22. Juli 2011

Dorothy St. James: Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery

Cassandra Calhoun, genannt Casey, hat einen wichtigen Auftritt vor sich: die junge ambitionierte Gärtnerin soll ihr neues Kultivierungsprogramm für die Anlagen rund ums Weisse Haus vor einem Ausschuss und vor der Präsidentengattin Mrs Bradley präsentieren. Das Konzept basiert auf biologischen Grundsätzen. Caseys hortikulturelles Interesse haben ihre Grossmutter und Tanten, die sie in Charleston grossgezogen haben, geweckt. Ausserdem betrachtet sie sich – qualifiziert durch die Lektüre von unzähligen Krimis – als junge Ausgabe von Miss Marple. Bevor die Gärtnerin ihre Pläne vorstellen kann, wird sie im Garten von einem Unbekannten attackiert, der unbehelligt fliehen kann. Als Casey gleichentags auf dem Gelände ihres Arbeitsplatzes eine tote junge Frau entdeckt, findet sich die junge Gärtnerin unvermittelt selber in einem Kriminalfall wieder.

Weshalb wurde sie selber hinterrücks niedergeschlagen? Trotz gegenteiligen Anweisungen des Secret Services steckt Casey ihre Nase in der Folge immer wieder in Angelegenheiten, die sie nichts angehen. Dies umso mehr, da sie der Meinung ist, dass der Secret Service in die falsche Richtung ermittelt. Was für eine Rolle in Caseys Ermittlungsdrang spielt ein Gewaltverbrechen in ihrer Kindheit? Die Gärtnerin muss feststellen, dass das Lesen von Kriminalromanen sie nicht auf die reale Konfrontation mit einem Tötungsdelikt vorbereitet hat.

„Flowerbed of State“ ist wieder einmal ein Gartenkrimi, der diese Bezeichnung verdient. Der Lesespass wird immer wieder mit botanischen Informationen aufgelockert. Etwa mit jener, dass die Rosen im Garten des Weissen Hauses wie einjährige Pflanzen gezogen werden. Ein Umstand, der Casey ein Dorn im Auge ist und der im Rahmen ihres neuen Kultivierungsprogrammes verändert werden soll. Der Roman schliesst mit einem Einblick in Caseys Gartennotizbuch und einer Anleitung zum Ziehen von Ananaspflanzen ab.

Obwohl gewisse Zusammentreffen der Gärtnerin mit der First Lady und insbesondere Caseys Rolle und Wichtigkeit gelegentlich etwas übertrieben und eher unglaubwürdig anmuten, durchaus eine lesenswerter Gartenkrimi.



Dorothy St. James:
Flowerbed of State – A White House Gardener Mystery
Berkley Prime Crime, 2011

19. Juli 2011

Unser Garten Eden (DVD)

„Unser Garten Eden“ lautet der Titel der von Mano Khalil verfilmten Schrebergartengeschichten (CH-Dialekt mit Untertiteln) aus Bümpliz im Kanton Bern. Ob in diesen kleinen abgegrenzten vermeintlichen Paradiesen alles im grünen Bereich ist? Lassen sich Probleme am Arbeitsplatz oder in der Beziehung beim Eingang zu den Pünten abstreifen? Nicht völlig. Auf relativ engem Raum treffen in Kleingartenanlagen unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander, womit genügend Zündstoff für Reibereien und grössere Streitigkeiten gegeben ist. Der Film handelt denn auch weniger von den Tätigkeiten rund ums Gärtnern sondern von den Menschen aus rund 20 Nationen, welche den Boden der 148 Parzellen bearbeiten.

Der umtriebige Präsident des Kleingartenvereins sieht sich immer wieder unvermittelt im Kreuzfeuer von konträren Ansichten, Improvisationstalenten, Ordnung und Einhalten von Regeln. Wenn er bewaffnet mit Messband und Vorschriften zusammen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes durch die Gärten streift und kontrolliert, ob alle Vorgaben wie beispielsweise Grösse der Gartenhäuser eingehalten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Auch die im Film immer wieder ersichtlichen Tafeln mit Hinweisen und Verboten scheinen wohl gemäss Meinung einiger Schrebergärtner eher der Dekoration zu dienen oder werden als Schikane empfunden.

Der Film ist ein interessantes Abbild der heutigen Schweiz auf kleinstem Raum – Multi-Kulti-Geschichten mit hortikulturellem Hintergrund. Einzelne Portraits von Püntikern lassen den Betrachter betroffen und berührt zurück, andere Szenen lassen einen den Kopf schütteln. Nachdenklich macht den Zuschauer beispielsweise, wenn ein Italiener nach über vierzig Jahren in der Schweiz resigniert feststellt, weniger zu haben als seinerzeit in seinem Heimatland und der Garten ihm hauptsächlich dazu dient, nicht ständig über verpasste Chancen oder Fehlentscheidungen nachzugrübeln. Eher grotesk muten die Filmsequenzen an, bis der „Säuli-Tempel“, ein Spanferkel-Grill, endlich eingeweiht werden kann.

Unbedingt sehenswert!



Film von Mano Khalil:
Unser Garten Eden
Pelican Films, 2010

16. Juli 2011

Liv Winterberg: Vom anderen Ende der Welt

Wer sich schon eingehend mit einschlägiger Literatur über Pflanzenjäger beschäftigt hat, ist mit einiger Sicherheit auch schon auf den Namen der französischen Botanikerin Jeanne Baret gestossen, die 1768 an Bord eines von Kapitän Bougainville (Bougainvillea/Drillingsblume) befehligten Schiffes als Mann verkleidet Richtung Südpazifik in See stach. Nur in dieser Verkleidung konnte sie als Frau wissenschaftlich tätig sein. Eben diese Täuschung bildet den Rahmen für den Roman „Vom anderen Ende der Welt“ von Liv Winterberg.

Nach dem Tod ihres Vaters soll Mary Linley verheiratet werden. Der jungen Frau sind von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, umfangreiche botanische Kenntnisse vermittelt worden. Und so träumt Mary davon, die weite Welt zu erkunden. Um diese Pläne verwirklichen und die drohende Eheschliessung verhindern zu können, bewirbt sie sich als Mann verkleidet um eine Stelle an Bord der „Sailing Queen“, die im Juli 1785 in Plymouth ablegen soll. Da kurzfristig die Stelle eines Zeichners neu zu besetzen ist, überwindet Mary diese erste Hürde und kann an der Expedition Richtung Südpazifik teilnehmen.

Ihr Tauschmanöver bleibt nicht lange unentdeckt. Bereits nach knapp einem Monat fliegt ihre Tarnung auf. Wie reagieren der Botaniker Sir Carl Belham und der Kapitän darauf, von einer Frau derart an der Nase herum geführt worden zu sein?

Der Roman ist gut lesbar, aber nicht besonders spannend. Interessant sind insbesondere die detailreichen Einblicke in das beschwerliche Leben auf einem Entdeckerschiff vor rund 200 Jahren.



Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011

13. Juli 2011

Elisabeth Tova Bailey: The Sound of a Wild Snail Eating

Gärtner sind meistens nicht besonders gut auf Schnecken zu sprechen. In Zeitschriften, Büchern und Gartenforen findet man fast unzählige Tipps, wie man (Nackt-)Schnecken davon abhält, Salat, Hostas und andere ihrer Lieblingsfresspflanzen zu vertilgen. Wie kommt es also dazu, dass eine junge Amerikanerin sich intensiv mit „Hüüsli-Schnägge“ beschäftigt und schliesslich ein Buch darüber schreibt?

Zu diesem Zeitvertreib kam Elisabeth Tova Bailey nicht ganz freiwillig. Die sportliche und aktive Frau erkrankte im Alter von 34 Jahren nach einer Europareise durch einen mysteriösen Erreger schwer und blieb in der Folge für lange Zeit ans Bett gefesselt. Jeder Augenblick fühlte sich an wie eine unendliche Stunde. Die Gedanken kreisten immer wieder um die W-Fragen: warum, was, wann und wie? Und immer wieder, wenn sie sich vom Rest der Welt abgeschnitten fühlte, wünschte sie sich, ihren chronisch an Zeitmangel leidenden Freunden von ihrer nutzlosen Zeit abgeben zu können.

Eine Freundin stellt ihr in dieser schweren Phase einen Topf mit einem Ackerstiefmütterchen ans Bett. Zwischen die Blätter hatte sie eine gewöhnliche Waldschnecke (Neohelix albolabris) platziert. Elisabeth Tova Bailey freute sich über diese etwas ungewöhnliche Aufmerksamkeit und wunderte sich gleichzeitig, was sie damit anfangen sollte. Im Gegensatz zu den üblichen Mitbringseln aus Schnittblumen, waren die Stiefmütterchen voll Leben. Die bettlägerige Frau, die früher zeitweise als Gärtnerin gearbeitet hatte, freute sich an dem kleinen Stück Garten neben ihrem Bett, das sie mit ihrem Trinkglas bewässern konnte.

Wie still muss ein Raum sein, dass man eine Schnecke fressen hört? In ihrem berührenden Buch „The Sound of a Wild Snail Eating“ erzählt die Autorin wir ihr eben dieses Geräusch das Gefühl von Gesellschaft und gemeinsam geteilten Raum vermittelte. Dank dem Blumentopf samt Bewohner konnte sie soweit es ihr eben möglich war, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Der Topf wurde bald durch ein artgerechtes Terrarium ersetzt und entspannendes „Snail watching“ liess die Stunden schneller verstreichen. Parallel zu ihrer Weichtier-Beobachtung begann die Patientin, sich intensiv mit Schnecken in der Literatur auseinanderzusetzen, was auch Ausdruck im umfangreichen Quellenverzeichnis im Anhang des Buches findet. Elisabeth Tova Bailey entdeckte, dass Schleim nicht nur eklig ist, sondern auch interessant. Und die Amerikanerin fand schliesslich sogar heraus, dass sie wohl die erste Person ist, die ihre Beobachtungen über die Hege und Pflege des Eiergeleges durch eine Schnecke schriftlich festgehalten hat.

Die Schnecke nahm einen wichtigen Platz im eingeschränkten Leben der Autorin ein. So wichtig, dass sie annähernd panisch reagierte, als sie ihren kriechenden Mitbewohner eines Tages nicht mehr im offenen Terrarium entdecken konnte. Während sich diese Sorgen nach dem Auffinden des Ausreissers – er hatte sich für die ans Bett gefesselte Frau unerreichbar versteckt – als unbegründet herausstellten, ist die Autorin auch mehr als fünfzehn Jahre nach ihrer Erkrankung gesundheitlich nach wie vor sehr stark eingeschränkt. Ihre Genesung ist aber soweit fortgeschritten, dass eines Tages der Zeitpunkt kam, an welchem die Schnecken-Beobachtung plötzlich ihre Geduld (über)strapazierte.

Im Rückblick schreibt die Autorin, dass die Schnecke ihr die beste aller Kameradinnen gewesen ist. Sie stellte nie Fragen, die nicht beantwortet werden konnten und sie stellte keine unerfüllbaren Ansprüche. Eine sehr eindrückliche Lektüre, die ganz nebenbei viel Interessantes und Wissenswertes über Schnecken vermittelt! Elisabeth Tova Baileys Schnecke ist übrigens samt Nachkommen längst wieder in der Natur freigelassen worden.



Elisabeth Tova Bailey:
The Sound of a Wild Snail Eating
Algonquin Books of Chapel Hill, 2010

10. Juli 2011

Auerbach & Keller: Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergartenkrimi

Beim Googeln mit den Stichwörtern „Schrebergarten“ und „Krimi“ bin ich auf das Buch „Unter allen Beeten ist Ruh“ des Autorenduos Auerbach & Keller gestossen. Das hätte ich auch einfacher haben können – mittlerweile habe ich es nämlich in verschiedenen Buchhandlungen ebenfalls entdeckt.

Pippa Bolla – eine ihr nicht gerade wohlgesinnte Geschlechtsgenossin hat sie wie folgt beschrieben: dick, steckt in der Midlifecrisis, kleidet sich geschmacklos, hat lächerliches rotes Haar und blasse Haut – möchte ganz einfach in Ruhe arbeiten. Das Übersetzen von Texten über die Veränderung des Gefieders des Gemeinen Haubentauchers gestaltet sich als nicht ganz einfach, wenn man in Berlin in einer Familien-WG lebt, die sich in einem Mehrfamilienhaus befindet und mit einer Bewohnerschaft aufwartet, die auf Familienanschluss pocht. Da kommt Pippa das Angebot, temporär auf die kleine Havelinsel Schreberwerder zu ziehen und einen Schrebergarten samt Häuschen zu hüten, gerade recht.

So beschaulich wie sich Pippa ihren Aufenthalt im Grünen ausgemalt hat, wird er dann aber nicht. Das liegt nun jedoch nicht an den teilweise mit geschmacklosen und protzigen Dekorationen geschmückten Gärten. Schuld sind auch nicht die unzähligen Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, allesamt in X-Form, ab und an immerhin von Rosen umrankt oder von Moos bewachsen, die einen anderen Garten zieren, sondern an der angespannten Stimmung zwischen den teils recht schrulligen Parzellenbesitzern.

Diese Anspannung ist darauf zurückzuführen, dass einer der Eigentümer, der Unternehmer Lutz Erdmann, die gesamte Insel in ein „Hanf-Resort“, einen Ort der Erholung für Allergiker verwandeln will. Seinem Traum vom grossen Coup stehen die meisten Landbesitzer kritisch bis abneigend gegenüber und möchten unter keinen Umständen an Erdmann verkaufen, auch wenn sein Angebot verlockend zu sein scheint. Nach einer „Überzeugungsparty“ wird eine Parzellenbesitzerin tot in ihrem Häuschen aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Während Pippa nicht als einzige dieses Untersuchungsergebnis anzweifelt, ereignet sich bereit ein nächster Unglücksfall.

Die neugierige Pippa fängt an, herumzuschnüffeln und es stellt sich heraus, dass auf der beschaulichen Havelinsel mehr als einer einiges auf dem Kerbholz hat, was er gerne verbergen möchte. So wurde einer wegen gefährlicher Körperverletzung aus der Marine entlassen, ein anderer gilt als Frauenverführer und ein dritter geht illegalen Geschäften nach. Bald wünscht Pippa, sich nur noch auf ihre langweiligen Übersetzungen konzentrieren zu können…

Vergnüglicher Soft-Krimi mit sympathischen Figuren. Ob die angetönten Fortsetzungen auch im Schrebergartenmilieu spielen werden?



Auerbach & Keller:
Unter allen Beeten ist Ruh – Ein Schrebergarten-Krimi
List/Ullstein Buchverlag, 2011

7. Juli 2011

Nadine Olonetzky: Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte

Gelegentlich findet ein Buch nachdem es jahrelang auf der Wunschliste gestanden hat, plötzlich doch noch den Weg in den Sofagarten. Zuletzt geschehen mit der literarischen Reise durch die Gartengeschichte von Nadine Olonetzky – einer überaus intelligent geschriebenen Lektüre in einem schön gestalteten Stoffumschlag.

Die auf Hortikultur fokussierte Reise durch sechs Jahrtausende startet um 4000 v. Chr. in den Steppen und Wüsten Mesopotamiens, der Wiege der Gartenkultur und endet mit einem Absatz über die Verleihung des Schulthess-Gartenpreises 2006 an die Ermitage in Arlesheim, dem bedeutendsten englischen Landschaftspark in der Schweiz.

Bis zum ersten Kapitel in der Zeitreise, das mit einem Datum „n. Chr.“ datiert ist, hat die Leserin über verschiedene Etappenziele die Gartenkultur am Nil kennengelernt, vom wahrscheinlich ersten gestalteten Landschaftspark in Chorsabad im heutigen Nordirak und den hängenden Gärten von Babylon gelesen und erfahren, dass Theophrast die Basis zur heutigen botanischen Lehre gelegt hat.

Haben Sie gewusst, dass der Brauch am Valentinstag Blumen zu verschenken auf einen Bischof Valentin zurückgeht, der am 14.2.269 hingerichtet worden ist? Der später heiliggesprochene Märtyrer soll frisch vermählten Paaren jeweils Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Nächste Reisestation ist ein Beitrag über die heilige Dorothea von Cäsarea, der Schutzpatronin der Gärtner. Neben Texten zu diesen christlichen Märtyrern gibt es auch Beiträge über islamische Gärten, Volksparks und Landschaftsgärten, aber auch Klostergärten und ein Monstergarten werden thematisiert.

William Curtis‘ „Botanical Magazine“, das erste Alpinum in England und die Gründung der Royal Horticultural Society (damals noch London Horticultural Society) markieren die Schwelle zum 19. Jahrhundert. Gartenzwerge, Schrebergärten, Rasenmäher, Gartengeräte und –möbel, Gartenschauen und Beton sind wichtige Stichworte in der rasanten Weiterentwicklung der Industrialisierung, die auch vor Gartenmauern und Hecken nicht Halt machte. Im 20. Jahrhundert geht es weiter mit Aspekten wie "Gartenräume nach Farben und nach Themen", Ökologie und Instant-Gärten.

Nicht nur die Buchhülle ist eine Augenweide. Prächtige Illustrationen und Fotos komplettieren die gelungene Publikation. Falls Sie Gelegenheit haben, noch ein Exemplar zu ergattern oder irgendwo reinzuschauen, sollten Sie sich diese nicht entgehen lassen! Dank dem ausführlichen Index eignet sich das Buch auch als Nachschlagewerk.



Nadine Olonetzky:
Sensationen – Eine Zeitreise durch die Gartengeschichte
Birkhäuser Verlag, 2007

4. Juli 2011

Nancy Atherton: Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht

Wie der englische Originaltitel „Aunt Dimity and the Duke“ lässt auch die deutsche Ausgabe keinen Roman mit hortikulturellem Hintergrund vermuten. Die Informatikerin Emma Porter kommt denn auch auf ziemlich spezielle Weise und völlig unbeabsichtigt zu einem Job als Gärtnerin – aber schön der Reihe nach.

Nach einer unkonventionellen rund fünfzehn Jahre dauernden Beziehung ist die knapp vierzigjährige Emma seit kurzem wieder Single. Die mollige Hobbygärtnerin wurde von ihrem Ex-Partner wegen einer schlanken 22jährigen Blondine verlassen. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld nimmt Emma die Trennung ziemlich gelassen auf. Der Idealistin waren Karriere und Unabhängigkeit schliesslich immer wichtiger als ihr Privatleben. Und da sie keinesfalls beabsichtigt, sich tief verletzt in Boston zu verkriechen, tritt sie die eigentlich für zwei Personen geplante mehrwöchige Gartentour nach Cornwall alleine an. Zu den im voraus festgelegten Reisezielen gehören unter anderen Glendurgan, Cotehele und Killerton Park. Emma freut sich auf Teekuchen mit Erdbeerkonfitüre und Sahne sowie ganz besonders auf Azaleen in voller Blüte.

Bereits die erste Station ihrer Reiseroute hält eine Überraschung für die Amerikanerin bereit. Im Zentrum des Irrgartens von Bransley Manor trifft sie auf zwei alte Engländerinnen, die Schwestern Ruth und Louise Pym. Die beiden führen mit Emma eine Art Bewerbungsgespräch und schicken sie mit einer Empfehlung nach Penford Hall, um dort einen jungen Freund zu besuchen. Als Emma dort eintrifft, wird sie denn auch schon erwartet. Doch während Emma von einem Kurzbesuch ausgeht, wird sie auf Penford Hall mit offenen Armen als künftige Gärtnerin begrüsst. Spontan beschliesst die Amerikanerin, das verlockende Angebot anzunehmen - nicht im Geringsten ahnend und darauf vorbereitet, welche Geheimnisse in dem alten Schloss verborgen sind.



Nancy Atherton:
Tante Dimity und der verschwiegene Verdacht
Blanvalet, 2008

1. Juli 2011

Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk (Topiaria Helvetica 2010)

Das Jahrbuch 2010 der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur (SGGK) ist in die Schwerpunkte „Gärtnerische Kulturtechniken“, „SGGK-Vitrine“ und „Bücher“ gegliedert. Nach einer Einführung zum Thema folgen die nachstehend aufgeführten Artikel:
  • Kulturgut Kulturpflanze von Sandra Hilgert
  • Topiaria - Architektur und Skulptur aus Pflanzen in italienischen Gärten zwischen Trecento und Settecento von Margherita Azzi-Visentini 
  • Wegbautechnik und Bauforschung in historischen Gartenanlagen anhand ausgewählter Beispiele von Anita Drexel
  • Im Verborgenen - Technik in der Wasserkunst von Dunja Richter
  • Zur Geschichte der Hippe von Clemens Alexander Wimmer
  • Stütze für rankende Pflanzen von Eeva Ruoff
  • Guerilla-Gärtnerei - Zwischen Protestkunst und Stadtlandschaft von Annemarie Bucher
Speziell interessiert hat mich der Artikel zum Guerilla-Gardening, das von New York kommend auf andere Grossstädte wie Toronto, London oder Berlin übergeschwappt ist und auch hierzulande immer öfter ein Thema in den Medien ist. Leider ist gerade dieser Beitrag etwas kurz ausgefallen. Eine gewisse überregionale Bekanntheit hat Maurice Maggi erlangt, der seit über 20 Jahren Blumen-Samen im öffentlichen Raum der Stadt Zürich aussät und diese Aktion als Blumen-Graffiti bezeichnet. Falls Sie selber Lust haben, ihrer Meinung nach suboptimal bepflanzte öffentliche (Frei-)Flächen zu verschönern, findet sich auf diesen Seiten ein Rezept für Samenbomben.

In der Rubrik SGGK-Vitrine werden zwei attraktive Gärten und ihre Besitzer vorgestellt. Ein Garten liegt an der wild rauschenden Plessur in Chur, der andere am Limmatufer in Zürich-Höngg. Das Haus Salis im Bündnerland wurde um 1820 errichtet und die drei dazugehörenden Gärten weisen barocke Züge auf. Ein bis ins letzte Detail durchdachtes Bewässerungssystem lässt Pflanzen im regenarmen Chur trotz sandigem Boden wachsen und gedeihen. Die Eigentümer leben für ihren Garten, obwohl dieser natürlich auch eine schwere Bürde ist und die Gartenlust zuweilen durch das historische Erbe bedingt strapaziert wird, wenn etwa strenge denkmalpflegerische Auflagen der freien Gestaltung Grenzen setzen. Der Autor dieses Artikels (Johannes Stoffler) ist jedenfalls sehr beeindruckt und fragt den Eigentümer und Gärtner, ob man von ihm (dem Gärtner) wohl ein paar Ableger machen könnte... Der Garten in der Stadt Zürich wiederum, angelegt um drei Mehrfamilienhäuser herum, ist ein eindrückliches Beispiel für gelungen bepflanztes Abstandsgrün.

Wer sich nach der Lektüre der Artikel vertiefter mit dem einen oder anderen Thema auseinandersetzen will, findet am Ende der Beiträge jeweils umfangreiche Angaben zu Quellenhinweisen und weiterführender Literatur. Die auch für interessierte Nichtfachleute beachtenswerte Publikation wird abgerundet durch verschiedene Buchrezensionen. Vorgestellt werden beispielsweise die Bücher „Lebendiges Gartenerbe - Leitfaden für die Besitzer historischer Gärten und Parks von Johannes Stoffler und „Unterwegs in Zürich und Winterthur - Landschaftsarchitektur und Stadträume 2000-2009" von Roderick Hönig und Claudia Moll.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2010 – Kulturtechniken: Gartenkunst und Gartenhandwerk
Vdf Hochschulverlag, 2010

29. Juni 2011

Sag’s durch die Blume

Ein Auftrag führt die 24jährige Fotografin Mary in die Gärtnerei Palmer. Der Chefgärtner Rob zieht die junge Frau sofort wie magisch an. Während die schüchterne und zurückhaltende Mary bis anhin wenig Erfahrung mit dem anderen Geschlecht hat, lässt Rob nichts anbrennen.

Die beiden sind sich sehr sympathisch und kommen sich rasch näher. Gelingt es Mary, ihre Unschuld für den richtigen Mann zu bewahren und schafft es Rob gleichzeitig, einer Frau treu zu sein?

Die Lektüre ist gelegentlich recht derb und meist eher umgangssprachlich abgefasst. Erotik spielt zweifelsfrei eine grössere Rolle als das Gärtnerische oder Blumen, wie der Titel vielleicht mutmassen lässt.



Melissa Karn:
Sag’s durch die Blume
Novum Publishing, 2010

26. Juni 2011

Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery

Verschiedene Gartenjournalisten, die Herausgeberin von “Garden Soirée”, ein Gärtnereibesitzer und ein Botaniker werden von der Allencamp Seed Company zu einem Seminar nach Raleigh eingeladen. Die „Schreiberlinge“ haben jeweils verschiedene Interessen und Spezialgebiete – die einen berichten ausschliesslich über Topfpflanzen, „Hanging Baskets“ oder über exotische Gewächse während Cassandra Nottingham sich auf Artikel zum Thema amerikanische Cottage Gärten fokussiert.

Die eingeladenen Kolumnisten und anderen Gäste werden wie VIPs behandelt und sollen Teil einer ausgeklügelten Marketingkampagne werden. Doch die Veranstaltung scheint unter keinem guten Stern stattzufinden. Der Besitzer der Allencamp Seed Company muss in besorgniserregendem Zustand ins Spital gebracht werden. Die Grippesymptome entpuppen sich als Vergiftungserscheinungen. Und Tags darauf wird eine Seminarteilnehmerin, die unscheinbare Millicent Stevens, ermordet in ihrem Zimmer aufgefunden.

Detective Inspector Fairweather vermutet den Täter in den Reihen der Teilnehmer der Veranstaltung und schränkt deren Bewegungsraum drastisch ein. Zur Untätigkeit verdammt, beginnt Cassandra Nottingham eigene Nachforschungen anzustellen und gerät unvermittelt selber in grösste Gefahr, als sie die richtigen Schlüsse aus ihren Entdeckungen zieht.



Maggie McLaughlin:
Cass and the gluttonous gardener – A Cassandra Nottingham Mystery
Eigenverlag, 2010

23. Juni 2011

Bertina Henrichs: Ein Garten am Meer

Die Bewohner von Plouerbec, einem eher verschlafenen Dorf in der Bretagne an der atlantischen Küste Frankreichs gelegen, werden durch eine für etliche von ihnen unerfreuliche Mitteilung aufgeschreckt. Direkt an ihre Grundstücke auf dem Hügel über dem Atlantik grenzend soll ein Freizeitpark entstehen. Auf mysteriöse Weise ist die Baubewilligung bereits erteilt worden, ohne dass die direkt Betroffenen von einem Baugesuch erfahren, geschweige denn Gelegenheit gehabt haben, die Pläne einzusehen und allenfalls Rekurs einzulegen. Die Investoren und der Bürgermeister preisen und loben das Vorhaben an einer eigens einberufenen Veranstaltung und heben die positiven Seiten für die Gemeinde hervor: neue Arbeitsplätze, mehr Touristen und mehr Übernachtungen.

Die betroffenen Anwohner sind da natürlich anderer Meinung und wollen sich dieses in ihren Augen unlautere Vorgehen nicht bieten lassen: sie gründen einen Verein, um die verschiedenen geplanten Protestaktionen zu koordinieren. Ihren Widerstand zeigen sie auf mannigfaltige Art und Weise. Es werden Unterschriften gesammelt, ein Sitzstreik organisiert, rote Pullover gestrickt, eine Demonstration durchgeführt, die Baumaschinen sabotiert und anderes mehr. Die Gegenpartei ihrerseits bleibt auch nicht untätig und erhöht ihre Entschädigungsangebote für jene, die in den Verkauf ihrer Immobilien samt Umland einwilligen. Es kapitulieren denn auch immer mehr Anwohner und nehmen das grosszügige Angebot an, während Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck unbeirrt weiterkämpfen. Die beiden nicht mehr ganz jungen Widerstandskämpfer kommen sich im Lauf des Sommers trotz gegensätzlicher Ansichten näher.

Zwischen den verschiedenen legalen und illegalen Aktionen, welche der Verein durchführt, wird – eher am Rande – über die gärtnerischen Bemühungen von Marthe Simonet und Hans von Scharnbeck berichtet. Da ist mal die Rede davon, dass eine Magnolie gut angegangen ist, der blaue Phlox wuchert und der erste Salat bald erntereif ist. Diese Beschreibungen aus den Gärten ändern sich parallel mit der Entwicklung der Bauarbeiten und den Jahreszeiten: Die ersten Rosen blühen auf, später wird in einer stürmischen Nacht Marthes Lieblingsrose „Black Baccara“ zerstört und sie sammelt täglich Baumnüsse auf der Wiese auf. Wer aufgrund des Buchtitels einen wichtigen gärtnerischen Hintergrund erwartet hat, wird enttäuscht, da dieser als unbedeutend bezeichnet werden muss.



Bertina Henrichs:
Ein Garten am Meer
Hoffmann und Campe Verlag, 2011

20. Juni 2011

Mordsgärtner – Kurzkrimis aus dem Grünen (Hörbuch)

Während das unlängst hier vorgestellte Audiobuch "Gartenglück" von den schönen Seiten im Grünen handelt, erzählen die drei Kurzkrimis des Hörbuchs „Mordsgärtner“ von den dunklen Abgründen, die sich rund ums Gärtnern auftun können.

Sobald im Frühling in den Wäldern der Bärlauch zu spriessen beginnt, kommt es beim (vermeintlichen) Pflücken derselben immer wieder zu tragischen, oft tödlichen Verwechslungen mit den Blättern von Maiglöckchen oder Herbszeitlosen. Im Kurzkrimi „Herzschlag auf Maiglöckchensosse“ wird ein solches botanisches Versehen absichtlich herbeigeführt und die Zutaten einer Bärlauchsauce heimtückisch durch Maiglöckchenblätter ersetzt.

Doch auch eine Kürbiscremesuppe kann es in sich haben. Und es kommt immer auf die richtige Dosis an: bei der Verwendung von Medikamenten ebenso wie im Umgang mit den Parzellennachbarn im Schrebergarten. Rache ist hier nämlich nicht süss, sondern tödlich. Ist der Mörder immer Gärtner, wenn jemand mit pflanzlicher Hilfe zu früh ins Gras beissen muss?



Audiobuch „Mordsgärtner – Kurzkrimis aus dem Grünen“ gelesen von:
Barbara Nüsse und Jürgen Uter
Goya Nice/Jumbo Neue Medien & Verlag, 2011

17. Juni 2011

Phox – Phloxe für den Garten

„Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum – nein, ein Wahnsinn“: so lautete eine Aussage des grossen Staudenzüchters Karl Foerster. Da mutet es ja beinahe peinlich an, wenn ich gestehen muss, dass auf unserem kleinen Grundstück kein einziger Phlox wächst. Dafür konnte ich kürzlich in der Staudengärtnerei Gaissmayer dem Buch über diese Pflanzen nicht widerstehen und habe mich in den letzten Wochen mit diesen zumindest auf dem Papier beschäftigt. Und vielleicht findet ja gelegentlich doch einmal ein Phlox den Weg in unseren Garten.

Bis vor einem Jahrzehnt konnte auch Birgitte Husted Bendtsen nicht allzu viel mit diesen Stauden anfangen; ihr Herz gehörte den Storchschnäbeln. Den Phlox-Virus hat sie sich an einem Pflanzenmarkt in Westjütland eingefangen und sie hat sich zwischen diesem Ereignis und dem Erscheinen dieses Buches ein enormes Wissen angeeignet, dass sie nun in sympathischer Form weitergibt. Teils basiert ihr Wissen auf Theorie aus antiquarischer Literatur, teils aus ihren praktischen Erfahrungen, denn sie lässt sich Pflanzen aus aller Welt nach Dänemark schicken oder bringt sie von Besuchen in Gärtnereien von weit her nach Hause. Dabei hält sie sich an das Motto von Tony Avent, der jede Pflanze als widerstandsfähig betrachtet, solange er sie nicht selber mindestens dreimal umgebracht hat.

Das Interesse der Autorin gilt aber etwa nicht nur speziellen Blütenfarben oder besonders duftenden Sorten, sie scheut auch keine Mühen, möglichst viele Informationen zu erhalten über Herkunft, Züchter und Namenspatrone. Eben diese Details machen die Lektüre, die kein wissenschaftliches Werk ist, lesenswert und lassen den Leser grosszügig über andere Unzulänglichkeiten (teilweise recht merkwürdige Sätze, vielleicht Übersetzungsfehler?) hinwegsehen. Wir erfahren beispielsweise, dass Alan Bloom in Bressingham Hall wegen Überschwemmungen seine 48‘000 Phloxe gleich mehrmals umpflanzen musste. Oder dass P. paniculata „Marisa“ nach einer Kundin von Dieter Gaissmayer benannt worden ist, nachdem diese vom Züchter unbedingt den Namen des noch „ungetauften“ Sämlings wissen wollte, während Ilse Köcher (P. paniculata „Ilse Köcher“) sich diese Anerkennung durch ihr Engagement mit dem Organisieren des Pflanzenmarktes im Freilichtmusem Kiekeberg verdient hat. An anderer Stelle im Buch ist die Rede von „verhaltensgestörtem“ Phlox, von unkooperativen Samen, die fortspringen, wenn man sich nach ihnen ausstreckt oder von Kaninchen, die sich in einem Feld voll blauer Blumen ausgerechnet die einzige weisse Blüte schnappen.

Die Kapitel sind wie folgt gegliedert: Familie und Gattung, Weiteres über Namen, Verwendung, Anpflanzen, Phloxe für das Steinbeet, Phloxe und Schmetterlinge, Vermehrung von Phloxen, Eine Phloxreise nach England, Phloxe in Deutschland, Bei holländischen Züchtern, Alphabetische Liste über Phloxe (über 120 Seiten) mit Adressliste und Stichwortregister.



Birgitte Husted Bendtsen:
Phlox – Phloxe für den Garten
Forlaget Geranium, 2009

14. Juni 2011

A man named Pearl

„A man named Pearl“ ist ein Dokumentarfilm über den heute 73jährigen Paul Fryar und seinen magischen Topiary-Garten. Als der dunkelhäutige Pearl und seine Frau vor über drei Jahrezehnten in Bishopsville ein Haus in einer Gegend mit weissen Nachbarn kaufen wollten, schlug ihnen offene Abneigung entgegen und sie bekamen zu hören, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe ihre Gärten nicht (richtig) pflegen. Dieses Vorurteil wollte Pearl nicht auf sich sitzen lassen und es spornte ihn an, diese Leute vom Gegenteil zu überzeugen und als langfristiges Ziel setzte er sich die Erreichung der Auszeichnung „Yard of the month“. Wie gründlich er diese Vorurteile widerlegt hat, zeigt die interessante DVD . Und wie sich auf seiner Homepage nachlesen lässt, werden ihm Preise und Auszeichnungen inzwischen fast nachgeworfen.

Pearls Garten ist kein Blütenparadies. Im Film sind nun sehr wenige Blumen zu entdecken. Am häufigsten sieht man Begonien, die in den Wiesen so angepflanzt worden sind, dass in grossen Lettern „Love, Peace and Goodwill“ steht. Hauptdarsteller in diesem parkähnlichen Garten sind Bäume und Büsche, die der Scherenkünstler in geometrische Skulpturen verwandelt. Ob einem die zurechtgestutzten Pflanzen nun gefallen oder nicht - sie ziehen die Blicke auf sich und das Resultat ist auf jeden Fall sehr beeindruckend. Der Pensionär ist fast ständig mit Schere und Säge unterwegs und bewegt sich auf Leitern scheinbar so sicher wie auf festem Boden. Seine Frau gesteht, oft Angst um ihn zu haben – was man sofort nachvollziehen kann, wenn man die wohl nicht immer bfu-konformen Schnitt-Aktionen betrachtet.

Pearl kitzelt aus Thuja, Stechplamen, Zypressen und Eiben die unterschiedlichsten Formen und Linien heraus. Da gibt es Elefanten und anderes Getier, Pyramiden, Kugeln und unzählige weitere Objekte. Besonders attraktiv ist die Anlage in den Wintermonaten, wenn die grünen Skulpturen einen spannenden Kontrast mit der eher tristen Umgebung bilden.

Die ersten Übungsstücke holte Pearl sich nach Absprache mit dem Besitzer aus dem Komposthaufen einer Gärtnerei. Sein immenses autodidaktisch erworbenes Wissen in der Topiary-Kunst gibt Pearl auch weiter, beispielsweise in Schulen und Kindergärten. Vor seinem Garten stehen an allen Öffnungstagen Busse, die interessierte Besucher – meist weiblichen Geschlechts - in Massen herankarren. Pearls Gattin muss ihren Mann seit Jahren mit vielen Frauen teilen. Sie nimmt es locker, kennt keine Eifersucht und meint: „he’s happy, I’m happy!“.

Auf der Homepage lässt sich verfolgen, wie sich der mittlerweile über dreissig Jahre alte Garten in den fünf Jahren seit der DVD-Produktion von 2006 verändert hat. Die DVD gibt’s nur mit dem Region-Code 1.



Film von Scott Galloway und Brent Pierson:
A man named Pearl
Docurafilms, 2006

11. Juni 2011

Farbe im Garten – Von Pflanzenfarben und Färberpflanzen (Topiaria Helvetica 2011)

Unter dem Titel „Topiaria Helvetica“ erscheinen die Jahrbücher der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur SGGK und seit der Ausgabe 2010 werden diese auch über den Buchhandel vertrieben. Im Internet bin ich zwar schon gelegentlich über diese Publikationen gestolpert, richtig neugierig darauf bin ich aber erst geworden, als ich aufgrund des Sofagärtnerin-Portraits in der Fachzeitschrift "Schweizer Buchhandel" vom Verlag kontaktiert worden bin. So stelle ich nun hier das aktuelle Jahrbuch vor und in Kürze folgt ein Bericht über den Vorgängerband „Kulturtechniken – Gartenkunst und Gartenhandwerk“.

Die einen lieben ihre Gärten in allen grünen Schattierungen, andere komponieren mit verschiedenen Blütenfarben und versuchen vielleicht sogar, Vorbildern wie der Malerin und Gärtnerin Gertrude Jekyll oder Christopher Lloyd nachzueifern. Doch welche Rolle spielen Farben und ihre Wirkungen in der Gartengestaltung? Im Artikel „Farbe im Garten zwischen Colour and Paint“ wird näher auf das Phänomen Farbe eingegangen. Thematisiert werden die Farbenlehren der Moderne, aber auch die Farbtheorie von Isaac Newton aus dem Jahr 1672. Weitere Artikel handeln von Farbe und Nichtfarbe in der Gartenkunst, dem experimentellen Farbengarten an der ZÜGA 1933 und last but not least von Pflanzen für die Schön- und Schlechtfärberei.

Speziell interessant dünkte mich der Artikel über die Verwandlung vom farbigen Staudengarten zum grünen Altersgarten von Nicole Newmark. Dieser Garten ist ja aus dritter Sicht eben im neuen Buch "Die geheimen Gärten von Zürich" portraitiert worden. In „Farbe im Garten“ erfährt der interessierte Leser nun ausführlich wie dieser Garten in einer Grösse von 4000 m2 ab 1978 angelegt worden ist und im Laufe von verschiedenen durchgemachten Phasen die Anpflanzung fast unzählige Male verändert worden ist. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Lesen fast den Eindruck bekommen, dass Umgestalten beinahe so einfach ist wie des Zusammensetzen und Auseinanderklauben von Lego-Steinen. Spannend zu verfolgen ist auch die persönliche Entwicklung der Artikelverfasserin, die sich zunächst als einzige Amateurin ohne umfangreiches theoretisches Wissen zusammen mit Architekten, Landschaftsarchitekten und Kunsthistorikern im Vorstand der SGGK (Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur) wiederfand. Dieser Umstand spornte die ausgebildete Konferenzdolmetscherin an, diese Lücken zu schliessen und nach dem frühen Tod ihres Mannes machte sie ihre Lieblingsbeschäftigung gar zum Beruf. Sie bildete sich in Rapperswil zur Landschaftsarchitektin aus, und zwar unter der Ägide von Dieter Kienast, den sie bereits aus ihrer Vorstandstätigkeit bei der SGGK kannte.

Nicht minder spannend ist der Beitrag über ein Künstler-Garten-Buch des Zürcher Malers Robert Honegger mit dem Titel „Im Beet mit Robert, Flower Shower“. Das Bühnenbilderbuch besteht aus zwölf poetischen Bildern. Die Herstellung und ein paar Bilder des Pop-Up-Buches findet man hier. Leider habe ich beim Googeln nicht herausfinden können, ob das Buch gegebenenfalls noch käuflich ist und was es überhaupt kostet.

Ein sehr informatives Jahrbuch. Die Texte sind teilweise eher theoretisch, aber für den interessierten Laien unbedingt lesenswert.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.):
Topiaria Helvetica 2011 – Farbe im Garten: von Pflanzenfarben und Färberpflanzen
Vdf Hochschulverlag, 2011