen. Traumhaft sind die Fotos von Marianne Majerus. 

Sabine Reber schreibt auch Romane und Gedichte. Im Roman „Blau“ geht es um die Züchtung einer blauen Rose. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. 



Sabine Reber: 
Endlich Gärtnern! 
Callwey Verlag, 2009 

Traumpaare im Beet (mit Fotos von Marianne Majerus) 
Callwey Verlag, 2007 

Ein Gartenzimmer für mich allein (mit Fotos von Ursel Borstell) 
Callwey Verlag, 2006 

Blau Reclam Verlag, 2001 


19. April 2009

According to Mark

Mark Lamming, verheiratet mit der kultivierten Diana, schreibt eine Biografie über den Autor Gilbert Strong. Seine Recherchen führen ihn nach Dorset, wo dessen Enkelin Carrie ein Gartencenter betreibt. Er erfährt, dass Strong zwei Koffer gefüllt mit Briefen und persönlichen Papieren hinterlassen hat. 

Mark fühlt sich stark zur jungen, weltfremden Carrie hingezogen und fährt immer öfter von London nach Dean Close und übernachtet dort. Carrie ist als Tochter einer egozentrischen Mutter aufgewachsen und sehr jung zuhause ausgezogen. Die unreife Carrie nimmt Marks Verliebtheit nicht wahr, ihr Leben dreht sich nur um Pflanzen und ihr Geschäft. 

Während der Durchsicht der Dokumente kommt Mark zum Schluss, dass ein Gespräch mit Carries Mutter hilfreich für die Verfassung von Strongs Biografie wäre, und er lädt Carrie ein, ihn nach Frankreich zu begleiten. Carrie entschliesst sich nach anfänglichem Widerstand mitzufahren. 

Diana spürt, wie sich ihr Mann verändert. Er fühlt sich zwischen den beiden Frauen hin- und hergerissen. Sein Dilemma ist, dass er Carrie nicht haben und es auch nicht ertragen kann, dass sie einem anderen gehören könnte. Penelope Lively führt den Leser in ihren Büchern – auch in diesem - in Richtungen, wie er sie so oft nicht erwartet. 



Penelope Lively: 
According to Mark 
Penguin Books, 1985

16. April 2009

Gartengeschichten

Eva Demski geht diesem Buch der Frage nach „hat der Garten uns“ oder „haben wir ihn“? In zwanzig Erzählungen beschreibt sie, wie der Garten tröstet, einem zum Heulen oder zum Lachen bringt und Menschen trennt und verbindet. Da gibt es eine Freundin, die sich während der Päonienblüte durch nichts aus dem Garten locken lässt, weil sie keine Sekunde dieses kurzen Ereignisses verpassen möchte. Da wird sogar ein Regenschirm über die zarten Blütenschüsseln gehalten, um diese vor Unwetter zu schützen. 

Die Autorin scheint diese Begeisterung nicht zu teilen, denn wie sie anmerkt, „machen sich die Pfingstrosen das ganze übrige Jahr mit furchtbar viel Grünzeug wichtig und nehmen eine Menge Platz weg“. 

Im Kapitel „Todsünden“ vergleicht sie den Besuch im Gartencenter mit dem nächtlichen Gang zum Kühlschrank. Man weiss, dass beides böse endet, aber es ist wunderbar ... 

Von Marianne, Uwe Johnson, einem Erbstück und einem Briefwechsel handelt eine weitere Aufzeichnung. Nachdem ich nach einigem Kopfzerbrechen (ohne googeln!) und vor Erwähnung der von besagten Marianne geschriebenen Bücher, herausgefunden habe, wer Marianne ist, war ich doch ein ganz kleines bisschen stolz. 

In der letzten Erzählung geht es um nicht immer willkommene Garten-Mitbringsel. Um ungeliebte Weihnachtskakteen, die trotzdem liebevoll gehegt und durchgefüttert werden (müssen). Oder eine Eibe, welche X für die Autorin gepflanzt hat und die sie nun täglich an X denken lässt. Ohne dieses Gewächs wäre X schon lange vergessen. Dank der Eibe wird jeden Tag an X gedacht, wenn auch eher unfreundlich. Anregende Lektüre! Der Text wird aufgelockert durch Bilder von Michael Sowa. 



Eva Demski: 
Gartengeschichten 
Insel Verlag, 2009