Carolina Fantoni verfügt über eine übersprudelnde Fantasie. Schon seit längerer Zeit spürt sie, dass ihr Augenlicht schwindet und hat begriffen, dass sie in Kürze vollständig erblinden wird. Weder ihre Eltern noch ihr Verlobter Pietro schenken ihrer diesbezüglichen Eröffnung Glauben sondern glauben an eine Ausgeburt von Carolinas Fantasie. Nur ihr Jugendfreund Turri nimmt sie ernst. Und zwar nicht nur in dem Augenblick, wo er auf einer Wiese liegend Regen in seine Augen prasseln lässt, bis er selber für ganz kurze Zeit nichts mehr sehen kann.
An Carolinas siebtem Geburtstag hat sie seinerzeit von ihrem Vater einen See geschenkt bekommen und ihre Liebe zur Abgeschiedenheit entdeckt. Täglich ist sie am Ufer anzutreffen und an der Verkleinerung der Seegrösse kann die junge Contessa das Fortschreiten ihrer Augenkrankheit abmessen und abschätzen.
Kurz nach der Hochzeit verliert Carolina den letzten Sehrest und auch ihr Mann Pietro kann diese Tatsache nicht mehr ignorieren. Die Contessa findet es sehr rasch ermüdend, ihren an ständige Bewunderung gewöhnten Ehemann alleine bei Laune zu halten und seinen Kummer über ihren Verlust des Augenlichts zu mindern. Die junge Frau flüchtet sich in ihre Träume. Doch plötzlich eröffnet ihr der Tüftler Turri mit einem Geschenk völlig unerwartet neue Welten: er hat ihr eine Schreibmaschine gebaut, auf welcher sie selbständig korrespondieren kann. Noch ohne Farbband, aber mit zwei Blättern, von welchen das eine mit Russ beschichtet ist und durch den Anschlag der zierlichen Hämmer eine Spur auf dem unteren Blatt hinterlässt.
Neben ihren Träumen findet Carolina hauptsächlich Trost in ihren nächtlichen Treffen mit Turri an ihrem See. Kann er sie überzeugen, ihr jetziges Leben wie eine Hülle abzustreifen und mit ihm zusammen, der sich als Schreibmaschinenbauer verdingen will, neu anzufangen?
Hortikulturell gibt es nicht übermässig viel zu berichten. Immer mal wieder werden Zitronen erwähnt und es ist auch mal die Rede von Äpfeln, Pflaumen und Rosen, die auf Zitronenbäume gepfropft worden sind. Es wird aber nicht weiter darüber berichtet, wie das Experiment ausgegangen ist. Carolinas Vater gärtnert gerne und der Familiengärtner beklagt sich über die unmögliche Forderung, im Schatten von Zitronenbäumen ein Blumenparadies heranziehen zu können. Hingegen erlaubt das Buch einen Einblick in die Geschichte der Erfindung der Schreibmaschine. Gemäss meinen Nachforschungen im Internet kann diese Erfindung aber keiner bestimmten Person zugeschrieben werden, da an unterschiedlichen Orten verschiedene Tüftler erste Schreibmaschinen hergestellt haben.
Carey Wallace:
Die blinde Contessa und ihre Maschine
Bloomsbury Verlag Berlin, 2011
28. November 2011
25. November 2011
Christian Pfarr: Zaubernuss
Ein Stadtschreiber auf der verzweifelten Suche nach einem Konzept für ein elektronisches Tagebuch, ein spurlos verschwundener Kunststudent, der zuletzt in einem Gewächshaus des botanischen Gartens gesehen wurde, Marco Polos „Blauer Stern“, eine Zaubernuss (Hamamelis virginiana), umgestürzte Totempfähle – das sind die Zutaten, die Christian Pfarr zu einem Krimi mit Mainzer Lokalkolorit mixt.
Der Autor bezeichnet sein Buch als Mainz-Krimi, Wissenschaftssatire, Liebesgeschichte, Komödie und als Hommage an Sherlock Holmes und Co. Die Aufzählung könnte um die Stichworte „für lesende Gärtner oder gärtnernde Leser geeignet“ ergänzt werden.
Bis der Stadtschreiber Martin Eicher zusammen mit Pater Stephan Braun herausfindet, welcher Patient mit der abgeschabten Zaubernuss-Rinde medizinisch versorgt wird und welche neue Spezies einem Orchideenzüchter gelungen ist, muss sorgfältig abgeklärt werden, was drei Professoren mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten für Partikularinteressen verfolgen. Was verbindet ein Rechengenie, ein Kenner der mittelalterlichen Naturwissenschaft und ein ausgewiefter Kenner der Kunst des Goldmachens?
Christian Pfarr:
Zaubernuss
Leinpfad Verlag, 2008
Der Autor bezeichnet sein Buch als Mainz-Krimi, Wissenschaftssatire, Liebesgeschichte, Komödie und als Hommage an Sherlock Holmes und Co. Die Aufzählung könnte um die Stichworte „für lesende Gärtner oder gärtnernde Leser geeignet“ ergänzt werden.
Bis der Stadtschreiber Martin Eicher zusammen mit Pater Stephan Braun herausfindet, welcher Patient mit der abgeschabten Zaubernuss-Rinde medizinisch versorgt wird und welche neue Spezies einem Orchideenzüchter gelungen ist, muss sorgfältig abgeklärt werden, was drei Professoren mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten für Partikularinteressen verfolgen. Was verbindet ein Rechengenie, ein Kenner der mittelalterlichen Naturwissenschaft und ein ausgewiefter Kenner der Kunst des Goldmachens?
Christian Pfarr:
Zaubernuss
Leinpfad Verlag, 2008
21. November 2011
Simon Bonsai: Surviving Polly
Simon Bonsai (nomen est omen oder wohl doch eher Pseudonym?) reist kreuz und quer durch Grossbritannien, um auf Märkten, an den verschiedensten Veranstaltungen und in Einkaufszentren seine zurechtgestutzten Bäumchen zu verkaufen. Diese sind seiner Meinung nach die schönsten, die es im ganzen Land zu kaufen gibt.
„Surviving Polly“ erzählt ein Jahr aus dem Leben von Simon Bonsai und seiner exzentrischen Freundin Polly. Dabei begegnen wir Konkurrenten in Sachen Bonsai-Verkauf, die dem Autor und Händler schon mal grundsätzlich nicht das Wasser reichen können, lernen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Einkaufszentren und Pubs kennen und erfahren einiges über die unterschiedlichen angepeilten Campingplätze. Zwischen den Fahrten an die Verkaufsorte geht es auch immer mal wieder nach Holland zum Bonsai-Grosseinkauf.
Simon entdeckte seine Liebe zu Bonsais eher zufällig, als er vor Jahren längere Zeit in Afrika gelebt hat. Die interessantesten Stellen im Buch sind denn auch jene, die von diesem Land und seinen Leuten handeln oder wenn der Autor Details zu Hege und Pflege von Bonsais einflechtet. Er berichtet vom Umtopfen, vom Giessen und davon wie er an den Bäumchen herumschnipselt und diese mit Schere und Draht in Form bringt und wie er entlang von stark befahrenen Strassen Moos für seine Bäumchen sammelt. Simons Affinität zum Gärtnern ist mit seiner beruflichen Beschäftigung mit Bonsais erschöpft. Auf die Frage, was er in seinem Garten anbaut, antwortet er nämlich (Zitat):“I grow tired in my garden“.
Das Leben des Erzählers ist wie das Buch selber nicht besonders spannend. Verschiedene Episoden werden gar mehrfach erwähnt. Vielleicht hätte ich länger und begeisterter gelesen, wenn die Publikation nicht fast 400 eng beschriebene Seiten aufgewiesen hätte. Doch irgendwann um die Mitte des Buches herum, hat die Sofagärtnerin genug über die Anfahrten zu Märkten und Einkaufszentren - mit oder ohne Stau, mit oder ohne Verspätungen wegen Polly, mit oder ohne Ärger mit oder wegen Polly - gelesen, und die Seiten mehrheitlich nur noch überflogen.
Simon Bonsai:
Surviving Polly
Athena Press, 2005
„Surviving Polly“ erzählt ein Jahr aus dem Leben von Simon Bonsai und seiner exzentrischen Freundin Polly. Dabei begegnen wir Konkurrenten in Sachen Bonsai-Verkauf, die dem Autor und Händler schon mal grundsätzlich nicht das Wasser reichen können, lernen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Einkaufszentren und Pubs kennen und erfahren einiges über die unterschiedlichen angepeilten Campingplätze. Zwischen den Fahrten an die Verkaufsorte geht es auch immer mal wieder nach Holland zum Bonsai-Grosseinkauf.
Simon entdeckte seine Liebe zu Bonsais eher zufällig, als er vor Jahren längere Zeit in Afrika gelebt hat. Die interessantesten Stellen im Buch sind denn auch jene, die von diesem Land und seinen Leuten handeln oder wenn der Autor Details zu Hege und Pflege von Bonsais einflechtet. Er berichtet vom Umtopfen, vom Giessen und davon wie er an den Bäumchen herumschnipselt und diese mit Schere und Draht in Form bringt und wie er entlang von stark befahrenen Strassen Moos für seine Bäumchen sammelt. Simons Affinität zum Gärtnern ist mit seiner beruflichen Beschäftigung mit Bonsais erschöpft. Auf die Frage, was er in seinem Garten anbaut, antwortet er nämlich (Zitat):“I grow tired in my garden“.
Das Leben des Erzählers ist wie das Buch selber nicht besonders spannend. Verschiedene Episoden werden gar mehrfach erwähnt. Vielleicht hätte ich länger und begeisterter gelesen, wenn die Publikation nicht fast 400 eng beschriebene Seiten aufgewiesen hätte. Doch irgendwann um die Mitte des Buches herum, hat die Sofagärtnerin genug über die Anfahrten zu Märkten und Einkaufszentren - mit oder ohne Stau, mit oder ohne Verspätungen wegen Polly, mit oder ohne Ärger mit oder wegen Polly - gelesen, und die Seiten mehrheitlich nur noch überflogen.
Simon Bonsai:
Surviving Polly
Athena Press, 2005
17. November 2011
Johanna Verweerd: Späte Ernte
Nach langen Jahren, die er im Ausland verbracht hat, kehrt Chris im Jahr 2003 zu seinen Wurzeln zurück. Seine Mutter ist krank, und er möchte nicht wie ein Jahrzehnt früher als sein Vater gestorben ist, zu spät kommen. Grund genug, aus seiner neuen Heimat Neuseeland, wo er die Apfelplantage „Gold Apple Garden“ mit einer Grösse von rund 550 Hektaren führt, nach Holland zu fliegen. Doch wie soll er seiner Schwägerin Catharina begegnen, die einmal der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen ist?
Ein erster Rundgang durch den Apfelgarten seiner Jugend zeigt ihm schonungslos, dass es nicht gut um das ehemals ehrwürdige Herrenhaus Mejlanden und die Obstkulturen steht. Die Gärten machen einen vernachlässigten, ja verwilderten Eindruck und die Bäume scheinen seit Jahren nicht geschnitten worden zu sein. Zwar sind viele der Hochstammbäume voll reifer Äpfel, aber Pflücker sind keine auszumachen.
Seit Chris vor Jahrzehnten seiner Heimat den Rücken gekehrt hat, ist die Zeit in Holland nicht stehen geblieben. Er muss lernen, dass das Land, wie er es in seiner Erinnerung aussah, längst nicht mehr existiert. Für das auf Mejlanden angebaute Obst gibt es keine Nachfrage. Eine Umstellung auf Bio-Produktion wäre eine Möglichkeit, die Verkäufe zu steigern. Auf Drängen von Chris Nichte Willemijn wurde bereits ein Teil des Geländes für Schrebergärten in Parzellen aufgeteilt und interessierten Gärtnern zur Verfügung gestellt.
Wenigstens steht es um die Gesundheit der Mutter nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Sie ist zwar dement, doch ihr Gesundheitszustand hat sich wieder stabilisiert. Sein Bruder hingegen, der Mejlanden mit seiner Frau Catharina führt, ist an MS erkrankt. Und eine im Raum stehende Gebietsreform sieht vor, dass das Obstanbaugebiet einer Industriezone weichen soll. Konfrontiert mit all diesen und noch weiteren Problemen wie Immigration und Zersiedelung stellt Chris fest, dass er Effi vermisst. Effi, die ihm seit Jahren den Haushalt führt, sich auf seiner Apfelplantage unentbehrlich gemacht hat und deren Anwesenheit ihm immer wie selbstverständlich erschienen ist. Erst tausende Kilometer von daheim entfernt, entdeckt Chris endlich, was er an seiner polynesischen Partnerin hat.
Johanna Verweerd:
Späte Ernte
Brunnen Verlag, 2006
Ein erster Rundgang durch den Apfelgarten seiner Jugend zeigt ihm schonungslos, dass es nicht gut um das ehemals ehrwürdige Herrenhaus Mejlanden und die Obstkulturen steht. Die Gärten machen einen vernachlässigten, ja verwilderten Eindruck und die Bäume scheinen seit Jahren nicht geschnitten worden zu sein. Zwar sind viele der Hochstammbäume voll reifer Äpfel, aber Pflücker sind keine auszumachen.
Seit Chris vor Jahrzehnten seiner Heimat den Rücken gekehrt hat, ist die Zeit in Holland nicht stehen geblieben. Er muss lernen, dass das Land, wie er es in seiner Erinnerung aussah, längst nicht mehr existiert. Für das auf Mejlanden angebaute Obst gibt es keine Nachfrage. Eine Umstellung auf Bio-Produktion wäre eine Möglichkeit, die Verkäufe zu steigern. Auf Drängen von Chris Nichte Willemijn wurde bereits ein Teil des Geländes für Schrebergärten in Parzellen aufgeteilt und interessierten Gärtnern zur Verfügung gestellt.
Wenigstens steht es um die Gesundheit der Mutter nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Sie ist zwar dement, doch ihr Gesundheitszustand hat sich wieder stabilisiert. Sein Bruder hingegen, der Mejlanden mit seiner Frau Catharina führt, ist an MS erkrankt. Und eine im Raum stehende Gebietsreform sieht vor, dass das Obstanbaugebiet einer Industriezone weichen soll. Konfrontiert mit all diesen und noch weiteren Problemen wie Immigration und Zersiedelung stellt Chris fest, dass er Effi vermisst. Effi, die ihm seit Jahren den Haushalt führt, sich auf seiner Apfelplantage unentbehrlich gemacht hat und deren Anwesenheit ihm immer wie selbstverständlich erschienen ist. Erst tausende Kilometer von daheim entfernt, entdeckt Chris endlich, was er an seiner polynesischen Partnerin hat.
Johanna Verweerd:
Späte Ernte
Brunnen Verlag, 2006
13. November 2011
Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth: Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis
Sind Sie mit gewissen Ecken in Ihrem Garten nicht ganz glücklich oder stehen Sie gar vor der Herausforderung eine noch „leere“ Fläche nach eigenem Gutdünken zu gestalten? Dann finden Sie im Buch „Gartengestaltung“ von Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth ein wahres Füllhorn an praxisnahen Ideen und Tipps, die bei der Entwicklung vom vagen Traum eines auf die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse zugeschnittenen Gartenentwurfs und der Umsetzung desselben in den persönlichen Traumgarten ausgesprochen hilfreich sind.
Das erste Kapitel „Inspiration – Vielfalt der Gartenstile“ gibt in groben Zügen Einblick in die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, dem Garten seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Soll es ein Naturgarten mit Blumenwiesen werden, oder stehen eher ein romantisch-verträumter Garten, ein formaler und eleganter Entwurf oder vielleicht eine asiatisch angehauchte Bepflanzung zur Debatte? Das Buch stellt aus der Vielfalt der Gartenstile unter anderem den Cottagegarten, den Kiesgarten und den mediterranen Garten vor. Die Autoren betonen immer wieder, wie wichtig es ist, sich mit der Gartengestaltung genügend Zeit zu lassen, um Ideen zu sammeln und auch wieder zu verwerfen. Natürlich ist ein Buch und sei es noch so vollgepackt mit Informationen wie das vorliegende nur einer der verschiedenen Wege die Richtung Wunschgarten zu gehen sind und ersetzt nicht den Besuch von Schaugärten, öffentlichen Anlagen und Privatgärten. Der Schwerpunkt bei solchen Gartenbesichtigungen sollte laut Thinschmidt und Böswirth dabei auf regionale Gärten gelegt werden, weil hier Klima und Bodenbeschaffenheit mit den heimischen Begebenheiten weitgehend übereinstimmen und gleichzeitig von Erfahrungen aus Erfolg und Misserfolg der dort wirkenden Gärtner profitiert werden kann. Was im Nachbarsgarten gut gedeiht, wächst mutmasslich auch im eigenen Garten.
Nun ist es höchste Zeit für eine Bestandesaufnahme, die als Grundlage für die Entwürfe und Skizzen dienen kann. Notiert und aufgezeichnet werden neben Grundriss, Haus und Nebengebäuden auch der vorhandene Bestand an Pflanzen und Gehölzen, die Bodenverhältnisse, Angaben zu Licht- und Schattenverhältnissen mit dem Sonnenverlauf. Bevor in einem weiteren Schritt Wunschliste und Bestandesaufnahme im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und allenfalls der eigenen handwerklichen Fähigkeiten in Einklang gebracht werden können, sollte man sich ein wenig mit den Grundlagen der Gartengestaltung auseinandersetzen. Im gleichnamigen Kapitel erfährt der interessierte Leser Wichtiges zu Flächen und Formen, Perspektive und Strukturen, der Wirkung von Farben und Formen und dem Gestalten mit unterschiedlichen Werkstoffen und über die gezielte Verwendung von optischen Tricks. Eine grosse Menge an Fotos unterstützt den Leser bei der Entscheidungsfindung von Gartenstil, Elementen, Materialien und Bepflanzung.
Verschiedene Gartenelemente stehen im Fokus des nächsten Kapitels mit dem Titel „Von Sitzplätzen und Wegen – Gartenelemente“. Stichworte dazu sind vertikale Abgrenzungen und das Schaffen von Räumen, aber auch Technik und kleine Bauwerke wie Pergolen oder Gartenhaus, Beläge, Spielgeräte, Wege, Treppen, Sitzplätze, Möblierung, Dekorationsobjekte, Accessoires, Wasser und Beleuchtung.
Was wäre ein Garten ohne Bepflanzung? Auf über hundert Seiten geht es schliesslich ausführlich um die Pflanzenauswahl und ums Gestalten mit Pflanzen. Im Serviceteil werden weiterführende Literatur und Adressen von Vereinen, Bodenuntersuchungsinstituten, Bezugsquellen usw. aufgelistet. Ein Register rundet die gelungene praxisorientierte Publikation ab, die viele Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit einer Neu- oder Umgestaltung eines Gartens auftreten. Das Buch ist nicht nur für den Gartenneuling empfehlenswert, auch bereits erfahrenere Hobbygärtner werden ihr Wissen dank der wohldurchdachten und erprobten Ratschläge erweitern können. Hilfreich sind besonders auch die einzelnen Kapitelzusammenfassungen, wo auf Vor- und Nachteile von beispielsweise Materialien hingewiesen wird und dabei auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden.
Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth:
Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis
Kosmos Verlag, 2011
Das erste Kapitel „Inspiration – Vielfalt der Gartenstile“ gibt in groben Zügen Einblick in die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, dem Garten seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Soll es ein Naturgarten mit Blumenwiesen werden, oder stehen eher ein romantisch-verträumter Garten, ein formaler und eleganter Entwurf oder vielleicht eine asiatisch angehauchte Bepflanzung zur Debatte? Das Buch stellt aus der Vielfalt der Gartenstile unter anderem den Cottagegarten, den Kiesgarten und den mediterranen Garten vor. Die Autoren betonen immer wieder, wie wichtig es ist, sich mit der Gartengestaltung genügend Zeit zu lassen, um Ideen zu sammeln und auch wieder zu verwerfen. Natürlich ist ein Buch und sei es noch so vollgepackt mit Informationen wie das vorliegende nur einer der verschiedenen Wege die Richtung Wunschgarten zu gehen sind und ersetzt nicht den Besuch von Schaugärten, öffentlichen Anlagen und Privatgärten. Der Schwerpunkt bei solchen Gartenbesichtigungen sollte laut Thinschmidt und Böswirth dabei auf regionale Gärten gelegt werden, weil hier Klima und Bodenbeschaffenheit mit den heimischen Begebenheiten weitgehend übereinstimmen und gleichzeitig von Erfahrungen aus Erfolg und Misserfolg der dort wirkenden Gärtner profitiert werden kann. Was im Nachbarsgarten gut gedeiht, wächst mutmasslich auch im eigenen Garten.
Nun ist es höchste Zeit für eine Bestandesaufnahme, die als Grundlage für die Entwürfe und Skizzen dienen kann. Notiert und aufgezeichnet werden neben Grundriss, Haus und Nebengebäuden auch der vorhandene Bestand an Pflanzen und Gehölzen, die Bodenverhältnisse, Angaben zu Licht- und Schattenverhältnissen mit dem Sonnenverlauf. Bevor in einem weiteren Schritt Wunschliste und Bestandesaufnahme im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten und allenfalls der eigenen handwerklichen Fähigkeiten in Einklang gebracht werden können, sollte man sich ein wenig mit den Grundlagen der Gartengestaltung auseinandersetzen. Im gleichnamigen Kapitel erfährt der interessierte Leser Wichtiges zu Flächen und Formen, Perspektive und Strukturen, der Wirkung von Farben und Formen und dem Gestalten mit unterschiedlichen Werkstoffen und über die gezielte Verwendung von optischen Tricks. Eine grosse Menge an Fotos unterstützt den Leser bei der Entscheidungsfindung von Gartenstil, Elementen, Materialien und Bepflanzung.
Verschiedene Gartenelemente stehen im Fokus des nächsten Kapitels mit dem Titel „Von Sitzplätzen und Wegen – Gartenelemente“. Stichworte dazu sind vertikale Abgrenzungen und das Schaffen von Räumen, aber auch Technik und kleine Bauwerke wie Pergolen oder Gartenhaus, Beläge, Spielgeräte, Wege, Treppen, Sitzplätze, Möblierung, Dekorationsobjekte, Accessoires, Wasser und Beleuchtung.
Was wäre ein Garten ohne Bepflanzung? Auf über hundert Seiten geht es schliesslich ausführlich um die Pflanzenauswahl und ums Gestalten mit Pflanzen. Im Serviceteil werden weiterführende Literatur und Adressen von Vereinen, Bodenuntersuchungsinstituten, Bezugsquellen usw. aufgelistet. Ein Register rundet die gelungene praxisorientierte Publikation ab, die viele Fragen beantwortet, die im Zusammenhang mit einer Neu- oder Umgestaltung eines Gartens auftreten. Das Buch ist nicht nur für den Gartenneuling empfehlenswert, auch bereits erfahrenere Hobbygärtner werden ihr Wissen dank der wohldurchdachten und erprobten Ratschläge erweitern können. Hilfreich sind besonders auch die einzelnen Kapitelzusammenfassungen, wo auf Vor- und Nachteile von beispielsweise Materialien hingewiesen wird und dabei auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden.
Alice Thinschmidt und Daniel Böswirth:
Gartengestaltung – Inspiration, Planung, Praxis
Kosmos Verlag, 2011
9. November 2011
Andrea Haumer: Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr
Andrea Haumer gibt ein eigenes Online-Magazin heraus (Lifeart) und schreibt regelmässig eine Gartenkolumne mit dem Titel „Gartenlust“ für den österreichischen Kurier Freizeit. In ihrem gleichnamigen Buch führt sie den Leser in monatlichen Kapiteln durchs Gartenjahr und durch ihr grünes Reich. Jeweils rund zehn Seiten sind vollgepackt mit Informationen und Inspirationen zum Monatsthema, gegliedert in Essays, Gartentipps, Expertenwissen und den neuesten grünen Trends.
So steht beispielsweise der Monat Februar unter dem Motto Bodenbearbeitung, Bodenkunde und dem Züchten von Erde. Ein Mikrobiologe erklärt, warum das früher fleissig propagierte Umgraben der obersten Erdschicht katastrophale Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Mikroorganismen hat. Der Monat März wiederum ist dem Thema Gemüse gewidmet und im Mai sorgen kaiserliche Blütenträume für Höhepunkte: es geht um Pfingstrosen und japanischen Ahorn, während im Juni die Seiten mit Wissenswertem über die Rose gespickt sind und im Juli die Marille (Aprikose) dominiert. Wasserschönheiten, Kugellauch, Stauden und Gartengeräte stehen in den Folgemonaten im Mittelpunkt.
„Gartenlust“ ist zweifellos ein wunderschön illustriertes Buch mit tollen Fotos, die sich auch ausgezeichnet in einem Kalender machen würden. In dieser Mischung aus Ratgeber und Bildband werden wie beispielsweise in der Rubrik "Im grünen Trend" zwar etliche Themen angerissen, aber - wohl nicht zuletzt aus Platzgründen - meist nur oberflächlich besprochen und die (Pflanzen-)Auswahl dünkt mich eher zufällig.
Und wer mag zum Zielpublikum dieser Publikation gehören? Eher weniger der ambitionierte Hobbygärtner, der sich mit praktischem Gärtnern und durch intensives Lesen entsprechender Literatur bereits ein umfangreiches Wissen angeeignet hat als der Gärtner oder die Gärtnerin, die sich noch nicht sehr lange mit Garten und dem Drumherum beschäftigen. Bildband, Ratgeber oder Praxisbuch? Von allem etwas - vielleicht einfach ein schön gestaltetes grossformatiges Lesebuch, das man gerne mal durchblättert und sich an einem Winterabend an den schönen Bildern erfreut und gleichzeitig vom nächsten Frühling träumt.
Und jetzt muss ich doch mal noch genauer nachforschen, ob die Zaubernuss (Hamamelis) tatsächlich eine Staude ist oder - wie ich bisher immer geglaubt habe - ein Gehölz…
Andrea Haumer:
Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr
Callwey Verlag, 2011
So steht beispielsweise der Monat Februar unter dem Motto Bodenbearbeitung, Bodenkunde und dem Züchten von Erde. Ein Mikrobiologe erklärt, warum das früher fleissig propagierte Umgraben der obersten Erdschicht katastrophale Auswirkungen auf das Gleichgewicht der Mikroorganismen hat. Der Monat März wiederum ist dem Thema Gemüse gewidmet und im Mai sorgen kaiserliche Blütenträume für Höhepunkte: es geht um Pfingstrosen und japanischen Ahorn, während im Juni die Seiten mit Wissenswertem über die Rose gespickt sind und im Juli die Marille (Aprikose) dominiert. Wasserschönheiten, Kugellauch, Stauden und Gartengeräte stehen in den Folgemonaten im Mittelpunkt.
„Gartenlust“ ist zweifellos ein wunderschön illustriertes Buch mit tollen Fotos, die sich auch ausgezeichnet in einem Kalender machen würden. In dieser Mischung aus Ratgeber und Bildband werden wie beispielsweise in der Rubrik "Im grünen Trend" zwar etliche Themen angerissen, aber - wohl nicht zuletzt aus Platzgründen - meist nur oberflächlich besprochen und die (Pflanzen-)Auswahl dünkt mich eher zufällig.
Und wer mag zum Zielpublikum dieser Publikation gehören? Eher weniger der ambitionierte Hobbygärtner, der sich mit praktischem Gärtnern und durch intensives Lesen entsprechender Literatur bereits ein umfangreiches Wissen angeeignet hat als der Gärtner oder die Gärtnerin, die sich noch nicht sehr lange mit Garten und dem Drumherum beschäftigen. Bildband, Ratgeber oder Praxisbuch? Von allem etwas - vielleicht einfach ein schön gestaltetes grossformatiges Lesebuch, das man gerne mal durchblättert und sich an einem Winterabend an den schönen Bildern erfreut und gleichzeitig vom nächsten Frühling träumt.
Und jetzt muss ich doch mal noch genauer nachforschen, ob die Zaubernuss (Hamamelis) tatsächlich eine Staude ist oder - wie ich bisher immer geglaubt habe - ein Gehölz…
Andrea Haumer:
Gartenlust – Mein grünes Reich im ganzen Jahr
Callwey Verlag, 2011
5. November 2011
Ann Krentz as Amanda Quick: The Perfect Poison
Lucinda Bromley, einer jungen Botanikerin im England gegen Ende der viktorianischen Ära, haftet der schlimme Verdacht an, ihren Verlobten heimtückisch vergiftet zu haben. Beweise für diese angebliche Tat sind keine beizubringen. Dennoch beherrschte dieser Skandal wochenlang die Schlagzeilen und Lucinda wird seither weitgehend geächtet. Da sie aber über die spezielle Gabe verfügt, Gifte – speziell solche aus dem Pflanzenreich – riechen zu können, greift die Polizei immer wieder auf ihre Hilfe zurück, wenn es darum geht, mysteriöse Todesfälle aufzuklären, bei denen davon ausgegangen wird, dass eine Vergiftung zum Ableben geführt hat.
Als Lucinda von Inspector Speller zur Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn gerufen wird, stellt sie sofort fest, dass dieser eindeutig vergiftet worden ist und dem Giftcocktail Bestandteile eines Farns, Ameliopteris amazonensis, beigemischt worden sind. Diese Erkenntnis schockiert die junge Botanikerin. Denn in ganz England gibt es nur ein Exemplar dieser seltenen Spezies, das sie selber von ihrer letzten Expedition mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater mit nach Hause gebracht hat. Und bis vor einem Monat stand diese eine Pflanze in ihrem Wintergarten, wo sie gestohlen worden ist. Lucinda befürchtet, sofort wieder unter Tatverdacht zu geraten, und behält deshalb die Feststellungen aus ihrer Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn für sich. Gleichzeitig engagiert sie aber Caleb Jones, den Inhaber einer „psychical investigation agency.“, der über übersinnliche Fähigkeiten und als Mitglied der Arcane Society über ausgezeichnete Beziehungen verfügt. Er soll für sie herausfinden, wer hinter dem Farndiebstahl steckt und folglich auch in den Mord an Lord Fairburn involviert sein muss.
Schon bei der ersten Begegnung zwischen den beiden psychisch empfindsamen Menschen fliesst eine spezielle Energie.
Empfehlenswert für alle, die sich vom paranormalen Hintergrund des Romans nicht abschrecken lassen. Unter diesem Link lässt sich nachlesen, wie und warum die Autorin dazugekommen ist, einen Farn in die Geschichte einzubauen:
Ann Krentz as Amanda Quick:
The Perfect Poison
Jove Books, 2010
Als Lucinda von Inspector Speller zur Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn gerufen wird, stellt sie sofort fest, dass dieser eindeutig vergiftet worden ist und dem Giftcocktail Bestandteile eines Farns, Ameliopteris amazonensis, beigemischt worden sind. Diese Erkenntnis schockiert die junge Botanikerin. Denn in ganz England gibt es nur ein Exemplar dieser seltenen Spezies, das sie selber von ihrer letzten Expedition mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater mit nach Hause gebracht hat. Und bis vor einem Monat stand diese eine Pflanze in ihrem Wintergarten, wo sie gestohlen worden ist. Lucinda befürchtet, sofort wieder unter Tatverdacht zu geraten, und behält deshalb die Feststellungen aus ihrer Untersuchung des verstorbenen Lord Fairburn für sich. Gleichzeitig engagiert sie aber Caleb Jones, den Inhaber einer „psychical investigation agency.“, der über übersinnliche Fähigkeiten und als Mitglied der Arcane Society über ausgezeichnete Beziehungen verfügt. Er soll für sie herausfinden, wer hinter dem Farndiebstahl steckt und folglich auch in den Mord an Lord Fairburn involviert sein muss.
Schon bei der ersten Begegnung zwischen den beiden psychisch empfindsamen Menschen fliesst eine spezielle Energie.
Empfehlenswert für alle, die sich vom paranormalen Hintergrund des Romans nicht abschrecken lassen. Unter diesem Link lässt sich nachlesen, wie und warum die Autorin dazugekommen ist, einen Farn in die Geschichte einzubauen:
Ann Krentz as Amanda Quick:
The Perfect Poison
Jove Books, 2010
1. November 2011
Anke Kuhbier: Kluge Menschen und ihre schönen Gärten
"Besondere Frauen und ihre Gärten", "Künstler und ihre Gärten", "Modeschöpfer und ihre Gärten", "Männer und ihre aussergewöhnlichen Gärten" und nun also "Kluge Menschen und ihre schönen Gärten" – in den letzten Jahren sind immer wieder Bücher über besondere Menschen und ihre Gärten erschienen. Anke Kuhbier führt uns nun in ihrem neuen Buch als Gast in die Gärten von Denkern, Künstlern, Dichtern und Staatsmännern und zeigt uns diese Persönlichkeiten mit Schwerpunkt auf deren gärtnerischen Interessen und damit von einer oft unbekannten Seite. Einige dieser klugen Menschen sind samt ihren botanischen Interessen schon oft zwischen zwei Buchdeckeln vorgestellt worden oder haben wie beispielsweise William Robinson und Gertrude Jekyll selber Bücher über die Resultate veröffentlicht, die sie dank ihrer grünen Daumen erziehlt haben. Die hortikulturellen Vorlieben von anderen hingegen sind eher unbekannt.
Die jeweils achtseitigen Portraits sind gegliedert in einen erzählenden Teil, Fotos, eine kurzen Zusammenfassung über die Besonderheiten des jeweiligen Gartens und werden ergänzt durch Gartenpläne und Bilder von Werken der portraitierten Person. Haben Sie gewusst, dass sich auch Staatsoberhäupter wie George Washington, Winston Churchill und Konrad Adenauer in ihrer spärlich bemessenen Freizeit gerne mit Gärtnern beschäftigten und nichts gegen Erde unter den Fingernägeln einzuwenden hatten? Gleich drei gärtnernde Maler sind mit ihrer Inspirationsquelle vertreten: Claude Monet und sein Giverny, Max Liebermann und sein Wannsee-Garten sowie Emil Nolde und sein Garten im norddeutschen Seebüll. Stellvertretend für die schreibende Gilde stehen die Aufzeichnungen über Johann Wolfgang von Goethe, George Sand, Hermann Hesse, Bert Brecht oder Vita Sackville-West. Weiter vertreten sind Johann Gottfried Herder, Rudyard Kipling, Loki Schmidt, Moritz Landgraf von Hessen und Christoph Graf Douglas.
Speziell interessiert hat mich das Portrait über Hugh Johnson, dessen regelmässigen Beiträge im englischen Journal Hortus unter dem Titel „ Tradescant Diary“ ich schon lange genauso schätze wie sein Buch „In the Garden“ mit gesammelten Artikeln aus der Publikation „The Garden“ der Royal Horticultural Society. Letztere sind ebenfalls unter dem Pseudonym "Tradescant" verfasst worden. In der britischen Gartenszene war übrigens jahrelang darüber spekuliert worden, wer sich hinter dem Namen "Tradescant" verbirgt. Hugh Johnson ist nicht nur ein fulminanter Weinkenner und –kritiker sondern auch ein anerkannter Dendrologe, der auf seinem Grundstück über 1000 verschiedene Gehölze stehen hat und er zeichnet ausserdem als Verfasser des Gartenstandardwerkes „The Principles of Gardening“. Im vorliegenden Buch habe ich nun erstmals Bilder aus Johnsons grossem Garten gesehen. Seiner Gartenphilosophie entsprechend führt er einen eher zurückhaltender Kampf gegen Unkraut, dabei hat er genaue Vorstellung darüber, welche Bilder und Stimmungen er mit seiner Bepflanzung hervorrufen möchte. Anke Kuhbier schreibt in diesem Zusammenhang von einer (Zitat) "gekonnten Mischung aus naturnahem Wildwuchs und gezielten gestalterischen Massnahmen". Das Portait macht neugierig, die gärtnerischen Geheimnisse des Feinschmeckers Hugh Johnson zu erkunden!
Das Buch „Kluge Menschen und ihre schönen Gärten“ ist überaus verschwenderisch bebildert, die Qualität einzelner Fotos fand ich allerdings teilweise etwas enttäuschend. Besonders beeindruckend hingegen sind die mit Blumen bedruckten Pergamentseiten, die jedes Kapitel eröffnen. Abgerundet wird die gelungene Produktion durch Kurzbiografien, die analog zu den Portraits nach Geburtsjahr der vorgestellten Persönlichkeiten geordnet sind. Ein schönes Geschenk für Gartenfreunde und Leser und Leserinnen, die gleichzeitig historisch interessiert sind!
Anke Kuhbier:
Kluge Menschen und ihre schönen Gärten
Callwey Verlag, 2011
Die jeweils achtseitigen Portraits sind gegliedert in einen erzählenden Teil, Fotos, eine kurzen Zusammenfassung über die Besonderheiten des jeweiligen Gartens und werden ergänzt durch Gartenpläne und Bilder von Werken der portraitierten Person. Haben Sie gewusst, dass sich auch Staatsoberhäupter wie George Washington, Winston Churchill und Konrad Adenauer in ihrer spärlich bemessenen Freizeit gerne mit Gärtnern beschäftigten und nichts gegen Erde unter den Fingernägeln einzuwenden hatten? Gleich drei gärtnernde Maler sind mit ihrer Inspirationsquelle vertreten: Claude Monet und sein Giverny, Max Liebermann und sein Wannsee-Garten sowie Emil Nolde und sein Garten im norddeutschen Seebüll. Stellvertretend für die schreibende Gilde stehen die Aufzeichnungen über Johann Wolfgang von Goethe, George Sand, Hermann Hesse, Bert Brecht oder Vita Sackville-West. Weiter vertreten sind Johann Gottfried Herder, Rudyard Kipling, Loki Schmidt, Moritz Landgraf von Hessen und Christoph Graf Douglas.
Speziell interessiert hat mich das Portrait über Hugh Johnson, dessen regelmässigen Beiträge im englischen Journal Hortus unter dem Titel „ Tradescant Diary“ ich schon lange genauso schätze wie sein Buch „In the Garden“ mit gesammelten Artikeln aus der Publikation „The Garden“ der Royal Horticultural Society. Letztere sind ebenfalls unter dem Pseudonym "Tradescant" verfasst worden. In der britischen Gartenszene war übrigens jahrelang darüber spekuliert worden, wer sich hinter dem Namen "Tradescant" verbirgt. Hugh Johnson ist nicht nur ein fulminanter Weinkenner und –kritiker sondern auch ein anerkannter Dendrologe, der auf seinem Grundstück über 1000 verschiedene Gehölze stehen hat und er zeichnet ausserdem als Verfasser des Gartenstandardwerkes „The Principles of Gardening“. Im vorliegenden Buch habe ich nun erstmals Bilder aus Johnsons grossem Garten gesehen. Seiner Gartenphilosophie entsprechend führt er einen eher zurückhaltender Kampf gegen Unkraut, dabei hat er genaue Vorstellung darüber, welche Bilder und Stimmungen er mit seiner Bepflanzung hervorrufen möchte. Anke Kuhbier schreibt in diesem Zusammenhang von einer (Zitat) "gekonnten Mischung aus naturnahem Wildwuchs und gezielten gestalterischen Massnahmen". Das Portait macht neugierig, die gärtnerischen Geheimnisse des Feinschmeckers Hugh Johnson zu erkunden!
Das Buch „Kluge Menschen und ihre schönen Gärten“ ist überaus verschwenderisch bebildert, die Qualität einzelner Fotos fand ich allerdings teilweise etwas enttäuschend. Besonders beeindruckend hingegen sind die mit Blumen bedruckten Pergamentseiten, die jedes Kapitel eröffnen. Abgerundet wird die gelungene Produktion durch Kurzbiografien, die analog zu den Portraits nach Geburtsjahr der vorgestellten Persönlichkeiten geordnet sind. Ein schönes Geschenk für Gartenfreunde und Leser und Leserinnen, die gleichzeitig historisch interessiert sind!
Anke Kuhbier:
Kluge Menschen und ihre schönen Gärten
Callwey Verlag, 2011
29. Oktober 2011
J. M. Coetzee: Leben und Zeit des Michael K.
Michael K. kommt mit einer Hasenscharte zur Welt. Diese äusserliche Entstellung ist gepaart mit einem einfachen Intellekt und kein sehr erfolgsversprechender Start ins Leben. Die Mutter lehnt ihr Kind ab und so verbringt Michael K. den Grossteil seiner Jugendzeit in einem Heim. Als junger Erwachsener findet er Arbeit beim Gartenbauamt der Stadt, bleibt aber weiterhin ein Einzelgänger. Als er 31 Jahre alt ist, wird der Wunsch der kranken und bestimmenden Mutter immer fordernder, Kapstadt zu verlassen und auf Land zu ziehen, wo diese aufgewachsen ist. Doch die erforderliche Ausreisegenehmigung lässt auf sich warten. Schliesslich flüchten die beiden mit einer Art Handkarren, in welchen die Mutter eingepfercht ist und der vom Sohn gezogen wird, vor den kriegsähnlichen Zuständen.
Die Strapazen dieser fast unendlichen Reise übersteigen die Kräfte der kränkelnden Mutter. Sie stirbt noch auf dem Weg nach Prince Albert. Mit seinen wenigen verbliebenen Habseligkeiten, etwas Geld und einem Paket, das die Asche seiner Mutter enthält, zieht Michael K. alleine weiter. Er betrachtet es als seine Aufgabe, die sterblichen Überreste der Mutter an ihren Geburtsort zu tragen.
Nach verschiedenen Zwischenfällen, wie der Ausbeutung durch Soldaten, die ihm fast sein ganzes Barvermögen abknöpfen und der temporären Zwangseinteilung in eine Arbeiterkolonne, glaubt der Flüchtling die gesuchte Farm aus Mutters Kindertagen gefunden zu haben. Die Gebäude sind längst verlassen und genau wie das Umland völlig vernachlässigt. Michael K. richtet sich in einer Erdhöhle ein und baut Kürbis und Melonen an.
Völlig auf sich allein gestellt, weiss er nicht recht, wie sein Leben weiter verlaufen soll. Bis anhin hatte sich immer irgendwer bemüssigt gefühlt, ihm Aufträge und Befehle zu erteilen. Es scheint ihm zu genügen, den Rest seines noch jungen Lebens in dieser Abgeschiedenheit zu verbringen. Er möchte den Boden bestellen und sich von seiner Hände Arbeit ernähren. Diese relative Freiheit ist aber ständig von der Angst überschattet, entdeckt zu werden und sie ist auch nur von kurzer Dauer.
Das Buch ist in drei Teile von unterschiedlicher Länge gegliedert. Nach dem umfangreichen ersten Teil, den ich oben kurz zusammengefasst habe, wird der mittlere Teil aus der Perspektive eines Apothekers erzählt, der als Sanitätsoffizier für die Pflege des in ein Wiedereingliederungslager gesteckten Michael K. verantwortlich ist. Dieser Pfleger ist der einzige, der sich intensiv für Michael K., den er durchgehend falsch Michaels nennt, interessiert. Er versucht, an ihn heranzukommen und ihn samt seinen Handlungen und Bewegründen zu verstehen. Im kurzen dritten Teil wird Michael K.‘s Leben nach der Flucht aus dem Lager thematisiert.
Allfällige Berührungsängste gegenüber dem Autor und Nobelpreisträger J.M. Coetzee können Sie getrost ignorieren - lassen Sie sich doch auf eine lohnende (Wieder-)Entdeckung ein!
J. M. Coetzee:
Leben und Tod des Michael K.
Fischer Verlag, 1997/2003
Die Strapazen dieser fast unendlichen Reise übersteigen die Kräfte der kränkelnden Mutter. Sie stirbt noch auf dem Weg nach Prince Albert. Mit seinen wenigen verbliebenen Habseligkeiten, etwas Geld und einem Paket, das die Asche seiner Mutter enthält, zieht Michael K. alleine weiter. Er betrachtet es als seine Aufgabe, die sterblichen Überreste der Mutter an ihren Geburtsort zu tragen.
Nach verschiedenen Zwischenfällen, wie der Ausbeutung durch Soldaten, die ihm fast sein ganzes Barvermögen abknöpfen und der temporären Zwangseinteilung in eine Arbeiterkolonne, glaubt der Flüchtling die gesuchte Farm aus Mutters Kindertagen gefunden zu haben. Die Gebäude sind längst verlassen und genau wie das Umland völlig vernachlässigt. Michael K. richtet sich in einer Erdhöhle ein und baut Kürbis und Melonen an.
Völlig auf sich allein gestellt, weiss er nicht recht, wie sein Leben weiter verlaufen soll. Bis anhin hatte sich immer irgendwer bemüssigt gefühlt, ihm Aufträge und Befehle zu erteilen. Es scheint ihm zu genügen, den Rest seines noch jungen Lebens in dieser Abgeschiedenheit zu verbringen. Er möchte den Boden bestellen und sich von seiner Hände Arbeit ernähren. Diese relative Freiheit ist aber ständig von der Angst überschattet, entdeckt zu werden und sie ist auch nur von kurzer Dauer.
Das Buch ist in drei Teile von unterschiedlicher Länge gegliedert. Nach dem umfangreichen ersten Teil, den ich oben kurz zusammengefasst habe, wird der mittlere Teil aus der Perspektive eines Apothekers erzählt, der als Sanitätsoffizier für die Pflege des in ein Wiedereingliederungslager gesteckten Michael K. verantwortlich ist. Dieser Pfleger ist der einzige, der sich intensiv für Michael K., den er durchgehend falsch Michaels nennt, interessiert. Er versucht, an ihn heranzukommen und ihn samt seinen Handlungen und Bewegründen zu verstehen. Im kurzen dritten Teil wird Michael K.‘s Leben nach der Flucht aus dem Lager thematisiert.
Allfällige Berührungsängste gegenüber dem Autor und Nobelpreisträger J.M. Coetzee können Sie getrost ignorieren - lassen Sie sich doch auf eine lohnende (Wieder-)Entdeckung ein!
J. M. Coetzee:
Leben und Tod des Michael K.
Fischer Verlag, 1997/2003
25. Oktober 2011
Geschichten übern Gartenzaun und Neues übern Gartenzaun - DVDs aus dem DDR-TV-Archiv
Dank einer kleinen Notiz mit einer DVD-Empfehlung habe ich in den letzten Monaten bei garstigem Wetter meine heimsportlichen Verpflichtungen immer mal wieder mit Schrebergartengeschichten aus dem DDR-TV-Archiv verbunden. „Geschichten übern Gartenzaun“ ist eine vergnügliche Familienserie aus den frühen 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit nostalgischem Charme. Die drei DVDs enthalten sieben Episoden mit rund 60 Minuten Spielzeit und handeln von den Beziehungen zwischen den Parzellennachbarn sowie inner- und ausserfamiliären Konflikten. Die Geschichten heissen:
Im Mittelpunkt der Folgen steht Claudia, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die einen Garten in der fiktiven Dresdner Kleingartensparte „Ulenhorst“ übernehmen kann. Die älteste Tochter, eine angehende Gärtnerin, hat hier ein tolles Experimentierfeld und die drei jüngeren Geschwister genügend Platz für Kleintierhaltung und zum Spielen. Claudias Freund Manfred ist vom Projekt Schrebergarten zunächst weniger begeistert. Trotzdem packt er immer wieder mit an, denn nicht nur im Garten, sondern auch im stark heruntergekommenen Häuschen gibt es viel zu tun. Mit einer Pinselrenovation ist es nämlich nicht getan.
Nicht alle Parzellennachbarn heissen die Neuankömmlinge herzlich willkommen. Im Ablauf der Jahreszeiten lernt man die Schrebergärtner mit ihren Macken und Vorlieben gut kennen und meint bald, diese persönlich zu kennen und leidet auch mal mit, wenn jemand zu Unrecht des Kaninchendiebstahls verdächtigt wird oder die zwei plötzlich aufgetauchten Enkel sich als grosse Enttäuschung entpuppen.
Für den kommenden Indoor-Sport-Winter bin ich nun ebenfalls gerüstet. Ich habe nämlich entdeckt, dass eine weitere DVD-Box mit dem Titel „Neues übern Gartenzaun“ erschienen ist, so dass ich mich zwar nicht gerade auf Schnee und Eis freue, aber vielleicht mit etwas mehr Begeisterung auf den Stepper stehe als auch schon. Obwohl wegen Todesfall und Ausreise von Hauptdarstellern in die BRD anscheinend gewöhnungsbedürftige Umbesetzungen von Rollen vorgenommen worden sind, freue ich mich also bereits auf das Angucken der nächsten Folgen aus „Ulenhorst“. Falls Sie sich diese DVDs zulegen wollen, bitte daran denken, dass die Qualität nicht mit heutigen Produktionen mithalten kann (was dem Sehvergnügen aber keineswegs abträglich ist).
Geschichten übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2010
Neues übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2011
- Ein warmer Regen
- Die Bäume schlagen aus
- Maikühle
- Wochenendbesuche
- Vertrauen ist gut
- Hundstage und
- Die Leistungsschau
Im Mittelpunkt der Folgen steht Claudia, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die einen Garten in der fiktiven Dresdner Kleingartensparte „Ulenhorst“ übernehmen kann. Die älteste Tochter, eine angehende Gärtnerin, hat hier ein tolles Experimentierfeld und die drei jüngeren Geschwister genügend Platz für Kleintierhaltung und zum Spielen. Claudias Freund Manfred ist vom Projekt Schrebergarten zunächst weniger begeistert. Trotzdem packt er immer wieder mit an, denn nicht nur im Garten, sondern auch im stark heruntergekommenen Häuschen gibt es viel zu tun. Mit einer Pinselrenovation ist es nämlich nicht getan.
Nicht alle Parzellennachbarn heissen die Neuankömmlinge herzlich willkommen. Im Ablauf der Jahreszeiten lernt man die Schrebergärtner mit ihren Macken und Vorlieben gut kennen und meint bald, diese persönlich zu kennen und leidet auch mal mit, wenn jemand zu Unrecht des Kaninchendiebstahls verdächtigt wird oder die zwei plötzlich aufgetauchten Enkel sich als grosse Enttäuschung entpuppen.
Für den kommenden Indoor-Sport-Winter bin ich nun ebenfalls gerüstet. Ich habe nämlich entdeckt, dass eine weitere DVD-Box mit dem Titel „Neues übern Gartenzaun“ erschienen ist, so dass ich mich zwar nicht gerade auf Schnee und Eis freue, aber vielleicht mit etwas mehr Begeisterung auf den Stepper stehe als auch schon. Obwohl wegen Todesfall und Ausreise von Hauptdarstellern in die BRD anscheinend gewöhnungsbedürftige Umbesetzungen von Rollen vorgenommen worden sind, freue ich mich also bereits auf das Angucken der nächsten Folgen aus „Ulenhorst“. Falls Sie sich diese DVDs zulegen wollen, bitte daran denken, dass die Qualität nicht mit heutigen Produktionen mithalten kann (was dem Sehvergnügen aber keineswegs abträglich ist).
Geschichten übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2010
Neues übern Gartenzaun (DVD)
DDR-TV-Archiv / Icestorm Distribution GmbH, 2011
21. Oktober 2011
Noel Kingsbury: Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese
Die Arbeiten, sprich Gärten, von Penelope Hobhouse, Arabella Lennox-Boyd, John Brookes, Christine Orel oder Piet Oudolf sind dem interessierten Publikum hinlänglich bekannt oder ausführliche Informationen lassen sich zumeist relativ einfach beschaffen. Doch wie sieht wohl der nichtöffentliche Garten eines professionellen Gartengestalters aus? Wird hier zum Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit frischfröhlich nach Lust und Laune gebuddelt und eingepflanzt oder wird zuerst ein durchdachtes Konzept erstellt? Antworten auf diese Fragen finden sich in Noel Kingsburys Buch „Gärten!“, das hinter die privaten Hecken von fünfundzwanzig Gartengestaltern aus aller Welt blicken lässt.
Die illustrierten Portraits sind aufgeteilt in einen erzählenden Teil, eine Kurzbiografie, eine Auflistung öffentlich zugänglicher Gärten des entsprechenden Designers und eine Doppelseite mit dessen ausgewählten Lieblingspflanzen. Diese hier vorgestellten privaten Gärten, die teilweise auch als Schaugärten dienen, sind nicht minder verschieden als die kreativen Köpfe dahinter und dies liegt nicht nur daran, dass diesen in verschiedenen Klimazonen liegen. So finden sich im Garten der ehemaligen Malariaforscherin Christine Facer ein „Garten der kosmischen Evolution“ und ein Eingang ins Chaos-Tor (Chaos-Theorie). Dieser Garten ist nämlich ein Synonym für die wissenschaftlichen Interessen seiner Gestalterin, in welchem sich wie in einem Buch lesen lässt.
Katie Lukas aus Grossbritannien hat sich ihr Wissen durch learning by doing und einem Fünftagekurs in Planung der English Gardening School angeeignet. Sie gibt denn auch an, nur ungern vor einem weissen Blatt Papier zu sitzen, das mit kreativen Ideen gefüllt werden soll. Glücklich ist, wer wie die Gartengestalterin Jacqueline van der Kloit von sich behaupten kann, nicht zu arbeiten, sondern sein Geld mit einem bezahlten Hobby verdienen zu können und sich auch nicht vorstellen kann und will, in Rente zu gehen und sogar das Urlaubsende herbeisehnt!
Cleve West besitzt in der Stadt einen Mini-Garten, der nur beschränkt Raum für Experimente zulässt, weshalb er und seine Partnerin zusätzlich einen Kleingarten gepachtet haben, wo die beiden viel Gemüse anbauen. Mindestens so wichtig wie das Gärtnern ist den beiden das Treffen mit Freunden und Gartennachbarn. Und nicht zuletzt ist der Schrebergarten ein guter Ideenlieferant, auf den West schon beim Verfassen einer Fernsehkomödie oder beim Schreiben seines aktuellen Buches „Our Plot“ zurückgegriffen hat.
Neben den bereits weiter oben im Text erwähnten Namen werden die folgenden Gartengestalter in Wort und Bild vorgestellt: James Alexander Sinclair, Julian und Isabel Bannermann, Sue Berger, Roberto Burle Marx, Tracy DiSabato, Nancy Goslee Power, Naila Green, Isabelle Greene, Raymond Jungles, Jantiene T. Klein Roseboom, Ulf Nordfjell, Mien Ruys, Lauren Springer Ogden und Scott Ogden, Tom Stuart-Smith, Joe Swift und James van Sweden.
Über verschiedene der hier vorgestellten Gartengestalter und ihre Gärten habe ich schon öfters in einschlägigen englischen Publikationen gelesen und fand es nun sehr interessant, für einmal über deren privaten Paradiese zu lesen und Fotos aus denselben zu betrachten. Weitergehende Informationen über die Gartengestalter und Gartengestalterinnen finden sich im Serviceteil des Buches, wo neben einem Register und einer Liste mit Veröffentlichungen der portraitierten Gartendesigner auch deren Internet-Adressen aufgeführt sind.
Noel Kingsbury:
Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
Die illustrierten Portraits sind aufgeteilt in einen erzählenden Teil, eine Kurzbiografie, eine Auflistung öffentlich zugänglicher Gärten des entsprechenden Designers und eine Doppelseite mit dessen ausgewählten Lieblingspflanzen. Diese hier vorgestellten privaten Gärten, die teilweise auch als Schaugärten dienen, sind nicht minder verschieden als die kreativen Köpfe dahinter und dies liegt nicht nur daran, dass diesen in verschiedenen Klimazonen liegen. So finden sich im Garten der ehemaligen Malariaforscherin Christine Facer ein „Garten der kosmischen Evolution“ und ein Eingang ins Chaos-Tor (Chaos-Theorie). Dieser Garten ist nämlich ein Synonym für die wissenschaftlichen Interessen seiner Gestalterin, in welchem sich wie in einem Buch lesen lässt.
Katie Lukas aus Grossbritannien hat sich ihr Wissen durch learning by doing und einem Fünftagekurs in Planung der English Gardening School angeeignet. Sie gibt denn auch an, nur ungern vor einem weissen Blatt Papier zu sitzen, das mit kreativen Ideen gefüllt werden soll. Glücklich ist, wer wie die Gartengestalterin Jacqueline van der Kloit von sich behaupten kann, nicht zu arbeiten, sondern sein Geld mit einem bezahlten Hobby verdienen zu können und sich auch nicht vorstellen kann und will, in Rente zu gehen und sogar das Urlaubsende herbeisehnt!
Cleve West besitzt in der Stadt einen Mini-Garten, der nur beschränkt Raum für Experimente zulässt, weshalb er und seine Partnerin zusätzlich einen Kleingarten gepachtet haben, wo die beiden viel Gemüse anbauen. Mindestens so wichtig wie das Gärtnern ist den beiden das Treffen mit Freunden und Gartennachbarn. Und nicht zuletzt ist der Schrebergarten ein guter Ideenlieferant, auf den West schon beim Verfassen einer Fernsehkomödie oder beim Schreiben seines aktuellen Buches „Our Plot“ zurückgegriffen hat.
Neben den bereits weiter oben im Text erwähnten Namen werden die folgenden Gartengestalter in Wort und Bild vorgestellt: James Alexander Sinclair, Julian und Isabel Bannermann, Sue Berger, Roberto Burle Marx, Tracy DiSabato, Nancy Goslee Power, Naila Green, Isabelle Greene, Raymond Jungles, Jantiene T. Klein Roseboom, Ulf Nordfjell, Mien Ruys, Lauren Springer Ogden und Scott Ogden, Tom Stuart-Smith, Joe Swift und James van Sweden.
Über verschiedene der hier vorgestellten Gartengestalter und ihre Gärten habe ich schon öfters in einschlägigen englischen Publikationen gelesen und fand es nun sehr interessant, für einmal über deren privaten Paradiese zu lesen und Fotos aus denselben zu betrachten. Weitergehende Informationen über die Gartengestalter und Gartengestalterinnen finden sich im Serviceteil des Buches, wo neben einem Register und einer Liste mit Veröffentlichungen der portraitierten Gartendesigner auch deren Internet-Adressen aufgeführt sind.
Noel Kingsbury:
Gärten! – Gartengestalter aus aller Welt zeigen ihre privaten Paradiese
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
17. Oktober 2011
Susanne Mittag: Sternenkraut
Die dreizehnjährige Stella hat einen besonders ausgeprägten grünen Daumen. Statt mit anderen Mädchen in ihrem Alter zu spielen, spricht sie lieber mit Pflanzen und hängt im väterlichen Blumenladen herum. In der Schule wird sie denn auch Kräuterhexe genannt. Stellas Mutter Flora ist gestorben als sie zwei Jahre alt war. Eben hat das Mädchen zufällig herausgefunden, dass es sich bei der Zweitsprache, die sie von klein auf beherrscht und die sonst niemand aus ihrem Umfeld spricht und versteht, nicht um Walisisch handelt, wie sie immer geglaubt hat, und ist über diese Entdeckung ziemlich verwirrt. Während sie sich immer noch über ihre speziellen Sprachkenntnisse wundert, steht plötzlich ein seltsam gekleideter Mann mit Gehrock und Zylinder samt einer seltsamen Pflanze vor ihrer Haustüre. Der Fremde spricht ihre unbekannte Sprache und sucht nach einem Schlüssel, den Stella später bei den Sachen ihrer Mutter findet.
Tags darauf wird sie von einem seltsamen Jungen namens Kian angerempelt und in eine Falle gelockt. Unvermittelt findet sie sich dank Hilfe des Schlüssels in einer fremden Welt wieder, in welcher die Zeit ums Jahr 1900 stehen geblieben ist. Stella soll mit Kian und dem Mann, der bei ihr zuhause vor der Türe gestanden hat, eine Mission erfüllen. Ziel ist, möglichst viele Pflanzen aus einer Höhlenwelt zu besorgen, damit Kians schwer kranker Vater und viele andere Patienten mit einem Extrakt aus dem Gewächs geheilt werden können.
Da Stella der magische Schlüssel weggenommen worden ist, kann sie nicht mehr zurück zu ihrem Vater und muss wohl oder übel mit in die Höhlenwelt. Dort dienen Pilze als Lichtquelle und erlauben sogar das Wachsen von Kopfsalat, Broccoli, Rotkohl, Bohnen und Kräutern. Hier wird Stella auch erstmals als Pflanzenflüsterin bezeichnet und sie erfährt von einer anderen Pflanzenflüsterin den Namen der gesuchten Pflanze: Sternenkraut. Das Gewächs soll einen festen Stängel aufweisen und grasähnliche fingerlange Blätter und rote Blüten haben.
Die Suche nach der Heilpflanze führt durch dunkle Höhlen und Gänge und sie entpuppt sich als lebensgefährliches Abenteuer. Gleichzeitig kommt Stella dem Ursprung ihrer Begabung als Pflanzenflüsterin auf die Spur und sie findet heraus, weshalb sie die Sprache des Höhlenvolks spricht und warum sie überhaupt einen Schlüssel besitzt, der die Magie des Reisens in andere Welten und die Magie der Sprache in sich trägt.
Spannendes Jugendbuch auch für Erwachsene! Ein lohnender Spontankauf, zurückzuführen auf eine zufällige Entdeckung in einer Buchhandlung. Ausschlaggebend für die Auswahl waren das ansprechende Titelbild und die Entdeckung, dass eine wichtige Figur im Buch den nicht sehr geläufigen Namen einer mir nahestehenden Person trägt.
Susanne Mittag:
Sternenkraut
Verlag Carl Ueberreuter, 2011
Tags darauf wird sie von einem seltsamen Jungen namens Kian angerempelt und in eine Falle gelockt. Unvermittelt findet sie sich dank Hilfe des Schlüssels in einer fremden Welt wieder, in welcher die Zeit ums Jahr 1900 stehen geblieben ist. Stella soll mit Kian und dem Mann, der bei ihr zuhause vor der Türe gestanden hat, eine Mission erfüllen. Ziel ist, möglichst viele Pflanzen aus einer Höhlenwelt zu besorgen, damit Kians schwer kranker Vater und viele andere Patienten mit einem Extrakt aus dem Gewächs geheilt werden können.
Da Stella der magische Schlüssel weggenommen worden ist, kann sie nicht mehr zurück zu ihrem Vater und muss wohl oder übel mit in die Höhlenwelt. Dort dienen Pilze als Lichtquelle und erlauben sogar das Wachsen von Kopfsalat, Broccoli, Rotkohl, Bohnen und Kräutern. Hier wird Stella auch erstmals als Pflanzenflüsterin bezeichnet und sie erfährt von einer anderen Pflanzenflüsterin den Namen der gesuchten Pflanze: Sternenkraut. Das Gewächs soll einen festen Stängel aufweisen und grasähnliche fingerlange Blätter und rote Blüten haben.
Die Suche nach der Heilpflanze führt durch dunkle Höhlen und Gänge und sie entpuppt sich als lebensgefährliches Abenteuer. Gleichzeitig kommt Stella dem Ursprung ihrer Begabung als Pflanzenflüsterin auf die Spur und sie findet heraus, weshalb sie die Sprache des Höhlenvolks spricht und warum sie überhaupt einen Schlüssel besitzt, der die Magie des Reisens in andere Welten und die Magie der Sprache in sich trägt.
Spannendes Jugendbuch auch für Erwachsene! Ein lohnender Spontankauf, zurückzuführen auf eine zufällige Entdeckung in einer Buchhandlung. Ausschlaggebend für die Auswahl waren das ansprechende Titelbild und die Entdeckung, dass eine wichtige Figur im Buch den nicht sehr geläufigen Namen einer mir nahestehenden Person trägt.
Susanne Mittag:
Sternenkraut
Verlag Carl Ueberreuter, 2011
13. Oktober 2011
William Graffam: Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde
Schon der Titel dieses humorigen Buches lässt vermuten, dass da einer nicht ganz freiwillig in der Erde herumwühlt. Es ist denn auch die Frau des erzählenden Pastors, die lange von einem Garten geträumt hat und diesen Wunsch nach einem Umzug aufs Land endlich Wirklichkeit werden lassen will. Schliesslich steht nun rund um die Pfarrei ein grosses Stück Land zur Verfügung, dass nur darauf wartet in einen prächtigen Garten Eden verwandelt zu werden.
Die treibende Kraft im Projekt Garten, sprich die Pfarrersfrau, versucht also, ihren Mann mit ihrer Begeisterung anzustecken. Sie probiert es mit aufmunternden Worten wie „du brauchst unbedingt sportliche Betätigung und frische Luft!“. Oder „Gartenarbeit ist gesund und du nimmst Anteil an der Schöpfung“, worauf der Pastor kontert, er betrachte gärtnern nicht als Schöpfung sondern Erschöpfung.
Als Graffam dieses Buch verfasst hat, konnte er auf einige Jahre praktischer Erfahrung im grünen Bereich zurückblicken und berichtet nun unter dem Titel „Ach, du liebes Grün!“ über seine Erlebnisse beim Aneignen diverser zweckdienlicher Fertigkeiten rund ums Haus. Dabei hat er nicht vergessen anzumerken, der tiefere Grund für das Schreiben dieser Zeilen diene dazu, auf ihn und andere Leidensgenossen aufmerksam zu machen und ihnen die zustehende Portion Mitleid zukommen zu lassen.
Beim Lesen der Kapitelüberschriften wird Neugierde geweckt und die Vorfreude auf hortikulturelle Anekdoten wächst bei Titeln wie „Rasen(d) mähen“, „Feindesland“, „Garten-Moden“, „Leichtbauweise“ oder „Von wegen gesund“. Beim Weiterlesen wird der gärtnernde Leser nicht enttäuscht. Da berichtet Pastor Graffam, warum er es lieber gesehen hätte, wenn im Fernseh-Krimi ein Hersteller von Fertig-Gartenhäusern ermordet worden wäre statt des Erbonkels. Hat Graffam beim Aufstellen eines solchen das 2. Gebot doch etwas überstrapaziert. Etwas mehr Begeisterung zeigt der Autor, ein gebürtiger Amerikaner, für die Idee seiner Liebsten, einen englischen Garten anzulegen. Schliesslich gelten die Engländer ja nicht als so fleissig wie die Deutschen, woraus er schlussfolgert, dass ein englischer Garten ein Synonym für einen pflegeleichten Wald- und Wiesengarten ist.
Herrlich erfrischende Lektüre!
William Graffam:
Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde
Kosmos Verlag, 2011
Die treibende Kraft im Projekt Garten, sprich die Pfarrersfrau, versucht also, ihren Mann mit ihrer Begeisterung anzustecken. Sie probiert es mit aufmunternden Worten wie „du brauchst unbedingt sportliche Betätigung und frische Luft!“. Oder „Gartenarbeit ist gesund und du nimmst Anteil an der Schöpfung“, worauf der Pastor kontert, er betrachte gärtnern nicht als Schöpfung sondern Erschöpfung.
Als Graffam dieses Buch verfasst hat, konnte er auf einige Jahre praktischer Erfahrung im grünen Bereich zurückblicken und berichtet nun unter dem Titel „Ach, du liebes Grün!“ über seine Erlebnisse beim Aneignen diverser zweckdienlicher Fertigkeiten rund ums Haus. Dabei hat er nicht vergessen anzumerken, der tiefere Grund für das Schreiben dieser Zeilen diene dazu, auf ihn und andere Leidensgenossen aufmerksam zu machen und ihnen die zustehende Portion Mitleid zukommen zu lassen.
Beim Lesen der Kapitelüberschriften wird Neugierde geweckt und die Vorfreude auf hortikulturelle Anekdoten wächst bei Titeln wie „Rasen(d) mähen“, „Feindesland“, „Garten-Moden“, „Leichtbauweise“ oder „Von wegen gesund“. Beim Weiterlesen wird der gärtnernde Leser nicht enttäuscht. Da berichtet Pastor Graffam, warum er es lieber gesehen hätte, wenn im Fernseh-Krimi ein Hersteller von Fertig-Gartenhäusern ermordet worden wäre statt des Erbonkels. Hat Graffam beim Aufstellen eines solchen das 2. Gebot doch etwas überstrapaziert. Etwas mehr Begeisterung zeigt der Autor, ein gebürtiger Amerikaner, für die Idee seiner Liebsten, einen englischen Garten anzulegen. Schliesslich gelten die Engländer ja nicht als so fleissig wie die Deutschen, woraus er schlussfolgert, dass ein englischer Garten ein Synonym für einen pflegeleichten Wald- und Wiesengarten ist.
Herrlich erfrischende Lektüre!
William Graffam:
Ach, du liebes Grün! Wie der Mann meiner Frau zum Gärtner wurde
Kosmos Verlag, 2011
9. Oktober 2011
Christine Trüb: Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten
In einer Buchhandlung wird eine Frau gleich beim ersten Satz einer Neuerscheinung mit dem Titel „Une vie discrète“ vom Geschriebenen gefesselt. Sie fühlt sich um ein paar Jahre zurückkatapultiert, als sie sich genau wie die Romanfigur mit einem weissen Zettel in der Hand aufmachte, einem ihr bis anhin unbekannten Menschen Platz in ihrem Leben einzuräumen. Während der Suche der richtigen Adresse nochmals zögerlich überlegend, ob es tatsächlich angebracht ist, eine lange verborgene Liebe ans Licht zu zerren und einen Menschen kennenzulernen, der im Parallelleben ihres Vaters ohne ihr (der Tochter) Wissen über Jahrzehnte einen wichtigen Platz innehatte. Möchte sie tatsächlich ihr bis anhin unbekannte Seiten am Vater entdecken? Einem Mann, den sie so gut zu kennen geglaubt hatte? Und feststellen müssen, dass ihre Wahrnehmungen und Gefühle nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmten? In ihr Zögern mischten sich Erinnerungen daran, wie immer wieder das Telefon dreimal kurz läutete und abrupt verstummte und der Vater entgegen seinen üblichen Gewohnheiten jede Gelegenheit nutzte, lange Telefongespräche zu führen – sobald die Mutter ausser Haus war.
Die Tochter hat damals mit dem Zettel in der Hand den kleinen Schritt mit grossen Folgen gewagt und die Geliebte ihres Vaters in ihr Leben gelassen. Sie hat erfahren, wie sich die beiden kennengelernt haben, hörte von einer nicht lange dauernden Trennung und der Wiederaufnahme der Fernbeziehung und wie nahe sich ihr Vater und diese Frau trotzdem waren, von den Träumen der beiden und der unerfüllten Sehnsucht, nach England zu ziehen und ein gemeinsames Leben zu beginnen. Warum hat den beiden der Mut dazu gefehlt? Die Mutter und Frau des Vaters hat irgendwann von der Geliebten ihres Mannes erfahren. Während ihre Welt auseinanderbricht, sie nach Gründen und Erklärungen sucht, weigert sich der Mann zu reden und verharmlost die angeblich längst beendete Beziehung.
Die Dreiecksgeschichte wird abwechslungsweise erzählt aus der Sicht der Tochter, der seit Jahrzehnten verheirateten Frau und – kursiv gedruckt – aus der Sicht der Geliebten, die sich mit gestohlenen Stunden, abverdient durch stundenlange Hin- und Rückreise per Bahn und ab und zu einem Wochenende an einer Tagung begnügen musste. Im Übrigen blieben ihr nur Briefe und Telefonate, nämlich Rückrufe auf ihre Klingeltonsignale. Während die Geliebte sich ein Leben an der Seite des starken Charakterkopfes mit Reisen, interessanten Begegnungen und Bekanntschaften gewünscht hat, erfährt man von der Frau von den schwierigeren Seiten des unbeugsamen Gatten, der in der Familie sehr autoritär auftritt.
Die beiden Frauen teilen aber nicht nur über mehrere Jahrzehnte ihre Liebe zum gleichen und doch anderen Mann. Beide haben eine wichtige Beziehung zu ihrem Garten. Die Schönheit des Gartens, der um das Haus herumführt, wo die leidigen Klingelzeichen ertönten, und ihre Zwiegespräche mit Pflanzen trösteten die Ehefrau über ihre Enttäuschung, Wut und das Unausgesprochene, das aus der andauernden ausserehelichen Beziehung ihres Ehemannes resultierte, hinweg. Die Geliebte hingegen träumte jahrelang davon, ihre grosse Liebe in ihrem Garten begrüssen zu können. Erst als der Vater 91jährig ein Pflegefall wird und die Ehefrau im selben Heim keinen Platz findet, können er und die Geliebte die letzten ihm noch verbleibenden Monate zusammen als Paar verbringen und das Doppelleben wird erst durch seinen Tod beendet.
Eine sehr stimmig geschriebene Dreiecksgeschichte. Schade habe ich erst im Nachhinein von der Lesung aus diesem Buch Ende September in Zürich erfahren.
Christine Trüb:
Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten
Limbus Verlag, 2011
Die Tochter hat damals mit dem Zettel in der Hand den kleinen Schritt mit grossen Folgen gewagt und die Geliebte ihres Vaters in ihr Leben gelassen. Sie hat erfahren, wie sich die beiden kennengelernt haben, hörte von einer nicht lange dauernden Trennung und der Wiederaufnahme der Fernbeziehung und wie nahe sich ihr Vater und diese Frau trotzdem waren, von den Träumen der beiden und der unerfüllten Sehnsucht, nach England zu ziehen und ein gemeinsames Leben zu beginnen. Warum hat den beiden der Mut dazu gefehlt? Die Mutter und Frau des Vaters hat irgendwann von der Geliebten ihres Mannes erfahren. Während ihre Welt auseinanderbricht, sie nach Gründen und Erklärungen sucht, weigert sich der Mann zu reden und verharmlost die angeblich längst beendete Beziehung.
Die Dreiecksgeschichte wird abwechslungsweise erzählt aus der Sicht der Tochter, der seit Jahrzehnten verheirateten Frau und – kursiv gedruckt – aus der Sicht der Geliebten, die sich mit gestohlenen Stunden, abverdient durch stundenlange Hin- und Rückreise per Bahn und ab und zu einem Wochenende an einer Tagung begnügen musste. Im Übrigen blieben ihr nur Briefe und Telefonate, nämlich Rückrufe auf ihre Klingeltonsignale. Während die Geliebte sich ein Leben an der Seite des starken Charakterkopfes mit Reisen, interessanten Begegnungen und Bekanntschaften gewünscht hat, erfährt man von der Frau von den schwierigeren Seiten des unbeugsamen Gatten, der in der Familie sehr autoritär auftritt.
Die beiden Frauen teilen aber nicht nur über mehrere Jahrzehnte ihre Liebe zum gleichen und doch anderen Mann. Beide haben eine wichtige Beziehung zu ihrem Garten. Die Schönheit des Gartens, der um das Haus herumführt, wo die leidigen Klingelzeichen ertönten, und ihre Zwiegespräche mit Pflanzen trösteten die Ehefrau über ihre Enttäuschung, Wut und das Unausgesprochene, das aus der andauernden ausserehelichen Beziehung ihres Ehemannes resultierte, hinweg. Die Geliebte hingegen träumte jahrelang davon, ihre grosse Liebe in ihrem Garten begrüssen zu können. Erst als der Vater 91jährig ein Pflegefall wird und die Ehefrau im selben Heim keinen Platz findet, können er und die Geliebte die letzten ihm noch verbleibenden Monate zusammen als Paar verbringen und das Doppelleben wird erst durch seinen Tod beendet.
Eine sehr stimmig geschriebene Dreiecksgeschichte. Schade habe ich erst im Nachhinein von der Lesung aus diesem Buch Ende September in Zürich erfahren.
Christine Trüb:
Die Liebe der beiden Frauen zu den Gärten
Limbus Verlag, 2011
5. Oktober 2011
Cordula Hamann: Die schönsten Gärtnereien – Entdecken, stöbern, geniessen
Cordula Hamann nimmt den Leser in ihrem aktuellen Buch mit in 23 Erlebnisgärtnereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den vorgestellten Betrieben lässt sich nicht nur nach teilweise sehr speziellen Gartenschätzen suchen, in Schaugärten lassen sich gleichzeitig Ideen für Farb- und Strukturkombinationen im heimischen Garten finden, fachkundige Beratung inklusive.
Jede Gärtnerei wird in einem sechsseitigen Portrait in Wort und Bild vorgestellt. Da gibt es beispielsweise eine Gutsgärtnerei, die von alten schützenden Backsteinmauern umfriedet ist. Zwei initiative Frauen haben das lange unbenutzte Gärtnereigelände mit einem durchdachten Konzept aus dem Dornröschen- oder besser Distel-Schlaf geweckt.
Die Auszeichnung spezielle Pflanze muss nicht gleichbedeutend mit einer exotischen Herkunft sein. Besonders eindrücklich kommt diese Tatsache in den Portraits über den Allgäuer Kräutergarten und die Wildstaudengärtnerei von Patricia Willi in der Nähe von Luzern zum Ausdruck. Schliesslich ist es kein Geheimnis, dass einheimische, der Witterung angepasste Sorten nicht nur einen Standortvorteil für sich verbuchen können. Und bei Patricia Willi wird getreu dem Motto „die Natur ist nicht Rahmen, sondern Inhalt“ streng nach biologischen Richtlinien und Demeter-Grundsätzen gegärtnert. Das Sortiment umfasst über 500 verschiedene Wildstauden, was ungefähr einem Sechstel der Wildpflanzen in der Schweiz entspricht. Zu den weiteren vorgestellten Betrieben gehören die Duft- und Wandelgärtnerei Schobel, die Stadtgärtnerei Zürich, die Rosenschule Ruf und die Staudengärtnereien Gaissmayer, Ewald Hügin und Sarastro.
Im Serviceteil sind alle Betriebe mit Anschrift und Webadressen aufgelistet. Das Buch enthält leider kein Register. Vermisst habe ich eine Länderkarte, aus der mühelos die Lage der mir (noch) unbekannten Gärtnereien ersichtlich ist. Die Auswahl der Gärtnereien dünkt mich etwas willkürlich. Die Schweiz ist zwar klein, aber so klein wie das Gebiet, in welchem sich die vorgestellten Betriebe befinden ist sie denn doch nicht und auch in anderen Regionen gibt es interessanten Gärtnereien zu entdecken. Für einen allfälligen Folgeband wüsste ich jedenfalls ein paar Betriebe, die eine detaillierte Erwähnung wert wären.
Nichtsdestotrotz ein schön gestalteter und informativer Gärtnereiführer – zum Mitnehmen auf eine Reise allerdings eher zu schade. Interessant und inspirierend ist das Buch wohl weniger für diejenigen, die die portraitierten Betriebe bereits kennen, als für Gartenbegeisterte, die noch am Anfang des „Spezialisierens“ stehen. Also für jene, die vielleicht nicht mehr zufrieden sind mit dem allenthalben erhältlichen Standardsortiment an Pflanzen und sich eine grössere Auswahl wünschen. Bei der Lektüre habe ich bedauert, nicht schon früher von den interessanten Gärtnereien in Kehl und mitten in Frankfurt gewusst zu haben. Besonders dem Betrieb mitten in der Grossstadt hätte ich liebend gerne einen Besuch abgestattet. Immerhin bleibt mir als schwacher Trost, dass der Oktober sowieso nicht die optimalste Jahreszeit dafür gewesen wäre. Dank des Buches habe auch ich von einigen mir bis dato unbekannten Betrieben erfahren und hoffe nun, dass sich bald einmal die Gelegenheit ergibt, meine Liste der bereits besuchten Gärtnereien, auf der bereits Namen wie Ewald Hügin, Sarastro, Gaissmayer, Landhaus Ettenbühl und Seleger Moor stehen, zu erweitern.
Cordula Hamann:
Die schönsten Gärtnereien
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
Jede Gärtnerei wird in einem sechsseitigen Portrait in Wort und Bild vorgestellt. Da gibt es beispielsweise eine Gutsgärtnerei, die von alten schützenden Backsteinmauern umfriedet ist. Zwei initiative Frauen haben das lange unbenutzte Gärtnereigelände mit einem durchdachten Konzept aus dem Dornröschen- oder besser Distel-Schlaf geweckt.
Die Auszeichnung spezielle Pflanze muss nicht gleichbedeutend mit einer exotischen Herkunft sein. Besonders eindrücklich kommt diese Tatsache in den Portraits über den Allgäuer Kräutergarten und die Wildstaudengärtnerei von Patricia Willi in der Nähe von Luzern zum Ausdruck. Schliesslich ist es kein Geheimnis, dass einheimische, der Witterung angepasste Sorten nicht nur einen Standortvorteil für sich verbuchen können. Und bei Patricia Willi wird getreu dem Motto „die Natur ist nicht Rahmen, sondern Inhalt“ streng nach biologischen Richtlinien und Demeter-Grundsätzen gegärtnert. Das Sortiment umfasst über 500 verschiedene Wildstauden, was ungefähr einem Sechstel der Wildpflanzen in der Schweiz entspricht. Zu den weiteren vorgestellten Betrieben gehören die Duft- und Wandelgärtnerei Schobel, die Stadtgärtnerei Zürich, die Rosenschule Ruf und die Staudengärtnereien Gaissmayer, Ewald Hügin und Sarastro.
Im Serviceteil sind alle Betriebe mit Anschrift und Webadressen aufgelistet. Das Buch enthält leider kein Register. Vermisst habe ich eine Länderkarte, aus der mühelos die Lage der mir (noch) unbekannten Gärtnereien ersichtlich ist. Die Auswahl der Gärtnereien dünkt mich etwas willkürlich. Die Schweiz ist zwar klein, aber so klein wie das Gebiet, in welchem sich die vorgestellten Betriebe befinden ist sie denn doch nicht und auch in anderen Regionen gibt es interessanten Gärtnereien zu entdecken. Für einen allfälligen Folgeband wüsste ich jedenfalls ein paar Betriebe, die eine detaillierte Erwähnung wert wären.
Nichtsdestotrotz ein schön gestalteter und informativer Gärtnereiführer – zum Mitnehmen auf eine Reise allerdings eher zu schade. Interessant und inspirierend ist das Buch wohl weniger für diejenigen, die die portraitierten Betriebe bereits kennen, als für Gartenbegeisterte, die noch am Anfang des „Spezialisierens“ stehen. Also für jene, die vielleicht nicht mehr zufrieden sind mit dem allenthalben erhältlichen Standardsortiment an Pflanzen und sich eine grössere Auswahl wünschen. Bei der Lektüre habe ich bedauert, nicht schon früher von den interessanten Gärtnereien in Kehl und mitten in Frankfurt gewusst zu haben. Besonders dem Betrieb mitten in der Grossstadt hätte ich liebend gerne einen Besuch abgestattet. Immerhin bleibt mir als schwacher Trost, dass der Oktober sowieso nicht die optimalste Jahreszeit dafür gewesen wäre. Dank des Buches habe auch ich von einigen mir bis dato unbekannten Betrieben erfahren und hoffe nun, dass sich bald einmal die Gelegenheit ergibt, meine Liste der bereits besuchten Gärtnereien, auf der bereits Namen wie Ewald Hügin, Sarastro, Gaissmayer, Landhaus Ettenbühl und Seleger Moor stehen, zu erweitern.
Cordula Hamann:
Die schönsten Gärtnereien
Deutsche Verlags-Anstalt, 2011
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