2. Februar 2014

Tania Krätschmar: Eva und die Apfelfrauen

Pfannenkuchenapfel, Ontario, Schafsnase, Hasenkopf, Eisapfel, Rosenapfel, Silberapfel, Winterprinz, Goldrenette, Zimtapfel – Die fünf gestandenen Berlinerinnen Eva, Nele, Marion, Julika und Dorothee, die zusammen den 50. Geburtstag einer von ihnen feiern, kennen wohl die wenigsten dieser Apfelsorten und ahnen nicht, dass sich das sehr bald ändern wird. Das Quintett hat sich vor vier Jahren bei einem Wochenendseminar unter dem Motto „Selbstverteidigung für Frauen“ kennengelernt und inzwischen sind die unterschiedlichen Frauen längst gute Freundinnen. Im Laufe des Abends kommt plötzlich die Idee von der Gründung einer gemeinsamen WG aufs Tapet. Prompt werden Pläne geschmiedet und zwingende Mindestanforderungen zusammengetragen: ein grosser Aufenthaltsraum, ein Garten, Südterrasse, ein toller hilfsbereiter Nachbar und anderes mehr.

Am nächsten Tag wird der Einfall nicht als Schnapsidee begraben, sondern es werden erste Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet. Das Projekt scheint bereits mangels einer passenden Immobilie zu scheitern, denn auf die euphorisch geschalteten Inserate treffen nur mehr als fragwürdige Angebote ein. Als der Einfall von der Gründung einer Frauen-WG schon beinahe ad Acta gelegt worden ist, findet sich doch noch eine Erblasserin, der die Idee der fünf Freundinnen zu Lebzeiten zugesagt haben muss. Ein Rechtsanwalt informiert das Frauen-Quintett über den letzten Willen der verstorbenen Anna Staudenroos und den damit verbundenen Bedingungen. Zu diesen gehört, dass die fünf Städterinnen mindestens bis im Herbst gemeinsam im Erbstück, einem Haus aus dem Jahr 1908 in Wannsee, wohnen und die Verantwortung für die aktuelle Apfelernte im grossen zur Liegenschaft gehörenden Obstgarten übernehmen.

Die Freude über diese grosszügige Erbschaft wird allerdings deutlich relativiert, als die potentiellen Erbinnen feststellen, dass das Haus samt riesigem Grundstück nicht in Wannsee bei Berlin, sondern in einem gleichnamigen Dorf in der Mark Brandenburg liegt. Bei der Besichtigung präsentiert sich die Apfelbaumwiese als unendlicher Blütentraum in weiss, rosa und pink. Recht schnell werden etwaige Zweifel gründlich ausgeräumt und die Frauen beschliessen einstimmig, sich auf das zeitlich befristete Abenteuer einzulassen – nicht alle mit der gleichen Begeisterung.

Das hortikulturelle Wissen und Interesse der Städterinnen ist ebenfalls unterschiedlich verteilt. Im Garten übernimmt Eva das Zepter und stellt rasch fest, dass Balkongärtnern deutlich weniger anstrengend ist als die Arbeit im Gemüse- und Apfelgarten. Sie träumt aber von einem Blumenmeer und versucht in den etwas vernachlässigten Garten Ordnung zu bringen. Dabei entsorgt sie als erstes unbekannte vertrocknete Knollen auf dem Kompost und erfährt später (rechtzeitig für eine Rettung), dass es sich bei diesen um Dahlienknollen handelt.

Die Dorfbevölkerung empfängt die fünf Frauen eher skeptisch und zurückhaltend, obwohl sich vereinzelt bald Berühungspunkte ergeben. Als besonderes Ekelpaket entpuppt sich der Bürgermeister. Die Apfelernte ist schwere Arbeit und die Verwertung in unendlichen Variationen – inklusive illegalem Schnapsbrennen - erledigt sich auch nicht von selbst. Immerhin kurbelt das unentgeltliche Abgeben von Fallobst die Integration im Dorf an. Parallel dazu müssen die Frauen aber feststellen, dass das Zusammenleben mit guten Freundinnen seine Tücken hat und das Erfüllen der Bedingungen der Erblasserin wird von Landflucht bedroht. Nichtsdestotrotz werden die Erfahrungen rund um die Bewirtschaftung der Apfelbäume in einem Apfelbuch niedergeschrieben: süsse und deftige Rezepte, Tipps zu Lagerung und Verwertung, Märchen zum Thema, Fotos sowie Strick- und Bastelideen mit Anleitungen.

Ein unterhaltsamer Roman rund um eine Frauen-WG mit nicht mehr ganz jungen Bewohnerinnen. Nach dem "Frauen-Sommer" ergeben sich plötzlich neue Perspektiven und das Berliner Stadtleben ist nicht mehr für das ganze Quintett die richtige Lebensform. Jedes Kapitel wird übrigens mit einer passenden Weisheit eingeleitet.



Tania Krätschmar: 
Eva und die Apfelfrauen 
Blanvalet Verlag, 2013

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