Grossformatige Bücher haben es nach wie vor schwer, meine Aufmerksamkeit derart zu fesseln, dass ich sie erwerbe und dann auch lese. Sie sind ihrer Grösse wegen weder als Bett- noch als Pendlerlektüre geeignet, und auf dem Regal herrscht bei Büchern, die nicht im Taschenbuchformat daherkommen, absolute Platznot.
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
1. Februar 2016
20. Januar 2016
Zeit für Spiele - Spielzeit (2)
Kürzlich habe ich mir das Ravensburger "What if-Puzzle Open Day in the Garden" mit 1000 Teilchen zugelegt. Wie beim weiter unten erwähnten Wasgij-Puzzle, wird das Puzzle nicht nach einer Bildvorlage zusammengesetzt, sondern man muss das zu entstehende Bild erahnen. Wem das zu kompliziert ist, dem sei verraten, dass sich die Lösungsvorlage problemlos im Internet finden lässt. Wers lieber anderweitig knifflig mag, dem sei "Brains - 50 knifflige Denk-Puzzles/Japanischer Garten" empfohlen. Der Winter kann noch lange dauern, deshalb nachstehend noch einmal ein paar weitere Spiele mit gärtnerischem Hintergrund, die ich vor bald drei Jahren hier im Blog schon einmal vorgestellt habe:
Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.
Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.
36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse und Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.
Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.
Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.
Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.
Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.
Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.
Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).
Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!
Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo
Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo
Die grüne Hölle – Gemüse und Co. (3D-Memo und Stereobetrachter)
Walkwerk
Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company
Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH
Dirk Henn:
Die Gärten der Alhambra
Queen Games
Ulf Siebert:
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel
Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch!
Kosmos Verlag
Christian Beiersdorf:
Das grosse Garten-Quizspiel
Kosmos Verlag
Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.
Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.
36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse und Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.
Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.
Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.
Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.
Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.
Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.
Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).
Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!
Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo
Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo
Die grüne Hölle – Gemüse und Co. (3D-Memo und Stereobetrachter)
Walkwerk
Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company
Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH
Dirk Henn:
Die Gärten der Alhambra
Queen Games
Ulf Siebert:
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel
Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch!
Kosmos Verlag
Christian Beiersdorf:
Das grosse Garten-Quizspiel
Kosmos Verlag
10. Januar 2016
Doris Bewernitz: Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Gibt es nicht schon genügend Lebensgeschichten aus dem Garten? Dies war mein erster Gedanke, als ich vor einiger Zeit auf dieses grosszügig illustrierte Buch gestossen bin. Ausserdem empfand ich den Titel als einen Tick zu esoterisch. Ein Eindruck, der aber durch den Zusatz „Warum ein Garten glücklich macht“ gleich wieder etwas relativiert wurde. Die Inhaltsbeschreibung auf der Buchrückseite hat mich dann doch zur Lektüre verleitet. Und ich habe es keine Sekunde bereut, mich von der Autorin durch die im Rhythmus der Jahreszeiten gegliederten Erzählungen unter Überschriften, die da etwa lauten „Komposttherapie“, „Sieglinde spinnt“, „Das Hohelied des Regenwurms“ oder „Fortschreitende Verwilderung“, führen zu lassen.
Direkt an einem Damm der S-Bahn, erreichbar durch eine eiserne Türe zwischen einem Obststand und einer Telefonsäule findet Doris Bewernitz an einem Frühlingstag ihre hortikulturelle Erfüllung. Eine Nachtigall singt und als erstes fällt ihr Blick auf einen Pfirsichbaum, der sogleich Erinnerungen an ein nachhaltiges Erlebnis aus Kindertagen weckt. Da sind aber auch andere Obstbäume, Tulpen, Gewürze sowie ein kleines Steinhäuschen. Und erscheint es zunächst unmöglich, sich in zwei Stunden davon zu überzeugen, dass quietschende S-Bahn-Bremsen tatsächlich nicht stören, genügen dann weniger als 120 Minuten für die definitive Entscheidungsfindung. Nichts steht also mehr im Weg, um die als Kind kultivierte Frühlingsbeet-Lust wieder aufleben zu lassen – unter Beobachtung von 33 Gartenzwergen, von denen mehr als die Hälfte davon eingewachsen sind.
Die Autorin ist immer wieder für Überraschungen gut und berichtet, was es mit den sogenannten Mitmachtagen und dem Moosblick auf sich hat, wie der Garten zur Basisstation für eine Fahrt auf den Mond wurde, von tönenden Apfelblättern und wie ihr Beitrag zum bedingungslosen Grundeinkommen aussehen würde. Dann geht es um Schamgefühle ausserhalb des Gartens wegen der immer leicht schmutzigen Gärtnerinnenhände oder wegen der Vorstellung, wie gepflegte Hände eben auszusehen hätten und sie sinniert über Sklaven des Gartens oder Sklaven der Vorstellung, wie der Garten zu sein hätte.
Auch Tierisches wird immer wieder thematisiert. Zum Beispiel im Zwiegespräch mit Nacktschnecken und bei der Beschreibung des von der Autorin eingeführten „Tages der Biene“ anlässlich der Sichtung der 1. Biene im neuen Gartenjahr. Ein alljährlich wiederkehrender Grund für eine spontane Feier im Garten mit Freunden, bei welcher wärmende Decken nicht vergessen werden sollten. Im Garten wird gesummt, gezwitschert, gekrochen, gefleucht und es werden Netze gesponnen und Schleimspuren hinterlassen. Viele, ob Vier- oder Sechsbeiner, kriegen von von der schreibenden Gärtnerin einen Namen verpasst, genau wie auch viele ihrer geliebten Rosen.
Um hemmungslos über letztere plaudern zu können, hat sie sich eine nette Idee ausgedacht. Sie schenkt nämlich Freundinnen und Freunden zu besonderen Gelegenheiten Rosen. Und zwar keine Ableger aus ihrem Garten oder getopfte Rosen, sondern Urkunden mit dem Foto einer Pflanze aus ihrem Garten und vertraut dem Beschenkten die Patenschaft an. Der Name der Rose und jener des Paten oder der Patin komplettieren das Beweisstück. Die Paten kümmern sich unterschiedlich intensiv um ihre Rosen. Die einen erkundigen sich telefonisch, andere besuchen sie, stecken ihre Nase in duftende Blüten und fotografieren die Schönheiten. Dritte bringen Nahrung in Form von Dünger, Hornspäne oder Pferdeäpfeln in den Garten.
Doris Bewernitz:
Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Verlag Herder, 2014
Direkt an einem Damm der S-Bahn, erreichbar durch eine eiserne Türe zwischen einem Obststand und einer Telefonsäule findet Doris Bewernitz an einem Frühlingstag ihre hortikulturelle Erfüllung. Eine Nachtigall singt und als erstes fällt ihr Blick auf einen Pfirsichbaum, der sogleich Erinnerungen an ein nachhaltiges Erlebnis aus Kindertagen weckt. Da sind aber auch andere Obstbäume, Tulpen, Gewürze sowie ein kleines Steinhäuschen. Und erscheint es zunächst unmöglich, sich in zwei Stunden davon zu überzeugen, dass quietschende S-Bahn-Bremsen tatsächlich nicht stören, genügen dann weniger als 120 Minuten für die definitive Entscheidungsfindung. Nichts steht also mehr im Weg, um die als Kind kultivierte Frühlingsbeet-Lust wieder aufleben zu lassen – unter Beobachtung von 33 Gartenzwergen, von denen mehr als die Hälfte davon eingewachsen sind.
Die Autorin ist immer wieder für Überraschungen gut und berichtet, was es mit den sogenannten Mitmachtagen und dem Moosblick auf sich hat, wie der Garten zur Basisstation für eine Fahrt auf den Mond wurde, von tönenden Apfelblättern und wie ihr Beitrag zum bedingungslosen Grundeinkommen aussehen würde. Dann geht es um Schamgefühle ausserhalb des Gartens wegen der immer leicht schmutzigen Gärtnerinnenhände oder wegen der Vorstellung, wie gepflegte Hände eben auszusehen hätten und sie sinniert über Sklaven des Gartens oder Sklaven der Vorstellung, wie der Garten zu sein hätte.
Auch Tierisches wird immer wieder thematisiert. Zum Beispiel im Zwiegespräch mit Nacktschnecken und bei der Beschreibung des von der Autorin eingeführten „Tages der Biene“ anlässlich der Sichtung der 1. Biene im neuen Gartenjahr. Ein alljährlich wiederkehrender Grund für eine spontane Feier im Garten mit Freunden, bei welcher wärmende Decken nicht vergessen werden sollten. Im Garten wird gesummt, gezwitschert, gekrochen, gefleucht und es werden Netze gesponnen und Schleimspuren hinterlassen. Viele, ob Vier- oder Sechsbeiner, kriegen von von der schreibenden Gärtnerin einen Namen verpasst, genau wie auch viele ihrer geliebten Rosen.
Um hemmungslos über letztere plaudern zu können, hat sie sich eine nette Idee ausgedacht. Sie schenkt nämlich Freundinnen und Freunden zu besonderen Gelegenheiten Rosen. Und zwar keine Ableger aus ihrem Garten oder getopfte Rosen, sondern Urkunden mit dem Foto einer Pflanze aus ihrem Garten und vertraut dem Beschenkten die Patenschaft an. Der Name der Rose und jener des Paten oder der Patin komplettieren das Beweisstück. Die Paten kümmern sich unterschiedlich intensiv um ihre Rosen. Die einen erkundigen sich telefonisch, andere besuchen sie, stecken ihre Nase in duftende Blüten und fotografieren die Schönheiten. Dritte bringen Nahrung in Form von Dünger, Hornspäne oder Pferdeäpfeln in den Garten.
Doris Bewernitz:
Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Verlag Herder, 2014
1. Januar 2016
Ellen Berg: Mach mir den Garten, Liebling!
Mit Grünzeug hat die Enddreissigerin Luisa Fröhlich nichts am Hut. Die einzige Topfpflanze an ihrem Arbeitsplatz kümmert denn auch vor sich hin. Vor Jahresfrist hat ihr Tante Ruth vor ihrer Abreise nach Italien den reich blühenden Schrebergarten anvertraut. Diese Aufgabe hat Luisa sogleich delegiert und nie überprüft, ob und wie der engagierte Friedhofgärtner die Arbeit erledigt. Doch nun hat Tante Ruth kurzfristig ihren Besuch in der alten Heimat angekündigt und möchte natürlich auch ihr grünes Paradies begutachten. Ihre Nichte kommt also nicht mehr darum herum, endlich nach dem Rechten zu sehen.
Als Luisa sich der Parzelle nähert, traut sie ihren Augen nicht. Wo ihre Tante sich an Rosen, Jasmin, Hortensien, Gemüse und Insekten erfreut hat, dominiert grauer Kies und unter den Büschen liegt Müll. Nichts ist mehr übrig von Tante Ruths mit Stolz und Leidenschaft gepflegten Garten – der Friedhofgärtner hat sozusagen tödliche Resultate erzielt. Sofort taucht ein älterer Gartennachbar auf und weist Luisa auf das Nichteinhalten der Drittel-Regel und andere Verstösse gegen Vorschriften und Verbote hin.
Während sie sich von ihrem Schock zu erholen versucht und in üblich pflichtbewusster und ehrgeiziger Manier schon einen Schlachtplan zurecht legt und überlegt, wie sie das Gartenproblem innert zwei Wochen in den Griff bekommt, ohne dass es Tante Ruth das Herz bricht, tritt ein weiterer Gartennachbar in ihrem Alter an den Zaun. Eddy, ein charmanter Italiener, bietet ihr seine Hilfe an und obwohl er so gar nicht Luisas Typ ist, knistert es zwischen den beiden gleich bei der ersten Begegnung ganz schön.
Dank der versprochenen Hilfe des netten Gartennachbarn blickt Luisa dem Besuch von Tante Ruth etwas gelassener entgegen und wagt es, sich ein wenig auf die versprochene Beförderung zu freuen. Jahrelang hat sie sich aufgeopfert - für ihre faulen Kollegen die Arbeit miterledigt, auf freie Wochenenden und Urlaubstage verzichtet. Die Geschäfte der „Fun Connection“, einer Geschenkartikelfirma, laufen schlecht, was Luisa nicht zuletzt auf das schlechte Betriebsklima zurückführt. Das kleine Team arbeitet nämlich nicht mit- sondern gegeneinander. Im Hinterkopf hat die patente Frau schon längst Ideen parat, wie sie die Mitarbeiter als Geschäftsführerin motivieren und die Kassen endlich wieder klingeln lassen will. Doch ein Problem kommt selten allein und der ihr versprochene Job erhält ein anderer. Luisa muss sogar mit ihrer Entlassung rechnen.
Nun, Luisa ist sich gewohnt, Herausforderungen strukturiert anzugehen und Prioritäten zu setzen. Zunächst wird also gegärtnert. Ihr erstes Pflanzkonzept nach einem Farbschema entpuppt sich rasch als suboptimal, da es die Bedürfnisse der Stauden nicht berücksichtigt. Doch während dem Gärtnern, geht in Luisa eine Veränderung vor sich, und sie vergleicht sich plötzlich mit einer Pflanze, die welkt ehe sie geblüht hat und sie wendet das Schema gleich auch auf ihre Arbeitskollegen an. Nicht nur Pflanzen haben unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen Aufmerksamkeit, auch unter den Menschen gibt es gewissermassen Licht- und Schattengewächse.
Eddy kennt sich nicht nur mit Ökologie und Veganismus aus, er ist auch ein cleverer Internetfreak und lanciert ein Crowdfunding mit dem Motto „Rettet Tante Ruths Garten“. Bitcoin-Spender können das interaktive Gartenprojekt nicht nur unterstützen und wünschen, welche Pflanze für ihr Internet-Geld angeschafft werden soll, dank einer Webcam können sie die Gartenverschönerung gleich mitverfolgen. Luisa ist zwar begeistert über die Unterstützung, doch der Workaholic, der schon jahrelang Freundschaften zu Gunsten der Arbeit vernachlässigt hat, fällt bald wieder in alte Verhaltensmuster, als er feststellt, warum der neue Geschäftsführer seine Pläne zur Firmenrettung boykottiert und so definiert Luisa ihre Prioritäten gleich wieder um.
„Mach mir den Garten, Liebling!“ bedient als witziger, temporeicher und zuweilen sarkastischer Unterhaltungsroman viele Klischees und das Ende ist dem Genre entsprechend vorauszusehen. Neben den Verwicklungen rund um die Garten- und Firmenrettung geht es aber auch um Beziehungen und Teambildungen und nicht zuletzt um die Verwandlung der von ihren Arbeitskollegen zunächst despektierlich „Knäckebrot“ genannten Luisa zu einer Frau, die plötzlich Erde unter den Fingernägeln schätzt, und sich als Kämpferin nicht nur für die Firma sondern auch gegen Intrigen einsetzt. Zum Charme des Buches tragen neben den sympathischen Charakteren auch die häufigen italienischen Satzteile bei.
Ellen Berg:
Mach mir den Garten, Liebling!
Aufbau Verlag, 2015
Als Luisa sich der Parzelle nähert, traut sie ihren Augen nicht. Wo ihre Tante sich an Rosen, Jasmin, Hortensien, Gemüse und Insekten erfreut hat, dominiert grauer Kies und unter den Büschen liegt Müll. Nichts ist mehr übrig von Tante Ruths mit Stolz und Leidenschaft gepflegten Garten – der Friedhofgärtner hat sozusagen tödliche Resultate erzielt. Sofort taucht ein älterer Gartennachbar auf und weist Luisa auf das Nichteinhalten der Drittel-Regel und andere Verstösse gegen Vorschriften und Verbote hin.
Während sie sich von ihrem Schock zu erholen versucht und in üblich pflichtbewusster und ehrgeiziger Manier schon einen Schlachtplan zurecht legt und überlegt, wie sie das Gartenproblem innert zwei Wochen in den Griff bekommt, ohne dass es Tante Ruth das Herz bricht, tritt ein weiterer Gartennachbar in ihrem Alter an den Zaun. Eddy, ein charmanter Italiener, bietet ihr seine Hilfe an und obwohl er so gar nicht Luisas Typ ist, knistert es zwischen den beiden gleich bei der ersten Begegnung ganz schön.
Dank der versprochenen Hilfe des netten Gartennachbarn blickt Luisa dem Besuch von Tante Ruth etwas gelassener entgegen und wagt es, sich ein wenig auf die versprochene Beförderung zu freuen. Jahrelang hat sie sich aufgeopfert - für ihre faulen Kollegen die Arbeit miterledigt, auf freie Wochenenden und Urlaubstage verzichtet. Die Geschäfte der „Fun Connection“, einer Geschenkartikelfirma, laufen schlecht, was Luisa nicht zuletzt auf das schlechte Betriebsklima zurückführt. Das kleine Team arbeitet nämlich nicht mit- sondern gegeneinander. Im Hinterkopf hat die patente Frau schon längst Ideen parat, wie sie die Mitarbeiter als Geschäftsführerin motivieren und die Kassen endlich wieder klingeln lassen will. Doch ein Problem kommt selten allein und der ihr versprochene Job erhält ein anderer. Luisa muss sogar mit ihrer Entlassung rechnen.
Nun, Luisa ist sich gewohnt, Herausforderungen strukturiert anzugehen und Prioritäten zu setzen. Zunächst wird also gegärtnert. Ihr erstes Pflanzkonzept nach einem Farbschema entpuppt sich rasch als suboptimal, da es die Bedürfnisse der Stauden nicht berücksichtigt. Doch während dem Gärtnern, geht in Luisa eine Veränderung vor sich, und sie vergleicht sich plötzlich mit einer Pflanze, die welkt ehe sie geblüht hat und sie wendet das Schema gleich auch auf ihre Arbeitskollegen an. Nicht nur Pflanzen haben unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen Aufmerksamkeit, auch unter den Menschen gibt es gewissermassen Licht- und Schattengewächse.
Eddy kennt sich nicht nur mit Ökologie und Veganismus aus, er ist auch ein cleverer Internetfreak und lanciert ein Crowdfunding mit dem Motto „Rettet Tante Ruths Garten“. Bitcoin-Spender können das interaktive Gartenprojekt nicht nur unterstützen und wünschen, welche Pflanze für ihr Internet-Geld angeschafft werden soll, dank einer Webcam können sie die Gartenverschönerung gleich mitverfolgen. Luisa ist zwar begeistert über die Unterstützung, doch der Workaholic, der schon jahrelang Freundschaften zu Gunsten der Arbeit vernachlässigt hat, fällt bald wieder in alte Verhaltensmuster, als er feststellt, warum der neue Geschäftsführer seine Pläne zur Firmenrettung boykottiert und so definiert Luisa ihre Prioritäten gleich wieder um.
„Mach mir den Garten, Liebling!“ bedient als witziger, temporeicher und zuweilen sarkastischer Unterhaltungsroman viele Klischees und das Ende ist dem Genre entsprechend vorauszusehen. Neben den Verwicklungen rund um die Garten- und Firmenrettung geht es aber auch um Beziehungen und Teambildungen und nicht zuletzt um die Verwandlung der von ihren Arbeitskollegen zunächst despektierlich „Knäckebrot“ genannten Luisa zu einer Frau, die plötzlich Erde unter den Fingernägeln schätzt, und sich als Kämpferin nicht nur für die Firma sondern auch gegen Intrigen einsetzt. Zum Charme des Buches tragen neben den sympathischen Charakteren auch die häufigen italienischen Satzteile bei.
Ellen Berg:
Mach mir den Garten, Liebling!
Aufbau Verlag, 2015
20. Dezember 2015
Helga Urban: Mein Garten – ein Geben und Nehmen
In diesem Büchlein lässt Helga Urban ihr Gartenleben unter folgenden Kapiteln Revue passieren:
- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden
Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).
Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?
Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.
Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.
Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.
Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.
Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.
Helga Urban:
Mein Garten – ein Geben und Nehmen
Eugen Ulmer Verlag, 2015
- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden
Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).
Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?
Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.
Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.
Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.
Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.
Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.
Helga Urban:
Mein Garten – ein Geben und Nehmen
Eugen Ulmer Verlag, 2015
10. Dezember 2015
Mary Kay Andrews: Ein Ja im Sommer
Cara Kryzik schaut gerne hinter die Zäune in die Gärten anderer Leute. Aus einem überwucherten kleinen Stück Land hat sie sich selber einen kleinen, intimen Rückzugsort geschaffen. Palmen, Bananenstauden, Hortensien, Funkien, Efeu und Farne wachsen neben etlichen anderen Pflanzen in ihrem kleinen Garten, durch den ein Pfad aus gesprenkelten, grauen Backsteinen führt. Da sie als Blumenkünstlerin den ganzen Tag von farbigen Blumen und Bändern umgeben ist, hat sie sich ausschliesslich auf Grünzeug mit weissen Blüten beschränkt, und natürlich blüht auch ihre Lieblingsblume – die Gardenie – in dieser Farbe.
Die junge Frau ist seit einiger Zeit Inhaberin eines eigenen Blumenladens, zu dem sie völlig unerwartet durch ihre Tätigkeit bei der Vorbesitzerin gekommen ist. Neben der Einrichtung und einem schon etwas in die Jahre gekommenen Lieferwagen gehörte auch ein für mehrere Monate vorausbezahlter Pachtvertrag zum Startkapital ihres eigenen Geschäfts. Aktuell wartet sie allerdings immer noch auf die Verlängerung des inzwischen ausgelaufenen Vertrages.
Caras Arbeitstage beginnen meist früh mit einer Runde Jäten im Garten und enden gewöhnlich spät. Der Aufbau einer eigenen Existenz ist hart. Doch der Laden der Quereinsteigerin ohne Floristikausbildung beginnt dank ihrer Kreativität immer besser zu laufen. Ihr Stil ist gefragt und Mundpropaganda bringt immer mehr Bräute in Caras schmucken Laden in Savannah. Unterstützt wird Cara von ihrem Assistenten Bert, einem neunundzwanzigjährigen trockenen Alkoholiker. Die beiden machen sich einen Spass daraus, sich nach den Hochzeiten gegenseitig Tipps abzugeben, wie lange die eben geschlossenen Ehen der Bräute halten werden, für deren Blumenschmuck in Kirche, Restaurant und Brautstrauss sie verantwortlich waren. Wie sich herausstellt, ist aber auch Bert selber nicht vor einer gravierenden Fehleinschätzung gefeit.
Leider wird Cara in ihren Bemühungen, finanziell endlich unabhängig zu werden, immer wieder zurückgeworfen. Ihr Vater, von Anfang an wenig überzeugt von der „Floristenidee“, verlangt gerade immer vehementer sein Darlehen samt Zinsen zurück, als ausgerechnet während einer Hitzewelle die Kühlung im Laden aussteigt und sämtliche Blumen verwelken lässt. Der geplante Gewinn aus der Hochzeit, für welche diese Blumen angeschafft worden waren, geht damit grösstenteils für Ersatzblumen drauf. Und als hätte Cara noch nicht genügend Aufregung, läuft auch noch ihr heiss geliebter Hund Poppy weg.
Das Problem „entlaufener Hund“ lässt sich schnell lösen und der vermeintliche Hundedieb schleicht sich über einen kleinen Umweg direkt in Caras Herz. Aber weitere Herausforderungen stehen an, wie etwa der bösartige Konkurrent, der sie rundherum schlechtmacht. Schliesslich soll sie auch noch ihr Geschäftslokal und ihre darüber gelegene Wohnung samt dem schmucken Garten verlieren.
Das Ende dieses Romans ist schon sehr früh absehbar, aber dazwischen warten in diesem „Seitenumdreher“ etliche Irrungen und Verirrungen auf die Leserin – eingebettet ins Floristikmillieu mit Sträussen und Gestecken für Babypartys, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Pensionierungen, Einladungen und natürlich dem Schwerpunkt Hochzeitsgestaltung mit anspruchsvollen Bräuten. Ein Sommerroman, der auch im Winter Freude macht - geschwitzt haben wir im Sommer 2015 ja mehr als genug, so dass es völlig ausreicht, über Hitzewellen zu lesen.
Mary Kay Andrews:
Ein Ja im Sommer
S. Fischer Verlag, 2015
Die junge Frau ist seit einiger Zeit Inhaberin eines eigenen Blumenladens, zu dem sie völlig unerwartet durch ihre Tätigkeit bei der Vorbesitzerin gekommen ist. Neben der Einrichtung und einem schon etwas in die Jahre gekommenen Lieferwagen gehörte auch ein für mehrere Monate vorausbezahlter Pachtvertrag zum Startkapital ihres eigenen Geschäfts. Aktuell wartet sie allerdings immer noch auf die Verlängerung des inzwischen ausgelaufenen Vertrages.
Caras Arbeitstage beginnen meist früh mit einer Runde Jäten im Garten und enden gewöhnlich spät. Der Aufbau einer eigenen Existenz ist hart. Doch der Laden der Quereinsteigerin ohne Floristikausbildung beginnt dank ihrer Kreativität immer besser zu laufen. Ihr Stil ist gefragt und Mundpropaganda bringt immer mehr Bräute in Caras schmucken Laden in Savannah. Unterstützt wird Cara von ihrem Assistenten Bert, einem neunundzwanzigjährigen trockenen Alkoholiker. Die beiden machen sich einen Spass daraus, sich nach den Hochzeiten gegenseitig Tipps abzugeben, wie lange die eben geschlossenen Ehen der Bräute halten werden, für deren Blumenschmuck in Kirche, Restaurant und Brautstrauss sie verantwortlich waren. Wie sich herausstellt, ist aber auch Bert selber nicht vor einer gravierenden Fehleinschätzung gefeit.
Leider wird Cara in ihren Bemühungen, finanziell endlich unabhängig zu werden, immer wieder zurückgeworfen. Ihr Vater, von Anfang an wenig überzeugt von der „Floristenidee“, verlangt gerade immer vehementer sein Darlehen samt Zinsen zurück, als ausgerechnet während einer Hitzewelle die Kühlung im Laden aussteigt und sämtliche Blumen verwelken lässt. Der geplante Gewinn aus der Hochzeit, für welche diese Blumen angeschafft worden waren, geht damit grösstenteils für Ersatzblumen drauf. Und als hätte Cara noch nicht genügend Aufregung, läuft auch noch ihr heiss geliebter Hund Poppy weg.
Das Problem „entlaufener Hund“ lässt sich schnell lösen und der vermeintliche Hundedieb schleicht sich über einen kleinen Umweg direkt in Caras Herz. Aber weitere Herausforderungen stehen an, wie etwa der bösartige Konkurrent, der sie rundherum schlechtmacht. Schliesslich soll sie auch noch ihr Geschäftslokal und ihre darüber gelegene Wohnung samt dem schmucken Garten verlieren.
Das Ende dieses Romans ist schon sehr früh absehbar, aber dazwischen warten in diesem „Seitenumdreher“ etliche Irrungen und Verirrungen auf die Leserin – eingebettet ins Floristikmillieu mit Sträussen und Gestecken für Babypartys, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Pensionierungen, Einladungen und natürlich dem Schwerpunkt Hochzeitsgestaltung mit anspruchsvollen Bräuten. Ein Sommerroman, der auch im Winter Freude macht - geschwitzt haben wir im Sommer 2015 ja mehr als genug, so dass es völlig ausreicht, über Hitzewellen zu lesen.
Mary Kay Andrews:
Ein Ja im Sommer
S. Fischer Verlag, 2015
1. Dezember 2015
Bernd Flessner: Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
Der Frühpensionär Walter Dollinger hält nichts von Ertragsmaximierung in seinem Garten. Sein Ziel sind nicht Ernterekorde in Menge oder Grösse. Jahrzehntelang hat er in der Geschäftswelt Höchstleistungen erbringen müssen, bevor er von einem Tag auf den anderen aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgeben musste. Seinen Naturgarten sieht er nicht zuletzt deshalb in erster Linie als Lebensraum, in den er nur unterstützend eingreift. Sein direkter Nachbar, der eine ganz andere Gartenphilosophie vertritt, spricht denn auch von Verwilderung.
Ebenfalls einen anderen Zugang zum Garten als Dollinger hatte Johann Kunrath, das Opfer des "Radieschenmörders". Der unauffällige Mann hat völlig zurückgezogen gelebt und niemand hat näheren Kontakt mit ihm gepflegt. An den Jahresversammlungen des Gartenbauvereins Biberach ist er jeweils mit Anträgen aufgefallen, die eine Harmonisierung der Gärten zum Inhalt hatten - wohl mit dem Ziel, einen regionalen Gartenwettbewerb zu Gunsten von Biberach zu entscheiden. Die Satzung des Gartenbauvereins sieht vor, sich gegenseitig zu unterstützen. Als Vorstandsmitglied wird Dollinger deshalb an einer eilig einberufenen ausserordentlichen Vereinszusammenkunft ins Zweierteam berufen, dem die Pflege von Kunraths verwaistem Garten anvertraut wird, bis die noch unbekannten Erben diesen übernehmen.
Schon bei seinem ersten Einsatz beginnt der Frühpensionär an dem von der Polizei errechneten Todeszeitpunkt zu zweifeln. Die Höhe des nicht gemähten Rasens, die Anzahl Raupen, die sich auf den Weisskohlköpfen tummeln, Radieschen, die ausschiessen und auch die nicht ausgegeizten Seitentriebe an den Tomaten lassen ihn vermuten, dass die Natur schon einige Tage vor dem angeblichen Tattag das Zepter im üblicherweise perfekt gepflegte Kunrath-Garten übernommen hat. Mit seinen aus hortikultureller Erfahrung gewonnen Erkenntnissen macht sich Dollinger beim ermittelnden Hauptkommissar Schwerdtfeger nicht nur unbeliebt, sondern er gilt daraufhin auch gleich als tatverdächtig und mit ihm die anderen Gartenbauvereinsmitglieder.
In der Folge erhält er von diesen ganz offiziell den Auftrag, Licht ins Dunkle rund um den mysteriösen Mordfall zu bringen, damit wieder Ruhe im Ort einkehrt. Der Amateurdetektiv prüft parallel zu den polizeilichen Mordermittlungen die Alibis der Vereinsmitglieder und versucht mit einer Beziehungsgrafik Zusammenhänge zu erstellen und zu verstehen. Als ein Landstreicher als Tatverdächtiger verhaftet wird, zweifelt er an dessen Schuld. Walter Dollinger ist gewohnt zu agieren, damit andere reagieren müssen, und so schreckt er auch vor zuweilen illegalen und gefährlichen Aktionen nicht zurück und entwickelt seine ganz eigenen Methoden zur Sicherung von Beweismitteln. Er ist der Polizei immer einen Schritt voraus und wird von seiner Frau Karin tatkräftig unterstützt.
Dollinger scheint tatsächlich auf der richtigen Spur zu sein, denn er selber gerät ins Visier des Täters, doch auch ein als Drohung in seinem Garten platziertes Radieschen kann ihn nicht aufhalten. Neben seinen privaten Ermittlungen bleibt ihm aber auch immer wieder Zeit fürs Gärtnern und für Diskussionen mit anderen Gartenbauvereinsmitgliedern, etwa über den exakten Abstand zwischen Grashalmen im perfekt manikürten Rasen. Diesen Krimi habe ich hier schon einmal erwähnt kann abschliessend feststellen, dass sich die Lektüre unbedingt gelohnt hat. Ob man auf eine Fortsetzung im Rahmen einer Gartenkrimi-Serie hoffen darf? Während sich im englischen Sprachraum problemlos (Soft-)Krimis mit gärtnerischem Hintergrund finden lassen, sind deutsche Übersetzungen oder Originalausgaben doch als Mangelware zu bezeichnen.
Bernd Flessner:
Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
BLV Buchverlag, 2015
Ebenfalls einen anderen Zugang zum Garten als Dollinger hatte Johann Kunrath, das Opfer des "Radieschenmörders". Der unauffällige Mann hat völlig zurückgezogen gelebt und niemand hat näheren Kontakt mit ihm gepflegt. An den Jahresversammlungen des Gartenbauvereins Biberach ist er jeweils mit Anträgen aufgefallen, die eine Harmonisierung der Gärten zum Inhalt hatten - wohl mit dem Ziel, einen regionalen Gartenwettbewerb zu Gunsten von Biberach zu entscheiden. Die Satzung des Gartenbauvereins sieht vor, sich gegenseitig zu unterstützen. Als Vorstandsmitglied wird Dollinger deshalb an einer eilig einberufenen ausserordentlichen Vereinszusammenkunft ins Zweierteam berufen, dem die Pflege von Kunraths verwaistem Garten anvertraut wird, bis die noch unbekannten Erben diesen übernehmen.
Schon bei seinem ersten Einsatz beginnt der Frühpensionär an dem von der Polizei errechneten Todeszeitpunkt zu zweifeln. Die Höhe des nicht gemähten Rasens, die Anzahl Raupen, die sich auf den Weisskohlköpfen tummeln, Radieschen, die ausschiessen und auch die nicht ausgegeizten Seitentriebe an den Tomaten lassen ihn vermuten, dass die Natur schon einige Tage vor dem angeblichen Tattag das Zepter im üblicherweise perfekt gepflegte Kunrath-Garten übernommen hat. Mit seinen aus hortikultureller Erfahrung gewonnen Erkenntnissen macht sich Dollinger beim ermittelnden Hauptkommissar Schwerdtfeger nicht nur unbeliebt, sondern er gilt daraufhin auch gleich als tatverdächtig und mit ihm die anderen Gartenbauvereinsmitglieder.
In der Folge erhält er von diesen ganz offiziell den Auftrag, Licht ins Dunkle rund um den mysteriösen Mordfall zu bringen, damit wieder Ruhe im Ort einkehrt. Der Amateurdetektiv prüft parallel zu den polizeilichen Mordermittlungen die Alibis der Vereinsmitglieder und versucht mit einer Beziehungsgrafik Zusammenhänge zu erstellen und zu verstehen. Als ein Landstreicher als Tatverdächtiger verhaftet wird, zweifelt er an dessen Schuld. Walter Dollinger ist gewohnt zu agieren, damit andere reagieren müssen, und so schreckt er auch vor zuweilen illegalen und gefährlichen Aktionen nicht zurück und entwickelt seine ganz eigenen Methoden zur Sicherung von Beweismitteln. Er ist der Polizei immer einen Schritt voraus und wird von seiner Frau Karin tatkräftig unterstützt.
Dollinger scheint tatsächlich auf der richtigen Spur zu sein, denn er selber gerät ins Visier des Täters, doch auch ein als Drohung in seinem Garten platziertes Radieschen kann ihn nicht aufhalten. Neben seinen privaten Ermittlungen bleibt ihm aber auch immer wieder Zeit fürs Gärtnern und für Diskussionen mit anderen Gartenbauvereinsmitgliedern, etwa über den exakten Abstand zwischen Grashalmen im perfekt manikürten Rasen. Diesen Krimi habe ich hier schon einmal erwähnt kann abschliessend feststellen, dass sich die Lektüre unbedingt gelohnt hat. Ob man auf eine Fortsetzung im Rahmen einer Gartenkrimi-Serie hoffen darf? Während sich im englischen Sprachraum problemlos (Soft-)Krimis mit gärtnerischem Hintergrund finden lassen, sind deutsche Übersetzungen oder Originalausgaben doch als Mangelware zu bezeichnen.
Bernd Flessner:
Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
BLV Buchverlag, 2015
20. November 2015
Mrs. Miniver (DVD)
Eben noch gehörten schicke Hüte und andere Exklusivitäten zum normalen Leben von Mrs. Miniver und sie zeigt sich äusserst verständnisvoll gegenüber der Anschaffung eines neuen, nicht wirklich notwendigen Autos durch ihren Mann, einem gutverdienenden Architekten. Zur Familie Miniver gehören neben den Eltern drei Kinder und die fünf nennen ein hübsches Haus mit gepflegtem Garten samt Bootsanlegesteg sowie ein eigenes Boot ihr Eigen. Die nahezu perfekte bürgerliche Idylle wird durch den Ausbruch des zweiten Weltkriegs und den Einzug des älteren Sohnes Vin ins Militär zerstört.
Zum hortikulturellen Nebenschauplatz des patriotisch geprägten Films gehört eine vom allseits beliebten Bahnhofsvorsteher Mr. Ballard gezüchtete rote Rose, die betörend duftet und welche er nach Mrs. Miniver benennt. Er hat die erfolgversprechende Züchtung sogar bei der jährlichen Blumenausstellung angemeldet. Diese nicht zu unterschätzende Konkurrenz löst bei Lady Beldon keine Freude aus. Sie richtet nicht nur die Veranstaltung aus, sie hat in den letzten vierzig Jahren auch jedes Mal den ersten Preis für ihre Rosen eingeheimst. Wegen dem Krieg soll die Ausstellung nicht stattfinden, wird dann aber doch durchgeführt. Und nach der Krönung der prächtigsten Chrysanthemen und anderer Blumenschönheiten steht dem zahlreich erschienenen Publikum eine Überraschung bevor.
Der Film zeigt den veränderten Alltag der Familie Miniver mit unruhigen Nächten im Keller, einem zivilen Bootseinsatz des Hausherrn am Rande der Schlacht von Dünkirchen im Juni 1940 und einem abgestürzten deutschen Piloten, der Mrs. Miniver bedroht. Ein Lichtblick in diesen Tagen ist die nach kurzer Bekanntschaft geschlossene Ehe von Vin und Lady Belden's Enkelin. Muss ich erwähnen, dass letztere zunächst nicht „very amused“ über diese Pläne ist?
Dieser s/w-Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Struther. Er spielt in England, wurde aber wegen dem Krieg in Europa in Kalifornien gedreht. Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung über diese mit mehreren Oscars ausgezeichnete Produktion findet sich hier.
Mrs. Miniver (DVD)
William Wyler
Warner Home Video, 2005 (s/w-Film aus dem Jahr 1942)
Zum hortikulturellen Nebenschauplatz des patriotisch geprägten Films gehört eine vom allseits beliebten Bahnhofsvorsteher Mr. Ballard gezüchtete rote Rose, die betörend duftet und welche er nach Mrs. Miniver benennt. Er hat die erfolgversprechende Züchtung sogar bei der jährlichen Blumenausstellung angemeldet. Diese nicht zu unterschätzende Konkurrenz löst bei Lady Beldon keine Freude aus. Sie richtet nicht nur die Veranstaltung aus, sie hat in den letzten vierzig Jahren auch jedes Mal den ersten Preis für ihre Rosen eingeheimst. Wegen dem Krieg soll die Ausstellung nicht stattfinden, wird dann aber doch durchgeführt. Und nach der Krönung der prächtigsten Chrysanthemen und anderer Blumenschönheiten steht dem zahlreich erschienenen Publikum eine Überraschung bevor.
Der Film zeigt den veränderten Alltag der Familie Miniver mit unruhigen Nächten im Keller, einem zivilen Bootseinsatz des Hausherrn am Rande der Schlacht von Dünkirchen im Juni 1940 und einem abgestürzten deutschen Piloten, der Mrs. Miniver bedroht. Ein Lichtblick in diesen Tagen ist die nach kurzer Bekanntschaft geschlossene Ehe von Vin und Lady Belden's Enkelin. Muss ich erwähnen, dass letztere zunächst nicht „very amused“ über diese Pläne ist?
Dieser s/w-Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jan Struther. Er spielt in England, wurde aber wegen dem Krieg in Europa in Kalifornien gedreht. Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung über diese mit mehreren Oscars ausgezeichnete Produktion findet sich hier.
Mrs. Miniver (DVD)
William Wyler
Warner Home Video, 2005 (s/w-Film aus dem Jahr 1942)
10. November 2015
Julie Leuze: Der Duft von Hibiskus
Soweit das Auge reicht, wird die Umgebung von der Farbe Grün dominiert - goldgrün, meergrün, blaugrün, olivgrün und viele andere Grüntöne mehr. Die zweiundzwanzigjährige Apothekertochter Emma Röslin aus Stuttgart kann sich kaum sattsehen und hätte sich noch vor wenigen Monaten in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können, sich einmal im australischen Busch wiederzufinden, um Pflanzen und Tiere zu zeichnen.
Der Roman „Der Duft von Hibiskus“ spielt Ende der fünfziger Jahre im 19. Jahrhundert. Emma Röslin stammt aus einer gutbürgerlichen Familie, hat eine sorgenlose Kindheit erlebt und ist immer gut gekleidet. Doch dann hat ein schreckliches Ereignis ihr Leben für immer verändert. Ein traumatisches Erlebnis, das ihre Seele im hintersten Winkel verbirgt und an das sich Emma nicht erinnern kann. Undeutlich erinnert sie sich an zwei Todesfälle und muss erleben, dass ihr bis anhin ausgezeichnetes Verhältnis zum Vater zerstört ist. Zuletzt hat er überhaupt nicht mehr mit ihr gesprochen und auch den Dienstboten wurde verboten, mit ihr zu reden.
Unerwartet bietet sich ihr die Gelegenheit, dem nunmehr freudlosen Daheim und ihren Erinnerungslücken zu entfliehen. Der Botaniker Oskar Crusius bietet ihr an, sich mit ihm einer Forschergruppe unter der Leitung des Münchners Carl Scherrer anzuschliessen. Als Apothekerstochter, die von ihrem Vater ausgebildet worden ist, kennt sie von Streifzügen durch die heimische Natur die Namen der Heilpflanzen im Schwabenland, das Linnésche Sexualsystem und den Aufbau von Gewächsen. Zu ihren Aufgaben gehörte nämlich das systematische Sammeln von Pflanzen und das Pressen, Trocknen und Befestigen auf Papierbögen derselben. Ihr Vater hat ihr jedoch nicht nur das Erstellen von Herbarbögen beigebracht, sondern auch das detailgetreue Zeichnen und Kolorieren.
Nach einer mehrmonatigen Schiffreise trifft sie endlich in Australien ein, wo sie die anderen Expeditionsteilnehmer kennenlernt. Da Carl Scherrer, Leiter im Auftrag der Kolonialregierung New South Wales, keine Frau in seiner Gruppe duldet, geben sich Oskar und Emma als Verlobte aus, was Emma schon bald bereuen wird. Die junge Frau ist unglaublich fasziniert von der australischen Natur und kommt scheinbar problemlos mit dem einfachen und völlig ungewohnten Leben zurecht. Während die Pflanzenkundler mit der Botanisiertrommel unterwegs sind, ist sie mit dem Festhalten von Flora und Fauna auf Papier beschäftigt. Überschattet wird ihr spannendes neues Leben aber nach wie vor von ihren Erinnerungslücken und der Traurigkeit darüber, dass sie sich daheim nicht von ihrer Mutter hat verabschieden können.
Emma und Carl finden sich sehr sympathisch, was den Widerwillen von Oskar hervorruft. Der angebliche Verlobte gebärdet sich immer dreister und überschüttet Emma mit anzüglichen Bemerkungen. Bevor Emma aber überhaupt an eine Beziehung mit Carl denken kann, will und muss sie erst genau wissen, was in Stuttgart passiert ist und ihre Gedächtnislücken füllen. Ausserdem weiss sie nicht, wie Carl auf ihre Eröffnung, gar nie mit Oskar verlobt gewesen zu sein, reagieren wird. Gleichzeitig wächst in Emma der dringende Wunsch, Kontakt mit Eingeborenen aufzunehmen. Sie möchte direkt von ihnen erfahren, wie sie leben und lernen, welche Pflanzen sie verwenden und in welcher Form.
Die junge Stuttgarterin strotzt vor Interesse, Neugier und Forschergeist – leider teilen nicht alle Gruppenteilnehmer ihre Offenheit in Bezug auf die Aborigines. Die patente Romanfigur Emma basiert übrigens auf dem historischen Vorbild von Amalie Dietrich (1821 – 1891), einer wichtigen deutschen Australienforscherin, die im vorletzten Jahrhundet Pflanzen, Tiere und auch menschliche Schädel und Skelette gesammelt hat. Die mitleid- und skrupellosen Eigenschaften der mutigen Pionierin hat die Autorin allerdings dem Charakter von Oskar zugeteilt.
Und gerade kürzlich ist ein weiterer Roman erschienen, in welchem Amalie Dietrich eine Rolle spielt: "Das Geheimnis jenes Tages" von Annette Dutton. Dessen längst vorgebloggte Vorstellung habe ich momentan auf Mitte nächstes Jahr terminiert.
Julie Leuze:
Der Duft von Hibiskus
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
Der Roman „Der Duft von Hibiskus“ spielt Ende der fünfziger Jahre im 19. Jahrhundert. Emma Röslin stammt aus einer gutbürgerlichen Familie, hat eine sorgenlose Kindheit erlebt und ist immer gut gekleidet. Doch dann hat ein schreckliches Ereignis ihr Leben für immer verändert. Ein traumatisches Erlebnis, das ihre Seele im hintersten Winkel verbirgt und an das sich Emma nicht erinnern kann. Undeutlich erinnert sie sich an zwei Todesfälle und muss erleben, dass ihr bis anhin ausgezeichnetes Verhältnis zum Vater zerstört ist. Zuletzt hat er überhaupt nicht mehr mit ihr gesprochen und auch den Dienstboten wurde verboten, mit ihr zu reden.
Unerwartet bietet sich ihr die Gelegenheit, dem nunmehr freudlosen Daheim und ihren Erinnerungslücken zu entfliehen. Der Botaniker Oskar Crusius bietet ihr an, sich mit ihm einer Forschergruppe unter der Leitung des Münchners Carl Scherrer anzuschliessen. Als Apothekerstochter, die von ihrem Vater ausgebildet worden ist, kennt sie von Streifzügen durch die heimische Natur die Namen der Heilpflanzen im Schwabenland, das Linnésche Sexualsystem und den Aufbau von Gewächsen. Zu ihren Aufgaben gehörte nämlich das systematische Sammeln von Pflanzen und das Pressen, Trocknen und Befestigen auf Papierbögen derselben. Ihr Vater hat ihr jedoch nicht nur das Erstellen von Herbarbögen beigebracht, sondern auch das detailgetreue Zeichnen und Kolorieren.
Nach einer mehrmonatigen Schiffreise trifft sie endlich in Australien ein, wo sie die anderen Expeditionsteilnehmer kennenlernt. Da Carl Scherrer, Leiter im Auftrag der Kolonialregierung New South Wales, keine Frau in seiner Gruppe duldet, geben sich Oskar und Emma als Verlobte aus, was Emma schon bald bereuen wird. Die junge Frau ist unglaublich fasziniert von der australischen Natur und kommt scheinbar problemlos mit dem einfachen und völlig ungewohnten Leben zurecht. Während die Pflanzenkundler mit der Botanisiertrommel unterwegs sind, ist sie mit dem Festhalten von Flora und Fauna auf Papier beschäftigt. Überschattet wird ihr spannendes neues Leben aber nach wie vor von ihren Erinnerungslücken und der Traurigkeit darüber, dass sie sich daheim nicht von ihrer Mutter hat verabschieden können.
Emma und Carl finden sich sehr sympathisch, was den Widerwillen von Oskar hervorruft. Der angebliche Verlobte gebärdet sich immer dreister und überschüttet Emma mit anzüglichen Bemerkungen. Bevor Emma aber überhaupt an eine Beziehung mit Carl denken kann, will und muss sie erst genau wissen, was in Stuttgart passiert ist und ihre Gedächtnislücken füllen. Ausserdem weiss sie nicht, wie Carl auf ihre Eröffnung, gar nie mit Oskar verlobt gewesen zu sein, reagieren wird. Gleichzeitig wächst in Emma der dringende Wunsch, Kontakt mit Eingeborenen aufzunehmen. Sie möchte direkt von ihnen erfahren, wie sie leben und lernen, welche Pflanzen sie verwenden und in welcher Form.
Die junge Stuttgarterin strotzt vor Interesse, Neugier und Forschergeist – leider teilen nicht alle Gruppenteilnehmer ihre Offenheit in Bezug auf die Aborigines. Die patente Romanfigur Emma basiert übrigens auf dem historischen Vorbild von Amalie Dietrich (1821 – 1891), einer wichtigen deutschen Australienforscherin, die im vorletzten Jahrhundet Pflanzen, Tiere und auch menschliche Schädel und Skelette gesammelt hat. Die mitleid- und skrupellosen Eigenschaften der mutigen Pionierin hat die Autorin allerdings dem Charakter von Oskar zugeteilt.
Und gerade kürzlich ist ein weiterer Roman erschienen, in welchem Amalie Dietrich eine Rolle spielt: "Das Geheimnis jenes Tages" von Annette Dutton. Dessen längst vorgebloggte Vorstellung habe ich momentan auf Mitte nächstes Jahr terminiert.
Julie Leuze:
Der Duft von Hibiskus
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
1. November 2015
Wieder einmal: Beschränkt empfehlenswert
An meinen unregelmässigen Besuchen an der Frankfurter Buchmesse drängt sich mir jeweils unweigerlich die Frage auf, wer all dieses Geschreibsel wohl lesen mag. Für mich selber habe ich unter den unzähligen Publikationen einige wenige neue Titel entdeckt, die ich unbedingt lesen will, und etliche bereits hier vorgestellte Bücher wieder angetroffen.
Nicht zu übersehen war natürlich der brandneue Gartenkrimi „Der Radieschenmörder“ von Bernd Flessner, dessen Beschaffung zwar nicht gerade kriminell, aber doch ein wenig spektakulär war, wie meine an der Buchmesse persönlich kennen gelernte Bloggerkollegin Dani und ich feststellen mussten. Zierten wohl mehr als zwei Dutzend Exemplare dieser Neuerscheinung eine Wand des BLV-Messestandes, las ich wieder daheim im Internet, dass das Buch nur im stationären Buchhandel und dies anscheinend auch nur während vierzehn Tagen zu erwerben war. Da erscheint mal ein perfekt in den Sofagarten passender Gartenkrimi und der lässt sich nicht beschaffen? Hätte ich mir vielleicht doch besser ein Exemplar mopsen sollen?
Das tut frau natürlich nicht. Und recht schnell habe ich herausbekommen, dass der Verlag den Buchhandlungen mit dieser Marketing-Idee einen Zeitvorsprung, also die Gelegenheit, möglichst viele Bücher direkt zu verkaufen, verschaffen wollte. Inzwischen ist das Buch auch im Online-Handel erhältlich. Die Sofagärtnerin, die sich angesichts ihres beruflichen Hintergrundes mit Erfahrung im Rechnungswesen von Verlagen schon überlegt hatte, wie sich das rechnet und finanziell lohnen kann, ist nun also gleich doppelt beruhigt. Nun bleibt nur doch die Hoffnung, dass das Buch mindestens so spannend ist, wie das Drumherum um die Beschaffung.
Aktuell lese ich gerade einen anderen Krimi, und zwar „Baumkiller“ von Werner Färber aus dem Gmeiner Verlag. Aber eigentlich wollte ich ja – siehe Titel – über Bücher schreiben, die ich nicht lesen mag und die ich (grösstenteils) ungelesen weggelegt habe. Regelmässige Blogleserinnen und -leser wissen von meiner nebenberuflichen Weiterbildung, wegen der ich nunmehr wenig Zeit für unterhaltsame Lektüre habe. Manuals, Gesetze und Verordnungen decken meinen Bedarf an anspruchsvoller Lektüre. Dementsprechend bevorzuge ich in der Freizeit Romane und verschiebe schwerere Kost auf später. Die Buchvorstellungen im Sofagarten sind also auch weiterhin mehrheitlich Romane, Krimis und gelegentlich Anthologien.
Vorläufig keine Buchvorstellung gibt es von Dieter Bachmanns „Die Gärten der Medusa“ (Limmat Verlag), von dem es in der Umschlagbeschreibung heisst (Zitat): „ Ein Schiff legt ab. Es hat Gärten an Bord – Hausgärten, Parks, Landschaften und tiefgrüne Wälder. Und ein paar Passagiere, die diese durchwandern…“. Ebenfalls aus der Liste der zuletzt gelesenen Bücher gelöscht habe ich „Der Garten über dem Meer“ von Mercè Rodoreda (Mare Verlag) - ein erstmals ins Deutsche übersetzter Roman aus dem Katalanischen über die Beobachtungen eines Gärtners in einem Herrenhaus in den Jahren vor dem Spanischen Bürgerkrieg.
Auch mit „Orchid Territory“ von Mary Motes (Wordrunner Publishing) wurde ich nicht richtig warm. Bis jetzt konnte ich nicht herausfinden, wo sich der Humor in dieser „Comic Novel“ („… full of humor and wicked comedy“ gemäss The Orchid Review) versteckt… Falls ihn jemand gefunden haben sollte, bitte mitteilen! Dann lese ich in einem Jahr weiter, wenn ich hoffentlich wieder mehr Zeit für Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner habe.
Nicht zu übersehen war natürlich der brandneue Gartenkrimi „Der Radieschenmörder“ von Bernd Flessner, dessen Beschaffung zwar nicht gerade kriminell, aber doch ein wenig spektakulär war, wie meine an der Buchmesse persönlich kennen gelernte Bloggerkollegin Dani und ich feststellen mussten. Zierten wohl mehr als zwei Dutzend Exemplare dieser Neuerscheinung eine Wand des BLV-Messestandes, las ich wieder daheim im Internet, dass das Buch nur im stationären Buchhandel und dies anscheinend auch nur während vierzehn Tagen zu erwerben war. Da erscheint mal ein perfekt in den Sofagarten passender Gartenkrimi und der lässt sich nicht beschaffen? Hätte ich mir vielleicht doch besser ein Exemplar mopsen sollen?
Das tut frau natürlich nicht. Und recht schnell habe ich herausbekommen, dass der Verlag den Buchhandlungen mit dieser Marketing-Idee einen Zeitvorsprung, also die Gelegenheit, möglichst viele Bücher direkt zu verkaufen, verschaffen wollte. Inzwischen ist das Buch auch im Online-Handel erhältlich. Die Sofagärtnerin, die sich angesichts ihres beruflichen Hintergrundes mit Erfahrung im Rechnungswesen von Verlagen schon überlegt hatte, wie sich das rechnet und finanziell lohnen kann, ist nun also gleich doppelt beruhigt. Nun bleibt nur doch die Hoffnung, dass das Buch mindestens so spannend ist, wie das Drumherum um die Beschaffung.
Aktuell lese ich gerade einen anderen Krimi, und zwar „Baumkiller“ von Werner Färber aus dem Gmeiner Verlag. Aber eigentlich wollte ich ja – siehe Titel – über Bücher schreiben, die ich nicht lesen mag und die ich (grösstenteils) ungelesen weggelegt habe. Regelmässige Blogleserinnen und -leser wissen von meiner nebenberuflichen Weiterbildung, wegen der ich nunmehr wenig Zeit für unterhaltsame Lektüre habe. Manuals, Gesetze und Verordnungen decken meinen Bedarf an anspruchsvoller Lektüre. Dementsprechend bevorzuge ich in der Freizeit Romane und verschiebe schwerere Kost auf später. Die Buchvorstellungen im Sofagarten sind also auch weiterhin mehrheitlich Romane, Krimis und gelegentlich Anthologien.
Vorläufig keine Buchvorstellung gibt es von Dieter Bachmanns „Die Gärten der Medusa“ (Limmat Verlag), von dem es in der Umschlagbeschreibung heisst (Zitat): „ Ein Schiff legt ab. Es hat Gärten an Bord – Hausgärten, Parks, Landschaften und tiefgrüne Wälder. Und ein paar Passagiere, die diese durchwandern…“. Ebenfalls aus der Liste der zuletzt gelesenen Bücher gelöscht habe ich „Der Garten über dem Meer“ von Mercè Rodoreda (Mare Verlag) - ein erstmals ins Deutsche übersetzter Roman aus dem Katalanischen über die Beobachtungen eines Gärtners in einem Herrenhaus in den Jahren vor dem Spanischen Bürgerkrieg.
Auch mit „Orchid Territory“ von Mary Motes (Wordrunner Publishing) wurde ich nicht richtig warm. Bis jetzt konnte ich nicht herausfinden, wo sich der Humor in dieser „Comic Novel“ („… full of humor and wicked comedy“ gemäss The Orchid Review) versteckt… Falls ihn jemand gefunden haben sollte, bitte mitteilen! Dann lese ich in einem Jahr weiter, wenn ich hoffentlich wieder mehr Zeit für Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner habe.
20. Oktober 2015
Jockel Tschiersch: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Haben Sie auch schon mal damit geliebäugelt, einfach alles stehen und liegen zu lassen? Genau so geht es Georg, genannt Schorsch, Kempter. Er belässt es aber nicht beim blossen Gedankenspiel, sondern gibt dem Impuls nach und statt wie üblich frühmorgens arbeiten zu gehen, steigt er an einem schönen Julitag in sein kleines heiss geliebtes Flugzeug, fliegt einfach fort.
Kempters Ehe scheint am Ende, seinem Vater kann er nichts recht machen, dem Berufswunsch seiner Tochter Miriam, die mindestens so stur ist, wie er selber, kann er nichts abgewinnen und nun scheint auch noch die kleine Familiengärtnerei definitiv Konkurs anmelden zu müssen. Denn ein Kunde, für den er in monatelanger Arbeit einen Golfplatz angelegt hat, ist mit dem Grünton des Rasens nicht zufrieden und verweigert die Zahlung der Schlussrechnung. Diese Tatsache bedeutet nicht nur für den schon schlingernden Kleinbetrieb eine substantielle Gefahr, der Gärtner muss befürchten, dass ihm auch seine Piper J3C weggenommen wird.
Sechs Tage in der Woche arbeitet er schwer von früh bis spät. Trotzdem reicht das Einkommen nur knapp für die Familie, die alte Piper und die Entlohnung seines einzigen Angestellten, der das Arbeiten nicht gerade erfunden hat. Schorsch selber ist zwar ein sehr geschickter Gärtner, aber eben kein gewiefter Geschäftsmann. Die Sonntagsflüge, wenn er alleine in seiner Maschine hoch oben in den Wolken seine Runden dreht, sind der der Höhepunkt der Woche und lassen ihn Arbeit, Familie und finanzielle Probleme ertragen. Wobei ganz unschuldig an den innerfamiliären Kommunikationsproblemen ist der maulfaule Gärtner auch nicht. Er spricht höchstens mit seiner Piper, was er aber aus einschlägiger Erfahrung auf seine Flugzeiten beschränkt. Schlafen tut der Schorsch am liebsten in seiner Rosenwerkstatt oder gleich bei seinen Rosen und träumt bevorzugt von einer von ihm selber gezüchteten komplett schwarzen Rosen, und zwar mit Blüten ohne den üblichen lila Schimmer. In der Ukraine soll ein Rosenzüchter diese Unmöglichkeit geschafft haben. Wäre das vielleicht ein anzupeilendes Endziel der spontanen Reise?
Als Schorsch nun einfach davonfliegt, lässt er zuerst zwecks Unerreichbarkeit sein altes Handy aus der Luft in einen Fluss fallen. Erst als ihn der leere Tank zur Landung zwingt, geht er auf dem Feld eines alten Bauern nieder und verdient sich Kost, Logis und Sprit für den Weiterflug. Der Bauer gibt ihm zusätzlich auf den Weg mit, dass er mehr lachen und reden soll.
Auf weiteren Stationen seine Reise lernt er verschiedene Menschen kennen, die ihren eigenen, teils schwer gefüllten Rucksack mit sich herumschleppen. So wie Schorsch, der geprägt ist von einer Katastrophe, die sich vor zwanzig Jahren ereignet hat und über die und seine Schuld er nie mit jemandem gesprochen hat. Er stellt fest, dass auch andere Familien ihre zwischenmenschlichen Probleme haben. Zeit für tiefsinnige Gedanken findet er beim Schuften in einem völlig vernachlässigten Garten eines riesigen Schlosses, wo er sein Bestes gibt, um die Zierpflanzen vom Unkraut zu befreien - wenn er nicht gerade von der neugierigen Tochter der Schlossbesitzer indiskreten und direkten Fragen gelöchert wird.
Derweilen Frau und Tochter daheim wütend über sein Verschwinden sind, mühsam den Betrieb aufrecht halten und mit weiteren Problemen kämpfen, erweist sich der Austausch mit seinen neuen Bekannten und die Distanz zu Familie und Betrieb für Schorsch als wohltuend. Konflikte werden nicht durch Ignoranz und Schweigen gelöst, gibt es vielleicht noch eine Chance für Betrieb und Ehe? Ist die schwarze Rose tatsächlich so wichtig? Schliesslich ist nicht alles planbar und Pläne werden immer wieder durchkreuzt.
Der Autor lässt sich für das Ende der Lektüre einige Überraschungen einfallen und gelegentlich finden sich witzige Wortkreationen im Text, wie etwa „ungezügelte Flora“, „miefender Beziehungskompost“ und „Wortspar-Konto“.
Jockel Tschiersch:
Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
Kempters Ehe scheint am Ende, seinem Vater kann er nichts recht machen, dem Berufswunsch seiner Tochter Miriam, die mindestens so stur ist, wie er selber, kann er nichts abgewinnen und nun scheint auch noch die kleine Familiengärtnerei definitiv Konkurs anmelden zu müssen. Denn ein Kunde, für den er in monatelanger Arbeit einen Golfplatz angelegt hat, ist mit dem Grünton des Rasens nicht zufrieden und verweigert die Zahlung der Schlussrechnung. Diese Tatsache bedeutet nicht nur für den schon schlingernden Kleinbetrieb eine substantielle Gefahr, der Gärtner muss befürchten, dass ihm auch seine Piper J3C weggenommen wird.
Sechs Tage in der Woche arbeitet er schwer von früh bis spät. Trotzdem reicht das Einkommen nur knapp für die Familie, die alte Piper und die Entlohnung seines einzigen Angestellten, der das Arbeiten nicht gerade erfunden hat. Schorsch selber ist zwar ein sehr geschickter Gärtner, aber eben kein gewiefter Geschäftsmann. Die Sonntagsflüge, wenn er alleine in seiner Maschine hoch oben in den Wolken seine Runden dreht, sind der der Höhepunkt der Woche und lassen ihn Arbeit, Familie und finanzielle Probleme ertragen. Wobei ganz unschuldig an den innerfamiliären Kommunikationsproblemen ist der maulfaule Gärtner auch nicht. Er spricht höchstens mit seiner Piper, was er aber aus einschlägiger Erfahrung auf seine Flugzeiten beschränkt. Schlafen tut der Schorsch am liebsten in seiner Rosenwerkstatt oder gleich bei seinen Rosen und träumt bevorzugt von einer von ihm selber gezüchteten komplett schwarzen Rosen, und zwar mit Blüten ohne den üblichen lila Schimmer. In der Ukraine soll ein Rosenzüchter diese Unmöglichkeit geschafft haben. Wäre das vielleicht ein anzupeilendes Endziel der spontanen Reise?
Als Schorsch nun einfach davonfliegt, lässt er zuerst zwecks Unerreichbarkeit sein altes Handy aus der Luft in einen Fluss fallen. Erst als ihn der leere Tank zur Landung zwingt, geht er auf dem Feld eines alten Bauern nieder und verdient sich Kost, Logis und Sprit für den Weiterflug. Der Bauer gibt ihm zusätzlich auf den Weg mit, dass er mehr lachen und reden soll.
Auf weiteren Stationen seine Reise lernt er verschiedene Menschen kennen, die ihren eigenen, teils schwer gefüllten Rucksack mit sich herumschleppen. So wie Schorsch, der geprägt ist von einer Katastrophe, die sich vor zwanzig Jahren ereignet hat und über die und seine Schuld er nie mit jemandem gesprochen hat. Er stellt fest, dass auch andere Familien ihre zwischenmenschlichen Probleme haben. Zeit für tiefsinnige Gedanken findet er beim Schuften in einem völlig vernachlässigten Garten eines riesigen Schlosses, wo er sein Bestes gibt, um die Zierpflanzen vom Unkraut zu befreien - wenn er nicht gerade von der neugierigen Tochter der Schlossbesitzer indiskreten und direkten Fragen gelöchert wird.
Derweilen Frau und Tochter daheim wütend über sein Verschwinden sind, mühsam den Betrieb aufrecht halten und mit weiteren Problemen kämpfen, erweist sich der Austausch mit seinen neuen Bekannten und die Distanz zu Familie und Betrieb für Schorsch als wohltuend. Konflikte werden nicht durch Ignoranz und Schweigen gelöst, gibt es vielleicht noch eine Chance für Betrieb und Ehe? Ist die schwarze Rose tatsächlich so wichtig? Schliesslich ist nicht alles planbar und Pläne werden immer wieder durchkreuzt.
Der Autor lässt sich für das Ende der Lektüre einige Überraschungen einfallen und gelegentlich finden sich witzige Wortkreationen im Text, wie etwa „ungezügelte Flora“, „miefender Beziehungskompost“ und „Wortspar-Konto“.
Jockel Tschiersch:
Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
10. Oktober 2015
David Wheeler (Hrsg.): Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Im vierten von mittlerweile beinahe 600 hier im Sofagarten erschienen Posts habe ich Anfang Februar 2009 mit folgenden Worten die Anthologie „Hortus Revisited“ vorgestellt:
Zum 21. Geburtstag des vierteljährlich mit wunderbaren Illustrationen in s/-w-Optik erscheinenden Journals „Hortus“ ist eine Anthologie aus den bisher über 10'000 veröffentlichten Seiten anspruchsvoller Gartenliteratur erschienen.
Wer Hortus bereits kennt, wird eingeladen, nochmals Mirabel Oslers Ausführungen über Ordnung und Chaos im Garten zu folgen, wer Hortus erst noch entdecken will, findet vielleicht Gefallen an Catherine Umphreys Artikel über Margery Fish und die Leiden und Freuden von partnerschaftlichem Gärtnern oder erfährt von Fergus Garrett näheres über die Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis). Die Themenpalette reicht von Farbe, Duft, Pflanzenzucht über Pflanzenjäger zu Gartenportraits. Ebenso unterschiedlich sind die Beiträge abgefasst – mal unterhaltend, witzig oder informativ, dazwischen gibt’s aber auch schwerfälligere Kost. Zu den Autoren gehören Profis und Amateure, Botaniker und Historiker, Gärtner und Gartenfanatiker - vertreten sind etwa Beth Chatto, Ursula Buchan, Roy Strong und Noel Kingsbury.
Infos über Hortus: www.hortus.co.uk. Die ersten beiden Jahrgänge der Hortus-Back-Issues sind bereits früher ebenfalls in Buchform erschienen, aber längst nur noch antiquarisch erhältlich ("By Pen and By Spade" und "The Generous Garden", beide Titel ebenfalls von David Wheeler herausgegeben).
Nun steht (endlich) eine Auswahl dieser Gartengeschichten auch dem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung:
David Wheeler (Hrsg.):
Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015
Zum 21. Geburtstag des vierteljährlich mit wunderbaren Illustrationen in s/-w-Optik erscheinenden Journals „Hortus“ ist eine Anthologie aus den bisher über 10'000 veröffentlichten Seiten anspruchsvoller Gartenliteratur erschienen.
Wer Hortus bereits kennt, wird eingeladen, nochmals Mirabel Oslers Ausführungen über Ordnung und Chaos im Garten zu folgen, wer Hortus erst noch entdecken will, findet vielleicht Gefallen an Catherine Umphreys Artikel über Margery Fish und die Leiden und Freuden von partnerschaftlichem Gärtnern oder erfährt von Fergus Garrett näheres über die Gattung Vergissmeinnicht (Myosotis). Die Themenpalette reicht von Farbe, Duft, Pflanzenzucht über Pflanzenjäger zu Gartenportraits. Ebenso unterschiedlich sind die Beiträge abgefasst – mal unterhaltend, witzig oder informativ, dazwischen gibt’s aber auch schwerfälligere Kost. Zu den Autoren gehören Profis und Amateure, Botaniker und Historiker, Gärtner und Gartenfanatiker - vertreten sind etwa Beth Chatto, Ursula Buchan, Roy Strong und Noel Kingsbury.
Infos über Hortus: www.hortus.co.uk. Die ersten beiden Jahrgänge der Hortus-Back-Issues sind bereits früher ebenfalls in Buchform erschienen, aber längst nur noch antiquarisch erhältlich ("By Pen and By Spade" und "The Generous Garden", beide Titel ebenfalls von David Wheeler herausgegeben).
Nun steht (endlich) eine Auswahl dieser Gartengeschichten auch dem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung:
- Vorwort – Oder: Ein Buch für Gärtner, die lesen, und Leser, die gärtnern
- David Wheeler und Hortus
- Stephen Lacey : Der Duftgarten
- Beth Chatto: Sir Cedric Morris, Künstler und Gärtner
- Penelope Hobhouse: Phyllis Reiss in Tintinhull
- Alvide Lees-Milne: Lawrence Johnston, der Schöpfer von Hidcote Garden
- Mirabel Osler: Bitte mehr Chaos! – Ein sanfter Appell
- Nigel Colborn: Zeigt mir eure Hostas!
- John Francis: Mein Paradies im Park
- Andrew Lawson: Die Kunst und der Garten
- Dawn MacLeod: Die Kunst der Pflanzenfärberei
- Elizabeth Seager: Das Jahr des Gärtners
- Roy Strong: The Laskett: Die Geschichte eines Gartens
- Deborah Kellaway: Von Möpsen, Pfauen und Pekinesen: Der Garten von Garsington Manor
- Jim Gould: Ein blaues Wunder
- Catherine Umphrey: Pflanzpartner, oder: Gärtnern mit Walter
- Peter Parker: Die Gärten der Beatrix Potter
- Antony King-Deacon: Es war einmal in Sissinghurst
- Katherine Swift: Reisenotizen von Orkney
- Diana Rosse: Der Waliser Garten Plas Brondanw aus Sicht seines Gärtners
- Marta McDowell: Maleficus – In tödlicher Absicht
- Alex Dufort: Der Garten Ridler
- Graham Gough: Die beste Lehrmeisterin, die ein Gartengestalter sich wünschen kann
- Ambra Edwards: Ein Besuch bei Ian Hamilton Finlay
David Wheeler (Hrsg.):
Gartenlektüre – Die schönsten Geschichten englischer Gartenenthusiasten
Deutsche Verlags-Anstalt, 2015
1. Oktober 2015
Lisa van Allen: The Night Garden
Zwischen Olivia Pennywort und allem, was Wurzeln in die Erde schickt, besteht seit jeher eine enge Verbindung. Die neunundzwanzigjährige Frau hat aber auch ihre guten (sprich lebenswichtigen) Gründe, die Nase direkt in ihre Pflanzen zu stecken, braucht sie diese doch als existenzielles Elixier. Schon als vierjähriges Kleinkind hat sie in ihrer Umgebung für Aufregung gesorgt, weil Grünzeug unter ihrer Fittiche merkwürdig gut gedieh. Diese Tatsache war nämlich nicht nur auf die ausgezeichnete Erde von Pennywort zurückzuführen. Doch Olivia hat erst viel später herausgefunden, dass ihre Begabung etwas Spezielles ist und welche Konsequenzen und Einschränkungen damit verbunden sind.
Ihr ganzes bisheriges Leben hat Olivia auf dem Familienbesitz der Pennyworts in Green Valley verbracht und sie verlässt seit vielen Jahren das Grundstück überhaupt nicht mehr. Ihre Tage sind hauptsächlich mit Arbeit ausgefüllt, bei der sie von den „Penny Loafers“ unterstützt wird, denen sie für ihre Hilfe Kost und eine einfache Unterkunft anbietet. Diese saisonalen Arbeitskräfte sind praktisch der einzige Kontakt zur Aussenwelt. Und auch vor diesen versucht sie, um jeden Preis ihr schreckliches Geheimnis zu verbergen. Ihr Körper wirkt auf andere Menschen wie eine schwer giftige Pflanze und löst bei jeder Berührung im Gegenüber je nach Sensibilität gesundheitsgefährdende Allergien aus.
Olivia steckt ihre ganze Energie in ihre Gärten, in denen Pflanzen aller Arten um die Wette blühen. Ein Irrgarten offenbart den oft von weither angereisten Besuchern, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Die Ratschläge sind oft ebenso unverblümt wie brutal. Zur Pennywort Farm gehören Felder, Wälder und Gartenräume zu unterschiedlichsten Themen, etwa ein Streichelgarten, ein Giftgarten, ein Steingarten sowie ein Moosgarten um nur einige zu nennen. Von grünen Hecken eingerahmt wachsen Phloxe, Rosen, Orchideen, Bougainvillea, Prunkwinden und der eine wichtige Rolle spielende Efeu. Lebt Olivia hier im Paradies oder vielleicht doch eher in einem Gefängnis?
Eigentlich ist die junge Frau mit ihrem Leben ganz zufrieden, als ihr Jugendfreund Samuel van Winkle nach vielen Jahren plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht. Der Mann mit einem Flair für Pilze kann nach einem schweren Unfall nichts mehr fühlen. Er, der aus einer Familie von tatkräftigen Helden stammt, spürt nicht, ob ein Badetuch nass oder trocken ist oder kratzig oder flauschig. Sein neuer Job bei der Polizei überfordert ihn in vielen Situationen, doch er möchte endlich herausfinden, warum Olivia die gemeinsame Kindheit und intensive Teenager-Liebesbeziehung vor bald eineinhalb Jahrzehnten ohne Angabe von Gründen abrupt abgebrochen hat.
Ein Schlüssel zur Lösung liegt beim 83jährigen Arthur Pennywort. Der verwitwete Vater von Olivia, dessen eigenes Leben 1969 mit dem in der Nähe des Green Valley stattfindenden Woodstock Festivals seinen scheinbar schon fest vorgezeigten Weg verlassen hat, kämpft seit Jahren gegen die Folgen an, die sein eigener Egoismus freigesetzt hat. Wie ein wildes Tier haust er in einer Schlucht und versucht erfoglos, seine Sünden auszubügeln. Sein Gewissen lässt ihm keine ruhige Minute und seine Sturheit bringt die eigene Tochter in zusätzliche Schwierigkeiten.
Nicht nur Sam bringt Olivias Leben durcheinander. Einer neuen Nachbarin, die aus der Stadt zugezogen ist, missfallen etliche Dinge auf dem Land. Sie macht es sich zur Aufgabe, ordentlich aufzuräumen. Ein Dorn im Auge sind ihr etwa die angeblich unzufriedenen „Penny Loafers“, für die sie eine ordentliche Unterbringung organisiert, und sie möchte Olivias angeblich völlig vernachlässigten Vater in ein Heim stecken lassen.
Eine magische Erzählung mit mysteriösen und märchenhaften Elementen, für Leserinnen und Leser, die nicht jeden Satz auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen wollen und müssen.
Lisa van Allen:
The Night Garden
Ballantine Book, 2014
Ihr ganzes bisheriges Leben hat Olivia auf dem Familienbesitz der Pennyworts in Green Valley verbracht und sie verlässt seit vielen Jahren das Grundstück überhaupt nicht mehr. Ihre Tage sind hauptsächlich mit Arbeit ausgefüllt, bei der sie von den „Penny Loafers“ unterstützt wird, denen sie für ihre Hilfe Kost und eine einfache Unterkunft anbietet. Diese saisonalen Arbeitskräfte sind praktisch der einzige Kontakt zur Aussenwelt. Und auch vor diesen versucht sie, um jeden Preis ihr schreckliches Geheimnis zu verbergen. Ihr Körper wirkt auf andere Menschen wie eine schwer giftige Pflanze und löst bei jeder Berührung im Gegenüber je nach Sensibilität gesundheitsgefährdende Allergien aus.
Olivia steckt ihre ganze Energie in ihre Gärten, in denen Pflanzen aller Arten um die Wette blühen. Ein Irrgarten offenbart den oft von weither angereisten Besuchern, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Die Ratschläge sind oft ebenso unverblümt wie brutal. Zur Pennywort Farm gehören Felder, Wälder und Gartenräume zu unterschiedlichsten Themen, etwa ein Streichelgarten, ein Giftgarten, ein Steingarten sowie ein Moosgarten um nur einige zu nennen. Von grünen Hecken eingerahmt wachsen Phloxe, Rosen, Orchideen, Bougainvillea, Prunkwinden und der eine wichtige Rolle spielende Efeu. Lebt Olivia hier im Paradies oder vielleicht doch eher in einem Gefängnis?
Eigentlich ist die junge Frau mit ihrem Leben ganz zufrieden, als ihr Jugendfreund Samuel van Winkle nach vielen Jahren plötzlich wieder in ihrem Leben auftaucht. Der Mann mit einem Flair für Pilze kann nach einem schweren Unfall nichts mehr fühlen. Er, der aus einer Familie von tatkräftigen Helden stammt, spürt nicht, ob ein Badetuch nass oder trocken ist oder kratzig oder flauschig. Sein neuer Job bei der Polizei überfordert ihn in vielen Situationen, doch er möchte endlich herausfinden, warum Olivia die gemeinsame Kindheit und intensive Teenager-Liebesbeziehung vor bald eineinhalb Jahrzehnten ohne Angabe von Gründen abrupt abgebrochen hat.
Ein Schlüssel zur Lösung liegt beim 83jährigen Arthur Pennywort. Der verwitwete Vater von Olivia, dessen eigenes Leben 1969 mit dem in der Nähe des Green Valley stattfindenden Woodstock Festivals seinen scheinbar schon fest vorgezeigten Weg verlassen hat, kämpft seit Jahren gegen die Folgen an, die sein eigener Egoismus freigesetzt hat. Wie ein wildes Tier haust er in einer Schlucht und versucht erfoglos, seine Sünden auszubügeln. Sein Gewissen lässt ihm keine ruhige Minute und seine Sturheit bringt die eigene Tochter in zusätzliche Schwierigkeiten.
Nicht nur Sam bringt Olivias Leben durcheinander. Einer neuen Nachbarin, die aus der Stadt zugezogen ist, missfallen etliche Dinge auf dem Land. Sie macht es sich zur Aufgabe, ordentlich aufzuräumen. Ein Dorn im Auge sind ihr etwa die angeblich unzufriedenen „Penny Loafers“, für die sie eine ordentliche Unterbringung organisiert, und sie möchte Olivias angeblich völlig vernachlässigten Vater in ein Heim stecken lassen.
Eine magische Erzählung mit mysteriösen und märchenhaften Elementen, für Leserinnen und Leser, die nicht jeden Satz auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen wollen und müssen.
Lisa van Allen:
The Night Garden
Ballantine Book, 2014
20. September 2015
Barbara Frischmuth: Der unwiderstehliche Garten – Eine Beziehungsgeschichte
In ihrem vierten Gartenbuch zieht Barbara Frischmuth hortikulturelle Bilanz und berichtet von den Schwierigkeiten, sich vom grünen Flecken Beet für Beet abzunabeln. Während Jahrzehnten hat sie auf einer ehemaligen Hangwiese auf 800 Metern über Meer gegärtnert. Der Untergrund bestand zu Beginn aus viel Bauschutt, wenig darüber verteilter Erde und Gras. Den Mutterboden hatte der Bauführer ohne vorherige Rücksprache oder entsprechende Abmachungen verkauft. Der frühere Schulkollege konnte ja nicht ahnen, dass gerade eine Schriftstellerin einem Teil ihres Glücks in der Erde suchen (und finden) würde.
Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?
Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.
Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.
Barbara Frischmuth:
Der unwiderstehliche Garten
Aufbau Verlag, 2015
Diese Anfangsschwierigkeiten sind längst Schnee von gestern und andere Herausforderungen stehen an. Denn es lässt sich nicht verleugnen, dass mit dem Älterwerden immer mehr Tätigkeiten schwerer fallen und entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weniger Töpfe bepflanzen, einige Beete der Wiese zurückgeben – lautet das Credo. Doch was einfach tönt, ist in Tat und Wahrheit ein regelrechtes Dilemma. Welche Pflanze soll denn aufgegeben werden? Welcher Topf?
Und obwohl es eigentlich darum geht, die neue Gartensaison mit weniger Pflanzen in Angriff zu nehmen, werden beim winterlichen "Armchair Gardening" nichtsdestotrotz diametral andere Pläne geschmiedet. Das Verschieben von Grenzsteinen wird zufrieden als Gewinn von zusätzlicher Beetfläche registriert. Und auch die mehrfach erwähnten Besuche bei Sarastro in Orth im Innkreis lassen sich eigentlich nicht mit der vorstehend erwähnten Absicht vereinbaren. Immer wieder findet sich ein Plätzchen für immer wieder neue Pflanzenschätze.
Der Zwiespalt kommt auch in einigen der Kapitelüberschriften zum Ausdruck:
- Warum ein schmerzender Rücken manchmal glücklicher macht als die Idee, es sich im Alter immer bequemer zu machen
- Mach nur einen Plan
- Die Ambivalenz der Gefühle
- Von Mäusen, Lenzrosen und win-win-Situationen
Thema in der illustrierten Beziehungsgeschichte sind auch Schmerzen in den Rippen und Knieprobleme. Und immer wieder setzt sich die Autorin detailreich mit Texten von bekannten Wissenschaftlern oder Schriftstellern wie Michael Pollan, Robert Harrison oder Charles Darwin (um nur einige zu nennen) auseinander.
Barbara Frischmuth:
Der unwiderstehliche Garten
Aufbau Verlag, 2015
10. September 2015
Andreas Austilat: Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich
Lässt sich die Vorliebe für Blumen der Ehefrau mit dem Hang zur landwirtschaftlichen Nutzung des Gartens durch den Mann vereinbaren? Andreas Austilat berichtet in dieser Kolumnensammlung aus dem Tagesspiegel in amüsantem Schreibstil über seine diesbezüglichen Erfahrungen.
Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Reiheneinfamilienhauses vor etlichen Jahren war der Garten bereits komplett bepflanzt, und zwar im Stil der 1960er Jahre mit Forsythie, Konifere, Rosen und Rasen. Über die Grösse des Gartens habe ich keine Angaben entdeckt (oder diese überlesen). Ich liege aber wohl nicht falsch mit meiner Vermutung, dass die Parzelle einiges grösser ist, als zwei- oder dreihundert Quadratmeter, ist doch an einer Stelle die Rede davon, dass zwanzig Leute gleichzeitig auf dem Rasen herumspringen. Die bisherigen gärtnerischen Erfahrungen des Autors beschränkten sich jedenfalls dannzumal mehrheitlich auf das seinerzeitige gelegentliche Rasenmähen mit einem Spindelmäher als Kind.
Die nicht chronologisch, sondern thematisch geordneten Kapitel geben erste Hinweise auf die geplanten, verworfenen und durchgeführten Veränderungen innerhalb von Zaun und Hecke:
Während der Lektüre stellt die Sofagärtnerin schnell fest, dass der Autor gewohnt ist, Sachverhalte zu hinterfragen und zu recherchieren. Wiederholt sind es Monokulturen, über die er sich schlau macht, und die Leserin detailliert an seinem Wissen teilhaben lässt. Einmal berichtet er diesbezüglich über Kiefern, ein andermal über Bananen. Haben Sie gewusst, dass fast alle in unseren Breitengraden verkauften Bananen zur Sorte "Cavendish" gehören und dass eine frühere Sorte, ebenfalls eine Monokultur, in den 1960er Jahren durch einen Pilz ausgerottet worden ist?
Weiter berichtet Andreas Austilat über die von Schneeglöckchen erzeugte Bodenwärme und darüber, weshalb unter Kiefern nur Maiglöckchen und Walderdbeeren wachsen. Dann sinniert er über Geheimnisse und Rätsel des Gartens - etwa jenes, warum das Tränende Herz in einem Jahr durch seine Blütenfülle den Neid von Besuchern weckt und im nächsten Jahr nur vor sich hin kümmert.
Während der Autor herausfindet, dass im Garten zwei verschiedene Sorten Liguster stehen, nämlich eine immergrüne und eine laubabwerfende, und auch Forsysthien völlig verschnitten, sprich mit der falschen Schnitttechnik oder Vernachlässigung verunstaltet werden können, liest man wiederholt über das grosse grüne Herz der Ehefrau für verstossene und ungeliebte Pflanzen, die niemand (kaufen) will und im Austilatschen Garten ein Asyl finden. In diesem Zusammenhang fällt im Buch auch der schöne Begriff „botanische Fremdenfeindlichekeit“. Denn der Ehemann mag keine Exoten oder sonst wie komplizierte Pflanzen im Garten, für die er seine Gewohnheiten anpassen muss. Ausser er kann mit schwerem Geschütz auffahren (Stichwort Kettensäge).
Andreas Austilat:
Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
Zum Zeitpunkt des Erwerbs des Reiheneinfamilienhauses vor etlichen Jahren war der Garten bereits komplett bepflanzt, und zwar im Stil der 1960er Jahre mit Forsythie, Konifere, Rosen und Rasen. Über die Grösse des Gartens habe ich keine Angaben entdeckt (oder diese überlesen). Ich liege aber wohl nicht falsch mit meiner Vermutung, dass die Parzelle einiges grösser ist, als zwei- oder dreihundert Quadratmeter, ist doch an einer Stelle die Rede davon, dass zwanzig Leute gleichzeitig auf dem Rasen herumspringen. Die bisherigen gärtnerischen Erfahrungen des Autors beschränkten sich jedenfalls dannzumal mehrheitlich auf das seinerzeitige gelegentliche Rasenmähen mit einem Spindelmäher als Kind.
Die nicht chronologisch, sondern thematisch geordneten Kapitel geben erste Hinweise auf die geplanten, verworfenen und durchgeführten Veränderungen innerhalb von Zaun und Hecke:
- Wie wir Gärtner wurden
- Grenzen setzen
- Mein Freund, der Baum
- Exotische Träume
- Ich wäre so gern ein Farmer
- Eindringlinge, gewollt und ungewollt
- Der Garten ist eine Baumstelle
Während der Lektüre stellt die Sofagärtnerin schnell fest, dass der Autor gewohnt ist, Sachverhalte zu hinterfragen und zu recherchieren. Wiederholt sind es Monokulturen, über die er sich schlau macht, und die Leserin detailliert an seinem Wissen teilhaben lässt. Einmal berichtet er diesbezüglich über Kiefern, ein andermal über Bananen. Haben Sie gewusst, dass fast alle in unseren Breitengraden verkauften Bananen zur Sorte "Cavendish" gehören und dass eine frühere Sorte, ebenfalls eine Monokultur, in den 1960er Jahren durch einen Pilz ausgerottet worden ist?
Weiter berichtet Andreas Austilat über die von Schneeglöckchen erzeugte Bodenwärme und darüber, weshalb unter Kiefern nur Maiglöckchen und Walderdbeeren wachsen. Dann sinniert er über Geheimnisse und Rätsel des Gartens - etwa jenes, warum das Tränende Herz in einem Jahr durch seine Blütenfülle den Neid von Besuchern weckt und im nächsten Jahr nur vor sich hin kümmert.
Während der Autor herausfindet, dass im Garten zwei verschiedene Sorten Liguster stehen, nämlich eine immergrüne und eine laubabwerfende, und auch Forsysthien völlig verschnitten, sprich mit der falschen Schnitttechnik oder Vernachlässigung verunstaltet werden können, liest man wiederholt über das grosse grüne Herz der Ehefrau für verstossene und ungeliebte Pflanzen, die niemand (kaufen) will und im Austilatschen Garten ein Asyl finden. In diesem Zusammenhang fällt im Buch auch der schöne Begriff „botanische Fremdenfeindlichekeit“. Denn der Ehemann mag keine Exoten oder sonst wie komplizierte Pflanzen im Garten, für die er seine Gewohnheiten anpassen muss. Ausser er kann mit schwerem Geschütz auffahren (Stichwort Kettensäge).
Andreas Austilat:
Vom Winde gesät – Meine Frau, unser Garten und ich
Wilhelm Goldmann Verlag, 2015
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