Das Jahrbuch 2013 der Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) lotet die Grenzen aus zwischen Hoch- und Populärkultur im Gartenbereich. Als Beispiele dienen dabei unter anderem der Gletschergarten Luzern, Familiengärten oder "Chinampas", eine Art Kleingartentradion aus dem Alten Mexiko.
Warum präsentieren sich Michelle Obama und Angela Merkel gerne im Garten? Weshalb sind Kleingärten bei jüngeren Leuten immer beliebter und aus welchem Grund erfreuen sich Gartenfestivals steigender Beliebtheit? Was ist elitär, was populär und wo liegen Konfliktpotentiale?Annemarie Bucher setzt sich in ihrem Beitrag mit dem Titelthema „Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag“ auseinander. Sie stellt Künstlergärten oder sogenannte Gegenwelten vor und gibt einen kurzen Einblick in die Geschichte der Gartenzwerge und der Blumenuhr. Dabei stellt sie fest, dass die beiden letzteren nicht eindeutig dem Kitsch oder der Kunst zuzuordnen sind und die von der Gartengestaltung und den Gärten ausgehende Botschaft häufig keine individuelle ist, sondern eine dem zeitgenössischen Geist und der Mode entsprechende.
Der Bidergarten über Langenbruck, dem höchstgelenen Dorf im Kanton Basel-Landschaft, entstand im Rahmen einer Umgebungsgestaltung, als in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tourismusgeschäft aufgebaut wurde, das neue Einnahmequellen erschliessen sollte. Inzwischen sind viele Bauwerke verschwunden oder dem Zerfall ausgesetzt. Das ursprüngliche Konzept ist längst überholt bzw. einem überwachsenen, aber nicht weniger attraktiven Waldgarten gewichen. Johanna Strübin hat die Entwicklung und den Niedergang dieses Gartens im Auftrag der zuständigen Denkmalpflege analysiert und aufgrund dieser Recherchen diesen Artikel verfasst.
Über den Einfluss von Überschwemmungen, Friedenszeiten und die Verbindung von Wohlstand auf das Selbstbewusstsein und die Traditionen in der Bauerngartengestaltung liest man in der Würdigung des vor rund hundert Jahren erschienenen Büchleins „Der alte Bauerngarten“ von Hermann Christ. Niklaus von Fischer vergleicht das Emmental und das Seeland miteinander und geht auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und äusseren Einflüsse ein. Der Autor Christ hatte sich seinerzeit mit den sogenannten Hausväterbüchern auseinandergesetzt und die Geschichte des Bauerngartens aufgearbeitet. Gleichzeitig prägte er die nachfolgenden Generationen an Bäuerinnen und (falsche) Interpretationen führten und führen auch heute noch zu ganz speziellen "Bauerngartenneuschöpfungen“.
Gabi Lerch schliesslich berichtet über eine traditionelle, aber nicht mehr häufig praktizierte Anbauweise, genannt Chinampas in Mexiko. Sie betont, dass es sich dabei nicht wie vielfach falsch bezeichnet um „schwimmende Gärten“ handelt, sondern um künstliche Inseln im See, die durch eine ganz spezielle Technik der Landgewinnung entstehen und nur über Wasserstrassen erreichbar sind. Auf diesen so gewonnen sehr fruchtbaren Parzellen werden Früchte, Gemüse und Blumen angebaut.
Weitere Beiträge befassen sich mit der Frage, ob Schweizer Kleingärtner etwas mit Schreber, auf den der Ausdruck Schrebergarten zurückgeht, zu tun haben wollen (Gert Gröning), dem Gletschergarten Luzern, Gartenkunst zwischen Tourismus und Populärwissenschaft (Johannes Stoffler) und einem Avant-Garten der Avantgarde (Suzanne Krizenecky). In der SGGK-Vitrine ist der botanische Garten Genf ein Thema und man erfährt vom Familiengartenglück über Zürich und dem Anpassen von Clemens Bornhausers Wünschen an die Diskrepanzen, sprich dem Loslassen vom mediterranen Gartentraum und dem Sich-Anpassen an die windigen Verhältnisse. Der Tagungsbericht „Gartenerbe – Zur Erhaltung historischer Gartenanlagen trotz Eigentümerwechseln“ und diverse Buchbesprechungen runden die interessante Publikation ab.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2013 – High & Low – Gärten zwischen Kunst, Luxus und Alltag
Vdf Hochschulverlag, 2013
10. Februar 2013
6. Februar 2013
Gerald Hammond: Down the Garden Path
May Forsyth arbeitet seit bald drei Jahren in dem bekannten Garten von Cannaluke Lodge in der Nähe von Inverness. Das hortikulturelle Bestreben der jungen Schottin gilt einer schönen Gestaltung mit farblich abgestimmten saisonalen Blühhöhepunkten. Zu ihrem Job gehören aber auch die saubere Aufzeichnung ihrer Aussaaten, Pflanzungen und sonstigen gärtnerischen Tätigkeiten in Tagebüchern sowie die Dokumentation anhand von Skizzen und Fotos.
Die Endzwanzigerin ist zunächst etwas skeptisch, als sie durch Besitzerwechsel von Cannaluke Lodge neuen Arbeitgebern unterstellt ist. Ihre Vorbehalte erweisen sich jedoch als unbegründet und lösen sich in Luft auf, als der neue Eigentümer ihr zu verstehen gibt, dass in erster Linie der schöne gepflegte Garten den Ausschlag zum Erwerb des Anwesens gegeben hat. Und mit der neuen Besitzerin versteht sich May nach einem zunächst ungünstigen Start besonders gut und sie nimmt deshalb auch gerne deren Einladung zu einer kleinen Party an.
Der Abend in netter Gesellschaft ist sehr angenehm. Und als schliesslich spontan die Idee aufkommt, einen vor Mays Stellenantritt als Gärtnerin viel zu nah am Haus gepflanzten Riesenmammutbaum sogleich zu fällen, weil einer der Gäste mit einem grossen Fahrzeug angereist ist, macht sich die schon etwas angeheiterte Gesellschaft eifrig an die Arbeit. Die fröhliche Stimmung kommt aber zu einem abrupten Ende, als zwischen den Wurzeln des Gehölzes eine Leiche entdeckt wird.
Bis die Gerichtsmediziner festgestellt haben, dass es sich bei dem Toten um Joe Scott, den früheren Gärtner von Cannaluke Lodge handelt, der schon seit längerer Zeit vermisst worden war, brodelt die Gerüchteküche in der Umgebung, Die Gartentagebücher erweisen sich in der Folge bei den Ermittlungen wiederholt als sehr hilfreich. Doch was genau ist vor drei Jahren passiert und wo steckt die zweite vermisste Person, die Tochter der Vorbesitzer des Anwesens?
Mays Spaniel findet schliesslich im weitläufigen Garten ein zweites verstecktes Grab und die engagierte Gärtnerin wird deshalb ein zweites Mal durch die Polizei von ihrer Arbeit abgehalten. Sie versucht, mit Absperrband die Schäden durch die Ermittler im Garten zu limitieren. Wenn diese nämlich den Tatort absperren können, um Eindringlinge fernzuhalten, muss es doch auch gelingen können, die Polizisten mittels Absperrband daran zu hindern, ausserhalb des Tatortes überall in die Beete zu trampeln!
Gartentipps sind immer wieder Teil der Lektüre - etwa wie Ramblerrosen geschnitten werden sollen oder Empfehlungen zur Pflanzung von duftenden Winterblühern. An einem der Leichenfundorte geben ausserdem die Pollen von Rhododendron Rätsel auf, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, aber nicht mit den verschiedenen Zeitpunkten des Verschwindens der beiden Vermissten übereinstimmen.
Gerald Hammond:
Down the Garden Path
Servern House Publishers, 2004
Die Endzwanzigerin ist zunächst etwas skeptisch, als sie durch Besitzerwechsel von Cannaluke Lodge neuen Arbeitgebern unterstellt ist. Ihre Vorbehalte erweisen sich jedoch als unbegründet und lösen sich in Luft auf, als der neue Eigentümer ihr zu verstehen gibt, dass in erster Linie der schöne gepflegte Garten den Ausschlag zum Erwerb des Anwesens gegeben hat. Und mit der neuen Besitzerin versteht sich May nach einem zunächst ungünstigen Start besonders gut und sie nimmt deshalb auch gerne deren Einladung zu einer kleinen Party an.
Der Abend in netter Gesellschaft ist sehr angenehm. Und als schliesslich spontan die Idee aufkommt, einen vor Mays Stellenantritt als Gärtnerin viel zu nah am Haus gepflanzten Riesenmammutbaum sogleich zu fällen, weil einer der Gäste mit einem grossen Fahrzeug angereist ist, macht sich die schon etwas angeheiterte Gesellschaft eifrig an die Arbeit. Die fröhliche Stimmung kommt aber zu einem abrupten Ende, als zwischen den Wurzeln des Gehölzes eine Leiche entdeckt wird.
Bis die Gerichtsmediziner festgestellt haben, dass es sich bei dem Toten um Joe Scott, den früheren Gärtner von Cannaluke Lodge handelt, der schon seit längerer Zeit vermisst worden war, brodelt die Gerüchteküche in der Umgebung, Die Gartentagebücher erweisen sich in der Folge bei den Ermittlungen wiederholt als sehr hilfreich. Doch was genau ist vor drei Jahren passiert und wo steckt die zweite vermisste Person, die Tochter der Vorbesitzer des Anwesens?
Mays Spaniel findet schliesslich im weitläufigen Garten ein zweites verstecktes Grab und die engagierte Gärtnerin wird deshalb ein zweites Mal durch die Polizei von ihrer Arbeit abgehalten. Sie versucht, mit Absperrband die Schäden durch die Ermittler im Garten zu limitieren. Wenn diese nämlich den Tatort absperren können, um Eindringlinge fernzuhalten, muss es doch auch gelingen können, die Polizisten mittels Absperrband daran zu hindern, ausserhalb des Tatortes überall in die Beete zu trampeln!
Gartentipps sind immer wieder Teil der Lektüre - etwa wie Ramblerrosen geschnitten werden sollen oder Empfehlungen zur Pflanzung von duftenden Winterblühern. An einem der Leichenfundorte geben ausserdem die Pollen von Rhododendron Rätsel auf, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen, aber nicht mit den verschiedenen Zeitpunkten des Verschwindens der beiden Vermissten übereinstimmen.
Gerald Hammond:
Down the Garden Path
Servern House Publishers, 2004
2. Februar 2013
Monika Zybon-Biermann: Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben
Beim Spazieren und Walken muss ich in letzter Zeit immer wieder mal aufpassen, dass ich nicht über Wurzeln oder meine Füsse stolpere, da ich vermehrt den Blick in Richtung Baumwipfel richte, um vielleicht einen Hexenbesen zu entdecken. Hexenbesen? Diese kleinwüchsigen Gehölze haben nichts mit Hokuspokus gemeinsam, sondern es handelt sich um Knospenmutationen, die diese Naturbonsais hervorbringen. Monika Zybon-Biermann hat sich für ihr im Eigenverlag produziertes Buch „Hexenbesen und andere Zwerge“ aufgemacht, die Faszination und die Beweggründe derer auszumachen, die nicht selten und oft ungesichert über dreissig Meter den Baumstamm heraufkraxeln, um an ihre grüne Beute zu kommen. Dieser interessante Buchtitel ist übrigens die erste nicht-wissenschaftliche Publikation zu diesem Thema.
Ein Hexenbesenjäger sucht in Kronenhöhe nicht nach Wucherungen, die durch Pilze oder Viren verursacht worden sind. In sein Beuteschema gehören andere Veränderungen, nämlich solche, die durch Mutationen dauerhaft bestehen bleiben. Und die Natur hat es so eingerichtet, dass sogar auf diesen kleinen Zwergen noch kleinere Knospenmutationen entstehen können. Besonders viele kleinwüchsige Schätze wachsen dort, wo es viele verschiedene Bäume gibt, etwa in Parks oder Baumschulen. Ein Jahreszuwachs von fünf Zentimetern gilt bereits nicht mehr als schwachwüchsig. Die Naturbonsais passen deshalb ihrer Wuchsform entsprechend gut in Steingärten und finden vielleicht in Zukunft im einen oder anderen Garten einen Platz in der Gestaltung als Buchsbaumersatz.
In ausführlichen Portraits stellt die Autorin Hexenbesensammler vor und der Leser bekommt Einblick in die spezielle Leidenschaft von Günther Eschrich, Werner Wüstemeyer, Uwe Horstmann, Jörg Kohout und der zu Jeddelohs. Nur wenige Menschen frönen diesem Hobby und man kennt sich untereinander. Oft wird die ganze Familie eingebunden und potentielle Jagdgebiete sind identisch mit den Urlaubsorten. Und Toleranz ist gefragt, wenn die frisch ergatterten Reiser den Lebensmitteln im Kühlschrank des Wohnmobils den Platz streitig machen.
Im Übrigen ist Erfindungsreichtum von Nutzen. So versucht einer der Sammler mit einer Spezialkonstruktion Marke Eigenbau, dem sogenannten Kofferraumgestänge, den in den Wipfeln entdeckten kleinen grünen Schätzen habhaft zu werden. Denn ist ein Objekt der Begierde gesichtet und in Griffnähe, ist die Beute noch längst nicht im trockenen. Oft bleiben die Reiser beim Herabwerfen zwischen den Ästen hängen oder es ist auch schon vorgekommen, dass ein zufällig vorbeilaufender Passant vom Grünzeug am Kopf getroffen worden ist. Und auch wenn ein Baum mit einem Hexenbesen, der einem früher in grosser Höhe ins Auge gestochen ist, plötzlich gefällt am Boden liegt, ist die Ernte nicht viel einfacher. Denn auch die Suche nach Naturbonsais im Gewirr von ineinander verhakten Ästen ist nicht weniger mühsam.
Im letzten Drittel des Buches wird in Pflanzenportraits auf die Pflege der Zwerge eingegangen und man erfährt Wissenswertes über Herkunft, Entdeckung und Namensgebung. Hexenbesen finden sich nur selten auf Laubbäumen. Die Mehrheit der Portraits handeln deshalb von Immergrünen wie Zeder, Nordmanntanne, Pinie, Zirbelkiefer (Arve), Fichte und Sicheltanne.
Die abenteuerliche Hexenbesenjagd ist eine Passion für Idealisten und keineswegs eine Goldgrube oder ein einfaches lukratives Geschäft, um schnell viel Geld zu verdienen. Nicht nur die Jagd nach Hexenbesen ist eine Herausforderung, auch die Vermehrung der Reiser ist schwierig und Misserfolge fast an der Tagesordnung. Eine Produktion ist nur in kleinen Mengen möglich, weil von kleinen Mutterpflanzen nur wenige Reiser abgeschnitten werden können.
Dieses erste populäre Buch über Hexenbesen hat die Autorin wie oben kurz erwähnt in eigener Initiative herausgebracht, was sich natürlich auch im Verhältnis von Preis und Ausstattung niederschlägt. Monika Zybon-Biermann zeichnet dabei nicht nur für die Texte sondern auch für die zahlreichen speziellen Illustrationen verantwortlich, die aus Kombinationen von mit Zeichnungen ergänzten Fotos bestehen. Teilweise hätte ich mir aussagekräftigere, manuell unbearbeitete „Nur-Fotos“ gewünscht, insbesondere bei den Pflanzenportraits.
Vermisst habe ich ein paar Worte zum Rechtlichen bei der Hexenbesenjagd. Aus den Berichten geht hervor, dass zu den Jagdgebieten insbesondere auch Gehölzsammlungen wie botanischen Gärten, Aboreten und Nationalparks gehören. Wird vor dem Entnehmen der Reiser oder ganzer Hexenbesen jeweils der Besitzer um Erlaubnis gefragt? Bei der Lektüre hatte ich eher den gegenteiligen Eindruck. Und für eine allfällige Nachauflage dieseses Buches im A4-Format würde ich einen strapazierfähigeren Buchumschlag (relativ dünner Karton) empfehlen.
Bisher habe ich mit meinem Blick in die Baumkronen keinen Erfolg verzeichnen bzw. keinen Hexenbesen entdecken können. Dafür habe ich kürzlich an einem Vortrag über Baumriesen in Europa ganz genau hingehört, als ein Hexenbesen auf einem in Rafz gefällten Baum erwähnt wurde. Und vielleicht lassen sich ja genauere Informationen zum im Buch erwähnten Mammutbaum mit Hexenbesen in Konstanz erfahren und ich kann diesen bei Gelegenheit mal bestaunen.
Monika Zybon-Biermann:
Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben
Eigenverlag, 2011
Ein Hexenbesenjäger sucht in Kronenhöhe nicht nach Wucherungen, die durch Pilze oder Viren verursacht worden sind. In sein Beuteschema gehören andere Veränderungen, nämlich solche, die durch Mutationen dauerhaft bestehen bleiben. Und die Natur hat es so eingerichtet, dass sogar auf diesen kleinen Zwergen noch kleinere Knospenmutationen entstehen können. Besonders viele kleinwüchsige Schätze wachsen dort, wo es viele verschiedene Bäume gibt, etwa in Parks oder Baumschulen. Ein Jahreszuwachs von fünf Zentimetern gilt bereits nicht mehr als schwachwüchsig. Die Naturbonsais passen deshalb ihrer Wuchsform entsprechend gut in Steingärten und finden vielleicht in Zukunft im einen oder anderen Garten einen Platz in der Gestaltung als Buchsbaumersatz.
In ausführlichen Portraits stellt die Autorin Hexenbesensammler vor und der Leser bekommt Einblick in die spezielle Leidenschaft von Günther Eschrich, Werner Wüstemeyer, Uwe Horstmann, Jörg Kohout und der zu Jeddelohs. Nur wenige Menschen frönen diesem Hobby und man kennt sich untereinander. Oft wird die ganze Familie eingebunden und potentielle Jagdgebiete sind identisch mit den Urlaubsorten. Und Toleranz ist gefragt, wenn die frisch ergatterten Reiser den Lebensmitteln im Kühlschrank des Wohnmobils den Platz streitig machen.
Im Übrigen ist Erfindungsreichtum von Nutzen. So versucht einer der Sammler mit einer Spezialkonstruktion Marke Eigenbau, dem sogenannten Kofferraumgestänge, den in den Wipfeln entdeckten kleinen grünen Schätzen habhaft zu werden. Denn ist ein Objekt der Begierde gesichtet und in Griffnähe, ist die Beute noch längst nicht im trockenen. Oft bleiben die Reiser beim Herabwerfen zwischen den Ästen hängen oder es ist auch schon vorgekommen, dass ein zufällig vorbeilaufender Passant vom Grünzeug am Kopf getroffen worden ist. Und auch wenn ein Baum mit einem Hexenbesen, der einem früher in grosser Höhe ins Auge gestochen ist, plötzlich gefällt am Boden liegt, ist die Ernte nicht viel einfacher. Denn auch die Suche nach Naturbonsais im Gewirr von ineinander verhakten Ästen ist nicht weniger mühsam.
Im letzten Drittel des Buches wird in Pflanzenportraits auf die Pflege der Zwerge eingegangen und man erfährt Wissenswertes über Herkunft, Entdeckung und Namensgebung. Hexenbesen finden sich nur selten auf Laubbäumen. Die Mehrheit der Portraits handeln deshalb von Immergrünen wie Zeder, Nordmanntanne, Pinie, Zirbelkiefer (Arve), Fichte und Sicheltanne.
Die abenteuerliche Hexenbesenjagd ist eine Passion für Idealisten und keineswegs eine Goldgrube oder ein einfaches lukratives Geschäft, um schnell viel Geld zu verdienen. Nicht nur die Jagd nach Hexenbesen ist eine Herausforderung, auch die Vermehrung der Reiser ist schwierig und Misserfolge fast an der Tagesordnung. Eine Produktion ist nur in kleinen Mengen möglich, weil von kleinen Mutterpflanzen nur wenige Reiser abgeschnitten werden können.
Dieses erste populäre Buch über Hexenbesen hat die Autorin wie oben kurz erwähnt in eigener Initiative herausgebracht, was sich natürlich auch im Verhältnis von Preis und Ausstattung niederschlägt. Monika Zybon-Biermann zeichnet dabei nicht nur für die Texte sondern auch für die zahlreichen speziellen Illustrationen verantwortlich, die aus Kombinationen von mit Zeichnungen ergänzten Fotos bestehen. Teilweise hätte ich mir aussagekräftigere, manuell unbearbeitete „Nur-Fotos“ gewünscht, insbesondere bei den Pflanzenportraits.
Vermisst habe ich ein paar Worte zum Rechtlichen bei der Hexenbesenjagd. Aus den Berichten geht hervor, dass zu den Jagdgebieten insbesondere auch Gehölzsammlungen wie botanischen Gärten, Aboreten und Nationalparks gehören. Wird vor dem Entnehmen der Reiser oder ganzer Hexenbesen jeweils der Besitzer um Erlaubnis gefragt? Bei der Lektüre hatte ich eher den gegenteiligen Eindruck. Und für eine allfällige Nachauflage dieseses Buches im A4-Format würde ich einen strapazierfähigeren Buchumschlag (relativ dünner Karton) empfehlen.
Bisher habe ich mit meinem Blick in die Baumkronen keinen Erfolg verzeichnen bzw. keinen Hexenbesen entdecken können. Dafür habe ich kürzlich an einem Vortrag über Baumriesen in Europa ganz genau hingehört, als ein Hexenbesen auf einem in Rafz gefällten Baum erwähnt wurde. Und vielleicht lassen sich ja genauere Informationen zum im Buch erwähnten Mammutbaum mit Hexenbesen in Konstanz erfahren und ich kann diesen bei Gelegenheit mal bestaunen.
Monika Zybon-Biermann:
Hexenbesen und andere Zwerge – Bonsais aus der Natur, die von allein klein bleiben
Eigenverlag, 2011
30. Januar 2013
Katja Walder: Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder - Pendlergeschichten
Gleich vorweg: Botanisches, Florales oder Hortikulturelles gibt’s in dieser Kolumnensammlung nicht zu lesen. Katja Walders Zeilen über ihre Beobachtungen von Mitreisenden in den Montags- und Donnerstagausgaben im „Blick am Abend“ lese ich jeweils immer als erstes in der abendlichen Gratiszeitung. Und letzthin habe ich an einem Stadttalk die sympathische Autorin persönlich erlebt und bei dieser Gelegenheit etliche, ja fast beängstigend viele Parallelen zwischen ihr und der Sofagärtnerin im Zusammenhang mit Pseudonymen und auch anderem festgestellt.
Die Autorin nimmt sich selber nicht so wichtig und steht nicht besonders gerne im Rampenlicht. Dieser Eindruck hat sich bei mir noch verstärkt beim Anschauen der Schlussmomente beim Verlassen der Glasbox anlässlich der letzten Aktion von „JRZ – Jeder Rappen zählt“. Das zeigt sich aber auch in der Kolumne „Von Worten und Wörtern“ wenn die Beobachterin lapidar schreibt, dass an dieser Stelle eben ans Licht kommt, warum es Dürrenmatt in die grossen Bibliotheken geschafft hat und Katja Walder nur in eine Pendlerzeitung.
Die kurzen Kolumnen lösen wiederholt Kopfschütteln und Erstaunen aus, etwa der Sofatransport mit Bus und Zug oder eigene Kindheitserinnerungen werden wach und die Erkenntnis, dass auch anderen die Worte „Milch-Lait-Latte“ auf der Milchverpackung in Fleisch und Blut übergegangen sind. Eine kleine Verbindung zur Sofagärtnerin gibt’s im Beitrag „Der Mann aus Istanbul“, in der das Buch „Herr Adamson“ von Urs Widmer eine Rolle spielt, das ich hier vorgestellt habe. Am besten lesen Sie aber selber nach, wer eine Affäre mit Grosi Rosi hatte, womit sich wahre Freundinnen auszeichnen oder eben auch nicht und was es mit dem Bratwurst-Massaker auf sich hat. Eingebettet zwischen die Kolumnen sind s/w-Pendler-(Schoss)aufnahmen von Markus Maurer alias @kusito.
„Abgefahren“ ist die perfekte Pendlerlektüre - kurz und oft sehr witzig. So witzig, dass man aufpassen muss, beim Lesen der Kolumnen nicht glucksend erwischt zu werden. Zum einen wegen den komischen Blicke der Sitznachbarn und ausserdem weiss man ja nie, wer mitfährt und unbemerkt die Ohren spitzt. Manchmal – beispielsweise in den Kolumnen „Pendler-Quiz“ oder „Pendlertraum - habe ich mir aus lauter Neugierde mehr Hintergrundwissen à la Stadttalk zu den einzelnen Geschichten gewünscht, um zu erfahren, ob die eine oder andere Episode tatsächlich sogenanntes „Pendler-Real-Life“ ist oder was ausgeschmückt worden ist.
In den letzten Wochen habe ich praktisch alle Donnerstagkolumnen verpasst. Nicht zuletzt deshalb hoffe ich auf weitere Kolumnen in Buchform. Wenn dannzumal die Geschichten „Der Mann mit der Rose“ und „Sorry Kurt“ drin sind, gibt es überhaupt keinen Grund, auf die Lektüre zu verzichten. Nun verbleibt mir nur noch, bei der nächsten Sportrunde oder beim nächsten Spaziergang die Augen ganz weit aufzumachen. Mal schauen, ob ich dann vor der Haustüre noch etwas vom ländlichen Hegi aus der „Kriegerklärung an Effretikon“ finden kann.
Katja Walder:
Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder – Pendlergeschichten
Limmat Verlag, 2012
Die Autorin nimmt sich selber nicht so wichtig und steht nicht besonders gerne im Rampenlicht. Dieser Eindruck hat sich bei mir noch verstärkt beim Anschauen der Schlussmomente beim Verlassen der Glasbox anlässlich der letzten Aktion von „JRZ – Jeder Rappen zählt“. Das zeigt sich aber auch in der Kolumne „Von Worten und Wörtern“ wenn die Beobachterin lapidar schreibt, dass an dieser Stelle eben ans Licht kommt, warum es Dürrenmatt in die grossen Bibliotheken geschafft hat und Katja Walder nur in eine Pendlerzeitung.
Die kurzen Kolumnen lösen wiederholt Kopfschütteln und Erstaunen aus, etwa der Sofatransport mit Bus und Zug oder eigene Kindheitserinnerungen werden wach und die Erkenntnis, dass auch anderen die Worte „Milch-Lait-Latte“ auf der Milchverpackung in Fleisch und Blut übergegangen sind. Eine kleine Verbindung zur Sofagärtnerin gibt’s im Beitrag „Der Mann aus Istanbul“, in der das Buch „Herr Adamson“ von Urs Widmer eine Rolle spielt, das ich hier vorgestellt habe. Am besten lesen Sie aber selber nach, wer eine Affäre mit Grosi Rosi hatte, womit sich wahre Freundinnen auszeichnen oder eben auch nicht und was es mit dem Bratwurst-Massaker auf sich hat. Eingebettet zwischen die Kolumnen sind s/w-Pendler-(Schoss)aufnahmen von Markus Maurer alias @kusito.
„Abgefahren“ ist die perfekte Pendlerlektüre - kurz und oft sehr witzig. So witzig, dass man aufpassen muss, beim Lesen der Kolumnen nicht glucksend erwischt zu werden. Zum einen wegen den komischen Blicke der Sitznachbarn und ausserdem weiss man ja nie, wer mitfährt und unbemerkt die Ohren spitzt. Manchmal – beispielsweise in den Kolumnen „Pendler-Quiz“ oder „Pendlertraum - habe ich mir aus lauter Neugierde mehr Hintergrundwissen à la Stadttalk zu den einzelnen Geschichten gewünscht, um zu erfahren, ob die eine oder andere Episode tatsächlich sogenanntes „Pendler-Real-Life“ ist oder was ausgeschmückt worden ist.
In den letzten Wochen habe ich praktisch alle Donnerstagkolumnen verpasst. Nicht zuletzt deshalb hoffe ich auf weitere Kolumnen in Buchform. Wenn dannzumal die Geschichten „Der Mann mit der Rose“ und „Sorry Kurt“ drin sind, gibt es überhaupt keinen Grund, auf die Lektüre zu verzichten. Nun verbleibt mir nur noch, bei der nächsten Sportrunde oder beim nächsten Spaziergang die Augen ganz weit aufzumachen. Mal schauen, ob ich dann vor der Haustüre noch etwas vom ländlichen Hegi aus der „Kriegerklärung an Effretikon“ finden kann.
Katja Walder:
Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder – Pendlergeschichten
Limmat Verlag, 2012
26. Januar 2013
Barbara Paul Robinson: Rosemary Verey – The Life and Lessons of a Legendary Gardener
Die Amerikanerin Barbara Paul Robinson führt den Leser in dieser Biografie in dreizehn Kapiteln durch das Leben von Rosemary Verey (1918 – 2001). Die Autorin selber arbeitete im Frühling 1991 während einem Sabbatical für einen Monat im Garten der damals 72jährigen legendären englischen Gärtnerin und aus diesem kurzen Arbeitsverhältnis ohne Bezahlung resultierte eine Freundschaft.
Rosemary Verey selber kam erst relativ spät zum Gärtnern. Ihr diesbezügliches Interesse wurde durch ihren Mann David geweckt, der ihr in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts alte Gartenbücher von seinen Reisen mitbrachte. Ihr Hauptinteresse galt aber weiterhin in erster Linie Pferden und der Jagd, während David selber erste gärtnerische Veränderungen rund um den 1697 erbauten Familienwohnsitz Barnsley vornahm. Er provozierte seine Frau und stachelte deren gärtnerischen Ehrgeiz an, als er den dannzumal bekannten Gartendesigner Percy Lane engagierte. In der Folge wurde der Profi wieder unverrichteter Dinge nach London zurückgeschickt und Rosemary Verey hatte eine ihrer ersten wichtigen hortikulturellen Lektionen gelernt: Der Garten gehört dem Kunden, nicht dem Gestalter. Zusammen mit ihrem Mann, der über einen architektonischen Leistungsausweis verfügte, begann sie daraufhin ernsthaft, den Garten von Barnsley und bald einmal auch weitere Gärten umzugestalten.
Rosemary Verey tauchte genau zu der Zeit in der englischen Gartenszene auf, als sich die englische Wirtschaft endlich von den Folgen von zwei Weltkriegen erholt und das Volk genug hatte von “low-maintenance-gardens“. Ihr Geschmack lehnte sich an alte Gartentraditionen und klassische Gärten an und sämtliche von ihr entworfenen Gärten waren sehr pflegeintensiv. Zu ihren Kunden zählten auch Elton John und Prinz Charles. Ganz besonders aber wurde sie von den Amerikanern geschätzt und sie fungierte als eine Art Brückenbauerin zwischen England und Amerika.
Ende 1968 verfasste Rosemary Verey ihre ersten Artikel und schrieb später regelmässig Beiträge für „The Countryman“. 1980 erschien ihr erstes Gartenbuch "The Englishwoman's Garden" (in Zusammenarbeit mit Alvilde Lees-Milne), dem noch sechzehn weitere Publikationen (z.B. „Rosemary Verey's Garden Plans“, „Good Planting“ und „Classic Garden Design - How to Adapt and Recreate Garden Features of the Past“) folgten. Ihre Botschaft lautete: Jeder kann nach der Lektüre meiner Bücher oder nach dem Besuch meiner Vorträge einen Garten planen und gestalten. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1984 war die Witwe zeitlebens von Geldsorgen geplagt und gezwungen, mit Gartengestaltung, Buchverkäufen, Vorträgen, Gartenführungen und dem Öffnen ihres privaten Gartens für das Publikum Geld zu verdienen.
Barbara Paul Robinson zeichnet ein detailliertes Bild der vielschichtigen Persönlichkeit Rosemary Vereys. Diese verfügte über einen ansteckenden Enthusiasmus. Sie war hart zu sich selber und verlangte von den Menschen in ihrer Umgebung das gleiche Engagement. Dabei war und blieb aber immer sie selber die Chefgärtnerin. Die Engländerin war ausgesprochen kontaktfreudig und hatte viele Bewunderer. Sie war sehr hilfsbereit und eine ausgezeichnete Networkerin. Auf Facebook hätte sie heute wohl unzählige Freunde. Ihre hortikulturelle Karriere wurde aber auch von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt, etwa wenn „ihre“ Gärten ohne ihr Wissen wieder verändert wurden oder ihre einzige Teilnahme an der Chelsea Flower Show „nur“ eine Silbermedaille einbrachte. Auch charakterbedingte negative Seiten der Gartendesignerin, teilweise auf ihre Einsamkeit zurückzuführen, werden im Buch immer wieder betont. Ausserdem fühlte sich Rosemary Verey oft minderwertig, weil sie keine fachliche gärtnerische Grundausbildung vorweisen konnte.
Helen Mirren, die Hauptdarstellerin im Film „Greenfingers“ hat sich übrigens vor den Dreharbeiten mit Rosemary Verey getroffen, um für ihre Rolle im Film über die Gefängnisgärtner zu recherchieren und sich inspirieren zu lassen. Rosemary Vereys eigener Garten Barnsley wirkt gemäss Anmerkung im Epilog heute vernachlässigt. Das Gebäude ist nicht mehr im Familienbesitz und zu einem Hotel mit Spa umgebaut worden.
Barbara Paul Robinson:
Rosemary Verey – The Life and Lessons of a Legendary Gardener
David R. Godine Publisher, 2012
Rosemary Verey selber kam erst relativ spät zum Gärtnern. Ihr diesbezügliches Interesse wurde durch ihren Mann David geweckt, der ihr in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts alte Gartenbücher von seinen Reisen mitbrachte. Ihr Hauptinteresse galt aber weiterhin in erster Linie Pferden und der Jagd, während David selber erste gärtnerische Veränderungen rund um den 1697 erbauten Familienwohnsitz Barnsley vornahm. Er provozierte seine Frau und stachelte deren gärtnerischen Ehrgeiz an, als er den dannzumal bekannten Gartendesigner Percy Lane engagierte. In der Folge wurde der Profi wieder unverrichteter Dinge nach London zurückgeschickt und Rosemary Verey hatte eine ihrer ersten wichtigen hortikulturellen Lektionen gelernt: Der Garten gehört dem Kunden, nicht dem Gestalter. Zusammen mit ihrem Mann, der über einen architektonischen Leistungsausweis verfügte, begann sie daraufhin ernsthaft, den Garten von Barnsley und bald einmal auch weitere Gärten umzugestalten.
Rosemary Verey tauchte genau zu der Zeit in der englischen Gartenszene auf, als sich die englische Wirtschaft endlich von den Folgen von zwei Weltkriegen erholt und das Volk genug hatte von “low-maintenance-gardens“. Ihr Geschmack lehnte sich an alte Gartentraditionen und klassische Gärten an und sämtliche von ihr entworfenen Gärten waren sehr pflegeintensiv. Zu ihren Kunden zählten auch Elton John und Prinz Charles. Ganz besonders aber wurde sie von den Amerikanern geschätzt und sie fungierte als eine Art Brückenbauerin zwischen England und Amerika.
Ende 1968 verfasste Rosemary Verey ihre ersten Artikel und schrieb später regelmässig Beiträge für „The Countryman“. 1980 erschien ihr erstes Gartenbuch "The Englishwoman's Garden" (in Zusammenarbeit mit Alvilde Lees-Milne), dem noch sechzehn weitere Publikationen (z.B. „Rosemary Verey's Garden Plans“, „Good Planting“ und „Classic Garden Design - How to Adapt and Recreate Garden Features of the Past“) folgten. Ihre Botschaft lautete: Jeder kann nach der Lektüre meiner Bücher oder nach dem Besuch meiner Vorträge einen Garten planen und gestalten. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1984 war die Witwe zeitlebens von Geldsorgen geplagt und gezwungen, mit Gartengestaltung, Buchverkäufen, Vorträgen, Gartenführungen und dem Öffnen ihres privaten Gartens für das Publikum Geld zu verdienen.
Barbara Paul Robinson zeichnet ein detailliertes Bild der vielschichtigen Persönlichkeit Rosemary Vereys. Diese verfügte über einen ansteckenden Enthusiasmus. Sie war hart zu sich selber und verlangte von den Menschen in ihrer Umgebung das gleiche Engagement. Dabei war und blieb aber immer sie selber die Chefgärtnerin. Die Engländerin war ausgesprochen kontaktfreudig und hatte viele Bewunderer. Sie war sehr hilfsbereit und eine ausgezeichnete Networkerin. Auf Facebook hätte sie heute wohl unzählige Freunde. Ihre hortikulturelle Karriere wurde aber auch von Rückschlägen und Enttäuschungen geprägt, etwa wenn „ihre“ Gärten ohne ihr Wissen wieder verändert wurden oder ihre einzige Teilnahme an der Chelsea Flower Show „nur“ eine Silbermedaille einbrachte. Auch charakterbedingte negative Seiten der Gartendesignerin, teilweise auf ihre Einsamkeit zurückzuführen, werden im Buch immer wieder betont. Ausserdem fühlte sich Rosemary Verey oft minderwertig, weil sie keine fachliche gärtnerische Grundausbildung vorweisen konnte.
Helen Mirren, die Hauptdarstellerin im Film „Greenfingers“ hat sich übrigens vor den Dreharbeiten mit Rosemary Verey getroffen, um für ihre Rolle im Film über die Gefängnisgärtner zu recherchieren und sich inspirieren zu lassen. Rosemary Vereys eigener Garten Barnsley wirkt gemäss Anmerkung im Epilog heute vernachlässigt. Das Gebäude ist nicht mehr im Familienbesitz und zu einem Hotel mit Spa umgebaut worden.
Barbara Paul Robinson:
Rosemary Verey – The Life and Lessons of a Legendary Gardener
David R. Godine Publisher, 2012
22. Januar 2013
Paul Stalder: Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli
Zehn berndeutsche Geschichten mit mehr oder auch mal geringerem hortikulturellen Hintergrund hat der Autor und Gärtner Paul Stalder unter dem Titel „Ds Läbeslied“ veröffentlicht. Ich habe nicht herausfinden können oder vielleicht überlesen, ob diese erfunden sind oder auf wahren Begebenheiten und Erlebnissen beruhen. Falls ersteres zutrifft, sind sie jedenfalls sehr echt und detailgetreu verfasst. Ich neige allerdings dazu, von Nacherzählungen auszugehen.
Die Geschichten handeln von tragischen Schicksalen, vom Alltag und davon, wie immer wieder nach dunkeln Wolken – also schweren Zeiten im Leben - die Sonne wieder scheint und nach Unfrieden endlich so etwas wie Freude oder sogar Dankbarkeit aufkommt.
Da wären etwa zwei Jungbauern, von denen einer nach einem Sturz querschnittgelähmt bleibt und der andere nach einem Zeckenbiss wochenlang zwischen Leben und Tod schwebt. Während der eine seine Lebensfreude im Singen findet, freut sich eine andere an blühenden Blumen und schönem Gemüse im Garten. In einer anderen Geschichte wird von einer Bauersfrau berichtet, die sich mit viel mehr Hingabe um ihren Pflanzblätz kümmert als um den eigenen Mann und der bei jeder Gelegenheit vor ihren Befehlen ins Wirtshaus flüchtet. Oder man liest von einem stolzen und sturen Labrador und einer nach einem schweren Unfall behinderten Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Die ausgezeichnete Naturbeobachterin ist eine tolle Bäckerin und weiss ihren grünen Daumen gut einzusetzen. Wen interessieren da noch die bescheidenen Mathematikkenntnisse, die während der Schulzeit eine Bürde darstellten?
Dann gibt es den Bauern, der unermüdlich versucht, verschiedene Apfelsorten auf Weissdorn zu pfropfen, weil die Wurzeln der Apfelhochstämme immer wieder von den Mäusen angefressen werden und den Rückblick auf einen schwierigen Start im Haus der Schwiegermutter anlässlich der Abschlussfeier der eigenen Tochter an der Bäuerinnenschule. Perfekt und sauber war der Garten, ohne ein einziges Unkraut. Aber fehlende menschliche Wärme prägte und überschattete die ersten Ehejahre.
Vergissmeinnicht erinnern einen anderen an die eigene schwere Jugendzeit, als er als Verdingkind ein verstecktes Gärtchen angelegt hatte mit Rüebli, Zwiebeln und eben Vergissmeinnicht. Als der Meister das Beet entdeckte, zertrampelte er wütend sämtliche Pflanzen und kein bisschen Grünzeug blieb übrig. Nur die Saat, sprich die Liebe zum Gärtnern, war bereits gelegt und kann sich schliesslich in einer strengen, aber schönen Lehre weiter entfalten.
Ich lese eigentlich überhaupt nicht gerne Mundarttexte. Wahrscheinlich, weil ich mich dabei jeweils viel genauer auf das Geschriebene konzentrieren muss und ich mich ganz einfach nicht an Dialekttexte gewöhnt bin. Doch auch wenn mir der eine oder andere Berner Ausdruck nicht geläufig war, liess sich diese Lektüre ganz „ring“ lesen. Schade, sind die beiden anderen Bücher mit gärtnerischem Hintergrund („Gärten und Menschen“ und „Vom Läbe zeichnet“) des gleichen Autors nicht mehr lieferbar.
Paul Stalder:
Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli
Eigenverlag, 2011
Da wären etwa zwei Jungbauern, von denen einer nach einem Sturz querschnittgelähmt bleibt und der andere nach einem Zeckenbiss wochenlang zwischen Leben und Tod schwebt. Während der eine seine Lebensfreude im Singen findet, freut sich eine andere an blühenden Blumen und schönem Gemüse im Garten. In einer anderen Geschichte wird von einer Bauersfrau berichtet, die sich mit viel mehr Hingabe um ihren Pflanzblätz kümmert als um den eigenen Mann und der bei jeder Gelegenheit vor ihren Befehlen ins Wirtshaus flüchtet. Oder man liest von einem stolzen und sturen Labrador und einer nach einem schweren Unfall behinderten Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Die ausgezeichnete Naturbeobachterin ist eine tolle Bäckerin und weiss ihren grünen Daumen gut einzusetzen. Wen interessieren da noch die bescheidenen Mathematikkenntnisse, die während der Schulzeit eine Bürde darstellten?
Dann gibt es den Bauern, der unermüdlich versucht, verschiedene Apfelsorten auf Weissdorn zu pfropfen, weil die Wurzeln der Apfelhochstämme immer wieder von den Mäusen angefressen werden und den Rückblick auf einen schwierigen Start im Haus der Schwiegermutter anlässlich der Abschlussfeier der eigenen Tochter an der Bäuerinnenschule. Perfekt und sauber war der Garten, ohne ein einziges Unkraut. Aber fehlende menschliche Wärme prägte und überschattete die ersten Ehejahre.
Vergissmeinnicht erinnern einen anderen an die eigene schwere Jugendzeit, als er als Verdingkind ein verstecktes Gärtchen angelegt hatte mit Rüebli, Zwiebeln und eben Vergissmeinnicht. Als der Meister das Beet entdeckte, zertrampelte er wütend sämtliche Pflanzen und kein bisschen Grünzeug blieb übrig. Nur die Saat, sprich die Liebe zum Gärtnern, war bereits gelegt und kann sich schliesslich in einer strengen, aber schönen Lehre weiter entfalten.
Ich lese eigentlich überhaupt nicht gerne Mundarttexte. Wahrscheinlich, weil ich mich dabei jeweils viel genauer auf das Geschriebene konzentrieren muss und ich mich ganz einfach nicht an Dialekttexte gewöhnt bin. Doch auch wenn mir der eine oder andere Berner Ausdruck nicht geläufig war, liess sich diese Lektüre ganz „ring“ lesen. Schade, sind die beiden anderen Bücher mit gärtnerischem Hintergrund („Gärten und Menschen“ und „Vom Läbe zeichnet“) des gleichen Autors nicht mehr lieferbar.
Paul Stalder:
Ds Läbeslied u angeri Gschichte für ufem Gartebänkli
Eigenverlag, 2011
18. Januar 2013
Arto Paasilinna: Zehn zärtliche Kratzbürsten
Der Geschäftsführer Rauno Rämekorpi hat mit vielen Gratulanten seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert. Seine Frau Annikki hat auf einem grossen Fest bestanden. Und wie üblich bei solchen Anlässen, sind kaum genug Vasen aufzutreiben, um alle Blumensträusse hereinstellen zu können. Dazu kommt, dass Annikki allergisch auf Blumen ist. Was tut man also in einem solchen Fall? Zum Wegwerfen sind die floralen Meisterwerke jedenfalls zu schade. Kurzum entschliesst sich das schon angegraute Geburtstagskind, die Blütenpracht seinen verflossenen Geliebten weiter zu schenken.
In einem Grossraumtaxi macht er sich auf den Weg, die teuren Essens- und Getränkereste sowie das Grünzeug zu verteilen. Der Nelkenstrauss und die gelben Rosen vom Aussenhandelsverband, der Rosenstrauss der Metallarbeitergewerkschaft und der Strauss des stellvertretenden Geschäftsführers des Industrieverbandes müssen ebenso an die Frau gebracht werden wie die Blumen des Ingenieurverbandes.
Bei ihren spontanen Damenbesuchen übernehmen der Industriemanager Rämekorpi und der Taxifahrer Sorjonen, der ihm während der langen Bescherungsrunderunde recht nahe kommt, die verschiedensten Aufgaben. Sie betätigen sich beispielsweise als Sargträger, machen Wohnungsputz, wischen das Wasser eines umgekippten Aquariums auf und das Geburtstagskind erfährt so ganz nebenbei, dass es kürzlich Vater einer Tochter geworden ist. Des weiteren befördert Rämekorpi eine der beschenkten Frauen mit einem selbst kreierten Diplom kurzerhand zur Diplom-Ingenieurin und verspricht ihr einen entsprechenden Job in seinem Unternehmen. Denn schliesslich hat er Zeit seines Lebens mehr auf seinen gesunden Menschenverstand und seinen Instinkt gegeben als auf nichtssagende Studienabschlüsse
Und ganz klar, der grosszügige Industriemanager und Chef eines florierenden Industrieunternehmens, das Kabinenmodule für Kreuzfahrtschiffe baut und der sein Frühstück jeweils auf dem Fussboden isst, macht keine seiner guten Taten ganz uneigennützig. So erwartet er denn auch eine mehr oder weniger freiwillige Gegenleistung der Frauen, die seine männlichen Bedürfnisse befriedigen soll.
Mhm, das hier vorgestellte Frauenbild ist gelinde bemerkt schon etwas bedenklich, auch wenn die Lektüre als skuriler Humor qualifiziert ist. Mehr als einmal musste ich leer schlucken und ganz ehrlich, an Anfang fand ich das Buch recht amüsant, aber da sich recht ähnliche Geschichten jeweils fast zehnmal wiederholen, ist mein Leseinteresse im Verlauf des Buches merkhaft geschrumpft und fast auf den Nullpunkt gesunken, als die Frauengeschichten mit einer zweiten Blumenrunde mit Weihnachtsmann und Wichtel nochmals durchzelebriert werden.
Dieses Buch ist eine zufällige Entdeckung vom Remittendentisch in der Bahnhofsbuchhandlung Speyer. Den Autor hatte ich diesen Sommer zum ersten Mal für mich in diversen francophonen Buchhandlungen entdeckt, wo mir wiederholt der Gartenzwerg auf dem Buch „Le potager des malfaiteurs ayant echappé à la pendaison“ aufgefallen ist. Vernunfthalber habe ich aber auf den Kauf des Buches verzichtet, weil mir das Lesen von französischen Büchern nach den Ferien jeweils ziemlich schnell verleidet. Eine deutsche oder englische Ausgabe habe ich nicht gefunden. Weiss vielleicht jemand, ob es sich für das erwähnte Buch lohnt, seine eingerosteten Französischkenntnisse etwas zu ölen?
Arto Paasilinna:
Zehn zärtliche Kratzbürsten
BLT, 2008
In einem Grossraumtaxi macht er sich auf den Weg, die teuren Essens- und Getränkereste sowie das Grünzeug zu verteilen. Der Nelkenstrauss und die gelben Rosen vom Aussenhandelsverband, der Rosenstrauss der Metallarbeitergewerkschaft und der Strauss des stellvertretenden Geschäftsführers des Industrieverbandes müssen ebenso an die Frau gebracht werden wie die Blumen des Ingenieurverbandes.
Bei ihren spontanen Damenbesuchen übernehmen der Industriemanager Rämekorpi und der Taxifahrer Sorjonen, der ihm während der langen Bescherungsrunderunde recht nahe kommt, die verschiedensten Aufgaben. Sie betätigen sich beispielsweise als Sargträger, machen Wohnungsputz, wischen das Wasser eines umgekippten Aquariums auf und das Geburtstagskind erfährt so ganz nebenbei, dass es kürzlich Vater einer Tochter geworden ist. Des weiteren befördert Rämekorpi eine der beschenkten Frauen mit einem selbst kreierten Diplom kurzerhand zur Diplom-Ingenieurin und verspricht ihr einen entsprechenden Job in seinem Unternehmen. Denn schliesslich hat er Zeit seines Lebens mehr auf seinen gesunden Menschenverstand und seinen Instinkt gegeben als auf nichtssagende Studienabschlüsse
Und ganz klar, der grosszügige Industriemanager und Chef eines florierenden Industrieunternehmens, das Kabinenmodule für Kreuzfahrtschiffe baut und der sein Frühstück jeweils auf dem Fussboden isst, macht keine seiner guten Taten ganz uneigennützig. So erwartet er denn auch eine mehr oder weniger freiwillige Gegenleistung der Frauen, die seine männlichen Bedürfnisse befriedigen soll.
Mhm, das hier vorgestellte Frauenbild ist gelinde bemerkt schon etwas bedenklich, auch wenn die Lektüre als skuriler Humor qualifiziert ist. Mehr als einmal musste ich leer schlucken und ganz ehrlich, an Anfang fand ich das Buch recht amüsant, aber da sich recht ähnliche Geschichten jeweils fast zehnmal wiederholen, ist mein Leseinteresse im Verlauf des Buches merkhaft geschrumpft und fast auf den Nullpunkt gesunken, als die Frauengeschichten mit einer zweiten Blumenrunde mit Weihnachtsmann und Wichtel nochmals durchzelebriert werden.
Dieses Buch ist eine zufällige Entdeckung vom Remittendentisch in der Bahnhofsbuchhandlung Speyer. Den Autor hatte ich diesen Sommer zum ersten Mal für mich in diversen francophonen Buchhandlungen entdeckt, wo mir wiederholt der Gartenzwerg auf dem Buch „Le potager des malfaiteurs ayant echappé à la pendaison“ aufgefallen ist. Vernunfthalber habe ich aber auf den Kauf des Buches verzichtet, weil mir das Lesen von französischen Büchern nach den Ferien jeweils ziemlich schnell verleidet. Eine deutsche oder englische Ausgabe habe ich nicht gefunden. Weiss vielleicht jemand, ob es sich für das erwähnte Buch lohnt, seine eingerosteten Französischkenntnisse etwas zu ölen?
Arto Paasilinna:
Zehn zärtliche Kratzbürsten
BLT, 2008
14. Januar 2013
Thomas C. Cooper (Hrsg.): The Roots of my Obsession – Thirty Great Gardeners Reveal why they Garden
Gründe zu gärtnern gibt es deren viele. In diesem Buch erzählen dreissig Gärtnerinnen und Gärtner, aufgrund welcher Erlebnisse sie geerdet worden sind. Ob das sogenannte Drama vor dem Fenster, wo Bambus so schnell wächst, dass man dabei (fast) zusehen kann, tatsächlich vergleichbar spannend ist wie eine informative TV-Sendung, mag jeder für sich selber entscheiden. Es gärtnert auch nicht jedermann aus Liebe zu Pflanzen. Auch das Interesse an Tieren, die im Grünen kreuchen und fleuchen, können ein Grund dafür sein. Amy Stewart („Gemeine Gewächse“) wiederum wundert sich, warum Leute für das Beobachten von Walen (Whale Watching) viel Geld ausgeben, wenn sie im Garten Springschwänze und andere Tierchen ganz umsonst in ihrem Lebensraum betrachten können.
Tony Avent ("So you want to start a nursery") erzählt von seiner Enttäuschung beim Besuch einer Versand-Gärtnerei. Zusammen mit seinem Vater hat er dort als kleiner Junge nach einer vierstündigen Anreise ausser ein paar Beeten mit einjährigen Pflanzen keinen Garten ausmachen können. Jedenfalls hatte er aufgrund der von ihm geschätzten tollen Kataloge dieses Unternehmens etwas ganz anderes erwartet. Aber genau in diesem Moment hat er beschlossen, eines Tages seine eigene Versandgärtnerei mit einem daran angeschlossenen Garten aufzuziehen. Und zwar einem Garten, der keinen Besucher enttäuscht. Ob ihm das gelungen ist, sehen Sie (wenigstens virtuell) hier.
Dann gibt es den Neunjährigen, der schon für den gesamten Familiengarten verantwortlich war oder die Landschaftsdesignerin, die erst nach Jahrzehnten „Bäume verschieben“ für sich selber die Freuden an der direkten Beschäftigung entdeckt, die zu Dreck unter den Fingernägeln führt und ausführlich den Unterschied erklärt zwischen dem „pure mind gardener“ und dem „dirt gardener. Das Budget des erwähnten Nachwuchsgärtners für Samen und Setzlinge war seinerzeit sehr stark eingeschränkt und stand in einem krassen Missverhältnis zu den farbenfrohen Träumen von Frühlingsblühern. Demzufolge umfasste die jährliche Blumenzwiebelbestellung halt jeweils nur gerade bescheidene drei Exemplare.
Geständnisse können auch eine jahrelange Freundschaft auf die Probe stellen und das Vertrauen in den Grundfesten erschüttern. Diese Erfahrung machte ein anderer Gärtner, der sich als kleiner Junge regelmässig ohne schlechtes Gewissen in den Nachbarsgärten wie in Selbstbedienungsläden (natürlich solchen ohne Kasse) fühlte und aufführte und viele Jahre später sein Gewissen erleichterte. Immerhin ist er heutzutage vielleicht gerade deswegen umso grosszügiger im Teilen seiner eigenen grünen Schätze und der Ernte von denselben.
In weiteren Kapiteln geht es etwa um den fast aussichtslosen Kampf gegen Rehe, Eisstürme und Überschwemmungen, Strassenarbeiter, die im Vorbeigehen Büsche abhacken, und Grossmütter, die den Samen zu Gartenliebe pflanzen oder an und für sich mehrjährige Stauden, die sich witterungsbedingt regelmässig als Einjährige entpuppen. Aufzeichnungen finden sich im Buch unter anderem von Helen Dillon, Fergus Garrett, Daniel J. Hinkley, Roy Lancaster, Anna Pavord, Margaret Roach, Penelope Hobhouse, Ken Druse und David Wheeler.
Der Schlusssatz in Claire Sawyers Essays passt auch ausgezeichnet ans Ende dieser Buchvorstellung: Die wirklich interessante Frage ist nämlich nicht, warum gärtnere ich, sondern warum gärtnert nicht jedermann.
Thomas C. Cooper (Hrsg.):
The Roots of my Obsession – Thirty Great Gardeners Reveal why they Garden
Timber Press, 2012
Tony Avent ("So you want to start a nursery") erzählt von seiner Enttäuschung beim Besuch einer Versand-Gärtnerei. Zusammen mit seinem Vater hat er dort als kleiner Junge nach einer vierstündigen Anreise ausser ein paar Beeten mit einjährigen Pflanzen keinen Garten ausmachen können. Jedenfalls hatte er aufgrund der von ihm geschätzten tollen Kataloge dieses Unternehmens etwas ganz anderes erwartet. Aber genau in diesem Moment hat er beschlossen, eines Tages seine eigene Versandgärtnerei mit einem daran angeschlossenen Garten aufzuziehen. Und zwar einem Garten, der keinen Besucher enttäuscht. Ob ihm das gelungen ist, sehen Sie (wenigstens virtuell) hier.
Dann gibt es den Neunjährigen, der schon für den gesamten Familiengarten verantwortlich war oder die Landschaftsdesignerin, die erst nach Jahrzehnten „Bäume verschieben“ für sich selber die Freuden an der direkten Beschäftigung entdeckt, die zu Dreck unter den Fingernägeln führt und ausführlich den Unterschied erklärt zwischen dem „pure mind gardener“ und dem „dirt gardener. Das Budget des erwähnten Nachwuchsgärtners für Samen und Setzlinge war seinerzeit sehr stark eingeschränkt und stand in einem krassen Missverhältnis zu den farbenfrohen Träumen von Frühlingsblühern. Demzufolge umfasste die jährliche Blumenzwiebelbestellung halt jeweils nur gerade bescheidene drei Exemplare.
Geständnisse können auch eine jahrelange Freundschaft auf die Probe stellen und das Vertrauen in den Grundfesten erschüttern. Diese Erfahrung machte ein anderer Gärtner, der sich als kleiner Junge regelmässig ohne schlechtes Gewissen in den Nachbarsgärten wie in Selbstbedienungsläden (natürlich solchen ohne Kasse) fühlte und aufführte und viele Jahre später sein Gewissen erleichterte. Immerhin ist er heutzutage vielleicht gerade deswegen umso grosszügiger im Teilen seiner eigenen grünen Schätze und der Ernte von denselben.
In weiteren Kapiteln geht es etwa um den fast aussichtslosen Kampf gegen Rehe, Eisstürme und Überschwemmungen, Strassenarbeiter, die im Vorbeigehen Büsche abhacken, und Grossmütter, die den Samen zu Gartenliebe pflanzen oder an und für sich mehrjährige Stauden, die sich witterungsbedingt regelmässig als Einjährige entpuppen. Aufzeichnungen finden sich im Buch unter anderem von Helen Dillon, Fergus Garrett, Daniel J. Hinkley, Roy Lancaster, Anna Pavord, Margaret Roach, Penelope Hobhouse, Ken Druse und David Wheeler.
Der Schlusssatz in Claire Sawyers Essays passt auch ausgezeichnet ans Ende dieser Buchvorstellung: Die wirklich interessante Frage ist nämlich nicht, warum gärtnere ich, sondern warum gärtnert nicht jedermann.
Thomas C. Cooper (Hrsg.):
The Roots of my Obsession – Thirty Great Gardeners Reveal why they Garden
Timber Press, 2012
10. Januar 2013
Oskar Freysinger: Löwenzahn oder Der alte Mann an der Suone
Vitus ist lebensmüde. Doch seine Versuche, seinem Leben ein Ende zu setzen, scheitern allesamt. Da entdeckt er mit fünfundsechzig Jahren völlig unerwartet seine Lebensaufgabe, und zwar als er stolpert, der Länge nach hinfällt und seine Nase in einer Löwenzahnblüte steckt. An diesem Tag mutiert er zum Revolutionär mit dem Kriegsnamen „Die grüne Hand“ und verfolgt hernach unermüdlich das Ziel, seinen persönlichen Kampf gegen die Monokultur längs der Suone mittels Begrünung eines Stücks Erde zu gewinnen. Denn die in Reih und Glied stehenden Rebstöcke erscheinen ihm plötzlich wie Soldaten, die ihm ein Dorn im Auge sind.
Vitus Enkel, der von seiner Mutter einfach bei diesem abgegeben und nie mehr abgeholt worden ist, erzählt in diesem schmalen Büchlein in Ich-Form von den Offensiven seines Grossvaters, die Umgebung nachhaltig zu verändern und seiner eigenen tatkräftigen Mithilfe. Diese beinhalten etwa das Versenken von Blumenzwiebeln im Boden sowie das Aufziehen von Setzlingen in einem in ein Gewächshaus umfunktionierten Schuppen und das Botanik-Selbststudium. Ein ausgeklügeltes Drainagesystem und eine gut durchdachte Pflanzenfolge einheimischer Gewächse verwandeln die Hügel zusammen mit Teppichen aus Blaukissen und Polsterastern in hängende Walliser Gärten. Und schliesslich bricht Vitus sogar ein ungeschriebenes Gesetz und entfernt Rebstöcke und pflanzt an deren Stelle die verschiedensten Gehölze.
Die Begrünungsaktion ruft auch Neider auf den Platz und die Bosheit eines Nachbarn, dem die tägliche Streitgrundlage entzogen worden ist, muss galant ausgetrickst werden. Der Enkel zieht schliesslich in die weite Welt hinaus, wo er mit seinem hortikulturellen Wissen Gärten und Parks anlegt, während der Grossvater daheim die Finanzkrise für seine Zwecke zum Vorteil umkehrt und direkt profitiert, indem er seine Ersparnisse in scheinbar wertlose Parzellen investiert. Ist er tatsächlich ein Spinner oder vielleicht doch ein Visionär?
In die Erzählung werden wiederholt Weisheiten eingebettet wie (Zitat) „Man kann die Welt nicht verändern, aber das kleine Wegstück, das man auf ihr zurücklegt und „Wer in einem Löwenzahn die Sonne sieht, den strahlt die ganze Welt an“. Für sich spricht auch die Erklärung der Allgemeinheit auf diesen „spontanen botanischen Garten“ oder dieses „naturbedingte Kuriosum“.
Auch wenn Sie allenfalls das Heu nicht auf der gleichen politischen Bühne haben wie der Autor – schieben Sie solche Vorbehalte für einmal einfach beiseite und tauchen Sie in diese poetisch angehauchte und zum Nachdenken anregende Parabel ein. Es lohnt sich.
Oskar Freysinger:
Löwenzahn oder Der alte Mann an der Suone
Weltbild Verlag, 2012
Vitus Enkel, der von seiner Mutter einfach bei diesem abgegeben und nie mehr abgeholt worden ist, erzählt in diesem schmalen Büchlein in Ich-Form von den Offensiven seines Grossvaters, die Umgebung nachhaltig zu verändern und seiner eigenen tatkräftigen Mithilfe. Diese beinhalten etwa das Versenken von Blumenzwiebeln im Boden sowie das Aufziehen von Setzlingen in einem in ein Gewächshaus umfunktionierten Schuppen und das Botanik-Selbststudium. Ein ausgeklügeltes Drainagesystem und eine gut durchdachte Pflanzenfolge einheimischer Gewächse verwandeln die Hügel zusammen mit Teppichen aus Blaukissen und Polsterastern in hängende Walliser Gärten. Und schliesslich bricht Vitus sogar ein ungeschriebenes Gesetz und entfernt Rebstöcke und pflanzt an deren Stelle die verschiedensten Gehölze.
Die Begrünungsaktion ruft auch Neider auf den Platz und die Bosheit eines Nachbarn, dem die tägliche Streitgrundlage entzogen worden ist, muss galant ausgetrickst werden. Der Enkel zieht schliesslich in die weite Welt hinaus, wo er mit seinem hortikulturellen Wissen Gärten und Parks anlegt, während der Grossvater daheim die Finanzkrise für seine Zwecke zum Vorteil umkehrt und direkt profitiert, indem er seine Ersparnisse in scheinbar wertlose Parzellen investiert. Ist er tatsächlich ein Spinner oder vielleicht doch ein Visionär?
In die Erzählung werden wiederholt Weisheiten eingebettet wie (Zitat) „Man kann die Welt nicht verändern, aber das kleine Wegstück, das man auf ihr zurücklegt und „Wer in einem Löwenzahn die Sonne sieht, den strahlt die ganze Welt an“. Für sich spricht auch die Erklärung der Allgemeinheit auf diesen „spontanen botanischen Garten“ oder dieses „naturbedingte Kuriosum“.
Auch wenn Sie allenfalls das Heu nicht auf der gleichen politischen Bühne haben wie der Autor – schieben Sie solche Vorbehalte für einmal einfach beiseite und tauchen Sie in diese poetisch angehauchte und zum Nachdenken anregende Parabel ein. Es lohnt sich.
Oskar Freysinger:
Löwenzahn oder Der alte Mann an der Suone
Weltbild Verlag, 2012
6. Januar 2013
Dr. Seuss: Der Lorax (Buch und DVD)
Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der nur künstliche Bäume existieren, bei denen auf Knopfdruck mit der Fernbedienung die Jahreszeiten gewechselt werden können? Der zwölfjährige Ted wohnt in der Stadt Thneedville, in welcher alles – eben auch die Bäume und Blumen – aus Plastik ist. Alles scheint bunt und farbenfroh, aber unecht und erinnert an ein Leben in einem Freizeitpark. Und sogar die frische Luft aus der Flasche muss bezahlt werden.
Von seinem Schwarm Audrey erfährt Ted von echten Gehölzen, denn das Mädchen hat einen richtigen Baum mit prächtigen Seidenpusseln gemalt. Solche nach Schmetterlingsmilch duftenden Gehölze haben früher anscheinend das hiesige Landschaftsbild geprägt und Audrey möchte unbedingt einen solchen Baum besitzen. Um seiner Angebeteten diesen Wunsch zu erfüllen und bei ihr einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, würde Ted alles tun. Von seiner Grossmutter erhält er den entscheidenden Tipp, wie und wo er sich nach Seidenpussel- oder Trüffelabäumen erkundigen kann. Er soll sich an den Once-ler wenden, der ausserhalb der künstlichen Stadt wohnt. Dieser Mann weiss genau, was mit den Trüffelabäumen passiert ist und er ist bereit, jedem davon zu erzählen, der als Bezahlung eine Schnecke, 15 Cent und einen Reissnagel mitbringt.
Trotz Verbot die Stadt zu verlassen, macht sich Ted auf den Weg zum Once-ler. Nachdem er ausserhalb der Mauern durch eine baumlose von Ruinen gesäumte Landschaft gefahren ist, trifft er bald auf die seltsame Behausung des eigenartigen Einzelgängers. Dieser berichtet ihm tatsächlich gegen die bekannte Bezahlung vom Paradies, das er seinerzeit als junger Mann und Erfinder angetroffen hat, als er nach langem Herumreisen in diese Gegend gekommen ist. Eine ganz besondere Tierwelt lebte damals hier und farbige Seidenpusseln schaukelten im Wind.
Doch kurzentschlossen und ohne gross zu überlegen fällte der Once-ler dazumal einen Baum, um aus den Seidenpusseln einen Schnauch zu stricken. Die Fällaktion löste sofort ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner aus und ein mystisches Wesen, der Baumwächter Lorax, entstieg dem Baumstrunk. Dieser Lorax warnte den jungen Erfinder eindringlich vor weiteren Fällaktionen und forderte ihn auf, umgehend wieder zu verschwinden. Doch der Once-ler liess sich weder durch Drohungen noch durch Verfluchungen von seinen hochtrabenden Plänen abbringen. Er hatte mit dem Schnauch, einem Textilprodukt, das sowohl als Hut, Socke, Pullover, Vorhang und Kissen wie auch als Putzlappen und Teppich verwendet werden konnte, einen nachfragestarken Artikel erfunden, den ihm die Leute aus den Händen rissen. Er stapfte in der Folge ein florierendes Familienunternehmen aus dem Boden und fällte schamlos Baum um Baum. Und während das Geschäft des Once-lers blühte, fehlte es den in der Gegend lebenden Tieren bald an Nahrungsquellen, weil die gesamte Umgebung und die Luft verschmutzt und vergiftet waren.
Anlässlich der Verfilmung (Trickfilm) dieses Kinderbuches aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Verlag Antje Kunstmann eine neue deutsche Übersetzung herausgebracht. Autor dieses auch heute noch aktuellen Klassikers zum Thema Umweltschutz war Dr. Seuss (1904 - 1991), einer der grössten und bekanntesten amerikanischen Kinderbuchautoren ("Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat).
Dr. Seuss:
Der Lorax (Deutsche Übersetzung von Nadia Budde)
Verlag Antje Kunstmann, 2012
Dr Seuss:
Der Lorax (DVD) Universal Studios, 2012
Von seinem Schwarm Audrey erfährt Ted von echten Gehölzen, denn das Mädchen hat einen richtigen Baum mit prächtigen Seidenpusseln gemalt. Solche nach Schmetterlingsmilch duftenden Gehölze haben früher anscheinend das hiesige Landschaftsbild geprägt und Audrey möchte unbedingt einen solchen Baum besitzen. Um seiner Angebeteten diesen Wunsch zu erfüllen und bei ihr einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, würde Ted alles tun. Von seiner Grossmutter erhält er den entscheidenden Tipp, wie und wo er sich nach Seidenpussel- oder Trüffelabäumen erkundigen kann. Er soll sich an den Once-ler wenden, der ausserhalb der künstlichen Stadt wohnt. Dieser Mann weiss genau, was mit den Trüffelabäumen passiert ist und er ist bereit, jedem davon zu erzählen, der als Bezahlung eine Schnecke, 15 Cent und einen Reissnagel mitbringt.
Trotz Verbot die Stadt zu verlassen, macht sich Ted auf den Weg zum Once-ler. Nachdem er ausserhalb der Mauern durch eine baumlose von Ruinen gesäumte Landschaft gefahren ist, trifft er bald auf die seltsame Behausung des eigenartigen Einzelgängers. Dieser berichtet ihm tatsächlich gegen die bekannte Bezahlung vom Paradies, das er seinerzeit als junger Mann und Erfinder angetroffen hat, als er nach langem Herumreisen in diese Gegend gekommen ist. Eine ganz besondere Tierwelt lebte damals hier und farbige Seidenpusseln schaukelten im Wind.
Doch kurzentschlossen und ohne gross zu überlegen fällte der Once-ler dazumal einen Baum, um aus den Seidenpusseln einen Schnauch zu stricken. Die Fällaktion löste sofort ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner aus und ein mystisches Wesen, der Baumwächter Lorax, entstieg dem Baumstrunk. Dieser Lorax warnte den jungen Erfinder eindringlich vor weiteren Fällaktionen und forderte ihn auf, umgehend wieder zu verschwinden. Doch der Once-ler liess sich weder durch Drohungen noch durch Verfluchungen von seinen hochtrabenden Plänen abbringen. Er hatte mit dem Schnauch, einem Textilprodukt, das sowohl als Hut, Socke, Pullover, Vorhang und Kissen wie auch als Putzlappen und Teppich verwendet werden konnte, einen nachfragestarken Artikel erfunden, den ihm die Leute aus den Händen rissen. Er stapfte in der Folge ein florierendes Familienunternehmen aus dem Boden und fällte schamlos Baum um Baum. Und während das Geschäft des Once-lers blühte, fehlte es den in der Gegend lebenden Tieren bald an Nahrungsquellen, weil die gesamte Umgebung und die Luft verschmutzt und vergiftet waren.
Anlässlich der Verfilmung (Trickfilm) dieses Kinderbuches aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Verlag Antje Kunstmann eine neue deutsche Übersetzung herausgebracht. Autor dieses auch heute noch aktuellen Klassikers zum Thema Umweltschutz war Dr. Seuss (1904 - 1991), einer der grössten und bekanntesten amerikanischen Kinderbuchautoren ("Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat).
Dr. Seuss:
Der Lorax (Deutsche Übersetzung von Nadia Budde)
Verlag Antje Kunstmann, 2012
Dr Seuss:
Der Lorax (DVD) Universal Studios, 2012
2. Januar 2013
Carmen Szadzik und Melitta Kolberg: Verrückt nach Frühling – Zu Gast in 25 bildschönen Zwiebelblumengärten
Der jahreszeitlich richtige Zeitpunkt für die Lektüre dieser Publikation und den Buchbesuch in 25 Zwiebelblumengärten wäre wohl eher im Spätsommer und Frühherbst, damit die gewonnenen Ideen auch gleich umgesetzt werden können, also die Verheissung in Form von Blumenzwiebeln eingegraben werden kann. Demgegenüber ist der Zeitpunkt für diese Buchvorstellung geeignet, um vielleicht rechtzeitig einen Ausflug zur Zwiebelblumenblüte in den einen oder anderen Garten zu planen und sich mit eigenen Augen vor Ort einen persönlichen Eindruck zu verschaffen über die Umsetzung von perfekten Blütenentwürfen. Die in Kurzportraits in Wort und Bild vorgestellten Gärten befinden sich in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Der am südlichsten gelegene Garten ist „De Heerenhof“ in Maastricht. Details wie Adressen, Webseiten und Hinweise zu speziellen Anlässen finden sich im Serviceteil unter „Zum Nachreisen“.
Das Buch ist analog den verschiedenen Blühhöhepunkten der Frühjahrsblüher in die Kapitel „Vorfrühling“, „Frühling“ und „Spätfrühling“ gegliedert. Den Anfang machen demnach die Zwiebelblumenzwerge wie Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge und Märzenbecher. Weiter geht es im April mit einem Meer aus Blausternchen und Puschkinien, das in einem Garten in Bissendorf die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht, während auf dem Hof Hilligenbohl Osterglocken und Narzissen dominieren. Neben Privatgärten wird im Kapitel „Frühling“ auch dem Keukenhof ein Portrait gewidmet.
Auf den Fotos im Spätfrühling spielen purpurviolette Lauchkugeln (Allium) die Hauptrolle. Hier lassen sich Ideen für Kombinationen dieser Akzente setzenden Blüten auf hohen Stängeln mit rosafarbenem Knöterich abgucken oder solche mit der Triumphtulpe „Dreaming Maid“. Etwas störend in all dieser farblichen Perfektion von violettem Blütenrausch in frühlingsgrüner Umgebung und passender Begleitbepflanzung dünkten mich einzig die roten Kissen auf den zwei grauen Liegestühlen.
Sie träumen nach dem Schwelgen in den Fotos dieser Publikation von einer eigenen Krokuswiese, unzähligen Tuffs mit Narzissen oder farblich und in der Höhe optimal abgestimmte Tulpenbeeten, die sich wie Bänder durch den Garten schlängeln? Im Kapitel „Zum Nachlesen“ finden Sie Tipps zur Pflanzenauswahl und Starthilfe für persönliche Zwiebelblumenhöhepunkte in Ihrem Garten. Die Autorin ermuntert zum Experimentieren und empfiehlt beispielsweise Engelstränennarzissen und Sommerknotenblumen als Alternative, wenn sich Wühlmäuse über die Damentulpen hermachen oder ausdauernde Blüher wie Anemonen einzusetzen.
Diese farbenfrohe und informative Publikation ist im Eigenverlag erschienen und eine passende Einstimmung auf den kommenden Frühling, wenn endlich wieder lebendige, zeitlich begrenzte Gemälde in den Gärten zu entdecken sind, die nach dem Verblühen wiederum von der Vorfreude auf den übernächsten Frühling abgelöst werden...
Carmen Szadzik und Melitta Kolberg:
Verrückt nach Frühling – Zu Gast in 25 bildschönen Zwiebelblumengärten
Eigenverlag, 2011
Das Buch ist analog den verschiedenen Blühhöhepunkten der Frühjahrsblüher in die Kapitel „Vorfrühling“, „Frühling“ und „Spätfrühling“ gegliedert. Den Anfang machen demnach die Zwiebelblumenzwerge wie Schneeglöckchen, Krokusse, Winterlinge und Märzenbecher. Weiter geht es im April mit einem Meer aus Blausternchen und Puschkinien, das in einem Garten in Bissendorf die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht, während auf dem Hof Hilligenbohl Osterglocken und Narzissen dominieren. Neben Privatgärten wird im Kapitel „Frühling“ auch dem Keukenhof ein Portrait gewidmet.
Auf den Fotos im Spätfrühling spielen purpurviolette Lauchkugeln (Allium) die Hauptrolle. Hier lassen sich Ideen für Kombinationen dieser Akzente setzenden Blüten auf hohen Stängeln mit rosafarbenem Knöterich abgucken oder solche mit der Triumphtulpe „Dreaming Maid“. Etwas störend in all dieser farblichen Perfektion von violettem Blütenrausch in frühlingsgrüner Umgebung und passender Begleitbepflanzung dünkten mich einzig die roten Kissen auf den zwei grauen Liegestühlen.
Sie träumen nach dem Schwelgen in den Fotos dieser Publikation von einer eigenen Krokuswiese, unzähligen Tuffs mit Narzissen oder farblich und in der Höhe optimal abgestimmte Tulpenbeeten, die sich wie Bänder durch den Garten schlängeln? Im Kapitel „Zum Nachlesen“ finden Sie Tipps zur Pflanzenauswahl und Starthilfe für persönliche Zwiebelblumenhöhepunkte in Ihrem Garten. Die Autorin ermuntert zum Experimentieren und empfiehlt beispielsweise Engelstränennarzissen und Sommerknotenblumen als Alternative, wenn sich Wühlmäuse über die Damentulpen hermachen oder ausdauernde Blüher wie Anemonen einzusetzen.
Diese farbenfrohe und informative Publikation ist im Eigenverlag erschienen und eine passende Einstimmung auf den kommenden Frühling, wenn endlich wieder lebendige, zeitlich begrenzte Gemälde in den Gärten zu entdecken sind, die nach dem Verblühen wiederum von der Vorfreude auf den übernächsten Frühling abgelöst werden...
Carmen Szadzik und Melitta Kolberg:
Verrückt nach Frühling – Zu Gast in 25 bildschönen Zwiebelblumengärten
Eigenverlag, 2011
30. Dezember 2012
Stecken geblieben und dies und das
Die kürzliche Blogpause habe ich auch dazu genutzt, auf dem Büchergestell durch das Wegräumen (nicht identisch mit Entsorgen!) von beinahe zwanzig Jahrgängen der Zeitschrift Gardens Illustrated ein klein wenig Platz für Bücher zu schaffen und die Auflistung der gelesenen Bücher hier rechts im Blog auszumisten. Denn einige der Titel waren doch schon recht lange aufgeführt, obwohl ich irgendwann im Laufe des letzten Jahres mitten in der Lektüre stecken geblieben bin oder mich aus verschiedenen Gründen gegen eine ausführliche Buchvorstellung im Sofagarten entschieden habe. Aktuell stehen nun in der Rubrik „Zuletzt gelesen …“ nun nur noch Bücher, deren Vorstellung zumindest im Entwurf schon existiert.
Ausgemustert habe ich beispielsweise Nina Gerlachs Dissertation „Gartenkunst im Spielfilm“. Das Buch ist mir für die Lektüre in einem Ruck eindeutig zu trocken. Ich nehme es sicher wieder einmal hervor, wenn ich mir gelegentlich einmal eine DVD mit hortikulturellem Hintergrund gönnen möchte. Bis jetzt bin ich in der Publikation allerdings fast ausschliesslich auf mir bereits bekannte Filme gestossen.
In nächster Zeit definitiv keine ausführliche Buchvorstellung geben wird es auch von Jakob Augsteins „Die Tage des Gärtners“ und Christiane Büchs „Gärtnerseelen“. Im ersten bin ich mehrere Male steckengeblieben und habe irgendwann nicht mehr weiterlesen mögen, während mich das Projekt „Gärtnerseelen“ je weiter ich gelesen habe, desto mehr enttäuscht hat. Die Idee hinter dem Buch fand ich spannend, hatte mir aber einen anderen Inhalt vorgestellt und gleichzeitig wenig Freude am zunächst geringen und später immer ausgeprägteren esoterischen Touch. Die Buchgestaltung fand ich hingegen sehr ansprechend, insbesondere auch die eingeschobenen quasi handschriftlichen Briefe, obwohl ich mich recht konzentrieren musste bei deren Lektüre und diese als leseunfreundlich empfand.
Diesen Herbst war ich gleich an mehreren Lesungen und Vorträgen. So kürzlich an einer Veranstaltung von Beat Schlatter und Stephan Pörtner zur Buchpromotion „Bin gleich zurück“. Gleich die erste Geschichte handelte von einem Streich an einem Gärtner oder genauer an dessen Kirschbäumen. Viel mehr aus dem Reich der Botanik gab es dann in der sehr unterhaltsamen Publikation nicht zu lesen und ich habe auch während der gesamten Lektüre nicht herausfinden können, was für eine Bewandtnis es mit den Orchideen auf dem Titelbild hat.
Sehr informativ und interessant zu lesen war auch das Programm zur im November besuchten Aufführung des Musicals „Der kleine Horrorladen“ von den Uckermärkischen Bühnen Schwedt im hiesigen Stadttheater. Für den kleinen Betrag von CHF 2 liest man eine Einführung in die Kryptobotanik und verschiedene Mythen und Legenden mit Titeln wie „Der Bernikel-Baum“, „Das Skythische Lamm“ oder „Der Man-eatingTree“. Das Musical ist übrigens auch verschiedentlich verfilmt worden und als DVD ("Little Shop of Horrors") erhältlich.
Ein gesundes und erfreuliches neues Jahr und viele interessante Lesestunden wünscht Ihnen die Sofagärtnerin, die in den Frühlingsvorschauen verschiedener Verlage schon einige interessante Bücher entdeckt hat und sich bereits auf das kommende Lesefutter (wie etwas die deutsche Übersetzung des Briefwechsels von Beth Chatto und Christopher Lloyd) freut.
Ausgemustert habe ich beispielsweise Nina Gerlachs Dissertation „Gartenkunst im Spielfilm“. Das Buch ist mir für die Lektüre in einem Ruck eindeutig zu trocken. Ich nehme es sicher wieder einmal hervor, wenn ich mir gelegentlich einmal eine DVD mit hortikulturellem Hintergrund gönnen möchte. Bis jetzt bin ich in der Publikation allerdings fast ausschliesslich auf mir bereits bekannte Filme gestossen.
In nächster Zeit definitiv keine ausführliche Buchvorstellung geben wird es auch von Jakob Augsteins „Die Tage des Gärtners“ und Christiane Büchs „Gärtnerseelen“. Im ersten bin ich mehrere Male steckengeblieben und habe irgendwann nicht mehr weiterlesen mögen, während mich das Projekt „Gärtnerseelen“ je weiter ich gelesen habe, desto mehr enttäuscht hat. Die Idee hinter dem Buch fand ich spannend, hatte mir aber einen anderen Inhalt vorgestellt und gleichzeitig wenig Freude am zunächst geringen und später immer ausgeprägteren esoterischen Touch. Die Buchgestaltung fand ich hingegen sehr ansprechend, insbesondere auch die eingeschobenen quasi handschriftlichen Briefe, obwohl ich mich recht konzentrieren musste bei deren Lektüre und diese als leseunfreundlich empfand.
Diesen Herbst war ich gleich an mehreren Lesungen und Vorträgen. So kürzlich an einer Veranstaltung von Beat Schlatter und Stephan Pörtner zur Buchpromotion „Bin gleich zurück“. Gleich die erste Geschichte handelte von einem Streich an einem Gärtner oder genauer an dessen Kirschbäumen. Viel mehr aus dem Reich der Botanik gab es dann in der sehr unterhaltsamen Publikation nicht zu lesen und ich habe auch während der gesamten Lektüre nicht herausfinden können, was für eine Bewandtnis es mit den Orchideen auf dem Titelbild hat.
Sehr informativ und interessant zu lesen war auch das Programm zur im November besuchten Aufführung des Musicals „Der kleine Horrorladen“ von den Uckermärkischen Bühnen Schwedt im hiesigen Stadttheater. Für den kleinen Betrag von CHF 2 liest man eine Einführung in die Kryptobotanik und verschiedene Mythen und Legenden mit Titeln wie „Der Bernikel-Baum“, „Das Skythische Lamm“ oder „Der Man-eatingTree“. Das Musical ist übrigens auch verschiedentlich verfilmt worden und als DVD ("Little Shop of Horrors") erhältlich.
Ein gesundes und erfreuliches neues Jahr und viele interessante Lesestunden wünscht Ihnen die Sofagärtnerin, die in den Frühlingsvorschauen verschiedener Verlage schon einige interessante Bücher entdeckt hat und sich bereits auf das kommende Lesefutter (wie etwas die deutsche Übersetzung des Briefwechsels von Beth Chatto und Christopher Lloyd) freut.
27. Dezember 2012
Robin Pilcher: Das Haus hinter den Hügeln
Dieser Roman wird in verschiedenen Strängen erzählt. In den ersten Kapiteln lernt man vorwiegend wichtige Abschnitte aus verschiedenen Jahren in Claire Barringtons Kindheit und Jugend kennen. 1998 erlebte die verliebte junge Frau die grösste Enttäuschung ihres Lebens. Scheinbar grundlos wendet sich ihr langjähriger Jugendfreund Jonas von ihr ab. Aus einem temporären Auslandaufenthalt resultiert für Claire daraufhin eine definitive Niederlassung in Amerika.
Im Jahr 2005 ist Claire glücklich verheiratet, Mutter einer Tochter und führt zusammen mit ihrem Mann Art ein kleines gut florierenden Restaurants in New York. Mitten im hektischen Alltag erreicht Claire die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter. Daraufhin reist die Frau zurück nach Schottland, wo sie von ihren tief vergrabenen Erinnerungen eingeholt wird. Ein altes Familiengeheimnis, Intrigen der Stiefgeschwister und die zunehmende Demenz ihres geliebten Stiefvaters Leo beschäftigen die erfolgreiche Geschäftsfrau. Und die Frage, welche persönlichen Interessen Jonas verfolgt. Nutzt er seine langjährige Freundschaft zu Leo zu seinem eigenen Vorteil aus? Seine Rolle bleibt für Claire undurchsichtig.
Zum eher nebensächlichen hortikulturellen Element im Buch zählen die Passion für den Garten die Claires Mutter Daphne mit ihrem Stiefvater Leo verbindet. Die beiden haben sich kennengelernt, als Leo im örtlichen Gartenbauverein, dessen Vorsitzende Daphne dannzumal war, einen Vortrag über exotische Pflanzen gehalten hat. Und als Daphne nach ihrer Heirat mit Leo samt Tochter Claire nach Schottland zieht, gestalten die beiden Frischverheirateten den Garten um und Leo, der Spezialist für exotische Gewächse, ist während dem ganzen Roman sowieso meist im Gewächshaus, dem sogenannten „Drachenpflanzenhaus“, anzutreffen.
Robin Pilcher:
Das Haus hinter den Hügeln
Diana Verlag, 2012
Im Jahr 2005 ist Claire glücklich verheiratet, Mutter einer Tochter und führt zusammen mit ihrem Mann Art ein kleines gut florierenden Restaurants in New York. Mitten im hektischen Alltag erreicht Claire die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter. Daraufhin reist die Frau zurück nach Schottland, wo sie von ihren tief vergrabenen Erinnerungen eingeholt wird. Ein altes Familiengeheimnis, Intrigen der Stiefgeschwister und die zunehmende Demenz ihres geliebten Stiefvaters Leo beschäftigen die erfolgreiche Geschäftsfrau. Und die Frage, welche persönlichen Interessen Jonas verfolgt. Nutzt er seine langjährige Freundschaft zu Leo zu seinem eigenen Vorteil aus? Seine Rolle bleibt für Claire undurchsichtig.
Zum eher nebensächlichen hortikulturellen Element im Buch zählen die Passion für den Garten die Claires Mutter Daphne mit ihrem Stiefvater Leo verbindet. Die beiden haben sich kennengelernt, als Leo im örtlichen Gartenbauverein, dessen Vorsitzende Daphne dannzumal war, einen Vortrag über exotische Pflanzen gehalten hat. Und als Daphne nach ihrer Heirat mit Leo samt Tochter Claire nach Schottland zieht, gestalten die beiden Frischverheirateten den Garten um und Leo, der Spezialist für exotische Gewächse, ist während dem ganzen Roman sowieso meist im Gewächshaus, dem sogenannten „Drachenpflanzenhaus“, anzutreffen.
Robin Pilcher:
Das Haus hinter den Hügeln
Diana Verlag, 2012
9. Dezember 2012
Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text): For Galantophiles
Das perfekt erscheinende grossformatige Schneeglöckchen auf dem Umschlagbild weckt hohe Erwartungen an dieses Buch. Ob diese wohl erfüllt werden? Schon bei einem ersten Durchblättern der viersprachigen Publikation mit beeindruckenden Fotos von Josh Westrich und Text von Clemens Heidger (Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch) bestätigt sich die Vermutung, dass das Buch „For Galantophiles“ das Werk von Profis sein muss. Insbesondere die prächtigen Aufnahmen begeistern bestimmt nicht nur Galanthophile, sondern lassen jedes Gärtnerherz höher schlagen.
In diesem Schneeglöckchenbuch werden rund zwei Drittel des Umfangs seitenfüllenden Nahaufnahmen zur Verfügung gestellt. Jedes Schneeglöckchen wird auf jeweils zwei Blättern ganzseitig aus unterschiedlichen Blickwinkeln, gelegentlich auch in unterschiedlichen Blütenstadien, abgebildet. Diskret am Bildrand steht der korrekte botanische Name der Schönheit und die Buchseite, auf welcher sich der zugehörige Text befindet. Beschrieben und gezeigt in Wort und Bild werden sowohl bekannte und bewährte Arten und Sorten als auch neuere Entdeckungen.
Josh Westrich hat mit der Kamera die kleinsten Details der Frühblüher eingefangen. Deren elegantes Erscheinungsbild kommt in seinen Fotos meisterhaft zur Geltung und kann genossen werden, ohne auf die Knie gehen zu müssen. Auch Kenner können Unterscheidungen von einzelnen Arten und Sorten nicht immer zweifelsfrei vornehmen. Erschwerend bestehen bei gewissen Sorten Variabilitäten und zudem ist die Ausprägung von Merkmalen auch vom Ernährungszustand und Standort der Pflanze abhängig.
Im Garten erscheinen Schneeglöckchen für den Laien von relativ weit oben betrachtet vielleicht nicht besonders speziell aus und mancher mag sich fragen, was Galanthophile an diesen dermassen fasziniert, dass sie bereit sind, für eine Blumenzwiebel grosse Summen auszugeben. Bei genauerem Hinschauen sind die Pflanzen aber erstaunlich vielfältig. Stichworte sind da beispielswiese einfach oder gefüllt blühend, früh- oder spätblühend, grosser Ausbreitungsdrang und tuffbildend, kleine oder markante Sinusflecken, ausgeprägte Flecken an der Basis der Innenpetalen, deformierte oder gelbe Blüten, gespreizte Aussenpetalen, auf hohem Stängel trohnende Blüten oder aber eher bodennah wachsende Blüten. Auch die Blätter weisen in Form und Farbe unterschiedliche Merkmale auf, wie etwa graublaues oder dunkelgrünes Laub, rundliche Blätter oder solche die spitz zulaufen. Das sind teilweise oder sogar mehrheitlich Fremdwörter für Sie?
Diesbezügliche Informationen finden sich im Textteil, für den sich Clemens Heidger verantwortlich zeigt, und diese beruhen ausschliesslich auf seinen ureigenen Erfahrungen und sind nicht irgendwelchen schriftlichen Quellen entnommen. Nach wem ist ein Schneeglöckchen benannt? Woher stammt es? Wo wurde es gefunden? Wo und wann wurde es von wem gezüchtet? Neben Antworten auf solche Fragen, lässt Clemens Heidger auch immer wieder Pflegehinweise in den Text einfliessen. So sollten Sie unbedingt Störungen im Wurzelbereich vermeiden, wenn Sie von grösseren Schneeglöckchenbeständen träumen. Er verrät auch, wie und wo er zu speziellen Galanthus-Sorten gekommen ist und empfiehlt Besuchern von Schneeglöckchen-Gärten Tüten, Etiketten und Schreibzeug dabeizuhaben, falls der Gärtner oder die Gärtnerin einem (unverhofft?) ein paar Zwiebeln in die Hand drücken will.
Diese edle Publikation ist ein Muss für Galantophile, die gleichzeitig auch bibliophil sind. Das wunderschöne Buch, das übrigens mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden ist, eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk oder um sich selber eine Freude zu machen und beim Schwelgen in den Fotografien die doch jeweils sehr lange schneeglöckchenblütenlose Zeit zu überbrücken.
Mit dieser Gartenbuchvorstellung verabschiede ich mich in die jährliche Adventspause. Ich wünsche allen Blogleserinnen und –lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit. Die nächsten Gartenbuchempfehlungen werde ich voraussichtlich zwischen Weihnachten und Neujahr online stellen.
Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text):
For Galantophiles
Edition Art & Nature, 2011
In diesem Schneeglöckchenbuch werden rund zwei Drittel des Umfangs seitenfüllenden Nahaufnahmen zur Verfügung gestellt. Jedes Schneeglöckchen wird auf jeweils zwei Blättern ganzseitig aus unterschiedlichen Blickwinkeln, gelegentlich auch in unterschiedlichen Blütenstadien, abgebildet. Diskret am Bildrand steht der korrekte botanische Name der Schönheit und die Buchseite, auf welcher sich der zugehörige Text befindet. Beschrieben und gezeigt in Wort und Bild werden sowohl bekannte und bewährte Arten und Sorten als auch neuere Entdeckungen.
Josh Westrich hat mit der Kamera die kleinsten Details der Frühblüher eingefangen. Deren elegantes Erscheinungsbild kommt in seinen Fotos meisterhaft zur Geltung und kann genossen werden, ohne auf die Knie gehen zu müssen. Auch Kenner können Unterscheidungen von einzelnen Arten und Sorten nicht immer zweifelsfrei vornehmen. Erschwerend bestehen bei gewissen Sorten Variabilitäten und zudem ist die Ausprägung von Merkmalen auch vom Ernährungszustand und Standort der Pflanze abhängig.
Im Garten erscheinen Schneeglöckchen für den Laien von relativ weit oben betrachtet vielleicht nicht besonders speziell aus und mancher mag sich fragen, was Galanthophile an diesen dermassen fasziniert, dass sie bereit sind, für eine Blumenzwiebel grosse Summen auszugeben. Bei genauerem Hinschauen sind die Pflanzen aber erstaunlich vielfältig. Stichworte sind da beispielswiese einfach oder gefüllt blühend, früh- oder spätblühend, grosser Ausbreitungsdrang und tuffbildend, kleine oder markante Sinusflecken, ausgeprägte Flecken an der Basis der Innenpetalen, deformierte oder gelbe Blüten, gespreizte Aussenpetalen, auf hohem Stängel trohnende Blüten oder aber eher bodennah wachsende Blüten. Auch die Blätter weisen in Form und Farbe unterschiedliche Merkmale auf, wie etwa graublaues oder dunkelgrünes Laub, rundliche Blätter oder solche die spitz zulaufen. Das sind teilweise oder sogar mehrheitlich Fremdwörter für Sie?
Diesbezügliche Informationen finden sich im Textteil, für den sich Clemens Heidger verantwortlich zeigt, und diese beruhen ausschliesslich auf seinen ureigenen Erfahrungen und sind nicht irgendwelchen schriftlichen Quellen entnommen. Nach wem ist ein Schneeglöckchen benannt? Woher stammt es? Wo wurde es gefunden? Wo und wann wurde es von wem gezüchtet? Neben Antworten auf solche Fragen, lässt Clemens Heidger auch immer wieder Pflegehinweise in den Text einfliessen. So sollten Sie unbedingt Störungen im Wurzelbereich vermeiden, wenn Sie von grösseren Schneeglöckchenbeständen träumen. Er verrät auch, wie und wo er zu speziellen Galanthus-Sorten gekommen ist und empfiehlt Besuchern von Schneeglöckchen-Gärten Tüten, Etiketten und Schreibzeug dabeizuhaben, falls der Gärtner oder die Gärtnerin einem (unverhofft?) ein paar Zwiebeln in die Hand drücken will.
Diese edle Publikation ist ein Muss für Galantophile, die gleichzeitig auch bibliophil sind. Das wunderschöne Buch, das übrigens mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden ist, eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk oder um sich selber eine Freude zu machen und beim Schwelgen in den Fotografien die doch jeweils sehr lange schneeglöckchenblütenlose Zeit zu überbrücken.
Mit dieser Gartenbuchvorstellung verabschiede ich mich in die jährliche Adventspause. Ich wünsche allen Blogleserinnen und –lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit. Die nächsten Gartenbuchempfehlungen werde ich voraussichtlich zwischen Weihnachten und Neujahr online stellen.
Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text):
For Galantophiles
Edition Art & Nature, 2011
6. Dezember 2012
Fiona Shaw: Der Honiggarten
Charlie wächst in den 50er Jahren des letztes Jahrhunderts in bescheidenen Verhältnissen in einem kleinen englischen Ort auf. Sein Vater ist häufig tage- und nächtelang abwesend. Wenn er daheim ist, kann er nichts mit seinem Sohn anfangen, der so gar nicht so ist, wie er ihn sich gewünscht hat. Als ausgeprägter Egoist möchte er nicht die Aufmerksamkeit seiner Frau mit einem Kind teilen und seine Reaktionen sind dementsprechend oft heftig und unvorhersehbar. Dafür ist Charlys‘ Verhältnis zu seiner Mutter Lydia umso inniger. Die junge Mutter arbeitet tagtäglich in der Fabrik, wo sie Radio-Teile zusammenlötet. Abends eilt sie schnellstmöglich nach Hause, um für ihre Familie das Abendessen zuzubereiten.
Als Lydias Mann schliesslich überhaupt nicht mehr heimkommt und offen eine andere Beziehung eingeht, übernimmt die Mutter in der Fabrik immer mehr Schichten und Charly geniesst seine Freiheiten, die ihm erlauben, durch die Stadt und die Natur zu streifen und alles genau zu betrachten. Ausserdem darf er im grossen Garten der Ärztin Jean Markham ein- und ausgehen und ihr bei den Arbeiten an deren Bienenstöcken mithelfen. Aber natürlich belastet ihn die Situation daheim.
Derweilen taucht Lydia wenn immer möglich in ihre geliebten Bücherwelten ab und vermag so ihr Leben besser ertragen. Und schliesslich lernt auch sie selber endlich die Frau kennen, in deren Garten ihr Sohn ein- und ausgeht und einen grossen Teil seiner Freizeit verbringt und sie bekommt Einblick in eine ihr bis anhin völlig unbekannte Welt. Die beiden Frauen freunden sich rasch an und ihre Beziehung geht bald über eine gewöhnliche Frauenfreundschaft hinaus.
Charlys Vater unterstützt seine Familie seit seinem Auszug finanziell überhaupt nicht mehr und bald kann die gesundheitlich angeschlagene Lydia die Miete für die Wohnung nicht mehr aufbringen und die Kleinfamilie erhält die Kündigung. Da bietet Jean Lydia an, zusammen mit Charly zu ihr zu ziehen. Diese soll den strengen Job in der Fabrik kündigen und bei ihr die Stelle der Haushälterin übernehmen. Lydia nimmt das Angebot nach reiflicher Überlegung an und blüht in der Folge richtiggehend auf.
Doch das vermeintliche neue Glück ist nicht von langer Dauer. Die Gerüchteküche im Städtchen brodelt, unbeabsichtigt genährt von unschuldigen Äusserungen von Charly. Zwei Frauen und ein Junge in einem Haushalt – kann das gutgehen in einem Jahrzehnt, als die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren (noch) tiefer war als heute?
Fiona Shaw:
Der Honiggarten
Knaur Taschenbuch Verlag, 2011
Als Lydias Mann schliesslich überhaupt nicht mehr heimkommt und offen eine andere Beziehung eingeht, übernimmt die Mutter in der Fabrik immer mehr Schichten und Charly geniesst seine Freiheiten, die ihm erlauben, durch die Stadt und die Natur zu streifen und alles genau zu betrachten. Ausserdem darf er im grossen Garten der Ärztin Jean Markham ein- und ausgehen und ihr bei den Arbeiten an deren Bienenstöcken mithelfen. Aber natürlich belastet ihn die Situation daheim.
Derweilen taucht Lydia wenn immer möglich in ihre geliebten Bücherwelten ab und vermag so ihr Leben besser ertragen. Und schliesslich lernt auch sie selber endlich die Frau kennen, in deren Garten ihr Sohn ein- und ausgeht und einen grossen Teil seiner Freizeit verbringt und sie bekommt Einblick in eine ihr bis anhin völlig unbekannte Welt. Die beiden Frauen freunden sich rasch an und ihre Beziehung geht bald über eine gewöhnliche Frauenfreundschaft hinaus.
Charlys Vater unterstützt seine Familie seit seinem Auszug finanziell überhaupt nicht mehr und bald kann die gesundheitlich angeschlagene Lydia die Miete für die Wohnung nicht mehr aufbringen und die Kleinfamilie erhält die Kündigung. Da bietet Jean Lydia an, zusammen mit Charly zu ihr zu ziehen. Diese soll den strengen Job in der Fabrik kündigen und bei ihr die Stelle der Haushälterin übernehmen. Lydia nimmt das Angebot nach reiflicher Überlegung an und blüht in der Folge richtiggehend auf.
Doch das vermeintliche neue Glück ist nicht von langer Dauer. Die Gerüchteküche im Städtchen brodelt, unbeabsichtigt genährt von unschuldigen Äusserungen von Charly. Zwei Frauen und ein Junge in einem Haushalt – kann das gutgehen in einem Jahrzehnt, als die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren (noch) tiefer war als heute?
Fiona Shaw:
Der Honiggarten
Knaur Taschenbuch Verlag, 2011
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