15. Januar 2015

Elisabeth Meyer-Renschhausen: Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City

Abseits der Shoppingmeilen und des Finanzdistrikts finden sich in New York Statteile, wo sich gewöhnlich keine Touristen hin verirren. Vernachlässigte, ihrem Schicksal überlassene Quartiere – von der Stadt aufgegeben, nicht einmal mehr die Müllabfuhr fährt hindurch. Für ihre 2004 in der Form der Reportage veröffentlichte Publikation „Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York“ hat Elisabeth Meyer-Renschhausen im Rahmen eines Stipendiums einen Sommer lang in der Grossstadt recherchiert.

Für meinen samstäglichen Schulweg wähle ich aktuell bevorzugt dünne, leichte Bücher, die zuvor jahrelang auf dem Regal Staub angesammelt haben. So habe ich diesen vor über acht Jahren gekauften Titel endlich gelesen und mich dabei oft gefragt, wie sich die erwähnten Gegenden heutzutage präsentieren. Die Zustände ein Jahrzehnt später sollen ja besser sein. Das Gartenjahr 2003 begann mit einem nasskalten Frühjahr. Zu Fuss, per Rad, mit dem Bus und per U-Bahn suchte die Autorin nach dem Grün zwischen dem Grau und lernte auf ihrer Tour spannende Menschen kennen, die sie der Leserin samt deren oft sehr schwierigen Lebensumständen näher bringt.

Urbane Gemeinschaftsgärten gehen auf die Initiative von Privatpersonen zurück. Die Beweggründe dafür sind vielfältig – die Umgebung verschönern, Gemüse anbauen, einen Rückzugsort schaffen sind einige davon. Das Engagement der Bewohner ist oft nicht kompatibel mit den Interessen der Stadt. Gleichzeitig bieten die grünen Oasen für viele Anwohner die einzige Möglichkeit, sich im Quartier frisches Obst und Gemüse zu besorgen. Da sie sich nämlich weder ein Velo, Bustickets geschweige denn ein Auto leisten können und in Laufnähe keine entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, ist es für sie praktisch unmöglich, sich gesund zu ernähren.

Vielen dieser notwendigerweise eingezäunten Gärten fehlt eine legale Grundlage und demzufolge hapert es auch an rechtlichen Abmachungen, die eine längerfristige Nutzung erlauben oder sogar garantieren. Ist aber in einer ehemals verslumten Umgebung dank dem Zusammenkommen und dem gemeinsamen Tun von Menschen mit unterschiedlichen Ethnien, Sprachen, Alter, Einkommen und Geschlecht eine zweckmässige und funktionierende Gemeinschaftsgartenanlage entstanden, verbessern sich die Lebensbedingungen. Die Gärten fördern den Kontakt unter Nachbarn, helfen gegen soziale Isolation und sowohl die Kriminalität und der Drogenhandel gehen nachweislich zurück. Leider führt der an sich positive Erfolg aber auch dazu, dass das ehemals völlig uninteressante und vernachlässigte Stadtgebiet in den Fokus von Bodenspekulanten gerät. Immer wieder werden solche Grünflächen praktisch über Nacht von Baggern der Erde gleichgemacht, um mit neuen Siedlungen überbaut zu werden.

Die Autorin berichtet von Gesprächen mit engagierten Personen, bei denen es sich selten um gelernte Gärtner handelt. Einige besuchten Kurse und geben ihr Wissen nun weiter. Wichtig ist zu wissen, wie die ausgelaugten Böden ohne Dünger fruchtbar gemacht werden können. Häufig ist die entmüllte Erde allerdings dermassen vergiftet, dass nur in Kastenbeeten gegärtnert werden kann. Die Rede ist auch von den New Yorker Garden Guerillas, den „Garden Angels“ und der „Königin des Komposts“ sowie von urbanen Bauernmärkten, wo einzelne der städtischen Gärtner ihr Frischgemüse zum Verkauf anbieten und sich somit ein kleines Einkommen verdienen. Steht eine Legalisierung zur Debatte, sind längst nicht immer alle Besetzer des entsprechenden Community Gardens damit einverstanden. Sei es aus prinzipiellen Gründen oder wegen der damit verbundenen Bürokratie und dem Mitspracherecht der entsprechenden Behörden.

Eine sehr interessante Lektüre. Vielleicht gibt es gelegentlich eine Fortsetzung zu diesem Thema? Oder vielleicht gibt es ja schon eine, von der ich nichts weiss. Mehr über das Buchthema zu lesen gibt es beim Googeln mit den Stichworten „New York und Community Gardens“ und hier gibt es ein Interview mit der Sängerin, Schauspielering und Komikerin Bette Middler, die in dieser urbanen Gartenszene – auch finanziell – stark involviert ist. Falls Sie demnächst einen New York-Trip geplant haben und sich den einen oder anderen Garten anschauen wollen, gibt es hier verschiedene entsprechende Stadtpläne.



Elisabeth Meyer-Renschhausen: 
Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City 
Ulrike Helmer Verlag, 2004

1. Januar 2015

Joyce and Jim Lavene: A Thyme To Die - A Peggy Lee Garden Mystery

Lange musste ich auf die Fortsetzung der Peggy Lee Garden Mysteries in Papierform warten. Ob die früheren Verkäufe nicht den Erwartungen entsprochen haben? Jedenfalls sind diesen Frühling nach einer längeren Pause nun gleich zwei Titel im Eigenverlag erschienen. Das Buch „A Thyme To Die“ besteht aus zwei Teilen, nämlich aus der Erzählung „Buried by Buttercups“ und der titelgebenden Geschichte „A Thyme To Die“.

Die Weltwirtschaftskrise hat auch vor Peggys Blumengeschäft „The Potting Shed“ nicht Halt gemacht. Umsatzeinbruch gepaart mit wiederholten Mietzinserhöhungen führt zu ungenügendem Betriebsgewinn. Deshalb kommt das Angebot der Polizei, wieder als forensische Botanikerin bei der Lösung von Kriminalfällen mitzuhelfen gerade recht. Während sich Peggy Lee im ersten Teil mit einem nervenden neuen Nachbarn herumschlägt, amtiert sie im zweiten als Direktion der International Flower Show, die dieses Jahr für einmal nicht in Atlanta, sondern in Charlotte stattfindet.

Gleichzeitig versucht sie die Neuigkeit und den damit verbundenen Vertrauensbruch zu verdauen, dass ihr zweiter Mann Steve, den sie als Tierarzt kennengelernt hat, ein FBI-Agent ist, der sogar mit ihrem im Dienst unter nie geklärten Umständen erschossenen ersten Mann zusammen gearbeitet hat. Auf einen Schlag gehören altbekannte Ängste wieder zum Alltag der „Wieder-Polizistengattin“. Aber auch sie selber bringt sich immer wieder in Gefahr und bekommt schliesslich sogar Polizeischutz.

Die geplante Eröffnung der Blumenausstellung nach einer hektischen Zeit mit viel Organisation und Arbeit wird abgesagt, als auf dem Gelände eine Leiche gefunden wird. Bei dem Toten handelt es sich um einen langjährigen Freund von Peggy aus Südafrika, der auf ihre persönliche Einladung hin nach Charlotte gereist ist. Natürlich fühlt sich die Botanikerin mit einschlägiger Erfahrung verpflichtet, ihrem toten Freund mit dem Entlarven seines Mörders einen letzten Dienst zu erweisen. Und dann ist auch das Rätsel um den Tod ihres ersten Ehemannes John nach wie vor ungelöst. Ob sie mit Hilfe von „Nightflyer“, ihrem Internet-Freund, weitere Puzzleteile herausfindet?

Sämtliche Kapitel beginnen mit der Beschreibung einer zum jeweiligen Text passenden Pflanze mit Hinweisen auf Kultur, Giftigkeit usw. Mehr aus dem Leben von Peggy Lee lese ich gerade im Folgeband „Lethal Lily“. Diese Lektüre ist genau nach meinem Geschmack, wenn auch der Verlags- (und Lektorats-?) Wechsel nicht zu verleugnen ist.  



Joyce and Jim Lavene: 
A Thyme To Die - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2014

27. Dezember 2014

Der literarische Gartenkalender und der literarische Rosenkalender

Einen Monat Unterrichtspause, etwas Ordnung in die herumliegenden Unterlagen gebracht und festgestellt, dass die beiden Anfang September unverhofft erhaltenen literarischen Kalender immer noch eingeschweisst der Dinge harren, die da kommen sollen. Nämlich einer Vorstellung im Blog und der Überlegung, wo sie einen Platz finden könnten. Nun, packe ich also eins ums andere an.

Meine letzte Kalendervorstellung datiert vom September 2010 und nach einem kurzen Durchlesen derselben kann ich feststellen, dass die damaligen Worte nach wie vor gelten. Dort steht nämlich: „Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an Gärten und Literatur interessiert. Dann wäre bestimmt „Der literarische Gartenkalender“ mit Spiralbindung von Schöffling nach Ihrem Geschmack.

Jeden Montag darf zum Wochenstart eine Seite umgeblättert werden und eine neue Aufnahme der bekannten Fotografin Marion Nickig schmückt für eine Woche zusammen mit einem passenden hortikulturellen Zitat eines bekannten Schriftstellers oder einer Schriftstellerin eine Wand oder eine Türe.“

Die Bilder und Zitate haben gewechselt und da der nächste Jahreswechsel unmittelbar bevorsteht, stimmt meine damalige letzte Bemerkung von wegen „je früher Sie sich diesen Kalender allenfalls kaufen und aufhängen, desto länger können Sie sich an dem Titelblatt, auf dem ein blauer Scheinmohn abgebildet ist, erfreuen …“ nicht nur deswegen nicht, weil das aktuelle Titelbild eine Akelei ziert. Was mir persönlich nicht gefällt, sind jene Seiten, bei denen der Text ganz oder teilweise ins Foto hineingeschrieben ist. Diese sind aber gewissermassen in der Minderheit.

Für eine detailliertere Vorstellung fehlt mir wegen meiner nebenberuflichen Weiterbildung schlicht und einfach die Zeit. Deshalb bestelle ich grundsätzlich auch keine Rezensionsexemplare mehr. Die wenige verbliebene Lesezeit widme mich meiner persönlichen, äusserst umfangreichen „Backlist“ und stelle die Lektüre ohne Verpflichtung nach Lust und Laune im Blog vor, oder eben auch nicht.

Im neuen Jahr wird es voraussichtlich dafür gelegentlich Hinweise auf Filme mit hortikulturellem Hintergrund geben. Nachdem ich mir zuletzt auf dem Crosstrainer mit verschiedenen Serien wie "Rosemary and Thyme" und "Natur im Garten", "Weeds" und "Downton Abbey" die Zeit verkürzt habe, schaue ich mich aktuell während der Erfüllung der sportlichen Pflichten durch meine DVD-Sammlung. Die ist zwar längst nicht so umfangreich wie die Büchersammlung, leidet aber teilweise unter der selben Vernachlässigung.

Mit guten Wünschen fürs neue Jahr schliesse ich das Blogjahr 2014 hiermit ab, greife nach Befestigungsmaterial und suche eine freie Türe oder Wand für die beiden Kalender.



Der literarische Gartenkalender 2015 
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig – 
ausgewählt und zusammengestellt von Julia Bachstein 
Schöffling und Co., 2014 

Der literarische Rosenkalender 2015
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig – 
ausgewählt und zusammengestellt von Maria Mail-Brandt 
Schöffling und Co., 2014

15. Dezember 2014

Julia Williams: The Summer Season / Der vergessene Garten

Zwei Erzählstränge führen durch diesen Roman. Einer spielt in der heutigen Zeit, der andere Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus Tagebucheinträgen erfährt die Leserin, dass der angehende Botaniker Edward Handford vor rund hundert Jahren das Ziel verfolgte, nach Studienabschluss, Gärten zu gestalten und einen Teil seiner Ideen auf Gertrude Jeykyll zurückging. Zusammen mit seiner Frau Lily, die gleichermassen botanisch interessiert war und perfekt mit Stift und Pinsel umgehen konnte, wollte er ausserdem ein Buch über die Pflanzen von Sussex herausgeben und sich einen Ruf als seriösen Botaniker erarbeiten.

Seine weiteren Pläne beinhalteten ferne Auslandreisen, von denen er exotische Pflanzen in die Heimat bringen wollte. Als erstes Ziel hat er es geschafft, seine Frau mit seinem Hochzeitsgeschenk zu begeistern. Für die grosse Liebe seines Lebens hat er eine Grünfläche entworfen, deren Zentrum ein Knotengarten aus Buchs und Rosmarin mit den Buchstaben „E“ und „L“ bildete. Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Gloxinien gehörten zur Bepflanzung und er hat genügend Platz für Blumen freigelassen, welchen die gemeinsamen Kinder einmal füllen sollen - nichtsahnend, welche Schicksalsschläge ihm bevorstehen.

Im zweiten Erzählstrang zieht die Anfang Dreissigerin Kezzie nach einem heftigen Streit und der darauf folgenden Trennung von ihrem Freund Richard vorübergehend nach Heartsease in das Haus einer Tante, die auf einer längeren Reise ist. Kezzie hat kürzlich verschiedene Gartenkurse abgeschlossen. Der Gartenarchitekt Richard hat vor ein paar Jahren das gärtnerische Talent der aktiven Guerilla-Gärtnerin Kezzie entdeckt und sie ermuntert, ihr praktisches Wissen fachlich zu erweitern und einen Diplomabschluss anzustreben. Gemeinsam wollten sie einen Schaugarten gestalten und sowohl Chelsea als auch Hampton Court im Sturm zu erobern. Doch nun scheint die junge Frau alle diese Träume begraben zu müssen. Sie hat nicht nur London verlassen, sondern gleichzeitig praktisch alle möglichen Verbindungen gekappt. Dazu gehört auch das Wechseln von Telefonnummer und Email-Adresse. Nur eine Handvoll Freunde weiss, wo sie sich aufhält.

In Heartsease entdeckt Kezzie einen völlig verwilderten Garten, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Treppen führen zu einem Senkgarten, ein Metalltor markiert das Ende eines Kiesweges und eine alte Bank wartet auf bessere Zeiten. Zwischen aus der Form geratenem Buchs, Rosmarin und Efeu glaubt Kezzie eine gewisse Struktur erkennen zu können. Es juckt sie richtiggehend in den Fingern, hier für Ordnung zu sorgen und weil sie davon ausgeht, dass das vernachlässigt aussehende Haus auf dem Gelände unbewohnt ist, beginnt sie – sich auf ihre ursprünglichen hortikulturellen Wurzeln besinnend – mit nächtlichem Guerillagärtnern. Schon bei ihren ersten Bemühungen wird sie vom Haus- und Gartenbesitzer Joel erwischt.
Kezzie kann diesen aber schliesslich davon überzeugen, ihr offiziell zu erlauben, den Garten in Ordnung zu bringen.

Dieses Vorhaben passt ausgezeichnet zum Plan der Gemeinde, im nächsten Jahr anlässlich eines runden Geburtstages von Edward Handford, dem Gestalter des inzwischen völlig vernachlässigten Gartens und Vorfahren von Joel, im Rahmen einer Ausstellung dessen Leben und Werk zu vorzustellen.

In Heartsease wohnt auch Lauren, die alleine ihre beiden vierjährigen Zwillingsmädchen grosszieht. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Der Vater der Kinder hat sie schon vor der Geburt im Stich gelassen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren arbeitet sie abends in einer Bar und kümmert sich als Tagesmutter um den kleinen Sam.

Sam ist der Sohn des verwitweten Joels. Seine Frau Claire ist vor einem Jahr völlig unerwartet im Alter von fünfunddreissig Jahren verstorben, als Sam noch ein Baby war. Gemeinsam wollte das Ehepaar das alte Haus samt Garten restaurieren. Doch Claires Tod hat diese Pläne durchkreuzt. Seine Arbeit und sein kleiner Sohn lassen Joel kein Zeit, sich mit Renovierungsplänen zu beschäftigen. Neben der Trauer um seine Frau plagen ihn grosse Schuldgefühle und er glaubt, seinen Vaterpflichten ungenügend nachzukommen.

Kezzie sprüht vor Energie und Freude, den Garten und ein weiteres Projekt durchzuziehen. Das geplante Sommerfest und die damit verbundenen Aufgaben lenken sie ab und auch Joel beginnt langsam, sich dafür zu interessieren. Selbst Laurens Leben scheint einfacher zu werden, als plötzlich der Vater ihrer beiden Mädchen auftaucht und sie sowohl finanziell und auch bei deren Erziehung unterstützen will. Hat er eine zweite Chance verdient?

Im Buch findet sich neben einem Plan der Ortschaft Heartsease in Nottinghamshire ein Stammbaum der Familie Handford. Dieser erweist sich während der Lektüre als sehr hilfreich. Allerdings, wenn man ihn zu genau studiert, ist man dem Lauf der Dinge, sprich der Erzählung, zuweilen voraus oder ahnt zumindest, was bevorsteht. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswerter Seitenumdreher mit sympathischen Charakteren, die einem ans Herz wachsen und einem Ende, das so nicht unbedingt zu erwarten ist.

Beim Abspeichern des Entwurfs dieser Buchvorstellung im Textprogramm habe ich festgestellt, dass bereits eine solche von einem Autor oder einer Autorin „WilliamsJ“ abegelegt war. Und siehe da, hier habe ich den Inhalt des Romans "Rosenduft und Rosenzauber" von der gleichen Schriftstellerin zusammengefasst. Da lohnt es sich wohl, gelegentlich einmal zu googeln, ob ihre anderen Bücher vielleicht ebenfalls einen erwähnenswerten hortikulturellen Hintergrund aufweisen.

Der Roman „The Summer Season“ spielt in der Ortschaft „Heartsease“, was übersetzt „Stiefmütterchen“ bedeutet. Viola tricolor kommen nicht nur in den Rabatten der neu restaurierten fiktiven Gärten in eben diesem Heartsease vor. Gerade hat mich der Fotograf Josh Westrich über das Erscheinen seiner neuesten Publikation informiert. Zusammen mit Jennifer Warschun hat er das Buch "Geliebte Viola – Das Otterswanger Veilchenbuch" herausgegeben.

Im Moment ist eine aufwendig hergestellte bibliophile Ausgabe mit zwei Tiefprägungen und dreiseitigem Silberschnitt erhältlich. Eine „Volksausgabe“ ist geplant. Die im Buch verwendeten Fotos von sind von der Royal Horticultural Society mit der Silbermedaille ausgezeichnet worden. Erhältlich ist das Buch direkt bei Josh Westrich und Jennifer Warschun (siehe unten).

Von Josh Westrich habe ich bereits seine Bücher über Schneeglöckchen und Leberblümchen im Sofagarten vorgestellt. Der Name Jennifer Warschun kam mir zwar gleich irgendwie bekannt vor, aber erst nach längerem Herumstudieren fiel mir ein, woher ich ihn oder besser sie selber kenne (oder wo ich ihr schon begegnet bin). Nämlich in der leider längst nicht mehr existierenden Baumschule Friedrich in Stammheim, gar nicht weit von hier entfernt, wo ich öfters vorbeigeschaut habe und aus deren Sortiment ich noch verschiedene Helleborus und andere Schätze im Garten stehen habe. Letztes Jahr habe ich ausserdem nach einem längeren Besuch und grösseren Einkauf bei Gaissmayer in Illertissen auf dem Heimweg noch kurz in "Jennifers Garten" in Otterswang vorbeigeschaut.



Julia Williams: 
The Summer Season 
Avon/Harper Collins Publishers, 2011 

Der vergessene Garten
Mira Taschenbuch, 2016


Email-Adressen für die Bestellung des Veilchen-Buchs und weitere Auskünfte:
j.westrich@t-online.de
jennifers-garten@t-online.de

1. Dezember 2014

Harald Schneider: Tote Beete

Stefanie Palzki möchte an der Landesgartenschau in Landau Anregungen für den heimischen Garten entdecken. Eher widerwillig kommen die übrigen Familienmitglieder mit auf diesen Ausflug. Insbesondere Hauptkommissar Reiner Palzki nützt schon bald die Gelegenheit, sich auf einer Bank auszuruhen, während seine Frau zusammen mit den vier Kindern das Gelände erkundigt und die Impressionen von Blumen in allen Farben, Formen und Grössen auf sich einwirken lassen. Eine gefährliche Entscheidung, die er damit trifft.

Der Familienausflug artet nämlich plötzlich in Arbeit für Palzki aus, als sich in unmittelbarer Nähe von der Bank, auf der er sitzt, eine Explosion ereignet, die ein Todesopfer fordert. Die ersten Untersuchungen ergeben, dass in einer Schubkarre eine Rohrbombe explodiert ist. Plötzlich taucht auch noch Palzkis Chef Klaus P. Diefenbach in merkwürdiger Verkleidung auf. Wie sein Mitarbeiter erfährt, soll eine Pflanze auf den Namen des Neurotikers getauft werden: Diffenbachia Klausis.

Obwohl der Tatort ausserhalb des üblichen Ermittlungsgebietes von Palzki und seinem Team liegt, werden sie mit der Auflösung des Delikts beauftragt. Es bleibt nicht bei einem Todesopfer und der Leser liest von einem übertrieben dämlich dargestellten Chef und einem seltsamen Pflanzenwettbewerb zwischen Kripo-Chefs samt Bau eines Gewächshauses neben dem Polizeigebäude. Ausserdem gibt die Lektüre Einblick hinter die Kulissen der Landesgartenschau und in die Salatproduktion.

Für diesen Feinkost-Krimi hat Harald Schneider die Landesgartenschau 2015 in Landau vorgezogen. Er lässt seinen „Natur-Palzki“ im Feinkost-Salat-Milieu ermitteln - zwischen Pflanzen, von denen viele essbar sind, einige hingegen nicht ganz so bekömmlich. Hauptkommissar Palzki ist übrigens kein grosser Gemüse-Freund und betrachtet Rosenkohl, Rote Beete und Kohl als Lebertran der Neuzeit.

Beeindruckend ist die Zahl der beim Salathersteller hergestellten Feinkostsalate. Deren hundert sind es. Wenn ich mir mal in der Mittagspause einen Fertigsalat kaufen will, stehen immer die gleichen, schon oft gegessenen, eher langweiligen Sorten im Regal…



Harald Schneider: 
Tote Beete 
Gmeiner- Verlag, 2014

15. November 2014

Jörg Pfenningschmidt: Pfenningschmidts Gartenschätze

Bei den meisten wöchentlichen oder monatlichen Publikationen, die ich mir zu Gemüte führe, beginne ich von hinten nach vorne zu blättern und lese mich zuhinterst fest, weil ich dort gleich meinen neuesten Lieblingsartikel finde. Sei es im Beobachter, der Tina, der Gardens Illustrated oder der Gartenpraxis – in vielen Zeitschriften finden sich anregende Kolumnen ganz hinten im Heft.

Neben Susanne Rückerts "Szenen aus dem Leben" gefallen mir ganz besonders die hortikulturellen Zeilen von Jörg Pfenningschmidt. Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen, welches Mitbringsel vom kurzen Abstecher in die Königliche Gartenakademie in Berlin nach Hause gebracht werden sollte. Grünzeug kam wegen der Anreise per Flugzeug sowieso nicht in Frage, so dass die Wahl auf das Heft Nummer 6 der Schriftenreihe der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur fiel: „Pfenningschmidts Gartenschätze".

Die pointiert formulierten Glossen des Hamburger Gartengestalters sind zuvor bereits im „Blätterrauschen“ erschienen und mindestens eine glaube ich in der Gartenpraxis mal gelesen zu haben („Verzichtbar“). Nur schade, ist das Büchlein so dünn. Ich hätte gerne noch mehr über diese Gartenschätze gelesen. Wenn es während dem Rückflug wegen heftigen Winden nicht so stark geschüttelt hätte, was doch stark vom Lesen ablenkte, wäre das Vergnügen wohl schon über den Wolken zu Ende gewesen.

Da ich nach Ende der Ferien meine hortikulturelle Lektüre wieder durch Manuals, Gesetzestexte und Verordnungen ersetzt habe, fehlt mir die Zeit und Musse detailliert auf den Inhalt der Kolumnen einzugehen. Wer meinem Geschmack nicht traut, kann sich im Forum "Garten Pur" in den Schreibstil des Autors "einlesen". Und unter der Rubrik „Kolumnenbücher und Essays“ finden Sie im Blog bekanntlich Lesetipps zu weiteren diesbezüglichen Lesetipps aus dem riesigen grünen Blätterwald.

PS: Ich weiss nicht, wie viele Pfenningschmidtsche Artikel ich schon gelesen habe. Aber erst beim Schreiben dieser Zeilen habe ich festgestellt, dass der Autor nicht Pfennigschmidt, sondern Pfenningschmidt heisst…



Jörg Pfenningschmidt: 
Pfenningschmidts Gartenschätze 
Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, 2012