Im
Januar 1975 erschien im Ulmer Verlag die erste Ausgabe der „Gartenpraxis“.
Diese Zeitschrift sollte im deutschsprachigen Raum für ein kennerhaftes Zielpublikum mit ähnlich gehobenem Anspruch hortikulturelle Themen aufbereiten
wie in Grossbritannien die von der Royal Horticultural Society herausgegebene
Publikation „The Garden“.
Bereits
ab der ersten Stunde mit dabei war Karlheinz Rücker. Anlässlich der kürzlichen Verabschiedung dieses
Chefredakteurs ist nun diese Festschrift erschienen, in der verschiedene „Gartenpraxis“-
Autoren aus ihrer Sicht Rückschau halten. Das gebundene Buch „Gartenwissen auf
hohem Niveau“ ist in drei Teile gegliedert:
- Karlheinz
Rücker und die „Gartenpraxis“
- Erfahrungen
sammeln und austauschen
- Die
Pflanze von morgen
Marion
Nickig berichtet beispielsweise über die frühere Serie aus Gartengedichten und
Proastexten mit passenden Fotos und ihre anfängliche Enttäuschung, als diese
Rubrik „Natur literarisch“ im Rahmen einer Layoutumgestaltung ersatzlos
gestrichen wurde. Sie erhielt aber gleichzeitig die Gelegenheit, ein neues
Konzept zu entwickeln und stellte sich dieser Herausforderung gerne.
In
einem anderen Artikel erzählt Fritz Köhlein aus seinem Blickwinkel über die
Anfänge der „Gartenpraxis“ und die langjährige gute Zusammenarbeit mit
Karlheinz Rücker, die von gegenseitiger Achtung und freundschaftlicher
Zuneigung geprägt war, und er schwelgt in Erinnerungen an erlebnisreiche „Gartenpraxis“-Reisen.
Besonders beliebt waren und sind auch die „Gartenpraxis“-Seminare, wo in spezieller
Atmosphäre anspruchsvolle Referate und der Austausch mit Gleichgesinnten
oberste Priorität haben.
An
anderer Stelle geht es des weiteren um den langen Weg von „auffälligen Schmuckgirlanden
vergangener Epochen hin zu einer modernen wissenschaftlich begründeten
Pflanzenauswahl" (Peter Kiermeier), um „Lebenslanges Lernen: anders als gedacht“
(Matthais Hub), um „Gartenreisen – gestern, heute, morgen“ (Ruprecht Rümler), oder
es heisst „Verrückt nach Pflanzen – einige Gedanken zum Umgang mit der
Pflanzenvielfalt“ (Norbert Kühn), „Namen – nichts als Namen“ (Erich Götz),
„Entwicklung der Gehölzsortimente“ (Andreas Bärtels) und „Neue Tendenzen in
der Pflanzenverwendung“ (Cassian Schmidt). Immer wieder geht es um
Modeströmungen im Staudensortiment und einen spannenden Rückblick erlaubt der
Abdruck eines Vortrages über die Bedeutung des Gartens im Zeitalter
virtueller Welten von Karlheinz Rücker, den er am 3. September 2002 in
Wädenswil gehalten hat.Dieter
Gaissmayer erzählt im Interview über das zweite Gärtnereistandbein
Online-Gartenhandel. Thema sind Kundenansprüche im Zeitalter von
„Amazon-Lieferzeiten“ und die Steuerung der Begehrlichkeiten durch
Saisonalisierung.
Die Leserin erfährt ausserdem – etwas erstaunt - dass gut ausgebildete,
motivierte Gärtner für die Pflege einer ausgeklügelten und durchdachten
Staudenmischpflanzung im Jahr nur drei bis sieben Minuten pro Quardratmeter
aufwenden gegenüber fünfzehn bis zwanzig Minuten bei einer konventionellen Anpflanzung.
Beide Zahlen dünken mich als Unwissende beeindruckend niedrig.
Gelernt
habe ich ausserdem, dass ich mich nie mehr (jedenfalls vermeintlich) in einer
Gärtnerei oder vor dem Gärtner blamieren muss. Denn laut einer Information im
Buch sind wissenschaftliche Namen geschriebene Namen und die Aussprache derselben
jedem selber überlassen …
Jonas Reif (Hrsg.):
Gartenwissen auf
hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis / Eine Festschrift
Eugen Ulmer Verlag, 2012