26. Oktober 2012

Will North: Im Licht des Tages

Ist ein nicht mehr ganz junger Architekt, der noch kein einziges Haus gebaut hat, sondern sein Wissen an einer Universität an Studenten weitergibt, kein richtiger Vertreter seines Berufsstandes? Dieser Vorwurf ist nämlich einer von etlichen, die an Andrew Stratton aus Philadelphia nagen, seit seine Frau ihn derentwegen und wegen eines erfolgreicheren Mannes verlassen hat. Um sein Selbstwertgefühl zu stärken und einmal auf andere Gedanken zu kommen, reist er deshalb nach Cornwall, wo er mit eigenen Händen Steinmauern, die hier Steinhecken genannt werden, zu bauen.

Im kleinen englischen Dorf Bocastle lernt der Amerikaner die vierzigjährige Nicola kennen, die sich hier als Malerin ihren Lebensunterhalt verdient und sich gleichzeitig vor ihrer Vergangenheit versteckt. Auch sie stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Die beiden Landsleute liefern sich bei jeder Begegnung heftige Wortgefechte, können aber eine starke gegenseitige Anziehungskraft nicht verleugnen.

Mit jedem Stein, den Andrew für die Hecke bewegt und an seinen richtigen Platz legt und mit dem die kornische Mauer wächst, bekommt er immer mehr Abstand zu seinen Problemen und gleichzeitig fängt sein Herzpanzer an zu bröckeln. Doch Nicola hält ihn auf Distanz und er kommt nicht wirklich an sie heran.Wer hat hier die grösseren Probleme, eine Beziehung einzugehen?

Zwischen die Romankapitel sind meteorologische Berichte eingefügt, die den Leser vorbereiten auf die Naturkatastrophe am Ende der Lektüre. Ein Leitmotiv des Romans ist die lebenslange physische Auswirkung von sexuellem Missbrauch im Kindesalter. In Sachen Hortikultur gibt es nichts Bemerkenswertes zu erwähnen, ausser man zählt die ausführlichen Baubeschreibungen von kornischen Steinhecken zu diesem Thema.  



Will North: 
Im Licht des Tages 
Wilhelm Heyne Verlag, 2010

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