7. Juni 2010

Kommissar Stein und der Gärtner

Hauptkommissar Armin Stein und sein Team werden zu einem Tatort in einem Gartencenter gerufen. Das Opfer ist brutal ermordet und bei Arbeitsbeginn von Gärtnereikollegen entdeckt worden. Neben der Leiche liegen Rosenblätter in Herzform und mit Rosenblättern (wohl eher Rosenblüten) steht geschrieben „ Nicht mit mir“. Beim Toten handelt es sich um den 31jährigen Thomas Hajek, der bei Blumen Risse gearbeitet hat.

Die ersten Zeugenbefragungen ergeben, dass Thomas Hajek sich gegenüber Neuentwicklungen ausgesprochen interessiert zeigte. Privat beschäftigte er sich gemeinsam mit seinem in der Forschung tätigen Freund zunächst mit Rosen- und aktuell mit Geranienzüchtungen (eigentlich Pelargonien). Ehrgeiziges Ziel waren nicht nur frostharte Pflanzen, sondern auch gelbe Blütenfarben.

Verschiedene Kollegen aus dem Gartencenter Risse scheinen mit Hajek ein Verhältnis gehabt zu haben und Hauptkommissar Stein tippt zunächst auf Eifersucht als Tatmotiv. Doch welche Rolle spielen die Neuzüchtungen und wie steht es überhaupt mit den Zuchterfolgen?

Dies ist bereits der siebte Fall für den EU-Durchschnittskommissar Armin Stein, dem in jedem Buch ein Assistent aus einem EU-Land zugeteilt wird – in diesem Krimi einer aus Italien. Dieser Domenico Manzoni ist immer wieder für einen Einblick in die nicht immer ganz rechtschaffene südeuropäische Polizeiarbeit gut. Nervend fand ich - parallel mit der Menge der gelesenen Seiten ansteigend - die unzähligen Erwähnungen von Kaffeezubereitungen und Kaffeepausen. Mit der Zeit hatte ich beinahe Entzugserscheinungen, wenn ich ein paar Seiten ohne Kaffeetrinken hinter mir bzw. gelesen hatte (nicht nach dem braunen Trank, diesen mag ich nicht) …

Auf dem Umschlagrücken wird die Kölnische Rundschau zitiert, welche geschrieben hat, dass Kommissar in Stein in Köln versucht, dieselbe Leistung zu erbringen wie Commissario Brunetti in Venedig. Falls Sie die Donna-Leon-Krimis lieben, sollten Sie allerdings Ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben – es wird doch in deutlich unterschiedlichen Ligen gespielt.



Peter-Wolfgang Klose:
Kommissar Stein und der Gärtner
Publikationsservice, 2010

4. Juni 2010

Zwiegespräche mit Zimmerpflanze

Die 34jährige Sophie, eine gelernte Fotografin mit einem Flair für handwerkliche Berufe, ist arbeitslos und schlägt sich seit Jahren mit Gelegenheitsjobs durch. Zusammen mit den beiden sympathischen, aufgeschlossenen und zu bereits etwas älteren Semestern zählenden Frauen Hedi und Lotti bildet sie eine WG. An der Hochzeit ihres Bruders Markus lernt Sophie den ebenfalls stellenlosen Tom kennen und glaubt schon sehr bald, ihren Traummann gefunden zu haben.

Sophie, die in ihrer Familie den Übernamen „Fräulein Münchhausen“ trägt, nimmt es schon beim ersten Treffen mit Tom mit der Wahrheit wieder einmal nicht so genau. Ihr neuer Bekannter hingegen scheint nahezu perfekt zu sein und kann Lügen nicht ausstehen. So sind die Probleme schon vor dem ersten Kuss vorprogrammiert.

Die Begegnung mit Tom veranlasst Sophie, endlich ihr Leben zu ordnen. Ihre beiden Wohnpartnerinnen unterstützen sie nach Kräften dabei, ihre Träume zu verwirklichen und Sophie entscheidet sich, ihr handwerkliches Geschick beruflich nutzen zu wollen. Ganz einfach ist der Weg in die Selbständigkeit dann nicht und weitere Schwierigkeiten wie Liebeskummer, die zunehmende Vergesslichkeit von Lotti, Eheprobleme des Bruders und Missverständnisse mit der besten Freundin sind weitere Hürden, die es zu meistern gilt.

Hilfe und Unterstützung findet Sophie in Zwiegesprächen mit ihrer Zimmerpflanze, genannt Miss Hepburn. Sie hat den Topf ein paar Monate zuvor vor der Müllverbrennung gerettet. Der Leser erfährt nie, um was für eine Pflanze es sich genau handelt (oder ich habe nicht genau gelesen!). Jedenfalls bewohnt Miss Hepburn einen bauchigen Topf, neigt ihre fleischigen Blätter Richtung Boden und wird im Laufe des Romans immer praller.

Der Schluss der Geschichte ist etwas abrupt und lässt etliche Fragen offen. Die Leserin hätte es interessiert, wie die (Fern-)Beziehung mit Tom klappt und wie die Heimwerkerschule „Sophies Werkzeugkasten“ anläuft. Vielleicht deuten diese Zeichen auf eine geplante Fortsetzung? Falls eine solche in Vorbereitung ist oder eine Nachauflage dieses Buches – der erwähnte italienische Fussballclub heisst übrigens Juventus Turin!



Silke Schütze:
Als Tom mir den Mond vom Himmel holte
Knaur Verlag, 2008

31. Mai 2010

Giftiger Garten

Im Garten der 44jährigen Dorelia Jones wachsen Giftpflanzen um die Wette. Und die Blumen blühen nicht nur ihrer Schönheit wegen, sondern die Gärtnerin braut daraus die verschiedenste Tränke. Auch der Verstand der Frau ist gewissermassen vergiftet und durchdringende Bosheit spiegelt sich in den meisten ihrer Handlungen wieder.

Dorelia ist eine Albino-Hexe und wohnt im Haus ihrer schwer kranken Mutter, die im Spital liegt und deren Übersiedlung in eine Pflegeresidenz geplant ist. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist seit Dorelias Kindertagen tief gestört und verkorkst. Die Mutter beschuldigt ihre Tochter offen, sie vergiften zu wollen und hat sie deshalb enterbt. Um die Pflegekosten zu bezahlen, will die Mutter ihr Haus rasch möglichst verkaufen und Dorelia benötigt darum dringend ein neues daheim. Sie kann kurzfristig bei ihrem Nachbarn Gilbert unterkommen.

Kurz darauf stirbt die Mutter tatsächlich. Doch der Hausverkauf wurde nur Stunden vorher definitiv besiegelt. Dorelia hat nun ihre Mutter verloren und der Grossteil der Erbmasse geht an den Pfarrer, so dass die Giftpflanzenmischerin praktisch leer ausgeht. Daraufhin blutet Dorelia wie ein Parasit den gutmütigen Gilbert aus, der viel zu spät erkennt, was für ein Spiel mit ihm getrieben wird.

Um an diesem Buch – gemäss Umschlag „A Gothic Fantasy“ – Gefallen zu finden, sollten Sie über ein gesundes Nervengerüst verfügen und ein Flair für Übersinnliches aufweisen.



Valentine Williams:
The Poison Garden of Dorelia Jones
BeWrite Books, 2009

28. Mai 2010

Gärtner unter Verdacht

Ob Sie etwas zu verbergen haben oder auch nicht - falls Sie jemals den Spellmans begegnen sollten, seien Sie auf der Hut! Wichtiges und weniger wichtiges wird lückenlos aufgezeichnet. Die Familie betreibt nämlich eine Privatdetektei und beim Schnüffeln und Beschatten sind die Mitglieder nahezu unübertrefflich.

Als ins Nachbarhaus ein überaus attraktiver Mann einzieht, weckt dessen Gartenleidenschaft und insbesondere sein ständiges Graben im Garten das Misstrauen von Isabel Spellman, genannt Izzy. Je länger diese den Nachbarn beobachtet, desto stärker ist sie der Ansicht, dass der Landschaftsgestalter etwas zu verbergen hat, und sie häuft Beweise und Indizien an, um endlich feststellen zu können, was er auf dem Kerbholz hat.

Vier Verhaftungen später (von Izzy beschönigend als „Betriebsunfälle“ bezeichnet), ist sie mit ihren Ermittlungen in diesem „Fall“ keinen Schritt weitergekommen. Aber auch die anderen Familienmitglieder überschreiten regelmässig die Grenzen der Legalität und ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich auch gegenseitig ausspionieren.

Der verdächtige Gärtner wird auf Schritt und Tritt verfolgt, und Izzy überwindet sich sogar einmal, selber im Nachbarsgarten tätig zu werden. Dabei gedeihen aber ihre Ungeduld und ihr Argwohn besser als die Tomatensträucher. Diese Gartenaktivitäten bedeuten auch nicht, dass gärtnern und Gärten eine grosse Rolle im Roman spielen. Der ziemlich verschrobene Charakter bzw. die Charaktermängel machen den Charme von Izzy aus und die frechen, schrägen Dialoge das Buch für Anhänger von Bridget Jones zu einem Lesevergnügen (mit einem überraschenden Ende).



Lisa Lutz:
Die Spy-Girls – Familie Spellman ermittelt
Gutstav Kiepenheuer (Aufbau Verlag), 2009


PS: Ich habe es natürlich nicht bleiben lassen können ...

24. Mai 2010

Gesucht wird …

Auf Umwegen habe ich erfahren, dass mein Blog letzthin in einer deutschen Gartenzeitschrift erwähnt worden ist. Leider habe ich diesen Hinweis verpasst. Wenn einer sich in so viele Bücher vergräbt wie die Sofagärtnerin, kann er ja unmöglich auch noch sämtliche anderen monatlichen und vierteljährlich erscheinenden Medien genauestens studieren! Letzthin habe ich in der Beilage der Sonntags Zeitung zur Giardina Zürich zwar den Artikel über geplante Gartensendungen im Schweizer Fernsehen gelesen, die Spalte direkt nebenan mit einer kleiner Information zum Sofagarten habe ich aber übersehen.

Aber zurück zu meinem „Hilferuf“. Leider kann sich die Leserin, die mir über die „vermisste“ Meldung geschrieben hat, nicht mehr genau erinnern, in welchem Printmedium sie über „Die Sofagärtnerin“ gestolpert ist - in Frage kommen sollen „Gartenträume“, „Landlust“ oder „Kraut und Rüben“. Vielleicht haben gerade SIE Ihren Weg hierhin aufgrund dieser Meldung gefunden? Falls Sie sich noch erinnern können, wo und wann diese erschienen ist, würde ich mich über eine E-Mail an nebenstehende Adresse oder einen Kommentar sehr freuen. Ich lege zwar nicht gerade ein Album mit den Schnipseln an, interessiere mich aber doch sehr für diese Blogwerbung.

22. Mai 2010

Junggärtner

Robert Höck ist erst Anfang zwanzig, sammelt aber schon seit Jahren Pflanzen und verfügt deshalb über ein enormes gärtnerisches Wissen. Dieses hat er sich neben seinen Ausbildungen als Landschaftsgärtner und Florist via Internet-Foren und natürlich durch „Learning by Doing“ seit Kindstagen erworben.

Im Vorwort zum Buch beschreibt der Autor, wie ihn das Gärtnern und die persönlichen und virtuellen Kontakte zu Gleichgesinnten in der Entwicklung von einem zurückgezogenen Jungen in einen weltoffenen kontaktfreudigen jungen Mann geprägt haben. Wenn ich ehrlich bin, hat mich der Titel dieses Buches Anfang Jahr beim Durchsehen der Frühlingsneuheiten zunächst überhaupt nicht angesprochen. Erst als ich letzthin beim Googeln mit dem Stichwort „grüner Daumen“ nochmals auf ihn gestossen bin und mir den Inhalt näher angeschaut habe, wurde meine Neugier geweckt.

Robert Höck stellt in Kurzbeiträgen wie „Der Mörder ist nicht immer der Gärtner – Tiere im Garten“, „Der Stein trügt – von Mauern und Steinen“, „Passionsblume – meine Favoritin" oder „Bartiris – Liebe auf den zweiten Blick“ seinen bunten Sammlergarten vor und lässt den Leser an seinem Wissensschatz teilhaben.

Ungezwungen schreibt der Autor über Blumen und vergleicht diese mit Topmodels. Die Fuchsia magellanica erinnert ihn an die mageren Lauftstegschönheiten. Und während die – Zitat - „halbverhungerten Catwalkqueens oft aussehen, als würden sie den nächsten Winter nicht überleben“, überstehen die grazilen Gartenschönheiten zumeist zuverlässig auch die hiesigen Winter. Sogar mit aktuellen Schminktechniken scheint Höck sich auszukennen und weiss, dass die schwarzäugige Susanne schon seit jeher mit „Smokey Eyes“ die Blicke auf sich zieht.

Übrigens sind nicht nur die Texte sondern auch die Fotos vom Autor und Gärtner. Welche Talente wohl sonst noch so in ihm schlummern? Während wir also lauschen, was unser Garten erzählt, können wir gespannt sein, was in Zukunft aus dem Tirol zu hören und lesen sein wird.



Robert Höck:
Hören, was der Garten sagt – So bekommen Sie den grünen Daumen
AV Buch, 2010

19. Mai 2010

Efeuschlinge

Um die Leiche des ermordeten Holger Krause ist sorgfältig ein leicht verwelkter Kranz aus Efeu, Blutweiderich, Hahnenfuss und Margeriten drapiert. Neben seinem Studium schrieb das Opfer zu Lebzeiten für das Schwäbische Tagblatt. Die Ermittlungen der Tübinger Kommissarinnen und Freundinnen Birgit Wahl und Carolynn Baumann lassen bald vermuten, dass Krause entweder selber in die Abschlachtung und Schändung von Schafen verwickelt war oder durch Recherchen auf die Spur des oder der Täter gekommen sein muss. Auch Krauses Schwester, die den elterlichen Buchverlag führt, ist in undurchsichtige Geschäfte verwickelt und Mitstudenten weisen ebenfalls Motive auf.

Kommissarin Birgit Wahl ist gelernte Gärtnerin und hat ihre Lehre in einer Heilpflanzengärtnerei absolviert. Auf Umwegen ist sie wie ihre Wohnpartnerin bei der Kriminalpolizei gelandet. Birgits botanisches Wissen ist in diesem Tübingen-Krimi bei der Lösung des Falls überaus nützlich. Nicht nur der Fall direkt hat mit Blumen zu tun, die Kommissarin gärtnert auch privat und der Leser erfährt nebenbei einiges über die Wahl-Baumannsche Parzelle mit Knoten- und Rosengarten.

Nach dieser angenehmen Lektüre hoffe ich auf eine Fortsetzung mit ähnlich ausgeprägtem hortikulturellem Hintergrund. Schliesslich gibt es auf Deutsch nicht gerade viele Krimis, die (fast) uneingeschränkt das Etikett „Gartenkrimi“ verdienen. Büchertipps aus dieser Kategorie sind natürlich immer willkommen und diesen Aufruf möchte ich gleichzeitig verbinden mit einem Dankeschön für den Hinweis auf „Efeuschlinge“ an die Tippgeberin aus der Leserschaft!



Ulrike Mundorff:
Efeuschlinge – Ein Tübingen-Krimi
Silberburg-Verlag, 2009

16. Mai 2010

Tomorrow’s Garden

Die Familien Fontenay und Sinclair sind schon sein Jahrhunderten miteinander verbunden. Sie haben sich bekämpft, aber es gab auch immer wieder Liebespaare, die sich nicht um die Konflikte geschert haben. Diese kriegsähnlichen Zustände gehören aber schon länger der Vergangenheit an, als Anna Fontenay nach dem Tod ihres Mannes David auf das Schloss zurückkehrt und dessen letzten Wunsch erfüllen will. Und zwar soll sie die Gärten rund um die Ruinen des alten Schlosses restaurieren lassen und insbesondere dem familiären Rosengarten, der zur Erinnerung an verstorbene Fontenays angepflanzt worden ist, zu neuer Blüte verhelfen.

Anna engagiert Joss Foxley für die Wiederherstellung der Gartenanlagen. Rosen gehören nun überhaupt nicht zu ihren Lieblingspflanzen. Ihre Pläne für den Garten werden nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen und sie muss einige Überzeugungsarbeit aufwenden, um Joss für ihre Umgestaltungspläne halbwegs zu begeistern. Kaum haben die Gartenarbeiten begonnen, kommt beim Umgraben der Erde ein Skelett zum Vorschein. Gleichzeitig meldet auch Hugo Brooks, der Mieter von Fontenay, laufend deutlichere Ansprüche an das Schloss und die jetzige Besitzerin an.

Anna gerät immer mehr in die schwelende Rivalität zwischen Hugo Brooks und Joss Foxley und muss feststellen, dass die Fehde zwischen den Fontenays und Sinclairs aktueller ist, als sie angenommen hat.

Eine fesselnd aufgebaute Geschichte in drei Erzählsträngen, die das Prädikat „Gartenroman“ ohne Einschränkung verdient. Rosen sind durch das ganze Buch hinweg Synonym für den roten Faden.



Harriet Hudson:
Tomorrow’s Garden
Severn House, 2002

12. Mai 2010

Der Fluch des Gartens

Was soll man als Leserin davon halten, wenn auf dem Umschlagrücken eines Büchleins steht „Das wahrscheinlich beste Buch der Welt (Niemand)“ und „Ich habe es noch nicht gelesen, und werde es auch niemals lesen (Mutter)“? Vielleicht auf das Bauchgefühl hören, es wie die Mutter halten und ein anderes Buch zur Hand nehmen?

Wenn Sie gerne mehr über die Ortschaft St. Baumeln erfahren möchten, müssen Sie wohl der Empfehlung des anonymen „Niemand“ folgen. St. Baumeln ist ein etwas spezielles Dorf. So rückt hier die Feuerwehr nicht aus, wenn es brennt, sondern schaut tagtäglich zur selben Zeit kurz vorbei. Blöd, wenn dann gleich kurz nach dem obligaten Besuch der Feuerwehr tatsächlich ein Brand ausbricht… In der recht kurzen Geschichte wird über die Arbeit von Magensäften und übergenaue Details zur Rechnerkapazitäten ebenso berichtet wie über Polizisten, die auf Kühen reitend ihren Dienst versehen und ihre Fälle lösen, indem sie sich mittels genauem Studium von C.S.I.-Videos weiterbilden.

Sie fragen sich, wo denn das Gärtnerische bleibt? Nun ein Gartenzwerg spielt eine nicht unwichtige Rolle. Auch ohne auf den orthographischen Schwächen herumzureiten – ich hätte mich besser dem (Vor-)Urteil der Mutter angeschlossen. Und falls Sie sich wundern, warum ich immer wieder Bücher von Hobbyautoren lese und mich über die Fehler in den Texten ärgere – schon häufig bin ich dadurch auf nette oder gar tolle Lektüre gestossen. Und auch mir ist klar, dass in jedem Buch (und auch in diesem Blog!) Fehler zu finden sind. Das Lesevergnügen wird aber schon geschmälert, wenn einem ständig welche ins Auge springen. Da ich im Moment keine weitere Lesependenz aus der Kategorie „gärtnernde Hobbyschriftsteller“ habe, werden Sie hier in nächster Zeit von Kritik in dieser Richtung verschont.



Christoph Schmied:
Der Fluch des Gartens
Edition Nove , 2008

8. Mai 2010

Passing Strange

Die Hobbygärtner aus dem Dorf Almstone messen sich und ihre Gartenprodukte jährlich in einem friedlichen Wettstreit anlässlich der Almstone Flower Show. Während den Aufräumarbeiten im Anschluss an die diesjährige Blumenschau wird die ländliche Idylle jäh gestört, als die Leiche der lokalen Hebamme Joyce Cooper entdeckt wird. Joyce wirkte neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch als Wahrsagerin und hat ihre Kunden in einem eigenen Zelt neben der Blumenausstellung empfangen. Nun liegt sie mit einem Blumendraht erdrosselt unter einer Zeltplane.

Schon die Tatsache, dass Ken Wall’s prächtige Tomaten bei der Preisverleihung übergangen wurden, sorgte am Konkurrenzkampf für einigen Aufruhr. Nun steht Inspector Sloan vor der Aufgabe herauszufinden, wer die allseits beliebte Joyce Cooper ermordet hat. Welche Rolle spielt eine (angebliche) Erbin, die aus einem Landverkauf Profit schlagen könnte oder ein (nicht) vorhandenes Muttermal?

Das Cover meiner Taschenausgabe mit einer Wahrsagerin samt Kristallkugel ist etwas gewöhnungsbedürftig, wiederspiegelt aber wohl den Geschmack bei Erscheinen des Buches vor bald dreissig Jahren. Aber diese Tatsache schmälert das Lesevergnügen des britischen Gartenkrimis ja in keiner Weise.



Catherine Aird:
Passing Strange
Bantam Books, 1982

5. Mai 2010

Heckenschüsse und Heckengeflüster

Im Büchlein „Heckengeflüster“ erwartet Sie Bösartiges aus dem geplagten Leben einer Londoner Gärtnerin in einer hübschen Verpackung in witziger Form zu Papier gebracht. Übles gibt’s da einiges, wie beispielsweise Kinder, die Rosen zerhacken oder Bauarbeiter, die Abfall durch die Äste der Linden schmeissen. Auch Nachbarn, Hunde, Passanten und Touristen zählen zu den Plagen einer Gärtnerin in der englischen Hauptstadt und kriegen ihr Fett ab. Doch nicht nur daheim, auch in fremden Gärten stösst die Autorin auf unliebsame Überraschungen wie fette Efeuarme, die sich in einer Gartenwirtschaft um die Hälse der Kundschaft winden.

Sind Londoner Kinder, Nachbarn, Bauarbeiter und Touristen wirklich so schlimm? Jedenfalls ist das Büchlein trotz den manchmal arg negativen Anspielungen eine sehr amüsante Lektüre, in welcher die Liebe der Autorin für ihren Garten und ihre Fachkenntnisse nicht nur zwischen den Zeilen durchschimmern. Bleibt zu hoffen, dass Ihre Nachbarn nicht zu den im Büchlein erwähnten Sorte gehören. Falls doch das eine oder andere beschriebene Ärgernis auf Ihre Verhältnisse zutreffen sollte, sind Sie ja vielleicht nach dem Lesen der teilweise bitterbösen Zeilen mit Ihrer Umgebung (wieder) etwas versöhnt, weil Sie sich zumindest in guter Gesellschaft befinden.

Die englische Version „The Revolting Garden“ ist übrigens schon länger nur noch relativ schwierig antiquarisch zu ergattern. Diese deutsche Ausgabe habe ich im Sofagarten bereits vor ein paar Wochen einmal kurz erwähnt, weil ich beim Auspacken derselben in Anbetracht des Kaufpreises vom Miniformat negativ überrascht war. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Preis an der oberen Schmerzgrenze liegt, das Geschriebene war aber jeden Franken wert. Nach der Lektüre mag der Leser ahnen, warum die Gartengeschichten der Autorin unter einem Pseudonym veröffentlicht worden sind …



Rose Blight / Germaine Greer:
Heckengeflüster
Schöffling & Co., 2010

2. Mai 2010

Frauenfreundschaften

„Hope Springs“ ist das zweite Buch der Trilogie über die Freundschaft von Jessie, Margaret, Louise, Beatrice und Charlotte. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und kann auch als Einzelband gelesen werden.

Jede dieser Frauen trägt mehr oder schwer an Bürden aus der Vergangenheit. Die junge Seelsorgerin Charlotte zweifelt an ihrer Berufung, während Jessie plant, mit Ihrem Mann alle Brücken hinter sich abzubrechen und in Kalifornien ihren Lebensabend zu verbringen. Sie hat ihren rastlosen Ehemann, nachdem er vor vielen Jahren sie und ihre Kinder einfach im Stich gelassen hat, kürzlich wieder ohne Wenn und Aber aufgenommen. Ihre Freundinnen verstehen gerade aus diesem Grund noch weniger, wie sie langjährige Gefährtinnen, die mit ihr durch dick und dünn gegangen sind, so einfach zurücklassen kann. Diese Umzugs-Neuigkeiten werden aber überschattet von Margarets Mitteilung, dass sie an Brustkrebs leidet und sich einer Operation unterziehen muss.

Die Charaktere sind sehr echt gezeichnet und man wünschte sich fast, die Frauen kennenlernen zu können. Der Roman erzählt unter anderem, wie Margaret von ihren Freundinnen unterstützt wird. Sehr eindrücklich ist die Passage, in welcher sich diese eine Glatze schneiden, damit die Krebspatientin nicht die einzige ist, die ohne Haare herumlaufen muss. Zu dieser Situation kommt es dann aber gar nicht, da keine Chemotherapie nötig ist.

Das Buch ist übrigens auch unter dem Titel „Garden of Faith“ erschienen. Zwischen die Kapitel eingestreut sind die „Hope Springs Community Garden Club Newsletters“ von Beatrice. Auf jeweils einer Seite werden zur Saison passende Tipps vermittelt und Parallelen zwischen Garten und Freundschaften bzw. Partnerschaften gezogen - die Tiefpunkte im Leben sind gewissermassen die Metapher für „Unkräuter“.



Lynne Hinton:
Hope Springs
Harper San Francisco, 2002

28. April 2010

Auf dem Gut Nassenheide

Kennen Sie das Gut Nassenheide? Wer sich für unterhaltsame Gartenbücher interessiert, wird früher oder später auf das reizende Büchlein „Elizabeth und ihr Garten“ von Elizabeth von Arnim (1866 – 1941) stossen, das von dem Leben der von Arnims auf Nassenheide berichtet. Aufgrund dieser Lektüre habe ich vor rund zwanzig Jahren mehrere Titel dieser Autorin verschlungen, darunter beispielsweise „Verzauberter April“. Heute stehen nur noch das erstgenannte Buch sowie „Garten der Kindheit“ in Griffnähe auf dem Regal. Letzthin habe ich in einer Buchhandlung auf einem Tisch mit preisreduzierten Mängelexemplaren das Buch „Sommer ohne Gäste“ dieser Autorin entdeckt und lese es nun auf meinem Arbeitsweg. Nach dem erfolgreichen Erstling „Elizabeth und ihr Garten“ war „Sommer ohne Gäste“ (englisch: „The Solitary Summer“) das zweite Buch der Autorin und auch dieses wurde begeistert aufgenommen.

Mit meiner Vermutung, dass sich Elizabeth von Arnim, wenn sie einen Sommer lang nicht von Gästen in Beschlag genommen wurde, wohl ihren Lieblingsbeschäftigungen lesen und gärtnern gewidmet hat, lag ich goldrichtig. Obwohl gärtnern in ihrem Fall ja nicht ganz stimmt, da sie aus Standesgründen nicht selber in der Erde wühlen durfte. Das Gärtnern beschränkte sich auf die zumeist mühsamen Instruktionen an (Hilfs-)Gärtner, die den Anleitungen leider meist nicht Folge leisteten und Elizabeth von Arnims gestalterische Ideen boykottierten. Die eigensinnige Frau hat zunächst bewusst unerfahrene Gärtner eingestellt, musste aber bald feststellen, dass diese je weniger sie von der Sache verstanden, um so hartnäckiger darauf beharrten, recht zu haben.

Neben dem Garten und den vielen darin blühenden Blumen sind auch die Leseerlebnisse der Autorin ein wiederkehrendes Thema im Buch. Goethe wird am Nachmittag im Garten gelesen und auch in Thoreaus Gedanken hätte sie sich nie im Wohnzimmer vergraben.

Wenn Sie wie Elizabeth von Arnim der Meinung sind, dass es ausser Büchern und Gärten (fast) keine Objekte der Liebe gibt, die einen reichlich und treu belohnen, ist „Sommer ohne Gäste“ sicher die richtige Lektüre für Sie! Vielleicht habe ich „Sommer ohne Gäste“ vor Jahren auch schon einmal gelesen und erinnere mich nicht mehr daran. Jedenfalls würde es mich nicht wirklich überraschen, wenn ich in unserem Estrich auf dieses Buch stossen würde, wenn ich irgendwann wieder einmal die alten Bücherkisten durchwühle.



Elizabeth von Arnim:
Sommer ohne Gäste
List Taschenbuch, 2006

25. April 2010

Natürlich der Gärtner!

Aus einem Niederrhein-Krimiprojekt sind elf spannende und völlig verschiedene Kurzkrimis herausgegangen und begleitend zu den Lesungen, die zwischen April und Anfang Juni 2010 stattfinden, haben Ina Coelen und Rebecca Gablé diese Geschichten im Leporello Verlag herausgegeben. Diesen Krimis gemeinsam ist, dass sich sämtliche Tatorte entlang der „Strasse der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ befinden.

Auch für Leser, die sich in dieser Region nicht auskennen und denen Namen wie Schloss Krickenbeck, Schloss Zons und die Terassengärten von Kloster Kamp nichts sagen, ist diese Anthologie eine überzeugende Lektüre. Falls Sie sogar die Möglichkeit haben, an einer Lesung am jeweiligen Tatort teilzunehmen, sollten Sie sich sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen!

Ansonsten machen Sie es doch wie die Sofagärtnerin und finden Sie bequem in Ihrem Sessel sitzend und lesend heraus, ob sich hunderte von gezückten Taschentüchern an einer Davidia dazu eignen, Tränen zu trocknen, warum ausgerechnet in einem Klostergarten ein Mord passiert ist und was ein Jaguar im bunten Garten zu suchen hat. Und vielleicht fiebern Sie sogar mit einer Profikillerin mit, ob diese es wohl zum wiederholten Mal schafft, einen annähernd perfekten Mord zu begehen oder ob sie die Einladung zu einem Klassentreffen doch besser ausgeschlagen hätte.



Ina Coelen & Rebecca Gablé (Hrsg.):
Natürlich der Gärtner!
Leporello Verlag, 2010

22. April 2010

Vom Kultivieren der Erde

Landschaftsarchitekten, Kunsthistoriker, ein Botaniker, ein Bodenkundler, ein Philosoph und andere mehr haben für das von Brita Reimers herausgegebene Buch „Gärten und Politik“ unterschiedliche Beiträge verfasst oder nochmals überarbeitet.

Im Fokus stehen traditionelle Parks und Anlagen, Mieter- und Kleingärten, Migrantengärten, aber auch die Gefängnisgärten von Nelson Mandela und Rosa Luxemburg. „Tomaten in menschlicher Gesellschaft“ gibt einen Überblick über die Karriere der auch Liebesäpfel genannten Frucht in Europa und die Beziehung von Mensch und dieser Pflanze.

Der Text „Vom Gartenkind zum Weltbürger – Natur als éducation politique“ von der Herausgeberin selber beschäftigt sich mit Alma de l’Aigle und beginnt mit der politischen Geschichte des Gartens über den Kauf des Grundstücks. Weiter erfährt der interessierte Leser, wie die Ende des 20. Jahrhunderts mittlerweile in einem teuren Hamburger Stadtteil liegende Parzelle kurz vor Bewilligung einer Eigentumswohnungsüberbauung wenigstens zu einem Viertel der Bodenspekulation entzogen werden konnte. Dank einem Kompromiss gelang es, den schützenswerte Garten und seltene Kulturpflanzen zu retten. Zusätzlich gibt dieser Artikel einen Einblick in die von Alma de l’Aigle verfassten Bücher, zu denen neben Gartentiteln auch sanfte Lehrbücher für Kinder und Erwachsene zählten.

Weitere Beiträge widmen sich beispielsweise Themen wie „Gärten in moderenen Zeiten“, „Gärten und Kulturen auf Wanderschaft“ und „Barock als Banalität: Linden in der Kulturlandschaft“.



Brita Reimers (Hrsg.):
Gärten und Politik – Vom Kultivieren der Erde
Ökom Verlag, 2010