Zur Freude der lesenden Gärtnerin erweitert der Schöffling Verlag die Reihe der kleinformatigen Büchlein mit farbig bedrucktem Feinleinen auch in diesem Frühjahr um zwei Publikationen. Bei Peter Würth dreht sich in dreizehn Kapiteln wie es der Titel schon verrät alles rund ums Grün.
Bereits die ersten Sätze regen zum Nach- und Mitdenken an, denn der Autor lädt die Leser ein, den Garten als Lebewesen zu betrachten. Mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ableiten lassen und ergeben. Wie auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen handelt es sich um ein Geben und ein Nehmen, das da wie dort nicht immer im Lot ist. Da werden beispielsweise Obstbäume, die keine Früchte produzieren wollen, mit bockigen Jugendlichen verglichen. Liebt man letztere wegen ihres oft nicht nachvollziehbaren Verhaltens weniger? Im Garten wie im Familienleben lassen sich solche Herausforderungen Humor leichter überwinden.
Auch dem gerade sehr modernen „Country Trend“ widmet der Autor ein Kapitel und reflektiert über den oft schmalen Grat zwischen blosser Dekoration und der richtigen Dosis purer Natur, die bitteschön sowohl berechenbar als auch beherrschbar sein soll. Schmunzeln muss man beim Lesen von Bemerkungen wie (Zitat) „Duzfreunden in der Dorfkneipe, die sich als die engstirnigen Dörfler entpuppen, die sie schon immer waren …“ Eine Überdosis samt Nebenwirkungen stellt sich denn schon mal so rasch ein wie sich beim Holzhacken für das Kaminfeuer Blasen an den Händen bilden.
Zum Thema „Grün“ gehören natürlich auch Überlegungen zu ökologisch korrekt produzierten Lebensmitteln sowie deren Transportwegen, Guerilla-Gardening, Urban Farming, Naturschutz auf Golfplätzen, die grüne Stadt und die neue Gemüseküche.
Über Liedertexte von oder über Gärten habe ich mir bis dato noch nie gross Gedanken gemacht. Bei der Lektüre des Kapitels „Green Songs“ entdeckte ich aber rasch, dass es doch einige bekannte Lieder gibt, die von Garten und Co. handeln. Schon länger nicht mehr gehört, aber gleich wieder präsent beim Lesen des Songtitels waren mir „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder „If you’re going to San Francisco“ von Scott Mc Kenzie und „Rose Garden“ von Lynn Anderson.
Die ebenso sachverständigen wie unterhaltsamen Texte sind mit einem ordentlichen Schuss Ironie gewürzt. Dieses kleinformatige Plädoyer für mehr Grün in allen Lebensräumen hat nur einen Fehler. Nämlich den, dass nach etwas über hundert Seiten das Buch zu Ende gelesen ist.
Peter Würth:
Alles auf Grün
Schöffling & Co., 2012
16. März 2012
13. März 2012
Christine Becker: Zeitlos flattern Blütenträume …
Beim Einfügen der kürzlich hier vorgestellten Helleborus-Bücher in meine Bibliotheksliste habe ich festgestellt, dass bereits längere Zeit ein anderes Buch von Christine Becker auf meinem Bücherregal steht, nämlich jenes mit dem Titel „Zeitlos flattern Blütenträume …“. Diese Publikation ist kein Praxisratgeber und bietet auch keine botanischen Erläuterungen, sondern Einblicke ins private Tagebuch, Plaudereien, Rückblicke und nicht zuletzt in die Geschichte der Entwicklung von einem verwahrlosten verwilderten Stück Land in einen Garten. Lesend begleiten wir die Autorin auf diesem beschwerlichen Weg, gepflastert mit unzähligen kaputten Gartenwerkzeugen, dem Kampf gegen den Feind Nr. 1 (dem eisigen Ostwind) und gegen weitere Plagen wie Giersch und Holunder. Geschildert wird eine intensive und mühselige Zeit, die Christine Becker aber nicht missen möchte.
Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.
An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.
Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.
Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.
Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!
Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998
Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.
An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.
Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.
Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.
Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!
Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998
10. März 2012
Stefan Leppert: Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Es lässt sich wohl endlos darüber diskutieren, ob geschlechtergetrennte Gartenbücher nun sinnvoll sind oder nicht. Nach verschiedenen Publikationen ausschliesslich über Gärtnerinnen erscheint nun mit „Sein Garten“ innert weniger Monaten ein zweites Buch, in dem ausnahmslos gärtnernde Männer vorgestellt werden. Stefan Leppert schreibt im Vorwort gleich selber über sein Befremden als er eine Verlagsanfrage für das Verfassen eines diesbezüglichen Themenbuches erhalten hat. Nun, er hat seine anfänglichen Vorbehalte glücklicherweise überdacht und lesende Gärtner und Gärtnerinnen dürfen sich auf eine informative und gleichzeitig unterhaltende Lektüre freuen und so nebenbei auch Ideen für den eigenen Garten entdecken. Und wer weiss, vielleicht lohnt es sich schon bald, dass in der kürzlich besuchten Berner Buchhandlung mit einem umfangreichen Gartenbuchsortiment neben der schon vorhandenen Regalbeschriftung „Frauen und ihren Gärten“ bald einmal auch ein Schildchen „Männer und ihre Gärten“ angebracht wird?
Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.
Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.
Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.
Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.
Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.
Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.
Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.
Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.
Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.
Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.
Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.
Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.
Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.
Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.
Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
7. März 2012
Barbara Constantine: Kleiner Tom, was nun?
Der elfjährige Tom und seine alleinerziehende fünfundzwanzigjährige Mutter Jocelyne, genannt Joss, wohnen vorübergehend in einem Wohnwagen. Das Geld ist knapp, weil Joss die Schule vorzeitig abgebrochen und keinen Beruf erlernt hat und deswegen von schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs abhängig ist. Sie möchte aber unbedingt das Abitur nachholen und eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren. Alle ihre Verpflichtungen wachsen ihr zuweilen über den Kopf und sie ist oft etwas gereizt. Ausserdem hat sie den Eindruck, nur über ihre imposante Oberweite wahrgenommen zu werden, weshalb sie zusätzlich für eine Brustverkleinerungs-OP jeden Cent auf die Seite legt. Tom ist für sein Alter bereits sehr selbständig und oft vernünftiger als seine Mutter und die Leserin bekommt zuweilen den Eindruck, Mutter und Sohn steckten in den falschen Rollen.
Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.
Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.
In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.
Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.
Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.
Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012
Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.
Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.
In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.
Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.
Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.
Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012
4. März 2012
Rosemary Harris: Das grüne Versteck (Dead Head) - Ein Gartenkrimi
Paula Holliday hat sich für ihr Geschäft den passenden Namen ausgesucht. „Dirty Business“ ist nicht nur ein Synonym für ihre berufliche gärtnerische Tätigkeit, sondern ein passendes Wortspiel für ihre zweite Leidenschaft, als Hobbydetektivin im Dreck zu wühlen. Paulas Gartenbetrieb läuft wegen der angespannten Wirtschaftslage mehr schlecht als recht. Doch nun hat sich gerade wegen den vielen geplatzten Immobilienträumen für die junge Frau ein neues Geschäftsfeld aufgetan: Frontseiten-Facelifting. Will heissen, sie arbeitet mit einer Immobilienmaklerin zusammen und ist in deren Auftrag bei den lokalen Liegenschaften, die mit „zu verkaufen“-Schildern geschmückt sind, für das Garten-Make-up zuständig. Mit Pflanzbehältern, Dekos und kleinen Bäumchen wird eine heimelige Atmosphäre vorgegaukelt, die potentielle Käufer beeindrucken soll. Zwar relativ lukrativ, aber alles in allem eine eher unbefriedigende gärtnerische Tätigkeit, weshalb Paula schliesslich doch ernsthaft über das Angebot ihrer Freundin und besten Kundin Caroline Sturgis nachdenkt, mit ihr zusammen ein neues Geschäft aufzuziehen, für welches die künftige Partnerin die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen will. Während Paula das Für und Wider der Offerte abwägt, schlägt in Springfiel die Nachricht von der Verhaftung von Caroline Sturgis wie eine Bombe ein.
Nicht nur Carolines Mann und ihre Kinder sind am Boden zerstört, denn die Polizei behauptet, ihre Frau und Mutter sei nicht Caroline Sturgis, sondern eine Fremde, die in Wirklichkeit Monica Jane Weithorn heisst. Caroline alias Monica ist wegen Drogendelikten vor rund zwei Jahrzehnten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, konnte aber fliehen und hat sich mit einer neuen Identität ein brüchiges Lügengebäude aufgebaut, das jetzt zusammengestürzt ist. Auch Paula ist fassungslos. Und dann soll auch noch sie der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben, der zur Verhaftung von Caroline geführt hat und sie wird darum in Springfield gemieden.
Auf ausdrücklichen Wunsch von Carolines Mann und auch in ihrem eigenen Interesse beginnt Paula darum ihrer zweiten Leidenschaft wieder mehr Zeit einzuräumen – sie fängt an Nachforschungen anzustellen. Mangels konkreter Anhaltspunkte durchforstet sie die Collegejahre von Monica Jane Weithorn und zieht Parallelen zu jüngsten Vorkommnissen in Springfield. Wer kann ein Interesse daran haben, sich nach so langer Zeit an der gut situierten Vorstadtmutter Caroline Sturgis zu rächen?
Auch in diesem neuen Gartenkrimi muss Paula Holliday am eigenen Leib erfahren, dass Herumschnüffeln vielleicht körperlich weniger anstrengend ist als gärtnern, dafür aber auch deutlich riskanter und sie lernt, dass es sich lohnen kann, älteren redseligen Frauen geduldig zuzuhören. Der Gartenkrimi „Das grüne Versteck“ ist gespickt mit Wortwitz und feinen selbstironischen Dialogen und für alle Fans von „Der weisse Garten“ eine Muss-Lektüre.
Dieser zweite auf Deutsch erschienene Gartenkrimi rund um die Gärtnerin Paula Holliday ist übrigens Band drei der amerikanischen Originalausgabe. Weshalb wurde wohl Band zwei übergangen? Jedenfalls hoffe ich fest, dass es spätestens nächstens Frühling mit dem vierten Buch auch in deutscher Sprache weitergeht …
Rosemary Harris:
Das grüne Versteck
Thiele Verlag, 2012
Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2014
Nicht nur Carolines Mann und ihre Kinder sind am Boden zerstört, denn die Polizei behauptet, ihre Frau und Mutter sei nicht Caroline Sturgis, sondern eine Fremde, die in Wirklichkeit Monica Jane Weithorn heisst. Caroline alias Monica ist wegen Drogendelikten vor rund zwei Jahrzehnten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, konnte aber fliehen und hat sich mit einer neuen Identität ein brüchiges Lügengebäude aufgebaut, das jetzt zusammengestürzt ist. Auch Paula ist fassungslos. Und dann soll auch noch sie der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben, der zur Verhaftung von Caroline geführt hat und sie wird darum in Springfield gemieden.
Auf ausdrücklichen Wunsch von Carolines Mann und auch in ihrem eigenen Interesse beginnt Paula darum ihrer zweiten Leidenschaft wieder mehr Zeit einzuräumen – sie fängt an Nachforschungen anzustellen. Mangels konkreter Anhaltspunkte durchforstet sie die Collegejahre von Monica Jane Weithorn und zieht Parallelen zu jüngsten Vorkommnissen in Springfield. Wer kann ein Interesse daran haben, sich nach so langer Zeit an der gut situierten Vorstadtmutter Caroline Sturgis zu rächen?
Auch in diesem neuen Gartenkrimi muss Paula Holliday am eigenen Leib erfahren, dass Herumschnüffeln vielleicht körperlich weniger anstrengend ist als gärtnern, dafür aber auch deutlich riskanter und sie lernt, dass es sich lohnen kann, älteren redseligen Frauen geduldig zuzuhören. Der Gartenkrimi „Das grüne Versteck“ ist gespickt mit Wortwitz und feinen selbstironischen Dialogen und für alle Fans von „Der weisse Garten“ eine Muss-Lektüre.
Dieser zweite auf Deutsch erschienene Gartenkrimi rund um die Gärtnerin Paula Holliday ist übrigens Band drei der amerikanischen Originalausgabe. Weshalb wurde wohl Band zwei übergangen? Jedenfalls hoffe ich fest, dass es spätestens nächstens Frühling mit dem vierten Buch auch in deutscher Sprache weitergeht …
Rosemary Harris:
Das grüne Versteck
Thiele Verlag, 2012
Gegen Mord ist kein Kraut gewachsen (TB-Ausgabe)
Blanvalet Taschenbuch Verlag, 2014
1. März 2012
Barbara Krasemann: Geschenke aus meinem Garten
Vielleicht kennen Sie bereits Barbara Krasemanns reich bebildertes Buch „Wo Träume wachsen“, in welchem sie die Leser durch ihr vielfältiges Gartenreich führt, in dem es auf 8500 m2 beispielsweise einen Obst- und Gemüsegarten, ein Alpinum, einen Schattengarten sowie eine Freiluftküche mit Essplatz zu entdecken gibt. Seit 1985 gärtnert die Autorin auf ihrem Grundstück und hat in dieser Zeit elf Gartenzimmer gestaltet. Bereits in diesem ersten Buch aus dem Jahr 2009 finden sich interessante Rezepte. In der aktuellen Publikation „Geschenke aus meinem Garten“ präsentiert Barbara Krasemann nun ein Füllhorn an Ideen für die Verwendung von Pflanzenschätzen aus ihrem Garten im Lauf der Jahreszeiten.
Die vielen leckeren Rezepte und originellen Dekorationsideen wecken die Lust, diese gleich selber auszuprobieren. Und sie nähren nicht zuletzt meine Hoffnung, dass diesen Herbst für einmal keine grossen Überlegungen notwendig sein werden, was ich mit den Kindern für Weihnachtsgeschenke herstellen könnte. Die Geschenke werden auf jeweils einer Doppelseite ausführlich mit Unterstützung von Fotos erklärt. Neben der Zutatenliste und Hinweisen auf speziell nötige Hilfsmittel sorgen die Spalten „So geht’s“ und „Das ist wirklich wichtig“ für eine erfolgreiche heimische Umsetzung.
Für die Frühlingsküche empfiehlt Barbara Krasemann neben dem vielleicht eher bekannten Bärlauchpesto auch Waldkapern sowie eingelegte Straussenfarnsprossen. Falls Sie es tatsächlich übers Herz bringen, die jungen Farntriebe abzuschneiden, werden sie gemäss der Autorin mit einer Delikatesse mit broccoliähnlichem Geschmack belohnt, die ausgezeichnet zu Fleischspeisen passt. Auch für die kulinarische Verwendung der meist als Unkraut unbeliebten Melde gibt es einen nachahmenswerten Tipp und vielleicht haben Sie ja Lust, einmal Löwenzahnbutter herzustellen?
Naschkatzen mögen ausprobieren, wie selbstgemachter Weingummi aus Johannisbeeren schmeckt. Taglilienienknospen werden würzig eingelegt zu einer Köstlichkeit. Wenn man das Ernten der Knospen verpasst hat, was zwar ja kaum möglich ist, lassen sich Taglilienblüten mit Frischkäse und Schmand (Sauerrahm) gefüllt geniessen. Des Weiteren finden sich Rezepte für die verschiedensten Suppen, Marmeladen und eine Frauenmantel-Tinktur, die jedwede weibliche Unpässlichkeiten garantiert ohne Nebenwirkungen lindern soll sowie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und einer Hauswurzsalbe. In der Grillsaison nachahmenswert sind die geräuchten Gewürze aus dem Kugelgrill.
Laut Vorwort der Autorin handelt es sich bei den für dieses Buch ausgesuchten Geschenken nur um eine kleine Auswahl aus ihrem Fundus. Vielleicht darf man gespannt auf eine Fortsetzung hoffen? Das Buch eignet sich jedenfalls ausgezeichnet für den eigenen Gebrauch und als Mitbringsel für liebe (Garten-)Freunde.
Barbara Krasemann:
Geschenke aus meinem Garten
Kosmos Verlag, 2012
Die vielen leckeren Rezepte und originellen Dekorationsideen wecken die Lust, diese gleich selber auszuprobieren. Und sie nähren nicht zuletzt meine Hoffnung, dass diesen Herbst für einmal keine grossen Überlegungen notwendig sein werden, was ich mit den Kindern für Weihnachtsgeschenke herstellen könnte. Die Geschenke werden auf jeweils einer Doppelseite ausführlich mit Unterstützung von Fotos erklärt. Neben der Zutatenliste und Hinweisen auf speziell nötige Hilfsmittel sorgen die Spalten „So geht’s“ und „Das ist wirklich wichtig“ für eine erfolgreiche heimische Umsetzung.
Für die Frühlingsküche empfiehlt Barbara Krasemann neben dem vielleicht eher bekannten Bärlauchpesto auch Waldkapern sowie eingelegte Straussenfarnsprossen. Falls Sie es tatsächlich übers Herz bringen, die jungen Farntriebe abzuschneiden, werden sie gemäss der Autorin mit einer Delikatesse mit broccoliähnlichem Geschmack belohnt, die ausgezeichnet zu Fleischspeisen passt. Auch für die kulinarische Verwendung der meist als Unkraut unbeliebten Melde gibt es einen nachahmenswerten Tipp und vielleicht haben Sie ja Lust, einmal Löwenzahnbutter herzustellen?
Naschkatzen mögen ausprobieren, wie selbstgemachter Weingummi aus Johannisbeeren schmeckt. Taglilienienknospen werden würzig eingelegt zu einer Köstlichkeit. Wenn man das Ernten der Knospen verpasst hat, was zwar ja kaum möglich ist, lassen sich Taglilienblüten mit Frischkäse und Schmand (Sauerrahm) gefüllt geniessen. Des Weiteren finden sich Rezepte für die verschiedensten Suppen, Marmeladen und eine Frauenmantel-Tinktur, die jedwede weibliche Unpässlichkeiten garantiert ohne Nebenwirkungen lindern soll sowie Anleitungen zur Herstellung von Seifen und einer Hauswurzsalbe. In der Grillsaison nachahmenswert sind die geräuchten Gewürze aus dem Kugelgrill.
Laut Vorwort der Autorin handelt es sich bei den für dieses Buch ausgesuchten Geschenken nur um eine kleine Auswahl aus ihrem Fundus. Vielleicht darf man gespannt auf eine Fortsetzung hoffen? Das Buch eignet sich jedenfalls ausgezeichnet für den eigenen Gebrauch und als Mitbringsel für liebe (Garten-)Freunde.
Barbara Krasemann:
Geschenke aus meinem Garten
Kosmos Verlag, 2012
28. Februar 2012
Gabriele Wolff: Im Dickicht
“Im Dickicht” ist ein Krimi von nur 64 Seiten Umfang. Doch diese - von einer Oberstaatsanwältin verfasst - haben es in sich und sind nichts für schwache Nerven!
Kerstin und Bernd leben zusammen mit ihrem Sohn in einem perfekt umgebauten Haus auf dem brandenburgischen Land. Sein grüner Daumen beschränkt sich auf den Einkauf von Pflanzen. Um den Garten kümmert sie sich und schaut, dass die Zaunwinde ihre Lieblinge wie Phlox und Fingerhut nicht überwuchert und unter sich begräbt.
Die Idylle weist Risse auf und Kerstins „Kampfgebiet“ beschränkt sich nicht mehr nur auf den Garten. Ihr Mann Bernd kehrt von einer angeblichen Geschäftsreise nach China nicht zurück und bleibt für seine Frau unerreichbar. Ausserdem wird Kerstin in einem in ihrer eigenen Handschrift verfassten Brief ultimativ aufgefordert, ihren Ehegatten freizugeben. Möchte sie jemand für verrückt erklären?
Während die Zaunwinde recht einfach gezähmt werden kann, bricht Kerstins organisiertes Leben auseinander. Nicht zuletzt fühlt sie sich von ihren Nachbarn beobachtet. Und wer hat ihre Katze auf dem Gewissen, die anscheinend zu Tode gequält worden ist?
Gabriele Wolff:
Im Dickicht
Edition Nautilus, 2006
Kerstin und Bernd leben zusammen mit ihrem Sohn in einem perfekt umgebauten Haus auf dem brandenburgischen Land. Sein grüner Daumen beschränkt sich auf den Einkauf von Pflanzen. Um den Garten kümmert sie sich und schaut, dass die Zaunwinde ihre Lieblinge wie Phlox und Fingerhut nicht überwuchert und unter sich begräbt.
Die Idylle weist Risse auf und Kerstins „Kampfgebiet“ beschränkt sich nicht mehr nur auf den Garten. Ihr Mann Bernd kehrt von einer angeblichen Geschäftsreise nach China nicht zurück und bleibt für seine Frau unerreichbar. Ausserdem wird Kerstin in einem in ihrer eigenen Handschrift verfassten Brief ultimativ aufgefordert, ihren Ehegatten freizugeben. Möchte sie jemand für verrückt erklären?
Während die Zaunwinde recht einfach gezähmt werden kann, bricht Kerstins organisiertes Leben auseinander. Nicht zuletzt fühlt sie sich von ihren Nachbarn beobachtet. Und wer hat ihre Katze auf dem Gewissen, die anscheinend zu Tode gequält worden ist?
Gabriele Wolff:
Im Dickicht
Edition Nautilus, 2006
24. Februar 2012
Berndt Schulz: Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Zum Tagesablauf des pensionierten Kriminalhauptkommissars Max Horner gehören regelmässige Besuche mit seinem Hund Wallander im Bethmannpark in Frankfurt. Diese Grünfläche ist für ihn mit vielen Erinnerungen verbunden. So hat er hier seine finnische Frau Terttu kennengelernt und vor vier Jahren von ihr Abschied genommen. Als leidenschaftlicher Kleingärtner schätzt er ausserdem die vielen unterschiedlichen Pflanzen. Auf seiner Lieblingsbank liest er gerne in Büchern über Pflanzenjäger und erlebt in Tagträumen, oft aber auch in nächtlichen Alpträumen, öfters deren abenteuerlichen Reisen und Erlebnisse am eigenen Leib mit.
Im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms wird der Bethmannpark von Hilfsgärtnern gepflegt, bei denen es sich allesamt um entlassene Strafgefangene handelt. Deren Leiter Gerd Halland ist darum besorgt, dass diese ihre Einsatzpläne einhalten und beispielsweise die Blumenrabatten von Unkraut befreien.
Wieder einmal möchte Max Horner auf seiner Parkbank in einem spannenden Buch lesen. Doch bevor er sich in seine Lieblingslektüre vertiefen kann, entdeckt er just zum Zeitpunkt, wo sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Baumkronen der Anlage ausbreiten und bereits für Aufregung sorgen, im Teich die Leiche des Hilfgärtnerleiters Gerd Halland, der eine Pergamentrolle in der Hand hält. Liebend gerne würde Max Horner wissen, was es mit diesem Rätsel auf sich hat. Und da sich dieser Todesfall in seinem Park ereignet hat, kann es der Kriminalhauptkommissar a.D. natürlich nicht unterlassen, eigene Recherchen anzustellen und in der nicht ganz lupenreinen Vergangenheit des Opfers herumzustochern, der Zeit seines Lebens ein Aussenseiter war und unermüdlich bestrebt, nicht aufzufallen und zu sein wie alle anderen. Ist tatsächlich immer ein Gärtner der Mörder? Liegt der Schlüssel zur Lösung des Falls im Hilfsgärtnerteam?
Neben eingestreuten Berichten über die Abenteuer von Pflanzenjägern werden auch immer wieder Gartentipps in die Lektüre eingeflochten und Horner philosophiert beispielsweise über inneren Wildwuchs bei Menschen und äusseren Wildwuchs in der Parkanlage. Es ist wohl nicht übertrieben anzumerken, dass der Kriminalfall ab und an im Vergleich zu den hortikulturellen Erwähnungen eher in den Hintergrund rückt, denn schliesslich passieren die Tat sowie die darauf folgenden Ermittlungen erst nach etlichen gelesenen Seiten. Genau diese Tatsache macht das Buch mit viel Lokalkolorit aber eben für Gartenfreunde speziell empfehlenswert.
„Moderholz“ ist übrigens das erste Buch aus einer neuen Krimi-Reihe um den ermittelnden Gartenliebhaber Max Horner. Neben der Vorfreude auf die Fortsetzung verbleibt mir nun nur noch, genauer nachzuforschen, ob es tatsächlich einen Pflanzenjäger namens Gordon Douglas gegeben hat. Oder ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass einfach der Vorname von David in Gordon umgeändert worden ist (wieso?). Einzelne geschilderte Episoden müssen nämlich laut früher gelesenen Pflanzenjägerbüchern jedoch eindeutig David Douglas zugeordnet werden.
Berndt Schulz:
Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Sutton Verlag, 2012
Im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms wird der Bethmannpark von Hilfsgärtnern gepflegt, bei denen es sich allesamt um entlassene Strafgefangene handelt. Deren Leiter Gerd Halland ist darum besorgt, dass diese ihre Einsatzpläne einhalten und beispielsweise die Blumenrabatten von Unkraut befreien.
Wieder einmal möchte Max Horner auf seiner Parkbank in einem spannenden Buch lesen. Doch bevor er sich in seine Lieblingslektüre vertiefen kann, entdeckt er just zum Zeitpunkt, wo sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Baumkronen der Anlage ausbreiten und bereits für Aufregung sorgen, im Teich die Leiche des Hilfgärtnerleiters Gerd Halland, der eine Pergamentrolle in der Hand hält. Liebend gerne würde Max Horner wissen, was es mit diesem Rätsel auf sich hat. Und da sich dieser Todesfall in seinem Park ereignet hat, kann es der Kriminalhauptkommissar a.D. natürlich nicht unterlassen, eigene Recherchen anzustellen und in der nicht ganz lupenreinen Vergangenheit des Opfers herumzustochern, der Zeit seines Lebens ein Aussenseiter war und unermüdlich bestrebt, nicht aufzufallen und zu sein wie alle anderen. Ist tatsächlich immer ein Gärtner der Mörder? Liegt der Schlüssel zur Lösung des Falls im Hilfsgärtnerteam?
Neben eingestreuten Berichten über die Abenteuer von Pflanzenjägern werden auch immer wieder Gartentipps in die Lektüre eingeflochten und Horner philosophiert beispielsweise über inneren Wildwuchs bei Menschen und äusseren Wildwuchs in der Parkanlage. Es ist wohl nicht übertrieben anzumerken, dass der Kriminalfall ab und an im Vergleich zu den hortikulturellen Erwähnungen eher in den Hintergrund rückt, denn schliesslich passieren die Tat sowie die darauf folgenden Ermittlungen erst nach etlichen gelesenen Seiten. Genau diese Tatsache macht das Buch mit viel Lokalkolorit aber eben für Gartenfreunde speziell empfehlenswert.
„Moderholz“ ist übrigens das erste Buch aus einer neuen Krimi-Reihe um den ermittelnden Gartenliebhaber Max Horner. Neben der Vorfreude auf die Fortsetzung verbleibt mir nun nur noch, genauer nachzuforschen, ob es tatsächlich einen Pflanzenjäger namens Gordon Douglas gegeben hat. Oder ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass einfach der Vorname von David in Gordon umgeändert worden ist (wieso?). Einzelne geschilderte Episoden müssen nämlich laut früher gelesenen Pflanzenjägerbüchern jedoch eindeutig David Douglas zugeordnet werden.
Berndt Schulz:
Moderholz – Ein Gartenkrimi aus Frankfurt am Main
Sutton Verlag, 2012
20. Februar 2012
Helen Babbs: My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Mit Mitte zwanzig hat Helen Babbs beschlossen, ein bisschen London City-grau in City-grün zu verwandeln. Die junge Frau verfügte bis dato über keine gärtnerische Erfahrung und ihr Miniexperimentierfeld von drei Quadratmetern Grösse befand sich in luftiger Höhe zwischen Wolkenkratzern, Schornsteinen und Dachzinnen. In ihrem Büchlein beschreibt sie, wie sie an einem Tag im Februar ziemlich unbedarft loszog, um an einem Anlass namens „Seedy Sunday“ Sämereien zu besorgen, die den Grundstock für die Ausführung ihrer Pläne bilden sollen, diese Beute aussäte, hegte und pflegte und schliesslich ihre erste Ernte einbringen konnte.
Zwischen ihren Berichten über die gärtnerischen Tätigkeiten streut Babbs immer wieder ökologische Überlegungen ein, gibt Tipps für „grüne“ Ausflüge in London und erzählt vom Tierleben in der Höhe. Sie mag zwar gerne ihre Tomatenernte mit einem Eichhörnchen teilen, ärgert sich aber heftig über die Unbelehrbarkeit des Vierbeiners. Warum muss er auch jeden Abend eine der abgezählten und kaum reifen Tomaten probieren, nur um erneut festzustellen, dass er Tomaten nicht mag und die zerquetschten Reste achtlos liegen lassen? Überhaupt öffnet das Exeperiment Helen Babbs Augen für die vielen, oft etwas versteckten grünen Flecken in der britischen Hauptstadt und sie lernt, dass die grössten Tomaten nicht unbedingt die schmackhaftesten sein müssen.
Im Anschluss an die Zusammenfassung dieses Gartenjahres Richtung Wolken erläutert die Autorin in Kurzform ihre Erfolge und Misserfolge. Dazu gehört auch, dass Dachgärten oft starken Winden ausgesetzt sind, man/frau sich dafür aber problemlos ungekämmt und im Pyjama um die Topfpflanzenschätze kümmern kann...
Helen Babbs:
My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Timber Press, 2011
Zwischen ihren Berichten über die gärtnerischen Tätigkeiten streut Babbs immer wieder ökologische Überlegungen ein, gibt Tipps für „grüne“ Ausflüge in London und erzählt vom Tierleben in der Höhe. Sie mag zwar gerne ihre Tomatenernte mit einem Eichhörnchen teilen, ärgert sich aber heftig über die Unbelehrbarkeit des Vierbeiners. Warum muss er auch jeden Abend eine der abgezählten und kaum reifen Tomaten probieren, nur um erneut festzustellen, dass er Tomaten nicht mag und die zerquetschten Reste achtlos liegen lassen? Überhaupt öffnet das Exeperiment Helen Babbs Augen für die vielen, oft etwas versteckten grünen Flecken in der britischen Hauptstadt und sie lernt, dass die grössten Tomaten nicht unbedingt die schmackhaftesten sein müssen.
Im Anschluss an die Zusammenfassung dieses Gartenjahres Richtung Wolken erläutert die Autorin in Kurzform ihre Erfolge und Misserfolge. Dazu gehört auch, dass Dachgärten oft starken Winden ausgesetzt sind, man/frau sich dafür aber problemlos ungekämmt und im Pyjama um die Topfpflanzenschätze kümmern kann...
Helen Babbs:
My Garden, the City and Me – Rooftop Adventures in the Wilds of London
Timber Press, 2011
17. Februar 2012
Franziska Bark Hagen (Hrsg.): Versuche das Glück im Garten zu finden
Neben Vorwort und Einleitung hat diese Publikation acht bebilderte Essays zum Inhalt:
- Das Paradies verorten: Eine Rückblende
- Gebetsteppich: Eine Mauer, die einen Garten umschliesst
- Kriegsgarten: Humus Human
- Kredit: Schuld und Schulden
- Eruv: Die Stadt als Haus
- Gemeinschaftsgarten: Vom Kultivieren der Nachbarschaft
- Whole Earth Catalog: Die Katalogisierung der Welt
- Apfelhain: Der Himmel des Erschaffens
Kenneth Helphand geht der Frage nach, wie es kommt, dass sich mitten in Kriegsgebieten Gärten finden lassen. Solche unter extremen Bedingungen angelegten Pflanzflecke entstanden beispielsweise hinter den Schützengräben im 1. Weltkrieg oder im Warschauer Ghetto. Die Pflege derselben lenkt ab und lässt – für kurze Zeit wenigstens – den Krieg vergessen. Der Textverfasser hat zu diesem Thema bereits ein Buch mit dem Titel „Defiant Gardener: Marking Gardens in Wartime“ geschrieben, in welchem er sich detailliert mit Kriegsgärten auseinandersetzt.
Was hat der Sündenfall im Paradies mit Schulden zu tun? Brett Williams vergleicht das heutige (sicher nicht nur amerikanische!) Konsumverhalten mit den paradiesischen Verfehlungen, wo seinerzeit ebenfalls die Konsequenzen ausgeblendet worden sind.
Weitere Themen sind die Victoriy-Gärten (siehe Buchvorstellung "The Victory Garden" von Lee Kochenderfer), das in Industriekörben und Reissäcken angebaute mobile „Nomadische Grün“ des Prinzessinnengartens auf einer Brache in Berlin-Kreuzberg (passend dazu die aktuelle Neuerscheinung „Prinzessinengärten – Anders gärtnern in der Stadt“ herausgegeben von Nomadisch Grün im Dumont Buchverlag) und der deutsch-englische Dichter Michael Hamburger, der einen umfangreichen Obstgarten anlegte aus alten Sorten, die er selber aus gesammelten und gezogenen Apfelkernen zog. In anderen Beiträgen geht es um Garten und Religion, etwa um Gebetsteppiche von Muslimen und Eruv-Zäune, die es orthodoxen Juden erlauben, die strengen Sabbatregeln einzuhalten.
Franziska Bark Hagen (Hrsg.):
Versuche das Glück im Garten zu finden
Lars Müller Publishers, 2011
- Das Paradies verorten: Eine Rückblende
- Gebetsteppich: Eine Mauer, die einen Garten umschliesst
- Kriegsgarten: Humus Human
- Kredit: Schuld und Schulden
- Eruv: Die Stadt als Haus
- Gemeinschaftsgarten: Vom Kultivieren der Nachbarschaft
- Whole Earth Catalog: Die Katalogisierung der Welt
- Apfelhain: Der Himmel des Erschaffens
Kenneth Helphand geht der Frage nach, wie es kommt, dass sich mitten in Kriegsgebieten Gärten finden lassen. Solche unter extremen Bedingungen angelegten Pflanzflecke entstanden beispielsweise hinter den Schützengräben im 1. Weltkrieg oder im Warschauer Ghetto. Die Pflege derselben lenkt ab und lässt – für kurze Zeit wenigstens – den Krieg vergessen. Der Textverfasser hat zu diesem Thema bereits ein Buch mit dem Titel „Defiant Gardener: Marking Gardens in Wartime“ geschrieben, in welchem er sich detailliert mit Kriegsgärten auseinandersetzt.
Was hat der Sündenfall im Paradies mit Schulden zu tun? Brett Williams vergleicht das heutige (sicher nicht nur amerikanische!) Konsumverhalten mit den paradiesischen Verfehlungen, wo seinerzeit ebenfalls die Konsequenzen ausgeblendet worden sind.
Weitere Themen sind die Victoriy-Gärten (siehe Buchvorstellung "The Victory Garden" von Lee Kochenderfer), das in Industriekörben und Reissäcken angebaute mobile „Nomadische Grün“ des Prinzessinnengartens auf einer Brache in Berlin-Kreuzberg (passend dazu die aktuelle Neuerscheinung „Prinzessinengärten – Anders gärtnern in der Stadt“ herausgegeben von Nomadisch Grün im Dumont Buchverlag) und der deutsch-englische Dichter Michael Hamburger, der einen umfangreichen Obstgarten anlegte aus alten Sorten, die er selber aus gesammelten und gezogenen Apfelkernen zog. In anderen Beiträgen geht es um Garten und Religion, etwa um Gebetsteppiche von Muslimen und Eruv-Zäune, die es orthodoxen Juden erlauben, die strengen Sabbatregeln einzuhalten.
Franziska Bark Hagen (Hrsg.):
Versuche das Glück im Garten zu finden
Lars Müller Publishers, 2011
13. Februar 2012
Cristina Lopez Barrio: Der Garten des ewigen Frühlings
In einem entlegenen Winkel von Kastilien zwischen Bergen und harten Böden, wo die Hirsche vor Liebe röhen und der Geruch von Schwarzpulver aus Jagdgewehren die Luft erfüllt, leben die Laguna-Frauen, auf denen schon seit langer Zeit ein Fluch lastet. Alle werden sie von ihrer grossen Liebe verlassen, bleiben unverheiratet zurück und müssen ihre ausnahmslos weiblichen Nachkommen alleine grossziehen, die dann wieder das gleiche Schicksal erleiden. Sie sind zur Schande verurteilt und werden von den übrigen Dorfbewohnern verspottet und weitgehend gemieden.
Auch Clara kann diesem Verhängnis nicht entgehen, als sie sich in einen reichen Andalusier verliebt, der in einem Herbst in ihrem Dorf auftaucht, um zu jagen. Auch sie bleibt schwanger zurück. Immerhin hat ihr der Mann aus dem Süden ein Grundstück samt Haus, der roten Villa, überschrieben. Sie soll sich ihren Lebensunterhalt als Bäuerin verdienen. Und er hat versprochen, zur Geburt ihres gemeinsamen Kindes zurückzukehren.
Als Clara schliesslich realisiert, dass auch sie vom Fluch der Laguna-Frauen nicht verschont wird, beschliesst sie, ihr Leben der Rache zu widmen und richtet in ihrer Villa ein Bordell ein. Während rundherum der Herbst Einzug hält, geschieht in der Stille des Villengartens ein Frühlingswunder: in Claras Garten blühen Margariten, die sich zwischen den Steinplatten ausbreiten und mitten im vertrockneten Herbstlaub an den Ästen der Bäume spriessen Knospen.
Als Claras Tochter Manuela geboren wird, überlässt sie die Betreuung derselben ihrer Köchin Bernarda, die ihre Herrin vergöttert, mit himmlischen Kochkünsten gesegnet ist, aber nicht richtig sprechen kann. Claras Garten blüht weiterhin unermüdlich und ohne Rücksicht auf den Wechsel der Jahreszeiten. Er weist eine unglaubliche Fruchtbarkeit auf und Claras Etablissement ist gut besucht. Aber der Andalusier kehrt nicht zurück und ihre Rache bleibt unerfüllt. Als sie schliesslich stirbt, hinterlässt sie eine Tochter, die über den Tod hinaus ihren Geist fürchtet, der das Grab verlassen und den Garten durchstreifen könnte.
Neben Frauen spielen auch zwei Priester wichtige Rollen im Roman. Einer hält lebendige, fiebrige Predigten, der andere hat ein sanftmütiges Wesen, aber sein elefantenartiges Gepolter erschüttert die ganze Umgebung und lässt an Erdbeben denken. „Der Garten des ewigen Frühlings“ ist eine phantasievolle Familiensaga über mehrere Generationen von Laguna-Frauen – gespickt mit tragischen Todesfällen, leidenschaftlichen und unerfüllten Lieben, voller geheimnisvoller Düfte sowie inspirierenden und ekligen Kochkünsten, mal mitreissend, aber zuweilen auch abstossend.
Cristina Lopez Barrio:
Der Garten des ewigen Frühling
Droemer Verlag, 2011
Das Geheimnis der roten Villa (TB-Ausgabe)
Knaur Taschenbuch Verlag, 2014
Auch Clara kann diesem Verhängnis nicht entgehen, als sie sich in einen reichen Andalusier verliebt, der in einem Herbst in ihrem Dorf auftaucht, um zu jagen. Auch sie bleibt schwanger zurück. Immerhin hat ihr der Mann aus dem Süden ein Grundstück samt Haus, der roten Villa, überschrieben. Sie soll sich ihren Lebensunterhalt als Bäuerin verdienen. Und er hat versprochen, zur Geburt ihres gemeinsamen Kindes zurückzukehren.
Als Clara schliesslich realisiert, dass auch sie vom Fluch der Laguna-Frauen nicht verschont wird, beschliesst sie, ihr Leben der Rache zu widmen und richtet in ihrer Villa ein Bordell ein. Während rundherum der Herbst Einzug hält, geschieht in der Stille des Villengartens ein Frühlingswunder: in Claras Garten blühen Margariten, die sich zwischen den Steinplatten ausbreiten und mitten im vertrockneten Herbstlaub an den Ästen der Bäume spriessen Knospen.
Als Claras Tochter Manuela geboren wird, überlässt sie die Betreuung derselben ihrer Köchin Bernarda, die ihre Herrin vergöttert, mit himmlischen Kochkünsten gesegnet ist, aber nicht richtig sprechen kann. Claras Garten blüht weiterhin unermüdlich und ohne Rücksicht auf den Wechsel der Jahreszeiten. Er weist eine unglaubliche Fruchtbarkeit auf und Claras Etablissement ist gut besucht. Aber der Andalusier kehrt nicht zurück und ihre Rache bleibt unerfüllt. Als sie schliesslich stirbt, hinterlässt sie eine Tochter, die über den Tod hinaus ihren Geist fürchtet, der das Grab verlassen und den Garten durchstreifen könnte.
Neben Frauen spielen auch zwei Priester wichtige Rollen im Roman. Einer hält lebendige, fiebrige Predigten, der andere hat ein sanftmütiges Wesen, aber sein elefantenartiges Gepolter erschüttert die ganze Umgebung und lässt an Erdbeben denken. „Der Garten des ewigen Frühlings“ ist eine phantasievolle Familiensaga über mehrere Generationen von Laguna-Frauen – gespickt mit tragischen Todesfällen, leidenschaftlichen und unerfüllten Lieben, voller geheimnisvoller Düfte sowie inspirierenden und ekligen Kochkünsten, mal mitreissend, aber zuweilen auch abstossend.
Cristina Lopez Barrio:
Der Garten des ewigen Frühling
Droemer Verlag, 2011
Das Geheimnis der roten Villa (TB-Ausgabe)
Knaur Taschenbuch Verlag, 2014
9. Februar 2012
Georg Thiem und Edgar Sommer: Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Beim Umräumen der Bücherregale auf der Suche nach einem Plätzchen für die neuesten Zugänge habe ich das Buch „Private Gartenparadiese in Niedersachsen“ wiederentdeckt, das ich nach dem Erwerb vor ziemlich genau vier Jahren auf einem Gestell eingeordnet und dann vergessen habe. Ein „Bücherschicksal“, das es mit etlichen anderen Titeln zu tragen hat, da meine verfügbare Lesezeit leider nicht ganz kompatibel ist mit der Gier oder Sucht nach potentiellem interessantem Lesefutter. Mein Interesse auf die Lektüre dieses Buches wurde definitiv geweckt, als ich beim Durchblättern entdeckt habe, dass Marita Eichler, deren Buch „Über Zäune schauen“ ich hier einmal kurz erwähnt habe, zu den portraitierten Gärtnerinnen und Gärtnern gehört.
Die Zusammenstellung der niedersächsischen Gartenparadiese ist ein abwechslungsreiches Potpourri. Da gibt es einen Garten im englischen Landhausstil, wo als erste Hürde im Gestaltungskonzept für das rund 3500 m2 grosse Grundstück die Eingliederung von alten Apfel- und Birnbäumen zu überwinden war, die unbedingt erhalten werden mussten. Einen ganz speziellen Zauber umgibt die Waldidylle - ursprünglich ein dichter Fichtenwald mit einer einfachen Holzhütte, die als Wochenendrefugium diente. Letzteres wurde durch einen Holzneubau ersetzt und der Wald gelichtet. In verschiedenen unterschiedlich gestalteten Bereichen finden sich nun viele Schattenpflanzenschätze wie beispielsweise der Tibetische Scheinmohn. Die Pflanzen sind ansprechend mit Kugeln aus verschiedenen Materialien kombiniert und in den Bäumen hängen Spiegel, in welchen sich der Garten reflektiert.
Eher rustikal bepflanzt ist der Garten, der unter dem Motto „Blumiges Landleben“ vorgestellt wird und dessen anfängliche Inspiration auf einen Besuch im Garten des Malers Emil Nolde zurückgeht. Lust auf einen persönlichen Besuch macht nicht nur die Bepflanzung sondern insbesondere auch der beschriebene integrierte kleine Laden „Landleben“, wo die Gärtnerin Auserlesenes für Haus und Garten feilhält. Weitere Kapitel tragen unter anderem Titel wie „Ein Gartentraum“, „Ein Bilderbuchgarten“, „Zauber eines Parks“ „Rosen im Heidesand“ und „Der Garten der Töpferin“.
Ein schönes Buch aus einem Kleinverlag, das den interessierten Leser hinter elf verschiedene Zäune blicken und viel Sehenswertes entdecken lässt. Der Textteil ist recht kurz gehalten, teilweise ist die Druckqualität der Bilder etwas enttäuschend. Die Publikation eignet sich ganz speziell als Vorbereitung oder Erinnerung an Besuche in einem oder mehreren der vorgestellten Gärten, die im Rahmen der offenen Pforte zu besuchen sind (oder vielleicht waren).
Georg Thiem und Edgar Sommer:
Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Cargo Verlag, 2007
Die Zusammenstellung der niedersächsischen Gartenparadiese ist ein abwechslungsreiches Potpourri. Da gibt es einen Garten im englischen Landhausstil, wo als erste Hürde im Gestaltungskonzept für das rund 3500 m2 grosse Grundstück die Eingliederung von alten Apfel- und Birnbäumen zu überwinden war, die unbedingt erhalten werden mussten. Einen ganz speziellen Zauber umgibt die Waldidylle - ursprünglich ein dichter Fichtenwald mit einer einfachen Holzhütte, die als Wochenendrefugium diente. Letzteres wurde durch einen Holzneubau ersetzt und der Wald gelichtet. In verschiedenen unterschiedlich gestalteten Bereichen finden sich nun viele Schattenpflanzenschätze wie beispielsweise der Tibetische Scheinmohn. Die Pflanzen sind ansprechend mit Kugeln aus verschiedenen Materialien kombiniert und in den Bäumen hängen Spiegel, in welchen sich der Garten reflektiert.
Eher rustikal bepflanzt ist der Garten, der unter dem Motto „Blumiges Landleben“ vorgestellt wird und dessen anfängliche Inspiration auf einen Besuch im Garten des Malers Emil Nolde zurückgeht. Lust auf einen persönlichen Besuch macht nicht nur die Bepflanzung sondern insbesondere auch der beschriebene integrierte kleine Laden „Landleben“, wo die Gärtnerin Auserlesenes für Haus und Garten feilhält. Weitere Kapitel tragen unter anderem Titel wie „Ein Gartentraum“, „Ein Bilderbuchgarten“, „Zauber eines Parks“ „Rosen im Heidesand“ und „Der Garten der Töpferin“.
Ein schönes Buch aus einem Kleinverlag, das den interessierten Leser hinter elf verschiedene Zäune blicken und viel Sehenswertes entdecken lässt. Der Textteil ist recht kurz gehalten, teilweise ist die Druckqualität der Bilder etwas enttäuschend. Die Publikation eignet sich ganz speziell als Vorbereitung oder Erinnerung an Besuche in einem oder mehreren der vorgestellten Gärten, die im Rahmen der offenen Pforte zu besuchen sind (oder vielleicht waren).
Georg Thiem und Edgar Sommer:
Private Gartenparadiese in Niedersachsen
Cargo Verlag, 2007
5. Februar 2012
K.L. Going: The Garden of Eve / Evies Garten
Die zehnjährige Eve zieht mit ihrem Vater knapp ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter nach Beaumont. Ihr Vater hat dort ein grosses Stück Land vollbepflanzt mit Obstbäumen günstig erwerben können. Deshalb günstig, weil die Bäume schon seit langer Zeit keine Früchte mehr tragen. Die Dorfbewohner glauben, dass auf der Plantage ein Fluch liegt, was Evies Vater aber als Aberglauben abtut. Er ist überzeugt, dass die Obstbäume mangels Pflege krank sind und durch richtige Behandlung und viel Arbeit bald wieder Früchte tragen und ihm und seiner Tochter ein Auskommen bieten werden.
Evie vermisste ihre Mutter schmerzlich. Diese hat ihr täglich aus Büchern vorgelesen und Geschichten von schönen Gärten und magischen Ländern mit Einhörnern und Schlössern erzählt. Warum nur schaut die Wirklichkeit so ganz anders aus? Als Evie dann auch noch feststellen muss, dass ihr neues Zuhause direkt an einen Friedhof grenzt, beschliesst sie, keinen Schritt mehr nach draussen zu unternehmen.
Dieser Vorsatz kommt heftig ins Wanken, als das Mädchen vom Fenster aus immer wieder einen seltsam bleichen Jungen sieht, der sich trotz grosser Kälte den ganzen Tag zwischen den Grabsteinen aufhält. Als sie den Jungen namens Alex schliesslich kennenlernt, entdeckt sie, dass er ganz genau so aussieht wie der Junge auf der Prayer-Card, die sie am Tage ihrer Ankunft in Beaumont erhalten hat, als eben dieser Junge zu Grabe getragen worden ist. So zweifelt Evie nicht gross an den Erklärungen des sich zwischen den Gräbern bewegenden Jungen, der behauptet, ein Geist zu sein.
Kurz darauf erhält Evie an ihrem elften Geburtstag von Maggie, der Schwester des verstorbenen Vorbesitzers der Obstplantage, eine Schachtel, die einen einzelnen Samen enthält. Dieser soll aus dem Garten Eden stammen und vor vielen Jahren von Maggies Vater, einem Botaniker und Schatzsucher, nach Beaumont gebracht worden sein.
Als Evie zusammen mit Alex den Samen im Obstgarten einpflanzt, kann sie nicht ahnen, was sie damit auslöst. Die beiden Kinder finden sich unvermittelt in einer magischen Welt wieder. Aber gibt es auch einen Weg zurück? Und was für eine Verbindung besteht zwischen Evie und der gleichnamigen vor Jahren spurlos verschwundenen Schwester von Maggie und ihrem Bruder Rodney?
K.L. Going:
The Garden of Eve
Houghton Mifflin Harcourt, 2007
Evies Garten
Bastei Lübbe, 2012 (erscheint im Mai)
Evie vermisste ihre Mutter schmerzlich. Diese hat ihr täglich aus Büchern vorgelesen und Geschichten von schönen Gärten und magischen Ländern mit Einhörnern und Schlössern erzählt. Warum nur schaut die Wirklichkeit so ganz anders aus? Als Evie dann auch noch feststellen muss, dass ihr neues Zuhause direkt an einen Friedhof grenzt, beschliesst sie, keinen Schritt mehr nach draussen zu unternehmen.
Dieser Vorsatz kommt heftig ins Wanken, als das Mädchen vom Fenster aus immer wieder einen seltsam bleichen Jungen sieht, der sich trotz grosser Kälte den ganzen Tag zwischen den Grabsteinen aufhält. Als sie den Jungen namens Alex schliesslich kennenlernt, entdeckt sie, dass er ganz genau so aussieht wie der Junge auf der Prayer-Card, die sie am Tage ihrer Ankunft in Beaumont erhalten hat, als eben dieser Junge zu Grabe getragen worden ist. So zweifelt Evie nicht gross an den Erklärungen des sich zwischen den Gräbern bewegenden Jungen, der behauptet, ein Geist zu sein.
Kurz darauf erhält Evie an ihrem elften Geburtstag von Maggie, der Schwester des verstorbenen Vorbesitzers der Obstplantage, eine Schachtel, die einen einzelnen Samen enthält. Dieser soll aus dem Garten Eden stammen und vor vielen Jahren von Maggies Vater, einem Botaniker und Schatzsucher, nach Beaumont gebracht worden sein.
Als Evie zusammen mit Alex den Samen im Obstgarten einpflanzt, kann sie nicht ahnen, was sie damit auslöst. Die beiden Kinder finden sich unvermittelt in einer magischen Welt wieder. Aber gibt es auch einen Weg zurück? Und was für eine Verbindung besteht zwischen Evie und der gleichnamigen vor Jahren spurlos verschwundenen Schwester von Maggie und ihrem Bruder Rodney?
K.L. Going:
The Garden of Eve
Houghton Mifflin Harcourt, 2007
Evies Garten
Bastei Lübbe, 2012 (erscheint im Mai)
1. Februar 2012
Carol Olwell: Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Beim Zusammenfassen meiner Gedanken nach der Lektüre von gelesenen Büchern, die ich hier im Blog vorstelle, merke ich immer häufiger, dass mich die Gärtner und ihre Beweggründe zu gärtnern oft beinahe mehr interessieren als das Resultat – sprich der Garten – selber. Genau in dieses Bücher-Beuteschema passt auch die aus dem Jahr 1990 stammende Publikation „Gardening from the Heart“ von Carol Olwell. Unter den Begriffen „The Garden as Paradise“, „The Garden as Provider“, „ The Garden as Teacher“ und „The Garden as Healer“ stellt sie die unterschiedlichsten Persönlichkeiten vor.
Mary Kenady ist auf der Suche nach der absoluten Schönheit und unermüdlich bestrebt, diese Vision zu erreichen. Loie Benedict begann zwar erst im Alter von 68 Jahren, ihre gesamte Zeit dem Garten zu widmen, verbringt nun aber regelmässig sechs bis zehn Stunden pro Tag in und mit ihm und denkt selber gelegentlich, sie sei wohl etwas verrückt, sich in ihrem Alter und trotz heftiger Rückenschmerzen noch dermassen abzuplagen. Da dem Garten und Gärtnern jedoch ihr Hauptinteresse gilt, schiebt sie solche Überlegungen gleich wieder von sich. Schliesslich ist sie schlicht und einfach süchtig.
Bob Shepard gärtnert in der Wüste. Mit Ideenreichtum und viel Mühe hat er der unwirtlichen Landschaft ein Stück abgetrotzt und in eine Oase verwandelt. Und wenn ein Strauch angesichts der schwierigen Bedingungen kapituliert und abstirbt, ist das nicht weiter tragisch, sondern schafft im Gegenteil willkommenen Platz für neues.
Sarah Nichols fand die minimale Grösse ihres Gartens problematisch. Das brachte sie auf die Idee, mit ihrer 110jährigen (!) Nachbarin einen Deal abzuschliessen. Nachdem die trennenden Zäune entfernt worden sind, pflegt Sarah nun ohne Entgelt deren Garten nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Und schon bald nach der Vergrösserung ihres Arbeitsfeldes konnte sie das gleiche Abkommen mit der Nachbarin auf der anderen Seite des Gartens abschliessen und verfügt nun über ausreichend Fläche, um sich im grünen Bereich nach Herzenslust auszutoben.
Weitere interessante Stichworte aus dem Buch sind „Plantaholics“, „Meine Verbindung zum Garten ist eine Liebesbeziehung“, „meine Nachbarn bezeichnen mich als hortikulturellen Imperialisten“, „Ich habe meine Nachbarin erschreckt, weil ich sie mich dabei erwischt hat, wie ich mich bei einer Rose für den nötigen Rückschnitt entschuldigt habe“, „… meine Bäume gehören für mich zur Familie und sind eine Art Ersatz für die weit entfernt wohnenden Familienmitglieder“. Die portraitierten Menschen gärtnern unter den unterschiedlichsten klimatischen und sozialen Bedingungen und wir erfahren von Problemen, die sich in der Wüste stellen oder in Alaska, welche Hindernisse in einer Gefängnisgärtnerei zu überwinden sind und von teilweise recht eigenwilligen und ungewöhnlichen Lösungsansätzen.
Das Buch „Gardening from the Heart“ ist vor über zwanzig Jahren erschienen, hat aber nichts an Aktualität eingebüsst. Wie die vorgestellten Gärtner wohl heute gärtnern und ihre Gärten aussehen? Bei der Lektüre dieser Publikation kommt man nicht darum herum, sich zu überlegen, ob und was in Sachen damals erträumter Ökologie realisiert worden ist. Im Anhang des Buches wird auf rund dreissig Seiten ausführlich über Pestizide und ihre Auswirkungen informiert. Eine ursprünglich aus Schweden stammende Frau erzählt an einer anderen Stelle im Buch von aufrüttelnden Telefonaten mit ihrer Familie in Nordeuropa, wo Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobil noch immer mit gemischten Gefühlen Gemüse angepflanzt und gegessen wird. Und wie sieht es heute aus, nicht einmal ein Jahr nach Fukushima? Die Katastrophe ist in den meisten Köpfen wieder in den Hintergrund gerückt und längst dominieren andere Nachrichten die Schlagzeilen…
Carol Olwell:
Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Antelope Island Press, 1990
Mary Kenady ist auf der Suche nach der absoluten Schönheit und unermüdlich bestrebt, diese Vision zu erreichen. Loie Benedict begann zwar erst im Alter von 68 Jahren, ihre gesamte Zeit dem Garten zu widmen, verbringt nun aber regelmässig sechs bis zehn Stunden pro Tag in und mit ihm und denkt selber gelegentlich, sie sei wohl etwas verrückt, sich in ihrem Alter und trotz heftiger Rückenschmerzen noch dermassen abzuplagen. Da dem Garten und Gärtnern jedoch ihr Hauptinteresse gilt, schiebt sie solche Überlegungen gleich wieder von sich. Schliesslich ist sie schlicht und einfach süchtig.
Bob Shepard gärtnert in der Wüste. Mit Ideenreichtum und viel Mühe hat er der unwirtlichen Landschaft ein Stück abgetrotzt und in eine Oase verwandelt. Und wenn ein Strauch angesichts der schwierigen Bedingungen kapituliert und abstirbt, ist das nicht weiter tragisch, sondern schafft im Gegenteil willkommenen Platz für neues.
Sarah Nichols fand die minimale Grösse ihres Gartens problematisch. Das brachte sie auf die Idee, mit ihrer 110jährigen (!) Nachbarin einen Deal abzuschliessen. Nachdem die trennenden Zäune entfernt worden sind, pflegt Sarah nun ohne Entgelt deren Garten nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen. Und schon bald nach der Vergrösserung ihres Arbeitsfeldes konnte sie das gleiche Abkommen mit der Nachbarin auf der anderen Seite des Gartens abschliessen und verfügt nun über ausreichend Fläche, um sich im grünen Bereich nach Herzenslust auszutoben.
Weitere interessante Stichworte aus dem Buch sind „Plantaholics“, „Meine Verbindung zum Garten ist eine Liebesbeziehung“, „meine Nachbarn bezeichnen mich als hortikulturellen Imperialisten“, „Ich habe meine Nachbarin erschreckt, weil ich sie mich dabei erwischt hat, wie ich mich bei einer Rose für den nötigen Rückschnitt entschuldigt habe“, „… meine Bäume gehören für mich zur Familie und sind eine Art Ersatz für die weit entfernt wohnenden Familienmitglieder“. Die portraitierten Menschen gärtnern unter den unterschiedlichsten klimatischen und sozialen Bedingungen und wir erfahren von Problemen, die sich in der Wüste stellen oder in Alaska, welche Hindernisse in einer Gefängnisgärtnerei zu überwinden sind und von teilweise recht eigenwilligen und ungewöhnlichen Lösungsansätzen.
Das Buch „Gardening from the Heart“ ist vor über zwanzig Jahren erschienen, hat aber nichts an Aktualität eingebüsst. Wie die vorgestellten Gärtner wohl heute gärtnern und ihre Gärten aussehen? Bei der Lektüre dieser Publikation kommt man nicht darum herum, sich zu überlegen, ob und was in Sachen damals erträumter Ökologie realisiert worden ist. Im Anhang des Buches wird auf rund dreissig Seiten ausführlich über Pestizide und ihre Auswirkungen informiert. Eine ursprünglich aus Schweden stammende Frau erzählt an einer anderen Stelle im Buch von aufrüttelnden Telefonaten mit ihrer Familie in Nordeuropa, wo Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobil noch immer mit gemischten Gefühlen Gemüse angepflanzt und gegessen wird. Und wie sieht es heute aus, nicht einmal ein Jahr nach Fukushima? Die Katastrophe ist in den meisten Köpfen wieder in den Hintergrund gerückt und längst dominieren andere Nachrichten die Schlagzeilen…
Carol Olwell:
Gardening from the Heart – Why Gardeners garden
Antelope Island Press, 1990
29. Januar 2012
Elisabeth Tova Bailey: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Zu den Büchern, deren Lektüre letztes Jahr einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht haben, zählt ganz bestimmt der Titel „The Sound of a Wild Snail Eating“, den ich am 13. Juli 2011 vorgestellt habe. Die ans Bett gefesselte Journalistin Elisabeth Tova Bailey erzählt darin ihre Geschichte über die Freundschaft zu einer Schnecke. Das Buch erscheint nun Anfang Februar unter dem Titel „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ auch auf Deutsch. Unbedingt lesenswert!
Nachstehend nochmals meine damalige ausführliche Buchvorstellung:
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Nagel & Kimche Verlag, 2012
Nachstehend nochmals meine damalige ausführliche Buchvorstellung:
Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?
Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.
Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.
Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.
Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.
Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.
Elisabeth Tova Bailey:
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Nagel & Kimche Verlag, 2012
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