22. Mai 2012

Helen Campbell – The Blue Yonder Inn

Bonnie Blue Hogan verlässt im August 1963 endlich ihren gewalttätigen Ehemann Gil. Ihr Baby Blacky hinterlässt die junge Frau mit einer auf dem Rücken notierten Nachricht in einer Schubkarre im gepflegten Garten ihrer Tante Darnelle. Diese hat nach dem Tod von Bonnies Mutter schon ihre Nichte grossgezogen. Nicht zuletzt die schwierige Beziehung zwischen Bonnie und Darnelle hat erstere in eine frühe Ehe getrieben. Bonnie hinterlässt ihren Sohn keineswegs leichten Herzens bei ihrer Tante. Doch scheint ihr dieser Weg die einzig denkbare Möglichkeit, sich in den Westen Amerikas abzusetzen und zu versuchen, von Gil unbehelligt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ihre Zukunft neu aufzugleisen.

Gil sucht seine verschwundene Familie natürlich zuerst bei ihrer nächsten Verwandten. Seine grenzenlose Wut lässt er an Darnelle aus. Er begnügt sich nicht mit körperlicher Gewalt, sondern er zerstört in wenigen Minuten Darnelles preisgekrönten Garten, den sie in jahrelanger mühseliger Arbeit auf humusarmen texanischem Boden angelegt hat. Der Anblick ihrer zerstörten Rosen bricht Darnelle, die schon als junges Mädchen ihren ersten Garten angelegt hat, fast das Herz. Doch die Frau ist sich von Kindsbeinen an gewohnt, kämpfen zu müssen, und zwar nicht nur gegen ihr schlechtes Gewissen, weil sie Gil für die Heirat mit Bonnie Geld zugesteckt hat. Und auch ihre Nichte Bonnie scheint diese Gene geerbt zu haben.

Der authentisch verfasste Roman zeichnet eindrücklich die schwierigen Mutter-Tochter-Konflikte zwischen den beiden sturen Frauen Bonnie und Darnelle auf. Die Erzählung blendet immer wieder zurück und bleibt bis zum Schluss spannend, wenn die Leserin die Familiengeschichten und –verwicklungen durchschaut, die letzten Geheimnisse gelüftet sind und endlich klar ist, was es mit dem vermaledeiten „dog tag“ auf sich hat und was die mehrfachen Erwähnungen von Elvis Presley für eine Bedeutung haben.



Helen Campbell:
The Blue Yonder Inn
Michigan State University Press, 2002


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