6. November 2012

Silvio Waser: Das Waldgartenprinzip

Was ist unter Waldgartenprinzip zu verstehen? Hohe Bäume, wenig Licht und in der Folge eher kümmerliche Pflanzen? Diese Antwort kann wohl schon aufgrund der heutigen meist kleinen Parzellengrösse, mit denen sich die Mehrheit der gärtnernden Mitmenschen begnügen muss, nicht ganz stimmen. Denn in solchen Kleingärten sind hohe Gehölze eindeutig fehl am Platz. Silvio Waser definiert das Waldgartenprinzip als Kombination der vier bekannten Gartenbaumethoden Naturgarten, Nutzgarten, Waldgarten und Blumengarten. Die Grundmotivation für die Wahl des in diesem Buch erklärten Anbauprinzips liegt denn auch nicht in einem möglichst hohen Ernteertrag, der oft nur durch den Einsatz von (chemischen) Düngemitteln erreicht wird, sondern in einer Kombination von Ernteglück und Freude an der der Natur und ihren Bewohnern. Dabei gilt als oberste Maxime: „Alles nützt allen“.

Die Bepflanzung im Waldgartenprinzip erfolgt grundsätzlich auf drei Ebenen. Am Boden wachsen beispielsweise Gemüse, Kräuter und Blumen, während sich Sträucher und Beeren die mittlere Eben teilen. Die oberste Ebene gehört kleinwüchsigen (bis höchstens drei Meter hohen) Obstbäumen, die sorgfältig so gepflanzt und gepflegt werden müssen, dass die unteren Pflanzebenen noch genügend Licht abbekommen. Zum Gärtnern gehört auch die Entspannung. Während die Natur sich weitestgehend entfalten darf, mag und soll der Gärtner sich auch mal ausruhen, Tiere beobachten und einfach nur abschalten. Schliesslich ist ein wichtiger Pluspunkt, der für eine Bewirtschaftung nach dem Waldgartenprinzip spricht, die Reduktion der Arbeitsintensivität im Vergleich mit einem herkömmlichen Gemüsegarten.

Damit das Waldgartenprinzip auch zufriedenstellend funktioniert, sollte der Gärtner über gewisse Grundkenntnisse der Mischkultur verfügen. Denn auch Pflanzen haben Vorlieben und ziehen gewisse Nachbarn anderen vor. Silvio Waser weist ausserdem ausdrücklich darauf hin, dass das wichtigste Kriterium bei der Auswahl der grünen Gartenbewohner deren Herkunft ist, denn es sollen unbedingt einheimische Pflanzen bevorzugt werden. Und wie im „richtigen“ Wald sollen auch im Waldgarten Rückzugsnischen für allerlei Getier geschaffen werden. Zweckmässig sind beispielsweise Totholz, Schnittabfälle, Steine oder Laub. Werden die Beetflächen zusätzlich mit geeignetem Material gemulcht, so lassen sich unerwünschte Kräuter und Pflanzen unterdrücken und es muss weniger häufig gejätet werden.

Im Kapitel „Die Pünt“ gibt es lokale Informationen zu lesen. Der Autor erklärt, dass der Ausdruck „Pünt“ für Schrebergärten tatsächlich nur in der Region Winterthur verwendet wird und sogar im nicht weit entfernt liegenden Zürich nicht gebraucht wird. Erwähnt wird auch die neue Püntenregelung, die letztes Jahr für einigen Aufruhr sorgte und über welche auch überregional in den Medien berichtet worden ist. So sollten beispielsweise strikte Regelungen in Bezug auf Farbe der Häuschen oder Grösse der Bauten eingeführt werden.

Der Autor bewirtschaftet einen seiner eigenen Schrebergärten nach dem Waldgartenprinzip. Sein Schlusssatz mit dem Fazit, dass das Waldgartenprinzip in seiner Einfachheit von jedermann umgesetzt werden und mit wenig Aufwand viel Wirkung erzielt werden kann, von der sowohl der Mensch als auch die Natur profitieren können, gipfelt in der logischen Frage: wer mag mitmachen?

Diese im Eigenverlag erschiene Publikation ist grosszügig mit Fotos des Autors illustriert und bereits das zweite Gartenbuch von Silvio Waser. Es kann kurz zusammengefasst als Plädoyer für die Biodiversität bezeichnet werden und ist mit viel Enthusiasmus verfasst, der das Fehlen eines professionellen Lektorats wettmacht. Das erste Gartenbuch des Autors („Spirituelles Gärtnern“) habe ich bereits früher hier vorgestellt und inzwischen auch meine Skepsis (und Hemmungen) überwunden und ihn in seinem Laden besucht, wo er auch ein vielfältiges Gartenbüchersortiment anbietet.

Silvio Waser engagiert sich übrigens nicht nur in seiner Pünt und mit seinen Gartenbüchern für die Natur. Immer wieder erscheinen in der lokalen Tageszeitung Leserbriefe, in denen er sich für mehr Natur in der Stadt Winterthur einsetzt und beispielsweise die Stadtgärtnerei auffordert, zumindest auf den Baumscheiben Wildblumen zu dulden. Er gibt auch seit ein paar Jahren einen Stadtplan heraus, der hiesige Ladengeschäfte auflistet, die ökologische, fair gehandelte, ganzheitlich hergestellte oder besonders originelle Produkte in ihrem Angebot haben.  



Silvio Waser: 
Das Waldgartenprinzip
Neue Wege gehen Verlag, 2012

2. November 2012

Walburga Liebst: Von Baum zu Baum – Ein Führer zu besonderen Bäumen Zürichs

Warum bei einem Besuch in Zürich nicht einmal die Shoppingmeilen und Museen links liegen lassen und sich auf die Baumwelt konzentrieren? Rund 80‘000 Bäume wurzeln im Stadtzürcher Boden. Walburga Liebst hat 2009 im Haupt Verlag einen Führer zu einer Auswahl von besonderen Exemplaren unter dieser grossen Menge an Gehölzen herausgegeben. Dieser hat auch heute nichts an Aktualität eingebüsst, selbst wenn vielleicht der eine oder andere Baum nicht mehr existieren sollte. Das Wort „besonders“ steht dabei gleichzeitig für einheimisch, exotisch, jung, alt, bekannt und unbekannt.

Die Baumwanderungen führen zwischen Limmat und Schanzengraben, in die Enge, in die Grünanlagen von Wiedikon oder in die Strassen und Gärten von Riesbach, aber auch in andere Quartiere. Zu entdecken gibt es beispielsweise den Rosinenbaum (Hovenia dulcis), die Kakipflaume (Diospyros kaki), den Taubenbaum (Davidia involucrata), den Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), die Gurkenmagnolie (Magnolia acuminata) oder den Haselnussbaum (Corylus colurna). Das Buch soll laut der Autorin dazu einladen, einen kleinen Teil der Baumschätze zu heben und die unterschiedlichsten Gehölze samt teils überraschenden Eigenschaften kennenzulernen.

So erfährt der interessierte Leser, dass der Name „Japanischer Schnurbaum“ (Sophora japonica) auf einen Irrtum zurückgeht, denn der Baum stammt ursprünglich aus China und Korea. Den Weg nach Japan fand er erst durch den Buddhismus. Zwei schöne Exemplare dieser Spezies stehen am Rand der Pestalozziwiese in unmittelbarer Nähe der Bahnhofstrasse. Und hätten Sie gewusst, dass die Erfindung des Stacheldrahtes den spitzen Dornen des Osagedorn oder Milchorangenbaums (Maclura pomifera) nachempfunden ist?

Weiter berichtet Walburga Liebst, dass in der Schweiz Schwarzkiefern (Pinus nigra) nur in Parks und grossen Gärten wachsen, während diese Bäume in Niederösterreich weit verbreitet sind und dort auch landwirtschaftlich genutzt werden. Bis zu vier Kilogramm Harz können nämlich pro Jahr von einem Baum geerntet werden. So wurden im Jahr 2000 in unserem Nachbarland rund vierzig Tonnen des sogenannten Schwarzkiefernpechs für die Papierindustrie und andere Abnehmer verarbeitet.

Favoriten von Landwirtschaftsarchitekten können sich aus unterschiedlichen Gründen zu unbeliebten Eindringlingen entwickeln. Wegen unerwünscht starkem Fortpflanzungsdrang gehört auch der Götterbaum (Ailanthus altissima) mit seinem jährlichen Triebzuwachs von bis zu drei Metern in diese Kategorie. Auch von der anfänglichen Catalpa-Euphorie ist nicht viel übrig geblieben. Die Catalpa speziosa zieht zwar während der Blütezeit sämtliche Blicke auf sich, doch dauert diese nur sehr kurz. Demgegenüber stehen aufwändige Aufräumarbeiten wegen der vielen grossen Blätter und fast unzähligen Früchte sowie mehrere Monate, in denen das Gehölz kahl und unattraktiv wirkt.

Weiter liest man im Buch über Bräuche. Etwa über den, dass in Norwegen an Weihnachten die Wurzeln von Birken mit Bier oder Met begossen werden. Nicht unbedingt der Samtahorn (Acer velutinum) oder andere Gehölze ziehen im Bleulerpark im Sommer die meiste Aufmerksamkeit auf sich, sondern Glühwürmchen, die auf dem Kräuterrasen leuchten. Leider ist das selten gewordene Naturspektatkel nicht öffentlich zugänglich, da die Parktore zum Schutz der Gehölze nachts geschlossen sind.

Besonders viele spannende Bäume lassen sich im Alten Botanischen Garten entdecken. Angekettete Exemplare sind aber auch dort ungewöhnlich. Erforderlich machten diese Sicherheitsmassnahme kleine Wollemie-Kiefern (Wollemia nobilis), die erst 1994 in einem australischen Nationalpark entdeckt worden sind und von denen zum damaligen Zeitpunkt nur noch ungefähr hundert Exemplare am Naturstandort existierten.

Die Baumportraits sind gespickt mit interessanten Informationen wie (vermuteter) Pflanzzeitpunkt der Gehölze sowie historischen, kulturellen und botanischen Details. Im Glossar werden Nicht-Botanikern Fachausdrücke aus den Texten kurz erklärt und das nach Kapiteln gegliederte Literaturverzeichnis listet umfangreiche Quellenangaben für weiterführendes Lesevergnügen auf. Die Standorte der im Buch erwähnten Bäume sind in einer Tabelle mitsamt Koordinaten, Adresse und der nächstgelegenen Bus- oder Tramhaltestelle aufgeführt. Ein Blüh- und Fruchtkalender rundet die aufschlussreiche, grosszügig bebilderte Publikation ab und zeigt, dass sich auch im Herbst und Winter ein Baumspaziergung durch Zürich lohnt.  



Walburga Liebst: 
Von Baum zu Baum – Ein Führer zu besonderen Bäumen Zürichs 
Haupt Verlag, 2009

30. Oktober 2012

Ingrid Weissmann: Ein Mord voraus – Norderstedt-Krimi

August 2009 – In Norderstedt ist die Landesgartenschau 2011 im Entstehen begriffen. Noch 616 Tage bis zur Eröffnung. Der Schrottkünstler Orlando Graf beschäftigt sich derweilen mit seinem eigenen Themengarten aus silbernen Skulpturen, die zwischen Lavendel und Mohn arrangiert werden und die Blicke auf sich ziehen sollen. Denn Kunstobjekte sind seiner Meinung nach deutlich wichtiger als die Blümchen-Gartenschau und er fühlt sich deshalb legitimiert, immer wieder mal die Vorbereitungen zur Landesgartenschau zu stören.

Gleichzeitig erhält die Privatdetektivin Sabrina Sax den Auftrag, einen schon eine Weile zurückliegenden tödlichen Unfall genauer zu untersuchen. Vera Engel, die Mutter des Unfallopfers und Besitzerin des Autohauses am Flughafen, auf das gerade ein Anschlag verübt worden ist, zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass ihr Sohn zum Zeitpunkt des Unfalls nicht am Steuer des Unfallwagens gesessen ist.

Eher widerwillig beginnt Sabrina Sax mit ihren Nachforschungen. Doch schon bald zeigen sich interessante Verbindungen zwischen Autoschiebereien, Menschenhandel, Hehlerei und vermissten Personen. Möchte jemand die Landesgartenschau in Verruf bringen? Wegen der anhaltenden negativen Stimmungsmache gegen die Ausstellung erhält Inga König, die Redakteurin des kulturellen Leseblatts für Norderstedt, von ihrem Vorgesetzten den Auftrag, diese ins rechte Licht zu rücken.

Autos spielen überhaupt wichtige Rollen in diesem Krimi mit Lokalkolorit. Denn auf dem Gelände, auf dem die Landesgartenschau entsteht, werden Fahrzeuge entsorgt und es verschwinden wiederholt Nobelkarossen im gar nicht so beschaulichen Norderstedt. Eine Frau entdeckt in einem Abschleppwagen eine Leiche und eine bekannte Journalistin fotografiert just zu diesem Zeitpunkt den betreffenden Ford und die Umgebung – doch kurze Zeit später ist die Leiche spurlos verschwunden.



Ingrid Weissmann: 
Ein Mord voraus – Norderstedt-Krimi 
Schardt Verlag, 2011

26. Oktober 2012

Will North: Im Licht des Tages

Ist ein nicht mehr ganz junger Architekt, der noch kein einziges Haus gebaut hat, sondern sein Wissen an einer Universität an Studenten weitergibt, kein richtiger Vertreter seines Berufsstandes? Dieser Vorwurf ist nämlich einer von etlichen, die an Andrew Stratton aus Philadelphia nagen, seit seine Frau ihn derentwegen und wegen eines erfolgreicheren Mannes verlassen hat. Um sein Selbstwertgefühl zu stärken und einmal auf andere Gedanken zu kommen, reist er deshalb nach Cornwall, wo er mit eigenen Händen Steinmauern, die hier Steinhecken genannt werden, zu bauen.

Im kleinen englischen Dorf Bocastle lernt der Amerikaner die vierzigjährige Nicola kennen, die sich hier als Malerin ihren Lebensunterhalt verdient und sich gleichzeitig vor ihrer Vergangenheit versteckt. Auch sie stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Die beiden Landsleute liefern sich bei jeder Begegnung heftige Wortgefechte, können aber eine starke gegenseitige Anziehungskraft nicht verleugnen.

Mit jedem Stein, den Andrew für die Hecke bewegt und an seinen richtigen Platz legt und mit dem die kornische Mauer wächst, bekommt er immer mehr Abstand zu seinen Problemen und gleichzeitig fängt sein Herzpanzer an zu bröckeln. Doch Nicola hält ihn auf Distanz und er kommt nicht wirklich an sie heran.Wer hat hier die grösseren Probleme, eine Beziehung einzugehen?

Zwischen die Romankapitel sind meteorologische Berichte eingefügt, die den Leser vorbereiten auf die Naturkatastrophe am Ende der Lektüre. Ein Leitmotiv des Romans ist die lebenslange physische Auswirkung von sexuellem Missbrauch im Kindesalter. In Sachen Hortikultur gibt es nichts Bemerkenswertes zu erwähnen, ausser man zählt die ausführlichen Baubeschreibungen von kornischen Steinhecken zu diesem Thema.  



Will North: 
Im Licht des Tages 
Wilhelm Heyne Verlag, 2010

22. Oktober 2012

Brigitte Bücker: Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt

Seit einiger Zeit kämpft der Vater der 13jährigen Karo mit grossen finanziellen Problemen, konkret sogar ums Überleben seiner Firma. Mangels Aufträgen sieht die Zukunft gar nicht rosig aus. Deshalb traut sich Karo auch gar nicht zu erzählen, dass die bevorstehende Klassenreise samt Segelkurs an die Ostsee satte 200 Euro kostet.

Umso mehr freut sich das Mädchen über ihre Freundschaft mit Jo, Wolle und Bruno. Mit diesen dreien verbringt Karo einen Grossteil ihrer Freizeit. Zurzeit kümmert sie sich allerdings in erster Linie um Bodo, den Hund ihrer kranken Nachbarin Frau Erichsen. Da Karos Mutter an einer Tierhaarallergie leidet, ist Bodo im Schrebergartenhäuschen seines Frauchens untergebracht, so dass Karo täglich zwei- oder dreimal in und um die Schrebergartenkolonie „Grüne Pumpe“ anzutreffen ist.

Mit dem Einverständnis der im Spital liegenden Frau Erichsen dürfen sich auch Karos Freunde in der Parzelle 4 aufhalten. Und passenderweise geben sich die vier als eingespieltes Team auch gleich den Namen „Parzelle 4“ und tragen stolz eigens von Wolle mit einem Logo bemalte T-Shirts. Neben dem Füttern und Ausführen von Bodo gilt das Augenmerk der Jugendlichen hauptsächlich dem Verhindern der geplanten Maulwurfvergiftungsaktion durch den Schrebergärtner in der Nachbarparzelle.

Und als es sich schliesslich sogar ergibt, dass Karo mit ihren drei Freunden gemeinsam die grossen Ferien im Schrebergarten verbringen darf, ist die schulfreie Zeit ohne Urlaubsreise definitiv gerettet - sechs Wochen Parzelle 4!

Gleich die erste Nacht im Schrebergarten wird ausserordentlich spannend und aus einem vermeintlichen Einbrecher in der Nachbarlaube wird unvermittelt Mitglied Nr. 5 der eingeschworenen Truppe, die während der Ferien noch verschiedene Aufgaben - wie etwa das Vereiteln des Verkaufs von Frau Erichsens Parzelle durch ihren Sohn – zu erledigen hat.

Ein spannender Jugendroman um Freundschaft, erste Liebe, Eifersucht, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen.



Brigitte Bücker:
Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt
Baumhaus Taschenbuch, 2012

18. Oktober 2012

Barbara O’Neal: The Garden of Happy Endings

Die 38jährige Elsa arbeitet seit neun Jahren als Seelsorgerin. Sie liebt ihre Arbeit über alles, träumt von Kindern und hört deswegen ihre biologische Uhr immer lauter ticken. Ihr starker Glaube an Gott und Gerechtigkeit wird nach einem Mord an einem jungen Mädchen aus ihrer Gemeinde zum dritten Mal in ihrem Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Die Tragödie trifft sie bis ins Mark und verfolgt sie nachts in ihren Träumen. Schliesslich ist sie körperlich und seelisch dermassen krank, dass sie von ihren Vorgesetzten zu einem mehrmonatigen Sabbatical verdonnert wird.

Elsa kehrt in ihre Heimatgemeinde Pueblo in Colorado zurück, wo inzwischen ihre erste grosse Liebe und früherer Verlobter Joaquin als Father Jack der örtlichen katholischen Kirche vorsteht. Joaquin ist Elsas bester Freund und Vertrauter und gleichzeitig der Grund für die zweite grosse Glaubenskrise, die sie mit Anfang zwanzig durchgemacht hat. Die beiden Verlobten waren damals wochenlang auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gewandet und es schien sonnenklar, dass sie nach diesem eindrücklichen Erlebnis heiraten würden. Doch Joaquin hat sich gegen Elsa und für die Kirche entschieden.

Fast gleichzeitig mit Elsas Rückkehr nach Pueblo bricht das geordnete und durchorganisierte Leben ihrer acht Jahre älteren Schwester Tomasine, genannt Tamsin, auseinander. Ihr Mann taucht ohne Vorankündigung und ohne Spuren zu hinterlassen unter und wird von der Polizei gesucht, weil er mittels dubiosen Finanzgeschäften im Schneeballsystem Millionen von Dollars veruntreut haben soll. Tamsin ist am Boden zerstört. Ihr bleibt nur, was sie am Leib trägt. Ihr geliebtes Haus wird beschlagnahmt ebenso wie der von ihr restaurierte über 100jährige Garten mit alten Pfingstrosen, Kletterrosen, Mohn, Iris und vielen anderen Blumen, die sie liebevoll und stolz gepflegt hat. Verwehrt wird ihr auch der Zugriff auf die Bankkonten und ihre geliebten selbstgemachten Quilts. Die verzweifelte Frau findet Unterschlupf bei Elsa. Doch wie soll Tamsin die Geschehnisse ihrer 22jährigen Tochter Alexa beibringen, die in einem Monat von einem einjährigen Aufenthalt in Spanien nach Pueblo zurückkehrt?

Noch vor ihrer privaten Katastrophe hat Tamsin Father Jack vorgeschlagen, ein als Abfallhalde missbrauchtes Stück Land in einen Gemeinschaftsgarten zu verwandeln. Rund um die Umsetzung dieses Projektes, den Aufbau dieses Community Gardens, der Auswahl von Radieschen, Kürbis und anderen Pflanzen, versuchen die beiden Schwestern, wieder Tritt zu fassen. Tamsin findet eine Anstellung in der Stoffabteilung eines Warenhauses und blüht bei dieser Tätigkeit und den Stunden im Garten richtig auf. Genau wie letzterer selber, ehe er mutwillig zerstört wird.

Elsa ihrererseits freundet sich mit dem Landschaftsgärtner Deacon an, worauf Father Jack eine gewisse Eifersucht nicht verhehlen kann und der Meinung ist, Elsa hätte einen „besseren“ Mann verdient oder zumindest einen mit einer anderen Vergangenheit. Gleichzeitig bekundet der 47jährige Deacon Loyalitätsprobleme gegenüber Father Jack, da dieser ihm vor Jahren während einer schweren Krise den Sinn des Lebens nahe gebracht hat.  



Barbara O‘Neal:
The Garden of Happy Endings 
Bantam Books, 2012

14. Oktober 2012

Jana Kotte (Hrsg.): Berlin gärtnert – Kübel, Beet und Samenbombe

Nach einem Erklärungsversuch, warum der Berliner so gerne gärtnert und einem geschichtlichen Rückblick folgt in diesem Büchlein passend zu den Abschnittstiteln „Gärtnern ohne Garten“, „Gärtnern auf eigener Scholle“, „Gärtnern in öffentlichem Raum“, „Gärtnern in Gemeinschaft“ und „Gärtnern in grossem Stil“ ein Sammelsurium an interessanten Beiträgen. Verfasst wurden dieselben von Umweltaktivisten, Soziologen, Journalisten, Hobbygärtnern und Gartenexperten. Dabei tragen die unterschiedlichen Ansichten und Schreibstile massgeblich Anteil am Charme dieser gleichermassen lehrreichen, informativen wie unterhaltsamen Publikation.

Der Publizist Michael Hinze verrät gleich eine ganze Reihe von Tipps, wie man möglichst günstig gärtnert. So lassen sich Schnittblumenkübel aus dem Supermarkt zu Pflanzkübeln umfunktionieren, aus alten Schränken werden Hochbeete und die Stämme von ausgedienten Weihnachtsbäumen lassen sich als Holzpflöcke verwenden. Fast jedes Wohnhaus verfügt über Balkone und auch deren Bepflanzung untersteht einem Wandel. Denn diese werden heutzutage auch in Berlin immer öfter genau wie früher in Zeiten von Kriegen oder wirtschaftlicher Not mit einjährigem Gemüse bestückt statt mit Pelargonien und & Co. geschmückt.

Ein anderer Artikel ist ein flammendes Plädoyer für die Begrünung von Dachgärten. Bereits die alten Ägypter wussten von der klimaausgleichenden Wirkung von bepflanzten Dächern. Der Autor erläutert detailliert deren Vorzüge und gibt Einblick in die Anlage derselben. Und er möchte am Schluss gleich wissen, wann der Leser seinen eigenen Dachgarten plant. Auch Kunst wird thematisiert. Mal geht’s um Recyclingkunst oder man liest von Kleinkunst wie Putten und Gartenzwergen, die teilweise sogar zu hässlich sein sollen, um geklaut zu werden. Mit Diebstählen hat der Gärtner besonders zur Erntezeit immer wieder Probleme. Auch im Gemeinschaftsgarten ist die Differenzierung von „mein, dein, unser“ nicht immer einfach, wenn ein anderer pflückt, was man den ganzen Sommer über gehegt und gepflegt hat. Denn auch in den vielgepriesenen Gemeinschaftsgärten sind zwischenmenschliche Konflikte an der Tagesordnung und das (Garten-)Paradies Eden auch hier (fast) genau so unerreichbar wie in anderen Gärten auch.

Man liest von einem Automaten an der Papelallee, aus dem man sich statt Bonbons für einen Euro Seeedbombs gönnen kann, von der urbanen Landwirtschaft, der Bücherei des deutschen Gartenbaus, die Anfänge der Gartenstädte und über die Gärten von Karl Foerster, Hannah Höch und Max Liebermann. Eine Guerilla Gärtnerin verrät ihre Erfolgsstrategien. Der Fokus soll nämlich keinesfalls auf Blütenpflanzen gesetzt werden, da diese oft und gerne gepflückt werden. Veränderungen rund um Baumscheiben oder in ungepflegtem Abstandsgrün müssen mit Bedacht vorgenommen werden. Und zwar so langsam, dass sie kaum bemerkt werden und insbesondere sollen robuste und unscheinbare Pflanzen bevorzugen werden.

Thematisiert werden auch Berlins Bäume, die IGA Berlin 2017 sowie die Nichts-Tun-Landschaft des Japaners Fukuoka und dessen Demofelder. Und falls Sie gerne in Berlin gärtnern würden, aber keinen Garten haben, melden Sie sich doch beim im Buch erwähnten mit Nachwuchsproblemen kämpfenden Verein. Der interessierte Leser mit Lust und Zeit wird eingeladen, sich am Mittwoch oder Samstag in einer grünen Initiative zu melden.

Und wo bezieht der Berliner Gärtner sein grünes Material? Am Ende des Buches gibt es eine Liste mit interessanten Adressen und Terminen. Zusätzlich wird in verschiedenen Artikeln darauf hingewiesen, bei Gelegenheit auf Friedhöfen einen Blick in die Kompostbehälter zu werfen. Denn in diesen lässt sich häufig noch verwertbares Pflanzenmaterial finden, wobei aber vorher unbedingt mit der Friedhofsverwaltung abgeklärt werden soll, ob die Entnahme auch geduldet wird.  


Jana Kotte (Hrsg.): 
Berlin gärtnert – Kübel, Beet und Samenbombe
Edition Terra, 2012

10. Oktober 2012

Wieder mal ein Fehlkauf

Dieses Buch war ein unüberlegter Spontankauf. Und noch etwas genauer formuliert: ein Fehlkauf. Aber warum kaufe ich auch ein Buch ohne genaue Inhaltsinformationen, aber mit Gedanken im Hinterkopf, von der Autorin schon mal etwas gelesen zu haben („Wilde Orangen“), das mir überhaupt nicht gefallen hat?

Auslöser für den Kaufentscheid war der Hinweis im Klappentext, wo davon die Rede ist von „sich in die Gartenarbeit zu stürzen“ und ein bisschen wohl auch das schöne grüne Umschlagbild. Botanisches kommt denn auch tatsächlich einiges in der Lektüre vor, doch irgendwie wurde ich mit der Geschichte einfach nicht richtig warm. Ich fand das Buch grösstenteils einfach nur langweilig. Auch wenn sich die Rezensenten mit Lob für dieses Buch überschlagen und es sogar kurz und bündig heisst „Zum Niederknien“. Statt mir noch allzuviele Gedanken über einen Artikel zu diesem Roman zu machen, knie ich mich lieber im Garten nieder, um endlich die letzthin grosszügig eingekauften Blumenzwiebeln einzubuddeln… Aber nun zum Inhalt:

Die Ich-Erzählerin, deren Theologiestudium ihr weder einen Beruf noch einen Mann eingebracht hat, schaut Heiratsannoncen durch, doch kein Inserent kann sich mit den Protagonisten aus der von ihr geliebten Weltliteratur auch nur annähernd messen und es verirrt sich auch kein Prinz auf das abgeschiedene Gut in Südfrankreich, wo sie mit ihrer Tante lebt. Die beiden Frauen widmen sich neben der Lektüre von guten Büchern hauptsächlich der Gartenarbeit. Eifrig wird gesät, gefegt, gerecht, gehackt, geschnitten, gestreut, gemäht, gepflanzt, gesät, gewässert und geerntet. Da wird zur Desinfektion Asche auf die Beete gestreut und im Rucksack, der als Botanisiertrommel dient, werden von überall her Wuzeln, Knollen und Samen nach Hause gebracht und die Nichte wird tagtäglich in Botanik unterrichtet.

So ist jede Pflanze im Garten mit einer Geschichte aus dem Leben der Tante verbunden. Und man erfährt, dass die Tante ihr ganzes Talent an den Garten und dessen Bepflanzung verschwendet, aber bei weitem nicht in der gleichen Liga gärtnert wie etwa Vita Sackville-West oder Elisabeth von Arnim. In erster Linie dient der Garten denn auch als Schutz von der Aussenwelt, als Zufluchtsort und als Nahrungsquelle. Da flattert zur Abwechslung der Frauen eine Einladung nach Indien ins Haus. Der älteste Sohn von Freunden aus einem reichen Sikh-Clan heiratet.

Ab und an habe ich auch Interessantes im Buch entdeckt. Amüsant dünkte mich beispielsweise die Stelle, wo es heisst, dass geschwollene Füsse (Zitat) „ wie knusprige von Sonnenlicht angebratene Masthühner auf einem Hocker liegen ….“. Passen Sie unbedingt auf, falls sie unterhalb der Kieferngegend Pickel haben sollten, diese könnten verraten, dass sie nicht ganz glücklich sind. Und als Gärtner sollten sie nie unterschätzen, welche Macht sie mit ihren Anpflanzungen auf andere ausüben - egal ob sie Kohlköpfe setzen oder Vergissmeinnicht und Trompetenbäume bevorzugen.

Gegen Ende des Buches schreibt die Ich-Erzählerin, der Versuch zu begreifen, warum man Indien liebt, sei ebenso sinnlos wie der Versuch zu erklären, weshalb man das Leben liebt. Ich würde das Wort „Indien“ mit dem Titel dieses Buches ersetzen und weitere Worte meinerseits erübrigen sich.  


Anna Katharina Fröhlich: 
Kream Korner
Bloomsbury Verlag, 2010/2012

6. Oktober 2012

Sabine Reber: Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung

In dieser Liebeserklärung ans Gärtnern erzählt die Schriftstellerin und Gartenpublizistin Sabine Reber wie ihre Leidenschaft fürs Wühlen in der Erde entfacht worden ist. Ein latentes Interesse war zwar schon länger vorhanden, erschöpfte sich aber zunächst in der Beschäftigung mit eher gewöhnlichen Kräutern wie Petersilie und Schnittlauch, einem Orangenbäumchen und einem Gummibaum. Mit dem Gartenvirus richtig infiziert wurde die Autorin an einem verregneten Sonntag in ihrer temporären Wahlheimat Irland, als sie sich mit einem Englisch-Wörterbuch bewaffnet durch englische Zeitungen las und in der Sunday Times die Gartenkolumne entdeckte.

Hatte sie zuvor auf der grünen Insel bereits begonnen in der Küche exotische Gewürze und Kräuter auszuprobieren, tat sich ihr mit dieser Lektüre plötzlich ein enormes Experimentierfeld rund ums Haus auf. Gehemmt wurde die Umsetzung von Ideen einerseits aber zunächst noch durch das kalte Märzwetter und ganz besonders durch mangelndes hortikulturelles Wissen. Doch während das irische Wetter seinem Ruf nachkam und es regnete und stürmte, las sich Sabine Reber durch die englische Gartenliteratur und studierte Pflanzenenzyklopädien. Und als endlich der Frühling einzog, begann sie zwar ohne gärtnerische Praxis, aber mit umso mehr theoretischem Wissen und Enthusiasmus nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ mit dem Projekt Gartengestaltung. Bald wurden die Stunden am Schreibtisch weniger und die Schriftstellerin verbrachte ganze Tage im Garten und las sich abends weiter durch Gartenbücherstapel.

Das Buch ist analog dem (Garten-)jahr in zwölf Kapitel gegliedert. Eingebettet in eine Reise mit dem aktuellen Partner blickt Sabine Reber zurück auf die verschiedenen Gärten, die ihr in den letzten Jahren Zufluchtsort und Refugium waren. Die erste Ehe der Autorin und der Garten in Donegal entwickelten sich nämlich diametral. Während Gemüse und Blumen in den Gartenbeeten zur Hochform aufliefen, war Sabine Reber zerrissen zwischen dem Wunsch, Irland und den Ehemann zu verlassen und dem Begehren, noch mehr Rosen zu pflanzen.

In Kapiteln wie „Mist und Grashalme“, „Rosenduft und Weihrauch“, „Warum die Schweizer so dünn waren“ oder „Baggern für die Frösche“ erzählt die Autorin von Erlebnissen in der Donegal Garden Society, der etwas unüberlegten Anlage eines Teiches am Hang oder von ungeahnten Fähigkeiten, die sie in sich entdeckt, als sie ein Tomatenhaus aus alten aus einem Fluss gefischten Fensterscheiben zusammenbaut. Leider hat es wohl einmal zu heftig gestürmt, denn kurz vor der Tomatenreife stürzte die Konstruktion ein und verwandelte die roten Früchte in eine Art Ketchup. Irlands Klima mit dem vielen Regen hat aber auch unbestritten seine Vorteile und lässt Pflanzen von alleine spriessen, so dass mancher Spaten- und Gestaltungsfehler oder andere gärtnerische Unzulänglichkeiten rasch wieder überwachsen und kaschiert werden. Und natürlich lässt sich die Junggärtnerin auch nicht beirren, als ihr eine Nachbarin weissmachen will, Gemüse aus dem Garten sei unhygienisch. Ständig wird umgepflanzt und "umgebeetet"- zuerst innerhalb des irischen Gartens, später immer wieder von einem Garten zum anderen.

Wer soll dieses Buch lesen? Speziell empfehlenswert ist es für Leserinnen und Leser, die sich – vielleicht nach der Lektüre der früheren Gartenbücher von Sabine Reber - für Hintergrundgeschichten aus dem Leben der Autorin interessieren und wissen möchten, wie sie zum Gärtnern gefunden hat und warum sie als passionierte Gärtnerin dermassen erstaunlich oft Haus und vor allem den Garten zurücklässt. Welches sind die Hintergründe, die sie veranlassen immer wieder ein Haus und einen Garten weiterzuziehen? Die Leserin bekommt beim Lesen den Eindruck, dass die Umzüge jeweils erfolgen, bevor die Gärtnerin und ihre Lieblingspflanzen richtig haben Wurzeln schlagen können.

Unverständlich fand ich die Hinweise am Anfang des Buches „alle Figuren sind frei erfunden, fiktiver Text, jede Ähnlichkeit mit Personen ist zufällig“. Ein Teil der hier erzählten Geschichten ist mir schon von früherem Herumstöbern auf der Webseite der Autorin bekannt. Ich vermute mal, diese Andeutung hat mit einem anderen von mit nicht gelesenen Buch zu tun, wo die Irland-Jahre bereits aus anderer Sicht erzählt worden sind. Diese Neugier bleibt jedenfalls unbefriedigt.

Die Lektüre ist im übrigen sehr persönlich und privat abgefasst. Tessenberger haben wahrscheinlich wenig Freude am Abschnitt über Rebers Garten auf dieser Hochebene. Manches ist mit einem Augenzwinkern zu lesen, etwa wenn es heisst, das Fleckchen Land (der Twanner Garten) konnte erst neu gestaltet werden, als sich der dreihundert Kilo schwere Holzbär namens Herbert eingelebt hatte.

Neugierig zurück bleibt man auch wegen einer Bemerkung am Schluss des Buches und überlegt die allfälligen Konsequenzen derselben. Doch sicher wird bald irgendwo zu lesen sein, ob diese erwähnten Pläne tatsächlich umgesetzt worden sind oder vielleicht zum erwähnten fiktiven Teil des Buches gehören. Jedenfalls bin ich nach dem Lesen über den vielen Müll auf der grünen Insel gar nicht mehr so sicher, ob Irland immer noch zu meinen Traumdestinationen zählen soll oder doch eher nicht.  



Sabine Reber:
Meine Gärten zum Glück – Eine Liebeserklärung
Callwey Verlag, 2012

2. Oktober 2012

Kay Sexton: Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin

Die Autorin möchte in diesem Buch die wichtigsten Fragen, die Schrebergartenneulinge beschäftigen, thematisieren und Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Kay Sextons eigenen diesbezüglichen Erfahrungen beruhen auf ihrer langjährigen Betreuung von acht völlig verschiedenen Schrebergärten an diversen Orten mit unterschiedlichen Anforderungen in Sachen Bodenbeschaffenheit, Klima sowie zwei- und vierbeinigen Nachbarn. Identisch war bei allen Parzellen das angestrebte Ziel: aus einem meist vernachlässigten Stück Land ohne (zu) grossen Einsatz von finanziellen Mitteln und Zeit, das Maximum an Ernte zu erreichen. Denn die „Beziehung“ zu den Gärten bestand ja in einem Betreuungsauftrag und es existierte kein eigener Pachtvertrag mit den üblichen Rechten und Pflichten.

Kay Sexton beschreibt in oft recht witzigem und lockerem Schreibstil, wie sie von der Liga der „Sonntagsgärtner“ (identisch mit Greenhorn) die Stufen nimmt Richtung oberstes Treppchen, wo die echten Schrebergärtner stehen und zuweilen doch etwas hochnäsig herunterschauen auf jene, die noch keine jahrzehntelange Praxis vorweisen können.

„Grüner wird’s nicht“ ist ein Erfahrungsbericht in Romanform. Zuweilen kommt jedoch sogar so etwas wie Spannung auf, wenn sich etwa die Autorin beinahe in einem Krimi wähnt, weil sie unbedingt hinter die Geheimnisse einer scheinbar ziemlich merkwürdigen Schrebergartennachbarin kommen will oder an jener Stelle, bei der es um die überaus komplizierte Wassermelonenzucht geht.

Etwas erstaunt liest man, dass Fehler beim Einhalten von Fruchtwechseln in den Gemüsebeeten ähnlich drastische Konsequenzen haben sollen, wie die Verweigerung der Bezahlung von Schutzgeldern. Die Autorin empfiehlt denn auch eindringlich die Bezahlung dieser Gelder an die pflanzlichen Mafia-Familien in Form von korrektem Gärtnern. Des weiteren schreibt Kay Sexton über Beziehungen, die wegen dem Erfolgsdruck, den Gartenschauen auslösen, auseinanderbrechen, von ungeliebten Preisrichterjobs und von Parzellen-Aufräum-Aktionen, bei welchen mit dem Bulldozer gleich die gesamte Humusschicht abgetragen und wegtransportiert wird.

Der Gartenanfänger erfährt von den Unterschieden der Winter- und Sommergründung, dass Mist einarbeiten nicht gleichbedeutend ist mit Mist bauen, von Winterzwängen und anderen ungeschriebenen Gesetzen und er liest über den permanten wie ein Damoklesschwert über Gemüse und Blumen hängenden Druck, die Beete einwandfrei in Ordnung zu halten, damit nach der nächsten der regelmässig stattfindenden Inspektionen der "Oberen" ja keine Abmahnung oder gar eine Kündigungsandrohung ins Haus flattert.

Neben vielen Rezeptideen – zum Nachkochen und zum Gärtnern – erhält der Leser auch Einblick ins britische Schrebergartenmilieu, insbesondere in das schwierige Prozedere, überhaupt eine Parzelle zur Pacht zu ergattern. Kay Sexton musste Jahre warten, bis sie endlich ihren eigenen Schrebergarten bekam. Diese Zeit überbrückte sie mit sogenannten „Fast-unser-Garten“-Parzellen. Will heissen, sie pflegte Gärten, deren Pachtinhaber längere Zeit abwesend war. Diese Stellvertretungen scheinen für den Pächter eine richtige win-win-Situation darzustellen. Zum Service von Kay Sexton gehört nämlich auch die Verwertung der Ernte inklusive deren Ablieferung oder zumindest eines Teiles davon. Die Gutmütigkeit der Autorin wird zuweilen doch recht stark ausgenutzt. Wie sie selber meint, insbesondere auch von allerlei Getier. Genauso, als hinge am Gartentor eine einladende Tafel mit den Worten „Freie Kost und Logis“.



Kay Sexton: 
Grüner wird’s nicht – Mein wunderbares Leben als Schrebergärtnerin 
Bastei Lübbe, 2012

29. September 2012

Lena Dahlhoff, Melanie Kentsch, Julia Kohlhase, Günter Kükenshöner, Alessa Rohe und Laura Thiele: Die Botanikerin

Am 2. Februar 1890 wird der 52jährige Eisenbahndirektor Ernst Rosenthal von seiner Waschfrau tot vor seinem Haus in der westfälischen Kleinstadt Soest aufgefunden. In Anbetracht der Wichtigkeit der verstorbenen Person wird die örtliche Polizei von Kommissar Carl Lavage aus Münster unterstützt. Dessen Aufgabe besteht darin herauszufinden, ob ein natürlicher Todesfall oder allenfalls ein Verbrechen vorliegt.

In unterschiedlichen Erzählsträngen taucht der Leser ein ins Soester Kleinstadtleben und blickt hinter die Fassaden der bürgerlichen Häuser, zu einer Zeit, wo diese noch menschlich war und nicht in Sekunden gemessen wurde. In verschiedenen Erzählsträngen berichten beispielsweise die Witwe des Verstorbenen, ein Cousin der Witwe, ein verliebter Schüler, der Arzt und Kreispyhsikus Dr. Krämer und Carl Lavage aus ihrer Sicht, was tatsächlich vorgefallen ist oder vorgefallen sein könnte. Man erfährt, dass Rosenthal kein Kind von Traurigkeit war und seine Frau schlecht behandelt hat. Ausserdem war er streitsüchtig und hinter jedem Rockzipfel her. Doch auch seine Frau scheint in ein aussereheliches Verhältnis mit dem hiesigen Apotheker verstrickt zu sein.

Botanisches - in diesem Fall hauptsächlich exotische Pflanzen und botanische Bücher in einem feucht-heissen Wintergarten sowie die titelgebende Botanikerin - kommen erst gegen Schluss dieses historischen Romans ins Spiel. Der hortikulturelle Hintergrund ist also entgegen allfälligen Vermutungen des Titels betreffend sehr eingeschränkt.

Dieser Roman mit Soester Lokalkolorit ist im Rahmen eines Schreibprojektes von fünf Soester Schülerinnen im Alter von sechzehn bis achtzehn Jahren geschrieben worden. Erstaunlicherweise sind keine störenden Stilbrüche in den verschiedenen Erzählsträngen auszumachen. Vermisst habe ich allerdings Titel beim Wechsel derselben. Zuweilen war es doch mühsam herauszufinden, welcher Erzähler nun gerade beim Berichten der Vorgänge rund um den Tod des Eisenbahndirektors an der Reihe war. Etwas gar ausführlich beschrieben wird die Obduktion von Rosenthal, diese Details habe ich mir erspart.  



Lena Dahlhoff, Melanie Kentsch, Julia Kohlhase, Günter Kükenshöner, Alessa Rohe und Laura Thiele: 
Die Botanikerin
Althoff Druck, 2012

25. September 2012

Philippa Pearce: Tom’s Midnight Garden / Tom's geheimer Garten (Buch und DVD)

Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.

Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!

Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.

Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.

Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.

Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.

Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich. Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958.

Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!  


Philippa Pearce: 
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992 

Film von William Carrol: 
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug 
3L Film GmbH, 2012

21. September 2012

Andreas Honegger und Gaston Wicky: Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich

Der Garten von Mina und Andreas Honegger wird bereits in einem Kapitel im Buch „Die geheimen Gärten von Zürich“ kurz vorgestellt. Nun bietet sich Gelegenheit, noch etwas genauer hinter die weissen Zäune mit Efeugirlanden zu schauen. Denn im Rahmen der Reihe „Das Gartenportrait“ aus der Deutschen Verlags-Anstalt ist einer der diesjährigen Herbsttitel diesem Stadtgarten mit besonderem Mittelmeer-Flair gewidmet. Dabei laden insbesondere auch die Fotos von Gaston Wicky zum Schwelgen ein.

Das erste Kapitel ist ein Rück- und Ausblick. Der Autor berichtet hier vom vorgefundenen Chaos beim Hauskauf, während in den folgenden Abschnitten die verschiedenen Pflanzensammlungen und die Gestaltung der einzelnen Gartenteile wie das Alpinum, die Allee der Zitrusbäume oder das Wasser rund ums Haus Thema sind. Der Leser erfährt aber auch von gewissen Konflikten, die gelöst werden müssen in Hinsicht auf die verschiedenen Prioritäten der Eheleute. Während er ein leidenschaftlicher Pflanzensammler ist, legt sie grösseren Wert auf die Gestaltung des Gartens. Dieser beherbergt ganz unterschiedliche Pflanzensammlungen. Um den Teich herum wachsen verschiedene kleine Ahornbäume, die im Herbst mit in verschiedenen Farben leuchtenden Blättern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hinter dem Haus breitet sich ein kleines Arboretum aus und in der sogenannten Zitronenalle stehen rund zwei Dutzend Zitrus-Bäumchen von der Zitrone, Orange, Clementine und Chinotto bis zur Grapefruit in grossen toskanischen Töpfen.

Nichts in dem Stadtgarten in einer Vorortgemeinde von Zürich erinnert inzwischen mehr an den ursprünglichen desolaten Zustand. Freilich war der Beginn der Gartenkarriere mitunter geprägt von Fehlschlägen. Die Hanglage des Gartens in einem ehemaligen Weibaugebiet am Zürichsee erwies sich jedoch als besonders geeignet für die von den Besitzern geschätzten und geliebten mediterranen und subtropischen Pflanzen. Der Garten wird nach wie vor immer wieder verändert. Vom Rasen ist nunmehr eine kleine Fläche übrig geblieben, dafür schmückt ein grosszügiger Schwimmteich die Parzelle und Pläne wie ein grosszügiger Wintergarten und ein abgedeckter Weg für die vielen verschiedenen kälteempfindlichen Zitruspflanzen sind umgesetzt worden.

Wer den gepflegten grünen Rasen im Sommer sieht, glaubt kaum, das sich darunter die Zwiebeln von Schachbrettblumen, Krokus und Zwergiris verbergen, welche die Grünfläche von Februar bis Mai in eine farbenfrohe Augenweide verwandeln. Im Frühling ziehen an der einen Grundstückgrenze Rhododendron in verschiedenen Farben die Aufmerksamkeit auf sich. Sobald deren Blütezeit vorbei ist, profitiert der Garten von den dunkelgrünen Sträuchern als ruhigem Hintergrund.

Der ungewöhnlich kalte Februar 2012 forderte auch in diesem Garten etliche Opfer. Doch glücklicherweise konnte die Zitruspflanzensammlung mit Hilfe von Grillkohle über die Kälteperiode gerettet werden. Da sämtliche Heizkörper ausverkauft waren, kamen die Gartenbesitzer auf die Idee, mittels in grossen Becken angefeuerter Grillkohle der eisigen Kälte zu trotzen. Dank dieser Bemühungen haben die Zitrusbäume die temporäre Eiszeit gut überstanden und der Rauch hatte den willkommenen Nebeneffekt, Schädlinge auszuräuchern bzw. in Zaum zu halten. Wenn nicht gerade ungewohnt kalte Winter den subtropischen Bewohnern zusetzen, gedeihen diese ausgesprochen prächtig. So prächtig, dass einige Exemplare in Töpfen bald die Decke erreichen. Da ist es ganz praktisch, wenn die beiden Wellensittiche dabei behilflich sind, die Grösse der Palmfarne in Schach zu halten, indem sie liebend gerne an deren Wedeln knabbern.

Auch ausserhalb der Zitronenalle hatten die grünen Gartenbewohner mit der Kälte zu kämpfen und verschiedene Gewächse haben sich definitiv verabschiedet, sind also auch im Laufe des Sommers nicht mehr aus dem Wurzelstock ausgetrieben. Daneben gibt es auch immer mal wieder Pflanzen, die einer Umgestaltung – gewollt oder auch ungewollt – zum Opfer fallen. So verdient sich ein Apfelbaum, der eine gelbe Magnolie ungebührlich bedrängt, seine Daseinsberichtigung nur damit, dass er Gastgeber einer Mistel ist, die aus einem an dessen Stamm geklebten Samen gewachsen ist.

Zum Garteninventar zählen auch zwei jahrhundertealte Olivenbäume. Sie sind als ausgewachsene Exemplare mit entsprechendem Aufwand in den Garten gezogen. Einiges Aufsehen erregte die letztjährige Aktion, eine hoch gewachsene Araukarie, die in der Nachbarschaft gefällt werden sollte, mit einem Kran in den Honegger-Garten zu hieven. Auf dem Foto, das dieses Unternehmen dokumentiert, erscheint der riesige Baum wie ein Spielzeug. Eine weitere Liebhaberei (der Autor selber schreibt von einer Spinnerei) sind die verschiedenen Bahnstrecken, die durch den Garten führen und auf denen Züge verkehren können, die sogar mit Sound- und Rauchanlagen ausgerüstet sind.

Meine persönliche mediterrane oder exotische Phase, in welcher ich (fast) jeden Kern oder Samen von dannzumal noch nicht alltäglichen Früchten wie Avocado, Litchies oder Karambole aber auch Zitrusfrüchten in die Erde steckte und ungeduldig darauf wartete, was sich daraus entwickeln würde und bei jedem Besuch in Norditalien mit dem Kauf einer kleinen Araucarie liebäugelte, liegt schon länger zurück. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich eher als unscheinbar zu bezeichnende Blüten, die ich vor wenigen Jahren nicht als besonders anziehend bezeichnet hätte. Und ich bevorzuge Pflanzen, welche die kalten Monate ohne besonders aufwendigen Winterschutz überstehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, finde ich den Garten Honegger mit seinen zahlreichen Exoten beeindruckend und habe die kürzliche Gartenführung ungeachtet des Dauerregens genossen. Ein Zückerchen war dabei natürlich die eine oder andere Anekdote aus dem Buch direkt von Gärtnerin, Gärtner und dem Fotografen erzählt zu bekommen!



Andreas Honegger und Gaston Wicky: 
Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

17. September 2012

Peter Freudenberger: Stiller und der Gartenzwerg

Wenige Tage nachdem Strunke, der Vorsitzende der Kleingartenanlage "Radieschenparadies", seine zehn Gebote und Verbote des Kleingärtners an die schwarzen Bretter der Kolonie geheftet hat, liegt er tot vor seiner Laube. Nicht nur mit diesen Geboten hat sich Strunke zu Lebzeiten unbeliebt gemacht. Er war gewissermassen Weltmeister im ständigen Erfinden von eigenen Regeln und pochte rigoros auf deren Einhaltung. Er gab sich nicht nur die Kompetenz über die Breite von Beeten und die Grösse von Türgriffen an den Gartentörchen zu bestimmen, er wachte auch über die Länge der Gardinen hinter den Laubenfenstern. Kein Wunder, dass sich seine Beliebtheit in recht engen Grenzen hielt und er den wenig schmeichelhaften Übernamen „E 605“ verpasst erhalten hat.

Der Journalist Paul Stiller interessiert sich für die Aufklärung dieses Tötungsdelikts und ist fest davon überzeugt, dass der Mörder im Laubenpieper-Milieu zu suchen ist. Darum übernimmt er inkognito eine temporär verwaiste Parzelle zur Betreuung und lässt seinem kriminalistischen Spürsinn freien Lauf. Gelingt es ihm, etwas herauszufinden, was die Polizei noch nicht weiss?

Wie auch das Team um den Ermittler Strobel bereits herausgefunden hat, hielt sich Strunke selber nicht einmal an die offiziellen Schrebergartenvorschriften. Seit ihn nämlich seine Frau Ursula aus dem gemeinsamen Heim herausgeworfen und die Scheidung eingereicht hat, weil sie genug von Beeten, Beeren und Botanik hatte, schlief Strunke nämlich heimlich in seinem Gartenhäuschen. Liegt das Mordmotiv vielleicht darin, zu verhindern, dass der verlassene Ehemann vor dem Vollzug der Scheidung das eheliche Vermögen verprassen könnte? Oder hat sich ein Pächter für eine Schikanekündigung gerächt?

Ein Regionalkrimi mit Lokalkolorit, mit einer etwas irritierenden Anhäufung von Namen, die mit „St“ beginnen: Strunke, Stiller, Strobel. Diese Tatsache machte besonders zu Beginn der Lektüre die Orientierung etwas mühsam.



Peter Freudenberger: 
Stiller und der Gartenzwerg 
Hermann-Josef Emons Verlag, 2012

13. September 2012

Ruth Kassinger: Paradise under glass

Ein Spaziergang durch das U.S. Botanic Garden’s Conservatory weckt in Ruth Kassinger den Wunsch auf einen eigenen Wintergarten. Nach einer schweren Zeit mit eigener Brustkrebserkrankung und der Begleitung der Schwester durch eine unheilbare Krankheit bis zum Tod träumt sie plötzlich von einem Indoor-Dschungel als Rückzugsort. Ihr bisheriges Interesse an Grünzeug beschränkte sich im grossen und ganzen auf mehrheitlich vernachlässigte Topfpflanzen. Doch wenn die Autorin, die sich bisher hauptsächlich durch das Verfassen von Sach- und Geschichtsbüchern für Jugendliche einen Namen gemacht hat, sich mit einem Thema beschäftigt, dann richtig.

In ihrem Buch „Paradise under glass“ erzählt sie von der Entwicklung ihres braunen in einen grünen Daumen. Doch bevor es überhaupt dazu kommt, sich mit der Hege und Pflege von exotischen Pflanzen zu beschäftigen, gilt es zunächst einmal etliche Hürden im Zusammenhang mit der Beschaffung der Baubewilligung und dem Bau des Wintergartens zu überwinden.

Nachdem diese Hindernisse beseitigt sind, der Wintergarten mit ersten Pflanzen und Mobiliar eingerichtet ist, kommt an einem grauen Wintertag die Idee auf, dass farbige Schmetterlinge gut ins Glashaus passen müssten. Ob das gut geht? Für genaue Abklärungen fliegt die Frau aus der Nähe von Washington kurzerhand nach Florida und lässt sich in die Geheimnisse der Raupen- und Schmetterlingswelt einweihen. Sie erfährt, dass ihr Wunsch gar nicht so aussergewöhnlich und die Umsetzung nicht unmöglich ist. Und spätestens beim Füttern der Raupen lernt sie, wie wichtig botanische Namen sind und dass „milkweed“ nicht gleich „milkweed“ ist oder sein muss.

In das Buch eingebettet ist allerelei Wissenswertes wie beispielsweise Geschichten über Pflanzenjäger, die Meuterei auf der Bounty, die Entwicklung von Glashäusern und über Joseph Paxton. Die Autorin erwähnt diverse Besuche bei (Spezial)Gärtnereien oder gelbe Clivien, die zum Stückpreis von USD 995 den Besitzer wechseln, und berichtet über die hängenden Gärten von Patric Blanc. Zuweilen verliert sie sich in Details. So wird bei einem Besuch bei Glasshouse Works detailliert das (gesamte?) Nicht-Pflanzen-Sortiment an DDDWNB (Dingen, die die Welt nicht braucht) aufgezählt.

Das Glasparadies wird von allen Familienmitgliedern, auch den Kindern im College-Alter, geschätzt und zum bevorzugten Aufenthaltsraum. Ja, es führt sogar dazu, dass die Familie sich öfters zur gleichen Zeit im selben Raum statt in unterschiedlichen Zimmern aufhält. Ruth Kassinger lernt, dass “keep evenly moist“ gleichbedeutend ist mit dem garantieren Tod der Pflanze, da sie nach wie vor zu Vernachlässigung tendiert und keine grünen Bewohner schätzt, die zuviel Aufmerksamkeit fordern. Hortikulturelle Probleme, zum Beispiel solche mit Ungeziefer, genügen ihr als Herausforderung im grünen Bereich.

Denn den erträumten perfekten geschützen grünen Rückzugsbereich gibt es nicht – auch in diesem Refugium sind regelmässige Veränderungen an der Tagesordnung und müssen akzeptiert werden. Alles ist im Fluss – ein Kommen und Gehen von Familienmitgliedern, Freunden, Schmetterlingen, Pflanzen …  


Ruth Kassinger: 
Paradise under glass – An amateur creates a conservatory garden
William Morrow, 2010