In einem lombardischen Bergdorf wohnt die über achtzigjährige Quirina. Seit vielen Jahren ist sie verwitwet und lebt allein. Und zwar gar nicht ungern, weil so Kompromisse und Streitigkeiten auf ein Minimum reduziert sind. Sie liebt das Lösen von Kreuzworträtseln und pflegt täglich ihren Garten. Wenige Nutzpflanzen wie Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Tomaten und Basilikum haben hier ihren Platz neben vielen Blumen und Blütensträuchern wie Zinnien, Pfingstrosen und Hortensien und in der Mitte des Rasens steht ein hundertjähriger Birnbaum.
Quirinas Alltag ist geprägt von langweiligen (aber das weiss sie noch gar nicht) Ritualen und langjährigen Gewohnheiten. Zu diesen gehört auch der morgendliche Kontrollgang durch den Garten. Hat der nächtliche Wind eine unerwartete Störung verursacht? Ordnung ist schliesslich ein Zeichen von geistig-moralischer Disziplin und hat nach Quirinas Meinung auch im Garten ihre Richtigkeit.
Die sparsame Dame empfindet bereits vom Birnbaum auf den Rasen heruntergefallene Blätter als persönlichen Affront und so verwundert sich die Leserin keinen Moment über Quirinas heftige Reaktion auf das plötzliche Erscheinen von kleinen Hügeln auf der gepflegten Grünfläche, die sich in der Folge jede Nacht vermehren. Umgehend soll wieder der "Vor-Maulwurf-Zustand" hergestellt werden. Doch die Erreichung dieses Ziels entpuppt sich als sehr schwierig.
Tatkräftig unterstützt wird Quirina in ihren Maulwurf-Vergrämungsversuchen von ihrer Tochter Maria Piera, einer passionierten Botanikerin, die zwar hinreichend erprobt ist im Kampf gegen des Gärtners Feinde wie Schildläuse, Spinnmilben, Mehltau, Nacktschnecken und Blattwickler, mit Maulwürfen bis anhin aber keine persönlichen Konfrontationen hatte. Diese Wissenslücke füllt sie mit nächtelangen Internet-Recherchen, in denen sie über die verschiedenen Methoden liest, wie Maulwürfe aus dem Garten zu vertreiben sind. Verschiedene Tipps werden ausprobiert, wie etwa jenen, Knoblauchzehen in die Gänge zu streuen, die Bekämpfung mit Wasser, Lärm und Metallröhren und die Verwendung von Fallen. Alle diese Versuche haben eines gemeinsam – sie verfehlen ihren Zweck.
Man muss seinen Feind kennen. Wie und wo spielt der Maulwurf eine Rolle? Quirina beginnt sich intensiv mit Maulwürfen auseinanderzusetzen und so erfährt man nebenbei von einer Literaturbeilage „Der Maulwurf“ und dass diese Tier in einem Buch von John le Carré eine wichtige Funktion innehat, aber auch in etlichen anderen literarischen Druckerzeugnissen.
Der Kampf gegen den Maulwurf ist zwar nicht zu gewinnen, aber dafür andere wichtige Erkenntnisse. Auf dem Umschlagrücken des illustrierten Büchleins steht perfekt formuliert (Zitat): „Eine bezaubernde philosophische Fabel über den Feind, der uns am Leben hält, indem er uns vor Perfektion bewahrt“.
Ernesto Ferrero:
Die Geschichte von Quirina, dem Maulwurf und einem Garten in den Bergen
Verlag Antje Kunstmann, 2015
1. April 2015
20. März 2015
Robyn Carr: Liebeserwachen in Virgin River
Seit Studienabschluss hat die heute zweiunddreissigjährige Gilian Matlock für den gleichen Betrieb gearbeitet, zuletzt als Verantwortliche für die Unternehmungskommunikation. Auch dank ihrem unermüdlichen Arbeitseinsatz – wöchentliche Arbeitszeiten bis zu 80 Stunden sind die Regel - hat sich die IT-Firma ihres Mentors finanziell zu einer Goldgrube entwickelt und auch Gilians Bankkonto hat davon profitiert. Deshalb zieht es ihr völlig den Boden unter den Füssen weg, als sie wegen einer willkürlichen Anklage im Interesse des guten Rufes ihres Arbeitgebers von einem Tag auf den anderen ihren Arbeitsplatz räumen und sich für ein paar Monate freistellen lassen muss. Sie kann selber nicht begreifen, wie sie sich von einem Mann derart hat hinters Licht führen und ausnutzen lassen können.
Was soll ein Workaholic samt angekratztem Selbstbewusstsein mit dermassen viel freier Zeit anfangen? Gilian macht sich spontan auf nach Virgin River, das sie von einem früheren Urlaub kennt. Während einem Spaziergang entdeckt sie ein grosses leerstehendes viktorianisches Haus mit viel Umschwung, das sie an das kleine Häuschen ihrer Urgrossmutter erinnert, in dem sie aufgewachsen ist, und wo sie schon als kleines Mädchen ihre Aufgaben im Garten zu erledigen hatte. Da für die Immobilie noch kein Käufer gefunden werden konnte, kann sie diese für ein halbes Jahr mieten.
Die junge Frau fängt zunächst planlos an, den Garten vom Unkraut zu befreien. Das intensive Gärtnern lenkt Gilian davon ab, konkrete Zukunftspläne zu schmieden. Und plötzlich ist da der Wunsch, Gemüse und Salate anzupflanzen, die schon im Garten ihrer Nana gewachsen sind. So gründlich wie Gilian zu arbeiten pflegt, geht sie auch das "Projekt Garten an" und stellt gleich einen Helfer ein. Mit dessen Unterstützung lässt sie das Grundstück einzäunen, um Rehe fernzuhalten, und zwei Gewächshäuser aufstellen. Sie lässt mehr Land roden, um weitere Gemüsebeete anzulegen, den Boden untersuchen, kauft Anzuchterde und Samen. Und sie beginnt nicht nur Gemüse, sondern im übertragenen Sinn auch ihre Zukunft anzupflanzen.
In ihren Gärten gedeihen schon bald Mangold, Lauch, Gurken, Bohnen, Kürbisse, Tomaten und verschiedene Salate sowie Babymelonen, roter Rosenkohl, winzige Rote Beete und Mini-Auberginen. Die geerdete Gärtnerin fühlt sich wohler als je zuvor und beschliesst, einen professionellen Bioanbaubetrieb mit Spezialisierung auf exotische und alte Frucht- und Gemüsesorten auf die Beine zu stellen.
Nicht nur im Garten grünt und blüht es. Gilian lernt schon bald nach ihrer Ankunft in Virgin River den talentierten vierzigjährigen Maler Colin Riordan kennen. Der begeisterte Flieger, dessen vielversprechende Karriere als Hubschrauberpilot durch einen Absturz, den er nur mit viel Glück überlebt hat, ein abruptes Ende gefunden hat, wurde zwar von den Ärzten wieder zusammengeflickt, hat aber wegen einer kurzen Schmerzmittelabhängigkeit und illiegalem Medikamentenhandel keine Chance, in den USA wieder beruflich fliegen zu können. Er hat bereits ein Flugticket nach Afrika gekauft, wo er als Buschpilot Arbeit und als Maler interessante Motive zu finden hofft. Bis zu seiner fest geplanten Abreise im Herbst, lebt er in einer Hütte in Virgin River, um weiter zu gesunden und Tiere zu malen.
Die beiden in jüngster Zeit vom Leben enttäuschten Menschen scheinen für einander geschaffen, obwohl von Beginn an klar ist, dass mit dem Ende des Spätsommers ein jeder seine eigenen ursprünglichen Pläne durchziehen wird. Kann eine befristete Beziehung mit Verfalldatum funktionieren? Lassen sich das Leben und die Liebe so einfach planen?
Das Buch „Liebeserwachen in Virgin River“ ist Teil einer Serie. Da die Erzählung in sich abgeschlossen ist, kann sie aber gut nur für sich alleine gelesen werden. Die von Robyn Carr geschaffenen Charaktere sind allesamt sehr sympathisch und glaubwürdig, zuweilen allerdings schon fast zu perfekt. Gelegentliches Kopfschütteln hervorrufen allerdings Stellen wie jene, wo es heisst, eine Wohnfläche von 180 Quadratmeter für eine einzelne Person sei sehr wenig. Nichtsdestotrotz wieder einmal ein Buch, das bedenkenlos als Gartenroman empfohlen werden kann. Da übersieht die Sofagärtnerin doch grosszügig einzelne hortikulturelle Ungereimtheiten, wie etwa die Bezeichnung "Busch" für Hyazinthen.
Robyn Carr:
Liebeserwachen in Virgin River
Mira Taschenbuch, 2013
Was soll ein Workaholic samt angekratztem Selbstbewusstsein mit dermassen viel freier Zeit anfangen? Gilian macht sich spontan auf nach Virgin River, das sie von einem früheren Urlaub kennt. Während einem Spaziergang entdeckt sie ein grosses leerstehendes viktorianisches Haus mit viel Umschwung, das sie an das kleine Häuschen ihrer Urgrossmutter erinnert, in dem sie aufgewachsen ist, und wo sie schon als kleines Mädchen ihre Aufgaben im Garten zu erledigen hatte. Da für die Immobilie noch kein Käufer gefunden werden konnte, kann sie diese für ein halbes Jahr mieten.
Die junge Frau fängt zunächst planlos an, den Garten vom Unkraut zu befreien. Das intensive Gärtnern lenkt Gilian davon ab, konkrete Zukunftspläne zu schmieden. Und plötzlich ist da der Wunsch, Gemüse und Salate anzupflanzen, die schon im Garten ihrer Nana gewachsen sind. So gründlich wie Gilian zu arbeiten pflegt, geht sie auch das "Projekt Garten an" und stellt gleich einen Helfer ein. Mit dessen Unterstützung lässt sie das Grundstück einzäunen, um Rehe fernzuhalten, und zwei Gewächshäuser aufstellen. Sie lässt mehr Land roden, um weitere Gemüsebeete anzulegen, den Boden untersuchen, kauft Anzuchterde und Samen. Und sie beginnt nicht nur Gemüse, sondern im übertragenen Sinn auch ihre Zukunft anzupflanzen.
In ihren Gärten gedeihen schon bald Mangold, Lauch, Gurken, Bohnen, Kürbisse, Tomaten und verschiedene Salate sowie Babymelonen, roter Rosenkohl, winzige Rote Beete und Mini-Auberginen. Die geerdete Gärtnerin fühlt sich wohler als je zuvor und beschliesst, einen professionellen Bioanbaubetrieb mit Spezialisierung auf exotische und alte Frucht- und Gemüsesorten auf die Beine zu stellen.
Nicht nur im Garten grünt und blüht es. Gilian lernt schon bald nach ihrer Ankunft in Virgin River den talentierten vierzigjährigen Maler Colin Riordan kennen. Der begeisterte Flieger, dessen vielversprechende Karriere als Hubschrauberpilot durch einen Absturz, den er nur mit viel Glück überlebt hat, ein abruptes Ende gefunden hat, wurde zwar von den Ärzten wieder zusammengeflickt, hat aber wegen einer kurzen Schmerzmittelabhängigkeit und illiegalem Medikamentenhandel keine Chance, in den USA wieder beruflich fliegen zu können. Er hat bereits ein Flugticket nach Afrika gekauft, wo er als Buschpilot Arbeit und als Maler interessante Motive zu finden hofft. Bis zu seiner fest geplanten Abreise im Herbst, lebt er in einer Hütte in Virgin River, um weiter zu gesunden und Tiere zu malen.
Die beiden in jüngster Zeit vom Leben enttäuschten Menschen scheinen für einander geschaffen, obwohl von Beginn an klar ist, dass mit dem Ende des Spätsommers ein jeder seine eigenen ursprünglichen Pläne durchziehen wird. Kann eine befristete Beziehung mit Verfalldatum funktionieren? Lassen sich das Leben und die Liebe so einfach planen?
Das Buch „Liebeserwachen in Virgin River“ ist Teil einer Serie. Da die Erzählung in sich abgeschlossen ist, kann sie aber gut nur für sich alleine gelesen werden. Die von Robyn Carr geschaffenen Charaktere sind allesamt sehr sympathisch und glaubwürdig, zuweilen allerdings schon fast zu perfekt. Gelegentliches Kopfschütteln hervorrufen allerdings Stellen wie jene, wo es heisst, eine Wohnfläche von 180 Quadratmeter für eine einzelne Person sei sehr wenig. Nichtsdestotrotz wieder einmal ein Buch, das bedenkenlos als Gartenroman empfohlen werden kann. Da übersieht die Sofagärtnerin doch grosszügig einzelne hortikulturelle Ungereimtheiten, wie etwa die Bezeichnung "Busch" für Hyazinthen.
Robyn Carr:
Liebeserwachen in Virgin River
Mira Taschenbuch, 2013
10. März 2015
Joan Hessayon: Capel Bells
Ein vermeintlich lukrativer Auftrag führt die aus einfachen Verhältnissen stammende junge Floristin Charlotte Blair nach Capel Manor. Von diesem ersten Grossauftrag seit der Eröffnung ihres eigenen Geschäfts in London verspricht sie sich nicht weniger als den Einstieg in die „Upper Class“. Doch während Charlotte die grosszügigen Räume inspiziert, ihre Dekorationsideen formuliert und Pläne schmiedet, stirbt der betagte Gatte der etwaigen Auftraggeberin. So verliert Charlotte auf einen Schlag nicht nur ihr verheissungsvolles Mandat, sondern sie verbaut sich durch ihre nicht standesgemässe Reaktion auf die Annullierung gleichzeitig die Hoffnung auf einen Zugang zu attraktiven und einträglichen Folgeaufträgen.
Doch die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Charlotte gibt sich nicht so einfach geschlagen. Nachdem die Besitzerin von Capel Manor kurze Zeit später ebenfalls verstirbt, ergreift die junge Frau die Möglichkeit, das Anwesen für ein halbes Jahr zu mieten. Damit übernimmt sie grosse finanzielle Verpflichtungen, aber auch eine grosse Verantwortung, zu denen das Führen und Bezahlen des Personals gehört. Ihre eigenen liquiden Mittel sind sehr bescheiden, doch sie erhält Unterstützung vom langjährigen Familienfreund Vic. Nichtsdestotrotz hat sie sich mit dem Halbjahresvertrag eine riesige Bürde aufgehalst, um ihrem Ziel berühmt zu werden, einen Schritt näher zu kommen.
Rasch stellt Charlotte fest, dass der Chefgärtner von Capel Manor sein eigenes Ding durchzieht. Statt sich gemäss seinem Pflichtenheft um die Gärten zu kümmern, widmet er sich hauptsächlich der Zucht seiner Lieblingsblumen, den Fuchsien. Ignorierend, dass niemand der Herrschaften Gefallen, geschweige denn ein minimales Interesse an diesen Pflanzen hatte oder hat. Obwohl Charlotte bemerkt, dass sie vom Gärtner ganz offensichtlich betrogen wird, zieht sie keine Konsequenzen. Und während der Gärtner von einer perfekten Fuchsien-Züchtung träumt, nutzt er diese Schwäche schamlos aus.
Doch auch an anderen Fronten ziehen Gewitterwolken auf. Nicht nur bleiben Einladungen und Aufträge von Nachbarn aus, Vic und seine Freunde ziehen die gutgläubige Charlotte in illegale Geschäfte hinein, die nach dem Schneeballprinzip funktionieren. Mehr schlecht als recht beginnt das Blumengeschäft schliesslich aufzublühen. Aber Charlotte ist keine Geschäftsfrau, sondern eine Künstlerin, die mit Blumen Kunstwerke schafft und auch mit dem Zeichnungsstift umzugehen vermag. Und während ihre reiche Kundschaft ihre Rechnungen oft erst nach Wochen oder sogar Monaten bezahlt, muss sie Auslagen für Blumen, Vasen und Dekorationen sofort bar bezahlen, was ihre finanziellen Verhältnisse trotz steigenden Umsätzen nicht unbedingt verbessert.
Das Pech scheint an Charlotte zu kleben. Immer wieder werden Aufträge abgesagt, weil ihr etwa die Schuld angelastet wird, dass Anwesen jeweils unmittelbar nachdem sie von ihr dekoriert worden sind, ausgeraubt werden. Dann steht eines Tages unerwartet Matthew Warrender, der Erbe von Capel Manor, vor der Türe, der seit Jahren im fernen Osten lebt und nichts von der Vermietung seines Landsitzes weiss.
Warrender ist beeindruckt von Charlottes Hartnäckigkeit und ihrem Kampfgeist und verschafft ihr den Kontakt zu englischen Gartengrössen wie Gertrude Jeykyll und Edward Augustus Bowles. Als er von den krummen Geschäften von Vic erfährt, verlangt er von diesem, dass er alle Aktien zum Rückkauf anbietet. Doch da die Anleger bereits einmal eine hohe Dividende ausbezahlt erhalten haben, die mit nachfolgenden Investitionen finanziert worden ist, wittern sie einen Betrug und glauben, sie sollen um hohe künftige Erträge geprellt werden.
„Capel Bells“ ist eine etwas altmodisch anmutende Lektüre rund Blumen, Gärten und Verwirrungen in der Liebe, die sich (nicht nur) ausgezeichnet als Abwechslung zu Gesetzestexten und Verordnungen empfiehlt. Von Joan Hessayon habe ich schon früher einmal einen Roman vorgestellt: The Helmingham Rose.
Joan Hessayon:
Capel Bells
Corgi Books, 1995
Doch die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Charlotte gibt sich nicht so einfach geschlagen. Nachdem die Besitzerin von Capel Manor kurze Zeit später ebenfalls verstirbt, ergreift die junge Frau die Möglichkeit, das Anwesen für ein halbes Jahr zu mieten. Damit übernimmt sie grosse finanzielle Verpflichtungen, aber auch eine grosse Verantwortung, zu denen das Führen und Bezahlen des Personals gehört. Ihre eigenen liquiden Mittel sind sehr bescheiden, doch sie erhält Unterstützung vom langjährigen Familienfreund Vic. Nichtsdestotrotz hat sie sich mit dem Halbjahresvertrag eine riesige Bürde aufgehalst, um ihrem Ziel berühmt zu werden, einen Schritt näher zu kommen.
Rasch stellt Charlotte fest, dass der Chefgärtner von Capel Manor sein eigenes Ding durchzieht. Statt sich gemäss seinem Pflichtenheft um die Gärten zu kümmern, widmet er sich hauptsächlich der Zucht seiner Lieblingsblumen, den Fuchsien. Ignorierend, dass niemand der Herrschaften Gefallen, geschweige denn ein minimales Interesse an diesen Pflanzen hatte oder hat. Obwohl Charlotte bemerkt, dass sie vom Gärtner ganz offensichtlich betrogen wird, zieht sie keine Konsequenzen. Und während der Gärtner von einer perfekten Fuchsien-Züchtung träumt, nutzt er diese Schwäche schamlos aus.
Doch auch an anderen Fronten ziehen Gewitterwolken auf. Nicht nur bleiben Einladungen und Aufträge von Nachbarn aus, Vic und seine Freunde ziehen die gutgläubige Charlotte in illegale Geschäfte hinein, die nach dem Schneeballprinzip funktionieren. Mehr schlecht als recht beginnt das Blumengeschäft schliesslich aufzublühen. Aber Charlotte ist keine Geschäftsfrau, sondern eine Künstlerin, die mit Blumen Kunstwerke schafft und auch mit dem Zeichnungsstift umzugehen vermag. Und während ihre reiche Kundschaft ihre Rechnungen oft erst nach Wochen oder sogar Monaten bezahlt, muss sie Auslagen für Blumen, Vasen und Dekorationen sofort bar bezahlen, was ihre finanziellen Verhältnisse trotz steigenden Umsätzen nicht unbedingt verbessert.
Das Pech scheint an Charlotte zu kleben. Immer wieder werden Aufträge abgesagt, weil ihr etwa die Schuld angelastet wird, dass Anwesen jeweils unmittelbar nachdem sie von ihr dekoriert worden sind, ausgeraubt werden. Dann steht eines Tages unerwartet Matthew Warrender, der Erbe von Capel Manor, vor der Türe, der seit Jahren im fernen Osten lebt und nichts von der Vermietung seines Landsitzes weiss.
Warrender ist beeindruckt von Charlottes Hartnäckigkeit und ihrem Kampfgeist und verschafft ihr den Kontakt zu englischen Gartengrössen wie Gertrude Jeykyll und Edward Augustus Bowles. Als er von den krummen Geschäften von Vic erfährt, verlangt er von diesem, dass er alle Aktien zum Rückkauf anbietet. Doch da die Anleger bereits einmal eine hohe Dividende ausbezahlt erhalten haben, die mit nachfolgenden Investitionen finanziert worden ist, wittern sie einen Betrug und glauben, sie sollen um hohe künftige Erträge geprellt werden.
„Capel Bells“ ist eine etwas altmodisch anmutende Lektüre rund Blumen, Gärten und Verwirrungen in der Liebe, die sich (nicht nur) ausgezeichnet als Abwechslung zu Gesetzestexten und Verordnungen empfiehlt. Von Joan Hessayon habe ich schon früher einmal einen Roman vorgestellt: The Helmingham Rose.
Joan Hessayon:
Capel Bells
Corgi Books, 1995
1. März 2015
Teresa Simon: Die Frauen der Rosenvilla
Schokolade: ein Erzeugnis aus Kakao, Fett, Zucker und anderen Zutaten wie exotischen Früchten, Gewürzen oder auch mal Pilzen und Datteln. Kann sinnlich sein, dunkel, seidig, glatt, bitter, fremd, aber auch vertraut und vermittelt Glück, Vergnügen und Trost.
Rose: verholzender Strauch, zu dessen typischen Merkmalen Stacheln, Hagebutten und unpaarig gefiederte Blätter gehören.
Schokolade und Rosen sind die beiden Leidenschaften der zweiunddreissigjährigen Anna Kepler. Die Liebe zum wandelbaren Kakaoprodukt ist ihr bereits in die Wiege gelegt worden und die alleinstehende Erbin einer alten Schokoladendynastie hat in der Dresdner Altstadt gerade ihr zweites Geschäft eröffnet.
Ihre zweite Passion hängt ebenfalls mit der Familiengeschichte zusammen. Anna hat nämlich von ihrem verstobenen Grossvater die sogenannte Rosenvilla geerbt. Nachdem das lange vernachlässigte Gebäude umfassend renoviert und die junge Frau eingezogen ist, möchte sie nun den ehemaligen Rosengarten wieder neu anlegen und zum Blühen bringen. Wochenlang hat sie deshalb alte Bücher und aktuelle Kataloge studiert, Pläne gezeichnet, sich mit Chinarosen, Remontantrosen und Damaszenerrosen auseinandergesetzt und eine Auswahl getroffen, die nun zusammen mit einem Gärtner nach ihren Ideen eingepflanzt werden soll.
Beim Pflanzen von Rosa Gallica, Zentifolia, Rose de la Reine, Rose du Roi, Madame Hardy und Co. wird eine alte Schatulle freigelegt, zu deren Inhalt Haarsträhnen, Milchzähne, Samen, eine Mundharmonika, Briefe und viele dicht von Hand beschriebene Blätter unterschiedlicher Papierqualität gehören. Anna interessiert sich schon lange brennend für ihre Familiengeschichte. Ihre Eltern können oder wollen ihr aber nichts über die Vergangenheit erzählen, obwohl allen dreien klar ist, dass dort verschiedene Geheimnisse lauern.
Schnell stellt Anna fest, dass es sich bei den mit Sütterlin-Schrift beschriebenen Blättern um herausgerissene Seiten von Tagebüchern handelt. Nicht nur die ungewohnte Schrift ist eine Herausforderung – viele Seiten enthalten kein Datum, sind verschmiert, angenagt und sogar angebrannt. Anna sucht deshalb Hilfe bei ihrer Freundin Hanka, die versucht, die Blätter in eine logische Reihenfolge zu bringen. Schliesslich steht fest, dass in der Schatulle inkomplette Tagebucheinträge von drei Frauen versteckt sind.
Helen, Emma und Charlotte haben alle drei einst in der Rosenvilla gewohnt und früh ihre Mutter verloren. Die erfolgreiche Geschäftsfrau Anna taucht parallel zu ihrem anspruchsvollen Beruf immer tiefer in die Geschichte ihrer Familie ein und als sie in einem Café über ein paar Füsse stolpert, scheint sich auch für ihre private Zukunft ein neuer Weg aufzutun.
Der hortikulturelle Hintergrund dieser fesselnden Geschichte beschränkt sich nicht nur auf das Wiederanlegen des einst legendären Rosengartens und die wiederholte Erwähnung von alten Eichen, Obstbäumen und des Holzpavillons, welche der Anlage ihr unverwechselbares Gesicht geben. Helen, die erste Hausherrin der Rosenvilla, stammte aus einer Gärtnerei und war eine talentierte Blumenkünstlerin, die Rosen über alles geliebt hat. Sie hat nicht nur den ersten Rosengarten angelegt und dafür zunächst den zu sauren Boden mit Sand und Humus verbessern lassen, sie konnte auch gekonnte Zeichnungen ihrer Lieblingspflanzen, den Damaszenerrosen, oder von Alba, Blue Damask, Christata und La Negresse anfertigen.
Dieser gut durchdachte und strukturierte Roman wechselt laufend von einer Zeitebene in die andere und ganz nebenbei lernt die Leserin Dresden kennen und einiges über die Produktion von hochwertiger Schokolade. Der eine oder andere Zufall ist vielleicht etwas gar konstruiert. Vermisst habe ich einen Stammbaum, der es mir erleichtert hätte, die verschiedenen Namen und familiären Verbindungen schneller einzuprägen. Natürlich müsste es einer sein, der nicht gleich alle Rätsel, die am Ende des Buches gelüftet werden, vorweg auflöst.
Teresa Simon:
Die Frauen der Rosenvilla
Wilhelm Heyne Verlag, 2015
Rose: verholzender Strauch, zu dessen typischen Merkmalen Stacheln, Hagebutten und unpaarig gefiederte Blätter gehören.
Schokolade und Rosen sind die beiden Leidenschaften der zweiunddreissigjährigen Anna Kepler. Die Liebe zum wandelbaren Kakaoprodukt ist ihr bereits in die Wiege gelegt worden und die alleinstehende Erbin einer alten Schokoladendynastie hat in der Dresdner Altstadt gerade ihr zweites Geschäft eröffnet.
Ihre zweite Passion hängt ebenfalls mit der Familiengeschichte zusammen. Anna hat nämlich von ihrem verstobenen Grossvater die sogenannte Rosenvilla geerbt. Nachdem das lange vernachlässigte Gebäude umfassend renoviert und die junge Frau eingezogen ist, möchte sie nun den ehemaligen Rosengarten wieder neu anlegen und zum Blühen bringen. Wochenlang hat sie deshalb alte Bücher und aktuelle Kataloge studiert, Pläne gezeichnet, sich mit Chinarosen, Remontantrosen und Damaszenerrosen auseinandergesetzt und eine Auswahl getroffen, die nun zusammen mit einem Gärtner nach ihren Ideen eingepflanzt werden soll.
Beim Pflanzen von Rosa Gallica, Zentifolia, Rose de la Reine, Rose du Roi, Madame Hardy und Co. wird eine alte Schatulle freigelegt, zu deren Inhalt Haarsträhnen, Milchzähne, Samen, eine Mundharmonika, Briefe und viele dicht von Hand beschriebene Blätter unterschiedlicher Papierqualität gehören. Anna interessiert sich schon lange brennend für ihre Familiengeschichte. Ihre Eltern können oder wollen ihr aber nichts über die Vergangenheit erzählen, obwohl allen dreien klar ist, dass dort verschiedene Geheimnisse lauern.
Schnell stellt Anna fest, dass es sich bei den mit Sütterlin-Schrift beschriebenen Blättern um herausgerissene Seiten von Tagebüchern handelt. Nicht nur die ungewohnte Schrift ist eine Herausforderung – viele Seiten enthalten kein Datum, sind verschmiert, angenagt und sogar angebrannt. Anna sucht deshalb Hilfe bei ihrer Freundin Hanka, die versucht, die Blätter in eine logische Reihenfolge zu bringen. Schliesslich steht fest, dass in der Schatulle inkomplette Tagebucheinträge von drei Frauen versteckt sind.
Helen, Emma und Charlotte haben alle drei einst in der Rosenvilla gewohnt und früh ihre Mutter verloren. Die erfolgreiche Geschäftsfrau Anna taucht parallel zu ihrem anspruchsvollen Beruf immer tiefer in die Geschichte ihrer Familie ein und als sie in einem Café über ein paar Füsse stolpert, scheint sich auch für ihre private Zukunft ein neuer Weg aufzutun.
Der hortikulturelle Hintergrund dieser fesselnden Geschichte beschränkt sich nicht nur auf das Wiederanlegen des einst legendären Rosengartens und die wiederholte Erwähnung von alten Eichen, Obstbäumen und des Holzpavillons, welche der Anlage ihr unverwechselbares Gesicht geben. Helen, die erste Hausherrin der Rosenvilla, stammte aus einer Gärtnerei und war eine talentierte Blumenkünstlerin, die Rosen über alles geliebt hat. Sie hat nicht nur den ersten Rosengarten angelegt und dafür zunächst den zu sauren Boden mit Sand und Humus verbessern lassen, sie konnte auch gekonnte Zeichnungen ihrer Lieblingspflanzen, den Damaszenerrosen, oder von Alba, Blue Damask, Christata und La Negresse anfertigen.
Dieser gut durchdachte und strukturierte Roman wechselt laufend von einer Zeitebene in die andere und ganz nebenbei lernt die Leserin Dresden kennen und einiges über die Produktion von hochwertiger Schokolade. Der eine oder andere Zufall ist vielleicht etwas gar konstruiert. Vermisst habe ich einen Stammbaum, der es mir erleichtert hätte, die verschiedenen Namen und familiären Verbindungen schneller einzuprägen. Natürlich müsste es einer sein, der nicht gleich alle Rätsel, die am Ende des Buches gelüftet werden, vorweg auflöst.
Teresa Simon:
Die Frauen der Rosenvilla
Wilhelm Heyne Verlag, 2015
21. Februar 2015
... und wieder einmal andere zu Wort kommen lassen
Vor einiger Zeit hat eine Autorin eine meiner Buchvorstellungen auf Band gesprochen und ins Internet gestellt. Nun ist eine solche gleich in zwei Sprachen übersetzt worden. Kürzlich hat mich nämlich der italienische Journalist Tommaso Labranca angefragt, ob er meine Zeilen über das Buch "Tote Beete" von Harald Schneider auf Italienisch und Englisch übersetzen und in der allerersten Ausgabe 01/2015 des "EUROSWISSCULTURALMAGAZINE tipografiahelvetica" veröffentlichen darf.
Inzwischen habe ich meine Belegexemplare des grossformatigen Magazins erhalten und gleichzeitig die Erlaubnis, das entsprechende pdf mit meinem Blog zu verlinken, was ich hiermit gerne mache.
Dieser Link führt zur dreisprachigen Buchvorstellung und ein paar Worten über die Sofagärtnerin.
(Copyright by Tipografia Helvetica / Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vonTipografia Helvetica)
Inzwischen habe ich meine Belegexemplare des grossformatigen Magazins erhalten und gleichzeitig die Erlaubnis, das entsprechende pdf mit meinem Blog zu verlinken, was ich hiermit gerne mache.
Dieser Link führt zur dreisprachigen Buchvorstellung und ein paar Worten über die Sofagärtnerin.
(Copyright by Tipografia Helvetica / Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vonTipografia Helvetica)
15. Februar 2015
Zuletzt angesehen: The Kids Are all Right (DVD)
Zitat von der DVD-Hülle: „Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) leben den sonnigen Traum des klassischen Familienglücks im Süden Kaliforniens mit Häuschen und ihren zwei Kindern Joni und Laser. Als die beiden Teenager jedoch heimlich ihren biologischen Vater Paul (Mark Ruffalo), einen überaus charmanten und coolen Junggesellen ausfindig machen, gerät das traute Heim ins Wanken.
"The Kids Are All Right" kombiniert auf einzigartige Weise komödiantische Überraschungen mit packenden emotionalen Weisheiten und zeichnet mit den Oscar-nominierten Schauspielerinnen Annette Bening und Julianne Moore ein witziges tiefgehendes Portrait einer modernen Familie.“ (Ende Zitat)
Nicht erwähnt wird in dieser Beschreibung der hortikulturelle Hintergrund des Films. Auf den hat mich die Nachwuchs-Sofagärtnerin aufmerksam gemacht. Jules hat sich nämlich gerade als Landschaftsgärtnerin selbständig gemacht. Und obwohl sie mit ihrer Partnerin Nic vereinbart hat, dass die beiden den Samenspender Paul nicht in ihre Familie integrieren wollen, nimmt Jules dessen Angebot an, den Garten seines Restaurants umzugestalten. Bei diesen Begegnungen kommen sich die beiden näher und Paul verliebt sich in Jules.
Ein Problem mehr in dieser Familie. Nic hat Mühe mit dem bevorstehenden Auszug ihrer Tochter Joni, die in einer weit entfernten Stadt ein Studium anfängt. Laser umgibt nach Ansicht seiner Mütter mit dem falschen Kollegen (Paul findet das übrigens auch; und zwar bereits nach der ersten Begegnung) und Jules fühlt sich von Nic unverstanden und zu wenig unterstützt in ihren Bemühungen, beruflich auf eigenen Füssen zu stehen.
Der Film ist übrigens trotz englischem Titel deutsch gesprochen bzw. synchronisiert.
DVD The Kids Are All Right von Lisa Cholodenko
Universal, 2011
"The Kids Are All Right" kombiniert auf einzigartige Weise komödiantische Überraschungen mit packenden emotionalen Weisheiten und zeichnet mit den Oscar-nominierten Schauspielerinnen Annette Bening und Julianne Moore ein witziges tiefgehendes Portrait einer modernen Familie.“ (Ende Zitat)
Nicht erwähnt wird in dieser Beschreibung der hortikulturelle Hintergrund des Films. Auf den hat mich die Nachwuchs-Sofagärtnerin aufmerksam gemacht. Jules hat sich nämlich gerade als Landschaftsgärtnerin selbständig gemacht. Und obwohl sie mit ihrer Partnerin Nic vereinbart hat, dass die beiden den Samenspender Paul nicht in ihre Familie integrieren wollen, nimmt Jules dessen Angebot an, den Garten seines Restaurants umzugestalten. Bei diesen Begegnungen kommen sich die beiden näher und Paul verliebt sich in Jules.
Ein Problem mehr in dieser Familie. Nic hat Mühe mit dem bevorstehenden Auszug ihrer Tochter Joni, die in einer weit entfernten Stadt ein Studium anfängt. Laser umgibt nach Ansicht seiner Mütter mit dem falschen Kollegen (Paul findet das übrigens auch; und zwar bereits nach der ersten Begegnung) und Jules fühlt sich von Nic unverstanden und zu wenig unterstützt in ihren Bemühungen, beruflich auf eigenen Füssen zu stehen.
Der Film ist übrigens trotz englischem Titel deutsch gesprochen bzw. synchronisiert.
DVD The Kids Are All Right von Lisa Cholodenko
Universal, 2011
1. Februar 2015
Lena Klassen: Die Sehnsucht der Tulipane
Die gelernte Gärtnerin Janna und der Landschaftsarchitekt Ben bilden zusammen mit dem dreijährigen Nicki eine glückliche Familie. Bis zu dem Tag vor vier Jahren, an dem die Welt der Familie Steiner von einer Sekunde auf die andere auseinanderbricht, als der Vater seinen eigenen Sohn mit dem Auto überfährt und dieser nach ein paar Tagen seinen schweren Verletzungen erliegt. Die Ehe der Eltern zerbricht in der Folge an gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Nun arbeitet Janna als Verkäuferin an einem Blumenstand in einem Einkaufszentrum. Sie kapselt sich von der Umwelt ab und hat sich vorgenommen, nie mehr ihr Herz an etwas zu hängen. Sie erträgt nicht einmal mehr Topfpflanzen in ihrer spärlich eingerichteten Wohnung und gibt sich mit Origami-Blumen zufrieden, die keiner Pflege bedürfen und nicht verwelken. Hat sie früher mit Freude Staudenbeete gestaltet, ist heutzutage der halbe Quadratmeter auf dem Friedhof vor dem Grabstein, unter dem ihr Söhnchen begraben ist, ihr einziger Garten.
Die junge Frau hadert mit Gott, der nie ihre Fragen beantwortet oder sich rechtfertigt. Da tritt ein Engel namens Manuel in ihr Leben und lässt sich nicht abwimmeln von ihrer Verbitterung, Trauer und ihren Vorwürfen. Er kann Gedanken lesen, löst gerne Kreuzworträtsel und da er Janna schon längere Zeit ohne sich bemerkbar zu machen begleitet hat, ist er genau über ihre Gewohnheiten informiert. Zunächst ist Manuel nur für Janna sichtbar, was gelegentlich zu komischen Situationen führt. Die seltsam angezogene Figur kümmert sich um die trauernde Frau und verwöhnt sie mit gutem Essen und hat das erklärte Ziel, Janna zu überraschen, herauszufordern und zum Lachen zu bringen. Dabei muss er selber einiges einstecken, etwa ein blaues Veilchen der Blumenverkäuferin. Manuel stellt gleich zu Beginn klar, dass er keine Antworten anzubieten hat und Janna diese selber finden muss.
Eines Tages schenkt Manuel Janna ein paar Tulpenzwiebeln. Doch das Geschenk, das Arbeit und Verpflichtungen mit sich bringt, ist zunächst gar nicht willkommen. Janna lässt sich aber überzeugen, mit Manuel ihren lange vernachlässigten Schrebergarten, der in glücklichen Zeiten für zehn Jahre gepachtet worden ist, aufzusuchen, wo wie erwartet die Natur die Parzelle zurückerobert hat und das Unkraut kniehoch wuchert. Gemeinsam beginnen die beiden, Ordnung zu schaffen. Schafft es Janna, die Zwiebeln einzugraben und damit die Grundlagen für einen blühenden Frühling zu legen?
Eine ausserordentlich einfühlsam verfasste Erzählung, in der die Leserin Janna, die glaubt, kein Glück (mehr) zu verdienen, durch ihren schwierigen Trauerprozess begleitet. Angst, Trauer, Einsamkeit und Schuld sind ihre täglichen Begleiter. Zum Alltag nun aber auch der Engel Manuel, der ihr beizubringen versucht, dass Glück weder eine Belohnung noch ein Verdienst ist, der eingefordert werden kann, sondern ein Geschenk. Das Buch mit Kapiteln, die Titel tragen wie „Rosentage“, „Tulipan“ und „Der Garten“ ist nicht nur ein traurig-schönes Leseerlebnis, auch der Buchumschlag ist mit seinen orange-goldenen Tulpen und Buchstaben und leichtem Glitzer eine besondere Augenweide.
Lena Klassen:
Die Sehnsucht der Tulipane
adeo Verlag, 2014
Nun arbeitet Janna als Verkäuferin an einem Blumenstand in einem Einkaufszentrum. Sie kapselt sich von der Umwelt ab und hat sich vorgenommen, nie mehr ihr Herz an etwas zu hängen. Sie erträgt nicht einmal mehr Topfpflanzen in ihrer spärlich eingerichteten Wohnung und gibt sich mit Origami-Blumen zufrieden, die keiner Pflege bedürfen und nicht verwelken. Hat sie früher mit Freude Staudenbeete gestaltet, ist heutzutage der halbe Quadratmeter auf dem Friedhof vor dem Grabstein, unter dem ihr Söhnchen begraben ist, ihr einziger Garten.
Die junge Frau hadert mit Gott, der nie ihre Fragen beantwortet oder sich rechtfertigt. Da tritt ein Engel namens Manuel in ihr Leben und lässt sich nicht abwimmeln von ihrer Verbitterung, Trauer und ihren Vorwürfen. Er kann Gedanken lesen, löst gerne Kreuzworträtsel und da er Janna schon längere Zeit ohne sich bemerkbar zu machen begleitet hat, ist er genau über ihre Gewohnheiten informiert. Zunächst ist Manuel nur für Janna sichtbar, was gelegentlich zu komischen Situationen führt. Die seltsam angezogene Figur kümmert sich um die trauernde Frau und verwöhnt sie mit gutem Essen und hat das erklärte Ziel, Janna zu überraschen, herauszufordern und zum Lachen zu bringen. Dabei muss er selber einiges einstecken, etwa ein blaues Veilchen der Blumenverkäuferin. Manuel stellt gleich zu Beginn klar, dass er keine Antworten anzubieten hat und Janna diese selber finden muss.
Eines Tages schenkt Manuel Janna ein paar Tulpenzwiebeln. Doch das Geschenk, das Arbeit und Verpflichtungen mit sich bringt, ist zunächst gar nicht willkommen. Janna lässt sich aber überzeugen, mit Manuel ihren lange vernachlässigten Schrebergarten, der in glücklichen Zeiten für zehn Jahre gepachtet worden ist, aufzusuchen, wo wie erwartet die Natur die Parzelle zurückerobert hat und das Unkraut kniehoch wuchert. Gemeinsam beginnen die beiden, Ordnung zu schaffen. Schafft es Janna, die Zwiebeln einzugraben und damit die Grundlagen für einen blühenden Frühling zu legen?
Eine ausserordentlich einfühlsam verfasste Erzählung, in der die Leserin Janna, die glaubt, kein Glück (mehr) zu verdienen, durch ihren schwierigen Trauerprozess begleitet. Angst, Trauer, Einsamkeit und Schuld sind ihre täglichen Begleiter. Zum Alltag nun aber auch der Engel Manuel, der ihr beizubringen versucht, dass Glück weder eine Belohnung noch ein Verdienst ist, der eingefordert werden kann, sondern ein Geschenk. Das Buch mit Kapiteln, die Titel tragen wie „Rosentage“, „Tulipan“ und „Der Garten“ ist nicht nur ein traurig-schönes Leseerlebnis, auch der Buchumschlag ist mit seinen orange-goldenen Tulpen und Buchstaben und leichtem Glitzer eine besondere Augenweide.
Lena Klassen:
Die Sehnsucht der Tulipane
adeo Verlag, 2014
15. Januar 2015
Elisabeth Meyer-Renschhausen: Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City
Abseits der Shoppingmeilen und des Finanzdistrikts finden sich in New York Statteile, wo sich gewöhnlich keine Touristen hin verirren. Vernachlässigte, ihrem Schicksal überlassene Quartiere – von der Stadt aufgegeben, nicht einmal mehr die Müllabfuhr fährt hindurch. Für ihre 2004 in der Form der Reportage veröffentlichte Publikation „Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York“ hat Elisabeth Meyer-Renschhausen im Rahmen eines Stipendiums einen Sommer lang in der Grossstadt recherchiert.
Für meinen samstäglichen Schulweg wähle ich aktuell bevorzugt dünne, leichte Bücher, die zuvor jahrelang auf dem Regal Staub angesammelt haben. So habe ich diesen vor über acht Jahren gekauften Titel endlich gelesen und mich dabei oft gefragt, wie sich die erwähnten Gegenden heutzutage präsentieren. Die Zustände ein Jahrzehnt später sollen ja besser sein. Das Gartenjahr 2003 begann mit einem nasskalten Frühjahr. Zu Fuss, per Rad, mit dem Bus und per U-Bahn suchte die Autorin nach dem Grün zwischen dem Grau und lernte auf ihrer Tour spannende Menschen kennen, die sie der Leserin samt deren oft sehr schwierigen Lebensumständen näher bringt.
Urbane Gemeinschaftsgärten gehen auf die Initiative von Privatpersonen zurück. Die Beweggründe dafür sind vielfältig – die Umgebung verschönern, Gemüse anbauen, einen Rückzugsort schaffen sind einige davon. Das Engagement der Bewohner ist oft nicht kompatibel mit den Interessen der Stadt. Gleichzeitig bieten die grünen Oasen für viele Anwohner die einzige Möglichkeit, sich im Quartier frisches Obst und Gemüse zu besorgen. Da sie sich nämlich weder ein Velo, Bustickets geschweige denn ein Auto leisten können und in Laufnähe keine entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, ist es für sie praktisch unmöglich, sich gesund zu ernähren.
Vielen dieser notwendigerweise eingezäunten Gärten fehlt eine legale Grundlage und demzufolge hapert es auch an rechtlichen Abmachungen, die eine längerfristige Nutzung erlauben oder sogar garantieren. Ist aber in einer ehemals verslumten Umgebung dank dem Zusammenkommen und dem gemeinsamen Tun von Menschen mit unterschiedlichen Ethnien, Sprachen, Alter, Einkommen und Geschlecht eine zweckmässige und funktionierende Gemeinschaftsgartenanlage entstanden, verbessern sich die Lebensbedingungen. Die Gärten fördern den Kontakt unter Nachbarn, helfen gegen soziale Isolation und sowohl die Kriminalität und der Drogenhandel gehen nachweislich zurück. Leider führt der an sich positive Erfolg aber auch dazu, dass das ehemals völlig uninteressante und vernachlässigte Stadtgebiet in den Fokus von Bodenspekulanten gerät. Immer wieder werden solche Grünflächen praktisch über Nacht von Baggern der Erde gleichgemacht, um mit neuen Siedlungen überbaut zu werden.
Die Autorin berichtet von Gesprächen mit engagierten Personen, bei denen es sich selten um gelernte Gärtner handelt. Einige besuchten Kurse und geben ihr Wissen nun weiter. Wichtig ist zu wissen, wie die ausgelaugten Böden ohne Dünger fruchtbar gemacht werden können. Häufig ist die entmüllte Erde allerdings dermassen vergiftet, dass nur in Kastenbeeten gegärtnert werden kann. Die Rede ist auch von den New Yorker Garden Guerillas, den „Garden Angels“ und der „Königin des Komposts“ sowie von urbanen Bauernmärkten, wo einzelne der städtischen Gärtner ihr Frischgemüse zum Verkauf anbieten und sich somit ein kleines Einkommen verdienen. Steht eine Legalisierung zur Debatte, sind längst nicht immer alle Besetzer des entsprechenden Community Gardens damit einverstanden. Sei es aus prinzipiellen Gründen oder wegen der damit verbundenen Bürokratie und dem Mitspracherecht der entsprechenden Behörden.
Eine sehr interessante Lektüre. Vielleicht gibt es gelegentlich eine Fortsetzung zu diesem Thema? Oder vielleicht gibt es ja schon eine, von der ich nichts weiss. Mehr über das Buchthema zu lesen gibt es beim Googeln mit den Stichworten „New York und Community Gardens“ und hier gibt es ein Interview mit der Sängerin, Schauspielering und Komikerin Bette Middler, die in dieser urbanen Gartenszene – auch finanziell – stark involviert ist. Falls Sie demnächst einen New York-Trip geplant haben und sich den einen oder anderen Garten anschauen wollen, gibt es hier verschiedene entsprechende Stadtpläne.
Elisabeth Meyer-Renschhausen:
Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City
Ulrike Helmer Verlag, 2004
Für meinen samstäglichen Schulweg wähle ich aktuell bevorzugt dünne, leichte Bücher, die zuvor jahrelang auf dem Regal Staub angesammelt haben. So habe ich diesen vor über acht Jahren gekauften Titel endlich gelesen und mich dabei oft gefragt, wie sich die erwähnten Gegenden heutzutage präsentieren. Die Zustände ein Jahrzehnt später sollen ja besser sein. Das Gartenjahr 2003 begann mit einem nasskalten Frühjahr. Zu Fuss, per Rad, mit dem Bus und per U-Bahn suchte die Autorin nach dem Grün zwischen dem Grau und lernte auf ihrer Tour spannende Menschen kennen, die sie der Leserin samt deren oft sehr schwierigen Lebensumständen näher bringt.
Urbane Gemeinschaftsgärten gehen auf die Initiative von Privatpersonen zurück. Die Beweggründe dafür sind vielfältig – die Umgebung verschönern, Gemüse anbauen, einen Rückzugsort schaffen sind einige davon. Das Engagement der Bewohner ist oft nicht kompatibel mit den Interessen der Stadt. Gleichzeitig bieten die grünen Oasen für viele Anwohner die einzige Möglichkeit, sich im Quartier frisches Obst und Gemüse zu besorgen. Da sie sich nämlich weder ein Velo, Bustickets geschweige denn ein Auto leisten können und in Laufnähe keine entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, ist es für sie praktisch unmöglich, sich gesund zu ernähren.
Vielen dieser notwendigerweise eingezäunten Gärten fehlt eine legale Grundlage und demzufolge hapert es auch an rechtlichen Abmachungen, die eine längerfristige Nutzung erlauben oder sogar garantieren. Ist aber in einer ehemals verslumten Umgebung dank dem Zusammenkommen und dem gemeinsamen Tun von Menschen mit unterschiedlichen Ethnien, Sprachen, Alter, Einkommen und Geschlecht eine zweckmässige und funktionierende Gemeinschaftsgartenanlage entstanden, verbessern sich die Lebensbedingungen. Die Gärten fördern den Kontakt unter Nachbarn, helfen gegen soziale Isolation und sowohl die Kriminalität und der Drogenhandel gehen nachweislich zurück. Leider führt der an sich positive Erfolg aber auch dazu, dass das ehemals völlig uninteressante und vernachlässigte Stadtgebiet in den Fokus von Bodenspekulanten gerät. Immer wieder werden solche Grünflächen praktisch über Nacht von Baggern der Erde gleichgemacht, um mit neuen Siedlungen überbaut zu werden.
Die Autorin berichtet von Gesprächen mit engagierten Personen, bei denen es sich selten um gelernte Gärtner handelt. Einige besuchten Kurse und geben ihr Wissen nun weiter. Wichtig ist zu wissen, wie die ausgelaugten Böden ohne Dünger fruchtbar gemacht werden können. Häufig ist die entmüllte Erde allerdings dermassen vergiftet, dass nur in Kastenbeeten gegärtnert werden kann. Die Rede ist auch von den New Yorker Garden Guerillas, den „Garden Angels“ und der „Königin des Komposts“ sowie von urbanen Bauernmärkten, wo einzelne der städtischen Gärtner ihr Frischgemüse zum Verkauf anbieten und sich somit ein kleines Einkommen verdienen. Steht eine Legalisierung zur Debatte, sind längst nicht immer alle Besetzer des entsprechenden Community Gardens damit einverstanden. Sei es aus prinzipiellen Gründen oder wegen der damit verbundenen Bürokratie und dem Mitspracherecht der entsprechenden Behörden.
Eine sehr interessante Lektüre. Vielleicht gibt es gelegentlich eine Fortsetzung zu diesem Thema? Oder vielleicht gibt es ja schon eine, von der ich nichts weiss. Mehr über das Buchthema zu lesen gibt es beim Googeln mit den Stichworten „New York und Community Gardens“ und hier gibt es ein Interview mit der Sängerin, Schauspielering und Komikerin Bette Middler, die in dieser urbanen Gartenszene – auch finanziell – stark involviert ist. Falls Sie demnächst einen New York-Trip geplant haben und sich den einen oder anderen Garten anschauen wollen, gibt es hier verschiedene entsprechende Stadtpläne.
Elisabeth Meyer-Renschhausen:
Unter dem Müll der Acker – Community Gardens in New York City
Ulrike Helmer Verlag, 2004
1. Januar 2015
Joyce and Jim Lavene: A Thyme To Die - A Peggy Lee Garden Mystery
Lange musste ich auf die Fortsetzung der Peggy Lee Garden Mysteries in Papierform warten. Ob die früheren Verkäufe nicht den Erwartungen entsprochen haben? Jedenfalls sind diesen Frühling nach einer längeren Pause nun gleich zwei Titel im Eigenverlag erschienen. Das Buch „A Thyme To Die“ besteht aus zwei Teilen, nämlich aus der Erzählung „Buried by Buttercups“ und der titelgebenden Geschichte „A Thyme To Die“.
Die Weltwirtschaftskrise hat auch vor Peggys Blumengeschäft „The Potting Shed“ nicht Halt gemacht. Umsatzeinbruch gepaart mit wiederholten Mietzinserhöhungen führt zu ungenügendem Betriebsgewinn. Deshalb kommt das Angebot der Polizei, wieder als forensische Botanikerin bei der Lösung von Kriminalfällen mitzuhelfen gerade recht. Während sich Peggy Lee im ersten Teil mit einem nervenden neuen Nachbarn herumschlägt, amtiert sie im zweiten als Direktion der International Flower Show, die dieses Jahr für einmal nicht in Atlanta, sondern in Charlotte stattfindet.
Gleichzeitig versucht sie die Neuigkeit und den damit verbundenen Vertrauensbruch zu verdauen, dass ihr zweiter Mann Steve, den sie als Tierarzt kennengelernt hat, ein FBI-Agent ist, der sogar mit ihrem im Dienst unter nie geklärten Umständen erschossenen ersten Mann zusammen gearbeitet hat. Auf einen Schlag gehören altbekannte Ängste wieder zum Alltag der „Wieder-Polizistengattin“. Aber auch sie selber bringt sich immer wieder in Gefahr und bekommt schliesslich sogar Polizeischutz.
Die geplante Eröffnung der Blumenausstellung nach einer hektischen Zeit mit viel Organisation und Arbeit wird abgesagt, als auf dem Gelände eine Leiche gefunden wird. Bei dem Toten handelt es sich um einen langjährigen Freund von Peggy aus Südafrika, der auf ihre persönliche Einladung hin nach Charlotte gereist ist. Natürlich fühlt sich die Botanikerin mit einschlägiger Erfahrung verpflichtet, ihrem toten Freund mit dem Entlarven seines Mörders einen letzten Dienst zu erweisen. Und dann ist auch das Rätsel um den Tod ihres ersten Ehemannes John nach wie vor ungelöst. Ob sie mit Hilfe von „Nightflyer“, ihrem Internet-Freund, weitere Puzzleteile herausfindet?
Sämtliche Kapitel beginnen mit der Beschreibung einer zum jeweiligen Text passenden Pflanze mit Hinweisen auf Kultur, Giftigkeit usw. Mehr aus dem Leben von Peggy Lee lese ich gerade im Folgeband „Lethal Lily“. Diese Lektüre ist genau nach meinem Geschmack, wenn auch der Verlags- (und Lektorats-?) Wechsel nicht zu verleugnen ist.
Joyce and Jim Lavene:
A Thyme To Die - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2014
Die Weltwirtschaftskrise hat auch vor Peggys Blumengeschäft „The Potting Shed“ nicht Halt gemacht. Umsatzeinbruch gepaart mit wiederholten Mietzinserhöhungen führt zu ungenügendem Betriebsgewinn. Deshalb kommt das Angebot der Polizei, wieder als forensische Botanikerin bei der Lösung von Kriminalfällen mitzuhelfen gerade recht. Während sich Peggy Lee im ersten Teil mit einem nervenden neuen Nachbarn herumschlägt, amtiert sie im zweiten als Direktion der International Flower Show, die dieses Jahr für einmal nicht in Atlanta, sondern in Charlotte stattfindet.
Gleichzeitig versucht sie die Neuigkeit und den damit verbundenen Vertrauensbruch zu verdauen, dass ihr zweiter Mann Steve, den sie als Tierarzt kennengelernt hat, ein FBI-Agent ist, der sogar mit ihrem im Dienst unter nie geklärten Umständen erschossenen ersten Mann zusammen gearbeitet hat. Auf einen Schlag gehören altbekannte Ängste wieder zum Alltag der „Wieder-Polizistengattin“. Aber auch sie selber bringt sich immer wieder in Gefahr und bekommt schliesslich sogar Polizeischutz.
Die geplante Eröffnung der Blumenausstellung nach einer hektischen Zeit mit viel Organisation und Arbeit wird abgesagt, als auf dem Gelände eine Leiche gefunden wird. Bei dem Toten handelt es sich um einen langjährigen Freund von Peggy aus Südafrika, der auf ihre persönliche Einladung hin nach Charlotte gereist ist. Natürlich fühlt sich die Botanikerin mit einschlägiger Erfahrung verpflichtet, ihrem toten Freund mit dem Entlarven seines Mörders einen letzten Dienst zu erweisen. Und dann ist auch das Rätsel um den Tod ihres ersten Ehemannes John nach wie vor ungelöst. Ob sie mit Hilfe von „Nightflyer“, ihrem Internet-Freund, weitere Puzzleteile herausfindet?
Sämtliche Kapitel beginnen mit der Beschreibung einer zum jeweiligen Text passenden Pflanze mit Hinweisen auf Kultur, Giftigkeit usw. Mehr aus dem Leben von Peggy Lee lese ich gerade im Folgeband „Lethal Lily“. Diese Lektüre ist genau nach meinem Geschmack, wenn auch der Verlags- (und Lektorats-?) Wechsel nicht zu verleugnen ist.
Joyce and Jim Lavene:
A Thyme To Die - A Peggy Lee Garden Mystery
Eigenverlag , 2014
27. Dezember 2014
Der literarische Gartenkalender und der literarische Rosenkalender
Einen Monat Unterrichtspause, etwas Ordnung in die herumliegenden Unterlagen gebracht und festgestellt, dass die beiden Anfang September unverhofft erhaltenen literarischen Kalender immer noch eingeschweisst der Dinge harren, die da kommen sollen. Nämlich einer Vorstellung im Blog und der Überlegung, wo sie einen Platz finden könnten.
Nun, packe ich also eins ums andere an.
Meine letzte Kalendervorstellung datiert vom September 2010 und nach einem kurzen Durchlesen derselben kann ich feststellen, dass die damaligen Worte nach wie vor gelten. Dort steht nämlich: „Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an Gärten und Literatur interessiert. Dann wäre bestimmt „Der literarische Gartenkalender“ mit Spiralbindung von Schöffling nach Ihrem Geschmack.
Jeden Montag darf zum Wochenstart eine Seite umgeblättert werden und eine neue Aufnahme der bekannten Fotografin Marion Nickig schmückt für eine Woche zusammen mit einem passenden hortikulturellen Zitat eines bekannten Schriftstellers oder einer Schriftstellerin eine Wand oder eine Türe.“
Die Bilder und Zitate haben gewechselt und da der nächste Jahreswechsel unmittelbar bevorsteht, stimmt meine damalige letzte Bemerkung von wegen „je früher Sie sich diesen Kalender allenfalls kaufen und aufhängen, desto länger können Sie sich an dem Titelblatt, auf dem ein blauer Scheinmohn abgebildet ist, erfreuen …“ nicht nur deswegen nicht, weil das aktuelle Titelbild eine Akelei ziert. Was mir persönlich nicht gefällt, sind jene Seiten, bei denen der Text ganz oder teilweise ins Foto hineingeschrieben ist. Diese sind aber gewissermassen in der Minderheit.
Für eine detailliertere Vorstellung fehlt mir wegen meiner nebenberuflichen Weiterbildung schlicht und einfach die Zeit. Deshalb bestelle ich grundsätzlich auch keine Rezensionsexemplare mehr. Die wenige verbliebene Lesezeit widme mich meiner persönlichen, äusserst umfangreichen „Backlist“ und stelle die Lektüre ohne Verpflichtung nach Lust und Laune im Blog vor, oder eben auch nicht.
Im neuen Jahr wird es voraussichtlich dafür gelegentlich Hinweise auf Filme mit hortikulturellem Hintergrund geben. Nachdem ich mir zuletzt auf dem Crosstrainer mit verschiedenen Serien wie "Rosemary and Thyme" und "Natur im Garten", "Weeds" und "Downton Abbey" die Zeit verkürzt habe, schaue ich mich aktuell während der Erfüllung der sportlichen Pflichten durch meine DVD-Sammlung. Die ist zwar längst nicht so umfangreich wie die Büchersammlung, leidet aber teilweise unter der selben Vernachlässigung.
Mit guten Wünschen fürs neue Jahr schliesse ich das Blogjahr 2014 hiermit ab, greife nach Befestigungsmaterial und suche eine freie Türe oder Wand für die beiden Kalender.
Der literarische Gartenkalender 2015
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig –
ausgewählt und zusammengestellt von Julia Bachstein
Schöffling und Co., 2014
Der literarische Rosenkalender 2015
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig –
ausgewählt und zusammengestellt von Maria Mail-Brandt
Schöffling und Co., 2014
Meine letzte Kalendervorstellung datiert vom September 2010 und nach einem kurzen Durchlesen derselben kann ich feststellen, dass die damaligen Worte nach wie vor gelten. Dort steht nämlich: „Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an Gärten und Literatur interessiert. Dann wäre bestimmt „Der literarische Gartenkalender“ mit Spiralbindung von Schöffling nach Ihrem Geschmack.
Jeden Montag darf zum Wochenstart eine Seite umgeblättert werden und eine neue Aufnahme der bekannten Fotografin Marion Nickig schmückt für eine Woche zusammen mit einem passenden hortikulturellen Zitat eines bekannten Schriftstellers oder einer Schriftstellerin eine Wand oder eine Türe.“
Die Bilder und Zitate haben gewechselt und da der nächste Jahreswechsel unmittelbar bevorsteht, stimmt meine damalige letzte Bemerkung von wegen „je früher Sie sich diesen Kalender allenfalls kaufen und aufhängen, desto länger können Sie sich an dem Titelblatt, auf dem ein blauer Scheinmohn abgebildet ist, erfreuen …“ nicht nur deswegen nicht, weil das aktuelle Titelbild eine Akelei ziert. Was mir persönlich nicht gefällt, sind jene Seiten, bei denen der Text ganz oder teilweise ins Foto hineingeschrieben ist. Diese sind aber gewissermassen in der Minderheit.
Für eine detailliertere Vorstellung fehlt mir wegen meiner nebenberuflichen Weiterbildung schlicht und einfach die Zeit. Deshalb bestelle ich grundsätzlich auch keine Rezensionsexemplare mehr. Die wenige verbliebene Lesezeit widme mich meiner persönlichen, äusserst umfangreichen „Backlist“ und stelle die Lektüre ohne Verpflichtung nach Lust und Laune im Blog vor, oder eben auch nicht.
Im neuen Jahr wird es voraussichtlich dafür gelegentlich Hinweise auf Filme mit hortikulturellem Hintergrund geben. Nachdem ich mir zuletzt auf dem Crosstrainer mit verschiedenen Serien wie "Rosemary and Thyme" und "Natur im Garten", "Weeds" und "Downton Abbey" die Zeit verkürzt habe, schaue ich mich aktuell während der Erfüllung der sportlichen Pflichten durch meine DVD-Sammlung. Die ist zwar längst nicht so umfangreich wie die Büchersammlung, leidet aber teilweise unter der selben Vernachlässigung.
Mit guten Wünschen fürs neue Jahr schliesse ich das Blogjahr 2014 hiermit ab, greife nach Befestigungsmaterial und suche eine freie Türe oder Wand für die beiden Kalender.
Der literarische Gartenkalender 2015
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig –
ausgewählt und zusammengestellt von Julia Bachstein
Schöffling und Co., 2014
Der literarische Rosenkalender 2015
Mit farbigen Fotos von Marion Nickig –
ausgewählt und zusammengestellt von Maria Mail-Brandt
Schöffling und Co., 2014
15. Dezember 2014
Julia Williams: The Summer Season / Der vergessene Garten
Zwei Erzählstränge führen durch diesen Roman. Einer spielt in der heutigen Zeit, der andere Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus Tagebucheinträgen erfährt die Leserin, dass der angehende Botaniker Edward Handford vor rund hundert Jahren das Ziel verfolgte, nach Studienabschluss, Gärten zu gestalten und einen Teil seiner Ideen auf Gertrude Jeykyll zurückging. Zusammen mit seiner Frau Lily, die gleichermassen botanisch interessiert war und perfekt mit Stift und Pinsel umgehen konnte, wollte er ausserdem ein Buch über die Pflanzen von Sussex herausgeben und sich einen Ruf als seriösen Botaniker erarbeiten.
Seine weiteren Pläne beinhalteten ferne Auslandreisen, von denen er exotische Pflanzen in die Heimat bringen wollte. Als erstes Ziel hat er es geschafft, seine Frau mit seinem Hochzeitsgeschenk zu begeistern. Für die grosse Liebe seines Lebens hat er eine Grünfläche entworfen, deren Zentrum ein Knotengarten aus Buchs und Rosmarin mit den Buchstaben „E“ und „L“ bildete. Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Gloxinien gehörten zur Bepflanzung und er hat genügend Platz für Blumen freigelassen, welchen die gemeinsamen Kinder einmal füllen sollen - nichtsahnend, welche Schicksalsschläge ihm bevorstehen.
Im zweiten Erzählstrang zieht die Anfang Dreissigerin Kezzie nach einem heftigen Streit und der darauf folgenden Trennung von ihrem Freund Richard vorübergehend nach Heartsease in das Haus einer Tante, die auf einer längeren Reise ist. Kezzie hat kürzlich verschiedene Gartenkurse abgeschlossen. Der Gartenarchitekt Richard hat vor ein paar Jahren das gärtnerische Talent der aktiven Guerilla-Gärtnerin Kezzie entdeckt und sie ermuntert, ihr praktisches Wissen fachlich zu erweitern und einen Diplomabschluss anzustreben. Gemeinsam wollten sie einen Schaugarten gestalten und sowohl Chelsea als auch Hampton Court im Sturm zu erobern. Doch nun scheint die junge Frau alle diese Träume begraben zu müssen. Sie hat nicht nur London verlassen, sondern gleichzeitig praktisch alle möglichen Verbindungen gekappt. Dazu gehört auch das Wechseln von Telefonnummer und Email-Adresse. Nur eine Handvoll Freunde weiss, wo sie sich aufhält.
In Heartsease entdeckt Kezzie einen völlig verwilderten Garten, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Treppen führen zu einem Senkgarten, ein Metalltor markiert das Ende eines Kiesweges und eine alte Bank wartet auf bessere Zeiten. Zwischen aus der Form geratenem Buchs, Rosmarin und Efeu glaubt Kezzie eine gewisse Struktur erkennen zu können. Es juckt sie richtiggehend in den Fingern, hier für Ordnung zu sorgen und weil sie davon ausgeht, dass das vernachlässigt aussehende Haus auf dem Gelände unbewohnt ist, beginnt sie – sich auf ihre ursprünglichen hortikulturellen Wurzeln besinnend – mit nächtlichem Guerillagärtnern. Schon bei ihren ersten Bemühungen wird sie vom Haus- und Gartenbesitzer Joel erwischt.
Kezzie kann diesen aber schliesslich davon überzeugen, ihr offiziell zu erlauben, den Garten in Ordnung zu bringen.
Dieses Vorhaben passt ausgezeichnet zum Plan der Gemeinde, im nächsten Jahr anlässlich eines runden Geburtstages von Edward Handford, dem Gestalter des inzwischen völlig vernachlässigten Gartens und Vorfahren von Joel, im Rahmen einer Ausstellung dessen Leben und Werk zu vorzustellen.
In Heartsease wohnt auch Lauren, die alleine ihre beiden vierjährigen Zwillingsmädchen grosszieht. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Der Vater der Kinder hat sie schon vor der Geburt im Stich gelassen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren arbeitet sie abends in einer Bar und kümmert sich als Tagesmutter um den kleinen Sam.
Sam ist der Sohn des verwitweten Joels. Seine Frau Claire ist vor einem Jahr völlig unerwartet im Alter von fünfunddreissig Jahren verstorben, als Sam noch ein Baby war. Gemeinsam wollte das Ehepaar das alte Haus samt Garten restaurieren. Doch Claires Tod hat diese Pläne durchkreuzt. Seine Arbeit und sein kleiner Sohn lassen Joel kein Zeit, sich mit Renovierungsplänen zu beschäftigen. Neben der Trauer um seine Frau plagen ihn grosse Schuldgefühle und er glaubt, seinen Vaterpflichten ungenügend nachzukommen.
Kezzie sprüht vor Energie und Freude, den Garten und ein weiteres Projekt durchzuziehen. Das geplante Sommerfest und die damit verbundenen Aufgaben lenken sie ab und auch Joel beginnt langsam, sich dafür zu interessieren. Selbst Laurens Leben scheint einfacher zu werden, als plötzlich der Vater ihrer beiden Mädchen auftaucht und sie sowohl finanziell und auch bei deren Erziehung unterstützen will. Hat er eine zweite Chance verdient?
Im Buch findet sich neben einem Plan der Ortschaft Heartsease in Nottinghamshire ein Stammbaum der Familie Handford. Dieser erweist sich während der Lektüre als sehr hilfreich. Allerdings, wenn man ihn zu genau studiert, ist man dem Lauf der Dinge, sprich der Erzählung, zuweilen voraus oder ahnt zumindest, was bevorsteht. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswerter Seitenumdreher mit sympathischen Charakteren, die einem ans Herz wachsen und einem Ende, das so nicht unbedingt zu erwarten ist.
Beim Abspeichern des Entwurfs dieser Buchvorstellung im Textprogramm habe ich festgestellt, dass bereits eine solche von einem Autor oder einer Autorin „WilliamsJ“ abegelegt war. Und siehe da, hier habe ich den Inhalt des Romans "Rosenduft und Rosenzauber" von der gleichen Schriftstellerin zusammengefasst. Da lohnt es sich wohl, gelegentlich einmal zu googeln, ob ihre anderen Bücher vielleicht ebenfalls einen erwähnenswerten hortikulturellen Hintergrund aufweisen.
Der Roman „The Summer Season“ spielt in der Ortschaft „Heartsease“, was übersetzt „Stiefmütterchen“ bedeutet. Viola tricolor kommen nicht nur in den Rabatten der neu restaurierten fiktiven Gärten in eben diesem Heartsease vor. Gerade hat mich der Fotograf Josh Westrich über das Erscheinen seiner neuesten Publikation informiert. Zusammen mit Jennifer Warschun hat er das Buch "Geliebte Viola – Das Otterswanger Veilchenbuch" herausgegeben.
Im Moment ist eine aufwendig hergestellte bibliophile Ausgabe mit zwei Tiefprägungen und dreiseitigem Silberschnitt erhältlich. Eine „Volksausgabe“ ist geplant. Die im Buch verwendeten Fotos von sind von der Royal Horticultural Society mit der Silbermedaille ausgezeichnet worden. Erhältlich ist das Buch direkt bei Josh Westrich und Jennifer Warschun (siehe unten).
Von Josh Westrich habe ich bereits seine Bücher über Schneeglöckchen und Leberblümchen im Sofagarten vorgestellt. Der Name Jennifer Warschun kam mir zwar gleich irgendwie bekannt vor, aber erst nach längerem Herumstudieren fiel mir ein, woher ich ihn oder besser sie selber kenne (oder wo ich ihr schon begegnet bin). Nämlich in der leider längst nicht mehr existierenden Baumschule Friedrich in Stammheim, gar nicht weit von hier entfernt, wo ich öfters vorbeigeschaut habe und aus deren Sortiment ich noch verschiedene Helleborus und andere Schätze im Garten stehen habe. Letztes Jahr habe ich ausserdem nach einem längeren Besuch und grösseren Einkauf bei Gaissmayer in Illertissen auf dem Heimweg noch kurz in "Jennifers Garten" in Otterswang vorbeigeschaut.
Julia Williams:
The Summer Season
Avon/Harper Collins Publishers, 2011
Der vergessene Garten
Mira Taschenbuch, 2016
Email-Adressen für die Bestellung des Veilchen-Buchs und weitere Auskünfte:
j.westrich@t-online.de
jennifers-garten@t-online.de
Seine weiteren Pläne beinhalteten ferne Auslandreisen, von denen er exotische Pflanzen in die Heimat bringen wollte. Als erstes Ziel hat er es geschafft, seine Frau mit seinem Hochzeitsgeschenk zu begeistern. Für die grosse Liebe seines Lebens hat er eine Grünfläche entworfen, deren Zentrum ein Knotengarten aus Buchs und Rosmarin mit den Buchstaben „E“ und „L“ bildete. Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht und Gloxinien gehörten zur Bepflanzung und er hat genügend Platz für Blumen freigelassen, welchen die gemeinsamen Kinder einmal füllen sollen - nichtsahnend, welche Schicksalsschläge ihm bevorstehen.
Im zweiten Erzählstrang zieht die Anfang Dreissigerin Kezzie nach einem heftigen Streit und der darauf folgenden Trennung von ihrem Freund Richard vorübergehend nach Heartsease in das Haus einer Tante, die auf einer längeren Reise ist. Kezzie hat kürzlich verschiedene Gartenkurse abgeschlossen. Der Gartenarchitekt Richard hat vor ein paar Jahren das gärtnerische Talent der aktiven Guerilla-Gärtnerin Kezzie entdeckt und sie ermuntert, ihr praktisches Wissen fachlich zu erweitern und einen Diplomabschluss anzustreben. Gemeinsam wollten sie einen Schaugarten gestalten und sowohl Chelsea als auch Hampton Court im Sturm zu erobern. Doch nun scheint die junge Frau alle diese Träume begraben zu müssen. Sie hat nicht nur London verlassen, sondern gleichzeitig praktisch alle möglichen Verbindungen gekappt. Dazu gehört auch das Wechseln von Telefonnummer und Email-Adresse. Nur eine Handvoll Freunde weiss, wo sie sich aufhält.
In Heartsease entdeckt Kezzie einen völlig verwilderten Garten, der ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Treppen führen zu einem Senkgarten, ein Metalltor markiert das Ende eines Kiesweges und eine alte Bank wartet auf bessere Zeiten. Zwischen aus der Form geratenem Buchs, Rosmarin und Efeu glaubt Kezzie eine gewisse Struktur erkennen zu können. Es juckt sie richtiggehend in den Fingern, hier für Ordnung zu sorgen und weil sie davon ausgeht, dass das vernachlässigt aussehende Haus auf dem Gelände unbewohnt ist, beginnt sie – sich auf ihre ursprünglichen hortikulturellen Wurzeln besinnend – mit nächtlichem Guerillagärtnern. Schon bei ihren ersten Bemühungen wird sie vom Haus- und Gartenbesitzer Joel erwischt.
Kezzie kann diesen aber schliesslich davon überzeugen, ihr offiziell zu erlauben, den Garten in Ordnung zu bringen.
Dieses Vorhaben passt ausgezeichnet zum Plan der Gemeinde, im nächsten Jahr anlässlich eines runden Geburtstages von Edward Handford, dem Gestalter des inzwischen völlig vernachlässigten Gartens und Vorfahren von Joel, im Rahmen einer Ausstellung dessen Leben und Werk zu vorzustellen.
In Heartsease wohnt auch Lauren, die alleine ihre beiden vierjährigen Zwillingsmädchen grosszieht. Unterstützt wird sie von ihrer Mutter. Der Vater der Kinder hat sie schon vor der Geburt im Stich gelassen. Um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren arbeitet sie abends in einer Bar und kümmert sich als Tagesmutter um den kleinen Sam.
Sam ist der Sohn des verwitweten Joels. Seine Frau Claire ist vor einem Jahr völlig unerwartet im Alter von fünfunddreissig Jahren verstorben, als Sam noch ein Baby war. Gemeinsam wollte das Ehepaar das alte Haus samt Garten restaurieren. Doch Claires Tod hat diese Pläne durchkreuzt. Seine Arbeit und sein kleiner Sohn lassen Joel kein Zeit, sich mit Renovierungsplänen zu beschäftigen. Neben der Trauer um seine Frau plagen ihn grosse Schuldgefühle und er glaubt, seinen Vaterpflichten ungenügend nachzukommen.
Kezzie sprüht vor Energie und Freude, den Garten und ein weiteres Projekt durchzuziehen. Das geplante Sommerfest und die damit verbundenen Aufgaben lenken sie ab und auch Joel beginnt langsam, sich dafür zu interessieren. Selbst Laurens Leben scheint einfacher zu werden, als plötzlich der Vater ihrer beiden Mädchen auftaucht und sie sowohl finanziell und auch bei deren Erziehung unterstützen will. Hat er eine zweite Chance verdient?
Im Buch findet sich neben einem Plan der Ortschaft Heartsease in Nottinghamshire ein Stammbaum der Familie Handford. Dieser erweist sich während der Lektüre als sehr hilfreich. Allerdings, wenn man ihn zu genau studiert, ist man dem Lauf der Dinge, sprich der Erzählung, zuweilen voraus oder ahnt zumindest, was bevorsteht. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswerter Seitenumdreher mit sympathischen Charakteren, die einem ans Herz wachsen und einem Ende, das so nicht unbedingt zu erwarten ist.
Beim Abspeichern des Entwurfs dieser Buchvorstellung im Textprogramm habe ich festgestellt, dass bereits eine solche von einem Autor oder einer Autorin „WilliamsJ“ abegelegt war. Und siehe da, hier habe ich den Inhalt des Romans "Rosenduft und Rosenzauber" von der gleichen Schriftstellerin zusammengefasst. Da lohnt es sich wohl, gelegentlich einmal zu googeln, ob ihre anderen Bücher vielleicht ebenfalls einen erwähnenswerten hortikulturellen Hintergrund aufweisen.
Der Roman „The Summer Season“ spielt in der Ortschaft „Heartsease“, was übersetzt „Stiefmütterchen“ bedeutet. Viola tricolor kommen nicht nur in den Rabatten der neu restaurierten fiktiven Gärten in eben diesem Heartsease vor. Gerade hat mich der Fotograf Josh Westrich über das Erscheinen seiner neuesten Publikation informiert. Zusammen mit Jennifer Warschun hat er das Buch "Geliebte Viola – Das Otterswanger Veilchenbuch" herausgegeben.
Im Moment ist eine aufwendig hergestellte bibliophile Ausgabe mit zwei Tiefprägungen und dreiseitigem Silberschnitt erhältlich. Eine „Volksausgabe“ ist geplant. Die im Buch verwendeten Fotos von sind von der Royal Horticultural Society mit der Silbermedaille ausgezeichnet worden. Erhältlich ist das Buch direkt bei Josh Westrich und Jennifer Warschun (siehe unten).
Von Josh Westrich habe ich bereits seine Bücher über Schneeglöckchen und Leberblümchen im Sofagarten vorgestellt. Der Name Jennifer Warschun kam mir zwar gleich irgendwie bekannt vor, aber erst nach längerem Herumstudieren fiel mir ein, woher ich ihn oder besser sie selber kenne (oder wo ich ihr schon begegnet bin). Nämlich in der leider längst nicht mehr existierenden Baumschule Friedrich in Stammheim, gar nicht weit von hier entfernt, wo ich öfters vorbeigeschaut habe und aus deren Sortiment ich noch verschiedene Helleborus und andere Schätze im Garten stehen habe. Letztes Jahr habe ich ausserdem nach einem längeren Besuch und grösseren Einkauf bei Gaissmayer in Illertissen auf dem Heimweg noch kurz in "Jennifers Garten" in Otterswang vorbeigeschaut.
Julia Williams:
The Summer Season
Avon/Harper Collins Publishers, 2011
Der vergessene Garten
Mira Taschenbuch, 2016
Email-Adressen für die Bestellung des Veilchen-Buchs und weitere Auskünfte:
j.westrich@t-online.de
jennifers-garten@t-online.de
1. Dezember 2014
Harald Schneider: Tote Beete
Stefanie Palzki möchte an der Landesgartenschau in Landau Anregungen für den heimischen Garten entdecken. Eher widerwillig kommen die übrigen Familienmitglieder mit auf diesen Ausflug. Insbesondere Hauptkommissar Reiner Palzki nützt schon bald die Gelegenheit, sich auf einer Bank auszuruhen, während seine Frau zusammen mit den vier Kindern das Gelände erkundigt und die Impressionen von Blumen in allen Farben, Formen und Grössen auf sich einwirken lassen. Eine gefährliche Entscheidung, die er damit trifft.
Der Familienausflug artet nämlich plötzlich in Arbeit für Palzki aus, als sich in unmittelbarer Nähe von der Bank, auf der er sitzt, eine Explosion ereignet, die ein Todesopfer fordert. Die ersten Untersuchungen ergeben, dass in einer Schubkarre eine Rohrbombe explodiert ist. Plötzlich taucht auch noch Palzkis Chef Klaus P. Diefenbach in merkwürdiger Verkleidung auf. Wie sein Mitarbeiter erfährt, soll eine Pflanze auf den Namen des Neurotikers getauft werden: Diffenbachia Klausis.
Obwohl der Tatort ausserhalb des üblichen Ermittlungsgebietes von Palzki und seinem Team liegt, werden sie mit der Auflösung des Delikts beauftragt. Es bleibt nicht bei einem Todesopfer und der Leser liest von einem übertrieben dämlich dargestellten Chef und einem seltsamen Pflanzenwettbewerb zwischen Kripo-Chefs samt Bau eines Gewächshauses neben dem Polizeigebäude. Ausserdem gibt die Lektüre Einblick hinter die Kulissen der Landesgartenschau und in die Salatproduktion.
Für diesen Feinkost-Krimi hat Harald Schneider die Landesgartenschau 2015 in Landau vorgezogen. Er lässt seinen „Natur-Palzki“ im Feinkost-Salat-Milieu ermitteln - zwischen Pflanzen, von denen viele essbar sind, einige hingegen nicht ganz so bekömmlich. Hauptkommissar Palzki ist übrigens kein grosser Gemüse-Freund und betrachtet Rosenkohl, Rote Beete und Kohl als Lebertran der Neuzeit.
Beeindruckend ist die Zahl der beim Salathersteller hergestellten Feinkostsalate. Deren hundert sind es. Wenn ich mir mal in der Mittagspause einen Fertigsalat kaufen will, stehen immer die gleichen, schon oft gegessenen, eher langweiligen Sorten im Regal…
Harald Schneider:
Tote Beete
Gmeiner- Verlag, 2014
Der Familienausflug artet nämlich plötzlich in Arbeit für Palzki aus, als sich in unmittelbarer Nähe von der Bank, auf der er sitzt, eine Explosion ereignet, die ein Todesopfer fordert. Die ersten Untersuchungen ergeben, dass in einer Schubkarre eine Rohrbombe explodiert ist. Plötzlich taucht auch noch Palzkis Chef Klaus P. Diefenbach in merkwürdiger Verkleidung auf. Wie sein Mitarbeiter erfährt, soll eine Pflanze auf den Namen des Neurotikers getauft werden: Diffenbachia Klausis.
Obwohl der Tatort ausserhalb des üblichen Ermittlungsgebietes von Palzki und seinem Team liegt, werden sie mit der Auflösung des Delikts beauftragt. Es bleibt nicht bei einem Todesopfer und der Leser liest von einem übertrieben dämlich dargestellten Chef und einem seltsamen Pflanzenwettbewerb zwischen Kripo-Chefs samt Bau eines Gewächshauses neben dem Polizeigebäude. Ausserdem gibt die Lektüre Einblick hinter die Kulissen der Landesgartenschau und in die Salatproduktion.
Für diesen Feinkost-Krimi hat Harald Schneider die Landesgartenschau 2015 in Landau vorgezogen. Er lässt seinen „Natur-Palzki“ im Feinkost-Salat-Milieu ermitteln - zwischen Pflanzen, von denen viele essbar sind, einige hingegen nicht ganz so bekömmlich. Hauptkommissar Palzki ist übrigens kein grosser Gemüse-Freund und betrachtet Rosenkohl, Rote Beete und Kohl als Lebertran der Neuzeit.
Beeindruckend ist die Zahl der beim Salathersteller hergestellten Feinkostsalate. Deren hundert sind es. Wenn ich mir mal in der Mittagspause einen Fertigsalat kaufen will, stehen immer die gleichen, schon oft gegessenen, eher langweiligen Sorten im Regal…
Harald Schneider:
Tote Beete
Gmeiner- Verlag, 2014
15. November 2014
Jörg Pfenningschmidt: Pfenningschmidts Gartenschätze
Bei den meisten wöchentlichen oder monatlichen Publikationen, die ich mir zu Gemüte führe, beginne ich von hinten nach vorne zu blättern und lese mich zuhinterst fest, weil ich dort gleich meinen neuesten Lieblingsartikel finde. Sei es im Beobachter, der Tina, der Gardens Illustrated oder der Gartenpraxis – in vielen Zeitschriften finden sich anregende Kolumnen ganz hinten im Heft.
Neben Susanne Rückerts "Szenen aus dem Leben" gefallen mir ganz besonders die hortikulturellen Zeilen von Jörg Pfenningschmidt. Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen, welches Mitbringsel vom kurzen Abstecher in die Königliche Gartenakademie in Berlin nach Hause gebracht werden sollte. Grünzeug kam wegen der Anreise per Flugzeug sowieso nicht in Frage, so dass die Wahl auf das Heft Nummer 6 der Schriftenreihe der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur fiel: „Pfenningschmidts Gartenschätze".
Die pointiert formulierten Glossen des Hamburger Gartengestalters sind zuvor bereits im „Blätterrauschen“ erschienen und mindestens eine glaube ich in der Gartenpraxis mal gelesen zu haben („Verzichtbar“). Nur schade, ist das Büchlein so dünn. Ich hätte gerne noch mehr über diese Gartenschätze gelesen. Wenn es während dem Rückflug wegen heftigen Winden nicht so stark geschüttelt hätte, was doch stark vom Lesen ablenkte, wäre das Vergnügen wohl schon über den Wolken zu Ende gewesen.
Da ich nach Ende der Ferien meine hortikulturelle Lektüre wieder durch Manuals, Gesetzestexte und Verordnungen ersetzt habe, fehlt mir die Zeit und Musse detailliert auf den Inhalt der Kolumnen einzugehen. Wer meinem Geschmack nicht traut, kann sich im Forum "Garten Pur" in den Schreibstil des Autors "einlesen". Und unter der Rubrik „Kolumnenbücher und Essays“ finden Sie im Blog bekanntlich Lesetipps zu weiteren diesbezüglichen Lesetipps aus dem riesigen grünen Blätterwald.
PS: Ich weiss nicht, wie viele Pfenningschmidtsche Artikel ich schon gelesen habe. Aber erst beim Schreiben dieser Zeilen habe ich festgestellt, dass der Autor nicht Pfennigschmidt, sondern Pfenningschmidt heisst…
Jörg Pfenningschmidt:
Pfenningschmidts Gartenschätze
Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, 2012
Neben Susanne Rückerts "Szenen aus dem Leben" gefallen mir ganz besonders die hortikulturellen Zeilen von Jörg Pfenningschmidt. Deshalb musste ich auch nicht lange überlegen, welches Mitbringsel vom kurzen Abstecher in die Königliche Gartenakademie in Berlin nach Hause gebracht werden sollte. Grünzeug kam wegen der Anreise per Flugzeug sowieso nicht in Frage, so dass die Wahl auf das Heft Nummer 6 der Schriftenreihe der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur fiel: „Pfenningschmidts Gartenschätze".
Die pointiert formulierten Glossen des Hamburger Gartengestalters sind zuvor bereits im „Blätterrauschen“ erschienen und mindestens eine glaube ich in der Gartenpraxis mal gelesen zu haben („Verzichtbar“). Nur schade, ist das Büchlein so dünn. Ich hätte gerne noch mehr über diese Gartenschätze gelesen. Wenn es während dem Rückflug wegen heftigen Winden nicht so stark geschüttelt hätte, was doch stark vom Lesen ablenkte, wäre das Vergnügen wohl schon über den Wolken zu Ende gewesen.
Da ich nach Ende der Ferien meine hortikulturelle Lektüre wieder durch Manuals, Gesetzestexte und Verordnungen ersetzt habe, fehlt mir die Zeit und Musse detailliert auf den Inhalt der Kolumnen einzugehen. Wer meinem Geschmack nicht traut, kann sich im Forum "Garten Pur" in den Schreibstil des Autors "einlesen". Und unter der Rubrik „Kolumnenbücher und Essays“ finden Sie im Blog bekanntlich Lesetipps zu weiteren diesbezüglichen Lesetipps aus dem riesigen grünen Blätterwald.
PS: Ich weiss nicht, wie viele Pfenningschmidtsche Artikel ich schon gelesen habe. Aber erst beim Schreiben dieser Zeilen habe ich festgestellt, dass der Autor nicht Pfennigschmidt, sondern Pfenningschmidt heisst…
Jörg Pfenningschmidt:
Pfenningschmidts Gartenschätze
Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, 2012
1. November 2014
Anja Jonuleit: Der Apfelsammler
Der Apfelroman-Reihe kann mit „Der Apfelsammler“ ein weiteres Buch zugefügt werden. Diesmal steht der Obstgarten in Italien und es ist die Rede von Sorten wie „Melo Fiorentino“, „Mela agostina“, „Mela cerata“, „Muso di bue“, „Culo d’asino“ und „Mela rosona“. Die letzten drei heissen übersetzt „Ochsenmaul“, „Eselshintern“ und „Rosenapfel“. In dem riesigen Freilandarchiv wachsen aber auch die Fuchs-, Hunds-, Butter-, Pastoren-, Florentiner und Marzola-Birne sowie der Kastanienapfel, entstanden aus einem Wildapfel, der einst auf einen Kastanienbaum gepfropft worden ist (tatsächlich möglich?).
Wie die Namen sind auch die Formen dieser Früchte völlig unterschiedlich. Da gibt es welche, die altmodisch aussehen, andere sind platt wie Weinbergpfirsiche oder erinnern an langnasige Zwerge. Gemeinsam ist aber allen ein vorzüglicher Geschmack, wie ihn meist nur alte Sorten aufweisen. Die Handlung des fiktiven Romans hat die Autorin rund um die Wirkungsstätte eines Apfelsammlers angesiedelt und dabei Sachinformationen einer „richtigen“ Retterin alter Obstsorten verwendet. Isabella Dalla Ragione setzt sich mit ihrem Vater für solche ein. Die beiden haben nicht nur eine Stiftung gegründet, sondern auch ein Tagebuch verfasst (Archeologia Arborea - Diario di due cercatori di piante, Alieno editrice, Perugia, 2006, 4. Auflage in Vorbereitung). Aber nun zum Inhalt, der in zwei Strängen erzählten Geschichte:
Die 31jährige Journalistin Hannah ist mit ihrem VW-Bus unterwegs vom Bodensee nach Umbrien. Ihre Tante Eli, bei der sie seit dem zehnten Lebensjahr ein liebes Daheim hatte, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, ist völlig unerwartet in ihrem italienischen Sommerhaus verstorben. Nach der Beerdigung hat sich Hannah spontan von ihrem langjährigen, verheirateten Freund getrennt und beabsichtigt nun, Elis Haus zu räumen und zu verkaufen.
Der Aufenthalt im Sommerhaus mit all den Dingen, die ihrer Tante gehört haben, weckt viele Erinnerungen in Hannah. Und immer wieder bedauert sie, dass sie den Kontakt zu Eli in den letzten Jahren vernachlässigt hat. Warum musste Eli auch so plötzlich und viel zu früh sterben? Im Haus findet Hannah Hinweise auf eine Liebesbeziehung ihrer Tante, die nie mit ihr über Männer gesprochen hat. Hannah hat selber auch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass ihre Ersatzmutter etwas vermissen könnte und ist immer davon ausgegangen, dass sie selber Eli vollauf genügte.
Wenn es Hannah nicht gut geht, kurvt sie in ihrem VW-Bus herum oder schnappt sich ihre Kamera und fotografiert. Die Herausgeberin eines eigenen Online-Magazins sucht und fotografiert vergessene Orte wie unbenutzte Gebäude, alte Kirchen und stillgelegte Fabriken. Als sie in der Umgebung des Sommerhauses Ausschau nach interessanten Motiven hält, stösst sie auf einen verbrannten Garten, der eine seltsame Atmosphäre verbreitet. Bald macht sie Bekanntschaft mit Di Lauro, dem Besitzer desselben. Er wird in der Region „il pazzo delle mele“ genannt, und Hannah macht schnell die Erfahrung, dass er tatsächlich etwas merkwürdig ist. Und wenn auch vielliecht nicht gerade verrückt, ist er zumindest ein äusserst komischer Kauz.
Nichtsdestotrotz hilft Hannah Di Lauro, der sein Leben der Bewahrung alter Obstsorten vor dem Aussterben widmet, als Not am Mann ist beim Pflücken der Äpfel, was ihr ein erstes Dankeschön einbringt und sie fragt sich, wer oder was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist. Und sie merkt rasch, dass sie weder bereit ist, Elis Habseligkeiten wegzupacken oder wegzuwerfen, geschweige denn, das Haus zu verkaufen. Stattdessen träumt sie davon, die nächste Obstbaumblüte zu fotografieren...
Im zweiten Erzählstrang berichtet Eli in Briefform aus ihrem Leben – von ihrer harten Kindheit und Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf dem Einödhof, den schwierigen Familienverhältnissen, einem brutalen Vater und einer Mutter, die sich nicht zu wehren getraute und der Begenung mit einem Italiener, die Einfluss auf ihr ganzes Leben hat.
Das Buch gibt insbesondere einen interessanten Blick in das Leben auf dem Einödhof in schwierigen Zeiten und die Leserin erfährt am Rande einiges über das Bewahren alter Obstsorten. Leider vermag die Erzählung nicht bis zum Schluss zu fesseln und die Liebesgeschichte samt den aktuellen Hintergründen wirken konstruiert und teilweise eher unglaubwürdig.
Anja Jonuleit:
Der Apfelsammler
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
Wie die Namen sind auch die Formen dieser Früchte völlig unterschiedlich. Da gibt es welche, die altmodisch aussehen, andere sind platt wie Weinbergpfirsiche oder erinnern an langnasige Zwerge. Gemeinsam ist aber allen ein vorzüglicher Geschmack, wie ihn meist nur alte Sorten aufweisen. Die Handlung des fiktiven Romans hat die Autorin rund um die Wirkungsstätte eines Apfelsammlers angesiedelt und dabei Sachinformationen einer „richtigen“ Retterin alter Obstsorten verwendet. Isabella Dalla Ragione setzt sich mit ihrem Vater für solche ein. Die beiden haben nicht nur eine Stiftung gegründet, sondern auch ein Tagebuch verfasst (Archeologia Arborea - Diario di due cercatori di piante, Alieno editrice, Perugia, 2006, 4. Auflage in Vorbereitung). Aber nun zum Inhalt, der in zwei Strängen erzählten Geschichte:
Die 31jährige Journalistin Hannah ist mit ihrem VW-Bus unterwegs vom Bodensee nach Umbrien. Ihre Tante Eli, bei der sie seit dem zehnten Lebensjahr ein liebes Daheim hatte, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, ist völlig unerwartet in ihrem italienischen Sommerhaus verstorben. Nach der Beerdigung hat sich Hannah spontan von ihrem langjährigen, verheirateten Freund getrennt und beabsichtigt nun, Elis Haus zu räumen und zu verkaufen.
Der Aufenthalt im Sommerhaus mit all den Dingen, die ihrer Tante gehört haben, weckt viele Erinnerungen in Hannah. Und immer wieder bedauert sie, dass sie den Kontakt zu Eli in den letzten Jahren vernachlässigt hat. Warum musste Eli auch so plötzlich und viel zu früh sterben? Im Haus findet Hannah Hinweise auf eine Liebesbeziehung ihrer Tante, die nie mit ihr über Männer gesprochen hat. Hannah hat selber auch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass ihre Ersatzmutter etwas vermissen könnte und ist immer davon ausgegangen, dass sie selber Eli vollauf genügte.
Wenn es Hannah nicht gut geht, kurvt sie in ihrem VW-Bus herum oder schnappt sich ihre Kamera und fotografiert. Die Herausgeberin eines eigenen Online-Magazins sucht und fotografiert vergessene Orte wie unbenutzte Gebäude, alte Kirchen und stillgelegte Fabriken. Als sie in der Umgebung des Sommerhauses Ausschau nach interessanten Motiven hält, stösst sie auf einen verbrannten Garten, der eine seltsame Atmosphäre verbreitet. Bald macht sie Bekanntschaft mit Di Lauro, dem Besitzer desselben. Er wird in der Region „il pazzo delle mele“ genannt, und Hannah macht schnell die Erfahrung, dass er tatsächlich etwas merkwürdig ist. Und wenn auch vielliecht nicht gerade verrückt, ist er zumindest ein äusserst komischer Kauz.
Nichtsdestotrotz hilft Hannah Di Lauro, der sein Leben der Bewahrung alter Obstsorten vor dem Aussterben widmet, als Not am Mann ist beim Pflücken der Äpfel, was ihr ein erstes Dankeschön einbringt und sie fragt sich, wer oder was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist. Und sie merkt rasch, dass sie weder bereit ist, Elis Habseligkeiten wegzupacken oder wegzuwerfen, geschweige denn, das Haus zu verkaufen. Stattdessen träumt sie davon, die nächste Obstbaumblüte zu fotografieren...
Im zweiten Erzählstrang berichtet Eli in Briefform aus ihrem Leben – von ihrer harten Kindheit und Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf dem Einödhof, den schwierigen Familienverhältnissen, einem brutalen Vater und einer Mutter, die sich nicht zu wehren getraute und der Begenung mit einem Italiener, die Einfluss auf ihr ganzes Leben hat.
Das Buch gibt insbesondere einen interessanten Blick in das Leben auf dem Einödhof in schwierigen Zeiten und die Leserin erfährt am Rande einiges über das Bewahren alter Obstsorten. Leider vermag die Erzählung nicht bis zum Schluss zu fesseln und die Liebesgeschichte samt den aktuellen Hintergründen wirken konstruiert und teilweise eher unglaubwürdig.
Anja Jonuleit:
Der Apfelsammler
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
15. Oktober 2014
Carleen Brice: Orange Mint and Honey
Schon als achtjähriges Mädchen musste Shay für sich und die alleinerziehende, alkoholkranke Mutter Verantwortung übernehmen. In diesem Alter hat sie nämlich für die Schule erstmals erfolgreich die Unterschrift ihrer Mutter gefälscht und im gleichen Moment gewusst, dass sie sich nie mehr von ihrer Mutter herunterziehen lassen wird. Gleichzeitig hat sie gelernt, ihre Erwartungen tief zu halten, um sich Enttäuschungen zu ersparen und viele Dinge mit sich selber auszumachen. Ihre beste Zeit hatte sie als Neunjährige. Damals hatte sie zwar viele Aufgaben im Haushalt zu erledigen, aber ein verantwortungsbewusster Freund kümmerte sich um die Mutter.
Und so wie die Mutter trotz ihrer Sucht meistens eine sehr gepflegte Erscheinung war – jedenfalls, wenn man die Momente ausblendet, in denen ihre kleine Tochter Erbrochenes und anderes aufwischen musste – so hatte auch Shay das Vorspielen einer heilen Welt für die Umgebung perfektioniert. Freunde konnte sie nie einladen, da die Reaktionen ihrer Mutter unvorhersehbar waren und den Kontakt zu ihrer einzigen Freundin hat sie nach Schulabschluss abgebrochen.
Nun, mit fünfundzwanzig Jahren kehrt Shay wieder heim zu ihrer Mutter Nona. Die intelligente junge Frau hat sich jahrelang auf ihr auswärts absolviertes Studium konzentriert und der Kontakt zwischen den beiden Frauen beschränkte sich auf den unregelmässigen Austausch von Postkarten. Wegen Problemen in der Schule legt Shay auf Veranlassung ihres Mentors eine Semesterpause ein. Finanzielle Engpässe sowie die Vision ihrer Lieblingssängerin Nina Simone („go home!“) bewegen sie dazu, bei ihrer Mutter Unterschlupf zu suchen.
Shay, eigentlich LaShay Glory (wegen den „Morning Glories“ = Prunkwinden, die ihr Grossvater liebte), erkennt ihre völlig verändert erscheinende Mutter kaum wieder. Sie wohnt in einem gepflegten Haus, der Kühlschrank ist gefüllt und da ist Sunny, Shays dreijährige Halbschwester. Ist die Mutter wirklich trocken? Die emotional verkümmerte Shay, die sich in Stresssituationen ständig Haare ausreisst, misstraut den Zuständen und ist überzeugt, ihre Mutter spiele ihr etwas vor und trinke heimlich. Die junge Frau sperrt sich oft stundenlang in ihrem Zimmer ein, hört Musik und wird von ihren widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Dazu gehört auch Eifersucht auf die kleine Halbschwester, die eine ganz andere Mutter erlebt als sie während ihrer eigenen Kindheit. Shay kann offensichtlich nicht verzeihen und trauert um ihre gestohlene Jugend. Derweilen versagt sie sich alle Freuden; teils aus Geldmangel, teils um sich selber zu bestrafen. Nonas Worte, dass sie (Shay) allen Grund und das Recht habe, wütend zu sein, aber auch das Recht, glücklich zu sein, prallen an ihr ab.
Die vierzigjährige Nona selber, die bereits mit fünfzehn Mutter von ihrem Wunschkind Shay wurde, hat gewissermassen eine Sucht durch eine andere ersetzt. Dank A.A. ist sie trocken, aber inzwischen völlig gartenverrückt. Sie pflegt einen üppigen, wilden und dennoch strukturierten Garten und legt grossen Wert auf eine gesunde Ernährung mit selber gezogenen Zucchinis, Tomaten und Jalapenos und schmückt ihr Daheim mit eigenen Schnittblumen. Ihr persönliches Problemlösungs-Rezept funktioniert so, dass sie die Ursache von Schwierigkeiten auf einen Zettel schreibt und diesen in kleine Stücke zerreisst. Die Schnipsel buddelt sie im Garten ein, wo sie sich zersetzen und die Erde anreichern. Und das Wichtigste: im nächsten Frühling hilft das Problem den Pflanzen beim Wachsen.
Während des länger als geplant dauernden Besuch kommen sich Shay und Nona näher und die Tochter beginnt sich zu verändern. Sie findet eine Stelle und einen Freund und sie nimmt wieder Kontakt mit ihrer ehemals besten Freundin auf. Langsam finden Mutter und Tochter zu einer besseren Beziehung, das gegenseitige Vertrauen wächst und bildet einen guten Boden für die Zukunft. Shay lernt zu verzeihen und möchte ihre kleine Halbschwester aufwachsen sehen. Und sie muss schmerzlich erkennen, dass man im Leben oft nicht das bekommt, was man will und genau die Fehler macht, die man den Eltern vorwirft.
Die Liebe der Autorin Carleen Brice zum Gärtnern ist nicht nur in diesem traurig-schönen Buch ersichtlich, sondern auch in ihrem Blog "Pajama Gardener".
Carleen Brice:
Orange Mint and Honey
Random House, 2008
Und so wie die Mutter trotz ihrer Sucht meistens eine sehr gepflegte Erscheinung war – jedenfalls, wenn man die Momente ausblendet, in denen ihre kleine Tochter Erbrochenes und anderes aufwischen musste – so hatte auch Shay das Vorspielen einer heilen Welt für die Umgebung perfektioniert. Freunde konnte sie nie einladen, da die Reaktionen ihrer Mutter unvorhersehbar waren und den Kontakt zu ihrer einzigen Freundin hat sie nach Schulabschluss abgebrochen.
Nun, mit fünfundzwanzig Jahren kehrt Shay wieder heim zu ihrer Mutter Nona. Die intelligente junge Frau hat sich jahrelang auf ihr auswärts absolviertes Studium konzentriert und der Kontakt zwischen den beiden Frauen beschränkte sich auf den unregelmässigen Austausch von Postkarten. Wegen Problemen in der Schule legt Shay auf Veranlassung ihres Mentors eine Semesterpause ein. Finanzielle Engpässe sowie die Vision ihrer Lieblingssängerin Nina Simone („go home!“) bewegen sie dazu, bei ihrer Mutter Unterschlupf zu suchen.
Shay, eigentlich LaShay Glory (wegen den „Morning Glories“ = Prunkwinden, die ihr Grossvater liebte), erkennt ihre völlig verändert erscheinende Mutter kaum wieder. Sie wohnt in einem gepflegten Haus, der Kühlschrank ist gefüllt und da ist Sunny, Shays dreijährige Halbschwester. Ist die Mutter wirklich trocken? Die emotional verkümmerte Shay, die sich in Stresssituationen ständig Haare ausreisst, misstraut den Zuständen und ist überzeugt, ihre Mutter spiele ihr etwas vor und trinke heimlich. Die junge Frau sperrt sich oft stundenlang in ihrem Zimmer ein, hört Musik und wird von ihren widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Dazu gehört auch Eifersucht auf die kleine Halbschwester, die eine ganz andere Mutter erlebt als sie während ihrer eigenen Kindheit. Shay kann offensichtlich nicht verzeihen und trauert um ihre gestohlene Jugend. Derweilen versagt sie sich alle Freuden; teils aus Geldmangel, teils um sich selber zu bestrafen. Nonas Worte, dass sie (Shay) allen Grund und das Recht habe, wütend zu sein, aber auch das Recht, glücklich zu sein, prallen an ihr ab.
Die vierzigjährige Nona selber, die bereits mit fünfzehn Mutter von ihrem Wunschkind Shay wurde, hat gewissermassen eine Sucht durch eine andere ersetzt. Dank A.A. ist sie trocken, aber inzwischen völlig gartenverrückt. Sie pflegt einen üppigen, wilden und dennoch strukturierten Garten und legt grossen Wert auf eine gesunde Ernährung mit selber gezogenen Zucchinis, Tomaten und Jalapenos und schmückt ihr Daheim mit eigenen Schnittblumen. Ihr persönliches Problemlösungs-Rezept funktioniert so, dass sie die Ursache von Schwierigkeiten auf einen Zettel schreibt und diesen in kleine Stücke zerreisst. Die Schnipsel buddelt sie im Garten ein, wo sie sich zersetzen und die Erde anreichern. Und das Wichtigste: im nächsten Frühling hilft das Problem den Pflanzen beim Wachsen.
Während des länger als geplant dauernden Besuch kommen sich Shay und Nona näher und die Tochter beginnt sich zu verändern. Sie findet eine Stelle und einen Freund und sie nimmt wieder Kontakt mit ihrer ehemals besten Freundin auf. Langsam finden Mutter und Tochter zu einer besseren Beziehung, das gegenseitige Vertrauen wächst und bildet einen guten Boden für die Zukunft. Shay lernt zu verzeihen und möchte ihre kleine Halbschwester aufwachsen sehen. Und sie muss schmerzlich erkennen, dass man im Leben oft nicht das bekommt, was man will und genau die Fehler macht, die man den Eltern vorwirft.
Die Liebe der Autorin Carleen Brice zum Gärtnern ist nicht nur in diesem traurig-schönen Buch ersichtlich, sondern auch in ihrem Blog "Pajama Gardener".
Carleen Brice:
Orange Mint and Honey
Random House, 2008
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