Die 32jährige Journalistin Katharina Rübchen erbt von ihrer verstorbenen Tante Marion deren in die Jahre gekommenes Häuschen samt riesigem Kräutergarten. Der Kontakt zwischen den beiden Frauen hat sich in den letzten Jahren mehrheitlich auf Glückwünsche und Grüsse zu Festtagen beschränkt. So stimmen die aus Kindertagen stammenden Erinnerungen in Katharinas Kopf nur bedingt mit der Wirklichkeit überein. Frisch getrennt vom Freund, der gleichzeitig ihr Chef ist, hat sie sich kurzentschlossen eigenmächtig ein paar Tage freigenommen, um sich ihr Erbe anzuschauen. Mit den Hochglanzfotos von perfekten Häusern und Gärten, mit denen sie in der Redaktion zu tun hat, hat dieses nicht viel gemeinsam. Auf dem Dach fehlen Ziegel und der Putz blättert ab. Den urbanen Schlauchbalkon gegen einen Garten einzutauschen, scheint plötzlich nicht mehr so verlockend. Doch als frischgebackene Hausbesitzerin hat Katharina zumindest die Pflicht, einmal nach dem Rechten zu sehen, wenn sie schon mal da ist. Und wie sich herausstellt, gehören auch drei immer wieder ausbüxende Ziegen zur Erbschaft.
Ihrem erzürnten Chef muss Katharina versprechen, einen Artikel übers Landleben abzuliefern. Als sie das Tagebuch einer Vorfahrin findet, die darin ab März 1898 ihr Kräuterwissen für die Nachwelt verewigt hat, gedenkt sie, diese Informationen als Aufhänger zu verwenden. Doch als sie sich intensiv in die Lektüre vertieft, findet sie heraus, dass ihre Urururgrossmutter ihre umfangreichen Pflanzenkenntnisse nicht nur zum Heilen und Lindern von Krankheiten eingesetzt hat, sondern eine beliebte Serienmörderin war. Ihre Taten an grausamen Mitbürgern hat sie ausschliesslich zum Wohl und Schutz für andere Dorfbewohner begangen, die sich nicht selber wehren konnten.
Rasch lernt die Journalistin, deren Fachgebiet ursprünglich ebenfalls Kräuter und Heilpflanzen waren, verschiedene Dorfbewohner kennen, die ihr reichlich suspekt erscheinen, und erfährt, dass das Dorf vor einer wahnwitzigen Spekulation gerettet werden muss. Gleichzeitig keimt beim Lesen der eng in verschiedenen Handschriften beschriebenen Kladde zwischen Zeichnungen und Rezepten in Katharina ein verstörender Verdacht auf. Was hat ihre Tante Marion getan? Was erwarten die Dorfbewohner eigentlich von ihr?
Ausgerechnet Katharina Rübchen, die eigentlich nie richtig erwachsen geworden ist, zu Selbstgesprächen neigt und Verbindlichkeiten scheut und in deren Leben Oberflächlichkeiten dominieren, muss plötzlich Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Und während der Tierarzt sich nicht nur für ihren Kater namens Herr Hoppenstedt und die drei Ziegen interessiert, macht sich die Journalistin daran herauszufinden, was es mit der Übereinstimmung von Blumen und Sträussen im Tagebuch mit solchen auf Grabsteinen von längst verstorbenen Personen, die darin erwähnt werden, auf sich hat. Nicht ohne immer wieder zu befürchten, paranoid zu werden ...
Sämtliche Kapitel beginnen mit einer ganzseitigen Illustration über ein Kraut mit Informationen über dessen Pflanzenfamilie und Verwendungsmöglichkeiten. Der in der aktuellen Zeit handelnde Erzählstrang wird immer genau dann durch den zweiten durchs Buch führenden Faden aus der Vergangenheit unerbrochen, wenn es besonders spannend ist und umgekehrt, so dass sich das Buch als richtiger Seitenumdreher entpuppt.
Elke Pistor:
Kraut und Rübchen
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
6. Februar 2014
2. Februar 2014
Tania Krätschmar: Eva und die Apfelfrauen
Pfannenkuchenapfel, Ontario, Schafsnase, Hasenkopf, Eisapfel, Rosenapfel, Silberapfel, Winterprinz, Goldrenette, Zimtapfel – Die fünf gestandenen Berlinerinnen Eva, Nele, Marion, Julika und Dorothee, die zusammen den 50. Geburtstag einer von ihnen feiern, kennen wohl die wenigsten dieser Apfelsorten und ahnen nicht, dass sich das sehr bald ändern wird. Das Quintett hat sich vor vier Jahren bei einem Wochenendseminar unter dem Motto „Selbstverteidigung für Frauen“ kennengelernt und inzwischen sind die unterschiedlichen Frauen längst gute Freundinnen. Im Laufe des Abends kommt plötzlich die Idee von der Gründung einer gemeinsamen WG aufs Tapet. Prompt werden Pläne geschmiedet und zwingende Mindestanforderungen zusammengetragen: ein grosser Aufenthaltsraum, ein Garten, Südterrasse, ein toller hilfsbereiter Nachbar und anderes mehr.
Am nächsten Tag wird der Einfall nicht als Schnapsidee begraben, sondern es werden erste Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet. Das Projekt scheint bereits mangels einer passenden Immobilie zu scheitern, denn auf die euphorisch geschalteten Inserate treffen nur mehr als fragwürdige Angebote ein. Als der Einfall von der Gründung einer Frauen-WG schon beinahe ad Acta gelegt worden ist, findet sich doch noch eine Erblasserin, der die Idee der fünf Freundinnen zu Lebzeiten zugesagt haben muss. Ein Rechtsanwalt informiert das Frauen-Quintett über den letzten Willen der verstorbenen Anna Staudenroos und den damit verbundenen Bedingungen. Zu diesen gehört, dass die fünf Städterinnen mindestens bis im Herbst gemeinsam im Erbstück, einem Haus aus dem Jahr 1908 in Wannsee, wohnen und die Verantwortung für die aktuelle Apfelernte im grossen zur Liegenschaft gehörenden Obstgarten übernehmen.
Die Freude über diese grosszügige Erbschaft wird allerdings deutlich relativiert, als die potentiellen Erbinnen feststellen, dass das Haus samt riesigem Grundstück nicht in Wannsee bei Berlin, sondern in einem gleichnamigen Dorf in der Mark Brandenburg liegt. Bei der Besichtigung präsentiert sich die Apfelbaumwiese als unendlicher Blütentraum in weiss, rosa und pink. Recht schnell werden etwaige Zweifel gründlich ausgeräumt und die Frauen beschliessen einstimmig, sich auf das zeitlich befristete Abenteuer einzulassen – nicht alle mit der gleichen Begeisterung.
Das hortikulturelle Wissen und Interesse der Städterinnen ist ebenfalls unterschiedlich verteilt. Im Garten übernimmt Eva das Zepter und stellt rasch fest, dass Balkongärtnern deutlich weniger anstrengend ist als die Arbeit im Gemüse- und Apfelgarten. Sie träumt aber von einem Blumenmeer und versucht in den etwas vernachlässigten Garten Ordnung zu bringen. Dabei entsorgt sie als erstes unbekannte vertrocknete Knollen auf dem Kompost und erfährt später (rechtzeitig für eine Rettung), dass es sich bei diesen um Dahlienknollen handelt.
Die Dorfbevölkerung empfängt die fünf Frauen eher skeptisch und zurückhaltend, obwohl sich vereinzelt bald Berühungspunkte ergeben. Als besonderes Ekelpaket entpuppt sich der Bürgermeister. Die Apfelernte ist schwere Arbeit und die Verwertung in unendlichen Variationen – inklusive illegalem Schnapsbrennen - erledigt sich auch nicht von selbst. Immerhin kurbelt das unentgeltliche Abgeben von Fallobst die Integration im Dorf an. Parallel dazu müssen die Frauen aber feststellen, dass das Zusammenleben mit guten Freundinnen seine Tücken hat und das Erfüllen der Bedingungen der Erblasserin wird von Landflucht bedroht. Nichtsdestotrotz werden die Erfahrungen rund um die Bewirtschaftung der Apfelbäume in einem Apfelbuch niedergeschrieben: süsse und deftige Rezepte, Tipps zu Lagerung und Verwertung, Märchen zum Thema, Fotos sowie Strick- und Bastelideen mit Anleitungen.
Ein unterhaltsamer Roman rund um eine Frauen-WG mit nicht mehr ganz jungen Bewohnerinnen. Nach dem "Frauen-Sommer" ergeben sich plötzlich neue Perspektiven und das Berliner Stadtleben ist nicht mehr für das ganze Quintett die richtige Lebensform. Jedes Kapitel wird übrigens mit einer passenden Weisheit eingeleitet.
Tania Krätschmar:
Eva und die Apfelfrauen
Blanvalet Verlag, 2013
Am nächsten Tag wird der Einfall nicht als Schnapsidee begraben, sondern es werden erste Schritte zur Umsetzung in die Wege geleitet. Das Projekt scheint bereits mangels einer passenden Immobilie zu scheitern, denn auf die euphorisch geschalteten Inserate treffen nur mehr als fragwürdige Angebote ein. Als der Einfall von der Gründung einer Frauen-WG schon beinahe ad Acta gelegt worden ist, findet sich doch noch eine Erblasserin, der die Idee der fünf Freundinnen zu Lebzeiten zugesagt haben muss. Ein Rechtsanwalt informiert das Frauen-Quintett über den letzten Willen der verstorbenen Anna Staudenroos und den damit verbundenen Bedingungen. Zu diesen gehört, dass die fünf Städterinnen mindestens bis im Herbst gemeinsam im Erbstück, einem Haus aus dem Jahr 1908 in Wannsee, wohnen und die Verantwortung für die aktuelle Apfelernte im grossen zur Liegenschaft gehörenden Obstgarten übernehmen.
Die Freude über diese grosszügige Erbschaft wird allerdings deutlich relativiert, als die potentiellen Erbinnen feststellen, dass das Haus samt riesigem Grundstück nicht in Wannsee bei Berlin, sondern in einem gleichnamigen Dorf in der Mark Brandenburg liegt. Bei der Besichtigung präsentiert sich die Apfelbaumwiese als unendlicher Blütentraum in weiss, rosa und pink. Recht schnell werden etwaige Zweifel gründlich ausgeräumt und die Frauen beschliessen einstimmig, sich auf das zeitlich befristete Abenteuer einzulassen – nicht alle mit der gleichen Begeisterung.
Das hortikulturelle Wissen und Interesse der Städterinnen ist ebenfalls unterschiedlich verteilt. Im Garten übernimmt Eva das Zepter und stellt rasch fest, dass Balkongärtnern deutlich weniger anstrengend ist als die Arbeit im Gemüse- und Apfelgarten. Sie träumt aber von einem Blumenmeer und versucht in den etwas vernachlässigten Garten Ordnung zu bringen. Dabei entsorgt sie als erstes unbekannte vertrocknete Knollen auf dem Kompost und erfährt später (rechtzeitig für eine Rettung), dass es sich bei diesen um Dahlienknollen handelt.
Die Dorfbevölkerung empfängt die fünf Frauen eher skeptisch und zurückhaltend, obwohl sich vereinzelt bald Berühungspunkte ergeben. Als besonderes Ekelpaket entpuppt sich der Bürgermeister. Die Apfelernte ist schwere Arbeit und die Verwertung in unendlichen Variationen – inklusive illegalem Schnapsbrennen - erledigt sich auch nicht von selbst. Immerhin kurbelt das unentgeltliche Abgeben von Fallobst die Integration im Dorf an. Parallel dazu müssen die Frauen aber feststellen, dass das Zusammenleben mit guten Freundinnen seine Tücken hat und das Erfüllen der Bedingungen der Erblasserin wird von Landflucht bedroht. Nichtsdestotrotz werden die Erfahrungen rund um die Bewirtschaftung der Apfelbäume in einem Apfelbuch niedergeschrieben: süsse und deftige Rezepte, Tipps zu Lagerung und Verwertung, Märchen zum Thema, Fotos sowie Strick- und Bastelideen mit Anleitungen.
Ein unterhaltsamer Roman rund um eine Frauen-WG mit nicht mehr ganz jungen Bewohnerinnen. Nach dem "Frauen-Sommer" ergeben sich plötzlich neue Perspektiven und das Berliner Stadtleben ist nicht mehr für das ganze Quintett die richtige Lebensform. Jedes Kapitel wird übrigens mit einer passenden Weisheit eingeleitet.
Tania Krätschmar:
Eva und die Apfelfrauen
Blanvalet Verlag, 2013
29. Januar 2014
Marketa Haist: Röslein tot
Wenn den Rosen die Petalen vor Schreck erstarren, wenn nicht die Ohren und Augen, sondern die Stomata aufgesperrt werden und jemandem keine Träne, sondern kein Russtau nachgeweint wird, dann können Leserin und Leser sich dank der Autorin Marketa Haist für einmal so richtig in die Sichtweise der Pflanzenwelt versetzen. Die Redensarten „aus der Nase ziehen“ und „alles Menschenmöglich tun“ heissen dann „aus den unreifen Nasenzwickern ziehen“ und „alles Pflanzenmögliche tun“. Die Kommunikation im Pflanzenreich dreht sich in diesem Landkrimi um die Entlarvung jenes Mörders, der den Gärtner Sepp auf dem Gewissen hat.
Sepp war kein besonders beliebter Zeitgenosse und hat oft und gerne aus Langeweile Streit vom Zaun gebrochen. Heiss geliebt wurde er aber von seinen Rosen, die immer dafür gesorgt haben, dass er sich nicht an ihnen gestochen hat, wenn er mit und an ihnen gearbeitet hat - etwa beim Okulieren oder beim Schneiden von Edelreisern. Und die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit, denn das Erhalten von seltenen Rosen war Sepp ein grosses Anliegen. Eben hat er ein unschlagbares Angebot für eine praktische ausgestorbene Rose namens „Die Fürstin“ abgelehnt, die nun ihrerseits plötzlich verschwunden ist.
Schwiegersohn Jens hatte es auch nicht leicht mit Sepp. Alle seine Ideen, die Gärtnerei zu modernisieren, prallten am konzeptlosen Seniorchef ab, der neben der üblichen Massenware schon mal für den Förster Buchen vermehrt hat. Als eben dieser Jens den toten Sepp entdeckt, glaubt sogar seine Frau Anni sofort, ihr Mann habe etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun, der erschlagen worden ist. Auch der Holunder, der diesen Krimi erzählt und der ermittelnden Polizei meist einen Schritt voraus ist, hält Jens für einen rücksichtslosen Kerl und kann ihn nicht ausstehen. Doch ist er tatsächlich ein Mörder?
Der Stammplatz des Holunders ist nicht der beste, um wahrnehmen zu können, was alles rundherum passiert. Doch glücklicherweise können sich die Pflanzen bestens untereinander austauschen, womit auch der Nachteil der Unbeweglichkeit bei Seite geräumt ist. Wer hat ein Motiv und profitiert am meisten vom Tod des Gärtners? Ist der Mörder unter den Rosenliebhabern zu suchen und was hat es mit den vom Pfarrer hobbymässig kopierten Urkunden auf sich, die von Beschenkten schon mal illegal als Original verwendet werden? Und dann gibt es noch den langjährigen Streit um ein Stück Land, in den Sepp involviert war, und ganz offensichtlich halten verschiedene Nachbarn bewusst Informationen vor der Polizei zurück.
Nicht alle Pflanzen sind gleichermassen mitteilungsbedürftig, einzelne sind ganz diskret oder zieren sich, dem Holunder ihr Wissen weiterzugeben. Ausserdem herrscht plötzlich Stille und kein Anschluss mehr an die Welt der Blätter, wenn der Gärtner zu viel wegschnippelt und alle Laubbäume werden mit dem Abfallen des Herbstlaubs taub. Wie sich herausstellt, sind auch in der pflanzlichen Kommunikation die richtige Verständigung und minimale Kenntnisse von Fremdwörtern unerlässlich, sonst ist das Ziehen von korrekten Schlüssen unmöglich oder zumindest stark erschwert. Die Sätze in bayerischer Mundart beschränken sich glücklicherweise auf die Aussagen von Anni, sonst wäre die Lektüre für dieses Dialekts unkundige Leser doch recht mühsam.
Die Autorin hat nicht nur den Text verfasst, sondern auch gleich noch die Illustrationen des Krimis beigesteuert. Schon länger gibt es Katzen-, Hunde-, Schafs- und Schweinekrimis und nun also auch einen Pflanzenkrimi. Mal was anderes - letztlich ziehe ich aber nach wie vor die menschlichen Gedankengänge vor.
Marketa Haist:
Röslein tot
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
Sepp war kein besonders beliebter Zeitgenosse und hat oft und gerne aus Langeweile Streit vom Zaun gebrochen. Heiss geliebt wurde er aber von seinen Rosen, die immer dafür gesorgt haben, dass er sich nicht an ihnen gestochen hat, wenn er mit und an ihnen gearbeitet hat - etwa beim Okulieren oder beim Schneiden von Edelreisern. Und die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit, denn das Erhalten von seltenen Rosen war Sepp ein grosses Anliegen. Eben hat er ein unschlagbares Angebot für eine praktische ausgestorbene Rose namens „Die Fürstin“ abgelehnt, die nun ihrerseits plötzlich verschwunden ist.
Schwiegersohn Jens hatte es auch nicht leicht mit Sepp. Alle seine Ideen, die Gärtnerei zu modernisieren, prallten am konzeptlosen Seniorchef ab, der neben der üblichen Massenware schon mal für den Förster Buchen vermehrt hat. Als eben dieser Jens den toten Sepp entdeckt, glaubt sogar seine Frau Anni sofort, ihr Mann habe etwas mit dem Tod ihres Vaters zu tun, der erschlagen worden ist. Auch der Holunder, der diesen Krimi erzählt und der ermittelnden Polizei meist einen Schritt voraus ist, hält Jens für einen rücksichtslosen Kerl und kann ihn nicht ausstehen. Doch ist er tatsächlich ein Mörder?
Der Stammplatz des Holunders ist nicht der beste, um wahrnehmen zu können, was alles rundherum passiert. Doch glücklicherweise können sich die Pflanzen bestens untereinander austauschen, womit auch der Nachteil der Unbeweglichkeit bei Seite geräumt ist. Wer hat ein Motiv und profitiert am meisten vom Tod des Gärtners? Ist der Mörder unter den Rosenliebhabern zu suchen und was hat es mit den vom Pfarrer hobbymässig kopierten Urkunden auf sich, die von Beschenkten schon mal illegal als Original verwendet werden? Und dann gibt es noch den langjährigen Streit um ein Stück Land, in den Sepp involviert war, und ganz offensichtlich halten verschiedene Nachbarn bewusst Informationen vor der Polizei zurück.
Nicht alle Pflanzen sind gleichermassen mitteilungsbedürftig, einzelne sind ganz diskret oder zieren sich, dem Holunder ihr Wissen weiterzugeben. Ausserdem herrscht plötzlich Stille und kein Anschluss mehr an die Welt der Blätter, wenn der Gärtner zu viel wegschnippelt und alle Laubbäume werden mit dem Abfallen des Herbstlaubs taub. Wie sich herausstellt, sind auch in der pflanzlichen Kommunikation die richtige Verständigung und minimale Kenntnisse von Fremdwörtern unerlässlich, sonst ist das Ziehen von korrekten Schlüssen unmöglich oder zumindest stark erschwert. Die Sätze in bayerischer Mundart beschränken sich glücklicherweise auf die Aussagen von Anni, sonst wäre die Lektüre für dieses Dialekts unkundige Leser doch recht mühsam.
Die Autorin hat nicht nur den Text verfasst, sondern auch gleich noch die Illustrationen des Krimis beigesteuert. Schon länger gibt es Katzen-, Hunde-, Schafs- und Schweinekrimis und nun also auch einen Pflanzenkrimi. Mal was anderes - letztlich ziehe ich aber nach wie vor die menschlichen Gedankengänge vor.
Marketa Haist:
Röslein tot
Hermann-Josef Emons Verlag, 2013
25. Januar 2014
Liz Primeau: My Natural History
Bereits als Kind hatte die Kanadierin Liz Primeau die Gelegenheit, bei ihrem Vater und einem Onkel erste gärtnerische Gehversuche zu unternehmen. In ihrem Buch „My Natural History“ bündelt sie ihre jahrzehntelangen hortikulturellen Erfahrungen und gibt dem interessierten Leser Einblick in die Rolle, die Gärten in ihrem Leben gespielt haben und welche Erfahrungen sie für ihren Lebensweg daraus gezogen hat.
Der Garten oder vielmehr ihre verschiedenen Gärten habe ihr aber auch immer wieder durch schwere Zeiten geholfen. So schreibt sie offen über das Scheitern ihrer ersten Ehe, über gesundheitliche Probleme und auch über viel Familiäres. Neben der praktischen Tätigkeit draussen im Garten hat sie sich viel Wissen durch das Studium von Magazinen und Büchern angeeignet. Vor bald fünfundzwanzig Jahren bekam die Journalistin die Chance, als Herausgeberin des neuen Magazins „Canadian Gardening“ Akzente zu setzten und lernte auf diese Weise unterschiedliche Gärten in den verschiedensten Teilen Kanadas kennen. „Canadian Gardening Television“ war eine weitere Herausforderung, der sie sich stellte und die sie souverän meisterte. So ist aus einem Hobby eine Berufung und berufliche Tätigkeit geworden.
Liz Primeaus persönliche Garten-Evolution ist in die folgenden Kapitel gegliedert: Born to Garden, My First Garden, A Growded Garden, Grenn Onions return, A Hobby becomes a Job, Searching for natural Style, Screening the Garden, Gardening Partners, Searching for Everyman’s Garden, The Italian Connection, The Call oft he Wild und In the Moment.
Die Erinnerungen beginnen mit der Verwendung der kleinen Liz von Bergenien-Blättern als Omelette, während Kiefernzapfen als Chicorée herhalten mussten. Liz Primeau schreibt aber auch vom strikten Befolgen von Kolumnentipps, die nicht immer sinnvoll waren. Das Backen von Erde, um diese für Aussaaten von schädlichen Keimen zu befreien, hatte beispielsweise übelriechende Folgen und mit den Jahren hat sie herausgefunden, dass der Gärtner Zufall oft schönere Resultate erzielt, als der Zweibeiner – trotz vielen vorhergegangen Überlegungen wie und wo was angepflanzt werden soll. Und auch anfängliche Rivalitäten über den Gartenzaun, sprich neidische Blicke, wecken nicht nur den eigenen gärtnerischen Ehrgeiz, sondern aus anfänglich unschönen Gefühlen können sich tolle Freundschaften entwickeln.
Daneben beschreibt die Autorin hortikulturellen Snobismus, berichtet von Gärtnerinnen wie Vita Sackville-West und Emily Whalex und ihren Einflüssen auf sie und von ihrer Hassliebe zu einem im Garten vorgefundenen Baum. Zwar würde sie diesen nie fällen, solange er gesund ist, hat aber schon längst reife Ersatzpläne im Hinterkopf, die umgesetzt werden, sobald die Zeit dafür reif ist. Zwischen den autobiografischen Elementen findet sich auch der eine oder andere Gartentipp, etwa wie man Eichhörnchen von Blumenzwiebeln fernhält.
Und während sich in Europa Neophyten aus Kontinenten wie Amerika und Asien oft als lästig oder schädlich erweisen, erfährt der Leser in diesem Buch die kanadische Sichtweise dieses Problems. Die Autorin hat grundsätzlich eine Abneigung gegen aus Europa eingeführte Gehölze. Besonders der Spitzahorn ist ihr ein Dorn im Auge.
Als reife Frau ist sie rückblickend zum Schluss gekommen, dass (fast) jeder Gärtner die folgenden Stadien durchläuft: Ich will alles, jetzt; das Entdecken von Stauden; die Wichtigkeit der Struktur von Blättern; „richtige“ Gartengestaltung; Gehölze und die Erkenntnis, dass auch der Winter viel Schönes zu bieten hat (hm, an diesem Punkt arbeite ich persönlich nach wie vor und bin froh, dass es bald wieder Frühling wird, hoffentlich).
Liz Primeau:
My natural History
Greystone Books, 2008
Der Garten oder vielmehr ihre verschiedenen Gärten habe ihr aber auch immer wieder durch schwere Zeiten geholfen. So schreibt sie offen über das Scheitern ihrer ersten Ehe, über gesundheitliche Probleme und auch über viel Familiäres. Neben der praktischen Tätigkeit draussen im Garten hat sie sich viel Wissen durch das Studium von Magazinen und Büchern angeeignet. Vor bald fünfundzwanzig Jahren bekam die Journalistin die Chance, als Herausgeberin des neuen Magazins „Canadian Gardening“ Akzente zu setzten und lernte auf diese Weise unterschiedliche Gärten in den verschiedensten Teilen Kanadas kennen. „Canadian Gardening Television“ war eine weitere Herausforderung, der sie sich stellte und die sie souverän meisterte. So ist aus einem Hobby eine Berufung und berufliche Tätigkeit geworden.
Liz Primeaus persönliche Garten-Evolution ist in die folgenden Kapitel gegliedert: Born to Garden, My First Garden, A Growded Garden, Grenn Onions return, A Hobby becomes a Job, Searching for natural Style, Screening the Garden, Gardening Partners, Searching for Everyman’s Garden, The Italian Connection, The Call oft he Wild und In the Moment.
Die Erinnerungen beginnen mit der Verwendung der kleinen Liz von Bergenien-Blättern als Omelette, während Kiefernzapfen als Chicorée herhalten mussten. Liz Primeau schreibt aber auch vom strikten Befolgen von Kolumnentipps, die nicht immer sinnvoll waren. Das Backen von Erde, um diese für Aussaaten von schädlichen Keimen zu befreien, hatte beispielsweise übelriechende Folgen und mit den Jahren hat sie herausgefunden, dass der Gärtner Zufall oft schönere Resultate erzielt, als der Zweibeiner – trotz vielen vorhergegangen Überlegungen wie und wo was angepflanzt werden soll. Und auch anfängliche Rivalitäten über den Gartenzaun, sprich neidische Blicke, wecken nicht nur den eigenen gärtnerischen Ehrgeiz, sondern aus anfänglich unschönen Gefühlen können sich tolle Freundschaften entwickeln.
Daneben beschreibt die Autorin hortikulturellen Snobismus, berichtet von Gärtnerinnen wie Vita Sackville-West und Emily Whalex und ihren Einflüssen auf sie und von ihrer Hassliebe zu einem im Garten vorgefundenen Baum. Zwar würde sie diesen nie fällen, solange er gesund ist, hat aber schon längst reife Ersatzpläne im Hinterkopf, die umgesetzt werden, sobald die Zeit dafür reif ist. Zwischen den autobiografischen Elementen findet sich auch der eine oder andere Gartentipp, etwa wie man Eichhörnchen von Blumenzwiebeln fernhält.
Und während sich in Europa Neophyten aus Kontinenten wie Amerika und Asien oft als lästig oder schädlich erweisen, erfährt der Leser in diesem Buch die kanadische Sichtweise dieses Problems. Die Autorin hat grundsätzlich eine Abneigung gegen aus Europa eingeführte Gehölze. Besonders der Spitzahorn ist ihr ein Dorn im Auge.
Als reife Frau ist sie rückblickend zum Schluss gekommen, dass (fast) jeder Gärtner die folgenden Stadien durchläuft: Ich will alles, jetzt; das Entdecken von Stauden; die Wichtigkeit der Struktur von Blättern; „richtige“ Gartengestaltung; Gehölze und die Erkenntnis, dass auch der Winter viel Schönes zu bieten hat (hm, an diesem Punkt arbeite ich persönlich nach wie vor und bin froh, dass es bald wieder Frühling wird, hoffentlich).
Liz Primeau:
My natural History
Greystone Books, 2008
20. Januar 2014
Katharina Hagena: Der Geschmack von Apfelkernen
Der kürzliche Start der Verfilmung der Literaturvorlage „Der Geschmack von Apfelkernen“ hat mich dazu bewogen, dieses schon vor längerer Zeit gekaufte Buch endlich mal zu lesen. In den letzten Wochen habe ich gleich zwei weitere Romane rund um Äpfel gelesen, und zwar „Eva und die Apfelfrauen“ von Tania Krätschmar und „Im Licht von Apfelbäumen“ von Amanda Coplin. Diese Buchvorstellung ist also gleichermassen der Start einer Miniserie über „Apfelromane“.
Es gibt Äpfel, die süss schmecken und solche, die säuerlich sind. Die einen sind saftig, andere weisen eine mehlige Konsistenz auf. Apfelkerne esse ich persönlich gewöhnlich nicht, sondern diese landen zusammen mit dem „Bitschgi“ im Grünabfall. Die Geschichte „Der Geschmack von Apfelkernen“ ist bittersüss – ob richtige Apfelkerne auch so schmecken oder tatsächlich nach Marzipan, wie an einer Stelle im Roman nachzulesen ist? Eigentlich wäre das ja schnell ausprobiert… Zum Inhalt:
Die Ich-Erzählerin Iris, eine Bibliothekarin an der Freiburger Uni-Bibliothek, die selber keine Bücher mehr liest, fährt für ein paar Tage in den Norden an die Beerdigung ihrer Grossmutter und um deren Nachlass zu ordnen. Die verstorbene Bertha Lünschen hat sich schon vor Jahren in ihre eigene Welt zurückgezogen, während ihr Mann deren Demenz mit Zorn und Scham erfüllte und diese Krankheit als peinlich und unehrlich empfand.
Im Garten verblühen gerade die Vergissmeinnicht und eine Hitzewelle hat das Land im Griff. In alten Kleidern durchforstet Iris das alte Haus und streift durch den Garten. Vorbei an Brombeergestrüpp, Johannisbeeren, durch die Obstbaumwiese und das Kiefernwäldchen und an den Ort des ehemaligen Wintergartens, genannt „Dat Palmhuus“. Bertha hatte alle ihre Pflanzen mit Namen gekannt und wenn Iris an ihre Grossmutter denkt, sieht sie diese als Gärtnerin vor sich.
Immer mehr längst verblasste und verdängte Erinnerungen und auch Familiengeheimnisse kommen an die Oberfläche - ausgelöst durch den Ort, durch Gerüche aus der Kindheit und nicht zuletzt durch Begegnungen mit Dorfbewohnern. Dazu gehören Erinnerungen an schöne Sommerferien und an ein tragisches Ereignis, das die ganze Familie für immer geprägt hat und noch heute Schatten auf die Lebenswege der Hinterbliebenen wirft. Und da ist der ebenfalls erwachsen gewordene Max, der jüngere Bruder einer früheren Freundin, den Iris als kleines Mädchen gar nie richtig wahrgenommen hat. Wie soll Iris sich entscheiden? Soll sie das geerbte Haus behalten oder sich definitv von der Vergangenheit und allen Erinnerungen trennen?
Ein traurig-schöner Roman über das Schicksal der Frauen aus der Familie Lünschen, über das Erinnern und Vergessen, über Unverzeihliches und den Einfluss auf vor langer Zeit getroffene Entscheidungen auf das weitere Leben. Besonders ansprechend ist das Titelbild des Buches: Apfelblüten und aufgeschnittene Äpfel, die als Metapher für das Leben und die Entwicklung von Iris‘ Leben gesehen werden können.
Katharina Hagena:
Der Geschmack von Apfelkernen
Verlag Kiepenheuer und Witsch, 2011
Es gibt Äpfel, die süss schmecken und solche, die säuerlich sind. Die einen sind saftig, andere weisen eine mehlige Konsistenz auf. Apfelkerne esse ich persönlich gewöhnlich nicht, sondern diese landen zusammen mit dem „Bitschgi“ im Grünabfall. Die Geschichte „Der Geschmack von Apfelkernen“ ist bittersüss – ob richtige Apfelkerne auch so schmecken oder tatsächlich nach Marzipan, wie an einer Stelle im Roman nachzulesen ist? Eigentlich wäre das ja schnell ausprobiert… Zum Inhalt:
Die Ich-Erzählerin Iris, eine Bibliothekarin an der Freiburger Uni-Bibliothek, die selber keine Bücher mehr liest, fährt für ein paar Tage in den Norden an die Beerdigung ihrer Grossmutter und um deren Nachlass zu ordnen. Die verstorbene Bertha Lünschen hat sich schon vor Jahren in ihre eigene Welt zurückgezogen, während ihr Mann deren Demenz mit Zorn und Scham erfüllte und diese Krankheit als peinlich und unehrlich empfand.
Im Garten verblühen gerade die Vergissmeinnicht und eine Hitzewelle hat das Land im Griff. In alten Kleidern durchforstet Iris das alte Haus und streift durch den Garten. Vorbei an Brombeergestrüpp, Johannisbeeren, durch die Obstbaumwiese und das Kiefernwäldchen und an den Ort des ehemaligen Wintergartens, genannt „Dat Palmhuus“. Bertha hatte alle ihre Pflanzen mit Namen gekannt und wenn Iris an ihre Grossmutter denkt, sieht sie diese als Gärtnerin vor sich.
Immer mehr längst verblasste und verdängte Erinnerungen und auch Familiengeheimnisse kommen an die Oberfläche - ausgelöst durch den Ort, durch Gerüche aus der Kindheit und nicht zuletzt durch Begegnungen mit Dorfbewohnern. Dazu gehören Erinnerungen an schöne Sommerferien und an ein tragisches Ereignis, das die ganze Familie für immer geprägt hat und noch heute Schatten auf die Lebenswege der Hinterbliebenen wirft. Und da ist der ebenfalls erwachsen gewordene Max, der jüngere Bruder einer früheren Freundin, den Iris als kleines Mädchen gar nie richtig wahrgenommen hat. Wie soll Iris sich entscheiden? Soll sie das geerbte Haus behalten oder sich definitv von der Vergangenheit und allen Erinnerungen trennen?
Ein traurig-schöner Roman über das Schicksal der Frauen aus der Familie Lünschen, über das Erinnern und Vergessen, über Unverzeihliches und den Einfluss auf vor langer Zeit getroffene Entscheidungen auf das weitere Leben. Besonders ansprechend ist das Titelbild des Buches: Apfelblüten und aufgeschnittene Äpfel, die als Metapher für das Leben und die Entwicklung von Iris‘ Leben gesehen werden können.
Katharina Hagena:
Der Geschmack von Apfelkernen
Verlag Kiepenheuer und Witsch, 2011
15. Januar 2014
Sylvia Lott: Die Rose von Darjeeling
Die sogenannte „Rose von Darjeeling“, ein Rhododendron mit duftenden roten Blüten, ist ein richtiges Prachtstück. Doch wenn seine Besitzerin, die sonst überaus grosszügige Kathryn, um Samen oder Ableger gebeten wird, vertröstet sie die Interessenten stets auf einen späteren Zeitpunkt, der nie eintrifft. Experten und Rhododendron-Sammler rätseln immer wieder, um welche Sorte es sich handelt und woher sie wohl stammt. Dies ist ebenfalls eine Frage, auf welche die Besitzerin die Antwort schuldig bleibt. Die Engländerin verbringt während der Blütezeit ihres Lieblings-Rhododendron möglichst viel Zeit auf dem Sessel direkt daneben. Dabei lässt sie ihre Gedanken immer wieder in die Vergangenheit schweifen.
Im April 1930 erwartet die damals neunzehnjährige Kathryn im Teegarten „Geestra Valley“ ungeduldig zwei Deutsche, die auf der Durchreise zu einer Forschungsexpedition ins nahe Sikkim auf der Teeplantage ihres Vaters einen Halt einlegen wollen. Ihr Vater ist der verwitwete britische Teepflanzer Aldous Whitewater, der seit längerem wegen der Weltwirtschaftskrise mit finanziellen Sorgen und gleichzeitig gegen die Angst vor der ungewissen Zukunft kämpft, weil Indien die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht anstrebt.
Kathryn hat die Aufgabe, den beiden jungen Deutschen die Gegend zu zeigen. Carl Jonas ist auf der Suche nach Rhododendron, die er für die Zucht und Vermehrung in der heimischen Baumschule verwenden kann. Die bevorzugten Suchobjekte, respektive die Züchtungen daraus, sollen winterhart, blühfreudig, kleinwüchsig und möglichst duftend sein und sie müssen dank attraktiver Wuchsform, spezieller Rinde oder schönen Blättern auch ausserhalb der Blütezeit einen Blickfang darstellen. Carls bester Freund Gustav ter Fehn stammt aus einer Familie, die seit Generationen im Teehandelt tätig ist und verfolgt mit der Asien-Reise den Zweck, neue Handelsbeziehungen aufzubauen. Die beiden Flachländer haben sich gründlich auf die Expedition vorbereitet. Denn da die Blütezeit einiger Wildarten in niedrigen Lagen schon vorbei ist, ist die Gegend um den Zemu-Gletscher am Fuss der höchsten Gebirge der Welt der angestrebte ehrgeizige Zielort.
Als die beiden jungen Männer bereits Richtung Sikkim aufgebrochen sind, erfährt Kathryn zufällig, dass ihr gerade abwesender Vater seit Jahren eine nepalesische Geliebte hat. Die junge Frau fühlt sich verraten, weil sie selber nach dem frühen Tod der Mutter jahrelang von einem Internat ins andere geschoben wurde. Gleichzeitig mit der aufwühlenden Entdeckung spielt ihr der Zufall ein Visum für die Einreise nach Sikkim in die Hände. Ohne einen Gedanken an Schicklichkeit und einen etwaigen Skandal zu verschwenden, packt Kathryn das Nötigste und reitet der Forschungsgruppe hinterher.
Kathryns Plan sieht vor, die Teilnehmer der Expedition nach Grenzübertritt zu überraschen und sich diesen anzuschliessen. Ihre Idee löst keinen freundlichen Empfang, sondern grosse Verärgerung aus. Doch schliesslich kann die junge Britin die beiden Deutschen überzeugen, sie mitzunehmen. Schon in Darjeeling haben beide Männer Gefallen an Kathryn gefunden.
Die stellenweise überaus gefährliche Reise wartet in der Folge nicht nur mit Balanceakten über riesigen Abgründen auf, sondern auch solchen in den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den drei jungen Leuten. Die bei Himalayavölkern anscheinend übliche Vielmännerei ist für die Europäer keine Option. Indessen sind drei einer zuviel und die schöne Kameradschaft zwischen den Ammerländern kriegt erste Risse. Zusätzlich wird die zu Melancholie neigende Kathryn in ein Unglück verwickelt, das verdrängte Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter und ihres kleines Bruders an die Oberfläche spült. Für welchen der beiden um sie werbenden Deutschen soll sich die verwirrte junge Frau entscheiden? Wie soll sie die Weichen für ihre Zukunft richtig stellen?
Die Auslobung eines grosszügigen Preisgeldes für die erfolgreichste Nachzüchtung eines verloren geglaubten Rhododendrons führt durch einen zweiten Erzählstrang in die Gegenwart. Hier wird das Rätsel um die Verbindungen zwischen den Nachkommen von Kathryn, Carl und Gustav schliesslich aufgelöst und langjährige Familienfehden, deren Ursprung keiner mehr kennt, endlich begraben.
Dieser Roman zählt zu den beeindruckendsten Büchern, die ich letztes Jahr gelesen habe. Die Autorin hat in die über sechshundert Seiten völlig verschiedene Elemente gepackt und zu einer stimmigen und gut durchdachten Erzählung geschnürt: authentische Charaktere, Liebesgeschichten, Weltgeschichte, Teehandel, etwas Übersinnliches (ganz wenig), ein Verbrechen und nicht zuletzt für Gartenfreunde besonders erwähnenswert die detaillierten Schilderungen über die Pflanzenjagd nach Rhododendren, die Züchtung samt geschichtlichen Informationen und den Baumschulbetrieb. Die Geschichte lässt einen auch nach der Lektüre nicht gleich wieder los – Kopfkino vom feinsten! Neugierig wäre ich einzig auf Informationen zur persönlichen Verbindung der Autorin zu Rhododendren.
Sylvia Lott:
Die Rose von Darjeeling
Blanvalet, 2013
Nachtrag aufgrund eines Hinweises der Autorin: die vermissten Informationen finden sich hier.
Im April 1930 erwartet die damals neunzehnjährige Kathryn im Teegarten „Geestra Valley“ ungeduldig zwei Deutsche, die auf der Durchreise zu einer Forschungsexpedition ins nahe Sikkim auf der Teeplantage ihres Vaters einen Halt einlegen wollen. Ihr Vater ist der verwitwete britische Teepflanzer Aldous Whitewater, der seit längerem wegen der Weltwirtschaftskrise mit finanziellen Sorgen und gleichzeitig gegen die Angst vor der ungewissen Zukunft kämpft, weil Indien die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht anstrebt.
Kathryn hat die Aufgabe, den beiden jungen Deutschen die Gegend zu zeigen. Carl Jonas ist auf der Suche nach Rhododendron, die er für die Zucht und Vermehrung in der heimischen Baumschule verwenden kann. Die bevorzugten Suchobjekte, respektive die Züchtungen daraus, sollen winterhart, blühfreudig, kleinwüchsig und möglichst duftend sein und sie müssen dank attraktiver Wuchsform, spezieller Rinde oder schönen Blättern auch ausserhalb der Blütezeit einen Blickfang darstellen. Carls bester Freund Gustav ter Fehn stammt aus einer Familie, die seit Generationen im Teehandelt tätig ist und verfolgt mit der Asien-Reise den Zweck, neue Handelsbeziehungen aufzubauen. Die beiden Flachländer haben sich gründlich auf die Expedition vorbereitet. Denn da die Blütezeit einiger Wildarten in niedrigen Lagen schon vorbei ist, ist die Gegend um den Zemu-Gletscher am Fuss der höchsten Gebirge der Welt der angestrebte ehrgeizige Zielort.
Als die beiden jungen Männer bereits Richtung Sikkim aufgebrochen sind, erfährt Kathryn zufällig, dass ihr gerade abwesender Vater seit Jahren eine nepalesische Geliebte hat. Die junge Frau fühlt sich verraten, weil sie selber nach dem frühen Tod der Mutter jahrelang von einem Internat ins andere geschoben wurde. Gleichzeitig mit der aufwühlenden Entdeckung spielt ihr der Zufall ein Visum für die Einreise nach Sikkim in die Hände. Ohne einen Gedanken an Schicklichkeit und einen etwaigen Skandal zu verschwenden, packt Kathryn das Nötigste und reitet der Forschungsgruppe hinterher.
Kathryns Plan sieht vor, die Teilnehmer der Expedition nach Grenzübertritt zu überraschen und sich diesen anzuschliessen. Ihre Idee löst keinen freundlichen Empfang, sondern grosse Verärgerung aus. Doch schliesslich kann die junge Britin die beiden Deutschen überzeugen, sie mitzunehmen. Schon in Darjeeling haben beide Männer Gefallen an Kathryn gefunden.
Die stellenweise überaus gefährliche Reise wartet in der Folge nicht nur mit Balanceakten über riesigen Abgründen auf, sondern auch solchen in den zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den drei jungen Leuten. Die bei Himalayavölkern anscheinend übliche Vielmännerei ist für die Europäer keine Option. Indessen sind drei einer zuviel und die schöne Kameradschaft zwischen den Ammerländern kriegt erste Risse. Zusätzlich wird die zu Melancholie neigende Kathryn in ein Unglück verwickelt, das verdrängte Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter und ihres kleines Bruders an die Oberfläche spült. Für welchen der beiden um sie werbenden Deutschen soll sich die verwirrte junge Frau entscheiden? Wie soll sie die Weichen für ihre Zukunft richtig stellen?
Die Auslobung eines grosszügigen Preisgeldes für die erfolgreichste Nachzüchtung eines verloren geglaubten Rhododendrons führt durch einen zweiten Erzählstrang in die Gegenwart. Hier wird das Rätsel um die Verbindungen zwischen den Nachkommen von Kathryn, Carl und Gustav schliesslich aufgelöst und langjährige Familienfehden, deren Ursprung keiner mehr kennt, endlich begraben.
Dieser Roman zählt zu den beeindruckendsten Büchern, die ich letztes Jahr gelesen habe. Die Autorin hat in die über sechshundert Seiten völlig verschiedene Elemente gepackt und zu einer stimmigen und gut durchdachten Erzählung geschnürt: authentische Charaktere, Liebesgeschichten, Weltgeschichte, Teehandel, etwas Übersinnliches (ganz wenig), ein Verbrechen und nicht zuletzt für Gartenfreunde besonders erwähnenswert die detaillierten Schilderungen über die Pflanzenjagd nach Rhododendren, die Züchtung samt geschichtlichen Informationen und den Baumschulbetrieb. Die Geschichte lässt einen auch nach der Lektüre nicht gleich wieder los – Kopfkino vom feinsten! Neugierig wäre ich einzig auf Informationen zur persönlichen Verbindung der Autorin zu Rhododendren.
Sylvia Lott:
Die Rose von Darjeeling
Blanvalet, 2013
Nachtrag aufgrund eines Hinweises der Autorin: die vermissten Informationen finden sich hier.
10. Januar 2014
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): Gartenbiografien – Orte erzählen (Topiaria Helvetica 2014)
Das aktuelle Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) blättert in Gärten wie in Büchern – zurück zu den Anfängen der jeweiligen Anlage, in Umgestaltungen und wirft einen Blick in die Zukunft, die zuweilen mutige Entscheidungen verlangt. Etwa wenn eigene Ideen vom Erfolg überholt werden und durch grosse Nachfrage sowie andere Einflüsse natürliche Ersatzmaterialien immer teurer werden. So passiert in der französischen Prieuré d’Orsan, deren Konzept in der SGGK-Vitrine erläutert wird. Im zweiten Artikel der gleichen Rubrik wird die Geschichte des botanischen Alpengartens Schynige Platte zusammengefasst – von den ersten Ideen und Versuchen über die Gründung eines Trägervereins, der Eröffnung im Jahr 1929 und Erweiterungen bis zu den Zielen der heutigen Anlage.
„Vom bescheidenen Pflänzchen zum eleganten Formschnitt“ heisst der erste Artikel und bezieht sich auf das 30-Jahr-Jubiläum der SGGK und die Entwicklung vom ersten Mitteilungsblatt bis zur vierten (aktuellen) Serie als Topiaria Helvetica ab 2009. Thomas Freivogel blickt zurück und er regt an, frühere Rubriken wie die Samenofferte wieder einzuführen, während Brigitt Sigel unter dem Titel „In den Archiven graben und in der Erde wühlen“ die Aufbauarbeit der langjährigen SGGK-Präsidentin Eeva Ruoff mit Fokus auf die wichtige Verbindung von Gesellschaft und Mitgliedern in Form einer Zeitschrift würdigt.
Auf einer Schifffahrt von Zürich nach Rapperswil zieht in Horgen ein beeindruckendes Gebäude mit altem Baumbestand die Aufmerksamkeit auf sich. Roland Raderschall schildert in seinem Artikel die zum Anwesen gehörende Gartenbiografie, in der von einem Gartenkunstwerk und geschmiedeten floralen Meisterwerken die Rede ist. Von letzterem sind nur noch ein Nebentor und ein kurzes Zaunstück am Originalstandort vorhanden. Beide wurden 2004 in ein Umgestaltungsprojekt integriert und sind zusammen mit dem (fast) weissen Garten ein guter Grund, bei einer nächsten Schiffreise in Horgen von Bord zu gehen.
Der Immunologe und Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel zeigt sich in einem Gespräch von seiner privaten Seite als praktischer Gärtner. Er erzählt von seinem in einem Kälteloch liegenden Zier- und Nutzgarten, in dem er eine stattliche Sammlung von bevorzugt blauen Stauden zusammengetragen hat. Diese hat zumeist selber herangezogen, damit sie dem kalten Kleinklima gewachsen sind. Wenn er beruflich unterwegs ist, hat er oft Gelegenheit sich mit anderen Gärtnern über die gemeinsame Passion auszutauschen und botanische Gärten zu besuchen.
Die Künstlerfamilie Dix, die in der dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts aus politischen Gründen nach Hemmenhofen am Bodensee ziehen musste, auferlegte sich in ihrem Garten keinerlei Beschränkung, sondern erfreute sich einer fröhlichen Mischung aus unterschiedlichen in vielen Farben blühenden Pflanzen. Den finanziellen Möglichkeiten entsprechend wurde entweder mehr Gemüse oder mehr Blumen angepflanzt. Johannes Stoffler berichtet in seinem Artikel über das Leben der Familie im und um den Garten, den altersbedingt einsetzenden Verfall, das Engagement eines Fördervereins und die kürzliche denkmalgerechte Wiederinstandsetzung von Haus und Garten.
Unter dem Jahresthema „Gartenbiografien“ finden sich neben den bereits erwähnten Themen die folgenden Artikel:
Den Abschluss der Publikation bilden wie üblich ausgewählte Buchvorstellungen. Reszensiert werden unter anderem die Titel „Äpfel und Birnen“ Das Gesamtwerk von Kombinian Aigner und „Kunst – Garten – Kultur“ herausgegeben von Stefanie Hennecke und Gert Gröning.
Am Ende dieser Vorstellung über ein anregendes Jahrbuch zitiere ich aus dem Résumé des Artikels „La Gara“, in dem die Verfasserin festhält, "dass sie ihre Gärten nicht als Eigentümer planen will, sondern als Treuhänderin eines Ortes handelt, der sein eigenes Leben hat". Diese Aussage lässt sich hervorragend als Leitmotiv übernehmen. Gärtner und Gestalter sind dazu aufgerufen, sich den Herausforderungen des ständigen Wandels zu stellen, so dass dem Garten oder eben dem Buch weitere Seiten angefügt werden können.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2014 – Gartenbiografien – Orte erzählen
Vdf Hochschulverlag, 2014
„Vom bescheidenen Pflänzchen zum eleganten Formschnitt“ heisst der erste Artikel und bezieht sich auf das 30-Jahr-Jubiläum der SGGK und die Entwicklung vom ersten Mitteilungsblatt bis zur vierten (aktuellen) Serie als Topiaria Helvetica ab 2009. Thomas Freivogel blickt zurück und er regt an, frühere Rubriken wie die Samenofferte wieder einzuführen, während Brigitt Sigel unter dem Titel „In den Archiven graben und in der Erde wühlen“ die Aufbauarbeit der langjährigen SGGK-Präsidentin Eeva Ruoff mit Fokus auf die wichtige Verbindung von Gesellschaft und Mitgliedern in Form einer Zeitschrift würdigt.
Auf einer Schifffahrt von Zürich nach Rapperswil zieht in Horgen ein beeindruckendes Gebäude mit altem Baumbestand die Aufmerksamkeit auf sich. Roland Raderschall schildert in seinem Artikel die zum Anwesen gehörende Gartenbiografie, in der von einem Gartenkunstwerk und geschmiedeten floralen Meisterwerken die Rede ist. Von letzterem sind nur noch ein Nebentor und ein kurzes Zaunstück am Originalstandort vorhanden. Beide wurden 2004 in ein Umgestaltungsprojekt integriert und sind zusammen mit dem (fast) weissen Garten ein guter Grund, bei einer nächsten Schiffreise in Horgen von Bord zu gehen.
Der Immunologe und Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel zeigt sich in einem Gespräch von seiner privaten Seite als praktischer Gärtner. Er erzählt von seinem in einem Kälteloch liegenden Zier- und Nutzgarten, in dem er eine stattliche Sammlung von bevorzugt blauen Stauden zusammengetragen hat. Diese hat zumeist selber herangezogen, damit sie dem kalten Kleinklima gewachsen sind. Wenn er beruflich unterwegs ist, hat er oft Gelegenheit sich mit anderen Gärtnern über die gemeinsame Passion auszutauschen und botanische Gärten zu besuchen.
Die Künstlerfamilie Dix, die in der dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts aus politischen Gründen nach Hemmenhofen am Bodensee ziehen musste, auferlegte sich in ihrem Garten keinerlei Beschränkung, sondern erfreute sich einer fröhlichen Mischung aus unterschiedlichen in vielen Farben blühenden Pflanzen. Den finanziellen Möglichkeiten entsprechend wurde entweder mehr Gemüse oder mehr Blumen angepflanzt. Johannes Stoffler berichtet in seinem Artikel über das Leben der Familie im und um den Garten, den altersbedingt einsetzenden Verfall, das Engagement eines Fördervereins und die kürzliche denkmalgerechte Wiederinstandsetzung von Haus und Garten.
Unter dem Jahresthema „Gartenbiografien“ finden sich neben den bereits erwähnten Themen die folgenden Artikel:
- Die Gabe des Vertumnus oder : Von der Lust am Wandel im Garten von Brigitt Sigel
- Was historische Gärten zu erzählen haben von Wenzel Bratner
- La Gara: un jardin en mouvement von Verena Best-Mast
- Der Belvoirpark in Zürich – Chronik des Wandels von Judith Rohrer-Amberg
- Le jardin du manoir de Weck à Villars-sur-Marly von Catherine Waeber
Den Abschluss der Publikation bilden wie üblich ausgewählte Buchvorstellungen. Reszensiert werden unter anderem die Titel „Äpfel und Birnen“ Das Gesamtwerk von Kombinian Aigner und „Kunst – Garten – Kultur“ herausgegeben von Stefanie Hennecke und Gert Gröning.
Am Ende dieser Vorstellung über ein anregendes Jahrbuch zitiere ich aus dem Résumé des Artikels „La Gara“, in dem die Verfasserin festhält, "dass sie ihre Gärten nicht als Eigentümer planen will, sondern als Treuhänderin eines Ortes handelt, der sein eigenes Leben hat". Diese Aussage lässt sich hervorragend als Leitmotiv übernehmen. Gärtner und Gestalter sind dazu aufgerufen, sich den Herausforderungen des ständigen Wandels zu stellen, so dass dem Garten oder eben dem Buch weitere Seiten angefügt werden können.
Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2014 – Gartenbiografien – Orte erzählen
Vdf Hochschulverlag, 2014
5. Januar 2014
Andreas Giger: Rosenrot ist mausetot
In einer finsteren Nacht wird der Ich-Erzähler Franz Eugster auf dem Heimweg entlang des geschlossen wirkenden Landgasthofs Hirschen „Ohrzeuge“ eines Mordes. Der Knall und das verdächtige An- und Ausblenden einer Taschenlampe in einem der Gästezimmer veranlassen ihn, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Und während eine nicht zu erkennende Gestalt im einsetzenden Gewitter rasch davon rennt, versucht Eugster mit dem spärlichen Licht seines I-Phones Licht ins Dunkel zu bringen. Er verschafft sich über eine offene Balkontüre Zutritt in ein Zimmer, wo er auf dem Bett einen leblosen Körper entdeckt.
Bereits zum vierten Mal hat es der Autor Andreas Giger so eingerichtet, dass Franz Eugster über eine Leiche stolpert. Deshalb wird letzterer von der an den Tatort gerufenen Kriminalpolizei auch nicht als Tatverdächtiger eingestuft. Eugsters Schreck über die erneute Entdeckung einer Leiche wird allerdings noch grösser, als er die Identität des Mordopfers erfährt: es handelt sich um die bekannte Gartengestalterin Dr. Graziella Rosengarten.
Eugster hat genau diese selbstbewusste Frau kürzlich zufällig beim Sonntags-Brunch im Restaurant Hirschen als interessante Gesprächspartnerin kennengelernt und bei dieser Gelegenheit von deren erfolgreichen Tätigkeit im Gartenbau und ihrem familiären Hintergrund erfahren. Eugster selber besitzt nur einen kleinen pflegeleichten Garten, hat aber gespannt den Plänen der attraktiven rothaarigen Graziella Rosengarten zugehört, zu denen im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem bekannten Gartenbauunternehmen Spross die Übernahme von Gartengestaltungsaufträgen und die Entwicklung eines Weiterbildungskonzepts für Gartengestalter gehörten.
In Rücksprache mit der Polizei beginnt der im siebten Lebensjahrzent stehende Eugster zusammen mit seiner deutlich jüngeren Freundin Adelina eigene Ermittlungen anzustellen. Der Schreiberling und die IT-Spezialistin, die früher zur Hacker-Szene gehört hat und immer noch gute diesbezügliche Kontakte pflegt, sind bereits ein eingespieltes Schnüfflerpaar. Eine erste Spur vermuten die beiden im Song „Rosenrot“ der deutschen Band „Rammstein“ und die beiden Hobbyermittler versuchen zu ergründen, ob sich in diesem und im Märchen „Schneeweisschen und Rosenrot“ versteckte Botschaften finden lassen. Weitere Stichworte sind Datendiebstahl und der Zugriff auf das digitale Tagebuch der ermordeten Gartengestalterin sowie die spektakuläre Neuzüchtung Platahorn, eine Kreuzung aus Ahorn und Platane.
Weisheiten aus verschiedenen Kulturkreisen leiten jeweils die neuen Kapitel ein. Darunter sind kurze Texte von Gabriella Pape, Rabindranath Tagore, Mark Twain und Karl Foerster. Die Handlung selber wird immer wieder unterbrochen durch Erpresserbriefe, mit denen eine gewisse Amanda Raggenbass im Auftrag der Aceracea dreiste Forderungen stellt. Diese untermalt sie mit von Woche zu Woche mehr Aufmerksamkeit erregenden rufschädigenden Handlungen gegenüber dem Unternehmen Spross wie etwa ein Anschlag auf die Baumschule, das in Umlauf bringen von falschen Gerüchten und eine Mahlzeitenvergiftung. Erreicht die Erpresserin ihr Ziel, einen Liegenschaftenkomplex in einem aufstrebenden Quartier in Zürich erwerben zu können?
Teilweise sind die Lebensläufe von Personen in diesem Krimi mit Appenzeller Lokalkolorit aus "richtigen" Biografien entlehnt. So spielen das bekannte Gartenbauunternehmen Spross und dessen aktuelle Geschäftsführerin eine wichtige Rolle. Und der der berufliche Hintergrund der ermordeten fiktiven Gartengestalterin weist starke Parallelen mit der Vita eine bekannten Frau aus der Gartenszene aus. „Rosenrot ist mausetot“ ist eine anregende Verknüpfung von Fiktion und Tatsachen. Und obwohl die Leserin recht früh auf eine Fährte geführt wird, die sich schliesslich als die richtige entpuppt, macht sich am Ende der Lektüre keine Enttäuschung breit. Hingegen überlegt man sich während des Krimis immer wieder, welche Bausteine der Erzählung der Wahrheit entsprechen und welche gut erfunden sind. Um einige dieser „Rätsel“ aufzulösen, habe ich inzwischen als Nachlektüre die interessante Lebensgeschichte von Werner H. Spross, dem 2004 verstorbenen Gärtner der Nation, gelesen.
Andreas Giger:
Rosenrot ist mausetot Hermann-Josef
Emons Verlag, 2013
Bereits zum vierten Mal hat es der Autor Andreas Giger so eingerichtet, dass Franz Eugster über eine Leiche stolpert. Deshalb wird letzterer von der an den Tatort gerufenen Kriminalpolizei auch nicht als Tatverdächtiger eingestuft. Eugsters Schreck über die erneute Entdeckung einer Leiche wird allerdings noch grösser, als er die Identität des Mordopfers erfährt: es handelt sich um die bekannte Gartengestalterin Dr. Graziella Rosengarten.
Eugster hat genau diese selbstbewusste Frau kürzlich zufällig beim Sonntags-Brunch im Restaurant Hirschen als interessante Gesprächspartnerin kennengelernt und bei dieser Gelegenheit von deren erfolgreichen Tätigkeit im Gartenbau und ihrem familiären Hintergrund erfahren. Eugster selber besitzt nur einen kleinen pflegeleichten Garten, hat aber gespannt den Plänen der attraktiven rothaarigen Graziella Rosengarten zugehört, zu denen im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem bekannten Gartenbauunternehmen Spross die Übernahme von Gartengestaltungsaufträgen und die Entwicklung eines Weiterbildungskonzepts für Gartengestalter gehörten.
In Rücksprache mit der Polizei beginnt der im siebten Lebensjahrzent stehende Eugster zusammen mit seiner deutlich jüngeren Freundin Adelina eigene Ermittlungen anzustellen. Der Schreiberling und die IT-Spezialistin, die früher zur Hacker-Szene gehört hat und immer noch gute diesbezügliche Kontakte pflegt, sind bereits ein eingespieltes Schnüfflerpaar. Eine erste Spur vermuten die beiden im Song „Rosenrot“ der deutschen Band „Rammstein“ und die beiden Hobbyermittler versuchen zu ergründen, ob sich in diesem und im Märchen „Schneeweisschen und Rosenrot“ versteckte Botschaften finden lassen. Weitere Stichworte sind Datendiebstahl und der Zugriff auf das digitale Tagebuch der ermordeten Gartengestalterin sowie die spektakuläre Neuzüchtung Platahorn, eine Kreuzung aus Ahorn und Platane.
Weisheiten aus verschiedenen Kulturkreisen leiten jeweils die neuen Kapitel ein. Darunter sind kurze Texte von Gabriella Pape, Rabindranath Tagore, Mark Twain und Karl Foerster. Die Handlung selber wird immer wieder unterbrochen durch Erpresserbriefe, mit denen eine gewisse Amanda Raggenbass im Auftrag der Aceracea dreiste Forderungen stellt. Diese untermalt sie mit von Woche zu Woche mehr Aufmerksamkeit erregenden rufschädigenden Handlungen gegenüber dem Unternehmen Spross wie etwa ein Anschlag auf die Baumschule, das in Umlauf bringen von falschen Gerüchten und eine Mahlzeitenvergiftung. Erreicht die Erpresserin ihr Ziel, einen Liegenschaftenkomplex in einem aufstrebenden Quartier in Zürich erwerben zu können?
Teilweise sind die Lebensläufe von Personen in diesem Krimi mit Appenzeller Lokalkolorit aus "richtigen" Biografien entlehnt. So spielen das bekannte Gartenbauunternehmen Spross und dessen aktuelle Geschäftsführerin eine wichtige Rolle. Und der der berufliche Hintergrund der ermordeten fiktiven Gartengestalterin weist starke Parallelen mit der Vita eine bekannten Frau aus der Gartenszene aus. „Rosenrot ist mausetot“ ist eine anregende Verknüpfung von Fiktion und Tatsachen. Und obwohl die Leserin recht früh auf eine Fährte geführt wird, die sich schliesslich als die richtige entpuppt, macht sich am Ende der Lektüre keine Enttäuschung breit. Hingegen überlegt man sich während des Krimis immer wieder, welche Bausteine der Erzählung der Wahrheit entsprechen und welche gut erfunden sind. Um einige dieser „Rätsel“ aufzulösen, habe ich inzwischen als Nachlektüre die interessante Lebensgeschichte von Werner H. Spross, dem 2004 verstorbenen Gärtner der Nation, gelesen.
Andreas Giger:
Rosenrot ist mausetot Hermann-Josef
Emons Verlag, 2013
8. Dezember 2013
Elizabeth Gilbert: Das Wesen der Dinge und der Liebe
Als Kind hat sich Alma gewünscht, eine Pflanze zu sein. Denn ihr fast pausenlos ungeduldiger Vater ist nur im Umgang mit seinen grünen Lieblingen nachsichtig. Das intelligente Mädchen wächst inmitten von Gewächshäusern mit Schätzen aus aller Welt und unzähligen Büchern auf und bei Nachtessen sitzen häufig Koryphäen der unterschiedlichsten Fachgebiete neben ihr am Esstisch auf dem Familiensitz White Acre.
Almas Vater, Henry Whittaker, ist 1760 in Richmond in der Nähe von Kew auf die Welt gekommen und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Schon früh hat der Sohn eines sogenannten Apfelmagiers alles Wichtige rund um das Umpflanzen, Beschneiden und Pfropfen von Apfelbäumen gelernt und sich sein erstes Geld sehr erfolgreich durch Diebstahl verdient. Und zwar hat er in Kew Garden Samen und Ableger gestohlen, die Joseph Banks von seiner Weltumsegelung mitgebracht hat. Henry hat diese an Sammler, Botaniker und Professoren verkauft, denn der geizige Banks wollte auch auf Anfrage seine Beute mit niemandem teilen.
Henry wird erwischt, kommt aber mit einer relativ geringen Strafe davon. Joseph Banks verdonnert ihn nämlich zu einer Weltumseglung. Vier Jahre ist Henry auf einem Schiff unterwegs und konzentriert sich wann immer möglich darauf, sein botanisches Wissen zu erweitern. Später hält er sich in Peru auf, wo er die Kultur des Chinarindenbaums erforscht. Mit einunddreissig Jahren hat er den Grundstock für ein erfolgreiches Unternehmen gegründet und heiratet gegen den Willen von deren Familie die Holländerin Beatrix Devenders und zieht mit ihr und ein paar Tulpenzwiebeln und wichtigen Büchern nach Philadelphia.
Das Ehepaar residiert in einem prachtvollen Gebäude und Henry vermehrt kontinuierlich seinen Reichtum, unter anderem mit dem Export amerikanischer Pflanzen nach Europa, während Beatrix viel Freude an ihrem prächtigen Garten hat. In diese funktionierende Zweckehe hinein wird im Jahr 1800 Alma geboren und später wird ein wunderschönes Mädchen namens Prudence adoptiert.
Alma hat die botanischen Gene ihres Vaters geerbt und geht schon als kleines Mädchen nur von ihrem Pony begleitet in der Umgebung auf Pflanzenjagd, um Proben für ihr Herbarium zu sammeln. Im Alter von neun Jahren entdeckt sie ganz alleine, dass mit Beobachtung des Öffnen und Schliessens von Blüten die Tageszeit bestimmt werden kann. Im Vordergrund steht für die äusserlich wenig anziehend wirkende Alma aber nicht die Schönheit der Pflanzen, sondern die Ordnung des Systems. Und schon als Jugendliche verfasst sie fachlich kompetente Aufsätze über Lorbeer, Mimosen und Kamelien, die in der Monats-Zeitschrift „Botanica Americana“ veröffentlicht werden.
Als Alma zwanzig Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und die Tochter übernimmt deren Aufgaben als Herrin und Geschäftsführerin eines riesigen botanischen Unternehmens. Doch je älter sie wird, umso mehr fühlt sie sich gefangen auf White Acre, weil sämtliche vorhandenen Pflanzen von anderen Forschern entdeckt worden sind. Die Aufgabe eines Botanikers ist schliesslich, Pflanzen zu bestimmen - doch woher soll sie entsprechendes Material nehmen?
Alma korrespondiert mit Fachleuten aus aller Welt und entdeckt schliesslich die interessante Welt der gering bewerteten Moose, die sogar rund um ihr Zuhause ein riesiges Forschungsgebiet darstellen. Sie beobachtet den „Mooskrieg“ von White Acre, bei dem es Vorstösse und Rückzüge sowie konkurrierende Mooskolonien zu verzeichnen gibt. Und Sie beginnt als „Hüterin der Moose“ mit dem Verfassen eines Standwerks über Moose, die in ihrer Bedeutung – dies eine Parallele zu Almas eigenem Schicksal, die sich mit ihren teilweise bahnbrechenden Forschungsergebnissen in einer Männerdomäne bewegt – oft unterschätzt werden.
So vergehen die Jahrzehnte, als plötzlich doch noch die Liebe Einzug in das Leben der „wandelnden Bibliothek“ Alma hält. Sie heiratet den hochbegabten Pflanzenmaler Ambose Pike. Doch die kurze Ehe entpuppt sich als Fiasko. Daneben sind das tragische Schicksal ihrer Freundin Retta und die schwierige (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester und immer wieder Almas unerfülltes Liebesleben Thema. Nach dem Tod ihres Vaters gestaltet die nicht mehr junge Alma ihr Leben komplett neu und macht sich auf nach Tahiti, wo sie zum ersten Mal Palmen rauschen hört und Holland wird eine weitere Station eines langen der Wissenschaft gewidmeten Lebens. So kommt sie doch noch in der Welt herum und kann dem Wesen der Dinge und der Liebe an verschiedenen Orten nachspüren, Antworten suchen und teilweise auch finden.
Für Gartenfreunde besonders interessant in diesem rund 700 Seiten umfassenden Roman sind der hortikulturelle Hintergrund und die botanischen Studien von Alma. Mein anfänglich grosses Interesse ist aber schon bald einmal deutlich abgeflaut, weil ich die Erzählung als eher langatmig empfand. Gegen Ende der umfangreichen Erzählung wurde es wieder interessanter, doch ganz allgemein hätte der Umfang gut und gerne um etliche Seiten gekürzt werden können.
Die Autorin Elizabeth Gilbert hat übrigens auch den Erfolgstitel „Eat Pray Love“ geschrieben, der mit Julia Roberts verfilmt worden ist. Ob das Buch „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ wohl auch einmal auf die Leinwand gebracht werden wird?
Mit dieser Buchvorstellung verabschiede ich mich in die "Adventspause". Ende 2013 oder Anfang 2014 geht es weiter mit den längst verfassten und vorgebloggten Eindrücken zu den unter der Rubrik "Zuletzt gelesen ..." aufgeführten Büchern. Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit und besinnliche Feiertage.
Elizabeth Gilbert:
Das Wesen der Dinge und der Liebe
Berlin Verlag, 2013
Almas Vater, Henry Whittaker, ist 1760 in Richmond in der Nähe von Kew auf die Welt gekommen und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Schon früh hat der Sohn eines sogenannten Apfelmagiers alles Wichtige rund um das Umpflanzen, Beschneiden und Pfropfen von Apfelbäumen gelernt und sich sein erstes Geld sehr erfolgreich durch Diebstahl verdient. Und zwar hat er in Kew Garden Samen und Ableger gestohlen, die Joseph Banks von seiner Weltumsegelung mitgebracht hat. Henry hat diese an Sammler, Botaniker und Professoren verkauft, denn der geizige Banks wollte auch auf Anfrage seine Beute mit niemandem teilen.
Henry wird erwischt, kommt aber mit einer relativ geringen Strafe davon. Joseph Banks verdonnert ihn nämlich zu einer Weltumseglung. Vier Jahre ist Henry auf einem Schiff unterwegs und konzentriert sich wann immer möglich darauf, sein botanisches Wissen zu erweitern. Später hält er sich in Peru auf, wo er die Kultur des Chinarindenbaums erforscht. Mit einunddreissig Jahren hat er den Grundstock für ein erfolgreiches Unternehmen gegründet und heiratet gegen den Willen von deren Familie die Holländerin Beatrix Devenders und zieht mit ihr und ein paar Tulpenzwiebeln und wichtigen Büchern nach Philadelphia.
Das Ehepaar residiert in einem prachtvollen Gebäude und Henry vermehrt kontinuierlich seinen Reichtum, unter anderem mit dem Export amerikanischer Pflanzen nach Europa, während Beatrix viel Freude an ihrem prächtigen Garten hat. In diese funktionierende Zweckehe hinein wird im Jahr 1800 Alma geboren und später wird ein wunderschönes Mädchen namens Prudence adoptiert.
Alma hat die botanischen Gene ihres Vaters geerbt und geht schon als kleines Mädchen nur von ihrem Pony begleitet in der Umgebung auf Pflanzenjagd, um Proben für ihr Herbarium zu sammeln. Im Alter von neun Jahren entdeckt sie ganz alleine, dass mit Beobachtung des Öffnen und Schliessens von Blüten die Tageszeit bestimmt werden kann. Im Vordergrund steht für die äusserlich wenig anziehend wirkende Alma aber nicht die Schönheit der Pflanzen, sondern die Ordnung des Systems. Und schon als Jugendliche verfasst sie fachlich kompetente Aufsätze über Lorbeer, Mimosen und Kamelien, die in der Monats-Zeitschrift „Botanica Americana“ veröffentlicht werden.
Als Alma zwanzig Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und die Tochter übernimmt deren Aufgaben als Herrin und Geschäftsführerin eines riesigen botanischen Unternehmens. Doch je älter sie wird, umso mehr fühlt sie sich gefangen auf White Acre, weil sämtliche vorhandenen Pflanzen von anderen Forschern entdeckt worden sind. Die Aufgabe eines Botanikers ist schliesslich, Pflanzen zu bestimmen - doch woher soll sie entsprechendes Material nehmen?
Alma korrespondiert mit Fachleuten aus aller Welt und entdeckt schliesslich die interessante Welt der gering bewerteten Moose, die sogar rund um ihr Zuhause ein riesiges Forschungsgebiet darstellen. Sie beobachtet den „Mooskrieg“ von White Acre, bei dem es Vorstösse und Rückzüge sowie konkurrierende Mooskolonien zu verzeichnen gibt. Und Sie beginnt als „Hüterin der Moose“ mit dem Verfassen eines Standwerks über Moose, die in ihrer Bedeutung – dies eine Parallele zu Almas eigenem Schicksal, die sich mit ihren teilweise bahnbrechenden Forschungsergebnissen in einer Männerdomäne bewegt – oft unterschätzt werden.
So vergehen die Jahrzehnte, als plötzlich doch noch die Liebe Einzug in das Leben der „wandelnden Bibliothek“ Alma hält. Sie heiratet den hochbegabten Pflanzenmaler Ambose Pike. Doch die kurze Ehe entpuppt sich als Fiasko. Daneben sind das tragische Schicksal ihrer Freundin Retta und die schwierige (Nicht-)Beziehung zu ihrer Schwester und immer wieder Almas unerfülltes Liebesleben Thema. Nach dem Tod ihres Vaters gestaltet die nicht mehr junge Alma ihr Leben komplett neu und macht sich auf nach Tahiti, wo sie zum ersten Mal Palmen rauschen hört und Holland wird eine weitere Station eines langen der Wissenschaft gewidmeten Lebens. So kommt sie doch noch in der Welt herum und kann dem Wesen der Dinge und der Liebe an verschiedenen Orten nachspüren, Antworten suchen und teilweise auch finden.
Für Gartenfreunde besonders interessant in diesem rund 700 Seiten umfassenden Roman sind der hortikulturelle Hintergrund und die botanischen Studien von Alma. Mein anfänglich grosses Interesse ist aber schon bald einmal deutlich abgeflaut, weil ich die Erzählung als eher langatmig empfand. Gegen Ende der umfangreichen Erzählung wurde es wieder interessanter, doch ganz allgemein hätte der Umfang gut und gerne um etliche Seiten gekürzt werden können.
Die Autorin Elizabeth Gilbert hat übrigens auch den Erfolgstitel „Eat Pray Love“ geschrieben, der mit Julia Roberts verfilmt worden ist. Ob das Buch „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ wohl auch einmal auf die Leinwand gebracht werden wird?
Mit dieser Buchvorstellung verabschiede ich mich in die "Adventspause". Ende 2013 oder Anfang 2014 geht es weiter mit den längst verfassten und vorgebloggten Eindrücken zu den unter der Rubrik "Zuletzt gelesen ..." aufgeführten Büchern. Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit und besinnliche Feiertage.
Elizabeth Gilbert:
Das Wesen der Dinge und der Liebe
Berlin Verlag, 2013
5. Dezember 2013
Caroline Vermalle: Und wenn es die Chance deines Lebens ist?
Der gutaussehende erfolgreiche 39jährige Jurist Frédéric Solis stellt Karriere und Geldverdienen über alles andere. Als aufstrebender Anwalt in einer renommierten Pariser Anwaltskanzlei ist er spezialisiert auf Scheidungen in der High Society. Wie ein dunkler Schatten liegt aber nach wie vor das spurlose Verschwinden seines Vaters kurz vor Weihnachten 1979 über seinem Leben. Nachwuchs in die Welt setzten möchte er deshalb unter keinen Umständen und schon als kleiner Junge hat er sich vorgenommen, niemals eigene Kinder zu haben. So hat er sich kürzlich auch ganz konsequent von seiner langjährigen Partnerin getrennt, als diese unbedingt eine Familie gründen wollte.
Frédérics ganze Leidenschaft gilt Gemälden mit poetischen Winterlandschaften von Impressionisten. Gerade hat er bei Sotheby’s ein kleines Bild von Sisley ersteigert, das sein Budget bei weitem übersteigt. In seiner Wohnung stapeln sich darum die Mahnungen, das Bankkonto ist überzogen und die Eigentumswohnung ist mit einer hohen Hypothek belastet. Da erhält er ein Schreiben von einem Notariat, bei dem er sich wegen einer Erbschaftsangelegenheit melden soll. Der Name des Erblassers ist Frédéric unbekannt, doch er rechnet trotzdem fest damit, eine stattliche Summe zu erben, die seine finanziellen Probleme löst und vielleicht sogar den Kauf weiterer Gemälde möglich macht.
Wie sich herausstellt, ist der Anwalt in Geldnöten zwar als Alleinerbe eingesetzt, aber der Nachlass besteht nur aus einer Schachtel, in der sich ein Zug- und ein Bootsticket sowie je eine Eintrittskarte für den Garten Monet in Giverny und das Musée d’Orsay in Paris und eine rätselhafte Schatzkarte im Zusammenhang mit einem verschwundenen impressionistischen Meisterwerk befinden. Die Fahrscheine sind alle für fixe Termine im Dezember ausgestellt und auf der Rückseite sind geheimnisvolle Verse notiert.
Frédéric beauftragt seine Assistentin Pétronille alle erhältlichen Informationen über den verstorbenen Fabrice Nile zusammenzutragen und macht sich mit den geerbten Tickets auf eine Spurensuche, die sich als schmerzliche Reise in seine persönliche Vergangenheit entpuppt. Der mysteriöse Nachlass scheint Auslöser für eine Katastrophe nach der anderen zu sein. Als Pétronille ein Fehler unterläuft, nutzt ihr strenger Arbeitgeber die Gelegenheit, ihr zu kündigen, da er sich ihre Arbeitskraft längst gar nicht mehr leisten kann. Deshalb erfährt er auch nichts von den von ihr festgestellten Verbindungen zwischen Fabrice Nile und seinem verschwundenen Vater, dessen Name sie aus dem Antrag für eine Reisepassverlängerung ihres Vorgesetzten kennt.
Ein gefühlvoll geschriebener Roman um verpasste Chancen, das „was-wäre-wenn“ und die weitreichenden Konsequenzen von einmal getroffenen Entscheidungen. Daneben spielt die die Rekonstruktion des bis in die 1970er Jahre überwucherten und verwilderten Gartens von Claude Monet in Giverny eine Rolle. Neben dem Erwecken desselben aus einem langen Dornröschenschlaf, machen die ständigen Erwähnungen von leckeren Windbeuteln immer wieder Lust aufs Naschen von Süssigkeiten.
Zum Schluss dieser Buchvorstellunge noch ein schöner Ausdruck von Caroline Vermalle, den sie Frédérics Vater und einem amerikanischen Gärtner bei einem Gespräch in Giverny in den Mund gelegt hat: Wenn einer gerne von anderen angelegte Gärten bewundert, hat er "ein grünes Auge". Von der gleichen Autorin erscheint übrigens nächstes Jahr ein Buch, das ebenfalls einen hortikulturellen Hintergrund vermuten lässt: „Eine Blume für die Königin“.
Caroline Vermalle:
Und wenn es die Chance deines Lebens ist?
Lübbe Ehrenwirth/Bastei Lübbe Verlag, 2013
Frédérics ganze Leidenschaft gilt Gemälden mit poetischen Winterlandschaften von Impressionisten. Gerade hat er bei Sotheby’s ein kleines Bild von Sisley ersteigert, das sein Budget bei weitem übersteigt. In seiner Wohnung stapeln sich darum die Mahnungen, das Bankkonto ist überzogen und die Eigentumswohnung ist mit einer hohen Hypothek belastet. Da erhält er ein Schreiben von einem Notariat, bei dem er sich wegen einer Erbschaftsangelegenheit melden soll. Der Name des Erblassers ist Frédéric unbekannt, doch er rechnet trotzdem fest damit, eine stattliche Summe zu erben, die seine finanziellen Probleme löst und vielleicht sogar den Kauf weiterer Gemälde möglich macht.
Wie sich herausstellt, ist der Anwalt in Geldnöten zwar als Alleinerbe eingesetzt, aber der Nachlass besteht nur aus einer Schachtel, in der sich ein Zug- und ein Bootsticket sowie je eine Eintrittskarte für den Garten Monet in Giverny und das Musée d’Orsay in Paris und eine rätselhafte Schatzkarte im Zusammenhang mit einem verschwundenen impressionistischen Meisterwerk befinden. Die Fahrscheine sind alle für fixe Termine im Dezember ausgestellt und auf der Rückseite sind geheimnisvolle Verse notiert.
Frédéric beauftragt seine Assistentin Pétronille alle erhältlichen Informationen über den verstorbenen Fabrice Nile zusammenzutragen und macht sich mit den geerbten Tickets auf eine Spurensuche, die sich als schmerzliche Reise in seine persönliche Vergangenheit entpuppt. Der mysteriöse Nachlass scheint Auslöser für eine Katastrophe nach der anderen zu sein. Als Pétronille ein Fehler unterläuft, nutzt ihr strenger Arbeitgeber die Gelegenheit, ihr zu kündigen, da er sich ihre Arbeitskraft längst gar nicht mehr leisten kann. Deshalb erfährt er auch nichts von den von ihr festgestellten Verbindungen zwischen Fabrice Nile und seinem verschwundenen Vater, dessen Name sie aus dem Antrag für eine Reisepassverlängerung ihres Vorgesetzten kennt.
Ein gefühlvoll geschriebener Roman um verpasste Chancen, das „was-wäre-wenn“ und die weitreichenden Konsequenzen von einmal getroffenen Entscheidungen. Daneben spielt die die Rekonstruktion des bis in die 1970er Jahre überwucherten und verwilderten Gartens von Claude Monet in Giverny eine Rolle. Neben dem Erwecken desselben aus einem langen Dornröschenschlaf, machen die ständigen Erwähnungen von leckeren Windbeuteln immer wieder Lust aufs Naschen von Süssigkeiten.
Zum Schluss dieser Buchvorstellunge noch ein schöner Ausdruck von Caroline Vermalle, den sie Frédérics Vater und einem amerikanischen Gärtner bei einem Gespräch in Giverny in den Mund gelegt hat: Wenn einer gerne von anderen angelegte Gärten bewundert, hat er "ein grünes Auge". Von der gleichen Autorin erscheint übrigens nächstes Jahr ein Buch, das ebenfalls einen hortikulturellen Hintergrund vermuten lässt: „Eine Blume für die Königin“.
Caroline Vermalle:
Und wenn es die Chance deines Lebens ist?
Lübbe Ehrenwirth/Bastei Lübbe Verlag, 2013
1. Dezember 2013
Daniel Zahno: Manhattan Rose
Auf dem Umweg über ein abgebrochenes Mathematikstudium hat der Blumen- und Musikliebhaber Luca aus Basel eine erfolgreiche Rosenzucht aufgebaut und sein kleinkindliches Interesse am Rosengarten der Grosseltern in ein einträgliches Geschäft verwandelt. In New York besucht er einen internationalen Kongress und nutzt die Gelegenheit, dem Peggy Rockefeller Rose Garden einen Besuch abzustatten. Derweilen er an Beeten mit Teehybriden, Büschelblühern und Hochstammrosen vorbeischlendert und den Farbenreichtum der Blüten auf sich wirken und die verschiedenen Düfte seine Nase kitzeln lässt, hängt er Tagträumen nach und malt sich aus, wie es wohl wäre, in diesem Rosenparadies arbeiten zu dürfen.
Doch nicht nur die floralen Schönheiten erwecken sein Interesse. Unter der Kuppel des Crystal Palace zieht eine deutschsprachige Unterhaltung seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung. Er lauscht unbemerkt dem Gespräch eines Paares und stellt sofort fest, dass es sich bei der hübschen jungen Frau um eine Schweizerin handeln muss.
Noch am selben Tag ergibt sich die Gelegenheit, die Frau persönlich kennenzulernen und Luca erfährt, dass diese Sofie heisst, aus Arth Goldau stammt, seit fünfzehn Jahren im Big Apple lebt und ihren Lebensunterhalt als Deutschlehrerin verdient. Luca gibt ihr die Nummer seines Hotelzimmers und wartet die letzten Tage seines New York-Aufenthaltes ungeduldig auf ein Zeichen der jungen Landsmännin, die er unbedingt näher kennen lernen möchte.
Um sich vom nicht klingelnden Telefon abzulenken, begibt Luca sich auf einen Stadtrundgang, wo die unerwartete Entdeckung einer ganzen Reihe von Blumenläden den Rosenzüchter in seinen Bann zieht. Er nimmt die Chance wahr, sich ein Bild über die Rosentrends in den USA zu verschaffen. Der Geschmack der Amerikaner stimmt grösstenteils nicht mit seinem eigenen überein. Entsetzt muss er aber feststellen, dass einer seiner grössten Züchtererfolge, die „Merveille de Marseille“, in sämtlichen von ihm aufgesuchten Blumenläden ganz offensichtlich sehr erfolgreich zum Verkauf angeboten wird. Und zwar unter dem Namen „White Dream“ und obwohl diese weisse Schönheit mit kanariengelbem Schimmer nicht von der Schweiz in die USA exportiert wird, wodurch ihm und seinem Geschäftspartner die dafür fälligen Lizenzgebühren entgehen. Lucas Entdeckung lässt nur einen Schluss zu: der kolumbianische Blumenfarmer, der vor einiger Zeit seinen Betrieb besichtigt hatte, muss Pflanzen gestohlen und im grossen Stil weitervermehrt haben.
Mit seinem Geschäftspartner diskutiert er telefonisch den zufällig festgestellten Betrug und versucht, die Chancen und Risiken eines allfälligen juristischen Verfahrens abzuschätzen. Die beiden besetzen mit Bio-Rosen erfolgreich eine Nische in der Rosenwelt, in der nicht nur mit fairen Mitteln gekämpft wird. Doch sie können es sich nicht leisten, dass ihnen durch Piraterie grosse Umsatzeinnahmen entgehen. Lucas Stimmung hellt sich wieder ein wenig auf, als ihn kurz vor seinem Rückflug in die Schweiz endlich der lang ersehnte Anruf von Sofie erreicht.
Wenige intensive Stunden mit Sofie entschädigen den Blumenliebhaber für den geschäftlichen Ärger. Zurück in der Nordwestschweiz widmet sich der frisch verliebte Luca wieder seinen Rosen und bleibt über Skype und Email trotz trennendem Atlantik in intensiver Verbindung mit Sofie. Die beiden versuchen, sich so oft als möglich zu treffen, müssen aber feststellen, dass das Führen einer für beide Seiten befriedigenden Fernbeziehung ausserordentlich schwierig ist. Ermöglicht die Ausschreibung einer Kurator-Stelle im Peggy Rockefeller Rose Garden vielleicht neue Zukunftsperspektiven? Soll Luca sich dort mit einem Konzept bewerben, das eine nachhaltige Umstellung weg vom gewohnheitsmässigen Gebrauch von Chemie und Pflanzenschutzmitteln vorsieht, hin zu gesunden Pflanzen allein durch Licht, Luft, Wasser und gute Erde?
Der Rosenzüchter Luca lernt im Laufe der Lektüre hautnah die stacheligen Seiten seiner Lieblingspflanzen kennen und sein scheinbar leicht erzielter Erfolg weckt Neid und Missgunst. Der Roman ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Stadt New York und an Rosen, ohne zu verheimlichen, dass beide auch ihre Schattenseiten haben. Neben verschiedenen nützlichen Informationen, die der Leser sich für einen künftigen Besuch in der Metropole merken kann, bekommt er während der Lektüre nebenbei Einblick in den Rosenzüchteralltag und liest über die Wichtigkeit der richtigen Partnerwahl für den Zuchterfolg ebenso wie über die Geschichte der Rosen und das Tüfteln an Rosenrezepten. Die Spannung, die ich zu Beginn der Lektüre empfand, hat sich gegen Ende des Buches etwas abgeflacht und die Lösung der sich im Laufe der Erzählung auftuenden Probleme im Berufs- sowie im Privatleben erscheint mir zu schnell abgehandelt und etwas banal. Und ob sie tatsächlich anhält, bleibt wie andere gestreifte Ansätze (z.B. der Selbstmord des Kolumbianers) offen.
Daniel Zahno:
Manhattan Rose
weissbooks.w, 2013
Doch nicht nur die floralen Schönheiten erwecken sein Interesse. Unter der Kuppel des Crystal Palace zieht eine deutschsprachige Unterhaltung seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung. Er lauscht unbemerkt dem Gespräch eines Paares und stellt sofort fest, dass es sich bei der hübschen jungen Frau um eine Schweizerin handeln muss.
Noch am selben Tag ergibt sich die Gelegenheit, die Frau persönlich kennenzulernen und Luca erfährt, dass diese Sofie heisst, aus Arth Goldau stammt, seit fünfzehn Jahren im Big Apple lebt und ihren Lebensunterhalt als Deutschlehrerin verdient. Luca gibt ihr die Nummer seines Hotelzimmers und wartet die letzten Tage seines New York-Aufenthaltes ungeduldig auf ein Zeichen der jungen Landsmännin, die er unbedingt näher kennen lernen möchte.
Um sich vom nicht klingelnden Telefon abzulenken, begibt Luca sich auf einen Stadtrundgang, wo die unerwartete Entdeckung einer ganzen Reihe von Blumenläden den Rosenzüchter in seinen Bann zieht. Er nimmt die Chance wahr, sich ein Bild über die Rosentrends in den USA zu verschaffen. Der Geschmack der Amerikaner stimmt grösstenteils nicht mit seinem eigenen überein. Entsetzt muss er aber feststellen, dass einer seiner grössten Züchtererfolge, die „Merveille de Marseille“, in sämtlichen von ihm aufgesuchten Blumenläden ganz offensichtlich sehr erfolgreich zum Verkauf angeboten wird. Und zwar unter dem Namen „White Dream“ und obwohl diese weisse Schönheit mit kanariengelbem Schimmer nicht von der Schweiz in die USA exportiert wird, wodurch ihm und seinem Geschäftspartner die dafür fälligen Lizenzgebühren entgehen. Lucas Entdeckung lässt nur einen Schluss zu: der kolumbianische Blumenfarmer, der vor einiger Zeit seinen Betrieb besichtigt hatte, muss Pflanzen gestohlen und im grossen Stil weitervermehrt haben.
Mit seinem Geschäftspartner diskutiert er telefonisch den zufällig festgestellten Betrug und versucht, die Chancen und Risiken eines allfälligen juristischen Verfahrens abzuschätzen. Die beiden besetzen mit Bio-Rosen erfolgreich eine Nische in der Rosenwelt, in der nicht nur mit fairen Mitteln gekämpft wird. Doch sie können es sich nicht leisten, dass ihnen durch Piraterie grosse Umsatzeinnahmen entgehen. Lucas Stimmung hellt sich wieder ein wenig auf, als ihn kurz vor seinem Rückflug in die Schweiz endlich der lang ersehnte Anruf von Sofie erreicht.
Wenige intensive Stunden mit Sofie entschädigen den Blumenliebhaber für den geschäftlichen Ärger. Zurück in der Nordwestschweiz widmet sich der frisch verliebte Luca wieder seinen Rosen und bleibt über Skype und Email trotz trennendem Atlantik in intensiver Verbindung mit Sofie. Die beiden versuchen, sich so oft als möglich zu treffen, müssen aber feststellen, dass das Führen einer für beide Seiten befriedigenden Fernbeziehung ausserordentlich schwierig ist. Ermöglicht die Ausschreibung einer Kurator-Stelle im Peggy Rockefeller Rose Garden vielleicht neue Zukunftsperspektiven? Soll Luca sich dort mit einem Konzept bewerben, das eine nachhaltige Umstellung weg vom gewohnheitsmässigen Gebrauch von Chemie und Pflanzenschutzmitteln vorsieht, hin zu gesunden Pflanzen allein durch Licht, Luft, Wasser und gute Erde?
Der Rosenzüchter Luca lernt im Laufe der Lektüre hautnah die stacheligen Seiten seiner Lieblingspflanzen kennen und sein scheinbar leicht erzielter Erfolg weckt Neid und Missgunst. Der Roman ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Stadt New York und an Rosen, ohne zu verheimlichen, dass beide auch ihre Schattenseiten haben. Neben verschiedenen nützlichen Informationen, die der Leser sich für einen künftigen Besuch in der Metropole merken kann, bekommt er während der Lektüre nebenbei Einblick in den Rosenzüchteralltag und liest über die Wichtigkeit der richtigen Partnerwahl für den Zuchterfolg ebenso wie über die Geschichte der Rosen und das Tüfteln an Rosenrezepten. Die Spannung, die ich zu Beginn der Lektüre empfand, hat sich gegen Ende des Buches etwas abgeflacht und die Lösung der sich im Laufe der Erzählung auftuenden Probleme im Berufs- sowie im Privatleben erscheint mir zu schnell abgehandelt und etwas banal. Und ob sie tatsächlich anhält, bleibt wie andere gestreifte Ansätze (z.B. der Selbstmord des Kolumbianers) offen.
Daniel Zahno:
Manhattan Rose
weissbooks.w, 2013
29. November 2013
Martina Brandl: Schwarze Orangen
Sieglinde Jasmin, geborene Frahn, ist recht schnell im Urteil über Mitmenschen, aber nicht gehässig. Ihr nach einem Unfall ein leicht entstelltes Gesicht kaschiert sie geschickt mit einer Brille. Sie ist verwitwet und Inhaberin des Obst- und Gemüseladens am Waldrand von Maulheim, einer fiktiven schwäbischen Gemeinde. Der friedliche Ort am Fusse der Berge ist nicht so beschaulich wie es den Anschein macht. Martina Brandl erzählt in diesem Roman, was für Konsequenzen Frau Jasmin auslöst, weil sie an einem Morgen ihren Laden zehn Minuten später als üblich aufschliesst.
Die Obst- und Gemüsekennerin Jasmin verkauft keine Ware ohne sich vorher beim Kunden zu erkundigen, wann er die Produkte verspeisen will und sucht dementsprechend Exemplare aus, die genau zu diesem Zeitpunkt den perfekten Reifegrad aufweisen. Auch mündliche Rezeptvorschläge gehören zu ihrem Service. Ihre Produkte kauft sie jeweils frühmorgens auf dem Grossmarkt. Alles ist frisch und deswegen toleriert sie auch keine Kundenhände, die ihre Früchte und Salate betatschen. Denn schliesslich weiss längst nicht jeder, dass Gemüse harmlos ist, aber Obst verschlagen.
So ganz im geheimen gibt Sieglinde Jasmin ihren Kunden Titulierungen aus der Pflanzenwelt. Frau Kohlrabi hat ein heiteres Gemüt mit friedvollem Kern, während dem Selleriekopf ein käsiges rundes Gesicht mit Falten und Aknenarben eigen ist. Unterstützung im Geschäft erhält die Obsthändlerin seit kurzem von Sebastian, der ihr im Lager hilft. Von ihrem Angestellten weiss sie nicht viel mehr, als dass er in seiner Freizeit botanische Experimente mit Kumquats und Brombeeren durchführt und eigens dafür ein kleines Gewächshaus gebaut hat. Sogenannte Bromquats sind das Ziel seiner Bemühungen. Frau Jasmin ahnt aber nicht, dass Sebastian noch aus einem ganz anderen Grund in Maulheim aufgetaucht ist und auf der Suche nach einem Familienerbstück ist.
Nun, die erwähnten zehn Minuten haben zur Folge, dass sich vor den Obst- und Gemüseauslagen Kunden und Kundinnen kennenlernen, die sich sonst nicht begegnet werden. Da trifft eine lange blonde Frau namens Yvonne, 28 Jahre alt und Literaturübersetzerin, auf einen Kunden, der von allen "Graf" genannt wird. Dieser lädt die kürzlich aus der Grossstadt Zugezogene spontan ein, sich einer sonst geschlossenen Gruppe anzuschliessen, die sich regelmässig zum Schlemmerzirkel trifft, in welchem eigentlich niemand besonders gut kochen kann.
Nicht nur im Laden wird Klatsch und Tratsch gepflegt. Auch bei morgendlichen Schwimmrunden werden Neuigkeiten ausgetauscht. Als der gepflegte Schwimmbadrasen plötzlich seltsame Löcher aufweist, wird das ausgiebig diskutiert und was hat es mit einer wertvollen alten Spieluhr, einem Erbstück mit edelsteinverziertem Deckel und Engelsfigur der Familie Coburg, auf sich?
Die Geschichte wird von einer Fremden in der Ichform erzählt. Diese gibt sich als Kunstkennerin aus und unterbricht den Text immer wieder, um den Leser direkt anzusprechen.
Martina Brandl:
Schwarze Orangen
Scherz Verlag, 2011
Die Obst- und Gemüsekennerin Jasmin verkauft keine Ware ohne sich vorher beim Kunden zu erkundigen, wann er die Produkte verspeisen will und sucht dementsprechend Exemplare aus, die genau zu diesem Zeitpunkt den perfekten Reifegrad aufweisen. Auch mündliche Rezeptvorschläge gehören zu ihrem Service. Ihre Produkte kauft sie jeweils frühmorgens auf dem Grossmarkt. Alles ist frisch und deswegen toleriert sie auch keine Kundenhände, die ihre Früchte und Salate betatschen. Denn schliesslich weiss längst nicht jeder, dass Gemüse harmlos ist, aber Obst verschlagen.
So ganz im geheimen gibt Sieglinde Jasmin ihren Kunden Titulierungen aus der Pflanzenwelt. Frau Kohlrabi hat ein heiteres Gemüt mit friedvollem Kern, während dem Selleriekopf ein käsiges rundes Gesicht mit Falten und Aknenarben eigen ist. Unterstützung im Geschäft erhält die Obsthändlerin seit kurzem von Sebastian, der ihr im Lager hilft. Von ihrem Angestellten weiss sie nicht viel mehr, als dass er in seiner Freizeit botanische Experimente mit Kumquats und Brombeeren durchführt und eigens dafür ein kleines Gewächshaus gebaut hat. Sogenannte Bromquats sind das Ziel seiner Bemühungen. Frau Jasmin ahnt aber nicht, dass Sebastian noch aus einem ganz anderen Grund in Maulheim aufgetaucht ist und auf der Suche nach einem Familienerbstück ist.
Nun, die erwähnten zehn Minuten haben zur Folge, dass sich vor den Obst- und Gemüseauslagen Kunden und Kundinnen kennenlernen, die sich sonst nicht begegnet werden. Da trifft eine lange blonde Frau namens Yvonne, 28 Jahre alt und Literaturübersetzerin, auf einen Kunden, der von allen "Graf" genannt wird. Dieser lädt die kürzlich aus der Grossstadt Zugezogene spontan ein, sich einer sonst geschlossenen Gruppe anzuschliessen, die sich regelmässig zum Schlemmerzirkel trifft, in welchem eigentlich niemand besonders gut kochen kann.
Nicht nur im Laden wird Klatsch und Tratsch gepflegt. Auch bei morgendlichen Schwimmrunden werden Neuigkeiten ausgetauscht. Als der gepflegte Schwimmbadrasen plötzlich seltsame Löcher aufweist, wird das ausgiebig diskutiert und was hat es mit einer wertvollen alten Spieluhr, einem Erbstück mit edelsteinverziertem Deckel und Engelsfigur der Familie Coburg, auf sich?
Die Geschichte wird von einer Fremden in der Ichform erzählt. Diese gibt sich als Kunstkennerin aus und unterbricht den Text immer wieder, um den Leser direkt anzusprechen.
Martina Brandl:
Schwarze Orangen
Scherz Verlag, 2011
25. November 2013
Magnus Florin: Der Garten
„Der Garten“ erzählt gemäss Angaben auf der Umschlagsrückseite (Zitat) „die fiktive Geschichte von Carl von Linneus, der sich in seinem berühmten Garten mit dem Gärtner auseinandersetzt, mit Pflanzen und ihrer Bestimmung, mit Zauberei, einem Uhrmacher, seinen Schülern und einem Verbrechen in der Nachbarschaft“. Dabei korrespondiert der Text immer wieder mit dem Lebenslauf des Botanikers, ist aber keine Biografie sondern (Zitat) „ein Flechtwerk lustvoller Phantasien, die auf kunstvolle Weise den Forscher neu erfinden“.
Diese knapp hundert Seiten umfassende Erzählung ist keine einfache Lektüre, in die man schnell und tief eintauchen kann, sondern sie besteht aus vielen Fragmenten, kurzen Absätzen, deren Zusammenhänge sich dem Leser nicht immer gleich auftun. Ich empfehle, zunächst das Nachwort des Übersetzers Bendedikt Grabinski im Anschluss an die Lektüre zu lesen.
Das Buch zeigt die verschiedenen Facetten des Botanikers, dessen Interesse an Pflanzen bereits in der Kindheit geweckt wurde. Linné sah sich als Auserwählter Gottes, in dessen Auftrag er die Schöpfung zu ordnen und zu benennen hat und er hat dies mit der Einführung der Nomenklatur umgesetzt. Der Charakterkopf möchte seinen Geschwistern den Lebensweg vorschreiben, was aber nicht gut an- und herauskommt. Man lernt den berühmten Mann aber auch kennen, wie er sich mit seinem Freund austauscht, lacht, singt und trinkt.
Laufend tauscht er sich mit seinem Gärtner aus und es ist immer wieder die Rede von Todesfällen unter seinen Jüngern; jungen Männern, die in seinem Auftrag die Welt bereisen, um Pflanzen zu sammeln. Eher kurios ist das Missverständnis rund um den Vorfall der Cochenilleschildläuse, die extra auf Feigenkakteen aus Surinam importiert worden sind. Der Gärtner hat die Sendung in Empfang genommen, die Verunreinigungen entdeckt und in pflichtbewusstem Eifer vernichtet…
Immer wieder werden Linnés Kompetenzen auf die Probe gestellt. Etwa wenn er Pakete mit seltsamen Gewächsen erhält, die er bestimmen soll. Oft handelt es sich dabei um Fälschungen wie die mit Kartoffelkleister zusammengeschusterte Kreation aus Rose, Lilie und Hanf. Doch auch Linné selber bewegt sich in Grauzonen. Er soll selber unter falschem Namen eine positive Rezension für eines seiner Werke in einer Hamburger Zeitschrift veröffentlicht haben und er erzählt seinen Studenten von gefährlichen Exkursionen, die gar nie stattgefunden haben.
Variationen sind unwesentliche Abweichungen und Linnés Studenten ist es verboten, sich mit Abweichungen zu beschäftigen. Schliesslich muss irgendwo eine Grenze gezogen werden zwischen einem festen System und launenhaften Veränderungen. Dichtung oder Wahrheit? Wie oben bereits erwähnt, ist es auch in der Lektüre nicht einfach, die Grenzen nachzuvollziehen.
Dieses Büchlein ist bereits 1995 in der schwedischen Originalsprache erschienen und mit dem höchsten Literaturpreis Schwedens ausgezeichnet worden.
Magnus Florin:
Der Garten
Edition Rugerup
Diese knapp hundert Seiten umfassende Erzählung ist keine einfache Lektüre, in die man schnell und tief eintauchen kann, sondern sie besteht aus vielen Fragmenten, kurzen Absätzen, deren Zusammenhänge sich dem Leser nicht immer gleich auftun. Ich empfehle, zunächst das Nachwort des Übersetzers Bendedikt Grabinski im Anschluss an die Lektüre zu lesen.
Das Buch zeigt die verschiedenen Facetten des Botanikers, dessen Interesse an Pflanzen bereits in der Kindheit geweckt wurde. Linné sah sich als Auserwählter Gottes, in dessen Auftrag er die Schöpfung zu ordnen und zu benennen hat und er hat dies mit der Einführung der Nomenklatur umgesetzt. Der Charakterkopf möchte seinen Geschwistern den Lebensweg vorschreiben, was aber nicht gut an- und herauskommt. Man lernt den berühmten Mann aber auch kennen, wie er sich mit seinem Freund austauscht, lacht, singt und trinkt.
Laufend tauscht er sich mit seinem Gärtner aus und es ist immer wieder die Rede von Todesfällen unter seinen Jüngern; jungen Männern, die in seinem Auftrag die Welt bereisen, um Pflanzen zu sammeln. Eher kurios ist das Missverständnis rund um den Vorfall der Cochenilleschildläuse, die extra auf Feigenkakteen aus Surinam importiert worden sind. Der Gärtner hat die Sendung in Empfang genommen, die Verunreinigungen entdeckt und in pflichtbewusstem Eifer vernichtet…
Immer wieder werden Linnés Kompetenzen auf die Probe gestellt. Etwa wenn er Pakete mit seltsamen Gewächsen erhält, die er bestimmen soll. Oft handelt es sich dabei um Fälschungen wie die mit Kartoffelkleister zusammengeschusterte Kreation aus Rose, Lilie und Hanf. Doch auch Linné selber bewegt sich in Grauzonen. Er soll selber unter falschem Namen eine positive Rezension für eines seiner Werke in einer Hamburger Zeitschrift veröffentlicht haben und er erzählt seinen Studenten von gefährlichen Exkursionen, die gar nie stattgefunden haben.
Variationen sind unwesentliche Abweichungen und Linnés Studenten ist es verboten, sich mit Abweichungen zu beschäftigen. Schliesslich muss irgendwo eine Grenze gezogen werden zwischen einem festen System und launenhaften Veränderungen. Dichtung oder Wahrheit? Wie oben bereits erwähnt, ist es auch in der Lektüre nicht einfach, die Grenzen nachzuvollziehen.
Dieses Büchlein ist bereits 1995 in der schwedischen Originalsprache erschienen und mit dem höchsten Literaturpreis Schwedens ausgezeichnet worden.
Magnus Florin:
Der Garten
Edition Rugerup
21. November 2013
Katrin Burseg: Der Sternengarten
Das Jahr 1640 ist prägend für die zwölfjährige Sophie. Erst stirbt die Mutter bei der Geburt ihrer Schwester, und dann kehren ihr Zwillingsbruder Christian und ihr Vater von einem Treiben gemästeter Ochsen von Jütland nach Schleswig nicht zurück und bleiben verschollen. Dem Mädchen bleibt nichts anderes übrig, als die kleine Schwester bei deren Amme, der Kräuterfrau Johanna, zurückzulassen und in den Gärten des herzoglichen Hofs von Gottorf bei Schleswig Arbeit zu suchen.
Ihren langen Zopf schneidet Sophie ab und lässt ihn der kleinen Schwester als Erinnerung zurück. Weil sie die Kleider ihres geliebten Bruders trägt, hält man sie für einen Jungen, und sie hält ihre Täuschung jahrelang aufrecht und lässt sich Sophian nennen. Nicht einmal ihr bester Freund, der junge Perser Farid - ein „Mitbringsel“ der letzten fürstlichen Expedition in den Orient - ahnt, dass es sich bei Sophian in Wirklichkeit um ein Mädchen namens Sophie handelt.
Christian hat als einziger das Gemetzel an den Ochsentreibern überlebt. Er weiss, wer dafür verantwortlich ist kann dies auch beweisen. Doch statt nach Schleswig zurückzukehren, kümmert er sich weiter um die Ochsen und wartet jahrelang auf die richtige Gelegenheit, seinen Vater zu rächen. Gleichzeitig sucht er immer wieder Trost im Alkohol und badet in Hass.
Derweilen erhält Sophie erhält die Gelegenheit, eine Lehre in den Gärten zu machen. Der Hofgelehrte Olearius und seine Frau nehmen sie auf und sie wird als Gartenelevin vom Gartenmeister Friedrichs in die Gartenkunst eingeführt, der seinerseits sein Handwerk in Italien gelernt hat und in den neuen Gärten („Neue Werk“) seine ehrgeizigen Pläne verwirklichen will. Zu diesen gehören neben Wasserspielen und Statuen das Testen von neuen Anbaumethoden, denn exotische Pflanzen sollen auch im Norden gedeihen.
Das Schicksal der Geschwister Sophie und Christian bleibt trotz Trennung eng miteinander verknüpft und mit dem gewissenlosen und brutalen Ritter Rantzau verbunden. Der spannende Roman handelt nicht nur von Intrigen und Machtpolitik, sondern gibt einen ausführlichen Einblick sowohl in die Entstehung des ersten Gartens im italienischen Stil nördlich der Alpen als auch des begehbaren Gottorfer Globus im dortigen Lusthaus.
Die Autorin verwebt das Schicksal von historisch bekannten Personen mit demjenigen von fiktiven Romanfiguren und die Leserin verfolgt, wie aus dem Gartenlehrling Sophian schliesslich eine Blumenmalerin wird, die am „Gottorfer Codex“ mitarbeitet. Ob, wie und wo die dannzumal imposanten Bauten die letzten Jahrhunderte überstanden haben, lässt sich unter den Anmerkungen am Ende des Buches nachlesen.
Katrin Burseg:
Der Sternengarten
Berlin Verlag, 2013
Ihren langen Zopf schneidet Sophie ab und lässt ihn der kleinen Schwester als Erinnerung zurück. Weil sie die Kleider ihres geliebten Bruders trägt, hält man sie für einen Jungen, und sie hält ihre Täuschung jahrelang aufrecht und lässt sich Sophian nennen. Nicht einmal ihr bester Freund, der junge Perser Farid - ein „Mitbringsel“ der letzten fürstlichen Expedition in den Orient - ahnt, dass es sich bei Sophian in Wirklichkeit um ein Mädchen namens Sophie handelt.
Christian hat als einziger das Gemetzel an den Ochsentreibern überlebt. Er weiss, wer dafür verantwortlich ist kann dies auch beweisen. Doch statt nach Schleswig zurückzukehren, kümmert er sich weiter um die Ochsen und wartet jahrelang auf die richtige Gelegenheit, seinen Vater zu rächen. Gleichzeitig sucht er immer wieder Trost im Alkohol und badet in Hass.
Derweilen erhält Sophie erhält die Gelegenheit, eine Lehre in den Gärten zu machen. Der Hofgelehrte Olearius und seine Frau nehmen sie auf und sie wird als Gartenelevin vom Gartenmeister Friedrichs in die Gartenkunst eingeführt, der seinerseits sein Handwerk in Italien gelernt hat und in den neuen Gärten („Neue Werk“) seine ehrgeizigen Pläne verwirklichen will. Zu diesen gehören neben Wasserspielen und Statuen das Testen von neuen Anbaumethoden, denn exotische Pflanzen sollen auch im Norden gedeihen.
Das Schicksal der Geschwister Sophie und Christian bleibt trotz Trennung eng miteinander verknüpft und mit dem gewissenlosen und brutalen Ritter Rantzau verbunden. Der spannende Roman handelt nicht nur von Intrigen und Machtpolitik, sondern gibt einen ausführlichen Einblick sowohl in die Entstehung des ersten Gartens im italienischen Stil nördlich der Alpen als auch des begehbaren Gottorfer Globus im dortigen Lusthaus.
Die Autorin verwebt das Schicksal von historisch bekannten Personen mit demjenigen von fiktiven Romanfiguren und die Leserin verfolgt, wie aus dem Gartenlehrling Sophian schliesslich eine Blumenmalerin wird, die am „Gottorfer Codex“ mitarbeitet. Ob, wie und wo die dannzumal imposanten Bauten die letzten Jahrhunderte überstanden haben, lässt sich unter den Anmerkungen am Ende des Buches nachlesen.
Katrin Burseg:
Der Sternengarten
Berlin Verlag, 2013
17. November 2013
Renate Hücking: Mit Goethe im Garten
Welcher literarisch interessierte Gärtner würde eine Einladung zum Gartenspaziergang mit Johann Wolfgang von Goethe ablehnen? Zeit seines Lebens (1749 bis 1832) hat sich der Dichter und Gartenfreund intensiv mit den Wundern der Natur auseinandergesetzt – als Gärtner, als Dichter und als Botaniker. Die drei „G“ – Goethe, Ginkgo und Gärten - können als Einheit betrachtet werden. Renate Hücking hat die grünen Seiten aus Goethes Biografie zusammengetragen und unter dem Titel „Mit Goethe im Garten“ veröffentlicht.
Zwar verfügte sein Frankfurter Elternhaus über keinen Garten, doch der Knabe Johann Wolfgang konnte aus der Wohnung eine grosse Fläche von Nachbarsgärten überblicken und erste praktische gärtnerische Erfahrungen vermittelte ihm der Grossvater. Gemäss seinem Tagebucheintrag hat er als 27jähriger Mann seinen (ersten) Garten in Besitz genommen. Als Gärtner war Goethe ständig hinter Neuheiten her und hätte am liebsten jede Einführung selber ausprobiert, was die beschränkten Platzverhältnisse aber verhinderten. Er hatte aber genügend Platz, seine eigenen Gestaltungsideen umzusetzen, und experimentierte mit Ditpam und Lupe, und schaffte es, die Pflanzen zu entflammen (mich würden meine Exemplare reuen…). Aus seinen Tagebüchern ist weiter ersichtlich, dass er häufig in fremden Gärten zu Besuch war, sich mit dem englischen Gartenstil auseinandersetzte und auch sein langer Italien-Aufenthalt hat ihn geprägt.
Mit seiner langjährigen Gefährtin und Ehefrau Christiane Vulpius hat er einen intensiven Briefwechsel geführt, in dem hortikulturelle Themen einen wichtigen Platz eingenommen haben. Da zweifelt etwa die versierte Gärtnerin am Erfolg der Gurkenanpflanzung oder ist betrübt über den Misserfolg mit den Bohnen und beklagt sich über gefrässige Schnecken. Und sie hofft, der Gatte komme bald heim, und könne die schönen Levkojen auch selber noch bewundern. Der anspruchsvolle Goethe wiederum will auch auswärts nicht auf die gute heimische Küche verzichten und bittet schriftlich um Spargel oder andere Köstlichkeiten oder er gibt seiner Partnerin Hinweise zu Pflege und Aussaat von Pflanzen, die er ihr hat zukommen lassen.
Der Leser erfährt, welche Pflanzen damals gerade Mode waren und dass sich die Autorin selber hat inspirieren lassen, aus Goldlack, Aurikeln, Nelken und Pompondahlien ein Goethe-Beet anzulegen. Zwischen das grüne Wissen eingestreut sind immer wieder beliebte Rezepte aus der Goethe-Küche wie Eierkuchen, Laubfrösche aus Mangold und eine Thüringer Kartoffeltorte mit sage und schreibe 18 Eiern. Gelernt habe ich während der Lektüre, dass die Rapontika, mir bekannt als zweijährige Nachtkerze (Oenothera biennis), die hier fast an jeder Strassenecke wild wachsend mit ihren Blüten erfreut, als Gemüse verwendet werden kann. Die Wurzeln sind zwar mühsam zu reinigen, sollen aber gut schmecken.
Der Garten ist für den rastlosen und vielseitig interessierten Goethe ein Rückzugsort, um abzuschalten und sich von seinem Amt und vom Hofleben abzugrenzen. Hier erfreut er sich nicht nur an seinen geliebten Rosen, wenn sie wieder bis unters Dach wachsen, hier beschäftigt er sich auch mit der Möglichkeit einer „Urpflanze“ und dem Bauplan der Pflanzen. Sein letztes Studienobjekt war die heute verpönte Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), auch Riesenbärenklau genannt, für die er wie bereits hier erwähnt eigens ein Podest errichten liess. Viele Themen werde gestreift und der Einblick in den grünen Goethe wäre nicht vollständig mit Hinweisen auf seine umfangreiche Kunst- und Naturaliensammlung und sein Werk über die Farbenlehre.
Dieses Publikation ist verschwenderisch illustriert mit vielen Fotos von Marion Nickig, aber auch mit Scherenschnitten, Gemälden, Zeichnungen und eindrücklichen Silhouetten. Im Anhang findet sich ein ausführlicher Service-Teil mit den wichtigsten Lebensdaten von Johann Wolfgang von Goethe, Hinweisen zu sehenswerten historischen Gärten in und um Weimar, einem Verzeichnis für weiterführende Literatur, ein Pflanzen- und Personenregister und andere Informationen mehr. Ein hortikulturelles Goethe-Potpourri, in dem der Buchgärtner und die Buchgärtnerin immer wieder gerne schmökern wird.
Renate Hücking:
Mit Goethe im Garten
Callwey Verlag, 2013
Zwar verfügte sein Frankfurter Elternhaus über keinen Garten, doch der Knabe Johann Wolfgang konnte aus der Wohnung eine grosse Fläche von Nachbarsgärten überblicken und erste praktische gärtnerische Erfahrungen vermittelte ihm der Grossvater. Gemäss seinem Tagebucheintrag hat er als 27jähriger Mann seinen (ersten) Garten in Besitz genommen. Als Gärtner war Goethe ständig hinter Neuheiten her und hätte am liebsten jede Einführung selber ausprobiert, was die beschränkten Platzverhältnisse aber verhinderten. Er hatte aber genügend Platz, seine eigenen Gestaltungsideen umzusetzen, und experimentierte mit Ditpam und Lupe, und schaffte es, die Pflanzen zu entflammen (mich würden meine Exemplare reuen…). Aus seinen Tagebüchern ist weiter ersichtlich, dass er häufig in fremden Gärten zu Besuch war, sich mit dem englischen Gartenstil auseinandersetzte und auch sein langer Italien-Aufenthalt hat ihn geprägt.
Mit seiner langjährigen Gefährtin und Ehefrau Christiane Vulpius hat er einen intensiven Briefwechsel geführt, in dem hortikulturelle Themen einen wichtigen Platz eingenommen haben. Da zweifelt etwa die versierte Gärtnerin am Erfolg der Gurkenanpflanzung oder ist betrübt über den Misserfolg mit den Bohnen und beklagt sich über gefrässige Schnecken. Und sie hofft, der Gatte komme bald heim, und könne die schönen Levkojen auch selber noch bewundern. Der anspruchsvolle Goethe wiederum will auch auswärts nicht auf die gute heimische Küche verzichten und bittet schriftlich um Spargel oder andere Köstlichkeiten oder er gibt seiner Partnerin Hinweise zu Pflege und Aussaat von Pflanzen, die er ihr hat zukommen lassen.
Der Leser erfährt, welche Pflanzen damals gerade Mode waren und dass sich die Autorin selber hat inspirieren lassen, aus Goldlack, Aurikeln, Nelken und Pompondahlien ein Goethe-Beet anzulegen. Zwischen das grüne Wissen eingestreut sind immer wieder beliebte Rezepte aus der Goethe-Küche wie Eierkuchen, Laubfrösche aus Mangold und eine Thüringer Kartoffeltorte mit sage und schreibe 18 Eiern. Gelernt habe ich während der Lektüre, dass die Rapontika, mir bekannt als zweijährige Nachtkerze (Oenothera biennis), die hier fast an jeder Strassenecke wild wachsend mit ihren Blüten erfreut, als Gemüse verwendet werden kann. Die Wurzeln sind zwar mühsam zu reinigen, sollen aber gut schmecken.
Der Garten ist für den rastlosen und vielseitig interessierten Goethe ein Rückzugsort, um abzuschalten und sich von seinem Amt und vom Hofleben abzugrenzen. Hier erfreut er sich nicht nur an seinen geliebten Rosen, wenn sie wieder bis unters Dach wachsen, hier beschäftigt er sich auch mit der Möglichkeit einer „Urpflanze“ und dem Bauplan der Pflanzen. Sein letztes Studienobjekt war die heute verpönte Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), auch Riesenbärenklau genannt, für die er wie bereits hier erwähnt eigens ein Podest errichten liess. Viele Themen werde gestreift und der Einblick in den grünen Goethe wäre nicht vollständig mit Hinweisen auf seine umfangreiche Kunst- und Naturaliensammlung und sein Werk über die Farbenlehre.
Dieses Publikation ist verschwenderisch illustriert mit vielen Fotos von Marion Nickig, aber auch mit Scherenschnitten, Gemälden, Zeichnungen und eindrücklichen Silhouetten. Im Anhang findet sich ein ausführlicher Service-Teil mit den wichtigsten Lebensdaten von Johann Wolfgang von Goethe, Hinweisen zu sehenswerten historischen Gärten in und um Weimar, einem Verzeichnis für weiterführende Literatur, ein Pflanzen- und Personenregister und andere Informationen mehr. Ein hortikulturelles Goethe-Potpourri, in dem der Buchgärtner und die Buchgärtnerin immer wieder gerne schmökern wird.
Renate Hücking:
Mit Goethe im Garten
Callwey Verlag, 2013
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