14. Januar 2013

Thomas C. Cooper (Hrsg.): The Roots of my Obsession – Thirty Great Gardeners Reveal why they Garden

Gründe zu gärtnern gibt es deren viele. In diesem Buch erzählen dreissig Gärtnerinnen und Gärtner, aufgrund welcher Erlebnisse sie geerdet worden sind. Ob das sogenannte Drama vor dem Fenster, wo Bambus so schnell wächst, dass man dabei (fast) zusehen kann, tatsächlich vergleichbar spannend ist wie eine informative TV-Sendung, mag jeder für sich selber entscheiden. Es gärtnert auch nicht jedermann aus Liebe zu Pflanzen. Auch das Interesse an Tieren, die im Grünen kreuchen und fleuchen, können ein Grund dafür sein. Amy Stewart („Gemeine Gewächse“) wiederum wundert sich, warum Leute für das Beobachten von Walen (Whale Watching) viel Geld ausgeben, wenn sie im Garten Springschwänze und andere Tierchen ganz umsonst in ihrem Lebensraum betrachten können.

Tony Avent ("So you want to start a nursery") erzählt von seiner Enttäuschung beim Besuch einer Versand-Gärtnerei. Zusammen mit seinem Vater hat er dort als kleiner Junge nach einer vierstündigen Anreise ausser ein paar Beeten mit einjährigen Pflanzen keinen Garten ausmachen können. Jedenfalls hatte er aufgrund der von ihm geschätzten tollen Kataloge dieses Unternehmens etwas ganz anderes erwartet. Aber genau in diesem Moment hat er beschlossen, eines Tages seine eigene Versandgärtnerei mit einem daran angeschlossenen Garten aufzuziehen. Und zwar einem Garten, der keinen Besucher enttäuscht. Ob ihm das gelungen ist, sehen Sie (wenigstens virtuell) hier.

Dann gibt es den Neunjährigen, der schon für den gesamten Familiengarten verantwortlich war oder die Landschaftsdesignerin, die erst nach Jahrzehnten „Bäume verschieben“ für sich selber die Freuden an der direkten Beschäftigung entdeckt, die zu Dreck unter den Fingernägeln führt und ausführlich den Unterschied erklärt zwischen dem „pure mind gardener“ und dem „dirt gardener. Das Budget des erwähnten Nachwuchsgärtners für Samen und Setzlinge war seinerzeit sehr stark eingeschränkt und stand in einem krassen Missverhältnis zu den farbenfrohen Träumen von Frühlingsblühern. Demzufolge umfasste die jährliche Blumenzwiebelbestellung halt jeweils nur gerade bescheidene drei Exemplare.

Geständnisse können auch eine jahrelange Freundschaft auf die Probe stellen und das Vertrauen in den Grundfesten erschüttern. Diese Erfahrung machte ein anderer Gärtner, der sich als kleiner Junge regelmässig ohne schlechtes Gewissen in den Nachbarsgärten wie in Selbstbedienungsläden (natürlich solchen ohne Kasse) fühlte und aufführte und viele Jahre später sein Gewissen erleichterte. Immerhin ist er heutzutage vielleicht gerade deswegen umso grosszügiger im Teilen seiner eigenen grünen Schätze und der Ernte von denselben.

In weiteren Kapiteln geht es etwa um den fast aussichtslosen Kampf gegen Rehe, Eisstürme und Überschwemmungen, Strassenarbeiter, die im Vorbeigehen Büsche abhacken, und Grossmütter, die den Samen zu Gartenliebe pflanzen oder an und für sich mehrjährige Stauden, die sich witterungsbedingt regelmässig als Einjährige entpuppen. Aufzeichnungen finden sich im Buch unter anderem von Helen Dillon, Fergus Garrett, Daniel J. Hinkley, Roy Lancaster, Anna Pavord, Margaret Roach, Penelope Hobhouse, Ken Druse und David Wheeler.

Der Schlusssatz in Claire Sawyers Essays passt auch ausgezeichnet ans Ende dieser Buchvorstellung: Die wirklich interessante Frage ist nämlich nicht, warum gärtnere ich, sondern warum gärtnert nicht jedermann.



Thomas C. Cooper (Hrsg.): 
The Roots of my Obsession – Thirty Great Gardeners Reveal why they Garden 
Timber Press, 2012

10. Januar 2013

Oskar Freysinger: Löwenzahn oder Der alte Mann an der Suone

Vitus ist lebensmüde. Doch seine Versuche, seinem Leben ein Ende zu setzen, scheitern allesamt. Da entdeckt er mit fünfundsechzig Jahren völlig unerwartet seine Lebensaufgabe, und zwar als er stolpert, der Länge nach hinfällt und seine Nase in einer Löwenzahnblüte steckt. An diesem Tag mutiert er zum Revolutionär mit dem Kriegsnamen „Die grüne Hand“ und verfolgt hernach unermüdlich das Ziel, seinen persönlichen Kampf gegen die Monokultur längs der Suone mittels Begrünung eines Stücks Erde zu gewinnen. Denn die in Reih und Glied stehenden Rebstöcke erscheinen ihm plötzlich wie Soldaten, die ihm ein Dorn im Auge sind.

Vitus Enkel, der von seiner Mutter einfach bei diesem abgegeben und nie mehr abgeholt worden ist, erzählt in diesem schmalen Büchlein in Ich-Form von den Offensiven seines Grossvaters, die Umgebung nachhaltig zu verändern und seiner eigenen tatkräftigen Mithilfe. Diese beinhalten etwa das Versenken von Blumenzwiebeln im Boden sowie das Aufziehen von Setzlingen in einem in ein Gewächshaus umfunktionierten Schuppen und das Botanik-Selbststudium. Ein ausgeklügeltes Drainagesystem und eine gut durchdachte Pflanzenfolge einheimischer Gewächse verwandeln die Hügel zusammen mit Teppichen aus Blaukissen und Polsterastern in hängende Walliser Gärten. Und schliesslich bricht Vitus sogar ein ungeschriebenes Gesetz und entfernt Rebstöcke und pflanzt an deren Stelle die verschiedensten Gehölze.

Die Begrünungsaktion ruft auch Neider auf den Platz und die Bosheit eines Nachbarn, dem die tägliche Streitgrundlage entzogen worden ist, muss galant ausgetrickst werden. Der Enkel zieht schliesslich in die weite Welt hinaus, wo er mit seinem hortikulturellen Wissen Gärten und Parks anlegt, während der Grossvater daheim die Finanzkrise für seine Zwecke zum Vorteil umkehrt und direkt profitiert, indem er seine Ersparnisse in scheinbar wertlose Parzellen investiert. Ist er tatsächlich ein Spinner oder vielleicht doch ein Visionär?

In die Erzählung werden wiederholt Weisheiten eingebettet wie (Zitat) „Man kann die Welt nicht verändern, aber das kleine Wegstück, das man auf ihr zurücklegt und „Wer in einem Löwenzahn die Sonne sieht, den strahlt die ganze Welt an“. Für sich spricht auch die Erklärung der Allgemeinheit auf diesen „spontanen botanischen Garten“ oder dieses „naturbedingte Kuriosum“.

Auch wenn Sie allenfalls das Heu nicht auf der gleichen politischen Bühne haben wie der Autor – schieben Sie solche Vorbehalte für einmal einfach beiseite und tauchen Sie in diese poetisch angehauchte und zum Nachdenken anregende Parabel ein. Es lohnt sich.



Oskar Freysinger: 
Löwenzahn oder Der alte Mann an der Suone
Weltbild Verlag, 2012

6. Januar 2013

Dr. Seuss: Der Lorax (Buch und DVD)

Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der nur künstliche Bäume existieren, bei denen auf Knopfdruck mit der Fernbedienung die Jahreszeiten gewechselt werden können? Der zwölfjährige Ted wohnt in der Stadt Thneedville, in welcher alles – eben auch die Bäume und Blumen – aus Plastik ist. Alles scheint bunt und farbenfroh, aber unecht und erinnert an ein Leben in einem Freizeitpark. Und sogar die frische Luft aus der Flasche muss bezahlt werden.

Von seinem Schwarm Audrey erfährt Ted von echten Gehölzen, denn das Mädchen hat einen richtigen Baum mit prächtigen Seidenpusseln gemalt. Solche nach Schmetterlingsmilch duftenden Gehölze haben früher anscheinend das hiesige Landschaftsbild geprägt und Audrey möchte unbedingt einen solchen Baum besitzen. Um seiner Angebeteten diesen Wunsch zu erfüllen und bei ihr einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, würde Ted alles tun. Von seiner Grossmutter erhält er den entscheidenden Tipp, wie und wo er sich nach Seidenpussel- oder Trüffelabäumen erkundigen kann. Er soll sich an den Once-ler wenden, der ausserhalb der künstlichen Stadt wohnt. Dieser Mann weiss genau, was mit den Trüffelabäumen passiert ist und er ist bereit, jedem davon zu erzählen, der als Bezahlung eine Schnecke, 15 Cent und einen Reissnagel mitbringt.

Trotz Verbot die Stadt zu verlassen, macht sich Ted auf den Weg zum Once-ler. Nachdem er ausserhalb der Mauern durch eine baumlose von Ruinen gesäumte Landschaft gefahren ist, trifft er bald auf die seltsame Behausung des eigenartigen Einzelgängers. Dieser berichtet ihm tatsächlich gegen die bekannte Bezahlung vom Paradies, das er seinerzeit als junger Mann und Erfinder angetroffen hat, als er nach langem Herumreisen in diese Gegend gekommen ist. Eine ganz besondere Tierwelt lebte damals hier und farbige Seidenpusseln schaukelten im Wind.

Doch kurzentschlossen und ohne gross zu überlegen fällte der Once-ler dazumal einen Baum, um aus den Seidenpusseln einen Schnauch zu stricken. Die Fällaktion löste sofort ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner aus und ein mystisches Wesen, der Baumwächter Lorax, entstieg dem Baumstrunk. Dieser Lorax warnte den jungen Erfinder eindringlich vor weiteren Fällaktionen und forderte ihn auf, umgehend wieder zu verschwinden. Doch der Once-ler liess sich weder durch Drohungen noch durch Verfluchungen von seinen hochtrabenden Plänen abbringen. Er hatte mit dem Schnauch, einem Textilprodukt, das sowohl als Hut, Socke, Pullover, Vorhang und Kissen wie auch als Putzlappen und Teppich verwendet werden konnte, einen nachfragestarken Artikel erfunden, den ihm die Leute aus den Händen rissen. Er stapfte in der Folge ein florierendes Familienunternehmen aus dem Boden und fällte schamlos Baum um Baum. Und während das Geschäft des Once-lers blühte, fehlte es den in der Gegend lebenden Tieren bald an Nahrungsquellen, weil die gesamte Umgebung und die Luft verschmutzt und vergiftet waren.

Anlässlich der Verfilmung (Trickfilm) dieses Kinderbuches aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Verlag Antje Kunstmann eine neue deutsche Übersetzung herausgebracht. Autor dieses auch heute noch aktuellen Klassikers zum Thema Umweltschutz war Dr. Seuss (1904 - 1991), einer der grössten und bekanntesten amerikanischen Kinderbuchautoren ("Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat).



Dr. Seuss: 
Der Lorax (Deutsche Übersetzung von Nadia Budde)
Verlag Antje Kunstmann, 2012 

Dr Seuss:
Der Lorax (DVD) Universal Studios, 2012

2. Januar 2013

Carmen Szadzik und Melitta Kolberg: Verrückt nach Frühling – Zu Gast in 25 bildschönen Zwiebelblumengärten

Der jahreszeitlich richtige Zeitpunkt für die Lektüre dieser Publikation und den Buchbesuch in  25 Zwiebelblumengärten wäre wohl eher im Spätsommer und Frühherbst, damit die gewonnenen Ideen auch gleich umgesetzt werden können, also die Verheissung in Form von Blumenzwiebeln eingegraben werden kann. Demgegenüber ist der Zeitpunkt für diese Buchvorstellung geeignet, um vielleicht rechtzeitig einen Ausflug zur Zwiebelblumenblüte in den einen oder anderen Garten zu planen und sich mit eigenen Augen vor Ort einen persönlichen Eindruck zu verschaffen über die Umsetzung von perfekten Blütenentwürfen. Die in Kurzportraits in Wort und Bild vorgestellten Gärten befinden sich in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Der am südlichsten gelegene Garten ist „De Heerenhof“ in Maastricht. Details wie Adressen, Webseiten und Hinweise zu speziellen Anlässen finden sich im Serviceteil unter „Zum Nachreisen“.

Das Buch ist analog den verschiedenen Blühhöhepunkten der Frühjahrsblüher in die Kapitel „Vorfrühling“, „Frühling“ und „Spätfrühling“ gegliedert. Den Anfang machen demnach die Zwiebelblumenzwerge wie Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge und Märzenbecher. Weiter geht es im April mit einem Meer aus Blausternchen und Puschkinien, das in einem Garten in Bissendorf die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht, während auf dem Hof Hilligenbohl Osterglocken und Narzissen dominieren. Neben Privatgärten wird im Kapitel „Frühling“ auch dem Keukenhof ein Portrait gewidmet.

Auf den Fotos im Spätfrühling spielen purpurviolette Lauchkugeln (Allium) die Hauptrolle. Hier lassen sich Ideen für Kombinationen dieser Akzente setzenden Blüten auf hohen Stängeln mit rosafarbenem Knöterich abgucken oder solche mit der Triumphtulpe „Dreaming Maid“. Etwas störend in all dieser farblichen Perfektion von violettem Blütenrausch in frühlingsgrüner Umgebung und passender Begleitbepflanzung dünkten mich einzig die roten Kissen auf den zwei grauen Liegestühlen.

Sie träumen nach dem Schwelgen in den Fotos dieser Publikation von einer eigenen Krokuswiese, unzähligen Tuffs mit Narzissen oder farblich und in der Höhe optimal abgestimmte Tulpenbeeten, die sich wie Bänder durch den Garten schlängeln? Im Kapitel „Zum Nachlesen“ finden Sie Tipps zur Pflanzenauswahl und Starthilfe für persönliche Zwiebelblumenhöhepunkte in Ihrem Garten. Die Autorin ermuntert zum Experimentieren und empfiehlt beispielsweise Engelstränennarzissen und Sommerknotenblumen als Alternative, wenn sich Wühlmäuse über die Damentulpen hermachen oder ausdauernde Blüher wie Anemonen einzusetzen.

Diese farbenfrohe und informative Publikation ist im Eigenverlag erschienen und eine passende Einstimmung auf den kommenden Frühling, wenn endlich wieder lebendige, zeitlich begrenzte Gemälde in den Gärten zu entdecken sind, die nach dem Verblühen wiederum von der Vorfreude auf den übernächsten Frühling abgelöst werden...



Carmen Szadzik und Melitta Kolberg: 
Verrückt nach Frühling – Zu Gast in 25 bildschönen Zwiebelblumengärten 
Eigenverlag, 2011

30. Dezember 2012

Stecken geblieben und dies und das

Die kürzliche Blogpause habe ich auch dazu genutzt, auf dem Büchergestell durch das Wegräumen (nicht identisch mit Entsorgen!) von beinahe zwanzig Jahrgängen der Zeitschrift Gardens Illustrated ein klein wenig Platz für Bücher zu schaffen und die Auflistung der gelesenen Bücher hier rechts im Blog auszumisten. Denn einige der Titel waren doch schon recht lange aufgeführt, obwohl ich irgendwann im Laufe des letzten Jahres mitten in der Lektüre stecken geblieben bin oder mich aus verschiedenen Gründen gegen eine ausführliche Buchvorstellung im Sofagarten entschieden habe. Aktuell stehen nun in der Rubrik „Zuletzt gelesen …“ nun nur noch Bücher, deren Vorstellung zumindest im Entwurf schon existiert.

Ausgemustert habe ich beispielsweise Nina Gerlachs Dissertation „Gartenkunst im Spielfilm“. Das Buch ist mir für die Lektüre in einem Ruck eindeutig zu trocken. Ich nehme es sicher wieder einmal hervor, wenn ich mir gelegentlich einmal eine DVD mit hortikulturellem Hintergrund gönnen möchte. Bis jetzt bin ich in der Publikation allerdings fast ausschliesslich auf mir bereits bekannte Filme gestossen.

In nächster Zeit definitiv keine ausführliche Buchvorstellung geben wird es auch von Jakob Augsteins „Die Tage des Gärtners“ und Christiane Büchs „Gärtnerseelen“. Im ersten bin ich mehrere Male steckengeblieben und habe irgendwann nicht mehr weiterlesen mögen, während mich das Projekt „Gärtnerseelen“ je weiter ich gelesen habe, desto mehr enttäuscht hat. Die Idee hinter dem Buch fand ich spannend, hatte mir aber einen anderen Inhalt vorgestellt und gleichzeitig wenig Freude am zunächst geringen und später immer ausgeprägteren esoterischen Touch. Die Buchgestaltung fand ich hingegen sehr ansprechend, insbesondere auch die eingeschobenen quasi handschriftlichen Briefe, obwohl ich mich recht konzentrieren musste bei deren Lektüre und diese als leseunfreundlich empfand.

Diesen Herbst war ich gleich an mehreren Lesungen und Vorträgen. So kürzlich an einer Veranstaltung von Beat Schlatter und Stephan Pörtner zur Buchpromotion „Bin gleich zurück“. Gleich die erste Geschichte handelte von einem Streich an einem Gärtner oder genauer an dessen Kirschbäumen. Viel mehr aus dem Reich der Botanik gab es dann in der sehr unterhaltsamen Publikation nicht zu lesen und ich habe auch während der gesamten Lektüre nicht herausfinden können, was für eine Bewandtnis es mit den Orchideen auf dem Titelbild hat.

Sehr informativ und interessant zu lesen war auch das Programm zur im November besuchten Aufführung des Musicals „Der kleine Horrorladen“ von den Uckermärkischen Bühnen Schwedt im hiesigen Stadttheater. Für den kleinen Betrag von CHF 2 liest man eine Einführung in die Kryptobotanik und verschiedene Mythen und Legenden mit Titeln wie „Der Bernikel-Baum“, „Das Skythische Lamm“ oder „Der Man-eatingTree“. Das Musical ist übrigens auch verschiedentlich verfilmt worden und als DVD ("Little Shop of Horrors") erhältlich.

Ein gesundes und erfreuliches neues Jahr und viele interessante Lesestunden wünscht Ihnen die Sofagärtnerin, die in den Frühlingsvorschauen verschiedener Verlage schon einige interessante Bücher entdeckt hat und sich bereits auf das kommende Lesefutter (wie etwas die deutsche Übersetzung des Briefwechsels von Beth Chatto und Christopher Lloyd)  freut.

27. Dezember 2012

Robin Pilcher: Das Haus hinter den Hügeln

Dieser Roman wird in verschiedenen Strängen erzählt. In den ersten Kapiteln lernt man vorwiegend wichtige Abschnitte aus verschiedenen Jahren in Claire Barringtons Kindheit und Jugend kennen. 1998 erlebte die verliebte junge Frau die grösste Enttäuschung ihres Lebens. Scheinbar grundlos wendet sich ihr langjähriger Jugendfreund Jonas von ihr ab. Aus einem temporären Auslandaufenthalt resultiert für Claire daraufhin eine definitive Niederlassung in Amerika.

Im Jahr 2005 ist Claire glücklich verheiratet, Mutter einer Tochter und führt zusammen mit ihrem Mann Art ein kleines gut florierenden Restaurants in New York. Mitten im hektischen Alltag erreicht Claire die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter. Daraufhin reist die Frau zurück nach Schottland, wo sie von ihren tief vergrabenen Erinnerungen eingeholt wird. Ein altes Familiengeheimnis, Intrigen der Stiefgeschwister und die zunehmende Demenz ihres geliebten Stiefvaters Leo beschäftigen die erfolgreiche Geschäftsfrau. Und die Frage, welche persönlichen Interessen Jonas verfolgt. Nutzt er seine langjährige Freundschaft zu Leo zu seinem eigenen Vorteil aus? Seine Rolle bleibt für Claire undurchsichtig.

Zum eher nebensächlichen hortikulturellen Element im Buch zählen die Passion für den Garten die Claires Mutter Daphne mit ihrem Stiefvater Leo verbindet. Die beiden haben sich kennengelernt, als Leo im örtlichen Gartenbauverein, dessen Vorsitzende Daphne dannzumal war, einen Vortrag über exotische Pflanzen gehalten hat. Und als Daphne nach ihrer Heirat mit Leo samt Tochter Claire nach Schottland zieht, gestalten die beiden Frischverheirateten den Garten um und Leo, der Spezialist für exotische Gewächse, ist während dem ganzen Roman sowieso meist im Gewächshaus, dem sogenannten „Drachenpflanzenhaus“, anzutreffen.  



Robin Pilcher: 
Das Haus hinter den Hügeln 
Diana Verlag, 2012

9. Dezember 2012

Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text): For Galantophiles

Das perfekt erscheinende grossformatige Schneeglöckchen auf dem Umschlagbild weckt hohe Erwartungen an dieses Buch. Ob diese wohl erfüllt werden? Schon bei einem ersten Durchblättern der viersprachigen Publikation mit beeindruckenden Fotos von Josh Westrich und Text von Clemens Heidger (Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch) bestätigt sich die Vermutung, dass das Buch „For Galantophiles“ das Werk von Profis sein muss. Insbesondere die prächtigen Aufnahmen begeistern bestimmt nicht nur Galanthophile, sondern lassen jedes Gärtnerherz höher schlagen.

In diesem Schneeglöckchenbuch werden rund zwei Drittel des Umfangs seitenfüllenden Nahaufnahmen zur Verfügung gestellt. Jedes Schneeglöckchen wird auf jeweils zwei Blättern ganzseitig aus unterschiedlichen Blickwinkeln, gelegentlich auch in unterschiedlichen Blütenstadien, abgebildet. Diskret am Bildrand steht der korrekte botanische Name der Schönheit und die Buchseite, auf welcher sich der zugehörige Text befindet. Beschrieben und gezeigt in Wort und Bild werden sowohl bekannte und bewährte Arten und Sorten als auch neuere Entdeckungen.

Josh Westrich hat mit der Kamera die kleinsten Details der Frühblüher eingefangen. Deren elegantes Erscheinungsbild kommt in seinen Fotos meisterhaft zur Geltung und kann genossen werden, ohne auf die Knie gehen zu müssen. Auch Kenner können Unterscheidungen von einzelnen Arten und Sorten nicht immer zweifelsfrei vornehmen. Erschwerend bestehen bei gewissen Sorten Variabilitäten und zudem ist die Ausprägung von Merkmalen auch vom Ernährungszustand und Standort der Pflanze abhängig.

Im Garten erscheinen Schneeglöckchen für den Laien von relativ weit oben betrachtet vielleicht nicht besonders speziell aus und mancher mag sich fragen, was Galanthophile an diesen dermassen fasziniert, dass sie bereit sind, für eine Blumenzwiebel grosse Summen auszugeben. Bei genauerem Hinschauen sind die Pflanzen aber erstaunlich vielfältig. Stichworte sind da beispielswiese einfach oder gefüllt blühend, früh- oder spätblühend, grosser Ausbreitungsdrang und tuffbildend, kleine oder markante Sinusflecken, ausgeprägte Flecken an der Basis der Innenpetalen, deformierte oder gelbe Blüten, gespreizte Aussenpetalen, auf hohem Stängel trohnende Blüten oder aber eher bodennah wachsende Blüten. Auch die Blätter weisen in Form und Farbe unterschiedliche Merkmale auf, wie etwa graublaues oder dunkelgrünes Laub, rundliche Blätter oder solche die spitz zulaufen. Das sind teilweise oder sogar mehrheitlich Fremdwörter für Sie?

Diesbezügliche Informationen finden sich im Textteil, für den sich Clemens Heidger verantwortlich zeigt, und diese beruhen ausschliesslich auf seinen ureigenen Erfahrungen und sind nicht irgendwelchen schriftlichen Quellen entnommen. Nach wem ist ein Schneeglöckchen benannt? Woher stammt es? Wo wurde es gefunden? Wo und wann wurde es von wem gezüchtet? Neben Antworten auf  solche Fragen, lässt Clemens Heidger auch immer wieder Pflegehinweise in den Text einfliessen. So sollten Sie unbedingt Störungen im Wurzelbereich vermeiden, wenn Sie von grösseren Schneeglöckchenbeständen träumen. Er verrät auch, wie und wo er zu speziellen Galanthus-Sorten gekommen ist und empfiehlt Besuchern von Schneeglöckchen-Gärten Tüten, Etiketten und Schreibzeug dabeizuhaben, falls der Gärtner oder die Gärtnerin einem (unverhofft?) ein paar Zwiebeln in die Hand drücken will.

Diese edle Publikation ist ein Muss für Galantophile, die gleichzeitig auch bibliophil sind. Das wunderschöne Buch, das übrigens mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden ist, eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk oder um sich selber eine Freude zu machen und beim Schwelgen in den Fotografien die doch jeweils sehr lange schneeglöckchenblütenlose Zeit zu überbrücken.

Mit dieser Gartenbuchvorstellung verabschiede ich mich in die jährliche Adventspause. Ich wünsche allen Blogleserinnen und –lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit. Die nächsten Gartenbuchempfehlungen werde ich voraussichtlich zwischen Weihnachten und Neujahr online stellen.


 
Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text): 
For Galantophiles 
Edition Art & Nature, 2011

6. Dezember 2012

Fiona Shaw: Der Honiggarten

Charlie wächst in den 50er Jahren des letztes Jahrhunderts in bescheidenen Verhältnissen in einem kleinen englischen Ort auf. Sein Vater ist häufig tage- und nächtelang abwesend. Wenn er daheim ist, kann er nichts mit seinem Sohn anfangen, der so gar nicht so ist, wie er ihn sich gewünscht hat. Als ausgeprägter Egoist möchte er nicht die Aufmerksamkeit seiner Frau mit einem Kind teilen und seine Reaktionen sind dementsprechend oft heftig und unvorhersehbar. Dafür ist Charlys‘ Verhältnis zu seiner Mutter Lydia umso inniger. Die junge Mutter arbeitet tagtäglich in der Fabrik, wo sie Radio-Teile zusammenlötet. Abends eilt sie schnellstmöglich nach Hause, um für ihre Familie das Abendessen zuzubereiten.

Als Lydias Mann schliesslich überhaupt nicht mehr heimkommt und offen eine andere Beziehung eingeht, übernimmt die Mutter in der Fabrik immer mehr Schichten und Charly geniesst seine Freiheiten, die ihm erlauben, durch die Stadt und die Natur zu streifen und alles genau zu betrachten. Ausserdem darf er im grossen Garten der Ärztin Jean Markham ein- und ausgehen und ihr bei den Arbeiten an deren Bienenstöcken mithelfen. Aber natürlich belastet ihn die Situation daheim.

Derweilen taucht Lydia wenn immer möglich in ihre geliebten Bücherwelten ab und vermag so ihr Leben besser ertragen. Und schliesslich lernt auch sie selber endlich die Frau kennen, in deren Garten ihr Sohn ein- und ausgeht und einen grossen Teil seiner Freizeit verbringt und sie bekommt Einblick in eine ihr bis anhin völlig unbekannte Welt. Die beiden Frauen freunden sich rasch an und ihre Beziehung geht bald über eine gewöhnliche Frauenfreundschaft hinaus.

Charlys Vater unterstützt seine Familie seit seinem Auszug finanziell überhaupt nicht mehr und bald kann die gesundheitlich angeschlagene Lydia die Miete für die Wohnung nicht mehr aufbringen und die Kleinfamilie erhält die Kündigung. Da bietet Jean Lydia an, zusammen mit Charly zu ihr zu ziehen. Diese soll den strengen Job in der Fabrik kündigen und bei ihr die Stelle der Haushälterin übernehmen. Lydia nimmt das Angebot nach reiflicher Überlegung an und blüht in der Folge richtiggehend auf.

Doch das vermeintliche neue Glück ist nicht von langer Dauer. Die Gerüchteküche im Städtchen brodelt, unbeabsichtigt genährt von unschuldigen Äusserungen von Charly. Zwei Frauen und ein Junge in einem Haushalt – kann das gutgehen in einem Jahrzehnt, als die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren (noch) tiefer war als heute?



Fiona Shaw: 
Der Honiggarten
Knaur Taschenbuch Verlag, 2011

2. Dezember 2012

Martin Klein: Wie ein Baum – Der Sommer, in dem Florian Erdmann sein grünes Wunder erlebte

Auch Bäume grüssen sich in diesem Jugendbuch untereinander. Die Worte dafür sind wie bei den Menschen regional verschieden. In Deutschland heisst es „Reiche Blüte“, während sich die Gehölze auf der spanischen Insel Gomera „Guten Passatwind“ wünschen. Doch wie kommt es, dass ein Junge darüber Bescheid weiss und Zwiegespräche von Pflanze zu Pflanze mitverfolgen kann, in denen sich etwa eine Zwergpalme, ein indisches Blumenrohr und Hibiskussträucher über Touristen lustig machen?

Eigentlich ist Florian ein ganz gewöhnlicher Junge, dessen besonderes Interesse Pflanzen gehört. Darum liest er auch gerne in seinem Lieblingsbuch „Bäume erkunden – Bäume verstehen“. Dabei hält er sich am liebsten in seinem Baumhaus auf. Sein selbstgebauter Lieblingsplatz befindet sich in der Krone eines alten dunkelblättrigen Ahorns und ist ein idealer Rückzugsort.

In den ersten Schulstunden nach den Sommerferien fallen Florian vermehrt seltsame Geräusche auf, die ihn vom Unterricht ablenken. Dazu kommen merkwürdige Essensgelüste. Plötzlich läuft ihm beim Gedanken an Kompost und abgestandene Regenbrühe das Wasser im Mund zusammen.Schliesslich kann Florian die Ursache der komischen Laute ergründen. Es handelt sich um fremdartige Stimmen, die zu Bäumen gehören. Er bekommt beispielsweise mit, wie eine Eiche militärische Befehle erteilt und Soldatenlieder singt oder ist schon bald genervt, als ein völlig vernachlässigter und fast vertrockneter Ficus aus der Schule, nachdem er ihn mit Wasser und Dünger versorgt hat, in seinem Kinderzimmer beinahe pausenlos plappert. Und plötzlich verwandelt sich Florian auch äusserlich. Erst färbt sich seine Zunge und bald ist sein ganzer Körper samt Haarpracht waldmeistergrün.

Obwohl Florian seine Haare blond färbt und eine dicke Schicht Bräunungscrème aufträgt, bleiben diese doch sehr auffälligen Veränderungen natürlich nicht lange unbemerkt und es dauert auch nicht lange, bis die Medien von Florians Mutation in einen Baum Wind bekommen. Die körperlichen Abweichungen von der Norm wecken auch das ganz besondere Interesse des Biologen Professor Bayer, der keinen Aufwand scheut, Florian untersuchen zu können. Und noch lieber möchte er an ihm gleich ein wenig herumschnipseln, wie an einer Pflanze. Professor Bayer möchte unbedingt dem naturwissenschaftlichen Phänomen auf die Spur kommen, das Florians Veränderungen ausgelöst hat, denn er wittert eine Sensation und eine einmalige Gelegenheit, sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und berühmt zu werden.

Gleichzeitig hat Florian nur einen Wunsch. Nämlich den, wieder ein ganz gewöhnlicher Junge zu werden und sich nicht mehr mit den verschiedensten Ängsten herumschlagen zu müssen, wie jener, ob ihm wohl im Herbst alle Haare ausfallen, genauso wie ein Laubbaum seine Blätter in dieser Jahreszeit verliert. In seiner Verzweiflung stimmt Florian zu, sich in einem speziellen Heim untersuchen zu lassen. Doch auch hier ist er nicht sicher vor der Presse und einem von Professor Bayer angeheuertem Privatdetektiv und nach Florians Flucht aus dem hermetisch abgeriegelten Gebäude wird er sogar entführt und das Abenteuer „Wie ein Baum“ fängt erst richtig an.



Martin Klein:
Der Sommer, in dem Florian Erdmann sein grünes Wunder erlebte 
Tulipan Verlag, 2012

30. November 2012

Annette Dutton: Der geheimnisvolle Garten

Dieser fesselnde Roman passt trotz seinem Titel nicht wirklich in den Sofagarten beziehungsweise in dieses Blog, wo Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner vorgestellt werden sollen. Denn auf den Inhalt bezogen führt der Titel in die Irre und Gärtnerisches spielt in den rund 550 Seiten eine unbedeutende oder genauer formuliert gar keine Rolle. Da der in verschiedenen Strängen erzählte Roman aber sehr spannend geschrieben ist, werde ich den Inhalt hier im Blog trotzdem kurz zusammenfassen.

Bei der Räumung der Wohnung ihrer vor kurzem an Krebs verstorbenen Mutter entdeckt die junge Journalistin Natascha zufällig unter dem doppelten Boden eine Schublade zwei Bündel Briefe und einen Anhänger, dessen Mitte ein eingefasster Edelstein ziert. Aus einem der gefundenen Dokumente geht hervor, dass Nataschas Grossmutter 1912 in Australien von einem deutschen Missionarsehepaar adoptiert worden ist. Die Angabe „halfcaste“ (Mischling) und die Lektüre der Briefe veranlassen Natascha ganz spontan, ihren Resturlaub einzuziehen. Sie macht sich in Australien für vier Wochen auf Spurensuche und kommt dabei einem gut gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur und beim Zusammensetzen vieler neuer Informationen zu einem Puzzle, ergründet sie ihre Wurzeln.

Der fiktive Roman gibt Einblick die jüngere Geschichte Australiens. Zentrale Themen sind dabei die ersten deutschen Siedler auf diesem Kontinent, der Untergang des Passagierschiffs Yongala (quasi die australische Titanic, gesunken nicht nach der Kollision mit einem Eisberg, sondern in einem Zyklon) und die Zwangsentführungen von Aborigines-Kindern, die bis in die 70er Jahres des 20. Jahrhunderts praktiziert wurde und unzählige Familien auseinandergerissen und Generationen ihrer familiären Wurzeln beraubt hat.

Botanisches gibt’s nicht viel mehr zu berichten, als dass mal im Garten gearbeitet wird, eine Pflanze namens Pigface gegen den Biss der Bulldoggenameise hilfreich sein soll und es in einem Garten von blauen Schmetterlingen wimmelt.  



Annette Dutton: 
Der geheimnisvolle Garten 
Knaur Verlag, 2012

26. November 2012

Nancy Arrowsmith: 111 Gründe seinen Garten zu lieben – Ein Loblied auf ein kleines Stück vom Paradies

Brauchen Sie tatsächlich 111 Gründe, die Sie davon überzeugen ihren Garten zu lieben oder um Ihre Zeit, die Sie mit Buddeln in der Erde oder beim Rückschnitt der Rosen verbringen, zu rechtfertigen? Wahrscheinlich nicht. Dieses Buch von Nancy Arrowsmith, der Gründerin der Zeitschrift „Kraut und Rüben“, ist im Rahmen einer Buchreihe erschienen, in welcher jeweils 111 Gründe den Leser oder die Leserin überzeugen sollen, irgendeine Stadt oder ein Land zu lieben, einem einstimmen aufs Elternsein oder eben aufs Gärtnern.

Nachdem die Autorin ihren ureigenen Grund für ihre persönliche Gartenleidenschaft verraten hat, folgen die anderen 110 Gründe, aufgeteilt in die folgenden Kapitel:

- Der Garten als Oase
- Der Garten als Fitnessstudio und Freizeitpark
- Der Garten als Speisekammer
- Der Garten als Therapeut
- Der Garten als Küchenkräuterfabrik
- Der Garten als Öko-Paradies
- Der Garten als Sparschwein
- Der Garten als grüne Apotheke
- Der Garten als Kuriositätenkabinett
- Der Garten als Visitenkarte
- Der Garten als Kunstatelier

 Die Autorin erzählt etwa, dass der Garten leider nicht als unfallfreie Zone bezeichnet werden kann, aber wenigstens auch gleich so etwas wie ein grüner Erste-Hilfe-Kasten ist oder sie berichtet von der Gärtnerkrankheit „Sammelitis“, mit der verschiedene Nebenwirkungen einher gehen. Eine davon ist, inoffiziell eine Gärtnerei zu führen. Als grössten Feind des Gartens macht sie den gemeingefährlichen Bauarbeiter aus, sie empfiehlt bei Ohreninfektionen verfaulte, schwarze, aber nicht weiche Äpfel als nützlich und sie weiss von quadratischen Tomaten und anderen schmackhaften Paradeisern. Etwas neidisch habe ich die Zeilen gelesen, in denen Nancy Arrowsmith verrät, dass sie schon als Kind mehrfach Gelegenheit hatte, die Gärten von Ninfa zu besuchen.

Das Gärtnern und Gartentipps werden mit diesem Buch nicht neu erfunden. Die Texte haben manchmal einen gewissen Hang zum Missionieren, enthalten aber unbestritten viele Informationen und die Autorin weiss, wovon sie schreibt. Die Tipps sind oft in Anekdoten versteckt und immer wieder sind einfache Rezepte für die Ernteverwertung eingestreut.

Die Aufteilung der Kapitel in diese 111 Gründe finde ich etwas schwerfällig, teilweise weit hergeholt und gesucht und die Begründungen dementsprechend kurz geraten. Immerhin sprechen die Mini-Portionen-Kapitel für die Eignung des Buches als Pendlerlektüre. Und schliesslich ist Nancy Arrowsmith überzeugt, dass der Leser noch mindestens weitere 111 Gründe aus dem Ärmel schütteln kann, die für den Garten und das Drumherum sprechen. Welches sind Ihre Gründe?  



Nancy Arrowsmith: 111 Gründe seinen Garten zu lieben – Ein Loblied auf ein kleines Stück vom Paradies
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2012

22. November 2012

Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): Pflanzen auf Reisen – Von Sammlerlust und Invasionen (Topiaria Helvetica 2012)

Wenn Menschen reisen, sind häufig – beabsichtigt oder ungewollt – Begleitpassagiere aus Flora und Fauna mit von der Partie. Insbesondere in der Umgebung von Umschlagplätzen wie Bahnhöfen, Flug- und Güterhäfen oder entlang der Bahnlinien finden sich schwarze Passagiere aus dem Tier- und Pflanzenreich, die häufig mit Verpackungsmaterial mittransportiert worden sind. Manchen grünen Immigrant, der schon vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten eingewandert ist, kann man heute kaum mehr aus der Umgebung und vom Teller wegdenken, obwohl sich darunter etliche Einwanderer befinden, die besser in ein Paket verschnürt an den Absenderort zurückverfrachtet würden mit dem Vermerk „Annahme verweigert“. Von reisenden Pflanzen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen handeln denn auch die Beiträge im aktuellen Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur.

Haben Sie gewusst, dass exotische Pflanzen nicht nur mit Schiffe und Wagen unterwegs waren, sondern auch venezianische Buchhändler eine wichtige Aufgabe in diesem Ablauf erfüllten? Clusius liess nämlich seinerzeit die Samen von kostbaren Raritäten gut verpackt von den Norditalienern mit dem Reisegepäck an die Buchmesse in Frankfurt transportieren, wo die Ware empfangen und daraufhin in die Niederlande gebracht wurde.

Der Beitrag „Von der weiten Welt nach Zürich“ berichtet über die Pflanzenzucht und vom Pflanzenhandel in der Schweiz in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Besonderen und im Speziellen vom beeindruckend umfangreichen Sortiment der Firma Froebel in Zürich. Alte Geschäfts- und Collectionsbücher geben Aufschluss über die damaligen Pflanzenbestände. So werden dort beispielsweise 88 Sorten Arten und Sorten Ahorn, 29 Arten und Sorten Liguster, 132 Arten und Sorten Clematis und fast 600 Rosenarten und –sorten aufgelistet.

Im Kapitel „Landschaftserleben, Pflanzenschönheit und Gartenkunst – Karl Foersters Steingarten als Weltentwurf“ erhält der Leser Einblick in die Reiseerinnerungen des bekannten Staudenzüchters, die grundlegend waren für dessen Ansicht von Steingärten und liest vom nächtlichen Treiben auf Schweizer Friedhöfen, wo Karl Foerster Jagd auf Herbstchrysanthemen gemacht hat. Das weiteren gibt es einen Artikel „Pflanzenverwendung auf Transatlantisch“ über den Gartengestalter Richard Neutra, einen Beitrag „Urwald im Wohnzimmer“ über Josef Franks textile Versandparadiese („Stoffgärten“ bzw. Stoffe mit Motiven aus realer und utopischer Natur) und Erläuterungen über die Invasionen im Pflanzenreich am Beispiel der Südschweiz. Thematisiert werden darin die Einwanderer Edelkastanie, Robinie, Götterbaum und Hanfpalme.

Vertieft mit dem Thema Migration in der Botanik befasst sich Annemarie Bucher mit ihrer Spurensuche in der globalen Landschaft. Wie ist mit Neuankömmlingen aus dem grünen Reich umzugehen? Wie soll mit Neophyten umgegangen werden und was ist von der Massenware aus Baumärkten und Gartencentern zu halten, welche die einheimische vielfältige Pflanzenwelt bedrängt und im schlimmsten Fall sogar verdrängt?

In der Rubrik SGGK-Vitrine erwarten den Leser drei Portraits. Doris Guarisco berichtet von ihrem Besuch bei Elsbeth Stoiber im „Rosenstöckli“ auf dem Albispass. Einen Einblick in die achzigjährige Geschichte der Wildensbucher Gärtnerei „Frei Weinlandstauden“ steht unter dem Motto „Es wächst aus allen Ritzen“ und von Pariser Gartenkunst im Garten von Schloss Ebenrain in Sissach berichtet Jörg Matthies. Vier informative Gartenbuchrezensionen runden die Reise im Lesesessel durch Gartengestaltung, Pflanzenverwendung, Design und Ethnobotanik ab.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.): 
Topiaria Helvetica 2012 – Pflanzen auf Reisen – Von Sammlerlust und Invasionen 
Vdf Hochschulverlag, 2012

18. November 2012

Stefan Leszko: Gärtner – Der schönste Beruf der Welt

Planen Sie, in nächster Zeit Aufträge an Gärtner zu vergeben? Dann sollten Sie sich quasi zur Einstimmung dieses humorige Büchlein zu Gemüte führen. Aus den genauen Beobachtungen des Autors können Sie erfahren, wie Berufsgärtner wirklich ticken und sich entsprechend auf das Abenteuer Gartenumgestaltung einstellen.

Stefan Leszko schreibt und zeichnet seit 2009 für das Landschaftsgärtner-magazin DEGA GALABAU. Seine unterhaltsamen Kolumnen – von einem Kollegen etwas despektierlich als Gefälligkeitsjournalismus abgetan – sind nun einer kleinen Publikation zusammengefasst worden. Die auf eigenen Erfahrungen und Erlebnissen basierenden Artikel stehen beispielsweise unter dem Motto „Telefonpsychologie“, „Eindringliche Warnung eines Geläuterten“, „Selig, die reinen Herzens sind“, „Nein, mein Merkblatt les‘ ich nicht!“ oder „Verhaltensregeln für einen schlechten Auftraggeber“. Die 41 Alltagsgeschichten sind mit spitzer Feder verfasst und werden immer wieder aufgelockert durch Formulierungen wie jener, dass sich in Wirtschaft und Politik viel Totholz im Kronenbereich finden lässt und regen zum Nachdenken an.

Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und über sie lässt sich nicht streiten. Und warum soll sich der Gärtner wundern oder gar ärgern, wenn dem Kunden Cotoneaster gefällt, der praktisch den ganzen Garten überwuchert, aber das stachelige Grünzeug, das dazwischen noch tapfer gedeiht, entfernen lassen will? Grünzeug, bei dem es sich um bedauernswerte Rosen handelt. Interessant sind auch die Überlegungen hinsichtlich der Vorteile von dummen Schülern, dank denen schliesslich ganze Wirtschaftszweige florieren. Man denke nur an all die Nachhilfelehrer, Therapeuten und anderen Berufsleute, die gut an diesen verdienen.

Und wozu soll sich der Berufsgärtner mit den Bedürfnissen von Pflanzen abplagen, wenn der Kunde mit Kies, Stahl und Beton im Garten zufrieden ist? Denn schliesslich (und glücklicherweise) handelt es sich dabei nur um eine Modeströmung, die bald wieder von der nächsten abgelöst wird. Und spätestens in ein paar Jahren kommt alles Nicht-Grüne wieder aus dem Garten raus. Schliesslich sind wechselnde Trends gut für das Geschäft und die Wirtschaft wird dadurch genauso angekurbelt wie von den oben erwähnten weniger intelligenten Schülern.

Den Titel „Wirtschaftswachstum“ trägt der Artikel, in dem der Autor über einen leistungsstarken dreiachsigen LKW berichtet, den ein Chauffeur mit schweisstreibender Präzision in Milimeterfortschritten rückwärts zum Ziel manövriert, das in einer nicht ungewöhnlich schmalen Wohnstrasse liegt. Wichtiges nicht zu vernachlässigendes Detail bei dieser Beobachtung ist der Grund für den Kauf des Riesenvehikels durch den Chef des Lastwagenfahrers. Mit dem Riesenteil soll nämlich Geld gespart werden, weil grössere Lasten auf einmal transportiert und damit die Anzahl Fahrten reduziert und Zeit eingespart werden kann (oder besser soll).

Wir haben in unserem Garten diesen Frühling grössere Umgestaltungsarbeiten durch einen kleinen Fachbetrieb erledigen lassen. Nun, auch nach der Lektüre dieses ausgesprochen unterhaltsamen Büchleins – ich musste immer wieder laut lachen – kann ich etliche Vorkommnisse, die während dieser Arbeiten vorgefallen sind, nicht besser nachvollziehen, geschweige denn verstehen.

Wieso schmeisst ein Gärtner seine Rechen und Schaufeln auf ein Blumenbeet mit Astrantien und Tradescantien (live durchs Fenster beobachtet), wenn sich direkt daneben ein leergeräumter Sitzplatz befindet? Liegt dieses Werkzeug lieber etwas weicher? Oder warum werden sämtliche Schrauben an den Zaunpfählen nicht angeschraubt, wenn hernach für den Transport der Bodenfräse in den nur schwer zugänglichen hinteren Gartenteil der Zaun nicht wieder geöffnet wird, sondern die schwere Maschine dem Haus entlang auf einem viel zu schmalen Weg transportiert wird und dabei sämtliche Minifunkien, Bergenien und andere Stauden zur schönsten Gartenjahreszeit plattgewalzt werden? Der Ersatz für eine bei dieser Aktion ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Echinacea wird dann zuvorkommend, aber leider ohne Rücksprache in einer zuvor als Tabuzone bezeichneten Rabatte direkt vom Fachmann eingebuddelt. Er kann ja schliesslich nicht ahnen oder gar wissen, dass genau dort Herbstzeitlosen und Cyclamen versteckt auf ihren nächsten Auftritt warten.

Das ist (leider) nur eine minimale Auswahl der bei der Umgestaltung eines klar bezeichneten Bereiches erlebten Zwischenfälle. Als leidenschaftlicher Hobbygärtner werden Sie sicher verstehen, dass ich mich schon jetzt sehr auf den nächsten Frühling freue, wenn die Stauden (hoffentlich!) in neuer Frische austreiben werden und ich mich wieder nunmehr über meine eigenen gärtnerischen Unzulänglichkeiten ärgern muss und ein paar tierische Störenfriede. Aber jedenfalls nicht über Zweibeiner, die am Schluss auch noch teuer bezahlt werden müssen … Und natürlich werde ich mich auch hüten, letzterem zu erzählen, dass die neu ausgetriebenen Bergenien ohne Frassspuren von Dickmaulrüsslern eigentlich viel schöner aussehen als die älteren Exemplare, die den unsachgemässen Maschinentransport unbeschadet überlebt haben.



Stefan Leszko: 
Gärtner – Der schönste Beruf der Welt / 40 und ein Abenteuer aus dem Alltag eines Gartengestalters 
Ulmer Verlag, 2012


PS: Die Gartenumgestaltung ist trotz dem schlechten Bei- und Nachgeschmack gut gelungen und macht Freude. Als qualifizierte Buchgärtnerin gehört frau wahrscheinlich auch nicht gerade zur Traumkundschaft des Berufsgärtners!

Aber nun sollte ich wirklich endlich den fehlenden Drahtspanner am Zaun anbringen, der nach dem Kauf  einer Dreierpackung (einzeln leider nicht erhältlich) vor einem halben Jahr immer noch herumliegt. Aus mir unerklärlichen Gründen wurden vom Gärtner nämlich nur ungefähr 15 dieser Teile angebracht und eines fehlt nach wie vor. Aber irgendwann mag man sich als Auftraggeber einfach nicht noch „pinggeliger“ vorkommen und nimmt die Dinge besser selber in die Hand und/oder schreibt sich den Frust im Gartentagebuch, einem (auf Anraten des Ehemannes schliesslich doch nicht abgeschickten) Email oder einem Blogbeitrag von der Seele!

14. November 2012

Renate Hücking: Blumenmalerinnen – Porträts besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur

In ihrer aktuellsten Publikation portraitiert Renate Hücking fünfzehn Blumenmalerinnen. Sie lässt den Leser und Betrachter in Ateliers blicken und entlockt den Künstlerinnen Antworten auf Fragen zu Beweggründen in Hinsicht auf Motivwahl und Technik und allerlei Persönliches. Unter den Malerinnen sind bekannte längst verstorbene Künstlerinnen wie Maria Sibylla Merian, Marianne North und Margaret Mee, aber auch verschiedene ausserhalb der entsprechenden Szene wohl eher unbekannte Frauen. Die Porträts sind gegliedert in die Kapitel „Im Blumengarten“, „Kunst trifft Wissenschaft“, „Für Natur und Umwelt“, „Schön und nützlich“ und „Exotik der Tropen“.

Blumen malen war früher die einzige Möglichkeit, diese in jeder Jahreszeit bewundern zu können. Heutzutage gibt es zwar etliche andere Möglichkeiten, die Blütenpracht zu konservieren, doch malen kann süchtig machen und ist für einzelne der portraitierten Frauen so wichtig wie atmen. Nicht alle dieser Künstlerinnen benutzen Pinsel oder Farbstift. Neben Kunstwerken in den Techniken Öl auf Leinwand, Karton oder Baumwolle und Aquarell, Acryl, Gouache auf Velin, Kupferstich und Farbstiftzeichnungen wird auch das Verfahren Fotografie/Scanogramm vorgestellt. Mit dieser Methode schafft Luzia Simons imposante grossformatige Bilder in Anlehnung an die barocken Blumenstilleben der niederländischen Maler. Ihr Motiv ist dabei seit über zehn Jahren ausschliesslich die Tulpe.

Andere Künstlerinnen bevorzugen oder bevorzugten als Motiv Wiesenblumen, Samen, Gemüse und Obst, die Flora des Amazonasgebietes, Beerenfrüchte, Medizinalpflanzen, Blumensträusse, Nutzpflanzen oder exotische Gewächse. Etwas befremdend muten im ersten Moment die Vorlagen jener Blumenmalerin an, deren Sujets den Hinweis „Made in China“ oder ähnliche Herkunftsbezeichnungen tragen. Regula Dettwiler konzentriert sich nämlich auf künstliche Blumen, genauer Plastik mit Seidenoptik. Diese Blumenjägerin vermerkt denn auch auf ihren Kunstwerken an jener Stelle, wo andere Blumenmalerinnen den Naturstandort angeben halt den Hinweis „Made in Taiwan“.

Fiona Strickland wiederum malt oft Blumen, die bereits am Verblühen sind. In ihrem Umfeld landen deshalb die nicht mehr ganz frischen Blumensträusse in ihrem Atelier. Sie könnten ja noch als Vorlage für Bilder taugen! Ebenso verschieden wie die Technik und Motivwahl sind die Wege, auf denen die Frauen zum Blumenmalen gefunden haben. Rachel Peddler-Smith etwa kam über den Abstecher Insekten- und Käfermalerei auf den Fokus Blumen. Das Einfangen und Töten der Kleintiere stellte sie aber je länger je mehr vor fast unüberwindliche Hürden und lenkte ihre Aufmerksamkeit schliesslich auf die Blumen am Wegrand.

Gärtnern Blumenfrauen auch gerne? Aus Zeitgründen liegt diese Tätigkeit bei den meisten dieser vorgestellten Blumenmalerinnen nicht drin. Was einen spätestens nach der Lektüre dieses Buches nicht wirklich wundert. Wenn man nämlich gelesen hat, dass für eine einzige gemalte Johannisbeere zwanzig Farbtöne nötig und zuvor stundenlange Naturbeobachtungen vorangegangen sind. Da relativiert sich der kleine aufgekommene Neid über die Talente dieser Frauen gleich wieder ein wenig!

Gelegentlich bekommt man ein Buch in die Hände, das einem fast zu schade zum Lesen dünkt und bei dem man es bedauert, wenn die letzte Seite umgeblättert ist und deshalb diesen Moment möglichst lange hinauszögern möchte. Mir geht es jedenfalls so. Und bei diesem Buch hätte ich dieses Phänomen nun nicht unbedingt erwartet. Bei der Durchsicht der diesjährigen Herbstpublikationen ist mir zwar der Name Renate Hücking sofort ins Auge gestochen, da ich ihre früheren Bücher sehr schätze, doch das Thema gemalte Blumenbilder sprach mich nicht besonders an. Ich bin froh, habe ich meine Bedenken ignoriert. Der Fokus der Frauenporträts liegt etwa gleich stark auf dem Text wie auf den – unbestrittenermassen- beeindruckenden Bildern. Der Autorin gelingt es mit ihren bemerkenswerten Porträts Interesse für das Thema Blumenmalerinnen zu wecken. Ich habe jedenfalls nach vielen Jahren wieder einmal die Biografie „A vision of Eden“ über Leben und Werk von Marianne North durchgeblättert. Wer nach der Lektüre des Buches "Blumenmalerinnen" ebenfalls neugierig auf mehr Lesefutter zum Thema geworden ist, findet im Anhang eine Auswahl zum Weiterlesen sowie Kontaktangaben und Informationen zu (früheren) Ausstellungen der Künstlerinnen.



Renate Hücking: 
Blumenmalerinnen – Porträts besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur 
Callwey Verlag, 2012

10. November 2012

Karen Meyer-Rebentisch: Wintergemüse – selbst geerntet, selbst gekocht

In ihrem zweiten Gemüsebuch beschreibt Karen Meyer-Rebentisch ausführlich, wie man sich mit geschickter Sortenauswahl und der passenden Lagermethode auch in der kalten Jahreszeit ganz oder weitgehend mit Vitaminen aus dem eigenen Garten versorgen und die Treibhausprodukte aus der Gemüseabteilung beim Lebensmittelhändler getrost vor sich hin schrumpeln lassen kann. Aus der Auswahl der über dreissig im Buch vorgestellten Gemüsesorten und einer Vielzahl von Kochrezepten finden mit Sicherheit auch Sie das eine oder andere neue Lieblingsrezept.

Die folgenden Gemüsesorten werden im Buch vorgestellt: Apfel, Bärlauch, Barbarakresse, Blumenkohl, Cardy, Chicorée, Chinakohl, Endivie, Feldsalat, Grünkohl, Haferwurzel, Kartoffel, Knoblauch, Knollenziest, Kohlrabi, Kürbis, Möhre, Palmkohl, Pastinake, Porree, Radicchio, Rettich, Rosenkohl, Rote Beete, Rotkohl, Schwarzwurzel, Sellerie, Speiserübe, Spinat, Sprouting Broccoli, Steckrübe, Topinambur, Weisskohl, Wirsing und Zwiebel.

Im Einführungstext weist die Autorin auf die Bedeutung der Auswahl der richtigen Gemüsesorten und eine durchdachte Anbauplanung hin, gibt Tipps zum Düngen und erklärt, worauf beim Ernten geachtet werden soll, damit der Vitamingehalt des Gemüses möglichst hoch und der Nitratwert entsprechend niedrig ist. Um die Ernte möglichst lang in frischem und knackigem Zustand aufbewahren und verwerten zu können, sind rechtzeitig Überlegungen und Vorkehrungen zu treffen, um bei Bedarf über geeignete Lagerstätten verfügen zu können. In einer praktischen Tabelle kann nachgeschaut werden, welches Gemüse vor dem Frost geerntet werden muss, welches praktischerweise gleich im Beet überwintern kann oder welche Gemüse am besten im Keller-Lichtschacht, im Frühbeet, im ungeheizten Gewächshaus oder im Folientunnel gelagert werden kann.

Die einzelnen Gemüseportraits sind einheitlich nach folgendem Schema aufgebaut:
- Anbauen
- Sorten
- Ernten
- Lagern
- Kochen

Jedes Gemüse wird ausserdem mit beeindruckenden Fotografien vorgestellt; direkt nach der Ernte im Garten und nach der Verwendung in der Küche. Der Grossteil der Fotos stammt von Karen Meyer-Rebentisch selber. Besonders gut gelungen sind die Fotos mit gefrosteten Gemüse. Die Autorin und Fotografin hält übrigens ausdrücklich fest, dass sämtliche Aufnahmen der appetitanregenden Gerichte ohne irgendwelche Hilfsmittel oder Tricks entstanden sind und die Speisen nach dem Fototermin mit Genuss gegessen worden sind.

Welches Gemüse zählt zu den Starkzehrern, welches eignet sich bestens als Nachkultur? Der Hobby- und Gemüsegärtner findet im Buch Antwort auf diese Fragen und viele Informationen mehr. Unter den Rezepten gibt es beispielsweise Varianten von Flammenkuchen mit Porree oder Apfel, bunten Kartoffelsalat, Wirsing mit Pinienkernen und Ricotta, Spinatauflauf mit Polenta und Schwarzwurzelcurry. Mit der expliziten Erlaubnis der Autorin dürfen, ja sollen Sie den unübertrefflichen Geschmack von Rotkohl auch in aufgewärmter Form geniessen, da er so ja bekanntermassen noch besser mundet als beim ersten Auftischen. Und getrost alles ignorieren, was sie gewöhnlich über vitaminschonende Gemüsezubereitung beherzigen.

Die Publikation wird komplettiert durch ein Stichwortverzeichnis, Adressen für die Beschaffung von Saatgut und Zubehör, Hinweisen auf Internetseiten und weiterführende Literatur sowie einem Anbauplan von Apfel bis Zwiebel, mit Angabe von Zeitpunkt der Aussaat, Pflanzung, Haupterntezeit und Lagerzeitraum.

Und dass der Apfel kein Gemüse ist, wissen Sie, ich und selbstverständlich auch die Autorin. Da letztere ihn aber unverzichtbar hält für die Winterküche, hat sie ihn nichtsdestotrotz ins Buch hereingeschmuggelt. Denn auch mit Äpfeln lässt sich im Herbst und Winter abwechslungsreich und gesund kochen.



Karen Meyer-Rebentisch: 
Wintergemüse – selbst geerntet, selbst gekocht
BLV Buchverlag, 2012