20. Juni 2020

Blumen- Blüten- und Botanikwanderungen

Wenn jemand das notwendige Kleingeld für Gartenbücher, Gartenreisen, Pflanzen und natürlich auch für (noch) Wichtigeres wie Brötchen und Steuern als Bürolistin verdient, sitzt er oder eben in diesem Fall sie trotz intensiv genutztem Stehpult (zu) viel. Da sollte frau doch meinen, die regelmässigen Spaziergänge und Wanderungen an der frischen Lust seien nicht nur ein guter Ausgleich zum Büroklima, sondern auch gesund.

In den letzten Wochen habe ich aber für mich herausgefunden, dass dies nur bedingt zutrifft. Meine Nackenmuskeln werden nämlich nicht mehr nur durch das (zu) viele aufs-Handy-Gucken, das Sticken von Gartenbildern und das Lesen auf dem E-Reader oder in Büchern ge- und gelegentlich auch überfordert, auch beim Gehen ist eine ähnliche Haltung angesagt und die Augen sind meisten nur in eine Richtung gerichtet – nach unten. Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen, die ja bevorzugt in der näheren Umgebung und mit möglichst wenig  zwischenmenschlichen Kontakten und Begegnungen verbracht werden sollten, hiesige Wälder und Wiesen (wieder-) entdeckt.

Selten habe ich so viele Türkenbundlilien fast direkt vor der Haustüre lokalisiert wie in diesem Jahr. Der fast schon obligate Ausflug zu dem tollen Frauenschuh-Orchideen-Bestand in Bargen an der deutschen Grenze war in diesem Frühling nicht möglich. Die kleineren Vorkommen nicht weit von hier haben wir wie auch die Küchenschellen leider nicht entdeckt. Als Kompensation verbuche ich dagegen die Sichtung von verschiedenen Knabenorchideen und weissen Waldvögelein sowie die Ragwurze direkt an einer Autobahnbrücke. Es lohnt sich also durchaus, beim Wandern nicht nur geradeaus zu Schauen!

Mit der für diesen Sommer geplante Erkundung der schottischen Gartenkultur klappt es ja leider nicht und diese Reise wird wohl durch UHU-Ferien ersetzt werden («ums Huus ume», ums Haus herum). Literarische Inspiration für Blumen-, Blüten- und Botanikwanderungen in der ganzen Schweiz habe ich jedenfalls inzwischen verschiedene im Regal stehen, so dass ich hier vielleicht demnächst von Schwanenblumen oder Drachenwurz berichten kann.


Andreas Grau:
Botanikwandern – Wege zur Blütenpracht im Frühling
Ott Verlag, 2019

Botanikwandern – Wege zur Blütenpracht im Sommer
Ott Verlag, 2020

Sabine Joss:
Blütenwanderungen in der Schweiz
AT Verlag, 2008

Beat A. und Claudia Wartmann
Orchideenwanderungen
Haupt Verlag, 2018

Blütenwandern – 20 Ausflüge zu Blüten, Bäumen und Urpflanzen
Coop Presse, 2012



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

6. Juni 2020

Viola Shipman: Im Garten deiner Sehnsucht

Am Michigansee muss es wunderschön sein und die Wälder mit blühenden Trillium eine Reise wert. Jedenfalls könnten einzelne Passagen in diesem Roman in einer Tourismuswerbung stehen. Beim Gärtnern und Sofagärtnern gelten aber andere Wesentlichkeiten und da muss festgestellt werden, die Winter in dieser Gegend sind sehr lang. Iris Maynard hat mit den dankbaren Blütenstauden Taglilien für ihren Garten schon vor Jahrzehnten eine gute Lösung für relativ kurze Sommer gefunden. Jede Blüte bleibt nur für einen Tag, aber eine Pflanze erfreut wegen der Unmengen an Knospen während Wochen. 

Gelb, gelborange, rotorange, rot, rotviolett und lila – in allen Regenbogenfarben blühen Hemerocallis und genau in dieser Reihenfolge angepflanzt hat Iris ihre Lieblinge. Sie gibt sich aber nicht mit irgendwelchen Supermarktpflanzen zufrieden. Nein, viele hat sie in den letzten Jahrzehnten selber gekreuzt und gezüchtet und Nylonstrumpfhosen spielen auch heutzutage dabei noch eine wichtige Rolle. Verschwendung ist ihr aus Kriegszeiten immer noch ein Gräuel. 

Nicht nur Sparsamkeit ist ein Überbleibsel aus den vierziger Jahren. Ihr Mann Jonathan ist in Europa gefallen und sie musste ihre schliesslich bereits im Kindesalter verstorbene Tochter Mary weitgehend alleine erziehen und durchbringen und hat gelernt, sich durchzusetzen. Die Schicksalsschläge haben dazu geführt, dass sich im Laufe der Jahre immer mehr zurückgezogen hat und ein sehr hoher Gartenzaun hält alle Menschen von ihr fern. Ihre Familie sind die Pflanzen in ihrem Garten. Diese wachsen hier seit vielen Jahren und sind Erbstücke, die Geschichten erzählen. 

Als im Nachbarhaus neue Mieter einziehen, stört sich Iris denn Anfangs auch sehr, dass diese, allen voran die Tochter Lily, in ihre Privatsphäre eindringen, obwohl Abstand zur Vermieterin neben der Einnahmequelle aus den monatlichen Zahlungen der wichtigste Bestandteil des Mietvertrages zwischen den beiden Parteien ist. 

In zwei Erzählebenen erfährt die Leserin von erstaunlichen Parallelen zwischen den Leben der Vermieterin und ihrer neuen Mieter, die sich nicht auf Frauen beschränken, die Blumennamen tragen. Während Iris ihren Mann nie in heimatlicher Erde beerdigen konnte, ist der Mann der neuen Nachbarin Abby Peterson ein traumatisierter Kriegsrückkehrer aus dem Irak. Farben spielen auch im Leben der Chemieingenieurin Abby eine grosse Rolle und beide Frauen arbeiten im Labor. Während die junge Frau Farben und Lacke entwickelt, beschäftigt sich die ältere mit diploiden und tetraploiden Taglilien und versucht, in ihren Neuzüchtungen die guten Eigenschaften beider Elternteile zu vereinen. 

Der Buchtitel «Im Garten deiner Sehnsucht» lässt auf einen eher oberflächlichen Inhalt schliessen, was aber ganz und gar nicht zutrifft. Ist ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende besser? Jedenfalls haben jene, die von Kriegsschauplätzen zurückgekehrt sind, auch wenn sie nicht mehr die sind, als die sie fortgezogen sind, noch eine Chance, ihr Leben trotz vielen schlechten Erlebnissen weiterzuleben und diesem mit dem Zurechtfinden in einem neuen Alltag gute Erlebnisse hinzuzufügen.

Die Leserin verfolgt die Entwicklung der Beziehung der Neuzugezogenen untereinander und wie sich die neuen Nachbarn alle zusammen zu einer Art Patchworkfamilie mit Grossmutter, Eltern und Kind zusammenfinden. Ausgezeichnet zum Sofagärtnern und den breiten hortikulturellen Hintergrund passt auch die Rolle der Wiederauferstehung eines Victory Gardens.



Viola Shipman: 
Im Garten deiner Sehnsucht 
Fischer Krüger, 2020 



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.

30. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 5/5)

Für den gärtnernden Krimileser besteht kein Zwang, sich literarisch auf eine Pflanzenfamilie zu beschränken. Rund 45 Kurzkrimis hat Andreas M. Sturm in den drei Anthologien «Giftmorde I, II und III» herausgegeben. Von harmlos über hinterhältig bis bösartig sind diese spannenden Kurzkrimis, von denen nur die wenigsten einen Bezug zur Pflanzenfamilie Ranunculaceae haben. So möchte eine sterbenskranke Frau von ihrer Schwester mit dem Gift aus den schwarzen Wurzeln von Helleborus niger von ihrem unerträglichen Leiden erlöst werden («Lebensort» von Romy Fölck), derweil in «Das gelbe Gericht» von Helmuth Scheel Ingwer durch die toxischen Knollen des gemeinen Buschwindröschens ersetzt werden. Liebe, Rache, Wut und Betrug in Kombination mit Wetten und Eisenhut ergeben in «Das Prickeln» von Martina Arnold eine tödliche Mischung.

Neben den von Autoren erdachten Kriminalfällen gibt es auch solche, die das Leben geschrieben hat. Amy Stewart berichtet in «Gemeine Gewächse» von der fatalen Verwechslung anlässlich eines Festmahls, das 1856 in einem schottischen Dorf stattgefunden hat. Ein Diener hat im Garten statt der verlangten Meerrettichwurzeln solche des Eisenhuts ausgegraben und die Köchin hat diese ahnungslos verarbeitet. Die giftige Zutat verursachte zwei Todesfälle und etliche schwere Erkrankungen. Dass giftige und ungiftige Pflanzen miteinander verwechselt werden, kommt auch heutzutage immer wieder vor. Da bei einigen Gewächsen schon allein die Berührung unerwünschte Folgen wie Taubheit oder Herzprobleme nach sich ziehen kann, hantiert man im Zweifelsfall lieber einmal zu viel mit Handschuhen als einmal zu wenig. Der vorstehend erwähnte Diener jedenfalls muss seine Hände geschützt haben, sonst wäre ja er das Opfer jenes Eisenhuts gewesen und die Anreicherung der Speisen mit Eisenhut-Wurzeln hätte nicht stattgefunden. 

Helmut Eisendle beschreibt in «Tod und Flora» 33 Giftpflanzen von der Alraune (Mandragora vernalis) bis zur Zaunrübe (Bryonia alba). Die Portraits enthalten Benennung, Beschreibung, Blütezeit und Fundort, Eigenschaften und Wirkungen, Dosis minimalis/letalis sowie einen Kasus. Die Hahnenfussgewächse sind mit der Buschanemone (Anemone nemorosa) und dem Eisenhut (Aconitum napellus) vertreten. Bevor der Leser sich vom Untertitel «Ein Glossar über die Verwendung von Giftpflanzen für den asthenischen Täter» zu sehr verwirren lässt, sollte er die einleitenden Betrachtungen des Autors und Psychologen Eisendle lesen, in denen es um Verantwortung und Notwendigkeit, Macht und Strafe, Sthenie und Asthenie, Möglichkeit und Erfordernis, Betrachtungen über den Konflikt, Destruktion und Sicherheit, Konflikt und Psyche sowie vier strategische Grundsätze geht. Im Fall «Buschanemone» erzwingt die Assistentin eines Urologen mit Hilfe einer Essenz aus eben dieser Pflanze die ihr längst zustehende Gehaltserhöhung, während sich im Fall «Eisenhut» ein übergewichtiges Mädchen mit Aconitinsaft an ihren nächsten Familienangehörigen für die ständigen Hänseleien rächt.

Auch im englischen Northumberland könnte jemand, der sich eines unliebsamen Zeitgenossen entledigen möchte, auf unschickliche Gedanken kommen. Hier befindet sich der zweitgrösste englische Adelssitz: Alnwick Castle. Dieser hat nicht nur schon wiederholt als Kulisse Harry Potter-Verfilmungen und die Weihnachts-Specials von Downton Abbey gedient, 2001 wurden die neuen Gärten eröffnet. Ein Teil befindet sich hinter schwarzen Gittern und einem hohen Zaun: ein Giftgarten mit über 100 gefährlichen Pflanzen. Aus Sicherheitsgründen darf der Besucher nur in Begleitung eines kundigen Führers eintreten, der viel über die Pflanzen und ihre Wirkung zu erzählen weiss. Der Giftgarten fungierte übrigens ebenfalls schon als Grundlage, und zwar für die Buchreihe "Poison Diaries".

Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.

Liste der in der fünfteiligen Serie aufgeführten Bücher:

Eva Almstädt: 
Blaues Gift
Bastei Lübbe, 2007

Agatha Christie: 
16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple 
Diverse Ausgaben 

Kate Collins: 
Sleeping with Anemone 
Diverse Ausgaben

Alfred Döblin: 
Die Ermordung einer Butterblume 
Diverse Ausgaben 

Maria Dries: 
Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel 
Aufbau Taschenbuch, 2015 

Helmut Eisendle: 
Tod und Flora 
Jung und Jung, 2009 

Annette Haaland: 
Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen 
Ullstein Buchverlag, 2016 

Edwin Haberfellner: 
Tod im Salzkammergut 
Emons Verlag, 2016 

Helena Kleiker: 
Tatort San Diego – Späte Rache 
Pro Business GmbH, 2016

Ernest Nyborg: 
Essenz des Todes 
Eigenverlag, 2014 

Peter Oberdorfer: 
Schweres Gift – Ein Wien-Krimi 
Aufbau Verlag, 2015 

Carole Ottesen: 
Dying for the Christmas Rose 
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012 

Ricarda Schünadel: 
Eisenhut 
Books on Demand, 2010 

Amy Stewart: 
Gemeine Gewächse – Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern 
Berlin Verlag, 2011 

Andreas M. Sturm (Hrsg.): 
Giftmorde I, Giftmorde II, Giftmorde III 
fhl Verlag, 2015 bzw. 2016 

Angela Temming: 
Ranunkeln ganz in weiss – Kurzkrimi 
E-Book oder Podcast/Audio-Datei

23. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 4/5)

In «Blaues Gift» lässt Eva Almstädt nicht nur einen Hobbygärtner an der Ostsee den Blauen Eisenhut in seinem Gartenbeet umsetzen, damit er zur Blütezeit perfekt mit dem Geissbart kontrastiert, schon wenige Seiten später hat das Hahnenfussgewächs seinen nächsten Auftritt und das titelgebende Toxikum aus dem Gift der Wurzelstöcke wird für hinterhältige, tödliche Zwecke missbraucht. 

Auch Peter Oberdorfers Mörder in seinem Wien-Krimi «Schweres Gift» setzt auf die letale Wirkung von Aconitin. Inspiriert dazu hat ihn, wie ich aus der Lektüre schliesse, wohl James Joyce, der es ihm schon vor fast hundert Jahren in Ulysses vorgemacht hat. 

Edwin Haberfellner seinerseits lässt den deutschen Honorarkonsul in China am Hallstätter Beinhaus tot zusammenbrechen. Der pathologische Bericht belegt, dass das Opfer gleich mit zwei Substanzen vergiftet worden ist – einerseits mit Aconitin, anderseits mit Polonium 210. Letzteres hat zwar seine zerstörerische Wirkung über mehrere Wochen entfaltet, die Strahlenerkrankung war aber im Gegensatz zum Pflanzengift (noch) nicht tödlich. Hatte es der Mörder plötzlich eilig oder wollte er die Leidenszeit seines Opfers verkürzen? Der Kriminalroman «Tod im Salzkammergut» ist in Oberösterreich angesiedelt, wo sich der Blaue Eisenhut auf Wiesen und am Waldrand finden lässt. Der junge Leibwächter, der für den Personenschutz des ermordeten Honorarkonsuls verantwortlich war, erinnert sich denn auch gut daran, dass die im Volksmund auch Blauer Sturmhut oder Mönchskappe genannte Zierpflanze im grossmütterlichen Garten geblüht hat, doch sein Grübeln darüber, wie sein Schützling trotz pausenloser Überwachung vor seinen Augen vergiftet werden konnte, führt zunächst zu keinem Ergebnis. 

Pastorin Viveka (Annette Haaland - Pastorin Viveka und das tödliche Kaffeekränzchen) macht gerade eine Sinnkrise durch. Sie hat genug von ermüdenden Diskussionen über undichte Kirchendächer und davon, immer nett sein zu müssen. Ihre Aufmüpfigkeit zeigt sie nicht nach aussen, sondern diese erschöpft sich bisher im Tragen von T-Shirts mit speziellen Aufdrucken, wie etwa «Sterbehilfe legalisieren». Diese werden wohlverstanden unter der Pastorinnenbluse getragen. 

Da verstirbt ein Mitglied aus dem Kreis ihrer Freikirche aufgrund einer unnatürlichen Todesursache. Eine 83jährige Frau ist mit Aconitin vergiftet worden. Nach einem zweiten mysteriösen Todesfall kaum vierzehn Tage später, bekundet selbst Viveka Mühe, Gottvertrauen aufzubringen. Und plötzlich leuchtet ihr das Blau des Eisenhuts aus immer mehr Gärten in der Umgebung entgegen. Und weshalb stehen auf dem Lyrikregal des lokalen Buchhändlers verdächtig viele Bücher über Eisenhut? Nicht erst als der Papagei der Schrebergartennachbarn plötzlich über einen Eisenhut-Club plaudert, ist sie richtig froh, dass sie ihre Familie in die Ferien geschickt hat. Die Beweggründe für die seinerzeitige Club-Gründung erweisen sich schliesslich als recht profan und es zeigt sich, dass nicht immer ein Mord vorliegt, wenn Eisenhut im Spiel ist. Falls der adstringierende Effekt des Aconitins zur äusserlichen Schmerzlinderung falsch angewendet wird, können auch diese Folgen tödlich sein. 

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Der fünfte und letzte Teil des Artikels folgt in einer Woche.

16. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 3/5)

Kate Collins hat mittlerweile achtzehn (Stand 2017, aktuell sind es deren 21) Flowershop-Mysteries verfasst und Band Nummer neun trägt den Titel «Sleeping with Anemone». In diesem stellt die Blumenladen-Besitzerin Abby Knight drei Wochen nach einer bezahlten Anemonen-Bestellung beim Grosshändler fest, dass diese Lieferung nie eingetroffen ist. Und damit steckt sie, als sie darüber Nachforschungen anzustellen beginnt, bereits mitten in einem neuen Fall mit (Beinahe-)Entführungen und dem zu lösenden Rätsel, wie im kalten Februar Anemonenblüten an Schuhen hängen bleiben können. Rezensenten sagen Abby Knight Parallelen zu Agatha Christies Miss Marple nach. Mir selber fehlen diese Qualitäten. Deshalb habe ich auch nicht abschliessend herausgefunden, welche Blumen genau mit den Anemonen gemeint sind. 

Die Stichwortsuche mit «Krimi», «Aconitum» und «Gift» im Internet als verhältnismässig erfolgreich entpuppt, gibt es doch verschiedene Bücher, in denen Eisenhut (Aconitum napellus) eine Rolle spielt. 

Ricarda Schünadel hat im Eigenverlag gleich achtzehn Kurzgeschichten rund um Aconitum napellus unter dem Titel «Eisenhut» veröffentlicht. Stellvertretend für diese Erzählungen mit Überschriften wie «Moorleichen», «Giftgeil» und «Hastig essen ist ungesund» soll hier «Tödliche Blumenliebe» erwähnt werden, ein Beispiel für missglücktes Multitasking. Beim gleichzeitigen Kaffeetrinken und Zusammenstellen eines Strausses mit Cosmeen, Malven, Phlox und Eisenhut vergiftet sich nämlich eine Frau versehentlich selber, weil von ihr unbemerkt Samen in die das heisse Getränk fallen. Die Konsequenzen sind nicht nur für sie fatal, sondern auch für ihren in dieser Sache für einmal unschuldigen Mann. 

Und hier möchte ich gleich nochmals auf Agatha Christie zurückkommen, eine der erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte, die ihre Erfahrungen als Assistentin in einer Krankenhausapotheke während dem 1. Weltkrieg in ihrem umfangreichen Werk schriftstellerisch verarbeitet hat. Dieses hat auch Jahrzehnte, nachdem es verfasst worden ist, nichts von seinem Reiz eingebüsst. In «16 Uhr 50 ab Paddington – Ein Fall für Miss Marple» wird immer wieder etwas gegärtnert und die Pflanzenwelt erwähnt, aufgrund ihres Alters hat der Arzt Miss Marple aber sämtliche Gartenarbeit strikt verboten. Das hält sie aber natürlich in keiner Weise davon ab, ihre Nase in die Aufklärung vermeintlicher oder tatsächlicher Morde zu stecken. Schliesslich stellt sich heraus, dass eines der Verbrechen mit Aconitin begangen worden ist. Doch soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – der Giftmord wird nur mit wenigen Worten überhaupt erwähnt. Es gibt weder eine Beschreibung der Symptome und der Wirkung, noch wird dieses Mordopfer gross vermisst, geschweige denn betrauert.

Grundverschieden lesen sich im Krimi «Tatort San Diego – Späte Rache» von Helena Kleiker die Zeilen, in denen die typischen Charakteristiken einer Eisenhutvergiftung beschrieben werden. Diese sind ausserordentlich detailliert und beruhen genau wie die Tatausführung auf dem Fachwissen der Autorin, einer praktizierenden Ärztin, welche die von ihr verfassten Bücher selber als ruhige Krimis beschreibt, die eher subtil als blutig oder brutal sind. Ebenso eingehend werden Vorsichtsmassnahmen und die verschiedenen Stadien der Erkrankung im Umfeld einer Kosmetikfirma geschildert. Die Vorbereitungen zum 50-Jahr-Jubiläum dieses von zwei Schwestern geleiteten Unternehmens werden von gleich mehreren Verbrechen überschattet. Am Anfang stehen anonyme Drohungen, dann folgen zwei Entführungen und ein heimtückischer Giftmordanschlag. 

Während einer morgendlichen Joggingrunde mit zwei Freundinnen fühlt sich eine der Chefinnen ganz plötzlich unwohl. Bei angenehmen Temperaturen friert sie und klappert mit den Zähnen, derweilen ihr gleichzeitig der Schweiss in Strömen übers Gesicht läuft. Hinzu kommen Übelkeit, Ohrensausen, Kribbeln, Taubheitsgefühle in Mund, Fingern und Zehen und damit einhergehend eine stark eingeschränkte Motorik. Das Opfer hat insofern Glück im Unglück, als sie in Begleitung der «richtigen» Personen Sport treibt, als sich diese starken Krankheitsmerkmale abzeichnen. Bei ihren Kolleginnen handelt es sich nämlich um eine Ärztin und eine Toxikologin. Letztere vermutet aufgrund der jäh aufgetretenen Symptome eine Vergiftung, die mit der von einer unbekannten, vermummten Person provozierten Rempelei auf der eben zurückgelegten Rennstrecke zusammenhängen muss. Dieser Fakt erhärtet denn auch den Verdacht, dass nicht Digitalis oder Atropin, sondern Aconitin die Ursache für die vorliegenden Symptome sein muss. Denn nur das Gift des Eisenhuts wirkt bereits durch blossen Hautkontakt mit den Blättern, Blüten oder Knollen der Pflanze. 

Neben Aconitin sind auch andere Giftpflanzen Thema in diesem Krimi. So wird etwa in Südamerika nach Gewächsen mit bestimmten Inhaltsstoffen geforscht. Und auch hier gibt es bei einem weiteren Mordanschlag eine Verbindung zu Kaffee. Diesmal zwar nicht direkt zum koffeinhaltigen Getränk selber, aber eine Kaffeemaschine wird für die Verkleinerung von giftigen Samen zweckentfremdet. 

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern.

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Teil 4 des Artikels folgt in einer Woche.

9. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 2/5)

Ein bekannter Vertreter der weltweit verbreiteten Hahnenfussgewächse ist die Christrose Helleborus niger. Die krautige immergrüne Pflanze mit schwarzem Rhizom spielt im englischen Gartenkrimi «Dying for the Christmas Rose» von Carole Ottesen eine omnipräsente Rolle:

Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet, für die wichtige Persönlichkeiten aus der ganzen Helleborus-Welt ihr Erscheinen angekündigt haben. Alle, ausser Tate Adkins, ihr Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist das Umfeld von Mim Fitz der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärtsschauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abschliessen zu können.

Dieser spannende Krimi rund um Züchter und Sammler der Helleboren gibt ganz nebenbei Einblick in die Pflanzenjagd. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen und die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan.

Der Milchsaft der Helleboren reizt die Haut und die Pflanzen sind durch die enthaltenen Gifte Helleborin, Saponine und Protoanemonin äusserst giftig. Ihre Rolle in «Der Kommissar und der Orden von Mont-Saint Michel» von Marie Dries ist nichtsdestotrotz eine sinnbildliche. Tatwerkzeug ist ein Templerdolch, doch findet sich auf der Leiche eine weisse Christrose, das Symbol der geheimen Bruderschaft des Christrosenordens.

Bei den Lieblingsblumen der Floristin Helga muss es sich um Ranunculus asiaticus handeln. Die mittlerweile 80jährige blickt im Altersheim anlässlich der genau sechzig Jahre zurückliegenden ersten Begegnung mit Hans zurück auf ihr Leben. Zurück auf den immer (zu) korrekten Hans und ihre eigenen dunklen Seiten. Die Erinnerungen vermischen sich mit der Wirklichkeit und Vergesslichkeit. Gefährlich ist aber nicht der giftige Erinnerungsstrauss auf dem Tisch, sondern ein im Ficus benjamini verstecktes Erbstück in Kombination mit Gedächtnisstörungen: ein Fläschlein mit toxischem Inhalt – E605, ein Pflanzenschutzmittel, auch Schwiegermuttergift genannt. Den Kurzkrimi «Ranunkeln ganz in Weiss» von Angela Temming gibt es nur als E-Book und als von der Autorin eindrücklich selber vorgetragenes Podcast bzw. Audio-Datei.

Ein anderes kleines Glasgefäss, das eine unscheinbare bräunliche Flüssigkeit enthält, sorgt im Thriller «Essenz des Todes» von Ernest Nyborg für viel Aufregung und indirekt für etliche unnatürliche Todesfälle. Vielfach unterscheidet allein die Dosis das Gift vom Heilmittel. Diese Essenz aber stammt vom Schwarzen Hahnenfuss und hat keinerlei Heilwirkung. Diese Pflanze, die in der alten Sprache «Fa negro Sakres» genannt wurde, entspricht dem Inbegriff des Bösen und ist ein Synonym für schwarze Heiligkeit. Sofern meine Rechercheergebnisse nicht täuschen, entspricht in diesem Krimi nicht nur die Handlung der Fantasie des Autors, sondern auch diese Art des Hahnenfusses.

Dieses imaginäre unheilbringende Gewächs gilt seit dem Altertum als ausgestorben. Drei junge Wissenschaftler haben auf Kreta Samen gefunden, genetisch rekonstruiert und wieder zum Leben erwecken können. Allerdings haben sie die möglichen Folgen aus den Anwendungsmöglichkeiten der Essenz aus dieser Pflanze unterschätzt. Als sie die unheilbringende Wirkung erkennen, wollen sie sämtliche Forschungen einstellen und alle Unterlagen vernichten. Doch hier stehen sich unterschiedliche Partikularinteressen gegenüber. Skrupellosigkeit und die ungezügelte Gier, die Macht über die Welt zu gewinnen, sind stärker als moralische Bedenken. Das Ergebnis sind zwei tote Forscher, eine spurlos verschwundene Wissenschaftlerin und ein in der Herstellung von Impfstoffen führendes pharmazeutisches Unternehmen, das nicht bereit ist, auf den tödlichen Kampfstoff in Griffnähe zu verzichten.

Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für alle diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. 

Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab.

Teil 3 des Artikels folgt in einer Woche.

2. Mai 2020

Gartenkrimis mit Hahnenfussgewächsen: Wer sucht, der findet (Teil 1/5)

Anfang 2017 habe ich für einen Beitrag in Band 2 des Jahrbuchs «Ranunculaceae» der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde mein Interesse auf Gartenkrimis fokussiert, in denen Hahnenfussgewächse als „Tatwaffe“ eingesetzt werden. Keine leichte Suche. 

Den damaligen Artikel habe ich nun in fünf Posts aufgeteilt, von denen der erste nachstehend eingefügt ist. Das Autorenverzeichnis und die erwähnten Titel folgen im Anhang des fünften Teils in alphabetischer Reihenfolge. Auch für diese hier nun in einer fünfteiligen Reihe erwähnten Bücher gilt, dass ich alle selber gekauft habe. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den hier im Sofagarten-Blog vorgestellten Büchern. Anmerkung: Dieser Artikel ist keine Gebrauchsanweisung – die Autorin lehnt jede Haftung für die missbräuchliche Verwendung des Inhalts ab. 

Seit rund acht Jahren (2017 geschrieben!) führe ich in meinem privaten Gartenbuchblog «Die Sofagärtnerin» unter dem Motto «über Gartenbücher und über Gärten und Gärtner in Büchern» eine Art Lesetagebuch. Die nicht repräsentative, persönliche Auswahl ist in Kategorien wie «Biografien», «Kolumnen und Essays», «Gärten im Film», «Periodika», «Pflanzenjäger» oder «Gartenkrimis» gegliedert. 

Schon vor meiner Bloggerzeit habe ich mich in einschlägigen Internetforen mit Gleichgesinnten über grünes Lesefutter ausgetauscht und dort „Gardening Mysteries“ vorgestellt, auf die ich meistens via Leseempfehlungen auf Webseiten von amerikanischen Bibliotheken gestossen bin. Dannzumal hat sich unter den Mit-Schreiberlingen aus der freien deutschen Übersetzung der Begriff „Gartenkrimi“ etabliert, der Ausdruck kann aber natürlich auch schon früher verwendet worden sein. 

Was ist denn ein Gartenkrimi? In den letzten Jahren sind vermehrt Verlage dazu übergegangen, Titel unter dieser Phrase zu vermarkten. Die Inhalte sind dabei gänzlich verschieden. Spielt sich in einem Fall der Mord im Schrebergartenmillieu ab oder ist mit dem Garten als Tatort das botanische Element bereits abgehakt, so wird in anderen Gartenkrimis tatsächlich gepflanzt, gejätet, gegossen oder eben auch mal mit Gartenwerkzeug oder mit Giftpflanzen gemordet. 

Üblicherweise bin ich nicht sehr wählerisch betreffend diese Kriterien, doch in diesem Artikel soll es ausschliesslich um Pflanzen der Hahnenfussgewächse gehen. Eine gar nicht so einfache Vorgabe, wie ich recht schnell herausgefunden habe. Einerseits habe ich Bücher bisher nicht fokussiert auf Ranunculaceae gelesen und im Blog vorgestellt, anderseits legen Krimiautoren und/oder deren Verlage meist nicht oberste Priorität Wert auf korrekte botanische Bezeichnungen. Unterschiedliche volkstümliche Bezeichnungen sind diesbezüglich ebenso wenig eine Erleichterung, wie der Vorrang der dichterischen Freiheit zugunsten einer stimmigen Handlung. Wenn also von Butterblume, englisch buttercups, oder Schwarzem Hahnenfuss die Rede ist, weiss der gemeine Leser, die Leserin nicht mit Bestimmtheit, in welche Pflanzenfamilie das Gewächs gehört und meistens wird es ihn wohl auch gar nicht interessieren. 

Oberflächliches Googeln mit den Stichworten «Hahnenfussgewächse» und «Literatur» führt zu Alfred Döblins Kurzgeschichte «Die Ermordung einer Butterblume». Gedankenlos köpft hier ein schwarz gekleideter Herr mit seinem Spazierstock eine Butterblume, worauf nicht rotes Blut, sondern weisser Schleim fliesst. Die unbesonnene Handlung löst ein merkwürdiges Schuldverhältnis aus. So bekommt das Blumenopfer posthum einen Namen und Butterblumen werden zum Lieblingsessen erklärt. Des Weiteren wird eine Ersatz-Butterblume in einen goldprunkenen Porzellantopf gepflanzt und im Schlafzimmer platziert.
Die Neurose gipfelt schliesslich in der Eröffnung eines Kontos für die gemeuchelte gelb blühende Kleinstaude. 

Der Begriff «Butterblume» wird für zwei unterschiedliche Pflanzen verwendet, nämlich für den Löwenzahn und den Scharfen Hahnenfuss. Der erwähnte weisse Schleim spricht hier wohl eher für den Löwenzahn. Sieht man sich aber die Buchcovers der verschiedenen Ausgaben dieser 1910 erstmals publizierten Kurzgeschichte an, sind sich die Verlage und Illustratoren nicht einig – es lassen sich sowohl Zeichnungen von Löwenzahn als auch von Scharfem Hahnenfuss finden.

Teil 2 des Artikels folgt in einer Woche.

25. April 2020

Arthur Escroyne

Im Juli 2013 habe ich an dieser Stelle ausführlich über die Sorgen des 36. Earl von Sutherly mit seinen Lorbeerpflanzen berichtet. Erst Anfang 2020 habe ich zufällig festgestellt, dass ich völlig verpasst habe, dass dieses Buch inzwischen Teil einer (derzeit) sechs Bände umfassenden Reihe ist. Und was soll ich sagen – fast so schnell wie ich diese Titel auf meinen E-Reader heruntergeladen habe, waren sie auch ausgelesen.

Im letzten Absatz der damaligen Buchvorstellung "Der Killer im Lorbeer" habe ich darüber gerätselt, ob das Buch wohl autobiografisch sei und ob es überhaupt aus dem Englischen übersetzt ist, wie angegeben wird. Nun, diesbezüglich bin ich nicht schlauer als vor sieben Jahren. Die Krimis sind aber weiterhin in einen recht grosszügigen hortikulturellen Hintergrund eingebettet und lassen neben der Aufklärung von Verbrechen viel Spielraum für die persönliche Entwicklung der Hauptpersonen.

Die Leserin freut sich mit über eine lang ersehnte Schwangerschaft, schüttelt oft den Kopf über die unbelehrbare werdende Mutter und nimmt Anteil an den Freuden und den Sorgen, die mit der Geburt des kleinen Lords auf dem Falkenhorst Einzug halten. Und sie muss leider mitleiden, als es in der Ehe von Arthur und Rosy zu kriseln beginnt.

Fehlen also noch einige Angaben zum kriminellen Inhalt der Bücher. Während in Band 2 in Ascot kurz vor einem Pferderennen ein Sportreporter erstochen wird, eilt Rosy in Band 3 einer jungen Kollegin zur Hilfe, um die Täterschaft eines scheinbar unwillkürlich in einem Hotel angerichteten Blutbades dingfest zu machen. In Band 4 müsste sich Rosy schonen, weil sie als Spätgebärende eine Frühgeburt um jeden Preis verhindern muss. Doch da sie ihrem Arzt den ihm angelasteten Mord nicht zutrauen will und kann, fällt ihr die verordnete Schonzeit nicht ganz leicht.

In Band 5 wird ein reicher Mann mit einem Messer im Rücken aufgefunden. Die Aufklärung der Tat führt zu einem überraschenden Ergebnis. Der Titel «Die Kirschen in Nachbars Garten» bezieht sich aber auf die Beziehung von Arthur und Rosy und aussereheliche Versuchungen und Affären. Anlässlich der Aufklärung eines grausamen Ritualmords in Band 6 kommen sich die beiden inzwischen getrennt Lebenden wieder näher. Irgendwie authentisch, dass Arthur und Rosy mit banalen Alltags- und Eheproblemen kämpfen. Das macht die beiden noch sympathischer als sie sowieso schon sind.

Eigentlich ist es ganz gut, habe ich jahrelang nicht mitbekommen, dass da fünf weitere spannende und ausgezeichnet durchdachte Bücher auf mich warteten. Denn ich ziehe es tatsächlich vor, mehrteilige Serien durchgehend am Stück zu schauen oder zu lesen, statt ein Jahr oder länger auf eine Fortsetzung zu warten und dann nicht mehr recht zu wissen, wovon die vorherige Folge überhaupt gehandelt hat.



Arthur Escroyne: 
Band 1: Der Killer im Lorbeer 
Band 2: Aufschrei in Ascot 
Band 3: Schüsse im Shortbread 
Band 4: Mit Schirm, Charme und Kanone 
Band 5: Die Kirschen in Nachbars Garten 
Band 6: Keine Rosy ohne Dornen 
Verschiedene Verlage, 2013 bis 2018 



Alle in diesem Beitrag erwähnten Bücher habe ich selber gekauft. Ich bin niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verpflichtet und generiere keine Einnahmen aus den im Sofagarten vorgestellten Büchern.