14. September 2014

Caroline Vermalle und Ryan van Ruben: Eine Blume für die Königin

Im November 1805 wird in Kanada ein alter Mann von einer Kutsche angefahren und verletzt. Die Insassen nehmen den Verletzten mit seinen wenigen Habseligkeiten nach Hause, wo er medizinisch versorgt wird. Gewissermassen als Lohn für die Behandlung erzählt der Patient seine Lebensgeschichte, die immer mehr Familienmitglieder fesselt. Es sind nämlich die spannenden Abenteuer eines Pflanzenjägers, die schliesslich zur (doch etwas gesuchten) Wiedervereinigung zweier Menschen führt, die sich jahrzehntelang immer wieder verpasst haben.

Ganz am Anfang der Erinnerungen steht im Jahr 1772 eine freie Stelle, für die sich kein Bewerber findet. Ausgeschrieben ist eine Tätigkeit als Pflanzenforscher auf botanischen Expeditionen, und zwar als Begleiter von Sir Joseph Banks. Als Francis Masson, seines Zeichens Gärtner in Kew, Samen und eine Paeonia albiflora am Sitz der Royal Society abliefern will, wird er von den beiden für die Vergabe der Stelle verantwortlichen Assistenten widerwillig zu Joseph Banks gezogen.

Masson bekommt in der Folge eine Stelle, für die er sich gar nie beworben, geschweige denn interessiert hat und damit steuert sein schon weitgehend vorgegeben scheinender Lebensweg in eine völlig neue Richtung. Eine Richtung, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte ausmalen können. Seine Aufgabe im Auftrag der britischen Krone ist das Auffinden einer besonderen Blume für die Königin und deren erfolgreicher Transport nach England.

Massons Vater ist vor vielen Jahren auf hoher See ums Leben gekommen und Francis hatte selber niemals den Wunsch, ebenfalls über die Meere zu fahren. Und beugt er sich dem Druck und verpflichtet sich für zwei Jahre. Als Lohn winken bei der Rückkehr dreihundert Pfund und fünf Morgen Land.

Vor seiner Abfahrt organisiert die Mutter noch seine Verlobung. Mit dem Lohn möchte Francis Masson eine Baumschule gründen und weiss schon genau, wo das Treibhaus hinkommt, welche Beete mit Buchsbaumhecken abgegrenzt werden und wo die Setzlinge von Kalmien, Rhododendron und Magnolien stehen werden. Da er nicht nur ein guter Gärtner, sondern auch ein hervorragender Zeichner ist, hat er schon genaue Pläne von seinem künftigen Betrieb aufs Papier gebracht. Doch noch ist der Aufbau seiner eigenen Gärtnerei in weiter Ferne und zunächst sind neben der Überfahrt etliche Abenteuer im gefährlichen Südafrika und die Rückreise zu überstehen. Gelingt es Masson, anhand der von Banks erhaltenen Skizze die gewünschte Paradiesvogelblume (Strelizia reginae) zu finden und in die Heimat zu bringen?

Dieser spannende historische Roman vermischt Fiktion mit wahren Begebenheiten aus dem Leben des Schotten Francis Masson, der jahrelang in Afrika Pflanzen gesammelt hat. Gemeinsam mit dem Botaniker Dr. Carl Thunberg meistert er viele schwierige Aufgaben. So wird Masson der Spionage verdächtigt und die beiden unterschiedlichen Charaktere überleben sogar den Angriff von Löwen.



Caroline Vermalle und Ryan van Ruben: 
Eine Blume für die Königin 
Bastei Lübbe, 2014

7. September 2014

Daniel J. Hinkley – The Explorer’s Garden

Da ich ja nun keine oder zumindest deutlich weniger Zeit zum Sofagärtnern habe, picke ich mir aktuell vermehrt Bücher aus dem Gestell, die ich schon lange lesen wollte, deren Lektüre ich aber aus verschiedenen Gründen immer wieder vertagt habe. Und solche gibt es viele – sowohl Bücher als auch Gründe…

Inzwischen habe ich auch die Abstände zwischen den neuen Posts nochmals deutlich vergrössert, so dass ich bei Intervallen von zwei Wochen nun bereits bis Ende März 2015 vorgebloggt habe. Danach werde ich wohl gelegentlich ältere Artikel über lesenswerte Bücher aus meiner Blogger-Anfangs-Zeit nochmals posten, damit es hier nicht ganz still wird. Schliesslich ist der Leserstamm permanent gewachsen und aufgrund der Statistiken kann ich darauf schliessen, dass eher wenige Zugriffe auf  diese Beiträge stattfinden und nur wenige neue Leser die einzelnen Artikel durchklicken. Aber nun zur Buchvorstellung:

Daniel J. Hinkley hat schon in Japan, China, Südkorea, Nepal, Chile und Nordamerika nach grünen Schätzen gesucht. Da diese Publikation aus dem Jahr 1999 stammt, sind inzwischen wohl noch weitere Jagdgebiete dazugekommen. In 28 Kapiteln werden auf rund 350 Seiten Stauden und ihre Lebensräume vorgestellt: Leberblümchen (Hepatica), Wiesenraute (Thalictrum), Lerchensporn (Corydalis), Mammutblatt (Gunnera), Silberkerze (Cicmicifuga) und Elfenblumen (Epimedium) um nur einige zu nennen. … Dabei konzentriert sich der vielseitig interessierte, engagierte und mehrfach ausgezeichnete „Plantsman“ bewusst auf wenige Pflanzen, die er selber bewundert und die nach seinem Empfinden zu wenig verwendet und gewürdigt werden (nicht vergessen: Stand 1999!).

Die Bedürfnisse einer Pflanze können besser verstanden werden, wenn der Gärtner ihren Naturstandort kennt; entweder aus Fachlektüre oder sogar aus eigener Anschauung. Der weitherum gekommene Hinkley kann diesbezüglich aus einem schier unerschöpflichen Fundus schöpfen und teilt sein Wissen und seine Erfahrung grosszügig mit dem interessierten Leser. Nicht nur Erfreuliches, auch Enttäuschungen werden thematisiert. Etwa jene, wenn er glaubt, eine tolle Entdeckung gemacht zu haben, nur um festzustellen, dass im Botanischen Garten bereits prächtige Exemplare derselben Pflanze wachsen.

Überhaupt sind in diesem Buch sind nicht nur die Pflanzen und ihre Bedürfnisse wichtig. Viel Raum wird auch Freunden und anderen wichtigen Begleitern eingeräumt. Verschiedentlich pflanzt der Autor Gewächse nicht nur ihrer selber willen, sondern wegen des Namens, den sie tragen, oder weil diese ihn an bestimmte liebe Menschen erinnern. So stösst man während dem Seitenumblättern immer wieder auf bekannte Namen wie beispielsweise Helen Dillion, Rosemary Verey oder Allan Bloom und das Vorwort hat Roy Lancaster verfasst. Und in den Augen von Ms. Doncaster, der Namensgeberin von Geranium sylvaticum „Amy Doncaster“ stellt Hinkley die gleiche Freude fest, welche die ihr gewidmete Pflanze verbreitet.

Die Texte über die einzelnen Staudenfamilien werden jeweils mit ausführlichen Angaben zu Winterhärte, Kultivierung und Vermehrung ergänzt. Im Serviceteil finden sich zusätzlich eine Karte mit den einzelnen Winterhärtebereichen (leider nur für Nordamerika) sowie Bezugsquellen, ein Glossar, weitergehende Literaturhinweise und ein Pflanzenregister. Die Publikation ist reich bebildert mit Fotos von Lynne Harrison. Der Leser kann aber nicht von jeder vorgestellten Pflanze eine Aufnahme erwarten.

Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass es etliche „Asarümer“ (Asarum, Haselwurz) gibt, die ich gerne im eigenen Garten ansiedeln würde. Wohlwissend, dass der hier vorliegende Lebensraum nicht optimal ist. Aber in meiner Vorstellung würden diese eine visuell harmonische Ergänzung zu den sich immer schöner vermehrenden Cyclamen darstellen. Der Autor teilt meine Begeisterung für Asarum übrigens nicht. Er ist oder war zumindest lange Zeit kein grosser Freund dieser Bodendecker. Aber er hat irgendwann seine Meinung geändert und schreibt im Buch von über 100 Spezies mit einem grossen Potential...



Daniel J. Hinkley: 
The Explorer’s Garden – Rare and unusual Perennials 
Timber Presss, 2009

31. August 2014

Nadja Bucher: Die wilde Gärtnerin

Ihr dreistöckiges Stadthaus im 8. Bezirk an der Lerchengasse in Wien fungiert seit zwei Jahren als Schneckenhaus für die Mitdreissigerin Helen Cerny. Auf wenigen Quadratmetern hat sie sich eingerichtet. Die restliche Fläche ist vermietet, sorgt für ein regelmässiges Einkommen und bietet ihr gleichzeitig den Luxus, sich den Lebensunterhalt nicht mit Arbeiten verdienen zu müssen. Seit dem Unfalltod ihres langjährigen Lebensgefährten Leo widmet sie ihre Zeit vollumfänglich ihrem Stoffwechsel und ihrem grossen Garten samt Komposttoilette.

Helen, von einer Schamanin grossgezogen, die mit Mitte Vierzig an Krebs gestorben ist, hat die beiden vergangenen Jahre im wahrsten Sinne des Wortes der Produktion von Scheisse oder schöner ausgedrückt ihrem Stoffwechsel gewidmet. Eine ganz eigene Philosophie verbirgt sich dahinter, die perfekten Dünger für den Garten liefert. Die Kontakte zur Umwelt beschränken sich weitgehend auf den Umgang mit ihrer Freundin Toni, die im gleichen Gebäude wohnt und unermüdlich versucht, Helen die Aussenwelt wieder näher zu bringen.

Doch Helen vermisst in ihrer selbst gewählten Einsamkeit nichts, schätzt aber doch die Ablenkung, die ihr der Blick in die Wohnung direkt gegenüber bietet. Nachdem diese wochenlang leer gestanden hat, scheinen plötzlich dort stehende Umzugskartons die Ankunft neuer Bewohner anzukünden. Und tatsächlich zieht eine junge Frau alleine dort ein.

Immer wieder beobachtet Helen diese Frau, die häufig stundenlang vor dem Laptop sitzt. Als gegenüber tagelang das Fenster offen ist, aber niemand zu sehen ist, verlässt Helen ihre eigene Wohnung und schaut nach, ob sie Hilfe anbieten kann. So kommt es zum ersten direkten Kontakt mit Berta und in der Folge grüssen sich die beiden Nachbarinnenn immer wieder von Fenster zu Fenster oder treffen sich gelegentlich auch persönlich. Die unregelmässigen Gespräche zwischen Helen und der Berta, die sich als engagierte Systemkritikerin entpuppt, führen dazu, dass sich erstere plötzlich für das Weltgeschehen zu interessieren beginnt. Als ein Waffenlobbyist einen Jagdunfall erleidet und Pensionsvorsorgefonds gehackt werden, stellt Helen Verbindungen zwischen den langen Abwesenheiten von Berta her, untersagt sich aber selber, diese Vermutungen weiterzuspinnen.

Die wichtigsten Menschen in Helens Leben begleiten sie seit ihrer Schulzeit. Nun scheint sie endlich bereit, sich zu öffnen und geht neue Bekanntschaften ein. Doch als ihre lebhafte Freundin Toni zusammen mit ihrem neuesten jungen Freund ein esoterisches Sommerfestival auf die Beine stellt, findet sich Helen plötzlich in einem nicht selbst gewählten Gefängnis wieder und Probleme um die Geschmeidigkeit des Stuhlgangs treten in den Hintergrund. Was hat sich hinter Helens Rücken und direkt vor ihren Augen abgespielt?

Die Idee der Komposttoilette geht übrigens auf Leo zurück und Helen war gar nicht begeistert als sie zum ersten Mal davon hörte und Leo versuchte, sie mit einem Amazonas-Märchen von der Permakultur zu überzeugen. Dass auf dem Titelbild des Buches eine WC-Schüssel auf einer Distel abgebildet ist, habe ich erst nach einiger Zeit festgestellt. Anscheinend habe ich das Cover bis zur Hälfte der Lektüre nie richtig angeschaut. Die detaillierten Beschreibungen über Helens Stoffwechsel sind zunächst etwas befremdlich, doch rasch wird man von den verschiedenen Themen (Garten, Komposttoilette, Wirtschaft, Schlagzeilen, anarchische Aktionen, Generationengeschichte, Menu-Tipps) des Buches vereinnahmt und will wissen, wie die einzelnen Stränge zusammenpassen.

Diese Familiengeschichte der Helen Cerny setzt sich aus verschiedenen Strängen zusammen. Helens Journal wird ergänzt durch die Verhörprotokolle von Toni und chronologischen Erzählungen aus dem Leben von Helens Urgrosseltern, Grosseltern und der Mutter sowie Helens eigener Kindheit und Jugendzeit und beginnt 1915 mit dem Warten auf den Kaiser. Ein Staummbaum erleichtert dem Leser die Orientierung.

Helens Journaleinträge handeln zu einem wesentlichen Teil von ihrem Garten und ihren Tätigkeiten im Laufe der Jahreszeiten. Obstbäume, Kräuter, eine Blumenwiese und grosse Gemüsebeete prägen die konsequent biologisch bearbeitete Anlage, die eine ideale Brutstätte für Wildbienen und Solitärwespen darstellt. Das Problem der Schneckenplage wird gelöst, indem die Gärtnerin die Schleimer über die Gartenmauer katapultiert. Der bedeutende hortikulturelle Hintergrund lässt vermuten, dass die Autorin eigene gärtnerische Erfahrungen in den Text hat einfliessen lassen.



Nadja Bucher: 
Die wilde Gärtnerin 
Milena Verlag, 2013

24. August 2014

Craig Pittman: The Scent of Scandal - Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid

Die Orchideen bilden eine riesige, faszinierende Pflanzenfamilie. Während ich im Garten gerne welche ansiedeln würde, aber mangels auch nur annähernd optimaler Bedingungen und zur Vermeidung von kostspieligen Enttäuschungen darauf verzichte, gefallen mir die Wegwerf-Zimmerpflanzen zum Discountpreis zwar, aber ich kann gut und gerne auf diese verzichten.

Besonders gefallen mir hingegen Bücher, die Einblick in die Welt von Orchideenverrückten geben. Diese Publikationen lesen sich oft spannender als mancher Roman. In dieses Genre gehören beispielsweise „Orchideenfieber – Die Geschichte einer Leidenschaft„ von Eric Hansen (Klett-Cotta Verlag, 2002), „The Orchid in Lore and Legend“ von Luigi Berliocchi und „The Orchid Thief“ von Susan Orlean. Die beiden letzteren wurden nie auf Deutsch übersetzt, aber „The Orchid Thief“ diente als Grundlage für den Film „Adaption“ mit Nicolas Cage und Meryll Streep in den Hauptrollen. Das Oscar-gekrönte Werk hat es seinerzeit auch in die hiesigen Kinos geschafft und die DVD ist nach wie erwerbbar.

Meine aktuelle Lektüre trägt den vielversprechenden Titel „The Scent of Scandal“ und handelt von Gier, Betrug und der angeblich schönsten Orchidee der Welt. Schon im Prolog heisst es, dass bereits Adam und Eva bezeugen können, dass im schönsten Garten irgendwo eine Schlange steckt. Wer ist hier die Schlange? Am Anfang der Geschichte steht der Kauf einer unbekannten, grossblumigen Frauenschuh-Orchidee im Jahr 2002. „Tatort“ ist ein kleiner Stand an einer Strasse in Peru, das Objekt ein Frauenschuh mit purpurfarbener Blüte in der Grösse einer Männerhand, Verkäufer ein Einheimischer, Käufer der amerikanische Orchideensammler Michael Kovach. Oder waren es drei Pflanzen, die den Besitzer wechselten? Schon gehen die Aussagen und Meinungen auseinander.

Ebenfalls am Anfang steht ein Wettrennen um die erste offizielle botanische Beschreibung dieser Orchidee und die Namensgebung. Das ganze Buch samt Anklage und Prozess dreht sich darum, ob die Pflanze illegal aus Peru aus- und in die Vereinigten Staaten eingeführt worden ist oder doch nicht. Und ob dies wissentlich oder unwissentlich geschehen ist und ob sich die Mitarbeiter und die zunächst nicht eingeweihte Leiterin eines botanischen Gartens in Florida strafbar gemacht haben. Ein weiterer Streitpunkt ist, ob die Orchidee Phragmipedium kovachii heissen darf oder Phragmipedium peruvianum heissen soll. Dann geht es um die Schwierigkeiten, eine nicht blühende Orchidee eindeutig zu identifizieren und Richter und Staatsanwälte von der Wichtigkeit zu überzeugen, konsequent und mit dem nötigen Ernst gegen Pflanzenschmuggel vorzugehen. Als Leserin ist einem nicht immer ganz klar, wer hier die Guten und wer die Bösen sind. Eine Herausforderung ist auch das Einordnen von Informationen: handelt es sich um Gerüchte, Fakten oder Spekulationen?

Eingebettet in die Chronik erfährt der Leser immer wieder Interessantes aus der Pflanzenwelt - etwa über heimtückische Pflanzenjäger, über die grösste Orchideenschau der Vereinigten Staaten, die jeden Frühling auf einem offenen Feld ausserhalb von Miami stattfindet und zwischen acht- und zehntausend Besucher aus aller Welt anzieht, und über im Internet offen angebotene illegale Orchideen (eine Form von „sans-papiers“), die in ihren Verpackungen als „Kinderkleider“ oder „Spielwaren“ deklariert auf den Weg zum Käufer und Sammler geschickt werden.

Die Publikation lässt den interessierten Leser hinter die Kulissen in die die legalen, halblegalen und illegalen Seiten des Orchideenhandels blicken. Auch von einem gewissermassen alten Bekannten ist wiederholt die Rede. Und zwar von Harold Koopowitz, von dem ich kürzlich hier ebenfalls ein Buch vorgestellt habe. Ob es sich bei der auf dem Buchcover abgebildeten Pflanze tatsächlich um die schönste Orchidee der Welt handelt, sei dahingestellt und muss jeder für sich selber entscheiden. Falls Sie aber Bücher über Betrug, Verrat und Gier im Reich der Botanik schätzen, hier der Link zu einer weiteren solchen Publikation (nicht über Orchideen) von Karl Sabbagh mit dem Titel „The Rum Affair“. Dieses Buch habe ich vor Jahren gelesen und wollte hier im Blog längst einmal darüber schreiben. Da ich in absehbarer Zeit nicht dazu komme, verlinke ich zu einer englischen Rezension. Mit „Rum“ ist hier übrigens nicht das alkoholische Getränk, sondern eine schottische Insel gemeint.



Craig Pittman: 
The Scent of Scandal – Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid 
University Press of Florida, 2012

17. August 2014

Jürgen Feder: Feders fabelhafte Pflanzenwelt

Pflanzenjäger und Hobbybotaniker müssen gar nicht weit reisen, um interessante Pflanzen zu entdecken. Falls es noch einen schriftlichen Beweis für diese Tatsache gebraucht hat, legt Jürgen Feder diesen mit seiner Publikation „Feders fabelhafte Pflanzenwelt“ vor. Ausserhalb von gepflegten Hecken, am Wegrand, an Ufern von Tümpeln oder entlang von Autobahnen finden sich Pflanzen, die gemeinhin oft als Unkraut definiert werden und deren Reiz und Besonderheit erst bei genauerem Hinsehen oder auf den zweiten Blick erkennbar ist.

Begleiten Sie den leidenschaftlichen, naturverbundenen Landespfleger Jürgen Feder auf seinen Touren und lassen Sie sich von seiner Begeisterung für die (neu-)heimische Flora anstecken. Und vielleicht schauen auch Sie in Zukunft genauer zwischen Mauerspalten und Fugen und entdecken dort oder anderen unwirtlichen Stellen interessante Gewächse, die den schwierigen Bedingungen trotzen. Schliesslich ist genau dies das Ziel des Autors: mit seinen Texten und Fotos Eigeninitiative zu wecken und dass dieser neugewonnene Tatendrang dann weitertragen und verbreitet wird.

Welche Pflanze liebt es, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht, mit welchem Gewächs lässt sich Wolle rot färben und welches Grünzeug bezeichnet der Autor als Zeitbombe, deren Blühzeit meist verpasst wird? Welche Alleskönner wachsen auf salzigen Böden, in Hitze und Staub? Wer bevorzugt Quellnässe und worum handelt es sich bei Mumienbotanik? Die Antworten sind im Buch nachzulesen und daneben erfährt der interessierte Leser von Pflanzen, die nach Schweinebratensauce riechen und  von solchen, die den Botaniker und Farnliebhaber vor Verzückung fast vom Velo fallen lassen. Überhaupt ist seine Tätigkeit oft nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. Einmal ist er beim Zählen von Farnen von einer feuchten Ziegelmauer abgerutscht, worauf sich eine Zaunspitze gefährlich tief in seine Brust gebohrt hat.

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kann der Autor bei Vorkommen von grossen Mengen von Vogelkot schöne Pflanzenarten ausschliessen und er weiss, dass die Teichrand-Flora im Mai nicht viel zu bieten hat und erst im Sommer nach Aufwärmung des Gewässers ein genauer Blick lohnenswert ist. Sein Jagdgebiet schliesst aber auch unordentliche Hinterhöfe, ölverschmierte Gleisflächen, Strassenbahndepots und Orte, wo Müll liegen bleibt, ein. Und der genügsame, konsequent sparsame Pflanzenfreund gibt preis, warum ausgerechnet er Militärplätzen etwas Positives abgewinnen kann.

Jürgen Feder ist meistens zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs. Gleich zu Beginn der Lektüre verrät er, weshalb seine linke Hals- und Nackenmuskulatur viel stärker ausgebildet ist als jene auf der rechten Seite. Nämlich vom ständigen nach-rechts-Schauen beim Velofahren. Rastlos ist er auf der Suche nach gefährdeten Pflanzen, dabei alle Sinne einsetzend und gleichzeitig oft die eigenen körperlichen Leistungsgrenzen ignorierend. Nicht immer ist er erwünscht und wird freudig begrüsst, doch ist er nicht um gepfefferte Koseworte verlegen. Selber wütend wird er bei Begegnung mit Frevlern. Gefährliche Begegnungen gibt es sowohl mit Zwei- als auch mit Vierbeinern; geschildert wird auch eine mit einer Wildsau samt Frischlingen.

Der Autor schläft oft draussen oder sucht Unterschlupf in ehemaligen Bahnhöfen, auf Friedhöfen oder in offenen Kapellen. Seine Exkursionen führen in weit herum – nach Rom, Moskau und Jerusalem. Damit sind aber nicht die bekannten Städte gemeint, sondern Orte in Mecklenburg-Vorpommern oder im Landkreis Cuxhaven.

Die Laiin staunt angesichts dieser enormen botanischen Wissensfülle. Des Profis Begründung: Pflanzen sind wie Freunde oder Familie, die man sofort erkennt. Die illustrierten Pflanzenportraits werden komplettiert durch einen Anhang mit Glossar, Literaturhinweisen und einem Register. Wer den engagierten Autor in Aktion erleben will, googelt seinen Namen und findet Aufzeichnungen von TV-Beiträgen und anderen Produktionen auf dem Videoportal YouTube.



Jürgen Feder: 
Feders fabelhafte Pflanzenwelt – Auf Entdeckungstour mit einem Extrembotaniker 
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2014

19. Juli 2014

Catrin Barnsteiner: Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung

Wiederholt lieferte dieses Buch von Catrin Barnsteiner beim Googeln nach Stichworten wie „Garten“ und „Gärtner“ am meisten Treffer, so dass ich es mir im letzten Herbst nach wochenlangem Zögern und obwohl mir der Titel überhaupt nicht gefällt und ich betreffend des Inhalts Zweifel hatte (will ich meine freie Lesezeit in berufswandte Themen investieren?) schliesslich doch zugelegt habe. Nach der Lektüre blieb ich mit zwiespältigen Eindrücken zurück. Hier zum Inhalt:

Im Roman „Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung“ prallen zwei gänzlich unterschiedliche Welten aufeinander. Der stets korrekte, sich penibel an alle Regeln und Gesetze haltende Finanzbeamte Fred Eisenbogen und die chaotisch veranlagte Gärtnerin Sandra Schläpple. Deren Vater war bis zur Pensionierung während Jahrzehnten ebenfalls als Betriebsprüfer tätig. Trotzdem oder gerade deshalb findet die ganze Familie Schläpple an einem ganz speziellen Spiel grossen Spass, das mit viel Enthusiasmus regelrecht zelebriert wird. Regelmässig werden Privatquittungen von sämtlichen Auslagen gesammelt und kommen in einen Topf, aus dem dann Zettel gezogen werden. Wer den originellsten einigermassen plausiblen Grund für einen möglichen Steuerabzug liefert und die Hürden umgeht, die einen als Spielverderber ausweisen, kriegt die Quittung und darf die Auslage auf der nächsten Steuererklärung geltend machen. Eine Idee ist etwa, den Rasenmäher als Dienstwagen auszugeben.

Sandra verdient ihre Brötchen als selbständige Gärtnerin und ist mit ihrer mobilen Gärtnerei zu ihren Kunden unterwegs. Sie träumt von einem eigenen Gewächshaus, um dort verbotene Unkräuter zu züchten. Privat ist sie mit dem Architekten Gerry liiert, der einen sehr strengen Geschmack hat und sich überhaupt recht intolerant aufführt. Fred seinerseits teilt seine dunklen Locken streng durch einen akkuraten Beamtenscheitel und entlarvt jeden potentiellen Steuerbetrüger. So ist er etwa auch im Baumarkt bestrebt, keine Quittungen liegenzulassen, die dann missbräuchlich verwendet werden könnten. Er braucht Sicherheit und liebt Vordrucke und Paragraphen. Höchstes Ziel ist die Vermeidung von Fehlern (wer weiss, ob es eine zweite Chance gibt?) und er korrigiert sogar seine eigenen Fehler auf von ihm verfassten Glückwunschkarten mit dem Rotstift.

Doch wie lernen sich Fräulein Chaos und Herr Korrekt überhaupt kennen? Am einem späten Abend kurz nach oder vor Schalterschluss (Ansichtssache) um 22.00 Uhr in der Post rettet Fred Sandra, die unbedingt ihre Steuererklärung noch auf den letzten Drücker fristgerecht abstempeln lassen und fortschicken will. Dank dieser kurzen Begegnung interessiert sich Fred endlich wieder für eine Frau und um sich selber vorteilhafter darzustellen, gibt er sich als Archäologe aus. Der Zufall will es, dass Fred ausgerechnet bei Sandra Schläpple aufgrund eines anonymen Hinweises eine Betriebsprüfung durchführen muss. Und während Sandras Vater die Steuerprüfung wie eine Schlacht vorbereitet, räumt der aufgeregte Beamte Fred seinen Schreibtisch auf und spült daheim Geschirr, das längst sauber ist.

Hortikulturelles ist trotz dem Beruf von Sandra eher Mangelware, dafür geht es immer wieder um eine Fehde zwischen Böblingen und Sindelfingen und um Finanzamtwitze. Das Buch liest sich zwar gut, aber irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas.

Mit diesem Post verabschiede ich mich in die Sommerpause. Endlich habe ich hiermit alle längst fertig vorbereiteten Buchvorstellungen der letztjährigen (!) Urlaubslektüre online gestellt und es warten nunmehr aktuell gelesene Titel auf die Veröffentlichtung ab Mitte August. Wenn mich ein Buch nicht völlig überzeugt, rutscht es nämlich bei der Terminplanung fortlaufend weiter nach hinten, während interessantere Publikationen vorgezogen werden.

Sobald auch alle anderen"Pendenzen" abgearbeitet sind bzw. die bereits heute nur auf einen Knopfdruck wartenden Posts auch online gestellt sind, wird es hier im Sofagarten ruhig werden. Da ich im September mit einer zweijährigen Weiterbildung beginne, bleibt voraussichtlich keine Zeit mehr zum Sofagärtnern und zum Bloggen. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und werde mir ganz sicher die Zeit nehmen, Stefan Leszkos neues Büchlein "Was Sie schon immer über Gärtner wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" (erscheint im September 2014) zu lesen und vielleicht mit weiteren längst notierten, aber nie online gestellten "Müsterlis" von unserer Gartenumgestaltung anno 2012 hier vorzustellen.



Catrin Barnsteiner: 
Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung 
Bloomsbury/Berlin Verlag, 2013

15. Juli 2014

Zuletzt ausgelesen: Simone Ehrhardt – Der Mörder ist manchmal der Gärtner

Auf Simone Ehrhardt bin ich durch ihren früheren Blog „Krimigarten – Gartenkrimi“ (inzwischen zusammengelegt mit "Crimelady's Notes") gestossen und habe irgendwann festgestellt, dass ich schon längere Zeit ein ungelesenes Buch von ihr herumliegen habe. Inzwischen weiss ich endlich, ob der Gärtner tatsächlich der Mörder ist oder eben doch nicht, wie der Buchtitel so schön suggeriert -  aber nun mal schön der Reihe nach.

Penelope Blank, eine kreative Schreiberin, die mehr oder weniger erfolgreich Romane verfasst, hat mit zwei älteren Damen einen Tagesausflug in den Zoo unternommen. Ziemlich entsetzt muss sie bei der Rückkehr feststellen, dass eine der beiden Frauen nicht wie angenommen tief und fest schläft, sondern gestorben ist. Wie sich erweist, ist sie nicht einfach sanft entschlafen. Nein, ihrem Leben wurde ein gewaltsames Ende gesetzt.

Und plötzlich steht die zweite ältere Frau vom Zooausflug, eine Nachbarin von Penelope, unter Mordverdacht. Da Penelope schon mehrfach erfolgreich ähnliche Fälle aufgelöst hat, wird sie mit der Bitte konfrontiert, ihre einschlägigen Erfahrungen einem weiteren Praxistest zu unterziehen. Hilfreich ist dabei der regelmässige Austausch mit ihrem künftigen Ehemann, dem Kommissar Peter Wilson.

Eigentlich hätte Penelope auch ohne private Mordermittlungen genug um die Ohren. Sie heiratet nämlich in drei Wochen und die ganze Hochzeitsfeier ist noch zu organisieren. Kurzerhand delegiert sie etliche Aufgaben an Mitglieder ihrer Kirchgemeinde und findet zwischen dem Anprobieren von Hochzeitskleidern und der Planung der Hochzeitsreise Zeit, sich an die Fersen des Mörders zu heften, den sie schliesslich (Zitat vom Umschlag) „mit Grips und Gottes Hilfe“ zur Strecke bringt.

In hortikultureller Sicht sind Penelopes Eltern etwas aktiv, die sich in deren Garten engagieren und Kleingehölze radikal zurückschneiden und dermassen rigoros aufräumen, dass ein Vogelbad zum Vorschein kommt, von dessen Existenz die Besitzerin gar nichts wusste. Die Schriftstellerin (die aus dem Buch) selber ist gärtnerisch nicht speziell interessiert und muss erfahren, dass es sich bei der von ihr geschätzten Kletterpflanze um ein tief wurzelndes Unkraut hält. Verraten sei auch noch, dass der Haupterbe Gärtner ist und die Autorin Simone Ehrhardt die Ich-Erzählerin und die Leserin nicht auf direktem Weg zur Lösung des Kriminalfalls führt.



Simone Ehrhardt: 
Der Mörder ist manchmal der Gärtner 
Books on Demand, 2011