31. August 2014

Nadja Bucher: Die wilde Gärtnerin

Ihr dreistöckiges Stadthaus im 8. Bezirk an der Lerchengasse in Wien fungiert seit zwei Jahren als Schneckenhaus für die Mitdreissigerin Helen Cerny. Auf wenigen Quadratmetern hat sie sich eingerichtet. Die restliche Fläche ist vermietet, sorgt für ein regelmässiges Einkommen und bietet ihr gleichzeitig den Luxus, sich den Lebensunterhalt nicht mit Arbeiten verdienen zu müssen. Seit dem Unfalltod ihres langjährigen Lebensgefährten Leo widmet sie ihre Zeit vollumfänglich ihrem Stoffwechsel und ihrem grossen Garten samt Komposttoilette.

Helen, von einer Schamanin grossgezogen, die mit Mitte Vierzig an Krebs gestorben ist, hat die beiden vergangenen Jahre im wahrsten Sinne des Wortes der Produktion von Scheisse oder schöner ausgedrückt ihrem Stoffwechsel gewidmet. Eine ganz eigene Philosophie verbirgt sich dahinter, die perfekten Dünger für den Garten liefert. Die Kontakte zur Umwelt beschränken sich weitgehend auf den Umgang mit ihrer Freundin Toni, die im gleichen Gebäude wohnt und unermüdlich versucht, Helen die Aussenwelt wieder näher zu bringen.

Doch Helen vermisst in ihrer selbst gewählten Einsamkeit nichts, schätzt aber doch die Ablenkung, die ihr der Blick in die Wohnung direkt gegenüber bietet. Nachdem diese wochenlang leer gestanden hat, scheinen plötzlich dort stehende Umzugskartons die Ankunft neuer Bewohner anzukünden. Und tatsächlich zieht eine junge Frau alleine dort ein.

Immer wieder beobachtet Helen diese Frau, die häufig stundenlang vor dem Laptop sitzt. Als gegenüber tagelang das Fenster offen ist, aber niemand zu sehen ist, verlässt Helen ihre eigene Wohnung und schaut nach, ob sie Hilfe anbieten kann. So kommt es zum ersten direkten Kontakt mit Berta und in der Folge grüssen sich die beiden Nachbarinnenn immer wieder von Fenster zu Fenster oder treffen sich gelegentlich auch persönlich. Die unregelmässigen Gespräche zwischen Helen und der Berta, die sich als engagierte Systemkritikerin entpuppt, führen dazu, dass sich erstere plötzlich für das Weltgeschehen zu interessieren beginnt. Als ein Waffenlobbyist einen Jagdunfall erleidet und Pensionsvorsorgefonds gehackt werden, stellt Helen Verbindungen zwischen den langen Abwesenheiten von Berta her, untersagt sich aber selber, diese Vermutungen weiterzuspinnen.

Die wichtigsten Menschen in Helens Leben begleiten sie seit ihrer Schulzeit. Nun scheint sie endlich bereit, sich zu öffnen und geht neue Bekanntschaften ein. Doch als ihre lebhafte Freundin Toni zusammen mit ihrem neuesten jungen Freund ein esoterisches Sommerfestival auf die Beine stellt, findet sich Helen plötzlich in einem nicht selbst gewählten Gefängnis wieder und Probleme um die Geschmeidigkeit des Stuhlgangs treten in den Hintergrund. Was hat sich hinter Helens Rücken und direkt vor ihren Augen abgespielt?

Die Idee der Komposttoilette geht übrigens auf Leo zurück und Helen war gar nicht begeistert als sie zum ersten Mal davon hörte und Leo versuchte, sie mit einem Amazonas-Märchen von der Permakultur zu überzeugen. Dass auf dem Titelbild des Buches eine WC-Schüssel auf einer Distel abgebildet ist, habe ich erst nach einiger Zeit festgestellt. Anscheinend habe ich das Cover bis zur Hälfte der Lektüre nie richtig angeschaut. Die detaillierten Beschreibungen über Helens Stoffwechsel sind zunächst etwas befremdlich, doch rasch wird man von den verschiedenen Themen (Garten, Komposttoilette, Wirtschaft, Schlagzeilen, anarchische Aktionen, Generationengeschichte, Menu-Tipps) des Buches vereinnahmt und will wissen, wie die einzelnen Stränge zusammenpassen.

Diese Familiengeschichte der Helen Cerny setzt sich aus verschiedenen Strängen zusammen. Helens Journal wird ergänzt durch die Verhörprotokolle von Toni und chronologischen Erzählungen aus dem Leben von Helens Urgrosseltern, Grosseltern und der Mutter sowie Helens eigener Kindheit und Jugendzeit und beginnt 1915 mit dem Warten auf den Kaiser. Ein Staummbaum erleichtert dem Leser die Orientierung.

Helens Journaleinträge handeln zu einem wesentlichen Teil von ihrem Garten und ihren Tätigkeiten im Laufe der Jahreszeiten. Obstbäume, Kräuter, eine Blumenwiese und grosse Gemüsebeete prägen die konsequent biologisch bearbeitete Anlage, die eine ideale Brutstätte für Wildbienen und Solitärwespen darstellt. Das Problem der Schneckenplage wird gelöst, indem die Gärtnerin die Schleimer über die Gartenmauer katapultiert. Der bedeutende hortikulturelle Hintergrund lässt vermuten, dass die Autorin eigene gärtnerische Erfahrungen in den Text hat einfliessen lassen.



Nadja Bucher: 
Die wilde Gärtnerin 
Milena Verlag, 2013

24. August 2014

Craig Pittman: The Scent of Scandal - Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid

Die Orchideen bilden eine riesige, faszinierende Pflanzenfamilie. Während ich im Garten gerne welche ansiedeln würde, aber mangels auch nur annähernd optimaler Bedingungen und zur Vermeidung von kostspieligen Enttäuschungen darauf verzichte, gefallen mir die Wegwerf-Zimmerpflanzen zum Discountpreis zwar, aber ich kann gut und gerne auf diese verzichten.

Besonders gefallen mir hingegen Bücher, die Einblick in die Welt von Orchideenverrückten geben. Diese Publikationen lesen sich oft spannender als mancher Roman. In dieses Genre gehören beispielsweise „Orchideenfieber – Die Geschichte einer Leidenschaft„ von Eric Hansen (Klett-Cotta Verlag, 2002), „The Orchid in Lore and Legend“ von Luigi Berliocchi und „The Orchid Thief“ von Susan Orlean. Die beiden letzteren wurden nie auf Deutsch übersetzt, aber „The Orchid Thief“ diente als Grundlage für den Film „Adaption“ mit Nicolas Cage und Meryll Streep in den Hauptrollen. Das Oscar-gekrönte Werk hat es seinerzeit auch in die hiesigen Kinos geschafft und die DVD ist nach wie erwerbbar.

Meine aktuelle Lektüre trägt den vielversprechenden Titel „The Scent of Scandal“ und handelt von Gier, Betrug und der angeblich schönsten Orchidee der Welt. Schon im Prolog heisst es, dass bereits Adam und Eva bezeugen können, dass im schönsten Garten irgendwo eine Schlange steckt. Wer ist hier die Schlange? Am Anfang der Geschichte steht der Kauf einer unbekannten, grossblumigen Frauenschuh-Orchidee im Jahr 2002. „Tatort“ ist ein kleiner Stand an einer Strasse in Peru, das Objekt ein Frauenschuh mit purpurfarbener Blüte in der Grösse einer Männerhand, Verkäufer ein Einheimischer, Käufer der amerikanische Orchideensammler Michael Kovach. Oder waren es drei Pflanzen, die den Besitzer wechselten? Schon gehen die Aussagen und Meinungen auseinander.

Ebenfalls am Anfang steht ein Wettrennen um die erste offizielle botanische Beschreibung dieser Orchidee und die Namensgebung. Das ganze Buch samt Anklage und Prozess dreht sich darum, ob die Pflanze illegal aus Peru aus- und in die Vereinigten Staaten eingeführt worden ist oder doch nicht. Und ob dies wissentlich oder unwissentlich geschehen ist und ob sich die Mitarbeiter und die zunächst nicht eingeweihte Leiterin eines botanischen Gartens in Florida strafbar gemacht haben. Ein weiterer Streitpunkt ist, ob die Orchidee Phragmipedium kovachii heissen darf oder Phragmipedium peruvianum heissen soll. Dann geht es um die Schwierigkeiten, eine nicht blühende Orchidee eindeutig zu identifizieren und Richter und Staatsanwälte von der Wichtigkeit zu überzeugen, konsequent und mit dem nötigen Ernst gegen Pflanzenschmuggel vorzugehen. Als Leserin ist einem nicht immer ganz klar, wer hier die Guten und wer die Bösen sind. Eine Herausforderung ist auch das Einordnen von Informationen: handelt es sich um Gerüchte, Fakten oder Spekulationen?

Eingebettet in die Chronik erfährt der Leser immer wieder Interessantes aus der Pflanzenwelt - etwa über heimtückische Pflanzenjäger, über die grösste Orchideenschau der Vereinigten Staaten, die jeden Frühling auf einem offenen Feld ausserhalb von Miami stattfindet und zwischen acht- und zehntausend Besucher aus aller Welt anzieht, und über im Internet offen angebotene illegale Orchideen (eine Form von „sans-papiers“), die in ihren Verpackungen als „Kinderkleider“ oder „Spielwaren“ deklariert auf den Weg zum Käufer und Sammler geschickt werden.

Die Publikation lässt den interessierten Leser hinter die Kulissen in die die legalen, halblegalen und illegalen Seiten des Orchideenhandels blicken. Auch von einem gewissermassen alten Bekannten ist wiederholt die Rede. Und zwar von Harold Koopowitz, von dem ich kürzlich hier ebenfalls ein Buch vorgestellt habe. Ob es sich bei der auf dem Buchcover abgebildeten Pflanze tatsächlich um die schönste Orchidee der Welt handelt, sei dahingestellt und muss jeder für sich selber entscheiden. Falls Sie aber Bücher über Betrug, Verrat und Gier im Reich der Botanik schätzen, hier der Link zu einer weiteren solchen Publikation (nicht über Orchideen) von Karl Sabbagh mit dem Titel „The Rum Affair“. Dieses Buch habe ich vor Jahren gelesen und wollte hier im Blog längst einmal darüber schreiben. Da ich in absehbarer Zeit nicht dazu komme, verlinke ich zu einer englischen Rezension. Mit „Rum“ ist hier übrigens nicht das alkoholische Getränk, sondern eine schottische Insel gemeint.



Craig Pittman: 
The Scent of Scandal – Greed, Betrayal and the World’s Most Beautiful Orchid 
University Press of Florida, 2012

17. August 2014

Jürgen Feder: Feders fabelhafte Pflanzenwelt

Pflanzenjäger und Hobbybotaniker müssen gar nicht weit reisen, um interessante Pflanzen zu entdecken. Falls es noch einen schriftlichen Beweis für diese Tatsache gebraucht hat, legt Jürgen Feder diesen mit seiner Publikation „Feders fabelhafte Pflanzenwelt“ vor. Ausserhalb von gepflegten Hecken, am Wegrand, an Ufern von Tümpeln oder entlang von Autobahnen finden sich Pflanzen, die gemeinhin oft als Unkraut definiert werden und deren Reiz und Besonderheit erst bei genauerem Hinsehen oder auf den zweiten Blick erkennbar ist.

Begleiten Sie den leidenschaftlichen, naturverbundenen Landespfleger Jürgen Feder auf seinen Touren und lassen Sie sich von seiner Begeisterung für die (neu-)heimische Flora anstecken. Und vielleicht schauen auch Sie in Zukunft genauer zwischen Mauerspalten und Fugen und entdecken dort oder anderen unwirtlichen Stellen interessante Gewächse, die den schwierigen Bedingungen trotzen. Schliesslich ist genau dies das Ziel des Autors: mit seinen Texten und Fotos Eigeninitiative zu wecken und dass dieser neugewonnene Tatendrang dann weitertragen und verbreitet wird.

Welche Pflanze liebt es, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht, mit welchem Gewächs lässt sich Wolle rot färben und welches Grünzeug bezeichnet der Autor als Zeitbombe, deren Blühzeit meist verpasst wird? Welche Alleskönner wachsen auf salzigen Böden, in Hitze und Staub? Wer bevorzugt Quellnässe und worum handelt es sich bei Mumienbotanik? Die Antworten sind im Buch nachzulesen und daneben erfährt der interessierte Leser von Pflanzen, die nach Schweinebratensauce riechen und  von solchen, die den Botaniker und Farnliebhaber vor Verzückung fast vom Velo fallen lassen. Überhaupt ist seine Tätigkeit oft nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. Einmal ist er beim Zählen von Farnen von einer feuchten Ziegelmauer abgerutscht, worauf sich eine Zaunspitze gefährlich tief in seine Brust gebohrt hat.

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung kann der Autor bei Vorkommen von grossen Mengen von Vogelkot schöne Pflanzenarten ausschliessen und er weiss, dass die Teichrand-Flora im Mai nicht viel zu bieten hat und erst im Sommer nach Aufwärmung des Gewässers ein genauer Blick lohnenswert ist. Sein Jagdgebiet schliesst aber auch unordentliche Hinterhöfe, ölverschmierte Gleisflächen, Strassenbahndepots und Orte, wo Müll liegen bleibt, ein. Und der genügsame, konsequent sparsame Pflanzenfreund gibt preis, warum ausgerechnet er Militärplätzen etwas Positives abgewinnen kann.

Jürgen Feder ist meistens zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs. Gleich zu Beginn der Lektüre verrät er, weshalb seine linke Hals- und Nackenmuskulatur viel stärker ausgebildet ist als jene auf der rechten Seite. Nämlich vom ständigen nach-rechts-Schauen beim Velofahren. Rastlos ist er auf der Suche nach gefährdeten Pflanzen, dabei alle Sinne einsetzend und gleichzeitig oft die eigenen körperlichen Leistungsgrenzen ignorierend. Nicht immer ist er erwünscht und wird freudig begrüsst, doch ist er nicht um gepfefferte Koseworte verlegen. Selber wütend wird er bei Begegnung mit Frevlern. Gefährliche Begegnungen gibt es sowohl mit Zwei- als auch mit Vierbeinern; geschildert wird auch eine mit einer Wildsau samt Frischlingen.

Der Autor schläft oft draussen oder sucht Unterschlupf in ehemaligen Bahnhöfen, auf Friedhöfen oder in offenen Kapellen. Seine Exkursionen führen in weit herum – nach Rom, Moskau und Jerusalem. Damit sind aber nicht die bekannten Städte gemeint, sondern Orte in Mecklenburg-Vorpommern oder im Landkreis Cuxhaven.

Die Laiin staunt angesichts dieser enormen botanischen Wissensfülle. Des Profis Begründung: Pflanzen sind wie Freunde oder Familie, die man sofort erkennt. Die illustrierten Pflanzenportraits werden komplettiert durch einen Anhang mit Glossar, Literaturhinweisen und einem Register. Wer den engagierten Autor in Aktion erleben will, googelt seinen Namen und findet Aufzeichnungen von TV-Beiträgen und anderen Produktionen auf dem Videoportal YouTube.



Jürgen Feder: 
Feders fabelhafte Pflanzenwelt – Auf Entdeckungstour mit einem Extrembotaniker 
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2014

19. Juli 2014

Catrin Barnsteiner: Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung

Wiederholt lieferte dieses Buch von Catrin Barnsteiner beim Googeln nach Stichworten wie „Garten“ und „Gärtner“ am meisten Treffer, so dass ich es mir im letzten Herbst nach wochenlangem Zögern und obwohl mir der Titel überhaupt nicht gefällt und ich betreffend des Inhalts Zweifel hatte (will ich meine freie Lesezeit in berufswandte Themen investieren?) schliesslich doch zugelegt habe. Nach der Lektüre blieb ich mit zwiespältigen Eindrücken zurück. Hier zum Inhalt:

Im Roman „Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung“ prallen zwei gänzlich unterschiedliche Welten aufeinander. Der stets korrekte, sich penibel an alle Regeln und Gesetze haltende Finanzbeamte Fred Eisenbogen und die chaotisch veranlagte Gärtnerin Sandra Schläpple. Deren Vater war bis zur Pensionierung während Jahrzehnten ebenfalls als Betriebsprüfer tätig. Trotzdem oder gerade deshalb findet die ganze Familie Schläpple an einem ganz speziellen Spiel grossen Spass, das mit viel Enthusiasmus regelrecht zelebriert wird. Regelmässig werden Privatquittungen von sämtlichen Auslagen gesammelt und kommen in einen Topf, aus dem dann Zettel gezogen werden. Wer den originellsten einigermassen plausiblen Grund für einen möglichen Steuerabzug liefert und die Hürden umgeht, die einen als Spielverderber ausweisen, kriegt die Quittung und darf die Auslage auf der nächsten Steuererklärung geltend machen. Eine Idee ist etwa, den Rasenmäher als Dienstwagen auszugeben.

Sandra verdient ihre Brötchen als selbständige Gärtnerin und ist mit ihrer mobilen Gärtnerei zu ihren Kunden unterwegs. Sie träumt von einem eigenen Gewächshaus, um dort verbotene Unkräuter zu züchten. Privat ist sie mit dem Architekten Gerry liiert, der einen sehr strengen Geschmack hat und sich überhaupt recht intolerant aufführt. Fred seinerseits teilt seine dunklen Locken streng durch einen akkuraten Beamtenscheitel und entlarvt jeden potentiellen Steuerbetrüger. So ist er etwa auch im Baumarkt bestrebt, keine Quittungen liegenzulassen, die dann missbräuchlich verwendet werden könnten. Er braucht Sicherheit und liebt Vordrucke und Paragraphen. Höchstes Ziel ist die Vermeidung von Fehlern (wer weiss, ob es eine zweite Chance gibt?) und er korrigiert sogar seine eigenen Fehler auf von ihm verfassten Glückwunschkarten mit dem Rotstift.

Doch wie lernen sich Fräulein Chaos und Herr Korrekt überhaupt kennen? Am einem späten Abend kurz nach oder vor Schalterschluss (Ansichtssache) um 22.00 Uhr in der Post rettet Fred Sandra, die unbedingt ihre Steuererklärung noch auf den letzten Drücker fristgerecht abstempeln lassen und fortschicken will. Dank dieser kurzen Begegnung interessiert sich Fred endlich wieder für eine Frau und um sich selber vorteilhafter darzustellen, gibt er sich als Archäologe aus. Der Zufall will es, dass Fred ausgerechnet bei Sandra Schläpple aufgrund eines anonymen Hinweises eine Betriebsprüfung durchführen muss. Und während Sandras Vater die Steuerprüfung wie eine Schlacht vorbereitet, räumt der aufgeregte Beamte Fred seinen Schreibtisch auf und spült daheim Geschirr, das längst sauber ist.

Hortikulturelles ist trotz dem Beruf von Sandra eher Mangelware, dafür geht es immer wieder um eine Fehde zwischen Böblingen und Sindelfingen und um Finanzamtwitze. Das Buch liest sich zwar gut, aber irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas.

Mit diesem Post verabschiede ich mich in die Sommerpause. Endlich habe ich hiermit alle längst fertig vorbereiteten Buchvorstellungen der letztjährigen (!) Urlaubslektüre online gestellt und es warten nunmehr aktuell gelesene Titel auf die Veröffentlichtung ab Mitte August. Wenn mich ein Buch nicht völlig überzeugt, rutscht es nämlich bei der Terminplanung fortlaufend weiter nach hinten, während interessantere Publikationen vorgezogen werden.

Sobald auch alle anderen"Pendenzen" abgearbeitet sind bzw. die bereits heute nur auf einen Knopfdruck wartenden Posts auch online gestellt sind, wird es hier im Sofagarten ruhig werden. Da ich im September mit einer zweijährigen Weiterbildung beginne, bleibt voraussichtlich keine Zeit mehr zum Sofagärtnern und zum Bloggen. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und werde mir ganz sicher die Zeit nehmen, Stefan Leszkos neues Büchlein "Was Sie schon immer über Gärtner wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" (erscheint im September 2014) zu lesen und vielleicht mit weiteren längst notierten, aber nie online gestellten "Müsterlis" von unserer Gartenumgestaltung anno 2012 hier vorzustellen.



Catrin Barnsteiner: 
Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung 
Bloomsbury/Berlin Verlag, 2013

15. Juli 2014

Zuletzt ausgelesen: Simone Ehrhardt – Der Mörder ist manchmal der Gärtner

Auf Simone Ehrhardt bin ich durch ihren früheren Blog „Krimigarten – Gartenkrimi“ (inzwischen zusammengelegt mit "Crimelady's Notes") gestossen und habe irgendwann festgestellt, dass ich schon längere Zeit ein ungelesenes Buch von ihr herumliegen habe. Inzwischen weiss ich endlich, ob der Gärtner tatsächlich der Mörder ist oder eben doch nicht, wie der Buchtitel so schön suggeriert -  aber nun mal schön der Reihe nach.

Penelope Blank, eine kreative Schreiberin, die mehr oder weniger erfolgreich Romane verfasst, hat mit zwei älteren Damen einen Tagesausflug in den Zoo unternommen. Ziemlich entsetzt muss sie bei der Rückkehr feststellen, dass eine der beiden Frauen nicht wie angenommen tief und fest schläft, sondern gestorben ist. Wie sich erweist, ist sie nicht einfach sanft entschlafen. Nein, ihrem Leben wurde ein gewaltsames Ende gesetzt.

Und plötzlich steht die zweite ältere Frau vom Zooausflug, eine Nachbarin von Penelope, unter Mordverdacht. Da Penelope schon mehrfach erfolgreich ähnliche Fälle aufgelöst hat, wird sie mit der Bitte konfrontiert, ihre einschlägigen Erfahrungen einem weiteren Praxistest zu unterziehen. Hilfreich ist dabei der regelmässige Austausch mit ihrem künftigen Ehemann, dem Kommissar Peter Wilson.

Eigentlich hätte Penelope auch ohne private Mordermittlungen genug um die Ohren. Sie heiratet nämlich in drei Wochen und die ganze Hochzeitsfeier ist noch zu organisieren. Kurzerhand delegiert sie etliche Aufgaben an Mitglieder ihrer Kirchgemeinde und findet zwischen dem Anprobieren von Hochzeitskleidern und der Planung der Hochzeitsreise Zeit, sich an die Fersen des Mörders zu heften, den sie schliesslich (Zitat vom Umschlag) „mit Grips und Gottes Hilfe“ zur Strecke bringt.

In hortikultureller Sicht sind Penelopes Eltern etwas aktiv, die sich in deren Garten engagieren und Kleingehölze radikal zurückschneiden und dermassen rigoros aufräumen, dass ein Vogelbad zum Vorschein kommt, von dessen Existenz die Besitzerin gar nichts wusste. Die Schriftstellerin (die aus dem Buch) selber ist gärtnerisch nicht speziell interessiert und muss erfahren, dass es sich bei der von ihr geschätzten Kletterpflanze um ein tief wurzelndes Unkraut hält. Verraten sei auch noch, dass der Haupterbe Gärtner ist und die Autorin Simone Ehrhardt die Ich-Erzählerin und die Leserin nicht auf direktem Weg zur Lösung des Kriminalfalls führt.



Simone Ehrhardt: 
Der Mörder ist manchmal der Gärtner 
Books on Demand, 2011

11. Juli 2014

Sam Baker: Die besten Freunde meines Lebens

Als die junge Mutter Nicci den Kampf gegen den Brustkrebs verliert, vermacht sie ihn Abschiedsbriefen ihren drei besten Freundinnen Lizzie, Jo und Mona nicht nur ihren Garten, sondern auch die Zwillingstöchter und ihren Mann. Lizzie hat mit der Patenschaft für den Garten die scheinbar einfachste Aufgabe zugeteilt bekommen. Was sich in der Clique alles ereignet zwischen der Übernahme des krankheitsbedingt vernachlässigten Gartens, einem zwischenzeitlichen Aufblühen desselben und einer weiteren Verwilderung nach fast fünfhundert Romanseiten schildert Sam Baker in ihrem berührenden Roman „Die besten Freunde meines Lebens“.

Nicci war immer die erste (oder andere erste Male zählen eben nicht): beim Heiraten, beim Kinderkriegen und nun auch beim Sterben. Den Lebensinhalt der 150 cm kleinen Frau bildeten neben ihrer Familie modische Kleider. Ihren untrüglichen Fashion-Geschmack hat sie mit ins Grab genommen und wie sich herausstellt auch das eine oder andere Familiengeheimnis. Sechzehn Jahre war sie mit ihrem Mann David zusammen und fast gleich lange ging sie mit ihren besten Freundinnen durch dick und dünn und ein Wochenende ohne gemeinsamen Sonntagsbraten wäre kein richtiger Sonntag gewesen.

Der viel zu frühe Tod von Nicci lähmt ihre Freundinnen und auch die grotesken Briefe tragen nicht zur Vereinfachung bei. Was wollte sie mit diesem scheinbar sinnlosen Vermächtnis bezwecken? Doch schon allein wegen ihrer gemeinsamen Aufgabe, die vielen autobiografisch geordneten Kleiderschränke zu räumen, müssen die zurückgebliebenen drei Frauen als sogenanntes „Verscherbler-Bewahrer-Spenderinnen-Komitee“ funktionieren und sich regelmässig treffen. Bei diesem Schrank-Ausräumen bekommt die Leserin Einblick in weit zurückliegende Ereignisse und die dazu passenden Klamotten.

Und schon bald beginnt die unglücklich verheiratete Lizzie, Gartenbücher zu studieren. Zunächst fühlt sie sich mit ihrer Aufgabe überfordert und ist mit belastenden Erinnerungen an ein gepflegtes Gemüsebeet, einen bunten Garten, ein Wigwam aus Bohnenstangen und ein Flammenmeer aus Chrysanthemen behaftet, doch wider Erwarten bekommt sie dank angelesener Unterstützung von Alan Titchmarsh sogar Spass am Gärtnern. Bei dieser Tätigkeit kann sie ihren unerfüllten Kinderwunsch ebenso temporär bei Seite schieben wie die Sorgen um ihre demente Mutter.

Auch Mona, alleinerziehende Mutter und Geliebte eines verheirateten Mannes, bekundet Mühe mit dem ihr zugedachten Part. Sie soll nämlich den Witwer David heiraten. Da hat es Jo, die Zahlenjongleurin und Co-Geschäftspartnerin von Nicci, die sich bereits liebevoll um die beiden Söhne ihres Partners aus einer früheren Beziehung kümmert, einfacher. Ihr wurden die Zwillingsmädchen anvertraut.

Die Autorin hat überaus nachvollziehbare Charaktere geschaffen und die Abschiedsbriefe entpuppen sich als nicht ganz so absurd, wie zunächst allgemein vermutet wird. Die Zukunft und Gefühle lassen sich nicht steuern – oder doch? Sam Baker umschifft gekonnt Klippen, die dem Roman Glaubwürdigkeit genommen hätten, und so enden die harten Monate nach Niccis Tod mit vielen Ups and Downs in den Beziehungen zwischen diesen besten Freunden nicht überall mit einem Happyend, aber es sind Silberstreifen am Horizont auszumachen. Die Lektüre ist melancholisch und emotional, aber auch immer wieder witzig. Wie etwa dann, wenn es heisst, „Kohlenhydrate und Fett ölen den Motor häuslicher Harmonie“ (Zitat)….  



Sam Baker: 
Die besten Freunde meines Lebens 
Diana Verlag, 2013

6. Juli 2014

Shannon Stacey: Ganz oder Kowalski

Eben aus dem Militär entlassen, hat Sean Kowalski noch keine konkreten Pläne, was er mit seiner Freiheit und Selbständigkeit anstellen, geschweige denn, wie seine Zukunft überhaupt aussehen soll. Da klopft eine ihm unbekannte Frau an die Türe seines Zimmers und stellt sich als Emma Shaw, seine falsche Verlobte vor. Sean hält seinen attraktiven Besuch, dem er nie zuvor begegnet ist, zwar für verrückt, hört sich aber dennoch seine Erklärungen an.

Emma ist nach dem frühen Tod ihrer Eltern von den Grosseltern aufgezogen worden. Seit einiger Zeit lebt ihre inzwischen verwitwete Grossmutter in Florida. Und statt das Leben zu geniessen, macht sie sich ständig Sorgen um ihre allein lebende Enkelin. Um sie zu beruhigen, hat Emma einen perfekten Lebenspartner erfunden. Dieser Schwindel hat tatäschlich vorübergehend seinen Zweck erfüllt, doch nun steht ein einmonatiger Besuch der Grossmutter bevor und die junge Gartengestalterin muss Farbe bekennen. Oder eben sie schafft es, ihren angeblichen Verlobten Sean zu überzeugen, einen Monat bei ihrer Lüge aus Liebe mitzuspielen.

Sean lässt sich nach einer ersten spontanen Ablehnung auf das Unterfangen ein. Als Lohn für seine Teilnahme am Experiment springt für ihn ein Job auf Zeit in Emmas Betrieb „Landschafts- und Gartengestaltung von Emma“ ein und im Schlafzimmer bekommt er das Bett, während seine langbeinige Auftraggeberin mit dem kurzen Sofa vorlieb nehmen muss.

Die beiden versuchen, sich in zwei, drei Tagen miteinander vertraut zu machen und eine gemeinsame Vergangenheit zu konstruieren. In dieser kurzen Zeit ist es jedoch unmöglich, sich ein genaues Bild über die Vorlieben und Abneigungen des anderen zu machen und so hat Emmas Grossmutter schon als sie auf dem Flughafen von dem angeblichen Verlobungspaar abgeholt wird den Eindruck, dass in der Beziehung zwischen den beiden etwas nicht stimmen kann, lässt sich aber nichts anmerken.

Wenn Emma nervös ist, putzt sie wie verrückt. Und sie putzt viel in diesen Wochen. Denn während die beiden falschen Verlobten sich gezwungenermassen immer besser kennen lernen, steigt parallel die körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen. Und Sean ist nicht nur dem Gespött seiner Cousins ausgesetzt, sondern als Wettobjekt auch den indiskreten Fragen seiner Brüder.

Nebenbei erfährt die hortikulturell interessierte Leserin, dass sich die körperlich schwer arbeitende Emma gerne auf die Gestaltung von Gärten konzentrieren und fürs Grobe jemanden einstellen möchte. Vorläufig muss sie sich aber selber mit schwarzem und goldenem Mulch und Akzentbeleuchtungen herumschlagen und versucht Sean zu erklären, dass der Kunde immer König ist und sein Wunsch Befehl. Auch wenn er einen Barfussweg mit ungeeigneten Kieseln auslegen will. Sean wiederum stellt schnell fest, dass er nicht sein ganzes Berufsleben mit dem Pflanzen von Blumen verbringen will und findet, der Name „Emma“ im Firmenlogo sei kontraproduktiv. Einig sind sich die beiden, dass ständig schwindeln und ein anderes Leben vorführen sehr anstrengend ist.



Shannon Stacey: 
Ganz oder Kowalski 
Mira Taschenbuch, 2013

1. Juli 2014

Katie Crouch: Der Magnolienclub

Zufälligerweise habe ich in letzter Zeit gleich zwei sehr ähnliche Romane aus den Südstaaten gelesen. Beide werden von jungen mutterlosen Frauen in der Ich-Form erzählt und beide hat des nach dem Tod der Mutter dorthin verschlagen. Dennoch könnten die Inhalte fast nicht unterschiedlicher sein. Bei diesem Buch hier habe ich mich vor allem darüber geärgert, dass ich nicht vor der Lektüre bemerkt habe, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Erzählung handelt. Denn ich mag Bücher nicht besonders, wenn sie genau dann aufhören, wenn so etwas wie Spannung aufkommt. Letztere ebbt dann natürlich wieder ab in der monate- oder jahrelangen Wartezeit auf die Fortsetzung und wenn frau dazwischen Dutzende anderer Titel gelesen und durchlitten hat, ist der Inhalt des ersten Bandes längst in irgendwelchen Gehirnwindungen verschwunden. Und manchmal wartet man sogar vergebens auf die versprochene Fortsetzung, wie zum Beispiel bei den "Poison Diaries", wo sich die Autorin nach dem zweiten Band entschieden hat, kein drittes Buch mehr zu schreiben. Zum Inhalt:

Die 16jährige Alexandria Lee ist ohne Vater in einer Hippie-Kommune in Kalifornien aufgewachsen und hat schon als Kleinkind auf den Feldern mitgeholfen. Sie weiss alles über den organischen Anbau von Gemüse und einiges über die Herstellung und Verwendung von Naturheilmitteln. Nach dem Tod ihrer Mutter, die über ein umfangreiches Kräuterwissen verfügte und einen grossen Teil davon als Geheimnis hütete, wird Alex gezwungen, zu ihrer Grossmutter nach Savannah, Georgia, zu ziehen und sie muss ihren Freund zurücklassen. Nun gilt es die Regeln der Grossmutter zu befolgen und prioritär soll sie in den kleinen elitären Magnolien-Club eingeführt werden und sich an Weihnachten den Debütantinnen anschliessen.

Doch die umweltbewusste etwas pummelige Alex fühlt sich nicht wohl in diesem Kreis, es zieht sie zurück nach Mendocino. Sie haut ab und muss tief enttäuscht feststellen, dass dort das Leben auch ohne sie weitergegangen ist. Ihr Freund hat eine andere und der Kräutergarten der Mutter wurde komplett gerodet und musste Platz machen für eine besser rentierende Hanfplantage. Denn schliesslich müssen auch die Bewohner der Raincatcher-Farm ihre Steuern bezahlen und Oma Lee hat ja dafür gebürgt, dass die Drogenpolizei die Öko-Kommune in Ruhe lässt.

Alex kehrt also zurück zu ihrer Grossmutter und schickt sich in ihr neues Leben. Sie liest immer noch gerne und viel und sie fährt weiterhin viel Velo und lehnt sich gegen Geldverschwendung, Oberflächlichkeit, Klamotten und die Magnolien auf. Doch nach und nach entwickelt sie sich immer weiter weg von ihren früheren Prinzipien und eifert plötzlich selber irgendwelchen Schönheitsidealen nach. Zufällig findet sie ein Pendant vom Paradies-Garten ihrer Mutter und sie erfährt von den Buzzards, die Magie verkaufen, diese aber nur sehr beschränkt anwenden, während die Magnolien ohne sie nicht leben und herrschen können. Und es gibt jemanden, der sie mag, wie sich wirklich ist. Die echte Alex mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, Dreadlocken, wilder roter Mähne und nicht die herausgeputzte abgemagerte Magnolie. Doch ist die definitive Verwandlung der Hippie-Ziege in eine Magnolie noch zu stoppen?

Ein Jugendroman mit offenem Ende (Fortsetzung folgt) über Manipulation, Intrigen, Zauberrituale, schwarze Magie (Hoodo ist nicht gleich Voodo), Kontrolle und die Gestaltung des Lebensweges und die Suche nach den Hintergründen des Rätsels rund um eine besondere Halskette.



Katie Crouch: 
Der Magnolienclub 
Carl Hanser Verlag, 2013

28. Juni 2014

Zuletzt ausgelesen: Gerard Donovan – Winter in Maine

Viele Jahre hat Julius Winsome allein in den Wäldern von Maine gelebt, die aus unzähligen Kiefern, Eichen, Fichten, Tannen und Ahornbäumen zusammengesetzt sind. Im Sommer legt er jeweils am Rand der Lichtung ein Blumenbeet an und freut sich nicht nur an den gelben, lilafarbenen und dunkelroten Blüten, sondern auch an den herumflatternden Schmetterlingen. Seit einigen Jahren ist ein Pitbullterrier namens Hobbes sein treuer Gefährte.

Die Winter in Maine sind kalt, lang und schneereich. Während Julius Winsome im Sommer als Landschaftsgärtner und in einer Autowerkstatt arbeitet, verbringt er den Winter grösstenteils lesend in seiner abgelegenen Hütte, oft den ganzen Tag im Bett in Decken gehüllt. 3‘282 Bücher hat er von seinem Vater geerbt, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. Die Bücherreihen dienen gleichzeitig der Lektüre und der Isolation gegen die Kälte und für jeden Titel existiert eine Karteikarte mit Angaben zu Autor, Titel, Verlag, Jahrgang und einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und die nächsten Nachbarn wohnen rund fünf Kilometer entfernt.

Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem Ausflug zurück und sein Herrchen muss feststellen, dass er mit einer Schrotflinte erschossen worden ist. Der 51jährige Ich-Erzähler versucht erfolglos, mit Plakaten Hinweise auf den Täter zu erhalten. Hat der Tod des Hundes etwas mit jener Frau zu tun, die eines Tages vor seiner Hütte auftauchte und nur wenig später wieder aus seinem Leben verschwunden ist? Jedenfalls beginnt der Mann mit Prinzipien einen unvergleichlichen, erschreckenden Rachefeldzug, welcher die wenigen Tage vom 30. Oktober bis 2. November, der Nacht des 2. Novembers und vom 3. – 5. November umfassen.  




Gerard Donovan: 
Winter in Maine 
btb Verlag, 2011

24. Juni 2014

Harold Koopowitz: Orchid Tales

Der Botaniker und Orchideenspezialist Harald Koopowitz nimmt für diese Orchideengeschichten bekannte und weniger bekannte Begebenheiten aus Pflanzenjägerbiografien als Grundlage und bettet diese in einen passenden Rahmen. Die Erzählungen tragen Titel wie „Chocolate slippers“, „A Red Feather Night“, „Tea, Tigers and Spice“, „At the End of the Day“, „Mrs. Spicer’s Orchid“ und „A Known Fact“ und handeln von verschiedenen Orchideen wie etwa „Cattleya labiata“, „Vanda coerulea“ und „Vanilla planifolia“.

Die Vanille-Orchidee konnte lange Zeit nur an ihrem angestammten Ort angepflanzt werden, weil sie zur Bestäubung auf ganz spezielle Bienen- und Kolibriarten angewiesen ist. Im Jahr 1841 entdeckte schliesslich ein zwölfjähriger Sklave namens Edmond Albius auf der kleinen Insel Réunion im Indischen Ozean, wie die Gewürz-Vanille manuell bestäubt werden kann. Durch diese Entdeckung konnte die Pflanze gezielt vermehrt werden, was dem Land einen gewissen Wohlstand verschaffte. Diese Methode der Bestäubung wird auch heute noch angewendet.

In einer anderen Kurzgeschichte soll 1925 die sogenannte "Shakespeareana", die damals grösste private Sammlung in Europa, ins Ausland verkauft werden, um mit dem Erlös finanzielle Mittel für den Kauf von kostbaren Orchideen zu generieren. Da ein Export mit hohen Zollkosten verbunden ist, wurde die kostbare Büchersammlung mit einem Trick ausser Land geschafft.

Bei Harold Koopowitz ist es nicht Edmond Albius, sondern William, dem die folgenreiche Beobachtung des Ablaufs in der Bestäubung der Vanille-Orchidee gelingt. Denn in sämtlichen Kurzgeschichten spielt dieser William zusammen mit George, Matilda und Grosstante Bertha die Hauptrolle. Mal ist das Quartett mit Frank Kingdon-Ward auf der Suche nach grünem Gold in Asien unterwegs, mal leben sie im Wilden Westen, mal im Mittelalter und eine Erzählung führt die Vier sogar in die Zukunft.

Diese Kurzgeschichten sind vorab in der Zeitschrift „Orchid Digest“ erschienen und werden mit dieser Publikation nun als Sammlung einer grösseren Lesergemeinde zugänglich gemacht. Die Geschichten sind meistens spannend, aber ich empfand es als Leserin der Buchform befremdend, dass sämtliche Hauptrollen - egal, in welchem Jahrhundert diese spielen, und wo auf der Welt sie angesiedelt sind – immer durch die gleichen vier Charaktere eingenommen werden. Diese Tatsache ist wahrscheinlich weniger auffällig und störend, wenn man die Erzählungen in der periodisch erscheinenden Publikation „Orchid Digest“ liest.

Im Anschluss an jede Orchideen-Kurzgeschichte erläutert der Autor kurz die wichtigsten Details zu den tatsächlichen Fakten, auf denen diese beruht.  



Harold Koopowitz: 
Orchid Tales – The Adventures of George and Matilda, William and Great-Aunt Bertha 
Orchid Digest Corporation, 2013

19. Juni 2014

Rose Tremain: Der unausweichliche Tag

Die Publikation „Wie man Bäume richtig zeichnet“ war in jungen Jahren ihr Lieblingskunstbuch - inzwischen ist die Engländerin Veronica Verey schon seit langem als Gartenarchitektin tätig und lebt in Südfrankreich. Das Gärtnern in der trockenen Landschaft ist sehr mühsam. Ein Obstgarten mit vielen Aprikosenbäumen entschädigt wenigstens teilweise für die unabänderliche Tatsache, dass viele ihrer Lieblingspflanzen hier nicht gedeihen. Dafür findet die Frau Inspiration und Material für ihr geplantes Gartenbuch mit dem Arbeitstitel „Gärtnern ohne Regen“. Zwei Kapitel sind bereits angedacht, nämlich „Dekorative Kiessorten“ und „Die Bedeutung des Schattens“. Illustriert werden soll die Publikation mit Zeichnungen und Fotos ihrer fünfundfünfzigjährigen Lebenspartnerin Kitty Meadow, einer Künstlerin mit (zu) wenig Talent.

Die scheinbare Zufriedenheit der beiden Frauen wird auf eine Belastungsprobe gestellt, als Veronicas jüngerer Bruder Anthony in die Nähe seiner Schwester zu ziehen beabsichtigt und sich anlässlich seiner Suche nach einer geeigneten Liegenschaft im Frauenhaushalt einquartiert. Der vierundsechzigjährige Mann führte jahrelang ein erfolgreiches Antiquitätengeschäft in London und hat sich fast ausschliesslich mit schönen Einrichtungsgegenständen, die er etwas gewöhnungsbedürftig als seine Lieblinge bezeichnet, beschäftigt. Schon längere Zeit läuft das Geschäft nicht mehr, so dass er seinem Leben einen (letzten) neuen Sinn geben will.

Dieser Entschluss bringt das Leben seiner Schwester Veronica und deren Partnerin Kitty völlig durcheinander. Und noch ein anderes Geschwisterpaar kämpft mit Turbulenzen, deren Ursachen bis in die Kindheit zurückgehen. Der ungepflegte und verlogene Aramon möchte sein Elternhaus „Mas“ verkauften und einen möglichst grossen Profit herausschlagen. Ihm, seiner Maklerin und potentiellen Interessenten ist eine Hütte mit Blechdach am Rand seiner Parzelle ein Dorn im Auge. Dort lebt abgeschoben und recht zurückgezogen seine jüngere Schwester Audrun unter ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Tod der Mutter ist die damals junge Frau ist jahrelang von ihrem Bruder und dem längst verstorbenen Vater missbraucht worden. Und noch heute wird sie vom Bruder ständig belogen und betrogen.

Die Wege der französischen und englischen Geschwisterpaare, die beide schon mehrere Lebensjahrzehnte auf dem Buckel haben, kreuzen sich kurz und vermeintlich beiläufig und haben doch dramatische Veränderungen für alle Beteiligten zur Folge.

Die hortikulturellen Erwähnungen in dieser Buchvorstellung sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „blumige“ Hintergrund gemessen am Umfang von rund 330 Seiten gering ist. Zentrale Themen des Buches sind aber ja auch Geschwisterliebe, Hass, Rache und nicht gärtnern. Ich verrate wohl auch nicht zu viel, wenn ich hier erwähne, dass das Buchprojekt „Gärtnern ohne Regen“ auch in der Fiktion nie gedruckt werden wird.



Rose Tremain: 
Der unausweichliche Tag 
Suhrkamp Verlag, 2013

15. Juni 2014

Zuletzt angefangen zu lesen: Anna Maria Lage - Saharablüte

Anna Maria Lage blickt in diesem Roman in die Mitte unseres Jahrhunderts, wo die Protagonisten nach etlichen kulturellen und politischen Veränderungen in einer lebenswerteren, aber teilweise recht fremd erscheinenden Welt leben. Der Klimanwandel ist nach wie vor ein grosses Thema, während andere Probleme, die früher die Schlagzeilen beherrscht haben, endlich gelöst worden sind und nur noch in der Erinnerung existieren.

Der Magerwahn für Mädchen ist vorbei und es wird die Einheitssprache Elingua gesprochen. Die Menschen sind so sensibel, dass sie sich in Lebensmittel einfühlen können und spüren, ob diese ihrem Körper gut tun, den sie gerne in Stoffe aus Segge kleiden. Mittlerweile gehören sogenannte Skelett-Checks zur Gesundheitsvorsorge. Dank diesem Instrument werden Krankheiten früher entdeckt und die früher ständig wachsenden Kosten im Gesundheitswesen sind endlich unter Kontrolle.

Bodenspekulanten sind längst die Grundlagen entzogen worden, im Nahen Osten ist Frieden eingekehrt und etliche Kibuzze sind zu Zentralen für die Urbanisierung der umliegenden Felder umfunktioniert worden. Der Globalisierung wurde abgeschworen und in sämtlichen Lebensbereichen wird Regionalität bevorzugt und Kunstdünger und Pestizide sind verpönt.

Der Leser begleitet die Schulabgängerin Hannah zunächst mit ihren Freundinnen mit interessanten Fortbewegungsmitteln quer durch Europa, bevor sie in Oxford am neuen Studiengang „Forest Farming“ teilnimmt. In England lernt sie viele gleichgesinnte Studenten kennen, darunter ihren späteren Ehemann Bob und ihre neue Freundin Mari. Im Studium lernen die jungen Leute das Rüstzeug, um später erfolgreiche Projekte für die Bewirtschaftung von Trockengebieten durchzuziehen. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Menschen viel empfindlicher geworden sind, denn auch Pflanzen zeigen selber an, wo sie wachsen möchten. Und zwar genau dort, wo sie lebten, bevor Menschen früher ihnen den Lebensraum zerstört haben und nicht irgendwo in einer Wüste, die gegen alle Naturgesetzte begrünt werden soll.

Das Buch zeigt interessante Ansätze auf und der Leser kommt nicht umhin sich zu fragen, welche Ideen sich später einmal im Rückblick als richtige Vorhersage entpuppen werden. Schade, dass dieser Erzählung wie so vielen anderen Publikationen aus Eigenverlagen kein gründliches Lektorat zuteil wurde, das die zahlreichen Orthografiefehler und falschen Kommasetzungen vor dem Druck eliminiert hätte.



Anna Maria Lage: 
Saharablüte 
Novum Publishing, 2011

11. Juni 2014

Carol Wall: Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart

Carol Wall hat sich nie gerne die Hände beim Gärtnern schmutzig gemacht - es gab immer anderes zu tun, das wichtiger war. Und überhaupt mag sie Blumen nicht und gegen Azaleen hat sie eine spezielle Abneigung. Ausserdem verbringen ihrer Meinung nach viele Eheleute viel zu viel Zeit damit, sich um ihre Häuser (und Gärten?) zu kümmern, statt um ihre Partner. Als sie eines Tages auf den Garten ihrer Nachbarn schaut und diesen mit ihrem eigenen vergleicht, schämt sie sich plötzlich für den Anblick, den ihr eigener Garten bietet und den sie ihren direkten Nachbarn zumutet.

Der Garten der Nachbarin blüht dank der Hege und Pflege von Giles Owita, der sich von diesem Zeitpunkt an auch um Carols Umschwung kümmert. Eine weisse Frau und ein dunkelhäutiger Afrikaner. Auf den ersten Blick scheinen die beiden Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen absolut keine Gemeinsamkeiten zu haben. Und doch kommen sie sich immer näher und werden gute Freunde.

Drei Kinder hat Carol Wall grossgezogen und eine Krebserkrankung überstanden. Obwohl sie sich nichts anmerken lässt, überschatten permanent grosse Ängste vor einem erneuten Ausbruch der Krankheit ihr Leben. Die eher introvertierte Frau mag es auch nicht, wenn sie durch ihre Krankheit im Mittelpunkt steht und ihr Gegenüber jegliche Privatsphäre ignoriert. Dass Angst ein Teil des Lebens ist, lernt Carol von Giles Owita, der nach und nach ihren Garten zum Blühen bringt und auch die Ursachen für ihre Abneigung gegen Blumen herausfindet, die in der Kindheit liegt.

Auch Giles Owita selber ist nicht nur der hervorragende Gärtner und starke Felsen, wie es vordergründig den Anschein macht und trägt seine eigenen schweren Lasten mit sich herum. Der elegante Kenianer mit akademischen Titeln hat sich das Leben in den USA anders vorgestellt. Von einer Stelle als Collegeprofessor hat er geträumt, doch er und seine Frau Bienta müssen sich und ihre Söhne mit Gelegenheitsjobs durchbringen. Eine grosse Bürde sind auch die hoffnungslos erscheinenden Bemühungen, ihre Tochter von Kenia nach Amerika nachzuholen, damit die Familie endlich komplett ist. Und zwischen den Eheleuten scheinen sich je länger je mehr Spannungen aufzubauen.

In ihrem berührenden Buch erzählt Carol, wie sie als „inofizielle“ Studentin Freude am Gärtnern findet und durch die Freundschaft und Unterstützung von Giles Owita durch den erneuten Ausbruch ihrer Krebskrankheit und die gesundheitlichen Probleme ihrer Eltern getragen wird und schliesslich nicht nur „Nehmerin“, sondern auch grosszügige „Geberin“ ist. Immer wieder (gelegentlich etwas wiederholend) werden ihr Ängste, Zweifel und Zerrissenheit thematisiert – wenn sie etwa wütend über die vielen Genesungswünsche ist und sich gleichzeitig über die Leute ärgert, die ihr keine solchen schicken.  



Carol Wall: 
Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart 
Amy Einhorn Books, 2014

6. Juni 2014

Erica Matile und Sabine Reber: Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt

Sabine Rebers Wunsch eine Gartenbibel zu verfassen kombiniert mit einem von Erica Matile zusammengetragenen Stapel historischer Gartentipps aus Archiven ergab als Resultat eine Sammlung von rund 1000 Tipps in Buchform, welche die Gärten landauf und landab zum Blühen und eben zum Fortpflanzen bringen sollen.

In Kategorien wie „Gestaltung“, „Was wächst wo“, „Blumengarten“, „Zimmerpflanzen“, „Schnittblumen“, „Das Wohl der Gärtnerin“ und anderen mehr finden sich besonders für Garten-Neulinge nützliche Hinweise. Welche Pflanze schützt welche Pflanze? Hält Lavendel tatsächlich die Läuse von Rosen fern? Tomaten sollen intensiver schmecken, wenn sie in der Nachbarschaft von Petersilie wachsen und falls Sie sich trotz Zünsler und anderen drohenden Plagen doch noch Buchskugeln in den Garten holen wollen, findet sich ein Hinweis, wie Sie diese einfach selber formen können. Ein weiterer Tipp verrät, dass Spinnmilben mit einem Sud aus Zwiebelpflanzen den Garaus gemacht werden kann.

Ob man dann tatsächlich wie auch zu lesen ist, vergrabene tote Tiere als Dünger verwenden will, sei jedem selber freigestellt. Schliesslich sind nicht alle Tipps bierernst zu nehmen. Schnittblumenfreunden sei verraten, dass die Stile von Mohnblumen angebrannt werden sollen, bevor sie in die Vase gestellt werden, und Sanddornzweige verströmen ein Gas, das sämtliche Schnittblumen im gleichen Raum verwelken lässt.

Genügend Raum soll beim Gärtnern dem Spass und der Gesundheit eingeräumt werden und schwere Tätigkeiten wann immer möglich delegiert werden. Falls das nicht klappt, soll ein vorsorglich in die Schuhe gelegtes Farnblatt die Gärtnerin vor wunden Füssen bei der Gartenarbeit schützen. Die Ansprüche den Möglichkeiten anpassen und Entspannung einplanen – nicht alles muss perfekt sein! Der Rat, sich auch mal von Pflanzen zu trennen, weil sie zu gross geworden sind oder einem einfach nicht mehr gefallen, kann zweischneidig sein. Für das Ausgraben von Wurzelwerk und Füllen der entstandenen Lücken ist erst einmal kräftiger Körpereinsatz nötig. Vielleicht findet sich aber im Kapitel „Mit Kräutern heilen“ gleich ein Tipp für die Vor- oder Nachsorge.

Aufeinander gestapelte Autoreifen sollen als Kartoffel-Turm zu den Klassikern gehören. Ich kann mich nicht erinnern, je einen solchen gesehen zu haben. Beim Googeln lassen sich jedoch tatsächlich Bilder von solchen runden Gummi-Beeten finden – die Geschmäcker sind doch sehr verschieden! Die Hinweise, beim Rückschnitt die natürliche Wuchsform nicht aus den Augen zu verlieren und zu bedenken, dass Würfel und geometrische Figuren nicht überall hinpassen, könnte ich eigentlich kopieren und auf dem Arbeitsweg dort in den Briefkasten werfen, wo regelmässig (Wild-)Sträucher verunstaltet werden.

Den einen oder anderen Tipp werde ich selber ausprobieren, obwohl ich teilweise doch am Nutzen oder der Richtigkeit zweifle. Ganz sicher falsch ist die Information, dass Cyclamen hederifolium zu den Winterblühern gehören. Mit C. coum sind die Erfolgs-Chancen auf Alpenveilchen-Blüten im Winter mit Sicherheit deutlich höher. Bereits im Vorwort findet sich der Hinweis, dass sich die Ratschläge teilweise widersprechen – also selber ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln. Letzteres ist aber eben wie das empfohlene dichte Bepflanzen der Beete auch eine Geldfrage.

Das illustrierte Büchlein eignet sich als Mitbringsel für Anfänger-Gärtner, die sich wohl nicht daran stören, dass lateinische Namen häufig fehlen. Immerhin weiss ich jetzt, dass ich vor der kürzlichen Gartenumgestaltung einen Bauernjasmin (Philadelphus erectus) im Garten hatte. Diese deutsche Bezeichnung war mir nun gar nicht geläufig. Leider wird die Nützlichkeit der Publikation durch das Fehlen eines Registers stark eingeschränkt. .

PS für E.: Hast Du schon herausgefunden, ob der altertümliche Schlauchwagen vom Kraut und Krempel-Anlass bei Gaissmayer das Kriterium „vernünftig“ erfüllt?



Erica Matile und Sabine Reber: 
Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt 
Landverlag, 2014

1. Juni 2014

Olaf Kolbrück: Keine feine Gesellschaft

Die 42jährige Kriminaloberkommissarin Eva Ritter hat vor drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen ihren Dienst quittiert und arbeitet nun mit geregelten Arbeitszeiten als Risk-Management-Beraterin. Mit dem Jobwechsel einher ging für sie die Annahme, sich nie mehr prüfend vor einer Leiche zu finden. Doch nun stösst sie in der Gartengerätebox eines Kleingartens auf eine verrenkte männliche Leiche. Der ungefähr dreissig Jahre alte Verstorbene kommt ihr irgendwie bekannt vor. So hatte sie sich die Gartensaison-Eröffnung, die als Sektfrühstück im Grünen gedacht war, nun wirklich nicht vorgestellt.

Wider Willen nimmt Eva Ritter das Auffinden der Leiche persönlich und gleichzeitig die Herausforderung an, den Mörder zu finden. Nachforschungen führen in die Frankfurter Finanzwelt und in die sogenannt besseren Kreise. Dass die ehemaligen Kollegen bei der Kripo an Eva Ritters Recherchen, mit denen sie diesen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, keine Freude haben, muss nicht speziell betont werden. Obwohl, auch von offiziellen Stellen kann sie ganz inoffiziell auf die eine oder andere Information zählen. Und bevor klar ist, wer hinter dem Mord an Jens Lücker, einem Fondsverwalter und der Nr. 2 der Eurobest-Bank steckt, wird ein zweites Mordopfer entdeckt.

Eva Ritters Freundin Doris kennt sich im Kreis der oberen Zehntausend aus und teilt ihr Insiderwissen gerne. Der als Schürzenjäger bekannte Jens Lücker hat seine Kunden mit hohen Renditeversprechen geködert, die er mit einem Schneeballsystem zu finanzieren gedachte. Seine Gartenlaube hat er erst kürzlich von seinem verstorbenen Vater übernommen und in ein heimliches Privatbüro umfunktioniert.

Die nebenberuflichen Ermittlungen von Eva Ritter wechseln ab mit Einblicken ins Privatleben der Ex-Kommissarin. Vor drei Jahren hat ihr Mann die gemeinsame Wohnung verlassen und kam nie mehr nach Hause. Besonders authentisch werden Eva Ritters Ängste vor der definitiven Diagnose ihrer mysteriösen Muskelerkrankung geschildert. Will oder muss sie tatsächlich wissen, an welcher Krankheit sie leidet? Ohne genaue Diagnose kann die Krankheit allenfalls besser ignoriert werden. Ist die Mörderjagd eine Ablenkung von ihren Sorgen und sollte sie ihre begrenzten Kräfte nicht besser für ihren „richtigen“ Job einsetzen?

Ein Lichtblick im Leben der kranken Frau ist das herzliche Verhältnis zu ihrer 20jährigen Tochter. Gerade letztere sorgt im Lauf der Handlung für einige Überraschungen mit ihrem Beziehungs- und Hormonstatus.

Zwar beschränkt sich der hortikulturelle Hintergrund auf den Fundort der Leiche in der Kleingartenanlage, die Befreiung einer Quitte vom Winterschutz und Blumensamen für einen Gefängnisaufenthalt. Diese Tatsachte sollte aber kein Anlass sein, auf die Lektüre zu verzichten.  



Olaf Kolbrück: 
Keine feine Gesellschaft 
fhl Verlag Leipzig UG, 2012