17. April 2012

Gabriella Pape: Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten

Diese Publikation ist eine Sammlung von Kolumnen, die bereits in der „Welt am Sonntag“ und in der „Berliner Morgenpost“ erschienen sind. Passend zum Ablauf der Jahreszeiten verbergen sich in den Texten unzählige Tipps rund ums Gärtnern - vom Kribbeln im Januar hin bis zum Jahresende mit Rosen für den Schnee und fürs Christkind.

Garten-Frühjahrsputz ist für Gabriella Pape ein Synonym für die perfekte Ausrede, ungeliebte Pflanzen herauszureissen, die den Winter (angeblich) nicht überstanden haben. Zu diesen Geschöpfen, die nicht mehr länger geduldet werden sollen, gehören insbesondere solche, die sie nie richtig mochte, aber aus Respekt vor der Person, die sie ihr zudachten, doch gehätschelt und gepflegt hat. Der Frühjahrsputz eignet sich für solche definitiven Trennungen von unliebsamen Geschenken besonders gut, weil das Entsorgen derselben in noch winterlichem Zustand ohne Blätter und Knospen unbestritten leichter fällt.

Zwischen die sachlich fundierten Kolumnen eingefügt sind Fragen von Lesern zu Gartenproblemen und die Antworten von Gabriella Pape. Dabei gibt die Gartenexpertin auch freimütig zu, nicht allwissend zu sein und verspricht, sich bei Gelegenheit bei der Royal Horticultural Society zu erkundigen. Immer wieder lässt sie auch ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen durchschimmern. So empfindet sie beispielsweise knallige Pelargonien-Blüten als Beleidigung für ihre Augen - etwas, das sie schlimmer dünkt als eine Lärmbelästigung.

Die Texte sind sehr direkt formuliert und zuweilen auch mal etwas salopp. Da ist beispielsweise die Rede von enttäuschten englischen Schnecken, weil in Cotswolds Rittersporn nicht gedeiht, eine Pfingstrose erhält das Prädikat „Wahnsinn“ und man liest von Gartengeschenkplagen oder von Spinnenblumen, die sich wie Zicken gebärden. Und wenn Sie nächstes Mal an ihrer Kornelkirsche herumschnipseln, denken Sie einfach an einen Coiffeurbesuch – Stufenschnitt heisst das Zauberwort. Kennen Sie den Ausdruck „Fingerfäule“ (finger blight)? Es handelt sich dabei um das unerlaubte Stibitzen von Samen, Samenständen und Stecklingen. Dies ist kein Kavaliersdelikt. Die Autorin appelliert an die Vernunft der Gartenliebhaber, denn es lässt sich unschwer ausmalen, was für Folgen eintreten, wenn sich jeder Gartenbesucher ein auch nur kleines Souvenir gönnt.

An einer Stelle empfiehlt Gabrielle Pape, die verblühten Sterndolden (Astrantien) im Herbst abzuschneiden. Bei der Lektüre dieses Hinweises wunderte ich mich ein wenig darüber und fand ihn offen gestanden sogar ziemlich überflüssig. Nun - nach einer Runde Jäten – habe ich meine Meinung aufgrund eigener Erfahrung angepasst. Meine Astrantien, bis anhin eher kümmerlich und in keiner Weise auch nur annähernd so beeindruckend in ihrer Erscheinung wie jene Pflanzengruppen am Naturstandort am Klöntalersee auf einer Wanderung im letzten Jahr, haben sich tatsächlich dazu entschlossen, sich auszubreiten. Sie erscheinen nun nicht nur in der Wiese sondern auch in den Plattenfugen des Sitzplatzes. Und da mein Versuch mit Lupinen vorletztes Jahr ein totaler Reinfall war, werde ich es nun wohl mal mit den von Pape empfohlenen Westmoreland-Lupinen versuchen. Sehr gefreut hätte ich mich vor ein paar Jahren, wenn die blaue Glyzinie, die ich eigentlich als weisses Exemplar gekauft hatte, plötzlich weiss geblüht hätte; ein Phänomen das gemäss einer Antwort auf eine Leseranfrage ab und zu vorkommt.

Ein überaus intelligentes und liebevoll illustriertes Lesebuch, das auf dem Fachwissen und den langjährigen persönlichen Erfahrungen der Autorin basiert. Die Liebe zum Gärtnern zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch und überträgt sich auf den Leser.

Hier noch ein letzter Tipp von Gabriella Pape: Kopieren sie ihre Kolumne und verblüffen Sie bei ihrem nächsten Besuch im Gartencenter den Gärtner mit ihrem Wissen und terrorisieren sie ihn damit. Der Schreibstil von Pape erinnert mich übrigens an die legendären Kolumnen von Vita Sackville-West, deren Texte ich mir immer wieder gerne als Pendlerlektüre zu Gemüte führe.



Gabriella Pape:
Alles, was Sie schon immer übers Gärtnern wissen wollten
Callwey Verlag, 2012

14. April 2012

Erica James: Gardens of Delight

Der Gartenclub von Swanmere bietet seinen Mitgliedern ein abwechslungsreiches Programm. Neben Lesungen zu verschiedenen botanischen Themen wird aktuell eine Gartenreise an den Comersee angeboten, wo die Besichtigung von verschiedenen Gärten geplant ist.

Unter die reiselustigen Mitglieder mischt sich auch der 49jährige Witwer Conrad. Er hat zwar selber nichts mit Gärten am Hut, fühlt sich aber für seinen ebenfalls an der Reise teilnehmenden Onkel Mac verwantwortlich, der nach einem Schlaganfall mit gesundheitlichen Problemen kämpft.

Die Mitvierzigerin Helen ist seit kurzem in erster Ehe mit dem charismatischen Geschäftsmann Hunter verheiratet. Bis anhin hat sich ihr geordnetes Leben zwischen Arbeit und ihrer Sorge und das Kümmern um ihre Grossmutter Emma abgespielt. Nun sitzt sie meistens alleine in ihrem grossen, wunderschönen Haus mit einem Traumgarten, der von der Vorbesitzerin gestaltet worden ist, und fühlt sich vernachlässigt. Denn ihre junge Ehe läuft nicht so, wie sich das erträumt und erhofft hat. Ausserdem hat sie das zweifelhafte Vergnügen, sich mit ihrer verwöhnten Stieftochter Savannah herumzuschlagen, die sich bei ihrem Vater und der Stiefmutter in Swanmere eingenistet hat. Zu den wenigen aktuellen Freuden in ihrem Leben zählen deshalb die Begegnungen mit ihren neuen Bekannten aus dem Gartenclub. Die Reise an den Comersee erscheint Helen daher als willkommene Abwechslung in ihrem langweiligen Alltag.

Der Gärtner Orlando und die Gärtnerin Lucy sind seit Jahren die besten Freunde und verbringen fast ihre gesamte Freizeit zusammen. Bisher haben sie sich ihre Differenzen fast ausnahmslos auf unterschiedliche gärtnerische Ansichten beschränkt. Während Lucy den Kunden geschmacklose Accessoires in ihren Gärten gönnt, macht Orlando, der seine Zukunft im Gartendesign sieht, Alan Titchmarsh persönlich dafür verantwortlich, dass unzählige englische Gärten geschmacklos und kitschig sind. Das grenzenlose Vertrauensverhältnis zwischen Lucy und Orlando hat Risse bekommen, seit Savannah ein Auge auf Orlando geworfen hat, ihn heftig umgarnt und sich sogar für die Reise an den Comersee angemeldet hat.

Fast gezwungenermassen entscheidet sich auch Lucy kurzfristig, die Reise mitzumachen. Sie, die sich geschworen hat, nie an den Comersee zu fahren, seit ihr Vater vor vierzehn Jahren sie und ihre Mutter verlassen hat, und sich mit seiner zweiten Frau dort niedergelassen hat. Ein paar Urlaubstage in Norditalien verändern das Leben von verschiedenen Gartenclubmitgliedern nachhaltig…

„Gardens of Delight“ ist ein unterhaltsamer Roman und für Gartenfreunde speziell interessant, weil er sich im Gärtnermillieu und auf einer Gartenreise abspielt. Die Charaktere sind glaubwürdig gezeichnet, die Handlung ist aber weitgehend absehbar nach dem Motto „die Guten bleiben die Guten und die Bösen bleiben die Bösen“ und so gibt es denn auch für fast alle während der Lektüre liebgewonnenen Personen ein Happyend.



Erica James:
Gardens of Delight
Orion Books, 2005

11. April 2012

Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos): Die schönsten Gärten Österreichs entdecken

Für diese Publikation haben sechsundzwanzig österreichische Gärtnerinnen und Gärtner die Fotografin Ursel Borstell ihr blühendes Refugium durch die Linse entdecken lassen. Zusammen mit den Texten von Elke Papouschek und Veronika Schubert ist ein prächtiger Bildband entstanden. Dieser gibt dem Leser Einblick in verschiedene kreative Umsetzungen von Wunschvorstellungen in den eigenen Traumgarten.

Wörtlich zu verstehen ist der Portrait-Titel „Gartenzimmer im Grünen“. Verschiedene Gartenzimmer, abgetrennt durch Hecken oder Mauern sind nichts Ungewöhnliches. Spezieller hingegen ist die Ausstattung dieser hier präsentierten Grünräume. Die Gärtnerin hat unter Obstbäumen ein komplettes Schlafzimmer mit Holzmöbeln eingerichtet. Das Bett wird dann aber doch als Beet für Hornveilchen zweckentfremdet. Auch ein Bügelzimmer gibt es. Und für die Authentizität wird Urgrossmutters Kleidung an der Wäscheleine aufgehängt. Auf Details zu Pflege und Probleme wegen Umwelteinflüssen und Verwitterung wird hingegen nicht eingegangen.

Nichts Museales gibt es auf den Bildern von Brigitte Hiti zu entdecken. Die ehemalige Lehrerin bezeichnet ihre grüne Passion als „Extremgärtnern“. Ein Rundgang durch die 4000 Quadratmeter kann schon mal gut und gerne ein paar Stunden dauern. Kein Wunder bei all den hier versammelten botanischen Schätzen, die es hier zu entdecken gibt. Zu diesen zählen auch ein Hängejudasblattbaum, eine Scheinkamelie und ein Taschentuchbaum. Dank einer Zwangspause kann bzw. konnte dieser Garten übrigens auch in Buchform durchwandert werden („Gartenrunden“ erschienen 2008).

Im österreichischen Vulkanland hat Susanne Pammer ein facettenreiches Gartenreich geschaffen. Das Gärtnern zieht sich wie ein Leitfaden durch ihr Leben und ist inzwischen auch zum beruflichen Standbein geworden. Die Gartenplanerin hat sogar ein Netzwerk für Gartenmenschen initiiert. Auf den Fotos dieses Gartens macht man beispielsweise eine beeindruckende Mauer aus Dachpfannen aus und einen kreativen Weidensitzplatz, der grosszügig um einen Kirschbaumstamm geflochten worden ist.

Englisches Flair versprüht der Schaugarten Köhler, in welchem eine Autodidaktin ihre Gartenträume aus Büchern und Magazinen hat wahr werden lassen. Durch die Tore in Ziegelmauer und Hecke möchte man liebend gerne gleich selber durchschreiten und persönlich feststellen, was es dahinter zu erkunden gibt.

Eine Gärtnerin führt über ihre Rosen sogar Buch. 200 verschiedene Exemplare sind darin verzeichnet. Die Grundlage für diese Leidenschaft zur Königin der Blumen bildeten ursprünglich Stecklinge, welche die Krankenschwester aus weggeworfenen Sträussen ihrer Patienten geschnitten hat.

Der eine plant alles bis ins Detail und überlässt nichts dem Zufall, der andere pflanzt mehr aus dem Bauch heraus. Eine dritte hat durch das Gärtnern Grosszügigkeit gelernt und den Hang zur Perfektion abgelegt und eine weitere hat Leinwand und Pinsel durch den Garten ausgetauscht und empfindet diesen als dreidimensionales Bild, wo mit Pflanzen gemalt werden kann. Allen Gärtnern und Gärtnerinnen gemeinsam ist, dass der Garten sie erdet und so passt die Aussage einer Portraitierten „Der Boden zieht die Sorgen, der Wind trägt sie davon“ zu fast allen.

Komplettiert werden die Portraits durch Angaben von Adresse und Besuchsmöglichkeiten. Eine Landkarte Österreichs auf der sämtliche Ortschaften eingezeichnet sind, in der sich die im Buch vorgestellten Gärten befinden, erlaubt es auch dem ortsunkundigen Leser, sich ein Bild über die Lage derselben zu machen und den Besuch des einen oder anderen Gartens vielleicht mit einer Urlaubsreise zu kombinieren.

Ein schönes Buch, das Einblick in die österreichische Gartenvielfalt gibt und sich ausgezeichnet eignet, um eigenen Gartenträumen nachzuhängen und Anregungen für den eigenen Garten zu finden.



Elke Papouschek / Veronika Schubert / Ursel Borstell (Fotos):
Die schönsten Gärten Öesterreichs entdecken
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

8. April 2012

Ruth Wegerer: Verborgene Gärten in Wien

Sind Sie auch schon durch Grossstädte spaziert und hätten gerne etwas genauer erkundet, was es in dem so vielversprechend blühenden Hinterhof in der noblen Seitenstrasse wohl gärtnerisch sonst Interessantes zu sehen gäbe oder hätten gerne aus der Vogelperspektive einmal einen Blick in die Dachgärten erhascht? Schon seit vielen Jahren spürt die Gartenjournalistin Ruth Wegerer (siehe auch meine Buchvorstellung zu ihrem Buch „Gärtnerin aus Liebe“) solchen verborgenen Oasen in der österreichischen Hauptstadt nach und teilt ihre Fundstücke nun mit der Leserschaft. Sie beweist auf charmante Weise, dass sich das Thema Kultur und Wien nicht mit Musik, Theater, Kunst und Architektur erschöpft und die Gartenkultur sich keineswegs auf die meist ewiggleichen prächtigen öffentlichen Anlagen beschränkt, die in einschlägigen Reiseführern erwähnt werden. Gemäss Angaben der Autorin findet man sogar drei Viertel der österreichischen Flora und Fauna in Wien.

Vogelgezwitscher statt Grossstadtlärm? Blütenduft statt Abgase? Tatsächlich ahnt man als Aussenstehender kaum, welche Lebensqualität und Gartenvielfalt sich hinter den mehrstöckigen Häuserzeilen verbirgt oder verbergen kann. Die Wände werden da kurzerhand in den Garten integriert und genau diese grüne Vertikale trägt massgeblich zur speziellen Atmosphäre in diesen Hofgärten bei.

Ein alter Eisenzaun an einen Hag gelehnt, abgestellt und vergessen. Er ist inzwischen längst von Rose und Wein als Klettergerüst erobert worden – eine zufällige und doch so harmonische Symbiose. Bis ein grauer Hinterhof in einen fröhlich-bunten Garten verwandelt durfte, hatte die Gärtnerin deutliche Überzeugungsarbeit bei den Nachbarn zu leisten, da diese Feuchtigkeitsschäden an ihrer Immobilie befürchteten.

Das Ergebnis einer Vision von einem „wilden Garten“ ist ein städtischer Dschungel im 3. Stock. Die Auswahl an Gehölzen lässt angesichts der Lage staunen. Der zweigeschossige Garten beherbergt neben Fliederbüschen und Eibe auch Ahorn-, Aprikosen- und Birnbäume und einen hängenden Maulbeerbaum. Diese teilen sich den flachen Wurzelraum. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl, auch Tiere kommen gerne vorbei. Anzutreffen sind Kauz, Specht, Turmfalke und Mäuse.

Auch etwas erhöht, aber mitten in einem steilen Weinberg liegt der als „Zaubergarten“ bezeichnete romantische Landhausgarten. Die idyllische Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zu Reben birgt aber auch ausgeprägte Nachteile, sind doch etliche der Einfriedung entlang wachsende Rosen mit dem Unkrautvertilger von der anderen Zaunseite in Berührung gekommen und haben diese Prozedur nicht überlebt. Möge die grandiose Aussicht auf Wien ein wenig über diesen Verlust hinwegtrösten und wie bemerkt Ruth Wegerer doch diesbezüglich überaus treffend (Zitat): “Geduld bringt Rosen“.

In einem anderen Portrait gibt es ein schönes Synonym für das Wort Gärtnern zu entdecken: Gartenschach. Die Definition: Pflanze kaufen, irgendwo einsetzen, anwachsen lassen und beobachten, wieder ausbuddeln und an einer anderen Stelle einpflanzen – eben Schachspielen.

Die wunderbaren Fotos von Harald Eisenberger ergänzen die eher knappen Texte und recht ausführlichen Bildlegenden ausgezeichnet. Mit etlichen Gärtnerinnen und Gärtnern kann via aufgeführter Email-Adresse ein Besuch ausgemacht werden, so dass man auf eigene Faust Wiener Gartengeheimnisse lüften kann. Eine Doppelseite gibt Anregungen und Tipps zur Wiener Gartenszene (Gärtnereien, Floristik, Kulinarisches, Veranstaltungen usw.). Grünes Grossstadttreiben ohne Grossstadtimmissionen – sofagärtnern vom feinsten!



Ruth Wegerer und Harald Eisenberger (Fotos):
Verborgene Gärten in Wien – Einblicke in die geheime Gartenwelt einer Grossstadt
Christian Brandstätter Verlag, 2012

5. April 2012

Thomas Kastura (Hrsg.): Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten

Hinter Hecken und Gartenzäunen blühen zuweilen nicht nur Blumen, sondern es spielen sich dort Verbrechen ab. „Tatort Garten“ führt den Leser zu vierzehn solcher Schauplätze, wo Spaten und Gartenschere zweckentfremdet verwendet werden oder Pflanzen nicht unbedingt wegen ihrer Schönheit sondern mit böswilligen Hintergedanken und allein aufgrund ihrer Nebenwirkungen gehegt und gepflegt werden.

Zum Nachdenken regt der Kurzkrimi „Unter dem Apfelbaum“ an. Hier geht es nämlich ums Leben oder besser Überleben im Europa nach dem Finanzkollaps. Wie lange kann sich eine Familie von einer Tonne Lebensmittel im Keller ernähren? Und ist man verpflichtet, andere Menschen, die keine entsprechende Vorsorge getroffen haben, zu unterstützen? Menschen, die ihr Vermögen nicht rechtzeitig in Silbermünzen, Gold, Grundbesitz und Lebensmittelvorräte angelegt haben.

Vorsicht ist angebracht, wenn man von drei reizenden Damen bewirtet wird, die Namen tragen wie Brunfelsia, Belladonna und Barbiturata. Behördenvertreter wiederum werden sich nach der Lektüre des Kurzkrimis "Von Rasenbetretern und Gummizwergen - eine Farce in neun Szenen" sicher zweimal überlegen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, den lokalen Volkspark mit „Rasen betreten verboten“-Schildern zu dekorieren, das Einhalten der Vorschriften bedingungslos zu kontrollieren und das Nichtbeachten konsequent zu bestrafen.

Was kommt heraus, wenn sich eine Floristin wegen mangelnder Laufkundschaft und daraus resultierenden schlechten Umsatzzahlen gezwungen sieht, sich auf ruchlose Ranken zu spezialisieren? Können Schrebergartennachbarn in Frieden nebeneinander leben und gärtnern, wenn eine Partie jedes Unkraut als persönlichen Feind und Niederlage betrachtet während die Gärtnerin auf der anderen Seite des Zauns auf Natur pur schwört? Was findet sich im kleinen Paradies, einem alten verwilderten Garten, der von einer Obergärtnerin zu neuer Blüte gebracht worden ist , wenn man das ihr zur Seite stehende Gartenteam und dessen Umfeld genauer unter die Lupe nimmt? Wozu sind bunte Stauden und Büsche und viel Grün dazwischen da, wenn nicht als idealer Ort, um zu beobachten und zu hören, was ausserhalb des eigenen grünen Reichs läuft ohne selber entdeckt zu werden? Muss bei einem Prestigeprojekt wie einer Landesgartenschau tatsächlich jede Wurzelstockgrösse exakt den Vorschriften entsprechen, genau wie die Blütenhöhe von Rosensträuchern?

Beim Lesen dieser Gartenkrimis ging es mir, der Sofagärtnerin, wie der Erzählerin aus „Der Apfelbaum in Nachbars Garten“: Die Geschichten fesseln und ich konnte mich ihnen kaum mehr entziehen. Zwar hatten nicht alle Erzählungen die gleiche Wirkung , aber genaueres soll hier nicht verraten werden!



Thomas Kastura (Hrsg.):
Tatort Garten – 14 packende Kriminalgeschichten
Ars Vivendi Verlag, 2012

2. April 2012

Karen Meyer-Rebentisch: Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps

Karen Meyer-Rebentisch betreibt die informative Webseite "Gemüse-Info", die nicht zuletzt durch tolle Farbfotos besticht. Nun hat die leidenschaftliche Gemüsegärtnerin und Gemüse-Esserin ihre Passion und ihr profundes Wissen zu Gemüsesorten, Anbau und Küchentipps in Buchform herausgegeben. Von der Artischocke über Chili, Guter Heinrich, Mangold und Schwarzwurzel bis zur Zwiebel stellt sie 50 schmackhafte Gemüsesorten, die sich für den Anbau im Hausgarten eignen, ausführlich in Wort und Bild vor.

Im Kapitel „Einführung“ berichtet die Autorin von ihrem ersten überaus erfreulichen Gemüse-Sommer, dem prompt ein weniger erfolgreiches Erntejahr folgte. Immerhin trösteten Tomaten und Spitzkohl über die von Nacktschnecken, Mehltau, Wühlmäusen und Möhrenfliegen mit verursachten Ernteausfällen hin. Rat suchte sie daraufhin auch in einschlägigen Internetforen und stiess dabei auf eine ihr bis anhin unbekannte Auswahl an farbigen Gemüsesorten und solchen in ungewohnten Formen – roter Mais, gelbe Radieschen, blaue Bohnen, weisse Möhren und braune Tomaten in Form von Eiern. Diese Vielfalt musste ausprobiert und erlebt werden! Ihren inzwischen reichen Erfahrungsschatz teilt sie nun in diesem für Anfänger wie für Fortgeschrittene Gemüsegärtner geeigneten Buch mit dem interessierten Leser.

Neben den mundwässernden Fotos der Autorin sind die einzelnen Portraits wie folgt aufgebaut:

- Kulturgeschichte
- Anbau im Garten
- Sorten
- Schädlinge und Krankheiten
- Ernte, Lagerung, Konservierung
- Auf einen Blick
- Gemüse… in der Küche
- Gesundes Gemüse …

So erfährt man in „Gesunder Chili“ davon, dass dieser in Form von Wärmepflastern bei Rheumaerkrankungen eingesetzt wird und Kopfschmerzen und Migräne durch den Verzehr von Chili verschwinden sollen. Im Absatz „Kulturgeschichte“ findet sich die Information, dass der Neuseeländer Spinat von Joseph Banks nach Europa gebracht worden ist. Und haben Sie gewusst, dass die Blätter von Pastinaken im Zusammenspiel mit der Sonne bei empfindlichen Personen schmerzliche Ausschläge auslösen können? Welches Gemüse hat eine positive Wirkung auf den Blutfettspiegel? Welches Gemüse kann auch Diabetikern unbeschränkt empfohlen werden? Bei welchem Gemüse muss beim Ernten und Rüsten an Nitrat und Oxalsäure gedacht werden? Diesbezügliche Tipps finden sich ebenfalls im Buch.

Im Anhang finden sich ein Anbaukalender, mit Angaben zu Aussaat, Pflanzung und Ernte sowie eine Auflistung der Gemüsesorten und ihrer Pflanzenfamilien und deren jeweiliger Nährstoffbedarf. Lieferanten für Saatgut und Jungpflanzen und Zubehör für den Gemüsebau, weitere nützliche Adressen sowie ein Stichwortverzeichnis runden die gelungene Publikation ab. Eine „Gemüsebibel“, die in jedes (Gemüse-)Gärtnerbücherregal gehört und ihn der man immer wieder wieder gerne etwas nachlesen wird.

Wer noch mehr über Gemüse lesen will, dem sei der Gemüseblog der Autorin empfohlen: http://www.gemuese-info.de/blog.html.



Karen Meyer-Rebentisch:
Das Gemüsebuch – Sorten, Anbau, Küchentipps
BLV Bucherlag, 2012

31. März 2012

Waltraud Hopf: Garten Allerlei – Neues aus dem Garten

Dieses Büchlein ist die zweite Publikation, in der die am Rande des Schwarzwalds gärtnernde Waltraud Hopf in umgangssprachlicher Form von ihren Erlebnissen in und um ihr grünes Reich berichtet. Der Inhalt ist in acht Kapitel geliedert: „Was gibt es neues im Garten?“, „Mulchmaterial“, „Schnecken“, „Gemüse“, „Obst und Beeren“, „Blumen, Rosen, Kräuter …“, „Teiche“ und „Tiere im Garten“.

Waltraud Hopf schreibt in ihrem Vorwort, dass sie den interessierten Leser gerne an ihren Gartenlektionen teilnehmen lassen will und betont, dass sie über keinen beruflichen gärtnerischen Hintergrund verfügt, sondern aus dem Bauch heraus gärtnert und die Natur und speziell ihre Pflanzen genau beobachtet, um herauszufinden was ihnen gut tut.

Zunächst berichtet sie von den Veränderungen im Garten nach der Veröffentlichung ihres ersten Büchleins, von denen einige eine direkte Konsequenz des Sturmtiefs Kyrill sind. In die Texte herein gestreut sind immer wieder Gartentipps und Anekdoten. Haben Sie gewusst, dass die unscheinbaren Blüten der Schwarzwurzel nach Vollmilchschokolade duften sollen? Weiter erzählt die schreibende Gärtnerin von ihrem Versuch, Salate in Hängeampeln auszusäen und in die Äste von Obstbäumen zu hängen. Das Ergebnis war positiv und soll mit weiteren Sämereien ausgedehnt werden. An anderer Stelle werden ausführliche Überlegungen zu den Themen Kräutern und tierischen Gartenbewohnern angestellt.

Das Büchlein ist zwar illustriert, die Qualität der Bilder aber sehr mangelhaft. Der Text ist nicht sehr ausgefeilt, aber es lässt sich unschwer erkennen, dass Waltraud Hopf mit Herz und Seele gärtnert und darüber berichtet. Vielleicht lassen auch Sie sich von ihrer Freude anstecken und von ihren Erkenntnissen, wie jener, dass sich Erfolg im Gartenbau nur einstellt, wenn man mit und nicht gegen die Natur arbeitet und sich den örtlichen Begebenheiten anpasst und eine entsprechende Pflanzenauswahl trifft? Die Gärtnerin beispielsweise muss akzeptieren, dass es in ihrem Garten keinen Wasseranschluss gibt, da er inmitten von Feldern und Wiesen liegt, und es gilt damit zurechtkommen, dass bei heftigen Niederschlägen auf der Parzelle das Motto „Land unter“ gilt.



Waltraud Hopf:
Garten Allerlei – Neues aus dem Garten
Zwiebelzwerg Verlag, 2009

28. März 2012

Konstanze Neubauer: Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen

Das Wort „Gartenschätze“ im Buchtitel weckt schon einmal hohe Erwartungen in der Leserin. Und, dies sei gleich vorab verraten, diese werden auch erfüllt. Aus ursprünglich 180 Vorschlägen wurden schliesslich die hier nun vorgestellten 70 Gärten ausgewählt und in die Publikation aufgenommen. Die Bild- und Lesereise führt durch die sieben Bezirke Bayerns, von welchen jeweils zwischen sechs und zwölf Gartenschätze im Buch portraitiert werden – von Unter-, Mittel- und Oberfranken, Oberpfalz über Schwaben bis Ober- und Niederbayern.

Ein Bibelgarten in Regen, ein Skulpturengarten mit Bronzeriesen in Erlangen, der kürzlich hier bereits erwähnte botanische Privatgarten Krasemann in Thalmässing, das Felsenlabyrinth Luisenburg in Wundsiedel, das Rosarium Nördlingen, der Galerie- und Kunstgarten Nusser in Freywang, der botanische Garten in Regensburg – die Palette der vorgestellten Grünanlagen ist ebenso umfang- wie abwechslungsreich. Auch Schlossparks, Lehr-, Kloster- und Museumsgärten finden sich unter den grosszügig mit aussagekräftigen Fotos illustrierten Portraits. Die Texte geben einen informativen Einblick in die bayrische Gartenkulturgeschichte, in der sich hortikulturelle Spuren aus den verschiedensten Epochen entdecken lassen.

Das Bewundern der alpinen Pflanzenschätze auf dem Schachen beispielsweise muss erst verdient werden. Der Aufstieg zur „Filiale“ des Botanischen Gartens von München dauert je nach gewähltem Weg und vorhandener Kondition etwa drei bis vier Stunden. Als Belohnung lassen sich Edelweiss und blauer Scheinmohn aus nächster Nähe betrachten und vom Aussichtspavillion aus der Panoramablick ins Reintal.

Der Therapiegarten der Laufer Mühle in Adelsdorf hat nicht nur den Zweck, psychische und physische Heilkräfte der Patienten zu mobilisieren, er spricht besonders auch die Seh- und Geruchssinne der Besucher an. In den verschiedenen Themengärten lassen sich immer wieder Kunstobjekte aus der eigenen Schreinerei, Schlosserei und der Kreativwerkstatt entdecken, die den unverwechselbaren Reiz der Anlage mit Rosarium, Obstgarten usw. unterstützen, und die natürlich auch gekauft werden können.

Der ganzjährig geöffnete Bibelgarten in Regen erzählt an 25 Stationen von speziellen Bibelstellen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ein Rundweg führt durch ein Tor direkt ins Paradies, wo auf einem Apfelbaum bereits eine Schlange sitzt und darauf wartet, den Besucher zum Genuss der verbotenen Früchte zu verführen. In diesem Themengarten lassen sich die Bibelkenntnisse auffrischen und vielleicht fühlt sich der eine oder andere Besucher auch inspiriert, im heimischen Garten ein gleiches oder ähnliches Symbol in die Gartengestaltung zu intergrieren.

Die einzelnen Gartenportraits informieren den Leser unter dem Titel „Garten-Details“ über Öffnungszeiten und genaue Adresse. Pro Bezirk findet sich eine Karte im Buch, damit sich auch der geografisch eher unkundige Leser, zu der auch die Sofagärtnerin zählt, über die genaue Lage der Gärten ein Bild machen kann. Eingeschobene Themen zu den Begriffen Kurgarten, Freilandmuseum, Botanischer Garten, Landschaftspark, Klostergarten, Stadtgarten, Schlossgarten und Arznei- und Heilpflanzengarten erklären die Aufgaben dieser Institutionen und vermitteln Details zur Geschichte aus gärtnerischer Sicht. Im Serviceteil sind Hinweise zu Parkplatzangebot, Rollstuhlgängigkeit, Verpflegungsmöglichkeiten und Internet-Adressen für weitergehende Informationen sowie eine Literaturliste aufgeführt. Da ein Register fehlt, muss das Inhaltsverzeichnis genügen, um zu einem späteren Zeitpunkt rasch wieder eine gesuchte Stelle zu finden.

Ein prächtiger Bildband, der sich insbesondere als Reiseführer für die Vorbereitung von Besuchen von grünen Anlagen im Freistaat eignet und unweigerlich Lust macht, den einen oder anderen Garten in Natura zu betrachten. Oder vielleicht gleich eine Gartentour quer durch Bayern zu planen. Es muss ja nicht immer England sein … Dieses Buch hat übrigens verdientermassen den Gartenbuchpreis 2012 in der Sparte „Bester Gartenreiseführer“ gewonnen.



Konstanze Neubauer:
Gartenschätze in Bayern – 70 Parks und private Gärten zum Entdecken und Geniessen
Callwey Verlag, 2012

25. März 2012

Paula Almqvist: Was mir blüht

Unter dem verheissungsvollen Titel „Was mir blüht“ ist nun bereits eine zweite Kolumnensammlung von Paula Almqvist zu den unterschiedlichsten Themen rund um Gartenfreude und Gartenleid erschienen. Um letzteres zu vermeiden, empfiehlt die Autorin im Kapitel „Besser machen“ der Gärtnerin beispielsweise, nie mehr nach einem Ausflug ins Schwimmbad direkt den Garten anzusteuern und in offenen Sandaletten das Beet umzugraben oder aber mit einer Papierschere, die gerade zufällig zur Hand liegt, einen Rosenzweig zu kürzen.

An einer anderen Stelle vergleicht die Kolumnistin selbstgerührte Ringelblumensalbe und selber gemischte Blütenpotpourris mit Derivaten, welchen ja wie seit der Finanzkrise jeder weiss, ein negativer Touch anhaftet oder sie wägt die Vor- und Nachteile ab zwischen Garten und Haustieren. Wenn man dabei die Duftnote und die monatelange Winterpause berücksichtigt, hat das grüne Hobby ihrer Meinung nach eindeutig die Nase vorn.

Eingeflochten werden auch immer wieder Pflege- oder Pflanztipps wie der, einen blühenden Gartenteppich aus Vergissmeinnicht und blauschwarzen und weissen Tulpen anzulegen oder Kombinationen von Türkenmohn mit Zierlauch auszuprobieren. Und wissen Sie, was es mit Monets Garten für Arme auf sich hat oder warum die lange verpönte Schwiegermutterzunge nun plötzlich von Innendekorateuren empfohlen wird? Alles möchte ich hier ja nicht verraten, aber auch über die Sonnenblume weiss Paula Almqvist interessantes zu berichten. Wir erfahren von der spiralenförmigen Anordnung der Sonnenblumenkerne und welchem Zweck diese dient und dass sich mit Hilfe dieser Blumen Böden ausgezeichnet entgiften lassen.

Was hat es mit dem Sorgerecht für Rosen auf sich? Paula Almqvist beschäftigt sich auch mit dem Unterschied zwischen gärtnernden Frauen und Männern. Eindeutig Männersache ist die sogenannte (selbstgewählte) Schuppen-Quarantäne, nicht zu verwechseln mit dem Schuppen-Arrest aus den wohlbekannten Michel von Lönneberga-Büchern von Astrid Lindgren.

Was also blüht Ihnen, wenn Sie dieses unbedingt empfehlenswerte Büchlein lesen? Unterhaltsame Lektüre mit hortikulturellem Hintergrund und fundierten Informationen. Die nach Monaten geordneten Kapitel beginnen jeweils mit einem Artikel zu einer aktuell blühenden Pflanze. In diesen Kolumnen erfährt man häppchenweise immer mal was über die Autorin. Liebend gerne hätte ich im Buchumschlag oder in der Lektüre noch etwas mehr über diese erfahren…



Paula Almqvist:
Was mir blüht
Schöffling & Co., 2012

22. März 2012

Margit Schönberger: Eine Blattlaus kommt selten allein

Was hat jemand wohl auf dem gartenrelevanten Kerbholz, der jedes Mal ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er bzw. sie das Lied „Mein Freund, der Baum ist tot“ von Alexandra hört? Margit Schönberger erzählt in den ersten fünf Kapiteln genau darüber und von ihrem zwar kräfteraubenden, aber doch erfreulich blühfreudigen Start ins Gärtnerinnenleben. Dann entdecken plötzlich kriechende Schleimer den bereits reichlich gedeckten Tisch und bedienen sich gütlich an Basilikum und anderem Grünzeug. In der Folge mutiert die Autorin durch diese Gartenplage zur Schneckenforscherin.

In weiteren Kapiteln lesen wir von Pflanzenanakondas und kleinformatigeren Gartenwürgern, wie der eigentlich ganz hübschen Ackerwinde oder von Buchpräsentationen, die dank passender Blumendekoration erst den richtigen Schliff bekommen und vom jährlich wiederkehrenden, schon fast traditionellen Namensstreit zwischen Margit Schönberger und ihrem Partner betreffend der Bezeichnung von Schneeglöckchen bzw. welche Blume überhaupt ein Schneeglöckchen ist. Regionale Sprachunterschiede können es nämlich in sich haben. Des weiteren geht es um die Folgen von Nichtbeachtung von Gebrauchsanweisungen, sprich Pflanzanleitungen, oder wie der Titel verrät um Blattläuse.

Die Gartenarbeit erdet die Frau im wahrsten Sinne des Wortes, indem diese eine positive, beruhigende Wirkung auf deren Nervenkostüm hat und gleichzeitig längst vergessene Kindheitserinnerungen an die Gärten der Mutter und der Grossmütter weckt.

Ein humoriges gartenbiografisches Lesebuch, das nebenbei hin und wieder Gartentipps in die Lektüre einpackt und immer mal wieder schmunzeln lässt, wenn man etwa Ausdrücke liest wie „gartenseelisch verarbeitete Tulpenkatastrophe“. Auch nützliche Warnungen sind dabei, die für den vielleicht als eher naiv zu bezeichnenden Gärtner von Nutzen sein könnten. Falls sich nämlich jemand auf Ihrer Parzelle einen halben Quadratmeter Land für den Anbau einer Versuchspflanze mieten will und dabei unbedingt auf einem verborgenen Plätzchen beharrt, sollten bei Ihnen alle, aber wirklich alle Alarmglocken klingeln!

Das nachhaltig schlechte Gewissen, in dem die Sängerin Alexandra mit ihrer Ode an einen Baum aus den sechziger Jahren rührt, ist übrigens auf die Entführung eines Lärchensämlings in den Ferien zurückzuführen, der etliche Jahre später – nachdem er sich (zu) prächtig entwickelt hat - dann gefällt worden ist.



Margit Schönberger:
Eine Blattlaus kommt selten allein
Knaur Verlag, 2012

19. März 2012

Sabine Scholl: Tödliche Tulpen

Der Historiker Selim Ersoy findet bei seiner Rückkehr von einer Gastprofessur in Ankara eine tote junge Frau in seiner Wiener Wohnung, in deren Schulter eine tropfenförmige Tulpe eingeritzt ist. Die Tote arbeitete zu Lebzeiten als Model und Performancekünstlerin und nannte sich „Lale“, was auf Türkisch Tulpe bedeutet. Als Tatwaffe wurde ein Kopftuch aus der Kollektion des Berliner Modedesigners Aslan benutzt, dem Bruder von Selim Ersoy.

Auf den Fall wird die 38jährige Ermittlerin Gina Sonnenfels angesetzt, die früher selber als Designerin tätig war. Im Roman spielen botanische Details immer wieder ein Rolle, etwa in Form des Logos des Modedesigners und von Blumenerde unter den Zehennägeln des Mordopfers oder der Leser erfährt, dass die Tulpe selber als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und wahre Liebe gilt und das Wort Lale als Anagramm für den Namen des Schöpfers. Haben Sie gewusst, dass die gehäkelten Borten von Kopftüchern eine Bedeutung haben? Violette Hyazinthen stehen für ein verliebtes Mädchen, während eine Frau, deren Mann im Ausland tätig ist, wilde Rosen trägt. Weiter kommen im Buch ein Blumenfest und eine Auszeichnung mit dem Namen „Berliner Tulpe“ vor und nicht zuletzt züchtet eine tulpenverrückte Operettensängerin selber ihre Lieblingsblumen und gibt ihnen Namen wie „Die Knospe des Schahs“, „Herzenssucherin“ oder „Lichtspenderin“.

Diese botanischen Hinweise sollen aber keine falsche Fährte legen. Im Buch sind sie doch eher nebensächlich, während beispielsweise Neureligion ein grösseres Thema ist. Und in erster Linie gilt es ja auch herauszufinden, welche Rolle der Bruder des Opfers und ihr Liebhaber, der Teppichhändler Hans Meier, in diesm Fall spielen.

Mit der zwischen Berlin und Wien pendelnden souverän ermittelnden Gina Sonnenfels wurde ich nicht richtig „warm“. Bedenklich und ärgerlich fand ich vor allem die wiederholt erwähnte Kombination von vermuteter Schwangerschaft und gleichzeitigem Einwerfen von grösseren Mengen an Schmerzmitteln. Aber glücklicherweise handelt es ich ja nur um ein Buch …



Sabine Scholl:
Tödliche Tulpen
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, 2011

16. März 2012

Peter Würth: Alles auf Grün

Zur Freude der lesenden Gärtnerin erweitert der Schöffling Verlag die Reihe der kleinformatigen Büchlein mit farbig bedrucktem Feinleinen auch in diesem Frühjahr um zwei Publikationen. Bei Peter Würth dreht sich in dreizehn Kapiteln wie es der Titel schon verrät alles rund ums Grün.

Bereits die ersten Sätze regen zum Nach- und Mitdenken an, denn der Autor lädt die Leser ein, den Garten als Lebewesen zu betrachten. Mit sämtlichen Konsequenzen, die sich daraus ableiten lassen und ergeben. Wie auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen handelt es sich um ein Geben und ein Nehmen, das da wie dort nicht immer im Lot ist. Da werden beispielsweise Obstbäume, die keine Früchte produzieren wollen, mit bockigen Jugendlichen verglichen. Liebt man letztere wegen ihres oft nicht nachvollziehbaren Verhaltens weniger? Im Garten wie im Familienleben lassen sich solche Herausforderungen Humor leichter überwinden.

Auch dem gerade sehr modernen „Country Trend“ widmet der Autor ein Kapitel und reflektiert über den oft schmalen Grat zwischen blosser Dekoration und der richtigen Dosis purer Natur, die bitteschön sowohl berechenbar als auch beherrschbar sein soll. Schmunzeln muss man beim Lesen von Bemerkungen wie (Zitat) „Duzfreunden in der Dorfkneipe, die sich als die engstirnigen Dörfler entpuppen, die sie schon immer waren …“ Eine Überdosis samt Nebenwirkungen stellt sich denn schon mal so rasch ein wie sich beim Holzhacken für das Kaminfeuer Blasen an den Händen bilden.

Zum Thema „Grün“ gehören natürlich auch Überlegungen zu ökologisch korrekt produzierten Lebensmitteln sowie deren Transportwegen, Guerilla-Gardening, Urban Farming, Naturschutz auf Golfplätzen, die grüne Stadt und die neue Gemüseküche.

Über Liedertexte von oder über Gärten habe ich mir bis dato noch nie gross Gedanken gemacht. Bei der Lektüre des Kapitels „Green Songs“ entdeckte ich aber rasch, dass es doch einige bekannte Lieder gibt, die von Garten und Co. handeln. Schon länger nicht mehr gehört, aber gleich wieder präsent beim Lesen des Songtitels waren mir „Mein Freund der Baum“ von Alexandra oder „If you’re going to San Francisco“ von Scott Mc Kenzie und „Rose Garden“ von Lynn Anderson.

Die ebenso sachverständigen wie unterhaltsamen Texte sind mit einem ordentlichen Schuss Ironie gewürzt. Dieses kleinformatige Plädoyer für mehr Grün in allen Lebensräumen hat nur einen Fehler. Nämlich den, dass nach etwas über hundert Seiten das Buch zu Ende gelesen ist.



Peter Würth:
Alles auf Grün
Schöffling & Co., 2012

13. März 2012

Christine Becker: Zeitlos flattern Blütenträume …

Beim Einfügen der kürzlich hier vorgestellten Helleborus-Bücher in meine Bibliotheksliste habe ich festgestellt, dass bereits längere Zeit ein anderes Buch von Christine Becker auf meinem Bücherregal steht, nämlich jenes mit dem Titel „Zeitlos flattern Blütenträume …“. Diese Publikation ist kein Praxisratgeber und bietet auch keine botanischen Erläuterungen, sondern Einblicke ins private Tagebuch, Plaudereien, Rückblicke und nicht zuletzt in die Geschichte der Entwicklung von einem verwahrlosten verwilderten Stück Land in einen Garten. Lesend begleiten wir die Autorin auf diesem beschwerlichen Weg, gepflastert mit unzähligen kaputten Gartenwerkzeugen, dem Kampf gegen den Feind Nr. 1 (dem eisigen Ostwind) und gegen weitere Plagen wie Giersch und Holunder. Geschildert wird eine intensive und mühselige Zeit, die Christine Becker aber nicht missen möchte.

Der Leser kann quasi im Vorbeigehen Tipps mitnehmen. So brachten im Garten Becker direkt zwischen die Buchenhecke gepflanzte Kaiserkronen Rettung vor hungrigen Mäusen, während Eukalyptus und Zypresse schliesslich wegen Kälte und Wintertrockenheit definitiv nicht mehr zu retten waren. Dabei hatte die Autorin und Gärtnerin für letztere sogar stürmische Nächte draussen verbracht, um dem Flachwurzler Halt zu geben.

An einer anderen Stelle lesen wir von aus Legosteinen gebastelteten Gewächshausmodellen, denen sogar massstabgetreue Pappscheiben eigesetzt worden sind und über den vielfältigen Nutzen von Salbei und die Freude darüber, dass sogar der damals zehnjährige Sohn diese Vorzüge bei Anzeichen von Erkältung anerkennt und aus eigenen Stücken mit der Taschenlampe bewaffnet im verschneiten Kräuterbeet nach dem Linderung versprechenden Kraut sucht.

Das Buch wurde bereits 1998 produziert. Nieswurz (Helleborus) erscheinen zwar auf der Liste der im Garten gepflanzten Stauden, die im Anhang aufgelistet sind, spielten aber anno dazumal noch keine wichtige Rolle, ansonsten wären die erwähnten Hahnenfussgewächse wie Rittersporn und Eisenhut an einer anderen Stelle bestimmt um Helleborus ergänzt worden.

Die Texte werden regelmässig mit „…“ unterbrochen. Diese punktuell gesetzten Pausen laden dazu ein, sich zum Gelesenen eigene Gedanken zu machen und die Bilder genauer zu betrachten, die ohne erklärende Texte alleine für sich sprechen.

Und um nochmals kurz auf Helleboren zurückzukommen: Christine Becker hat für ihre Helleborus-Monografie eben den Deutschen Buchpreis 2012 erhalten!


Christine Becker:
Zeitlos flattern Blütenträume …
NWM-Verlag, 1998

10. März 2012

Stefan Leppert: Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden

Es lässt sich wohl endlos darüber diskutieren, ob geschlechtergetrennte Gartenbücher nun sinnvoll sind oder nicht. Nach verschiedenen Publikationen ausschliesslich über Gärtnerinnen erscheint nun mit „Sein Garten“ innert weniger Monaten ein zweites Buch, in dem ausnahmslos gärtnernde Männer vorgestellt werden. Stefan Leppert schreibt im Vorwort gleich selber über sein Befremden als er eine Verlagsanfrage für das Verfassen eines diesbezüglichen Themenbuches erhalten hat. Nun, er hat seine anfänglichen Vorbehalte glücklicherweise überdacht und lesende Gärtner und Gärtnerinnen dürfen sich auf eine informative und gleichzeitig unterhaltende Lektüre freuen und so nebenbei auch Ideen für den eigenen Garten entdecken. Und wer weiss, vielleicht lohnt es sich schon bald, dass in der kürzlich besuchten Berner Buchhandlung mit einem umfangreichen Gartenbuchsortiment neben der schon vorhandenen Regalbeschriftung „Frauen und ihren Gärten“ bald einmal auch ein Schildchen „Männer und ihre Gärten“ angebracht wird?

Nach dem Lesen von Kapitelüberschriften wie „Mittelchen gegen Reiselust“, „Charmante Pedanterie“, „Das Ziel heisst Machen“ oder „Kohl und danach ins Konzert“ steigt die Vorfreude auf Bilder und Texte. Der Einstieg ins Buch beginnt dann zunächst mit einer Doppelseite voller kleinformatiger Bilder mit Händen: solchen, denen man die Gartenarbeit ansieht, hinter anderen vermutet man eher den Gelegenheitsgärtner oder es sind Extremitäten, die zum Gärtnern vermutlich jeweils in Handschuhen stecken. Welche Hände können wohl welchem Gärtner zugeordnet werden? Gar nicht so einfach. Schliesslich weiss man erst nach der Lektüre, dass im Buch Berufsgärtner und Gartenverwalter ebenso vertreten sind wie passionierte Hobbygärtner, die sich ihre hortikulturellen Kenntnisse oft autodidaktisch angeeignet haben. Zum Abschluss des Buches gibt es schliesslich nochmals eine Serie Fotos - diesmal haben die Gärtner Scheren, Rasenmäher und Kessel fest im Griff. Doch mehr als diese Fotos interessieren den Leser natürlich die sechsundzwanzig Portraits zwischen diesen Bilderreihen.

Johannes Bauersachs beispielsweise pflegt ein Gartendenkmal. Als Maler bewahrt er das gärtnerische Erbe der Künstlerin Hannah Höch. Der heutige Besitzer hat keine Ambitionen, die ursprüngliche Gartengestaltung massgeblich zu verändern. Änderungen in der Bepflanzung ergeben sich aber zwangsläufig von selbst, wenn sich die Lebensbereiche der grünen Bewohner verändern, weil Gehölze wachsen und sich die Licht- und Bodenverhältnisse entsprechend anpassen.

Den Garten, dem das Kapitel „Ein Sammelsurium, eine Schatzkammer auf Zeit“ gewidmet ist, stellte ich mir zunächst aufgrund des Textes als Tummelfeld eines Messies vor. Die genauere Betrachtung der Bilder aus dem Saxdorfer Pfarrgarten relativierte diese Annahme wieder. Geometrie scheint ein Fremdwort zu sein und der Autor schreibt von subjektiv empfindbarer Geschmacklosigkeit sowie Mass- und Ziellosigkeit, die sowohl bewundert als auch belächelt werden. Was fehlt, sind Geld und junge Gärtner, die bereits sind die Geschichte dieses Sammelsuriums weiterzuschreiben und weiterzuentwickeln.

Weitere Portraits beschäftigen sich beispielsweise mit Goethe, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Derek Jarman, den ersten Deutschen, die von Piet Oudolf einen Privatgarten gestalten liessen, einem Rosenheini, dem seine Rosenliebe beim Besuch des Autors im wahrsten Sinne des Wortes ins (zerkratzte) Gesicht geschrieben ist oder dem Galantophilen Günter Waldorf. Dazwischen eingebettet sind Interviews mit dem Staudengärtner Dieter Gaissmayer und dem Landschaftsarchitekten Uwe Isterling, der aus seinem langjährigen Planerleben erzählt.

Interessant auch der Einblick im Kapitel „Einsäen tun andere“, wo über drei beruflich stark eingebundene Männer berichtet wird, die auf sogenannten „GemüseSelbstErnte-Parzellen“ gärtnern. Sie sind Pächter von ungefähr 80 Quadratmeter grossen Anbauflächen, die nur durch Schnüre vom Gartennachbarn getrennt sind, und vom Verpächter im Frühjahr mit rund fünfundzwanzig verschiedenen Gemüsesorten eingesät werden. Von Mai bis November hegen und pflegen die Männer diese Pflanzen und können auf diese Weise ohne Verpflichtungen, die beispielsweise eine Vereinsmitgliedschaft mit sich bringen würde, monatelang frisches Gemüse ernten und verwerten.

Die Texte sind eher kurz und knapp, aber in einem lockeren Schreibstil verfasst und die Vorlieben und Beweggründe warum die Gärtner genau diesen ihren Gartenstil ausgewählt haben, sind für den Leser dennoch gut nachvollziehbar. Der letzte Satz der Portraits gilt ausserdem oft der Empfehlung von weiterführender Lektüre in Papierform oder im Internet. Unter den abgebildeten Gärten sind auch welche, die es wahrscheinlich nicht in Hochglanzpublikationen schaffen würden. Sie sind nicht perfekt, aber genau richtig. Nicht jedes heruntergefallene Blatt wurde vor dem Drücken auf den Auslöser weggewischt, nicht jedes Gehölz akkurat zurückgeschnitten. An einer Stelle schreibt der Autor selber von einem nicht unbedingt fotogenen Garten. Dazu heisst es dann passend im Portrait von Karl Ganser, dass der Garten nur ihm und seiner Frau gefallen muss und ihnen allein ein Ort der Freude und Beschäftigung sein soll. Keinesfalls muss er den Ansprüchen von Besuchern und Fotografen dienen.

Und übrigens Männer gärtnern nicht zwangsläufig anders als Frauen. So eng darf der Titel dieses Buches auch nicht gesehen werden. In mehr als einem der hier portraitierten Gärten trägt die Bepflanzung auch die Handschrift der mitgärtnernden Partnerin. Denn nicht überall wünscht sich die Frau nur eher im Geheimen einen etwas anderen Gartenstil. Darüber könne man reden, meint zwar der Gärtner, was aber noch lange nicht heisst, dass der Garten dem Geschmack der Gattin angepasst wird.



Stefan Leppert:
Sein Garten – Wenn Männer Gärtner werden
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012

7. März 2012

Barbara Constantine: Kleiner Tom, was nun?

Der elfjährige Tom und seine alleinerziehende fünfundzwanzigjährige Mutter Jocelyne, genannt Joss, wohnen vorübergehend in einem Wohnwagen. Das Geld ist knapp, weil Joss die Schule vorzeitig abgebrochen und keinen Beruf erlernt hat und deswegen von schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs abhängig ist. Sie möchte aber unbedingt das Abitur nachholen und eine Ausbildung im Pflegebereich absolvieren. Alle ihre Verpflichtungen wachsen ihr zuweilen über den Kopf und sie ist oft etwas gereizt. Ausserdem hat sie den Eindruck, nur über ihre imposante Oberweite wahrgenommen zu werden, weshalb sie zusätzlich für eine Brustverkleinerungs-OP jeden Cent auf die Seite legt. Tom ist für sein Alter bereits sehr selbständig und oft vernünftiger als seine Mutter und die Leserin bekommt zuweilen den Eindruck, Mutter und Sohn steckten in den falschen Rollen.

Fürs gesunde Essen der Kleinfamilie ist Tom verantwortlich. Er durchkämmt täglich die Gärten der Umgebung und bedient sich an reifen Tomaten, Karotten, Kartoffeln und anderem Gemüse. Er legt grossen Wert darauf, nie mehr mitzunehmen, als er und seine Mutter gerade brauchen, um satt zu werden, obwohl sein Magen häufig noch deutlich mehr Nahrung vertragen würde. Ausserdem steckt er das Kraut der Kartoffeln jeweils wieder sorgfältig zurück in die Erde, stampft alles gut fest, giesst pflichtbewusst die Pflanzen und hofft natürlich fest, dass diese wieder weiterwachsen.

Eines Abends, auf der Suche nach neuen Gärten, stolpert Tom beinahe über die 93jährige Madeleine, die seit mehr als einem Tag hilflos zwischen ihrem Gemüse am Boden liegt und verzweifelt weint. Obwohl Tom zunächst befürchtet in Erklärungsnotstand zu geraten, kümmert er sich vorbildlich um die geschwächte alte Frau. Er organisiert einen Transport ins Spital und füttert während Madeleines Abwesenheit deren Haustiere und er kümmert sich um ihren Garten.

In Toms Lieblingsgarten, dort wo er abends auch gerne im Liegestuhl sitzt und von draussen das Fernsehprogramm im Wohnzimmer verfolgt (ohne zu ahnen, dass die Bewohner Odette und Archibald genau wissen, was er in ihrem Garten so treibt und sogar ihre Fernsehgewohnheiten an Kinderinteressen anpassen) holt Tom überzählige Obststräucher und Tomatenpflanzen. Diese buddelt er sorgfältig in Madeleines Garten etwas unordentlichen Garten ein.

Auch als die alte Frau wieder daheim ist, kümmert er sich weiter um Madeleine. Er erledigt ihre Einkäufe und pflegt den Garten. Im Gegenzug bringt sie ihm das Gärtnern bei. Sie dirigiert ihn auf einem Stuhl sitzend herum: „Nacktschnecke im Anmarsch!“ oder „da, ein Wildtrieb…“. Und unter Madeleines Anleitung lernt er sogar Gemüse einzumachen und er kreiert die „Tom Tomatensauce“.

Wer sich nicht vom Titelbild abschrecken lässt, wo ein Junge seine Muskeln spielen lässt, entdeckt einen schönen Familienroman mit passendem offenen Ende für eigene Spekulationen, wie sich wohl die Dinge um den plötzlich aufgetauchten Vater entwickeln und was es mit der Verbindung von alten Comic-Heften und Madeleines Vergangenheit auf sich hat. Das Cover dünkt mich unpassend, da Tom sich doch hauptsächlich durch überlegtes Handeln und sein Mitgefühl qualifiziert.



Barbara Constantine:
Kleiner Tom, was nun?
Blanvalet, 2012