15. Januar 2011

The Marigold Mafia

Ein Kochrezept-Wettbewerb, in welchem in drei verschiedenen Kategorien die besten vegetarischen Gerichte gesucht werden, bildet den Hintergrund in diesem Krimi. Das erste Kapitel beginnt aber nicht in der Versuchsküche, sondern mit der Besichtigung eines englischen Gartens, wo Lucille Anderson, die sich abseits der Gartenführung bewegt, eine Leiche entdeckt. Statt die Polizei zu informieren, schleicht sich die 45 jährige Amerikanerin weg und überlässt dem Rest der Gruppe das „offizielle“ Entdecken des Tatorts.

Während ein Schrei das Auffinden des Toten bestätigt, überlegt sich Lucille, wie es möglich ist, dass sie, die als Werbebeauftragte einer Firma für biologische Tiefkühlprodukte eine Gartentour mitmacht, um mehr über gesundes englisches Gemüse und ebensolche Früchte zu lernen, schon wieder in einen ausserordentlichen Todesfall verstrickt ist („The Marigold Mafia“ ist das zweite Buch in einer Reihe mit der Hobby-Detektivin Lucille). Ihr Freund und Vorgesetzter Braxton Clark ist denn auch gar nicht erfreut, als er davon erfährt. Und als auch noch seine Schwester Caroline, die mit dem Mordopfer befreundet war, mit Lucille Nachforschungen über den Mord anzustellen beginnt, gerät die Beziehung zwischen Lucille und ihrem Freund erst recht in Schieflage.

Doch wer steckt hinter dem Mord? Ist das Mordmotiv im Zusammenhang mit den geheimnisvollen verschwundenen Samen zu sehen? Samen, für welche Pharmaunternehmen Millionen von Pfund bezahlen würden?



Elisabeth Bastion:
The Marigold Mafia
Gale Cengage Learning, 2009



11. Januar 2011

Im Garten des Lebens und die Farben der Herzen

Vor rund zwei Jahren, kurz bevor ich zu bloggen angefangen habe, habe ich das Buch „Im Garten des Lebens“ (englisch: Suzannah’s Garden) gelesen – eine Geschichte über Frauenfreundschaften vor gärtnerischem Hintergrund. Am Ende der Erzählung eröffnet Susannah in der Blossom Street einen Blumenladen. Gleich neben ihrem Geschäft befindet sich ein kleiner Strickladen, dessen Besitzerin Lydia in Ich-Form durch einen der drei Erzählstränge dieses Folgebandes mit dem Titel „Die Farben der Herzen“ führt.

Lydia verkauft nicht nur Wolle, sie führt auch regelmässig Strickkurse durch. Im Kurs „Gebets-Schalstricken“ lernen sich die junge Witwe Colette und Alix kennen. Colette erwartet ein Baby und arbeitet in Susannahs Blumenladen. Im Laufe der Lektionen kommen sich die beiden Frauen näher und die Leserin fiebert mit Colette mit, die überzeugt ist, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes in Menschenhandel verwickelt ist und kann Alix nachfühlen, die sich für ihre geplante Hochzeit eine kleine Feier wünscht, während ihre künftige Schwiegermütter und eine gute Freundin DAS Fest des Jahres zu organisieren scheinen und ihre Wünsche und Vorstellungen geflissentlich überhören.

Schöne Taschenbücher mit geschmackvollem Cover über sympathische Frauen und ihre Freundschaften! Die Charaktere und Schicksale sind sehr echt beschrieben. Die Bücher haben es problemlos geschafft, dass ich den Computer ausgeschaltet liess und jeweils bis gegen Mitternacht gelesen habe.



Debbie Macomber:
Die Farben der Herzen
Mira Taschenbücher, 2009

Der Garten des Lebens
Mira Taschenbücher, 2009

7. Januar 2011

Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten

Wieder ein Buch über Frauen und ihre Gärten? Soll ich das lesen? Lohnt sich die Anschaffung, obwohl verschiedenene der portraitierten Gärtnerinnen bereits anderweitig zwischen Buchdeckeln ausführlich vorgestellt worden sind (Stichwort Kristin Lammerting, Gabrielle Pape oder Viktoria Freifrau von dem Bussche)? Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich wiederholt über diese Neuerscheinung gestolpert bin. Nun, die Skepsis unterlag schliesslich der Neugierde und nach der Lektüre bin ich positiv überrascht.

Die Autorin Karine von Rumohr ist als Enkelin der Iris-Gräfin mit Gärtnerinnen und Gärtnereien wohlvertraut und kennt verschiedene der portraitierten Frauen privat schon seit Kindstagen, so dass sie wie etwa im Kapitel über ihren Besuch bei Beth Chatto auch einiges aus dem Nähkästchen ausplaudern kann.

Eine der 18 vorgestellten Frauen gärtnert in einem echten Hortus coclusus, während eine andere auf dem Gelände eines ehemaligen Zisterzienserkloster einen Kräutergarten hegt und pflegt. Interessant ist auch der Einblick in die Züchtungsarbeit eines Jungpflanzenbetriebes, der sich auf Pelargonien, Anthurien und Chrysanthemen konzentriert. „Der Garten der acht Kostbarkeiten“ liegt in der Nähe des Ortes Rumohr. Da fragt sich die Sofagärtnerin neugierig, ob der Ort mit diesem Namen eine Verbindung mit dem Nachnamen der Autorin hat?

Etwas befremdet oder irritiert hat mich an einer anderen Stelle das Eingeständnis, hemmungslos zur chemischen Keule zu greifen. Oder ist es mutig, diese Einstellung und Handlungsweise in einem Buch schwarz auf weiss zu veröffentlichen?

Karine von Rumohr bereitet sich auf die Übernahme der Staudengärtnerei „Gräfin von Zeppelin“ vor. Die Buchhandlung der Mutter und ein neues Café sollen in einem neuen Gebäude Platz finden. Wenn das mal kein guter Grund ist, wieder einmal Richtung Sulzburg Laufen zu fahren …



Karine von Rumohr:
Blumenfrauen und ihre aussergewöhnlichen Gärten
Christian Verlag, 2010

3. Januar 2011

Endlich geht’s weiter – Teil 2 des Wunscherbes ist da!

Haben Sie auch ungeduldig darauf gewartet, zu erfahren wie die Begegnung zwischen Lieselotte und Deboo verlief? Da diese Buchvorstellung aus dem Sofagarten stammt, dünkt es mich passend, die Fortsetzung mit dem schönen Absatz aus einem der letzten Briefe von Hans an seine reisende Ehefrau Lieselotte zu beginnen. Deboo hatte einmal erklärt, mit Lieselotte die schönste Rose der ganzen Welt erhalten zu haben. Ihr Ehemann Hans sieht sich als Gärtner, der dem Inder diese Kostbarkeit zur Freude an Duft und Anblick überlassen hat. Hans selber ist sich bewusst, dass ihn nach der Rückkehr seiner Frau von dieser mehrmonatigen Reise durch Indien Dornen stechen werden, er hofft aber gleichzeitig, dass seine Rose im norddeutschen Klima nicht zu welken beginnt. Diese Befürchtungen haben durchaus ihre Berechtigung - aber nun zurück an den Anfang von Teil 2 des Wunscherbes.

Das Buch beginnt mit einem Auszug aus Lieselottes Tagebuch vom September 1956. Die 37jährige Mutter von vier Kindern ist mit ausdrücklicher Unterstützung ihres Ehemannes Hans inzwischen im Zug unterwegs von Bombay nach Kalkutta, um endlich ihre grosse Liebe Deboo wiederzutreffen.

Zunächst scheinen die Rollen zwischen Hans und Deboo vertauscht. Während der indische Botaniker seine Lieselotte nun in physischer Nähe hat, muss Hans sich mit der Aufgabe als Korrespondent begnügen. Der rege und sehr offene Briefwechsel zwischen den Eheleuten erscheint mir als Aussenstehenden mit einer speziellen Form einer Ehetherapie vergleichbar. Auf Papier werden Dinge ausgesprochen, für die im Alltagstrott Zeit und Worte fehlen. Und immer wieder wunderte ich mich als Leserin über die Stärke von Hans, seine Frau ziehen zu lassen. In seinen Briefen kommt allerdings auch die weiche Seite dieses Strategen ausdrücklich zum Vorschein.

Trifft Deboos Aussage zu, dass Lieselotte die glücklichste Frau der Welt sein muss? Sie, die von zwei Männern derart heftig geliebt wird, ohne dass die beiden eifersüchtig aufeinander sind? Und wie ist in diesem Zusammenhang Hans‘ Wortkonstruktion „Neben-De-booler“ zu werten? Lesen Sie selber diese deutsch-indische Liebesgeschichte und erfahren Sie, welche Tragödie dazu führte, dass aus Deboos Familie niemand mehr einen Fuss in den Botanischen Garten von Kalkutta setzen wollte.

Teil 2 ist in Sachen Spannung dem ersten Band ebenbürtig und hat mir mindestens gleich gut gefallen. Die biografische Dokumentation lässt einem auch nach der Lektüre nicht ganz los, und ich habe mir schon ein paarmal überlegt, in welchen Bahnen das Leben von Dietlinde Hachmann und ihrer Familie wohl verlaufen wäre, wenn die im Frühling 1957 geschmiedeten Pläne umgesetzt worden wären. Und wieviele solche oder ähnliche erzählenswerte Geschichten gehen tagtäglich ungeschrieben verloren?

Den gärtnerisch interessierten Leserinnen und Lesern möchte ich nicht vorenthalten, dass Lieselotte in einem Brief einen Besichtigungsgang durch Garten und Pflanzungen von D.S. Pradhan erwähnt und anmerkt, dass aus dessen Winteraster- und Chrysanthemen-Züchtungen zwei Sorten ausgewählt wurden, die ihren Namen tragen sollen. Ob es diese wohl noch gibt?



Dietlinde Hachmann:
Mein Wunscherbe – Teil 2: Im Land meiner Träume
Acabus Verlag, 2010


PS: Falls Sie sich nochmals in die Rezension zum Teil 1 vertiefen wollen, klicken Sie hier.

Homepage "Mein Wunscherbe"

30. Dezember 2010

Zum Jahreswechsel - Rückblick, Ausblick und ... über Gartenbücher

Anlässlich des 350-Jahres-Jubiläums der hiesigen Stadtbibliothek sind 2010 in der lokalen Tageszeitung in loser Folge Geschichten rund ums Buch erschienen. Diese Woche war der Titel „Nachsommer“ von Adalbert Stifter Thema eines Beitrages. Dieses Buch liegt bei mir beinahe seit ewigen Zeiten ungelesen herum. Letzthin habe ich in einem Beitrag erwähnt, dass die Lektüre desselben geplant ist. Da immer wieder andere, vermeintlich interessantere oder spannendere Bücher dazwischenkommen, habe ich es bis dato aber noch immer nicht gelesen.

Der oben erwähnte Artikel handelte vom Lesen, Wiederlesen, Schreiben sowie von Pflichtlektüre und was man gemeinhin dazu zählt. Der Autor des halbseitigen Berichtes hatte als junger Musikstudent einen Schlummervater, welcher für ihn persönlich dem personifizierten Freiherr von Risach aus dem „Nachsommer“ entsprach. Als Überraschung hat er diesem Rosen in den Garten gepflanzt und ihm stolz von der gelesenen Sommerlektüre berichtet, zu der da „Doktor Faustus“ und eben „Der Nachsommer“ zählten. Der knappe Kommentar des Vermieters gipfelte in der Aussage, dass dies ohne den geringsten Zweifel das langweiligste Buch sei, das er selber je gelesen habe…

Nun, „gluschtiger“ auf die Lektüre des „Nachsommers“ hat mich dieser Artikel nicht gemacht. Um mir eine eigene Meinung zu bilden, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als das Buch selber zu lesen. Vielleicht ein Vorsatz fürs neue Jahr? Dagegen sprechen meine derzeitige Lektüre - ein englischer Pflanzenjägerroman sowie "Herr Adamson" von Urs Widmer - ebenso wie die verlockenden Vorschauen mit den Frühlingstiteln 2011, wo ich für mich schon etliche Perlen entdeckt habe. So wird im Schöffling Verlag (endlich) wieder einmal ein Buch von Beverley Nichols neu aufgelegt und deutschsprachigem Publikum zugänglich gemacht, von Rosemary Harris erscheint auf Englisch der vierte Gartenkrimi um Paula Holliday und fast gleichzeitig der erste aus der Reihe auf Deutsch („Der weisse Garten“, Thiele Verlag). Gespannt bin ich auch auf den zweiten Krimi rund um die BUGA 2011 in Koblenz und freue mich auf eine neue Fantasy-Reihe mit botanischem Hintergrund.

Bis auf weiteres geht mir das Lesefutter also nicht aus und Stoff für weitere Buchvorstellungen gibt es zu Genüge. In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein gesundes und erfolgreiches 2011!

Die Sofagärtnerin


PS: Übrigens sind bei Jokers derzeit verschiedene Bücher, die ich in den letzten Monaten hier im Sofagarten vorgestellt habe, als preisreduzierte Mängelexemplare deutlich günstiger zu kaufen. Da wären beispielsweise "Die Tulpe des Bösen" von Jörg Kastner (Buch und Hörbuch), "In der Blüte ihres Grabes" von Amy MacKinnon, "Das Liebesleben der Farne" von Beate Rygiert" oder "Als Tom mir den Mond vom Himmel holte" von Silke Schütze. Oder geben Sie das Stichwort "Stauden" ein - "Faszination Stauden" von Christian Kress (Sarastro-Stauden) wird anscheinend ebenfalls remittiert.

27. Dezember 2010

Alan Bloom: Come you here, Boy!

In den letzten Tagen habe ich die 1995 veröffentlichte Autobiographie von Alan Bloom (1906 – 2005) gelesen. Dieser Name ist in der Gartenszene auch heute noch ein Begriff, hat Alan Bloom (nicht zu verwechseln mit seinem Sohn Adrian) doch Bressingham Gardens gegründet und aufgebaut, einen grossen Schaugarten gestaltet, über 170 Stauden eingeführt, zahlreiche Bücher verfasst und sich nicht zuletzt in der „Hardy Perennial Society“ engagiert.

Im Alter von vier Monaten fiel Alan in ein Koma und der Arzt hatte schon alle Hoffnung aufgegeben. Doch das Baby schlug die Augen wieder auf und hatte noch fast hundert Lebensjahre vor sich. Die Liebe zu Blumen war dem Jungen bereits in die Wiege gelegt worden, denn schon der Vater zog auf einem Feld Blumen und verkaufte diese auf dem Markt. Bereits als Kind entwickelte Alan eine Vorliebe für Stauden, die ihm interessanter erschienen als einjährige Pflanzen. Was lag also näher, als nach Beendigung der Schulzeit Arbeit in einer Gärtnerei zu suchen?

In der Autobiografie sind die Anfänge des Berufslebens beschrieben, seine kurze Ehe und wie er mit seinen drei eigenen Kindern und seiner damaligen Lebenspartnerin Myrah und deren Tochter in Kanada eine neue Existenz aufbauen wollte, was aber gründlich misslang. Die Berichte von der wochenlangen Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Heim, verbunden mit hunderten von zurückgelegten Kilometern sind sehr eindrücklich und heute im Zeitalter von Immobilien-Portalen im Internet kaum mehr vorstellbar. Jedenfalls fiel die Idee, jenseits des Atlantiks ein Zentrum für Gärtnerei-Importe aus England einzurichten auf keinen fruchtbaren Boden und die Auswanderer sahen sich gezwungen, in die Heimat zurückzukehren.

Weitere Themen in der leicht zu lesenden Lektüre sind die Überflutungen der Gärtnerei, Erkenntnisse wie jene, dass auch an der Chelsea Flower Show gewonnene Goldmedaillen keine Garantie für finanzielle Stabilität sind, Alans Leidenschaft für Dampfmaschinen, neue Beziehungen und sehr intime Einblicke in die Entwicklung der Persönlichkeit wie auch in die Beweggründe, die dazu geführt haben, dass Alan Bloom als älterer Mann gewagt hat, sämtliche Bedenken über Bord zu werfen und seine Haare schulterlang zu tragen.



Alan Bloom:
Come you here, Boy!
Isis Publishing, 1995

24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten!

Herzliche Weihnachtsgrüsse aus dem Sofagarten!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern aus nah und fern frohe Weihnachten und vielleicht liegt unter dem Weihnachtsbaum ja das eine oder andere interessante (Garten-)Buch...

Die Sofagärtnerin

20. Dezember 2010

Der versunkene Garten

In diesem Buch spielt der Garten, wie ich beim Durchblättern bereits vermutet habe, nur eine untergeordnete Rolle. Er ist zwar ein wichtiger Ort, wird aber nur an wenigen Stellen erwähnt, ist aber passenderweise als Titelbild ausgewählt worden. Der Roman ist aber dermassen spannend, dass ich ihn dennoch kurz vorstellen möchte.

Die Investmentbankerin Lucy hat vor drei Jahren nach dem Tod ihres kleinen Sohnes ihren Mann und ihre Familie in Kalifornien zurückgelassen. Sie versucht, in New York ein neues Leben zu beginnen und ihre Vergangenheit abzustreifen. Sie ist mitten in wichtigen Verhandlungen als sie vom plötzlichen und unerwarteten Tod ihres Vaters erfährt. Als sie in ihre Heimat zurückfährt, stellt sich heraus, dass die Polizei von einem Verbrechen ausgeht.

Lucy ist nicht die einzige Frau in ihrer Familie, die einen Sohn im Babyalter verloren hat. Schon ihre Mutter und ihre russische Grossmutter mussten das gleiche Schicksal erleiden. Lucys Mutter erlitt nach dem Verlust ihres jüngsten Kindes eine Psychose, von der sie nie mehr genesen ist. In Lucys Familie und der näheren Umgebung gibt es mehrere rätselhafte Todesfälle zwischen denen die Polizei einen Zusammenhang zu vermuten scheint und im Laufe der Ermittlungen kommen immer mehr Ungereimtheiten zu Tage.

Stimmen Lucys Erinnerungen mit wirklichen Erlebnissen überein oder wurden ihr gewisse Vorfälle und Daten solange eingeredet, dass sie diese nun für wahr hält? Getrieben von Schuldgefühlen gegenüber ihrem Sohn stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an und Kapitel um Kapitel setzen sich die Bruchstücke zusammen - Lügen werden entlarvt und längst vergessene Vorkommnisse entpuppen sich als wichtige Details.

Um die Spannung bis zum Ende des Buches aufrecht zu halten, sollten Sie es unbedingt unterlassen, schon vorzeitig den Schluss zu lesen!



Liz Rigbey:
Der versunkene Garten
Ullstein Verlag, 2005

16. Dezember 2010

Trauer, Hoffnung und Radieschen

Zehn Jahre nach der Gründung des Staates Israel kommt Gerschonas Vater mit einem „völlig neuen“ Grossvater und einem grünen Occasionswagen, einem Plymouth, von einer sechsmonatigen Reise nach Amerika zurück in den noch jungen Nahost-Staat. Gerschona hatte bis anhin keine Ahnung, dass sie einen Opa hat und der Plymouth ist das erste Auto in der Strasse, in welcher ihre Familie wohnt. Das Einzelkind Gerschona hat keine Freunde, fühlt sich sehr einsam und schämt sich nicht zuletzt für seinen Namen. Als die Nachbarskinder Gerschona anbieten, gegen eine Runde Mitfahren in Vaters Auto bei der Anlage eines gemeinsamen Gartenbeetes mitzumachen, möchte sie diese Gelegenheit unbedingt nutzen.

Leider springt der Wagen genau am ausgemachten Tag nicht an, so dass Gerschona weiter von den Aktivitäten der Gleichaltrigen ausgeschlossen bleibt. Die bereits besorgten Radieschen-Samen sät sie deshalb in einen Blumentopf und wartet ungeduldig auf die ersten Keimblätter. Während die Nachbarskinder schon bald die Sorgfalt zur Pflege des Gartenbeetes vernachlässigen, schaut Gerschona gewissenhaft nach dem Topf auf dem Fensterbrett. Ein ausgedienter Glacestängel dient als Mini-Spaten und gegossen wird in homöopathischen Dosen mit der Pipette von Omas Augentropfen.

Als sich trotz dieser guten Pflege nichts Sichtbares im Topf zu regen scheint und es im Beet ein paar Etagen weiter unten zu spriessen beginnt, zweifelt Gerschona an der Gerechtigkeit der Welt. Mitten in diese Gefühlsregungen fällt der Einzug eines Jungen ins Nachbarhaus, der das junge Mädchen sympathisch zu finden scheint.

Das Taschenbuch wird übrigens derzeit verramscht. Ich habe es im Jokers-Katalog entdeckt, in welchem es preisreduziert bestellt werden kann.



Nava Semel:
Trauer, Hoffnung und Radieschen
Fischer Taschenbuch Verlag, 2005

12. Dezember 2010

High Heels und Gummistiefel

Die Studentin Isabelle plant, in London Leben und Werk der eher unbekannten Autorin Meredith Quince zu erforschen und sucht per Internet eine Wohnungstauschpartnerin. Die modeverrückte Daisy ihrerseits möchte die Stadt der Mode erobern. Bald sind alle wichtigen Infos per Email ausgetauscht und das Abenteuer kann beginnen – Isabelle fährt für ein Jahr nach London und Daisy auf dem umgekehrten Weg nach Paris. Die beiden jungen Frauen tauschen nicht nur ihre Unterkünfte. Gleichzeitig werden sie auch in den jeweiligen Freundeskreis der Tauschpartnerin aufgenommen.

Für Daisy bietet Paris eine schier unerschöpfliche Quelle an modischen Themen, die sie in ihr Blog einfliessen lassen kann. Isabelle erfährt zufällig von einer kleinen Gruppe älterer Leute, die sich regelmässig als Teilnehmer der Quince-Society treffen und hofft, mit deren Hilfe ihre Arbeit erfolgreich abschliessen zu können.

Sie fragen sich, wo in dieser Lektüre das gärtnerische Element versteckt ist? Der Neffe der der Krimi-Autorin Meredith Quince übt den Beruf eines Gärtners aus. Er kennt nicht nur köstliche Quittenrezepte, sondern bringt auch Isabelles bisher straff durchgeplantes Gefühlsleben ziemlich durcheinander.



Muriel Zagha:
High Heels und Gummistiefel
Manhattan (Goldmann), 2010

9. Dezember 2010

Nein, die andere Martha!

Martha Smith begann nach einer krankheitsbedingten Operation mit Gärtnern. Zu den Erfahrungen, die sie aus ihrer Lieblingsbeschäftigung gewonnen hat, gehören das egoistische Beanspruchen von Zeit für sich selber (und natürlich für den Garten), das grosszügige Verschenken von Blumensträussen und das aufrichtige Verteilen von Lob an Gartenanfänger. Ihre Erlebnisse auf dem Weg zu diesen Erkenntnissen hat sie im Buch „Beds I have known“ veröffentlicht.

Kapitalüberschriften wie „Canna Lily kill ya?“, „Don’t bug me“ oder „Flower shows are not for wimps“ lassen wahrscheinlich so manches literarisch interessierte Gärtnerherz etwas höher schlagen.

Zwischen Sätzen mit der Frage, ob Demi Moore wohl je auf allen vieren kriechend im Garten Mist verteilt und einem Hinweis auf einen Garten ohne Platz für Verzweiflung, weil jedermann dort damit beschäftig ist, etwas Wunderschönes zu gestalten, ist die Lektüre etwa gefüllt mit der Freude über den Beginn einer Gartenwerkzeugsammlung. Diese wird verglichen mit den Empfindungen einer Vierzehnjährigen, die ihr erstes wertvolles Schmuckstück erhält. An anderer Stelle wird der manchmal traurige oder trauernde Gärtner darauf hingewiesen, dass selbst das Absterben der Lieblingsrose es keinesfalls rechtfertigt, an der nächsten Gartenparty mit einer schwarzen Armbinde aufzutauchen und dass auch der wiederholt vorgebrachte Satz „Help yourself“ des netten Nachbarn von nebenan kein Freibrief ist, nachts dessen preisgekrönte Dahlien auszugraben und im eigenen Garten einzupflanzen.

Der Titel dieses Blogeintrages bezieht sich übrigens auf ein Kapitel, in welchem die Autorin darüber berichtet, wie sie sich dabei fühlt, immer wieder mit DER Martha Stewart verwechselt zu werden.



Martha Smith:
Beds I have known – Confessions of a passionate amateur gardener
Moyer Bell, 1997

5. Dezember 2010

Lust auf Laube und Liebstöckel

Unter obigem Titel hat die Kulturhistorikerin Karen Meyer-Rebentisch die Geschichte der Lübecker Kleingärten und Kleingärtner in Wort und Bild veröffentlicht. Diese bildet die Entwicklung über eine Zeitspanne von rund hundert Jahren ab und zeigt auf, wie die Nachfrage nach Parzellen parallel zur wirtschaftlichen Situation und Bevölkerungswachstum verläuft.

1903 entstand die erste Kleingartenkolonie mit Pachtflächen von rund 300 m2, drei Jahre später kam eine weitere dazu, in welcher „Pflanzblätze“ von rund 1000 m2 gepachtet werden konnten. Diese beiden Anlagen bildeten den Anfang des Lübecker Kleingartenwesens. Wer Pachtland ergattern konnte, was in Jahren mit grosser Nachfrage vom Auslosungsglück abhängen konnte, musste oft strenge Regeln einhalten. Gemüseanbau war vorgeschrieben und es galt Buch zu führen über die Aussaat, Ausbringung von Dünger und den Ernteertrag. Die übernommene Scholle war oft kein eigentliches Kulturland, sondern es handelte sich um festgelagerten Boden mit viel Unkraut, der in mühseliger Arbeit erst urbar gemacht werden musste.

Mit dem Aufschwung der Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Stadt Lübeck an allen Ecken und Enden und etliche der Kleingartenkolonien und ihre Lauben, welche in schweren Zeiten auch als Wohnräume gute Dienste geleistet hatten, wurden zulasten von Strassen oder anderen Geländeüberbauungen plattgewalzt.

Neben der ausführlich dokumentierten Entwicklungsgeschichte erfährt der interessierte Leser in verschiedenen Geschichten und Portraits Anekdoten aus dem Leben rund um die Laube. Es geht ums (nicht immer harmonische) Zusammenleben Parzelle an Parzelle, um ökologische Betrachtungen oder um die Verwendung von Ertragsüberschüssen. Und last but not least sind die tollen Fotos in beeindruckender Qualität nicht zu vergessen! Vom 16. Januar 2011 bis 31. Juli 2011 findet übrigens im Museum für Natur und Umwelt in Lübeck eine Ausstellung mit dem gleichen Namen wie der Buchtitel statt.

Die verschiedenen Erwähnungen von Kleingärten, die Sportstätten oder Häusern weichen mussten, haben mich an die ehemaligen Pünten (CH-Dialektausdruck für Schrebergärten) auf dem Gelände des heutigen Erlebnisparks Technorama erinnert. Zwischen der Räumung der Gärten und Baubeginn bin ich seinerzeit mit Schwester und Nachbarskindern durch die verlassenen Parzellen gestreift. Dabei konnte das eine oder andere Pflänzlein gerettet werden. In etlichen Gärten war Rhabarber in Hülle und Fülle zurückgelassen worden. Diese Gelegenheit liessen wir uns nicht entgehen und haben diesen teilweise direkt vor Ort in grösseren Mengen gegessen. Dabei haben wir leicht mehr als eine kleine Überdosis erwischt. Jedenfalls habe ich viele Jahre lang keinen Rhabarber mehr angerührt. Inzwischen wird aber auch in der Küche der Sofagärtnerin während der Saison dieses Gemüses regelmässig Rhabarber-Wähe gebacken, während andere, die damals dabei waren, immer noch konsequent auf diesen Genuss verzichten…



Karen Meyer-Rebentisch / Hrsg.: Grüner Kreis Lübeck e.V.
Lust auf Laube und Liebstöckel – Lübecker Kleingartengeschichte(n)
Lübeck Verlag Karen Meyer-Rebentisch, 2010


Buchbestellungen und Leseprobe auf http://www.luebeck-verlag.de
Webseite der Autorin: http://www.gemuese-info.de/





3. Dezember 2010

Das Geheimnis der verdorrten Rosen

Laut eigenen Angaben verwebt der Autor in diesem Roman verschiedene Volksglauben und Traditionen des heidnischen Glaubens mit Erkenntnissen aus unterschiedlichen Projekten und schafft damit die Hauptperson Fergus. Dieser führt eine Detektei, wo Raphael eine Stelle antritt. In diesem ersten Fall der beiden fallen verschiedene Gäste einer Party in eine Art Wachkoma und die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Ist dies der Beginn einer neuen Epidemie? Und was haben seltsam riechende verdorrte Rosen mit der Geschichte zu tun?

Die Rosen sind zwar der Schlüssel zur Lösung, ansonsten beschränkt sich das Gärtnerische auf einen kurzen Hinweis auf falsch geschnittene Rhododendron. Die Geschichte wird in verschiedenen Strängen erzählt und ich hatte Mühe, mir die diversen Personen einzuprägen und den raschen Wechseln zu folgen.

Laut Einführung zu Beginn dieses Buches handelt es sich um ein sprachliches Projekt und das Manuskript wurde von verschiedenen (acht!) Lektoren gelesen und korrigiert. Die Satzstellungen sind teilweise derart ungeordnet, dass ich mich so ganz im Geheimen frage, ob diese den Entwurf tatsächlich durchgegangen sind. Aber vielleicht kommt ja gerade darin das „sprachliche Projekt“ zum Ausdruck? Für den Moment ist mir jedenfalls die Lust auf Lektüre von Büchern aus Eigenverlagen (gewissermassen auch eine Art „Projekt“) etwas vergangen … Wieso ich den Buchtitel überhaupt fertig gelesen habe? Da ich vor einiger Zeit eine Buchbesprechung angekündigt habe, wollte ich meinen Leserinnen und Lesern einige Angaben zum Inhalt nicht vorenthalten.



Paul Riedel:
Das Geheimnis der verdorrten Rosen
Reimo-Verlag, 2010

30. November 2010

Monty Don zum 2.

Vielleicht erinnern Sie sich an meinen früheren Beitrag über Monty Don. In diesen Tagen erschien gerade sein aktuelles Buch „Fork to Fork“. Auch seine früheren Bücher sind immer wieder eine Lektüre wert. Zuletzt habe ich „Growing Out of Trouble“ gelesen.

2005 plante Monty Don ein neues Projekt. Die Idee war, Suchtkranken zu helfen, indem diese gesunde Ernährung selber produzieren. Mit Unterstützung sollte die Erde vorbereitet, gesät, gedüngt, gegossen, gejätet und geerntet werden. Auf einem kleinen Bauernhof in Herefordshire sollte das Vorhaben umgesetzt werden und mittels klaren Vorgaben eine Struktur in den Tagesablauf der Drogenabhängigen gebracht werden. Dem Idealisten Don stellten sich jedoch von Beginn weg fast unzählige Hindernisse in den Weg. Das fing bei den Nachbarn an und hörte bei der Unzuverlässigkeit und den Essgewohnheiten der Teilnehmer nicht auf.

In diesem Tagebuch berichtet der Autor und „Projektvater“ sehr offen darüber, wie er gewisse Probleme unterschätzt hat, über seine Enttäuschungen und seine Schuldgefühle. Natürlich gibt es auch positives zu lesen, wenn etwa die Teilnehmer endlich so etwas wie ein Team bilden und gesunde Ernährung schätzen gelernt haben. Auch die jungen Drogensüchtigen kommen zu Wort. Besonders aufschlussreich sind die eingeschobenen Portraits von Andy B., Andres P. und wie sie alle heissen. Diese geben Einblick in die Kindheit, familiäres Umfeld, die Gründe und Umstände die zum Einstieg ins Drogenmillieu führten und die vielen gesundheitlichen Probleme durch den Drogenmissbrauch.



Monty Don:
Growing Out of Trouble
Hodder & Stoughton, 2006

27. November 2010

Gartenbücher (nicht nur) für Kinder

Vor bald hundert Jahren ist das wohl meist verkaufte Kinderbuch aller Zeiten zum Thema Garten „Der geheime Garten“ erstmals erschienen. Frances Hodgson-Burnett (1849 -1924) schrieb einen Klassiker für Kinder ab 10 Jahren, der auch für interessierte Erwachsene eine Lektüre wert ist.

Mary, welche die ersten zehn Jahre in Indien verbracht hat, wird nach dem Tod ihrer Eltern zurück in ihre Heimat England auf das Schloss eines Onkels gebracht. Der Witwer hat den frühen Tod seiner Frau nie verwunden und ist häufig auf Reisen. Das hochnäsige und verwöhnte Mädchen Mary hat Mühe sich einzuleben und langweilt sich in dem riesigen alten Herrenhaus. Da lernt sie zwei Freunde kennen: das Hausmädchen Martha und den Nachbarsjungen Dickon, der Tiere zähmen kann. Mary entdeckt in einer hohen Gartenmauer hinter dichten Büschen eine abgeschlossene Türe. Mit Hilfe des Rotkehlchens Robin findet sie auch den passenden Schlüssel und entdeckt einen versteckten Garten, der anscheinend seit dem Tod ihrer Tante vor zehn Jahren nicht mehr betreten worden ist. Zunächst heimlich und nur mit Hilfe von Dickon, später mit Unterstützung des Gärtners Ben Weatherstaff beginnt Mary, den Garten zu pflegen. Innert kurzer Zeit beginnen das Mädchen und der Garten förmlich aufzublühen.

Eines Nachts hört Mary im Haus ein Weinen und entdeckt den ihr bisher unbekannten kranken Cousin Colin. Der einsame Junge befürchtet, bald sterben zu müssen. Die beiden Kinder freunden sich an und Mary führt Colin in den verborgenen Garten, wo er durch die Gartenarbeit rasch kräftiger wird.

Eine empfehlenswerte Lektüre mit hortikulturellem Hintergrund über wahre Freundschaft und die Entwicklung von einem unausstehlichen verwöhnten Mädchen zu einem liebenswerten Kind, eingebettet in einen prachtvollen Garten. Das Buch ist in verschiedene Sprachen übersetzt worden und wird auch heutzutage immer wieder neu aufgelegt. Zu den reizvollsten Ausgaben zählt ein leider vergriffenes Bühnenbilderbuch, das aufgeklappt werden kann und dessen vier Buchszenen mit vielen liebevollen Details ausgestattet ist. Das Buch ist auch wiederholt verfilmt sowie als Musical aufgeführt worden und auch als Hörbuch erhältlich. Anfang 2000 erschien eine nicht sehr erfolgreiche Fortsetzung.


Ein verwilderter Garten in einer Grossstadt ist der Schauplatz im Buch „Der alte Garten“ von Marie Luise Kaschnitz (1901 - 1974).

Im Schatten von hohen Neubauten zieht ein geheimnisvoller Garten zwei Kinder aus einem angrenzenden Miethaus an. Der neunjährige Junge und seine um ein Jahr jüngere Schwester dringen in die Wildnis ein und richten unüberlegt böse Zerstörungen an. Daraufhin wird der Garten lebendig und Tiere und Pflanzen beginnen auf sonderbare Weise mit den Kindern zu sprechen und halten erbarmungslos Gericht über die beiden Eindringlinge. Da sich kein Fürsprecher für die beiden findet, werden sie zum Sterben verurteilt, erhalten aber eine Gnadenfrist bis zum Sonnenaufgang. Diese Zeit sollen sie für eine Reise nutzen, die sie in die Tiefe der Erde, die Höhe des Himmels und in die Fluten der Gewässer führen wird. Der Weg zu Erdmutter und Meervater ist von vielen Gefahren begleitet und die beiden Kinder haben verschiedene Abenteuer zu bestehen, die ihnen beibringen sollen, die Natur mit dem notwendigen Respekt zu behandeln.

Das gegen 1940 verfasste und 1975 erstmals erschienene Märchen hat auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüsst.


Frances Hodgson Burnett:
Der geheime Garten
diverse Ausgaben erhältlich, z.B.
Carlsen Verlag, 2008
ISBN 978-3938899403


Marie Luise Kaschnitz:
Der alte Garten
Insel Verlag, 2006
ISBN 978-3458340942



(Diesen Artikel habe ich bereits vor längerer Zeit verfasst und er ist bereits in der diesjährigen Herbstausgabe von Vivace, der vierteljährlich erscheinenden Publikation der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde, veröffentlicht worden.)