Für eine Schulabschlussparty mit seinen Freunden hat sich Justin etwas Spezielles einfallen lassen. Er hat seinem Vater die Schlüssel für ein still gelegtes Bergwerk aus einer Schublade entwendet und sich so Zugang verschafft. Aus Spass wird schnelle bitterer Ernst, als zwei der vier jungen Leute in einen tiefen und dunklen Schacht abstürzen. Justin bleibt nichts Anderes übrig, als seinen Vater zu informieren. Dieser erinnert sich, dass die bekannte blinde Höhlenforscherin Tia Traveen zufälligerweise am selben Abend in der Nähe einen Vortrag gehalten hat und bittet sie um Hilfe.
Die siebenundzwanzigjährige Geologie- und Biochemiestudentin Tia Traveen ist seit einem Autounfall in ihrer Kindheit, bei welchem ihre Mutter ihr Leben verloren hat, blind. Ihre Sinnesorgane sind aussergewöhnlich ausgeprägt und sie findet unter Tag durch Gerüche, Echo, Gehör und vor allem die Sinneseindrücke, die sie über ihre Haut aufnimmt, ihren Weg. Gleichzeitig verfügt sie über ein enormes praktisches und theoretisches Wissen rund um Höhlen und deren unterirdische Bewohner, den Pflanzen, Tieren und Pilzen.
Justins Vater Jörn Bringshaus hat noch andere Gründe, die Geschehnisse im alten Bergwerk möglichst zu vertuschen, als die unmittelbaren Konsequenzen der unüberlegten Handlung seines Sohnes. Er erklärt sich einverstanden, dass sein Geschäftspartner Böttcher parallel zur verlaufenden Rettungsaktion unbemerkt einen Wassertank öffnet, um ein altes Geheimnis für immer geheim bleiben zu lassen. Doch die Rettung zieht sich länger hin, als zunächst gehofft werden konnte, und forciert durch den zusätzlichen Wasserzufluss stürzt der Schachteingang ein.
Zusammen mit Tia Traveen, ihrem Assistenten Leon und der in einem Felsspalt eingeklemmten Dana steckt auch Justin fest, der wieder in den Stollen gestiegen ist, um seine Freundin zu retten. Der vermeintlich relativ einfache Rückweg ist somit versperrt, und ausserdem droht die eingeklemmte Dana zu ertrinken, wenn sie nicht rasch möglichst aus ihrer gefährlichen Lage befreit werden kann.
Es beginnt ein Rennen nicht nur gegen die Zeit, sondern auch gegen einen skrupellosen Geschäftsmann, der sogar die Rettungskräfte in eine falsche Richtung lotst. Mangels Licht sind die die drei Sehenden in der Dunkelheit unbeholfener als Tia Traveen. Eine zusätzliche Herausforderung stellt ein Pilz dar, der die Höhle durchwuchert und rasant wächst rasant, auch auf Menschen. Gleichzeitig dient er aber auch als Wegweiser nach Draussen.
Vor dem Eingang des stillgelegten Bergwerks steht auch Carolin Frey, eine Lokaljournalistin mit hohem Anspruch an Würde, aber Mangel an nötigem Biss. Sie hat den Vortrag von Tia Traveen persönlich verfolgt und ist auf dem Heimweg auf Geheiss ihres Vorgesetzten den Blaulichtern der Feuerwehr gefolgt und vor dem Stolleneingang wieder auf Tia gestossen. Bruchstücke von Funksprüchen veranlassen sie, nach Pilzen zu recherchieren.
Die über 350 Seiten des Thrillers spielen sich mehrheitlich in wenigen Stunden ab. Stunden, in denen sich das Leben der beteiligten Personen für immer verändert. Die hyperängstliche Dana, die nichts mehr fürchtet als Dunkelheit, lernt ihre Stärken kennen, Jörn Bringshaus macht reinen Tisch und auch Leon findet endlich den Mut, zu seinen Gefühlen zu stehen und über allen schwebt ein gesundheitliches Risiko.
Der Autor beschreibt die Szenen dermassen detailliert, dass man sich das Geschehen deutlich vorstellen kann. Unterstützt wurde mein Vorstellungsvermögen durch den letztjährigen Besuch im ebenfalls stillgelegten Röhrigschacht in der Rosenstadt Sangerhausen. Dort sind wir zwar keinen Fässern mit dreieckigen Gefahrensymbolen und anderen schauerlichen Dingen begegnet, aber spannend war es trotzdem.
Der Roman hat nicht nur ein beeindruckendes Cover, das mich hauptsächlich zum Kauf animiert hat, er ist vor allem sehr spannend geschrieben, obwohl mich die an einem Helfersyndrom leidende Tia etwas gar perfekt dünkt, und vermittelt auch einiges Wissen rund um Pilze. Wie etwa die Information über ein Exemplar in einem amerikanischen Nationalpark, dessen Myzel etwa neun Quadratkilometer Waldboden durchzieht, 500 Tonnen schwer und mindestens 2000 Jahre alt ist sowie interessante Zeilen über strahlenabsorbierende Pilze.
Andreas Laudan:
Das Geflecht
Rowohlt Taschenbuch-Verlag, 2012
20. April 2016
10. April 2016
Patsy Collins: Up the Garden Path – Short Stories
„Up the Garden Path“ ist eine Kollektion von vierundzwanzig Kurzgeschichten rund um den Garten – mal überraschend, mal herzerwärmend, mal amüsant.
Hier eine Auswahl aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Going Green
- Winter Damage
- Blooming Talent
- Flowers for Milly
- Nice Weather for it
- Strawberry Jam
Da geht es etwa um einen Baum und eine Frau, die parallel eine schwere Zeit durchmachen. Im selben Sturm, in dem ihr Mann bei einem Unfall ums Leben kam, wurde der stolze Baum schwer beschädigt. Für Mensch und Baum gibt es eine Zukunft: die Frau bemerkt ihre Schwangerschaft und gleichzeitig treibt der Baum wieder aus. Eine andere junge und einsame Frau findet nach einer grossen Enttäuschung einen neuen Lebensinhalt in einem Schrebergarten, den sie gar nicht mehr will, und eine dritte Frau entscheidet sich für die erfolgreiche Selbständigkeit, nachdem ihr Vorgesetzter einfach immer alles besser zu wissen glaubt. Zwei andere Frauen, die beide den gleichen Mann lieben, finden durch den Garten (endlich) ein gemeinsames Interesse, als sich die Schwiegertochter durchs Paradies ihrer Schwiegermutter führen lässt.
Eine Mutter glaubt im Nachbarhaus gehe Ungesetzliches vor sich, dabei müsste sie gar nicht aus dem Fenster schauen, sondern in der eigenen Wohnung nach dem Rechten sehen. Ist ein oft lebensmüder Grossvater der richtige Umgang für den kleinen Enkel? Was, wenn Enkel und/oder Grossvater vom Baum fallen? In „Nice Weather for it“ geht es um richtige oder eben unterschiedliche Betrachtungsweisen, während in „Organised“ ein Mann, der kürzlich vom Arbeits- ins Pensioniertenleben gewechselt hat, seine Ehefrau mit der Umstrukturierung des angeblich unorganisierten, aber bisher perfekt funktionierenden Haushalts zur Weissglut treibt.
Die kurzweiligen, einen weiten Themenbogen umspannenden Geschichten, die als Gemeinsamkeit immer einen hortikulturellen Hintergrund haben, erinnern mich an die beiden vor Jahren gelesenen Büchlein von George M. Flynn („Maggie’s Heart and Other Stories“ und „Twilight Journey and Other Stories“) und „Seedfolks“ von Paul Fleischmann. Bei dieser Gelegenheit sei wieder einmal auf Greenprints hingewiesen, ein kleines, aber feines Magazin, das vierteljährlich erscheint und Garten- und Gärtnerkurzgeschichten aus dem wahren Leben veröffentlicht.
Patsy Collins:
Up the Garden Path – Short Stories
Alfie Dog, 2013
Link zur Webseite von Greenprints
Hier eine Auswahl aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Going Green
- Winter Damage
- Blooming Talent
- Flowers for Milly
- Nice Weather for it
- Strawberry Jam
Da geht es etwa um einen Baum und eine Frau, die parallel eine schwere Zeit durchmachen. Im selben Sturm, in dem ihr Mann bei einem Unfall ums Leben kam, wurde der stolze Baum schwer beschädigt. Für Mensch und Baum gibt es eine Zukunft: die Frau bemerkt ihre Schwangerschaft und gleichzeitig treibt der Baum wieder aus. Eine andere junge und einsame Frau findet nach einer grossen Enttäuschung einen neuen Lebensinhalt in einem Schrebergarten, den sie gar nicht mehr will, und eine dritte Frau entscheidet sich für die erfolgreiche Selbständigkeit, nachdem ihr Vorgesetzter einfach immer alles besser zu wissen glaubt. Zwei andere Frauen, die beide den gleichen Mann lieben, finden durch den Garten (endlich) ein gemeinsames Interesse, als sich die Schwiegertochter durchs Paradies ihrer Schwiegermutter führen lässt.
Eine Mutter glaubt im Nachbarhaus gehe Ungesetzliches vor sich, dabei müsste sie gar nicht aus dem Fenster schauen, sondern in der eigenen Wohnung nach dem Rechten sehen. Ist ein oft lebensmüder Grossvater der richtige Umgang für den kleinen Enkel? Was, wenn Enkel und/oder Grossvater vom Baum fallen? In „Nice Weather for it“ geht es um richtige oder eben unterschiedliche Betrachtungsweisen, während in „Organised“ ein Mann, der kürzlich vom Arbeits- ins Pensioniertenleben gewechselt hat, seine Ehefrau mit der Umstrukturierung des angeblich unorganisierten, aber bisher perfekt funktionierenden Haushalts zur Weissglut treibt.
Die kurzweiligen, einen weiten Themenbogen umspannenden Geschichten, die als Gemeinsamkeit immer einen hortikulturellen Hintergrund haben, erinnern mich an die beiden vor Jahren gelesenen Büchlein von George M. Flynn („Maggie’s Heart and Other Stories“ und „Twilight Journey and Other Stories“) und „Seedfolks“ von Paul Fleischmann. Bei dieser Gelegenheit sei wieder einmal auf Greenprints hingewiesen, ein kleines, aber feines Magazin, das vierteljährlich erscheint und Garten- und Gärtnerkurzgeschichten aus dem wahren Leben veröffentlicht.
Patsy Collins:
Up the Garden Path – Short Stories
Alfie Dog, 2013
Link zur Webseite von Greenprints
1. April 2016
Annette Dutton: Das Geheimnis jenes Tages
In diesem in zwei Erzählsträngen aufgebauten Roman finden sich zwischen den beiden Ebenen etliche Parallelen: schwierige Mutter-/Tochterbeziehungen, deutsche Frauen in Australien, Verbrechen und ein naturwissenschaftlicher Hintergrund.
Deutsche Forscher sollen im 19. Jahrhundert unrechtmässig Skelette von Aborigines an sich gebracht und nach Deutschland geschickt haben. Eines dieser Gebeine weist ein Schussloch auf. Wurde der Ureinwohner um der Forschung willen ermordet? Die Archäologie-Professorin Nadine bringt ein Artefakt zurück nach Australien. Zusammen mit ihrer Tochter fliegt sie auf den fünften Kontinent, wo Alina mit einer Freundin ein paar Monate herumreisen will, während die Mutter wieder heimkehrt.
Nach ein paar Tagen gehen Mutter und Tochter wie geplant getrennte Wege. Doch noch vor Nadines vorgesehenem Rückflug nach Europa bricht der Kontakt zu Alina ab. Weder deren Freundin noch sie selber können sie erreichen. Die junge Frau scheint wie vom Erdboden verschluckt und die eingeschaltete Polizei will erst nach vier Wochen Nachforschungen unternehmen.
Wo steckt Alina? Ist sie entführt worden oder hat sie sich, wie die Polizei vermutet, einfach für eine Weile zurückgezogen? Nadine kann und will nicht einfach tatenlos herumsitzen, und plötzlich bietet sich ihr völlig unerwartete Hilfe an. Als Jugendliche hat sie schon einmal einen nahestehenden Menschen verloren und trägt noch heute schwer an ihrer Schuld. So nimmt sie das Angebot als rettenden Strohhalm an, ohne zu ahnen, dass sie sich dahinter eine gemeine Falle verbirgt.
Bereits rund 150 Jahre früher hat sich eine Deutsche auf den Weg nach Australien gemacht, nämlich die Pflanzen- und Tierforscherin Amalie. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Frau hat zwar keine akademische Ausbildung, aber ein immenses Wissen, das ihr von ihrem Mann, dem Apotheker und Botaniker Wilhelm Dietrich, vermittelt worden ist. Obwohl die beiden eine kleine Tochter, Charitas, haben, ziehen sie regelmässig wochen- und monatelang herum; einerseits um ihre Sammlungen zu verkaufen und anderseits um neues Pflanzen- und Insektenmaterial zu beschaffen.
Der Vater kann mit Charitas nichts anfangen. Er hat sich immer einen Sohn gewünscht. Amalie unterrichtet die Tochter von klein auf und bringt ihr die Namen, Klassen und Ordnungen im Pflanzen- und Tierreich bei, aber der Samen keimt nicht richtig in dieser nächsten Generation. Wilhelm selber ist hauptsächlich mit sich selber beschäftigt und um seine eigenen Bedürfnisse und seinen guten Ruf besorgt. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, lässt er seine Frau schuften und die Verantwortung tragen.
Nach der Trennung des Ehepaars erhält Amalie die Chance, für ein Hamburger Privatmuseum während zehn Jahren in Australien Pflanzen und Tiere zu sammeln, zu präparieren und zu verschiffen. Einmal mehr muss Charitas abgeschoben und ein Platz für das Mädchen gesucht werden. Während einem langen Jahrzehnt besteht der einzige Kontakt in gegenseitigen Briefen. Charitas berichtet über ihren Trennungsschmerz, ihre Ausbildung, während die Mutter und Forscherin detailliert über ihre Tätigkeit sowie über Flora und Fauna berichtet und ihre Tochter.
Ein Roman, in den die Autorin geschichtliche Elemente mit dichterischer Freiheit eingebaut hat, und zwar sowohl den Lebenslauf von Amalie Dietrich als auch die grausamen Verbrechen eines Australiers, der als Rucksackmörder bekannt und verurteilt wurde. Den Handlungsablauf fand ich teilweise unlogisch, doch hat dies der Spannung im Teil rund um Nadine nicht wirklich geschadet. Während der aktuelle Erzählstrang eher kurz abgefasst ist, hat die Autorin den historischen Teil mit seiner Korrespondenz sehr ausführlich gehalten. Interessierte finden im Anhang weitere Informationen aus den „richtigen“ Leben der Amalie Dietrich und des Rucksackmörders.
Annette Dutton:
Das Geheimnis jenes Tages
Knaur Taschenbuch, 2015
Deutsche Forscher sollen im 19. Jahrhundert unrechtmässig Skelette von Aborigines an sich gebracht und nach Deutschland geschickt haben. Eines dieser Gebeine weist ein Schussloch auf. Wurde der Ureinwohner um der Forschung willen ermordet? Die Archäologie-Professorin Nadine bringt ein Artefakt zurück nach Australien. Zusammen mit ihrer Tochter fliegt sie auf den fünften Kontinent, wo Alina mit einer Freundin ein paar Monate herumreisen will, während die Mutter wieder heimkehrt.
Nach ein paar Tagen gehen Mutter und Tochter wie geplant getrennte Wege. Doch noch vor Nadines vorgesehenem Rückflug nach Europa bricht der Kontakt zu Alina ab. Weder deren Freundin noch sie selber können sie erreichen. Die junge Frau scheint wie vom Erdboden verschluckt und die eingeschaltete Polizei will erst nach vier Wochen Nachforschungen unternehmen.
Wo steckt Alina? Ist sie entführt worden oder hat sie sich, wie die Polizei vermutet, einfach für eine Weile zurückgezogen? Nadine kann und will nicht einfach tatenlos herumsitzen, und plötzlich bietet sich ihr völlig unerwartete Hilfe an. Als Jugendliche hat sie schon einmal einen nahestehenden Menschen verloren und trägt noch heute schwer an ihrer Schuld. So nimmt sie das Angebot als rettenden Strohhalm an, ohne zu ahnen, dass sie sich dahinter eine gemeine Falle verbirgt.
Bereits rund 150 Jahre früher hat sich eine Deutsche auf den Weg nach Australien gemacht, nämlich die Pflanzen- und Tierforscherin Amalie. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Frau hat zwar keine akademische Ausbildung, aber ein immenses Wissen, das ihr von ihrem Mann, dem Apotheker und Botaniker Wilhelm Dietrich, vermittelt worden ist. Obwohl die beiden eine kleine Tochter, Charitas, haben, ziehen sie regelmässig wochen- und monatelang herum; einerseits um ihre Sammlungen zu verkaufen und anderseits um neues Pflanzen- und Insektenmaterial zu beschaffen.
Der Vater kann mit Charitas nichts anfangen. Er hat sich immer einen Sohn gewünscht. Amalie unterrichtet die Tochter von klein auf und bringt ihr die Namen, Klassen und Ordnungen im Pflanzen- und Tierreich bei, aber der Samen keimt nicht richtig in dieser nächsten Generation. Wilhelm selber ist hauptsächlich mit sich selber beschäftigt und um seine eigenen Bedürfnisse und seinen guten Ruf besorgt. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, lässt er seine Frau schuften und die Verantwortung tragen.
Nach der Trennung des Ehepaars erhält Amalie die Chance, für ein Hamburger Privatmuseum während zehn Jahren in Australien Pflanzen und Tiere zu sammeln, zu präparieren und zu verschiffen. Einmal mehr muss Charitas abgeschoben und ein Platz für das Mädchen gesucht werden. Während einem langen Jahrzehnt besteht der einzige Kontakt in gegenseitigen Briefen. Charitas berichtet über ihren Trennungsschmerz, ihre Ausbildung, während die Mutter und Forscherin detailliert über ihre Tätigkeit sowie über Flora und Fauna berichtet und ihre Tochter.
Ein Roman, in den die Autorin geschichtliche Elemente mit dichterischer Freiheit eingebaut hat, und zwar sowohl den Lebenslauf von Amalie Dietrich als auch die grausamen Verbrechen eines Australiers, der als Rucksackmörder bekannt und verurteilt wurde. Den Handlungsablauf fand ich teilweise unlogisch, doch hat dies der Spannung im Teil rund um Nadine nicht wirklich geschadet. Während der aktuelle Erzählstrang eher kurz abgefasst ist, hat die Autorin den historischen Teil mit seiner Korrespondenz sehr ausführlich gehalten. Interessierte finden im Anhang weitere Informationen aus den „richtigen“ Leben der Amalie Dietrich und des Rucksackmörders.
Annette Dutton:
Das Geheimnis jenes Tages
Knaur Taschenbuch, 2015
20. März 2016
Santa Montefiore: The Mermaid Garden oder Der Zypressengarten
Zwei Handlungsstränge führen durch diesen Roman. Mitte der sechziger Jahre im letzten Jahrhundert versucht das Mädchen Floriana immer wieder, durchs Tor einen Blick auf das Gelände „La Magdalena“ zu werfen, das einer der reichsten italienischen Familien gehört. Gut versteckt hinter hohen Hecken liegt ein wunderschöner, aber für sie unerreichbarer Garten. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Floriana stellt sich immer wieder vor, sie selber spaziere in wunderschönen Kleidern zusammen mit ihrer Mutter über die Kieswege, vorbei an Marmorstatuen, riesigen Pinien, perfekt geschnittenem Buchs und einem ummauerten Gemüse-Garten.
Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Das junge Mädchen lebt allein mit seinem alkoholkranken Vater, der rein gar nichts auf die Reihe kriegt. Die Mutter hat Mann und Tochter zusammen mit Florianas jüngerem Bruder schon vor Jahren verlassen. Sie ist mit einem Tomatenverkäufer durchgebrannt und hat den Kontakt zur Familie rigoros abgebrochen.
Eines Tages wird das Mädchen von Dante, dem Sohn des Hauses, überrascht und in den Garten gebeten. Daraus entsteht eine jahrelange Freundschaft und Floriana ist trotz ihrer gar nicht standesgemässen Herkunft zusammen mit ihrer Freundin aus adeligem Haus ein regelmässiger und gern gesehen Gast.
Im Jahr 2005 versucht die verzweifelte Mitfünfzigerin Marina alles, um ihr geliebtes Hotel Polzanze, das sich in finanzieller Schieflage befindet, attraktiver zu machen. So wird ein Künstler engagiert, der während den Sommermonaten interessierten Gästen Malstunden geben soll. Das idyllisch gelegene Hotel, das sich seit achtzehn Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet, ist von exotischen Bäumen umgeben und mit Weinreben berankt. Idyllische Motive gibt es also in Hülle und Fülle, doch die Meinungen über den Nutzen der Anstellung eines Künstlers sind geteilt. Der engagierte Argentinier kommt nicht nur bei den Gästen sehr gut an. Doch nicht nur er trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum.
Von Sante Montefiore habe ich das Buch "The French Gardener" in sehr positiver Erinnerung. Dieses Buch hingegen hat mich über weite Teile gelangweilt. Die Handlung ist weitgehend vorhersehbar, erst gegen Schluss hat mich die Erzählkunst der Autorin wieder mehr überzeugt.
Santa Montefiore:
The Mermaid Garden
Touchstone, 2012
Der Zypressengarten
Weltbild Verlag, 2013
Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Das junge Mädchen lebt allein mit seinem alkoholkranken Vater, der rein gar nichts auf die Reihe kriegt. Die Mutter hat Mann und Tochter zusammen mit Florianas jüngerem Bruder schon vor Jahren verlassen. Sie ist mit einem Tomatenverkäufer durchgebrannt und hat den Kontakt zur Familie rigoros abgebrochen.
Eines Tages wird das Mädchen von Dante, dem Sohn des Hauses, überrascht und in den Garten gebeten. Daraus entsteht eine jahrelange Freundschaft und Floriana ist trotz ihrer gar nicht standesgemässen Herkunft zusammen mit ihrer Freundin aus adeligem Haus ein regelmässiger und gern gesehen Gast.
Im Jahr 2005 versucht die verzweifelte Mitfünfzigerin Marina alles, um ihr geliebtes Hotel Polzanze, das sich in finanzieller Schieflage befindet, attraktiver zu machen. So wird ein Künstler engagiert, der während den Sommermonaten interessierten Gästen Malstunden geben soll. Das idyllisch gelegene Hotel, das sich seit achtzehn Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet, ist von exotischen Bäumen umgeben und mit Weinreben berankt. Idyllische Motive gibt es also in Hülle und Fülle, doch die Meinungen über den Nutzen der Anstellung eines Künstlers sind geteilt. Der engagierte Argentinier kommt nicht nur bei den Gästen sehr gut an. Doch nicht nur er trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum.
Von Sante Montefiore habe ich das Buch "The French Gardener" in sehr positiver Erinnerung. Dieses Buch hingegen hat mich über weite Teile gelangweilt. Die Handlung ist weitgehend vorhersehbar, erst gegen Schluss hat mich die Erzählkunst der Autorin wieder mehr überzeugt.
Santa Montefiore:
The Mermaid Garden
Touchstone, 2012
Der Zypressengarten
Weltbild Verlag, 2013
10. März 2016
Michael K. Chapman: A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Zwei Arbeitslose ohne grosse Hoffnung auf eine neue feste Anstellung beschliessen nach ein paar getrunkenen Bieren, ein eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen, um endlich reich zu werden. Anscheinend sind weder besondere Fähigkeiten noch Erfahrungen vorhanden, ja der Autor schreibt sogar von mangelnder Intelligenz. Der Anblick ungepflegter Gärten in der Umgebung führt schliesslich zur Idee, sich als mobile Gärtner zu betätigen.
Das Startkapital ist dürftig und besteht aus einem Fahrzeug, einem Rasenmäher, rostigem Werkzeug und zwei mehr oder weniger motivierten Männer, von denen einer über wenig und der andere nahezu über kein hortikulturelles Basiswissen verfügt. Diese Prämissen in Kombination mit einem britischen Autor lassen ein humoriges englisches Buch erwarten. Leider ist dem nicht so, da diese Publikation aus dem Eigenverlag durch die Überarbeitung durch ein professionelles Lektorat nur gewinnen könnte. Schon die Anzahl der am Anfang des Buches aufgeführten Kapitel stimmt nicht mit dem eigentlichen Inhalt überein.
Aber zunächst wundert sich die Leserin ob der Blauäugigkeit mit der hier ans Werk gegangen wird und fragt sich mehr als einmal, ob die Geschichten vielleicht nicht doch erfunden sind. Der Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist eher suboptimal. Es ist nämlich Herbst, als der „Green Fingers - Mobile Gardening and Landscaping Service“ seine Tätigkeit aufnimmt.
Der Geschäftspartner zieht sich schon im ersten Winter wieder zurück, weil die Tätigkeiten sich als zu anstrengend und zu unbequem herausstellen. Damit ist auch das gärtnerische Wissen aus dem Betrieb verschwunden, denn der Ich-Erzähler kennt zwar Löwenzahn, kann aber praktisch kein Unkraut vom anderen unterscheiden und hat auch keine Ahnung, welche Sämlinge er stehen lassen soll. Die Aufträge (Anzahl steigend) müssen trotzdem erledigt werden, so dass eine Hilfskraft eingestellt wird, deren Wissen über Grünzeug jenes des Vorgesetzten tatsächlich noch unterschreitet. Aber beide Männer sind grosse Chrampfer und so begleitet die Leserin den Ich-Erzähler durch die nicht ganz klare Anzahl von Kapiteln mit Titeln wie „First Customer“, „Celebrity Client“, „Snakes alive“ und „Retired Boredom“.
Mal soll ein verunkrautetes Beet unbedingt bei Frost und stark gefrorenen Boden gejätet werden, ein anderes Mal steht ein Heckenschnitt entlang einer stark befahrenen Strasse an, der kurzentschlossen auf dem Fahrzeug stehend ausgeführt wird. Zuweilen ist nicht nur von unüberlegten Aktionen, sondern von richtig dummen und ausserordentlich gefährlichen Unternehmungen die Rede. Aber wie heisst es so schön: „New Gardeneres Learn by Trowel and Error“.
Auch Kunden können merkwürdig sein. Ein regelmässiger Auftrag geht auf die Langeweile eines frisch Pensionierten zurück, der jeweils stundenlang überlegt, welche Arbeiten er überhaupt zu vergeben hat. Eigentlich gibt es nämlich gar nichts zu erledigen, aber der Klient vermisst das Befehlen und Delegieren aus seiner beruflichen Tätigkeit. In einem anderen Kapitel erinnert sich der Erzähler an eine Kundin, die ihm wegen einem finanziellen Engpass vorschlug, als Bezahlung das Boot ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen.
Eine andere Kundin bietet früh an, ihr eigenes gärtnerisches Wissen an die "Green Fingers" weiterzuvermitteln. Das scheint sehr nützlich gewesen zu sein, denn das Geschäft hat über ein Jahrzehnt floriert, wenn der Gründer wohl auch nicht Millionär geworden ist. Und die Geschäftsaufgabe war übrigens auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen.
Michael K. Chapman:
A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Eigenverlag, 2013
Das Startkapital ist dürftig und besteht aus einem Fahrzeug, einem Rasenmäher, rostigem Werkzeug und zwei mehr oder weniger motivierten Männer, von denen einer über wenig und der andere nahezu über kein hortikulturelles Basiswissen verfügt. Diese Prämissen in Kombination mit einem britischen Autor lassen ein humoriges englisches Buch erwarten. Leider ist dem nicht so, da diese Publikation aus dem Eigenverlag durch die Überarbeitung durch ein professionelles Lektorat nur gewinnen könnte. Schon die Anzahl der am Anfang des Buches aufgeführten Kapitel stimmt nicht mit dem eigentlichen Inhalt überein.
Aber zunächst wundert sich die Leserin ob der Blauäugigkeit mit der hier ans Werk gegangen wird und fragt sich mehr als einmal, ob die Geschichten vielleicht nicht doch erfunden sind. Der Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist eher suboptimal. Es ist nämlich Herbst, als der „Green Fingers - Mobile Gardening and Landscaping Service“ seine Tätigkeit aufnimmt.
Der Geschäftspartner zieht sich schon im ersten Winter wieder zurück, weil die Tätigkeiten sich als zu anstrengend und zu unbequem herausstellen. Damit ist auch das gärtnerische Wissen aus dem Betrieb verschwunden, denn der Ich-Erzähler kennt zwar Löwenzahn, kann aber praktisch kein Unkraut vom anderen unterscheiden und hat auch keine Ahnung, welche Sämlinge er stehen lassen soll. Die Aufträge (Anzahl steigend) müssen trotzdem erledigt werden, so dass eine Hilfskraft eingestellt wird, deren Wissen über Grünzeug jenes des Vorgesetzten tatsächlich noch unterschreitet. Aber beide Männer sind grosse Chrampfer und so begleitet die Leserin den Ich-Erzähler durch die nicht ganz klare Anzahl von Kapiteln mit Titeln wie „First Customer“, „Celebrity Client“, „Snakes alive“ und „Retired Boredom“.
Mal soll ein verunkrautetes Beet unbedingt bei Frost und stark gefrorenen Boden gejätet werden, ein anderes Mal steht ein Heckenschnitt entlang einer stark befahrenen Strasse an, der kurzentschlossen auf dem Fahrzeug stehend ausgeführt wird. Zuweilen ist nicht nur von unüberlegten Aktionen, sondern von richtig dummen und ausserordentlich gefährlichen Unternehmungen die Rede. Aber wie heisst es so schön: „New Gardeneres Learn by Trowel and Error“.
Auch Kunden können merkwürdig sein. Ein regelmässiger Auftrag geht auf die Langeweile eines frisch Pensionierten zurück, der jeweils stundenlang überlegt, welche Arbeiten er überhaupt zu vergeben hat. Eigentlich gibt es nämlich gar nichts zu erledigen, aber der Klient vermisst das Befehlen und Delegieren aus seiner beruflichen Tätigkeit. In einem anderen Kapitel erinnert sich der Erzähler an eine Kundin, die ihm wegen einem finanziellen Engpass vorschlug, als Bezahlung das Boot ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen.
Eine andere Kundin bietet früh an, ihr eigenes gärtnerisches Wissen an die "Green Fingers" weiterzuvermitteln. Das scheint sehr nützlich gewesen zu sein, denn das Geschäft hat über ein Jahrzehnt floriert, wenn der Gründer wohl auch nicht Millionär geworden ist. Und die Geschäftsaufgabe war übrigens auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen.
Michael K. Chapman:
A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Eigenverlag, 2013
1. März 2016
Werner Färber: Baumkiller
Immer wieder kommt es vor, dass Landbesitzer ausgewachsene Bäume mit schützenswertem Stammumfang von ihrem Grundstück entfernen wollen, ohne im Besitz einer behördlichen Genehmigung zu sein. Was tun, wenn man der Sicht auf die Elbe mehr Priorität einräumt, als dem Erhalt eines gesunden, schön gewachsenen Baumes, von dem (leider) keinerlei Gefahr ausgeht? Für fast jedes Problem gibt eine Lösung und das Umgehen der Gesetze oder diesbezüglichen lokalen Vorschriften lässt sich delegieren. Im Hamburg-Krimi „Baumkiller“ versuchen die drei jungen Landschaftsgärtner Hanno, Yannick und Boris verzweifelt, ihr Kleinunternehmern am Überleben zu halten. Schon wiederholt sind sie nur knapp am Konkurs vorbeigeschlittert. Und dies nur, weil die drei Partner, die sich eigentlich als Naturschützer verkaufen wollen, immer mal wieder illegale Baumfällungen durchgeführt haben.
Jetzt endlich scheint der Betrieb dank eines regelmässigen Auftrags für die Pflege einer öffentlichen Kastanien-Allee, die mit Miniermotten befallen ist, vorerst gut aufgestellt zu sein. Just in diesem Moment wird einer der drei jungen Männer, nämlich Hanno, erhängt in einem Baum auf dem Altonaer Hauptfriedhof gefunden. Nicht nur berufliche Probleme halten oder hielten die Männer auf Trab, gleich zwei von Ihnen haben sich kürzlich von ihrer Lebensgefährtin getrennt.
Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Yannick hat die Umweltaktivistin Lea nichts mehr von ihrem Ex-Freund gehört. Nun meldet sich der junge Mann plötzlich bei der Fünfundzwanzigjährigen und berichtet ihr von Hannos Selbstmord. Nach der Trennung von seiner Frau war Hanno oft melancholisch, doch er war auch derjenige der drei Landschaftsgärtner, der die ständigen Geldsorgen immer verharmlost hat. Ein Selbstmord scheint so gar nicht zu seinem Charakter zu passen. Nachdem sich Lea mit Yannick verabredet hat, schaut sie im Internet, ob schon Informationen über den Todesfall zu finden sind. Und tatsächlich entdeckt sie ein Foto vom verstorbenen Hanno und glaubt, darauf verschiedene Ungereimtheiten auszumachen. Besonders entsetzt ist sie aber über den Fakt, dass der tote junge Mann erkannt werden kann. Als Yannick ihr bei einer polizeilichen Befragung überfallartig ein falsches Alibi abnötigt, wird sie noch neugieriger, was hinter dem mysteriösen Todesfall steckt.
Lea glaubt keine Sekunde, dass Yannick ein Mörder ist, möchte aber herausfinden, welche Bewegründe hinter dem falschen Alibi stecken. Die junge Frau ist selber ein schwieriger Charakter. Der Autor beschreibt die selbständige Webdesignerin sehr detailliert; ihre Gedanken und Handlungen werden oft fast minutiös dargelegt – oft wäre weniger mehr gewesen. Als Jugendliche war Lea sehr aufmüpfig und sie verfügt nicht nur aus jener Zeit über hinreichende Erfahrungen mit der Polizei. Sie ist auch schon als gewaltbereit aufgefallen und als Umweltaktivistin ist sie oft an waghalsigen Aktionen beteiligt. Natürlich hat sie ihre Prinzipien auch verteidigt, als sie von den illegalen Baumfällungen von Yannick und seinen Partnern erfahren hat. Diese waren zwar nicht der Trennungsgrund, aber natürlich Anlass für Diskussionen und Streitereien. Auch Leas Nachforschungen in Sachen „Baumkiller“ bringen sie wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihre einschlägigen Erfahrungen von Nutzen sind.
Werner Färber:
Baumkiller
Gmeiner-Verlag, 2015
Jetzt endlich scheint der Betrieb dank eines regelmässigen Auftrags für die Pflege einer öffentlichen Kastanien-Allee, die mit Miniermotten befallen ist, vorerst gut aufgestellt zu sein. Just in diesem Moment wird einer der drei jungen Männer, nämlich Hanno, erhängt in einem Baum auf dem Altonaer Hauptfriedhof gefunden. Nicht nur berufliche Probleme halten oder hielten die Männer auf Trab, gleich zwei von Ihnen haben sich kürzlich von ihrer Lebensgefährtin getrennt.
Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Yannick hat die Umweltaktivistin Lea nichts mehr von ihrem Ex-Freund gehört. Nun meldet sich der junge Mann plötzlich bei der Fünfundzwanzigjährigen und berichtet ihr von Hannos Selbstmord. Nach der Trennung von seiner Frau war Hanno oft melancholisch, doch er war auch derjenige der drei Landschaftsgärtner, der die ständigen Geldsorgen immer verharmlost hat. Ein Selbstmord scheint so gar nicht zu seinem Charakter zu passen. Nachdem sich Lea mit Yannick verabredet hat, schaut sie im Internet, ob schon Informationen über den Todesfall zu finden sind. Und tatsächlich entdeckt sie ein Foto vom verstorbenen Hanno und glaubt, darauf verschiedene Ungereimtheiten auszumachen. Besonders entsetzt ist sie aber über den Fakt, dass der tote junge Mann erkannt werden kann. Als Yannick ihr bei einer polizeilichen Befragung überfallartig ein falsches Alibi abnötigt, wird sie noch neugieriger, was hinter dem mysteriösen Todesfall steckt.
Lea glaubt keine Sekunde, dass Yannick ein Mörder ist, möchte aber herausfinden, welche Bewegründe hinter dem falschen Alibi stecken. Die junge Frau ist selber ein schwieriger Charakter. Der Autor beschreibt die selbständige Webdesignerin sehr detailliert; ihre Gedanken und Handlungen werden oft fast minutiös dargelegt – oft wäre weniger mehr gewesen. Als Jugendliche war Lea sehr aufmüpfig und sie verfügt nicht nur aus jener Zeit über hinreichende Erfahrungen mit der Polizei. Sie ist auch schon als gewaltbereit aufgefallen und als Umweltaktivistin ist sie oft an waghalsigen Aktionen beteiligt. Natürlich hat sie ihre Prinzipien auch verteidigt, als sie von den illegalen Baumfällungen von Yannick und seinen Partnern erfahren hat. Diese waren zwar nicht der Trennungsgrund, aber natürlich Anlass für Diskussionen und Streitereien. Auch Leas Nachforschungen in Sachen „Baumkiller“ bringen sie wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihre einschlägigen Erfahrungen von Nutzen sind.
Werner Färber:
Baumkiller
Gmeiner-Verlag, 2015
20. Februar 2016
Philippa Pearce: Tom's geheimer Garten
Nach über einem Jahrzehnt erscheint dieses lesenswerte Kinder- und Jugendbuch wieder in einer deutschen Ausgabe. Aus diesem Anlass veröffentliche ich hier nochmals meine Buchvorstellung aus dem September 2012:
Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.
Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!
Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.
Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.
Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.
Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.
Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich. Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958. Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!
Philippa Pearce:
Tom's geheimer Garten
Aladin Verlag, 2016
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992
Film von William Carrol:
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug
3L Film GmbH, 2012
Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.
Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!
Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.
Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.
Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.
Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.
Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich. Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958. Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!
Philippa Pearce:
Tom's geheimer Garten
Aladin Verlag, 2016
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992
Film von William Carrol:
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug
3L Film GmbH, 2012
10. Februar 2016
Heather Tullis: Hello Again
Piper Daniels kümmert sich neben ihrem Vollzeit-Job bei einem Zahnarzt um ihren dreizehn Jahre jüngeren autistischen Bruder Spencer als wäre er ihr Sohn und sorgt mit ihrem Einkommen massgeblich zum Unterhalt des vaterlosen drei-Personen-Haushalts bei, der nichtsdestotrotz mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Immer wieder belasten unerwartete Ausgaben das knappe Budget. Zuletzt hat Spencer mit seinen beiden besten Freunden, die Piper sowieso ein Dorn im Auge sind, in einem verlassenen, halb zerfallenen Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft etliche Scheiben zerbrochen, die nun ersetzt werden müssen.
Piper ist eine strenge Schwester, die auf Konsequenzen für schlechtes Verhalten beharrt, aber auch sehr liebevoll. Immer wieder sucht sie nach Möglichkeiten, wie ihr Bruder während seiner Freizeit sinnvoll beschäftigt werden kann. Schliesslich reift in ihr die Idee, in der heruntergekommenen Wohngegend einen Gemeinschaftsgarten auf die Beine zu stellen. Piper hat vor dem Tod ihres Vaters während der zweiten Schwangerschaft ihrer Mutter auf dem Land gelebt und selber gerne mit ihren Händen in der Erde gewühlt, Blumen gepflückt und Erbsen geerntet.
Nun träumt sie von Früchten, Gemüse, Blumen und Kräutern, die im „Crystal Creek Community Garden“ von Jugendlichen und Kindern mit ihren Lehrpersonen gemeinsam angepflanzt, gepflegt und geerntet werden. So wären die Jugendlichen während dem Sommer beschäftigt, fühlten sich nützlich, und gleichzeitig würde die Nachbarschaft aufgewertet. Pipers Konzept ist schon recht weit gediehen. Sie hat nächtelang Gartenwebseiten studiert und wird in ihrem vielversprechenden Projekt von ihren beiden Freundinnen unterstützt. Mehrere in Frage kommende Areale hat sie bereits auf ihre Tauglichkeit geprüft. Ein Gelände scheint von Lage und Grösse her besonders ideal zu sein. Zwar verschwindet aktuell der gesamte Boden unter Tonnen von Abfall, aber dieses Problem will die in der Nachbarschaft gut vernetzte Piper mit einem Aufräum-Tag aus der Welt schaffen.
Die Endzwanzigerin bereitet ein Gesuch für einen Pachtvertrag an den Landbesitzer vor. Als sie erfährt, dass das Land der Stone Enterprise gehört, zögert sie, das Schreiben abzuschicken. Vor zehn Jahren hatte sie nämlich als Siebzehnjährige einen Sommer lang eine vielversprechende Beziehung mit dem jetzigen Firmeninhaber Reece Stone. Dann ist Reece ohne Erklärung aus ihrem Leben verschwunden und hat Piper am Boden zerstört zurückgelassen. Nun geht Piper optimistisch davon aus, dass sich Reece bestimmt nicht mit Anfragen wie der ihren beschäftigt. Doch nachdem dieser das Gesuch mit ihrem Namen studiert hat, erklärt Reece Stone das Anliegen zur Chefsache und lädt Piper ein, ihr Projekt persönlich vorzustellen.
Zehn Jahre sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, doch beide können eine gewisse Anziehungskraft nicht leugnen. Piper akzeptiert die geschäftliche Zusammenarbeit mit Reece, lässt ihn aber nicht an sich heran, da sie ihm nie vergeben hat, sich ohne Erklärung aus ihrem Leben geschlichen zu haben. Sind seine aktuellen Absichten seriös? Oder hilft er ihr nur beim Gartenprojekt, wenn sie seinem deutlichen Werben nachgibt? Reece drängt sich immer mehr in ihr Leben. Er freundet sich mit ihrem Bruder Spencer an und engagiert sich für die Landvergabe zu Gunsten des Gemeinschaftsgartens. Ausserdem unterstützt er sie beim Zusammenstellen einer Präsentation, beim Sammeln vom Spenden und bringt sie mit wichtigen Leuten zusammen. Eine Gönnerin gibt Piper den Tipp, als Gegenleistung für grosszügige Spenden die Verewigung des Spendernamens auf Treppenstufen anzubieten.
Plötzlich ist da ein Kaufinteressent, der genau das für den Gemeinschaftsgarten vorgesehene Land erwerben will. Die Offerte ist deutlich unter dem Landwert, doch Reece hat auf den Vergabeentscheid nur beschränkt Einfluss, da über dieses Geschäft ein Gremium aus mehreren Personen zu befinden hat. Auch im privaten Bereich hat Piper etliche Probleme zu lösen - die einen in ihrem unmittelbaren Umfeld, andere werden ausgelöst durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten, aus denen sie und Reece stammen. Die junge Frau mag nicht glauben, wer vor zehn Jahren Reece aus ihrem Leben vertrieben hat und versteht nicht, warum ihre Mutter sich immer mehr von Spencer zurückzieht und ihr die Verantwortung aufbürdet.
„Hello Again“ ist als erster Titel der „In the Garden Series“ überschrieben – auf eine Fortsetzung des Romans bin ich schon jetzt gespannt.
Heather Tullis:
Hello Again
Jelly Bean Press, 2015
Piper ist eine strenge Schwester, die auf Konsequenzen für schlechtes Verhalten beharrt, aber auch sehr liebevoll. Immer wieder sucht sie nach Möglichkeiten, wie ihr Bruder während seiner Freizeit sinnvoll beschäftigt werden kann. Schliesslich reift in ihr die Idee, in der heruntergekommenen Wohngegend einen Gemeinschaftsgarten auf die Beine zu stellen. Piper hat vor dem Tod ihres Vaters während der zweiten Schwangerschaft ihrer Mutter auf dem Land gelebt und selber gerne mit ihren Händen in der Erde gewühlt, Blumen gepflückt und Erbsen geerntet.
Nun träumt sie von Früchten, Gemüse, Blumen und Kräutern, die im „Crystal Creek Community Garden“ von Jugendlichen und Kindern mit ihren Lehrpersonen gemeinsam angepflanzt, gepflegt und geerntet werden. So wären die Jugendlichen während dem Sommer beschäftigt, fühlten sich nützlich, und gleichzeitig würde die Nachbarschaft aufgewertet. Pipers Konzept ist schon recht weit gediehen. Sie hat nächtelang Gartenwebseiten studiert und wird in ihrem vielversprechenden Projekt von ihren beiden Freundinnen unterstützt. Mehrere in Frage kommende Areale hat sie bereits auf ihre Tauglichkeit geprüft. Ein Gelände scheint von Lage und Grösse her besonders ideal zu sein. Zwar verschwindet aktuell der gesamte Boden unter Tonnen von Abfall, aber dieses Problem will die in der Nachbarschaft gut vernetzte Piper mit einem Aufräum-Tag aus der Welt schaffen.
Die Endzwanzigerin bereitet ein Gesuch für einen Pachtvertrag an den Landbesitzer vor. Als sie erfährt, dass das Land der Stone Enterprise gehört, zögert sie, das Schreiben abzuschicken. Vor zehn Jahren hatte sie nämlich als Siebzehnjährige einen Sommer lang eine vielversprechende Beziehung mit dem jetzigen Firmeninhaber Reece Stone. Dann ist Reece ohne Erklärung aus ihrem Leben verschwunden und hat Piper am Boden zerstört zurückgelassen. Nun geht Piper optimistisch davon aus, dass sich Reece bestimmt nicht mit Anfragen wie der ihren beschäftigt. Doch nachdem dieser das Gesuch mit ihrem Namen studiert hat, erklärt Reece Stone das Anliegen zur Chefsache und lädt Piper ein, ihr Projekt persönlich vorzustellen.
Zehn Jahre sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, doch beide können eine gewisse Anziehungskraft nicht leugnen. Piper akzeptiert die geschäftliche Zusammenarbeit mit Reece, lässt ihn aber nicht an sich heran, da sie ihm nie vergeben hat, sich ohne Erklärung aus ihrem Leben geschlichen zu haben. Sind seine aktuellen Absichten seriös? Oder hilft er ihr nur beim Gartenprojekt, wenn sie seinem deutlichen Werben nachgibt? Reece drängt sich immer mehr in ihr Leben. Er freundet sich mit ihrem Bruder Spencer an und engagiert sich für die Landvergabe zu Gunsten des Gemeinschaftsgartens. Ausserdem unterstützt er sie beim Zusammenstellen einer Präsentation, beim Sammeln vom Spenden und bringt sie mit wichtigen Leuten zusammen. Eine Gönnerin gibt Piper den Tipp, als Gegenleistung für grosszügige Spenden die Verewigung des Spendernamens auf Treppenstufen anzubieten.
Plötzlich ist da ein Kaufinteressent, der genau das für den Gemeinschaftsgarten vorgesehene Land erwerben will. Die Offerte ist deutlich unter dem Landwert, doch Reece hat auf den Vergabeentscheid nur beschränkt Einfluss, da über dieses Geschäft ein Gremium aus mehreren Personen zu befinden hat. Auch im privaten Bereich hat Piper etliche Probleme zu lösen - die einen in ihrem unmittelbaren Umfeld, andere werden ausgelöst durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten, aus denen sie und Reece stammen. Die junge Frau mag nicht glauben, wer vor zehn Jahren Reece aus ihrem Leben vertrieben hat und versteht nicht, warum ihre Mutter sich immer mehr von Spencer zurückzieht und ihr die Verantwortung aufbürdet.
„Hello Again“ ist als erster Titel der „In the Garden Series“ überschrieben – auf eine Fortsetzung des Romans bin ich schon jetzt gespannt.
Heather Tullis:
Hello Again
Jelly Bean Press, 2015
1. Februar 2016
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos): Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
Grossformatige Bücher haben es nach wie vor schwer, meine Aufmerksamkeit derart zu fesseln, dass ich sie erwerbe und dann auch lese. Sie sind ihrer Grösse wegen weder als Bett- noch als Pendlerlektüre geeignet, und auf dem Regal herrscht bei Büchern, die nicht im Taschenbuchformat daherkommen, absolute Platznot.
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
20. Januar 2016
Zeit für Spiele - Spielzeit (2)
Kürzlich habe ich mir das Ravensburger "What if-Puzzle Open Day in the Garden" mit 1000 Teilchen zugelegt. Wie beim weiter unten erwähnten Wasgij-Puzzle, wird das Puzzle nicht nach einer Bildvorlage zusammengesetzt, sondern man muss das zu entstehende Bild erahnen. Wem das zu kompliziert ist, dem sei verraten, dass sich die Lösungsvorlage problemlos im Internet finden lässt. Wers lieber anderweitig knifflig mag, dem sei "Brains - 50 knifflige Denk-Puzzles/Japanischer Garten" empfohlen. Der Winter kann noch lange dauern, deshalb nachstehend noch einmal ein paar weitere Spiele mit gärtnerischem Hintergrund, die ich vor bald drei Jahren hier im Blog schon einmal vorgestellt habe:
Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.
Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.
36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse und Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.
Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.
Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.
Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.
Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.
Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.
Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).
Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!
Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo
Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo
Die grüne Hölle – Gemüse und Co. (3D-Memo und Stereobetrachter)
Walkwerk
Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company
Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH
Dirk Henn:
Die Gärten der Alhambra
Queen Games
Ulf Siebert:
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel
Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch!
Kosmos Verlag
Christian Beiersdorf:
Das grosse Garten-Quizspiel
Kosmos Verlag
Wie hier allgemein bekannt ist, lese ich sehr gerne und schätze Abwechslung in der Lektüre. Was ich nicht besonders mag, ist das Studieren von Gebrauchsanweisungen und Spielanleitungen. Deswegen spielen wir im Familienkreis meist nur Spiele, von welchen die Regeln hinlänglich bekannt sind oder den familieninternen schweizerisch-italienischen Jass-Mix, dank dem ich die richtigen Jassregeln längst vergessen habe. Nichtsdestotrotz haben im Lauf der letzten Jahre auch einige Spiele mit hortikulturellem Hintergrund den Weg in den Spielschrank gefunden - wo sie zugegebenermassen auch die meiste Zeit ihres Daseins fristen. Nachstehend stelle ich diese ganz kurz und knapp vor. Allerdings ohne abzuklären, ob die einzelnen Produkte noch im Handel erhältlich sind.
Nicht immer sind willige Spielpartner zur Stelle, dann ist ein Wasgij-Puzzle (rückwärts gelesen/englisch jigsaw = Puzzle) vielleicht das richtige. Unter diesem Namen gibt es eine Puzzle-Reihe, bei der man die einzelnen Kleinteile nicht wie üblich nach einer Bildvorlage zusammensetzt. Als Puzzler muss man sich die Perspektive einer oder mehrerer Personen vorstellen und das zu entstehende Bild erahnen. Meine Mini-Ausgabe mit 54 Teilchen zeigt eine Szene aus einem Gartencenter – Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
„Greenrock Village – Tatort Schrebergarten“ ist ein Ein-Personen-Spiel, bei welchem verschiedene Indizien richtig kombiniert werden müssen. Richtige Schlussfolgerungen führen in diesem Logik-Rätsel schliesslich zum Täter, der im Schrebergarten sein Unwesen treibt. Mit dem für die Hobby-Ermittler zur Verfügung stehenden Hilfsmaterial (25 Spielsteine, Aufgabenkarten und eine patente Spielbox) und einer Portion Logik können 50 verschiedene Mordfälle in drei Schwierigkeitsstufen aufgeklärt werden.
36 Fotografien aus dem Schrebergarten sind die Grundlage für das Memory-Spiel „Die grüne Hölle – Gemüse und Co.“. Zum Set gehört auch ein Stereobetrachter, dank dem mit etwas Übung die mit einer Stereokamera aufgenommenen Bilder – sofern zwei gleiche Motive richtig nebeneinander gelegt werden - dreidimensional betrachtet werden können.
Mit den von John Denaro illustrierten Spielkarten „Bäume“ lassen sich im wahrsten Sinn des Wortes 54 unterschiedliche Gehölze spielend kennenlernen. Die Bäume sind als Ganzes gezeichnet. Ausserdem sind die Blätter, Blüten und Früchte abgebildet und der einheimische und der botanische Name werden angegeben.
Deutlich mehr Platz im Schrank beanspruchen die nun folgenden Spiele in grösseren Kartonschachteln wie etwa „Die hängenden Gärten“. Hier errichten zwei bis vier Spieler hängende Gärten nach ihrem Geschmack. An Material stehen Spielplan, Baukarten, Punktetafeln, Tempel aus Holz und eine Startspielerblume zur Verfügung.
Für „Die Gärten der Alhambra“ werden die fähigsten Gartenbau-Künstler ab zehn Jahren gesucht. Während einer Spieldauer von 45 bis 60 Minuten versuchen zwei bis vier Spieler zum Gross-Gärtner des Kalifer erkoren zu werden.
Das Spiel „Prestel Schlossgarten“ habe ich vor Jahren an der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kurz nachdem ich es in Zürich recht teuer gekauft hatte, war es längere Zeit für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises bei Jokers im Ausverkauf. Aus dem Text der Verpackung: „Hier können Sie ganz ohne Rückenschmerzen und ohne den obligatorischen grünen Daumen einen Garten einrichten“. Zwei bis vier Spieler versuchen mit Hilfe eines Gärtners und Baumeisters einen Traumgarten nach ihren Vorstellungen einzurichten. Doch andere Könige haben das gleiche Ziel, so dass Probleme in der Gestaltung vorprogrammiert sind.
Zum Spielinhalt von „Eden“ gehören neben einem Spielplan, Bewässerungskarten, Kultivierungskarten, Manakarten, Pflanzkärtchen und Übersichtstafeln. Drei bis vier Spieler bebauen ihr zunächst wüstes und ödes Land. Doch kaum wachsen zarte Pflänzchen und sind Ernteerfolge in Sicht, versuchen neidische Nachbarn ihnen das inzwischen fruchtbare Land zu entreissen.
Ziel des Spieles „Das grosse Garten-Quizspiel“ ist, einen eigenen Garten mit sieben gesunden Pflanzen anzulegen. Dabei wird nach Möglichkeit das Wissen der Mitspieler angezapft und einen Pflanzendoktor gibt es auch. Aber während dem Durchwandern des Spielplans „Blühendes Barock“ in Ludwigsburg verhindern verschiedene Ereignisse unbeschwertes Gärtnern. Dafür lassen sich gleichzeitig so ganz nebenbei eine Menge nützlicher Informationen aneignen (Welche Abfälle gehören nicht auf den Kompost? Wie wirken Spritzmittel gegen Schildläuse? Was sind Hexenringe?).
Viel Spass beim Spielen (und beim Lesen der Spielanleitung)!
Original-Mini-Wasgij (Puzzle):
Was sieht die Frau vom Gartencenter denn da?
Jumbo
Greenrock Village – Tatort: Schrebergarten
Jumbo
Die grüne Hölle – Gemüse und Co. (3D-Memo und Stereobetrachter)
Walkwerk
Bäume (Illustrierte Spielkarten)
Heritage Playing Card Company
Din Li:
Die hängenden Gärten
Hans im Glück Verlags-GmbH
Dirk Henn:
Die Gärten der Alhambra
Queen Games
Ulf Siebert:
Der Prestel-Schlossgarten
Prestel Kunstspiel
Gal Zuckermann:
Eden – Macht fruchtbar und wehrt euch!
Kosmos Verlag
Christian Beiersdorf:
Das grosse Garten-Quizspiel
Kosmos Verlag
10. Januar 2016
Doris Bewernitz: Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Gibt es nicht schon genügend Lebensgeschichten aus dem Garten? Dies war mein erster Gedanke, als ich vor einiger Zeit auf dieses grosszügig illustrierte Buch gestossen bin. Ausserdem empfand ich den Titel als einen Tick zu esoterisch. Ein Eindruck, der aber durch den Zusatz „Warum ein Garten glücklich macht“ gleich wieder etwas relativiert wurde. Die Inhaltsbeschreibung auf der Buchrückseite hat mich dann doch zur Lektüre verleitet. Und ich habe es keine Sekunde bereut, mich von der Autorin durch die im Rhythmus der Jahreszeiten gegliederten Erzählungen unter Überschriften, die da etwa lauten „Komposttherapie“, „Sieglinde spinnt“, „Das Hohelied des Regenwurms“ oder „Fortschreitende Verwilderung“, führen zu lassen.
Direkt an einem Damm der S-Bahn, erreichbar durch eine eiserne Türe zwischen einem Obststand und einer Telefonsäule findet Doris Bewernitz an einem Frühlingstag ihre hortikulturelle Erfüllung. Eine Nachtigall singt und als erstes fällt ihr Blick auf einen Pfirsichbaum, der sogleich Erinnerungen an ein nachhaltiges Erlebnis aus Kindertagen weckt. Da sind aber auch andere Obstbäume, Tulpen, Gewürze sowie ein kleines Steinhäuschen. Und erscheint es zunächst unmöglich, sich in zwei Stunden davon zu überzeugen, dass quietschende S-Bahn-Bremsen tatsächlich nicht stören, genügen dann weniger als 120 Minuten für die definitive Entscheidungsfindung. Nichts steht also mehr im Weg, um die als Kind kultivierte Frühlingsbeet-Lust wieder aufleben zu lassen – unter Beobachtung von 33 Gartenzwergen, von denen mehr als die Hälfte davon eingewachsen sind.
Die Autorin ist immer wieder für Überraschungen gut und berichtet, was es mit den sogenannten Mitmachtagen und dem Moosblick auf sich hat, wie der Garten zur Basisstation für eine Fahrt auf den Mond wurde, von tönenden Apfelblättern und wie ihr Beitrag zum bedingungslosen Grundeinkommen aussehen würde. Dann geht es um Schamgefühle ausserhalb des Gartens wegen der immer leicht schmutzigen Gärtnerinnenhände oder wegen der Vorstellung, wie gepflegte Hände eben auszusehen hätten und sie sinniert über Sklaven des Gartens oder Sklaven der Vorstellung, wie der Garten zu sein hätte.
Auch Tierisches wird immer wieder thematisiert. Zum Beispiel im Zwiegespräch mit Nacktschnecken und bei der Beschreibung des von der Autorin eingeführten „Tages der Biene“ anlässlich der Sichtung der 1. Biene im neuen Gartenjahr. Ein alljährlich wiederkehrender Grund für eine spontane Feier im Garten mit Freunden, bei welcher wärmende Decken nicht vergessen werden sollten. Im Garten wird gesummt, gezwitschert, gekrochen, gefleucht und es werden Netze gesponnen und Schleimspuren hinterlassen. Viele, ob Vier- oder Sechsbeiner, kriegen von von der schreibenden Gärtnerin einen Namen verpasst, genau wie auch viele ihrer geliebten Rosen.
Um hemmungslos über letztere plaudern zu können, hat sie sich eine nette Idee ausgedacht. Sie schenkt nämlich Freundinnen und Freunden zu besonderen Gelegenheiten Rosen. Und zwar keine Ableger aus ihrem Garten oder getopfte Rosen, sondern Urkunden mit dem Foto einer Pflanze aus ihrem Garten und vertraut dem Beschenkten die Patenschaft an. Der Name der Rose und jener des Paten oder der Patin komplettieren das Beweisstück. Die Paten kümmern sich unterschiedlich intensiv um ihre Rosen. Die einen erkundigen sich telefonisch, andere besuchen sie, stecken ihre Nase in duftende Blüten und fotografieren die Schönheiten. Dritte bringen Nahrung in Form von Dünger, Hornspäne oder Pferdeäpfeln in den Garten.
Doris Bewernitz:
Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Verlag Herder, 2014
Direkt an einem Damm der S-Bahn, erreichbar durch eine eiserne Türe zwischen einem Obststand und einer Telefonsäule findet Doris Bewernitz an einem Frühlingstag ihre hortikulturelle Erfüllung. Eine Nachtigall singt und als erstes fällt ihr Blick auf einen Pfirsichbaum, der sogleich Erinnerungen an ein nachhaltiges Erlebnis aus Kindertagen weckt. Da sind aber auch andere Obstbäume, Tulpen, Gewürze sowie ein kleines Steinhäuschen. Und erscheint es zunächst unmöglich, sich in zwei Stunden davon zu überzeugen, dass quietschende S-Bahn-Bremsen tatsächlich nicht stören, genügen dann weniger als 120 Minuten für die definitive Entscheidungsfindung. Nichts steht also mehr im Weg, um die als Kind kultivierte Frühlingsbeet-Lust wieder aufleben zu lassen – unter Beobachtung von 33 Gartenzwergen, von denen mehr als die Hälfte davon eingewachsen sind.
Die Autorin ist immer wieder für Überraschungen gut und berichtet, was es mit den sogenannten Mitmachtagen und dem Moosblick auf sich hat, wie der Garten zur Basisstation für eine Fahrt auf den Mond wurde, von tönenden Apfelblättern und wie ihr Beitrag zum bedingungslosen Grundeinkommen aussehen würde. Dann geht es um Schamgefühle ausserhalb des Gartens wegen der immer leicht schmutzigen Gärtnerinnenhände oder wegen der Vorstellung, wie gepflegte Hände eben auszusehen hätten und sie sinniert über Sklaven des Gartens oder Sklaven der Vorstellung, wie der Garten zu sein hätte.
Auch Tierisches wird immer wieder thematisiert. Zum Beispiel im Zwiegespräch mit Nacktschnecken und bei der Beschreibung des von der Autorin eingeführten „Tages der Biene“ anlässlich der Sichtung der 1. Biene im neuen Gartenjahr. Ein alljährlich wiederkehrender Grund für eine spontane Feier im Garten mit Freunden, bei welcher wärmende Decken nicht vergessen werden sollten. Im Garten wird gesummt, gezwitschert, gekrochen, gefleucht und es werden Netze gesponnen und Schleimspuren hinterlassen. Viele, ob Vier- oder Sechsbeiner, kriegen von von der schreibenden Gärtnerin einen Namen verpasst, genau wie auch viele ihrer geliebten Rosen.
Um hemmungslos über letztere plaudern zu können, hat sie sich eine nette Idee ausgedacht. Sie schenkt nämlich Freundinnen und Freunden zu besonderen Gelegenheiten Rosen. Und zwar keine Ableger aus ihrem Garten oder getopfte Rosen, sondern Urkunden mit dem Foto einer Pflanze aus ihrem Garten und vertraut dem Beschenkten die Patenschaft an. Der Name der Rose und jener des Paten oder der Patin komplettieren das Beweisstück. Die Paten kümmern sich unterschiedlich intensiv um ihre Rosen. Die einen erkundigen sich telefonisch, andere besuchen sie, stecken ihre Nase in duftende Blüten und fotografieren die Schönheiten. Dritte bringen Nahrung in Form von Dünger, Hornspäne oder Pferdeäpfeln in den Garten.
Doris Bewernitz:
Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht
Verlag Herder, 2014
1. Januar 2016
Ellen Berg: Mach mir den Garten, Liebling!
Mit Grünzeug hat die Enddreissigerin Luisa Fröhlich nichts am Hut. Die einzige Topfpflanze an ihrem Arbeitsplatz kümmert denn auch vor sich hin. Vor Jahresfrist hat ihr Tante Ruth vor ihrer Abreise nach Italien den reich blühenden Schrebergarten anvertraut. Diese Aufgabe hat Luisa sogleich delegiert und nie überprüft, ob und wie der engagierte Friedhofgärtner die Arbeit erledigt. Doch nun hat Tante Ruth kurzfristig ihren Besuch in der alten Heimat angekündigt und möchte natürlich auch ihr grünes Paradies begutachten. Ihre Nichte kommt also nicht mehr darum herum, endlich nach dem Rechten zu sehen.
Als Luisa sich der Parzelle nähert, traut sie ihren Augen nicht. Wo ihre Tante sich an Rosen, Jasmin, Hortensien, Gemüse und Insekten erfreut hat, dominiert grauer Kies und unter den Büschen liegt Müll. Nichts ist mehr übrig von Tante Ruths mit Stolz und Leidenschaft gepflegten Garten – der Friedhofgärtner hat sozusagen tödliche Resultate erzielt. Sofort taucht ein älterer Gartennachbar auf und weist Luisa auf das Nichteinhalten der Drittel-Regel und andere Verstösse gegen Vorschriften und Verbote hin.
Während sie sich von ihrem Schock zu erholen versucht und in üblich pflichtbewusster und ehrgeiziger Manier schon einen Schlachtplan zurecht legt und überlegt, wie sie das Gartenproblem innert zwei Wochen in den Griff bekommt, ohne dass es Tante Ruth das Herz bricht, tritt ein weiterer Gartennachbar in ihrem Alter an den Zaun. Eddy, ein charmanter Italiener, bietet ihr seine Hilfe an und obwohl er so gar nicht Luisas Typ ist, knistert es zwischen den beiden gleich bei der ersten Begegnung ganz schön.
Dank der versprochenen Hilfe des netten Gartennachbarn blickt Luisa dem Besuch von Tante Ruth etwas gelassener entgegen und wagt es, sich ein wenig auf die versprochene Beförderung zu freuen. Jahrelang hat sie sich aufgeopfert - für ihre faulen Kollegen die Arbeit miterledigt, auf freie Wochenenden und Urlaubstage verzichtet. Die Geschäfte der „Fun Connection“, einer Geschenkartikelfirma, laufen schlecht, was Luisa nicht zuletzt auf das schlechte Betriebsklima zurückführt. Das kleine Team arbeitet nämlich nicht mit- sondern gegeneinander. Im Hinterkopf hat die patente Frau schon längst Ideen parat, wie sie die Mitarbeiter als Geschäftsführerin motivieren und die Kassen endlich wieder klingeln lassen will. Doch ein Problem kommt selten allein und der ihr versprochene Job erhält ein anderer. Luisa muss sogar mit ihrer Entlassung rechnen.
Nun, Luisa ist sich gewohnt, Herausforderungen strukturiert anzugehen und Prioritäten zu setzen. Zunächst wird also gegärtnert. Ihr erstes Pflanzkonzept nach einem Farbschema entpuppt sich rasch als suboptimal, da es die Bedürfnisse der Stauden nicht berücksichtigt. Doch während dem Gärtnern, geht in Luisa eine Veränderung vor sich, und sie vergleicht sich plötzlich mit einer Pflanze, die welkt ehe sie geblüht hat und sie wendet das Schema gleich auch auf ihre Arbeitskollegen an. Nicht nur Pflanzen haben unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen Aufmerksamkeit, auch unter den Menschen gibt es gewissermassen Licht- und Schattengewächse.
Eddy kennt sich nicht nur mit Ökologie und Veganismus aus, er ist auch ein cleverer Internetfreak und lanciert ein Crowdfunding mit dem Motto „Rettet Tante Ruths Garten“. Bitcoin-Spender können das interaktive Gartenprojekt nicht nur unterstützen und wünschen, welche Pflanze für ihr Internet-Geld angeschafft werden soll, dank einer Webcam können sie die Gartenverschönerung gleich mitverfolgen. Luisa ist zwar begeistert über die Unterstützung, doch der Workaholic, der schon jahrelang Freundschaften zu Gunsten der Arbeit vernachlässigt hat, fällt bald wieder in alte Verhaltensmuster, als er feststellt, warum der neue Geschäftsführer seine Pläne zur Firmenrettung boykottiert und so definiert Luisa ihre Prioritäten gleich wieder um.
„Mach mir den Garten, Liebling!“ bedient als witziger, temporeicher und zuweilen sarkastischer Unterhaltungsroman viele Klischees und das Ende ist dem Genre entsprechend vorauszusehen. Neben den Verwicklungen rund um die Garten- und Firmenrettung geht es aber auch um Beziehungen und Teambildungen und nicht zuletzt um die Verwandlung der von ihren Arbeitskollegen zunächst despektierlich „Knäckebrot“ genannten Luisa zu einer Frau, die plötzlich Erde unter den Fingernägeln schätzt, und sich als Kämpferin nicht nur für die Firma sondern auch gegen Intrigen einsetzt. Zum Charme des Buches tragen neben den sympathischen Charakteren auch die häufigen italienischen Satzteile bei.
Ellen Berg:
Mach mir den Garten, Liebling!
Aufbau Verlag, 2015
Als Luisa sich der Parzelle nähert, traut sie ihren Augen nicht. Wo ihre Tante sich an Rosen, Jasmin, Hortensien, Gemüse und Insekten erfreut hat, dominiert grauer Kies und unter den Büschen liegt Müll. Nichts ist mehr übrig von Tante Ruths mit Stolz und Leidenschaft gepflegten Garten – der Friedhofgärtner hat sozusagen tödliche Resultate erzielt. Sofort taucht ein älterer Gartennachbar auf und weist Luisa auf das Nichteinhalten der Drittel-Regel und andere Verstösse gegen Vorschriften und Verbote hin.
Während sie sich von ihrem Schock zu erholen versucht und in üblich pflichtbewusster und ehrgeiziger Manier schon einen Schlachtplan zurecht legt und überlegt, wie sie das Gartenproblem innert zwei Wochen in den Griff bekommt, ohne dass es Tante Ruth das Herz bricht, tritt ein weiterer Gartennachbar in ihrem Alter an den Zaun. Eddy, ein charmanter Italiener, bietet ihr seine Hilfe an und obwohl er so gar nicht Luisas Typ ist, knistert es zwischen den beiden gleich bei der ersten Begegnung ganz schön.
Dank der versprochenen Hilfe des netten Gartennachbarn blickt Luisa dem Besuch von Tante Ruth etwas gelassener entgegen und wagt es, sich ein wenig auf die versprochene Beförderung zu freuen. Jahrelang hat sie sich aufgeopfert - für ihre faulen Kollegen die Arbeit miterledigt, auf freie Wochenenden und Urlaubstage verzichtet. Die Geschäfte der „Fun Connection“, einer Geschenkartikelfirma, laufen schlecht, was Luisa nicht zuletzt auf das schlechte Betriebsklima zurückführt. Das kleine Team arbeitet nämlich nicht mit- sondern gegeneinander. Im Hinterkopf hat die patente Frau schon längst Ideen parat, wie sie die Mitarbeiter als Geschäftsführerin motivieren und die Kassen endlich wieder klingeln lassen will. Doch ein Problem kommt selten allein und der ihr versprochene Job erhält ein anderer. Luisa muss sogar mit ihrer Entlassung rechnen.
Nun, Luisa ist sich gewohnt, Herausforderungen strukturiert anzugehen und Prioritäten zu setzen. Zunächst wird also gegärtnert. Ihr erstes Pflanzkonzept nach einem Farbschema entpuppt sich rasch als suboptimal, da es die Bedürfnisse der Stauden nicht berücksichtigt. Doch während dem Gärtnern, geht in Luisa eine Veränderung vor sich, und sie vergleicht sich plötzlich mit einer Pflanze, die welkt ehe sie geblüht hat und sie wendet das Schema gleich auch auf ihre Arbeitskollegen an. Nicht nur Pflanzen haben unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen Aufmerksamkeit, auch unter den Menschen gibt es gewissermassen Licht- und Schattengewächse.
Eddy kennt sich nicht nur mit Ökologie und Veganismus aus, er ist auch ein cleverer Internetfreak und lanciert ein Crowdfunding mit dem Motto „Rettet Tante Ruths Garten“. Bitcoin-Spender können das interaktive Gartenprojekt nicht nur unterstützen und wünschen, welche Pflanze für ihr Internet-Geld angeschafft werden soll, dank einer Webcam können sie die Gartenverschönerung gleich mitverfolgen. Luisa ist zwar begeistert über die Unterstützung, doch der Workaholic, der schon jahrelang Freundschaften zu Gunsten der Arbeit vernachlässigt hat, fällt bald wieder in alte Verhaltensmuster, als er feststellt, warum der neue Geschäftsführer seine Pläne zur Firmenrettung boykottiert und so definiert Luisa ihre Prioritäten gleich wieder um.
„Mach mir den Garten, Liebling!“ bedient als witziger, temporeicher und zuweilen sarkastischer Unterhaltungsroman viele Klischees und das Ende ist dem Genre entsprechend vorauszusehen. Neben den Verwicklungen rund um die Garten- und Firmenrettung geht es aber auch um Beziehungen und Teambildungen und nicht zuletzt um die Verwandlung der von ihren Arbeitskollegen zunächst despektierlich „Knäckebrot“ genannten Luisa zu einer Frau, die plötzlich Erde unter den Fingernägeln schätzt, und sich als Kämpferin nicht nur für die Firma sondern auch gegen Intrigen einsetzt. Zum Charme des Buches tragen neben den sympathischen Charakteren auch die häufigen italienischen Satzteile bei.
Ellen Berg:
Mach mir den Garten, Liebling!
Aufbau Verlag, 2015
20. Dezember 2015
Helga Urban: Mein Garten – ein Geben und Nehmen
In diesem Büchlein lässt Helga Urban ihr Gartenleben unter folgenden Kapiteln Revue passieren:
- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden
Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).
Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?
Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.
Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.
Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.
Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.
Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.
Helga Urban:
Mein Garten – ein Geben und Nehmen
Eugen Ulmer Verlag, 2015
- Mein Garten und ich – eine besondere Beziehung
- Wie alles anfing
- Entdeckungen
- Etwas für die Seele
- Ein ständiger Lernprozess
- Mut zur eigenen Courage
- Etwas klüger werden
Dabei zieht sie Parallelen zwischen dem Gärtnern und dem Leben – überall sind die Grenzen und Möglichkeiten auszuloten und es muss mit Veränderungen und Verlusten umgegangen werden. Gemeisterte Herausforderungen schaffen Freude und Befriedigung. Nicht immer, aber meistens oder doch häufig. Die Autorin und Gärtnerin beweist viel Durchsetzungsvermögen, um nicht zu schreiben Sturheit, beim Beschaffen von must-have-plants. An einem Tag mit dem ersten Flug nach London und spät abends mit einem der letzten Maschinen zurück in die Heimat, dazwischen der Besuch einer Pflanzenshow – das scheint nicht aussergewöhnlich zu sein. Vielleicht überlege ich mir nochmal, ob es tatsächlich viel zu anstrengend ist und ich langsam zu alt, um an einem Tag von Winterthur über Konstanz nach Frankfurt an die Buchmesse und wieder zurückzufahren (Strecke Konstanz-Frankfurt und retour mit einem organisierten Bus).
Nun zurück zum eigentlichen Thema. Kleine grüne Schätze haben ihren Preis. Diesen vor dem Erwerb abzuklären, gehört zum Lernprozess. Ebenso die Erkenntnis, dass der „Päonienbleistift“ kein Teil des Verpackungsmaterial und die Pflanze wohl bei der Versandvorbereitung vergessen gegangen ist, aber dafür auf der Rechnung ganz bestimmt eine Null zu viel steht. Nichtsdestotrotz empfiehlt die Autorin Gärtnereibesuche als Trost. Meistens sind die Wünsche ja bezahlbar und Pflanzen lassen wenigstens kein Hüftgold wachsen. Und die Belohnung für hortikulturelles Durchsetzungsvermögen ist eine immerwährende oder zumindest jahrelange Freude. Jedenfalls sofern kein Sturm der Freude ein vorzeitiges Ende bereitet. Und Helga Urban bemerkt ganz zutreffend: woran hat man oder frau schon jahrelang ungetrübt Freude?
Zum Thema Durchsetzungsvermögen passen auch das eingegangen Risiko eines Ehekrachs, um einer Kamelie die optimalen Bedingungen bieten zu können, und die Gartenecke, genannt „Offener Vollzug“, wo Pflanzen vorübergehend einen Platz finden, wenn sie nicht wollen wie die Gärtnerin es will. Drastischere Massnahmen hat die Gärtnerin bei jenen Narzissen ergriffen, die nicht ins bevorzugte Farbschema passten. Da ist frau kurz vor dem Aufblühen derselben auf Pflanzenmission unterwegs und freut sich auf der Heimreise auf die sich bereits im Herbst vorher mit Einbuddeln verdiente Blütenpracht, nur um feststellen zu müssen, dass diese weiss statt orange ist. Da nützt dann auch keine Verbannung in eine andere Ecke, aus orange wird kein weiss.
Beim Lesen der Texte entstehen immer wieder bleibende Bilder im Kopf. Etwa wenn die Autorin beschreibt, wie just am Sonntag der ersten Gartenführung ein Klettergerüst zusammengebrochen ist und sie vergeblich versucht hat, dieses mit einem Besen wieder aufzurichten und daraufhin, während sie auf den wenig erfreuten und nicht gerade hinter der nächsten Kurve wohnenden Helfer wartete, das Gerüst mit ihren Armen stemmte. Sie selber ist auch sehr hilfsbereit und arbeitet seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich im Palmengarten. An anderer Stelle liest man von Risikostreuung, die nämlich nicht nur bei Kapitalanlagen, sondern auch im Garten beachtet werden sollte, über nützliches Basislatein für Botaniker und von launischen Glyzinien. Dann geht es um Zollbeamte, die ihr ein Paket mit wichtigem Inhalt, der schon viel zu lange unterwegs war, zwar zeigen, aber (vor dem Wochenende) nicht aushändigen wollen und die Autorin plädiert für mehr Charme und weniger Perfektionismus im Garten.
Für eine allfällige Nachauflage des Büchleins würde ich mir zur Komplettierung der Bilder in meinem Kopf und zur Ergänzung meines Allgemeinwissens über grenzüberschreitende Gartenkultur einen detaillierten Bericht über den Transport von Pflanzen im Koffer während Flügen und bei der Zollkontrolle wünschen.
Helga Urbans Persönlichkeit offenbart sich mit jeder Seite ein wenig mehr. Besonders scheint sie neben weiss blühenden Pflanzen auch Zitate und Sprichwörter zu mögen. Das Quellenverzeichnis im Anhang ist jedenfalls recht umfangreich. Der Serviceteil enthält weiterführende Gartenliteraturtipps, darunter auch ihre eigenen anderen Bücher, von denen ich "Schön, aber gefährlich" vor einiger Zeit vorgestellt habe, sowie Bezugsquellen und „Einige Pflanzen auf die Schnelle (Kurzportraits) - natürlich zumeist weiss blühende.
Die Sofagärtnerin erkennt sich in vielen Geschichten wieder, hat sie doch einige Anekdoten ganz ähnlich oder sogar identisch erlebt oder von Gartenbekanntschaften erzählt bekommen, und sie ist überzeugt, dass es vielen gärtnernden Lesern und lesenden Gärtnern ebenso gehen wird.
Helga Urban:
Mein Garten – ein Geben und Nehmen
Eugen Ulmer Verlag, 2015
10. Dezember 2015
Mary Kay Andrews: Ein Ja im Sommer
Cara Kryzik schaut gerne hinter die Zäune in die Gärten anderer Leute. Aus einem überwucherten kleinen Stück Land hat sie sich selber einen kleinen, intimen Rückzugsort geschaffen. Palmen, Bananenstauden, Hortensien, Funkien, Efeu und Farne wachsen neben etlichen anderen Pflanzen in ihrem kleinen Garten, durch den ein Pfad aus gesprenkelten, grauen Backsteinen führt. Da sie als Blumenkünstlerin den ganzen Tag von farbigen Blumen und Bändern umgeben ist, hat sie sich ausschliesslich auf Grünzeug mit weissen Blüten beschränkt, und natürlich blüht auch ihre Lieblingsblume – die Gardenie – in dieser Farbe.
Die junge Frau ist seit einiger Zeit Inhaberin eines eigenen Blumenladens, zu dem sie völlig unerwartet durch ihre Tätigkeit bei der Vorbesitzerin gekommen ist. Neben der Einrichtung und einem schon etwas in die Jahre gekommenen Lieferwagen gehörte auch ein für mehrere Monate vorausbezahlter Pachtvertrag zum Startkapital ihres eigenen Geschäfts. Aktuell wartet sie allerdings immer noch auf die Verlängerung des inzwischen ausgelaufenen Vertrages.
Caras Arbeitstage beginnen meist früh mit einer Runde Jäten im Garten und enden gewöhnlich spät. Der Aufbau einer eigenen Existenz ist hart. Doch der Laden der Quereinsteigerin ohne Floristikausbildung beginnt dank ihrer Kreativität immer besser zu laufen. Ihr Stil ist gefragt und Mundpropaganda bringt immer mehr Bräute in Caras schmucken Laden in Savannah. Unterstützt wird Cara von ihrem Assistenten Bert, einem neunundzwanzigjährigen trockenen Alkoholiker. Die beiden machen sich einen Spass daraus, sich nach den Hochzeiten gegenseitig Tipps abzugeben, wie lange die eben geschlossenen Ehen der Bräute halten werden, für deren Blumenschmuck in Kirche, Restaurant und Brautstrauss sie verantwortlich waren. Wie sich herausstellt, ist aber auch Bert selber nicht vor einer gravierenden Fehleinschätzung gefeit.
Leider wird Cara in ihren Bemühungen, finanziell endlich unabhängig zu werden, immer wieder zurückgeworfen. Ihr Vater, von Anfang an wenig überzeugt von der „Floristenidee“, verlangt gerade immer vehementer sein Darlehen samt Zinsen zurück, als ausgerechnet während einer Hitzewelle die Kühlung im Laden aussteigt und sämtliche Blumen verwelken lässt. Der geplante Gewinn aus der Hochzeit, für welche diese Blumen angeschafft worden waren, geht damit grösstenteils für Ersatzblumen drauf. Und als hätte Cara noch nicht genügend Aufregung, läuft auch noch ihr heiss geliebter Hund Poppy weg.
Das Problem „entlaufener Hund“ lässt sich schnell lösen und der vermeintliche Hundedieb schleicht sich über einen kleinen Umweg direkt in Caras Herz. Aber weitere Herausforderungen stehen an, wie etwa der bösartige Konkurrent, der sie rundherum schlechtmacht. Schliesslich soll sie auch noch ihr Geschäftslokal und ihre darüber gelegene Wohnung samt dem schmucken Garten verlieren.
Das Ende dieses Romans ist schon sehr früh absehbar, aber dazwischen warten in diesem „Seitenumdreher“ etliche Irrungen und Verirrungen auf die Leserin – eingebettet ins Floristikmillieu mit Sträussen und Gestecken für Babypartys, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Pensionierungen, Einladungen und natürlich dem Schwerpunkt Hochzeitsgestaltung mit anspruchsvollen Bräuten. Ein Sommerroman, der auch im Winter Freude macht - geschwitzt haben wir im Sommer 2015 ja mehr als genug, so dass es völlig ausreicht, über Hitzewellen zu lesen.
Mary Kay Andrews:
Ein Ja im Sommer
S. Fischer Verlag, 2015
Die junge Frau ist seit einiger Zeit Inhaberin eines eigenen Blumenladens, zu dem sie völlig unerwartet durch ihre Tätigkeit bei der Vorbesitzerin gekommen ist. Neben der Einrichtung und einem schon etwas in die Jahre gekommenen Lieferwagen gehörte auch ein für mehrere Monate vorausbezahlter Pachtvertrag zum Startkapital ihres eigenen Geschäfts. Aktuell wartet sie allerdings immer noch auf die Verlängerung des inzwischen ausgelaufenen Vertrages.
Caras Arbeitstage beginnen meist früh mit einer Runde Jäten im Garten und enden gewöhnlich spät. Der Aufbau einer eigenen Existenz ist hart. Doch der Laden der Quereinsteigerin ohne Floristikausbildung beginnt dank ihrer Kreativität immer besser zu laufen. Ihr Stil ist gefragt und Mundpropaganda bringt immer mehr Bräute in Caras schmucken Laden in Savannah. Unterstützt wird Cara von ihrem Assistenten Bert, einem neunundzwanzigjährigen trockenen Alkoholiker. Die beiden machen sich einen Spass daraus, sich nach den Hochzeiten gegenseitig Tipps abzugeben, wie lange die eben geschlossenen Ehen der Bräute halten werden, für deren Blumenschmuck in Kirche, Restaurant und Brautstrauss sie verantwortlich waren. Wie sich herausstellt, ist aber auch Bert selber nicht vor einer gravierenden Fehleinschätzung gefeit.
Leider wird Cara in ihren Bemühungen, finanziell endlich unabhängig zu werden, immer wieder zurückgeworfen. Ihr Vater, von Anfang an wenig überzeugt von der „Floristenidee“, verlangt gerade immer vehementer sein Darlehen samt Zinsen zurück, als ausgerechnet während einer Hitzewelle die Kühlung im Laden aussteigt und sämtliche Blumen verwelken lässt. Der geplante Gewinn aus der Hochzeit, für welche diese Blumen angeschafft worden waren, geht damit grösstenteils für Ersatzblumen drauf. Und als hätte Cara noch nicht genügend Aufregung, läuft auch noch ihr heiss geliebter Hund Poppy weg.
Das Problem „entlaufener Hund“ lässt sich schnell lösen und der vermeintliche Hundedieb schleicht sich über einen kleinen Umweg direkt in Caras Herz. Aber weitere Herausforderungen stehen an, wie etwa der bösartige Konkurrent, der sie rundherum schlechtmacht. Schliesslich soll sie auch noch ihr Geschäftslokal und ihre darüber gelegene Wohnung samt dem schmucken Garten verlieren.
Das Ende dieses Romans ist schon sehr früh absehbar, aber dazwischen warten in diesem „Seitenumdreher“ etliche Irrungen und Verirrungen auf die Leserin – eingebettet ins Floristikmillieu mit Sträussen und Gestecken für Babypartys, Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Pensionierungen, Einladungen und natürlich dem Schwerpunkt Hochzeitsgestaltung mit anspruchsvollen Bräuten. Ein Sommerroman, der auch im Winter Freude macht - geschwitzt haben wir im Sommer 2015 ja mehr als genug, so dass es völlig ausreicht, über Hitzewellen zu lesen.
Mary Kay Andrews:
Ein Ja im Sommer
S. Fischer Verlag, 2015
1. Dezember 2015
Bernd Flessner: Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
Der Frühpensionär Walter Dollinger hält nichts von Ertragsmaximierung in seinem Garten. Sein Ziel sind nicht Ernterekorde in Menge oder Grösse. Jahrzehntelang hat er in der Geschäftswelt Höchstleistungen erbringen müssen, bevor er von einem Tag auf den anderen aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgeben musste. Seinen Naturgarten sieht er nicht zuletzt deshalb in erster Linie als Lebensraum, in den er nur unterstützend eingreift. Sein direkter Nachbar, der eine ganz andere Gartenphilosophie vertritt, spricht denn auch von Verwilderung.
Ebenfalls einen anderen Zugang zum Garten als Dollinger hatte Johann Kunrath, das Opfer des "Radieschenmörders". Der unauffällige Mann hat völlig zurückgezogen gelebt und niemand hat näheren Kontakt mit ihm gepflegt. An den Jahresversammlungen des Gartenbauvereins Biberach ist er jeweils mit Anträgen aufgefallen, die eine Harmonisierung der Gärten zum Inhalt hatten - wohl mit dem Ziel, einen regionalen Gartenwettbewerb zu Gunsten von Biberach zu entscheiden. Die Satzung des Gartenbauvereins sieht vor, sich gegenseitig zu unterstützen. Als Vorstandsmitglied wird Dollinger deshalb an einer eilig einberufenen ausserordentlichen Vereinszusammenkunft ins Zweierteam berufen, dem die Pflege von Kunraths verwaistem Garten anvertraut wird, bis die noch unbekannten Erben diesen übernehmen.
Schon bei seinem ersten Einsatz beginnt der Frühpensionär an dem von der Polizei errechneten Todeszeitpunkt zu zweifeln. Die Höhe des nicht gemähten Rasens, die Anzahl Raupen, die sich auf den Weisskohlköpfen tummeln, Radieschen, die ausschiessen und auch die nicht ausgegeizten Seitentriebe an den Tomaten lassen ihn vermuten, dass die Natur schon einige Tage vor dem angeblichen Tattag das Zepter im üblicherweise perfekt gepflegte Kunrath-Garten übernommen hat. Mit seinen aus hortikultureller Erfahrung gewonnen Erkenntnissen macht sich Dollinger beim ermittelnden Hauptkommissar Schwerdtfeger nicht nur unbeliebt, sondern er gilt daraufhin auch gleich als tatverdächtig und mit ihm die anderen Gartenbauvereinsmitglieder.
In der Folge erhält er von diesen ganz offiziell den Auftrag, Licht ins Dunkle rund um den mysteriösen Mordfall zu bringen, damit wieder Ruhe im Ort einkehrt. Der Amateurdetektiv prüft parallel zu den polizeilichen Mordermittlungen die Alibis der Vereinsmitglieder und versucht mit einer Beziehungsgrafik Zusammenhänge zu erstellen und zu verstehen. Als ein Landstreicher als Tatverdächtiger verhaftet wird, zweifelt er an dessen Schuld. Walter Dollinger ist gewohnt zu agieren, damit andere reagieren müssen, und so schreckt er auch vor zuweilen illegalen und gefährlichen Aktionen nicht zurück und entwickelt seine ganz eigenen Methoden zur Sicherung von Beweismitteln. Er ist der Polizei immer einen Schritt voraus und wird von seiner Frau Karin tatkräftig unterstützt.
Dollinger scheint tatsächlich auf der richtigen Spur zu sein, denn er selber gerät ins Visier des Täters, doch auch ein als Drohung in seinem Garten platziertes Radieschen kann ihn nicht aufhalten. Neben seinen privaten Ermittlungen bleibt ihm aber auch immer wieder Zeit fürs Gärtnern und für Diskussionen mit anderen Gartenbauvereinsmitgliedern, etwa über den exakten Abstand zwischen Grashalmen im perfekt manikürten Rasen. Diesen Krimi habe ich hier schon einmal erwähnt kann abschliessend feststellen, dass sich die Lektüre unbedingt gelohnt hat. Ob man auf eine Fortsetzung im Rahmen einer Gartenkrimi-Serie hoffen darf? Während sich im englischen Sprachraum problemlos (Soft-)Krimis mit gärtnerischem Hintergrund finden lassen, sind deutsche Übersetzungen oder Originalausgaben doch als Mangelware zu bezeichnen.
Bernd Flessner:
Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
BLV Buchverlag, 2015
Ebenfalls einen anderen Zugang zum Garten als Dollinger hatte Johann Kunrath, das Opfer des "Radieschenmörders". Der unauffällige Mann hat völlig zurückgezogen gelebt und niemand hat näheren Kontakt mit ihm gepflegt. An den Jahresversammlungen des Gartenbauvereins Biberach ist er jeweils mit Anträgen aufgefallen, die eine Harmonisierung der Gärten zum Inhalt hatten - wohl mit dem Ziel, einen regionalen Gartenwettbewerb zu Gunsten von Biberach zu entscheiden. Die Satzung des Gartenbauvereins sieht vor, sich gegenseitig zu unterstützen. Als Vorstandsmitglied wird Dollinger deshalb an einer eilig einberufenen ausserordentlichen Vereinszusammenkunft ins Zweierteam berufen, dem die Pflege von Kunraths verwaistem Garten anvertraut wird, bis die noch unbekannten Erben diesen übernehmen.
Schon bei seinem ersten Einsatz beginnt der Frühpensionär an dem von der Polizei errechneten Todeszeitpunkt zu zweifeln. Die Höhe des nicht gemähten Rasens, die Anzahl Raupen, die sich auf den Weisskohlköpfen tummeln, Radieschen, die ausschiessen und auch die nicht ausgegeizten Seitentriebe an den Tomaten lassen ihn vermuten, dass die Natur schon einige Tage vor dem angeblichen Tattag das Zepter im üblicherweise perfekt gepflegte Kunrath-Garten übernommen hat. Mit seinen aus hortikultureller Erfahrung gewonnen Erkenntnissen macht sich Dollinger beim ermittelnden Hauptkommissar Schwerdtfeger nicht nur unbeliebt, sondern er gilt daraufhin auch gleich als tatverdächtig und mit ihm die anderen Gartenbauvereinsmitglieder.
In der Folge erhält er von diesen ganz offiziell den Auftrag, Licht ins Dunkle rund um den mysteriösen Mordfall zu bringen, damit wieder Ruhe im Ort einkehrt. Der Amateurdetektiv prüft parallel zu den polizeilichen Mordermittlungen die Alibis der Vereinsmitglieder und versucht mit einer Beziehungsgrafik Zusammenhänge zu erstellen und zu verstehen. Als ein Landstreicher als Tatverdächtiger verhaftet wird, zweifelt er an dessen Schuld. Walter Dollinger ist gewohnt zu agieren, damit andere reagieren müssen, und so schreckt er auch vor zuweilen illegalen und gefährlichen Aktionen nicht zurück und entwickelt seine ganz eigenen Methoden zur Sicherung von Beweismitteln. Er ist der Polizei immer einen Schritt voraus und wird von seiner Frau Karin tatkräftig unterstützt.
Dollinger scheint tatsächlich auf der richtigen Spur zu sein, denn er selber gerät ins Visier des Täters, doch auch ein als Drohung in seinem Garten platziertes Radieschen kann ihn nicht aufhalten. Neben seinen privaten Ermittlungen bleibt ihm aber auch immer wieder Zeit fürs Gärtnern und für Diskussionen mit anderen Gartenbauvereinsmitgliedern, etwa über den exakten Abstand zwischen Grashalmen im perfekt manikürten Rasen. Diesen Krimi habe ich hier schon einmal erwähnt kann abschliessend feststellen, dass sich die Lektüre unbedingt gelohnt hat. Ob man auf eine Fortsetzung im Rahmen einer Gartenkrimi-Serie hoffen darf? Während sich im englischen Sprachraum problemlos (Soft-)Krimis mit gärtnerischem Hintergrund finden lassen, sind deutsche Übersetzungen oder Originalausgaben doch als Mangelware zu bezeichnen.
Bernd Flessner:
Der Radieschenmörder - Ein perfider Garten-Krimi
BLV Buchverlag, 2015
Abonnieren
Kommentare (Atom)