11. Dezember 2009

Winterblüten

Im weitläufige Gelände meiner angeheirateten Verwandtschaft in Norditalien habe ich vor ungefähr zwei Jahrzehnten nicht nur die inzwischen zu meinen Lieblingen zählenden kleinblütigen, wild wachsenden Cyclamen (C. hederifolium) für mich entdeckt. Vor mindestens fünfzehn Jahren, in der Adventszeit, stiess ich auf einen weiteren Gartenschatz. In einem kleinen von Bäumen gesäumten Tälchen bildeten unzählige Christrosen (H. niger) einen fast undurchlässigen Teppich. Leider habe ich damals keine Fotos gemacht, aber das Bild hat sich fest in mein Gedächtnis eingegraben – inzwischen wohl etwas verklärt. Der erwähnte Garten hat inzwischen einen neuen Gärtner gefunden und ich kann nur hoffen, dass die Winterblüher den Umbau und die Umgestaltung der Parzelle überlebt haben…

Meine persönliche Bezugsquelle für Helleborus, eine nicht sehr weit entfernt gelegene Gärtnerei, hat leider den hiesigen Betrieb aufgegeben und jenseits der Grenze neue Zelte bzw. Gewächshäuser aufgeschlagen. Die vor einigen Jahren erstandenen Christ- und Lenzrosen in unserem Vorgärtchen haben bereits Blütenknospen gebildet und ich freue mich auf die lange Blütenzeit in verschiedenen Farben.

Die Vorfreude wird unterstützt durch einen ausführlichen Artikel über eine englische Helleborus-Gärtnerei mit umwerfenden Fotos in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Gardens Illustrated“ und dem Blättern in Helleborus-Büchern.

Das deutsche Buch „Helleborus“ (ursprünglich in Belgien erschienen) lockt ebenfalls mit schönen Blütenfotos. Neben den Portraits von drei bedeutenden holländischen Züchtern gibt der Titel dem Leser eine Einführung in Geschichte und Botanik dieser robusten Pflanzen sowie detaillierte Angaben zur Kultur im Garten. Weitere Kapital behandeln Themen wie Vermehren und Züchten, Farbe und Form und vermitteln einen Überblick über das umfangreiche Sortiment an Arten und Sorten.

Ähnlich aufgebaut ist der englische Titel „Hellebores“, dabei aber noch detaillierter und umfangreicher. Die Autoren und der Fotograf dieses Buches sind auf Reisen durch die USA und Europa immer wieder auf der Suche nach neuen Pflanzen. Ihr Erfahrungsschatz ist enorm und ihre Begeisterung für Christ- und Lenzrosen zieht sich wie ein roter Faden durch dieses umfangreiche Werk und springt auf den Leser und die Leserin über.

Die beiden Bücher sind nicht gerade billig, aber vielleicht hat jemand noch einen Weihnachtswunsch offen?



Hanneke van Dijk und Harry van Trier:
Helleborus
Eugen Ulmer, 2006

C. Colston Burrell und Judith Knott Tyler:
Hellebores
Timber Press, 2006

7. Dezember 2009

Flower Shops

Im dritten Band der Flower Shop-Serie besucht Sally Page quer durch England jeden Monat einen Blumenladen und stellt diesen mit Text und Fotos vor.

Katie kommt unverhofft zu einem wunderschönen Lilienstrauss, da der eigentliche Empfänger nicht erreichbar ist. Statt die Blumen wieder in den Laden zu bringen, entscheidet die Floristin Leen spontan, eine vorbeiradelnde Studentin damit zu beglücken. Diese und andere Anekdoten vermitteln zusammen mit den tollen Fotos einen Einblick in die unterschiedlichen Blumenläden mitsamt Kundschaft und der vielfältigen Gründe, Blumen zu kaufen.

Da gibt es beispielsweise einen Shop, der in einer ehemaligen Scheune untergebracht ist, den Blumenladen, der sich den Platz mit einem Delikatessengeschäft teilt (oder umgekehrt), oder die beiden Läden eines Ehepaares, die unabhängig voneinander völlig verschiedene Stile pflegen.

Neben den handgebundenen floralen englischen Kunstwerken werden auch die Ortschaften und die Umgebung der Blumenläden vorgestellt. Und es ist immer wieder interessant zu sehen, wie die Blumensträusse in Stil von Laden zu Laden und von Land zu Land unterschiedlich sind. So verrät ein Kurztext, dass in New York sehr wenig Grünzeug beigemischt wird und ein Blumenstrauss tatsächlich nur aus Blumen besteht. Und da sich in dieser Grossstadt (fast) keiner um Geld Gedanken macht, werden Blumen grundsätzlich mit passender Vase gekauft und geliefert.

Im letzten Kapitel lädt Sally Page alle besuchten Floristinnen und Floristen ein, so dass sich diese auch kennenlernen und untereinander austauschen können. Die Kontaktdetails mit Internet-Adressen am Schluss des Buches ermöglichen es, auch Online in den vorgestellten Läden herumzustöbern.

Ein schönes Bilderbuch für Erwachsene, das sich auch als dauerhaftes Präsent anstelle eines Blumenstrausses eignet.



Sally Page:
Flower Shops and friends
Fanaham Books, 2008

4. Dezember 2009

Gärten erzählen

Das Buch „Gärten erzählen“ ist seinerzeit als Begleitband zu einer Ausstellung in Lausanne im gleichen Jahr erschienen und gehört zu den älteren Exemplaren meiner Büchersammlung und fand seinen Platz auf meinem Regal, als ich die Inhalte meiner Titel beinahe auswendig konnte.

Nach einer kurzen Einführung folgen Bilder von Gärten aus England, Italien, Frankreich, Portugal, Japan, der Schweiz und anderen Ländern. Die Bilder sind zwar qualitativ nicht auf dem Höchststand, was wohl auch an der Papierqualität liegt, laden aber dennoch ein, im Lesestuhl in den verschiedenen vorgestellten Gärten spazieren zu gehen. Danach folgen die literarischen Spaziergänge, welche unter anderem durch Vitas Sissinghurst , Toskanische Villengärten, versunkene Gärten in neuem Licht und nach Brasilien zu Roberto Burle Marx führen. Die Texte stehen jeweils im Zeichen einer Farbe – dunkelgrün für die toskanischen Villengärten, Blau für die Isola Bella, Schiefergrau für die Schlösser der Loire. Den Hinweis, wofür die Farbe Weiss steht, kann ich mir ja ersparen.

Wahrscheinlich hatte ich in diesem Band eine meine ersten Begegnungen mit Sissinghurst. Das Foto mit den von grauen Steinplatten umgegebenen Flächen aus mauve-weissem Thymian finde ich auch nach über zwanzig Jahren noch überaus beeindruckend.



Lorette Coen:
Gärten erzählen
Edition M, 1988

30. November 2009

Briefkastentante

Mögen Sie die „Briefkasten-Spalten“ in Zeitschriften und Zeitungen? Ich werfe fast in allen Printmedien, die ich konsumiere, einen Blick auf die Fragen. Die Antworten lasse ich gewöhnlich aus, da ja meistens mit ein wenig gesundem Menschenverstand sowieso klar ist, wie diese ausfallen. Und falls ich die Repliken doch lese, nur um festzustellen, ob ich richtig lag. In Gartenzeitschriften beschleicht mich zudem oft das Gefühl, dass die Fragen nicht aus dem Leserkreis kommen, sondern von der Redaktion so zusammengeschustert werden, dass ein neues Produkt beworben werden kann.

Bonnie Thomas Abbott hat ein ganzes Buch mit solchen (fiktiven) Fragen gefüllt. Radical Prunings - A Novel of officious advice from the Contessa of compost“ lautet der Titel. Das ist doch langweilig? Dann lassen Sie sich während der vorwiegend amüsanten Lektüre vom Gegenteil überzeugen. Darin inklusive sind eine Menge Gartentipps.

Das Buch ist eine nach Monaten geordnete Sammlung von Newslettern mit dem Titel „Radical Pruning“, welche die Gärtnerin Mertensia Corydalis regelmässig herausgibt. Im ersten Teil dieser Kurzbriefe schreibt sie über ihren Garten, ihre Angestellten oder ihren Ex-Mann Norton Doyle und was sie sonst gerade beschäftigt. Darauf folgt der Question-and-Answer-Teil.

Fragen zu allen botanischen Themen sind wilkommen, ausser solche betreffend Rasen. Letztere machen Miss Corydalis sozusagen rasend. Die Kompost-Prinzessin liebt es, die Fragesteller mit ihren Problemlösungsvorschlägen zu brüskieren. Da wird beispielsweise unverblümt empfohlen, endlich das „Gehirn einzuschalten", zur Rettung der Seele das Haus zu verkaufen oder alle Zucchettis aus dem Garten zu verbannen, damit einem der Freundeskreis während deren Erntezeit nicht aus dem Weg geht. Und falls Sie schon immer wissen wollten, was für Leute Gärten besuchen, die im Rahmen von „Offener Pforte“ oder ähnlich lautenden Programmen zu besichtigen sind, hier ein Teil der Ansichten von Corydalis:
-Einsame Leute, die eine Gelegenheit für Gespräche suchen
-Schnüffelnde Leute, die einen Blick ins Haus werfen wollen
-Zufällig vorbei kommende Leute, die rasch ins Bad müssen.



Bonnie Thomas Abbott:
Radical Prunings
Emmis Books, 2005

27. November 2009

Thyme will tell Mysteries

Im Moment bin ich gewissermassen zumindest temporär in Hayden zuhause. Ich stecke nämlich mitten im zweiten Band der „Thyme will tell mysteries“. Die einzelnen Titel beziehen sich auf die Blumensprache und heissen „Rosemary for Remembrance“, Marigolds for Mourning“ und „Roses for Regret“.

Regan Culver, die Mitinhaberin der Herb-Farm „Thyme will tell“, wird wegen Mord an ihrem verwitweten Vater verhaftet. Alden Culver ist vergiftet worden. Da Regan, seine Tochter aus zweiter Ehe, als Haupterbin eingesetzt ist, gerät sie unter Tatverdacht. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich jedoch schnell heraus, dass Alden Culver sein Vermögen schon vor einigen Monaten auf seine jüngste Tochter übertragen hat und dieses Tatmotiv entfällt. Aber wie steht es mit ihren Halbgeschwistern? Agatha steht kurz vor dem Bankrott ihres Geschäftes und ihre Tochter Diane hat gerade ihren Job verloren, mit dem sich die beiden über Wasser gehalten haben. Die Verhältnisse zwischen Alden Culvers Nachkommen waren schon vor dem Mord schlecht und nun scheint keiner dem anderen über den Weg zu trauen. Was bedeutete Alden Culvers kurz vor seinem Tod geäusserte Bemerkung, über einen Vorfall, der sich zehn Jahre zuvor ereignet hat?

Nachdem Regan wieder auf freiem Fuss ist, hofft sie, auf die Spur des Mörders ihres Vaters zu kommen. Die Suche führt sie in die Vergangenheit und bringt ein Geheimnis ihrer vor zehn Jahren tödlich verunglückten Mutter zum Vorschein. Im zweiten Buch geht es noch weiter zurück in die Vergangenheit. Ein Mord und Selbstmord aus den Fünfzigerjahren werden nochmals genauer unter die Lupe genommen.

Diese Trilogie ist zwar schon länger im Handel, doch bei Online-Händlern sind neben gebrauchten auch neue Exemplare immer noch erhältlich. Schade, dass die Autorin gemäss meinen Internet-Recherchen keine weiteren Gartenkrimis mehr veröffentlicht hat. Die Romane sind spannend geschrieben und die Charaktere sehr glaubwürdig.



Audrey Stallsmith:
Rosemary for Remembrance
Waterbrook, 1997

Marigolds for Mourning
Waterbrook, 1998

Roses for Regret
Waterbrook, 1999

23. November 2009

Rosemary and Thyme – Teil 1

Je weiter der Herbst fortschreitet und je früher es abends dunkler wird, um so öfter erfülle ich meine sportliche Pflicht auf dem Stepper statt walkend zu versuchen, einen raschen Blick in die leergeräumten Gärten zu werfen. Inzwischen bin ich recht geübt darin, das eintönige, langweilige Steppen in Verbindung mit der Lektüre in einem Buch oder einer Zeitschrift hinter mich zu bringen. Die Minuten erscheinen auf diese Weise nicht unendlich lang und die Kalorienverbrennung gestaltet sich etwas spannender.

Ab und zu lege ich auch eine DVD ein. Besonders geeignet sind für diesen Zweck wegen ihrer Länge von jeweils ungefähr 50 Minuten Fernsehserien und ganz speziell die britischen Staffeln über die beiden gärtnernden Detektivinnen Rosemary & Thyme.

Die beiden Freundinnen Rosemary Boxer und Laura Thyme sind in der Gartenbranche tätig. In der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit (Gartenumgestaltungen, Gartenunterhalt usw.) werden sie immer wieder unvermittelt in Verbrechen verwickelt. Des Rätsels Lösung finden die beiden jeweils mit Hilfe ihres botanischen Hintergrundwissens.

Wie beispielsweise in der Episode um einen blinden Professor (A simple Plot), der sich gegen den Verkauf des Grundstückes wehrt, auf dem sein Schrebergarten steht. Wegen seinem fehlenden Augenlicht, verlässt sich dieser Gärtner umso stärker auf seine Nase und Duftpflanzen dienen ihm im Garten als Wegweiser. Nachdem in seinen Beeten Blumen umgesetzt worden sind, tappt er ahnungslos in die tödliche Falle.

In einer anderen Folge stossen die beiden Hobbydetektivinnen auf Knochen eines Rennpferdes (Arabica and the Early Spider) während in der Episode „The Invisible Worm“ alle Rosen im Garten absterben und in der Geschichte „The Tree of Death“ eine Eibe eine wichtige Rolle spielt.

Damit ich die noch ungesehenen Folgen ungestört ansehen kann, bleibt mir nur noch zu hoffen, dass die Maximal-Lautstärke meines neuen Computers etwas höher ist als die des Vorgängers, der das Quietschen des Steppers fast nicht zu übertönen vermochte, und ich von Rosemarys und Lauras Dialogen in diesem Winter etwas mehr mitbekomme als letztes Jahr.



Rosemary and Thyme, Series 1 (2003)
Rosemary and Thyme, Series 2 (2004)
Rosemary and Thyme, Series 2 (2005 - 2007)
Acorn Video (DVDs mit Code Region 2)

21. November 2009

Aufsteller

Heute habe ich mich über diese Notiz im neuesten garten.ch-Newsletter gefreut:

Gärtnern ohne dreckige Hände?
Die Sofagärtnerin machts vor: Setzen Sie sich mit einem grossen Stapel Bücher in einen bequemen Sessel. Auf dem Stapel Bücher über Gärten, Gärtnerinnen, Pflanzen; Sachbücher, Krimis, Kinderbücher; antiquarische und druckfrische... Sie wissen nicht, was lesen? Ein Fundus an Raritäten und Antiquitäten finden Sie auf http://sofagaertnerin.blogspot.com

19. November 2009

The Victory Garden

Kansas im Jahr 1943 - jedermann meint zu wissen, dass der 2. Weltkrieg bald zu Ende ist und Teresa Marks wundert sich, wann dieser Tag endlich kommt. Ihr Bruder kämpft in Europa und sie erwartet ungeduldig seine Rückkehr.

Um sich von den Sorgen um den Sohn und Bruder abzulenken, haben die Marks begonnen, Tomaten zu pflanzen und sogar das letzte Geschmacks-Duell am Harvest Festival gegen den griesgrämigen Nachbarn Tom Burt gewonnen. Im Frühling 1943 scheint der Wettbewerb um die schmackhafteste Tomate schon vor der Blüte ein vorzeitiges Ende zu finden. Tom Burt verunfallt schwer und sein Garten soll untergepflügt werden.

Doch Teresa gelingt es, ein paar Schulkameraden und Schulkameradinnen zu mobilisieren, die sie dabei unterstützen, Burts Garten zum Blühen und Fruchten zu bringen. Den ganzen Sommer nehmen sich die Kinder die Zeit, die Pflanzen aufzubinden, auszugeizen und zu wässern. Und Teresa nutzt sogar ihre geheime Waffe, um mindestens so feine Tomaten ernten zu können wie ihr Vater und vielleicht sogar einen Preis am Harvest Festival zu gewinnen.

Die Ernte aus dem Garten verkaufen die Kinder an die Dorfbewohner und behalten nur ein kleines Taschengeld. Mit dem Grossteil aus dem Erlös unterstützen die Junggärtner den „War Effort at Home“. Die Erzählung vermittelt ganz nebenbei einen Einblick in den amerikanischen Alltag Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts.



Lee Kochenderfer:
The Victory Garden
Yearling, 2002

15. November 2009

Kissing Toads

Ein Labyrinth auf dem Cover der französischen Ausgabe sowie die Inhaltsbeschreibung, dass die Geschichte um die Dreharbeiten einer Gartensendung aufgebaut ist, hat mich zum Kauf des (englischen) Buches „Kissing Toads“ von Jemma Harvey verleitet. Der Roman wird abwechslungsweise aus der Sicht von Ruth, genannt Roo, und Delphi – beide sind um die dreissig Jahre alt - erzählt, die seit ihrer Kindheit eng miteinander befreundet sind.

Die TV-Produzentin Roo wurde eben von ihrem langjährigen Freund und Arbeitskollegen Kyle verlassen, so dass sie nun nicht nur ohne Mann sondern auch ohne Stelle ist.

Die selbstsüchtige Delphi, Präsentatorin von Gartensendungen, figuriert auf der C-Liste der Berühmtheiten und zu ihren wichtigsten Zielen gehört, mindestens in die B-Liste aufzusteigen. Dazu gehört auch ihre geplante Hochzeit mit dem eher langweiligen Alex, der aus einer reichen und angesehenen Familie stammt. Delphis neueste Aufgabe führt sie auf das schottische Schloss eines alternden Rockstars. Nicht ganz uneigennützig schafft es Delphi, ihrer Freundin in dieser Produktion ebenfalls einen Job zu verschaffen.

Leider ist der Roman nicht besonders spannend. Die Dreharbeiten sollen aufgelockert werden durch die Nachforschungen nach einer Schlossbesitzerin, die in einem früheren Jahrhundert im Labyrinth des Gartens spurlos verschwunden ist und im Laufe der Fernsehproduktion wird auch ein Skelett im Garten gefunden. Die egoistische Delphi wird einem gegen Ende des Buches zwar etwas sympathischer, doch auch diese an sich positive Veränderung und ein Schlägertrupp, der plötzlich auf dem schottischen Schloss auftaucht, können die Geschichte nicht „retten“.

Da ist meine derzeitige Lektüre doch einiges interessanter und die Seiten drehen sich fast von selbst. „Roter Eukalyptus“ von Susanne Wahl erzählt die Geschichte einer Gärtnerfamilie, die im 19. Jahrhundert mit einer Gruppe von Alt-Lutheranern aus Preussen ausgewandert ist und sich in Australien eine neue Existenz aufgebaut hat. Der Blumenhandelt der Tochter Friedericke spielt eine (kleinere) Rolle im Roman.



Jemma Harvey:
Kissing Toads
Arrow Books, 2006

12. November 2009

Ein Herz in New York – A Heart in New York

Ninas Vater wird als Professor für Stadt- und Regionalplanung nach New York berufen. Da es noch zwei Jahre dauert, bis Nina volljährig ist, muss sie wohl oder übel mit ihren Eltern umziehen und Freundin Britt und Freund Konrad in Berlin zurücklassen.

Doch die Schülerin lebt sich schneller als erwartet in der riesigen Stadt ein und findet in Izzy, welche an der Schule die gleichen Fächer belegt, rasch eine neue Freundin. Und schliesslich gibt es da auch noch ihren Klassenkameraden Leroy, ein cooler Hip-Hopper und wichtiger Spieler des Lacrosse-Teams an Ninas Schule…

In dieser Sprachmix-Erzählung erfährt die Leserin die Höhen und Tiefen aus Ninas ersten Wochen im Big Apple und verfolgt gleichzeitig eine Erpressergeschichte, die auf unkonventionelle Art aus der Welt geschaffen werden kann. Daneben spielen Dachgärten eine grössere Rolle.

Diese zweisprachige Lektüre wird empfohlen für Jugendliche (wohl eher für Mädchen) ab 12 Jahren, die seit zwei, drei Jahren Englisch lernen. Die Handlung aus Sicht von Nina ist auf Deutsch, Dialoge und Briefe sind auf Englisch und speziellere Vokabeln werden auf der gleichen Seite erklärt, auf der sie vorkommen.



Petra A. Bauer:
Ein Herz in New York – A Heart in New York
Langenscheidt, 2009

9. November 2009

Ganz schön gefährlich

In den letzten Tagen habe ich unter anderem zwei Bücher über Giftpflanzen gelesen. Eines der beiden enthält Passagen, die ich doch ziemlich erschreckend und abstossend finde. So wird als Ziel des Buches die Feststellung der optimalen toxischen Qualität angegeben, damit diese von Tätern als Werkzeug verwendet werden kann. Und der Autor hofft, dass dadurch viele bestehende Konflikte zur Zufriedenheit aller gelöst werden können. Bei meiner nach dieser Einführung eher oberflächlichen Lektüre konnte ich nicht herausfinden, was an diesen Aussagen und am ganzen Buch besonders witzig sein soll. Diese Informationen über Pflanzengifte sind selbstverständlich auch anderweitig zu beschaffen, aber dennoch verzichte ich darauf, Autor und Buchtitel hier zu erwähnen.

Morde mit Giftpflanzen füllen die Geschichtsbücher durch alle Jahrhunderte hindurch. Die Pflanzen sind als Mordwaffe mehrheitlich abgelöst worden und zu den häufigsten Vergiftungsopfern gehören mittlerweile (Klein-)Kinder, die giftige Blätter, Samen oder Früchte in den Mund stecken oder auch Bärlauchsammler, welche die Blätter der Zwiebelpflanze mit jenen der Herbstzeitlose verwechseln. Das Buch „Schön, aber gefährlich“ von Helga Urban ermöglicht einen informativen Einblick ins Thema Giftfplanzen.

Kapitel mit Überschriften wie „Auf den Inhalt kommt es an“, „Kann eine Pflanze böse aussehen?“ und „Es ist Arznei, nicht Gift …“ machen neugierig auf die Lektüre und der Leser bleibt erstaunt zurück, ob der Fülle an Vergiftungsmöglichkeiten und wundert sich aufgrund der erwähnten Vorfälle, auf was für Ideen Leute kommen, um Abwechslung in die Salatschüssel zu bringen.

Eines der Pflanzenportraits ist dem Kaffeebaum (Coffea Arabica) gewidmet. Je nach Konstitution des Kaffeetrinkers ist ein Konsum von und 100 Tassen Kaffee pro Tag tödlich. Ein solch extensives Trinken dieses Genussmittels wird wohl kaum einer pflegen. Aber anscheinend lassen sich die Nacktschnecken im Garten mit doppelten Espressos reduzieren. In anderen Steckbriefen werden dann auch gefährlichere Kaliber vorgestellt, wie der Fingerhut und Lupinen.

Die Texte sind sehr informativ und interessant abgefasst und werden durch pointierte Bemerkungen der Autorin abgerundet. Positiv zu erwähnen sind auch die schönen Fotos von Marion Nickig. Das Buch enthält ausserdem ein ausführliches Register, ein Literaturverzeichnis und nützliche Adressen.



Helga Urban:
Schön, aber gefährlich
Books on Demand, 2009

5. November 2009

Moderne Gärten – gestaltet von Landschaftsarchitekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die Kunsthistorikern Elke von Radziewsky vermittelt in diesem Buch einen Überblick über von führenden Landschaftsarchitekten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gestaltete Hausgärten. Bei diesen Hausgärten handelt es sich naturgemäss zu einem grossen Teil um fast parkähnliche Anlagen, bei welchen für die Gestaltung das nötige Kleingeld wohl eher eine untergeordnete Rolle spielt. Dies ist kein Grund neidisch zu werden, auch (Laien-)Gärtner, die sich mit kleineren Flächen begnügen müssen oder dürfen und sich eine professionelle Gestaltung durch einen Landschaftsarchitekten nicht leisten können, finden in diesem Band Ideen, die sich auf kleinere Parzellen übertragen und umsetzen lassen.

Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt eine mehrseitige Einstimmung zum Thema „Hundert Jahre Hausgarten“. Darin geht es von den Folgen eines gewonnenen Gartenwettbewerbes anno 1907 über den Einfluss des schnellen Wachsen der Grossstädte im 19. und 20. Jahrhundert auf die Gartenlust in Europa bis zum momentan stattfindenden Umschwung in der Bewertung der Hausgärten.

Titel wie „Tulpe spielt Theater“ und „Spatz und Krieger“ oder „Der Garten ist ein Fass ohne Boden“ machen den Leser zusammen mit den beeindruckenden Fotos neugierig auf die auf rund 200 Seiten verteilten Portraits. Diese werden durch detaillierte Pläne ergänzt.

Die Gärten sind so unterschiedlich wie die Gestalter. Da gibt es einen, in welchem der Boden mit Kalbsknochen gepflastert ist und auf einer als Pferdeweide benutzten Blumenwiese Hainbuchen-Hecken in Form von Tortenstücken verteilt sind. Im Beitrag „Sommerblumenweg zur Küche“ wird ein Garten vorgestellt, wo an ein Gewächshaus einer ehemaligen Gärtnerei eine Schlafzelle angebaut worden ist, da die Masse des früheren Arbeiterhauses auch für zwei Personen als Wohnung zu klein waren.

Nach den Gartenportraits folgen Steckbriefe der Landschaftsarchitekten und ihrer Büros mit Angaben zu Anzahl Mitarbeiter, wichtigen Arbeiten und Stil. Interessant sind die Hinweise über Anteile der pro Jahr gestalteten Hausgärten im Verhältnis zu anderen Aufträgen. Leider fehlt ein Register, welches ein kurzes Nachschlagen doch enorm vereinfachen würde.

Kürzlich habe ich an dieser Stelle ein Rezept von Paul Bocuse erwähnt. Vor längerer Zeit (1993!) hatte ich dieses aus der Zeitschrift „Beobachter“ herausgerissen und das Rotkraut-Gericht hat seit damals einen Stammplatz in unserer Herbst- und Winterküche. Jenes Rezept war damals von einem (mir persönlich nicht bekannten) Leser und Gärtner aus „meiner“ Stadt eingeschickt worden. Bei der Lektüre des Buches „Moderne Gärten“ hatte ich nun sozusagen ein Treffen mit einem alten Bekannten. Auf das Portrait aus dem hiesigen Landschaftsgartenbetrieb war ich natürlich sowieso neugierig. Die Angaben wie Name, beruflicher Hintergrund, Wohnort sowie das abgebildete Foto weckten Erinnerungen wach und ich kramte das inzwischen arg zerfledderte Rezept hervor. Und siehe da, aus dem "Rezept-Einsender“ von Anfang der 90er Jahre ist inzwischen ein bekannter Landschaftsarchitekt geworden.



Elke von Radziewsky:
Moderne Gärten
Callwey Verlag, 2009

2. November 2009

Garten-, Kräuter und Gemüsedetektive

Eine Ideensammlung rund um das Thema Kräuter liefert das Buch „Die Kräuter-Detektive“. Dabei handelt es sich nicht um ein eigentliches Kinderbuch sondern um ein Arbeitsbuch für interessierte Eltern, Lehrer und alle, die sich mit kleineren Kindern beschäftigen. Auch für Kindergeburtstage lassen sich verschiedene Ideen übernehmen, beispielsweise wie mit Kräutern gemalt, gebastelt, gerätselt, gekocht, gespielt und experimentiert werden kann.

Die Kräuter werden in die Kapital Gartenkräuter, Unkräuter, Wiesenkräuter und Waldkräuter unterteilt. Im Kapitel Unkräuter werden unter anderem die Brennessel und der Schachtelhalm vorgestellt. Ein Steckbrief in Wort und Illustration verrät, wo das vorgestellte Kraut anzutreffen ist, wie Blatt, Stängel, Blüte, Wurzel und Frucht aussehen sowie Besonderheiten zu Verbreitung, Bestäubung, Blütezeit usw. Dank der detailtreuen Illustrationen können auch kleine Detektive die Kräuter in Wald und Wiese einfach aufspüren. Haben Sie schon einmal grüne Chips aus Brennnessel-Blättern gekostet oder eine Brennnessel-Suppe? Dies sind nur zwei der vielen Kräuter-Rezepte, die im Buch aufgeführt sind. Passende Geschichten, Lieder sowie Experimente, welche die verschiedenen Sinne herausfordern, runden die jeweiligen Kräuter-Portraits ab.

Zu den Themen Garten und Gemüse gibt es Bücher in identischer Ausstattung, ebenfalls mit Experimenten, Spielen, Bastelideen, Rezepten und Geschichten.



Leonore Geisselbrecht-Taferner:
Die Kräuter-Detektive
Ökotopia Verlag, 2009

Leonore Geisselbrecht-Taferner:
Die Gemüse-Detektive
Ökotopia Verlag, 2007

Leonore Geisselbrecht-Taferner:
Die Garten-Detektive
Ökotopia Verlag, 2005

29. Oktober 2009

Pilze für Madeleine

Pilze bilden in der biologischen Klassifikation zwar neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich. In den letzten Wochen sind aber in unserem Garten „draussen“ einige Exemplare in der Wiese aufgetaucht, so dass ich ihnen nun im Sofagarten auch einen Platz anbiete.

Holger Haglund arbeitet als Lagerverwalter. Seine ganze Leidenschaft gilt den Pilzen. Drachenpilz, Wolfsblut, Fliegenpilz, Täubling, Stinkmorchel, Stockschwämme und viele andere mehr – er kennt sie alle und weiss Bescheid über Nutzen und Gefahren. Sein umfangreiches Wissen gibt Holger in Pilzkursen weiter und diese Seminare wirken wie Magnete auf die Frauen.

Seit Holgers Ehe mit einer früheren Kursteilnehmerin nach wenigen Jahren auseinanderbrach, lebt er mit seinem inzwischen erwachsenen Sohn Gunnar in einer Hütte mitten im Wald. Eines Tages nimmt die schöne Madeleine an einem von Holgers Pilzseminaren teil. Vater und Sohn verlieben sich beide in die reiche Schlossbesitzerin. Schliesslich heiraten Holger und Madeleine und ziehen auf deren Schloss in Frankreich. Während sich für Holger mit der Trüffeljagd ein neues interessantes Feld auftut, führt der junge Haglund ein Einsiedlerleben im schwedischen Wald und es zerreisst ihn beinahe vor Sehnsucht nach Liebe und nach Madeleine.

Schon seit seiner Kindheit steht der Ich-Erzähler Gunnar im Schatten seines dominanten Vaters. Nachdem Holger seinem Sohn von der aphrodisierenden Wirkung eines schleimigen Höhlenpilzes erzählt, wähnt sich Gunnar am Ziel seiner Fantasien. Er mischt seiner Stiefmutter diesen Pilz ins Essen - ohne zu ahnen, dass hinter dem Tipp seines Vaters ein heimtückischer Plan steckt. Gunnars Vorhaben misslingt und seine Träume von der Verführung von Madeleine enden in einem Desaster.

Fast ohne es zu merken, werden Sie bei dieser Lektüre eine Menge über Pilze erfahren!

Falls Sie noch mehr über Pfifferlinge, Morcheln und Co. lesen wollen: im Roman „Die dunkle Seite des Mondes“ von Martin Suter spielen halluzinogene Pilze eine wichtige Rolle.



Marie Hermanson:
Pilze für Madeleine
Suhrkamp Verlag, 2009

25. Oktober 2009

The Snowdrop Garden

Der Engländer Ben lernt an der Frankfurter Buchmesse die Slowakin Katka kennen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten möchten sich die beiden näher kennenlernen und Ben fährt im Anschluss an die Messe mit Katka in ihre Heimat. Während dieser Tage in der Slowakei müssen die beiden etliche kulturelle Missverständnisse überwinden, die Beziehung wird aber weitergeführt. Die Geschichte dümpelt etwas vor sich hin und der Leser erfährt beispielsweise, dass im Osten die Bananen anders geschält werden als in England.

Zuhause verdient Ben sein Geld als Cartoonist und widmet seine ganze Freizeit den Schneeglöckchen, die seinen Garten zur Blütezeit in eine umwerfende weisse Pracht verwandeln. Dazu gehört das Ersteigern von Zwiebeln im Ebay, Chatten in Galanthus-Foren sowie das Besuchen von Schneeglöckchen-Anlässen (die Nettetaler Schneeglöckchen-Tage werden übrigens auch erwähnt). Eine ältere Freundin, Lady Cherington, die ebenfalls den Schneeglöckchen verfallen ist, steht kurz davor, ihr Haus und ihren Garten räumen zu müssen, weil ihr Mann das gesamte Vermögen verspekuliert hat. Ben und Katka möchten unbedingt verhindern, dass diese einmalige Schneeglöckchen-Kollektion auseinanderfällt.

Sie selber haben zwar (noch) keine herbstblühenden Schneeglöckchen, zählen sich aber doch schon zu den Galantophilen? Dann hätte ich Ihnen diesen Roman gerne als perfekte Überbrückung der Wartezeit und als Einstimmung auf die nicht mehr so weit entfernte Hauptblütezeit ihrer Gartenschätze empfohlen. Leider sind meine Erwartungen an die Lektüre dieses Buches nicht ganz erfüllt worden.

Auf den ersten zwei Dutzend Seiten hatte ich gar das Gefühl im falschen Film zu sitzen bzw. Im falschen Buch zu lesen (falsches Buchseiten in Umschlag gebunden - alles schon vorgekommen...). Der Autor hat in diese Erzählung Schneeglöckchen, Liebesgeschichte, ein bisschen Komödie und internationale Drogengeschäfte gepackt. Mir fehlte der rote Faden und die Spannung kam auch zu kurz. Mühsam fand ich es, mich durch Katkas nicht perfekte Englisch-Kenntnisse lesen zu müssen.

Martin Baxendale ist selber Cartoonist und hat in seiner Backlist Titel wie „Ihr neues Baby – Gebrauchsanweisung“, und die saloppe Art, wie solche Bücher geschrieben sind, lässt sich auch in diesem Roman nicht verleugnen. Der Autor ist ausserdem selber leidenschaftlicher Schneeglöckchen-Sammler und, wie sich im Internet mit wenigen Klicks leicht herausfinden lässt, auch in einschlägigen Foren von Gleichgesinnten anzutreffen. Welche anderen Themen aus der Erzählung wohl sonst noch autobiographisch sind?



Martin Baxendale:
The Snowdrop Garden
Silent but Deadly Publications, 2009