Antony Woodward kann eine ziemlich ausgeprägte Sturheit nicht verleugnen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, scheut er keine Mittel, sein Ziel zu erreichen. Absicht und Zweck des Kaufes eines abgelegenen vernachlässigten Stück Landes mit dem Namen Tair-Ffynnon mit ebenso verkommenem Gebäude im Brecon Beacons National Park war die Gestaltung eines Gartens und – ganz unbescheiden – die Aufnahme in das prestigeträchtige „Yellow Book“. Das Gelbe Buch ist bekanntlich die Bibel bzw. der Führer zu den öffentlichen englischen Gärten, die für gemeinnützige Institutionen Gelder sammeln (National Gardens Scheme Guide). Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich die Familie Woodward eine Parzelle in der Höhe von 1200 ft (etwa 370 Meter ü.M.) angelacht hat, was für englische Verhältnisse wohl schon recht nahe am Himmel sein mag. Für den Eintrag im Führer wurde die Höhe übrigens grosszügig (oder schamlos?) auf 1600 ft aufgerundet.
Im Buch „The Garden in the Clouds“ erzählt Woodward vom Versuch, Tair-Ffynnon in einen Garten zu verwandeln und reflektiert gleichzeitig sein zwiespältiges Verhältnis zum Gärtnern. Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er als Siebenjähriger genau wie sein älterer Bruder auf Familienausflügen aufgefordert wurde, aus gepflegten Gärten Pflanzen zu stibitzen. Die Auftrag gebende querschnittgelähmte Mutter sass derweil am Steuer des Autos und legte nach Erledigung der Besorgung der von ihr gewünschten Pflanzenschätze durch die Jungmannschaft einen jeweils mehr oder weniger erfolgreichen Schnellstart hin.
Die Erzählung ist gespickt mit interessanten, teils haarsträubenden Geschichten. Harmlos ist jene über die Schwierigkeiten, den Kamin endlich richtig zum „ziehen“ zu bringen. Spezieller jene über die Hindernisse, die zu beseitigen und überwinden sind, bis ein ausrangierter baufälliger Eisenbahnwagon – auf ein Gewicht von maximal zwei Tonnen geschätzt, die sich aber effektiv als 20 Tonnen entpuppten – auf dem Hügel einen Platz gefunden hat und nach einer Auffrischung nun seine neue Funktion als Büro erfüllen kann. Das Finden des richtigen Abstellplatzes auf dem Hügel war noch das kleinste Problem, die Organisation des Transportes entpuppte sich als wesentlich kniffliger.
Zwischen solchen Anekdoten sind Gartenbesichtigungen eingestreut, werden Gartenpläne geschmiedet und verworfen, Probleme mit Handwerkern gelöst und Diskussionen und Überzeugungsarbeit in Sachen Aufnahme ins "Yellow Book" geführt. Die sehr kurz angesetzte Zeit (wieso eigentlich?) zwischen Gartengestaltung und Termin des offenen Gartens nimmt teilweise groteske, alptraumhafte Züge an. Werden der Traum einer „Heidi-like“-Alpenwiese und andere gärtnerische Ziele rechtzeitig erreicht werden können?
Antony Woodward:
The Garden in the Clouds – From Derelict Smallholding to Mountain Paradise
Harper Press, 2010
Nachtrag: Direkt vor den Ferien kam ich ziemlich unerwartet zu alten Eisenzäunen, die netterweise sogar gleich ins Haus bzw. in den Garten geliefert wurden. Die Strapazen, die der Autor für den Transport des Eisenbahnwagons auf sich genommen hat, finde ich deshalb aktuell unbedingt nachvollziehbar …
18. August 2011
15. August 2011
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns: Die geheimen Gärten von Amsterdam
Vor unserer Reise nach Amsterdam habe ich zur Einstimmung das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ gelesen. Eigentlich wollte ich hier gar nicht darüber schreiben, sondern einfach die Lektüre geniessen und mir keine Gedanken darüber machen, was und worüber ich in einer Buchvorstellung schreiben könnte. Das habe ich auch fast bis zur Mitte des Buches geschafft, doch dann habe ich die Seiten doch noch mit etlichen Haftzetteln geschmückt, um die Lektüre vorstellen zu können.
Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.
Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.
Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.
Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
Nach dem Vorwort mit dem passenden Titel „Zwischen Grachten, Giebeln und Hortensien“ werden rund dreissig Gärten in den Kapiteln
- Historische Gärten
- Gärten am Wasser
- Gesellige Gärten
- Designer-Gärten
- Ungewöhnliche Gärten und
- Zuflucht Gartenhaus vorgestellt.
Besonders interessant fand ich das Portrait „Für alle und doch privat" über einen Garten an einer Seitenstrasse des Overtoom, nicht weit von unserer Amsterdam-Ferienwohnung entfernt. Die Bewohner von sechs aneinander grenzenden Reihenhäusern nutzen den Garten gemeinsam und haben zu diesem Zweck eigens einen Verein gegründet. In notariell beglaubigten Statuten ist festgelegt, wer wann was im Garten tun darf oder muss. Neben der Gemeinschaftsfläche hat jeder Nutzer einen eigenen kleinen und absolut privaten Bereich von 35 Quadratmetern. Die Bewohner kamen in den 1980er Jahren übrigens durch Kraaken (Besetzung) zu ihrem für Amsterdamer Verhältnisse recht grossen Grünraum. Die Inbesitznahme ist längst geregelt und es wird ein Mietzins an die Stadt bezahlt.
Die Autorinnen Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns geben ausserdem Einblick in einen 12 Quadratmeter grossen (Bonsai-)Waldgarten, einen Garten auf dem Pausenhof eines ehemaligen Klosters und sie erzählen von einem Teehaus, das auch schon als Munitionslager gedient hat sowie dem liebevoll dekorierten in blautönen gehaltenen Freiluftzimmer einer ehemaligen Floristin. Letztere hat sogar einen Gartenclub gegründet zwecks Austausch von gemeinsamen Interessen und Pflanzenschätzen und dem Besuch von Gärten und Gartenshows. Um immer mal wieder Platz für die neuen Errungenschaften aus ihren Reisen zu schaffen, veranstaltet diese Frau regelmässig einen Markt (Yard-Sale) für ein ausgewähltes Publikum. Diese Idee muss ich vielleicht im Hinterkopf behalten – die Umsetzung würde sich vielleicht auch dafür eignen, das leidige Platzproblem auf den Bücherregalen zu lösen.
Beeindruckend ist auch der Aufwand, der für die Gestaltung eines anderen Gartens in Kauf genommen wurde. Neun Monate lang wurden Bewilligungen eingeholt, damit für einen Tag ein 54 Meter hoher Kran aufgestellt und die Strasse gesperrt werden konnte. Autos mussten abgeschleppt werden und es wurden 15 Parkplätze belegt, um Abfallcontainer aufzustellen. Das Ergebnis – ein symmetrischer Garten aufgelockert mit farbiger Blumenpracht, darf als gelungen bezeichnet werden.
Ein schönes Buch mit interessanten Texten und tollen Fotos, das man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns:
Die geheimen Gärten von Amsterdam
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
12. August 2011
Es geht weiter mit Sofagärtnern
Die Holland-Ferien gehören schon wieder der Vergangenheit an. Zurück bleiben viele erfreuliche, teilweise auch weniger erfreuliche Erlebnisse. So stellte sich gerade die Rückreise als mühsam heraus, da der von uns gewählte ICE statt wie gemäss Fahrplan nach Frankfurt Hauptbahnhof nur bis zum Flughafen fuhr. Nach noch mehr Umsteigen samt Urlaubsgepäck und Kindern hatten wir zwar in Mannheim Anschluss auf den ursprünglich geplanten ICE Richtung Basel, aber natürlich waren die gebuchten und bezahlten Sitzplätze bereits besetzt … Nun ja, es gibt schlimmeres – aber als speziell kundenfreundlich würde ich es ja nicht bezeichnen, einen Zug vorzeitig zu wenden.
Gerne erinnere ich mich dagegen an den Besuch im kleinen aber feinen Tulpenmuseum an der Prinzengracht in Amsterdam. Dieses bietet auf beschränktem Platz einen erstaunlich umfangreichen Einblick in die Geschichte und Züchtung der Tulpe. Im Museumsshop gibt es (fast) alles zu kaufen, was irgendwie mit der Tulpe in Verbindung gebracht werden kann – neben Tulpenzwiebeln und Tulpengeschirr auch Tulpenservietten, Tulpenseifen, Tulpenbücher, Tulpenfilme usw.
Nicht weit vom Tulpenmuseum entfernt entdeckte die Nachwuchs-Sofagärtnerin an der Lilienstrasse die für mich interessanteste Buchhandlung, die ich in Amsterdam betreten habe. "Architetura + Natura" ist ein Bücherparadies für lesende Gärtner und gärtnernde Leser. Hereingelockt wurde ich nicht durch das ausgestellte Buch aus dem Vertrieb des Verlages, für welchen ich früher tätig war, sondern durch die ausliegenden grossformatigen Gartenbücher. Drinnen habe ich fast unzählige bekannte Buchrücken aus den heimischen Regalen und viele Möchtegern-Objekte von meinem Wunschzettel angetroffen. Dicht an dicht stehend sie dort bis zur Decke hoch – Gartenbücher in englischer und holländischer Sprache.
Mit Ausnahme eines interessanten öffentlichen Gartens in Haarlem und dem vielen häufig bunt bepflanzten Abstandsgrün waren Gärten & Co. kein Thema unserer Urlaubsreise. Nichtsdestotrotz fand ich Gelegenheit, meine Sammlung an fremdsprachigen Ausgaben des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett um eine schöne holländische Edition zu erweitern und auf dem Albert-Kuyp-Markt hat mich eine DVD über das Eden Project für Euro 3 angelacht. Nun bin ich ich gespannt, ob der Film so interessant ist wie das Buch, das ich vor Jahren einmal über dieses Thema gelesen habe. Ebenfalls eine Entdeckung meiner Tochter war ein Roman über eine englische Botanikerin im viktorianischen Zeitalter.
Mehr über das grüne Amsterdam demnächst an dieser Stelle, wenn ich über das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ berichte, das ich als Reisevorbereitung gelesen habe.
Gerne erinnere ich mich dagegen an den Besuch im kleinen aber feinen Tulpenmuseum an der Prinzengracht in Amsterdam. Dieses bietet auf beschränktem Platz einen erstaunlich umfangreichen Einblick in die Geschichte und Züchtung der Tulpe. Im Museumsshop gibt es (fast) alles zu kaufen, was irgendwie mit der Tulpe in Verbindung gebracht werden kann – neben Tulpenzwiebeln und Tulpengeschirr auch Tulpenservietten, Tulpenseifen, Tulpenbücher, Tulpenfilme usw.
Nicht weit vom Tulpenmuseum entfernt entdeckte die Nachwuchs-Sofagärtnerin an der Lilienstrasse die für mich interessanteste Buchhandlung, die ich in Amsterdam betreten habe. "Architetura + Natura" ist ein Bücherparadies für lesende Gärtner und gärtnernde Leser. Hereingelockt wurde ich nicht durch das ausgestellte Buch aus dem Vertrieb des Verlages, für welchen ich früher tätig war, sondern durch die ausliegenden grossformatigen Gartenbücher. Drinnen habe ich fast unzählige bekannte Buchrücken aus den heimischen Regalen und viele Möchtegern-Objekte von meinem Wunschzettel angetroffen. Dicht an dicht stehend sie dort bis zur Decke hoch – Gartenbücher in englischer und holländischer Sprache.
Mit Ausnahme eines interessanten öffentlichen Gartens in Haarlem und dem vielen häufig bunt bepflanzten Abstandsgrün waren Gärten & Co. kein Thema unserer Urlaubsreise. Nichtsdestotrotz fand ich Gelegenheit, meine Sammlung an fremdsprachigen Ausgaben des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett um eine schöne holländische Edition zu erweitern und auf dem Albert-Kuyp-Markt hat mich eine DVD über das Eden Project für Euro 3 angelacht. Nun bin ich ich gespannt, ob der Film so interessant ist wie das Buch, das ich vor Jahren einmal über dieses Thema gelesen habe. Ebenfalls eine Entdeckung meiner Tochter war ein Roman über eine englische Botanikerin im viktorianischen Zeitalter.
Mehr über das grüne Amsterdam demnächst an dieser Stelle, wenn ich über das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ berichte, das ich als Reisevorbereitung gelesen habe.
26. Juli 2011
Lesepause...? Schreibpause...? Blogpause...!
Wie üblich mache ich Ende Juli/Anfang August (Vor-)Blogpause. Ungefähr Mitte August erscheint die nächste Buchvorstellung. Näheres zu den nächsten Rezensionen findet ihr unter der Blog-Rubrik „Zuletzt gelesen, angehört und angesehen“. Und falls ihr für die Urlaubslektüre noch den einen oder anderen hortikulturellen Lesetipp braucht, wisst ihr ja, wo es eine grosse Auswahl an Empfehlungen gibt.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und natürlich viel Zeit und Musse zum Lesen und die dazu passenden interessanten und spannenden Bücher!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sommer und natürlich viel Zeit und Musse zum Lesen und die dazu passenden interessanten und spannenden Bücher!
22. Juli 2011
Dorothy St. James: Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Cassandra Calhoun, genannt Casey, hat einen wichtigen Auftritt vor sich: die junge ambitionierte Gärtnerin soll ihr neues Kultivierungsprogramm für die Anlagen rund ums Weisse Haus vor einem Ausschuss und vor der Präsidentengattin Mrs Bradley präsentieren. Das Konzept basiert auf biologischen Grundsätzen. Caseys hortikulturelles Interesse haben ihre Grossmutter und Tanten, die sie in Charleston grossgezogen haben, geweckt. Ausserdem betrachtet sie sich – qualifiziert durch die Lektüre von unzähligen Krimis – als junge Ausgabe von Miss Marple. Bevor die Gärtnerin ihre Pläne vorstellen kann, wird sie im Garten von einem Unbekannten attackiert, der unbehelligt fliehen kann. Als Casey gleichentags auf dem Gelände ihres Arbeitsplatzes eine tote junge Frau entdeckt, findet sich die junge Gärtnerin unvermittelt selber in einem Kriminalfall wieder.
Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.
„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.
Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.
Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011
Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.
„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.
Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.
Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011
19. Juli 2011
Unser Garten Eden (DVD)
„Unser Garten Eden“ lautet der Titel der von Mano Khalil verfilmten Schrebergartengeschichten (CH-Dialekt mit Untertiteln) aus Bümpliz im Kanton Bern. Ob in diesen kleinen abgegrenzten vermeintlichen Paradiesen alles im grünen Bereich ist? Lassen sich Probleme am Arbeitsplatz oder in der Beziehung beim Eingang zu den Pünten abstreifen? Nicht völlig. Auf relativ engem Raum treffen in Kleingartenanlagen unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander, womit genügend Zündstoff für Reibereien und grössere Streitigkeiten gegeben ist. Der Film handelt denn auch weniger von den Tätigkeiten rund ums Gärtnern sondern von den Menschen aus rund 20 Nationen, welche den Boden der 148 Parzellen bearbeiten.
Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.
Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.
Unbedingt sehenswert!
Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010
Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.
Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.
Unbedingt sehenswert!
Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010
16. Juli 2011
Liv Winterberg: Vom anderen Ende der Welt
Wer sich schon eingehend mit einschlägiger Literatur über Pflanzenjäger beschäftigt hat, ist mit einiger Sicherheit auch schon auf den Namen der französischen Botanikerin Jeanne Baret gestossen, die 1768 an Bord eines von Kapitän Bougainville (Bougainvillea/Drillingsblume) befehligten Schiffes als Mann verkleidet Richtung Südpazifik in See stach. Nur in dieser Verkleidung konnte sie als Frau wissenschaftlich tätig sein. Eben diese Täuschung bildet den Rahmen für den Roman „Vom anderen Ende der Welt“ von Liv Winterberg.
Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.
Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?
Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.
Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011
Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.
Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?
Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.
Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011
13. Juli 2011
Elisabeth Tova Bailey: The Sound of a Wild Snail Eating
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010
10. Juli 2011
Auerbach & Keller: Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergartenkrimi
Beim Googeln mit den Stichwörtern „Schrebergarten“ und „Krimi“ bin ich auf das Buch „Unter allen Beeten ist Ruh“ des Autorenduos Auerbach & Keller gestossen. Das hätte ich auch einfacher haben können – mittlerweile habe ich es nämlich in verschiedenen Buchhandlungen ebenfalls entdeckt.
Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.
So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.
Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.
Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…
Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?
Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011
Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.
So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.
Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.
Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…
Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?
Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011
7. Juli 2011
Nadine Olonetzky: Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Gelegentlich findet ein Buch nachdem es jahrelang auf der Wunschliste gestanden hat, plötzlich doch noch den Weg in den Sofagarten. Zuletzt geschehen mit der literarischen Reise durch die Gartengeschichte von Nadine Olonetzky – einer überaus intelligent geschriebenen Lektüre in einem schön gestalteten Stoffumschlag.
Die auf Hortikultur fokussierte Reise durch sechs Jahrtausende startet um 4000 v. Chr. in den Steppen und Wüsten Mesopotamiens, der Wiege der Gartenkultur und endet mit einem Absatz über die Verleihung des Schulthess-Gartenpreises 2006 an die Ermitage in Arlesheim, dem bedeutendsten englischen Landschaftspark in der Schweiz.
Bis zum ersten Kapitel in der Zeitreise, das mit einem Datum „n. Chr.“ datiert ist, hat die Leserin über verschiedene Etappenziele die Gartenkultur am Nil kennengelernt, vom wahrscheinlich ersten gestalteten Landschaftspark in Chorsabad im heutigen Nordirak und den hängenden Gärten von Babylon gelesen und erfahren, dass Theophrast die Basis zur heutigen botanischen Lehre gelegt hat.
Haben Sie gewusst, dass der Brauch am Valentinstag Blumen zu verschenken auf einen Bischof Valentin zurückgeht, der am 14.2.269 hingerichtet worden ist? Der später heiliggesprochene Märtyrer soll frisch vermählten Paaren jeweils Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Nächste Reisestation ist ein Beitrag über die heilige Dorothea von Cäsarea, der Schutzpatronin der Gärtner. Neben Texten zu diesen christlichen Märtyrern gibt es auch Beiträge über islamische Gärten, Volksparks und Landschaftsgärten, aber auch Klostergärten und ein Monstergarten werden thematisiert.
William Curtis‘ „Botanical Magazine“, das erste Alpinum in England und die Gründung der Royal Horticultural Society (damals noch London Horticultural Society) markieren die Schwelle zum 19. Jahrhundert. Gartenzwerge, Schrebergärten, Rasenmäher, Gartengeräte und –möbel, Gartenschauen und Beton sind wichtige Stichworte in der rasanten Weiterentwicklung der Industrialisierung, die auch vor Gartenmauern und Hecken nicht Halt machte. Im 20. Jahrhundert geht es weiter mit Aspekten wie "Gartenräume nach Farben und nach Themen", Ökologie und Instant-Gärten.
Nicht nur die Buchhülle ist eine Augenweide. Prächtige Illustrationen und Fotos komplettieren die gelungene Publikation. Falls Sie Gelegenheit haben, noch ein Exemplar zu ergattern oder irgendwo reinzuschauen, sollten Sie sich diese nicht entgehen lassen! Dank dem ausführlichen Index eignet sich das Buch auch als Nachschlagewerk.
Nadine Olonetzky:
Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Birkhäuser Verlag, 2007
Die auf Hortikultur fokussierte Reise durch sechs Jahrtausende startet um 4000 v. Chr. in den Steppen und Wüsten Mesopotamiens, der Wiege der Gartenkultur und endet mit einem Absatz über die Verleihung des Schulthess-Gartenpreises 2006 an die Ermitage in Arlesheim, dem bedeutendsten englischen Landschaftspark in der Schweiz.
Bis zum ersten Kapitel in der Zeitreise, das mit einem Datum „n. Chr.“ datiert ist, hat die Leserin über verschiedene Etappenziele die Gartenkultur am Nil kennengelernt, vom wahrscheinlich ersten gestalteten Landschaftspark in Chorsabad im heutigen Nordirak und den hängenden Gärten von Babylon gelesen und erfahren, dass Theophrast die Basis zur heutigen botanischen Lehre gelegt hat.
Haben Sie gewusst, dass der Brauch am Valentinstag Blumen zu verschenken auf einen Bischof Valentin zurückgeht, der am 14.2.269 hingerichtet worden ist? Der später heiliggesprochene Märtyrer soll frisch vermählten Paaren jeweils Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Nächste Reisestation ist ein Beitrag über die heilige Dorothea von Cäsarea, der Schutzpatronin der Gärtner. Neben Texten zu diesen christlichen Märtyrern gibt es auch Beiträge über islamische Gärten, Volksparks und Landschaftsgärten, aber auch Klostergärten und ein Monstergarten werden thematisiert.
William Curtis‘ „Botanical Magazine“, das erste Alpinum in England und die Gründung der Royal Horticultural Society (damals noch London Horticultural Society) markieren die Schwelle zum 19. Jahrhundert. Gartenzwerge, Schrebergärten, Rasenmäher, Gartengeräte und –möbel, Gartenschauen und Beton sind wichtige Stichworte in der rasanten Weiterentwicklung der Industrialisierung, die auch vor Gartenmauern und Hecken nicht Halt machte. Im 20. Jahrhundert geht es weiter mit Aspekten wie "Gartenräume nach Farben und nach Themen", Ökologie und Instant-Gärten.
Nicht nur die Buchhülle ist eine Augenweide. Prächtige Illustrationen und Fotos komplettieren die gelungene Publikation. Falls Sie Gelegenheit haben, noch ein Exemplar zu ergattern oder irgendwo reinzuschauen, sollten Sie sich diese nicht entgehen lassen! Dank dem ausführlichen Index eignet sich das Buch auch als Nachschlagewerk.
Nadine Olonetzky:
Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Birkhäuser Verlag, 2007
4. Juli 2011
Nancy Atherton: Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Wie der englische Originaltitel „Aunt Dimity and the Duke“ lässt auch die deutsche Ausgabe keinen Roman mit hortikulturellem Hintergrund vermuten. Die Informatikerin Emma Porter kommt denn auch auf ziemlich spezielle Weise und völlig unbeabsichtigt zu einem Job als Gärtnerin – aber schön der Reihe nach.
Nach einer unkonventionellen rund fünfzehn Jahre dauernden Beziehung ist die knapp vierzigjährige Emma seit kurzem wieder Single. Die mollige Hobbygärtnerin wurde von ihrem Ex-Partner wegen einer schlanken 22jährigen Blondine verlassen. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld nimmt Emma die Trennung ziemlich gelassen auf. Der Idealistin waren Karriere und Unabhängigkeit schliesslich immer wichtiger als ihr Privatleben. Und da sie keinesfalls beabsichtigt, sich tief verletzt in Boston zu verkriechen, tritt sie die eigentlich für zwei Personen geplante mehrwöchige Gartentour nach Cornwall alleine an. Zu den im voraus festgelegten Reisezielen gehören unter anderen Glendurgan, Cotehele und Killerton Park. Emma freut sich auf Teekuchen mit Erdbeerkonfitüre und Sahne sowie ganz besonders auf Azaleen in voller Blüte.
Bereits die erste Station ihrer Reiseroute hält eine Überraschung für die Amerikanerin bereit. Im Zentrum des Irrgartens von Bransley Manor trifft sie auf zwei alte Engländerinnen, die Schwestern Ruth und Louise Pym. Die beiden führen mit Emma eine Art Bewerbungsgespräch und schicken sie mit einer Empfehlung nach Penford Hall, um dort einen jungen Freund zu besuchen. Als Emma dort eintrifft, wird sie denn auch schon erwartet. Doch während Emma von einem Kurzbesuch ausgeht, wird sie auf Penford Hall mit offenen Armen als künftige Gärtnerin begrüsst. Spontan beschliesst die Amerikanerin, das verlockende Angebot anzunehmen - nicht im Geringsten ahnend und darauf vorbereitet, welche Geheimnisse in dem alten Schloss verborgen sind.
Nancy Atherton:
Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Blanvalet, 2008
Nach einer unkonventionellen rund fünfzehn Jahre dauernden Beziehung ist die knapp vierzigjährige Emma seit kurzem wieder Single. Die mollige Hobbygärtnerin wurde von ihrem Ex-Partner wegen einer schlanken 22jährigen Blondine verlassen. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld nimmt Emma die Trennung ziemlich gelassen auf. Der Idealistin waren Karriere und Unabhängigkeit schliesslich immer wichtiger als ihr Privatleben. Und da sie keinesfalls beabsichtigt, sich tief verletzt in Boston zu verkriechen, tritt sie die eigentlich für zwei Personen geplante mehrwöchige Gartentour nach Cornwall alleine an. Zu den im voraus festgelegten Reisezielen gehören unter anderen Glendurgan, Cotehele und Killerton Park. Emma freut sich auf Teekuchen mit Erdbeerkonfitüre und Sahne sowie ganz besonders auf Azaleen in voller Blüte.
Bereits die erste Station ihrer Reiseroute hält eine Überraschung für die Amerikanerin bereit. Im Zentrum des Irrgartens von Bransley Manor trifft sie auf zwei alte Engländerinnen, die Schwestern Ruth und Louise Pym. Die beiden führen mit Emma eine Art Bewerbungsgespräch und schicken sie mit einer Empfehlung nach Penford Hall, um dort einen jungen Freund zu besuchen. Als Emma dort eintrifft, wird sie denn auch schon erwartet. Doch während Emma von einem Kurzbesuch ausgeht, wird sie auf Penford Hall mit offenen Armen als künftige Gärtnerin begrüsst. Spontan beschliesst die Amerikanerin, das verlockende Angebot anzunehmen - nicht im Geringsten ahnend und darauf vorbereitet, welche Geheimnisse in dem alten Schloss verborgen sind.
Nancy Atherton:
Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Blanvalet, 2008
1. Juli 2011
Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk (Topiaria Helvetica 2010)
Das Jahrbuch 2010 der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) ist in die Schwerpunkte „Gärtnerische Kulturtechniken“, „SGGK-Vitrine“ und „Bücher“ gegliedert. Nach einer Einführung zum Thema folgen die nachstehend aufgeführten Artikel:
In der Rubrik SGGK-Vitrine werden zwei attraktive Gärten und ihre Besitzer vorgestellt. Ein Garten liegt an der wild rauschenden Plessur in Chur, der andere am Limmatufer in Zürich-Höngg. Das Haus Salis im Bündnerland wurde um 1820 errichtet und die drei dazugehörenden Gärten weisen barocke Züge auf. Ein bis ins letzte Detail durchdachtes Bewässerungssystem lässt Pflanzen im regenarmen Chur trotz sandigem Boden wachsen und gedeihen. Die Eigentümer leben für ihren Garten, obwohl dieser natürlich auch eine schwere Bürde ist und die Gartenlust zuweilen durch das historische Erbe bedingt strapaziert wird, wenn etwa strenge denkmalpflegerische Auflagen der freien Gestaltung Grenzen setzen. Der Autor dieses Artikels (Johannes Stoffler) ist jedenfalls sehr beeindruckt und fragt den Eigentümer und Gärtner, ob man von ihm (dem Gärtner) wohl ein paar Ableger machen könnte... Der Garten in der Stadt Zürich wiederum, angelegt um drei Mehrfamilienhäuser herum, ist ein eindrückliches Beispiel für gelungen bepflanztes Abstandsgrün.
Wer sich nach der Lektüre der Artikel vertiefter mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen will, findet am Ende der Beiträge jeweils umfangreiche Angaben zu Quellenhinweisen und weiterführender Literatur. Die auch für interessierte Nichtfachleute beachtenswerte Publikation wird abgerundet durch verschiedene Buchrezensionen. Vorgestellt werden beispielsweise die Bücher „Lebendiges Gartenerbe - Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks von Johannes Stoffler und „Unterwegs in Zürich und Winterthur - Landschaftsarchitektur und Stadträume 2000-2009" von Roderick Hönig und Claudia Moll.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2010 – Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk
Vdf Hochschulverlag, 2010
- Kulturgut Kulturpflanze von Sandra Hilgert
- Topiaria - Architektur und Skulptur aus Pflanzen in italienischen Gärten zwischen Trecento und Settecento von Margherita Azzi-Visentini
- Wegbautechnik und Bauforschung in historischen Gartenanlagen anhand ausgewählter Beispiele von Anita Drexel
- Im Verborgenen - Technik in der Wasserkunst von Dunja Richter
- Zur Geschichte der Hippe von Clemens Alexander Wimmer
- Stütze für rankende Pflanzen von Eeva Ruoff
- Guerilla-Gärtnerei - Zwischen Protestkunst und Stadtlandschaft von Annemarie Bucher
In der Rubrik SGGK-Vitrine werden zwei attraktive Gärten und ihre Besitzer vorgestellt. Ein Garten liegt an der wild rauschenden Plessur in Chur, der andere am Limmatufer in Zürich-Höngg. Das Haus Salis im Bündnerland wurde um 1820 errichtet und die drei dazugehörenden Gärten weisen barocke Züge auf. Ein bis ins letzte Detail durchdachtes Bewässerungssystem lässt Pflanzen im regenarmen Chur trotz sandigem Boden wachsen und gedeihen. Die Eigentümer leben für ihren Garten, obwohl dieser natürlich auch eine schwere Bürde ist und die Gartenlust zuweilen durch das historische Erbe bedingt strapaziert wird, wenn etwa strenge denkmalpflegerische Auflagen der freien Gestaltung Grenzen setzen. Der Autor dieses Artikels (Johannes Stoffler) ist jedenfalls sehr beeindruckt und fragt den Eigentümer und Gärtner, ob man von ihm (dem Gärtner) wohl ein paar Ableger machen könnte... Der Garten in der Stadt Zürich wiederum, angelegt um drei Mehrfamilienhäuser herum, ist ein eindrückliches Beispiel für gelungen bepflanztes Abstandsgrün.
Wer sich nach der Lektüre der Artikel vertiefter mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen will, findet am Ende der Beiträge jeweils umfangreiche Angaben zu Quellenhinweisen und weiterführender Literatur. Die auch für interessierte Nichtfachleute beachtenswerte Publikation wird abgerundet durch verschiedene Buchrezensionen. Vorgestellt werden beispielsweise die Bücher „Lebendiges Gartenerbe - Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks von Johannes Stoffler und „Unterwegs in Zürich und Winterthur - Landschaftsarchitektur und Stadträume 2000-2009" von Roderick Hönig und Claudia Moll.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2010 – Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk
Vdf Hochschulverlag, 2010
29. Juni 2011
Sag’s durch die Blume
Ein Auftrag führt die 24jährige Fotografin Mary in die Gärtnerei Palmer. Der Chefgärtner Rob zieht die junge Frau sofort wie magisch an. Während die schüchterne und zurückhaltende Mary bis anhin wenig Erfahrung mit dem anderen Geschlecht hat, lässt Rob nichts anbrennen.
Die beiden sind sich sehr sympathisch und kommen sich rasch näher. Gelingt es Mary, ihre Unschuld für den richtigen Mann zu bewahren und schafft es Rob gleichzeitig, einer Frau treu zu sein?
Die Lektüre ist gelegentlich recht derb und meist eher umgangssprachlich abgefasst. Erotik spielt zweifelsfrei eine grössere Rolle als das Gärtnerische oder Blumen, wie der Titel vielleicht mutmassen lässt.
Melissa Karn:
Sag’s durch die Blume
Novum Publishing, 2010
Die beiden sind sich sehr sympathisch und kommen sich rasch näher. Gelingt es Mary, ihre Unschuld für den richtigen Mann zu bewahren und schafft es Rob gleichzeitig, einer Frau treu zu sein?
Die Lektüre ist gelegentlich recht derb und meist eher umgangssprachlich abgefasst. Erotik spielt zweifelsfrei eine grössere Rolle als das Gärtnerische oder Blumen, wie der Titel vielleicht mutmassen lässt.
Melissa Karn:
Sag’s durch die Blume
Novum Publishing, 2010
26. Juni 2011
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Verschiedene Gartenjournalisten, die Herausgeberin von “Garden Soirée”, ein Gärtnereibesitzer und ein Botaniker werden von der Allencamp Seed Company zu einem Seminar nach Raleigh eingeladen. Die „Schreiberlinge“ haben jeweils verschiedene Interessen und Spezialgebiete – die einen berichten ausschliesslich über Topfpflanzen, „Hanging Baskets“ oder über exotische Gewächse während Cassandra Nottingham sich auf Artikel zum Thema amerikanische Cottage Gärten fokussiert.
Die eingeladenen Kolumnisten und anderen Gäste werden wie VIPs behandelt und sollen Teil einer ausgeklügelten Marketingkampagne werden. Doch die Veranstaltung scheint unter keinem guten Stern stattzufinden. Der Besitzer der Allencamp Seed Company muss in besorgniserregendem Zustand ins Spital gebracht werden. Die Grippesymptome entpuppen sich als Vergiftungserscheinungen. Und Tags darauf wird eine Seminarteilnehmerin, die unscheinbare Millicent Stevens, ermordet in ihrem Zimmer aufgefunden.
Detective Inspector Fairweather vermutet den Täter in den Reihen der Teilnehmer der Veranstaltung und schränkt deren Bewegungsraum drastisch ein. Zur Untätigkeit verdammt, beginnt Cassandra Nottingham eigene Nachforschungen anzustellen und gerät unvermittelt selber in grösste Gefahr, als sie die richtigen Schlüsse aus ihren Entdeckungen zieht.
Maggie McLaughlin:
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Eigenverlag, 2010
Die eingeladenen Kolumnisten und anderen Gäste werden wie VIPs behandelt und sollen Teil einer ausgeklügelten Marketingkampagne werden. Doch die Veranstaltung scheint unter keinem guten Stern stattzufinden. Der Besitzer der Allencamp Seed Company muss in besorgniserregendem Zustand ins Spital gebracht werden. Die Grippesymptome entpuppen sich als Vergiftungserscheinungen. Und Tags darauf wird eine Seminarteilnehmerin, die unscheinbare Millicent Stevens, ermordet in ihrem Zimmer aufgefunden.
Detective Inspector Fairweather vermutet den Täter in den Reihen der Teilnehmer der Veranstaltung und schränkt deren Bewegungsraum drastisch ein. Zur Untätigkeit verdammt, beginnt Cassandra Nottingham eigene Nachforschungen anzustellen und gerät unvermittelt selber in grösste Gefahr, als sie die richtigen Schlüsse aus ihren Entdeckungen zieht.
Maggie McLaughlin:
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Eigenverlag, 2010
23. Juni 2011
Bertina Henrichs: Ein Garten am Meer
Die Bewohner von Plouerbec, einem eher verschlafenen Dorf in der Bretagne an der atlantischen Küste Frankreichs gelegen, werden durch eine für etliche von ihnen unerfreuliche Mitteilung aufgeschreckt. Direkt an ihre Grundstücke auf dem Hügel über dem Atlantik grenzend soll ein Freizeitpark entstehen. Auf mysteriöse Weise ist die Baubewilligung bereits erteilt worden, ohne dass die direkt Betroffenen von einem Baugesuch erfahren, geschweige denn Gelegenheit gehabt haben, die Pläne einzusehen und allenfalls Rekurs einzulegen. Die Investoren und der Bürgermeister preisen und loben das Vorhaben an einer eigens einberufenen Veranstaltung und heben die positiven Seiten für die Gemeinde hervor: neue Arbeitsplätze, mehr Touristen und mehr Übernachtungen.
Die betroffenen Anwohner sind da natürlich anderer Meinung und wollen sich dieses in ihren Augen unlautere Vorgehen nicht bieten lassen: sie gründen einen Verein, um die verschiedenen geplanten Protestaktionen zu koordinieren. Ihren Widerstand zeigen sie auf mannigfaltige Art und Weise. Es werden Unterschriften gesammelt, ein Sitzstreik organisiert, rote Pullover gestrickt, eine Demonstration durchgeführt, die Baumaschinen sabotiert und anderes mehr. Die Gegenpartei ihrerseits bleibt auch nicht untätig und erhöht ihre Entschädigungsangebote für jene, die in den Verkauf ihrer Immobilien samt Umland einwilligen. Es kapitulieren denn auch immer mehr Anwohner und nehmen das grosszügige Angebot an, während Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck unbeirrt weiterkämpfen. Die beiden nicht mehr ganz jungen Widerstandskämpfer kommen sich im Lauf des Sommers trotz gegensätzlicher Ansichten näher.
Zwischen den verschiedenen legalen und illegalen Aktionen, welche der Verein durchführt, wird – eher am Rande – über die gärtnerischen Bemühungen von Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck berichtet. Da ist mal die Rede davon, dass eine Magnolie gut angegangen ist, der blaue Phlox wuchert und der erste Salat bald erntereif ist. Diese Beschreibungen aus den Gärten ändern sich parallel mit der Entwicklung der Bauarbeiten und den Jahreszeiten: Die ersten Rosen blühen auf, später wird in einer stürmischen Nacht Marthes Lieblingsrose „Black Baccara“ zerstört und sie sammelt täglich Baumnüsse auf der Wiese auf. Wer aufgrund des Buchtitels einen wichtigen gärtnerischen Hintergrund erwartet hat, wird enttäuscht, da dieser als unbedeutend bezeichnet werden muss.
Bertina Henrichs:
Ein Garten am Meer
Hoffmann und Campe Verlag, 2011
Die betroffenen Anwohner sind da natürlich anderer Meinung und wollen sich dieses in ihren Augen unlautere Vorgehen nicht bieten lassen: sie gründen einen Verein, um die verschiedenen geplanten Protestaktionen zu koordinieren. Ihren Widerstand zeigen sie auf mannigfaltige Art und Weise. Es werden Unterschriften gesammelt, ein Sitzstreik organisiert, rote Pullover gestrickt, eine Demonstration durchgeführt, die Baumaschinen sabotiert und anderes mehr. Die Gegenpartei ihrerseits bleibt auch nicht untätig und erhöht ihre Entschädigungsangebote für jene, die in den Verkauf ihrer Immobilien samt Umland einwilligen. Es kapitulieren denn auch immer mehr Anwohner und nehmen das grosszügige Angebot an, während Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck unbeirrt weiterkämpfen. Die beiden nicht mehr ganz jungen Widerstandskämpfer kommen sich im Lauf des Sommers trotz gegensätzlicher Ansichten näher.
Zwischen den verschiedenen legalen und illegalen Aktionen, welche der Verein durchführt, wird – eher am Rande – über die gärtnerischen Bemühungen von Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck berichtet. Da ist mal die Rede davon, dass eine Magnolie gut angegangen ist, der blaue Phlox wuchert und der erste Salat bald erntereif ist. Diese Beschreibungen aus den Gärten ändern sich parallel mit der Entwicklung der Bauarbeiten und den Jahreszeiten: Die ersten Rosen blühen auf, später wird in einer stürmischen Nacht Marthes Lieblingsrose „Black Baccara“ zerstört und sie sammelt täglich Baumnüsse auf der Wiese auf. Wer aufgrund des Buchtitels einen wichtigen gärtnerischen Hintergrund erwartet hat, wird enttäuscht, da dieser als unbedeutend bezeichnet werden muss.
Bertina Henrichs:
Ein Garten am Meer
Hoffmann und Campe Verlag, 2011
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