21. Oktober 2010

Gelbes Strandgut

Die Romanschriftstellerin Ena Blomberg träumt seit Jahren davon, einen Bestseller zu schreiben. Ihr Alltag sieht aber anders aus, da sich ihre Bücher nur mit mässigem Erfolg verkaufen und verschiedene Manuskripte unveröffentlicht auf ihre Entdeckung und Publikation warten. Lesungen empfindet Ena als nicht viel angenehmer als für Recherchen unwillige Leute zu interviewen. Vom täglichen Allerlei und einer fast stumm gewordenen Ehe flüchtet sie sich in ihre Romanfiguren.

Als die Autorin am Strand von Usedom zum zweiten Mal eine gelbe Rose findet und von einem geheimnisvollen Rosenkavalier namens Jupp Jensen hört, ist ihre Neugierde geweckt. Dessen Frau Alexandra ist vor einiger Zeit auf rätselhafte Weise verschwunden. Je intensiver sich Ena mit ihrem „Fall“ beschäftigt, desto sicherer ist sie, einem Verbrechen auf der Spur zu sein und das Thema für einen Beststeller gefunden zu haben. Jensen verbirgt eindeutig ein Geheimnis und scheint mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben. Stimmt Enas Vermutung, dass mit den gelben Rosen um Vergebung gebeten soll?

Indessen Ena Blomberg immer tiefer in die Geschichte eindringt, tauchen immer mehr Parallelen zwischen ihrem Leben und jenem von Jensen auf und sie muss erkennen, was letztlich unbegründete Verdächtigungen für Zerstörungen anrichten können.

Mit Ausnahme der gelben Rosen - einer Metapher für ein gelbes Kleid - und einem Herbarium spielt die Botanik keine Rolle in diesem Roman. Ich glaube nun nicht, dass es dieser Titel auf die Bestseller-Liste schafft, war aber von Lektüre positiv überrascht, obwohl ich die Rolle der Betrügerin Maria überflüssig fand. Die Romanschreiberin Blomberg mit ihren Selbstzweifeln und ihrer rastlosen Suche nach dem richtigen Stoff für einen Bestseller ist authentisch gezeichnet und ihre Handlungen durchaus nachvollziehbar.



Maxi Hill:
Ein Bestseller fällt nicht vom Himmel
Buchverlag Andrea Schmitz, 2010

18. Oktober 2010

Garten-Glück

Wofür würden Sie sich entscheiden, wenn Sie ein Geschenk auswählen dürften zwischen einem Modellkleid, einem Wellness-Wochenende in einem Luxushotel und einer Ladung Mist? Falls Ihre Wahl auf den letzten Preis fällt, finden Sie bestimmt Gefallen an dem kleinen Büchlein von Ursula Beck. Es ist ein lesenswertes Mitbringsel oder Geschenk für sich selber und trägt den Titel „Garten-Glück – Aus dem Leben einer Hobby-Gärtnerin“.

Die Autorin bezeichnet sich selber als „Gartenfreak“ und hat ihre Erlebnisse rund ums Gärtnern in einem vergnüglichen Stil niedergeschrieben. So berichtet Ursula Beck beispielsweise über das Abwägen von Pro und Contra in Bezug auf die Teilnahme an einem Gartenwettbewerb. Jede passionierte Gärtnerin wird verstehen, dass ein Foto nie ausreicht, um die eigene Gartenidylle zu präsentieren. Wie sollen auch Stimmung, Weite, Üppigkeit und Schönheit auf einem kleinen Bild Platz finden?

Ursula Beck gärtnert in einer kühleren Region und die Auswahl der Rosen beschränkt sich auf Rosa canina und andere Pflanzen, die mit diesem Klima zurechtkommen. Alles ist schliesslich eine Sache der richtigen Einstellung und sie tröstet sich mit dem Gedanken, dass auch im Kühlschrank alles länger frisch bleibt und die Gärtnerin selber vielleicht auch persönlich davon profitiert…

Ich nehme diesen Absatz als Aufmunterung in die Herbstzeit mit und möchte als einzigen Negativpunkt anmerken, dass das Büchlein leider nicht sehr umfangreich und das Lesevergnügen allzu schnell vorbei ist.



Ursula Beck:
Garten-Glück – Aus dem Leben einer Hobby-Gärtnerin
Isensee Verlag, 2009

14. Oktober 2010

Das Labyrinth des Duft- und Heilkräutergärtners

Paul hatte keine einfache Kindheit. Er hat früh seinen Vater verloren, galt als „schwierig“ und begann schon als Jugendlicher in grossen Mengen Alkohol zu trinken. Aufgewachsen ist er auf der Schwäbischen Alb und lebt nun schon seit vielen Jahren in Norddeutschland.

Eine Seniorengruppe aus seiner Heimat entdeckt in einem Prospekt über ein Duftpflanzen-Labyrinth und Heilkräutergarten auf einem Foto eben diesen Paul zwischen zehn Nonnen stehend. Sie erinnern sich recht genau an dessen beinahe unzähligen Untaten und beschliessen, eine Reise Richtung Norden zu unternehmen, um zu erfahren auf welchen Umwegen der aufmüpfige Paul in den Klostergarten gefunden hat.

Eingebettet in die Führung durch Kräuter und Düfte erfahren die reiselustigen Senioren und der Leser Pauls bewegte Lebensgeschichte und nebenbei werden die Klostergärtnerei und verschiedene Heilpflanzen und ihre Wirkung vorgestellt.

Der Roman in Ich-Form liest sich wie eine detaillierte Biografie und ich habe mich bei der Lektüre oft gefragt, welche Stellen vielleicht autobiographisch sind.



Anna Schmidt:
Das Labyrinth des Duft- und Heilkräutergärtners – Vom Saulus zum Paulus
Geest Verlag, 2008

11. Oktober 2010

Auf Rosen gebettet

Die Floristin Holly arbeitet auf dem Blumenmarkt, wo sie für einen Händler Tulpen, Gladiolen und andere Blumen begutachtet und die schönsten heraussucht. Bei ihrem Job handelt es sich um alles andere als eine Traumstelle, denn leider hat sie beim Selektieren ihrer Arbeitsplätze in etwa dasselbe glückliche Händchen wie beim Wählen ihrer WG-Partner.

Holly sucht sich nämlich immer wieder die falschen Unterkünfte aus. So ist sie eben aus einer Wohngemeinschaft voller Putzteufel geflüchtet und bei ihrem ehemaligen Studienkollegen Josh untergekommen. Ihre weiteren neuen Mitbewohner sind die Karrierefrau Kate und der geheimnisvolle Addison, welcher Tag und Nacht vor seinem Computer sitzt und nicht gestört werden darf.

Als Holly eines Nachts einfach die unsichtbare Grenze überschreitet und Addisons Zimmer betritt, verliebt sie sich auf der Stelle in den wortkargen attraktiven Mann und beschliesst, sein Herz zu erobern.

Ein Roman in der Ich-Form über das Leben von vier Singles, während dessen Lektüre die Leserin sich ziemlich über die unzähligen haarsträubenden Situationen wundert.



Jenny Colgan:
Auf Rosen gebettet
Wilhelm Goldmann Verlag, 2003

7. Oktober 2010

Lilys Rosengarten

Auch dieses Buch habe ich schon wiederholt in Buchhandlungen durchgeblättert, konnte mich aber nie definitiv zum Kauf entscheiden. Ab und zu lohnt es sich zu warten (wenigstens mit Blick aufs Portemonnaie), denn viele Taschenbücher landen schliesslich auf irgendwelchen Tischen voller „ausgemusterter“ Titel und so hat auch „Lilys Rosengarten“ doch noch den Weg in meine Bibliothek gefunden.

Obwohl das Stöbern in häufig unordentlichen Haufen von Remittenden zuweilen recht mühsam ist, findet sich dort auch für gärtnerisch Interessierte immer wieder Lesefutter. Aktuell habe ich beispielsweise gerade das Buch „Die 64-Dollar-Tomate“ von William Alexander entdeckt (das ich aber schon längst besitze).

Hortikulturelles gibt es zum Rosengarten von Lily nicht viel zu berichten. Dieser wird erst ungefähr Mitte des Buches angelegt, und nachdem die Gärtnerin ihren Mann George heimlich verlassen hat, wird dieser in einem Brief mit dessen Pflege betraut. George – ein Anwalt, der seine Karriere abgebrochen hat, um nach dem Tod des Vaters, dessen Farm weiterzuführen – ist aber durch die strenge Arbeit auf seinen Feldern, mit seinen Tieren und Katastrophen wie Maul- und Klauenseuche und BSE selbsterklärend anderweitig mit Wichtigerem beschäftigt.

Der Roman erzählt die Geschichte der grossen Liebe zwischen Lily und George, dem plötzlichen Verschwinden von Lily. Und dem langen Warten und Hoffen von George, ob es für ihn und Lily letztendlich vielleicht doch noch eine gemeinsame Zukunft gibt.



Angela Huth:
Lilys Rosengarten
Piper Verlag, 2006

4. Oktober 2010

Unterwegs nach Eden

Diese umfangreiche von Helga Volkmann zusammengetragene Sammlung von Literaturtipps aus Gärten und über Gärtner über viele Jahrhunderte stand jahrelang auf meiner Wunschliste, hat es aber bis vor kurzem nie bis in den Warenkorb geschafft. Wahrscheinlich wegen dem Umschlagbild, das einen Wunschgarten aus dem Mittelalter zeigt und mich an ein Buch über Gärten im Mittelalter erinnert, durch welches ich mich vor langer Zeit einmal durchgequält habe. Als „Unterwegs Nach Eden“ kürzlich bei einem Reststeller angeboten wurde, habe ich es mir dann doch noch gegönnt. Nach der Lektüre bin ich positiv überrascht, habe viele bekannte Stellen aus liebgewonnenen Büchern wiedergefunden und etliche ältere Bücher entdeckt, die auf die Wunschliste gesetzt worden sind.

Falls auch Sie sich literarisch auf den Weg nach Eden machen wollen, begegnen Sie zwischen Kapiteln mit Titeln „Die Gärtner und das Gärtnern“, „Gärten der Erotik“ und „Der Gartenfrevel“ beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Hans Christian Andersen, Rainer Maria Rilke und vielen anderen mehr. Der Titel „Nachsommer“ von Adalbert Stifter ist jedenfalls auf dem Stapel mit den ungelesenen Büchern wieder einmal weiter nach oben gerutscht und wird vielleicht demnächst endlich einmal gelesen werden …



Helga Volkmann:
Unterwegs nach Eden – Von Gärtnern und Gärten in der Literatur
Vandenhoeck & Ruprecht, 2000

30. September 2010

Wie Nalda sagt

Ein junger Mann namens T. ist auf der Flucht - seinen Namen erfährt der Leser aus Sicherheitsgründen während der ganzen Lektüre nicht. Die Ausdrucksweise des Ich-Erzählers in kindlich-naivem Erzählungsstil ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, es lohnt sich aber durchaus, weiterzulesen.

Aufgewachsen ist T. bei seiner Tante Nalda, die ihm das Gärtnern beigebracht hat. Er durfte nie die Schule besuchen und seine Allgemeinbildung beruht auf den vielen Geschichten, die ihm Nalda erzählt hat, und er nimmt die wunderlichsten Erzählungen für bare Münze. Eine handelt davon, dass sich in seinem Körper ein kostbarer Edelstein aus einem Juwelenraub seines Vaters befindet, der dort versteckt werden musste.

Als nun der Erzähler vierzehn Jahre alt war, wurde Nalda immer schrulliger und T. war alleine für den Lebensunterhalt der beiden zuständig. Schliesslich bestand der Tagesablauf von Nalda nur noch aus Schlafen und Schreien und sie wurde abgeholt. T. hat seine Tante nie mehr gesehen. Geschichten erzählte sie da schon länger keine mehr. Und so stand der Ich-Erzähler mit sechszehn Jahren ganz allein da und auch die „Auflösung“ der Edelstein-Erzählung war gewissermassen noch offen.

T. glaubt deshalb auch als junger Erwachsener immer noch, dass sich in seinem Körper der besagte Edelstein „auf Durchreise“ befindet und er deshalb verfolgt wird. Dieses Geheimnis muss er um jeden Preis hüten. Damit er sich nicht versehentlich verplappert, spricht er sehr wenig und trägt einen Bauchschurz. Immer wieder interpretiert er Situationen falsch, fühlt sich bedroht, bricht unvermittelt sämtliche Zelte hinter sich ab und zieht mit seiner stets griffbereiten Tasche in eine andere Stadt, wo er eine neue Stelle als Gärtner sucht. Und träumt gleichzeitig vom künftigem Glück, Reichtum und Freunden, wenn der Stein endlich seinen Körper verlassen hat und davon, nicht mehr für fremde Leute gärtnern zu müssen.



Stuart David:
Wie Nalda sagt
Fischer Taschenbuch Verlag, 2004

27. September 2010

Flowers on Main

Nachdem ihr drittes Schauspiel-Stück floppt, bricht Bree O’Brien die oberflächliche Beziehung mit ihrem Mentor Marty ab und kehrt mit zerstörtem Selbstwertgefühl von Chicago zurück nach Chesapeake Shores. Was zunächst als kurzer Aufenthalt gedacht war, entpuppt sich als privater und beruflicher Neustart.

Über Brees Rückkehr freuen sich nicht alle gleichermassen. Auch nach sechs Jahren hat ihr Ex-Freund Jake Collins das Ende der Beziehung nicht überwunden und wirft Bree noch immer vor, der Verlust ihres gemeinsamen ungeborenen Kindes sei ihr nicht ungelegen gekommen, um ihre Träume wie geplant umsetzen zu können.

Währenddessen springt Bree kurzfristig ein, die floralen Kreationen für eine Hochzeit zu fertigen und beschliesst daraufhin ziemlich spontan, am Ort ihrer Wurzeln einen Blumenladen zu eröffnen. Das nötige Know-How hat ihr während ihrer Kindheit die Grossmutter beigebracht. Da ihre erste Liebe Jake Inhaber der grössten Gärtnerei und gleichzeitig wichtigster regionaler Blumenlieferant ist, kreuzen sich ihre Wege zwangsläufig immer wieder. Zwischen den beiden knistert es immer noch. Schafft es Jack, endlich zu akzeptieren, dass Bree mit dem Verlust des gemeinsamen Babys anders umgegangen ist und finden die beiden auf Umwegen doch noch zusammen?



Sherryl Woods:
Flowers on Main
Mira Books, 2009

23. September 2010

Peter Bochanan: Blume der Vergeltung

Rosen als Tatwaffe? In dem schmalen Büchlein mit dem Titel „Blume der Vergeltung“ treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der seine Opfer mit Hilfe von Baccarraosen umbringt. Die Erwähnung der Details erspare ich Ihnen hier und Sie lesen diese bitte bei Interesse selber nach. Der erste Mord wird im Anschluss an ein stark frequentiertes Blumencorso entdeckt und bereits drei Wochen später wird ein Schausteller auf die gleiche Weise getötet. Und diese beiden Opfer sind bei weitem nicht die letzten.

Kriminalhauptkommissar Marc Berger und sein Team erschienen mir bei ihren Ermittlungen recht hilflos, um nicht zu schreiben dilettantisch. Aber vielleicht habe ich, die die Polizeiarbeit ja nur aus Büchern und aus dem Fernsehen kennt, eine falsche Vorstellung. Ich hoffe aber doch, dass gewisse Schilderungen in Tat und Wahrheit effektiver ablaufen und die Ermittler nicht erst nach mehreren Morden mit Baccararosen überhaupt auf die Idee kommen, sich um die Herkunft der Blumen zu kümmern. Dieses Versäumnis spielt jedoch insofern keine Rolle, weil sich später herausstellt, dass sich der Täter in seiner Wohnung mit Hilfe eines Glaskastens, Heizung, Bewässerungsanlage und von Speziallampen selber hingebungsvoll um die Rosen kümmert (ob das tatsächlich funtkioniert?).

Das Buch habe ich schon vor mehreren Wochen gelesen, stelle jetzt aber gerade fest, dass meine obigen Anmerkungen zur Polizeiarbeit im Zusammenhang mit den Vorfällen in Biel in den letzten Tagen den Beiträgen und Vorwürfen in der Tagespresse ähneln ...



Peter Bochanan:
Blume der Vergeltung
Engelsdorfer Verlag, 2009

20. September 2010

Gartenstadt Winterthur - Gartenführer

Es ist schon eine Weile her, da habe ich an dieser Stelle über einen Park geschrieben, der in der Nähe in mehreren Etappen entsteht. Inzwischen ist der zweite Teil öffentlich eingeweiht worden und der Hain mit den Taschentuchbäumen ist auch angepflanzt. Ich hoffe, die an verschiedenen Stellen nachgelesenen Hinweise, dass eine Davidia erst nach über einem Jahrzehnt blüht, sind eher auf der pessimistischen Seite und ich muss nicht mehr dermassen lange auf flatternde Taschentücher an Bäumen warten - insbesondere auch, weil die Bäume mit einer Höhe von ca. drei bis vier Metern nicht mehr ganz klein sind.

In dem druckfrischen Führer „Gartenstadt Winterthur“ bin ich über einen Hinweis gestolpert, wo genau in welchen Parks in dieser Stadt blühfreudige, ältere Exemplare dieser Gehölze stehen. Dieser Tipp ist doch direkt einen Kalendereintrag in den Monaten Mai/Juni wert, um dannzumal einen Ausflug zu einem oder gleich mehreren der Bäume einzuplanen.

Der Gartenführer macht überhaupt Lust, eines der Quartiere der Grossstadt zu entdecken oder bei einem Besuch der Sammlung Hahnloser in der Villa Flora auch den Architekturgarten genauer unter die Lupe zu nehmen. Oder vielleicht einmal durch das auf dem Rietberg gelegene Püntenareal zu spazieren. Der Rietberg ist eine ehemalige Mülldeponie, auf welcher nach einer millionenteuren Sanierung gärtnern und ackern mit Aussicht möglich ist. Weitere Ziele eines Spazierganges könnten die Farnbuche im Stadtgarten sein oder die verschiedenen Japanischen Schnurrbäume. Eher speziell mutet der Garten des Schrotthändlers an – ein farbenfroher Dachgarten über einer Entsorgungshalle mit grossen runden Pflanzentrögen.

Im Kapitel über die Püntenstadt erfährt der interessierte Leser, dass in Winterthur die ersten Schrebergärten bereits 1623 angelegt worden sind und den Abschluss des Gartenführers bilden Kurzportraits über Gartenarchitekten, welche die Grünräume massgeblich geprägt haben – von Joseph Philippe de Clairville (1742-1830) bis zum Planungsbüro Rotzler, Krebs Partner.



Stiftung Edition Winterthur (Hrsg.):
Gartenstadt Winterthur – Ein Führer durch Winterthurs Gärten, Pärke und Grünräume
Stiftung Edition Winterthur, 2010

17. September 2010

Forget me knot

Die 34jährige Floristin Abby Crompton ist Besitzerin des florierenden Blumenshops “Fabulous Flowers“. Seit kurzem ist sie mit dem angehenden Rechtsanwalt Toby verlobt und soll nun endlich dessen Mutter kennenlernen.

Seit Abby als kleines Mädchen einmal in einem Lift steckengeblieben ist, meidet sie diese Erfindungen der Zivilisation. Da sie zu dem Treffen mit Toby und ihrer künftigen Schwiegermutter schon viel zu spät dran ist, beschliesst sie zwecks Zeiteinsparung für einmal eine Ausnahme zu machen. Fast unglaublich, aber so hat es die Autorin vorgesehen und steht es im Roman: der Lift bleibt stecken. Zusammen mit einem überaus attraktiven Unbekannten ist Abby zwischen zwei Stockwerken gefangen. Dem Fremden gelingt es, die nervöse Floristin zu beruhigen und die beiden leeren zusammen eine Flasche Wein, der die Zunge der Abbys löst und sie dazu verleitet, allerlei Intimes aus ihrem Leben und vor allem aus jenem ihres Verlobten zu erzählen. Zu diesem Abend passt, dass auch das Essen mit Toby und dessen Mutter nicht besonders erfreulich verläuft.

Kurz nach diesem desaströsen Abend beginnen in Abbys Blumenladen die schon länger geplanten Dreharbeiten zu einem Film. Die junge Floristin ist ziemlich schockiert, als sie entdeckt, wer die Produktion leitet …

Leichte Urlausbslektüre mit wenig Überraschungen und voraussehbarem Ende.



Sue Margolis:
Forget Me Knot
Bantam Books, 2009

14. September 2010

Aufsteller der Woche

Per Email habe ich einen ganz speziellen Aufsteller erhalten. Und zwar hat Dietlinde Hachmann, die Autorin des Buches „Mein Wunscherbe“, das ich Ende August hier im Sofagarten vorgestellt habe, meine Rezension auf Band gesprochen und mir erlaubt, den Link hier zu veröffentlichen.

Falls Ihr also Lust habt, mal einen meiner Artikel vorgelesen zu bekommen statt ihn selber zu lesen, könnt ihr auf den nachstehenden Link klicken und auf der Webseite der Autorin in den Text reinhören!

www.dietlindehachmann.de/buchvorstellung-standard

Viel Vergnügen und nochmals herzlichen Dank nach Stuttgart!

http://www.mein-wunscherbe.de/

13. September 2010

Kalender? Kalender!

Der Sommer ist schon wieder Vergangenheit, Morgennebel gehören wieder häufig zum Beginn eines Tages dazu. In den Blumenläden und Gärtnereien stehen bereits die Blumenzwiebeln in den Regalen und fordern die Gärtnerin auf, sich Gedanken über den nächsten Frühling oder zumindest um die Blütenpracht zu machen, die dannzumal das Auge und das Herz erfreuen sollen. Also gerade die richtige Jahreszeit, nicht nur an Frühlingsblühern herumzustudieren, sondern eine Auswahl aus dem riesigen Angebot von Kalendern zu treffen.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an Gärten und Literatur interessiert. Dann wäre bestimmt „Der literarische Gartenkalender“ mit Spiralbindung von Schöffling nach Ihrem Geschmack.

Jeden Montag darf zum Wochenstart eine Seite umgeblättert werden und eine neue Aufnahme der bekannten Fotografin Marion Nickig schmückt für eine Woche zusammen mit einem passenden hortikulturellen Zitat eines bekannten Schriftstellers oder einer Schriftstellerin eine Wand oder eine Türe. Karel Capek, Daniel Blajan, Colette und Alma de l’Aigle sind mit Äusserungen zum Gärtnern ebenso vertreten wie beispielsweise Erich Kästner.

Krokusse, Gänseblümchen, Tulpen, Pfingstrosen, Dahlien und viele andere Blumen mehr begleiten in schöner Bildqualität durch das (Garten-)Jahr. Ende Oktober erinnert ein Bild daran, dass es höchste Zeit ist, die Blumenzwiebeln einzubuddeln, während Mitte November „gefrostete“ Asternblüten an schöne Herbsttage denken lassen.

Je früher Sie sich diesen Kalender allenfalls kaufen und aufhängen, desto länger können Sie sich an dem Titelblatt, auf dem ein blauer Scheinmohn abgebildet ist, erfreuen …



Der literarische Gartenkalender 2011
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig (Hrsg. Julia Bachstein)
Schöffling & Co., 2010

9. September 2010

Elizabeth Lawrence

Die Gartenbücher der Amerikanerin Elizabeth Lawrence (1904 – 1985) gehören in den USA zu Klassikern in diesem Genre und ihre Popularität auf der anderen Seite des Atlantiks kann vielleicht mit jener der Publikationen von Gertrude Jekyll und Vita Sackville-West in England verglichen werden.

Im kürzlich erschienen Buch „Becoming Elizabeth Lawrence“ hat Emily Herring Wilson eine Auswahl aus mehreren hundert Briefen der Südstaatengärtnerin veröffentlicht. Das Buch beginnt mit der Vorstellung der wichtigsten Personen, die in der Korrespondenz vorkommen. Das sind sehr viele, weshalb die Zusammenstellung während der Lektüre eine willkommene Hilfe ist.

Anschliessend folgen über 250 Seiten mit Briefverkehr, gelegentlich sind Fotos eingeschoben. Leider sind mehrheitlich nur noch von Elizabeth Lawrence verfasste Schreiben vorhanden und die veröffentlichte Korrespondenz dementsprechend einseitig. Die emsige Briefschreiberin notiert jedoch an einer Stelle selber, dass sie zumeist gar keine Antwort auf ihre Zeilen erwartet. Nichtsdestotrotz erhält der Leser doch einen Eindruck über die Persönlichkeit der leidenschaftlichen Gärtnerin und Autorin Lawrence und erfährt etwa, dass sie mit Veränderungen in jeglicher Form ihre liebe Mühe hatte. Oder sie schreibt im Alter von 38 Jahren, "das einzige, was sie gelernt habe sei, dass die Tage mit jedem Lebensjahr kürzer werden. Wenn man also lang genug lebt, sollte das Sterben einfach sein, weil vom Tag praktisch nichts mehr übrig bleibt". Elizabeth Lawrence selber hat mit Mitte 40 so richtig durchgestartet, als sie begann, vermehrt Bücher zu schreiben und einen neuen Garten anzulegen. Vor allem regional bekannt wurde sie durch ihre wöchentliche Gartenkolumne im „Charlotte Observer“.

Ich habe bereits früher verschiedene Bücher von und über Elizabeth Lawrence gelesen, die mir ausnahmslos alle besser gefallen haben als diese Neuerscheinung. Einen auch für Aussenstehende sehr interessanten Briefwechsel führte Elizabeth Lawrence mit Kathrine S. White, der Autorin des Buches „Unward and Upward in the Garden“. Dieser Briefaustausch ist unter dem Titel „Two Gardeners – A Friendship in Letters“ erschienen. Einen noch detaillierteren Einblick in die Biografie von Elizabeth Lawrence gibt das Buch „No one gardens alone“. Diese beiden Titel sind ebenfalls von Emily Herring Wilson herausgegeben worden. Und dann wären da natürlich noch die von der Lawrence selber verfassten Bücher wie „A Southern Gardener“, „Gardening for Love – The Market Bulletins“ , „The little Bulbs – A Tale of two Gardens“ und andere mehr.



Emily Hering Wilson (Hrsg.):
Becoming Elizabeth Lawrence – Discovered Letters of a Southern Gardener
John F. Blair Publisher, 2010

6. September 2010

Ein unmoralisches Sonderangebot

Fritz Gaertner ist ein eher unangenehmer Zeitgenosse. Der verwitwete Pensionär ist ausserordentlich geizig und tyrannisch. Und er ärgert sich über seine beiden Söhne, die mit über dreissig Jahren im Leben noch nichts erreicht haben, zudem seiner Ansicht nach die falschen Frauen geheiratet haben und nicht einmal fähig sind, ihm seinen Wunsch nach Enkelkindern zu erfüllen – ignorierend, dass seine Tochter gerade das vierte Kind erwartet und er nicht gerade als besonders kinderliebender Grossvater bezeichnet werden kann. Mit seinen Freunden heckt Fritz eine Wette aus. Und zwar sollen seine Söhne für ein halbes Jahr die Partnerinnen tauschen. Die Gärtnerin Olivia zieht zu ihrem Schwager Oliver in die Designerwohnung, während die attraktive und tüchtige Evelyn zu Stephan in die alte Gärtnerei zieht, die nur als mehrbessere Ruine bezeichnet werden kann. Als Preis winken den Ehepaaren je 1 Million Euro.

Erzählt wird die auf den ersten Blick ziemlich absurde Geschichte von Olivia in der Ich-Form. Sie hat zusammen mit ihrem Mann Stephan vor eineinhalb Jahren ein ziemlich heruntergekommenes Wohnhaus samt Gärtnerei gekauft und dafür einen immens hohen Kredit aufgenommen. Damit die Schuldzinsen pünktlich bezahlt werden können, muss die gelernte Staudengärtnerin widerwillig akzeptieren, dass palettenweise Begonien ins Sortiment aufgenommen werden. Diese finden dann beinahe reissenden Absatz und bescheren der Gärtnerei erstmals einen Ertragsüberschuss (im Cent-Bereich). Für die Abzahlung der Schulden reichen aber ein paar verkaufte Topfpflanzen nicht aus, und so ist ziemlich schnell klar, dass die lukrative Wette mit all ihren unangenehmen Bedingungen angenommen werden muss.

Besonders witzig ausformuliert sind die gelegentlich eingeschobenen Kurzzusammenfassungen zur Familien-Seifen-Oper über die Gaertners. Neben dem Einblick in die Gärtnerei-Arbeit erfährt die Leserin auch einiges über die Produktion einer TV-Gartensendung. Und vielleicht hat Fritz ja gar nicht so unrecht mit seiner Meinung, dass seine Söhne die falschen Frauen geheiratet haben…

„Ein unmoralisches Sonderangebot“ gibt es übrigens auch als Hörbuch. Die blitzblanken roten Gartenstiefel und das ungebrauchte Gartenwerkzeug, die auf dem Umschlag abgebildet sind, liessen mich vermuten, dass Gärtnern vielleicht ein Thema im Buch sein könnte. Ich habe während der Lektüre immer wieder laut lachen müssen – dieser Roman ist eine köstliche Entdeckung mit mehr als nur einer Prise Buchsbäume, Stauden und Begonien.



Kerstin Gier:
Ein unmoralisches Sonderangebot
Bastei Lübbe, 2004 (10. Auflage 2010)