Nach ihren beiden früher erschienen Büchern "Das Gemüsebuch" und "Wintergemüse" hat Karen Meyer-Rebentisch nun mit einer Publikation über den Obstgarten die logische Ergänzung veröffentlicht. Mit Obst werden die Früchte und Samen mehrjähriger Bäume und Sträucher bezeichnet, die roh verzehrt werden können. Zu diesen pflanzlichen Lebensmitteln gehören neben dem im Buch behandelten Kern-, Stein- und Beerenobst auch exotische Früchte und Schalenobst wie Nüsse und Mandeln.
Immer mehr Konsumenten geben sich nicht mehr mit dem stark eingeschränkten Supermarkt-Allerlei zufrieden und legen Wert auf eine vielfältige und schmackhafte Obsternte. Sie schätzen die Abwechslung und sind auch bereit, sich dafür zu engagieren, sprich zu gärtnern. Und belohnt für ihre Tatkraft wird nicht nur der Gaumen nach der Ernte, sondern auch das Auge im Frühling, wenn die Bienenweiden um die Wette blühen.
Da die Gärten tendenziell immer kleiner werden, lohnt es sich, vor dem Pflanzen genau zu überlegen, welche Obstspflanzen angeschafft werden sollen. Mit einer gut durchdachten Sortenauswahl kann nämlich der Eigenbedarf an Obst - mit Konservierung – während einem grossen Teil des Jahres gedeckt werden. Selbst auf einer verhältnismässig kleinen Fläche von beispielsweise hundertfünfzig Quadratmetern lassen sich mit geschickter Planung und unter Einbezug von Hauswänden und Grundstückgrenzen etliche Pflanzen unterbringen. Die Autorin weist hier auf Spaliere und Mehrsortengehölze hin.
Neben kulturgeschichtlichen Informationen und Rezepten vermittelt Karen Meyer-Rebentisch in diesem Buch Wissenswertes zu den jeweiligen Obstsarten und hat auch gleich die meisten Fotografien selber beigesteuert. In der bereits bewährten Struktur der Gemüsebücher werden auch hier die Portraits gegliedert nach „Im Garten“, „Sorten“, „Ernten und Lagern“, „In der Küche“ und eben „Rezeptideen“. Von Menschen und ihren speziellen Beziehungen zu Obst handeln die Reportagen, welche zwischen den Obstportraits eingebettet sind.
Während um 1900 weltweit rund 20‘000 Apfelsorten kultiviert wurden, sind es heute nach der Industrialisierung des Obstbaus noch wenige Dutzend. Mit dieser vom Erwerbsgartenbau diktierten Veränderung ging gleichzeitig ein Wandel der Geschmacksgewohnheiten einher. Erreichten viele früher beliebte Apfelsorten ihre Genussreife erst nach Lagerung und mit einer damit verbundenen Mürbigkeit, sind heutzutage knackige Äpfel rund ums Jahr verfügbar und weiche Äpfel wenig gefragt.
Für eine grosse Obstvielfalt engagiert sich der Pomologe Jan Bade, der in der ersten von sechs Reportagen zu Wort kommt. Sein Fachwissen gibt er unter anderem in Schnittkursen weiter und setzt sich unermüdlich ein für das Biotop Streuobstwiese und für das Pflanzen und Erhalten von regional angepassten Sorten, die mit wenig oder ganz ohne Chemie auskommen. Der Tischlermeister Jens Meyer steht mit der gleichen Leidenschaft für seine Obstbäume ein. Er veredelt quasi am laufenden Band Apfel- und Birnensorten und erzählt von Zeiten, in denen die Birne teilweise bedeutender war als der Apfel.
Ein Arbeitsplatz in einem schlecht isolierten Gebäude, aus welchem die Wärme nach draussen dringt, führte einen Professor und Hobbywinzer auf die Idee, einen Weinberg auf einem Uni-Campus anzulegen. Nach Überwindung von etlichen bürokratischen Hindernissen, kann er mittlerweile kübelweise Trauben ernten – sofern er schnell genug ist und die über die Pflanzen gespannte blauen Netze ihren Zweck erfüllen und Langfinger und Vögel vom gleichen Vorhaben abhalten.
Rund ein Viertel der Buchseiten werden von den Kernobstarten Apfel, Birne und Quitte eingenommen, aber auch weniger gängige essbare Nutzpflanzen wie Mispel (Mespilus germanica), Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) werden vorgestellt. Zu den Portraits gehören Hinweise auf bewährte Sorten (nicht immer bebildert) mit Angaben über die jeweiligen Vor- und Nachteile und allfällige Anfälligkeit auf Krankheiten. Das Buch gibt Einsteigern einen breit gefächerten Überblick in die verschiedenen in unseren Breitengraden gut gedeihenden Obstspflanzen. Die Sortenempfehlungen sind aus Platzgründen eingeschränkt. Wer sich vertiefter mit dem Thema auseinandersetzen will, findet im Anhang der Publikation eine Literaturliste für weitergehende Informationen und Hinweise zu informativen Webseiten und Links.
Und wer keine Gelegenheit hat, sich eigenhändig als Obstgärtner zu betätigen, aber trotzdem gerne selber Obst ernten möchte, dem sei die Webseite www.mundraub.org empfohlen, auf der über frei zugängliche Obststandorte informiert wird.
Während ich diese Zeilen schreibe, blüht gerade unser Mispelbaum; teilweise immer noch behängt mit der vertrockneten letztjährigen Ernte, die wegen des milden Winters von den Vögeln weitgehend verschmäht worden und auch nicht abgefallen ist. Die problemlos erreichbaren Früchte habe ich im März abgelesen. In anderen Jahren ist für das Wegräumen der Mispeln üblicherweise mehr „Bückarbeit“ angesagt, weil die nicht geernteten Früchte auf den Boden fallen. Tatsächlich mag ich Mispeln nicht essen, aber mir gefällt die Wuchsform des Baumes und die Früchte sind wenn sie mir auch nicht schmecken, sehr hübsch anzuschauen. Da mein Mann früher im Herbst von seinem Arbeitsweg oft Mispeln nach Hause gebracht hat und sie für ihn mit Jugenderinnerungen verbunden sind, habe ich vor Jahren einen solchen Baum gepflanzt. Nicht ahnend, dass Früchte aus dem eigenen Garten nicht so faszinierend zu sein scheinen, wie wild wachsende… Vielleicht hätte ich doch besser einen Apfelbaum gepflanzt? Die appetitlichen Bilder von reifen Äpfeln und ihrer Verwertung in der Küche machen jedenfalls den Mund wässrig.
PS: Meinen Mispelbaum werde ich nicht auf der oben erwähten Internetseite zur freien Ernte ausschreiben und auch kein Schild am Zaun aufhängen, wie das in der Nachbarschaft praktiziert wird. Lieber lasse ich die Früchte am Baum vertrocknen, als mich über einen zetrampelten Cyclamenteppich zu ärgern. Die Baumscheibe erblüht nämlich über mehrere Monate im Jahr mit Cyclamen coum und hederifolium.
Karen Meyer-Rebentisch:
Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
BLV Buchverlag, 2014
11. Mai 2014
6. Mai 2014
Holly Goldberg Sloan: Counting by 7s
Die zwölfjährige Willow lebt mit ihren Eltern ein zurückgezogenes Leben. Die drei genügen sich selber. Es werden keine Freundschaften gepflegt und Verwandte gibt es mit Ausnahme einer dementen Grossmutter auch nicht. Willow ist adoptiert, aber obwohl sie überaus intelligent ist, gilt sie nicht als gute Schülerin. Ihr Verhalten und ihre Interessen zeigen fast keine Übereinstimmung mit demjenigen von Gleichaltrigen und sie gilt als Sonderling.
Willows Zimmer beeindruckt durch mit Bücher vollgestopfte Regale und auf ihrem Schreibtisch steht neben dem Computer ein Mikroskop. Drei Obsessionen beschäftigen sie stark: Die Zahl Sieben, Krankheiten und Pflanzen. Oft sitzt sie im Einkaufszentrum und stellt den Vorübergehenden im Geheimen medizinische Diagnosen oder sie studiert ihr Gegenüber und verspürt den dringenden Wunsch, diesem den Blutdruck zu messen oder eine Creme gegen Psoriasis zu empfehlen. Immer wieder gibt sich auch Ratschläge, wie jenen an den Taxifahrer Jairo Hernandez, dem sie empfiehlt, nie jemanden wissen zu lassen, dass er glaubt, etwas nicht tun zu können. Das Mädchen selber sieht sich als Pflanzenrarität. Ihr Garten, den sie rund um das Elternhaus angelegt hat, gleicht mit Bambus, Zitrusbäumen, Stauden und Gemüse einem Dschungel – und das in einer Gegend, in der es zweihundert Tage im Jahr nicht regnet.
Eben hat Willow die Schule gewechselt und versucht, sich dort zu integrieren. Um eine ältere Schülerin namens Mai zu beeindrucken, beginnt sie sogar, Vietnamesisch zu lernen. Weil sich Willow bei einer Prüfung mehr Mühe als üblich gibt und alle Ergebnisse richtig sind, wird sie zur Abklärung zum schulischen Berater geschickt. Dieser Dell Duke soll herausfinden, wie Willow gemogelt hat. Duke ist selber ein Aussenseiter. Die ihm anvertrauten schwierigen Kinder klassiert er in selber definierte Kategorien, stellt aber sehr schnell fest, dass Willow in keines seiner Raster passt.
Als Dell Duke eines Nachmittags entgegen den Vorschriften mit Willow, Mai und deren jüngerem Bruder Quang-ha im Auto unterwegs ist und Willow nach Hause bringt, steht ein Polizeiauto vor dem Haus. Willows Eltern Roberta und Jimmy sind beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das zwölfjährige Mädchen steht zum zweiten Mal in seinem noch jungen Leben ohne Mutter und Vater da. Spontan lügt Mai und behauptet, ihre und Willows Familien seien seit Jahren eng befreundet und so kann das verwaiste Mädchen provisorisch bei Mais Familie einziehen.
Mai, Quang-ha und ihre Mutter Pattie Nguyen leben vom bescheidenen Einkommen aus einem Nagelstudio und ausserordentlich beengt in einer Garage. Trotzdem wird Willow sehr herzlich aufgenommen und nur Mais Bruder hat Vorbehalte. Die regelmässigen Kontrollen der Behörden verlangen Flexibilität von allen Beteiligten und kurzerhand zieht die zusammengewürfelte neue Familie in die Wohnung von Dell Duke ein, der sich im gleichen Wohnkomplex ein Zimmer nehmen muss.
Der Tod von Willows Eltern verändert nicht nur das Leben der Adoptivtochter. Willow möchte niemanden belasten und versucht, sich möglichst unsichtbar zu machen. Die Siebner-Reihe ist nicht mehr aktuell und die Ich-Erzählerin trennt ihr Leben in ein altes Ich und ein neues Ich. Doch nicht nur Willow macht grosse Veränderungen durch. Teilweise auch unbewusst ist sie mitverantwortlich für einen Einschnitt und Neubeginn im Leben und Verhalten ihrer Mitbewohner, insbesondere demjenigen von Dell Duke, der sich zu einem verantwortungsbewussten Kümmerer mausert.
„Endings are always the beginnings of something else“ - Irgendwann beginnt Willow wieder etwas Hoffnung zu schöpfen und vertraut darauf, dass sie wie ein Baum ist, der nach einem Feuer die Kraft findet, einen grünen Spross ans Licht zu schicken. Sie findet in der Steinwüste rund um ihren neuen Wohnort „Gardens of Glenwood“ eine Herausforderung, die sie zum Blühen bringen will und die dem aktuell sehr unpassenden Namen Ehre machen soll. „Fantasia“, „Del Sol“, „Vanilla Ice“, „Honey Bears“, „Strawberry Blondes“ und „Chianti Hybrids“ – verschiedene Samenpäckchen von Sonnenblumen markieren den Beginn von Willows neuem Lebensweg.
Eine sehr berührende Erzählung über Freundschaft, Zusammenhalt, Akzeptanz und die Tatsache, dass Familie nicht gleichbedeutend mit Blutsverwandtschaft sein muss. Und am Ende der Lektüre entlässt man Willow mit viel Zuversicht auf ihren zukünftigen Lebensweg.
Holly Goldberg Sloan:
Counting by 7s
Dial Books, 2013
Willows Zimmer beeindruckt durch mit Bücher vollgestopfte Regale und auf ihrem Schreibtisch steht neben dem Computer ein Mikroskop. Drei Obsessionen beschäftigen sie stark: Die Zahl Sieben, Krankheiten und Pflanzen. Oft sitzt sie im Einkaufszentrum und stellt den Vorübergehenden im Geheimen medizinische Diagnosen oder sie studiert ihr Gegenüber und verspürt den dringenden Wunsch, diesem den Blutdruck zu messen oder eine Creme gegen Psoriasis zu empfehlen. Immer wieder gibt sich auch Ratschläge, wie jenen an den Taxifahrer Jairo Hernandez, dem sie empfiehlt, nie jemanden wissen zu lassen, dass er glaubt, etwas nicht tun zu können. Das Mädchen selber sieht sich als Pflanzenrarität. Ihr Garten, den sie rund um das Elternhaus angelegt hat, gleicht mit Bambus, Zitrusbäumen, Stauden und Gemüse einem Dschungel – und das in einer Gegend, in der es zweihundert Tage im Jahr nicht regnet.
Eben hat Willow die Schule gewechselt und versucht, sich dort zu integrieren. Um eine ältere Schülerin namens Mai zu beeindrucken, beginnt sie sogar, Vietnamesisch zu lernen. Weil sich Willow bei einer Prüfung mehr Mühe als üblich gibt und alle Ergebnisse richtig sind, wird sie zur Abklärung zum schulischen Berater geschickt. Dieser Dell Duke soll herausfinden, wie Willow gemogelt hat. Duke ist selber ein Aussenseiter. Die ihm anvertrauten schwierigen Kinder klassiert er in selber definierte Kategorien, stellt aber sehr schnell fest, dass Willow in keines seiner Raster passt.
Als Dell Duke eines Nachmittags entgegen den Vorschriften mit Willow, Mai und deren jüngerem Bruder Quang-ha im Auto unterwegs ist und Willow nach Hause bringt, steht ein Polizeiauto vor dem Haus. Willows Eltern Roberta und Jimmy sind beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das zwölfjährige Mädchen steht zum zweiten Mal in seinem noch jungen Leben ohne Mutter und Vater da. Spontan lügt Mai und behauptet, ihre und Willows Familien seien seit Jahren eng befreundet und so kann das verwaiste Mädchen provisorisch bei Mais Familie einziehen.
Mai, Quang-ha und ihre Mutter Pattie Nguyen leben vom bescheidenen Einkommen aus einem Nagelstudio und ausserordentlich beengt in einer Garage. Trotzdem wird Willow sehr herzlich aufgenommen und nur Mais Bruder hat Vorbehalte. Die regelmässigen Kontrollen der Behörden verlangen Flexibilität von allen Beteiligten und kurzerhand zieht die zusammengewürfelte neue Familie in die Wohnung von Dell Duke ein, der sich im gleichen Wohnkomplex ein Zimmer nehmen muss.
Der Tod von Willows Eltern verändert nicht nur das Leben der Adoptivtochter. Willow möchte niemanden belasten und versucht, sich möglichst unsichtbar zu machen. Die Siebner-Reihe ist nicht mehr aktuell und die Ich-Erzählerin trennt ihr Leben in ein altes Ich und ein neues Ich. Doch nicht nur Willow macht grosse Veränderungen durch. Teilweise auch unbewusst ist sie mitverantwortlich für einen Einschnitt und Neubeginn im Leben und Verhalten ihrer Mitbewohner, insbesondere demjenigen von Dell Duke, der sich zu einem verantwortungsbewussten Kümmerer mausert.
„Endings are always the beginnings of something else“ - Irgendwann beginnt Willow wieder etwas Hoffnung zu schöpfen und vertraut darauf, dass sie wie ein Baum ist, der nach einem Feuer die Kraft findet, einen grünen Spross ans Licht zu schicken. Sie findet in der Steinwüste rund um ihren neuen Wohnort „Gardens of Glenwood“ eine Herausforderung, die sie zum Blühen bringen will und die dem aktuell sehr unpassenden Namen Ehre machen soll. „Fantasia“, „Del Sol“, „Vanilla Ice“, „Honey Bears“, „Strawberry Blondes“ und „Chianti Hybrids“ – verschiedene Samenpäckchen von Sonnenblumen markieren den Beginn von Willows neuem Lebensweg.
Eine sehr berührende Erzählung über Freundschaft, Zusammenhalt, Akzeptanz und die Tatsache, dass Familie nicht gleichbedeutend mit Blutsverwandtschaft sein muss. Und am Ende der Lektüre entlässt man Willow mit viel Zuversicht auf ihren zukünftigen Lebensweg.
Holly Goldberg Sloan:
Counting by 7s
Dial Books, 2013
1. Mai 2014
Dominique Ghiggi: Baumschule – Kultivierung des Stadtdschungels
Als private Hobbygärtnerin habe ich wenig direkten Kontakt zu Baumschulen. Meine eigenen Berührungspunkte in der näheren Vergangenheit beschränken sich auf das regelmässige Vorbeiwalken an einer kleinen Baumschule im Nachbardorf, den noch nicht lange zurückliegenden Direktkauf von verschiedenen Eiben in einer Baumschule sowie das Buchgoogeln nach dem Stichwort „Baumschule“, das zum interessanten Buch "Exerzierplatz" von Siegfried Lenz geführt hat. Und schon im Vorwort der hier vorzustellenden Publikation lese ich die Bestätigung für meinen Eindruck. Denn dort führt Günther Vogt aus, dass im Zusammenhang von Verbindungen zwischen Mensch und Pflanzen Baumschulen tatsächlich oft vergessen gehen.
Nach Vorwort und Einleitung folgen geordnet in die folgenden Kapitel die einzelnen Essays:
- Kartografie des Waldes: Wildnis und Kultur
- Jäger und Sammler: Neugier und Ambition
- Werkstätte: Fabrikation und Ästhetik
- Sahel Vert: Migration und Refugium
- Better City: Städtebau und Zukunft
Nach dem ersten Durchblättern des grossformatigen Buches erwartete ich eine eher trockene Lektüre. Schnell habe ich dann aber festgestellt, dass es dem nicht so ist und auch der wissensdurstige Laiengärtner auf seine Kosten kommt. Der Leser erfährt beispielsweise, dass in Europa seit etwa fünfhundert Jahren Baumschulen existieren, während auf anderen Kontinenten die Baumproduktion und der Baumhandel schon viel länger praktiziert werden; in China etwa seit rund 4000 Jahren. Einen Aufschwung erfuhren die europäischen Baumschulen im 19. Jahrhundert parallel mit den Expeditionen und Einfuhren von Pflanzenentdeckungen durch die erfolgreichen Jäger des grünen Goldes. Thematisiert wird auch die aus heutiger Sicht zuweilen verwerflich erscheinende oft zügellose Sammeltätigkeit der Pflanzenjäger, die sich noch an keinerlei Naturschutzabkommen zu halten hatten.
Unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Erwartungen prägen die Sortimente der Baumschulen. Während für die Strassenbepflanzung genormtes Grün gefragt ist, sollen Ziergehölze für Parks eindrucksvolle Silhouetten aufweisen. In einem der Essays wird detailliert die Bepflanzung der Masoala-Halle im Zoo Zürich geschildert – vom Inventar und Einkauf der Bäume im Ursprungsland über die Verladung der Gehölze in Container, die Verschiffung nach Rotterdam, die Akklimatisierung in Baumschulen in den Niederlanden und Belgien bis zum Weitertransport nach Zürich und der Einpflanzung am Bestimmungsort. Mit „Scent Seeker – Reisetagebuch eines Duftforschers“ ist der Bericht über die Suche nach Duftpflanzen auf und über den Baumwipfeln von Französisch Guyana überschrieben. Als Tranportmittel diente hier ein zeppelinartiger Heissluftballon mit Dieselmotor.
Ferner erhält der Leser Einblick in die Geschichte des Baumzuchtgebiets Boskoop in Holland. Der Name steht nämlich nicht nur für eine bekannte Apfelsorte, sondern in erster Linie für das dichteste Baumschulzentrum in Europa, wo seit fünfhundert Jahren junge Gehölze geschult werden und heutzutage viele der spezialisierten Familienbetriebe mit Nachfolgeproblemen kämpfen. Für viele Tätigkeiten stehen zwar inzwischen kraftsparende Maschinen zur Verfügung, aber trotzdem ist die mehrfache Verpflanzung von Forstpflanzen nach wie vor mit viel Handarbeit verbunden.
Andere Artikel beschäftigen sich mit der Rhododendronmanie, der Waldnutzung, der Geschichte der Phaleonopsis von der teuren Orchideenrarität zur Massen- und Wegwerfpflanze und einem Bankschliessfach für Pflanzensamen in der Arktis sowie einem Relief der Urschweiz, dem ersten Geländemodell aufgrund Triangulation und barometrischen Höhenmessungen mit unterscheidbaren Nadel- und Laubbäumen. Die Vorteile und Probleme rund um die urbane Landwirtschaft werden an einem Beispiel in Tansania aufgezeigt - grüne Lungen in der Stadt verbessern die Luft, werden aber immer mehr an den Stadtrand verdrängt, weil das entsprechende Land für Immobilien benötigt wird - mit der Folge, dass sich die Luftqualität für die Einwohner verschlechtert.
Zwischen ehemaligen Industriegebieten und Baumschulen existieren diverse Gemeinsamkeiten. An beiden Orten wurde der Boden von Menschen über längere Zeit stark verändert und oft nicht nur verdichtet, sondern auch mit als Sonderabfall zu klassifizierenden Stoffen kontaminiert. Für (gesäuberte) städtische Brachen wird die Idee verfolgt, Baumschulen den Platz zur vorübergehenden Nutzung zur Verfügung zu stellen. Wenn die Areale später einem neuen Zweck zugeführt werden, kann ein Teil des Bedarfes an Bäumen aus direkter Nähe gedeckt werden.
Im Anhang der überaus informativen Lektüre finden sich Kurzportraits mit Fotos und wichtigen Eckdaten aus den Lebensläufen der Autoren und Akteure, die an dieser Publikation mitgewirkt haben. Verschiedene der teilweise recht dunkel gewählten Texthintergründe und die bei Legenden sehr klein gewählten Schriftarten sind dem Lesegenuss leider etwas abträglich. Das Buch ist übrigens auch in einer englischen Ausgabe erhältlich.
Dominique Ghiggi:
Baumschule - Kultivierung des Stadtdschungels
Lars Müller Publishers, 2010
Nach Vorwort und Einleitung folgen geordnet in die folgenden Kapitel die einzelnen Essays:
- Kartografie des Waldes: Wildnis und Kultur
- Jäger und Sammler: Neugier und Ambition
- Werkstätte: Fabrikation und Ästhetik
- Sahel Vert: Migration und Refugium
- Better City: Städtebau und Zukunft
Nach dem ersten Durchblättern des grossformatigen Buches erwartete ich eine eher trockene Lektüre. Schnell habe ich dann aber festgestellt, dass es dem nicht so ist und auch der wissensdurstige Laiengärtner auf seine Kosten kommt. Der Leser erfährt beispielsweise, dass in Europa seit etwa fünfhundert Jahren Baumschulen existieren, während auf anderen Kontinenten die Baumproduktion und der Baumhandel schon viel länger praktiziert werden; in China etwa seit rund 4000 Jahren. Einen Aufschwung erfuhren die europäischen Baumschulen im 19. Jahrhundert parallel mit den Expeditionen und Einfuhren von Pflanzenentdeckungen durch die erfolgreichen Jäger des grünen Goldes. Thematisiert wird auch die aus heutiger Sicht zuweilen verwerflich erscheinende oft zügellose Sammeltätigkeit der Pflanzenjäger, die sich noch an keinerlei Naturschutzabkommen zu halten hatten.
Unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Erwartungen prägen die Sortimente der Baumschulen. Während für die Strassenbepflanzung genormtes Grün gefragt ist, sollen Ziergehölze für Parks eindrucksvolle Silhouetten aufweisen. In einem der Essays wird detailliert die Bepflanzung der Masoala-Halle im Zoo Zürich geschildert – vom Inventar und Einkauf der Bäume im Ursprungsland über die Verladung der Gehölze in Container, die Verschiffung nach Rotterdam, die Akklimatisierung in Baumschulen in den Niederlanden und Belgien bis zum Weitertransport nach Zürich und der Einpflanzung am Bestimmungsort. Mit „Scent Seeker – Reisetagebuch eines Duftforschers“ ist der Bericht über die Suche nach Duftpflanzen auf und über den Baumwipfeln von Französisch Guyana überschrieben. Als Tranportmittel diente hier ein zeppelinartiger Heissluftballon mit Dieselmotor.
Ferner erhält der Leser Einblick in die Geschichte des Baumzuchtgebiets Boskoop in Holland. Der Name steht nämlich nicht nur für eine bekannte Apfelsorte, sondern in erster Linie für das dichteste Baumschulzentrum in Europa, wo seit fünfhundert Jahren junge Gehölze geschult werden und heutzutage viele der spezialisierten Familienbetriebe mit Nachfolgeproblemen kämpfen. Für viele Tätigkeiten stehen zwar inzwischen kraftsparende Maschinen zur Verfügung, aber trotzdem ist die mehrfache Verpflanzung von Forstpflanzen nach wie vor mit viel Handarbeit verbunden.
Andere Artikel beschäftigen sich mit der Rhododendronmanie, der Waldnutzung, der Geschichte der Phaleonopsis von der teuren Orchideenrarität zur Massen- und Wegwerfpflanze und einem Bankschliessfach für Pflanzensamen in der Arktis sowie einem Relief der Urschweiz, dem ersten Geländemodell aufgrund Triangulation und barometrischen Höhenmessungen mit unterscheidbaren Nadel- und Laubbäumen. Die Vorteile und Probleme rund um die urbane Landwirtschaft werden an einem Beispiel in Tansania aufgezeigt - grüne Lungen in der Stadt verbessern die Luft, werden aber immer mehr an den Stadtrand verdrängt, weil das entsprechende Land für Immobilien benötigt wird - mit der Folge, dass sich die Luftqualität für die Einwohner verschlechtert.
Zwischen ehemaligen Industriegebieten und Baumschulen existieren diverse Gemeinsamkeiten. An beiden Orten wurde der Boden von Menschen über längere Zeit stark verändert und oft nicht nur verdichtet, sondern auch mit als Sonderabfall zu klassifizierenden Stoffen kontaminiert. Für (gesäuberte) städtische Brachen wird die Idee verfolgt, Baumschulen den Platz zur vorübergehenden Nutzung zur Verfügung zu stellen. Wenn die Areale später einem neuen Zweck zugeführt werden, kann ein Teil des Bedarfes an Bäumen aus direkter Nähe gedeckt werden.
Im Anhang der überaus informativen Lektüre finden sich Kurzportraits mit Fotos und wichtigen Eckdaten aus den Lebensläufen der Autoren und Akteure, die an dieser Publikation mitgewirkt haben. Verschiedene der teilweise recht dunkel gewählten Texthintergründe und die bei Legenden sehr klein gewählten Schriftarten sind dem Lesegenuss leider etwas abträglich. Das Buch ist übrigens auch in einer englischen Ausgabe erhältlich.
Dominique Ghiggi:
Baumschule - Kultivierung des Stadtdschungels
Lars Müller Publishers, 2010
28. April 2014
Zuletzt ausgelesen: Sarah Addison Allen – Das Wunder des Pfirsichgartens
In Walls of Water in North Carolina führt die dreissigjährige Willa ein Outdoorgeschäft mit Ökokleidung samt integriertem Kaffeeshop. Als Jugendliche hat sie anonym mit legendären Streichen für Aufregung gesorgt und als unbekannter „Joker“ Aufmerksamkeit und Bewunderung hervorgerufen. Gleichzeitig hat sie damit unabsichtlich die Lebenswege von ehemaligen Schulkameraden beeinflusst. Ihr eigenes Leben ist dagegen recht eintönig. Nun steht die Jubiläumsfeier des örtlichen Frauenclubs bevor, die etwas Ablenkung verspricht - doch Willa will der Veranstaltung fernbleiben.
Da wird bei Arbeiten im Garten eines Anwesens, das früher Willas Familie gehört hat, eine Leiche entdeckt. Dieser Fund und die Tatsache, dass sie plötzlich intensiven Kontakt zu den Zwillingsgeschwistern Osgood, nämlich dem Gartenarchitekt Colin und seiner Schwester Paxton hat, bringen ihr Leben richtig durcheinander. Nicht nur die Gegenwart verbindet die drei, sondern auch ein Geheimnis ihrer Grossmütter, das über 70 Jahre zurückliegt.
Die Autorin streut in ihre Bücher immer wieder Übersinnliches ein. In diesem Roman sind es verrückte Vögel und merkwürdig süssliche Gerüche. Hortikulturell gibt es wenig anzumerken. Die Pfirsichbaumentfernung, welche die oben erwähnte Leiche ans Tageslicht bringt, gibt insofern Rätsel auf, als das örtliche Klima und die Lage überhaupt nicht für einen solchen Baum geeignet sind. Es stellt sich dann heraus, dass der Tote aus einer Familie von Pfirsichpflanzern stammte. Fast minutiös wird die Ersatzpflanzung für den gefällten Pfirsichbaum – eine riesige Eiche – im Roman geschildert.
Vor einigen Jahren habe ich von der gleichen Autorin das Buch „Mein zauberhafter Garten“ gelesen, das mir deutlich besser gefallen hat - wobei ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die Geschichte erinnere.
Sarah Addison Allen:
Das Wunder des Pfirsichgartens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
Da wird bei Arbeiten im Garten eines Anwesens, das früher Willas Familie gehört hat, eine Leiche entdeckt. Dieser Fund und die Tatsache, dass sie plötzlich intensiven Kontakt zu den Zwillingsgeschwistern Osgood, nämlich dem Gartenarchitekt Colin und seiner Schwester Paxton hat, bringen ihr Leben richtig durcheinander. Nicht nur die Gegenwart verbindet die drei, sondern auch ein Geheimnis ihrer Grossmütter, das über 70 Jahre zurückliegt.
Die Autorin streut in ihre Bücher immer wieder Übersinnliches ein. In diesem Roman sind es verrückte Vögel und merkwürdig süssliche Gerüche. Hortikulturell gibt es wenig anzumerken. Die Pfirsichbaumentfernung, welche die oben erwähnte Leiche ans Tageslicht bringt, gibt insofern Rätsel auf, als das örtliche Klima und die Lage überhaupt nicht für einen solchen Baum geeignet sind. Es stellt sich dann heraus, dass der Tote aus einer Familie von Pfirsichpflanzern stammte. Fast minutiös wird die Ersatzpflanzung für den gefällten Pfirsichbaum – eine riesige Eiche – im Roman geschildert.
Vor einigen Jahren habe ich von der gleichen Autorin das Buch „Mein zauberhafter Garten“ gelesen, das mir deutlich besser gefallen hat - wobei ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die Geschichte erinnere.
Sarah Addison Allen:
Das Wunder des Pfirsichgartens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
24. April 2014
Wolfgang H. Niemeyer: Rasen
Die Meinungen darüber, was einen richtigen Rasen ausmacht sind sehr unterschiedlich, sei es aus ökologischen oder aus ästhetischen Gründen. Während der eine viel Freizeit und Mühe investiert, um auf einen makellosen - sprich unkrautfreien - Rasen blicken zu können, nimmt‘s der andere locker und freut sich auch an Gänseblümchen, Schaumkraut, Klee und Löwenzahn (oder versucht es wenigstens).
Der Landschaftsarchitekt Wolfgang H. Niemeyer aus München hat sich im Laufe seines Lebens schon mit den unterschiedlichsten Aspekten zum Thema Rasen beschäftigt. Mit seinen Kompositionen „Sieben Rasenstücke für Querflöte, Sprecher und Rasenmäher“ und „Gartenmusik für fünf Querflöten, fünf Sprecher, fünf Heckenscheren und einen Heckengarten“ hat er seine Leidenschaft sogar mit einer anderen Passion kombiniert. Niemeyers Faible für Rasen ist in seinem persönlichen Umfeld bekannt und so wurde ihm an einem runden Geburtstag wohl in Anspielung auf seine Rasenstück-Kompositionen ein echtes in einen Rahmen montiertes „Rasenstück“ geschenkt.
Als (vorläufiger) Höhepunkt seiner Beschäftigung mit dem Rasen hat er kürzlich mit der Publikation „Rasen“ ein Fach- und Spassbuch in Form eines Rasenquadrates herausgegeben, in welchem der Leser gegliedert in die nachstehend aufgeführten Kapitel Rasengeschichten, Gestaltungsbeispiele, Fotos und Zeichnungen des Autors entdecken kann:
- Mein Rasenleben
- Definition Rasen
- Geschichte des Rasen
- Rasenlandschaften
- Rasenprojekte
- Rasenkunst
- Kunstrasen und Rasenallerlei
Was steckt überhaupt hinter dem Begriff Rasen? Laut Wikipedia handelt es sich um eine meist kurz geschnittene dekorative Grasfläche, deren Vegetationsdecke aus Gräsern besteht, die in einer fünfzehn bis zwanzig Zentimeter starken Oberbodenschicht wurzeln und Ausläufer bilden. Rasen muss nicht ein Synonym für eine grüne Fläche am Boden sein. Dies zeigen Beispiele eines Rasensofas sowie von sogenannten Rasenkissen und Rasenschuppen. In Island wird echter Rasen als Dachbegrünung verwendet und immer öfter fahren Strassenbahnen entlang grün umrahmter Gleise, die unter anderem den Vorteil aufweisen, die Aufheizung der Gleise zu reduzieren, und gleichzeitig einen Beitrag an die Biodiversität leisten.
Wolfgang H. Niemeyers eigene Beziehung zum Rasen begann schon in frühester Kindheit. Er erinnert sich an Rasenpicknicks und daran, dass ihm als Jugendlicher das Aufbessern des Taschengeldes irgendwann nicht mehr Motivation genug war, die Langweile des eintönigen Rasenmähens zu überdecken. Zum Rasenleben des Autors gehörte auch im Rasen liegend ein Buch zu lesen und nicht Riesenspass, sondern Rasenspass zu haben.
Der Autor ist zwar nicht besonders fussballinteressiert, dafür weiss er, welche Rasenmischungen sich als besonders trittfest bewährt haben, und ist fasziniert über den immer öfter praktizierten Rasendiebstahl nach dem Schlusspfiff, wenn sich manch einer als Erinnerung an ein Fussballspiel ein grünes Souvenir absticht und aus dem Stadion trägt.
In einem Kompendium über Rasen dürfen natürlich auch Pflegehinweise und Tipps gegen Krankheiten nicht fehlen. Vielleicht übernimmt der eine oder andere Leser einen der einfallsreichen Vorschläge und versucht beim Rasenmähen ein Experiment. Falls etwas schiefgeht, wachsen die Halme schliesslich schnell wieder nach und ein neues Feld zum Ausleben der Kreativität steht bald wieder zu Verfügung.
"Rasen" ist ein bemerkenswertes Sammelsurium an Informationen rund um den Rasen, mit welchem der Autor - oft mit einem Augenzwinkern - seine eigene Freude an der Vielseitigkeit von Grashalmen weitervermittelt.
PS: Wer auch im Urlaub nicht auf einen perfekt gepflegten Rasen verzichten und gleichzeitig die Welt sehen will, der bucht vielleicht eine Kreuzfahrt auf dem Schiff „Celebrity Shilhouette“. Auf deren Oberdeck wird ein echter Naturrasen gepflegt, auf dem Grillpartys stattfinden.
Wolfgang H. Niemeyer:
Rasen - Rasenkunst, Kunstrasen, Rasenstück, Fussballrasen, Stadtrasen, Rasengarten, Dachrasen, Rasenrelief, Landschaftsrasen und nocht viel mehr Variationen des grünen Themas
Deutsche Verlags-Anstalt, 2014
Der Landschaftsarchitekt Wolfgang H. Niemeyer aus München hat sich im Laufe seines Lebens schon mit den unterschiedlichsten Aspekten zum Thema Rasen beschäftigt. Mit seinen Kompositionen „Sieben Rasenstücke für Querflöte, Sprecher und Rasenmäher“ und „Gartenmusik für fünf Querflöten, fünf Sprecher, fünf Heckenscheren und einen Heckengarten“ hat er seine Leidenschaft sogar mit einer anderen Passion kombiniert. Niemeyers Faible für Rasen ist in seinem persönlichen Umfeld bekannt und so wurde ihm an einem runden Geburtstag wohl in Anspielung auf seine Rasenstück-Kompositionen ein echtes in einen Rahmen montiertes „Rasenstück“ geschenkt.
Als (vorläufiger) Höhepunkt seiner Beschäftigung mit dem Rasen hat er kürzlich mit der Publikation „Rasen“ ein Fach- und Spassbuch in Form eines Rasenquadrates herausgegeben, in welchem der Leser gegliedert in die nachstehend aufgeführten Kapitel Rasengeschichten, Gestaltungsbeispiele, Fotos und Zeichnungen des Autors entdecken kann:
- Mein Rasenleben
- Definition Rasen
- Geschichte des Rasen
- Rasenlandschaften
- Rasenprojekte
- Rasenkunst
- Kunstrasen und Rasenallerlei
Was steckt überhaupt hinter dem Begriff Rasen? Laut Wikipedia handelt es sich um eine meist kurz geschnittene dekorative Grasfläche, deren Vegetationsdecke aus Gräsern besteht, die in einer fünfzehn bis zwanzig Zentimeter starken Oberbodenschicht wurzeln und Ausläufer bilden. Rasen muss nicht ein Synonym für eine grüne Fläche am Boden sein. Dies zeigen Beispiele eines Rasensofas sowie von sogenannten Rasenkissen und Rasenschuppen. In Island wird echter Rasen als Dachbegrünung verwendet und immer öfter fahren Strassenbahnen entlang grün umrahmter Gleise, die unter anderem den Vorteil aufweisen, die Aufheizung der Gleise zu reduzieren, und gleichzeitig einen Beitrag an die Biodiversität leisten.
Wolfgang H. Niemeyers eigene Beziehung zum Rasen begann schon in frühester Kindheit. Er erinnert sich an Rasenpicknicks und daran, dass ihm als Jugendlicher das Aufbessern des Taschengeldes irgendwann nicht mehr Motivation genug war, die Langweile des eintönigen Rasenmähens zu überdecken. Zum Rasenleben des Autors gehörte auch im Rasen liegend ein Buch zu lesen und nicht Riesenspass, sondern Rasenspass zu haben.
Der Autor ist zwar nicht besonders fussballinteressiert, dafür weiss er, welche Rasenmischungen sich als besonders trittfest bewährt haben, und ist fasziniert über den immer öfter praktizierten Rasendiebstahl nach dem Schlusspfiff, wenn sich manch einer als Erinnerung an ein Fussballspiel ein grünes Souvenir absticht und aus dem Stadion trägt.
In einem Kompendium über Rasen dürfen natürlich auch Pflegehinweise und Tipps gegen Krankheiten nicht fehlen. Vielleicht übernimmt der eine oder andere Leser einen der einfallsreichen Vorschläge und versucht beim Rasenmähen ein Experiment. Falls etwas schiefgeht, wachsen die Halme schliesslich schnell wieder nach und ein neues Feld zum Ausleben der Kreativität steht bald wieder zu Verfügung.
"Rasen" ist ein bemerkenswertes Sammelsurium an Informationen rund um den Rasen, mit welchem der Autor - oft mit einem Augenzwinkern - seine eigene Freude an der Vielseitigkeit von Grashalmen weitervermittelt.
PS: Wer auch im Urlaub nicht auf einen perfekt gepflegten Rasen verzichten und gleichzeitig die Welt sehen will, der bucht vielleicht eine Kreuzfahrt auf dem Schiff „Celebrity Shilhouette“. Auf deren Oberdeck wird ein echter Naturrasen gepflegt, auf dem Grillpartys stattfinden.
Wolfgang H. Niemeyer:
Rasen - Rasenkunst, Kunstrasen, Rasenstück, Fussballrasen, Stadtrasen, Rasengarten, Dachrasen, Rasenrelief, Landschaftsrasen und nocht viel mehr Variationen des grünen Themas
Deutsche Verlags-Anstalt, 2014
19. April 2014
Jaromir Konecny: Tote Tulpen
Der sechzehnjährige Halbwaise Leon bekommt die Chance, in einem Blumenladen eine Ausbildung als Lehrling zu absolvieren. Eine Perspektive, die nicht gerade Enthusiasmus in ihm auslöst. Nachdem seine Mutter bei einem Autounfall gestorben ist, hat er zwei Jahre in einem Heim und zuletzt ein Jahr unschuldig im Jugendgefängnis verbracht. Hinter Gittern hat er unzählige Bücher gelesen und auch das Computernetzwerk betreut.
Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.
Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.
Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.
Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.
Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?
Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.
Jaromir Konecny:
Tote Tulpen
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.
Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.
Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.
Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.
Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?
Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.
Jaromir Konecny:
Tote Tulpen
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
15. April 2014
Zuletzt ausgelesen: Christiane Feuerstack – Kleingarten, Kompost, Karma
Die Autorin berichtet in diesem Buch mit farbenfrohem Umschlag in satten Farben von ihrem Einstieg ins Schrebergärtnern. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Übernahme einer verwilderten Parzelle schliessen das Ablegen von Vorurteilen und das Aufgeben von Widerständen ein. Weiter geht es um Begegnungen mit vierbeinigen Bewohnern und das Entdecken, wie schnell unabsichtlich gegen irgendwelche Vorschriften und Regeln verstossen wird – sei es bei der Anpflanzung von verbotenen Gewächsen oder der unkorrekten prozentualen Nutzung der Gesamtfläche.
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
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