An meinen unregelmässigen Besuchen an der Frankfurter Buchmesse drängt sich mir jeweils unweigerlich die Frage auf, wer all dieses Geschreibsel wohl lesen mag. Für mich selber habe ich unter den unzähligen Publikationen einige wenige neue Titel entdeckt, die ich unbedingt lesen will, und etliche bereits hier vorgestellte Bücher wieder angetroffen.
Nicht zu übersehen war natürlich der brandneue Gartenkrimi „Der Radieschenmörder“ von Bernd Flessner, dessen Beschaffung zwar nicht gerade kriminell, aber doch ein wenig spektakulär war, wie meine an der Buchmesse persönlich kennen gelernte Bloggerkollegin Dani und ich feststellen mussten. Zierten wohl mehr als zwei Dutzend Exemplare dieser Neuerscheinung eine Wand des BLV-Messestandes, las ich wieder daheim im Internet, dass das Buch nur im stationären Buchhandel und dies anscheinend auch nur während vierzehn Tagen zu erwerben war. Da erscheint mal ein perfekt in den Sofagarten passender Gartenkrimi und der lässt sich nicht beschaffen? Hätte ich mir vielleicht doch besser ein Exemplar mopsen sollen?
Das tut frau natürlich nicht. Und recht schnell habe ich herausbekommen, dass der Verlag den Buchhandlungen mit dieser Marketing-Idee einen Zeitvorsprung, also die Gelegenheit, möglichst viele Bücher direkt zu verkaufen, verschaffen wollte. Inzwischen ist das Buch auch im Online-Handel erhältlich. Die Sofagärtnerin, die sich angesichts ihres beruflichen Hintergrundes mit Erfahrung im Rechnungswesen von Verlagen schon überlegt hatte, wie sich das rechnet und finanziell lohnen kann, ist nun also gleich doppelt beruhigt. Nun bleibt nur doch die Hoffnung, dass das Buch mindestens so spannend ist, wie das Drumherum um die Beschaffung.
Aktuell lese ich gerade einen anderen Krimi, und zwar „Baumkiller“ von Werner Färber aus dem Gmeiner Verlag. Aber eigentlich wollte ich ja – siehe Titel – über Bücher schreiben, die ich nicht lesen mag und die ich (grösstenteils) ungelesen weggelegt habe. Regelmässige Blogleserinnen und -leser wissen von meiner nebenberuflichen Weiterbildung, wegen der ich nunmehr wenig Zeit für unterhaltsame Lektüre habe. Manuals, Gesetze und Verordnungen decken meinen Bedarf an anspruchsvoller Lektüre. Dementsprechend bevorzuge ich in der Freizeit Romane und verschiebe schwerere Kost auf später. Die Buchvorstellungen im Sofagarten sind also auch weiterhin mehrheitlich Romane, Krimis und gelegentlich Anthologien.
Vorläufig keine Buchvorstellung gibt es von Dieter Bachmanns „Die Gärten der Medusa“ (Limmat Verlag), von dem es in der Umschlagbeschreibung heisst (Zitat): „ Ein Schiff legt ab. Es hat Gärten an Bord – Hausgärten, Parks, Landschaften und tiefgrüne Wälder. Und ein paar Passagiere, die diese durchwandern…“. Ebenfalls aus der Liste der zuletzt gelesenen Bücher gelöscht habe ich „Der Garten über dem Meer“ von Mercè Rodoreda (Mare Verlag) - ein erstmals ins Deutsche übersetzter Roman aus dem Katalanischen über die Beobachtungen eines Gärtners in einem Herrenhaus in den Jahren vor dem Spanischen Bürgerkrieg.
Auch mit „Orchid Territory“ von Mary Motes (Wordrunner Publishing) wurde ich nicht richtig warm. Bis jetzt konnte ich nicht herausfinden, wo sich der Humor in dieser „Comic Novel“ („… full of humor and wicked comedy“ gemäss The Orchid Review) versteckt… Falls ihn jemand gefunden haben sollte, bitte mitteilen! Dann lese ich in einem Jahr weiter, wenn ich hoffentlich wieder mehr Zeit für Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner habe.
1. November 2015
20. Oktober 2015
Jockel Tschiersch: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Haben Sie auch schon mal damit geliebäugelt, einfach alles stehen und liegen zu lassen? Genau so geht es Georg, genannt Schorsch, Kempter. Er belässt es aber nicht beim blossen Gedankenspiel, sondern gibt dem Impuls nach und statt wie üblich frühmorgens arbeiten zu gehen, steigt er an einem schönen Julitag in sein kleines heiss geliebtes Flugzeug, fliegt einfach fort.
Kempters Ehe scheint am Ende, seinem Vater kann er nichts recht machen, dem Berufswunsch seiner Tochter Miriam, die mindestens so stur ist, wie er selber, kann er nichts abgewinnen und nun scheint auch noch die kleine Familiengärtnerei definitiv Konkurs anmelden zu müssen. Denn ein Kunde, für den er in monatelanger Arbeit einen Golfplatz angelegt hat, ist mit dem Grünton des Rasens nicht zufrieden und verweigert die Zahlung der Schlussrechnung. Diese Tatsache bedeutet nicht nur für den schon schlingernden Kleinbetrieb eine substantielle Gefahr, der Gärtner muss befürchten, dass ihm auch seine Piper J3C weggenommen wird.
Sechs Tage in der Woche arbeitet er schwer von früh bis spät. Trotzdem reicht das Einkommen nur knapp für die Familie, die alte Piper und die Entlohnung seines einzigen Angestellten, der das Arbeiten nicht gerade erfunden hat. Schorsch selber ist zwar ein sehr geschickter Gärtner, aber eben kein gewiefter Geschäftsmann. Die Sonntagsflüge, wenn er alleine in seiner Maschine hoch oben in den Wolken seine Runden dreht, sind der der Höhepunkt der Woche und lassen ihn Arbeit, Familie und finanzielle Probleme ertragen. Wobei ganz unschuldig an den innerfamiliären Kommunikationsproblemen ist der maulfaule Gärtner auch nicht. Er spricht höchstens mit seiner Piper, was er aber aus einschlägiger Erfahrung auf seine Flugzeiten beschränkt. Schlafen tut der Schorsch am liebsten in seiner Rosenwerkstatt oder gleich bei seinen Rosen und träumt bevorzugt von einer von ihm selber gezüchteten komplett schwarzen Rosen, und zwar mit Blüten ohne den üblichen lila Schimmer. In der Ukraine soll ein Rosenzüchter diese Unmöglichkeit geschafft haben. Wäre das vielleicht ein anzupeilendes Endziel der spontanen Reise?
Als Schorsch nun einfach davonfliegt, lässt er zuerst zwecks Unerreichbarkeit sein altes Handy aus der Luft in einen Fluss fallen. Erst als ihn der leere Tank zur Landung zwingt, geht er auf dem Feld eines alten Bauern nieder und verdient sich Kost, Logis und Sprit für den Weiterflug. Der Bauer gibt ihm zusätzlich auf den Weg mit, dass er mehr lachen und reden soll.
Auf weiteren Stationen seine Reise lernt er verschiedene Menschen kennen, die ihren eigenen, teils schwer gefüllten Rucksack mit sich herumschleppen. So wie Schorsch, der geprägt ist von einer Katastrophe, die sich vor zwanzig Jahren ereignet hat und über die und seine Schuld er nie mit jemandem gesprochen hat. Er stellt fest, dass auch andere Familien ihre zwischenmenschlichen Probleme haben. Zeit für tiefsinnige Gedanken findet er beim Schuften in einem völlig vernachlässigten Garten eines riesigen Schlosses, wo er sein Bestes gibt, um die Zierpflanzen vom Unkraut zu befreien - wenn er nicht gerade von der neugierigen Tochter der Schlossbesitzer indiskreten und direkten Fragen gelöchert wird.
Derweilen Frau und Tochter daheim wütend über sein Verschwinden sind, mühsam den Betrieb aufrecht halten und mit weiteren Problemen kämpfen, erweist sich der Austausch mit seinen neuen Bekannten und die Distanz zu Familie und Betrieb für Schorsch als wohltuend. Konflikte werden nicht durch Ignoranz und Schweigen gelöst, gibt es vielleicht noch eine Chance für Betrieb und Ehe? Ist die schwarze Rose tatsächlich so wichtig? Schliesslich ist nicht alles planbar und Pläne werden immer wieder durchkreuzt.
Der Autor lässt sich für das Ende der Lektüre einige Überraschungen einfallen und gelegentlich finden sich witzige Wortkreationen im Text, wie etwa „ungezügelte Flora“, „miefender Beziehungskompost“ und „Wortspar-Konto“.
Jockel Tschiersch:
Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
Kempters Ehe scheint am Ende, seinem Vater kann er nichts recht machen, dem Berufswunsch seiner Tochter Miriam, die mindestens so stur ist, wie er selber, kann er nichts abgewinnen und nun scheint auch noch die kleine Familiengärtnerei definitiv Konkurs anmelden zu müssen. Denn ein Kunde, für den er in monatelanger Arbeit einen Golfplatz angelegt hat, ist mit dem Grünton des Rasens nicht zufrieden und verweigert die Zahlung der Schlussrechnung. Diese Tatsache bedeutet nicht nur für den schon schlingernden Kleinbetrieb eine substantielle Gefahr, der Gärtner muss befürchten, dass ihm auch seine Piper J3C weggenommen wird.
Sechs Tage in der Woche arbeitet er schwer von früh bis spät. Trotzdem reicht das Einkommen nur knapp für die Familie, die alte Piper und die Entlohnung seines einzigen Angestellten, der das Arbeiten nicht gerade erfunden hat. Schorsch selber ist zwar ein sehr geschickter Gärtner, aber eben kein gewiefter Geschäftsmann. Die Sonntagsflüge, wenn er alleine in seiner Maschine hoch oben in den Wolken seine Runden dreht, sind der der Höhepunkt der Woche und lassen ihn Arbeit, Familie und finanzielle Probleme ertragen. Wobei ganz unschuldig an den innerfamiliären Kommunikationsproblemen ist der maulfaule Gärtner auch nicht. Er spricht höchstens mit seiner Piper, was er aber aus einschlägiger Erfahrung auf seine Flugzeiten beschränkt. Schlafen tut der Schorsch am liebsten in seiner Rosenwerkstatt oder gleich bei seinen Rosen und träumt bevorzugt von einer von ihm selber gezüchteten komplett schwarzen Rosen, und zwar mit Blüten ohne den üblichen lila Schimmer. In der Ukraine soll ein Rosenzüchter diese Unmöglichkeit geschafft haben. Wäre das vielleicht ein anzupeilendes Endziel der spontanen Reise?
Als Schorsch nun einfach davonfliegt, lässt er zuerst zwecks Unerreichbarkeit sein altes Handy aus der Luft in einen Fluss fallen. Erst als ihn der leere Tank zur Landung zwingt, geht er auf dem Feld eines alten Bauern nieder und verdient sich Kost, Logis und Sprit für den Weiterflug. Der Bauer gibt ihm zusätzlich auf den Weg mit, dass er mehr lachen und reden soll.
Auf weiteren Stationen seine Reise lernt er verschiedene Menschen kennen, die ihren eigenen, teils schwer gefüllten Rucksack mit sich herumschleppen. So wie Schorsch, der geprägt ist von einer Katastrophe, die sich vor zwanzig Jahren ereignet hat und über die und seine Schuld er nie mit jemandem gesprochen hat. Er stellt fest, dass auch andere Familien ihre zwischenmenschlichen Probleme haben. Zeit für tiefsinnige Gedanken findet er beim Schuften in einem völlig vernachlässigten Garten eines riesigen Schlosses, wo er sein Bestes gibt, um die Zierpflanzen vom Unkraut zu befreien - wenn er nicht gerade von der neugierigen Tochter der Schlossbesitzer indiskreten und direkten Fragen gelöchert wird.
Derweilen Frau und Tochter daheim wütend über sein Verschwinden sind, mühsam den Betrieb aufrecht halten und mit weiteren Problemen kämpfen, erweist sich der Austausch mit seinen neuen Bekannten und die Distanz zu Familie und Betrieb für Schorsch als wohltuend. Konflikte werden nicht durch Ignoranz und Schweigen gelöst, gibt es vielleicht noch eine Chance für Betrieb und Ehe? Ist die schwarze Rose tatsächlich so wichtig? Schliesslich ist nicht alles planbar und Pläne werden immer wieder durchkreuzt.
Der Autor lässt sich für das Ende der Lektüre einige Überraschungen einfallen und gelegentlich finden sich witzige Wortkreationen im Text, wie etwa „ungezügelte Flora“, „miefender Beziehungskompost“ und „Wortspar-Konto“.
Jockel Tschiersch:
Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
10. Oktober 2015
David Wheeler (Hrsg.): Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Im vierten von mittlerweile beinahe 600 hier im Sofagarten erschienen Posts habe ich Anfang Februar 2009 mit folgenden Worten die Anthologie „Hortus Revisited“ vorgestellt:
Zum 21. Geburtstag des vierteljährlich mit wunderbaren Illustrationen in s/-w-Optik erscheinenden Journals „Hortus“ ist eine Anthologie aus den bisher über 10'000 veröffentlichten Seiten anspruchsvoller Gartenliteratur erschienen.
Wer Hortus bereits kennt, wird eingeladen, nochmals Mirabel Oslers Ausführungen über Ordnung und Chaos im Garten zu folgen, wer Hortus erst noch entdecken will, findet vielleicht Gefallen an Catherine Umphreys Artikel über Margery Fish und die Leiden und Freuden von partnerschaftlichem Gärtnern oder erfährt von Fergus Garrett näheres über die Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis). Die Themenpalette reicht von Farbe, Duft, Pflanzenzucht über Pflanzenjäger zu Gartenportraits. Ebenso unterschiedlich sind die Beiträge abgefasst – mal unterhaltend, witzig oder informativ, dazwischen gibt’s aber auch schwerfälligere Kost. Zu den Autoren gehören Profis und Amateure, Botaniker und Historiker, Gärtner und Gartenfanatiker - vertreten sind etwa Beth Chatto, Ursula Buchan, Roy Strong und Noel Kingsbury.
Infos über Hortus: www.hortus.co.uk. Die ersten beiden Jahrgänge der Hortus-Back-Issues sind bereits früher ebenfalls in Buchform erschienen, aber längst nur noch antiquarisch erhältlich ("By Pen and By Spade" und "The Generous Garden", beide Titel ebenfalls von David Wheeler herausgegeben).
Nun steht (endlich) eine Auswahl dieser Gartengeschichten auch dem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung:
David Wheeler (Hrsg.):
Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015
Zum 21. Geburtstag des vierteljährlich mit wunderbaren Illustrationen in s/-w-Optik erscheinenden Journals „Hortus“ ist eine Anthologie aus den bisher über 10'000 veröffentlichten Seiten anspruchsvoller Gartenliteratur erschienen.
Wer Hortus bereits kennt, wird eingeladen, nochmals Mirabel Oslers Ausführungen über Ordnung und Chaos im Garten zu folgen, wer Hortus erst noch entdecken will, findet vielleicht Gefallen an Catherine Umphreys Artikel über Margery Fish und die Leiden und Freuden von partnerschaftlichem Gärtnern oder erfährt von Fergus Garrett näheres über die Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis). Die Themenpalette reicht von Farbe, Duft, Pflanzenzucht über Pflanzenjäger zu Gartenportraits. Ebenso unterschiedlich sind die Beiträge abgefasst – mal unterhaltend, witzig oder informativ, dazwischen gibt’s aber auch schwerfälligere Kost. Zu den Autoren gehören Profis und Amateure, Botaniker und Historiker, Gärtner und Gartenfanatiker - vertreten sind etwa Beth Chatto, Ursula Buchan, Roy Strong und Noel Kingsbury.
Infos über Hortus: www.hortus.co.uk. Die ersten beiden Jahrgänge der Hortus-Back-Issues sind bereits früher ebenfalls in Buchform erschienen, aber längst nur noch antiquarisch erhältlich ("By Pen and By Spade" und "The Generous Garden", beide Titel ebenfalls von David Wheeler herausgegeben).
Nun steht (endlich) eine Auswahl dieser Gartengeschichten auch dem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung:
- Vorwort – Oder: Ein Buch für Gärtner, die lesen, und Leser, die gärtnern
- David Wheeler und Hortus
- Stephen Lacey : Der Duftgarten
- Beth Chatto: Sir Cedric Morris, Künstler und Gärtner
- Penelope Hobhouse: Phyllis Reiss in Tintinhull
- Alvide Lees-Milne: Lawrence Johnston, der Schöpfer von Hidcote Garden
- Mirabel Osler: Bitte mehr Chaos! – Ein sanfter Appell
- Nigel Colborn: Zeigt mir eure Hostas!
- John Francis: Mein Paradies im Park
- Andrew Lawson: Die Kunst und der Garten
- Dawn MacLeod: Die Kunst der Pflanzenfärberei
- Elizabeth Seager: Das Jahr des Gärtners
- Roy Strong: The Laskett: Die Geschichte eines Gartens
- Deborah Kellaway: Von Möpsen, Pfauen und Pekinesen: Der Garten von Garsington Manor
- Jim Gould: Ein blaues Wunder
- Catherine Umphrey: Pflanzpartner, oder: Gärtnern mit Walter
- Peter Parker: Die Gärten der Beatrix Potter
- Antony King-Deacon: Es war einmal in Sissinghurst
- Katherine Swift: Reisenotizen von Orkney
- Diana Rosse: Der Waliser Garten Plas Brondanw aus Sicht seines Gärtners
- Marta McDowell: Maleficus – In tödlicher Absicht
- Alex Dufort: Der Garten Ridler
- Graham Gough: Die beste Lehrmeisterin, die ein Gartengestalter sich wünschen kann
- Ambra Edwards: Ein Besuch bei Ian Hamilton Finlay
David Wheeler (Hrsg.):
Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015
1. Oktober 2015
Lisa van Allen: The Night Garden
Zwischen Olivia Pennywort und allem, was Wurzeln in die Erde schickt, besteht seit jeher eine enge Verbindung. Die neunundzwanzigjährige Frau hat aber auch ihre guten (sprich lebenswichtigen) Gründe, die Nase direkt in ihre Pflanzen zu stecken, braucht sie diese doch als existenzielles Elixier. Schon als vierjähriges Kleinkind hat sie in ihrer Umgebung für Aufregung gesorgt, weil Grünzeug unter ihrer Fittiche merkwürdig gut gedieh. Diese Tatsache war nämlich nicht nur auf die ausgezeichnete Erde von Pennywort zurückzuführen. Doch Olivia hat erst viel später herausgefunden, dass ihre Begabung etwas Spezielles ist und welche Konsequenzen und Einschränkungen damit verbunden sind.
Ihr ganzes bisheriges Leben hat Olivia auf dem Familienbesitz der Pennyworts in Green Valley verbracht und sie verlässt seit vielen Jahren das Grundstück überhaupt nicht mehr. Ihre Tage sind hauptsächlich mit Arbeit ausgefüllt, bei der sie von den „Penny Loafers“ unterstützt wird, denen sie für ihre Hilfe Kost und eine einfache Unterkunft anbietet. Diese saisonalen Arbeitskräfte sind praktisch der einzige Kontakt zur Aussenwelt. Und auch vor diesen versucht sie, um jeden Preis ihr schreckliches Geheimnis zu verbergen. Ihr Körper wirkt auf andere Menschen wie eine schwer giftige Pflanze und löst bei jeder Berührung im Gegenüber je nach Sensibilität gesundheitsgefährdende Allergien aus.
Olivia steckt ihre ganze Energie in ihre Gärten, in denen Pflanzen aller Arten um die Wette blühen. Ein Irrgarten offenbart den oft von weither angereisten Besuchern, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Die Ratschläge sind oft ebenso unverblümt wie brutal. Zur Pennywort Farm gehören Felder, Wälder und Gartenräume zu unterschiedlichsten Themen, etwa ein Streichelgarten, ein Giftgarten, ein Steingarten sowie ein Moosgarten um nur einige zu nennen. Von grünen Hecken eingerahmt wachsen Phloxe, Rosen, Orchideen, Bougainvillea, Prunkwinden und der eine wichtige Rolle spielende Efeu. Lebt Olivia hier im Paradies oder vielleicht doch eher in einem Gefängnis?
Eigentlich ist die junge Frau mit ihrem Leben ganz zufrieden, als ihr Jugendfreund Samuel van Winkle nach vielen Jahren plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht. Der Mann mit einem Flair für Pilze kann nach einem schweren Unfall nichts mehr fühlen. Er, der aus einer Familie von tatkräftigen Helden stammt, spürt nicht, ob ein Badetuch nass oder trocken ist oder kratzig oder flauschig. Sein neuer Job bei der Polizei überfordert ihn in vielen Situationen, doch er möchte endlich herausfinden, warum Olivia die gemeinsame Kindheit und intensive Teenager-Liebesbeziehung vor bald eineinhalb Jahrzehnten ohne Angabe von Gründen abrupt abgebrochen hat.
Ein Schlüssel zur Lösung liegt beim 83jährigen Arthur Pennywort. Der verwitwete Vater von Olivia, dessen eigenes Leben 1969 mit dem in der Nähe des Green Valley stattfindenden Woodstock Festivals seinen scheinbar schon fest vorgezeigten Weg verlassen hat, kämpft seit Jahren gegen die Folgen an, die sein eigener Egoismus freigesetzt hat. Wie ein wildes Tier haust er in einer Schlucht und versucht erfoglos, seine Sünden auszubügeln. Sein Gewissen lässt ihm keine ruhige Minute und seine Sturheit bringt die eigene Tochter in zusätzliche Schwierigkeiten.
Nicht nur Sam bringt Olivias Leben durcheinander. Einer neuen Nachbarin, die aus der Stadt zugezogen ist, missfallen etliche Dinge auf dem Land. Sie macht es sich zur Aufgabe, ordentlich aufzuräumen. Ein Dorn im Auge sind ihr etwa die angeblich unzufriedenen „Penny Loafers“, für die sie eine ordentliche Unterbringung organisiert, und sie möchte Olivias angeblich völlig vernachlässigten Vater in ein Heim stecken lassen.
Eine magische Erzählung mit mysteriösen und märchenhaften Elementen, für Leserinnen und Leser, die nicht jeden Satz auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen wollen und müssen.
Lisa van Allen:
The Night Garden
Ballantine Book, 2014
Ihr ganzes bisheriges Leben hat Olivia auf dem Familienbesitz der Pennyworts in Green Valley verbracht und sie verlässt seit vielen Jahren das Grundstück überhaupt nicht mehr. Ihre Tage sind hauptsächlich mit Arbeit ausgefüllt, bei der sie von den „Penny Loafers“ unterstützt wird, denen sie für ihre Hilfe Kost und eine einfache Unterkunft anbietet. Diese saisonalen Arbeitskräfte sind praktisch der einzige Kontakt zur Aussenwelt. Und auch vor diesen versucht sie, um jeden Preis ihr schreckliches Geheimnis zu verbergen. Ihr Körper wirkt auf andere Menschen wie eine schwer giftige Pflanze und löst bei jeder Berührung im Gegenüber je nach Sensibilität gesundheitsgefährdende Allergien aus.
Olivia steckt ihre ganze Energie in ihre Gärten, in denen Pflanzen aller Arten um die Wette blühen. Ein Irrgarten offenbart den oft von weither angereisten Besuchern, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Die Ratschläge sind oft ebenso unverblümt wie brutal. Zur Pennywort Farm gehören Felder, Wälder und Gartenräume zu unterschiedlichsten Themen, etwa ein Streichelgarten, ein Giftgarten, ein Steingarten sowie ein Moosgarten um nur einige zu nennen. Von grünen Hecken eingerahmt wachsen Phloxe, Rosen, Orchideen, Bougainvillea, Prunkwinden und der eine wichtige Rolle spielende Efeu. Lebt Olivia hier im Paradies oder vielleicht doch eher in einem Gefängnis?
Eigentlich ist die junge Frau mit ihrem Leben ganz zufrieden, als ihr Jugendfreund Samuel van Winkle nach vielen Jahren plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht. Der Mann mit einem Flair für Pilze kann nach einem schweren Unfall nichts mehr fühlen. Er, der aus einer Familie von tatkräftigen Helden stammt, spürt nicht, ob ein Badetuch nass oder trocken ist oder kratzig oder flauschig. Sein neuer Job bei der Polizei überfordert ihn in vielen Situationen, doch er möchte endlich herausfinden, warum Olivia die gemeinsame Kindheit und intensive Teenager-Liebesbeziehung vor bald eineinhalb Jahrzehnten ohne Angabe von Gründen abrupt abgebrochen hat.
Ein Schlüssel zur Lösung liegt beim 83jährigen Arthur Pennywort. Der verwitwete Vater von Olivia, dessen eigenes Leben 1969 mit dem in der Nähe des Green Valley stattfindenden Woodstock Festivals seinen scheinbar schon fest vorgezeigten Weg verlassen hat, kämpft seit Jahren gegen die Folgen an, die sein eigener Egoismus freigesetzt hat. Wie ein wildes Tier haust er in einer Schlucht und versucht erfoglos, seine Sünden auszubügeln. Sein Gewissen lässt ihm keine ruhige Minute und seine Sturheit bringt die eigene Tochter in zusätzliche Schwierigkeiten.
Nicht nur Sam bringt Olivias Leben durcheinander. Einer neuen Nachbarin, die aus der Stadt zugezogen ist, missfallen etliche Dinge auf dem Land. Sie macht es sich zur Aufgabe, ordentlich aufzuräumen. Ein Dorn im Auge sind ihr etwa die angeblich unzufriedenen „Penny Loafers“, für die sie eine ordentliche Unterbringung organisiert, und sie möchte Olivias angeblich völlig vernachlässigten Vater in ein Heim stecken lassen.
Eine magische Erzählung mit mysteriösen und märchenhaften Elementen, für Leserinnen und Leser, die nicht jeden Satz auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen wollen und müssen.
Lisa van Allen:
The Night Garden
Ballantine Book, 2014
20. September 2015
Barbara Frischmuth: Der unwiderstehliche Garten – Eine Beziehungsgeschichte
In ihrem vierten Gartenbuch zieht Barbara Frischmuth hortikulturelle Bilanz und berichtet von den Schwierigkeiten, sich vom grünen Flecken Beet für Beet abzunabeln. Während Jahrzehnten hat sie auf einer ehemaligen Hangwiese auf 800 Metern über Meer gegärtnert. Der Untergrund bestand zu Beginn aus viel Bauschutt, wenig darüber verteilter Erde und Gras. Den Mutterboden hatte der Bauführer ohne vorherige Rücksprache oder entsprechende Abmachungen verkauft. Der frühere Schulkollege konnte ja nicht ahnen, dass gerade eine Schriftstellerin einem Teil ihres Glücks in der Erde suchen (und finden) würde.
Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?
Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.
Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.
Barbara Frischmuth:
Der unwiderstehliche Garten
Aufbau Verlag, 2015
Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?
Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.
Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
- Warum ein schmerzender Rücken manchmal glücklicher macht als die Idee, es sich im Alter immer bequemer zu machen
- Mach nur einen Plan
- Die Ambivalenz der Gefühle
- Von Mäusen, Lenzrosen und win-win-Situationen
Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.
Barbara Frischmuth:
Der unwiderstehliche Garten
Aufbau Verlag, 2015
10. September 2015
Andreas Austilat: Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich
Lässt sich die Vorliebe für Blumen der Ehefrau mit dem Hang zur landwirtschaftlichen Nutzung des Gartens durch den Mann vereinbaren? Andreas Austilat berichtet in dieser Kolumnensammlung aus dem Tagesspiegel in amüsantem Schreibstil über seine diesbezüglichen Erfahrungen.
Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Reiheneinfamilienhauses vor etlichen Jahren war der Garten bereits komplett bepflanzt, und zwar im Stil der 1960er Jahre mit Forsythie, Konifere, Rosen und Rasen. Über die Grösse des Gartens habe ich keine Angaben entdeckt (oder diese überlesen). Ich liege aber wohl nicht falsch mit meiner Vermutung, dass die Parzelle einiges grösser ist, als zwei- oder dreihundert Quadratmeter, ist doch an einer Stelle die Rede davon, dass zwanzig Leute gleichzeitig auf dem Rasen herumspringen. Die bisherigen gärtnerischen Erfahrungen des Autors beschränkten sich jedenfalls dannzumal mehrheitlich auf das seinerzeitige gelegentliche Rasenmähen mit einem Spindelmäher als Kind.
Die nicht chronologisch, sondern thematisch geordneten Kapitel geben erste Hinweise auf die geplanten, verworfenen und durchgeführten Veränderungen innerhalb von Zaun und Hecke:
Während der Lektüre stellt die Sofagärtnerin schnell fest, dass der Autor gewohnt ist, Sachverhalte zu hinterfragen und zu recherchieren. Wiederholt sind es Monokulturen, über die er sich schlau macht, und die Leserin detailliert an seinem Wissen teilhaben lässt. Einmal berichtet er diesbezüglich über Kiefern, ein andermal über Bananen. Haben Sie gewusst, dass fast alle in unseren Breitengraden verkauften Bananen zur Sorte "Cavendish" gehören und dass eine frühere Sorte, ebenfalls eine Monokultur, in den 1960er Jahren durch einen Pilz ausgerottet worden ist?
Weiter berichtet Andreas Austilat über die von Schneeglöckchen erzeugte Bodenwärme und darüber, weshalb unter Kiefern nur Maiglöckchen und Walderdbeeren wachsen. Dann sinniert er über Geheimnisse und Rätsel des Gartens - etwa jenes, warum das Tränende Herz in einem Jahr durch seine Blütenfülle den Neid von Besuchern weckt und im nächsten Jahr nur vor sich hin kümmert.
Während der Autor herausfindet, dass im Garten zwei verschiedene Sorten Liguster stehen, nämlich eine immergrüne und eine laubabwerfende, und auch Forsysthien völlig verschnitten, sprich mit der falschen Schnitttechnik oder Vernachlässigung verunstaltet werden können, liest man wiederholt über das grosse grüne Herz der Ehefrau für verstossene und ungeliebte Pflanzen, die niemand (kaufen) will und im Austilatschen Garten ein Asyl finden. In diesem Zusammenhang fällt im Buch auch der schöne Begriff „botanische Fremdenfeindlichekeit“. Denn der Ehemann mag keine Exoten oder sonst wie komplizierte Pflanzen im Garten, für die er seine Gewohnheiten anpassen muss. Ausser er kann mit schwerem Geschütz auffahren (Stichwort Kettensäge).
Andreas Austilat:
Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Reiheneinfamilienhauses vor etlichen Jahren war der Garten bereits komplett bepflanzt, und zwar im Stil der 1960er Jahre mit Forsythie, Konifere, Rosen und Rasen. Über die Grösse des Gartens habe ich keine Angaben entdeckt (oder diese überlesen). Ich liege aber wohl nicht falsch mit meiner Vermutung, dass die Parzelle einiges grösser ist, als zwei- oder dreihundert Quadratmeter, ist doch an einer Stelle die Rede davon, dass zwanzig Leute gleichzeitig auf dem Rasen herumspringen. Die bisherigen gärtnerischen Erfahrungen des Autors beschränkten sich jedenfalls dannzumal mehrheitlich auf das seinerzeitige gelegentliche Rasenmähen mit einem Spindelmäher als Kind.
Die nicht chronologisch, sondern thematisch geordneten Kapitel geben erste Hinweise auf die geplanten, verworfenen und durchgeführten Veränderungen innerhalb von Zaun und Hecke:
- Wie wir Gärtner wurden
- Grenzen setzen
- Mein Freund, der Baum
- Exotische Träume
- Ich wäre so gern ein Farmer
- Eindringlinge, gewollt und ungewollt
- Der Garten ist eine Baumstelle
Während der Lektüre stellt die Sofagärtnerin schnell fest, dass der Autor gewohnt ist, Sachverhalte zu hinterfragen und zu recherchieren. Wiederholt sind es Monokulturen, über die er sich schlau macht, und die Leserin detailliert an seinem Wissen teilhaben lässt. Einmal berichtet er diesbezüglich über Kiefern, ein andermal über Bananen. Haben Sie gewusst, dass fast alle in unseren Breitengraden verkauften Bananen zur Sorte "Cavendish" gehören und dass eine frühere Sorte, ebenfalls eine Monokultur, in den 1960er Jahren durch einen Pilz ausgerottet worden ist?
Weiter berichtet Andreas Austilat über die von Schneeglöckchen erzeugte Bodenwärme und darüber, weshalb unter Kiefern nur Maiglöckchen und Walderdbeeren wachsen. Dann sinniert er über Geheimnisse und Rätsel des Gartens - etwa jenes, warum das Tränende Herz in einem Jahr durch seine Blütenfülle den Neid von Besuchern weckt und im nächsten Jahr nur vor sich hin kümmert.
Während der Autor herausfindet, dass im Garten zwei verschiedene Sorten Liguster stehen, nämlich eine immergrüne und eine laubabwerfende, und auch Forsysthien völlig verschnitten, sprich mit der falschen Schnitttechnik oder Vernachlässigung verunstaltet werden können, liest man wiederholt über das grosse grüne Herz der Ehefrau für verstossene und ungeliebte Pflanzen, die niemand (kaufen) will und im Austilatschen Garten ein Asyl finden. In diesem Zusammenhang fällt im Buch auch der schöne Begriff „botanische Fremdenfeindlichekeit“. Denn der Ehemann mag keine Exoten oder sonst wie komplizierte Pflanzen im Garten, für die er seine Gewohnheiten anpassen muss. Ausser er kann mit schwerem Geschütz auffahren (Stichwort Kettensäge).
Andreas Austilat:
Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
1. September 2015
Bettina Plecher: Giftgrün
Ist die tödliche Verwechslung von Bärlauch und Herbstzeitlosen eines Hobbykochs der Grund für den Tod von Gabor Nader? Oder sind tatsächlich Zweifel angebracht und es könnte ein kalkulierter Mord dahinter stecken? Der charismatische, ehrgeizige Professor Nader ist erst kürzlich von Würzburg nach München gezogen und hat eine Stelle als leitender Oberarzt angetreten. Jeden Samstag hat er jemanden oder eine Gruppe aus der Klinik zu seinem „Jour fixe“ eingeladen und kulinarisch verwöhnt. Wer war sein letzter Gast?
Die fünfundzwanzigjährige Frieda May ist ihrem Doktorvater von Würzburg nach München gefolgt und tritt just an dem Tag, an dem Nader mit einer schweren Vergiftung in die Klinik eingewiesen wird, ihre erste richtige Stelle als Stationsärztin an. Einquartiert ist sie in der Wohnung von Quirin Quast, einem Doktor in Medizin und Chemie, spezialisiert auf klinische Toxologie. Nader und Quast haben in jungen Jahren zusammen geforscht und erfolgreich ihre Resultate in Fachzeitschriften publiziert. Doch während ersterer die Karriereleiter emporstieg, trägt letzterer seit Jahrzehnten belastende Schuldgefühle mit sich herum und ist zum Einzelgänger mutiert.
Frieda May, ein wenig verliebt in ihren Doktorvater, mag nicht an eine botanische Verwechslung glauben und beginnt in der Vergangenheit von Nader zu wühlen. Dabei tritt sie dem vierundvierzigjährigen Quast oft zu nahe und erfährt schliesslich von aus dem Ruder gelaufenen Selbst-Forschungsprojekten. Auch Quast kann sich keinen unglücklichen Zufall als Ursache von Naders Tod vorstellen und hat den Eindruck, der Verstorbene habe ihm Delirium den Auftrag erteilt, seinen „Fall“ aufzuklären. Wer also hatte ein Interesse daran, Nader zu vergiften? Und warum?
Ein unterhaltsamer Krimi mit Münchner Lokalkolorit, der Einblick in den Klinikalltag gibt und mit zwei Fällen aufwartet – einem Mord und einem Wissenschaftsbetrug.
Bettina Plecher:
Giftgrün
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2013
Die fünfundzwanzigjährige Frieda May ist ihrem Doktorvater von Würzburg nach München gefolgt und tritt just an dem Tag, an dem Nader mit einer schweren Vergiftung in die Klinik eingewiesen wird, ihre erste richtige Stelle als Stationsärztin an. Einquartiert ist sie in der Wohnung von Quirin Quast, einem Doktor in Medizin und Chemie, spezialisiert auf klinische Toxologie. Nader und Quast haben in jungen Jahren zusammen geforscht und erfolgreich ihre Resultate in Fachzeitschriften publiziert. Doch während ersterer die Karriereleiter emporstieg, trägt letzterer seit Jahrzehnten belastende Schuldgefühle mit sich herum und ist zum Einzelgänger mutiert.
Frieda May, ein wenig verliebt in ihren Doktorvater, mag nicht an eine botanische Verwechslung glauben und beginnt in der Vergangenheit von Nader zu wühlen. Dabei tritt sie dem vierundvierzigjährigen Quast oft zu nahe und erfährt schliesslich von aus dem Ruder gelaufenen Selbst-Forschungsprojekten. Auch Quast kann sich keinen unglücklichen Zufall als Ursache von Naders Tod vorstellen und hat den Eindruck, der Verstorbene habe ihm Delirium den Auftrag erteilt, seinen „Fall“ aufzuklären. Wer also hatte ein Interesse daran, Nader zu vergiften? Und warum?
Ein unterhaltsamer Krimi mit Münchner Lokalkolorit, der Einblick in den Klinikalltag gibt und mit zwei Fällen aufwartet – einem Mord und einem Wissenschaftsbetrug.
Bettina Plecher:
Giftgrün
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2013
20. August 2015
Marita Conlon McKenna: The Rose Garden
Seit einigen Monaten verwitwet, droht Molly der anstehende Verkauf des zusammen mit ihrem verstorbenen Mann liebevoll restaurierten irischen Landhauses nochmals das Herz zu brechen. Doch sie sieht keine Möglichkeit, Mossbawm House zu finanzieren und alleine die anfallende Arbeit zu bewältigen. Ausserdem ist das Haus für sie alleine auch viel zu gross. Ihre erwachsenen Töchter sind nicht begeistert von den Absichten ihrer Mutter, sehen aber auch keine funktionierende Alternative.
Nichtsdestotrotz packt die leidenschaftliche Gärtnerin Molly endlich wieder einmal zu Spaten, Forke, Unkrautstecher und Schere und macht sich an die Arbeit, die Vernachlässigung der letzten Zeit zu beseitigen. In den Staudenbeeten, im Küchengarten und im Gemüsebeet haben viele Pflanzen die Gelegenheit genutzt, sich ungehindert auszubreiten.
Bei ihren rigorosen Aufräumarbeiten dringt sie schliesslich in einen Teil des Gartens vor, den ihr Mann sowie die Vorbesitzer des grossen Grundstücks als Lagerplatz für alles Mögliche verwendet haben. Der versteckte Gartenteil entpuppt sich als Überrest eines ehemaligen Rosengartens. Verschiedene Rosen, haben der Zeit getrotzt und strecken ihre Ranken und vereinzelte Blüten der Sonne entgegen. Molly wundert sich, wie der Garten wohl vor hundert Jahren ausgesehen haben mag und versucht diese Frage mit Hilfe der Original-Pläne von Haus und Garten sowie alten Fotos zu beantworten. Hat sie hiermit vielleicht eine neue Aufgabe gefunden?
Noch zwei andere ihr mehr oder weniger nahestehende Personen machen eine schwierige Zeit durch. Mollys 29jährige Nichte Kim ist seit Monaten arbeitslos und nun auch noch von ihrem Freund verlassen und aus der Wohnung hinauskomplementiert worden. Dankbar nimmt die in finanziellen Nöten steckende junge Bankangestellte deshalb Mollys Einladung nach Mossbawm an. Die zweifache Mutter 36jährige Gina wiederum träumt davon, das von ihr temporär geführte Dorfcafé übernehmen und modernisieren zu können, aber die Pläne des Organisationstalents zerschlagen sich.
Schnell ist ein interessierter Käufer für das gepflegte irische Haus zur Stelle. Doch Mollys Verkaufsabsichten werden nicht nur durch die tiefen Immobilienpreise torpediert. Als sie zufällig von den geplanten Abriss- und Landüberbauungsplänen des potentiellen Interessenten erfährt, stoppt sie die Verkaufsverhandlungen. Gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit, die Unkosten und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, ohne sich von ihrem geliebten Haus und Garten zu trennen?
Spontan entscheidet Molly, dass das frühere Gärtner-Cottage, das am Rand des Grundstücks liegt, nicht veräussert werden soll. Sie lässt es renovieren und beabsichtigt, dort einzuziehen. In der Zwischenzeit restauriert sie mit tatkräftiger Unterstützung von Kim den Rosengarten. Gleichzeitig recherchiert ihre Nichte in alten Unterlagen über Mossbawm und findet Fotos des früheren Rosengartens in der Bibliothek. Dank ihren in Kursen kürzlich erworbenen Kenntnissen über Webdesign und Fotografie beginnt die junge Frau eine Webseite über das Anwesen zu erstellen. Und plötzlich tun sich für alle drei Frauen neue vielversprechende Zukunftsmöglichkeiten auf.
Marita Conlon_McKenna:
The Rose Garden
Transworld Publishers, 2013
Nichtsdestotrotz packt die leidenschaftliche Gärtnerin Molly endlich wieder einmal zu Spaten, Forke, Unkrautstecher und Schere und macht sich an die Arbeit, die Vernachlässigung der letzten Zeit zu beseitigen. In den Staudenbeeten, im Küchengarten und im Gemüsebeet haben viele Pflanzen die Gelegenheit genutzt, sich ungehindert auszubreiten.
Bei ihren rigorosen Aufräumarbeiten dringt sie schliesslich in einen Teil des Gartens vor, den ihr Mann sowie die Vorbesitzer des grossen Grundstücks als Lagerplatz für alles Mögliche verwendet haben. Der versteckte Gartenteil entpuppt sich als Überrest eines ehemaligen Rosengartens. Verschiedene Rosen, haben der Zeit getrotzt und strecken ihre Ranken und vereinzelte Blüten der Sonne entgegen. Molly wundert sich, wie der Garten wohl vor hundert Jahren ausgesehen haben mag und versucht diese Frage mit Hilfe der Original-Pläne von Haus und Garten sowie alten Fotos zu beantworten. Hat sie hiermit vielleicht eine neue Aufgabe gefunden?
Noch zwei andere ihr mehr oder weniger nahestehende Personen machen eine schwierige Zeit durch. Mollys 29jährige Nichte Kim ist seit Monaten arbeitslos und nun auch noch von ihrem Freund verlassen und aus der Wohnung hinauskomplementiert worden. Dankbar nimmt die in finanziellen Nöten steckende junge Bankangestellte deshalb Mollys Einladung nach Mossbawm an. Die zweifache Mutter 36jährige Gina wiederum träumt davon, das von ihr temporär geführte Dorfcafé übernehmen und modernisieren zu können, aber die Pläne des Organisationstalents zerschlagen sich.
Schnell ist ein interessierter Käufer für das gepflegte irische Haus zur Stelle. Doch Mollys Verkaufsabsichten werden nicht nur durch die tiefen Immobilienpreise torpediert. Als sie zufällig von den geplanten Abriss- und Landüberbauungsplänen des potentiellen Interessenten erfährt, stoppt sie die Verkaufsverhandlungen. Gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit, die Unkosten und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, ohne sich von ihrem geliebten Haus und Garten zu trennen?
Spontan entscheidet Molly, dass das frühere Gärtner-Cottage, das am Rand des Grundstücks liegt, nicht veräussert werden soll. Sie lässt es renovieren und beabsichtigt, dort einzuziehen. In der Zwischenzeit restauriert sie mit tatkräftiger Unterstützung von Kim den Rosengarten. Gleichzeitig recherchiert ihre Nichte in alten Unterlagen über Mossbawm und findet Fotos des früheren Rosengartens in der Bibliothek. Dank ihren in Kursen kürzlich erworbenen Kenntnissen über Webdesign und Fotografie beginnt die junge Frau eine Webseite über das Anwesen zu erstellen. Und plötzlich tun sich für alle drei Frauen neue vielversprechende Zukunftsmöglichkeiten auf.
Marita Conlon_McKenna:
The Rose Garden
Transworld Publishers, 2013
15. August 2015
Sarah Jio: Der Kameliengarten
Um die Jahrtausendwende zieht die Amerikanerin Addison mit ihrem Mann Rex in das englische Herrenhaus Livingston Manor, das ihre Schwiegereltern kürzlich erworben haben. Die junge Frau führt ein eigenes Landschaftsgestaltungsbüro und wird gleich vom riesigen Garten, der die Liegenschaft umgibt, magisch angezogen. Während ihr Mann vom Landsitz inspiriert ein neues Buch schreibt, vertieft sich Addison in das Buch „The Years“ von Virginia Woolf, das einst einer Frau namens Flora gehört hat. Neben dem eigentlichen Text fasziniert sie besonders die Widmung einer Georgia auf der ersten Seite: „The true oft he matter is that we always know the right thing to do. The hard part is doing it“. Wer waren Flora und Georgia?
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Diese Buchbesprechung habe ich bereits am 11. März 2014 erstmals online gestellt, um die englische Originalausgabe "The Last Camellia" vorzustellen. Anlässlich des Erscheinens der Deutschen Übersetzung "Der Kameliengarten" vor ein paar Tagen poste ich sie nochmals.
Sarah Jio:
Der Kameliengarten
Diana Verlag, 2015
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Diese Buchbesprechung habe ich bereits am 11. März 2014 erstmals online gestellt, um die englische Originalausgabe "The Last Camellia" vorzustellen. Anlässlich des Erscheinens der Deutschen Übersetzung "Der Kameliengarten" vor ein paar Tagen poste ich sie nochmals.
Sarah Jio:
Der Kameliengarten
Diana Verlag, 2015
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
10. August 2015
Zuletzt angefangen zu lesen: Jens F. Meyer - Beetgeflüster
Statt viele Worte über den Inhalt dieses Buches zu machen, lasse ich doch vielsagend eine Auswahl von Kapitelüberschriften sprechen:
Jens F. Meyer berichtet von der Hassliebe zu seinem Geldbaum, von besonderen Frost-Spannern und freut sich, dass das Stehlen (mit den Augen) von Pflanzenkompositionen aus fremden Gärten nicht strafbar ist. Er sinniert über Paradoxa (sich über Sonne freuen und Regen vermissen und sich über Regen freuen und Sonne vermissen) und über irreführende Pflanzennamen wie etwa „Kuhschelle“. Dann verrät er, keine zu perfekt gestaltete Langeweile zu mögen und dass er die Blumen in seinem Garten sich versamen und wachsen lässt. Das Herausrupfen wird vorläufig vertagt und oft auch ganz unterlassen.
„Beetgeflüster“ ist eine Kolumnensammlung von Artikeln, die in der Deister- und Weserzeitung Hameln erschienen sind. Im World Wide Web bin ich auf verschiedene Lesungstermine gestossen – leider auf keinen, der hier in der Nähe stattfinden würde.
Die Umschlaggestaltung trifft nicht gerade meinen Geschmack, aber am Inhalt habe nichts zu mäkeln und besonders die teilweise ungewohnten, unbekannten Wortkreationen geschätzt und ich lauere immer noch auf weitere, während ich das Buch fertiglese. Zum Verständnis ein paar Beispiele: „Mohnarch“ statt „Monarch“, „Im Grünen und Ganzen“ statt im „Grossen und Ganzen“ , "spatenhieb- und stichfest" statt "hieb- und stichfest" sowie die Worte „Pflanzlyrik“ und „Blütenvöllerei“.
Jens F. Meyer:
Beetgeflüster
CW Niemeyer Buchverlage, 2015
- … wenn ich es recht bedenke, leben Gartenträume vom Tun – und vom Nichtstun…
- Von der hohen Kunst, die wahre Schönheit zu entdecken
- Von himmlischen Wassern und teuflischen Giessern
- …mein Handy ist alt, mein Auto aus der Mode, aber ich habe Goldmohn-Samen von Ahmed aus La Chatonnière; viel mehr kann ich vom Leben nicht verlangen…
- …aber nach einiger Zeit des Sinnierens muss eine definitive Entscheidung stehen, spatenhieb- und stichfest vor dem Hintergrund, der statischen Gefahr erfolgreich zu begegnen…
- und im Altweibersommer ist aus dem Schwert ein Degen geworden, aber immerhin …
Jens F. Meyer berichtet von der Hassliebe zu seinem Geldbaum, von besonderen Frost-Spannern und freut sich, dass das Stehlen (mit den Augen) von Pflanzenkompositionen aus fremden Gärten nicht strafbar ist. Er sinniert über Paradoxa (sich über Sonne freuen und Regen vermissen und sich über Regen freuen und Sonne vermissen) und über irreführende Pflanzennamen wie etwa „Kuhschelle“. Dann verrät er, keine zu perfekt gestaltete Langeweile zu mögen und dass er die Blumen in seinem Garten sich versamen und wachsen lässt. Das Herausrupfen wird vorläufig vertagt und oft auch ganz unterlassen.
„Beetgeflüster“ ist eine Kolumnensammlung von Artikeln, die in der Deister- und Weserzeitung Hameln erschienen sind. Im World Wide Web bin ich auf verschiedene Lesungstermine gestossen – leider auf keinen, der hier in der Nähe stattfinden würde.
Die Umschlaggestaltung trifft nicht gerade meinen Geschmack, aber am Inhalt habe nichts zu mäkeln und besonders die teilweise ungewohnten, unbekannten Wortkreationen geschätzt und ich lauere immer noch auf weitere, während ich das Buch fertiglese. Zum Verständnis ein paar Beispiele: „Mohnarch“ statt „Monarch“, „Im Grünen und Ganzen“ statt im „Grossen und Ganzen“ , "spatenhieb- und stichfest" statt "hieb- und stichfest" sowie die Worte „Pflanzlyrik“ und „Blütenvöllerei“.
Jens F. Meyer:
Beetgeflüster
CW Niemeyer Buchverlage, 2015
1. August 2015
Elinor Bicks: Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi
„Mehr Frucht als Blüte und auch die schon ziemlich welk“ - diese blumige Beschreibung der Hauptprotagnonistin Lore Kukuk und der Untertitel „Ein Gartenkrimi“ liessen die Sofagärtnerin auf eine Lektüre mit massgeblichem hortikulturellem Hintergrund hoffen. Eine Erwartung, die nicht enttäuscht wurde, hat sich doch die Autorin Elinor Bicks für die Buchrecherche intensiv mit Heilpflanzen beschäftigt und ihr Wissen fantasievoll ergänzt und ausgeschmückt.
Nach über dreissig Jahren hat sich Lore Kukuk zum ersten Mal wieder mit einem Mann verabredet und muss am nächsten Tag erfahren, dass dieser ermordet worden ist. Die zurückgezogen lebende Frau wird bereits mit Rauschmitteln und anderen mysteriösen Todesfällen, den sogenannten Kukuksmorden, aus ihrem engen Umfeld in Verbindung gebracht. In ihrer Umgebung ist sie deshalb schon lange als Serienmörderin abgestempelt, mit der keiner Kontakt haben will. Obwohl ihr nie eine Tat nachgewiesen werden konnte, fällt der Verdacht sofort auf sie, da das Opfer Laszlo Kalinn stark nach Lavendel riecht.
Lore Kukuk wohnt in einem kleinen Häuschen auf dem Otzberg, einem erkalteten Vulkan und arbeitet im Burgmuseum. Sie stammt aus der Burgverwalterfamilie. Als zehnjähriges Mädchen – der Vater war kurz zuvor getorben – ist sie von der Mutter nach ihren Ferien bei der Oma nicht mehr abgeholt worden. Haus und Garten hat sie von ihrer verstorbenen Oma geerbt, nicht aber deren Talent für die Beherrschung der Naturkräfte. Ein Rezeptbuch allein mit Hinweisen zur Verwendung von Weissdorn, Birken, Spitzwegerich und Johanniskraut reicht dafür halt nicht aus. Ebenfalls nicht zur Steigerung ihrer Beliebtheit trägt die Tatsache bei, dass sie sich kompromisslos dagegen wehrt, ein Teil ihres Landes an die Gemeinde zu verkaufen. Die einzige Person, die in all den Jahren treu zu ihr gehalten hat, ist Edel, ihre beste Freundin aus Kindertagen.
Wo sich einst Omas Gemüsebeet befand, breiten sich heutzutage Brombeergestrüpp, Flughafer, Gänsefuss, Hundspetersilie und Fuchsschwanzgewächse aus. Das sogenannte „böse Beet“ mit Tollkirsche, Alraune, Bilsenkraut, Fingerhut, Stechapfel, und Osterluzei hat Lore längst gerodet. Doch das grösste Geheimnis ihrer Oma vermutet Lore tief unter dem titelgebenden Lavendel vergraben. Ihre Grossmutter hat Lore auf dem Totenbett gebeten, sich um die beiden Lippenblütler Lavendula augustifolia und Lavendula stoechas zu kümmern, die ihr erster Mann vom Frankreichfeldzug mit nach Hause gebracht hat. Und noch heute beherbergt Lores Garten ein lilablaues Duftmeer aus echtem Lavendel und Schopflavendel, welche die Oma als Universalreiniger des Lebens bezeichnet hat.
Den Tod des umtriebigen Kioskbesitzers Laszlo Kallin aufzuklären haben der sensible Hauptkommissar Roland Otto mit einem grossen Herz für Hunde und sein Assistent Brenneisen, ein Sport- und Ernährungsfanatiker aus einer Bäckerdynastie, der den Kohlehydraten abgeschworen hat, was grosse Eheprobleme nach sich zieht. Die ersten Ermittlungen führen zu Russen, die ständig ungefragt die Legalität ihrer Anwesenheit beteuern und einer dubiosen Partnervermittlungsagentur.
Ein lesenwerter Krimi rund um Lavendel, in dem schliesslich nichts so ist, wie es zu sein scheint und in dem weder Verlauf noch Ende vorhersehbar sind, womit die Spannung für die Leserin bis zum Schluss bestehen bleibt.
Elinor Bicks:
Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi
Gmeiner-Verlag, 2015
Nach über dreissig Jahren hat sich Lore Kukuk zum ersten Mal wieder mit einem Mann verabredet und muss am nächsten Tag erfahren, dass dieser ermordet worden ist. Die zurückgezogen lebende Frau wird bereits mit Rauschmitteln und anderen mysteriösen Todesfällen, den sogenannten Kukuksmorden, aus ihrem engen Umfeld in Verbindung gebracht. In ihrer Umgebung ist sie deshalb schon lange als Serienmörderin abgestempelt, mit der keiner Kontakt haben will. Obwohl ihr nie eine Tat nachgewiesen werden konnte, fällt der Verdacht sofort auf sie, da das Opfer Laszlo Kalinn stark nach Lavendel riecht.
Lore Kukuk wohnt in einem kleinen Häuschen auf dem Otzberg, einem erkalteten Vulkan und arbeitet im Burgmuseum. Sie stammt aus der Burgverwalterfamilie. Als zehnjähriges Mädchen – der Vater war kurz zuvor getorben – ist sie von der Mutter nach ihren Ferien bei der Oma nicht mehr abgeholt worden. Haus und Garten hat sie von ihrer verstorbenen Oma geerbt, nicht aber deren Talent für die Beherrschung der Naturkräfte. Ein Rezeptbuch allein mit Hinweisen zur Verwendung von Weissdorn, Birken, Spitzwegerich und Johanniskraut reicht dafür halt nicht aus. Ebenfalls nicht zur Steigerung ihrer Beliebtheit trägt die Tatsache bei, dass sie sich kompromisslos dagegen wehrt, ein Teil ihres Landes an die Gemeinde zu verkaufen. Die einzige Person, die in all den Jahren treu zu ihr gehalten hat, ist Edel, ihre beste Freundin aus Kindertagen.
Wo sich einst Omas Gemüsebeet befand, breiten sich heutzutage Brombeergestrüpp, Flughafer, Gänsefuss, Hundspetersilie und Fuchsschwanzgewächse aus. Das sogenannte „böse Beet“ mit Tollkirsche, Alraune, Bilsenkraut, Fingerhut, Stechapfel, und Osterluzei hat Lore längst gerodet. Doch das grösste Geheimnis ihrer Oma vermutet Lore tief unter dem titelgebenden Lavendel vergraben. Ihre Grossmutter hat Lore auf dem Totenbett gebeten, sich um die beiden Lippenblütler Lavendula augustifolia und Lavendula stoechas zu kümmern, die ihr erster Mann vom Frankreichfeldzug mit nach Hause gebracht hat. Und noch heute beherbergt Lores Garten ein lilablaues Duftmeer aus echtem Lavendel und Schopflavendel, welche die Oma als Universalreiniger des Lebens bezeichnet hat.
Den Tod des umtriebigen Kioskbesitzers Laszlo Kallin aufzuklären haben der sensible Hauptkommissar Roland Otto mit einem grossen Herz für Hunde und sein Assistent Brenneisen, ein Sport- und Ernährungsfanatiker aus einer Bäckerdynastie, der den Kohlehydraten abgeschworen hat, was grosse Eheprobleme nach sich zieht. Die ersten Ermittlungen führen zu Russen, die ständig ungefragt die Legalität ihrer Anwesenheit beteuern und einer dubiosen Partnervermittlungsagentur.
Ein lesenwerter Krimi rund um Lavendel, in dem schliesslich nichts so ist, wie es zu sein scheint und in dem weder Verlauf noch Ende vorhersehbar sind, womit die Spannung für die Leserin bis zum Schluss bestehen bleibt.
Elinor Bicks:
Lavendelbitter – Ein Gartenkrimi
Gmeiner-Verlag, 2015
20. Juli 2015
Jane Northumberland mit Hugh Sington: Weed – Poison Diaries
Inzwischen ist es ja längst kein Geheimnis mehr, dass die als Trilogie geplanten „Poison Diaries“-Bücher "Liebe ist unheilbar" und "Liebe ist stärker als der Tod" nach dem zweiten Band ein abruptes Ende gefunden und die Leserinnen und Leser unbefriedigt zurückgelassen haben. Statt einem dritten abschliessenden Buch, welches das Schicksal von Jessamine weiterspinnt, ist vor einiger Zeit ein Buch mit dem Titel „Weed“ erschienen. Alle drei Bücher sind nach einer Idee von Jane Northumberland entstanden. Während aber die ersten beiden Bücher von Maryrose Wood geschrieben worden sind, heisst der Verfasser vom bis anhin nicht auf Deutsch übersetzten Buch „Weed“ Hugh Sington.
Gleich zu Beginn von „Weed“ liest man, dass Jessamine gestorben ist und begräbt damit endgültig die Hoffnung auf einen Abschluss der Trilogie. Verfolgen wir also das weitere Schicksal von Weed, der ja auch kein Unbekannter ist. Ein wohl merkwürdig anzuschauendes Wesen - halb Mann, halb Pflanze ist Weed in diesem Buch fast pausenlos unterwegs und muss sich immer wieder gefährlichen Herausforderungen stellen. Seine Wege führen ihn nach Soutra Aisle, Lindisfarne und Anglesey.
Heil- und Giftpflanzen und der schmale Grat zwischen deren Nutzen und Schaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Der beachtlich umfangreiche hortikulturelle Hintergrund konnte meine Enttäuschung angesichts der dürftigen Handlung nicht wettmachen. Die Erzählung konnte mich nicht fesseln. Ich hatte mir mehr deutlich erhofft – nicht umfangmässig, sondern inhaltlich. Wiederholt habe ich mich im Lauf der eher zähen Lektüre gefragt, ob es vielleicht nicht spannender gewesen wäre zu erfahren, weshalb Maryrose Wood kein drittes Buch mehr geschrieben hat und dafür nun Hugh Sington die giftigen Tagebücher weiterführt.
Obwohl dieses dritte „Poison Diaries“-Buch nicht mehr wirklich in die Kategorie „Kinder- und Jugendbücher“ einzuordnen ist, gruppiere ich es dort ein – so sind alle drei Vorstellungen beieinander zu finden. Ich ordne alle Posts prinzipiell nur einem Thema zu, auch wenn – zugegebenermassen – eine Festlegung manchmal nicht ganz einfach oder sogar unpassend ist. Meist interessieren mich in Blogs nur wenige Kategorien und ich ärgere mich jeweils beim Herumstöbern, wenn ich an unterschiedlichen Orten immer wieder die gleichen Beiträge antreffe. Wahrscheinlich bin ich zu sehr "geschäftlich" geprägt. Am Arbeitsplatz kommt es mir ja auch nicht in den Sinn, eine Datei in unterschiedlichen Ordnern abzulegen und Speicherplatz zu verschwenden.
Jane Northumerland with Hugh Sington:
Weed – Poison Diaries
Bloomsbury Reader, 2013
Gleich zu Beginn von „Weed“ liest man, dass Jessamine gestorben ist und begräbt damit endgültig die Hoffnung auf einen Abschluss der Trilogie. Verfolgen wir also das weitere Schicksal von Weed, der ja auch kein Unbekannter ist. Ein wohl merkwürdig anzuschauendes Wesen - halb Mann, halb Pflanze ist Weed in diesem Buch fast pausenlos unterwegs und muss sich immer wieder gefährlichen Herausforderungen stellen. Seine Wege führen ihn nach Soutra Aisle, Lindisfarne und Anglesey.
Heil- und Giftpflanzen und der schmale Grat zwischen deren Nutzen und Schaden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Der beachtlich umfangreiche hortikulturelle Hintergrund konnte meine Enttäuschung angesichts der dürftigen Handlung nicht wettmachen. Die Erzählung konnte mich nicht fesseln. Ich hatte mir mehr deutlich erhofft – nicht umfangmässig, sondern inhaltlich. Wiederholt habe ich mich im Lauf der eher zähen Lektüre gefragt, ob es vielleicht nicht spannender gewesen wäre zu erfahren, weshalb Maryrose Wood kein drittes Buch mehr geschrieben hat und dafür nun Hugh Sington die giftigen Tagebücher weiterführt.
Obwohl dieses dritte „Poison Diaries“-Buch nicht mehr wirklich in die Kategorie „Kinder- und Jugendbücher“ einzuordnen ist, gruppiere ich es dort ein – so sind alle drei Vorstellungen beieinander zu finden. Ich ordne alle Posts prinzipiell nur einem Thema zu, auch wenn – zugegebenermassen – eine Festlegung manchmal nicht ganz einfach oder sogar unpassend ist. Meist interessieren mich in Blogs nur wenige Kategorien und ich ärgere mich jeweils beim Herumstöbern, wenn ich an unterschiedlichen Orten immer wieder die gleichen Beiträge antreffe. Wahrscheinlich bin ich zu sehr "geschäftlich" geprägt. Am Arbeitsplatz kommt es mir ja auch nicht in den Sinn, eine Datei in unterschiedlichen Ordnern abzulegen und Speicherplatz zu verschwenden.
Jane Northumerland with Hugh Sington:
Weed – Poison Diaries
Bloomsbury Reader, 2013
10. Juli 2015
Janet Fitch – Weisser Oleander
Immer wieder streut die Autorin Janet Fitch gärtnerische und botanische Details und Beobachtungen in diesen Roman ein. So ist die Rede von wildem Senf auf einem Betonwall, von Baumfarnen, Böschungen mit Springkraut, Gärtnern mit Laubgebläsen und von Marienkäfern, die in Plastikkugeln verkauft werden, um auf mit Blattläusen befallenem Grünzeug ausgesetzt zu werden. Titelgebend sind aber die Oleanderbüsche mit ihren zähen, giftigen Blüten und dolchähnlichen Blättern, die den heissen Winden aus der Wüste trotzen.
Teile von Oleander werden von Ingrid Magnusson auch bei ihren Stalking-Aktionen eingesetzt und schliesslich vergiftet sie mit einem Extrakt aus eben dieser Pflanze ihren ehemaligen Liebhaber und wird deswegen zu über drei Jahrzehnten Gefängnis verurteilt. Damit beginnt für ihre zwölfjährige, bereits vaterlose Tochter Astrid eine Odyssee von einer Pflegestelle zu nächsten.
Ihre erste Ersatzmutter Starr Thomas führt sie in eine Jesus –Gemeinde ein. Als der eifersüchtigen Starr die Beziehung von Astrid und dem Ersatzvater zu eng wird, schiesst sie auf ihre Pflegetochter und diese wird nach ihrer Genesung umplatziert. An einem der weiteren Pflegplätze erweist sich Astrids Freundschaft zu einer schwarzen Prostituierten als Fehler. Schliesslich kommt Astrid zu einem kinderlosen Ehepaar aus dem Filmbusiness.
Ihre neue Mutter Claire ist eine relativ erfolglose Schauspielerin. Astrid wird – ohne davon zu wissen – in erster Linie ein Zuhause angeboten, damit sie ein Auge auf die labile Claire hat, die sich ihren Fähigkeiten entsprechend, liebevoll um Astrid kümmert und sie mütterlich umsorgt. Diese fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich geliebt. Während die Pflegemutter mit einem spitzen asiatischen Hut auf dem Kopf in ihrem Garten verschiedene Tomatensorten pflegt, Rittersporn aufbindet und täglich jätet, sitzt Astrid häufig unter der chinesischen Ulme und zeichnet. Gemeinsam schauen sie auch regelmässig eine TV-Sendung an, die Gartentipps vermittelt, oder besuchen Museen und Ausstellungen. Als Astrids Mutter im Gefängnis von der guten Beziehung zwischen den beiden erfährt, versucht sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das Verhältnis zu zerstören, was ihr schliesslich auch gelingt.
Wer ist Ingrid Magnusson und warum ist sie zu der Person geworden, die im Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, und scheinbar nicht glücklich ist, wenn es ihrer einzigen Tochter gut geht? Die ausdruckstarke Lyrikerin, deren Lieblingsblumen weisse Lilien und Chrysanthemen sind, ist eine hasserfüllte, verbitterte Meisterin im Verdrehen von Tatsachen und Zurechtbiegen von Wahrheiten.
Nach ungefähr vier Fünftel der Lektüre besucht Astrid bereits die 8. neue Schule in fünf Jahren. Die inzwischen siebzehnjährige junge Frau hat an ihrer aktuellsten Platzierung bei einer Russin gelernt, wie man aus Müll Geld verdient. Hier erfährt sie, dass der Prozess gegen ihre Mutter wegen Verfahrensmängeln nochmals aufgerollt werden soll. Astrid soll vor Gericht falsch aussagen. Sie hat sich zuletzt immer weiter von ihrer Mutter entfernt, die sie nach wie vor in Briefen zu beeinflussen versucht. Schliesslich schlägt Astrid der Anwältin ihrer Mutter einen Deal vor.
Es ist beeindruckend zu lesen, wie Astrid an den vielen Herausforderungen in ihrem jungen Leben nicht zerbricht, sondern sich vielmehr immer wieder aufrappelt und zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, die sich nicht mehr von der Mutter herumdirigieren lässt. Über zehn Jahre stand dieses Buch, das ich bei einem meiner ersten Besuche an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt hatte, ungelesen auf dem Regal. Die Lektüre, endlich angegangen, fand ich mit ihren interessanten Charakteren dermassen spannend, dass ich mir gelegentlich die gleichnamige Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger anschauen will.
Janet Fitch:
Weisser Oleander
Bastei Lübbe, 2003
Teile von Oleander werden von Ingrid Magnusson auch bei ihren Stalking-Aktionen eingesetzt und schliesslich vergiftet sie mit einem Extrakt aus eben dieser Pflanze ihren ehemaligen Liebhaber und wird deswegen zu über drei Jahrzehnten Gefängnis verurteilt. Damit beginnt für ihre zwölfjährige, bereits vaterlose Tochter Astrid eine Odyssee von einer Pflegestelle zu nächsten.
Ihre erste Ersatzmutter Starr Thomas führt sie in eine Jesus –Gemeinde ein. Als der eifersüchtigen Starr die Beziehung von Astrid und dem Ersatzvater zu eng wird, schiesst sie auf ihre Pflegetochter und diese wird nach ihrer Genesung umplatziert. An einem der weiteren Pflegplätze erweist sich Astrids Freundschaft zu einer schwarzen Prostituierten als Fehler. Schliesslich kommt Astrid zu einem kinderlosen Ehepaar aus dem Filmbusiness.
Ihre neue Mutter Claire ist eine relativ erfolglose Schauspielerin. Astrid wird – ohne davon zu wissen – in erster Linie ein Zuhause angeboten, damit sie ein Auge auf die labile Claire hat, die sich ihren Fähigkeiten entsprechend, liebevoll um Astrid kümmert und sie mütterlich umsorgt. Diese fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich geliebt. Während die Pflegemutter mit einem spitzen asiatischen Hut auf dem Kopf in ihrem Garten verschiedene Tomatensorten pflegt, Rittersporn aufbindet und täglich jätet, sitzt Astrid häufig unter der chinesischen Ulme und zeichnet. Gemeinsam schauen sie auch regelmässig eine TV-Sendung an, die Gartentipps vermittelt, oder besuchen Museen und Ausstellungen. Als Astrids Mutter im Gefängnis von der guten Beziehung zwischen den beiden erfährt, versucht sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das Verhältnis zu zerstören, was ihr schliesslich auch gelingt.
Wer ist Ingrid Magnusson und warum ist sie zu der Person geworden, die im Gefängnis eine lebenslange Haftstrafe verbüssen muss, und scheinbar nicht glücklich ist, wenn es ihrer einzigen Tochter gut geht? Die ausdruckstarke Lyrikerin, deren Lieblingsblumen weisse Lilien und Chrysanthemen sind, ist eine hasserfüllte, verbitterte Meisterin im Verdrehen von Tatsachen und Zurechtbiegen von Wahrheiten.
Nach ungefähr vier Fünftel der Lektüre besucht Astrid bereits die 8. neue Schule in fünf Jahren. Die inzwischen siebzehnjährige junge Frau hat an ihrer aktuellsten Platzierung bei einer Russin gelernt, wie man aus Müll Geld verdient. Hier erfährt sie, dass der Prozess gegen ihre Mutter wegen Verfahrensmängeln nochmals aufgerollt werden soll. Astrid soll vor Gericht falsch aussagen. Sie hat sich zuletzt immer weiter von ihrer Mutter entfernt, die sie nach wie vor in Briefen zu beeinflussen versucht. Schliesslich schlägt Astrid der Anwältin ihrer Mutter einen Deal vor.
Es ist beeindruckend zu lesen, wie Astrid an den vielen Herausforderungen in ihrem jungen Leben nicht zerbricht, sondern sich vielmehr immer wieder aufrappelt und zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, die sich nicht mehr von der Mutter herumdirigieren lässt. Über zehn Jahre stand dieses Buch, das ich bei einem meiner ersten Besuche an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt hatte, ungelesen auf dem Regal. Die Lektüre, endlich angegangen, fand ich mit ihren interessanten Charakteren dermassen spannend, dass ich mir gelegentlich die gleichnamige Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger anschauen will.
Janet Fitch:
Weisser Oleander
Bastei Lübbe, 2003
1. Juli 2015
J.L. Wilson: Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
Cassie Whittington hat in den letzten Monaten ihr Leben völlig umgekrempelt. Sie hat fast siebzig Pfund abgenommen und steckt gerade in den Schlussprüfungen ihrer Weiterbildung für den Einstieg ins Gartengestaltungs-Metier. Daneben arbeitet sie seit wenigen Wochen in der Gärtnerei Barlow und amtet als Präsidentin der „Student Horticulture Society“. In eben dieser Funktion findet sie während einem Anlass eine Leiche im alten Gewächshaus und erkennt anhand der Symptome sofort, dass es sich um einen Todesfall infolge von Zyanose (Blausucht) handeln muss.
Von ihren Prüfungsvorbereitungen wird Cassie immer wieder abgelenkt. An ihrem Arbeitsplatz ereignen sich verschiedene mysteriöse Vorkommnisse, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Sabotage und Vandalismus oder einfach nur um Pech handelt. Dann hat ihr neuer Chef Sam Barlow ein Auge auf sie geworfen und bekundet Mühe mit Cassies freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Ex-Mann Charlie. Die beiden waren als junges Paar zwar nur sieben Jahre miteinander verheiratet und sind seit bald dreissig Jahren geschieden, doch sie stehen sich nach wie vor sehr nahe. Die enge Verbindung geht auf eine Tragödie in ihrer beider Kindheit zurück, den sogenannten „Charity murder“. Zusätzlich erbt die halbprofessionelle Sängerin Cassie, die einen klassische Gesangsausbildung absolviert hat, und sich an ein bescheidenes Leben ohne Luxus gewöhnt ist, völlig unerwartet ein Riesenvermögen.
Die Autorin hat die Protagonistin Cassie ausserdem mit einer stark ausgeprägten sozialen Ader ausgestattet. So fühlt sie sich für einen Mitarbeiters verantwortlich, der sich zuletzt stark verändert hat. Dieser Aron, ein intelligenter und pflichtbewusster jüngerer Kollege, lässt seine Schlussprüfungen sausen und fehlt unentschuldigt am Arbeitsplatz. Die Ursache seiner Probleme, die mit seiner Beziehung zu einer deutlich älteren Frau zu tun haben muss, rückt er aber nicht heraus.
Der hortikulturelle Hintergrund beinhaltet neben der Weiterbildung und der Arbeit in der Gärtnerei auch die erfolgversprechende Züchtung von Azaleen-Hybriden. Ausgerechnet Sam Barlow wurde in diesem Geschäft um die lukrativen Früchte seiner Arbeit gebracht. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Landvertrag mit Konditionen, die Fesseln ähneln. Treffen Cassie Befürchtungen zu, dass Sam in den Mordfall verwickelt ist?
J.L. Wilson:
Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
The Wild Rose Press, 2011
Von ihren Prüfungsvorbereitungen wird Cassie immer wieder abgelenkt. An ihrem Arbeitsplatz ereignen sich verschiedene mysteriöse Vorkommnisse, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Sabotage und Vandalismus oder einfach nur um Pech handelt. Dann hat ihr neuer Chef Sam Barlow ein Auge auf sie geworfen und bekundet Mühe mit Cassies freundschaftlichem Verhältnis zu ihrem Ex-Mann Charlie. Die beiden waren als junges Paar zwar nur sieben Jahre miteinander verheiratet und sind seit bald dreissig Jahren geschieden, doch sie stehen sich nach wie vor sehr nahe. Die enge Verbindung geht auf eine Tragödie in ihrer beider Kindheit zurück, den sogenannten „Charity murder“. Zusätzlich erbt die halbprofessionelle Sängerin Cassie, die einen klassische Gesangsausbildung absolviert hat, und sich an ein bescheidenes Leben ohne Luxus gewöhnt ist, völlig unerwartet ein Riesenvermögen.
Die Autorin hat die Protagonistin Cassie ausserdem mit einer stark ausgeprägten sozialen Ader ausgestattet. So fühlt sie sich für einen Mitarbeiters verantwortlich, der sich zuletzt stark verändert hat. Dieser Aron, ein intelligenter und pflichtbewusster jüngerer Kollege, lässt seine Schlussprüfungen sausen und fehlt unentschuldigt am Arbeitsplatz. Die Ursache seiner Probleme, die mit seiner Beziehung zu einer deutlich älteren Frau zu tun haben muss, rückt er aber nicht heraus.
Der hortikulturelle Hintergrund beinhaltet neben der Weiterbildung und der Arbeit in der Gärtnerei auch die erfolgversprechende Züchtung von Azaleen-Hybriden. Ausgerechnet Sam Barlow wurde in diesem Geschäft um die lukrativen Früchte seiner Arbeit gebracht. Eine wichtige Rolle spielt auch ein Landvertrag mit Konditionen, die Fesseln ähneln. Treffen Cassie Befürchtungen zu, dass Sam in den Mordfall verwickelt ist?
J.L. Wilson:
Lilacs, Litigation and Lethal Love Affairs
The Wild Rose Press, 2011
23. Juni 2015
Wladimir Kaminer: Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Nach „Mein Leben im Schrebergarten“ hat Wladimier Kaminer vor einiger Zeit ein weiteres Buch geschrieben, das sich mehr oder weniger intensiv mit Gärtnern beschäftigt und das nun auch in einer Taschenbuchausgabe erschienen ist.
„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.
Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.
Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?
Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.
Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.
Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.
Wladimir Kaminer:
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015
„Auf zum neuen Garten!“ heisst das erste Kapitel. Weshalb ein neuer Garten fragt sich die Leserin, sich nur noch dunkel an die ersten Gartengeschichten aus dem Jahr 2007 erinnernd. Die Frage wird gleich auf der zweiten Seite beantwortet. Und zwar hatten der Gärtner und die Prüfungskommission des Schrebergartenvereins diametral unterschiedliche Ansichten betreffend Spontanvegetation. Die Natur als selbständiger Gartengestalter war im Reglement nämlich nicht vorgesehen, was zu erheblichen Interessenkonflikten führte, die schliesslich in die Suche nach einem Garten ohne Oberaufsicht mündeten.
Im Ort mit dem prosaischen Namen Glücklitz findet sich rasch ein passendes Objekt, direkt am Glücklitzer See, auf einem zum Haus gehörenden, aber nicht erwerbbaren Weinberg (angeblich dem nördlichsten der Welt) gelegen. Als erstes gilt es aber ein Hindernis zu überwinden. Der neue Garten ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und so begleitet die Leserin die Kaminers durch ihre Fahrschullektionen und die Autoprüfung. Etliche Monate ziehen übers Land bis man schliesslich offiziell mobil ist, um im Brandenburgischen Garten loslegen zu können.
Nach Lust und Laune kann hier jeder nach eigenem Belieben planlos pflanzen, was ihm gefällt. „Spontan in jede Richtung vegetieren“ nennt dies der Autor. Die Familienmitglieder suchen sich Bäume aus. Die Grossmutter entscheidet sich für eine Pinie, die zum Baum des Erinnerns gekürt wird. Dazu gesellen sich Kirschbäume, Kriechweiden, Rhododendronbüsche und eine Schmucktanne (Araucaria). Am besten gedeiht der vom Sohn angepflanzte Meerrettich. So gut, dass der Vater an einem (vom Sohn verworfenen) Nutzungskonzept einer Meerrettich-Plantage herumstudiert. Aber vielleicht klappt es ja irgendwann mit der ebenfalls erwähnten Winzerkarriere und dem „Gewürzkaminer“?
Daneben berichtet Wladimir Kaminer über seine Gartenkarriere ausserhalb Brandenburgs, die einen Vortrag an einer Landesgartenschau beinhaltet und seine Rolle als Gartenexperte in drei Gartenfilmen. An einer anderen Stelle sinniert er über die sich regelmässig wiederholenden Vertreibungen von Menschen und die damit verbundene Anpassung der Obstauswahl. Denn musste einst zur Nachahmung des verlorenen Paradieses ein Apfel genügen, sind heute eher exotische Früchte gefragt. Die übrigens, wie schnell herausgefunden wird, in Brandenburg nicht gedeihen.
Die Lektüre verlockt immer wieder zum Schmunzeln. Oft war ich mir allerdings gar nicht sicher, ob sich das Erzählte tatsächlich so zugetragen hat oder einfach gut erfunden und berichtet ist. Hortikulturell ist eher wenig los in diesen Texten - gefühlsmässig geht es mehr ums Thema Fische und das Angeln. Interessant zu lesen sind besonders die Beobachtungen aus dem Alltag, wie und warum die Russen anders ticken und die Erklärungen zu den allgemeinen Unterschieden in den verschiedenen Kulturen.
Übrigens liest Wladimier Kaminer anlässlich des "Openair Literatur Festivals Zürich" am 11. Juli 2015 im Alten Botanischen Garten in Zürich unter dem Motto "Best of Kaminers Gärten" aus seinen Büchern.
Wladimir Kaminer:
Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013/2015
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