11. Juni 2011

Farbe im Garten – Von Pflanzenfarben und Färberpflanzen (Topiaria Helvetica 2011)

Unter dem Titel „Topiaria Helvetica“ erscheinen die Jahrbücher der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur SGGK und seit der Ausgabe 2010 werden diese auch über den Buchhandel vertrieben. Im Internet bin ich zwar schon gelegentlich über diese Publikationen gestolpert, richtig neugierig darauf bin ich aber erst geworden, als ich aufgrund des Sofagärtnerin-Portraits in der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" vom Verlag kontaktiert worden bin. So stelle ich nun hier das aktuelle Jahrbuch vor und in Kürze folgt ein Bericht über den Vorgängerband „Kulturtechniken – Gartenkunst und Gartenhandwerk“.

Die einen lieben ihre Gärten in allen grünen Schattierungen, andere komponieren mit verschiedenen Blütenfarben und versuchen vielleicht sogar, Vorbildern wie der Malerin und Gärtnerin Gertrude Jekyll oder Christopher Lloyd nachzueifern. Doch welche Rolle spielen Farben und ihre Wirkungen in der Gartengestaltung? Im Artikel „Farbe im Garten zwischen Colour and Paint“ wird näher auf das Phänomen Farbe eingegangen. Thematisiert werden die Farbenlehren der Moderne, aber auch die Farbtheorie von Isaac Newton aus dem Jahr 1672. Weitere Artikel handeln von Farbe und Nichtfarbe in der Gartenkunst, dem experimentellen Farbengarten an der ZÜGA 1933 und last but not least von Pflanzen für die Schön- und Schlechtfärberei.

Speziell interessant dünkte mich der Artikel über die Verwandlung vom farbigen Staudengarten zum grünen Altersgarten von Nicole Newmark. Dieser Garten ist ja aus dritter Sicht eben im neuen Buch "Die geheimen Gärten von Zürich" portraitiert worden. In „Farbe im Garten“ erfährt der interessierte Leser nun ausführlich wie dieser Garten in einer Grösse von 4000 m2 ab 1978 angelegt worden ist und im Laufe von verschiedenen durchgemachten Phasen die Anpflanzung fast unzählige Male verändert worden ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Lesen fast den Eindruck bekommen, dass Umgestalten beinahe so einfach ist wie des Zusammensetzen und Auseinanderklauben von Lego-Steinen. Spannend zu verfolgen ist auch die persönliche Entwicklung der Artikelverfasserin, die sich zunächst als einzige Amateurin ohne umfangreiches theoretisches Wissen zusammen mit Architekten, Landschaftsarchitekten und Kunsthistorikern im Vorstand der SGGK (Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur) wiederfand. Dieser Umstand spornte die ausgebildete Konferenzdolmetscherin an, diese Lücken zu schliessen und nach dem frühen Tod ihres Mannes machte sie ihre Lieblingsbeschäftigung gar zum Beruf. Sie bildete sich in Rapperswil zur Landschaftsarchitektin aus, und zwar unter der Ägide von Dieter Kienast, den sie bereits aus ihrer Vorstandstätigkeit bei der SGGK kannte.

Nicht minder spannend ist der Beitrag über ein Künstler-Garten-Buch des Zürcher Malers Robert Honegger mit dem Titel „Im Beet mit Robert, Flower Shower“. Das Bühnenbilderbuch besteht aus zwölf poetischen Bildern. Die Herstellung und ein paar Bilder des Pop-Up-Buches findet man hier. Leider habe ich beim Googeln nicht herausfinden können, ob das Buch gegebenenfalls noch käuflich ist und was es überhaupt kostet.

Ein sehr informatives Jahrbuch. Die Texte sind teilweise eher theoretisch, aber für den interessierten Laien unbedingt lesenswert.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2011 – Farbe im Garten: von Pflanzenfarben und Färberpflanzen
Vdf Hochschulverlag, 2011

Kommentare:

  1. Dein letzter Satz beschreibt die "Art" des Jahrbuchs treffend. Ich habe es auch. Während ein paar Jahren haben mich die Jahrbücher der SGGK begleitet. Dein beschriebenes ist nun das letzte in dieser Reihe.
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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