9. Dezember 2012

Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text): For Galantophiles

Das perfekt erscheinende grossformatige Schneeglöckchen auf dem Umschlagbild weckt hohe Erwartungen an dieses Buch. Ob diese wohl erfüllt werden? Schon bei einem ersten Durchblättern der viersprachigen Publikation mit beeindruckenden Fotos von Josh Westrich und Text von Clemens Heidger (Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch) bestätigt sich die Vermutung, dass das Buch „For Galantophiles“ das Werk von Profis sein muss. Insbesondere die prächtigen Aufnahmen begeistern bestimmt nicht nur Galanthophile, sondern lassen jedes Gärtnerherz höher schlagen.

In diesem Schneeglöckchenbuch werden rund zwei Drittel des Umfangs seitenfüllenden Nahaufnahmen zur Verfügung gestellt. Jedes Schneeglöckchen wird auf jeweils zwei Blättern ganzseitig aus unterschiedlichen Blickwinkeln, gelegentlich auch in unterschiedlichen Blütenstadien, abgebildet. Diskret am Bildrand steht der korrekte botanische Name der Schönheit und die Buchseite, auf welcher sich der zugehörige Text befindet. Beschrieben und gezeigt in Wort und Bild werden sowohl bekannte und bewährte Arten und Sorten als auch neuere Entdeckungen.

Josh Westrich hat mit der Kamera die kleinsten Details der Frühblüher eingefangen. Deren elegantes Erscheinungsbild kommt in seinen Fotos meisterhaft zur Geltung und kann genossen werden, ohne auf die Knie gehen zu müssen. Auch Kenner können Unterscheidungen von einzelnen Arten und Sorten nicht immer zweifelsfrei vornehmen. Erschwerend bestehen bei gewissen Sorten Variabilitäten und zudem ist die Ausprägung von Merkmalen auch vom Ernährungszustand und Standort der Pflanze abhängig.

Im Garten erscheinen Schneeglöckchen für den Laien von relativ weit oben betrachtet vielleicht nicht besonders speziell aus und mancher mag sich fragen, was Galanthophile an diesen dermassen fasziniert, dass sie bereit sind, für eine Blumenzwiebel grosse Summen auszugeben. Bei genauerem Hinschauen sind die Pflanzen aber erstaunlich vielfältig. Stichworte sind da beispielswiese einfach oder gefüllt blühend, früh- oder spätblühend, grosser Ausbreitungsdrang und tuffbildend, kleine oder markante Sinusflecken, ausgeprägte Flecken an der Basis der Innenpetalen, deformierte oder gelbe Blüten, gespreizte Aussenpetalen, auf hohem Stängel trohnende Blüten oder aber eher bodennah wachsende Blüten. Auch die Blätter weisen in Form und Farbe unterschiedliche Merkmale auf, wie etwa graublaues oder dunkelgrünes Laub, rundliche Blätter oder solche die spitz zulaufen. Das sind teilweise oder sogar mehrheitlich Fremdwörter für Sie?

Diesbezügliche Informationen finden sich im Textteil, für den sich Clemens Heidger verantwortlich zeigt, und diese beruhen ausschliesslich auf seinen ureigenen Erfahrungen und sind nicht irgendwelchen schriftlichen Quellen entnommen. Nach wem ist ein Schneeglöckchen benannt? Woher stammt es? Wo wurde es gefunden? Wo und wann wurde es von wem gezüchtet? Neben Antworten auf  solche Fragen, lässt Clemens Heidger auch immer wieder Pflegehinweise in den Text einfliessen. So sollten Sie unbedingt Störungen im Wurzelbereich vermeiden, wenn Sie von grösseren Schneeglöckchenbeständen träumen. Er verrät auch, wie und wo er zu speziellen Galanthus-Sorten gekommen ist und empfiehlt Besuchern von Schneeglöckchen-Gärten Tüten, Etiketten und Schreibzeug dabeizuhaben, falls der Gärtner oder die Gärtnerin einem (unverhofft?) ein paar Zwiebeln in die Hand drücken will.

Diese edle Publikation ist ein Muss für Galantophile, die gleichzeitig auch bibliophil sind. Das wunderschöne Buch, das übrigens mit dem Gartenbuchpreis 2012 ausgezeichnet worden ist, eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk oder um sich selber eine Freude zu machen und beim Schwelgen in den Fotografien die doch jeweils sehr lange schneeglöckchenblütenlose Zeit zu überbrücken.

Mit dieser Gartenbuchvorstellung verabschiede ich mich in die jährliche Adventspause. Ich wünsche allen Blogleserinnen und –lesern eine friedliche Vorweihnachtszeit. Die nächsten Gartenbuchempfehlungen werde ich voraussichtlich zwischen Weihnachten und Neujahr online stellen.


 
Josh Westrich (Fotos) und Clemens Heidger (Text): 
For Galantophiles 
Edition Art & Nature, 2011

6. Dezember 2012

Fiona Shaw: Der Honiggarten

Charlie wächst in den 50er Jahren des letztes Jahrhunderts in bescheidenen Verhältnissen in einem kleinen englischen Ort auf. Sein Vater ist häufig tage- und nächtelang abwesend. Wenn er daheim ist, kann er nichts mit seinem Sohn anfangen, der so gar nicht so ist, wie er ihn sich gewünscht hat. Als ausgeprägter Egoist möchte er nicht die Aufmerksamkeit seiner Frau mit einem Kind teilen und seine Reaktionen sind dementsprechend oft heftig und unvorhersehbar. Dafür ist Charlys‘ Verhältnis zu seiner Mutter Lydia umso inniger. Die junge Mutter arbeitet tagtäglich in der Fabrik, wo sie Radio-Teile zusammenlötet. Abends eilt sie schnellstmöglich nach Hause, um für ihre Familie das Abendessen zuzubereiten.

Als Lydias Mann schliesslich überhaupt nicht mehr heimkommt und offen eine andere Beziehung eingeht, übernimmt die Mutter in der Fabrik immer mehr Schichten und Charly geniesst seine Freiheiten, die ihm erlauben, durch die Stadt und die Natur zu streifen und alles genau zu betrachten. Ausserdem darf er im grossen Garten der Ärztin Jean Markham ein- und ausgehen und ihr bei den Arbeiten an deren Bienenstöcken mithelfen. Aber natürlich belastet ihn die Situation daheim.

Derweilen taucht Lydia wenn immer möglich in ihre geliebten Bücherwelten ab und vermag so ihr Leben besser ertragen. Und schliesslich lernt auch sie selber endlich die Frau kennen, in deren Garten ihr Sohn ein- und ausgeht und einen grossen Teil seiner Freizeit verbringt und sie bekommt Einblick in eine ihr bis anhin völlig unbekannte Welt. Die beiden Frauen freunden sich rasch an und ihre Beziehung geht bald über eine gewöhnliche Frauenfreundschaft hinaus.

Charlys Vater unterstützt seine Familie seit seinem Auszug finanziell überhaupt nicht mehr und bald kann die gesundheitlich angeschlagene Lydia die Miete für die Wohnung nicht mehr aufbringen und die Kleinfamilie erhält die Kündigung. Da bietet Jean Lydia an, zusammen mit Charly zu ihr zu ziehen. Diese soll den strengen Job in der Fabrik kündigen und bei ihr die Stelle der Haushälterin übernehmen. Lydia nimmt das Angebot nach reiflicher Überlegung an und blüht in der Folge richtiggehend auf.

Doch das vermeintliche neue Glück ist nicht von langer Dauer. Die Gerüchteküche im Städtchen brodelt, unbeabsichtigt genährt von unschuldigen Äusserungen von Charly. Zwei Frauen und ein Junge in einem Haushalt – kann das gutgehen in einem Jahrzehnt, als die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren (noch) tiefer war als heute?



Fiona Shaw: 
Der Honiggarten
Knaur Taschenbuch Verlag, 2011

2. Dezember 2012

Martin Klein: Wie ein Baum – Der Sommer, in dem Florian Erdmann sein grünes Wunder erlebte

Auch Bäume grüssen sich in diesem Jugendbuch untereinander. Die Worte dafür sind wie bei den Menschen regional verschieden. In Deutschland heisst es „Reiche Blüte“, während sich die Gehölze auf der spanischen Insel Gomera „Guten Passatwind“ wünschen. Doch wie kommt es, dass ein Junge darüber Bescheid weiss und Zwiegespräche von Pflanze zu Pflanze mitverfolgen kann, in denen sich etwa eine Zwergpalme, ein indisches Blumenrohr und Hibiskussträucher über Touristen lustig machen?

Eigentlich ist Florian ein ganz gewöhnlicher Junge, dessen besonderes Interesse Pflanzen gehört. Darum liest er auch gerne in seinem Lieblingsbuch „Bäume erkunden – Bäume verstehen“. Dabei hält er sich am liebsten in seinem Baumhaus auf. Sein selbstgebauter Lieblingsplatz befindet sich in der Krone eines alten dunkelblättrigen Ahorns und ist ein idealer Rückzugsort.

In den ersten Schulstunden nach den Sommerferien fallen Florian vermehrt seltsame Geräusche auf, die ihn vom Unterricht ablenken. Dazu kommen merkwürdige Essensgelüste. Plötzlich läuft ihm beim Gedanken an Kompost und abgestandene Regenbrühe das Wasser im Mund zusammen.Schliesslich kann Florian die Ursache der komischen Laute ergründen. Es handelt sich um fremdartige Stimmen, die zu Bäumen gehören. Er bekommt beispielsweise mit, wie eine Eiche militärische Befehle erteilt und Soldatenlieder singt oder ist schon bald genervt, als ein völlig vernachlässigter und fast vertrockneter Ficus aus der Schule, nachdem er ihn mit Wasser und Dünger versorgt hat, in seinem Kinderzimmer beinahe pausenlos plappert. Und plötzlich verwandelt sich Florian auch äusserlich. Erst färbt sich seine Zunge und bald ist sein ganzer Körper samt Haarpracht waldmeistergrün.

Obwohl Florian seine Haare blond färbt und eine dicke Schicht Bräunungscrème aufträgt, bleiben diese doch sehr auffälligen Veränderungen natürlich nicht lange unbemerkt und es dauert auch nicht lange, bis die Medien von Florians Mutation in einen Baum Wind bekommen. Die körperlichen Abweichungen von der Norm wecken auch das ganz besondere Interesse des Biologen Professor Bayer, der keinen Aufwand scheut, Florian untersuchen zu können. Und noch lieber möchte er an ihm gleich ein wenig herumschnipseln, wie an einer Pflanze. Professor Bayer möchte unbedingt dem naturwissenschaftlichen Phänomen auf die Spur kommen, das Florians Veränderungen ausgelöst hat, denn er wittert eine Sensation und eine einmalige Gelegenheit, sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und berühmt zu werden.

Gleichzeitig hat Florian nur einen Wunsch. Nämlich den, wieder ein ganz gewöhnlicher Junge zu werden und sich nicht mehr mit den verschiedensten Ängsten herumschlagen zu müssen, wie jener, ob ihm wohl im Herbst alle Haare ausfallen, genauso wie ein Laubbaum seine Blätter in dieser Jahreszeit verliert. In seiner Verzweiflung stimmt Florian zu, sich in einem speziellen Heim untersuchen zu lassen. Doch auch hier ist er nicht sicher vor der Presse und einem von Professor Bayer angeheuertem Privatdetektiv und nach Florians Flucht aus dem hermetisch abgeriegelten Gebäude wird er sogar entführt und das Abenteuer „Wie ein Baum“ fängt erst richtig an.



Martin Klein:
Der Sommer, in dem Florian Erdmann sein grünes Wunder erlebte 
Tulipan Verlag, 2012

30. November 2012

Annette Dutton: Der geheimnisvolle Garten

Dieser fesselnde Roman passt trotz seinem Titel nicht wirklich in den Sofagarten beziehungsweise in dieses Blog, wo Gartenbücher und Bücher über Gärten und Gärtner vorgestellt werden sollen. Denn auf den Inhalt bezogen führt der Titel in die Irre und Gärtnerisches spielt in den rund 550 Seiten eine unbedeutende oder genauer formuliert gar keine Rolle. Da der in verschiedenen Strängen erzählte Roman aber sehr spannend geschrieben ist, werde ich den Inhalt hier im Blog trotzdem kurz zusammenfassen.

Bei der Räumung der Wohnung ihrer vor kurzem an Krebs verstorbenen Mutter entdeckt die junge Journalistin Natascha zufällig unter dem doppelten Boden eine Schublade zwei Bündel Briefe und einen Anhänger, dessen Mitte ein eingefasster Edelstein ziert. Aus einem der gefundenen Dokumente geht hervor, dass Nataschas Grossmutter 1912 in Australien von einem deutschen Missionarsehepaar adoptiert worden ist. Die Angabe „halfcaste“ (Mischling) und die Lektüre der Briefe veranlassen Natascha ganz spontan, ihren Resturlaub einzuziehen. Sie macht sich in Australien für vier Wochen auf Spurensuche und kommt dabei einem gut gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur und beim Zusammensetzen vieler neuer Informationen zu einem Puzzle, ergründet sie ihre Wurzeln.

Der fiktive Roman gibt Einblick die jüngere Geschichte Australiens. Zentrale Themen sind dabei die ersten deutschen Siedler auf diesem Kontinent, der Untergang des Passagierschiffs Yongala (quasi die australische Titanic, gesunken nicht nach der Kollision mit einem Eisberg, sondern in einem Zyklon) und die Zwangsentführungen von Aborigines-Kindern, die bis in die 70er Jahres des 20. Jahrhunderts praktiziert wurde und unzählige Familien auseinandergerissen und Generationen ihrer familiären Wurzeln beraubt hat.

Botanisches gibt’s nicht viel mehr zu berichten, als dass mal im Garten gearbeitet wird, eine Pflanze namens Pigface gegen den Biss der Bulldoggenameise hilfreich sein soll und es in einem Garten von blauen Schmetterlingen wimmelt.  



Annette Dutton: 
Der geheimnisvolle Garten 
Knaur Verlag, 2012

26. November 2012

Nancy Arrowsmith: 111 Gründe seinen Garten zu lieben – Ein Loblied auf ein kleines Stück vom Paradies

Brauchen Sie tatsächlich 111 Gründe, die Sie davon überzeugen ihren Garten zu lieben oder um Ihre Zeit, die Sie mit Buddeln in der Erde oder beim Rückschnitt der Rosen verbringen, zu rechtfertigen? Wahrscheinlich nicht. Dieses Buch von Nancy Arrowsmith, der Gründerin der Zeitschrift „Kraut und Rüben“, ist im Rahmen einer Buchreihe erschienen, in welcher jeweils 111 Gründe den Leser oder die Leserin überzeugen sollen, irgendeine Stadt oder ein Land zu lieben, einem einstimmen aufs Elternsein oder eben aufs Gärtnern.

Nachdem die Autorin ihren ureigenen Grund für ihre persönliche Gartenleidenschaft verraten hat, folgen die anderen 110 Gründe, aufgeteilt in die folgenden Kapitel:

- Der Garten als Oase
- Der Garten als Fitnessstudio und Freizeitpark
- Der Garten als Speisekammer
- Der Garten als Therapeut
- Der Garten als Küchenkräuterfabrik
- Der Garten als Öko-Paradies
- Der Garten als Sparschwein
- Der Garten als grüne Apotheke
- Der Garten als Kuriositätenkabinett
- Der Garten als Visitenkarte
- Der Garten als Kunstatelier

 Die Autorin erzählt etwa, dass der Garten leider nicht als unfallfreie Zone bezeichnet werden kann, aber wenigstens auch gleich so etwas wie ein grüner Erste-Hilfe-Kasten ist oder sie berichtet von der Gärtnerkrankheit „Sammelitis“, mit der verschiedene Nebenwirkungen einher gehen. Eine davon ist, inoffiziell eine Gärtnerei zu führen. Als grössten Feind des Gartens macht sie den gemeingefährlichen Bauarbeiter aus, sie empfiehlt bei Ohreninfektionen verfaulte, schwarze, aber nicht weiche Äpfel als nützlich und sie weiss von quadratischen Tomaten und anderen schmackhaften Paradeisern. Etwas neidisch habe ich die Zeilen gelesen, in denen Nancy Arrowsmith verrät, dass sie schon als Kind mehrfach Gelegenheit hatte, die Gärten von Ninfa zu besuchen.

Das Gärtnern und Gartentipps werden mit diesem Buch nicht neu erfunden. Die Texte haben manchmal einen gewissen Hang zum Missionieren, enthalten aber unbestritten viele Informationen und die Autorin weiss, wovon sie schreibt. Die Tipps sind oft in Anekdoten versteckt und immer wieder sind einfache Rezepte für die Ernteverwertung eingestreut.

Die Aufteilung der Kapitel in diese 111 Gründe finde ich etwas schwerfällig, teilweise weit hergeholt und gesucht und die Begründungen dementsprechend kurz geraten. Immerhin sprechen die Mini-Portionen-Kapitel für die Eignung des Buches als Pendlerlektüre. Und schliesslich ist Nancy Arrowsmith überzeugt, dass der Leser noch mindestens weitere 111 Gründe aus dem Ärmel schütteln kann, die für den Garten und das Drumherum sprechen. Welches sind Ihre Gründe?  



Nancy Arrowsmith: 111 Gründe seinen Garten zu lieben – Ein Loblied auf ein kleines Stück vom Paradies
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2012

22. November 2012

Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur (Hrsg.): Pflanzen auf Reisen – Von Sammlerlust und Invasionen (Topiaria Helvetica 2012)

Wenn Menschen reisen, sind häufig – beabsichtigt oder ungewollt – Begleitpassagiere aus Flora und Fauna mit von der Partie. Insbesondere in der Umgebung von Umschlagplätzen wie Bahnhöfen, Flug- und Güterhäfen oder entlang der Bahnlinien finden sich schwarze Passagiere aus dem Tier- und Pflanzenreich, die häufig mit Verpackungsmaterial mittransportiert worden sind. Manchen grünen Immigrant, der schon vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten eingewandert ist, kann man heute kaum mehr aus der Umgebung und vom Teller wegdenken, obwohl sich darunter etliche Einwanderer befinden, die besser in ein Paket verschnürt an den Absenderort zurückverfrachtet würden mit dem Vermerk „Annahme verweigert“. Von reisenden Pflanzen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen handeln denn auch die Beiträge im aktuellen Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Gartenkultur.

Haben Sie gewusst, dass exotische Pflanzen nicht nur mit Schiffe und Wagen unterwegs waren, sondern auch venezianische Buchhändler eine wichtige Aufgabe in diesem Ablauf erfüllten? Clusius liess nämlich seinerzeit die Samen von kostbaren Raritäten gut verpackt von den Norditalienern mit dem Reisegepäck an die Buchmesse in Frankfurt transportieren, wo die Ware empfangen und daraufhin in die Niederlande gebracht wurde.

Der Beitrag „Von der weiten Welt nach Zürich“ berichtet über die Pflanzenzucht und vom Pflanzenhandel in der Schweiz in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Besonderen und im Speziellen vom beeindruckend umfangreichen Sortiment der Firma Froebel in Zürich. Alte Geschäfts- und Collectionsbücher geben Aufschluss über die damaligen Pflanzenbestände. So werden dort beispielsweise 88 Sorten Arten und Sorten Ahorn, 29 Arten und Sorten Liguster, 132 Arten und Sorten Clematis und fast 600 Rosenarten und –sorten aufgelistet.

Im Kapitel „Landschaftserleben, Pflanzenschönheit und Gartenkunst – Karl Foersters Steingarten als Weltentwurf“ erhält der Leser Einblick in die Reiseerinnerungen des bekannten Staudenzüchters, die grundlegend waren für dessen Ansicht von Steingärten und liest vom nächtlichen Treiben auf Schweizer Friedhöfen, wo Karl Foerster Jagd auf Herbstchrysanthemen gemacht hat. Das weiteren gibt es einen Artikel „Pflanzenverwendung auf Transatlantisch“ über den Gartengestalter Richard Neutra, einen Beitrag „Urwald im Wohnzimmer“ über Josef Franks textile Versandparadiese („Stoffgärten“ bzw. Stoffe mit Motiven aus realer und utopischer Natur) und Erläuterungen über die Invasionen im Pflanzenreich am Beispiel der Südschweiz. Thematisiert werden darin die Einwanderer Edelkastanie, Robinie, Götterbaum und Hanfpalme.

Vertieft mit dem Thema Migration in der Botanik befasst sich Annemarie Bucher mit ihrer Spurensuche in der globalen Landschaft. Wie ist mit Neuankömmlingen aus dem grünen Reich umzugehen? Wie soll mit Neophyten umgegangen werden und was ist von der Massenware aus Baumärkten und Gartencentern zu halten, welche die einheimische vielfältige Pflanzenwelt bedrängt und im schlimmsten Fall sogar verdrängt?

In der Rubrik SGGK-Vitrine erwarten den Leser drei Portraits. Doris Guarisco berichtet von ihrem Besuch bei Elsbeth Stoiber im „Rosenstöckli“ auf dem Albispass. Einen Einblick in die achzigjährige Geschichte der Wildensbucher Gärtnerei „Frei Weinlandstauden“ steht unter dem Motto „Es wächst aus allen Ritzen“ und von Pariser Gartenkunst im Garten von Schloss Ebenrain in Sissach berichtet Jörg Matthies. Vier informative Gartenbuchrezensionen runden die Reise im Lesesessel durch Gartengestaltung, Pflanzenverwendung, Design und Ethnobotanik ab.



Schweiz. Gesellschaft für Gartenkultur SGGK (Hrsg.): 
Topiaria Helvetica 2012 – Pflanzen auf Reisen – Von Sammlerlust und Invasionen 
Vdf Hochschulverlag, 2012

18. November 2012

Stefan Leszko: Gärtner – Der schönste Beruf der Welt

Planen Sie, in nächster Zeit Aufträge an Gärtner zu vergeben? Dann sollten Sie sich quasi zur Einstimmung dieses humorige Büchlein zu Gemüte führen. Aus den genauen Beobachtungen des Autors können Sie erfahren, wie Berufsgärtner wirklich ticken und sich entsprechend auf das Abenteuer Gartenumgestaltung einstellen.

Stefan Leszko schreibt und zeichnet seit 2009 für das Landschaftsgärtner-magazin DEGA GALABAU. Seine unterhaltsamen Kolumnen – von einem Kollegen etwas despektierlich als Gefälligkeitsjournalismus abgetan – sind nun einer kleinen Publikation zusammengefasst worden. Die auf eigenen Erfahrungen und Erlebnissen basierenden Artikel stehen beispielsweise unter dem Motto „Telefonpsychologie“, „Eindringliche Warnung eines Geläuterten“, „Selig, die reinen Herzens sind“, „Nein, mein Merkblatt les‘ ich nicht!“ oder „Verhaltensregeln für einen schlechten Auftraggeber“. Die 41 Alltagsgeschichten sind mit spitzer Feder verfasst und werden immer wieder aufgelockert durch Formulierungen wie jener, dass sich in Wirtschaft und Politik viel Totholz im Kronenbereich finden lässt und regen zum Nachdenken an.

Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und über sie lässt sich nicht streiten. Und warum soll sich der Gärtner wundern oder gar ärgern, wenn dem Kunden Cotoneaster gefällt, der praktisch den ganzen Garten überwuchert, aber das stachelige Grünzeug, das dazwischen noch tapfer gedeiht, entfernen lassen will? Grünzeug, bei dem es sich um bedauernswerte Rosen handelt. Interessant sind auch die Überlegungen hinsichtlich der Vorteile von dummen Schülern, dank denen schliesslich ganze Wirtschaftszweige florieren. Man denke nur an all die Nachhilfelehrer, Therapeuten und anderen Berufsleute, die gut an diesen verdienen.

Und wozu soll sich der Berufsgärtner mit den Bedürfnissen von Pflanzen abplagen, wenn der Kunde mit Kies, Stahl und Beton im Garten zufrieden ist? Denn schliesslich (und glücklicherweise) handelt es sich dabei nur um eine Modeströmung, die bald wieder von der nächsten abgelöst wird. Und spätestens in ein paar Jahren kommt alles Nicht-Grüne wieder aus dem Garten raus. Schliesslich sind wechselnde Trends gut für das Geschäft und die Wirtschaft wird dadurch genauso angekurbelt wie von den oben erwähnten weniger intelligenten Schülern.

Den Titel „Wirtschaftswachstum“ trägt der Artikel, in dem der Autor über einen leistungsstarken dreiachsigen LKW berichtet, den ein Chauffeur mit schweisstreibender Präzision in Milimeterfortschritten rückwärts zum Ziel manövriert, das in einer nicht ungewöhnlich schmalen Wohnstrasse liegt. Wichtiges nicht zu vernachlässigendes Detail bei dieser Beobachtung ist der Grund für den Kauf des Riesenvehikels durch den Chef des Lastwagenfahrers. Mit dem Riesenteil soll nämlich Geld gespart werden, weil grössere Lasten auf einmal transportiert und damit die Anzahl Fahrten reduziert und Zeit eingespart werden kann (oder besser soll).

Wir haben in unserem Garten diesen Frühling grössere Umgestaltungsarbeiten durch einen kleinen Fachbetrieb erledigen lassen. Nun, auch nach der Lektüre dieses ausgesprochen unterhaltsamen Büchleins – ich musste immer wieder laut lachen – kann ich etliche Vorkommnisse, die während dieser Arbeiten vorgefallen sind, nicht besser nachvollziehen, geschweige denn verstehen.

Wieso schmeisst ein Gärtner seine Rechen und Schaufeln auf ein Blumenbeet mit Astrantien und Tradescantien (live durchs Fenster beobachtet), wenn sich direkt daneben ein leergeräumter Sitzplatz befindet? Liegt dieses Werkzeug lieber etwas weicher? Oder warum werden sämtliche Schrauben an den Zaunpfählen nicht angeschraubt, wenn hernach für den Transport der Bodenfräse in den nur schwer zugänglichen hinteren Gartenteil der Zaun nicht wieder geöffnet wird, sondern die schwere Maschine dem Haus entlang auf einem viel zu schmalen Weg transportiert wird und dabei sämtliche Minifunkien, Bergenien und andere Stauden zur schönsten Gartenjahreszeit plattgewalzt werden? Der Ersatz für eine bei dieser Aktion ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Echinacea wird dann zuvorkommend, aber leider ohne Rücksprache in einer zuvor als Tabuzone bezeichneten Rabatte direkt vom Fachmann eingebuddelt. Er kann ja schliesslich nicht ahnen oder gar wissen, dass genau dort Herbstzeitlosen und Cyclamen versteckt auf ihren nächsten Auftritt warten.

Das ist (leider) nur eine minimale Auswahl der bei der Umgestaltung eines klar bezeichneten Bereiches erlebten Zwischenfälle. Als leidenschaftlicher Hobbygärtner werden Sie sicher verstehen, dass ich mich schon jetzt sehr auf den nächsten Frühling freue, wenn die Stauden (hoffentlich!) in neuer Frische austreiben werden und ich mich wieder nunmehr über meine eigenen gärtnerischen Unzulänglichkeiten ärgern muss und ein paar tierische Störenfriede. Aber jedenfalls nicht über Zweibeiner, die am Schluss auch noch teuer bezahlt werden müssen … Und natürlich werde ich mich auch hüten, letzterem zu erzählen, dass die neu ausgetriebenen Bergenien ohne Frassspuren von Dickmaulrüsslern eigentlich viel schöner aussehen als die älteren Exemplare, die den unsachgemässen Maschinentransport unbeschadet überlebt haben.



Stefan Leszko: 
Gärtner – Der schönste Beruf der Welt / 40 und ein Abenteuer aus dem Alltag eines Gartengestalters 
Ulmer Verlag, 2012


PS: Die Gartenumgestaltung ist trotz dem schlechten Bei- und Nachgeschmack gut gelungen und macht Freude. Als qualifizierte Buchgärtnerin gehört frau wahrscheinlich auch nicht gerade zur Traumkundschaft des Berufsgärtners!

Aber nun sollte ich wirklich endlich den fehlenden Drahtspanner am Zaun anbringen, der nach dem Kauf  einer Dreierpackung (einzeln leider nicht erhältlich) vor einem halben Jahr immer noch herumliegt. Aus mir unerklärlichen Gründen wurden vom Gärtner nämlich nur ungefähr 15 dieser Teile angebracht und eines fehlt nach wie vor. Aber irgendwann mag man sich als Auftraggeber einfach nicht noch „pinggeliger“ vorkommen und nimmt die Dinge besser selber in die Hand und/oder schreibt sich den Frust im Gartentagebuch, einem (auf Anraten des Ehemannes schliesslich doch nicht abgeschickten) Email oder einem Blogbeitrag von der Seele!

14. November 2012

Renate Hücking: Blumenmalerinnen – Porträts besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur

In ihrer aktuellsten Publikation portraitiert Renate Hücking fünfzehn Blumenmalerinnen. Sie lässt den Leser und Betrachter in Ateliers blicken und entlockt den Künstlerinnen Antworten auf Fragen zu Beweggründen in Hinsicht auf Motivwahl und Technik und allerlei Persönliches. Unter den Malerinnen sind bekannte längst verstorbene Künstlerinnen wie Maria Sibylla Merian, Marianne North und Margaret Mee, aber auch verschiedene ausserhalb der entsprechenden Szene wohl eher unbekannte Frauen. Die Porträts sind gegliedert in die Kapitel „Im Blumengarten“, „Kunst trifft Wissenschaft“, „Für Natur und Umwelt“, „Schön und nützlich“ und „Exotik der Tropen“.

Blumen malen war früher die einzige Möglichkeit, diese in jeder Jahreszeit bewundern zu können. Heutzutage gibt es zwar etliche andere Möglichkeiten, die Blütenpracht zu konservieren, doch malen kann süchtig machen und ist für einzelne der portraitierten Frauen so wichtig wie atmen. Nicht alle dieser Künstlerinnen benutzen Pinsel oder Farbstift. Neben Kunstwerken in den Techniken Öl auf Leinwand, Karton oder Baumwolle und Aquarell, Acryl, Gouache auf Velin, Kupferstich und Farbstiftzeichnungen wird auch das Verfahren Fotografie/Scanogramm vorgestellt. Mit dieser Methode schafft Luzia Simons imposante grossformatige Bilder in Anlehnung an die barocken Blumenstilleben der niederländischen Maler. Ihr Motiv ist dabei seit über zehn Jahren ausschliesslich die Tulpe.

Andere Künstlerinnen bevorzugen oder bevorzugten als Motiv Wiesenblumen, Samen, Gemüse und Obst, die Flora des Amazonasgebietes, Beerenfrüchte, Medizinalpflanzen, Blumensträusse, Nutzpflanzen oder exotische Gewächse. Etwas befremdend muten im ersten Moment die Vorlagen jener Blumenmalerin an, deren Sujets den Hinweis „Made in China“ oder ähnliche Herkunftsbezeichnungen tragen. Regula Dettwiler konzentriert sich nämlich auf künstliche Blumen, genauer Plastik mit Seidenoptik. Diese Blumenjägerin vermerkt denn auch auf ihren Kunstwerken an jener Stelle, wo andere Blumenmalerinnen den Naturstandort angeben halt den Hinweis „Made in Taiwan“.

Fiona Strickland wiederum malt oft Blumen, die bereits am Verblühen sind. In ihrem Umfeld landen deshalb die nicht mehr ganz frischen Blumensträusse in ihrem Atelier. Sie könnten ja noch als Vorlage für Bilder taugen! Ebenso verschieden wie die Technik und Motivwahl sind die Wege, auf denen die Frauen zum Blumenmalen gefunden haben. Rachel Peddler-Smith etwa kam über den Abstecher Insekten- und Käfermalerei auf den Fokus Blumen. Das Einfangen und Töten der Kleintiere stellte sie aber je länger je mehr vor fast unüberwindliche Hürden und lenkte ihre Aufmerksamkeit schliesslich auf die Blumen am Wegrand.

Gärtnern Blumenfrauen auch gerne? Aus Zeitgründen liegt diese Tätigkeit bei den meisten dieser vorgestellten Blumenmalerinnen nicht drin. Was einen spätestens nach der Lektüre dieses Buches nicht wirklich wundert. Wenn man nämlich gelesen hat, dass für eine einzige gemalte Johannisbeere zwanzig Farbtöne nötig und zuvor stundenlange Naturbeobachtungen vorangegangen sind. Da relativiert sich der kleine aufgekommene Neid über die Talente dieser Frauen gleich wieder ein wenig!

Gelegentlich bekommt man ein Buch in die Hände, das einem fast zu schade zum Lesen dünkt und bei dem man es bedauert, wenn die letzte Seite umgeblättert ist und deshalb diesen Moment möglichst lange hinauszögern möchte. Mir geht es jedenfalls so. Und bei diesem Buch hätte ich dieses Phänomen nun nicht unbedingt erwartet. Bei der Durchsicht der diesjährigen Herbstpublikationen ist mir zwar der Name Renate Hücking sofort ins Auge gestochen, da ich ihre früheren Bücher sehr schätze, doch das Thema gemalte Blumenbilder sprach mich nicht besonders an. Ich bin froh, habe ich meine Bedenken ignoriert. Der Fokus der Frauenporträts liegt etwa gleich stark auf dem Text wie auf den – unbestrittenermassen- beeindruckenden Bildern. Der Autorin gelingt es mit ihren bemerkenswerten Porträts Interesse für das Thema Blumenmalerinnen zu wecken. Ich habe jedenfalls nach vielen Jahren wieder einmal die Biografie „A vision of Eden“ über Leben und Werk von Marianne North durchgeblättert. Wer nach der Lektüre des Buches "Blumenmalerinnen" ebenfalls neugierig auf mehr Lesefutter zum Thema geworden ist, findet im Anhang eine Auswahl zum Weiterlesen sowie Kontaktangaben und Informationen zu (früheren) Ausstellungen der Künstlerinnen.



Renate Hücking: 
Blumenmalerinnen – Porträts besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur 
Callwey Verlag, 2012

10. November 2012

Karen Meyer-Rebentisch: Wintergemüse – selbst geerntet, selbst gekocht

In ihrem zweiten Gemüsebuch beschreibt Karen Meyer-Rebentisch ausführlich, wie man sich mit geschickter Sortenauswahl und der passenden Lagermethode auch in der kalten Jahreszeit ganz oder weitgehend mit Vitaminen aus dem eigenen Garten versorgen und die Treibhausprodukte aus der Gemüseabteilung beim Lebensmittelhändler getrost vor sich hin schrumpeln lassen kann. Aus der Auswahl der über dreissig im Buch vorgestellten Gemüsesorten und einer Vielzahl von Kochrezepten finden mit Sicherheit auch Sie das eine oder andere neue Lieblingsrezept.

Die folgenden Gemüsesorten werden im Buch vorgestellt: Apfel, Bärlauch, Barbarakresse, Blumenkohl, Cardy, Chicorée, Chinakohl, Endivie, Feldsalat, Grünkohl, Haferwurzel, Kartoffel, Knoblauch, Knollenziest, Kohlrabi, Kürbis, Möhre, Palmkohl, Pastinake, Porree, Radicchio, Rettich, Rosenkohl, Rote Beete, Rotkohl, Schwarzwurzel, Sellerie, Speiserübe, Spinat, Sprouting Broccoli, Steckrübe, Topinambur, Weisskohl, Wirsing und Zwiebel.

Im Einführungstext weist die Autorin auf die Bedeutung der Auswahl der richtigen Gemüsesorten und eine durchdachte Anbauplanung hin, gibt Tipps zum Düngen und erklärt, worauf beim Ernten geachtet werden soll, damit der Vitamingehalt des Gemüses möglichst hoch und der Nitratwert entsprechend niedrig ist. Um die Ernte möglichst lang in frischem und knackigem Zustand aufbewahren und verwerten zu können, sind rechtzeitig Überlegungen und Vorkehrungen zu treffen, um bei Bedarf über geeignete Lagerstätten verfügen zu können. In einer praktischen Tabelle kann nachgeschaut werden, welches Gemüse vor dem Frost geerntet werden muss, welches praktischerweise gleich im Beet überwintern kann oder welche Gemüse am besten im Keller-Lichtschacht, im Frühbeet, im ungeheizten Gewächshaus oder im Folientunnel gelagert werden kann.

Die einzelnen Gemüseportraits sind einheitlich nach folgendem Schema aufgebaut:
- Anbauen
- Sorten
- Ernten
- Lagern
- Kochen

Jedes Gemüse wird ausserdem mit beeindruckenden Fotografien vorgestellt; direkt nach der Ernte im Garten und nach der Verwendung in der Küche. Der Grossteil der Fotos stammt von Karen Meyer-Rebentisch selber. Besonders gut gelungen sind die Fotos mit gefrosteten Gemüse. Die Autorin und Fotografin hält übrigens ausdrücklich fest, dass sämtliche Aufnahmen der appetitanregenden Gerichte ohne irgendwelche Hilfsmittel oder Tricks entstanden sind und die Speisen nach dem Fototermin mit Genuss gegessen worden sind.

Welches Gemüse zählt zu den Starkzehrern, welches eignet sich bestens als Nachkultur? Der Hobby- und Gemüsegärtner findet im Buch Antwort auf diese Fragen und viele Informationen mehr. Unter den Rezepten gibt es beispielsweise Varianten von Flammenkuchen mit Porree oder Apfel, bunten Kartoffelsalat, Wirsing mit Pinienkernen und Ricotta, Spinatauflauf mit Polenta und Schwarzwurzelcurry. Mit der expliziten Erlaubnis der Autorin dürfen, ja sollen Sie den unübertrefflichen Geschmack von Rotkohl auch in aufgewärmter Form geniessen, da er so ja bekanntermassen noch besser mundet als beim ersten Auftischen. Und getrost alles ignorieren, was sie gewöhnlich über vitaminschonende Gemüsezubereitung beherzigen.

Die Publikation wird komplettiert durch ein Stichwortverzeichnis, Adressen für die Beschaffung von Saatgut und Zubehör, Hinweisen auf Internetseiten und weiterführende Literatur sowie einem Anbauplan von Apfel bis Zwiebel, mit Angabe von Zeitpunkt der Aussaat, Pflanzung, Haupterntezeit und Lagerzeitraum.

Und dass der Apfel kein Gemüse ist, wissen Sie, ich und selbstverständlich auch die Autorin. Da letztere ihn aber unverzichtbar hält für die Winterküche, hat sie ihn nichtsdestotrotz ins Buch hereingeschmuggelt. Denn auch mit Äpfeln lässt sich im Herbst und Winter abwechslungsreich und gesund kochen.



Karen Meyer-Rebentisch: 
Wintergemüse – selbst geerntet, selbst gekocht
BLV Buchverlag, 2012

6. November 2012

Silvio Waser: Das Waldgartenprinzip

Was ist unter Waldgartenprinzip zu verstehen? Hohe Bäume, wenig Licht und in der Folge eher kümmerliche Pflanzen? Diese Antwort kann wohl schon aufgrund der heutigen meist kleinen Parzellengrösse, mit denen sich die Mehrheit der gärtnernden Mitmenschen begnügen muss, nicht ganz stimmen. Denn in solchen Kleingärten sind hohe Gehölze eindeutig fehl am Platz. Silvio Waser definiert das Waldgartenprinzip als Kombination der vier bekannten Gartenbaumethoden Naturgarten, Nutzgarten, Waldgarten und Blumengarten. Die Grundmotivation für die Wahl des in diesem Buch erklärten Anbauprinzips liegt denn auch nicht in einem möglichst hohen Ernteertrag, der oft nur durch den Einsatz von (chemischen) Düngemitteln erreicht wird, sondern in einer Kombination von Ernteglück und Freude an der der Natur und ihren Bewohnern. Dabei gilt als oberste Maxime: „Alles nützt allen“.

Die Bepflanzung im Waldgartenprinzip erfolgt grundsätzlich auf drei Ebenen. Am Boden wachsen beispielsweise Gemüse, Kräuter und Blumen, während sich Sträucher und Beeren die mittlere Eben teilen. Die oberste Ebene gehört kleinwüchsigen (bis höchstens drei Meter hohen) Obstbäumen, die sorgfältig so gepflanzt und gepflegt werden müssen, dass die unteren Pflanzebenen noch genügend Licht abbekommen. Zum Gärtnern gehört auch die Entspannung. Während die Natur sich weitestgehend entfalten darf, mag und soll der Gärtner sich auch mal ausruhen, Tiere beobachten und einfach nur abschalten. Schliesslich ist ein wichtiger Pluspunkt, der für eine Bewirtschaftung nach dem Waldgartenprinzip spricht, die Reduktion der Arbeitsintensivität im Vergleich mit einem herkömmlichen Gemüsegarten.

Damit das Waldgartenprinzip auch zufriedenstellend funktioniert, sollte der Gärtner über gewisse Grundkenntnisse der Mischkultur verfügen. Denn auch Pflanzen haben Vorlieben und ziehen gewisse Nachbarn anderen vor. Silvio Waser weist ausserdem ausdrücklich darauf hin, dass das wichtigste Kriterium bei der Auswahl der grünen Gartenbewohner deren Herkunft ist, denn es sollen unbedingt einheimische Pflanzen bevorzugt werden. Und wie im „richtigen“ Wald sollen auch im Waldgarten Rückzugsnischen für allerlei Getier geschaffen werden. Zweckmässig sind beispielsweise Totholz, Schnittabfälle, Steine oder Laub. Werden die Beetflächen zusätzlich mit geeignetem Material gemulcht, so lassen sich unerwünschte Kräuter und Pflanzen unterdrücken und es muss weniger häufig gejätet werden.

Im Kapitel „Die Pünt“ gibt es lokale Informationen zu lesen. Der Autor erklärt, dass der Ausdruck „Pünt“ für Schrebergärten tatsächlich nur in der Region Winterthur verwendet wird und sogar im nicht weit entfernt liegenden Zürich nicht gebraucht wird. Erwähnt wird auch die neue Püntenregelung, die letztes Jahr für einigen Aufruhr sorgte und über welche auch überregional in den Medien berichtet worden ist. So sollten beispielsweise strikte Regelungen in Bezug auf Farbe der Häuschen oder Grösse der Bauten eingeführt werden.

Der Autor bewirtschaftet einen seiner eigenen Schrebergärten nach dem Waldgartenprinzip. Sein Schlusssatz mit dem Fazit, dass das Waldgartenprinzip in seiner Einfachheit von jedermann umgesetzt werden und mit wenig Aufwand viel Wirkung erzielt werden kann, von der sowohl der Mensch als auch die Natur profitieren können, gipfelt in der logischen Frage: wer mag mitmachen?

Diese im Eigenverlag erschiene Publikation ist grosszügig mit Fotos des Autors illustriert und bereits das zweite Gartenbuch von Silvio Waser. Es kann kurz zusammengefasst als Plädoyer für die Biodiversität bezeichnet werden und ist mit viel Enthusiasmus verfasst, der das Fehlen eines professionellen Lektorats wettmacht. Das erste Gartenbuch des Autors („Spirituelles Gärtnern“) habe ich bereits früher hier vorgestellt und inzwischen auch meine Skepsis (und Hemmungen) überwunden und ihn in seinem Laden besucht, wo er auch ein vielfältiges Gartenbüchersortiment anbietet.

Silvio Waser engagiert sich übrigens nicht nur in seiner Pünt und mit seinen Gartenbüchern für die Natur. Immer wieder erscheinen in der lokalen Tageszeitung Leserbriefe, in denen er sich für mehr Natur in der Stadt Winterthur einsetzt und beispielsweise die Stadtgärtnerei auffordert, zumindest auf den Baumscheiben Wildblumen zu dulden. Er gibt auch seit ein paar Jahren einen Stadtplan heraus, der hiesige Ladengeschäfte auflistet, die ökologische, fair gehandelte, ganzheitlich hergestellte oder besonders originelle Produkte in ihrem Angebot haben.  



Silvio Waser: 
Das Waldgartenprinzip
Neue Wege gehen Verlag, 2012

2. November 2012

Walburga Liebst: Von Baum zu Baum – Ein Führer zu besonderen Bäumen Zürichs

Warum bei einem Besuch in Zürich nicht einmal die Shoppingmeilen und Museen links liegen lassen und sich auf die Baumwelt konzentrieren? Rund 80‘000 Bäume wurzeln im Stadtzürcher Boden. Walburga Liebst hat 2009 im Haupt Verlag einen Führer zu einer Auswahl von besonderen Exemplaren unter dieser grossen Menge an Gehölzen herausgegeben. Dieser hat auch heute nichts an Aktualität eingebüsst, selbst wenn vielleicht der eine oder andere Baum nicht mehr existieren sollte. Das Wort „besonders“ steht dabei gleichzeitig für einheimisch, exotisch, jung, alt, bekannt und unbekannt.

Die Baumwanderungen führen zwischen Limmat und Schanzengraben, in die Enge, in die Grünanlagen von Wiedikon oder in die Strassen und Gärten von Riesbach, aber auch in andere Quartiere. Zu entdecken gibt es beispielsweise den Rosinenbaum (Hovenia dulcis), die Kakipflaume (Diospyros kaki), den Taubenbaum (Davidia involucrata), den Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), die Gurkenmagnolie (Magnolia acuminata) oder den Haselnussbaum (Corylus colurna). Das Buch soll laut der Autorin dazu einladen, einen kleinen Teil der Baumschätze zu heben und die unterschiedlichsten Gehölze samt teils überraschenden Eigenschaften kennenzulernen.

So erfährt der interessierte Leser, dass der Name „Japanischer Schnurbaum“ (Sophora japonica) auf einen Irrtum zurückgeht, denn der Baum stammt ursprünglich aus China und Korea. Den Weg nach Japan fand er erst durch den Buddhismus. Zwei schöne Exemplare dieser Spezies stehen am Rand der Pestalozziwiese in unmittelbarer Nähe der Bahnhofstrasse. Und hätten Sie gewusst, dass die Erfindung des Stacheldrahtes den spitzen Dornen des Osagedorn oder Milchorangenbaums (Maclura pomifera) nachempfunden ist?

Weiter berichtet Walburga Liebst, dass in der Schweiz Schwarzkiefern (Pinus nigra) nur in Parks und grossen Gärten wachsen, während diese Bäume in Niederösterreich weit verbreitet sind und dort auch landwirtschaftlich genutzt werden. Bis zu vier Kilogramm Harz können nämlich pro Jahr von einem Baum geerntet werden. So wurden im Jahr 2000 in unserem Nachbarland rund vierzig Tonnen des sogenannten Schwarzkiefernpechs für die Papierindustrie und andere Abnehmer verarbeitet.

Favoriten von Landwirtschaftsarchitekten können sich aus unterschiedlichen Gründen zu unbeliebten Eindringlingen entwickeln. Wegen unerwünscht starkem Fortpflanzungsdrang gehört auch der Götterbaum (Ailanthus altissima) mit seinem jährlichen Triebzuwachs von bis zu drei Metern in diese Kategorie. Auch von der anfänglichen Catalpa-Euphorie ist nicht viel übrig geblieben. Die Catalpa speziosa zieht zwar während der Blütezeit sämtliche Blicke auf sich, doch dauert diese nur sehr kurz. Demgegenüber stehen aufwändige Aufräumarbeiten wegen der vielen grossen Blätter und fast unzähligen Früchte sowie mehrere Monate, in denen das Gehölz kahl und unattraktiv wirkt.

Weiter liest man im Buch über Bräuche. Etwa über den, dass in Norwegen an Weihnachten die Wurzeln von Birken mit Bier oder Met begossen werden. Nicht unbedingt der Samtahorn (Acer velutinum) oder andere Gehölze ziehen im Bleulerpark im Sommer die meiste Aufmerksamkeit auf sich, sondern Glühwürmchen, die auf dem Kräuterrasen leuchten. Leider ist das selten gewordene Naturspektatkel nicht öffentlich zugänglich, da die Parktore zum Schutz der Gehölze nachts geschlossen sind.

Besonders viele spannende Bäume lassen sich im Alten Botanischen Garten entdecken. Angekettete Exemplare sind aber auch dort ungewöhnlich. Erforderlich machten diese Sicherheitsmassnahme kleine Wollemie-Kiefern (Wollemia nobilis), die erst 1994 in einem australischen Nationalpark entdeckt worden sind und von denen zum damaligen Zeitpunkt nur noch ungefähr hundert Exemplare am Naturstandort existierten.

Die Baumportraits sind gespickt mit interessanten Informationen wie (vermuteter) Pflanzzeitpunkt der Gehölze sowie historischen, kulturellen und botanischen Details. Im Glossar werden Nicht-Botanikern Fachausdrücke aus den Texten kurz erklärt und das nach Kapiteln gegliederte Literaturverzeichnis listet umfangreiche Quellenangaben für weiterführendes Lesevergnügen auf. Die Standorte der im Buch erwähnten Bäume sind in einer Tabelle mitsamt Koordinaten, Adresse und der nächstgelegenen Bus- oder Tramhaltestelle aufgeführt. Ein Blüh- und Fruchtkalender rundet die aufschlussreiche, grosszügig bebilderte Publikation ab und zeigt, dass sich auch im Herbst und Winter ein Baumspaziergung durch Zürich lohnt.  



Walburga Liebst: 
Von Baum zu Baum – Ein Führer zu besonderen Bäumen Zürichs 
Haupt Verlag, 2009

30. Oktober 2012

Ingrid Weissmann: Ein Mord voraus – Norderstedt-Krimi

August 2009 – In Norderstedt ist die Landesgartenschau 2011 im Entstehen begriffen. Noch 616 Tage bis zur Eröffnung. Der Schrottkünstler Orlando Graf beschäftigt sich derweilen mit seinem eigenen Themengarten aus silbernen Skulpturen, die zwischen Lavendel und Mohn arrangiert werden und die Blicke auf sich ziehen sollen. Denn Kunstobjekte sind seiner Meinung nach deutlich wichtiger als die Blümchen-Gartenschau und er fühlt sich deshalb legitimiert, immer wieder mal die Vorbereitungen zur Landesgartenschau zu stören.

Gleichzeitig erhält die Privatdetektivin Sabrina Sax den Auftrag, einen schon eine Weile zurückliegenden tödlichen Unfall genauer zu untersuchen. Vera Engel, die Mutter des Unfallopfers und Besitzerin des Autohauses am Flughafen, auf das gerade ein Anschlag verübt worden ist, zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass ihr Sohn zum Zeitpunkt des Unfalls nicht am Steuer des Unfallwagens gesessen ist.

Eher widerwillig beginnt Sabrina Sax mit ihren Nachforschungen. Doch schon bald zeigen sich interessante Verbindungen zwischen Autoschiebereien, Menschenhandel, Hehlerei und vermissten Personen. Möchte jemand die Landesgartenschau in Verruf bringen? Wegen der anhaltenden negativen Stimmungsmache gegen die Ausstellung erhält Inga König, die Redakteurin des kulturellen Leseblatts für Norderstedt, von ihrem Vorgesetzten den Auftrag, diese ins rechte Licht zu rücken.

Autos spielen überhaupt wichtige Rollen in diesem Krimi mit Lokalkolorit. Denn auf dem Gelände, auf dem die Landesgartenschau entsteht, werden Fahrzeuge entsorgt und es verschwinden wiederholt Nobelkarossen im gar nicht so beschaulichen Norderstedt. Eine Frau entdeckt in einem Abschleppwagen eine Leiche und eine bekannte Journalistin fotografiert just zu diesem Zeitpunkt den betreffenden Ford und die Umgebung – doch kurze Zeit später ist die Leiche spurlos verschwunden.



Ingrid Weissmann: 
Ein Mord voraus – Norderstedt-Krimi 
Schardt Verlag, 2011

26. Oktober 2012

Will North: Im Licht des Tages

Ist ein nicht mehr ganz junger Architekt, der noch kein einziges Haus gebaut hat, sondern sein Wissen an einer Universität an Studenten weitergibt, kein richtiger Vertreter seines Berufsstandes? Dieser Vorwurf ist nämlich einer von etlichen, die an Andrew Stratton aus Philadelphia nagen, seit seine Frau ihn derentwegen und wegen eines erfolgreicheren Mannes verlassen hat. Um sein Selbstwertgefühl zu stärken und einmal auf andere Gedanken zu kommen, reist er deshalb nach Cornwall, wo er mit eigenen Händen Steinmauern, die hier Steinhecken genannt werden, zu bauen.

Im kleinen englischen Dorf Bocastle lernt der Amerikaner die vierzigjährige Nicola kennen, die sich hier als Malerin ihren Lebensunterhalt verdient und sich gleichzeitig vor ihrer Vergangenheit versteckt. Auch sie stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten. Die beiden Landsleute liefern sich bei jeder Begegnung heftige Wortgefechte, können aber eine starke gegenseitige Anziehungskraft nicht verleugnen.

Mit jedem Stein, den Andrew für die Hecke bewegt und an seinen richtigen Platz legt und mit dem die kornische Mauer wächst, bekommt er immer mehr Abstand zu seinen Problemen und gleichzeitig fängt sein Herzpanzer an zu bröckeln. Doch Nicola hält ihn auf Distanz und er kommt nicht wirklich an sie heran.Wer hat hier die grösseren Probleme, eine Beziehung einzugehen?

Zwischen die Romankapitel sind meteorologische Berichte eingefügt, die den Leser vorbereiten auf die Naturkatastrophe am Ende der Lektüre. Ein Leitmotiv des Romans ist die lebenslange physische Auswirkung von sexuellem Missbrauch im Kindesalter. In Sachen Hortikultur gibt es nichts Bemerkenswertes zu erwähnen, ausser man zählt die ausführlichen Baubeschreibungen von kornischen Steinhecken zu diesem Thema.  



Will North: 
Im Licht des Tages 
Wilhelm Heyne Verlag, 2010

22. Oktober 2012

Brigitte Bücker: Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt

Seit einiger Zeit kämpft der Vater der 13jährigen Karo mit grossen finanziellen Problemen, konkret sogar ums Überleben seiner Firma. Mangels Aufträgen sieht die Zukunft gar nicht rosig aus. Deshalb traut sich Karo auch gar nicht zu erzählen, dass die bevorstehende Klassenreise samt Segelkurs an die Ostsee satte 200 Euro kostet.

Umso mehr freut sich das Mädchen über ihre Freundschaft mit Jo, Wolle und Bruno. Mit diesen dreien verbringt Karo einen Grossteil ihrer Freizeit. Zurzeit kümmert sie sich allerdings in erster Linie um Bodo, den Hund ihrer kranken Nachbarin Frau Erichsen. Da Karos Mutter an einer Tierhaarallergie leidet, ist Bodo im Schrebergartenhäuschen seines Frauchens untergebracht, so dass Karo täglich zwei- oder dreimal in und um die Schrebergartenkolonie „Grüne Pumpe“ anzutreffen ist.

Mit dem Einverständnis der im Spital liegenden Frau Erichsen dürfen sich auch Karos Freunde in der Parzelle 4 aufhalten. Und passenderweise geben sich die vier als eingespieltes Team auch gleich den Namen „Parzelle 4“ und tragen stolz eigens von Wolle mit einem Logo bemalte T-Shirts. Neben dem Füttern und Ausführen von Bodo gilt das Augenmerk der Jugendlichen hauptsächlich dem Verhindern der geplanten Maulwurfvergiftungsaktion durch den Schrebergärtner in der Nachbarparzelle.

Und als es sich schliesslich sogar ergibt, dass Karo mit ihren drei Freunden gemeinsam die grossen Ferien im Schrebergarten verbringen darf, ist die schulfreie Zeit ohne Urlaubsreise definitiv gerettet - sechs Wochen Parzelle 4!

Gleich die erste Nacht im Schrebergarten wird ausserordentlich spannend und aus einem vermeintlichen Einbrecher in der Nachbarlaube wird unvermittelt Mitglied Nr. 5 der eingeschworenen Truppe, die während der Ferien noch verschiedene Aufgaben - wie etwa das Vereiteln des Verkaufs von Frau Erichsens Parzelle durch ihren Sohn – zu erledigen hat.

Ein spannender Jugendroman um Freundschaft, erste Liebe, Eifersucht, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen.



Brigitte Bücker:
Treffpunkt Parzelle 4 – Nur die Freundschaft zählt
Baumhaus Taschenbuch, 2012

18. Oktober 2012

Barbara O’Neal: The Garden of Happy Endings

Die 38jährige Elsa arbeitet seit neun Jahren als Seelsorgerin. Sie liebt ihre Arbeit über alles, träumt von Kindern und hört deswegen ihre biologische Uhr immer lauter ticken. Ihr starker Glaube an Gott und Gerechtigkeit wird nach einem Mord an einem jungen Mädchen aus ihrer Gemeinde zum dritten Mal in ihrem Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Die Tragödie trifft sie bis ins Mark und verfolgt sie nachts in ihren Träumen. Schliesslich ist sie körperlich und seelisch dermassen krank, dass sie von ihren Vorgesetzten zu einem mehrmonatigen Sabbatical verdonnert wird.

Elsa kehrt in ihre Heimatgemeinde Pueblo in Colorado zurück, wo inzwischen ihre erste grosse Liebe und früherer Verlobter Joaquin als Father Jack der örtlichen katholischen Kirche vorsteht. Joaquin ist Elsas bester Freund und Vertrauter und gleichzeitig der Grund für die zweite grosse Glaubenskrise, die sie mit Anfang zwanzig durchgemacht hat. Die beiden Verlobten waren damals wochenlang auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gewandet und es schien sonnenklar, dass sie nach diesem eindrücklichen Erlebnis heiraten würden. Doch Joaquin hat sich gegen Elsa und für die Kirche entschieden.

Fast gleichzeitig mit Elsas Rückkehr nach Pueblo bricht das geordnete und durchorganisierte Leben ihrer acht Jahre älteren Schwester Tomasine, genannt Tamsin, auseinander. Ihr Mann taucht ohne Vorankündigung und ohne Spuren zu hinterlassen unter und wird von der Polizei gesucht, weil er mittels dubiosen Finanzgeschäften im Schneeballsystem Millionen von Dollars veruntreut haben soll. Tamsin ist am Boden zerstört. Ihr bleibt nur, was sie am Leib trägt. Ihr geliebtes Haus wird beschlagnahmt ebenso wie der von ihr restaurierte über 100jährige Garten mit alten Pfingstrosen, Kletterrosen, Mohn, Iris und vielen anderen Blumen, die sie liebevoll und stolz gepflegt hat. Verwehrt wird ihr auch der Zugriff auf die Bankkonten und ihre geliebten selbstgemachten Quilts. Die verzweifelte Frau findet Unterschlupf bei Elsa. Doch wie soll Tamsin die Geschehnisse ihrer 22jährigen Tochter Alexa beibringen, die in einem Monat von einem einjährigen Aufenthalt in Spanien nach Pueblo zurückkehrt?

Noch vor ihrer privaten Katastrophe hat Tamsin Father Jack vorgeschlagen, ein als Abfallhalde missbrauchtes Stück Land in einen Gemeinschaftsgarten zu verwandeln. Rund um die Umsetzung dieses Projektes, den Aufbau dieses Community Gardens, der Auswahl von Radieschen, Kürbis und anderen Pflanzen, versuchen die beiden Schwestern, wieder Tritt zu fassen. Tamsin findet eine Anstellung in der Stoffabteilung eines Warenhauses und blüht bei dieser Tätigkeit und den Stunden im Garten richtig auf. Genau wie letzterer selber, ehe er mutwillig zerstört wird.

Elsa ihrererseits freundet sich mit dem Landschaftsgärtner Deacon an, worauf Father Jack eine gewisse Eifersucht nicht verhehlen kann und der Meinung ist, Elsa hätte einen „besseren“ Mann verdient oder zumindest einen mit einer anderen Vergangenheit. Gleichzeitig bekundet der 47jährige Deacon Loyalitätsprobleme gegenüber Father Jack, da dieser ihm vor Jahren während einer schweren Krise den Sinn des Lebens nahe gebracht hat.  



Barbara O‘Neal:
The Garden of Happy Endings 
Bantam Books, 2012