Die Bildhauerin Holly liebt Pläne. Ihr Leben teilt sie regelmässig in Fünf-Jahres-Schritte ein und legt jeweils schriftlich fest, was sie in dieser Zeit erreichen und wo sie nach Ablauf einer solchen Periode stehen will. Eine Monduhr lehrt die junge Frau, dass das Schicksal sich nicht ganz so einfach planen und erzwingen lässt und höhere Mächte auch noch ein wichtiges Wörtchen über den Ablauf des Lebens mitzureden haben – aber schön der Reihe nach.
Das Torhaus des ehemaligen Landsitzes Hardmonton Hall in Fincross ist das neue Heim der 29jährigen Holly und ihrem Mann Tom, einem Journalisten, der beruflich oft lange auf Reisen ist. Die beiden sind seit zwei Jahren verheiratet und haben London den Rücken gekehrt, um auf dem Land Wurzeln zu schlagen. Für Holly mit ausschlaggebend für den Umzug war die Möglichkeit, dem Dauerthema Baby zu entgehen, weil ihre beiden engsten Freundinnen seit einiger Zeit völlig in ihrer Mutterschaft aufgehen und keine andere Gesprächsthemen mehr zu kennen scheinen.
Holly selber kann nämlich nichts mit Kindern anfangen. Sie hat eine Kindheit ohne Elternliebe und Fürsorge erlebt und ist überzeugt, ihr fehle jeglicher Mutterinstinkt. Doch nun beharrt Tom, der sich bedingungslos auf seine liebevollen Eltern verlassen kann, darauf, ein Baby in die nächste Fünfjahresplanung aufzunehmen. Ein Ansinnen, von welchem sich Holly völlig überrumpelt fühlt. Ein weiterer Höhepunkt in Sachen "Baby-Thema“ stellt aber ein lukrativer Auftrag dar: Holly soll für eine ihr gänzlich unsympathische Kundin eine Mutter-Kind-Skulptur gestalten. Eine künstlerische Arbeit, die ihr völlig widerstrebt, auf die sie aber schon aus rein finanziellen Gründen nicht verzichten kann.
Im grossen verwilderten Garten ihres neuen Daheims sucht Holly etwas Ablenkung und entdeckt einen besonderen Gartenschmuck - eine vermeintliche Sonnenuhr, die sich als Monduhr entpuppt. Mit dieser sind bei Vollmond kurze Blicke in die Zukunft möglich. Die Künstlerin kann sich der Versuchung nicht entziehen und leidet fortan unter Alpträumen. Die Monduhr offenbart ihr nämlich, dass sie schwanger werden und eine Tochter zur Welt bringen wird. Und sie fordert als Preis für das neue Leben Hollys eigenes Leben. Die junge Frau glaubt, den Verstand zu verlieren und wird doch bei Vollmond unweigerlich magisch von der Uhr angezogen. Wieder und wieder will und muss sie einen Blick in die Zukunft zu werfen. Ständig in der Hoffnung, eine Möglichkeit zu finden, ihr Schicksal in eine andere Bahn zu lenken.
Eine Stütze und gute Freundin findet Holly in der über 80jährigen Jocelyn, die früher selber im Torhaus gewohnt hat. Die alte Frau weiht Holly in die Geheimnisse der Monduhr ein, die Fluch und Segen gleichzeitig ist und Jocelyns eigenes Leben massgeblich mitbestimmt hat. Schliesslich bekommt Holly Zugang zu alten Aufzeichnungen die Monduhr betreffend. Findet sie darin vielleicht eine Möglichkeit, das Schicksal in gnädigere Bahnen zu lenken?
Und was gibt es Hortikulturelles? In dieser Hinsicht gibt es nicht besonders viel zu vermerken. Das Torhaus ist von einem grossen verwilderten Garten umgeben, der in die Landschaft übergeht, und fast ausschliesslich aus Löwenzahn und Brennnesseln besteht. Aus Zeitmangel delegiert Tom die Pflege ebenso wie den Bau eines neuen Wintergartens. Vor Jahrzehnten hat Jocelyn den Garten gepflegt und die Bepflanzung war traumhaft. Die geplante Gartenrestauration findet erst nach Ende der Lektüre statt...
Nach dem Lesen des Prologs hätte ich das Buch beinahe wieder weggelegt, weil ich diesen recht deprimierend fand. Doch nachdem ich dann die letzten Seiten der Romans vorweg gelesen habe, konnte ich beruhigt richtig loslegen. Wenn Sie sich für das Lesen dieses Buches entscheiden, müssen Sie also nicht erst den Schluss lesen, das habe ich für Sie vorweg genommen und kann Ihnen versichern, dass sich die Lektüre lohnt – sofern Sie keine Vorbehalte gegenüber Übersinnlichem in Form von temporären Zeitreisen mit einer Monduhr haben.
Amanda Brooke:
Das Geheimnis der Monduhr
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
21. Juni 2013
17. Juni 2013
Brenda Stumpf: Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins – Vom Angraben und Umgraben
Jeder hat eine Liste mit Dingen, die er ganz bestimmt nie tun will und tun wird. Weit oben auf Brenda Stumpfs Liste stand schon seit vielen Jahren die Anschaffung eines eigenen Gartens. Zuletzt hat sie vorübergehend ein paar Wochen bei ihrer Mutter gelebt und ist dort immer wieder zum Rasenmähen, Äpfel Pflücken und Rasenkanten schneiden eingespannt worden. Tätigkeiten, die den Top-Listenplatz des Gärtnerns einmal mehr bestätigten. Und schliesslich reichte die schöne neue Wohnung mit Balkon doch völlig aus, das (eher magere) hortikulturelle Bedürfnis zu befriedigen.
Bis eben genau ihre Mutter vorschlug, Brenda solle sich doch zum Ausgleich zur Schreibtischtätigkeit einen Schrebergarten zutun und mit diesen Worten nichtsahnend einen Samen in irgendwie wohl doch schon gut vorbereiteten Boden setzte und zum Keimen brachte. Sämtliche Vorbehalte von wegen "keine Lust sture Vorschriften und Regeln befolgen zu müssen und auf dem Präsentierteller zu sitzen" haben plötzlich ihren Schrecken verloren und die Autorin verliebt sich auf den ersten Blick in eine dreieckige Parzelle. Nicht unwesentlich zum positiven Entscheid beigetragen hat allerdings die Tatsache, dass diese entlang der Grundstücksgrenze nicht von Wegen gesäumt wird. Schon Beverley Nichols hatte viel Freude an seinem dreieckigen Flecken Land und auch Brenda Stumpf sollte es nicht anders ergehen. Da sie gärtnerisch (noch) recht unbedarft ist, holt sie ihre Freundin Anke an Bord und zusammen starten die beiden Frauen das Projekt „Kleingarten“.
Der übernommene Garten ist schon seit einigen Jahre mit Ausnahme von gelegentlichem Rasenmähen und Heckenschneiden mehrheitlich sich selber überlassen gewesen. Somit wartet einige Arbeit auf die motivierten Gärtnerinnen. Die beiden gärtnern ökologisch und die Autorin meint, der Garten produziere genügend Ertrag, um auch sogenannte „Schädlinge“ durchzufüttern. Die überwiegend herrenlose Zeit haben denn auch die tierischen Bewohner bemerkt. Kröten, Igel, Vögel und auch ein Kater müssen sich erst wieder an menschlichen Betrieb gewöhnen. Immer wieder für Unterhaltung und Abwechslung sorgt die Amsel Hans. Und nicht nur die Amsel kriegt einen Namen verpasst. Auch für die Pflanzen gibt es parzellen-interne Spezial-Definitionen. „Los Blattos“ sind Funkien, die Kapuzinerkresse wird Äffchen genannt und der Zierlauch heisst „Mega-Pompom“.
Anke entpuppt sich als eine gute, aber auch strenge Lehrmeisterin. So beharrt sie auf der ordentlichen Pflege der mit der Parzelle übernommenen hochwertigen Werkzeuge. Dazu gehört schrubben, polieren, schmirgeln und einölen ebenso wie auch das Säubern sämtlicher Töpfe und Pflanzgefässe. Der Naturgarten ist unordentlich, chaotisch und unstrukturiert. Doch die beiden Frauen sind stolz und erfreuen sich an ihrem „grün-bunten Flower-Power-Wahnsinn“ und sprudeln vor kreativen Ideen, die sie oft gleich umsetzen. Trotzdem befällt Brenda Stumpf nach einem ersten Besuch in einem ordentlichen Kleingarten das dringende Bedürfnis den Garten aufzuräumen, zu putzen und Blätter abzustauben. Sie findet aber auch bald heraus, dass es oft die Männer sind, die in anderen Gärten gestalten und wirken und dass die Frauen etwas mehr Unordnung und natürliche Wildnis auf den Parzellen begrüssen würden. Überhaupt muss man sich erst gegenseitig beschnuppern, vertraut machen und lernt bald die Vorlieben, Ticks, Tricks und Grosszügigkeit der Vereins- und Parzellennachbarn kennen. Nachdem die anfängliche Skepsis von wegen Schriftsteller-Beruf ausgeräumt worden ist, entstehen auch erste Freundschaften.
Während die ersten Gartenversuche ausgesprochen erfolgversprechend sind, harzt es beim Parallelprojekt, der Partnersuche. Weder im Kleingärtnerverein noch im World Wide Web findet sich vorderhand ein Partner, der nicht zu sportlich ist, aber gerne dem Deich entlang Velo fährt und Schafe anschaut, sofern die Sonne scheint und es nicht zu heftig windet. Andere Hindernisse sind da etwa die unterschiedlichen Ansichten über Spontanität oder das Recht von Regenwürmern auf einen natürlichen Tod. Und manchmal kreuzt sich die virtuelle plötzlich mit der richtigen Welt.
Übrigens habe ich hier schon einmal ein Buch von Brenda Stumpf vorgestellt. Unter dem Pseudonym Auerbach und Keller schreibt sie eine Krimi-Reihe, aus der ich den Schrebergartenkrimi "Unter allen Beeten ist Ruh" hier vorgestellt habe. In Kürze erscheint „Ins Gras gebissen“ rund um eine fast hundertjährige Besitzerin einer Gartenzwergmanufaktur. Und in diesem deutschen Erfahrungsbericht übers Gärtnern und die Partnersuche habe ich sogar noch etwas über den schweizerischen Dialekt gelernt. Dass in der Schweiz die Gänseblümchen in gewissen Gegenden Margrittli genannt werden, war mir nämlich neu (und ich habe die Richtigkeit dieser Information angezweifelt). Lokal heissen sie jedenfalls nicht so.
Brenda Stumpf:
Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins – Vom Angraben und Umgraben
Knaur Taschenbuch, 2013
Bis eben genau ihre Mutter vorschlug, Brenda solle sich doch zum Ausgleich zur Schreibtischtätigkeit einen Schrebergarten zutun und mit diesen Worten nichtsahnend einen Samen in irgendwie wohl doch schon gut vorbereiteten Boden setzte und zum Keimen brachte. Sämtliche Vorbehalte von wegen "keine Lust sture Vorschriften und Regeln befolgen zu müssen und auf dem Präsentierteller zu sitzen" haben plötzlich ihren Schrecken verloren und die Autorin verliebt sich auf den ersten Blick in eine dreieckige Parzelle. Nicht unwesentlich zum positiven Entscheid beigetragen hat allerdings die Tatsache, dass diese entlang der Grundstücksgrenze nicht von Wegen gesäumt wird. Schon Beverley Nichols hatte viel Freude an seinem dreieckigen Flecken Land und auch Brenda Stumpf sollte es nicht anders ergehen. Da sie gärtnerisch (noch) recht unbedarft ist, holt sie ihre Freundin Anke an Bord und zusammen starten die beiden Frauen das Projekt „Kleingarten“.
Der übernommene Garten ist schon seit einigen Jahre mit Ausnahme von gelegentlichem Rasenmähen und Heckenschneiden mehrheitlich sich selber überlassen gewesen. Somit wartet einige Arbeit auf die motivierten Gärtnerinnen. Die beiden gärtnern ökologisch und die Autorin meint, der Garten produziere genügend Ertrag, um auch sogenannte „Schädlinge“ durchzufüttern. Die überwiegend herrenlose Zeit haben denn auch die tierischen Bewohner bemerkt. Kröten, Igel, Vögel und auch ein Kater müssen sich erst wieder an menschlichen Betrieb gewöhnen. Immer wieder für Unterhaltung und Abwechslung sorgt die Amsel Hans. Und nicht nur die Amsel kriegt einen Namen verpasst. Auch für die Pflanzen gibt es parzellen-interne Spezial-Definitionen. „Los Blattos“ sind Funkien, die Kapuzinerkresse wird Äffchen genannt und der Zierlauch heisst „Mega-Pompom“.
Anke entpuppt sich als eine gute, aber auch strenge Lehrmeisterin. So beharrt sie auf der ordentlichen Pflege der mit der Parzelle übernommenen hochwertigen Werkzeuge. Dazu gehört schrubben, polieren, schmirgeln und einölen ebenso wie auch das Säubern sämtlicher Töpfe und Pflanzgefässe. Der Naturgarten ist unordentlich, chaotisch und unstrukturiert. Doch die beiden Frauen sind stolz und erfreuen sich an ihrem „grün-bunten Flower-Power-Wahnsinn“ und sprudeln vor kreativen Ideen, die sie oft gleich umsetzen. Trotzdem befällt Brenda Stumpf nach einem ersten Besuch in einem ordentlichen Kleingarten das dringende Bedürfnis den Garten aufzuräumen, zu putzen und Blätter abzustauben. Sie findet aber auch bald heraus, dass es oft die Männer sind, die in anderen Gärten gestalten und wirken und dass die Frauen etwas mehr Unordnung und natürliche Wildnis auf den Parzellen begrüssen würden. Überhaupt muss man sich erst gegenseitig beschnuppern, vertraut machen und lernt bald die Vorlieben, Ticks, Tricks und Grosszügigkeit der Vereins- und Parzellennachbarn kennen. Nachdem die anfängliche Skepsis von wegen Schriftsteller-Beruf ausgeräumt worden ist, entstehen auch erste Freundschaften.
Während die ersten Gartenversuche ausgesprochen erfolgversprechend sind, harzt es beim Parallelprojekt, der Partnersuche. Weder im Kleingärtnerverein noch im World Wide Web findet sich vorderhand ein Partner, der nicht zu sportlich ist, aber gerne dem Deich entlang Velo fährt und Schafe anschaut, sofern die Sonne scheint und es nicht zu heftig windet. Andere Hindernisse sind da etwa die unterschiedlichen Ansichten über Spontanität oder das Recht von Regenwürmern auf einen natürlichen Tod. Und manchmal kreuzt sich die virtuelle plötzlich mit der richtigen Welt.
Übrigens habe ich hier schon einmal ein Buch von Brenda Stumpf vorgestellt. Unter dem Pseudonym Auerbach und Keller schreibt sie eine Krimi-Reihe, aus der ich den Schrebergartenkrimi "Unter allen Beeten ist Ruh" hier vorgestellt habe. In Kürze erscheint „Ins Gras gebissen“ rund um eine fast hundertjährige Besitzerin einer Gartenzwergmanufaktur. Und in diesem deutschen Erfahrungsbericht übers Gärtnern und die Partnersuche habe ich sogar noch etwas über den schweizerischen Dialekt gelernt. Dass in der Schweiz die Gänseblümchen in gewissen Gegenden Margrittli genannt werden, war mir nämlich neu (und ich habe die Richtigkeit dieser Information angezweifelt). Lokal heissen sie jedenfalls nicht so.
Brenda Stumpf:
Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins – Vom Angraben und Umgraben
Knaur Taschenbuch, 2013
13. Juni 2013
Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt
Die Vermutung, dass dieser Best- und Longseller von Susanna Tamaro in den Sofagarten passen könnte, habe ich einem Hinweis in Ursula Steens Büchlein "Mein grosses grünes Dingsda" zu verdanken. Bestimmt sind über dieses bereits 1995 erstmals auf Deutsch erschienene Buch schon annähernd unzählige Kommentare und Kritiken veröffentlicht worden. Nichtsdestotrotz werde ich diesen eine weitere Buchvorstellung hinzufügen, und zwar wie üblich eine mit Schwerpunkt auf dem hortikulturellen Hintergrund der Lektüre.
Mit dem Tod vor Augen beginnt die plötzlich schwer erkrankte Olga ein Brieftagebuch für ihre derzeit in Amerika lebende Enkelin zu schreiben. Letztere wurde als Kleinkind von der eifersüchtigen Mutter von der Grossmutter so weit als möglich ferngehalten, aber später nach dem frühen Unfalltod der Mutter von der Grossmutter aufgezogen. In ihren Briefen spricht Olga Dinge aus, die sie teilweise während Jahrzehnten als Geheimnis betrachtet hat. Sie erzählt aber auch von ihrer bedingungslosen Liebe zur Enkelin, die auch durch die letzten schwierigen pubertären Jahre nicht geschmälert worden ist. Olga übt auch unverhohlene Selbstkritik und alte Familiengeheimnisse werden offenbart.
Ein Rundgang durch den Garten führt vom Nussbaum zum Kirschbaum, vom Kirschbaum zu den Rosen und von den Rosen zu den hässlichen Pinien am Rand der Wiese. Und gleich auf der ersten Seite des Romans wird auf den Anlass einer Rosenpflanzung zurückgeblickt. Diese ging nämlich zurück auf einen Wunsch der damals zehnjährigen Enkelin, ausgelöst durch die Lektüre des Buches „Der kleine Prinz“.
Die Grossmutter blickt auch zurück auf ihre spät eingegangene eher lieblosen Ehe, in welcher sie wie eine Pflanze ohne Wasser vor sich hin dürstete und sich durch die Tage quälte, bis sie während einer Kur einen anderen Mann kennen lernte. An einer anderen Textstelle wird das Alter Achtzig mit dem Zustand von Blättern im September verglichen, wenn der Baum anfängt Nährstoffe abzuziehen, oder Olga erinnert sich daran, wie ihre Enkelin sie jeweils auslachte, wenn sie Baumstämme streichelte.
Dann schilt sich Olga selber für den nicht ganz abwegigen Gedanken, dass es sich doch nicht mehr lohnt, noch mehr Blumen in den Garten zu pflanzen, da sie vielleicht den nächsten Frühling gar nicht mehr erleben wird. Energisch schiebt sie diese Denkweise aber sorfort wieder beiseite: ihre Enkelin wird den Frühling wohl noch oft sehen und sich an den Pflanzen erfreuen können.
Schliesslich ermuntert Olga ihre Enkelin, sich in schweren Zeiten immer aran zu erinnern, wie Bäume wachsen. Wurzeln und Krone müssen unbedingt in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen, so dass sie zur rechten Jahreszeit blühen und Früchte tragen können. Und sie soll auf ihr Herz hören, das ihr den Weg zeigt, den es einzuschlagen gilt und nie vergessen, dass alle Dinge nicht nur schwarz und weiss sind, sondern alle Farben und unterschiedliche Schattierungen mit sich bringen.
Susanna Tamaro:
Geh, wohin dein Herz dich trägt
Diogenes Verlag, 1995/1998
Mit dem Tod vor Augen beginnt die plötzlich schwer erkrankte Olga ein Brieftagebuch für ihre derzeit in Amerika lebende Enkelin zu schreiben. Letztere wurde als Kleinkind von der eifersüchtigen Mutter von der Grossmutter so weit als möglich ferngehalten, aber später nach dem frühen Unfalltod der Mutter von der Grossmutter aufgezogen. In ihren Briefen spricht Olga Dinge aus, die sie teilweise während Jahrzehnten als Geheimnis betrachtet hat. Sie erzählt aber auch von ihrer bedingungslosen Liebe zur Enkelin, die auch durch die letzten schwierigen pubertären Jahre nicht geschmälert worden ist. Olga übt auch unverhohlene Selbstkritik und alte Familiengeheimnisse werden offenbart.
Ein Rundgang durch den Garten führt vom Nussbaum zum Kirschbaum, vom Kirschbaum zu den Rosen und von den Rosen zu den hässlichen Pinien am Rand der Wiese. Und gleich auf der ersten Seite des Romans wird auf den Anlass einer Rosenpflanzung zurückgeblickt. Diese ging nämlich zurück auf einen Wunsch der damals zehnjährigen Enkelin, ausgelöst durch die Lektüre des Buches „Der kleine Prinz“.
Die Grossmutter blickt auch zurück auf ihre spät eingegangene eher lieblosen Ehe, in welcher sie wie eine Pflanze ohne Wasser vor sich hin dürstete und sich durch die Tage quälte, bis sie während einer Kur einen anderen Mann kennen lernte. An einer anderen Textstelle wird das Alter Achtzig mit dem Zustand von Blättern im September verglichen, wenn der Baum anfängt Nährstoffe abzuziehen, oder Olga erinnert sich daran, wie ihre Enkelin sie jeweils auslachte, wenn sie Baumstämme streichelte.
Dann schilt sich Olga selber für den nicht ganz abwegigen Gedanken, dass es sich doch nicht mehr lohnt, noch mehr Blumen in den Garten zu pflanzen, da sie vielleicht den nächsten Frühling gar nicht mehr erleben wird. Energisch schiebt sie diese Denkweise aber sorfort wieder beiseite: ihre Enkelin wird den Frühling wohl noch oft sehen und sich an den Pflanzen erfreuen können.
Schliesslich ermuntert Olga ihre Enkelin, sich in schweren Zeiten immer aran zu erinnern, wie Bäume wachsen. Wurzeln und Krone müssen unbedingt in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen, so dass sie zur rechten Jahreszeit blühen und Früchte tragen können. Und sie soll auf ihr Herz hören, das ihr den Weg zeigt, den es einzuschlagen gilt und nie vergessen, dass alle Dinge nicht nur schwarz und weiss sind, sondern alle Farben und unterschiedliche Schattierungen mit sich bringen.
Susanna Tamaro:
Geh, wohin dein Herz dich trägt
Diogenes Verlag, 1995/1998
9. Juni 2013
Georg Möller (Text) und Gary Rogers (Fotos): Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft
Georg Möller vom Oehndorf-Garten hat mit fotografischer Unterstützung von Gary Rogers mit „Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft“ sein zweites Gartenbuch-Projekt verwirklicht. Er war unterwegs in Frankreich, England, Holland, Österreich und Deutschland und hat etliche Geschichten und Gärten „mitgebracht“, die man nicht schon aus unzähligen Medien kennt (jedenfalls ich nicht). Das Vorwort hat Anja Maubach verfasst, die den Autor von ausgedehnten Besuchen in ihrer Gärtnerei persönlich kennt.
Die Publikation ist in die folgenden Kapitel aufgeteilt:
- Sammlergärten
- Architektonische Gärten
- Landgärten
- Künstlergärten
- Leidenschaft für Garten und Pflanzen
- Traumgärten
Am Anfang des Kapitels steht jeweils eine kurze Einführung zum Thema. Die Portraits selber beginnen einheitlich mit einem einseitigen Text aus der Feder des jeweiligen Gärtners und werden komplettiert durch die schriftlich festgehaltenen Eindrücke des Autors und die gewohnt ausdruckstarken Fotos von Gary Rogers.
Im Portrait über Maris Wittur liest man etwa über das auch im wahrsten Sinne des Wortes (folgen)schwere Quittengeschenk (drei Zentner Früchte) einer alten Dame an einen Studenten. Das dannzumal magere Wissen des gelernten Baumpflegers („daraus lässt sich Gelée machen“) ist längst eine Passion geworden und einem unermüdlichen Einsatz für diese Kulturfrucht samt Quittenbaumschule mit beim Zeitpunkt der Publikation 63 Sorten gewichen.
Zu den bekannten im Buch vertretenen Gärtnern gehören Karl Ploberger und Robert Höck und seine Akeleien. Ausserdem liest man über einen angefressenen Kalmienliebhaber, ein Landidyll im Grossstadtdschungel und den Privatgarten eines Gartenarchitekten, der beruflich kreative Gartenlandschaften in der Wüste Saudi-Arabiens entwirft. Speziell interessiert haben mich natürlich die Seiten über David Wheeler und Simon Dorrell von Hortus.
Der Beitrag über ein Stück Toskana in der Nordheide zeigt auf beeindruckende Weise, was für gestalterische Extravaganzen mit einem eingeschränkten Budget, dem Wissen um Stecklingsvermehrung und (viel) Geduld möglich sind, während ein Landschaftsgarten, der als Garteninsel in unberührter Natur liegt, neben aufrecht gehenden Zweibeinern besonders auch Tiere anlockt. Neben Füchsen, Dachsen, Rehwild und anderen Säugetieren sind auch Eisvögel dort anzutreffen. In einem anderen Garten würde ich neben der grünen und blühenden Schätze im Garten liebend gern die Gartenbibliothek in einer ehemaligen Pferdebox bewundern und im einen oder anderen Titel herumstöbern.
Im „Wettkampf“ der Bücher über geschlechtergetrenntes Gärtnern holen die Männer langsam aber sicher auf. Eigentlich ist es ja egal, ob Mann oder Frau gärtnert, sofern es für die Betreffenden stimmt und ihnen das Ergebnis gefällt. Wie bereits erwähnt, ist es eindeutig als Pluspunkt für diese Publikation zu verbuchen, dass die Mehrheit der hier vorgestellten Gärtner nicht schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln oder in anderen Medien vorgestellt worden sind. Da überlese ich doch grosszügig den doch etwas befremdenden Satz, in dem es heisst, die „gärtnerische Herausforderung wurde bavourös gemeistert; kein Wunder schliesslich ist das Gärtnern reine Männersache!“
Georg Möller (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2013
Die Publikation ist in die folgenden Kapitel aufgeteilt:
- Sammlergärten
- Architektonische Gärten
- Landgärten
- Künstlergärten
- Leidenschaft für Garten und Pflanzen
- Traumgärten
Am Anfang des Kapitels steht jeweils eine kurze Einführung zum Thema. Die Portraits selber beginnen einheitlich mit einem einseitigen Text aus der Feder des jeweiligen Gärtners und werden komplettiert durch die schriftlich festgehaltenen Eindrücke des Autors und die gewohnt ausdruckstarken Fotos von Gary Rogers.
Im Portrait über Maris Wittur liest man etwa über das auch im wahrsten Sinne des Wortes (folgen)schwere Quittengeschenk (drei Zentner Früchte) einer alten Dame an einen Studenten. Das dannzumal magere Wissen des gelernten Baumpflegers („daraus lässt sich Gelée machen“) ist längst eine Passion geworden und einem unermüdlichen Einsatz für diese Kulturfrucht samt Quittenbaumschule mit beim Zeitpunkt der Publikation 63 Sorten gewichen.
Zu den bekannten im Buch vertretenen Gärtnern gehören Karl Ploberger und Robert Höck und seine Akeleien. Ausserdem liest man über einen angefressenen Kalmienliebhaber, ein Landidyll im Grossstadtdschungel und den Privatgarten eines Gartenarchitekten, der beruflich kreative Gartenlandschaften in der Wüste Saudi-Arabiens entwirft. Speziell interessiert haben mich natürlich die Seiten über David Wheeler und Simon Dorrell von Hortus.
Der Beitrag über ein Stück Toskana in der Nordheide zeigt auf beeindruckende Weise, was für gestalterische Extravaganzen mit einem eingeschränkten Budget, dem Wissen um Stecklingsvermehrung und (viel) Geduld möglich sind, während ein Landschaftsgarten, der als Garteninsel in unberührter Natur liegt, neben aufrecht gehenden Zweibeinern besonders auch Tiere anlockt. Neben Füchsen, Dachsen, Rehwild und anderen Säugetieren sind auch Eisvögel dort anzutreffen. In einem anderen Garten würde ich neben der grünen und blühenden Schätze im Garten liebend gern die Gartenbibliothek in einer ehemaligen Pferdebox bewundern und im einen oder anderen Titel herumstöbern.
Im „Wettkampf“ der Bücher über geschlechtergetrenntes Gärtnern holen die Männer langsam aber sicher auf. Eigentlich ist es ja egal, ob Mann oder Frau gärtnert, sofern es für die Betreffenden stimmt und ihnen das Ergebnis gefällt. Wie bereits erwähnt, ist es eindeutig als Pluspunkt für diese Publikation zu verbuchen, dass die Mehrheit der hier vorgestellten Gärtner nicht schon wiederholt zwischen zwei Buchdeckeln oder in anderen Medien vorgestellt worden sind. Da überlese ich doch grosszügig den doch etwas befremdenden Satz, in dem es heisst, die „gärtnerische Herausforderung wurde bavourös gemeistert; kein Wunder schliesslich ist das Gärtnern reine Männersache!“
Georg Möller (Text) und Gary Rogers (Fotos):
Gartenwelten – Männer und ihre grüne Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2013
5. Juni 2013
Günter von Lonski: Teufelskralle
Der Journalist Hubert Wesemann wird von der ehemaligen Blumenverkäuferin Grete Stepphan um ein Treffen gebeten. Sie erzählt ihm von seltsamen Funden in der Kleingartenanlage „Grüne Bohne“ an den Töneböns Teichen. Und mindestens so merkwürdig ist die Tatsache, dass diese gefundenen nachweislich menschlichen Knochen wieder verschwunden sind. Gleichzeitig scheinen einige Schrebergärtner plötzlich neue Geldquellen aufgetan zu haben, von denen ein frisch gedecktes Schrebergarten-Hausdach und ein neues Auto zeugen. Grete Stepphan möchte, dass Wesemann den Vorfällen auf den Grund geht. Doch dieser zögert zunächst und rät ihr, einen Detektiv zu engagieren.
Grete Stepphans Schrebergarten entpuppt sich als das pure Gegenteil der Nachbarparzellen: Wildblumen statt Rasen, Lauch und Möhren statt Zierpflanzen und Komposthaufen statt Biotonne. Auch sonst scheint sie sich von den übrigen Gärtnern abzusondern und rümpft die Nase über allgemeine Grillaktivitäten. Ihre grosse Liebe gehört den Tieren. Sie kümmert sich mit grosser Hingabe um kranke Zwei- und Vierbeiner und scheut auch nicht davor zurück, einem Igel mit Akupunktur zu helfen.
Um Wesemann umzustimmen, bietet sie ihm an, ihren selbstgemachten Likör „Teufelskralle“, der Magen und Nerven beruhigt, in „Wesemanns Teufelskralle“ umzubenennen, wenn er die Hintergründe der merkwürdigen Vorfälle aufdecken kann. Wer kann einem solchen Angebot widerstehen? Und so beginnt der Journalist dann doch recht schnell, auf eigene Faust Erkundungen anzustellen, die unter anderem die Frage aufwerfen, was für einen Zusammenhang zwischen Hustensaft und Drogen besteht. Dann muss der Sohn bzw. Neffe eines Schrebergärtners samt seinem Motorrad aus der Weser gefischt werden und einer der Kleingärtner, Angestellter eines Bestattungsunternehmens, verunglückt im Ausland tödlich.
Privat fühlt sich Wesemann gerade etwas durch seine Freundin Karla bedrängt. Sie möchte ihn nämlich mehr in die Haushaltstätigkeiten einbinden und er soll kochen lernen. Ausserdem wirft sie ihm vor, dass er sich mehr für Verbindungen, Hintergründe und Zusammenhänge rund um die Ereignisse in den Schrebergärten als für seine Partnerschaft und sein Privatleben interessiert. Gleichzeitig findet sich der mittelgrosse Mann zu wenig attraktiv und hadert mit seinem leicht angegrauten Haarkranz.
Wesemann muss feststellen, dass Grete Stepphan ihm Verbindungen verheimlicht hat und sie hat auch verschwiegen, dass sie früher ebenfalls im örtlichen Bestattungsunternehmen gearbeitet hat. Des Weiteren stellt sich heraus, dass beim Graben eines Erdkühlschrankes nicht nur Knochen gefunden worden sind, sondern auch eine Kiste voller Gold und es gibt Hinweise auf Spielschulden und Schweigegeld. Schliesslich gerät sogar Wesemann selber unter Verdacht, die ganzen Vorkommnisse aus eigener Initiative inszeniert zu haben, um Stoff für seine Sendung haben.
Günter von Lonski:
Teufelskralle – Hubert Wesemanns 4. Fall
CW Niemeyer Buchverlage, 2013
Grete Stepphans Schrebergarten entpuppt sich als das pure Gegenteil der Nachbarparzellen: Wildblumen statt Rasen, Lauch und Möhren statt Zierpflanzen und Komposthaufen statt Biotonne. Auch sonst scheint sie sich von den übrigen Gärtnern abzusondern und rümpft die Nase über allgemeine Grillaktivitäten. Ihre grosse Liebe gehört den Tieren. Sie kümmert sich mit grosser Hingabe um kranke Zwei- und Vierbeiner und scheut auch nicht davor zurück, einem Igel mit Akupunktur zu helfen.
Um Wesemann umzustimmen, bietet sie ihm an, ihren selbstgemachten Likör „Teufelskralle“, der Magen und Nerven beruhigt, in „Wesemanns Teufelskralle“ umzubenennen, wenn er die Hintergründe der merkwürdigen Vorfälle aufdecken kann. Wer kann einem solchen Angebot widerstehen? Und so beginnt der Journalist dann doch recht schnell, auf eigene Faust Erkundungen anzustellen, die unter anderem die Frage aufwerfen, was für einen Zusammenhang zwischen Hustensaft und Drogen besteht. Dann muss der Sohn bzw. Neffe eines Schrebergärtners samt seinem Motorrad aus der Weser gefischt werden und einer der Kleingärtner, Angestellter eines Bestattungsunternehmens, verunglückt im Ausland tödlich.
Privat fühlt sich Wesemann gerade etwas durch seine Freundin Karla bedrängt. Sie möchte ihn nämlich mehr in die Haushaltstätigkeiten einbinden und er soll kochen lernen. Ausserdem wirft sie ihm vor, dass er sich mehr für Verbindungen, Hintergründe und Zusammenhänge rund um die Ereignisse in den Schrebergärten als für seine Partnerschaft und sein Privatleben interessiert. Gleichzeitig findet sich der mittelgrosse Mann zu wenig attraktiv und hadert mit seinem leicht angegrauten Haarkranz.
Wesemann muss feststellen, dass Grete Stepphan ihm Verbindungen verheimlicht hat und sie hat auch verschwiegen, dass sie früher ebenfalls im örtlichen Bestattungsunternehmen gearbeitet hat. Des Weiteren stellt sich heraus, dass beim Graben eines Erdkühlschrankes nicht nur Knochen gefunden worden sind, sondern auch eine Kiste voller Gold und es gibt Hinweise auf Spielschulden und Schweigegeld. Schliesslich gerät sogar Wesemann selber unter Verdacht, die ganzen Vorkommnisse aus eigener Initiative inszeniert zu haben, um Stoff für seine Sendung haben.
Günter von Lonski:
Teufelskralle – Hubert Wesemanns 4. Fall
CW Niemeyer Buchverlage, 2013
1. Juni 2013
Harald Braun: Das Gummistiefel-Gefühl
Harald Braun zieht im August 2003 von Hamburg weg alleine aufs Land. Sein neues Daheim liegt rund 35 km vor der Stadt in einem 5000-Seelen-Ort, auf dessen weitläufigem Gemeindegebiet die Einwohner weit verstreut leben in Häusern und Höfen zwischen viel Wiesen und Wald. Seine Freundin hatte ihn vor der Umsetzung der - oder besser seiner - Umzugspläne verlassen. Und so fühlt sich das neue Leben in der Provinz zunächst einmal völlig falsch an und die geheimen Träume vom romantischen Landleben zu zweit stellen sich im Nachhinein als reichlich absurd heraus. Die melancholischen Gedanken werden aber ziemlich erfolgreich verdrängt, indem die Zeit auf dem Land auf ein Minimum beschränkt wird. Für längere Zeit dient der neue Wohnsitz (wenn überhaupt) vorwiegend als Schlafstätte, die am Morgen Richtung Grossstadt verlassen wird, und in die der Hausherr erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder heimkehrt.
Im ersten Teil des Taschenbuches liest man aber zunächst, wie überhaupt der Wunsch nach einem Häuschen auf dem Land aufkam, die Suche nach einem solchen, dem Kauf, dem Umbau und natürlich über den Schlussstrich unter die langjährige Beziehung zu seiner im Buch Anna genannten Partnerin. In der (vom Autor so bezeichneten) Pampa entpuppt sich bereits die klosterähnliche Stille als gewöhnungsbedürftig. Etwas Leben in die Bude bringt die Katze, die mitsamt dem Kaufvertrag übernommen worden ist.
Aus einem extrem ausgeprägten Kopfmensch mit zwei linken Händen wird auch auf einem Resthof zwischen Wiesen und Weiden nicht automatisch ein Profi-Handwerker, aber doch mehren sich mit der Zeit Erfolgserlebnisse in diese Richtung. So leistet der Hausherr als Handlanger bald brauchbare Dienste, nagelt Decken an die Schuppenwand und streicht den Gartenzaun.
Ein paar wenige Seiten in dieser selbstkritischen und –analytischen Lektüre, die einem vertieft an männlichen Gedankengängen teilhaben lässt, werden dem Garten rund ums Haus gewidmet, der von einem Gärtner betreut wird. Da geht’s um Erdbeeren und Schatten, Ananas in Schleswig-Holstein sowie Giersch und einmal ist die Rede von einem Baumschulist, der einen fast völlig zubetonierten Garten von rund 1'000 m2 sein eigen nennt, weil er privat keine Lust hat, Dreck unter den Fingernägeln zu produzieren.
Und ziemlich am Schluss des Buches erfährt die Leserin auch noch, was es mit dem perfekten Gummistiefelgefühl auf sich hat. Dazu gehören (Zitat aus dem Buch) „Wind, der einem um die Ohren bläst, Regen …“ – aber lesen Sie doch selber in diesem humorigen Buch nach. Dieses wird übrigens gerade remittiert. So hat es als Zufallsfund auf einem Ausverkaufstisch doch noch den Platz in meiner ewigen Wunschliste mit einem auf dem Bücherregal getauscht.
Harald Braun:
Das Gummistiefel-Gefühl
Bastei Lübbe, 2011
Im ersten Teil des Taschenbuches liest man aber zunächst, wie überhaupt der Wunsch nach einem Häuschen auf dem Land aufkam, die Suche nach einem solchen, dem Kauf, dem Umbau und natürlich über den Schlussstrich unter die langjährige Beziehung zu seiner im Buch Anna genannten Partnerin. In der (vom Autor so bezeichneten) Pampa entpuppt sich bereits die klosterähnliche Stille als gewöhnungsbedürftig. Etwas Leben in die Bude bringt die Katze, die mitsamt dem Kaufvertrag übernommen worden ist.
Aus einem extrem ausgeprägten Kopfmensch mit zwei linken Händen wird auch auf einem Resthof zwischen Wiesen und Weiden nicht automatisch ein Profi-Handwerker, aber doch mehren sich mit der Zeit Erfolgserlebnisse in diese Richtung. So leistet der Hausherr als Handlanger bald brauchbare Dienste, nagelt Decken an die Schuppenwand und streicht den Gartenzaun.
Ein paar wenige Seiten in dieser selbstkritischen und –analytischen Lektüre, die einem vertieft an männlichen Gedankengängen teilhaben lässt, werden dem Garten rund ums Haus gewidmet, der von einem Gärtner betreut wird. Da geht’s um Erdbeeren und Schatten, Ananas in Schleswig-Holstein sowie Giersch und einmal ist die Rede von einem Baumschulist, der einen fast völlig zubetonierten Garten von rund 1'000 m2 sein eigen nennt, weil er privat keine Lust hat, Dreck unter den Fingernägeln zu produzieren.
Und ziemlich am Schluss des Buches erfährt die Leserin auch noch, was es mit dem perfekten Gummistiefelgefühl auf sich hat. Dazu gehören (Zitat aus dem Buch) „Wind, der einem um die Ohren bläst, Regen …“ – aber lesen Sie doch selber in diesem humorigen Buch nach. Dieses wird übrigens gerade remittiert. So hat es als Zufallsfund auf einem Ausverkaufstisch doch noch den Platz in meiner ewigen Wunschliste mit einem auf dem Bücherregal getauscht.
Harald Braun:
Das Gummistiefel-Gefühl
Bastei Lübbe, 2011
29. Mai 2013
Sybille Carstens: Lady Cardington und ihr Gärtner
Vor einiger Zeit hat die seit rund einem Jahr getrennt von ihrem Mann lebende Samantha Withfield bei der Gartenzeitschrift „The Beauty of Nature“ um fachmännischen Gartenrat gebeten. Die Anfrage ist nie beantwortet worden und schon fast vergessen, als die rund dreissigjährige Frau auf der Rückkehr von einem Gärtnereibesuch mit dem Auto voller Pflanzen und Erde in ihr abgelegenes Häuschen "Stoney Lane" zurückkehrt und ihr auf der schmalen holprigen Zufahrtsstrasse ein Wagen in hohem Tempo entgegenkommt.
Obwohl Samantha vermutet, einem Einbrecher vor sich zu haben, macht sie ihrer Empörung Luft. Der braungebrannte Fahrer nimmt ihr den Wind aus den Segeln, als er sich als Michael Tomelison von „The Beauty of Nature“ zu erkennen gibt. Er ist auf dem Weg zu einem Auftrag in den Gärten von Cardington Manor und dessen Besitzer Lord Charles – zufälligerweise der Noch-Ehemann von Samantha, was diese aber geflissentlich verschweigt – und hat auf Geheiss seines Vorgesetzten einen Umweg in Kauf genommen, um sich persönlich um Samanthas Leserbriefanfrage zu kümmern.
Nach einer etwas seltsamen Begrüssung lädt Samantha den unerwarteten Gast zu Tee und Gebäck ein. Lady Cardington alias Samantha und der Landschaftsarchitekt verstehen sich auf Anhieb sehr gut und unterhalten sich, als ob sie schon länger miteinander vertraut sind. Bevor Michael weiterfährt, verspricht er, auf dem Rückweg nochmals vorbeizukommen.
Samantha wartet aber vergebens auf einen Folgebesuch und sie nutzt die Gelegenheit, endlich ihr Leben neu zu ordnen. Sie stellt sich selber ins Zentrum ihres Lebens und ihrer Bedürfnisse und beginnt wieder in ihrem angestammten Beruf zu arbeiten. Von Anfang an findet sie grosse Befriedigung in ihrer Tätigkeit in einem Waisenhaus. Doch immer wieder kreisen ihre Gedanken um die kurze Begegnung mit Michael Tomelison, der seinerseits sein gebrochenes Versprechen im Nachhinein immer weniger nachvollziehen kann.
„Lady Cardington und ihr Gärtner“ ist ein eher einfach gestrickter Roman ohne grosse Überraschungen mit oft etwas holprigen und unglaubwürdigen Zufällen. Die ideale Lektüre zum Abschalten.
Sybille Carstens:
Lady Cardington und ihr Gärtner
Books on Demand, 2012
Obwohl Samantha vermutet, einem Einbrecher vor sich zu haben, macht sie ihrer Empörung Luft. Der braungebrannte Fahrer nimmt ihr den Wind aus den Segeln, als er sich als Michael Tomelison von „The Beauty of Nature“ zu erkennen gibt. Er ist auf dem Weg zu einem Auftrag in den Gärten von Cardington Manor und dessen Besitzer Lord Charles – zufälligerweise der Noch-Ehemann von Samantha, was diese aber geflissentlich verschweigt – und hat auf Geheiss seines Vorgesetzten einen Umweg in Kauf genommen, um sich persönlich um Samanthas Leserbriefanfrage zu kümmern.
Nach einer etwas seltsamen Begrüssung lädt Samantha den unerwarteten Gast zu Tee und Gebäck ein. Lady Cardington alias Samantha und der Landschaftsarchitekt verstehen sich auf Anhieb sehr gut und unterhalten sich, als ob sie schon länger miteinander vertraut sind. Bevor Michael weiterfährt, verspricht er, auf dem Rückweg nochmals vorbeizukommen.
Samantha wartet aber vergebens auf einen Folgebesuch und sie nutzt die Gelegenheit, endlich ihr Leben neu zu ordnen. Sie stellt sich selber ins Zentrum ihres Lebens und ihrer Bedürfnisse und beginnt wieder in ihrem angestammten Beruf zu arbeiten. Von Anfang an findet sie grosse Befriedigung in ihrer Tätigkeit in einem Waisenhaus. Doch immer wieder kreisen ihre Gedanken um die kurze Begegnung mit Michael Tomelison, der seinerseits sein gebrochenes Versprechen im Nachhinein immer weniger nachvollziehen kann.
„Lady Cardington und ihr Gärtner“ ist ein eher einfach gestrickter Roman ohne grosse Überraschungen mit oft etwas holprigen und unglaubwürdigen Zufällen. Die ideale Lektüre zum Abschalten.
Sybille Carstens:
Lady Cardington und ihr Gärtner
Books on Demand, 2012
25. Mai 2013
Ewald Weber: Invasive Pflanzen der Schweiz erkennen und bekämpfen
Beginnen wir diese Buchvorstellung doch gleich mit der Definition des Begriffes „invasive Pflanzen“ aus dem Glossar der Publikation. Es handelt sich dabei um Neophyten (*), die leicht verwildern, sich effizient ausbreiten und in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und/oder Wirtschaft Schäden verursachen oder das Potential dazu haben. Ewald Weber erläutert in diesem Buch die Fakten und klärt auf, so dass sich jeder Leser anschliessend eine eigene Meinung bilden und die für sich und seinen Garten notwendigen Konsequenzen ziehen kann.
Denn auch wenn von den rund 10‘000 in der Schweiz eingeführten Pflanzen „nur“ rund 350 wild wachsen und von diesen sich 5 % (was 23 Arten entspricht) stark ausbreiten, ist jeder aufgerufen, sich an der Schadensbegrenzung zu beteiligen. Nicht zuletzt auch darum, weil sich die Schweiz durch die Mitunterzeichnung der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt dazu verpflichtet hat. Das konsequente Ausrotten und Bekämpfen von unerwünschten Eindringlingen ist teuer, doch die Folgekosten wegen Zuwarten vor dem Ergreifen von Massnahmen betragen später sogar ein Vielfaches davon (z.B. Schäden durch Erosionen, Behandlungskosten bei Allergien).
Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Thematik (Verbreitungsgebiete, Pflanzenverwendungen, Schäden, Umgang mit wild wachsenden invasiven Pflanzen, rechtliche Grundlagen, Präventivmassnahmen usw.) sowie Hinweisen auf weiterführende Literatur und Links. Anschliessend folgen die Artenportraits und aufschlussreiche Erfahrungsberichte, wie beispielsweise „Auch Neophyten benutzen gerne Strassen“, „Eine beispielhafte Bekämpfung“ über das Auftreten und rigorose Bekämpfen des Grossblütigen Heusenkrauts (Ludwigia Grandiflora) bei Genf oder „Die Methode des Ringelns (mechanische Bekämpfung von unerwünschtem Baumwuchs mit gleichzeitigem Verhindern von Stockausschlägen).
Die Titelzeilen der einzelnen Artenportraits sind farbig hinterlegt und zeigen auf, wo die entsprechende Pflanze Probleme verursacht, etwa auf Äckern und Feldern, in Wäldern und Magerwiesen, in Seen und Kanälen, in Waldlichtungen oder an Flussufern usw. und ob diese eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Eine Merkblatt-Box gibt Informationen zu Name, Familie, Lebensform, Ursprung, Vorkommen in der Schweiz, Habitaten und Status in der Schweiz. Im Text schliesslich wird genauer auf die Besonderheiten, Erkennungmerkmale, Verwechslungsmöglichkeiten, Auswirkungen sowie die Bekämpfungmethoden eingegangen. Ausserdem erfährt der Leser, wie die Pflanze nach Europa kam. Fotos, detaillierte Zeichnungen sowie eine Karte der Schweiz mit Angaben über die Verbreitung zu unterschiedlichen Zeitpunkten (z.B. nach 1994, 1982 – 1994, 1967 – 1987, vor 1967) komplettieren die Portraits.
Neophyten fanden oder finden auf völlig unterschiedliche Weise den Weg in die Schweiz und verbreiten sich beispielsweise durch eine hohe Samenproduktion, Ausläufer oder Stockausschläge. Etliche dieser Pflanzen wurden ursprünglich durch Pflanzenjäger eingeführt und wurden zunächst als willkommene Bienenweiden vermehrt. Samen können auch mit Schafwolle oder Verpackungsmaterial importiert werden und oft stellt sich erst nach längerer Zeit heraus, dass eine Neueinführung, einheimische Pflanzen verdrängt. So hat der Staudenknöterich, der in zwei Meter Bodentiefe bis zu zehn Zentimeter dicke Rhizome bildet, 1847 sogar eine Goldmedaille als interessanteste Neueinführung erhalten. Der toxische Riesenbärenklau wiederum enthält Wirkstoffe, die auf der menschlichen Haut nach Sonneneinstrahlung zu starken Verbrennungen führen können. Andere problematische Pflanzen reichern den Boden mit Stickstoff an und verändern damit die Wachstumsbedingungen, die in der Folge für einheimische Arten nicht mehr stimmen.
Verschiedene Zierpflanzen, die inzwischen als problematisch eingestuft werden müssen, werden noch heute im Handel verkauft. Dazu zählen beispielsweise das japanische Geissblatt, Goldruten, Schmetterlingsstrauch, Robinie, Kirschlorbeer, Hanfpalme oder der Blauglockenbaum. Die 2007 gegründete „Arbeitsgruppe Invasive Neobiota“ (AGIN) hat die Aufgabe, schweizweit ein gemeinsames Verständnis sowie einheitliche Definitionen festzulegen. Die Erkenntnisse müssen weitervermittelt werden, so dass der Handel, Gärtner oder Angestellte von Unterhaltsdiensten über das notwendige Wissen verfügen. Auch der Hobbygärtner steht in der Verantwortung. Der Autor hat sieben Regeln zum verantwortungsvollen Gärtnern zusammengestellt, die unter anderem an die Informationspflicht und den Verzicht auf das Anpflanzen oder das Entfernen solcher Arten appellieren oder dazu auffordern, wenigstens die Samenstände rechtzeitig zu entfernen und problematische Gartenabfälle richtig zu entsorgen (nicht auf dem eigenen Kompost).
Bei der Lektüre dieses ausgesprochen informativen Buches kommt der gärtnernde Leser nicht umhin, sich Gedanken über die Bepflanzung des eigenen Gartens zu machen. Welcher der aus verschiedenen (Spezial-)Gärtnereien aus Nah und Fern zusammengetragenen Pflanzenschätze könnte sich in Zukunft als lästig oder gar als richtige Plage erweisen? Vielleicht einer oder gleich alle drei der kürzlich erstandenen in unterschiedlichen Farben gemusterten Pflanzen der Gattung Trifolium (Klee, leider ohne Etikett)? Jedenfalls habe ich rückwirkend schon ein leicht schlechtes Gewissen beim Gedanken an die zahlreichen vor Jahren jeweils unwissentlich mit Vergnügen zerplatzten Samenstände der verschiedenen Springkrautarten, die mir auf Wanderungen oder beim Aufenthalt an Flüssen begegnet sind. Obwohl, verteilt hätten sich die Samen ja auch ohne mein Dazutun…
Ewald Weber:
Invasive Pflanzen der Schweiz erkennen und bekämpfen
Haupt Verlag, 2013
(*) Neophyt = Pflanzenart, die nach 1492 infolge Tätigkeit des Menschen absichtlich oder unabsichtlich ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes wild lebend aufgetreten ist und sich fortpflanzt
Denn auch wenn von den rund 10‘000 in der Schweiz eingeführten Pflanzen „nur“ rund 350 wild wachsen und von diesen sich 5 % (was 23 Arten entspricht) stark ausbreiten, ist jeder aufgerufen, sich an der Schadensbegrenzung zu beteiligen. Nicht zuletzt auch darum, weil sich die Schweiz durch die Mitunterzeichnung der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt dazu verpflichtet hat. Das konsequente Ausrotten und Bekämpfen von unerwünschten Eindringlingen ist teuer, doch die Folgekosten wegen Zuwarten vor dem Ergreifen von Massnahmen betragen später sogar ein Vielfaches davon (z.B. Schäden durch Erosionen, Behandlungskosten bei Allergien).
Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Thematik (Verbreitungsgebiete, Pflanzenverwendungen, Schäden, Umgang mit wild wachsenden invasiven Pflanzen, rechtliche Grundlagen, Präventivmassnahmen usw.) sowie Hinweisen auf weiterführende Literatur und Links. Anschliessend folgen die Artenportraits und aufschlussreiche Erfahrungsberichte, wie beispielsweise „Auch Neophyten benutzen gerne Strassen“, „Eine beispielhafte Bekämpfung“ über das Auftreten und rigorose Bekämpfen des Grossblütigen Heusenkrauts (Ludwigia Grandiflora) bei Genf oder „Die Methode des Ringelns (mechanische Bekämpfung von unerwünschtem Baumwuchs mit gleichzeitigem Verhindern von Stockausschlägen).
Die Titelzeilen der einzelnen Artenportraits sind farbig hinterlegt und zeigen auf, wo die entsprechende Pflanze Probleme verursacht, etwa auf Äckern und Feldern, in Wäldern und Magerwiesen, in Seen und Kanälen, in Waldlichtungen oder an Flussufern usw. und ob diese eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Eine Merkblatt-Box gibt Informationen zu Name, Familie, Lebensform, Ursprung, Vorkommen in der Schweiz, Habitaten und Status in der Schweiz. Im Text schliesslich wird genauer auf die Besonderheiten, Erkennungmerkmale, Verwechslungsmöglichkeiten, Auswirkungen sowie die Bekämpfungmethoden eingegangen. Ausserdem erfährt der Leser, wie die Pflanze nach Europa kam. Fotos, detaillierte Zeichnungen sowie eine Karte der Schweiz mit Angaben über die Verbreitung zu unterschiedlichen Zeitpunkten (z.B. nach 1994, 1982 – 1994, 1967 – 1987, vor 1967) komplettieren die Portraits.
Neophyten fanden oder finden auf völlig unterschiedliche Weise den Weg in die Schweiz und verbreiten sich beispielsweise durch eine hohe Samenproduktion, Ausläufer oder Stockausschläge. Etliche dieser Pflanzen wurden ursprünglich durch Pflanzenjäger eingeführt und wurden zunächst als willkommene Bienenweiden vermehrt. Samen können auch mit Schafwolle oder Verpackungsmaterial importiert werden und oft stellt sich erst nach längerer Zeit heraus, dass eine Neueinführung, einheimische Pflanzen verdrängt. So hat der Staudenknöterich, der in zwei Meter Bodentiefe bis zu zehn Zentimeter dicke Rhizome bildet, 1847 sogar eine Goldmedaille als interessanteste Neueinführung erhalten. Der toxische Riesenbärenklau wiederum enthält Wirkstoffe, die auf der menschlichen Haut nach Sonneneinstrahlung zu starken Verbrennungen führen können. Andere problematische Pflanzen reichern den Boden mit Stickstoff an und verändern damit die Wachstumsbedingungen, die in der Folge für einheimische Arten nicht mehr stimmen.
Verschiedene Zierpflanzen, die inzwischen als problematisch eingestuft werden müssen, werden noch heute im Handel verkauft. Dazu zählen beispielsweise das japanische Geissblatt, Goldruten, Schmetterlingsstrauch, Robinie, Kirschlorbeer, Hanfpalme oder der Blauglockenbaum. Die 2007 gegründete „Arbeitsgruppe Invasive Neobiota“ (AGIN) hat die Aufgabe, schweizweit ein gemeinsames Verständnis sowie einheitliche Definitionen festzulegen. Die Erkenntnisse müssen weitervermittelt werden, so dass der Handel, Gärtner oder Angestellte von Unterhaltsdiensten über das notwendige Wissen verfügen. Auch der Hobbygärtner steht in der Verantwortung. Der Autor hat sieben Regeln zum verantwortungsvollen Gärtnern zusammengestellt, die unter anderem an die Informationspflicht und den Verzicht auf das Anpflanzen oder das Entfernen solcher Arten appellieren oder dazu auffordern, wenigstens die Samenstände rechtzeitig zu entfernen und problematische Gartenabfälle richtig zu entsorgen (nicht auf dem eigenen Kompost).
Bei der Lektüre dieses ausgesprochen informativen Buches kommt der gärtnernde Leser nicht umhin, sich Gedanken über die Bepflanzung des eigenen Gartens zu machen. Welcher der aus verschiedenen (Spezial-)Gärtnereien aus Nah und Fern zusammengetragenen Pflanzenschätze könnte sich in Zukunft als lästig oder gar als richtige Plage erweisen? Vielleicht einer oder gleich alle drei der kürzlich erstandenen in unterschiedlichen Farben gemusterten Pflanzen der Gattung Trifolium (Klee, leider ohne Etikett)? Jedenfalls habe ich rückwirkend schon ein leicht schlechtes Gewissen beim Gedanken an die zahlreichen vor Jahren jeweils unwissentlich mit Vergnügen zerplatzten Samenstände der verschiedenen Springkrautarten, die mir auf Wanderungen oder beim Aufenthalt an Flüssen begegnet sind. Obwohl, verteilt hätten sich die Samen ja auch ohne mein Dazutun…
Ewald Weber:
Invasive Pflanzen der Schweiz erkennen und bekämpfen
Haupt Verlag, 2013
(*) Neophyt = Pflanzenart, die nach 1492 infolge Tätigkeit des Menschen absichtlich oder unabsichtlich ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes wild lebend aufgetreten ist und sich fortpflanzt
21. Mai 2013
Barbara O’Neal: Mit einer Prise Glück und Liebe
Ramona kämpft mit grossen finanziellen Schwierigkeiten. Immer wieder fressen kostspielige Reparaturen in ihrer Boulangerie Geld, das die geschiedene vierzigjährige Frau mit irischen Wurzeln dringend für andere Ausgaben benötigen würde. Sie steht vor der existentiellen Entscheidung, ob sie unter dem schützenden Dach der Familienfirmen Zuschlupf suchen soll oder nicht. Soll sie ihre Vorbehalte und ihren Stolz bei Seite schieben? Und als hätte sie nicht schon genug andere Sorgen, muss sie sich nachdem ihr Schwiegersohn schwer verunglückt ist und ihre hochschwangere Tochter zu ihm nach Deutschland geflogen ist, auch noch um ihre pubertierende Stiefenkelin Katie kümmern. Katie ist eine rebellische Dreizehnjährige, deren Mutter im Gefängnis sitzt. Zur gleichen Zeit trifft Ramona nach über fünfundzwanzig Jahren zufällig ihren Jugendfreund Jonah wieder, in dessen Plattenladen sie viele Nachmittage ihrer frühen Schwangerschaft verbracht hat.
Immer wieder hilft das Backen von Brot Ramona durch die Tiefen ihres Lebens und dabei, richtige Entscheidungen zu treffen. Sie findet im Teigkneten Trost und Kraft. Zum ersten Mal machte sie diese Erfahrung, als sie im Alter von fünfzehn Jahren schwanger war. Damals war sie monatelang in der Verbannung bei ihrer geliebten Tante Poppy. Diese hat ihr die Geheimnisse rund um die Pflege von Sauerteigen und Brot beigebracht und sie auch den den Unterschied zwischen wichtigen (Tomaten) und unwichtigen (Blumen) Pflanzen gelehrt.
Die Sache mit den Blumen fand bei Ramona, welche die verschwenderisch blühenden Schwertlilien ihrer Grossmutter vor Augen hatte, allerdings keine unbedingte Akzeptanz Und heute, als erwachsene Frau, findet sie im Garten, wo sie nach dem frühmorgendlichen Brotbacken bereits um fünf Uhr jätet und sich an ihrer üppigen Rosen- und Staudenpracht erfreut, etwas Ablenkung von ihren Sorgen und Zeit zum Nachdenken.
Ramonas Stiefenkelin Katie wird von ihrer Ersatzgrossmutter mit deren Blumenliebe angesteckt und blüht richtiggehend auf. Wie eine Pflanze, die endlich im richtigen Boden wächst, fängt sie an zu gedeihen und überlegt sogar, ob sie aus der Blumenzucht einen Beruf machen könnte. Die drogenabhängige Mutter des Mädchens nutzt die bedingungslose Loyalität ihrer Tochter bei jeder Gelegenheit hemmungslos aus und Katie hat früh gelernt, dass auf Erwachsene keinen Verlass ist. Und auch ihr neues Leben ist nicht frei von Enttäuschungen. Als der fest geplante Ausflug an eine Blumenausstellung ins Wasser fällt, fühlt sich Katie völlig vernachlässigt und in ihrer Meinung bestätigt, dass man niemandem vertrauen kann, und fährt ungefragt alleine hin.
Der englische Titel „How to bake a perfect life“ könnte passender nicht sein. Der feinfühlige Roman zeigt , dass zwischenmenschliche Beziehungen genau so sorgfältig gepflegt werden müssen wie Teigkulturen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dazwischen wird die Leserin in Ramonas Brotgeheimnisse samt den verschiedenen Schritten zum perfekten Teig eingeweiht. Von Barbara O’Neal habe ich bereits kürzlich einen Roman vorgestellt: The Garden of Happy Endings.
Barbara O’Neal:
Mit einer Prise Glück und Liebe
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012
Immer wieder hilft das Backen von Brot Ramona durch die Tiefen ihres Lebens und dabei, richtige Entscheidungen zu treffen. Sie findet im Teigkneten Trost und Kraft. Zum ersten Mal machte sie diese Erfahrung, als sie im Alter von fünfzehn Jahren schwanger war. Damals war sie monatelang in der Verbannung bei ihrer geliebten Tante Poppy. Diese hat ihr die Geheimnisse rund um die Pflege von Sauerteigen und Brot beigebracht und sie auch den den Unterschied zwischen wichtigen (Tomaten) und unwichtigen (Blumen) Pflanzen gelehrt.
Die Sache mit den Blumen fand bei Ramona, welche die verschwenderisch blühenden Schwertlilien ihrer Grossmutter vor Augen hatte, allerdings keine unbedingte Akzeptanz Und heute, als erwachsene Frau, findet sie im Garten, wo sie nach dem frühmorgendlichen Brotbacken bereits um fünf Uhr jätet und sich an ihrer üppigen Rosen- und Staudenpracht erfreut, etwas Ablenkung von ihren Sorgen und Zeit zum Nachdenken.
Ramonas Stiefenkelin Katie wird von ihrer Ersatzgrossmutter mit deren Blumenliebe angesteckt und blüht richtiggehend auf. Wie eine Pflanze, die endlich im richtigen Boden wächst, fängt sie an zu gedeihen und überlegt sogar, ob sie aus der Blumenzucht einen Beruf machen könnte. Die drogenabhängige Mutter des Mädchens nutzt die bedingungslose Loyalität ihrer Tochter bei jeder Gelegenheit hemmungslos aus und Katie hat früh gelernt, dass auf Erwachsene keinen Verlass ist. Und auch ihr neues Leben ist nicht frei von Enttäuschungen. Als der fest geplante Ausflug an eine Blumenausstellung ins Wasser fällt, fühlt sich Katie völlig vernachlässigt und in ihrer Meinung bestätigt, dass man niemandem vertrauen kann, und fährt ungefragt alleine hin.
Der englische Titel „How to bake a perfect life“ könnte passender nicht sein. Der feinfühlige Roman zeigt , dass zwischenmenschliche Beziehungen genau so sorgfältig gepflegt werden müssen wie Teigkulturen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dazwischen wird die Leserin in Ramonas Brotgeheimnisse samt den verschiedenen Schritten zum perfekten Teig eingeweiht. Von Barbara O’Neal habe ich bereits kürzlich einen Roman vorgestellt: The Garden of Happy Endings.
Barbara O’Neal:
Mit einer Prise Glück und Liebe
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012
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