22. November 2012

Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): Pflanzen auf Reisen – Von Sammlerlust und Invasionen (Topiaria Helvetica 2012)

Wenn Menschen reisen, sind häufig – beabsichtigt oder ungewollt – Begleitpassagiere aus Flora und Fauna mit von der Partie. Insbesondere in der Umgebung von Umschlagplätzen wie Bahnhöfen, Flug- und Güterhäfen oder entlang der Bahnlinien finden sich schwarze Passagiere aus dem Tier- und Pflanzenreich, die häufig mit Verpackungsmaterial mittransportiert worden sind. Manchen grünen Immigrant, der schon vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten eingewandert ist, kann man heute kaum mehr aus der Umgebung und vom Teller wegdenken, obwohl sich darunter etliche Einwanderer befinden, die besser in ein Paket verschnürt an den Absenderort zurückverfrachtet würden mit dem Vermerk „Annahme verweigert“. Von reisenden Pflanzen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen handeln denn auch die Beiträge im aktuellen Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur.

Haben Sie gewusst, dass exotische Pflanzen nicht nur mit Schiffe und Wagen unterwegs waren, sondern auch venezianische Buchhändler eine wichtige Aufgabe in diesem Ablauf erfüllten? Clusius liess nämlich seinerzeit die Samen von kostbaren Raritäten gut verpackt von den Norditalienern mit dem Reisegepäck an die Buchmesse in Frankfurt transportieren, wo die Ware empfangen und daraufhin in die Niederlande gebracht wurde.

Der Beitrag „Von der weiten Welt nach Zürich“ berichtet über die Pflanzenzucht und vom Pflanzenhandel in der Schweiz in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Besonderen und im Speziellen vom beeindruckend umfangreichen Sortiment der Firma Froebel in Zürich. Alte Geschäfts- und Collectionsbücher geben Aufschluss über die damaligen Pflanzenbestände. So werden dort beispielsweise 88 Sorten Arten und Sorten Ahorn, 29 Arten und Sorten Liguster, 132 Arten und Sorten Clematis und fast 600 Rosenarten und –sorten aufgelistet.

Im Kapitel „Landschaftserleben, Pflanzenschönheit und Gartenkunst – Karl Foersters Steingarten als Weltentwurf“ erhält der Leser Einblick in die Reiseerinnerungen des bekannten Staudenzüchters, die grundlegend waren für dessen Ansicht von Steingärten und liest vom nächtlichen Treiben auf Schweizer Friedhöfen, wo Karl Foerster Jagd auf Herbstchrysanthemen gemacht hat. Das weiteren gibt es einen Artikel „Pflanzenverwendung auf Transatlantisch“ über den Gartengestalter Richard Neutra, einen Beitrag „Urwald im Wohnzimmer“ über Josef Franks textile Versandparadiese („Stoffgärten“ bzw. Stoffe mit Motiven aus realer und utopischer Natur) und Erläuterungen über die Invasionen im Pflanzenreich am Beispiel der Südschweiz. Thematisiert werden darin die Einwanderer Edelkastanie, Robinie, Götterbaum und Hanfpalme.

Vertieft mit dem Thema Migration in der Botanik befasst sich Annemarie Bucher mit ihrer Spurensuche in der globalen Landschaft. Wie ist mit Neuankömmlingen aus dem grünen Reich umzugehen? Wie soll mit Neophyten umgegangen werden und was ist von der Massenware aus Baumärkten und Gartencentern zu halten, welche die einheimische vielfältige Pflanzenwelt bedrängt und im schlimmsten Fall sogar verdrängt?

In der Rubrik SGGK-Vitrine erwarten den Leser drei Portraits. Doris Guarisco berichtet von ihrem Besuch bei Elsbeth Stoiber im „Rosenstöckli“ auf dem Albispass. Einen Einblick in die achzigjährige Geschichte der Wildensbucher Gärtnerei „Frei Weinlandstauden“ steht unter dem Motto „Es wächst aus allen Ritzen“ und von Pariser Gartenkunst im Garten von Schloss Ebenrain in Sissach berichtet Jörg Matthies. Vier informative Gartenbuchrezensionen runden die Reise im Lesesessel durch Gartengestaltung, Pflanzenverwendung, Design und Ethnobotanik ab.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.): 
Topiaria Helvetica 2012 – Pflanzen auf Reisen – Von Sammlerlust und Invasionen 
Vdf Hochschulverlag, 2012

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