1. Oktober 2011

Ursula Steen: Mein grosses grünes Dingsda – Hobbygärtner in Aktion

Auf der Suche nach Büchern mit gärtnerischem Hintergrund bin ich in letzter Zeit immer wieder auf den mittlerweile dritten Titel von Ursula Steen gestossen. Obwohl mich die ersten beiden Vorgängertitel nicht wirklich begeistert haben, habe ich meine Vorurteile bei Seite geschoben und das neueste Büchlein mit dem etwas seltsamen Titel trotzdem gelesen. Nach der Lektüre bin ich nicht ernüchtert, aber eben auch nicht begeistert. In etwa entsprach diese nämlich genau meinen nicht sehr hohen Erwartungen.

Der Roman wird wiederum von Viola in Ich-Form und in Alltagssprache erzählt und er führt durchs Gartenjahr. Nun gibt es Romanhelden und –heldinnen, die einem sofort oder mit jeder gelesenen Seite mehr ans Herz wachsen. Die Erzählerin Viola ist mir nicht besonders sympathisch. Zwar hat sie durchaus positive und bewundernswerte Attribute, aber ich glaube, wenn wir uns begegnen würden, wären wir uns nicht ganz grün. Achtung zolle ich Viola beispielsweise für die aufopfernde Pflege und Betreuung ihrer dementen Schwiegermutter und ihrer Offenheit betreffend immer wieder aufkommenden negativen Gefühlen, die diese Herausforderung in ihr auslösen. Sehr gut nachvollziehen kann ich auch ihren Ärger, wenn sie vom Nachbarn berichtet, der skrupellos öffentlichen Raum als privat besetzt und ungeniert als sein Eigentum betrachtet. Interessant ist auch die Idee von Violas Freundin, eine Pflanzenklappe aufzustellen, in welcher kränkelnde Topfpflanzen oder anderes Grünzeug abgegeben werden können, die dann liebevoll aufgepäppelt werden.

Zuweilen lässt es sich während der Lektüre über Stellen schmunzeln, die sicher nicht als witzig angedacht waren – da liest man beispielsweise von einem Kiefernorthopäden und überlegt, wie wohl eine Zahn(wurzel?)behandlung an diesem Nadelholzgewächs abläuft … Und wenn in Gartenbüchern immer wieder von „Züchten“ die Rede ist, wo es eigentlich um Hege und Pflege von Pflänzlein geht, ändert dies nichts daran, dass der Ausdruck halt doch nicht stimmt. Die drei Hobbygärtner-Bücher von Ursula Steen werden als Romane bezeichnet – ich hatte jedoch bei allen das Gefühl, dass sie stark autobiographisch sind. Vielleicht könnte die Autorin in einer allfälligen weiteren Fortsetzung diese Vermutung ja mal bestätigen oder entkräften.

So, genug genörgelt. Jetzt bleibt mir nur noch zu überlegen, ob ich den im Büchlein recht detailliert beschriebene Roman „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ von Susanne Tamaro doch endlich man lesen soll.



Ursula Steen:
Mein grosses grünes Dingsda – Hobbygärtner in Aktion
Books on Demand, 2011

Kommentare:

  1. Ich habe die beiden Vorgänger vor Jahren gelesen, als unterhaltsam in Erinnerung und mir daraufhin die Nummer 3 zugelegt. Jetzt bin ich natürlich neugierig geworden und die Steen rutsch ganz nach oben auf meinen Bücherstapel und kommt als nächstes dran.

    Hast du in der Zwischenzeit die Tamaro gelesen? Alt, aber kein schlechter Tipp. Ich lese sie gerade zweisprachig, im Original und streckenweise unter Zuhilfenahme der deutschen Übersetzung. Gefällt mir sehr gut!

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  2. Hallo Namensvetterin, ja die Tamaro habe ich inzwischen gelesen, siehe auch hier: http://sofagaertnerin.blogspot.ch/2013/06/susanna-tamaro-geh-wohin-dein-herz-dich.html
    Kennst Du vieleicht auch die Fortsetzung dieses Tamaro-Buches und weisst, ob sich die Lektüre lohnt? Liebe Grüsse

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  3. Wie die Zeit vergeht! Vor Jahren habe ich auch die beiden Vorgänger gelesen, als unterhaltsam in Erinnerung behalten und mir daraufhin den dritten Band zugelegt, den ich allerdings bis heute noch nicht gelesen habe. Jetzt bin ich natürlich sehr neugierig auf die letzte Steen und habe sie ganz oben auf meinen SUB gepackt.

    Hast du mittlerweile die Tamaro schon gelesen? Ich bin gerade dabei, sie im Original unter Zuhilfenahme der deutschen Übersetzung zu lesen. Alt aber ganz gut.

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  4. ...hoppla, habe gedacht, der Kommentar ist weg und nochmal geschrieben...

    Liebe Namensvetterin:)
    leider weiß ich nicht, welcher Titel die Fortsetzung ist bzw. sein könnte. Allerdings habe ich mir das Neueste von ihr zugelegt, "Ein jeder Engel ist schrecklich. Aus meinem Leben". Klingt spannend und zu Übungszwecken habe ich es mir auch gleich wieder auf Italienisch besorgt. Ich freue mich schon darauf, vor allem nach dem aktuellen Buch.

    Parallel dazu lese ich momentan einen weiteren "oldie" aus dem Jahre 1998, geschrieben von einer steirischen Autorin, Andrea Wolfmayr, mit dem Titel "Digitalis Purpurea". Der Garten wars, der mich angezogen hat:)! Eigentlich ein Frauenentwicklungsroman mit einer der Generation "Dazwischen" angehörenden Protagonistin, ehemals Hippiemädchen, heute in Haus und Garten zugange. Zwischen den Zeilen streut die Autorin immer wieder (leckere) Koch und Backrezepte ein. Von Linzer Torte bis Melanzane alla siciliana über die Zubereitung eines Holundersaftes ist alles dabei.
    Sehr schräg, wenn man das Buch heute liest, immer wieder Aha-Erlebnisse, fast wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Überraschend!




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  5. Den Titel des Tamaro-Folgebandes weiss ich nicht mehr. Aber ich hatte das Buch mal auf einem Remittenden-Tisch entdeckt, dann aber von einem Kauf abgesehen. Danke für die Büchertipps - das andere erwähnte Buch tönt interessant. LG

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