21. November 2010

Garden Tales

Seit 1994 öffnen Cynthia und John Ramsden regelmässig ihre Gartentore für ein interessiertes Publikum. Fanshaw Gate Hall, wo das Ehepaar seit über fünfzig Jahren wohnt und gärtnert, hat sich mit den Jahren zu einem der meistbesuchten Privatgärten in Derbyshire entwickelt. Im Buch „Garden Tales“ erzählen neben den Eigentümern rund vierzig fleissige Helferinnen und Helfer über ihre vielfältigen Aufgaben an diesen Publikumstagen und ihre Motivation sich zu engagieren. Der bis ins kleinste Detail durchorganisierte Anlass soll nämlich das Geld in der Kasse klingeln lassen, damit möglichst viele karitative Projekte unterstützt werden können.

Gärtner kommen ebenso zu Wort wie Jack’s Ladies, eine Gruppe von Frauen, die für das leibliche Wohl der Gäste zuständig ist. Die einen haben schon als Teenager mit Gartenarbeit auf Fanshaw Gate Hall ein Taschengeld verdient, andere haben selber keinen grünen Daumen, helfen aber gerne mit beim Pflanzen- und Ticketverkauf oder in der Küche. Allen Portraitierten gemeinsam ist die Begeisterung für den Garten. Das letzte Wort gehört übrigens dem Araucan-Hahn „Arry“.

Die vielen Geschichten und Fotos wecken die Lust, auf einen Ausflug in diesen Garten, um die Pracht mit eigenen Augen zu bestaunen und vielleicht mit der einen oder anderen vorgestellten Person ein Schwätzchen zu halten. Ein geeignetes Mittel, um die Zeit bis zur allfälligen Verwirklichung eines solchen Vorhabens zu überbrücken, ist wahrscheinlich das erste Buch von Cynthia Ramsden: A Garden in my Life.



Cynthia Ramsden:
Garden Tales
Grafika Ltd, 2009

19. November 2010

Die wunderbare Welt der Rosie Duncan

Als sie um fünf Uhr früh an einem Samstagmorgen mit ihrer Mutter für eine Hochzeit eine grosse Menge Knopflochsträusse binden muss, hat die damals zwölfjährige Engländerin Rosie Duncan beschlossen, niemals Floristin zu werden. Die Strasse des Lebens führt nicht immer dorthin, wo wir es geplant haben, und so führt Rosie nun in ihrer Lieblingsstadt New York einen florierenden Blumenladen – Kowalski’s.

Ausser ihrer besten Freundin Celia weiss niemand, warum Rosie nach Amerika gekommen ist und schliesslich Zuflucht inmitten von Mr. Kowalskis Blumen gesucht hat. Die junge Frau kann auf ihre Freunde und Mitarbeiter zählen und ist auch ohne Partner glücklich, blockt aber jedes Gespräch ihre Vergangenheit betreffend ab. Doch als sie Nate kennenlernt, beginnen diese Grundfesten zu bröckeln.

Romantischer Roman in blumiger Umgebung mit vielen integrierten kleinen Geschichten über meistens nette Kunden und unzähligen Gründen, Blumen zu kaufen und zu verschenken. Speziell empfehlenswert auch für New York-Liebhaber. Den Lesespass habe ich noch gesteigert, in dem ich parallel zu dieser Lektüre im New York City Garden Guide von Berner/Lowry geblättert habe.



Miranda Dickinson:
Die wunderbare Welt der Rosie Duncan
Wilhelm Heyne Verlag, 2010

17. November 2010

„… Der König vom Bodensee“

Vor ein paar Jahren habe ich die Autobiographie „… ein Leben für die Mainau“ von Lennart Bernadotte und Gunna Wendts Portrait über die Gräfin Sonja Bernadotte gelesen. Anlässlich unseres Besuches auf der Blumeninsel Mainau zum Abschluss der Dahlienblüte habe ich ein paar Euro in die nicht mehr gerade druckfrische illustrierte Biografie über Lennart Bernadotte von Roger Orlik investiert.

Haben Sie gewusst, dass Lennart Bernadotte ein bekannter Fotograf war und auch Filme gedreht hat? 1951 war er beispielsweise an der Produktion des Films „Kon-Tiki“ beteiligt, welcher seinerzeit den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewonnen hat.

Neben einem detaillierten Einblick in die Kindheit am schwedischen Königshof und die verwandtschaftlichen Beziehungen zur russischen Zarenfamilie, erfährt der hortikulturell interessierte Leser im Buch „… Der König vom Bodensee“ auch, dass Friedrich I., Grossherzog von Baden, ein spezieller Naturliebhaber und Baumkundler war und grosse Teile der Insel Mainau in einen botanischen Park mit Rosengarten verwandelt hat. Aus dem Erbfürsten Lennart Bernadotte wurde bekanntlich nach seiner Heirat mit einer Bürgerlichen ein einfacher Bürger und sein einziges Habe war die Insel Mainau. Als das junge Ehepaar 1932 im Süden Deutschlands eintraf, wartete eine Menge Arbeit auf die Frischvermählten: das Arboretum hatte sich zu einem Dschungel entwickelt, auch im Schloss waren grössere Renovationen nötig und es war ein weiter Weg zum florierenden Unternehmen Insel Mainau, wie wir es heute kennen.

Da fast zehn Jahre seit Erscheinen des Buches vergangen sind, ist es natürlich nicht mehr auf dem aktuellsten Stand. Die Bildqualität lässt teilweise auch zu wünschen übrig – alles in allem ist das Preis-Leistungsverhältnis in Ordnung. Ich habe die Lektüre jedenfalls genossen und neben altbekanntem auch allerhand mir bisher unbekanntes erfahren.



Roger Orlik:
„… Der König vom Bodensee“
SP Verlag, 2002

14. November 2010

Aus der Sicht eines Gewächshauses …

Man sagt, alte Häuser hätten viel zu berichten, falls sie reden könnten. Dann mag dies wohl auch für Gewächshäuser zutreffen. Spielen Sie mit dem Gedanken, im Garten ein solches aufzustellen? Dann ist es vielleicht eine Überlegung wert, vorher über das allfällige Seelenleben solcher Bauten nachzudenken. Susan Hillmore hat ein sehr spezielles Buch geschrieben, und zwar eine Geschichte aus der Sicht eines Gewächshauses. Kein Kleingewächshaus ist es zwar, von dem berichtet wird - nein, es ist etwa dreimal so hoch wie ein Mann und wirkt trotz der symmetrischen Struktur sehr zerbrechlich.

Das Gewächshaus erlebt den Wechsel der Jahreszeiten hautnah oder genauer „glasnah“ mit. Nach dem Blühen der Lenzrosen im frühen Frühling folgt die Fliederblüte, bald darauf die warmen Sommerabende, dann das Reifen und Ernten im Herbst und die Winterruhe. Es steht auf Land, das zu einem Bauernhof gehört und hat schon viele Männer in den Krieg ziehen sehen, die nicht mehr zurückkamen.

Aktueller Besitzer ist ein Vater, der jahrelang versucht, seine Unzulänglichkeiten durch die perfekte Pflege von tropischen Pflanzen – insbesondere Orchideen -, die er im Gewächshaus hegt, zu kompensieren. Schliesslich begibt er sich auf eine lange botanische Exkursion nach Südost-Asien und stirbt auf der Rückreise an einem Fieber. Alle Orchideen werden verkauft. Und das kein Geld mehr für Heizmaterial vorhanden ist, hat selbstredend einen direkten Einfluss auf das Gewächshaus.

Melancholische, poetische Lektüre, aber keinesfalls verrückt oder langweilig.



Susan Hillmore:
The Greenhouse
New Amsterdam Books, 1988