19. April 2014

Jaromir Konecny: Tote Tulpen

Der sechzehnjährige Halbwaise Leon bekommt die Chance, in einem Blumenladen eine Ausbildung als Lehrling zu absolvieren. Eine Perspektive, die nicht gerade Enthusiasmus in ihm auslöst. Nachdem seine Mutter bei einem Autounfall gestorben ist, hat er zwei Jahre in einem Heim und zuletzt ein Jahr unschuldig im Jugendgefängnis verbracht. Hinter Gittern hat er unzählige Bücher gelesen und auch das Computernetzwerk betreut.

Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.

Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.

Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.

Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.

Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?

Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.



Jaromir Konecny: 
Tote Tulpen 
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014

1 Kommentar:

  1. Mit diesem Roman hat der Autor wieder voll ins Schwarze getroffen! Mit Wortwitz und rasantem ´Tempo bringt er seine Leser zum Lachen. Echt klasse!

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