Der 22jährige Ich-Erzähler
Arnljótur macht sich mit drei in Zeitungspapier gewickelten Rosenstecklingen
einer seltenen Achtblattrose mit Stielen ohne Dornen auf den Weg von Island
nach Europa. Die Stecklinge stammen aus dem Treibhaus seiner vor einiger Zeit
bei einem Autounfall verstorbenen Mutter. Arnljóturs Ziel ist ein Kloster mit
dem „grossartigsten Garten himmlischer Rosen“ mit einer jahrhundertealter
Geschichte. Diesen aus dem Mittelalter stammenden Garten hat er als
kleiner Junge in einem Gartenbuch seiner Mutter entdeckt und ist immer wieder
auf diesen gestossen, denn er wird in sämtlichen Publikationen über Rosengärten
erwähnt. Und zwar immer mit den genau gleichen Worten, weil die Autoren mangels
neuer Informationen und Fakten einander nur abschreiben. Arnljótur möchte die
lange vernachlässigten Rosen dieses Gartens wieder zum Blühen bringen.
Zurück in Island bleiben sein
autistischer Zwillingsbruder, der in einem Heim lebt, und Flora Sol, seine
kleine Tochter – ungeplante Frucht eines One-Night-Stands mit Anna, der
Freundin seines Freundes. Ebenfalls zurück in Island lässt der junge Mann
seinen trauernden und fürsorglichen Vater, der es lieber sähe, wenn sein Sohn
ein Studium in Angriff nähme, statt in der Erde herumzuwühlen und an
Rosenstöcken herumzuschneiden und der fest an eine spezielle Bedeutung glaubt,
weil seine verstorbene Frau und Flora Sol am gleichen Tag Geburtstag haben und
dieser Tag auch gleichzeitig der Todestag von ersterer ist. Doch der
quasi im Treibhaus aufgewachsene Arnljótur möchte weder die Schulbank
drücken noch in einem Labor arbeiten, sondern er sucht und braucht den Kontakt
mit der Erde.
Der Start in Europa beginnt
wenig verheissungsvoll. Heftige Bauchschmerzen entpuppen sich als
Blinddarmentzündung, die eine Operation und einen Spitalaufenthalt nötig
machen. Doch dann steht der Weiterreise zum Rosengarten nichts mehr im Weg. Das
Kloster befindet sich auf einem Felsen. Arnljótur bekommt von den Mönchen freie
Hand, den Garten neu zu organisieren und nutzt die einsamen Stunden beim
Unkrautjäten und beim Zurückschneiden der Rosenstöcke, um über seine Wünsche
und unerfüllten Sehnsüchte nachzudenken. Er lernt eine für ihn neue Sprache und
verbringt die Abende häufig mit dem 49jährigen Pater Thomas und die beiden
schauen sich gemeinsam Filme an. Als Arnljótur sich eben in sein neues
europäisches Leben eingewöhnt hat, tauchen seine Tochter und deren Mutter auf.
Arnljótur wird damit
unvermittelt in eine neue Rolle, nämlich die des Vaters, kataputliert und lernt
auch Anna (endlich) näher kennen. Der Leser begleitet den jungen Mann durch
diese Entwicklung, während der aus der stets als „Mutter meiner Tochter“
bezeichneten Anna fast unmerklich die Freundin wird und schon einmal Eifersucht
aufkommen kann. Gleichzeitig werden die fast omnipräsenten Gedanken über Sex,
Liebe und Tod durch die neue Verantwortung für seine Tochter etwas in den
Hintergrund gedrängt. Schliesslich gilt es kochen zu lernen, sich mit der
Kinderbetreuung auseinanderzusetzen und eine Frau zu verstehen und zu
begreifen. Die Problemlösung erfolgt zumeist etwas unorthodox durch
Filmtipps und das Ausleihen von DVDs von Pater Thomas.
Es ist berührend zu lesen, wie
sich Arnljótur um seine Tochter und deren Mutter kümmert, beiden immer näher
kommt und sein Herz immer mehr öffnet, bis es auf einmal auch für den Leser
beinahe gar nicht mehr so verkehrt scheint, zunächst ungeplant ein (perfektes)
Kind zu zeugen und sich erst hernach als Paar kennenzulernen. Das Romanende ist
dann aber eher unerwartet, wenn auch überaus passend. Bis zuletzt unklar blieb
mir, wo das beschriebene Land und der Rosengarten liegen sollen, hunderte
Kilometer vom nächsten Flughafen entfernt. Konkrete Hinweise für den Leser
beschränken sich auf die Augen- und Haarfarbe der Einwohner. Sehr lesenswert!
Audur Ava Olafsdottir:
The Greenhouse
Amazon Crossing, 2011
Weiss ich, wann es Liebe ist?
Suhrkamp Verlag, 2011
18. Juni 2012
14. Juni 2012
Mona de Silva: Roman Greve – Tulpen aus Amsterdam
Der 70jährige Botaniker Wilhelm Anholt wird tot in
seiner Villa aufgefunden. Mord oder Selbstmord? Die Spurenlage ist alles andere
als eindeutig. Der Tote war Diabetiker und starb an Insulinmangel. Im ganzen
Haus lassen sich aber seltsamerweise weder Spritzen noch Insulin finden. An
seinem Wohnort hat Anholt praktisch keine freundschaftlichen Beziehungen
gepflegt und er war überaus unbeliebt. Sein ganzes Interesse fokussierte
er auf die Pflanzenwelt.
Warum ist Hannes Hochscheid, der Besitzer einer
Gärtnerei in Mittenwald, bei der Befragung durch die ermittelnden Beamten
dermassen nervös? Und auch Eleonore Moosleitner, die Hausangestellte des
Opfers, die dieses auch entdeckt hat, scheint etwas zu verbergen. Rätsel gibt
auch die Tulpenzwiebel auf, die unter dem toten Anholt gefunden worden ist.
Bald steht zweifelsfrei
fest, dass Wilhelm Anholt ermordet worden und der Fundort der Leiche nicht
identisch ist mit dem Tatort und im Laufe der Ermittlungen geraten immer mehr
Personen ins Visier der Beamten um Roman Greve. Was hat es mit der Zucht von
Arzneipflanzen für Medizin auf sich? Und wie war die Beziehung zwischen Anholt
und seinem Sohn wirklich? Wer steckt hinter der unbekannten Person, die jeweils
mit Anholt im Schuppen neben dem Wohnhaus hantiert hat?
Die Ermittlungen erschienen mir immer wieder
unglaubwürdig oder fast stümperhaft. So wirkt besonders das manchmal eher
kumpelhafte Diskutieren zwischen Beamten und Personen, die gerade einvernommen
werden, fragwürdig und plump. Als ermüdend empfand
ich aber ganz speziell die vor allem in der ersten Hälfte des Buches sich ständig wiederholenden Erwähnungen und Hinweise auf den früher von Roman Greve
und seinem Team gelösten Fall mitsamt den privaten Beziehungsproblemen und der Umgang mit einer
unbeliebten Kollegin. Die Tulpensaison ist für dieses Jahr definitiv vorbei und
dieses Buch kann ich definitiv in der hinteren Reihe des Bücherregals
einordnen.
Mona de Silva:
Tulpen aus Amsterdam
Novum Publishing, 2011
10. Juni 2012
Felicia Laue, Jochen Martz u.a.: Der Garten-Verführer Mittelfranken
Dieser Gartenreiseführer lockt Gartenliebhaber in 76 private und öffentliche Gärten in Mittelfranken. Viele gute Gartengestaltungsideen für die heimische Parzelle lassen sich beim Schlendern durch möglichst unterschiedlich angelegte fremde Gärten aufgreifen. Im Buch „Der Garten-Verführer Mittelfranken“ reicht die Palette von Gartentypen vom Botanischen Garten, Schlosspark oder Bauerngarten über den Kräutergarten bis hin zu in völlig differierenden Stilen gestalteten Privatgärten. Laut Angaben im Text sind unter den vorgestellten Gärten auch solche, die bis anhin nicht zugänglich waren, so dass auch für erprobte Gartenbesucher neue grüne und blühende Reiche zu entdecken sind. Bereits auf der Karte im Buchdeckel ist dank einem einfachen Farbschema leicht ersichtlich, wo die Gärten liegen und ob sie öffentlich zugänglich sind.
Die von Fachleuten aus dem Gartenbau verfassten Portraits bestehen jeweils aus einem farbig hinterlegten Info-Block zu Gartentyp, Adresse, Eigentümer oder Ansprechpartner, Öffnungszeiten sowie Angaben zu Eintrittsgebühren und Rollstuhltauglichkeit. Ausserdem wird jeder Garten mit Fotos und einem kleinen handgezeichneten Plan vorgestellt.
In Fürth gibt es beispielsweise eine Grünanlage namens „Kleine Mainau“. Nicht in der ähnlichen Bepflanzung besteht die Verbindung zum Eiland im Bodensee, sondern in der versteckten Lage im Tal der Pegnitz nahe der Stadtgrenze. Auch „Irrhain“ ist eine Bezeichnung, die beim Schmöckern im Gartenführer neugierig macht, was sich wohl dahinter für ein Garten versteckt. Dieser Grünraum gehört in die Kategorie „Öffentlicher Wald, ehemals gartenartig gestaltet“ und verfügt über ein verwunschenes Portal, grosse Eichen und verwitterte Denkmäler aus Sandstein, die zur Erkundung dieser morbiden Romantik einladen.
Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.
Wer es lieber bunter und aufgeräumter mag, findet vielleicht Gefallen am privaten Schaugarten Edelmann, der als „Gartenschatz im Zauberwald“ beschrieben wird, wo Gehölze in verschiedenen Grössen, Gestalten und Farben um Aufmerksamkeit buhlen oder im Meditations- und Blütengarten Keilholz. Hier hegt ein Unternehmerpaar neben vielen anderen Gewächsen die 38 Blütenpflanzen, aus welchen nach Beschreibungen von Dr. Eward Bach die bekannten Blütenessenzen hergestellt werden. Ausserdem veröffentlichen die beiden Testberichte der eigenen Heilmittel in der Zeitschrift „Blütenwerkstatt“.
Auch hortikurturelle Höhepunkte sind immer wieder eine Reise, einen Ausflug oder einen Umweg wert. Warum also nicht einmal statt zur Weihnachtszeit an den Christkindlesmarkt nach Nürnberg zu reisen, diese Richtung im Frühsommer anpeilen? Eine stattliche Anzahl der im Führer vorgestellten Gärten und Parks befindet sich nämlich direkt in Nürnberg oder in (fast) unmittelbarer Nähe.
Felicia Laue, Jochen Martz, Maria Theresia von Zerboni, Ursula Grebe:
Der Garten-Verführer Mittelfranken
Ars Vivendi Verlag, 2010
6. Juni 2012
Cümcad Galaxis: Aufruhr auf Hecktorria
Am
Anfang stehen Scherben. Jens lässt beim Abtrocknen versehentlich einen mit
vielen lieben Erinnerungen behafteten Porzellanteller seiner Grossmutter,
genannt Oma Hoppe, fallen. Drei Tage lang herrscht daraufhin zwischen den beiden dicke Luft.
Am vierten Tag kann Jens seiner Oma einen perfekten Teller präsentieren. Wie
das? Weder sind Leimspuren zu entdecken, noch kann das Teil nachgekauft worden
sein, denn die Herstellung dieses Porzellangeschirrs ist schon vor Jahren
eingestellt worden.
Zur
gleichen Zeit steht plötzlich eine Hecke, die tags zuvor vom Landschaftsgärtner
abgesägt worden ist, wieder in alter Schönheit an ihrem alten Platz. Ganz so,
als wäre sie nie vernichtet worden. Und als auch noch ein völlig verbrannter
Schmorbraten auf mysteriöse Weise trotzdem ganz einwandfrei schmeckt, begreift
Oma Hoppe die Welt nicht mehr so richtig. Des Rätsels Lösung präsentiert sich
ihr einen Tag später, als sie im Küchenschrank ein grünes Wesen entdeckt, das
sich als Hecktorria 415 vorstellt.
Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.
Das Mädchen zeigt sich hocherfreut, die angeblich berühmte Oma Hoppe kennenzulernen. Denn auf seinem Heimatplanet ist diese wegen ihres grünen Daumens und ganz speziell wegen ihres Wassermelonenfelds allgemein sehr bekannt. Oma Hoppe zweifelt an ihrem Verstand. Doch während sie sich wieder etwas beruhigt, beginnt das grüne Mädchen von seiner Heimat Hecktorria zu erzählen. Dort herrscht eine unerklärliche Dürre und Wasserknappheit, die für die Bewohner inzwischen bedrohliche Folgen annimmt.
Auch
auf dem Planet Erde geschieht seltsames. Das Auftauchen eines grünes Lebewesens,
das unbedingt geheim bleiben soll, lässt Oma Hoppe in den Augen ihrer Kinder immer
merkwürdiger erscheinen. Diese planen deshalb die Übersiedlung ihrer Mutter
in ein Heim namens „Waldesruh“. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was es mit dem illegalen Brunnen auf
sich hat, den Nachbar Bareis, übrigens der Verantwortliche für die oben erwähnte
Heckenvernichtung, auf seinem Land gegraben hat.
Der
Kampf gegen die Klimakatstrophe hat auf Hecktorria oberste Priorität. Es wird
eine Verbindung zwischen dieser und der Erwärmung auf der Erde angenommen. Doch exisitert
diese tatsächlich? Oder sind die Schwierigkeiten auf Hecktorria vielleicht doch
eher hausgemacht? Tatsächlich sind die Probleme auf den beiden Planeten aber vergleichbarer,
als es zunächst den Anschein macht …
Cümcad Galaxis:
Aufruhr auf Hecktorria
Books on Demand, 2009
2. Juni 2012
Mary Jane Clark: Die Zeichen deiner Schuld
Das gärtnerische Element
beschränkt sich in diesem Thriller weitgehend auf das Titelbild mit einem
Gewächshaus inmitten blühender Blumen. Es steht im Zentrum eines nach
europäischem Vorbild angelegten Gartens im idyllischen Tuxedo Park. Diese
grosszügige Anlage ist eine geheime, abgeschiedene Welt, verborgen hinter einem
streng bewachten Tor. Doch die vermeintliche Idylle mit herrschaftlichen
Häusern und grosszügigen Gärten verbirgt ein dunkles Geheimnis. In eben diesem
erwähnten Gewächshaus hat der Besitzer Innis Wheelock seine heissgeliebten
Orchideen gepflegt und er hat nun diesen Ort ausgewählt, um seinem Leben ein
Ende zu setzen.
Wo liegen die Gründe für seinen Freitod? Und weshalb ist sein Körper voller Stigmata? Die Journalistin Eliza Blake entdeckt auf einem Blumentopf neben ihrem toten Freund rätselhafte Zahlen, die sich als Koordinaten entpuppen. Die Längen- und Breitengradangaben markieren eine Stelle, wo vor über zwanzig Jahren ein Autowrack gefunden wurde – ohne Blutspuren und ohne Insassen. Der Besitzer des Wagens, ein Landschaftsgärtner, ist seit diesem Unfall verschwunden.
Eliza Blake beschäftigt sich intensiv mit den Hintergründen des Selbstmordes und stösst dabei auf immer mehr ungelöste Rätsel. Als sie einer Klärung der vielen offenen Fragen und damit dem Geheimnis von Innis näher kommt, gerät sie selber in grosse Gefahr.
Mary Jane Clark:
Die Zeichen deiner Schuld
Fischer Taschenbuch Verlag, 2011
Wo liegen die Gründe für seinen Freitod? Und weshalb ist sein Körper voller Stigmata? Die Journalistin Eliza Blake entdeckt auf einem Blumentopf neben ihrem toten Freund rätselhafte Zahlen, die sich als Koordinaten entpuppen. Die Längen- und Breitengradangaben markieren eine Stelle, wo vor über zwanzig Jahren ein Autowrack gefunden wurde – ohne Blutspuren und ohne Insassen. Der Besitzer des Wagens, ein Landschaftsgärtner, ist seit diesem Unfall verschwunden.
Eliza Blake beschäftigt sich intensiv mit den Hintergründen des Selbstmordes und stösst dabei auf immer mehr ungelöste Rätsel. Als sie einer Klärung der vielen offenen Fragen und damit dem Geheimnis von Innis näher kommt, gerät sie selber in grosse Gefahr.
Mary Jane Clark:
Die Zeichen deiner Schuld
Fischer Taschenbuch Verlag, 2011
31. Mai 2012
Gerlinde Herz: Omas kleines Gartenbuch
Für dieses kleine liebevoll illustrierte Büchlein hat Gerlinde Herz Grossmutters Gartenerfahrungen kurz und knapp zusammengefasst. Nach einem kurzen Exkurs durch die Gartengeschichte erzählt sie in gartenalphabetischer Form von Ameisen, Gänseblümchen über Muskatellersalbei bis Zucchini Wissenswertes und Lehrreiches aus der Gartenwelt.
Sie gibt dem interessierten Leser Antwort auf die Frage, ob Asche aus dem Kaminofen bedenkenlos im Garten verteilt werden darf, geht auf Bauernregeln ein und berichtet über die verschiedenen positiven und negativen Wirkungen von Brennnesseln. Ausserdem verrät sie, dass ungeniessbare Kartoffeln mit grünen Stellen als Insektenspray Verwendung finden können. Grossmutter wusste auch, dass das Verpflanzen von fest eingewurzelten grünen Schätzen mit Unterstützung von zerquetschten Knoblauchzehen oder gekeimten Gerstenkörnern im Wurzelbereich besser gelingt und eine Gabe gute Komposterde den Start am neuen Ort zusätzlich erleichtert.
Der „Jahresplan meiner Oma“ mit monatlich anfallenden Aufgaben im Garten sowie eine Tabelle mit guten und schlechten Nachbarn im Gemüsegarten komplettieren Omas Gartentipps, die sich in erster Linie als Ratgeber für Einsteiger oder als Mitbringsel für Gartenanfänger eignen.
Omas kleines Gartenbuch
Ars Vivendi Verlag, 2011
28. Mai 2012
Anthony Eglin: Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery
Der pensionierte Botanikprofessor Lawrence Kingston wird einmal mehr in seinem geruhsamen Rentnerdasein gestört. Diese Ablenkung und vor allem der daraus resultierende Geldsegen sind allerdings nicht gänzlich unwillkommen und Zeit für das Lösen seiner heissgeliebten Times-Kreuzworträtsel findet Kingston allemal.
In einem anonymen Brief wird Kingston gebeten, bezüglich eines ungelösten Mordfalls Nachforschungen anzustellen. Obwohl er an einem ersten Treffen mit dem potentiellen Auftraggeber versucht ist, das Angebot abzulehnen, nimmt er dieses schliesslich doch an. Vor Monatsfrist ist im Park von Sturminster Hall William Endicott, ein Professor des archäologischen Instituts, tot aufgefunden worden. Die laufenden Ermittlungen der Polizei haben bis anhin keine heisse Spur ergeben.
Auch Kingstons erste Bemühungen verlaufen zunächst sehr zäh und ergeben keine bahnbrechenden Erkenntnisse, bis er ans Krankenbett des Historikers Tristan Veitch gebeten wird, der kurz darauf an einer Vergiftung stirbt. Kingston findet heraus, dass Endicott und Veitch sich gekannt haben. Beide waren Mitglieder in der National Dahlia Society und dem Brookside Garden Club Derby. Die Polizei vermutet, dass Veitch von einer Schwester Amanda umgebracht worden ist, was Kingston stark bezweifelt, da just zur gleichen Zeit bei den Geschwistern eingebrochen worden ist und Computer und Speichergeräte entwendet worden sind.
Doch ist Kingston objektiv? Er hegt unbestrittenermassen gewisse Sympathien für Amanda. Eigentlich ist Kingston ja für die Aufklärung des Mordfalles Endicott engagiert worden, beschäftigt sich aber mehr mit dem unnatürlichen Tod von Veitch. Mit Hilfe von Dateien, die der Hobbyermittler auf einem in ein Hundehalsband eingearbeiten Stick findet, kommt Kingston der Lösung des Falles endlich etwas näher.
Kingstons Vorliebe für Rätsel und Knobeleien sowie seine Kombinierungsgabe sind in diesem fünften Gartenkrimi aus dieser Reihe (Band 4 habe ich hier vorgestellt) sehr nützlich. Denn schon seit Jahrhunderten wurde vergeblich versucht, zu entziffern was die merkwürdigen Inschriften an einem Monument in den Gärten von Sturminster Hall bedeuten.
Die Dechiffrierungsabschnitte und diesbezüglichen Erklärungen dünkten mich etwas langatmig oder haben mich vielleicht ganz einfach zu wenig interessiert. Der erste Mordfall ereignete sich wohl einem berühmten (fiktiven) Garten, ansonsten ist der Hintergrund aber weniger hortikulturell ausgeprägt als in den Vorgängertiteln. Kingston manövriert sich immer wieder in gefährliche Situationen und natürlich ist der für die Aufklärung der Mordfälle zuständige Inspecktor Wheatly nicht begeistert über die Einmischung des Botanikers. Nichtsdestotrotz eine lesenswerte Lektüre rund um die Lösung eines Rätsels, in dem drei berühmte längst verstorbene Engländer eine wichtige Rolle spielen: ein Poet, der erste britische Premierminister und ein Admiral.
Garden of Secrets Past – An English Garden Mystery
Minotaur Books, 2011
25. Mai 2012
Anja Maubach: Garten ist Leidenschaft!
Die Vermutung liegt nahe, dass
Anja Maubach wahrscheinlich nicht nur über grüne Daumen verfügt, sondern sogar
grünes Blut in ihren Adern fliesst. Sie stammt nämlich aus einer bekannten
Gärtnerfamilie und sie selber gärtnert wie schon einst ihr Urgrossvater Georg
Arends „Auf der blumigen Höh‘“ in Ronsdorf. Mit ihrer Publikation „Garten ist
Leidenschaft“ möchte sie nicht nur ihr hortikulturelles Wissen und ihre Passion
teilen, sie lässt den Leser und die Leserin auch an ihren persönlichen Gedanken
partizipieren - mit dem Ziel, deren Sinne und die Freude an der Natur zu
wecken.
Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:
- Grundsätze vor dem Anfang, Praktisches und Nützliches
- Pflanzenwissen für jeden Gärtner
- Gestalten – die Grundlagen
- Die Kunst der Beetgestaltung
- Leben im Garten – Tag für Tag
- Gartengestaltung – die hohe Schule
- Gärtnern mit allen Sinnen
- Gartenleidenschaft – ganz persönlich
Die meisten Doppelseiten sind so gestaltet, dass auf der linken Doppelseite ein Foto prangt und die rechte Seite mit einem Textbeitrag bedruckt ist. Viele dieser Texte beginnen mit Stichworten oder kurzen, oft unvollständigen Sätzen: „Lebenslang Stauden“, „Early Morning tea mit Morgenmantel“, „Lombardischer Löwe“, „Painting the sky“ oder „Liebe auf den zweiten Blick?“. In der Lektüre finden sich Gartentipps, wie den, die Pflanzen nicht mit Wasser zu verwöhnen, damit diese aus „Angst“ möglichst viele Wurzeln in tiefere Erdschichten schicken.
Anja Maubach erklärt die Grundbegriffe des Gärtnerlateins und immer wieder werden Pflanzungen ihrer gärtnernden Vorfahren erwähnt und Anekdoten in die Beiträge eingeflochten. Man liest über die Cyclamensammlung und das Pflanzenarchiv für Astilben oder vom Gärtnerei- und vom Fotoarchiv.Die Autorin erzählt von „Schachbretttagen“, wenn Moos auf Betonplatten aus unterschiedlichen Materialmischungen verschiedene Schattierungen hervorruft oder von ihrer Gartentörchensammlung, in welcher einzelne Stücke oft jahrelang darauf warten, ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. An einer anderen Stelle schlägt die Autorin vor, Bilder von Paul Klee in Gartenentwürfe zu übertragen und erzählt von ihrem Experiment einer Echniacea-Wiese.
Mir persönlich gefallen am besten jene Stellen, wo man – oft auch nur zwischen den Zeilen – Tiefgründiges erfährt oder wenn Anja Maubach mit Worten spielt: krauten gehen, Gedanken jäten und Gedankenunkräuter ziehen oder die Worte über fiktive (Buch-)Gärtnerfreundschaften. Die Autorin erläutert ausserdem, welche Wirkung der Satz "I love gardening“ auf sie hatte. Sie, die ganz selbstverständlich mit den Worten „im Garten draussen arbeiten“ aufgewachsen ist. Heute geht sie gärtnern. Weiter liest man, dass es auch einer überaus erfahrenen Gärtnerin passieren kann, dass ein ehemals als ideal eingeschätzter Pflanzort nach ein paar Jahren plötzlich nicht mehr perfekt ist und einem anderen, vermeintlich interessanteren Projekt im Weg steht. Die Entscheidungsfindung ist ein Ablösungsprozess – sich mit dem Gedanken anfreunden, loslassen, trauern und inneren Frieden finden.
Den Abschluss des Buches bilden Adressen von Lieferanten, Gehölzen, Stauden usw. sowie Literaturtipps, Erläuterungen zu den Bildern und ein Plan des Gärtnereiareals. Massgeblich zum positiven Gesamteindruck der gelungenen Publikation tragen die Fotos von Ferdinand Graf von Luckner bei.
Dieses Buch habe ich übrigens erstmals rund vier Monate vor Erscheinen mit weissen, unbedruckten Seiten an der Frankfurter Buchmesse gesehen; quasi ein grosszügig bemessenes Notizbuch. Der damalige Titel lautete gemäss einer Werbekarte, die ich bei der aktuellen Lektüre als Lesezeichen verwendet habe: „Die hohe Schule des Gärtnerns“. Der schliesslich in Druck gegangene Titel „Garten ist Leidenschaft!“ ist doch viel passender für dieses Buch einer passionierten Gärtnerin, deren Texte inspirierend, lehrreich und zuweilen auch tiefsinnig und mal poetisch sind.
Anja Maubach:
Garten ist Leidenschaft!
BLV Buchverlag, 2011
Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert:
- Grundsätze vor dem Anfang, Praktisches und Nützliches
- Pflanzenwissen für jeden Gärtner
- Gestalten – die Grundlagen
- Die Kunst der Beetgestaltung
- Leben im Garten – Tag für Tag
- Gartengestaltung – die hohe Schule
- Gärtnern mit allen Sinnen
- Gartenleidenschaft – ganz persönlich
Die meisten Doppelseiten sind so gestaltet, dass auf der linken Doppelseite ein Foto prangt und die rechte Seite mit einem Textbeitrag bedruckt ist. Viele dieser Texte beginnen mit Stichworten oder kurzen, oft unvollständigen Sätzen: „Lebenslang Stauden“, „Early Morning tea mit Morgenmantel“, „Lombardischer Löwe“, „Painting the sky“ oder „Liebe auf den zweiten Blick?“. In der Lektüre finden sich Gartentipps, wie den, die Pflanzen nicht mit Wasser zu verwöhnen, damit diese aus „Angst“ möglichst viele Wurzeln in tiefere Erdschichten schicken.
Anja Maubach erklärt die Grundbegriffe des Gärtnerlateins und immer wieder werden Pflanzungen ihrer gärtnernden Vorfahren erwähnt und Anekdoten in die Beiträge eingeflochten. Man liest über die Cyclamensammlung und das Pflanzenarchiv für Astilben oder vom Gärtnerei- und vom Fotoarchiv.Die Autorin erzählt von „Schachbretttagen“, wenn Moos auf Betonplatten aus unterschiedlichen Materialmischungen verschiedene Schattierungen hervorruft oder von ihrer Gartentörchensammlung, in welcher einzelne Stücke oft jahrelang darauf warten, ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. An einer anderen Stelle schlägt die Autorin vor, Bilder von Paul Klee in Gartenentwürfe zu übertragen und erzählt von ihrem Experiment einer Echniacea-Wiese.
Mir persönlich gefallen am besten jene Stellen, wo man – oft auch nur zwischen den Zeilen – Tiefgründiges erfährt oder wenn Anja Maubach mit Worten spielt: krauten gehen, Gedanken jäten und Gedankenunkräuter ziehen oder die Worte über fiktive (Buch-)Gärtnerfreundschaften. Die Autorin erläutert ausserdem, welche Wirkung der Satz "I love gardening“ auf sie hatte. Sie, die ganz selbstverständlich mit den Worten „im Garten draussen arbeiten“ aufgewachsen ist. Heute geht sie gärtnern. Weiter liest man, dass es auch einer überaus erfahrenen Gärtnerin passieren kann, dass ein ehemals als ideal eingeschätzter Pflanzort nach ein paar Jahren plötzlich nicht mehr perfekt ist und einem anderen, vermeintlich interessanteren Projekt im Weg steht. Die Entscheidungsfindung ist ein Ablösungsprozess – sich mit dem Gedanken anfreunden, loslassen, trauern und inneren Frieden finden.
Den Abschluss des Buches bilden Adressen von Lieferanten, Gehölzen, Stauden usw. sowie Literaturtipps, Erläuterungen zu den Bildern und ein Plan des Gärtnereiareals. Massgeblich zum positiven Gesamteindruck der gelungenen Publikation tragen die Fotos von Ferdinand Graf von Luckner bei.
Dieses Buch habe ich übrigens erstmals rund vier Monate vor Erscheinen mit weissen, unbedruckten Seiten an der Frankfurter Buchmesse gesehen; quasi ein grosszügig bemessenes Notizbuch. Der damalige Titel lautete gemäss einer Werbekarte, die ich bei der aktuellen Lektüre als Lesezeichen verwendet habe: „Die hohe Schule des Gärtnerns“. Der schliesslich in Druck gegangene Titel „Garten ist Leidenschaft!“ ist doch viel passender für dieses Buch einer passionierten Gärtnerin, deren Texte inspirierend, lehrreich und zuweilen auch tiefsinnig und mal poetisch sind.
Anja Maubach:
Garten ist Leidenschaft!
BLV Buchverlag, 2011
22. Mai 2012
Helen Campbell – The Blue Yonder Inn
Bonnie Blue Hogan verlässt im August 1963 endlich ihren gewalttätigen Ehemann Gil. Ihr Baby Blacky hinterlässt die junge Frau mit einer auf dem Rücken notierten Nachricht in einer Schubkarre im gepflegten Garten ihrer Tante Darnelle. Diese hat nach dem Tod von Bonnies Mutter schon ihre Nichte grossgezogen. Nicht zuletzt die schwierige Beziehung zwischen Bonnie und Darnelle hat erstere in eine frühe Ehe getrieben. Bonnie hinterlässt ihren Sohn keineswegs leichten Herzens bei ihrer Tante. Doch scheint ihr dieser Weg die einzig denkbare Möglichkeit, sich in den Westen Amerikas abzusetzen und zu versuchen, von Gil unbehelligt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ihre Zukunft neu aufzugleisen.
Gil sucht seine verschwundene Familie natürlich zuerst bei ihrer nächsten Verwandten. Seine grenzenlose Wut lässt er an Darnelle aus. Er begnügt sich nicht mit körperlicher Gewalt, sondern er zerstört in wenigen Minuten Darnelles preisgekrönten Garten, den sie in jahrelanger mühseliger Arbeit auf humusarmen texanischem Boden angelegt hat. Der Anblick ihrer zerstörten Rosen bricht Darnelle, die schon als junges Mädchen ihren ersten Garten angelegt hat, fast das Herz. Doch die Frau ist sich von Kindsbeinen an gewohnt, kämpfen zu müssen, und zwar nicht nur gegen ihr schlechtes Gewissen, weil sie Gil für die Heirat mit Bonnie Geld zugesteckt hat. Und auch ihre Nichte Bonnie scheint diese Gene geerbt zu haben.
Der authentisch verfasste Roman zeichnet eindrücklich die schwierigen Mutter-Tochter-Konflikte zwischen den beiden sturen Frauen Bonnie und Darnelle auf. Die Erzählung blendet immer wieder zurück und bleibt bis zum Schluss spannend, wenn die Leserin die Familiengeschichten und –verwicklungen durchschaut, die letzten Geheimnisse gelüftet sind und endlich klar ist, was es mit dem vermaledeiten „dog tag“ auf sich hat und was die mehrfachen Erwähnungen von Elvis Presley für eine Bedeutung haben.
The Blue Yonder Inn
Michigan State University Press, 2002
19. Mai 2012
Bärbel Schäfer und Achim Winter: Zen im Gurkenbeet
Der
Mittvierziger Carlo Rümmel hat es vom als Lümmel gehänselten Jungen zum
erfolgreichen Investmentbanker gebracht. Er, der beste Mann von Kilago-Invest,
soll es nun auch richten, als es darum geht, renitenten Schrebergärtnern den
Verkauf ihrer Parzellen schmackhaft zu machen. Das Land der Gartenbesitzer soll
nämlich dem geplanten Einkaufszentrum „Dreamland“ Platz machen, wogegen sich
aber ein harter Kern von Gärtnern wehrt. Wie können diese von einem
Meinungswechsel überzeugt werden?
Carlo
Rümmel kann ein schon länger brach liegendes Stück Land in der Siedlung
„Stoltze“ übernehmen und schleust sich inkognito bei den Schrebergärtnern ein.
Mit brandneuen Gummistiefeln und Kleidung versucht er, das Wachsen des Grases
mitzuhören und beginnt seine Mission bei den in der Chefetage von Kilago despektierlich
als Spatenschwinger, Rosenschneider und Gartenzwerge bezeichneten Gärtnern.
Der
kaltschnäuzige karrieregeile Banker macht die Bekanntschaft von Oma Veigele, deren
attraktiven Punker-Enkelin Nele und anderen Schrebergärtnern und er findet
plötzlich Gefallen am Gärtnern und insbesondere an einer in eine Oase des Stillen
umfunktionierten Laube. Carlo Rümmel entdeckt die Freuden des Offline-Lebens
(wieder) und zieht plötzlich das Meditieren dem Handy-Klingelalarm vor. Lange
verborgene Facetten seines Charakters kommen zum Vorschein. Da seine Ehefrau
gleichzeitig intensiv an ihrer Karriere arbeitet, gerät sein Familienleben
immer mehr aus den Fugen und die beiden Kinder der Rümmels wissen diese
Vernachlässigung zu ihren Zwecken auszunützen.
Als
der Banker den Reizen der jungen Punkerin nicht mehr widerstehen kann, reitet
er sich immer tiefer in den Schlamassel. Währenddessen nutzen nämlich seine Kollegen bei
der zu einem amerikanischen Unternehmen gehörenden Kilago-Invest seine häufige
Abwesenheit und sägen heftig an seinem Bürostuhl. Was soll denn sein
Arbeitgeber auch von der Guerilla-Aktion der Schrebergärtner gegen Kilago halten,
an der Rümmel an vorderster Front mit dabei ist?
Was
mir anfänglich als fast endlose und eher übertriebene Aneinanderreihung von Gemeinplätzen
und Binsenwahrheiten erschien, entwickelte sich zu einem ziemlich schrägen
Roman mit einem überraschenden Ende. Man merkt deutlich, dass ein gemischtgeschlechtliches
Autorenduo am Werk war - die Gedanken und Gefühle aus männlicher und weiblicher
Sicht lesen sich sehr authentisch.
(Noch)
mehr über Gurken zu lesen gibt es im Buch „Allein unter Gurken“ des
Tatort-Kommissars Andreas Hoppe alias Mario Kopper, in welchem er von seinem Versuch
berichtet, sich nur noch von regionalen Produkten zu ernähren.
Bärbel Schäfer und
Achim Winter:
Zen im Gurkenbeet
Weissbooks, 2012
16. Mai 2012
Mike Leigh: Another Year (DVD)
„Another Year“ gibt einen Einblick in den unspektakulären, ziemlich gewöhnlichen Alltag von Gerri und Tom. Die beiden führen seit Jahrzehnten eine glückliche Ehe und sind stolze Eltern des dreissigjährigen Joe. Sie arbeitet als Therapeutin, er ist in der Baubranche tätig. Gemeinsam hoffen sie auf Enkel, doch ihr Sohn scheint die richtige Partnerin nicht zu finden. In ihrer Freizeit beschäftigen sich Gerri und Tom mit ihrem Garten und bieten ihren Freunden und Verwandten ein offenes Haus und Unterstützung in allen Lebenslagen.
Zu ihrem Freundeskreis zählt Gerris Arbeitskollegin Mary, die ziemlich verzweifelt die Liebe ihres Lebens sucht und dabei auch Tom im Visier hat. Ihren Frust und ihre Unsicherheit ertränkt sie in Alkohol. Ähnlich geht es dem übergewichtigen Ken. Er versucht mit Mary anzubandeln, die seine Annäherungsversuche aber bereits im Keim erstickt.
Im Ablauf der Jahreszeiten werden Gerri und Tom auch immer wieder beim Gärtnern beobachtet und tatsächlich wird auch ihre fast unerschöpfliche Geduld einmal (über)strapaziert. Komisch, tragisch und humorvoll zugleich zeigt der Film den ganz normalen englischen Alltag.
Übrigens erscheint Mitte Juni eine Publikation mit dem Titel „Gartenkunst im Spielfilm“ von Nina Gerlach. Ich bin doch sehr gespannt, welche mir noch unbekannten sehenswerten Filme mit hortikulturellem Hintergrund sich dort – hoffentlich - entdecken lassen.
Mike Leigh:
Another Year (DVD)
Pathé Films / Warner Home Video, 2011
13. Mai 2012
Frank M. von Berger: Gartenblumen in Harmonie
Wieso
ziehen die einen Staudenbeete unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich, während
andere einem im besten Fall ein müdes Gähnen entlocken? Was ist unter
Prachtstauden zu verstehen? Wie kombiniert man verschiedene Pflanzenformen
wirkungsvoll? Welche Stauden haben Fernwirkung, welche eignen sich als
Lückenfüller und welche setzen auch im Winter interessante Akzente? Für eine harmonische
Beetgestaltung sind unterschiedliche Faktoren von Wichtigkeit. Damit das
Ergebnis kreativen Staudengärtnerns auch den Erwartungen entspricht, lohnt es
sich unbedingt, sich vor dem Pflanzenkauf und Einpflanzen zumindest ein
Basiswissen anzulesen.
In der Einleitung seines Buches „Gartenblumen in Harmonie“ erklärt Frank M. Berger zunächst, dass die Stauden aufgrund ihrer Wuchsformen grob in fünf Wuchskategorien eingeteilt werden: teppichartiger, ausgebreiteter Wuchs; vertikal nach oben strebender Wuchs; hügelartiger Wuchs; duftiger, lockerer Wuchs und fontänenartiger Wuchs. Die Grenzen zwischen den einzelnen Habituskategorien sind dabei zuweilen fliessend und natürlich kann nicht jede Pflanze eindeutig zugeordnet werden. Das Buch selber ist analog eben dieser Wuchskategorien in fünf Kapitel eingeteilt: „Teppiche weben“, „Vertikale Akzente setzen“, „Schwungvoll und explosiv“, „Geballte Staudenpracht“ und „Duftiges und Transparentes“.
In jedem Kapitel werden nach einem erläuternden Einführungstext in alphabetischer Reihenfolge Vertreter der entsprechenden Staudengruppe vorgestellt. Neben einem Foto gehören zum Portrait Informationen über Aussehen der Pflanze, Standortansprüche, Pflege, Vermehrung und Kombinationsvorschläge. In farbig hinterlegten Kästchen gibt der Autor zusätzliche Tipps oder erklärt beispielsweise was Rhizome sind oder was unter halbimmergrünen Stauden zu verstehen ist. Dazwischen sind Doppelseiten eingefügt, in welchen beispielsweise Stauden mit panaschierten Blättern oder silbergrauem und purpurfarbigem Laub aus den verschiedenen Wuchskategorien gezeigt werden. Im abschliessenden Serviceteil findet der Leser Bezugsquellen, Literaturhinweise und ein Register.
Etwas aussergewöhnlich, um nicht zu schreiben irritierend, fand ich beim ersten Öffnen des Buches, dass gleich beide Innenseiten des Umschlages mit Gartentipps bedruckt sind, also die üblichen „Leerseiten“ fehlen. In der Tat ungewohnt, aber bei näherer Überlegung durchaus sinnvoll. Wieviele Bäume könnten wohl jährlich eingespart werden, wenn sämtliche Bücher auf diese Weise gestaltet werden?
Die Publikation "Gartenblumen in Harmonie" ist sehr schön und informativ aufgemacht. Die Fotos der einzelnen Pflanzen beschränken sich mehrheitlich auf Ausschnitte von blühenden Stauden, gewissermassen „Staudenpassfotos“. Ich hätte mir etwas mehr inspirierende Bilder wie die Pflanzenduos „Bergenien und Kalmus“, „Bergenien mit roten Trieben von Hartriegel“ oder die vom Frost verzauberten Blütenstände gewünscht und ganz allgemein (viel) mehr Fotos von schön gestalteten Mixed Borders mit Kombinationen, wie sie in den Pflanzenportraits vorgeschlagen werden. Das Buch ist übrigens Anfang Jahr mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden.
Frank M. von Berger:
In der Einleitung seines Buches „Gartenblumen in Harmonie“ erklärt Frank M. Berger zunächst, dass die Stauden aufgrund ihrer Wuchsformen grob in fünf Wuchskategorien eingeteilt werden: teppichartiger, ausgebreiteter Wuchs; vertikal nach oben strebender Wuchs; hügelartiger Wuchs; duftiger, lockerer Wuchs und fontänenartiger Wuchs. Die Grenzen zwischen den einzelnen Habituskategorien sind dabei zuweilen fliessend und natürlich kann nicht jede Pflanze eindeutig zugeordnet werden. Das Buch selber ist analog eben dieser Wuchskategorien in fünf Kapitel eingeteilt: „Teppiche weben“, „Vertikale Akzente setzen“, „Schwungvoll und explosiv“, „Geballte Staudenpracht“ und „Duftiges und Transparentes“.
In jedem Kapitel werden nach einem erläuternden Einführungstext in alphabetischer Reihenfolge Vertreter der entsprechenden Staudengruppe vorgestellt. Neben einem Foto gehören zum Portrait Informationen über Aussehen der Pflanze, Standortansprüche, Pflege, Vermehrung und Kombinationsvorschläge. In farbig hinterlegten Kästchen gibt der Autor zusätzliche Tipps oder erklärt beispielsweise was Rhizome sind oder was unter halbimmergrünen Stauden zu verstehen ist. Dazwischen sind Doppelseiten eingefügt, in welchen beispielsweise Stauden mit panaschierten Blättern oder silbergrauem und purpurfarbigem Laub aus den verschiedenen Wuchskategorien gezeigt werden. Im abschliessenden Serviceteil findet der Leser Bezugsquellen, Literaturhinweise und ein Register.
Etwas aussergewöhnlich, um nicht zu schreiben irritierend, fand ich beim ersten Öffnen des Buches, dass gleich beide Innenseiten des Umschlages mit Gartentipps bedruckt sind, also die üblichen „Leerseiten“ fehlen. In der Tat ungewohnt, aber bei näherer Überlegung durchaus sinnvoll. Wieviele Bäume könnten wohl jährlich eingespart werden, wenn sämtliche Bücher auf diese Weise gestaltet werden?
Die Publikation "Gartenblumen in Harmonie" ist sehr schön und informativ aufgemacht. Die Fotos der einzelnen Pflanzen beschränken sich mehrheitlich auf Ausschnitte von blühenden Stauden, gewissermassen „Staudenpassfotos“. Ich hätte mir etwas mehr inspirierende Bilder wie die Pflanzenduos „Bergenien und Kalmus“, „Bergenien mit roten Trieben von Hartriegel“ oder die vom Frost verzauberten Blütenstände gewünscht und ganz allgemein (viel) mehr Fotos von schön gestalteten Mixed Borders mit Kombinationen, wie sie in den Pflanzenportraits vorgeschlagen werden. Das Buch ist übrigens Anfang Jahr mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden.
Frank M. von Berger:
Gartenblumen in Harmonie
10. Mai 2012
Christa Hasselhorst und Hans Bach (Fotos): Park Sanssouci
Verschiedene
Gartenstile aus unterschiedlichen Epochen bilden das Ensemble des
Gesamtkunstwerks Park Sanssouci, der 1990 von der Unesco in die Liste der Welterbestätten
aufgenommen worden ist. Da gibt es barocke Blumenrabatten, Palmen, Kübel mit
exotischen Pflanzen, schier endlose ordentlich getrimmte Hecken und nicht
zuletzt einen klassischen Landschaftspark.
Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden immer wieder durch Anekdoten und interessante Informationen aufgelockert. So liest man zum Beispiel von einem Gärtner, der nicht nur gegen Vandalismus und die Wetterkapriolen ankämpfte, sondern sogar das 3. Artillerieregiment zur Bekämpfung von Maulwürfen und Erdmäusen antreten liess. Friedrich der Grosse selber hingegen soll regelrecht verrückt nach Kirschen gewesen sein. Die Lieblingsfrucht musste ganzjährig verfügbar sein, was dank Treibhäusern auch gelang.
Im Parterre des friderizianischen Gartens wird heutzutage genau wie zu Friedrichs Zeiten ein enormer Aufwand betrieben, um dieses in ein blühendes Sommerblumenmeer zu verwandeln. Die Bepflanzung erfolgt weitgehend authentisch anhand alter überlieferter Listen. Das Motto lautet: klare Formen, edel und schlicht. Geometrie spielt eine untergeordnete Rolle. Der karge brandenburgische Sandboden war und ist vorzüglich geeignet für grosse Gehölze wie Tulpenbäume, Zedern, Platanen und Rosskastanien, die seinerzeit aus einer holländischen Baumschule stammten. Und auch heutzutage ist das Bedienen von sämtlichen Fontänen reine Handarbeit. Morgens und abends werden alle Hähne manuell auf- und zugedreht. Die Wegstrecken zwischen den Spritzbrunnen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Diesen Herbst ist es gerade zwanzig Jahre her, dass ich anlässlich eines Aufenthaltes in Berlin einen Ausflug nach Potsdam unternommen habe. Die Erinnerungen sind nunmehr undeutlich. Ich weiss aber noch genau, dass wir rund um Schloss Sanssouci spaziert sind, hatte (oder habe) aber keine Ahnung (mehr), wie umfangreich das gesamte Gelände tatsächlich ist. Christa Hasselhorst schreibt im Text überaus treffend von Gebäuden und Gärten, die wie Perlen an einer Kette aufgereiht sind – jedes und jeder ein Juwel für sich. Diese Aussage kann man nach einem Besuch oder eben nach der Lektüre dieses Buches und dem Schwelgen in den stimmungsvollen Fotografien nur bestätigen. Denn Hans Bach fängt die jahreszeitlich unterschiedliche teilweise fast magische Atmosphäre vortrefflich ein: Frühlingserwachen mit Tulpen, Kaiserkronen und Narzissen, Regenbogen sowie Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen brechen, bunte Blätter und Nebel im Herbst und mit Schnee überpuderte Baum- und Kunstskulpturen im Winter.
Mehrere
Regenten und noch mehr ihre Gärtner haben der Anlage ihren Stempel aufgedrückt. Zu letzteren zählte auch Peter Joseph Lenné aus einer berühmten
Gärtner-Dynastie. Christa Hasselhorst und Hans Bach stellen in der wunderschön
ausgestatteten Publikation „Park Sanssouci“ das preussische Versailles in Wort
und Bild vor und zeigen, was sich aus dem ehemals „wüsten Berg“ an der
Peripherie von Potsdam entwickelt hat, wo König Friedrich II. seinerzeit in
Lustwägelchen (zweispännigen Gartenkaleschen) durch sein grünes Reich
kutschierte.
Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden immer wieder durch Anekdoten und interessante Informationen aufgelockert. So liest man zum Beispiel von einem Gärtner, der nicht nur gegen Vandalismus und die Wetterkapriolen ankämpfte, sondern sogar das 3. Artillerieregiment zur Bekämpfung von Maulwürfen und Erdmäusen antreten liess. Friedrich der Grosse selber hingegen soll regelrecht verrückt nach Kirschen gewesen sein. Die Lieblingsfrucht musste ganzjährig verfügbar sein, was dank Treibhäusern auch gelang.
Im Parterre des friderizianischen Gartens wird heutzutage genau wie zu Friedrichs Zeiten ein enormer Aufwand betrieben, um dieses in ein blühendes Sommerblumenmeer zu verwandeln. Die Bepflanzung erfolgt weitgehend authentisch anhand alter überlieferter Listen. Das Motto lautet: klare Formen, edel und schlicht. Geometrie spielt eine untergeordnete Rolle. Der karge brandenburgische Sandboden war und ist vorzüglich geeignet für grosse Gehölze wie Tulpenbäume, Zedern, Platanen und Rosskastanien, die seinerzeit aus einer holländischen Baumschule stammten. Und auch heutzutage ist das Bedienen von sämtlichen Fontänen reine Handarbeit. Morgens und abends werden alle Hähne manuell auf- und zugedreht. Die Wegstrecken zwischen den Spritzbrunnen werden mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Diesen Herbst ist es gerade zwanzig Jahre her, dass ich anlässlich eines Aufenthaltes in Berlin einen Ausflug nach Potsdam unternommen habe. Die Erinnerungen sind nunmehr undeutlich. Ich weiss aber noch genau, dass wir rund um Schloss Sanssouci spaziert sind, hatte (oder habe) aber keine Ahnung (mehr), wie umfangreich das gesamte Gelände tatsächlich ist. Christa Hasselhorst schreibt im Text überaus treffend von Gebäuden und Gärten, die wie Perlen an einer Kette aufgereiht sind – jedes und jeder ein Juwel für sich. Diese Aussage kann man nach einem Besuch oder eben nach der Lektüre dieses Buches und dem Schwelgen in den stimmungsvollen Fotografien nur bestätigen. Denn Hans Bach fängt die jahreszeitlich unterschiedliche teilweise fast magische Atmosphäre vortrefflich ein: Frühlingserwachen mit Tulpen, Kaiserkronen und Narzissen, Regenbogen sowie Sonnenstrahlen, die durch Baumkronen brechen, bunte Blätter und Nebel im Herbst und mit Schnee überpuderte Baum- und Kunstskulpturen im Winter.
Christa Hasselhorst
und Hans Bach (Fotos):
Park Sanssouci
Edition Braus, 2012
7. Mai 2012
Jonas Reif (Hrsg.): Gartenwissen auf hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis
Im
Januar 1975 erschien im Ulmer Verlag die erste Ausgabe der „Gartenpraxis“.
Diese Zeitschrift sollte im deutschsprachigen Raum für ein kennerhaftes Zielpublikum mit ähnlich gehobenem Anspruch hortikulturelle Themen aufbereiten
wie in Grossbritannien die von der Royal Horticultural Society herausgegebene
Publikation „The Garden“.
Bereits ab der ersten Stunde mit dabei war Karlheinz Rücker. Anlässlich der kürzlichen Verabschiedung dieses Chefredakteurs ist nun diese Festschrift erschienen, in der verschiedene „Gartenpraxis“- Autoren aus ihrer Sicht Rückschau halten. Das gebundene Buch „Gartenwissen auf hohem Niveau“ ist in drei Teile gegliedert:
- Karlheinz Rücker und die „Gartenpraxis“
- Erfahrungen sammeln und austauschen
- Die Pflanze von morgen
Marion Nickig berichtet beispielsweise über die frühere Serie aus Gartengedichten und Proastexten mit passenden Fotos und ihre anfängliche Enttäuschung, als diese Rubrik „Natur literarisch“ im Rahmen einer Layoutumgestaltung ersatzlos gestrichen wurde. Sie erhielt aber gleichzeitig die Gelegenheit, ein neues Konzept zu entwickeln und stellte sich dieser Herausforderung gerne.
In einem anderen Artikel erzählt Fritz Köhlein aus seinem Blickwinkel über die Anfänge der „Gartenpraxis“ und die langjährige gute Zusammenarbeit mit Karlheinz Rücker, die von gegenseitiger Achtung und freundschaftlicher Zuneigung geprägt war, und er schwelgt in Erinnerungen an erlebnisreiche „Gartenpraxis“-Reisen. Besonders beliebt waren und sind auch die „Gartenpraxis“-Seminare, wo in spezieller Atmosphäre anspruchsvolle Referate und der Austausch mit Gleichgesinnten oberste Priorität haben.
An anderer Stelle geht es des weiteren um den langen Weg von „auffälligen Schmuckgirlanden vergangener Epochen hin zu einer modernen wissenschaftlich begründeten Pflanzenauswahl" (Peter Kiermeier), um „Lebenslanges Lernen: anders als gedacht“ (Matthais Hub), um „Gartenreisen – gestern, heute, morgen“ (Ruprecht Rümler), oder es heisst „Verrückt nach Pflanzen – einige Gedanken zum Umgang mit der Pflanzenvielfalt“ (Norbert Kühn), „Namen – nichts als Namen“ (Erich Götz), „Entwicklung der Gehölzsortimente“ (Andreas Bärtels) und „Neue Tendenzen in der Pflanzenverwendung“ (Cassian Schmidt). Immer wieder geht es um Modeströmungen im Staudensortiment und einen spannenden Rückblick erlaubt der Abdruck eines Vortrages über die Bedeutung des Gartens im Zeitalter virtueller Welten von Karlheinz Rücker, den er am 3. September 2002 in Wädenswil gehalten hat.Dieter Gaissmayer erzählt im Interview über das zweite Gärtnereistandbein Online-Gartenhandel. Thema sind Kundenansprüche im Zeitalter von „Amazon-Lieferzeiten“ und die Steuerung der Begehrlichkeiten durch Saisonalisierung.
Die Leserin erfährt ausserdem – etwas erstaunt - dass gut ausgebildete, motivierte Gärtner für die Pflege einer ausgeklügelten und durchdachten Staudenmischpflanzung im Jahr nur drei bis sieben Minuten pro Quardratmeter aufwenden gegenüber fünfzehn bis zwanzig Minuten bei einer konventionellen Anpflanzung. Beide Zahlen dünken mich als Unwissende beeindruckend niedrig.
Gelernt habe ich ausserdem, dass ich mich nie mehr (jedenfalls vermeintlich) in einer Gärtnerei oder vor dem Gärtner blamieren muss. Denn laut einer Information im Buch sind wissenschaftliche Namen geschriebene Namen und die Aussprache derselben jedem selber überlassen …
Jonas Reif (Hrsg.):
Gartenwissen auf
hohem Niveau – Karlheinz Rücker und die Gartenpraxis / Eine Festschrift
Eugen Ulmer Verlag, 2012
4. Mai 2012
Elisabeth Jacob: Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen
In diesem neuen Beobachter-Ratgeber präsentiert die Journalistin und Obergärtnerin Elisabeth Jacob auf rund 230 Seiten eine Fülle an Ideen, Tipps und Anleitungen, von der sowohl erfahrene Gärtnerinnen als auch solche, die es werden wollen, profitieren können. Beobachter-Publikationen bürgen für Qualität - „Lust auf Garten“ reiht sich nahtlos in diese sachlich fundierte Bücherreihe ein. Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert:
1. Gartentraum und Wirklichkeit
2. Planung und Gestaltung
3. Der Boden und seine Bearbeitung
4. Der schönste Gartenschmuck: Pflanzen
5. Gartenarbeiten durchs Jahr
6. Pflanzen hegen und pflegen
7. Gesunder Garten: Pflanzenschutz
8. Pflanzen, die wenig Freude bereiten
Grundsätzlich ist gärtnern doch eigentlich ganz einfach. Jeder kann eine Pflanze im Garten oder in einem Topf einbuddeln und nach Gutdünken pflegen. Damit die „Resultate“, sprich die Gemüseernte, den Erwartungen von Hülle und Fülle und Geschmack entspricht und sich im Blumenbeet ein Blütenmeer entfaltet, sind aber zumindest grundlegende Kenntnisse sinnvoll. So will zunächst die richtige Standortauswahl gut überlegt sein, denn diese Entscheidung hat einen direkten Einfluss auf Erfolg und Misserfolg und Gartenlust und Gartenfrust. Ein gutes Ergebnis kann auch erwartet werden, wenn schon beim Pflanzeneinkauf die lokalen Verhältnisse berücksichtigt werden.
Mit einer klugen Anpflanzung lässt sich unnötiger Pflegeaufwand vermeiden, weil sich gute Nachbarn im Gartenbeet gegenseitig unterstützen, während schlechte Nachbarn sich auch im grünen Bereich das Leben gegenseitig schwer machen können. Eine erspriessliche Nachbarschaft ist aber nicht nur im Garten zwischen dem Grünzeug wichtig, auch die Kontakte zu zweibeinigen Anstössern jenseits des Zauns sind nicht unbedeutend. So weist die Autorin in ihrem Ratgeber darauf hin, dass es nicht sehr viel nützt, wenn Sie sich sorgfältig um das Wohlergehen Ihrer Tomaten bemühen, wenn der Nachbar seine kränkelnden Pflanzen stehen lässt und diese ungehindert ihre Sporen verbreiten können.
Für helvetische Grünfinger sind besonders die auf hiesigen Grundlagen basierenden rechtlichen Hinweise zu Baubewilligungen oder Grenzabständen von Interesse, wenn auch für detaillierte Informationen natürlich die genauen kantonalen und kommunalen Vorschriften eingeholt und beachtet werden müssen. Haben Sie beispielsweise gewusst, dass ein in Grenznähe gepflanztes Gehölz mit dem Einverständnis des Nachbarn ins Grundbuch eingetragen werden kann? In der Folge bleibt die Vereinbarung auch bei einem Besitzerwechsel gültig und der neue Eigentümer kann nicht die Beseitigung des betreffenden Baums verlangen. Verjährungsfristen, Kapprecht und Grenzpflanzungen zu Nachbarn und an Strassen oder Trottoirs und die (möglichen) daraus resultierenden Probleme sind weitere Themen im Ratgeber.
Die interessierte Leserin erfährt ausserdem vom Zusammenhang zwischen entspanntem Gärtnern und Toleranz, liest von Wildkräutern, die als Zeigerpflanzen fingieren und von den unterschiedlichen Aussaaten von Gründüngung. An anderer Stelle wird von invasiven Pflanzen und Ersatzpflanzen für niedrige und höhere Buchspflanzungen berichtet und die Anfänger-Gärtnerin wird darauf hingewiesen, dass Hochglanzbroschüren mit bunten Fotos und übertriebenen Anpreisungen von Vorteilen keine Garantie für grossartige Produkte sind. Vier verschiedene Piktogramme lenken das Interesse auf spezielle Hinweise. Im Anhang finden sich ein Glossar, eine Mischkultur-Tabelle, ein Stichwortverzeichnis sowie nützliche Adressen, Links und Buchtipps.
Dieser Ratgeber bietet eine umfangreiche Palette an (Grund-)Wissensvermittlung für Gärtnerinnen und zählt zu den Büchern, die man immer wieder zur Hand nimmt, um etwas nachzuschlagen. Er ist übrigens auch für Gärtner empfehlenswert.
Elisabeth Jacob:
Lust auf Garten – Planen, pflanzen, pflegen
Beobachter-Buchverlag, 2012
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