Zufällig habe ich entdeckt, dass die deutsche Übersetzung des Buches „The Cipher Garden“, das schon länger auf meiner Wunschliste steht, an mir vorbeigegangen ist. Der deutsche Titel lässt im Gegensatz zum Original auch keinen gärtnerischen Inhalt vermuten.
Chief Inspector Hannah Scarlett hat mit ihrem Team einen neuen „Cold Case“ übernommen. Der brutale Mord an einem Landschaftsgärtner ist nie aufgeklärt worden und die Ermittlungen werden nun nach Jahren aufgrund eines anonymen Hinweises wieder neu aufgerollt. Die Befragungen scheinen bald wieder im Sand zu verlaufen, als ein schockierender Selbstmord ein neues Licht auf die Tat und die Beziehungsgeflechte der Dorfbewohner wirft.
Der Historiker und Fernsehautor Daniel Kind wohnt noch nicht lange im Lake District. Seit seinem Umzug aufs Land hat er eine Affinität zum Gärtnern entwickelt. Hat er bis vor kurzem das Wort Brombeeren als Synonym für süsse Obstküchlein und dichte grüne Hecken betrachtet, so sind eben diese Rankpflanzen inzwischen zu seinem Feind Nr. 1 mutiert. Noch mehr beschäftigt ihn aber, einen Sinn hinter dem verrückten, seit Jahren vernachlässigten Garten zu entdecken, den er zusammen mit seinem Cottage erworben hat. Nicht nur die Pflanzenauswahl erscheint merkwürdig, auch die Wegführung ist völlig ziellos.
Auf der Suche nach Lösungen in ihren Fällen und Rätseln kreuzen sich die Wege von Hannah Scarlett und Daniel Kind immer wieder. Die Erzählstränge wechseln häufig ziemlich abrupt. Die Schlussfolgerungen zum Gartenrätsel fand ich nicht so ganz nachvollziehbar und Spannung kommt erst gegen Schluss des Buches auf.
Martin Edwards:
Die ohne Schuld sind
Bastei Lübbe, 2008
16. Februar 2011
12. Februar 2011
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Auf einen Aufruf auf der Webseite des Blumenbüros Holland haben sich verschiedene Menschen entschlossen, ihre schönsten Blumenmomente auf Papier festzuhalten. Fünfzig dieser Einsendungen haben es schliesslich in die Publikation „Glück blüht“ geschafft, die mit einem Vorwort der Schauspielerin Christine Neubauer anfängt. Die einzelnen Erlebnisse sind ebenso verschieden wie das Niveau der Beiträge. So wird schon mal aus einer Paeonia rockii-Hybride kurzerhand eine Rose.
Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.
Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011
Handelt eine Geschichte, davon wie ein Brautrosenbouquet samt Familie des Bräutigams vor dem Altar vermisst wird (die Trauung ohne Verwandtschaft durchführen, o.k.; aber ohne Braustrauss, nein …), erinnert sich eine andere Erzählerin an die verlockenden Wiesenblumen jenseits des Zauns um eine Internierungslager, denen sie seinerzeit als Fünfjährige nicht widerstehen konnte. Was für eine Geschichte sich wohl hinter der getrockneten Rose versteckt, die in einem alten Buch entdeckt wurde, das auf einer Nachlassversteigerung erworben worden ist? Und vielleicht gelangen auch Sie einmal an eine Floristin, die Ihnen aus Freude darüber, dass Sie den Weg in ihren Blumenladen gefunden haben und weil sie den ganzen Tag über kaum Blühendes verkauft hat, einen Tulpenstrauss schenkt? Berührend sind die positiven Folgen eines kurzen Besuches samt floraler Kreation am Krankenbett eines mürrischen alten Mannes, der seit seiner Jugend als Aussenseiter galt.
Blumenbüro Holland (Hrsg.):
Glück blüht – Die schönsten Blumenmomente
Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2011
9. Februar 2011
Blogparade – Mein Lieblingsgartenbuch
Garten2null ruft Blogger dazu auf, ihre Lieblingsgartenbücher in einer Gartenblogparade vorzustellen. Das ist gar nicht so einfach – wie soll frau sich entscheiden, wenn Gartenliteratur gemeinhin oder im weitesten Sinn sämtliche Regale füllt?
Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.
Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011
Einer meiner ersten Blogbeiträge trägt den Titel "Antiquarische Lieblingslektüre". Was ich damals geschrieben habe, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Und so vergebe ich den Titel an Beverley Nichols und sein Buch „Green grows the City“. Seine mit typisch englischem Humor gewürzten Gartenromane sind nach wie vor unübertrefflich. Der Leser und die Leserin dürfen keine genauen Pflanzanleitungen erwarten, der eine oder andere Tipp mutet vielleicht etwas seltsam an, und über sein Frauenbild kann man auch geteilter Meinung sein, amüsant sind die Bücher aber auf jeden Fall. Wenn Nichols etwa seine Mühen beschreibt, Alpenveilchen aus Samen zu ziehen oder sich während einem starken Erdbeben mit dem Gedanken tröstet, dass diese Erschütterungen zu herrlich gesunden Rissen in der neuen Staudenrabatte führen, kann dies jeder passionierte Gärtner nachvollziehen. Dieser hier stellvertretend für alle gärtnerischen Nichols-Bücher erwähnte Titel aus dem Jahr 1939 erscheint in diesen Tagen im Schöffling Verlag auf Deutsch unter dem Titel „Grünes Glück – Geschichte eines Gartens“.
Beverley Nichols:
Grünes Glück - Geschichte eines Gartens
Schöffling & Co, 2011
8. Februar 2011
Noch eine Fortsetzung: Herbal Choices
Den Zugriffen von jenseits des Atlantiks auf mein Blog ist es zu verdanken, dass die Buchvorstellung über den Aufbau von Callie Gardeners Kräutergärtnerei unter den beliebtesten Posts figuriert (siehe Rubrik „Beliebte Post“ und hier).
Nach dem erfolgreichen Start in die Selbständigkeit muss die junge umtriebige Unternehmerin im zweiten Jahr Rückschläge in Kunden- und Umsatzfrequenz verbuchen. Doch mit immer neuen Ideen für Workshops und Events versucht Callie unermüdlich, das Geschäft anzukurbeln.
Inzwischen hat sie ihrem früheren Partner Daniel, der sie kurz vor der Hochzeit wegen einer anderen Frau hat sitzenlassen, verziehen und die beiden sind wieder ein Paar und bereits mit Vermählungsplänen beschäftigt. Doch wie soll Callie reagieren, wenn Daniel von ihr erwartet, zurück in ihre Heimat zu ziehen? Könnte sie ihre „Joyful Heart Herb Farm“ schliessen, wo sie doch dermassen viel Herzblut hineingesteckt hat?
Trotz der prekären finanziellen Lage ist Callie auf Mitarbeiterinnen angewiesen. Nachdem ihre Angestellte Lucy inzwischen aufs College geht, hat die Chefgärtnerin zwei junge Frauen aus einer Amish-Gemeinde eingestellt. Neben dem detaillierten Einblick in eine Kräutergärtnerei erfährt die interessierte Leserin nebenbei auch einiges über Amish-Gärten und wie bereits in „Herbal Beginnings“ runden Kräuterportraits und Rezepte die Lektüre ab.
Ebenfalls analog zum ersten Band passieren in Callies Umfeld immer wieder schreckliche Dinge. Da wären eine bewaffnete Geiselnahme zu erwähnen, Unfälle oder auch ein Anschlag mit Unkrautvernichtungsmittel auf die Gärtnerei, der grossen Schaden anrichtet. Für meinen Geschmack sind etwas gar viele Widrigkeiten in die Geschichte verpackt, aber zumindest finde ich die Entwicklung von Callies Liebesleben nachvollziehbar. Und zum Schluss noch folgender Tipp: es ist empfehlenswert, das Buch nicht mit leerem Magen zu lesen!
Carolee Snyder:
Herbal Choices: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2010
Nach dem erfolgreichen Start in die Selbständigkeit muss die junge umtriebige Unternehmerin im zweiten Jahr Rückschläge in Kunden- und Umsatzfrequenz verbuchen. Doch mit immer neuen Ideen für Workshops und Events versucht Callie unermüdlich, das Geschäft anzukurbeln.
Inzwischen hat sie ihrem früheren Partner Daniel, der sie kurz vor der Hochzeit wegen einer anderen Frau hat sitzenlassen, verziehen und die beiden sind wieder ein Paar und bereits mit Vermählungsplänen beschäftigt. Doch wie soll Callie reagieren, wenn Daniel von ihr erwartet, zurück in ihre Heimat zu ziehen? Könnte sie ihre „Joyful Heart Herb Farm“ schliessen, wo sie doch dermassen viel Herzblut hineingesteckt hat?
Trotz der prekären finanziellen Lage ist Callie auf Mitarbeiterinnen angewiesen. Nachdem ihre Angestellte Lucy inzwischen aufs College geht, hat die Chefgärtnerin zwei junge Frauen aus einer Amish-Gemeinde eingestellt. Neben dem detaillierten Einblick in eine Kräutergärtnerei erfährt die interessierte Leserin nebenbei auch einiges über Amish-Gärten und wie bereits in „Herbal Beginnings“ runden Kräuterportraits und Rezepte die Lektüre ab.
Ebenfalls analog zum ersten Band passieren in Callies Umfeld immer wieder schreckliche Dinge. Da wären eine bewaffnete Geiselnahme zu erwähnen, Unfälle oder auch ein Anschlag mit Unkrautvernichtungsmittel auf die Gärtnerei, der grossen Schaden anrichtet. Für meinen Geschmack sind etwas gar viele Widrigkeiten in die Geschichte verpackt, aber zumindest finde ich die Entwicklung von Callies Liebesleben nachvollziehbar. Und zum Schluss noch folgender Tipp: es ist empfehlenswert, das Buch nicht mit leerem Magen zu lesen!
Carolee Snyder:
Herbal Choices: A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2010
4. Februar 2011
Hot House Flower und Hothouse Flower
Im Gartenbücherfrühling 2011 erscheinen unter der Kategorie „Belletristik“ gleich zwei verschiedene Romane auf Deutsch, die in der englischen Originalausgabe den gleichen Titel tragen, nämlich „Hothouse Flower“.
Margot Berwins „Hot House Flower“, das ich im Sofagarten bereits im August 2009 vorgestellt habe, erhält in der deutschen Übersetzung keinen neuen Titel. Ich bin schon jetzt gespannt, ob mich die Magie und die Schamanen auch in der deutschen Ausgabe fesseln werden und werde das Buch spätestens als Urlaubslektüre nochmals geniessen!
Der Goldmann Verlag hat für Lucinda Rileys Roman „Hothouse Flower“ den deutschen Titel „Das Orchideenhaus“ gewählt. Ein Gewächshaus, ein Orchideenzüchter, Orchideen und ein bei Renovierungsarbeiten entdecktes altes Tagebuch sind zentrales Thema in der Erzählung. Mehr zum Inhalt berichte ich gelegentlich, sobald ich das Buch fertiggelesen habe. Die Lektüre ist jedenfalls sehr spannend und ich wünschte mir beim Lesen der englischen Ausgabe im Moment Tage mit mehr als 24 Stunden, um schneller zu erfahren wie der Roman endet!
Margot Berwin:
Hot House Flower
Fischer Verlag, 2011
Lucinda Riley:
Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011
Margot Berwins „Hot House Flower“, das ich im Sofagarten bereits im August 2009 vorgestellt habe, erhält in der deutschen Übersetzung keinen neuen Titel. Ich bin schon jetzt gespannt, ob mich die Magie und die Schamanen auch in der deutschen Ausgabe fesseln werden und werde das Buch spätestens als Urlaubslektüre nochmals geniessen!
Der Goldmann Verlag hat für Lucinda Rileys Roman „Hothouse Flower“ den deutschen Titel „Das Orchideenhaus“ gewählt. Ein Gewächshaus, ein Orchideenzüchter, Orchideen und ein bei Renovierungsarbeiten entdecktes altes Tagebuch sind zentrales Thema in der Erzählung. Mehr zum Inhalt berichte ich gelegentlich, sobald ich das Buch fertiggelesen habe. Die Lektüre ist jedenfalls sehr spannend und ich wünschte mir beim Lesen der englischen Ausgabe im Moment Tage mit mehr als 24 Stunden, um schneller zu erfahren wie der Roman endet!
Margot Berwin:
Hot House Flower
Fischer Verlag, 2011
Lucinda Riley:
Das Orchideenhaus
Goldmann Verlag, 2011
31. Januar 2011
Herr Adamson
Der Ich-Erzähler sitzt am Freitag, 22. Mai 2032, einen Tag nach seinem 94. Geburtstag, in einem in Hochblüte stehenden Garten. Er spricht seine schon länger zurückliegenden Erlebnisse mit Herrn Adamson für die Nachwelt auf Band. Freitage haben eine besondere Bedeutung für den Erzähler. Ist heute der richtige Freitag, um zu sterben?
Jahrzehnte vorher, genau an seinem 8. Geburtstag hat der Erzähler diesen Herrn Adamson im riesigen, paradiesischen Garten eines Nachbarhauses kennengelernt. Dieses stand schon länger Zeit leer und der Garten hatte sich in eine blühende, ursprüngliche Landschaft verwandelt. Die Blütenpracht setzte sich ohne Rücksicht auf Jahreszeiten zusammen aus Rosen, Mohn, Oleander, Fuchsien, Azaleen, Thymian und vielen anderen Blumen. Als Navajo-Indianer in die Spurensuche vertieft, erschrickt der Junge zutiefst, als völlig unerwartet Herr Adamson vor ihm steht – um die neunzig Jahre alt, klein, mager mit weissem Kopf und mit Ausnahme von drei leicht gekrümmt in die Höhe ragenden Haaren völlig kahl.
Herr Adamson ist tot. Nur weil der Junge genau in jener Sekunde geboren ist, in welcher der alte Mann gestorben ist, kann er ihn überhaupt sehen. Die beiden spielen zusammen Verstecken. Das harmlose Spiel entwickelt sich bei einer Folgebegegnung zu einem Alptraum, als der Junge herausfinden will, wohin Herr Adamson jeweils verschwindet und er sich in dessen Körperhülle hineinwirft. Können die magische Feder in den Haaren und ein Knochen den Ich-Erzähler beschützen? Zumindest zwei Zwänge bleiben schliesslich von der Begegnung mit von allen guten Geistern Verlassenen zurück: die Sprache der Navajos und ein Drang, jeden Spaten in die Erde zu stecken und zu graben.
Eine ziemlich schräge Reise durch eine Phantasie-Welt, empfehlenswert für alle, die sich nicht von „Vortoten“ und „Untoten“ von der Lektüre abhalten lassen.
Urs Widmer:
Herr Adamson
Diogenes Verlag, 2009 bzw. 2010
Jahrzehnte vorher, genau an seinem 8. Geburtstag hat der Erzähler diesen Herrn Adamson im riesigen, paradiesischen Garten eines Nachbarhauses kennengelernt. Dieses stand schon länger Zeit leer und der Garten hatte sich in eine blühende, ursprüngliche Landschaft verwandelt. Die Blütenpracht setzte sich ohne Rücksicht auf Jahreszeiten zusammen aus Rosen, Mohn, Oleander, Fuchsien, Azaleen, Thymian und vielen anderen Blumen. Als Navajo-Indianer in die Spurensuche vertieft, erschrickt der Junge zutiefst, als völlig unerwartet Herr Adamson vor ihm steht – um die neunzig Jahre alt, klein, mager mit weissem Kopf und mit Ausnahme von drei leicht gekrümmt in die Höhe ragenden Haaren völlig kahl.
Herr Adamson ist tot. Nur weil der Junge genau in jener Sekunde geboren ist, in welcher der alte Mann gestorben ist, kann er ihn überhaupt sehen. Die beiden spielen zusammen Verstecken. Das harmlose Spiel entwickelt sich bei einer Folgebegegnung zu einem Alptraum, als der Junge herausfinden will, wohin Herr Adamson jeweils verschwindet und er sich in dessen Körperhülle hineinwirft. Können die magische Feder in den Haaren und ein Knochen den Ich-Erzähler beschützen? Zumindest zwei Zwänge bleiben schliesslich von der Begegnung mit von allen guten Geistern Verlassenen zurück: die Sprache der Navajos und ein Drang, jeden Spaten in die Erde zu stecken und zu graben.
Eine ziemlich schräge Reise durch eine Phantasie-Welt, empfehlenswert für alle, die sich nicht von „Vortoten“ und „Untoten“ von der Lektüre abhalten lassen.
Urs Widmer:
Herr Adamson
Diogenes Verlag, 2009 bzw. 2010
27. Januar 2011
Erinnerungen an Christopher Lloyd
Als ich gerade mit der Lektüre dieser Erinnerungen an Christopher Lloyd (1921 – 2006) begonnen hatte, bin ich in der Zeitschrift "Gardens Illustrated" auf eine Auflistung gestossen, in welcher dieses Buch unter den zehn bemerkenswertesten Gartenbuch-Neuerscheinungen 2010 aufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt erschien mir diese Bewertung ziemlich übertrieben. Jetzt, wo ich das Buch zu Ende gelesen habe, kann ich der Auszeichnung beistimmen und finde sie gerechtfertigt.
Christopher Lloyd wird nachgesagt, Leute „gesammelt“ zu haben. Etliche Personen, die dieser speziellen „Kollektion“ angehörten, haben im Buch „Dear Christo“ ihre Erlebnisse und Anekdoten niedergeschrieben. Das Ergebnis ist wohltuender Weise keine Lobhudelei auf einen der einflussreichsten englischen Gärtner der letzten Jahrzehnte, sondern vielmehr eine Lektüre, die aus verschiedenen Blickwinkeln, die vielen verschiedenen Facetten von Christopher Lloyd beleuchtet. Zu dessen riesigem Freundeskreis gehörten Journalisten, Musiker, Komponisten ebenso wie Gärtner, die teilweise gerade durch die Lektüre von Lloyds immer wieder aufgelegtem Standardwerk „The Well-Tempered Garden“ auf diesen Beruf, diese Berufung gestossen sind.
Beiträge für das Buch abgeliefert haben unter vielen anderen Anna Pavord, Alan Titchmarsh, Dan Pearson, Helen Dillon und das Vorwort hat Beth Chatto verfasst. Christopher Lloyd wird als vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten beschrieben. Wer seine Gunst einmal verspielt hatte, konnte diese nicht mehr zurückerobern. Legendär sind seine grosszügigen Wochenendeinladungen nach Great Dixter ebenso wie seine ungeschminkte Kritik und seine Kochkünste. Mehr als ein Gast nahm von Lloyds geliebten Hunden ein bissiges Andenken mit nach Hause.
Rosemary Alexander und Fergus Garrett (Hrsg.):
Dear Christo – Memories of Christopher Lloyd at Great Dixter
Timber Press, 2010
Christopher Lloyd wird nachgesagt, Leute „gesammelt“ zu haben. Etliche Personen, die dieser speziellen „Kollektion“ angehörten, haben im Buch „Dear Christo“ ihre Erlebnisse und Anekdoten niedergeschrieben. Das Ergebnis ist wohltuender Weise keine Lobhudelei auf einen der einflussreichsten englischen Gärtner der letzten Jahrzehnte, sondern vielmehr eine Lektüre, die aus verschiedenen Blickwinkeln, die vielen verschiedenen Facetten von Christopher Lloyd beleuchtet. Zu dessen riesigem Freundeskreis gehörten Journalisten, Musiker, Komponisten ebenso wie Gärtner, die teilweise gerade durch die Lektüre von Lloyds immer wieder aufgelegtem Standardwerk „The Well-Tempered Garden“ auf diesen Beruf, diese Berufung gestossen sind.
Beiträge für das Buch abgeliefert haben unter vielen anderen Anna Pavord, Alan Titchmarsh, Dan Pearson, Helen Dillon und das Vorwort hat Beth Chatto verfasst. Christopher Lloyd wird als vielschichtige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten beschrieben. Wer seine Gunst einmal verspielt hatte, konnte diese nicht mehr zurückerobern. Legendär sind seine grosszügigen Wochenendeinladungen nach Great Dixter ebenso wie seine ungeschminkte Kritik und seine Kochkünste. Mehr als ein Gast nahm von Lloyds geliebten Hunden ein bissiges Andenken mit nach Hause.
Rosemary Alexander und Fergus Garrett (Hrsg.):
Dear Christo – Memories of Christopher Lloyd at Great Dixter
Timber Press, 2010
23. Januar 2011
Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid
Céleste Pruvost hat ihre frühe Kindheit auf einem Hof in der Provence verbracht, den ihre Mutter Béatrice und ihr Vater Jean zusammen mit einer Kooperative von Individualisten geführt haben. Von ihren Eltern hat sie nicht nur einen Hang zur Melancholie vererbt bekommen, auch ihre Leidenschaft für Gartengestaltung ist ihr bereits in die Wiege gelegt worden.
Grossväter und Urgrossväter väterlicherseits sind allesamt grosse „Horticulteurs“ gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass Céleste bereits als kleines Mädchen ein ausgeprägtes Interesse für die Arbeit ihres Vaters entwickelte und das Pikieren von zarten Pflänzchen ebenso lernte wie das Veredeln von Kirschbäumen. Ihr Vater war kein Mann grosser Worte und sprach wohl mehr mit seinen Pflanzen als mit seiner Tochter. Doch auch er genoss die Nähe beim gemeinsamen Gärtnern, die ihn von seinen Eheproblemen ablenkte. Béatrice lebte nämlich zwar auf dem gleich Hof, aber räumlich getrennt von ihrer Familie. Die exzessive Drogenkonsumentin wechselte häufig ihre Liebhaber, während sie für Céleste und deren älteren Bruder François kein Interesse zeigte. Als Béatrice sich nach einer Entziehungskur schliesslich definitiv von Jean trennt, verschwindet dieser spurlos. Mit seinem Weggang spaltet sich die Restgruppe auf dem Hof. Der tüchtige Gärtner Jean hatte durch seine beruflichen Fähigkeiten und sein unermüdliches Arbeiten einen wesentlichen Anteil am guten Geschäftsgang des Betriebes und sein Fortgehen hinterlässt eine grosse Lücke. In der Folge werden Céleste und François in ein kleines katholisches Pensionat gesteckt und erleben die Hölle auf Erden.
Im Laufe ihres Lebens findet Céleste immer wieder Freude und Ablenkung in der Beschäftigung mit Pflanzen – als sie im Pfarrhaus aufgenommen wird oder viel später nach einer unglücklichen Ehe, als ihr in Istrien ein Rentner etliche Gärtnertricks und –kniffe beibringt, die ihren Wunsch verstärken, als Gartengestalterin berufliche Befriedigung zu finden. Der Krieg auf dem Balkan durchkreuzt diese Pläne. Kann sie zurück in Frankreich ihre Passion ausleben?
Auf knapp 220 Seiten verpackt die passionierte Gartendesignerin und frischgebackene Autorin Alexandra Jansen eine kurzweilige Lektüre, die in der Lüftung des Geheimnisses von St. Walfrid gipfelt. Ihr ureigenes Geheimnis bleibt, welche Teile des Romans autobiografische Züge aufweisen. Charmant sind die immer wieder auftauchenden französischen Worteinschiebungen. Gelegentlich driftet die Erzählung ins Umgangssprachliche ab und der Zufallsfund auf einem Flohmarkt erscheint mir etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz ein lesenswerter Erstling und vielleicht hat die Autorin je genügend Ideen für eine Fortsetzung?
Ein Teil des Romans spielt in Saaregmünd und Umgebung. Vor einiger Zeit sind wir nach einer Woche Hausbootferien in dieser Gegend umhergereist. Schade ergab sich keine Gelegenheit eine Prieuré mit einem dermassen tollen Garten oder den Garten der Autorin zu besuchen! Immerhin bleibt zum Trost der Link zur Webseite der Autorin.
Alexandra Jansen:
Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid
Geistkirch-Verlag, 2010
Grossväter und Urgrossväter väterlicherseits sind allesamt grosse „Horticulteurs“ gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass Céleste bereits als kleines Mädchen ein ausgeprägtes Interesse für die Arbeit ihres Vaters entwickelte und das Pikieren von zarten Pflänzchen ebenso lernte wie das Veredeln von Kirschbäumen. Ihr Vater war kein Mann grosser Worte und sprach wohl mehr mit seinen Pflanzen als mit seiner Tochter. Doch auch er genoss die Nähe beim gemeinsamen Gärtnern, die ihn von seinen Eheproblemen ablenkte. Béatrice lebte nämlich zwar auf dem gleich Hof, aber räumlich getrennt von ihrer Familie. Die exzessive Drogenkonsumentin wechselte häufig ihre Liebhaber, während sie für Céleste und deren älteren Bruder François kein Interesse zeigte. Als Béatrice sich nach einer Entziehungskur schliesslich definitiv von Jean trennt, verschwindet dieser spurlos. Mit seinem Weggang spaltet sich die Restgruppe auf dem Hof. Der tüchtige Gärtner Jean hatte durch seine beruflichen Fähigkeiten und sein unermüdliches Arbeiten einen wesentlichen Anteil am guten Geschäftsgang des Betriebes und sein Fortgehen hinterlässt eine grosse Lücke. In der Folge werden Céleste und François in ein kleines katholisches Pensionat gesteckt und erleben die Hölle auf Erden.
Im Laufe ihres Lebens findet Céleste immer wieder Freude und Ablenkung in der Beschäftigung mit Pflanzen – als sie im Pfarrhaus aufgenommen wird oder viel später nach einer unglücklichen Ehe, als ihr in Istrien ein Rentner etliche Gärtnertricks und –kniffe beibringt, die ihren Wunsch verstärken, als Gartengestalterin berufliche Befriedigung zu finden. Der Krieg auf dem Balkan durchkreuzt diese Pläne. Kann sie zurück in Frankreich ihre Passion ausleben?
Auf knapp 220 Seiten verpackt die passionierte Gartendesignerin und frischgebackene Autorin Alexandra Jansen eine kurzweilige Lektüre, die in der Lüftung des Geheimnisses von St. Walfrid gipfelt. Ihr ureigenes Geheimnis bleibt, welche Teile des Romans autobiografische Züge aufweisen. Charmant sind die immer wieder auftauchenden französischen Worteinschiebungen. Gelegentlich driftet die Erzählung ins Umgangssprachliche ab und der Zufallsfund auf einem Flohmarkt erscheint mir etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz ein lesenswerter Erstling und vielleicht hat die Autorin je genügend Ideen für eine Fortsetzung?
Ein Teil des Romans spielt in Saaregmünd und Umgebung. Vor einiger Zeit sind wir nach einer Woche Hausbootferien in dieser Gegend umhergereist. Schade ergab sich keine Gelegenheit eine Prieuré mit einem dermassen tollen Garten oder den Garten der Autorin zu besuchen! Immerhin bleibt zum Trost der Link zur Webseite der Autorin.
Alexandra Jansen:
Die Gärtnerin und das Geheimnis von St. Walfrid
Geistkirch-Verlag, 2010
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