10. August 2016

Jim Crace: In Arkadien

Victors ganzes Leben hat sich rund um den Seifenmarkt abgespielt. Hat er als kleiner Junge die gekochten Eier seiner Tante auf dem Markt verkauft, kann er heute an seinem 80. Geburtstag auf ein ungewöhnliches und erfolgreiches Leben zurück- und vom 27. Stock seines Büros herab auf den städtischen Marktplatz blicken, der Teil seines Imperiums ist.

Zu den Eiern kamen schon bald einmal Früchte, Brot und Käse dazu. So hat sich Victor von ganz unten nach oben gearbeitet und verdient inzwischen in einer Viertelstunde den Wert eines Mittelklassewagens. Zu seinem Imperium gehören landwirtschaftliche Güter, Märkte, Firmenbeteiligungen und Büros. Trotz seinem immensen Reichtum ist er relativ bescheiden geblieben und seine Finanzberater versuchen schon lange vergeblich, seine Mittel gewinnbringender anzulegen. An seinem runden Geburtstag beschliesst er spontan, sein neues Lebensjahrzehnt mit einer neuen Aufgabe zu starten. Der alte offene Markt soll weichen und eine riesige Markthalle an seine Stelle treten. Damit erhält die Stadt ein modernes Zentrum und Victor kann dem "langen Victor" (so wird sein Hochhaus genannt) einen "kurzen Victor" zur Seite stellen.

Der hortikulturelle Anteil im Roman ist relativ bescheiden, wenn man von den Szenen absieht, die rund um das Gewächshaus auf dem Dach des 28stöckigen Gebäudes spielen, wo der alte Herr Blattläuse beobachtet und nicht ganz sicher ist, ob er die Pflanzen lieber mag oder die Insekten. Sogar einen Teich gibt es in luftiger Höhe, dessen Uferbepflanzung mit Sumpfdotterblumen und Schwertlilien gestaltet ist. Einen hölzernen Laubengang umschlingen Kletterhortensien, Geissblatt und wilder Wein. Victor will und braucht keine Familie und Freunde. Alle seine Probleme lassen sich - zumindest vermeintlich - mit Geld lösen und die zurückgezogene Lebensweise verhindert zwischenmenschliche Konflikte.

Der Roman ist in die vier Teile „Der Seifenmarkt“, „Milch und Honig“, „Victors Stadt“ und „Arkadien“ gegliedert und spielt in einer nicht genannten Stadt (oder ich habe den Namen überlesen). Die Geschichte erzählt die Entwicklung zur Grossstadt und wie Joseph mit dem Entscheid, sein Arkadien bauen zu lassen, in das Schicksal zweier Männer eingreift und deren Leben grundlegend verändert. Nämlich das seines Assistenten Rabe, der neben seinem eigentlichen Job den Händlern auf dem Markt regelmässig Honorare abknöpft, die in seinen eigenen Taschen fliessen, und das von Joseph, einem jungen Mann der sein Glück in der Stadt zu hoffen findet.



Jim Crace: 
In Arkadien 
Btb, 2000

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