8. April 2011

Adrian, der Tulpendieb

Schon lange stand dieser Roman rund um die Tulpenspekulationen in Holland Mitte des 17. Jahrhunderts auf meinem Wunschzettel. Nun ist das ansonsten nur noch antiquarisch erhältliche Buch im Muschel Verlag in der Reihe „Kleine Weltbibliothek der grossen Erzähler“ neu aufgelegt worden. Die Erstausgabe kam 1936 auf den Markt, angesichts der aktuellen Wirtschaftslage hat die Erzählung aber nichts an Aktualität eingebüsst und es können durchaus Parallelen zwischen dem Platzen der Tulpen-Spekulationsblase in Holland und der Finanzkrise gezogen werden. Vielleicht sollte die Geschichte vom traumhaften Aufstieg des Torfknechts Adrian zum Tulpenkönig für alle Wertpapierhändler zur Pflichtlektüre erklärt werden?

Für den Kaufmann und Schiffsbesitzer Hendrik van der Maasen fährt Adrian einen Torfkahn. Seit Wochen wartet sein Meister auf die Rückkehr der „Zuiderland“, doch das Schiff scheint verloren und mit ihm Vermögen und Wohlstand. Das hat zur Folge, dass Adrian um seinen Arbeitsplatz bangen muss, während rundherum Tulpenspekulanten ihre Säckel und Mägen füllen. Schliesslich reift in dem jungen Mann der Entschluss, wie viele andere auch sein Glück als Tulpist zu versuchen. Doch woher bekommt er ein Grundkapital, um Tulpen zu kaufen oder gar wertvolle Tulpenzwiebeln?

Adrians Aufstieg beginnt mit einem simplen Diebstahl und einem schlechten Gewissen, denn er tauscht im Garten seines Arbeitgebers drei Tulpenzwiebeln gegen Speisezwiebeln aus. Mit erstunken und erlogenen Geschichten über Herzogstulpen und Tulpenwürmer häuft der Knecht geschickt ein Vermögen an. Doch der erschlichene Reichtum macht den jungen Mann nicht glücklich und nicht zuletzt plagt ihn sein schlechtes Gewissen. Mit einem Auftritt als Scharlatan und Komödiant schafft er es aber schliesslich sogar, ein Exemplar der heissbegehrten „Semper Augustus“ in seinen Besitz zu bringen. Doch auch die Gegner der Tulpenspekulanten sind nicht untätig. Kann dieses Abenteuer zu einem glücklichen Ende führen oder heisst es schliesslich „wie gewonnen, so zerronnen“?

Dieser nicht nur zur Tulpenblüte lesenswerte historische Roman ist übrigens auch als Serie für das deutsche Fernsehen (ARD) verfilmt worden. 1966 war Premiere und es war seinerzeit die erste Fernsehserie, die komplett in Farbe ausgestrahlt wurde.



Otto Rombach:
Adrian, der Tulpendieb
Muschel Verlag, 2010

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