1. Februar 2017

E-Books und Heavenly Highland Inn Cozy Mysteries von Cindy Bell

Schon lange habe ich mit dem Erwerb eines E-Books geliebäugelt, aber in dieser Hinsicht bin ich traditionell orientiert oder eben altmodisch und bevorzuge Lektüre in Papierform. Während meiner kürzlich abgeschlossenen beruflichen Weiterbildung hat sich dann aber ein handfester Grund für den Erwerb aufgetan und nun bin ich Besitzerin eines solchen Teils. Ich konnte nämlich unmöglich (gut, eine jüngere Schulkollegin hat das Unmögliche fertig gebracht…) mit dem Zug sämtliche Schulunterlagen an den Prüfungsort transportieren, um sie während der Prüfungstage für den Fall der Fälle in Griffnähe zu haben. Da ich aber trotzdem auf die Unterlagen zurückgreifen können wollte, habe ich mir also einen Kindle angeschafft. Denn nachdem ich erfahren hatte, dass ich auf diesem Gerät die Schul-Dokumente in pdf-Form ablegen und der Kindle auch direkt in der Schweiz gekauft werden kann (ohne Importzoll, EUST und anderweitige Gebühren) stand dem Erwerb nichts mehr im Weg. 

Für die Schule und das Lernen war das Gerät sehr nützlich, jedoch immer stark abhängig von der Qualität der pdf-Vorlagen. Im Nachhinein würde ich die Grafik über „Backwardation“ und „Contango“ nicht einfach überblättern, sondern genau(er) betrachten, aber schlussendlich hat das für den erfolgreichen Schulabschluss keine Rolle gespielt. Fachchinesisch – egal, ging mir während der Prüfung auch so. Ein (Garten-)Buch habe ich nach wie vor noch kein einziges auf dem Gerät gelesen. Immerhin habe ich aber in schlaflosen Hotel-Nächten während der Prüfungen in Leseproben von hortikulturellen Gartenromanen und Gartenkrimis wie „Ein Bett in Cornwall“ von Alexandra Zöbeli und „Alraunen am Galgenbuckel - Ein Stuttgarter Kräuterkrimi“ von Barbara Pfeifer geschmökert. 

Meine E-Book-Wunschliste ist inzwischen recht lange. Als nächstes muss ich mich mal der Ordnung auf meinem Kindle widmen, denn der unübersichtliche Mischmasch von Schulunterlagen und vergnüglicherer Lektüre bzw. Leseproben davon ist recht nervig. Mein erster E-Book-Kauf wird wohl die "Heavenly Highland Inn Cozy-Misteries-Serie" von Cindy Bell sein, die inzwischen neun Titel umfasst. Die Bücher gibt es zwar auch in Taschenbuch-Form, aber die dünken mich angesichts der geringen Seitenzahl sehr teuer. Die Cover sind für den mitteleuropäischen Geschmack eher (zu) farbenprächtig, aber das sagt ja nichts über den Inhalt aus. Obwohl ich zu letzterem (noch) nichts beisteuern kann, nachstehend die ersten drei von inzwischen neun Büchern sowie ein Ausschnitt aus der Buchwerbung (Zitat Anfang):  

Everything is finally starting to come together for Vicky. She is moving on from the tragic death of her parents four years ago. There is hope of a romantic relationship with handsome Deputy Sheriff Mitchell Slate and she is enjoying running the grand, old inn with her sister and her Aunt Ida. 

But then, Vicky finds the murdered body of the inn’s gardener. The inn has a wedding booked for the weekend so her wacky Aunt Ida ropes her into investigating the murder. It is a race against the clock to solve the murder so the wedding can go ahead as planned. This puts Vicky and Aunt Ida right in the line of danger.

Will Vicky and Aunt Ida be able to stay safe and solve the murder in time? Will the relationship between Deputy Sheriff Mitchell and Vicky blossom or will the mean, by-the-book Sheriff McDonnell stand in their way? (Zitat Ende)

20. Januar 2017

Susanne Tietz: Seit wir uns trafen

Die knapp sechzehnjährige Siri besitzt zwar ein grosses Zeichentalent, hat aber seit Beginn ihrer Schulkarriere grosse Mühe mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Dazu kommt, dass sie den Hausaufgaben nur geringe Priorität einräumt und so hat sie sich jahrelang eher schlecht als recht durch die Schule gehangelt. Nun aber stellen ihre Eltern sie vor die Wahl zwischen einem Internat oder intensivem täglichen Nachhilfeunterricht. 

Vermeintliche Entspannung von dem Druck, der von allen Seiten auf sie einwirkt, sucht Siri einerseits im selbst verletzenden Ritzen, anderseits ist seit vielen Jahren eine verlassene Gärtnerei im sogenannten Alten Wald ihr geheimer Zufluchtsort. Hier, wo Baumriesen einen Rahmen bilden und Akeleien und Storchschnabelgewächse im Wind schaukeln, kann sie ihre Probleme für wenige Stunden verdrängen. Der Besitzer dieser alten Gärtnerei, der Gärtner Thomas, ist vor fast vier Jahren samt seinem Fahrrad genau an Siris zwölftem Geburtstag spurlos verschwunden. Der alte Mann und seine Katze Shasha waren ein wichtiger Fixpunkt im Leben des Mädchens, von dem weder seine ständig anderweitig beschäftigten Eltern noch sein älterer Bruder eine Ahnung hatten und haben. 

Das Mädchen kann immer noch nicht glauben, dass der Gärtner seinen Garten im Stich gelassen hat. Es konnte aber niemandem seine Sorgen anvertrauen und niemanden fragen. Und so hofft Siri noch heute bei jedem ihrer fast täglichen Besuche entgegen jeglicher Vernunft, dass Thomas wieder da ist und in einem der Gewächshäuser arbeitet oder am Umtopfen ist. So gut sie es vermag, kümmert sich Siri um die Gärtnerei und kämpft gegen die Wildnis, während sie dem Verfall der Gebäude wenig entgegensetzen kann. Hier kommt nie jemand vorbei, schon kleine Kinder werden ausdrücklich vor dem alten Wald gewarnt. 

Täglich macht Siri ihre Giessrunde und erledigt andere Gartenarbeiten wie Umtopfen von Schösslingen und Jäten. In ihrem versteckten Refugium hat sie ausserdem eine kleine Plantage aus Zitronen- und Orangenbäumen angelegt, die sie mehrheitlich selber aus Kernen gezogen und mit viel Mühe und etwas Glück über die beiden letzten Winter gebracht hat. Doch nun muss sie feststellen, dass jemand in ihr Idyll eingedrungen ist. Kleinigkeiten verraten, dass sie nicht mehr alleine ist und ein Unbekannter sich in der angrenzenden Wildnis versteckt. Wer treibt sich hier herum und warum? 

Siri beschliesst, eine Nacht in der Gärtnerei zu verbringen, um der Sache auf den Grund zu gehen und gleichzeitig über das Ultimatum ihrer Eltern nachzudenken. Wie sich herausstellt, ist sie als Detektiv nicht so erfolgreich wie als Gärtnerin. Sie schläft ein und wird ihrerseits von einer Gestalt mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze beobachtet. Sie zeichnet die Person aus der Erinnerung an die kurze Begegnung durchs Fenster, legt die Zeichnung hin und geht nach Hause. 

Eine Antwort findet sie bei ihrem nächsten Besuch in den Staub geritzt. Die Kapuzengestalt entpuppt sich als eine junge Frau, Shasha genannt, die wegen schwieriger Familienverhältnisse daheim abgehauen und untergetaucht ist. Damit tritt neben dem Nachhilfelehrer Johannes gleich noch eine weitere Person neu in Siris Leben. Die Sorgen werden damit vorerst nicht unbedingt kleiner. Und nun soll sich auch noch ein Wolf im alten Wald herumtreiben. 

Nichtsdestotrotz werden Shasha und Johannes sehr schnell sehr wichtig für Siri. Von Shasha, die bei einem Gärtner gearbeitet hat, wird sie beim Gärtnern unterstützt und dank der Hilfe beim Lernen und bei den Aufgaben durch Johannes, läuft es auch in der Schule etwas besser. In der kurzen Spanne, die dieses Jugendbuch umfasst, verändert sich das Leben verschiedener Beteiligter grundlegend und in Siris Familie, in der nie viel miteinander gesprochen worden ist, kommen plötzlich Familiengeheimnisse ans Tageslicht. 

Publikationen aus Eigenverlagen sind häufig ein zweifelhaftes Lesevergnügen. Dieses Jugendbuch ist eine grosse Ausnahme. Die Geschichte ist gut durchdacht, durchaus plausibel und das Tüpfchen auf dem „i“ ist natürlich der omnipräsente hortikulturelle Hintergrund samt Verbindung zu «Walden» von Henry David Thoreau. 



Susanne Tietz: 
Seit wir uns trafen 
Eigenverlag, 2016

10. Januar 2017

Paula Almqvist: Und wer giesst bei dir?

Die Kolumnensammlungen von Paula Almqvist zählen inzwischen zu meinen Gartenlektürefavoriten. Ihre Beobachtungen sind immer treffend formuliert und aus einem Guss - kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Ob die Artikel so leicht verfasst worden sind, wie sie sich lesen? So oder so - hoffentlich dauert es bis zum Erscheinen des nächsten Bandes nicht wieder vier Jahre. Die Wartezeit habe ich mir aber immerhin damit verkürzt (jedenfalls in eine Richtung), dass ich erst jetzt dazu gekommen bin, das Büchlein zu lesen. Aber nun zum Inhalt, der in folgende Kapitel gegliedert ist: 

- Hier wächst ein Trend 
- Wenn Gärtner Fehler machen 
- Quer durch die Beete 
- Die Gartenfrau auf Reisen 
- Was die Idylle trübt 
- Gärten für alle Lebenslagen 

Die schreibende Gärtnerin zieht Vergleiche zwischen Facebook und Gabionen und grübelt über die Imparität in der Höhe der Anzahl von virtuellen, also bloggenden Gärtnern und Gärtnerinnen, und solchen, die nur im echten Leben in der Erde wühlen, und die Leserin erfährt auch gleich, welche Bloggerin die Autorin nicht unbedingt persönlich kennen lernen will. 

Ausserdem verrät sie, welches Objekte ihrer Begierde sind (nicht Schuhe) und denkt nach über Sinn oder eben Unsinn von Aussen-Wohnungen mit Sitzlandschaft sowie Aussendusche und Heizstrahlern anstelle des früheren Obstbaums. Vorgärten wiederum lassen den, der ausserhalb des Zauns vorbeigeht und sich etwas Zeit und Musse nimmt, herrlich Mutmassungen über die Bewohner und (Nicht-)Gärtner anstellen. 

An anderer Stelle liest frau über Schwärmerei und nicht erwiderte Liebe – natürlich nicht zu einem falschen Mann (hier geht’s ja ums Grüne), sondern zu falschen Pflanzen. Nichtsdestotrotz geht es hier um gescheiterte Beziehungen. Solchen, die einen geläutert zurück lassen, und solche, bei denen frau einfach nicht wahr haben will, dass es nie was werden wird. Das Gegenteil sind dann die gerufenen Pflanzengeister, die sich wie Kletten aufführen. 

Dass Gärtnern nicht nur gesund ist, sondern sehr schnell zu irgendwelchen Verletzungen führen kann, weiss jeder, der beispielsweise schon Rosen beschnitten hat. Zum Thema Unfall im Garten weiss die Autorin von Yuccas zu berichten, die ins Auge und ins Ohr gehen und von einem durch Jäten provozierten dreifachen Rippenbruch. Und haben Sie gewusst, dass die Einwanderung der Herkulesstaude auf ein Zarengeschenk anlässlich des Wiener Kongresses im Jahr 1815 zurückzuführen ist? 

Weiter geht es um botanische Volltrottel, Instant Gardening, Geheimtipps zur Umsiedelung von Maulwürfen, die schmale grüne Grenze zwischen Reha und Euthanasie, die Definition des grünen Daumens und um angeblich unverzichtbare Gartenwunderwaffen. Kennen oder verwenden Sie gar noch die einst vielgepriesene Gartenkralle? 

Einen literarischen Einblick in den Vorgarten der Autorin gibt es nicht, dafür verrät sie ihren Traum von dressierten Tieren, die Quecken, Disteln und Co. fressen. Gärtnern verbindet, doch kann die praktisch umgesetzte Antwort auf die Frage „Und wer giesst bei dir“ zu zwischenmenschlichen Konflikten führen. Dann etwa, wenn die blumengiessende Freundin die vordergründig kahlen Blumenkästen mit (ungeliebter) Heide aufpeppt (relativ schlimm) und gleichzeitig die ganze Erde auswechselt (Heide verlangt schliesslich nach saurer Erde) und dabei gleichzeitig Hunderte von Schneeglöckchenzwiebeln entsorgt (Supergau). 



Paula Almqvist: 
Und wer giesst bei dir? 
Schöffling und Co., 2016

10. November 2016

Wie weiter im Sofagarten?

Seit fast einem Jahr sind hier im Sofagarten ausschliesslich vorgebloggte Artikel über längst gelesene Gartenromane und Gartenkrimis, deren Vorstellung ich aus verschiedenen Gründen immer wieder vertagt habe und an deren Inhalt ich mich oft kaum noch erinnern kann, regelmässig alle zehn Tage veröffentlicht worden. Ende Oktober habe ich nun meine zweijährige berufliche Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen und gleichzeitig sind sämtliche vorgebloggten Artikel inzwischen online. 

In den ersten Novembertagen habe ich mit „Nora und die Novemberrosen“ von Tania Krätschmar den perfekten Wiedereinstieg ins Sofagärtnern genossen. Und zwar ganz ohne Dekorieren des Romans mit Post-it-Zetteln, was gleichbedeutend ist mit der Tatsache, dass es hier keine ausführliche Buchvorstellung geben wird. Nur so viel zum Inhalt: der Roman ist die annähernd vollkommene Lektüre für gärtnernde Leserinnen und lesende Gärtnerinnen. Selten lässt sich Buch finden, dessen hortikultureller Hintergrund dermassen ausgeprägt ist, und gleichzeitig einen anregenden Lesegenuss bietet, inklusive einem Hauch von „The Lost Gardens of Heligan“. Letzteres übrigens gleichzeitig eine weitere Erscheinung dieses Bücherherbstes über die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall, die nun endlich auch in einer deutschen Übersetzung erhältlich ist (Tim Smit, Lost Gardens of Heligan - Die Wiederentdeckung eines Gartenparadieses in Cornwall, Ulmer). 

"Das Licht des Sommers" von Elin Hildebrand hat mir trotz Parallelen zu meinem eigenen Leben deutlich weniger gut gefallen. Dabei heisst es auf der Rückseite des Buchumschlags vielversprechend: "Graces Stauden fingen an zu spriessen, ihre Zwiebelgewächse - Narzissen, Hyazinthen, Tulpen - blühten, und ihre japanischen Kirschen hatten Tausende von Knospen. Zwei Wochen noch, und die Bäume würden ..."(Zitat Ende). Ebenfalls abrupt beendet wurde meine Vorfreude auf den neuen Harry Potter. Zwar war mir durchaus bewusst, dass es sich um ein Theaterstück handelt, dass aber das Buch auch in dieser Form geschrieben ist, hatte ich mir leider beim Kauf nicht überlegt. Ich war also ziemlich enttäuscht, als ich nach der letzten Prüfung mit der Lektüre dieses ersten Nicht-Schul-Buchs seit gefühlt ewigen Zeiten anfing und habe es ungelesen aus meiner Sichtweite verbannt. Im Moment lese ich gerade "Auch mogen werden Rosen blühen" von Clara Sternberg. 

Nach mehr als dreissig Jahren intensivem Gartenbuchlesen weiss ich meistens spätestens nach dem Lesen der ersten paar Buchseiten, ob mir die Lektüre zusagen wird oder nicht. Es lässt sich nicht leugnen, dass sich mit den Jahren eine gewisse Ermüdung und Ernüchterung breit gemacht hat. Denn die Inhalte und Themen der einschlägigen Gartenbücher wiederholen sich doch immer wieder und wer mag schon immer wieder das Gleiche lesen? Auch während der letzten Monate habe ich trotz deutlichem Hinweis im Blog immer wieder Anfragen und Angebote für Buchvorstellungen erhalten und mir wurden auch direkt ungefragt Rezensionsexemplare von Büchern und Kalendern zugestellt. Während ich mir früher immer die Zeit genommen habe, solche Emails ausführlich und persönlich zu beantworten, habe ich inzwischen davon absehen müssen – mein Tag hat auch nicht mehr als vierundzwanzig Stunden, und wer im Blog herumstöbert, stellt ja recht schnell fest, welche Bücher hineinpassen (zumindest, wer etwas weiter als die letzten paar Monate zurückgeht) und welche nicht. 

In letzter Zeit erscheinen immer mehr – häufig doch recht oberflächliche Gartenbuchvorstellungen (sorry, aber meine persönliche Meinung) - im Netz, oft verbunden mit einer gleichzeitigen Buchverlosung, welche die Besucherfrequenz auf den entsprechenden Blogs erhöhen soll. Je mehr über ein (Garten-)Buch bereits im Internet geschrieben worden ist, desto weniger Lust habe ich, mir die notwendigen Gedanken über Formulierungen zu machen, bis eine Vorstellung meinen eigenen Ansprüchen genügt. Meine Zeit fürs Sofagärtnern investiere ich lieber in die Lektüre und Bekanntmachung von Titeln, die man nicht in jeder Buchhandlung unter den wenigen aufgelegten Gartenbüchern findet. Schliesslich ist ein Buch gewöhnlich nicht in einer Stunde genau durchgelesen, dazu kommt dann noch die Zeit für das in Worte Kleiden der Gedanken und Notieren der Beiträge. Ausserdem habe ich vor Jahresfrist mein Arbeitspensum deutlich erhöht. 

Ich werde die Bloggerei zwar (zumindest vorerst) nicht ganz aufgeben, aber aus den oben erwähnten Gründen doch deutlich reduzieren, sowohl umfangmässig als auch inhaltlich. Und ich werde voraussichtlich von meinem langjährigen Vorsatz abweichen, keine Buchcovers zu verlinken. Bis anhin habe ich im Blog konsequent auf Bilder verzichtet. In Zukunft werde ich also gelegentlich Bilder statt Worte sprechen lassen. Auf jeden Fall mache hier im Sofagarten aber bis mindestens Ende Jahr Pause und widme meine durch die weggefallene Lernzeit wiedergewonnene Freizeit einem anderen Projekt.

1. November 2016

Joan Hessayon: Season of Mists

Mit grossen Hoffnungen und Träumen ist die einundzwanzigjährige Edwina Fairfax nach Bishop Council gekommen und mit dem hehren Ziel, die Bäume von Essex für künftige Generationen zu erhalten. Gleichzeitig wollte sie möglichst viele Kilometer zwischen sich und ihre Familie legen und dieser zeigen, dass sie auch ohne deren Hilfe zurechtkommt. Verschiedene berufliche Fehlentscheide lassen sie jedoch schnell inkompetent erscheinen und sie muss erfahren, dass ihre auf ein Jahr befristete Stelle nicht wie erhofft in ein definitives Arbeitsverhältnis umgewandelt wird. Einzig die Stunden, in denen die Baumpflegespezialistin ihr Wissen an Schüler weitergeben darf, stossen auf Interesse und verschaffen ihr selber Befriedigung. Ob das daran liegt, dass sie aus einer Lehrerfamilie stammt?

Für Edwina kam ein Indoor-Beruf nie in Frage. Sie möchte unbedingt draussen und mit Bäumen arbeiten. Warum ordnet sie trotz ihrer guten Ausbildung immer wieder falsche Massnahmen an, lässt Bäume unnötigerweise fällen und definiert dafür gefährliche Exemplare als unbedenklich? Sie möchte jeden weiteren Fehler vermeiden und betritt unbefugt das vernachlässigte Arboretum des Landsitzes Gorham House, um sich in Ruhe auf ihre nächste Tätigkeit vorzubereiten. Dabei beobachtet sie den Abtransport von Gartenskulpturen, während sie sich erfolgreich darauf konzentriert zu verhindern, dass sie entdeckt wird.

Als sie später erfährt, dass es sich bei dieser Aktion um Diebstahl gehandelt hat, behält sie ihre Beobachtungen für sich, um sich nicht noch mehr beruflichen Ärger einzuhandeln. Nachdem ihr Freund Felix Trant, ein lokaler Polizist, von ihren Beobachtungen erfährt, wirft er ihr Illoyalität vor und Edwina steht auch privat vor einem Scherbenhaufen. Zusätzlich fühlt sie sich von den unheimlichen Bewohnern von Gorham House bedroht. Der Hausherr Leo Midnight schüchtert sie mit seiner Ähnlichkeit zu ihrem Vater ein und seine schöne junge Frau Cassandra entpuppt sich als ehemalige Freundin von Felix.  



Joan Hessayon: 
Season of Mists 
Corgi Books, 2001

20. Oktober 2016

Rachael Lucas: Coming up Roses

Daisy hütet seit kurzem das Haus ihrer Eltern, die auf einer mehrmonatigen Asienreise sind. Die frischgebackene Gärtnerin auf zweitem Bildungsweg bringt den grossen vernachlässigten Garten von „Orchard Villa“, der grossen viktorianischen Villa ihrer hortikulturell völlig uninteressierten Eltern, auf Vordermann. Gleichzeitig verkriecht sie sich dabei, um den Trennungsschmerz und Betrug von Freund und bester Freundin zu verarbeiten, die ihr Vertrauen missbraucht haben.

Auf einem Spaziergang mit Polly, dem Golden Retriever ihrer Eltern, macht die junge Frau Bekanntschaft mit dem vierundachtzigjährigen Thomas Broughton. Damit kommt nicht nur Abwechslung, sondern auch tatkräftige Hilfe in ihr Leben. Der Witwer hat nämlich während drei Jahrzehnten den Garten von „Orchard Villa“ für die verschiedenen Vorbesitzer gepflegt und gestaltet. Er händigt Daisy seine Pläne und alten eigenhändig geschriebenen und illustrierten Tagebücher aus. Die beiden in ihrer Einsamkeit gefangenen Menschen tun sich gegenseitig gut und das gemeinsame Interesse am Grünzeug verbindet die beiden rasch zu einem eingespielten Team und nicht nur der Garten blüht auf.

Als Daisy Elaine und Jo kennenlernt und via Thomas Broughton in einem Verein verschiedene Aufgaben übernimmt, ist sie als geborene Städterin plötzlich im Dorfleben integriert. Elaine, eine (scheinbar) perfekte Hausfrau, die ihr (angeblich) perfektes Leben laufend online im Internet zur Schau stellt und aktualisiert, lädt Daisy ein, für ihre Tausenden von Lesern übers Gärtnern zu schreiben. Ausserdem darf die rothaarige Gärtnerin für den bevorstehenden „Tag der offenen Gärten“ Elaines Garten auf Vordermann bringen und träumt nicht nur deswegen immer öfter von einem eigenem kleinen Gartenbetrieb. Bis zum Schreiben eines eigenen Blogs über die Fortschritte rund um „Orchard Villa“ ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Mitten in diese Idylle erreicht Daisy die überraschende Nachricht, dass ihre Eltern „Orchard Villa“ verkaufen wollen, da sie nicht mehr zurückzukehren beabsichtigen. War die ganze Gartenrestaurierung umsonst? Wieder wird Daisy belogen und sie muss feststellen, dass der potentielle Käufer beabsichtigt, den Garten zu Gunsten einer Überbauung niederzuwalzen, während sie auf eine kinderreiche Familie als neue Haus- und Gartenbesitzer gehofft hat.

"Coming up Roses" ist eine leichte Urlaubslektüre ohne grosse Überraschungen und weitgehend voraussehbarer Handlung. Im Anschluss an die Lektüre verrät die Autorin ein paar Details zu ihren persönlichen Lieblingsgärten, zu denen Mount Stuart House und Hidcote Manor Garden gehören. Bevor Rachael Lucas zur Vollzeit-Autorin mutiert ist, hat sie selber einen Gartenblog geführt und im eigenen Garten gewirkt. Nun, als Städterin mit sechs Kindern, schaut sie sich anderer Leute Gärten an und hat ihre hortikulturellen Interessen und Erfahrungen in diesen Roman einfliessen lassen. So liest man nebenbei über Gartenbesucher, die ungefragt Stecklinge von Rittersporn abknipsen und wie diese bewurzelt werden können. Überhaupt sind gärtnern und Gärten in diesem Romandorf omnipräsent und natürlich geht es auch um zwischenmenschliche Beziehungen - solche, die enden und solche, die beginnen.



Rachael Lucas: 
Coming up Roses 
Pan Books, 2015

10. Oktober 2016

Zuletzt ausgelesen: Beate Sauer – Die Rache der Heilerin

Dieser historische Roman ist eine Mischung von Fakten und Fiktion und spielt gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Zum Inhalt gehören brutale Kriege und Misshandlungen, schwere körperliche Arbeit und natürlich das Schicksal von Adela, welche die Gabe der Heilkunst von ihrer Mutter Aline geerbt hat.

Die schwangere Adela ist seit kurzer Zeit Witwe und flüchtet mit ihrem Sohn Luce zu ihrer Schwester in ein Kloster. Ihr Mann Francis wurde im Krieg von Wilhelm de Thorigny getötet. Der gleiche Mann hat sie selber misshandelt und vergewaltigt. Und nun befürchtet Adela, ihr Vergewaltiger könnte der Vater ihres ungeborenen Kindes sein.

Die beiden Flüchtlinge, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, können nicht zusammen im Kloster bleiben, so dass Adela plant, zu ihrem Bruder weiter zu ziehen. Weil Luce krank ist, bricht sie ohne ihren Sohn auf, will diesen aber rasch möglichst zu sich holen – nicht ahnend, dass sie ihn viele Jahre nicht mehr sehen wird. Wie sie feststellen muss, ist auch ihr Bruder tot. Ebenfalls ermordet von Wilhelm de Thorigny. Ein Lichtblick ist allein die Feststellung, dass ihre Tochter Robin sicher das Kind von Francis ist, da sie an der gleichen Körperstelle ein ausgeprägtes Muttermal aufweist.

Was gibt es aus hortikultureller Sicht zu vermelden? Der Kräutergarten im Kloster wird wiederholt erwähnt und es ist die Rede von niedrig geschnittener Buchseinfassung von Beeten und von Wasserbrunnen. Aber neben regelmässigen Naturbeschreibungen gibt es weniger Gärtnerisches und Planzenheilkundliches zu lesen, als man aufgrund des Buchtitels optimistisch vermuten könnte.



Beate Sauer: 
Die Rache der Heilerin 
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014

1. Oktober 2016

Julie Carobini: Truffles by the Sea

Die dreiunddreissigjährige Gaby Flores wartet immer noch auf den richtigen Lebenspartner. Doch im Moment hat sie ganz andere Sorgen, denn ihr Leben bricht gerade an allen Ecken und Enden auseinander. Ihre Wohnung ist samt Hab und Gut ausgebrannt und ihr engster Mitarbeiter hat ihr Blumengeschäft „Florally Yours“ ausgeraubt. Und als hätte sie noch nicht genügend Sorgen, fürchtet sie um die Gesundheit ihrer Mutter und sie muss sich mit einer Anklage auseinandersetzen. Angeblich hat sie einer Braut mit falsch ausgewählten Blumen den schönsten Tag verdorben. Von der Klägerin ausgesuchte Blumen, welche Gaby entgegen ihren Empfehlungen unbedingt verwenden musste und die wie von ihr befürchtet und vorhergesehen ein farbliches und duftiges Desaster ausgelöst haben.

Eine Freundin eröffnet im Internet einen Blog für Gaby. In diesem Webtagebuch soll sie regelmässig rund um Blumen und florale Kunstwerke schreiben, um potentielle Kundinnen und Kunden in den Laden zu locken. Mit welchen einfachen Hilfsmitteln können Schnittblumen länger haltbar gemacht werden? Wie gestalte ich ein spektakuläres Blumenarrangement? Die Floristin steht dieser Idee skeptisch gegenüber und die wenigen Kunden, die noch den Weg in ihr Geschäft finden, scheinen ihr Recht zu geben.

Gabys Mutter bestreitet ihren Lebensunterhalt ohne männliche Unterstützung seit jeher erfolgreich durch den Verkauf von frischen Schnittblumen an einem Stand am Highway. Und schon als kleines Mädchen war für Gaby klar, dass auch sie mit Blumen arbeiten will und sie hat dieses Ziel konsequent verfolgt. Doch machen ihr Blumenladen und die Floristik wirklich ihren Traumjob aus oder kann sie ihre Kreativität auch anders ausleben?

Ausgerechnet jetzt, wo das Geld sowieso schon knapp ist, steht eine grössere Autoreparatur ins Haus. Dafür löst sich ihr Wohnproblem wie von selbst. Sie kommt als Untermieterin in einem Loft unter, dessen Vermieter selten anwesend ist. Als dieser auftaucht, entpuppt er sich als überaus attraktiver Mann. Gleichzeitig wird Gaby von einer Nachbarin mit bösartigem Klatsch und Tratsch bedacht und vor dem angeblichen Frauenheld gewarnt. Doch das Herz der Blumenkünstlerin schlägt im Augenblick für den Automechaniker und dieser scheint ihre Sympathie zu erwidern.

Gute Freunde unterstützen die junge Frau – ganz offen und auch im Geheimen. Zum Trostprogramm gehören auch regelmässig Schokoladetrüffel. Und trotz verschiedenen Rückschlägen verliert Gaby nie (ganz) die Hoffnung und glaubt an einen von Gott vorgezeichneten Weg. Das ziemlich abrupte Romanende ist wenig überraschend, auch wenn die Autorin für die Leserin etliche Umwege eingebaut hat.  



Julie Carobini: 
Truffles by the Sea 
Bethany House, 2008