Harald Braun zieht im August 2003 von Hamburg weg alleine aufs Land. Sein neues Daheim liegt rund 35 km vor der Stadt in einem 5000-Seelen-Ort, auf dessen weitläufigem Gemeindegebiet die Einwohner weit verstreut leben in Häusern und Höfen zwischen viel Wiesen und Wald. Seine Freundin hatte ihn vor der Umsetzung der - oder besser seiner - Umzugspläne verlassen. Und so fühlt sich das neue Leben in der Provinz zunächst einmal völlig falsch an und die geheimen Träume vom romantischen Landleben zu zweit stellen sich im Nachhinein als reichlich absurd heraus. Die melancholischen Gedanken werden aber ziemlich erfolgreich verdrängt, indem die Zeit auf dem Land auf ein Minimum beschränkt wird. Für längere Zeit dient der neue Wohnsitz (wenn überhaupt) vorwiegend als Schlafstätte, die am Morgen Richtung Grossstadt verlassen wird, und in die der Hausherr erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder heimkehrt.
Im ersten Teil des Taschenbuches liest man aber zunächst, wie überhaupt der Wunsch nach einem Häuschen auf dem Land aufkam, die Suche nach einem solchen, dem Kauf, dem Umbau und natürlich über den Schlussstrich unter die langjährige Beziehung zu seiner im Buch Anna genannten Partnerin.
In der (vom Autor so bezeichneten) Pampa entpuppt sich bereits die klosterähnliche Stille als gewöhnungsbedürftig. Etwas Leben in die Bude bringt die Katze, die mitsamt dem Kaufvertrag übernommen worden ist.
Aus einem extrem ausgeprägten Kopfmensch mit zwei linken Händen wird auch auf einem Resthof zwischen Wiesen und Weiden nicht automatisch ein Profi-Handwerker, aber doch mehren sich mit der Zeit Erfolgserlebnisse in diese Richtung. So leistet der Hausherr als Handlanger bald brauchbare Dienste, nagelt Decken an die Schuppenwand und streicht den Gartenzaun.
Ein paar wenige Seiten in dieser selbstkritischen und –analytischen Lektüre, die einem vertieft an männlichen Gedankengängen teilhaben lässt, werden dem Garten rund ums Haus gewidmet, der von einem Gärtner betreut wird. Da geht’s um Erdbeeren und Schatten, Ananas in Schleswig-Holstein sowie Giersch und einmal ist die Rede von einem Baumschulist, der einen fast völlig zubetonierten Garten von rund 1'000 m2 sein eigen nennt, weil er privat keine Lust hat, Dreck unter den Fingernägeln zu produzieren.
Und ziemlich am Schluss des Buches erfährt die Leserin auch noch, was es mit dem perfekten Gummistiefelgefühl auf sich hat. Dazu gehören (Zitat aus dem Buch) „Wind, der einem um die Ohren bläst, Regen …“ – aber lesen Sie doch selber in diesem humorigen Buch nach. Dieses wird übrigens gerade remittiert. So hat es als Zufallsfund auf einem Ausverkaufstisch doch noch den Platz in meiner ewigen Wunschliste mit einem auf dem Bücherregal getauscht.
Harald Braun:
Das Gummistiefel-Gefühl
Bastei Lübbe, 2011
1. Juni 2013
29. Mai 2013
Sybille Carstens: Lady Cardington und ihr Gärtner
Vor einiger Zeit hat die seit rund einem Jahr getrennt von ihrem Mann lebende Samantha Withfield bei der Gartenzeitschrift „The Beauty of Nature“ um fachmännischen Gartenrat gebeten. Die Anfrage ist nie beantwortet worden und schon fast vergessen, als die rund dreissigjährige Frau auf der Rückkehr von einem Gärtnereibesuch mit dem Auto voller Pflanzen und Erde in ihr abgelegenes Häuschen "Stoney Lane" zurückkehrt und ihr auf der schmalen holprigen Zufahrtsstrasse ein Wagen in hohem Tempo entgegenkommt.
Obwohl Samantha vermutet, einem Einbrecher vor sich zu haben, macht sie ihrer Empörung Luft. Der braungebrannte Fahrer nimmt ihr den Wind aus den Segeln, als er sich als Michael Tomelison von „The Beauty of Nature“ zu erkennen gibt. Er ist auf dem Weg zu einem Auftrag in den Gärten von Cardington Manor und dessen Besitzer Lord Charles – zufälligerweise der Noch-Ehemann von Samantha, was diese aber geflissentlich verschweigt – und hat auf Geheiss seines Vorgesetzten einen Umweg in Kauf genommen, um sich persönlich um Samanthas Leserbriefanfrage zu kümmern.
Nach einer etwas seltsamen Begrüssung lädt Samantha den unerwarteten Gast zu Tee und Gebäck ein. Lady Cardington alias Samantha und der Landschaftsarchitekt verstehen sich auf Anhieb sehr gut und unterhalten sich, als ob sie schon länger miteinander vertraut sind. Bevor Michael weiterfährt, verspricht er, auf dem Rückweg nochmals vorbeizukommen.
Samantha wartet aber vergebens auf einen Folgebesuch und sie nutzt die Gelegenheit, endlich ihr Leben neu zu ordnen. Sie stellt sich selber ins Zentrum ihres Lebens und ihrer Bedürfnisse und beginnt wieder in ihrem angestammten Beruf zu arbeiten. Von Anfang an findet sie grosse Befriedigung in ihrer Tätigkeit in einem Waisenhaus. Doch immer wieder kreisen ihre Gedanken um die kurze Begegnung mit Michael Tomelison, der seinerseits sein gebrochenes Versprechen im Nachhinein immer weniger nachvollziehen kann.
„Lady Cardington und ihr Gärtner“ ist ein eher einfach gestrickter Roman ohne grosse Überraschungen mit oft etwas holprigen und unglaubwürdigen Zufällen. Die ideale Lektüre zum Abschalten.
Sybille Carstens:
Lady Cardington und ihr Gärtner
Books on Demand, 2012
Obwohl Samantha vermutet, einem Einbrecher vor sich zu haben, macht sie ihrer Empörung Luft. Der braungebrannte Fahrer nimmt ihr den Wind aus den Segeln, als er sich als Michael Tomelison von „The Beauty of Nature“ zu erkennen gibt. Er ist auf dem Weg zu einem Auftrag in den Gärten von Cardington Manor und dessen Besitzer Lord Charles – zufälligerweise der Noch-Ehemann von Samantha, was diese aber geflissentlich verschweigt – und hat auf Geheiss seines Vorgesetzten einen Umweg in Kauf genommen, um sich persönlich um Samanthas Leserbriefanfrage zu kümmern.
Nach einer etwas seltsamen Begrüssung lädt Samantha den unerwarteten Gast zu Tee und Gebäck ein. Lady Cardington alias Samantha und der Landschaftsarchitekt verstehen sich auf Anhieb sehr gut und unterhalten sich, als ob sie schon länger miteinander vertraut sind. Bevor Michael weiterfährt, verspricht er, auf dem Rückweg nochmals vorbeizukommen.
Samantha wartet aber vergebens auf einen Folgebesuch und sie nutzt die Gelegenheit, endlich ihr Leben neu zu ordnen. Sie stellt sich selber ins Zentrum ihres Lebens und ihrer Bedürfnisse und beginnt wieder in ihrem angestammten Beruf zu arbeiten. Von Anfang an findet sie grosse Befriedigung in ihrer Tätigkeit in einem Waisenhaus. Doch immer wieder kreisen ihre Gedanken um die kurze Begegnung mit Michael Tomelison, der seinerseits sein gebrochenes Versprechen im Nachhinein immer weniger nachvollziehen kann.
„Lady Cardington und ihr Gärtner“ ist ein eher einfach gestrickter Roman ohne grosse Überraschungen mit oft etwas holprigen und unglaubwürdigen Zufällen. Die ideale Lektüre zum Abschalten.
Sybille Carstens:
Lady Cardington und ihr Gärtner
Books on Demand, 2012
25. Mai 2013
Ewald Weber: Invasive Pflanzen der Schweiz erkennen und bekämpfen
Beginnen wir diese Buchvorstellung doch gleich mit der Definition des Begriffes „invasive Pflanzen“ aus dem Glossar der Publikation. Es handelt sich dabei um Neophyten (*), die leicht verwildern, sich effizient ausbreiten und in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit und/oder Wirtschaft Schäden verursachen oder das Potential dazu haben. Ewald Weber erläutert in diesem Buch die Fakten und klärt auf, so dass sich jeder Leser anschliessend eine eigene Meinung bilden und die für sich und seinen Garten notwendigen Konsequenzen ziehen kann.
Denn auch wenn von den rund 10‘000 in der Schweiz eingeführten Pflanzen „nur“ rund 350 wild wachsen und von diesen sich 5 % (was 23 Arten entspricht) stark ausbreiten, ist jeder aufgerufen, sich an der Schadensbegrenzung zu beteiligen. Nicht zuletzt auch darum, weil sich die Schweiz durch die Mitunterzeichnung der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt dazu verpflichtet hat. Das konsequente Ausrotten und Bekämpfen von unerwünschten Eindringlingen ist teuer, doch die Folgekosten wegen Zuwarten vor dem Ergreifen von Massnahmen betragen später sogar ein Vielfaches davon (z.B. Schäden durch Erosionen, Behandlungskosten bei Allergien).
Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Thematik (Verbreitungsgebiete, Pflanzenverwendungen, Schäden, Umgang mit wild wachsenden invasiven Pflanzen, rechtliche Grundlagen, Präventivmassnahmen usw.) sowie Hinweisen auf weiterführende Literatur und Links. Anschliessend folgen die Artenportraits und aufschlussreiche Erfahrungsberichte, wie beispielsweise „Auch Neophyten benutzen gerne Strassen“, „Eine beispielhafte Bekämpfung“ über das Auftreten und rigorose Bekämpfen des Grossblütigen Heusenkrauts (Ludwigia Grandiflora) bei Genf oder „Die Methode des Ringelns (mechanische Bekämpfung von unerwünschtem Baumwuchs mit gleichzeitigem Verhindern von Stockausschlägen).
Die Titelzeilen der einzelnen Artenportraits sind farbig hinterlegt und zeigen auf, wo die entsprechende Pflanze Probleme verursacht, etwa auf Äckern und Feldern, in Wäldern und Magerwiesen, in Seen und Kanälen, in Waldlichtungen oder an Flussufern usw. und ob diese eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Eine Merkblatt-Box gibt Informationen zu Name, Familie, Lebensform, Ursprung, Vorkommen in der Schweiz, Habitaten und Status in der Schweiz. Im Text schliesslich wird genauer auf die Besonderheiten, Erkennungmerkmale, Verwechslungsmöglichkeiten, Auswirkungen sowie die Bekämpfungmethoden eingegangen. Ausserdem erfährt der Leser, wie die Pflanze nach Europa kam. Fotos, detaillierte Zeichnungen sowie eine Karte der Schweiz mit Angaben über die Verbreitung zu unterschiedlichen Zeitpunkten (z.B. nach 1994, 1982 – 1994, 1967 – 1987, vor 1967) komplettieren die Portraits.
Neophyten fanden oder finden auf völlig unterschiedliche Weise den Weg in die Schweiz und verbreiten sich beispielsweise durch eine hohe Samenproduktion, Ausläufer oder Stockausschläge. Etliche dieser Pflanzen wurden ursprünglich durch Pflanzenjäger eingeführt und wurden zunächst als willkommene Bienenweiden vermehrt. Samen können auch mit Schafwolle oder Verpackungsmaterial importiert werden und oft stellt sich erst nach längerer Zeit heraus, dass eine Neueinführung, einheimische Pflanzen verdrängt. So hat der Staudenknöterich, der in zwei Meter Bodentiefe bis zu zehn Zentimeter dicke Rhizome bildet, 1847 sogar eine Goldmedaille als interessanteste Neueinführung erhalten. Der toxische Riesenbärenklau wiederum enthält Wirkstoffe, die auf der menschlichen Haut nach Sonneneinstrahlung zu starken Verbrennungen führen können. Andere problematische Pflanzen reichern den Boden mit Stickstoff an und verändern damit die Wachstumsbedingungen, die in der Folge für einheimische Arten nicht mehr stimmen.
Verschiedene Zierpflanzen, die inzwischen als problematisch eingestuft werden müssen, werden noch heute im Handel verkauft. Dazu zählen beispielsweise das japanische Geissblatt, Goldruten, Schmetterlingsstrauch, Robinie, Kirschlorbeer, Hanfpalme oder der Blauglockenbaum. Die 2007 gegründete „Arbeitsgruppe Invasive Neobiota“ (AGIN) hat die Aufgabe, schweizweit ein gemeinsames Verständnis sowie einheitliche Definitionen festzulegen. Die Erkenntnisse müssen weitervermittelt werden, so dass der Handel, Gärtner oder Angestellte von Unterhaltsdiensten über das notwendige Wissen verfügen. Auch der Hobbygärtner steht in der Verantwortung. Der Autor hat sieben Regeln zum verantwortungsvollen Gärtnern zusammengestellt, die unter anderem an die Informationspflicht und den Verzicht auf das Anpflanzen oder das Entfernen solcher Arten appellieren oder dazu auffordern, wenigstens die Samenstände rechtzeitig zu entfernen und problematische Gartenabfälle richtig zu entsorgen (nicht auf dem eigenen Kompost).
Bei der Lektüre dieses ausgesprochen informativen Buches kommt der gärtnernde Leser nicht umhin, sich Gedanken über die Bepflanzung des eigenen Gartens zu machen. Welcher der aus verschiedenen (Spezial-)Gärtnereien aus Nah und Fern zusammengetragenen Pflanzenschätze könnte sich in Zukunft als lästig oder gar als richtige Plage erweisen? Vielleicht einer oder gleich alle drei der kürzlich erstandenen in unterschiedlichen Farben gemusterten Pflanzen der Gattung Trifolium (Klee, leider ohne Etikett)? Jedenfalls habe ich rückwirkend schon ein leicht schlechtes Gewissen beim Gedanken an die zahlreichen vor Jahren jeweils unwissentlich mit Vergnügen zerplatzten Samenstände der verschiedenen Springkrautarten, die mir auf Wanderungen oder beim Aufenthalt an Flüssen begegnet sind. Obwohl, verteilt hätten sich die Samen ja auch ohne mein Dazutun…
Ewald Weber:
Invasive Pflanzen der Schweiz erkennen und bekämpfen
Haupt Verlag, 2013
(*) Neophyt = Pflanzenart, die nach 1492 infolge Tätigkeit des Menschen absichtlich oder unabsichtlich ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes wild lebend aufgetreten ist und sich fortpflanzt
Denn auch wenn von den rund 10‘000 in der Schweiz eingeführten Pflanzen „nur“ rund 350 wild wachsen und von diesen sich 5 % (was 23 Arten entspricht) stark ausbreiten, ist jeder aufgerufen, sich an der Schadensbegrenzung zu beteiligen. Nicht zuletzt auch darum, weil sich die Schweiz durch die Mitunterzeichnung der Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt dazu verpflichtet hat. Das konsequente Ausrotten und Bekämpfen von unerwünschten Eindringlingen ist teuer, doch die Folgekosten wegen Zuwarten vor dem Ergreifen von Massnahmen betragen später sogar ein Vielfaches davon (z.B. Schäden durch Erosionen, Behandlungskosten bei Allergien).
Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Thematik (Verbreitungsgebiete, Pflanzenverwendungen, Schäden, Umgang mit wild wachsenden invasiven Pflanzen, rechtliche Grundlagen, Präventivmassnahmen usw.) sowie Hinweisen auf weiterführende Literatur und Links. Anschliessend folgen die Artenportraits und aufschlussreiche Erfahrungsberichte, wie beispielsweise „Auch Neophyten benutzen gerne Strassen“, „Eine beispielhafte Bekämpfung“ über das Auftreten und rigorose Bekämpfen des Grossblütigen Heusenkrauts (Ludwigia Grandiflora) bei Genf oder „Die Methode des Ringelns (mechanische Bekämpfung von unerwünschtem Baumwuchs mit gleichzeitigem Verhindern von Stockausschlägen).
Die Titelzeilen der einzelnen Artenportraits sind farbig hinterlegt und zeigen auf, wo die entsprechende Pflanze Probleme verursacht, etwa auf Äckern und Feldern, in Wäldern und Magerwiesen, in Seen und Kanälen, in Waldlichtungen oder an Flussufern usw. und ob diese eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Eine Merkblatt-Box gibt Informationen zu Name, Familie, Lebensform, Ursprung, Vorkommen in der Schweiz, Habitaten und Status in der Schweiz. Im Text schliesslich wird genauer auf die Besonderheiten, Erkennungmerkmale, Verwechslungsmöglichkeiten, Auswirkungen sowie die Bekämpfungmethoden eingegangen. Ausserdem erfährt der Leser, wie die Pflanze nach Europa kam. Fotos, detaillierte Zeichnungen sowie eine Karte der Schweiz mit Angaben über die Verbreitung zu unterschiedlichen Zeitpunkten (z.B. nach 1994, 1982 – 1994, 1967 – 1987, vor 1967) komplettieren die Portraits.
Neophyten fanden oder finden auf völlig unterschiedliche Weise den Weg in die Schweiz und verbreiten sich beispielsweise durch eine hohe Samenproduktion, Ausläufer oder Stockausschläge. Etliche dieser Pflanzen wurden ursprünglich durch Pflanzenjäger eingeführt und wurden zunächst als willkommene Bienenweiden vermehrt. Samen können auch mit Schafwolle oder Verpackungsmaterial importiert werden und oft stellt sich erst nach längerer Zeit heraus, dass eine Neueinführung, einheimische Pflanzen verdrängt. So hat der Staudenknöterich, der in zwei Meter Bodentiefe bis zu zehn Zentimeter dicke Rhizome bildet, 1847 sogar eine Goldmedaille als interessanteste Neueinführung erhalten. Der toxische Riesenbärenklau wiederum enthält Wirkstoffe, die auf der menschlichen Haut nach Sonneneinstrahlung zu starken Verbrennungen führen können. Andere problematische Pflanzen reichern den Boden mit Stickstoff an und verändern damit die Wachstumsbedingungen, die in der Folge für einheimische Arten nicht mehr stimmen.
Verschiedene Zierpflanzen, die inzwischen als problematisch eingestuft werden müssen, werden noch heute im Handel verkauft. Dazu zählen beispielsweise das japanische Geissblatt, Goldruten, Schmetterlingsstrauch, Robinie, Kirschlorbeer, Hanfpalme oder der Blauglockenbaum. Die 2007 gegründete „Arbeitsgruppe Invasive Neobiota“ (AGIN) hat die Aufgabe, schweizweit ein gemeinsames Verständnis sowie einheitliche Definitionen festzulegen. Die Erkenntnisse müssen weitervermittelt werden, so dass der Handel, Gärtner oder Angestellte von Unterhaltsdiensten über das notwendige Wissen verfügen. Auch der Hobbygärtner steht in der Verantwortung. Der Autor hat sieben Regeln zum verantwortungsvollen Gärtnern zusammengestellt, die unter anderem an die Informationspflicht und den Verzicht auf das Anpflanzen oder das Entfernen solcher Arten appellieren oder dazu auffordern, wenigstens die Samenstände rechtzeitig zu entfernen und problematische Gartenabfälle richtig zu entsorgen (nicht auf dem eigenen Kompost).
Bei der Lektüre dieses ausgesprochen informativen Buches kommt der gärtnernde Leser nicht umhin, sich Gedanken über die Bepflanzung des eigenen Gartens zu machen. Welcher der aus verschiedenen (Spezial-)Gärtnereien aus Nah und Fern zusammengetragenen Pflanzenschätze könnte sich in Zukunft als lästig oder gar als richtige Plage erweisen? Vielleicht einer oder gleich alle drei der kürzlich erstandenen in unterschiedlichen Farben gemusterten Pflanzen der Gattung Trifolium (Klee, leider ohne Etikett)? Jedenfalls habe ich rückwirkend schon ein leicht schlechtes Gewissen beim Gedanken an die zahlreichen vor Jahren jeweils unwissentlich mit Vergnügen zerplatzten Samenstände der verschiedenen Springkrautarten, die mir auf Wanderungen oder beim Aufenthalt an Flüssen begegnet sind. Obwohl, verteilt hätten sich die Samen ja auch ohne mein Dazutun…
Ewald Weber:
Invasive Pflanzen der Schweiz erkennen und bekämpfen
Haupt Verlag, 2013
(*) Neophyt = Pflanzenart, die nach 1492 infolge Tätigkeit des Menschen absichtlich oder unabsichtlich ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes wild lebend aufgetreten ist und sich fortpflanzt
21. Mai 2013
Barbara O’Neal: Mit einer Prise Glück und Liebe
Ramona kämpft mit grossen finanziellen Schwierigkeiten. Immer wieder fressen kostspielige Reparaturen in ihrer Boulangerie Geld, das die geschiedene vierzigjährige Frau mit irischen Wurzeln dringend für andere Ausgaben benötigen würde. Sie steht vor der existentiellen Entscheidung, ob sie unter dem schützenden Dach der Familienfirmen Zuschlupf suchen soll oder nicht. Soll sie ihre Vorbehalte und ihren Stolz bei Seite schieben? Und als hätte sie nicht schon genug andere Sorgen, muss sie sich nachdem ihr Schwiegersohn schwer verunglückt ist und ihre hochschwangere Tochter zu ihm nach Deutschland geflogen ist, auch noch um ihre pubertierende Stiefenkelin Katie kümmern. Katie ist eine rebellische Dreizehnjährige, deren Mutter im Gefängnis sitzt. Zur gleichen Zeit trifft Ramona nach über fünfundzwanzig Jahren zufällig ihren Jugendfreund Jonah wieder, in dessen Plattenladen sie viele Nachmittage ihrer frühen Schwangerschaft verbracht hat.
Immer wieder hilft das Backen von Brot Ramona durch die Tiefen ihres Lebens und dabei, richtige Entscheidungen zu treffen. Sie findet im Teigkneten Trost und Kraft. Zum ersten Mal machte sie diese Erfahrung, als sie im Alter von fünfzehn Jahren schwanger war. Damals war sie monatelang in der Verbannung bei ihrer geliebten Tante Poppy. Diese hat ihr die Geheimnisse rund um die Pflege von Sauerteigen und Brot beigebracht und sie auch den den Unterschied zwischen wichtigen (Tomaten) und unwichtigen (Blumen) Pflanzen gelehrt.
Die Sache mit den Blumen fand bei Ramona, welche die verschwenderisch blühenden Schwertlilien ihrer Grossmutter vor Augen hatte, allerdings keine unbedingte Akzeptanz Und heute, als erwachsene Frau, findet sie im Garten, wo sie nach dem frühmorgendlichen Brotbacken bereits um fünf Uhr jätet und sich an ihrer üppigen Rosen- und Staudenpracht erfreut, etwas Ablenkung von ihren Sorgen und Zeit zum Nachdenken.
Ramonas Stiefenkelin Katie wird von ihrer Ersatzgrossmutter mit deren Blumenliebe angesteckt und blüht richtiggehend auf. Wie eine Pflanze, die endlich im richtigen Boden wächst, fängt sie an zu gedeihen und überlegt sogar, ob sie aus der Blumenzucht einen Beruf machen könnte. Die drogenabhängige Mutter des Mädchens nutzt die bedingungslose Loyalität ihrer Tochter bei jeder Gelegenheit hemmungslos aus und Katie hat früh gelernt, dass auf Erwachsene keinen Verlass ist. Und auch ihr neues Leben ist nicht frei von Enttäuschungen. Als der fest geplante Ausflug an eine Blumenausstellung ins Wasser fällt, fühlt sich Katie völlig vernachlässigt und in ihrer Meinung bestätigt, dass man niemandem vertrauen kann, und fährt ungefragt alleine hin.
Der englische Titel „How to bake a perfect life“ könnte passender nicht sein. Der feinfühlige Roman zeigt , dass zwischenmenschliche Beziehungen genau so sorgfältig gepflegt werden müssen wie Teigkulturen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dazwischen wird die Leserin in Ramonas Brotgeheimnisse samt den verschiedenen Schritten zum perfekten Teig eingeweiht. Von Barbara O’Neal habe ich bereits kürzlich einen Roman vorgestellt: The Garden of Happy Endings.
Barbara O’Neal:
Mit einer Prise Glück und Liebe
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012
Immer wieder hilft das Backen von Brot Ramona durch die Tiefen ihres Lebens und dabei, richtige Entscheidungen zu treffen. Sie findet im Teigkneten Trost und Kraft. Zum ersten Mal machte sie diese Erfahrung, als sie im Alter von fünfzehn Jahren schwanger war. Damals war sie monatelang in der Verbannung bei ihrer geliebten Tante Poppy. Diese hat ihr die Geheimnisse rund um die Pflege von Sauerteigen und Brot beigebracht und sie auch den den Unterschied zwischen wichtigen (Tomaten) und unwichtigen (Blumen) Pflanzen gelehrt.
Die Sache mit den Blumen fand bei Ramona, welche die verschwenderisch blühenden Schwertlilien ihrer Grossmutter vor Augen hatte, allerdings keine unbedingte Akzeptanz Und heute, als erwachsene Frau, findet sie im Garten, wo sie nach dem frühmorgendlichen Brotbacken bereits um fünf Uhr jätet und sich an ihrer üppigen Rosen- und Staudenpracht erfreut, etwas Ablenkung von ihren Sorgen und Zeit zum Nachdenken.
Ramonas Stiefenkelin Katie wird von ihrer Ersatzgrossmutter mit deren Blumenliebe angesteckt und blüht richtiggehend auf. Wie eine Pflanze, die endlich im richtigen Boden wächst, fängt sie an zu gedeihen und überlegt sogar, ob sie aus der Blumenzucht einen Beruf machen könnte. Die drogenabhängige Mutter des Mädchens nutzt die bedingungslose Loyalität ihrer Tochter bei jeder Gelegenheit hemmungslos aus und Katie hat früh gelernt, dass auf Erwachsene keinen Verlass ist. Und auch ihr neues Leben ist nicht frei von Enttäuschungen. Als der fest geplante Ausflug an eine Blumenausstellung ins Wasser fällt, fühlt sich Katie völlig vernachlässigt und in ihrer Meinung bestätigt, dass man niemandem vertrauen kann, und fährt ungefragt alleine hin.
Der englische Titel „How to bake a perfect life“ könnte passender nicht sein. Der feinfühlige Roman zeigt , dass zwischenmenschliche Beziehungen genau so sorgfältig gepflegt werden müssen wie Teigkulturen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dazwischen wird die Leserin in Ramonas Brotgeheimnisse samt den verschiedenen Schritten zum perfekten Teig eingeweiht. Von Barbara O’Neal habe ich bereits kürzlich einen Roman vorgestellt: The Garden of Happy Endings.
Barbara O’Neal:
Mit einer Prise Glück und Liebe
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012
17. Mai 2013
Camilla Arvidsson und Malin Nilsson: Neue Garten-Deko aus Beton selbstgemacht
Mit Beton und Kreativität lassen sich für den Garten viele Ideen umsetzen. Vogeltränken, Fussabtreter, Wegweiser, aber auch eine Gartenbank oder ein Grilltisch mit Kugelgrilleinsatz können mit Unterstützung der ausführlich bebilderten Anleitung aus diesem Buch hergestellt werden. Die beiden letzten Objekte sind eher etwas für erfahrene Beton-Deko-Macher. Aber vielleicht machen Sie Ihre ersten Versuche zunächst mit etwas Leichterem (im doppelten Sinn) und gewinnen so erste Erfahrungen im Umgang mit der Materie.
Im Buch „Neue Garten-Deko aus Beton selbstgemacht“ finden sich etwa Beispiele für ganz verschiedene Formen von Blumentöpfen: aussen viereckig und innen rund oder umgekehrt aussen rund und innen viereckig, oval, mehreckig, verschiedene Höhen und Weiten. Je kleiner Sie die Grösse der inneren Form im Verhältnis zur äusseren wählen, desto dicker und natürlich auch schwerer wird die Blumentopfwand. Zusätzlich können die Betonobjekte nach Lust und Laune und den eigenen Vorlieben entsprechend verziert werden. Dazu eigenen sich eingeölte Schnüre oder Glasnuggets, die nach dem Trocknen der Objekte einfach entfernt werden können.
Auf den ersten neunzig Seiten werden in Text und Bild Vorschläge für Deko-Objekte präsentiert. Anschliessend folgen der Handbuch-Teil, in dem ein kurzer geschichtlicher Überblick und eine Übersicht über verschiedene Arten von Beton gegeben werden, sowie hilfreiche Tipps zum Mischen, Giessen und Trocknen von Beton. Hernach werden die Ideen aus dem ersten Buchteil Schritt für Schritt und bebildert erklärt, so dass der erfolgreichen Ausführung nichts mehr im Wege stehen sollte.
Gussformen finden sich in jedem Haushalt zuhauf. Es eignen sich beispielsweise (Silikon-)Backformen, Sandkastenformen, Teile von Schaumstoff-Bodenpuzzles. Sie können sich Ihre Modelle aus Brettern und Schrauben auch selber zusammenschustern oder mit Silikonkautschuk eigene Gussformen herstellen. Egal für welches Modell sie sich entscheiden – wichtig ist, dass alle Vorlagen gut eingeölt und grössere Objekte zusätzlich verstärkt werden müssen.
Falls Ihnen Beton pur nicht zusagt und Sie nicht warten wollen, bis Moose und Flechten für eine natürliche Patina sorgen, können Sie auf das getrocknete Objekt eine Mischung aus Joghurt und Erde streichen, was die Bildung einer antik wirkenden Struktur beschleunigt. Die Autorinnen empfehlen im Buch, der Betonmischung Torfmull beizufügen, damit der Beton poröser wird. Da auf die Verwendung von Torf grundsätzlich verzichtet werden soll, ist unbedingt die Joghurt-Variante vorzuziehen.
Das Buch ist eine Inspirationsquelle für alle, die sich neu mit dem Thema Beton-Deko vertraut machen wollen. Die Ergebnisse und die Schritte dahin sehen recht einfach aus, so dass ich es demnächst auch einmal mit einem kleinen Betonobjekt ausprobieren will. Das Verhältnis der Wasserzugabe zum Betonmischen wird nur einmal kurz erwähnt (ein 25-Kilo-Sack Beton ergibt mit etwa vier Litern Wasser ungefähr vierzehn Liter Beton). Für Anfänger wäre eine Tabelle mit ein paar umgerechneten Eckwerten hilfreich gewesen. Vermisst habe ich einen Hinweis für die richtige Entsorgung der angerührten Reste. Diese dürfen wegen Verstopfungsgefahr keinesfalls ins Abwasser geleitet werden. Sie finden das logisch? Ich eigentlich auch - aus dem Bekanntenkreis weiss ich aber, dass nicht jedermann das Kleingedruckte auf den Betonsäcken liest …
Camilla Arvidsson und Malin Nilsson:
Neue Garten-Deko aus Beton selbstgemacht
LV-Buch, 2013
Im Buch „Neue Garten-Deko aus Beton selbstgemacht“ finden sich etwa Beispiele für ganz verschiedene Formen von Blumentöpfen: aussen viereckig und innen rund oder umgekehrt aussen rund und innen viereckig, oval, mehreckig, verschiedene Höhen und Weiten. Je kleiner Sie die Grösse der inneren Form im Verhältnis zur äusseren wählen, desto dicker und natürlich auch schwerer wird die Blumentopfwand. Zusätzlich können die Betonobjekte nach Lust und Laune und den eigenen Vorlieben entsprechend verziert werden. Dazu eigenen sich eingeölte Schnüre oder Glasnuggets, die nach dem Trocknen der Objekte einfach entfernt werden können.
Auf den ersten neunzig Seiten werden in Text und Bild Vorschläge für Deko-Objekte präsentiert. Anschliessend folgen der Handbuch-Teil, in dem ein kurzer geschichtlicher Überblick und eine Übersicht über verschiedene Arten von Beton gegeben werden, sowie hilfreiche Tipps zum Mischen, Giessen und Trocknen von Beton. Hernach werden die Ideen aus dem ersten Buchteil Schritt für Schritt und bebildert erklärt, so dass der erfolgreichen Ausführung nichts mehr im Wege stehen sollte.
Gussformen finden sich in jedem Haushalt zuhauf. Es eignen sich beispielsweise (Silikon-)Backformen, Sandkastenformen, Teile von Schaumstoff-Bodenpuzzles. Sie können sich Ihre Modelle aus Brettern und Schrauben auch selber zusammenschustern oder mit Silikonkautschuk eigene Gussformen herstellen. Egal für welches Modell sie sich entscheiden – wichtig ist, dass alle Vorlagen gut eingeölt und grössere Objekte zusätzlich verstärkt werden müssen.
Falls Ihnen Beton pur nicht zusagt und Sie nicht warten wollen, bis Moose und Flechten für eine natürliche Patina sorgen, können Sie auf das getrocknete Objekt eine Mischung aus Joghurt und Erde streichen, was die Bildung einer antik wirkenden Struktur beschleunigt. Die Autorinnen empfehlen im Buch, der Betonmischung Torfmull beizufügen, damit der Beton poröser wird. Da auf die Verwendung von Torf grundsätzlich verzichtet werden soll, ist unbedingt die Joghurt-Variante vorzuziehen.
Das Buch ist eine Inspirationsquelle für alle, die sich neu mit dem Thema Beton-Deko vertraut machen wollen. Die Ergebnisse und die Schritte dahin sehen recht einfach aus, so dass ich es demnächst auch einmal mit einem kleinen Betonobjekt ausprobieren will. Das Verhältnis der Wasserzugabe zum Betonmischen wird nur einmal kurz erwähnt (ein 25-Kilo-Sack Beton ergibt mit etwa vier Litern Wasser ungefähr vierzehn Liter Beton). Für Anfänger wäre eine Tabelle mit ein paar umgerechneten Eckwerten hilfreich gewesen. Vermisst habe ich einen Hinweis für die richtige Entsorgung der angerührten Reste. Diese dürfen wegen Verstopfungsgefahr keinesfalls ins Abwasser geleitet werden. Sie finden das logisch? Ich eigentlich auch - aus dem Bekanntenkreis weiss ich aber, dass nicht jedermann das Kleingedruckte auf den Betonsäcken liest …
Camilla Arvidsson und Malin Nilsson:
Neue Garten-Deko aus Beton selbstgemacht
LV-Buch, 2013
13. Mai 2013
Holger Schaeben: Es ist ein hartes Leben in der Provinz – Aber einer musste es tun
In fünfunddreissig Glossen erzählt der Autor Holger Schaeben von seinem Umzug vom Rheinland nach „Down-Under-Deutschland“ sowie dem Abbruch des Selbstversuches und den Gründen, die dazu geführt haben. Schon gleich von Beginn weg fällt bei den konkreter werdenden Umzugsplänen Richtung bayerisches Oberland immer wieder das Wort „Ende“ - ein schlechtes Omen? Jedenfalls scheitert die Verwirklichung der Idee „Träume nicht dein Landleben, lebe den Landtraum!“ schon recht bald und ich konnte mich während der Lektüre des Öfteren nicht des Eindruckes erwehren, dass es gar nicht anders herauskommen konnte mit dieser innerdeutschen Integration. Aber nun schön der Reihe nach.
Mitten in einem Sommer werden die Pläne in die Tat umgesetzt. Der Möbelwagen steht vollgepackt vor der Tür des neu gebauten Hauses. Aber in diesem neuen Daheim ist noch etliches unfertig und so startet das Landleben mit dem Koordinieren, Antreiben, Beaufsichtigen und dem Bezahlen von verschiedenen Handwerkern. Die damalige Lage inklusive finanzieller Sorgen beschreibt der Autor rückblickend kurz und treffend mit den Worten (Zitat): „Wir waren jetzt im Gebirge und hier in ein betriebswirtschaftliches Tal geraten“. Und mit diesen Problemen ging der Sommer zu Ende und der Herbst zog ein.
Die Mängelliste mit einundvierzig Positionen wurde nach und nach kleiner und nicht alle Erlebnisse mit Baufachleuten waren so nervenaufreibend wie jene mit dem Maler, der den nicht gerade schmeichelhaften Übernahmen „Fritz die Pottsau“ erhalten hat. Ebenfalls unter Erfahrungen abgebucht werden können die Bekanntschaften mit den verschiedenen Arten von Fliegen: Stubenfliegen, Pferdefliegen, Dungfliegen, Dasselfliegen, Schwingfliegen und Schwebefliegen.
Und war der harmlose Gruss „Schönes Wochenende“ in der Stadt ein Synonym für Vergnügen, Erholung und Ruhe entwickelte er sich auf dem Land zu einer Androhung für die Erfüllung von unzähligen Pflichten wie Rasenmähen, Unkraut jäten, Rasenkanten stechen und düngen. Auch Holzhochstapeln will gelernt und vor allem zeitig vor dem ersten Schneefall erledigt sein. So verabschiedete sich der Autor mit seinem Umzug von der Stadt aufs Land ziemlich schnell von seinen Vorstellungen, die eher diffus und insbesondere überaus positiv waren – nämlich so ganz nach dem Motto „malerisches Landleben mit Grillzirpen“.
Bald stellte sich heraus, dass die Zeit, die in der Stadt immer und überall zu knapp bemessen war, auf dem Land zu kriechen schien. Die Entschleunigung war ein paar Takte zu rigoros. Und nicht jeder ist schliesslich dazu geschaffen, bei minus zwanzig Grad zum Bäcker zu stapfen, ohne dass dabei Gedanken aufkommen, was wohl um alles in der Welt Amundsen und Scott Richtung Südpol getrieben hat.
Hortikulturelles gibt es in diesem pointiert formulierten Buch wenig zu lesen. An einer Stelle wird von einem Gemeindeangestellten vom Bauhof berichtet, der mit einer Art Karussellauto schmalspurige Spuren in eine Saatfläche walzt und der Autor forscht über Dahlien nach, weil diese ab 2005 Mittelpunkt einer „Land-der-Ideen-Kampagne“ waren und erwähnt dabei kletternde Dahlien (gibt’s die wirklich?). Holger Schaeben schreibt auch wiederholt über die alle zehn Jahre stattfindende Grossveranstaltung „Passionsspiele“ in Oberammergau samt Hintergrund und verbindet diese mit einem hübschen Wortspiel zum Fazit seiner oberbayrischen Zeit (Zitat): „Für uns gab es keine Passionsfrüchte zu ernten“. Über zwischenmenschliche Beziehungen, Begegnungen, Bekanntschaften oder gar neue Freundschaften schweigt sich der Autor grossmehrheitlich aus, bedankt sich aber am Ende der Nachrichten bei ein paar Männern und Frauen fürs Kennenlernen.
Zum Abschluss dieser als unsachliches Sachbuch bezeichneten Nachrichtensammlung betont der Autor ausdrücklich, dass Oberammergau keine Schuld an den Enttäuschungen aufgrund falscher Erwartungen und Vorstellungen hat, was in den einzelnen Nachrichten zuweilen auch leicht anders interpretiert werden könnte. Immerhin war die Luft besser als im Rheinland.
Holger Schaeben:
Es ist ein hartes Leben in der Provinz – Aber einer musste es tun
Edition Octopus, 2013
Mitten in einem Sommer werden die Pläne in die Tat umgesetzt. Der Möbelwagen steht vollgepackt vor der Tür des neu gebauten Hauses. Aber in diesem neuen Daheim ist noch etliches unfertig und so startet das Landleben mit dem Koordinieren, Antreiben, Beaufsichtigen und dem Bezahlen von verschiedenen Handwerkern. Die damalige Lage inklusive finanzieller Sorgen beschreibt der Autor rückblickend kurz und treffend mit den Worten (Zitat): „Wir waren jetzt im Gebirge und hier in ein betriebswirtschaftliches Tal geraten“. Und mit diesen Problemen ging der Sommer zu Ende und der Herbst zog ein.
Die Mängelliste mit einundvierzig Positionen wurde nach und nach kleiner und nicht alle Erlebnisse mit Baufachleuten waren so nervenaufreibend wie jene mit dem Maler, der den nicht gerade schmeichelhaften Übernahmen „Fritz die Pottsau“ erhalten hat. Ebenfalls unter Erfahrungen abgebucht werden können die Bekanntschaften mit den verschiedenen Arten von Fliegen: Stubenfliegen, Pferdefliegen, Dungfliegen, Dasselfliegen, Schwingfliegen und Schwebefliegen.
Und war der harmlose Gruss „Schönes Wochenende“ in der Stadt ein Synonym für Vergnügen, Erholung und Ruhe entwickelte er sich auf dem Land zu einer Androhung für die Erfüllung von unzähligen Pflichten wie Rasenmähen, Unkraut jäten, Rasenkanten stechen und düngen. Auch Holzhochstapeln will gelernt und vor allem zeitig vor dem ersten Schneefall erledigt sein. So verabschiedete sich der Autor mit seinem Umzug von der Stadt aufs Land ziemlich schnell von seinen Vorstellungen, die eher diffus und insbesondere überaus positiv waren – nämlich so ganz nach dem Motto „malerisches Landleben mit Grillzirpen“.
Bald stellte sich heraus, dass die Zeit, die in der Stadt immer und überall zu knapp bemessen war, auf dem Land zu kriechen schien. Die Entschleunigung war ein paar Takte zu rigoros. Und nicht jeder ist schliesslich dazu geschaffen, bei minus zwanzig Grad zum Bäcker zu stapfen, ohne dass dabei Gedanken aufkommen, was wohl um alles in der Welt Amundsen und Scott Richtung Südpol getrieben hat.
Hortikulturelles gibt es in diesem pointiert formulierten Buch wenig zu lesen. An einer Stelle wird von einem Gemeindeangestellten vom Bauhof berichtet, der mit einer Art Karussellauto schmalspurige Spuren in eine Saatfläche walzt und der Autor forscht über Dahlien nach, weil diese ab 2005 Mittelpunkt einer „Land-der-Ideen-Kampagne“ waren und erwähnt dabei kletternde Dahlien (gibt’s die wirklich?). Holger Schaeben schreibt auch wiederholt über die alle zehn Jahre stattfindende Grossveranstaltung „Passionsspiele“ in Oberammergau samt Hintergrund und verbindet diese mit einem hübschen Wortspiel zum Fazit seiner oberbayrischen Zeit (Zitat): „Für uns gab es keine Passionsfrüchte zu ernten“. Über zwischenmenschliche Beziehungen, Begegnungen, Bekanntschaften oder gar neue Freundschaften schweigt sich der Autor grossmehrheitlich aus, bedankt sich aber am Ende der Nachrichten bei ein paar Männern und Frauen fürs Kennenlernen.
Zum Abschluss dieser als unsachliches Sachbuch bezeichneten Nachrichtensammlung betont der Autor ausdrücklich, dass Oberammergau keine Schuld an den Enttäuschungen aufgrund falscher Erwartungen und Vorstellungen hat, was in den einzelnen Nachrichten zuweilen auch leicht anders interpretiert werden könnte. Immerhin war die Luft besser als im Rheinland.
Holger Schaeben:
Es ist ein hartes Leben in der Provinz – Aber einer musste es tun
Edition Octopus, 2013
9. Mai 2013
Beth Chatto und Christopher Lloyd: Dear Friend and Gardener – Ein Briefwechsel über das Leben, das Gärtnern und die Freundschaft
In den Jahren 1996 und 1997 haben die beiden bekannten englischen Gärtner und Gartenbuchautoren Beth Chatto (geboren 1923) und Christopher Lloyd (1921 – 2006) als Grundlage für dieses Buch einen regen Briefwechsel geführt, der nun nach fünfzehn Jahren auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Im Vorwort zur Originalausgabe von 1998 verrät Beth Chatto, dass sich die beiden dannzumal bereits seit rund zwanzig Jahre gekannt haben. Die Freundschaft zwischen den beiden basierte auf einer Meinungsverschiedenheit, die in einer Einladung zum Lunch nach „Great Dixter“ mündete, wo schliesslich viele gemeinsame Interessen und Wertvorstellungen entdeckt wurden. In der Folge blieb man mit gegenseitigen Besuchen und Telefonaten in Kontakt und nahm auch gemeinsam an Konferenzen auf anderen Erdteilen teil.
Christopher Lloyd wurde die Passion fürs Gärtnern bereits in die Wiege gelegt und er absolvierte ein Gartenbaustudium. Er lebte Zeit seines Lebens in einem historischen Erbe und gärtnerte in einem von Edwin Lutyens entworfenen Garten. Bekannt wurde er auch durch seine Tätigkeit als Gartenschriftsteller und Kolumnist. Im Briefwechsel erfährt man, dass er sich sehr diszipliniert dem Schreiben widmet, seine Texte selber tippt und auch ziemlich ungehemmt im Garten mit Gift hantiert bzw. spritzen lässt. Er mochte keine „kopierten“ Gärten ohne eigene Inspirationen und Ideen, und er war bekannt für seine exotischen, oft gewagten (Farb-)Kompositionen. Ausserdem schätzte er den Kontakt, insbesondere auch mit jüngeren Leuten und er war ein ausserordentlich grosszügiger Gastgeber. Er war ziemlich direkt und konnte schon mal die Leute vor den Kopf stossen. Sehr verständlich ist sein Ärger über Gartenbesucher, die uneingeladen ins Haus platzen und dort ohne Hemmungen in privaten Dingen wühlen.
Beth Chatto ihrerseits verfügt über keine gärtnerische Grundausbildung, hatte aber im Künstler und Gärtner Cedric Morris einen ausgewiesenen hortikulturellen Mentor. Ihren Garten in Elmstead Market hat sie von Grund auf selbst angelegt und gestaltet und wurde dabei durch die lokalen Boden- und Witterungsverhältnisse zum Experimentieren gezwunden. Nach wie vor macht sie sich nachts oft Sorgen um ihre Pflanzen, wenn stürmische Winde durch den Garten fegen. Ihr Kies- und ihr Sumpfgarten, aber auch ihre Bücher darüber sind schon lange weit über die englischen Grenzen hinaus bekannt. Ihr Hauptinteresse gilt der Wirkung von Blattformen und Strukturen, während Blüten erst zweitrangig sind und sie gärtnert ökologisch. Bei der Anlage des Gartens konnte sie sich nicht vorstellen, dass dieser jemals von Gartenliebhabern besucht werden könnte und sie hat deshalb auch keine besonderen Vorkehrungen für Wege eingeplant. Dafür bewundert sie umso mehr die Weitsicht von Edwin Lutyens, der auf „Great Dixter“ seinerzeit ein ausgeklügeltes Wegnetz geplant hat, das sich harmonisch in die Anlage einfügt. Zum Schreiben von Briefen und Texten muss sie sich oft aufraffen und ihre handschriftlichen Notizen werden von einer Sekretärin abgetippt.
Die Meinungen zwischen den beiden Gärtnern gehen immer wieder auseinander, etwa auch in der Ansicht, ob der berühmte Kiesgarten nun pflegeleicht ist oder nicht. Ganz offensichtlich sehr aufwendig ist das Herausnehmen der frostempfindlichen Pflanzen aus den Beeten in „Great Dixter“ vor dem Wintereinbruch. In der Korrespondenz kommen aber auch viele Gemeinsamkeiten aufs Tapet und man liest, dass auch grosse Gärtner zuweilen Fehlentscheidungen treffen. Immer wieder trifft man lesend auf bekannte Namen aus der englischen, aber auch der deutschen Gartenszene (Frank Ronan, Alan Bloom, Ewald Hügin, verschiedene Personen aus der Staudengärtnerei Gräfin Zeppelin). Beide kochen gerne und schätzen eine gute Küche mit frischen Produkten aus dem eigenen Garten. Sie besuchten auch gerne und wiederholt gemeinsam Konzerte.
Beth Chatto war zur Zeit dieses Briefwechsels wegen ihrem schwer kranken Mann Andrew ans Haus gebunden und vermisste deshalb zuweilen das Reisen und die Impulse aus fremden Gärten. In ihren Briefen erfährt man auch von ihren Gedanken, die sie sich über die Zukunft von grossen komplexen Gärten macht. Mit Billiglöhnen und einem Manager ohne Herz für die Anlage funktioniert der Unterhalt wohl eher nicht. Sie träumt aber auch von einem Gen, das unschöne Überbleibsel von verblühten Blüten selbständig sauber ablöst.
Aus der Lektüre geht hervor, dass der Frühling im Jahr 1996 wie dieses Jahr recht lange auf sich warten liess. Das Wetter ist allgemein regelmässig Thema in den Briefen und die unterschiedlichen Regenmengen in Elmstead Market und „Great Dixter“ werden laufend miteinander verglichen. Fotos aus den beiden Gärten und ein separates Pflanzen- sowie ein Personen- und Sachregister runden diese faszinierende Publikation für alle Garten- und Gartenbuchliebhaber ab.
Beth Chatto und Christopher Lloyd:
Dear Friend and Gardener – Ein Briefwechsel über das Leben, das Gärtnern und die Freundschaft Deutsche Verlags-Anstalt, 2013
Christopher Lloyd wurde die Passion fürs Gärtnern bereits in die Wiege gelegt und er absolvierte ein Gartenbaustudium. Er lebte Zeit seines Lebens in einem historischen Erbe und gärtnerte in einem von Edwin Lutyens entworfenen Garten. Bekannt wurde er auch durch seine Tätigkeit als Gartenschriftsteller und Kolumnist. Im Briefwechsel erfährt man, dass er sich sehr diszipliniert dem Schreiben widmet, seine Texte selber tippt und auch ziemlich ungehemmt im Garten mit Gift hantiert bzw. spritzen lässt. Er mochte keine „kopierten“ Gärten ohne eigene Inspirationen und Ideen, und er war bekannt für seine exotischen, oft gewagten (Farb-)Kompositionen. Ausserdem schätzte er den Kontakt, insbesondere auch mit jüngeren Leuten und er war ein ausserordentlich grosszügiger Gastgeber. Er war ziemlich direkt und konnte schon mal die Leute vor den Kopf stossen. Sehr verständlich ist sein Ärger über Gartenbesucher, die uneingeladen ins Haus platzen und dort ohne Hemmungen in privaten Dingen wühlen.
Beth Chatto ihrerseits verfügt über keine gärtnerische Grundausbildung, hatte aber im Künstler und Gärtner Cedric Morris einen ausgewiesenen hortikulturellen Mentor. Ihren Garten in Elmstead Market hat sie von Grund auf selbst angelegt und gestaltet und wurde dabei durch die lokalen Boden- und Witterungsverhältnisse zum Experimentieren gezwunden. Nach wie vor macht sie sich nachts oft Sorgen um ihre Pflanzen, wenn stürmische Winde durch den Garten fegen. Ihr Kies- und ihr Sumpfgarten, aber auch ihre Bücher darüber sind schon lange weit über die englischen Grenzen hinaus bekannt. Ihr Hauptinteresse gilt der Wirkung von Blattformen und Strukturen, während Blüten erst zweitrangig sind und sie gärtnert ökologisch. Bei der Anlage des Gartens konnte sie sich nicht vorstellen, dass dieser jemals von Gartenliebhabern besucht werden könnte und sie hat deshalb auch keine besonderen Vorkehrungen für Wege eingeplant. Dafür bewundert sie umso mehr die Weitsicht von Edwin Lutyens, der auf „Great Dixter“ seinerzeit ein ausgeklügeltes Wegnetz geplant hat, das sich harmonisch in die Anlage einfügt. Zum Schreiben von Briefen und Texten muss sie sich oft aufraffen und ihre handschriftlichen Notizen werden von einer Sekretärin abgetippt.
Die Meinungen zwischen den beiden Gärtnern gehen immer wieder auseinander, etwa auch in der Ansicht, ob der berühmte Kiesgarten nun pflegeleicht ist oder nicht. Ganz offensichtlich sehr aufwendig ist das Herausnehmen der frostempfindlichen Pflanzen aus den Beeten in „Great Dixter“ vor dem Wintereinbruch. In der Korrespondenz kommen aber auch viele Gemeinsamkeiten aufs Tapet und man liest, dass auch grosse Gärtner zuweilen Fehlentscheidungen treffen. Immer wieder trifft man lesend auf bekannte Namen aus der englischen, aber auch der deutschen Gartenszene (Frank Ronan, Alan Bloom, Ewald Hügin, verschiedene Personen aus der Staudengärtnerei Gräfin Zeppelin). Beide kochen gerne und schätzen eine gute Küche mit frischen Produkten aus dem eigenen Garten. Sie besuchten auch gerne und wiederholt gemeinsam Konzerte.
Beth Chatto war zur Zeit dieses Briefwechsels wegen ihrem schwer kranken Mann Andrew ans Haus gebunden und vermisste deshalb zuweilen das Reisen und die Impulse aus fremden Gärten. In ihren Briefen erfährt man auch von ihren Gedanken, die sie sich über die Zukunft von grossen komplexen Gärten macht. Mit Billiglöhnen und einem Manager ohne Herz für die Anlage funktioniert der Unterhalt wohl eher nicht. Sie träumt aber auch von einem Gen, das unschöne Überbleibsel von verblühten Blüten selbständig sauber ablöst.
Aus der Lektüre geht hervor, dass der Frühling im Jahr 1996 wie dieses Jahr recht lange auf sich warten liess. Das Wetter ist allgemein regelmässig Thema in den Briefen und die unterschiedlichen Regenmengen in Elmstead Market und „Great Dixter“ werden laufend miteinander verglichen. Fotos aus den beiden Gärten und ein separates Pflanzen- sowie ein Personen- und Sachregister runden diese faszinierende Publikation für alle Garten- und Gartenbuchliebhaber ab.
Beth Chatto und Christopher Lloyd:
Dear Friend and Gardener – Ein Briefwechsel über das Leben, das Gärtnern und die Freundschaft Deutsche Verlags-Anstalt, 2013
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