1. Juni 2015

John Wyndham: Die Triffids (Buch und DVD)

Fleischfressende Pflanzen haben immer wieder die Fantasie von Schriftstellern beflügelt und verschiedene dieser literarischen Vorlagen sind auch auf die Leinwand gebracht worden. Während ich von „Die Saat des Bösen“ (Film von Paul Ziller) und „The Little Shop of Horrors“ nur die Film- bzw. Theaterversionen kenne, habe ich die „Triffids“ von John Wyndham im Jahr 2006 mit der Buchausgabe aus dem ehemaligen Verlag Heinrich und Hahn kennengelernt.

Die englische Originalausgabe "The Day of the Triffids" erschien 1951. Das Buch zählt inzwischen zu den Klassikern und ist auch mehrfach verfilmt worden. Anlässlich des 50. Jahrestags hat Simon Clark eine autorisierte Fortsetzung mit dem Titel „The Night of the Triffids“ geschrieben.

Wer sind denn die „Triffids“? Das sind wandelnde Pflanzen, ursprünglich gezüchtet, um Öl aus ihnen zu gewinnen. Plump und in Fussgängergeschwindigkeit bewegen sich die seltsamen Gewächse fort. Sie können nicht nur miteinander kommunizieren, sondern ihren Opfern auch tödliche Stiche verabreichen.

Als ein Kometenschauer rund um den Erdball zieht, blickt ein Grossteil der Menschheit in den Himmel und schaut dem faszinierenden Schauspiel zu - nicht ahnend, welche Folgen dieses Vergnügen haben wird. Über Nacht erblinden die meisten Menschen, worauf das gewöhnliche Alltagsleben völlig zum Erliegen kommt. Gleichzeitig schlägt die Stunde der „Triffids“, die überall auf ihre hilflosen Opfer lauern.

Die wenigen Menschen, die noch sehen können, stehen vor der Entscheidung, ihre eigenen moralischen Verpflichtungen über Bord zu werfen oder sich den vielen unüberwindbaren Aufgaben, die sich über Nacht aufgetan haben, zu stellen. Denn selbst wenn in einer Grossstadt wie London nur wenige „normal“ handlungsfähige Menschen übrig bleiben, heisst das noch lange nicht, dass sich diese darüber einig sind, wie die Zukunft gestaltet werden soll.

Und hier gleich noch ein weiterer thematisch passender Buchtipp: Die Kurzgeschichte „Die seltsame Orchidee“ von Herbert G. Wells bedient sich Elementen aus Science-Fiction und dem Horror-Genre. Der Autor berichtet vom einsamen Orchideensammler Wedderburn, der ein langweiliges Leben führt, bis plötzlich aus einer verschrumpelten Knolle eine besondere Pflanze wächst und ihm mehr Aufregung als lieb verschafft.

Übrigens sind alle in diesem Post erwähnten Filme nichts für schwache Nervern...



John Wyndham: 
Die Triffids
Verschiedene Ausgaben auf Deutsch und Englisch erhältlich 

Simon Clark:
The Night of the Triffids 
Verschiedene Englische Ausgaben erhältlich 

Die Triffids – Pflanzen des Schreckens von Nick Copus 
DVD / Produktion aus dem Jahr 2009 

The Day oft he Triffids – BBC-Serie
DVD / Produktion aus dem Jahr 1981 

The Day of the Triffids/Blumen des Schreckens von Steve Sekely 
DVD / Produktion aus dem Jahr 1962

23. Mai 2015

Gabriele Tergit: Der glückliche Gärtner

Vor Jahresfrist habe ich die Buchvorstellung "Der alte Garten" von Gabriele Tergit abgeschlossen mit der Hoffnung, dass der zweite Teil auch bald neu erscheinen möge. Das Warten war diesmal von kurzer Dauer, denn „Der glückliche Gärtner“ enthält nun die Fortsetzung des 1958 unter dem Titel „Kaiserkron und Päonien rot. Kleine Kulturgeschichte der Blumen“ erstmals erschienen Buches.

So geht es nun also weiter mit Blumengeschichten und Geschichtlichem über die Blume. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis verrät, über welche hortikulturellen Schönheiten dieses Mal berichtet wird:

- Ein Leben für Veilchen und ein Tod wegen einer Kamelie
- Die Arbeiterblume
- Herkunft und Verbreitung der Rose
- Blumen aus Asien: Päonien, Hortensie
- Dahlienwut
- Die geheimnisvolle Reseda
- Eine brillante Karriere durch die Victoria regia
- Die Erfindung des Staudengartens

Arbeiterblumen wurden seinerzeit nur von Arbeitern gezogen und weitergezüchtet. Hier ist von Textilarbeitern und ihrer Blumenzüchterleidenschaft die Rede, die zur Gründung von Blumenzüchterclubs und Blumengesellschaften führte. Zu den züchterischen Höhepunkten zählten die Blumenausstellungen mit Preisverteilung. Was sind denn aber Arbeiterblumen? Aurikeln, Anemonen, Hyazinthen, Tulpen, Ranunkeln, Nelken, und Primeln zählten zu dieser Spezies. Die intensive Beschäftigung der Arbeiter mit ihren Pflanzen und ihre Erfahrung führten zu ausgezeichneten Resultaten, sprich Züchtungen. Züchtungen, die sogar jene von gelernten Gärtnern übertraf.

An anderer Stelle wundert sich Gabriele Tergit darüber, dass in öffentlichen Anlagen immer wieder die gleichen Blumen verwendet werden. Während in England Geranien, Lobelien und weisser Duftsteinrich häufig Verwendung finden, werden in Frankreich Sedum und Begonien bevorzugt und in Deutschland Stiefmütterchen, Petunien sowie Geranien. Diese Zeilen hat die Autorin vor Jahrzehnten geschrieben und seither hat sich auch in den europäischen Blumenrabatten einiges verändert. In grossen französischen Städten wie Lyon, Nancy, Metz, Calais und Paris habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder an wunderschönen, farblich harmonisch abgestimmten Staudenbeeten in öffentlichen Parkanlagen erfreut. Auch entlang des hiesigen ehemaligen Versicherungshauptsitzes, der nun in eine französischen Firma integriert ist und den Namen der Stadt nicht mehr in die Welt herausträgt, sind die farbenfrohen Stiefmütterchen längst einer abwechslungsreicheren Staudenbepflanzung gewichen, indessen die Stadtgärtnerei in ihren Pflanzschemen immer noch häufig auf riesige Mengen der gleichen Blumen setzt.

Haben Sie übrigens gewusst, dass Goethe gerne durchgesetzt hätte, dass das Stiefmütterchen als “Gedenke mein“ bezeichnet wird, sich aber damit nicht durchsetzen konnte? Ich schliesse das Thema Stiefmütterchen damit ab, während Gabriele Tergit dazu noch mehr zu erzählen hat. Sie wusste aber auch zu berichten, dass Napoleon ständig eine goldene Kapsel mit zwei getrockneten Veilchen auf sich trug und dass Josephines Rosen auch zu Kriegszeiten sämtliche feindlichen Linien überwunden haben, um in Malmaison zu blühen.

In einer Blumengeschichten-Sammlung darf natürlich auf die Geschichte von Commerçon und Baret bzw. Hortense nicht fehlen und auch weitere Pflanzenjägerschicksale werden erwähnt. Dann geht es um die Chrysanthemenzüchtung, Spekulationen rund um die Kamelienwut, die erste wilde Blume - eine blaue Orchidee -, die per Gesetz vor der Ausrottung geschützt wurde und darüber, woher die Nerinen stammen. Ein aus Japan kommender holländischer Kahn erlitt im Kanal Schiffbruch. Die an Bord mitgeführten Pflanzen und Zwiebeln der Nerinen oder Guernsey-Lilien fühlten sich auf der gleichnamigen Kananlinsel sehr wohl und waren in London äusserst beliebt, aber erst viele Jahrzehnte später wurde herausgefunden, dass die Pflanzen gar nicht wie angenommen aus Japan stammen, sondern vom Tafelberg in Südafrika. Gabriele Terigit weiss auch, wie zufälligerweise das Herstellen von Rosenöl entdeckt wurde und sie berichtet von einem Zwiebelparfum, dank welchem auf Kommando Tränen fliessen und warum zur Lilienblütenzeit in irischen Gärten ausgemacht werden kann, ob ein katholischer oder ein protestantischer Gärtner am Werk ist.



Gabriele Tergit: 
Der glückliche Gärtner 
Schöffling und Co., 20015

15. Mai 2015

Kathy Stinson: Die Wahrheit über Ivy

Seit längerer Zeit ist der fünfzehnjährige David Burke für den Familiengarten verantwortlich. Er erledigt seine Arbeiten sehr gewissenhaft und führt sogar ein Gartennotizbuch, in dem er lateinische Pflanzennamen sortiert nach Blütenfarbe und Blütenzeit einträgt. Aktuell blättert er oft in seiner Enzyklopädie der Stauden, um passende Herbstblüher für den Garten auszuwählen. Aber auch im Internet stöbert er häufig auf hortikulturellen Seiten herum.

Mit der Pflege des Gartens entlastet David seine Mutter, deren Leben sich vollumfänglich um die elfjährige Ivy dreht, die mit schweren multiplen Behinderungen geboren worden ist. Überhaupt wird der Familienalltag allein durch Ivys Bedürfnisse gesteuert, die hilflos wie ein kleines Baby und damit rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist. Seit einer Operation vor drei Jahren leidet sie unter zuletzt immer häufiger auftretenden Krampfanfällen und ein weiterer Eingriff ist geplant.

David fühlt sich von seinen Eltern unverstanden. Er kann sich nur an wenige Unternehmungen allein mit Mutter und Vater erinnern und hat häufig das Gefühl, dass ihn seine Eltern nur wahrnehmen, wenn sie ihn für eine Besorgung einspannen wollen. Wenn er mit Ivy unterwegs ist, schämt er sich oft für seine jüngere Schwester oder fühlt sich peinlich berührt. Daneben gibt es aber auch schöne Momente. Ivy liebt Wasser, Regenbogen, durch die Bäume tanzendes Sonnenlicht und sie kichert oft und gern und mag es, ihrem Bruder beim Gärtnern zuzuschauen, etwa wenn er Delphinium von Coreopsis trennt.

Als Ivy in den Ferien beim Schwimmen tödlich verunglückt, verändert sich das Leben der Familie Burke drastisch. Genau zum Zeitpunkt des Unfalls war David mit dem kürzlich ins Nachbarhaus eingezogenen Mädchen Hannah unterwegs und so glücklich wie selten. Davids Gefühle drehen sich im Kreis – Erleichterung vermischt sich mit Schuldgefühlen und der Frage, ob und was Hannah für ihn empfindet. Immer mal wieder hat sich der pubertierende Junge gewünscht, er wäre ein Einzelkind. Nun ist er wieder das einzige (lebende) Kind seiner Eltern und er merkt, dass sich gar nichts geändert hat. Und schon gar nicht zum Besseren. Obwohl David seine Schwester häufig als Belastung empfunden hat, vermisst er sie stark und würde sich gerne für sein ab und zu unrühmliches Verhalten bei ihr entschuldigen.

Dann tauchen von verschiedenen Seiten Gerüchte auf: Davids Vater soll Schuld an Ivys Tod sein. Hat er tatsächlich nicht alles menschenmögliche getan, um seine Tochter während ihrem Krampfanfall im Wasser ans wohl rettende Ufer zu tragen?

Wer entscheidet, wann und welches Leben lebenswert ist? Was, wenn die betreffende Person sich nicht selber ausdrücken kann? Hat Davids Vater tatsächlich Schuld auf sich geladen? Kathy Stinson regt mit diesem Jugendbuch zum Nachdenken an. Sie wirft viele Fragen auf, liefert aber keine Antworten. Eine recht kurze Erzählung, die inhaltlich umso länger bewegt und nachhallt.  



Kathy Stinson: 
Die Wahrheit über Ivy 
cbt, 2014

8. Mai 2015

Andreas Barlage: Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen

Von Taglilien, Pfingstrosen, Maiglöckchen, Duftveilchen, Winterastern, Islandmohn, Wicken, Königslilien, Dahlien, Wildtulpen, Rosen und viele anderen Blumen mehr schwärmt Andreas Barlage in diesem sehr persönlichen Buch und offenbart ein grosses Herz mit viel Platz für blühende Schönheiten. Ein kurzer hortikultureller Lebenslauf am Anfang der Publikation gibt einen Einblick in die zahlreichen Gärten, die in seinen ersten fünf Lebensjahrzehnten einen wichtigen Platz eingenommen haben.

Schon als Jugendlicher zeigte der Autor grosses und andauerndes Interesse am Gärtnern und wurde dabei von den Eltern gefördert und unterstützt - sowohl finanziell als auch durch das Vermitteln von ästhetischen Aspekten, wie er im Nachwort verrät. Doch zurück zum Anfang der grünen Passion. Diesen bildet der Verzicht auf drei Fix- und Foxi-Hefte. Der Gegenwert dieser Zeitschriften entsprach nämlich dem Preis einer Bauernpfingstrose im Topf. Dieses in der nahen Gärtnerei gekaufte Pflänzlein hatte allerdings fragwürdig wenig Ähnlichkeit mit einer eben solchen Schnittblume, welche den Jungen an einem Familienfest tief beeindruckt und zum Erwerb verführt hatte.

Der Garten hält noch viele weitere Lektionen bereit, so auch jene, dass neben Investitionen in Pflanzen auch solche in Dünger und Pflege nötig sind und Erfolg im grünen Bereich vielfach auf einer rechten Portion Geduld beruht. Viel Wissen eignet sich der junge Gärtner auch lesend an und seine beruflichen Ausbildungen schliessen auch ein Gartenbaustudium ein.

Die Entwicklung des Gärtners geht erfahrungsgemäss einher mit einem fortwährenden Wechsel von Vorlieben und schliesst meist auch das Gefallen oder Nicht-mehr-Gefallen von grossen Blüten ein. Denn während Junggärtnern eine Blume oft nicht gross genug sein kann, zieht der reifere Mensch kleinere Formen vor. Doch nicht nur schöne Blüten sind ein ausgezeichneter Kaufgrund, auch persönliche Erinnerungen kombiniert mit historischen Begebenheiten eignen sich als Auslöser für den Kauf einer bestimmten Rose.

Der Autor bezeichnet sich selber als Gärtner-Faulpelz, was ich nicht so richtig glauben mag. Hätte er sonst als dannzumal autoloser Balkongärtner sackweise Erde und grosse Töpfe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln heimtransportiert und über Treppen in den dritten Stock geschleppt? So oder so vermittelt die Lektüre das Bild eines sehr sympathischen Mannes und man freut sich sofagärtnernd mit, wenn er von wunderbaren Gartenbildern aus Islandmohn und Narzissen berichtet oder von Erinnerungen weckenden Blumendüften berichtet. Daneben gibt es auch kritische Töne, etwa über die Massenvermehrung von Chrysanthemen, und Philosophisches über Schönheit und Vergänglichkeit.

Ob die Leserin über einen grünen Daumen oder nur über einen grünen Nagel (eine sehr hübsche Formulierung aus dem Buch) verfügt – sie wird sich bestimmt spätestens nach der Lektüre dieser Publikation Gedanken über die eigenen Lieblingspflanzen machen und das eine oder andere erwähnte Gewächs in den eigenen Garten holen wollen. Zuvor muss sie nur für sich entscheiden, was allerwichtigst ist oder ober-allerwichtigst - ein weiterer ungewohnter Ausdruck aus dem mit vielen Fotos und zum jeweiligen Thema passenden Papierblumen illustrierten Buch.  



Andreas Barlage: 
Ans Herz gewachsen – Ein Gärtner und seine Lieblingspflanzen 
Jan Thorbecke Verlag, 2013

1. Mai 2015

Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt

Wer Globi ist, muss hierzulande wohl keinem Kind erklärt werden. Auch ich habe noch einzelne Globi-Bücher aus meiner Kindheit und als die Nachwuchs-Sofagärtner noch kleiner waren, wurde die Sammlung regelmässig um neue Bücher und Cassetten erweitert. Letztere kommen übrigens auch heute noch ab und zum Einsatz. Vor einigen Jahren haben wir deshalb auch mit grossem Interesse die Globi-Ausstellung über den Werdegang von der Werbe- zur Kultfigur im hiesigen Gewerbemuseum besucht. Mit „Globi und der Planet Erde“ hat nun erstmals ein Globi-Sachbuch den Weg in unseren Haushalt gefunden.

Am Anfang des Buches steht unerwartet Besuch vor Globis Haustüre. Auf der Schwelle wartet ein ganz besonderer Patient darauf, dass ihm geöffnet wird, nämlich der blaue Planet. Diesem geht es gar nicht gut. Das lässt sich unschwer aus den eindrücklichen Illustrationen erkennen und wird im Text auch entsprechend nachdrücklich bestätigt. Die Erde leidet nicht an Masern oder Windpocken, nein, sie „hat“ Menschen, und diese machen seit über hundert Jahren immer häufiger Dinge, die ihr nicht gut tun. Der Blitzbesuch des stöhnenden Patienten endet mit der Bitte an Globi, den Menschen klar zu machen, dass es nur eine Erde gibt und jeder persönlich zu ihr Sorge tragen muss.

Globi nimmt die ernste Aufgabe an und das Vermitteln des Themas Nachhaltigkeit geschieht mit einem Ausflug, den er am nächsten Tag gemeinsam mit Freunden unternimmt. Die Wahl des Fortbewegungsmittels fällt umweltbewusst auf Zug und Bus. Die Reisezeit wird mit Spielen für unterwegs überbrückt und auch der Nachteil in Form von gelegentlich längeren Wartezeiten auf Anschlüsse wird nicht verschwiegen.Das Buch liefert neben Ideen für Spiele Gründe, weshalb man weniger Autofahren soll, stellt das sparsamste und das durstigste Auto vor und erklärt, wie solche Fahrzeuge betrieben werden. Immer öfter kommen Mais und Zuckerrohr als Benzinersatz in den Tank und beanspruchen riesige Anbauflächen, die eigentlich für Nahrungsmittel gebraucht würden. Damit sind Globi und seine Freunde am Start einer Wanderung durch ein Hochmoor angekommen - Gelegenheit, über die vielen tierischen und pflanzlichen Bewohner dieses Landstrichs zu erfahren und über die Problematik des Torfabbaus.

Der Ausflug ist genau wie die Themenvielfalt damit noch lange nicht zu Ende. Kapitel mit Überschriften wie „Welche Pflanze wächst für wen?“, „Schlau einkaufen, wie geht das?“, „Warum ohne Wasser gar nichts läuft“ und „Wie man ein gutes Klima schafft“ vermitteln weiterhin spielerisch Basiswissen über Ökologie und Respekt vor der Natur. In Kurzportraits werden bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die sich für die Natur einsetzen oder eingesetzt haben, wie etwa Sir David Attenborough (geb. 1926), der seit vielen Jahren den Wundern der Natur auf der Spur ist, oder der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) und der Insektenzähler Jean-Henri Fabre (1823-1915).

In die grosszügig illustrierte Lektüre rund um das Thema Nachhaltigkeit eingebettet sind auch Rätsel und Bastelvorschläge und die kleinen Leser lernen, dass „Schweizerhose“ nicht der Name für Globis Markenzeichen, die schwarz-rot-karierte Hose ist , sondern der Name einer süssen, saftigen Birne, während der grosse Leser sich bei der „Geschichte vom kurzsichtigen Herrscher“ an eine Sequenz aus dem beeindrucken Film „More than Honey“ von Markus Imhoof erinnert. Auch auf den als irrsinnig zu bezeichnenden Produktionsweg von billigen Massen-T-Shirts samt der langen Reise deren einzelner Bestandteile durch Europa und Asien wird hingewiesen.

Während Jahrhunderten, nein während Jahrtausenden hat das Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben von Mensch und Natur funktioniert. Die Waage ist aus dem Gleichgewicht geraten, die Rohstoffe werden knapper, die Artenvielfalt geht zurück und die Umweltverschmutzung ist eines der grössten zu lösenden Problemen der Erdbewohner.

Alle diese Erlebnisse sind in einen ereignisreichen Tag gepackt, der hoffentlich sowohl den kleinen wie den grossen Leserinnen und Lesern in nachhaltiger Erinnerung bleibt. Im Anhang werden schliesslich noch Begriffe von Bio, Biodivesität über Foodprofil, Graue Energie, Minergie bis Zertifizierung erklärt und den Abschluss bildet Globis Schlusswort: Meine Welt ist deine Welt, ist unsere Welt.  



Liz Sutter (Text) und Daniel Müller (Illustrator): 
Globi und der Planet Erde – Über den schlauen Umgang mit unserer Umwelt 
Orell Füssli Verlag/Globi Verlag, 2015

23. April 2015

Grow your Own - You never know where you’ll find your Roots (DVD)

In einem Schiffscontainer ist ein Kantonese mit seiner Familie aus China nach England gekommen. Seine Ehefrau hat die Strapazen der Reise nicht überlebt. Er selber ist schwer traumatisiert. Seine Kinder kümmern sich so gut wie möglich um ihn und versuchen zu vertuschen, wie schlecht es ihrem Vater wirklich geht. Die zuständige Betreuerin hat bisher vergeblich versucht, den stummen, eigentlich sprachgewandten Chinesen zum Reden und zur Erfüllung seiner Pflichten zu bringen. Nun verschafft sie der Familie eine Gartenparzelle in einer dezentral gelegenen Gemeinschaftsgartenanlage , die mehrheitlich von Engländern beackert wird.

Damit dringt zum wiederholten Mal  unwillkommen die grosse, weite Welt in Form von Asylanten in die eingezäunte, scheinbar heile Welt der Parzellenpächter herein. Sehr zum Missfallen einzelner Gärtner. Geschürt wird das Missfallen und Misstrauen von „Big John“, dem dominanten Vorsitzenden, der meint, gute Zäune machen gute Nachbarn. Er lässt zwar die Gemeinschaft der zahlenden Mitglieder immer wieder abstimmen, doch steuert er subtil und zunächst auch erfolgreich, dass die Resultate seine Meinung widerspiegeln. Und was hat schon ein Querulant zu melden, der nicht einmal sein Gartenhaus in der (garten)politisch korrekten Farbe zu streichen vermag?

Ein Telekommunikationsanbieter plant gleichzeitig das Aufstellen einer Sendeantenne in der Gartenanlage und lockt mit viel Geld. Die Ideen und Wünsche der Pächter für die Verwendung sind vielfältig. Vielleicht lässt sich ja aus dem Verdrängen der ungeliebten ausländischen Nachbarn sogar Profit schlagen?

„Grow your own“ ist kein „how-to-grow-your-own-vegetable“-Film. Hintergrund ist ein ernstes Thema, angesiedelt im Schrebergartenumfeld und obwohl der Film immer wieder witzig ist, würde ich ihn nicht ins Genre Komödie einordnen. Die Geschichte lebt von den unterschiedlichen Charakteren – Angepasste, Mitläufer, Querulant und Möchte-Gerne-Querulanten und behandelt zwischen dem Anpflanzen von Kohl und Co. Themen wie Vorurteile, Rassismus, Respekt und Toleranz.

Parallel mit dem wiederholten Wechsel des Farbanstrichs sämtlicher Gartenhäuser findet ein Umdenken in den Köpfen der Gärtner statt. Dies äussert sich auch darin, dass der jährliche herbstliche Erntevergleich nicht mehr nur ein abgekartetes Spiel ist. Zum ersten Mal lässt sich auch mit dem Heranziehen von Ocra oder speziellen Melonen ein Preis gewinnen. Und sogar „Big Johns“ Sohn lässt sich nicht länger vom überlegenen Vater herumgängeln. Er trägt sein (zu) farbenprächtiges Hemd nicht mehr verschämt, sondern offen und merkt irgendwann sogar, welche „Biene“ ihn umschwärmt.  



Grow your Own (DVD) 
Richard Laxton 
Pathe, 2007

15. April 2015

Peter Würth: Grüne Liebe

Wenn die Lesezeit beschränkt ist, muss besonders genau überlegt werden, zu welcher Lektüre gegriffen werden soll. Da ich dieses vom Verlag als Liebeserklärung an den Garten angepriesene Büchlein bereits in der früheren Ausgabe mit dem Titel „Gärtnern“ gelesen habe, zog ich „Grüne Liebe“ vorerst nicht in Erwägung. Das Inhaltsverzeichnis hat mich dann aber gleich zum Lesen verführt, und so stelle ich es nun doch hier im Sofagarten vor. Verlockend fand ich besonders die folgenden Kapitelüberschriften: „Der Garten meiner Kindheit“, „Englische Leselust“, „Visite bei Jürgen Dahl“, „Digitales Grün“ und „Gartenzwerge sind nicht spiessig“.

Peter Würth lässt die Leserin an seiner Gärtner-Werdung teilnehmen. Gleich zu Beginn offenbart er seine Eifersucht auf den Garten. Denn während er, der Autor, gut für sich selber sorgen kann, ist der grüne Bereich rund ums Haus auf die Liebesdienste der Frau angewiesen und wird gehätschelt und gepflegt, was zum Sinnieren anregt. Ob eine Wiedergeburt als Cosmea vielleicht eine Lösung dieses Problems wäre?

Für eine andere Herausforderung bietet sich der Studentenschnelldienst als Mittel und Weg an, schliesslich soll die (eigene) körperliche Belastung beim Gärtnern nicht überborden. Und die Aufgabe, den ganzen Garten umzugraben, kann oder besser muss wohl dieser Kategorie zugeordnet werden. Je nach Sichtweise eine klassische win-win-Situation – der eigene Rücken wird nicht überbelastet und dafür werden die Wirtschaft oder eben Studenten unterstützt.

Jedenfalls weist der neue Garten mit deren tatkräftiger Unterstützung überraschend schnell Ähnlichkeiten mit dem zuvor am Computer ausgetüftelten Plan aus. Dafür sorgen nicht zuletzt die frisch eingepflanzten Rhododendron, verschiedene Rosen, ein Jasminstrauch, eine Zaubernuss, ein Johannisbeer-Halbstamm und andere Neuerwerbungen. Wie viele ungeduldige Gärtner vor ihm muss auch dieser erfahren, dass zu eng bepflanzte Beete bereits nach relativ kurzer Zeit kaum mehr zu bändigen sind. Denn sehr schnell hat sich der Garten von der ursprünglichen Wüste in einen Dschungel und - nachdem der Mensch wieder für Ordnung gesorgt hat - in ein Schlachtfeld verwandelt.

Weitere Stationen im Gärtnerleben sind die Rosenkrise, ausgelöst durch die persönliche Entdeckung von Alten Rosen und damit der wahren Stachelschönheiten und das Hadern mit dem Birnenüberfluss – warum können nicht stattdessen ein paar Himbeeren mehr wachsen? Wenn Nachbars Katze erfolgreich ihre Jagdtriebe auslebt, wird das dann doch als etwas gar zu viel Natur im Garten erlebt. Wieso sich der fleissige Gärtner in Anbetracht der genussfreudigen Mitbenutzer gelegentlich vorkommt, als sei er aus dem eigenen Paradies vertrieben worden, und welche Schneckenbekämpfungsmethode er bevorzugt, lesen Sie besser gleich selber nach.

Meine Lieblingskapitel handeln von der Leselust und der Wiederbegegnung mit dem 2001 verstorbenen Jürgen Dahl. Die Bücher dieses neugierigen Gärtners, Ökologen und Philosophen habe ich seinerzeit mehrfach gelesen. Wieso glaubt der Autor, das englische Journal "Hortus"„ sei nur noch antiquarisch erhältlich? Meint er die zusätzlich in Anthologien veröffentlichten Essays aus „Hortus“? Ich erneuere nach wie vor jährlich mein Abo (das wegen dem starken Franken heutzutage viel günstiger ist als vor zehn Jahren…) und die Ausgaben erscheinen heutzutage bedeutend jahreszeitgerechteter als früher. So ist die aktuelle Frühlingsausgabe bereits Anfang April im Briefkasten gelegen.

Nach fast zwei Jahrzehnten habe ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die erste Lektüre dieser im Übrigen vollständig neu überarbeiteten Texte erinnert. Nichtsdestotrotz liebe ich solche kenntnisreichen und vergnüglich verfassten Gärtnergeschichten. Dies gilt umso mehr, wenn sie in einer so hübschen Verpackung (sprich Umschlag) daherkommen, wie die jederzeit lesenswerten Gartenklassiker aus dem Schöffling Verlag.  


Peter Würth: 
Grüne Liebe 
Schöffling und Co., 2015

8. April 2015

Herbert Frei-Schindler: Der Hanggarten eines passionierten Pflanzensammlers

Von (beinahe) Null auf fünfzig Arten und Sorten von Rosen in fünfzehn Jahren ist nur eine von verschiedenen beeindruckenden Erwähnungen, die sich in diesem Buch über einen Stadtzürcher Hanggarten nachlesen lassen. Neugierig auf den Inhalt machen nämlich schon Kapitelüberschriften wie „England in Hirslanden“, „Von Königinnen und Fussvolk“ und eben „Gärtnern in Steillage“. Die Innenseiten des Buchumschlags zeigen die skizzierten Höhenprofile Nord-Süd der West- und  der Ostseite, auf denen die wichtigsten strukturgebenden Gehölze eingezeichnet sind und vermitteln der ortsunkundigen Leserin einen ersten Eindruck von der Hanglage dieses Gartens.

Vor knapp zwanzig Jahren hat das Ehepaar Schindler damit begonnen, sich mit dem Garten, dessen Anlage auf das Jahr 1927 zurückdatiert, auseinanderzusetzen. Die Initiative lag zunächst bei der Frau. Der Autor zeigte dannzumal wenig Interesse an gärtnerischen Aktivitäten und schätzte die ihm als Hilfsgärtner zugedachten Tätigkeiten gar nicht. Schon bald gab es einen Wechsel in den Zuständigkeiten und damit einher ging der Beginn der intensiven Grundstückbepflanzung.

Die oben angedeutete Passion für Rosen schlich sich erst auf Umwegen ein, und zwar nicht durch ein wohlriechendes, blühendes Exemplar in situ, sondern durch das Betrachten des Fotos eines solchen in einem im Kew Garden Bookshop aufgelegten Buch. Überhaupt stammen etliche der unzähligen Pflanzenschätze aus Grossbritannien. Die Reisen dorthin werden ausgiebig zu Pflanzeneinkäufen genutzt und auf der Rückfahrt überquillt nicht nur der Kofferraum mit Grünzeug, jeder andere verfügbare Quadratzentimeter des Transportmittels (kein Kleinwagen) wird ausgenutzt. Das Ehepaar findet aber tatsächlich trotzdem noch Platz fürs Gepäck – davon kann man sich auf seiner Internet-Seite selber überzeugen.

Neben Kletterrosen, Persischen Rosen, Strauchrosen und historischen Rosen liegt das Augenmerk der Pflanzensammler auf interessanten Gehölzen und Stauden. Nicht immer lässt sich genau definieren, warum man eine bestimmte Pflanze nun unbedingt haben muss, aber neben „speziell“ ist „Klimasurfen“ ein wichtiges Stichwort. Der Begriff umschreibt hortikulturelle Versuche mit Pflanzen, die eigentlich nicht in hiesigen Breitengraden gedeihen, wegen der Klimaerwärmung die Winter zwar nicht verlässlich, aber doch immer öfter ohne grosse Verluste überstehen Und neben den Aspekten „rar“ oder zumindest „ungewöhnlich“ müssen Neuerwerbungen natürlich auch den hohen ästhetischen Ansprüchen genügen. Den Kaufentscheid des Historikers können aber auch geschichtliche Faktoren beeinflussen.

Dieses Buch aus der DVA-Gartenportrait-Reihe ist grosszügig mit Fotos illustriert, von denen die meisten vom Autor selber stammen, der seit Jahrzehnten fotografiert. Besonders schön ist die Gegenlicht-Aufnahme auf dem Titelbild, auf der die Rinde des Zimtahorns rot zu brennen scheint. Obwohl die wiederholten Erwähnungen von Pflanzeneinkaufstouren und Internetbestellungen einen fast unbeschränkten Platz vermuten lassen, ist dem nicht so. Die Wünsche sind nicht immer kompatibel mit den vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten und Neuanschaffungen verlangen oft gleichzeitig nach Opfern. Entweder müssen Funkien öfter ihre äussersten Blätter lassen, damit sie ihre Nachbarn nicht völlig be- und verdrängen, oder es muss erst eine Pflanze ausgegraben werden, damit eine andere die frische Lücke füllen kann. Asiatische Gehölze wie Ahorne und der japanische Schneeball werden mit einer besonderen Rückschnitt-Technik à la Prinzessin Greta Sturdza geformt, welche Durchblicke erlaubt.

Als eher ungewöhnlich zu bezeichnen ist die Tatsache, dass die Schindlers weitgehend auf Terrassierung und Mauern verzichten und auf die Stabilisierung des Hangs durch Pflanzen vertrauen. Warme Farbtöne werden nur zurückhaltend eingesetzt, der Schwerpunkt liegt auf kühlen und zarten Farben. Ein Hanggarten hat seine Vor- und Nachteile. Letztere sind hier gekonnt zu Gunsten von ersteren ausgenutzt worden und so haben, wie der Autor vermerkt, inzwischen Pflanzen aus vier Kontinenten in Zürich ein Zuhause gefunden.

Noch vor Abschluss meiner Lektüre hatte ich Gelegenheit, an der Buchvernissage mit kommentiertem Bildervortrag teilzunehmen. Der Autor plauderte kenntnisreich und launig über seinen beeindruckenden Garten, von Gartenreisen und seinen persönlichen Erfahrungen. Die Sofagärtnerin und ihre Kollegin hätten gerne noch länger zugehört. Ganz minim getrübt wurde mein Vergnügen allein dadurch, dass mir während der Veranstaltung zwei-, dreimal die anfängliche Bemerkung von wegen altem Haus, grossem Besucheraufmarsch und Statik in den Sinn gekommen ist.

Nach wie vor nicht definitiv in den Sinn gekommen ist mir hingegen, ob ich vor ein paar Jahren bei strömendem Regen anlässlich eines Tages der offenen Gartentür in diesem Garten war (kann bzw. könnte man den Besuch in einem solchen Garten vergessen?) Als Entschuldigung für diese Erinnerungslücke mag oder muss neben dem schlechten Wetter meine damalige junge Begleitung herhalten, die sich mehr auf die geplante Shoppingtour nach den erpressten beiden Gartenbesuchen (der zweite Besuch war in einem Blindengarten und das Wetter schon deutlich freundlicher) freute, als sie sich für Gärten interessierte...

Den Link zur Internetseite finden Sie hier.



Herbert Frei-Schindler: 
Der Hanggarten eines passionierten Pflanzensammlers 
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015

1. April 2015

Ernesto Ferrero: Die Geschichte von Quirina, dem Maulwurf und einem Garten in den Bergen

In einem lombardischen Bergdorf wohnt die über achtzigjährige Quirina. Seit vielen Jahren ist sie verwitwet und lebt allein. Und zwar gar nicht ungern, weil so Kompromisse und Streitigkeiten auf ein Minimum reduziert sind. Sie liebt das Lösen von Kreuzworträtseln und pflegt täglich ihren Garten. Wenige Nutzpflanzen wie Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Tomaten und Basilikum haben hier ihren Platz neben vielen Blumen und Blütensträuchern wie Zinnien, Pfingstrosen und Hortensien und in der Mitte des Rasens steht ein hundertjähriger Birnbaum.

Quirinas Alltag ist geprägt von langweiligen (aber das weiss sie noch gar nicht) Ritualen und langjährigen Gewohnheiten. Zu diesen gehört auch der morgendliche Kontrollgang durch den Garten. Hat der nächtliche Wind eine unerwartete Störung verursacht? Ordnung ist schliesslich ein Zeichen von geistig-moralischer Disziplin und hat nach Quirinas Meinung auch im Garten ihre Richtigkeit.

Die sparsame Dame empfindet bereits vom Birnbaum auf den Rasen heruntergefallene Blätter als persönlichen Affront und so verwundert sich die Leserin keinen Moment über Quirinas heftige Reaktion auf das plötzliche Erscheinen von kleinen Hügeln auf der gepflegten Grünfläche, die sich in der Folge jede Nacht vermehren. Umgehend soll wieder der "Vor-Maulwurf-Zustand" hergestellt werden. Doch die Erreichung dieses Ziels entpuppt sich als sehr schwierig.

Tatkräftig unterstützt wird Quirina in ihren Maulwurf-Vergrämungsversuchen von ihrer Tochter Maria Piera, einer passionierten Botanikerin, die zwar hinreichend erprobt ist im Kampf gegen des Gärtners Feinde wie Schildläuse, Spinnmilben, Mehltau, Nacktschnecken und Blattwickler, mit Maulwürfen bis anhin aber keine persönlichen Konfrontationen hatte. Diese Wissenslücke füllt sie mit nächtelangen Internet-Recherchen, in denen sie über die verschiedenen Methoden liest, wie Maulwürfe aus dem Garten zu vertreiben sind. Verschiedene Tipps werden ausprobiert, wie etwa jenen, Knoblauchzehen in die Gänge zu streuen, die Bekämpfung mit Wasser, Lärm und Metallröhren und die Verwendung von Fallen. Alle diese Versuche haben eines gemeinsam – sie verfehlen ihren Zweck.

Man muss seinen Feind kennen. Wie und wo spielt der Maulwurf eine Rolle? Quirina beginnt sich intensiv mit Maulwürfen auseinanderzusetzen und so erfährt man nebenbei von einer Literaturbeilage „Der Maulwurf“ und dass diese Tier in einem Buch von John le Carré eine wichtige Funktion innehat, aber auch in etlichen anderen literarischen Druckerzeugnissen.

Der Kampf gegen den Maulwurf ist zwar nicht zu gewinnen, aber dafür andere wichtige Erkenntnisse. Auf dem Umschlagrücken des illustrierten Büchleins steht perfekt formuliert (Zitat): „Eine bezaubernde philosophische Fabel über den Feind, der uns am Leben hält, indem er uns vor Perfektion bewahrt“.  



Ernesto Ferrero: 
Die Geschichte von Quirina, dem Maulwurf und einem Garten in den Bergen 
Verlag Antje Kunstmann, 2015