Zwei Erzählstränge führen durch diesen Roman. Einer spielt in der heutigen Zeit, der andere Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus Tagebucheinträgen erfährt die Leserin, dass der angehende Botaniker Edward Handford vor rund hundert Jahren das Ziel verfolgte, nach Studienabschluss, Gärten zu gestalten und einen Teil seiner Ideen auf Gertrude Jeykyll zurückging. Zusammen mit seiner Frau Lily, die gleichermassen botanisch interessiert war und perfekt mit Stift und Pinsel umgehen konnte, wollte er ausserdem ein Buch über die Pflanzen von Sussex herausgeben und sich einen Ruf als seriösen Botaniker erarbeiten.
Seine weiteren Pläne beinhalteten ferne Auslandreisen, von denen er exotische Pflanzen in die Heimat bringen wollte. Als erstes Ziel hat er es geschafft, seine Frau mit seinem Hochzeitsgeschenk zu begeistern. Für die grosse Liebe seines Lebens hat er eine Grünfläche entworfen, deren Zentrum ein Knotengarten aus Buchs und Rosmarin mit den Buchstaben „E“ und „L“ bildete. Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Gloxinien gehörten zur Bepflanzung und er hat genügend Platz für Blumen freigelassen, welchen die gemeinsamen Kinder einmal füllen sollen - nichtsahnend, welche Schicksalsschläge ihm bevorstehen.
Im zweiten Erzählstrang zieht die Anfang Dreissigerin Kezzie nach einem heftigen Streit und der darauf folgenden Trennung von ihrem Freund Richard vorübergehend nach Heartsease in das Haus einer Tante, die auf einer längeren Reise ist. Kezzie hat kürzlich verschiedene Gartenkurse abgeschlossen. Der Gartenarchitekt Richard hat vor ein paar Jahren das gärtnerische Talent der aktiven
Guerilla-Gärtnerin Kezzie entdeckt und sie ermuntert, ihr praktisches
Wissen fachlich zu erweitern und einen Diplomabschluss anzustreben. Gemeinsam wollten sie einen Schaugarten gestalten und sowohl Chelsea als auch Hampton Court im Sturm zu erobern. Doch nun scheint die junge Frau alle diese Träume begraben zu müssen. Sie hat nicht nur London verlassen, sondern gleichzeitig praktisch alle möglichen Verbindungen gekappt. Dazu gehört auch das Wechseln von Telefonnummer und Email-Adresse. Nur eine Handvoll Freunde weiss, wo sie sich aufhält.
In Heartsease entdeckt Kezzie einen völlig verwilderten Garten, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Treppen führen zu einem Senkgarten, ein Metalltor markiert das Ende eines Kiesweges und eine alte Bank wartet auf bessere Zeiten. Zwischen aus der Form geratenem Buchs, Rosmarin und Efeu glaubt Kezzie eine gewisse Struktur erkennen zu können. Es juckt sie richtiggehend in den Fingern, hier für Ordnung zu sorgen und weil sie davon ausgeht, dass das vernachlässigt aussehende Haus auf dem Gelände unbewohnt ist, beginnt sie – sich auf ihre ursprünglichen hortikulturellen Wurzeln besinnend – mit nächtlichem Guerillagärtnern. Schon bei ihren ersten Bemühungen wird sie vom Haus- und Gartenbesitzer Joel erwischt.
Kezzie kann diesen aber schliesslich davon überzeugen, ihr offiziell zu erlauben, den Garten in Ordnung zu bringen.
Dieses Vorhaben passt ausgezeichnet zum Plan der Gemeinde, im nächsten Jahr anlässlich eines runden Geburtstages von Edward Handford, dem Gestalter des inzwischen völlig vernachlässigten Gartens und Vorfahren von Joel, im Rahmen einer Ausstellung dessen Leben und Werk zu vorzustellen.
In Heartsease wohnt auch Lauren, die alleine ihre beiden vierjährigen Zwillingsmädchen grosszieht. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Der Vater der Kinder hat sie schon vor der Geburt im Stich gelassen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren arbeitet sie abends in einer Bar und kümmert sich als Tagesmutter um den kleinen Sam.
Sam ist der Sohn des verwitweten Joels. Seine Frau Claire ist vor einem Jahr völlig unerwartet im Alter von fünfunddreissig Jahren verstorben, als Sam noch ein Baby war. Gemeinsam wollte das Ehepaar das alte Haus samt Garten restaurieren. Doch Claires Tod hat diese Pläne durchkreuzt. Seine Arbeit und sein kleiner Sohn lassen Joel kein Zeit, sich mit Renovierungsplänen zu beschäftigen. Neben der Trauer um seine Frau plagen ihn grosse Schuldgefühle und er glaubt, seinen Vaterpflichten ungenügend nachzukommen.
Kezzie sprüht vor Energie und Freude, den Garten und ein weiteres Projekt durchzuziehen. Das geplante Sommerfest und die damit verbundenen Aufgaben lenken sie ab und auch Joel beginnt langsam, sich dafür zu interessieren. Selbst Laurens Leben scheint einfacher zu werden, als plötzlich der Vater ihrer beiden Mädchen auftaucht und sie sowohl finanziell und auch bei deren Erziehung unterstützen will. Hat er eine zweite Chance verdient?
Im Buch findet sich neben einem Plan der Ortschaft Heartsease in Nottinghamshire ein Stammbaum der Familie Handford. Dieser erweist sich während der Lektüre als sehr hilfreich. Allerdings, wenn man ihn zu genau studiert, ist man dem Lauf der Dinge, sprich der Erzählung, zuweilen voraus oder ahnt zumindest, was bevorsteht. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswerter Seitenumdreher mit sympathischen Charakteren, die einem ans Herz wachsen und einem Ende, das so nicht unbedingt zu erwarten ist.
Beim Abspeichern des Entwurfs dieser Buchvorstellung im Textprogramm habe ich festgestellt, dass bereits eine solche von einem Autor oder einer Autorin „WilliamsJ“ abegelegt war. Und siehe da, hier habe ich den Inhalt des Romans "Rosenduft und Rosenzauber" von der gleichen Schriftstellerin zusammengefasst. Da lohnt es sich wohl, gelegentlich einmal zu googeln, ob ihre anderen Bücher vielleicht ebenfalls einen erwähnenswerten hortikulturellen Hintergrund aufweisen.
Der Roman „The Summer Season“ spielt in der Ortschaft „Heartsease“, was übersetzt „Stiefmütterchen“ bedeutet. Viola tricolor kommen nicht nur in den Rabatten der neu restaurierten fiktiven Gärten in eben diesem Heartsease vor. Gerade hat mich der Fotograf Josh Westrich über das Erscheinen seiner neuesten Publikation informiert. Zusammen mit Jennifer Warschun hat er das Buch "Geliebte Viola – Das Otterswanger Veilchenbuch" herausgegeben.
Im Moment ist eine aufwendig hergestellte bibliophile Ausgabe mit zwei Tiefprägungen und dreiseitigem Silberschnitt erhältlich. Eine „Volksausgabe“ ist geplant. Die im Buch verwendeten Fotos von sind von der Royal Horticultural Society mit der Silbermedaille ausgezeichnet worden. Erhältlich ist das Buch direkt bei Josh Westrich und Jennifer Warschun (siehe unten).
Von Josh Westrich habe ich bereits seine Bücher über Schneeglöckchen und Leberblümchen im Sofagarten vorgestellt. Der Name Jennifer Warschun kam mir zwar gleich irgendwie bekannt vor, aber erst nach längerem Herumstudieren fiel mir ein, woher ich ihn oder besser sie selber kenne (oder wo ich ihr schon begegnet bin). Nämlich in der leider längst nicht mehr existierenden Baumschule Friedrich in Stammheim, gar nicht weit von hier entfernt, wo ich öfters vorbeigeschaut habe und aus deren Sortiment ich noch verschiedene Helleborus und andere Schätze im Garten stehen habe. Letztes Jahr habe ich ausserdem nach einem längeren Besuch und grösseren Einkauf bei Gaissmayer in Illertissen auf dem Heimweg noch kurz in "Jennifers Garten" in Otterswang vorbeigeschaut.
Julia Williams:
The Summer Season
Avon/Harper Collins Publishers, 2011
Der vergessene Garten
Mira Taschenbuch, 2016
Email-Adressen für die Bestellung des Veilchen-Buchs und weitere Auskünfte:
j.westrich@t-online.de
jennifers-garten@t-online.de
15. Dezember 2014
1. Dezember 2014
Harald Schneider: Tote Beete
Stefanie Palzki möchte an der Landesgartenschau in Landau Anregungen für den heimischen Garten entdecken. Eher widerwillig kommen die übrigen Familienmitglieder mit auf diesen Ausflug. Insbesondere Hauptkommissar Reiner Palzki nützt schon bald die Gelegenheit, sich auf einer Bank auszuruhen, während seine Frau zusammen mit den vier Kindern das Gelände erkundigt und die Impressionen von Blumen in allen Farben, Formen und Grössen auf sich einwirken lassen. Eine gefährliche Entscheidung, die er damit trifft.
Der Familienausflug artet nämlich plötzlich in Arbeit für Palzki aus, als sich in unmittelbarer Nähe von der Bank, auf der er sitzt, eine Explosion ereignet, die ein Todesopfer fordert. Die ersten Untersuchungen ergeben, dass in einer Schubkarre eine Rohrbombe explodiert ist. Plötzlich taucht auch noch Palzkis Chef Klaus P. Diefenbach in merkwürdiger Verkleidung auf. Wie sein Mitarbeiter erfährt, soll eine Pflanze auf den Namen des Neurotikers getauft werden: Diffenbachia Klausis.
Obwohl der Tatort ausserhalb des üblichen Ermittlungsgebietes von Palzki und seinem Team liegt, werden sie mit der Auflösung des Delikts beauftragt. Es bleibt nicht bei einem Todesopfer und der Leser liest von einem übertrieben dämlich dargestellten Chef und einem seltsamen Pflanzenwettbewerb zwischen Kripo-Chefs samt Bau eines Gewächshauses neben dem Polizeigebäude. Ausserdem gibt die Lektüre Einblick hinter die Kulissen der Landesgartenschau und in die Salatproduktion.
Für diesen Feinkost-Krimi hat Harald Schneider die Landesgartenschau 2015 in Landau vorgezogen. Er lässt seinen „Natur-Palzki“ im Feinkost-Salat-Milieu ermitteln - zwischen Pflanzen, von denen viele essbar sind, einige hingegen nicht ganz so bekömmlich. Hauptkommissar Palzki ist übrigens kein grosser Gemüse-Freund und betrachtet Rosenkohl, Rote Beete und Kohl als Lebertran der Neuzeit.
Beeindruckend ist die Zahl der beim Salathersteller hergestellten Feinkostsalate. Deren hundert sind es. Wenn ich mir mal in der Mittagspause einen Fertigsalat kaufen will, stehen immer die gleichen, schon oft gegessenen, eher langweiligen Sorten im Regal…
Harald Schneider:
Tote Beete
Gmeiner- Verlag, 2014
Der Familienausflug artet nämlich plötzlich in Arbeit für Palzki aus, als sich in unmittelbarer Nähe von der Bank, auf der er sitzt, eine Explosion ereignet, die ein Todesopfer fordert. Die ersten Untersuchungen ergeben, dass in einer Schubkarre eine Rohrbombe explodiert ist. Plötzlich taucht auch noch Palzkis Chef Klaus P. Diefenbach in merkwürdiger Verkleidung auf. Wie sein Mitarbeiter erfährt, soll eine Pflanze auf den Namen des Neurotikers getauft werden: Diffenbachia Klausis.
Obwohl der Tatort ausserhalb des üblichen Ermittlungsgebietes von Palzki und seinem Team liegt, werden sie mit der Auflösung des Delikts beauftragt. Es bleibt nicht bei einem Todesopfer und der Leser liest von einem übertrieben dämlich dargestellten Chef und einem seltsamen Pflanzenwettbewerb zwischen Kripo-Chefs samt Bau eines Gewächshauses neben dem Polizeigebäude. Ausserdem gibt die Lektüre Einblick hinter die Kulissen der Landesgartenschau und in die Salatproduktion.
Für diesen Feinkost-Krimi hat Harald Schneider die Landesgartenschau 2015 in Landau vorgezogen. Er lässt seinen „Natur-Palzki“ im Feinkost-Salat-Milieu ermitteln - zwischen Pflanzen, von denen viele essbar sind, einige hingegen nicht ganz so bekömmlich. Hauptkommissar Palzki ist übrigens kein grosser Gemüse-Freund und betrachtet Rosenkohl, Rote Beete und Kohl als Lebertran der Neuzeit.
Beeindruckend ist die Zahl der beim Salathersteller hergestellten Feinkostsalate. Deren hundert sind es. Wenn ich mir mal in der Mittagspause einen Fertigsalat kaufen will, stehen immer die gleichen, schon oft gegessenen, eher langweiligen Sorten im Regal…
Harald Schneider:
Tote Beete
Gmeiner- Verlag, 2014
15. November 2014
Jörg Pfenningschmidt: Pfenningschmidts Gartenschätze
Bei den meisten wöchentlichen oder monatlichen Publikationen, die ich mir zu Gemüte führe, beginne ich von hinten nach vorne zu blättern und lese mich zuhinterst fest, weil ich dort gleich meinen neuesten Lieblingsartikel finde. Sei es im Beobachter, der Tina, der Gardens Illustrated oder der Gartenpraxis – in vielen Zeitschriften finden sich anregende Kolumnen ganz hinten im Heft.
Neben Susanne Rückerts "Szenen aus dem Leben" gefallen mir ganz besonders die hortikulturellen Zeilen von Jörg Pfenningschmidt. Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen, welches Mitbringsel vom kurzen Abstecher in die Königliche Gartenakademie in Berlin nach Hause gebracht werden sollte. Grünzeug kam wegen der Anreise per Flugzeug sowieso nicht in Frage, so dass die Wahl auf das Heft Nummer 6 der Schriftenreihe der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur fiel: „Pfenningschmidts Gartenschätze".
Die pointiert formulierten Glossen des Hamburger Gartengestalters sind zuvor bereits im „Blätterrauschen“ erschienen und mindestens eine glaube ich in der Gartenpraxis mal gelesen zu haben („Verzichtbar“). Nur schade, ist das Büchlein so dünn. Ich hätte gerne noch mehr über diese Gartenschätze gelesen. Wenn es während dem Rückflug wegen heftigen Winden nicht so stark geschüttelt hätte, was doch stark vom Lesen ablenkte, wäre das Vergnügen wohl schon über den Wolken zu Ende gewesen.
Da ich nach Ende der Ferien meine hortikulturelle Lektüre wieder durch Manuals, Gesetzestexte und Verordnungen ersetzt habe, fehlt mir die Zeit und Musse detailliert auf den Inhalt der Kolumnen einzugehen. Wer meinem Geschmack nicht traut, kann sich im Forum "Garten Pur" in den Schreibstil des Autors "einlesen". Und unter der Rubrik „Kolumnenbücher und Essays“ finden Sie im Blog bekanntlich Lesetipps zu weiteren diesbezüglichen Lesetipps aus dem riesigen grünen Blätterwald.
PS: Ich weiss nicht, wie viele Pfenningschmidtsche Artikel ich schon gelesen habe. Aber erst beim Schreiben dieser Zeilen habe ich festgestellt, dass der Autor nicht Pfennigschmidt, sondern Pfenningschmidt heisst…
Jörg Pfenningschmidt:
Pfenningschmidts Gartenschätze
Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, 2012
Neben Susanne Rückerts "Szenen aus dem Leben" gefallen mir ganz besonders die hortikulturellen Zeilen von Jörg Pfenningschmidt. Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen, welches Mitbringsel vom kurzen Abstecher in die Königliche Gartenakademie in Berlin nach Hause gebracht werden sollte. Grünzeug kam wegen der Anreise per Flugzeug sowieso nicht in Frage, so dass die Wahl auf das Heft Nummer 6 der Schriftenreihe der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur fiel: „Pfenningschmidts Gartenschätze".
Die pointiert formulierten Glossen des Hamburger Gartengestalters sind zuvor bereits im „Blätterrauschen“ erschienen und mindestens eine glaube ich in der Gartenpraxis mal gelesen zu haben („Verzichtbar“). Nur schade, ist das Büchlein so dünn. Ich hätte gerne noch mehr über diese Gartenschätze gelesen. Wenn es während dem Rückflug wegen heftigen Winden nicht so stark geschüttelt hätte, was doch stark vom Lesen ablenkte, wäre das Vergnügen wohl schon über den Wolken zu Ende gewesen.
Da ich nach Ende der Ferien meine hortikulturelle Lektüre wieder durch Manuals, Gesetzestexte und Verordnungen ersetzt habe, fehlt mir die Zeit und Musse detailliert auf den Inhalt der Kolumnen einzugehen. Wer meinem Geschmack nicht traut, kann sich im Forum "Garten Pur" in den Schreibstil des Autors "einlesen". Und unter der Rubrik „Kolumnenbücher und Essays“ finden Sie im Blog bekanntlich Lesetipps zu weiteren diesbezüglichen Lesetipps aus dem riesigen grünen Blätterwald.
PS: Ich weiss nicht, wie viele Pfenningschmidtsche Artikel ich schon gelesen habe. Aber erst beim Schreiben dieser Zeilen habe ich festgestellt, dass der Autor nicht Pfennigschmidt, sondern Pfenningschmidt heisst…
Jörg Pfenningschmidt:
Pfenningschmidts Gartenschätze
Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, 2012
1. November 2014
Anja Jonuleit: Der Apfelsammler
Der Apfelroman-Reihe kann mit „Der Apfelsammler“ ein weiteres Buch zugefügt werden. Diesmal steht der Obstgarten in Italien und es ist die Rede von Sorten wie „Melo Fiorentino“, „Mela agostina“, „Mela cerata“, „Muso di bue“, „Culo d’asino“ und „Mela rosona“. Die letzten drei heissen übersetzt „Ochsenmaul“, „Eselshintern“ und „Rosenapfel“. In dem riesigen Freilandarchiv wachsen aber auch die Fuchs-, Hunds-, Butter-, Pastoren-, Florentiner und Marzola-Birne sowie der Kastanienapfel, entstanden aus einem Wildapfel, der einst auf einen Kastanienbaum gepfropft worden ist (tatsächlich möglich?).
Wie die Namen sind auch die Formen dieser Früchte völlig unterschiedlich. Da gibt es welche, die altmodisch aussehen, andere sind platt wie Weinbergpfirsiche oder erinnern an langnasige Zwerge. Gemeinsam ist aber allen ein vorzüglicher Geschmack, wie ihn meist nur alte Sorten aufweisen. Die Handlung des fiktiven Romans hat die Autorin rund um die Wirkungsstätte eines Apfelsammlers angesiedelt und dabei Sachinformationen einer „richtigen“ Retterin alter Obstsorten verwendet. Isabella Dalla Ragione setzt sich mit ihrem Vater für solche ein. Die beiden haben nicht nur eine Stiftung gegründet, sondern auch ein Tagebuch verfasst (Archeologia Arborea - Diario di due cercatori di piante, Alieno editrice, Perugia, 2006, 4. Auflage in Vorbereitung). Aber nun zum Inhalt, der in zwei Strängen erzählten Geschichte:
Die 31jährige Journalistin Hannah ist mit ihrem VW-Bus unterwegs vom Bodensee nach Umbrien. Ihre Tante Eli, bei der sie seit dem zehnten Lebensjahr ein liebes Daheim hatte, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, ist völlig unerwartet in ihrem italienischen Sommerhaus verstorben. Nach der Beerdigung hat sich Hannah spontan von ihrem langjährigen, verheirateten Freund getrennt und beabsichtigt nun, Elis Haus zu räumen und zu verkaufen.
Der Aufenthalt im Sommerhaus mit all den Dingen, die ihrer Tante gehört haben, weckt viele Erinnerungen in Hannah. Und immer wieder bedauert sie, dass sie den Kontakt zu Eli in den letzten Jahren vernachlässigt hat. Warum musste Eli auch so plötzlich und viel zu früh sterben? Im Haus findet Hannah Hinweise auf eine Liebesbeziehung ihrer Tante, die nie mit ihr über Männer gesprochen hat. Hannah hat selber auch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass ihre Ersatzmutter etwas vermissen könnte und ist immer davon ausgegangen, dass sie selber Eli vollauf genügte.
Wenn es Hannah nicht gut geht, kurvt sie in ihrem VW-Bus herum oder schnappt sich ihre Kamera und fotografiert. Die Herausgeberin eines eigenen Online-Magazins sucht und fotografiert vergessene Orte wie unbenutzte Gebäude, alte Kirchen und stillgelegte Fabriken. Als sie in der Umgebung des Sommerhauses Ausschau nach interessanten Motiven hält, stösst sie auf einen verbrannten Garten, der eine seltsame Atmosphäre verbreitet. Bald macht sie Bekanntschaft mit Di Lauro, dem Besitzer desselben. Er wird in der Region „il pazzo delle mele“ genannt, und Hannah macht schnell die Erfahrung, dass er tatsächlich etwas merkwürdig ist. Und wenn auch vielliecht nicht gerade verrückt, ist er zumindest ein äusserst komischer Kauz.
Nichtsdestotrotz hilft Hannah Di Lauro, der sein Leben der Bewahrung alter Obstsorten vor dem Aussterben widmet, als Not am Mann ist beim Pflücken der Äpfel, was ihr ein erstes Dankeschön einbringt und sie fragt sich, wer oder was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist. Und sie merkt rasch, dass sie weder bereit ist, Elis Habseligkeiten wegzupacken oder wegzuwerfen, geschweige denn, das Haus zu verkaufen. Stattdessen träumt sie davon, die nächste Obstbaumblüte zu fotografieren...
Im zweiten Erzählstrang berichtet Eli in Briefform aus ihrem Leben – von ihrer harten Kindheit und Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf dem Einödhof, den schwierigen Familienverhältnissen, einem brutalen Vater und einer Mutter, die sich nicht zu wehren getraute und der Begenung mit einem Italiener, die Einfluss auf ihr ganzes Leben hat.
Das Buch gibt insbesondere einen interessanten Blick in das Leben auf dem Einödhof in schwierigen Zeiten und die Leserin erfährt am Rande einiges über das Bewahren alter Obstsorten. Leider vermag die Erzählung nicht bis zum Schluss zu fesseln und die Liebesgeschichte samt den aktuellen Hintergründen wirken konstruiert und teilweise eher unglaubwürdig.
Anja Jonuleit:
Der Apfelsammler
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
Wie die Namen sind auch die Formen dieser Früchte völlig unterschiedlich. Da gibt es welche, die altmodisch aussehen, andere sind platt wie Weinbergpfirsiche oder erinnern an langnasige Zwerge. Gemeinsam ist aber allen ein vorzüglicher Geschmack, wie ihn meist nur alte Sorten aufweisen. Die Handlung des fiktiven Romans hat die Autorin rund um die Wirkungsstätte eines Apfelsammlers angesiedelt und dabei Sachinformationen einer „richtigen“ Retterin alter Obstsorten verwendet. Isabella Dalla Ragione setzt sich mit ihrem Vater für solche ein. Die beiden haben nicht nur eine Stiftung gegründet, sondern auch ein Tagebuch verfasst (Archeologia Arborea - Diario di due cercatori di piante, Alieno editrice, Perugia, 2006, 4. Auflage in Vorbereitung). Aber nun zum Inhalt, der in zwei Strängen erzählten Geschichte:
Die 31jährige Journalistin Hannah ist mit ihrem VW-Bus unterwegs vom Bodensee nach Umbrien. Ihre Tante Eli, bei der sie seit dem zehnten Lebensjahr ein liebes Daheim hatte, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, ist völlig unerwartet in ihrem italienischen Sommerhaus verstorben. Nach der Beerdigung hat sich Hannah spontan von ihrem langjährigen, verheirateten Freund getrennt und beabsichtigt nun, Elis Haus zu räumen und zu verkaufen.
Der Aufenthalt im Sommerhaus mit all den Dingen, die ihrer Tante gehört haben, weckt viele Erinnerungen in Hannah. Und immer wieder bedauert sie, dass sie den Kontakt zu Eli in den letzten Jahren vernachlässigt hat. Warum musste Eli auch so plötzlich und viel zu früh sterben? Im Haus findet Hannah Hinweise auf eine Liebesbeziehung ihrer Tante, die nie mit ihr über Männer gesprochen hat. Hannah hat selber auch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass ihre Ersatzmutter etwas vermissen könnte und ist immer davon ausgegangen, dass sie selber Eli vollauf genügte.
Wenn es Hannah nicht gut geht, kurvt sie in ihrem VW-Bus herum oder schnappt sich ihre Kamera und fotografiert. Die Herausgeberin eines eigenen Online-Magazins sucht und fotografiert vergessene Orte wie unbenutzte Gebäude, alte Kirchen und stillgelegte Fabriken. Als sie in der Umgebung des Sommerhauses Ausschau nach interessanten Motiven hält, stösst sie auf einen verbrannten Garten, der eine seltsame Atmosphäre verbreitet. Bald macht sie Bekanntschaft mit Di Lauro, dem Besitzer desselben. Er wird in der Region „il pazzo delle mele“ genannt, und Hannah macht schnell die Erfahrung, dass er tatsächlich etwas merkwürdig ist. Und wenn auch vielliecht nicht gerade verrückt, ist er zumindest ein äusserst komischer Kauz.
Nichtsdestotrotz hilft Hannah Di Lauro, der sein Leben der Bewahrung alter Obstsorten vor dem Aussterben widmet, als Not am Mann ist beim Pflücken der Äpfel, was ihr ein erstes Dankeschön einbringt und sie fragt sich, wer oder was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist. Und sie merkt rasch, dass sie weder bereit ist, Elis Habseligkeiten wegzupacken oder wegzuwerfen, geschweige denn, das Haus zu verkaufen. Stattdessen träumt sie davon, die nächste Obstbaumblüte zu fotografieren...
Im zweiten Erzählstrang berichtet Eli in Briefform aus ihrem Leben – von ihrer harten Kindheit und Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf dem Einödhof, den schwierigen Familienverhältnissen, einem brutalen Vater und einer Mutter, die sich nicht zu wehren getraute und der Begenung mit einem Italiener, die Einfluss auf ihr ganzes Leben hat.
Das Buch gibt insbesondere einen interessanten Blick in das Leben auf dem Einödhof in schwierigen Zeiten und die Leserin erfährt am Rande einiges über das Bewahren alter Obstsorten. Leider vermag die Erzählung nicht bis zum Schluss zu fesseln und die Liebesgeschichte samt den aktuellen Hintergründen wirken konstruiert und teilweise eher unglaubwürdig.
Anja Jonuleit:
Der Apfelsammler
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
15. Oktober 2014
Carleen Brice: Orange Mint and Honey
Schon als achtjähriges Mädchen musste Shay für sich und die alleinerziehende, alkoholkranke Mutter Verantwortung übernehmen. In diesem Alter hat sie nämlich für die Schule erstmals erfolgreich die Unterschrift ihrer Mutter gefälscht und im gleichen Moment gewusst, dass sie sich nie mehr von ihrer Mutter herunterziehen lassen wird. Gleichzeitig hat sie gelernt, ihre Erwartungen tief zu halten, um sich Enttäuschungen zu ersparen und viele Dinge mit sich selber auszumachen. Ihre beste Zeit hatte sie als Neunjährige. Damals hatte sie zwar viele Aufgaben im Haushalt zu erledigen, aber ein verantwortungsbewusster Freund kümmerte sich um die Mutter.
Und so wie die Mutter trotz ihrer Sucht meistens eine sehr gepflegte Erscheinung war – jedenfalls, wenn man die Momente ausblendet, in denen ihre kleine Tochter Erbrochenes und anderes aufwischen musste – so hatte auch Shay das Vorspielen einer heilen Welt für die Umgebung perfektioniert. Freunde konnte sie nie einladen, da die Reaktionen ihrer Mutter unvorhersehbar waren und den Kontakt zu ihrer einzigen Freundin hat sie nach Schulabschluss abgebrochen.
Nun, mit fünfundzwanzig Jahren kehrt Shay wieder heim zu ihrer Mutter Nona. Die intelligente junge Frau hat sich jahrelang auf ihr auswärts absolviertes Studium konzentriert und der Kontakt zwischen den beiden Frauen beschränkte sich auf den unregelmässigen Austausch von Postkarten. Wegen Problemen in der Schule legt Shay auf Veranlassung ihres Mentors eine Semesterpause ein. Finanzielle Engpässe sowie die Vision ihrer Lieblingssängerin Nina Simone („go home!“) bewegen sie dazu, bei ihrer Mutter Unterschlupf zu suchen.
Shay, eigentlich LaShay Glory (wegen den „Morning Glories“ = Prunkwinden, die ihr Grossvater liebte), erkennt ihre völlig verändert erscheinende Mutter kaum wieder. Sie wohnt in einem gepflegten Haus, der Kühlschrank ist gefüllt und da ist Sunny, Shays dreijährige Halbschwester. Ist die Mutter wirklich trocken? Die emotional verkümmerte Shay, die sich in Stresssituationen ständig Haare ausreisst, misstraut den Zuständen und ist überzeugt, ihre Mutter spiele ihr etwas vor und trinke heimlich. Die junge Frau sperrt sich oft stundenlang in ihrem Zimmer ein, hört Musik und wird von ihren widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Dazu gehört auch Eifersucht auf die kleine Halbschwester, die eine ganz andere Mutter erlebt als sie während ihrer eigenen Kindheit. Shay kann offensichtlich nicht verzeihen und trauert um ihre gestohlene Jugend. Derweilen versagt sie sich alle Freuden; teils aus Geldmangel, teils um sich selber zu bestrafen. Nonas Worte, dass sie (Shay) allen Grund und das Recht habe, wütend zu sein, aber auch das Recht, glücklich zu sein, prallen an ihr ab.
Die vierzigjährige Nona selber, die bereits mit fünfzehn Mutter von ihrem Wunschkind Shay wurde, hat gewissermassen eine Sucht durch eine andere ersetzt. Dank A.A. ist sie trocken, aber inzwischen völlig gartenverrückt. Sie pflegt einen üppigen, wilden und dennoch strukturierten Garten und legt grossen Wert auf eine gesunde Ernährung mit selber gezogenen Zucchinis, Tomaten und Jalapenos und schmückt ihr Daheim mit eigenen Schnittblumen. Ihr persönliches Problemlösungs-Rezept funktioniert so, dass sie die Ursache von Schwierigkeiten auf einen Zettel schreibt und diesen in kleine Stücke zerreisst. Die Schnipsel buddelt sie im Garten ein, wo sie sich zersetzen und die Erde anreichern. Und das Wichtigste: im nächsten Frühling hilft das Problem den Pflanzen beim Wachsen.
Während des länger als geplant dauernden Besuch kommen sich Shay und Nona näher und die Tochter beginnt sich zu verändern. Sie findet eine Stelle und einen Freund und sie nimmt wieder Kontakt mit ihrer ehemals besten Freundin auf. Langsam finden Mutter und Tochter zu einer besseren Beziehung, das gegenseitige Vertrauen wächst und bildet einen guten Boden für die Zukunft. Shay lernt zu verzeihen und möchte ihre kleine Halbschwester aufwachsen sehen. Und sie muss schmerzlich erkennen, dass man im Leben oft nicht das bekommt, was man will und genau die Fehler macht, die man den Eltern vorwirft.
Die Liebe der Autorin Carleen Brice zum Gärtnern ist nicht nur in diesem traurig-schönen Buch ersichtlich, sondern auch in ihrem Blog "Pajama Gardener".
Carleen Brice:
Orange Mint and Honey
Random House, 2008
Und so wie die Mutter trotz ihrer Sucht meistens eine sehr gepflegte Erscheinung war – jedenfalls, wenn man die Momente ausblendet, in denen ihre kleine Tochter Erbrochenes und anderes aufwischen musste – so hatte auch Shay das Vorspielen einer heilen Welt für die Umgebung perfektioniert. Freunde konnte sie nie einladen, da die Reaktionen ihrer Mutter unvorhersehbar waren und den Kontakt zu ihrer einzigen Freundin hat sie nach Schulabschluss abgebrochen.
Nun, mit fünfundzwanzig Jahren kehrt Shay wieder heim zu ihrer Mutter Nona. Die intelligente junge Frau hat sich jahrelang auf ihr auswärts absolviertes Studium konzentriert und der Kontakt zwischen den beiden Frauen beschränkte sich auf den unregelmässigen Austausch von Postkarten. Wegen Problemen in der Schule legt Shay auf Veranlassung ihres Mentors eine Semesterpause ein. Finanzielle Engpässe sowie die Vision ihrer Lieblingssängerin Nina Simone („go home!“) bewegen sie dazu, bei ihrer Mutter Unterschlupf zu suchen.
Shay, eigentlich LaShay Glory (wegen den „Morning Glories“ = Prunkwinden, die ihr Grossvater liebte), erkennt ihre völlig verändert erscheinende Mutter kaum wieder. Sie wohnt in einem gepflegten Haus, der Kühlschrank ist gefüllt und da ist Sunny, Shays dreijährige Halbschwester. Ist die Mutter wirklich trocken? Die emotional verkümmerte Shay, die sich in Stresssituationen ständig Haare ausreisst, misstraut den Zuständen und ist überzeugt, ihre Mutter spiele ihr etwas vor und trinke heimlich. Die junge Frau sperrt sich oft stundenlang in ihrem Zimmer ein, hört Musik und wird von ihren widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Dazu gehört auch Eifersucht auf die kleine Halbschwester, die eine ganz andere Mutter erlebt als sie während ihrer eigenen Kindheit. Shay kann offensichtlich nicht verzeihen und trauert um ihre gestohlene Jugend. Derweilen versagt sie sich alle Freuden; teils aus Geldmangel, teils um sich selber zu bestrafen. Nonas Worte, dass sie (Shay) allen Grund und das Recht habe, wütend zu sein, aber auch das Recht, glücklich zu sein, prallen an ihr ab.
Die vierzigjährige Nona selber, die bereits mit fünfzehn Mutter von ihrem Wunschkind Shay wurde, hat gewissermassen eine Sucht durch eine andere ersetzt. Dank A.A. ist sie trocken, aber inzwischen völlig gartenverrückt. Sie pflegt einen üppigen, wilden und dennoch strukturierten Garten und legt grossen Wert auf eine gesunde Ernährung mit selber gezogenen Zucchinis, Tomaten und Jalapenos und schmückt ihr Daheim mit eigenen Schnittblumen. Ihr persönliches Problemlösungs-Rezept funktioniert so, dass sie die Ursache von Schwierigkeiten auf einen Zettel schreibt und diesen in kleine Stücke zerreisst. Die Schnipsel buddelt sie im Garten ein, wo sie sich zersetzen und die Erde anreichern. Und das Wichtigste: im nächsten Frühling hilft das Problem den Pflanzen beim Wachsen.
Während des länger als geplant dauernden Besuch kommen sich Shay und Nona näher und die Tochter beginnt sich zu verändern. Sie findet eine Stelle und einen Freund und sie nimmt wieder Kontakt mit ihrer ehemals besten Freundin auf. Langsam finden Mutter und Tochter zu einer besseren Beziehung, das gegenseitige Vertrauen wächst und bildet einen guten Boden für die Zukunft. Shay lernt zu verzeihen und möchte ihre kleine Halbschwester aufwachsen sehen. Und sie muss schmerzlich erkennen, dass man im Leben oft nicht das bekommt, was man will und genau die Fehler macht, die man den Eltern vorwirft.
Die Liebe der Autorin Carleen Brice zum Gärtnern ist nicht nur in diesem traurig-schönen Buch ersichtlich, sondern auch in ihrem Blog "Pajama Gardener".
Carleen Brice:
Orange Mint and Honey
Random House, 2008
8. Oktober 2014
Zuletzt angefangen zu lesen: Jutta Blume - Ruf der Pflanzen
Eine Autorin mit dem Namen „Blume“ und ein Buchtitel, der lautet „Ruf der Pflanzen“ - diese Kombination weckt doch schon einige Erwartungen. Diese steigen noch, wenn die Sofagärtnerin sich den Buchbeschrieb genauer vornimmt (Zitat von der Umschlagseite):
"Außer „Sugar Creek“, der Zuckerrohrplantage, auf der sie aufgewachsen ist, mitten im Urwald von Guyana, kennt die Sklavin Ife nicht viel. Als 1761 der schwedische Forschungsreisende Sandquist sie für eine botanische Expedition kauft, wird sie mit der Ideenwelt der Aufklärung konfrontiert. Für die heilkundige Ife sind Pflanzen etwas Spirituelles und Heilbringendes, Teil einer Welt, in der alles miteinander verwoben ist. Doch der Wissenschaftler Sandquist gibt den Pflanzen komische Namen, systematisiert sie und presst sie in Bücher. Durch ihn lernt sie lesen und schreiben – und stellt seine Sicht auf die Dinge infrage.
Diese Begegnung mit der Wissenschaft verändert Ifes Leben für immer und ist der Anfang ihres Abenteuers, das sie bis nach Europa am Vorabend der Französischen Revolution führen wird. „Der Ruf der Pflanzen“ ist ein packender historischer Roman über eine starke Frau, die aller Widerstände zum Trotz nach Selbstbestimmung sucht in einer Welt im Umbruch."
Und wenn dann auf der Umschlaginnenseite auch noch steht, dass die Autorin Landschaftsplanung studiert hat und sich in Berlin als Kleingärtnerin betätigt, scheint das Buch tatsächlich eine Muss-Lektüre für den Sofagarten zu sein. In den Schulferien werde ich mit hoffentlich die Zeit dazu stehlen können. Vielleicht sogar in Berlin.
Jutta Blume:
Ruf der Pflanzen
Vergangenheitsverlag, 2014
"Außer „Sugar Creek“, der Zuckerrohrplantage, auf der sie aufgewachsen ist, mitten im Urwald von Guyana, kennt die Sklavin Ife nicht viel. Als 1761 der schwedische Forschungsreisende Sandquist sie für eine botanische Expedition kauft, wird sie mit der Ideenwelt der Aufklärung konfrontiert. Für die heilkundige Ife sind Pflanzen etwas Spirituelles und Heilbringendes, Teil einer Welt, in der alles miteinander verwoben ist. Doch der Wissenschaftler Sandquist gibt den Pflanzen komische Namen, systematisiert sie und presst sie in Bücher. Durch ihn lernt sie lesen und schreiben – und stellt seine Sicht auf die Dinge infrage.
Diese Begegnung mit der Wissenschaft verändert Ifes Leben für immer und ist der Anfang ihres Abenteuers, das sie bis nach Europa am Vorabend der Französischen Revolution führen wird. „Der Ruf der Pflanzen“ ist ein packender historischer Roman über eine starke Frau, die aller Widerstände zum Trotz nach Selbstbestimmung sucht in einer Welt im Umbruch."
Und wenn dann auf der Umschlaginnenseite auch noch steht, dass die Autorin Landschaftsplanung studiert hat und sich in Berlin als Kleingärtnerin betätigt, scheint das Buch tatsächlich eine Muss-Lektüre für den Sofagarten zu sein. In den Schulferien werde ich mit hoffentlich die Zeit dazu stehlen können. Vielleicht sogar in Berlin.
Jutta Blume:
Ruf der Pflanzen
Vergangenheitsverlag, 2014
1. Oktober 2014
Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern (DVD)
Jahrzehntelang ist man sich aus dem Weg gegangen. Spannungen haben die früheren Begegnungen geprägt. „Nur ein falsches Wort und der Teufel war im Dach“ erzählt die Mutter. Ein zufälliges Treffen von Vater und Sohn führt schliesslich zum Projekt, mit dem der kürzlich verstorbene Regisseur Peter Liechti seinen Eltern ein filmisches Denkmal gesetzt hat.
Einerseits erzählen die Eltern direkt oder beantworten die Fragen des Sohnes in Dialekt, anderseits sind ihre Gedanken auf Hochdeutsch nachgesprochen, während zwei Hasenmarionetten einem hämisch grinsenden Menschen gegenüberstehen. Im Zeitpunkt der Dreharbeiten war das Elternpaar seit 62 Jahren verheiratet. Trotz (oder wegen?) völlig unterschiedlicher Interessen. An jedem Hochzeitstag wundert sie sich, dass die Lebensgemeinschaft so lange funktioniert hat. Während er sehr kontaktfreudig und häufig unterwegs ist, führt sie ein eher zurückgezogenes Leben, taucht in ihre Bücherwelten ab und hat ihren Frieden im Glauben gefunden. Immer hat sie sich ihrem Mann untergeordnet, damit es keinen Streit gab.
Der Film zeigt stellvertretend das Leben einer Generation wie ich es mir nicht vorstellen könnte. Wiederholtes Kopfschütteln auf meiner Seite. Etwa wenn es heisst, die Frau gehört an den Herd und wer zahlt (und das Geld verdient), befiehlt. Als die Frau die Auszahlung ihres Anteils der AHV-Rente auf ein eigenenes Konto veranlasst, hat der Ehemann ihr das monatelang nachgetragen und sie das auch deutlich spüren lassen. Die Gesundheit der Frau wird der Unversehrtheit der Badezimmerplättli untergeordnet. In diese dürfen unter keinen Umständen zwei Löcher gebohrt werden, um einen Griff anzubringen. Ein weiterer Sturz mit gebrochenen Rippen scheint das kleinere Übel zu sein, als die dann irgendwann notwendig werdende Wieder-Instandstellung der Plättli. Ähnliche Überlegungen gelten für das (Nicht-)Aufhängen der Wohnzimmerlampe über dem Esstisch.
In dieser dokumentierten Annäherung von Vater, Mutter und Sohn erhält der Zuschauer einen tiefen Einblick in das Leben der Eltern, ihre Wurzeln und ihre Gedanken. Immer wieder werden die grossen Unterschiede zwischen dem Ehepaar deutlich und man kommt nicht um die Schlussfolgerung herum, dass eine in jüngerer Zeit geschlossene Ehe aufgrund dieser Basis wohl schon längst geschieden worden wäre. Sehr deutlich kommt aber auch das liebevolle Miteinanderumgehen zum Ausdruck und dass ihre Liebe im Alter wieder grösser geworden ist. Was sie ihm auch sehr oft sagt. Er weniger. Denn Gefühle sind eher Frauensache.
Zwischen diesen Einblicken in das Leben der Eltern sieht man immer wieder den gärtnernden Vater. Auch hier ist seine Prinzipientreue omnipräsent und ich könnte noch einiges in Sachen Gründlichkeit lernen. Die Beete sind unkrautfrei. Die Tomatenstangen aus Holz werden mit dem Abwaschbürsteli gereinigt und angeschrieben, damit sie nächstes Jahr für den gleichen Zweck wieder verwendet werden können. Die Frau gibt freimütig zu, oft auf den Garten eifersüchtig gewesen zu sein, in den er ihrer Ansicht nach vor ihren Ansprüchen geflüchtet ist. Er, 88 Jahre alt, will noch ein oder zwei Jahre weiter gärtnern und versorgt derweilen den Haushalt zur Erntezeit mit Bohnen, Salat und bringt Schnittblumen wie Rosen und Cosmeen nach Hause.
Vaters Garten (DVD) von Peter Liechti
Pelicanfilms, 2014
Einerseits erzählen die Eltern direkt oder beantworten die Fragen des Sohnes in Dialekt, anderseits sind ihre Gedanken auf Hochdeutsch nachgesprochen, während zwei Hasenmarionetten einem hämisch grinsenden Menschen gegenüberstehen. Im Zeitpunkt der Dreharbeiten war das Elternpaar seit 62 Jahren verheiratet. Trotz (oder wegen?) völlig unterschiedlicher Interessen. An jedem Hochzeitstag wundert sie sich, dass die Lebensgemeinschaft so lange funktioniert hat. Während er sehr kontaktfreudig und häufig unterwegs ist, führt sie ein eher zurückgezogenes Leben, taucht in ihre Bücherwelten ab und hat ihren Frieden im Glauben gefunden. Immer hat sie sich ihrem Mann untergeordnet, damit es keinen Streit gab.
Der Film zeigt stellvertretend das Leben einer Generation wie ich es mir nicht vorstellen könnte. Wiederholtes Kopfschütteln auf meiner Seite. Etwa wenn es heisst, die Frau gehört an den Herd und wer zahlt (und das Geld verdient), befiehlt. Als die Frau die Auszahlung ihres Anteils der AHV-Rente auf ein eigenenes Konto veranlasst, hat der Ehemann ihr das monatelang nachgetragen und sie das auch deutlich spüren lassen. Die Gesundheit der Frau wird der Unversehrtheit der Badezimmerplättli untergeordnet. In diese dürfen unter keinen Umständen zwei Löcher gebohrt werden, um einen Griff anzubringen. Ein weiterer Sturz mit gebrochenen Rippen scheint das kleinere Übel zu sein, als die dann irgendwann notwendig werdende Wieder-Instandstellung der Plättli. Ähnliche Überlegungen gelten für das (Nicht-)Aufhängen der Wohnzimmerlampe über dem Esstisch.
In dieser dokumentierten Annäherung von Vater, Mutter und Sohn erhält der Zuschauer einen tiefen Einblick in das Leben der Eltern, ihre Wurzeln und ihre Gedanken. Immer wieder werden die grossen Unterschiede zwischen dem Ehepaar deutlich und man kommt nicht um die Schlussfolgerung herum, dass eine in jüngerer Zeit geschlossene Ehe aufgrund dieser Basis wohl schon längst geschieden worden wäre. Sehr deutlich kommt aber auch das liebevolle Miteinanderumgehen zum Ausdruck und dass ihre Liebe im Alter wieder grösser geworden ist. Was sie ihm auch sehr oft sagt. Er weniger. Denn Gefühle sind eher Frauensache.
Zwischen diesen Einblicken in das Leben der Eltern sieht man immer wieder den gärtnernden Vater. Auch hier ist seine Prinzipientreue omnipräsent und ich könnte noch einiges in Sachen Gründlichkeit lernen. Die Beete sind unkrautfrei. Die Tomatenstangen aus Holz werden mit dem Abwaschbürsteli gereinigt und angeschrieben, damit sie nächstes Jahr für den gleichen Zweck wieder verwendet werden können. Die Frau gibt freimütig zu, oft auf den Garten eifersüchtig gewesen zu sein, in den er ihrer Ansicht nach vor ihren Ansprüchen geflüchtet ist. Er, 88 Jahre alt, will noch ein oder zwei Jahre weiter gärtnern und versorgt derweilen den Haushalt zur Erntezeit mit Bohnen, Salat und bringt Schnittblumen wie Rosen und Cosmeen nach Hause.
Vaters Garten (DVD) von Peter Liechti
Pelicanfilms, 2014
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