In diesem in zwei Erzählsträngen aufgebauten Roman finden sich zwischen den beiden Ebenen etliche Parallelen: schwierige Mutter-/Tochterbeziehungen, deutsche Frauen in Australien, Verbrechen und ein naturwissenschaftlicher Hintergrund.
Deutsche Forscher sollen im 19. Jahrhundert unrechtmässig Skelette von Aborigines an sich gebracht und nach Deutschland geschickt haben. Eines dieser Gebeine weist ein Schussloch auf. Wurde der Ureinwohner um der Forschung willen ermordet? Die Archäologie-Professorin Nadine bringt ein Artefakt zurück nach Australien. Zusammen mit ihrer Tochter fliegt sie auf den fünften Kontinent, wo Alina mit einer Freundin ein paar Monate herumreisen will, während die Mutter wieder heimkehrt.
Nach ein paar Tagen gehen Mutter und Tochter wie geplant getrennte Wege. Doch noch vor Nadines vorgesehenem Rückflug nach Europa bricht der Kontakt zu Alina ab. Weder deren Freundin noch sie selber können sie erreichen. Die junge Frau scheint wie vom Erdboden verschluckt und die eingeschaltete Polizei will erst nach vier Wochen Nachforschungen unternehmen.
Wo steckt Alina? Ist sie entführt worden oder hat sie sich, wie die Polizei vermutet, einfach für eine Weile zurückgezogen? Nadine kann und will nicht einfach tatenlos herumsitzen, und plötzlich bietet sich ihr völlig unerwartete Hilfe an. Als Jugendliche hat sie schon einmal einen nahestehenden Menschen verloren und trägt noch heute schwer an ihrer Schuld. So nimmt sie das Angebot als rettenden Strohhalm an, ohne zu ahnen, dass sie sich dahinter eine gemeine Falle verbirgt.
Bereits rund 150 Jahre früher hat sich eine Deutsche auf den Weg nach Australien gemacht, nämlich die Pflanzen- und Tierforscherin Amalie. Die aus einfachen Verhältnissen stammende Frau hat zwar keine akademische Ausbildung, aber ein immenses Wissen, das ihr von ihrem Mann, dem Apotheker und Botaniker Wilhelm Dietrich, vermittelt worden ist. Obwohl die beiden eine kleine Tochter, Charitas, haben, ziehen sie regelmässig wochen- und monatelang herum; einerseits um ihre Sammlungen zu verkaufen und anderseits um neues Pflanzen- und Insektenmaterial zu beschaffen.
Der Vater kann mit Charitas nichts anfangen. Er hat sich immer einen Sohn gewünscht. Amalie unterrichtet die Tochter von klein auf und bringt ihr die Namen, Klassen und Ordnungen im Pflanzen- und Tierreich bei, aber der Samen keimt nicht richtig in dieser nächsten Generation. Wilhelm selber ist hauptsächlich mit sich selber beschäftigt und um seine eigenen Bedürfnisse und seinen guten Ruf besorgt. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, lässt er seine Frau schuften und die Verantwortung tragen.
Nach der Trennung des Ehepaars erhält Amalie die Chance, für ein Hamburger Privatmuseum während zehn Jahren in Australien Pflanzen und Tiere zu sammeln, zu präparieren und zu verschiffen. Einmal mehr muss Charitas abgeschoben und ein Platz für das Mädchen gesucht werden. Während einem langen Jahrzehnt besteht der einzige Kontakt in gegenseitigen Briefen. Charitas berichtet über ihren Trennungsschmerz, ihre Ausbildung, während die Mutter und Forscherin detailliert über ihre Tätigkeit sowie über Flora und Fauna berichtet und ihre Tochter.
Ein Roman, in den die Autorin geschichtliche Elemente mit dichterischer Freiheit eingebaut hat, und zwar sowohl den Lebenslauf von Amalie Dietrich als auch die grausamen Verbrechen eines Australiers, der als Rucksackmörder bekannt und verurteilt wurde. Den Handlungsablauf fand ich teilweise unlogisch, doch hat dies der Spannung im Teil rund um Nadine nicht wirklich geschadet. Während der aktuelle Erzählstrang eher kurz abgefasst ist, hat die Autorin den historischen Teil mit seiner Korrespondenz sehr ausführlich gehalten. Interessierte finden im Anhang weitere Informationen aus den „richtigen“ Leben der Amalie Dietrich und des Rucksackmörders.
Annette Dutton:
Das Geheimnis jenes Tages
Knaur Taschenbuch, 2015
1. April 2016
20. März 2016
Santa Montefiore: The Mermaid Garden oder Der Zypressengarten
Zwei Handlungsstränge führen durch diesen Roman. Mitte der sechziger Jahre im letzten Jahrhundert versucht das Mädchen Floriana immer wieder, durchs Tor einen Blick auf das Gelände „La Magdalena“ zu werfen, das einer der reichsten italienischen Familien gehört. Gut versteckt hinter hohen Hecken liegt ein wunderschöner, aber für sie unerreichbarer Garten. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Floriana stellt sich immer wieder vor, sie selber spaziere in wunderschönen Kleidern zusammen mit ihrer Mutter über die Kieswege, vorbei an Marmorstatuen, riesigen Pinien, perfekt geschnittenem Buchs und einem ummauerten Gemüse-Garten.
Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Das junge Mädchen lebt allein mit seinem alkoholkranken Vater, der rein gar nichts auf die Reihe kriegt. Die Mutter hat Mann und Tochter zusammen mit Florianas jüngerem Bruder schon vor Jahren verlassen. Sie ist mit einem Tomatenverkäufer durchgebrannt und hat den Kontakt zur Familie rigoros abgebrochen.
Eines Tages wird das Mädchen von Dante, dem Sohn des Hauses, überrascht und in den Garten gebeten. Daraus entsteht eine jahrelange Freundschaft und Floriana ist trotz ihrer gar nicht standesgemässen Herkunft zusammen mit ihrer Freundin aus adeligem Haus ein regelmässiger und gern gesehen Gast.
Im Jahr 2005 versucht die verzweifelte Mitfünfzigerin Marina alles, um ihr geliebtes Hotel Polzanze, das sich in finanzieller Schieflage befindet, attraktiver zu machen. So wird ein Künstler engagiert, der während den Sommermonaten interessierten Gästen Malstunden geben soll. Das idyllisch gelegene Hotel, das sich seit achtzehn Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet, ist von exotischen Bäumen umgeben und mit Weinreben berankt. Idyllische Motive gibt es also in Hülle und Fülle, doch die Meinungen über den Nutzen der Anstellung eines Künstlers sind geteilt. Der engagierte Argentinier kommt nicht nur bei den Gästen sehr gut an. Doch nicht nur er trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum.
Von Sante Montefiore habe ich das Buch "The French Gardener" in sehr positiver Erinnerung. Dieses Buch hingegen hat mich über weite Teile gelangweilt. Die Handlung ist weitgehend vorhersehbar, erst gegen Schluss hat mich die Erzählkunst der Autorin wieder mehr überzeugt.
Santa Montefiore:
The Mermaid Garden
Touchstone, 2012
Der Zypressengarten
Weltbild Verlag, 2013
Die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Das junge Mädchen lebt allein mit seinem alkoholkranken Vater, der rein gar nichts auf die Reihe kriegt. Die Mutter hat Mann und Tochter zusammen mit Florianas jüngerem Bruder schon vor Jahren verlassen. Sie ist mit einem Tomatenverkäufer durchgebrannt und hat den Kontakt zur Familie rigoros abgebrochen.
Eines Tages wird das Mädchen von Dante, dem Sohn des Hauses, überrascht und in den Garten gebeten. Daraus entsteht eine jahrelange Freundschaft und Floriana ist trotz ihrer gar nicht standesgemässen Herkunft zusammen mit ihrer Freundin aus adeligem Haus ein regelmässiger und gern gesehen Gast.
Im Jahr 2005 versucht die verzweifelte Mitfünfzigerin Marina alles, um ihr geliebtes Hotel Polzanze, das sich in finanzieller Schieflage befindet, attraktiver zu machen. So wird ein Künstler engagiert, der während den Sommermonaten interessierten Gästen Malstunden geben soll. Das idyllisch gelegene Hotel, das sich seit achtzehn Jahren im Besitz der gleichen Familie befindet, ist von exotischen Bäumen umgeben und mit Weinreben berankt. Idyllische Motive gibt es also in Hülle und Fülle, doch die Meinungen über den Nutzen der Anstellung eines Künstlers sind geteilt. Der engagierte Argentinier kommt nicht nur bei den Gästen sehr gut an. Doch nicht nur er trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum.
Von Sante Montefiore habe ich das Buch "The French Gardener" in sehr positiver Erinnerung. Dieses Buch hingegen hat mich über weite Teile gelangweilt. Die Handlung ist weitgehend vorhersehbar, erst gegen Schluss hat mich die Erzählkunst der Autorin wieder mehr überzeugt.
Santa Montefiore:
The Mermaid Garden
Touchstone, 2012
Der Zypressengarten
Weltbild Verlag, 2013
10. März 2016
Michael K. Chapman: A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Zwei Arbeitslose ohne grosse Hoffnung auf eine neue feste Anstellung beschliessen nach ein paar getrunkenen Bieren, ein eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen, um endlich reich zu werden. Anscheinend sind weder besondere Fähigkeiten noch Erfahrungen vorhanden, ja der Autor schreibt sogar von mangelnder Intelligenz. Der Anblick ungepflegter Gärten in der Umgebung führt schliesslich zur Idee, sich als mobile Gärtner zu betätigen.
Das Startkapital ist dürftig und besteht aus einem Fahrzeug, einem Rasenmäher, rostigem Werkzeug und zwei mehr oder weniger motivierten Männer, von denen einer über wenig und der andere nahezu über kein hortikulturelles Basiswissen verfügt. Diese Prämissen in Kombination mit einem britischen Autor lassen ein humoriges englisches Buch erwarten. Leider ist dem nicht so, da diese Publikation aus dem Eigenverlag durch die Überarbeitung durch ein professionelles Lektorat nur gewinnen könnte. Schon die Anzahl der am Anfang des Buches aufgeführten Kapitel stimmt nicht mit dem eigentlichen Inhalt überein.
Aber zunächst wundert sich die Leserin ob der Blauäugigkeit mit der hier ans Werk gegangen wird und fragt sich mehr als einmal, ob die Geschichten vielleicht nicht doch erfunden sind. Der Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist eher suboptimal. Es ist nämlich Herbst, als der „Green Fingers - Mobile Gardening and Landscaping Service“ seine Tätigkeit aufnimmt.
Der Geschäftspartner zieht sich schon im ersten Winter wieder zurück, weil die Tätigkeiten sich als zu anstrengend und zu unbequem herausstellen. Damit ist auch das gärtnerische Wissen aus dem Betrieb verschwunden, denn der Ich-Erzähler kennt zwar Löwenzahn, kann aber praktisch kein Unkraut vom anderen unterscheiden und hat auch keine Ahnung, welche Sämlinge er stehen lassen soll. Die Aufträge (Anzahl steigend) müssen trotzdem erledigt werden, so dass eine Hilfskraft eingestellt wird, deren Wissen über Grünzeug jenes des Vorgesetzten tatsächlich noch unterschreitet. Aber beide Männer sind grosse Chrampfer und so begleitet die Leserin den Ich-Erzähler durch die nicht ganz klare Anzahl von Kapiteln mit Titeln wie „First Customer“, „Celebrity Client“, „Snakes alive“ und „Retired Boredom“.
Mal soll ein verunkrautetes Beet unbedingt bei Frost und stark gefrorenen Boden gejätet werden, ein anderes Mal steht ein Heckenschnitt entlang einer stark befahrenen Strasse an, der kurzentschlossen auf dem Fahrzeug stehend ausgeführt wird. Zuweilen ist nicht nur von unüberlegten Aktionen, sondern von richtig dummen und ausserordentlich gefährlichen Unternehmungen die Rede. Aber wie heisst es so schön: „New Gardeneres Learn by Trowel and Error“.
Auch Kunden können merkwürdig sein. Ein regelmässiger Auftrag geht auf die Langeweile eines frisch Pensionierten zurück, der jeweils stundenlang überlegt, welche Arbeiten er überhaupt zu vergeben hat. Eigentlich gibt es nämlich gar nichts zu erledigen, aber der Klient vermisst das Befehlen und Delegieren aus seiner beruflichen Tätigkeit. In einem anderen Kapitel erinnert sich der Erzähler an eine Kundin, die ihm wegen einem finanziellen Engpass vorschlug, als Bezahlung das Boot ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen.
Eine andere Kundin bietet früh an, ihr eigenes gärtnerisches Wissen an die "Green Fingers" weiterzuvermitteln. Das scheint sehr nützlich gewesen zu sein, denn das Geschäft hat über ein Jahrzehnt floriert, wenn der Gründer wohl auch nicht Millionär geworden ist. Und die Geschäftsaufgabe war übrigens auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen.
Michael K. Chapman:
A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Eigenverlag, 2013
Das Startkapital ist dürftig und besteht aus einem Fahrzeug, einem Rasenmäher, rostigem Werkzeug und zwei mehr oder weniger motivierten Männer, von denen einer über wenig und der andere nahezu über kein hortikulturelles Basiswissen verfügt. Diese Prämissen in Kombination mit einem britischen Autor lassen ein humoriges englisches Buch erwarten. Leider ist dem nicht so, da diese Publikation aus dem Eigenverlag durch die Überarbeitung durch ein professionelles Lektorat nur gewinnen könnte. Schon die Anzahl der am Anfang des Buches aufgeführten Kapitel stimmt nicht mit dem eigentlichen Inhalt überein.
Aber zunächst wundert sich die Leserin ob der Blauäugigkeit mit der hier ans Werk gegangen wird und fragt sich mehr als einmal, ob die Geschichten vielleicht nicht doch erfunden sind. Der Zeitpunkt der Unternehmensgründung ist eher suboptimal. Es ist nämlich Herbst, als der „Green Fingers - Mobile Gardening and Landscaping Service“ seine Tätigkeit aufnimmt.
Der Geschäftspartner zieht sich schon im ersten Winter wieder zurück, weil die Tätigkeiten sich als zu anstrengend und zu unbequem herausstellen. Damit ist auch das gärtnerische Wissen aus dem Betrieb verschwunden, denn der Ich-Erzähler kennt zwar Löwenzahn, kann aber praktisch kein Unkraut vom anderen unterscheiden und hat auch keine Ahnung, welche Sämlinge er stehen lassen soll. Die Aufträge (Anzahl steigend) müssen trotzdem erledigt werden, so dass eine Hilfskraft eingestellt wird, deren Wissen über Grünzeug jenes des Vorgesetzten tatsächlich noch unterschreitet. Aber beide Männer sind grosse Chrampfer und so begleitet die Leserin den Ich-Erzähler durch die nicht ganz klare Anzahl von Kapiteln mit Titeln wie „First Customer“, „Celebrity Client“, „Snakes alive“ und „Retired Boredom“.
Mal soll ein verunkrautetes Beet unbedingt bei Frost und stark gefrorenen Boden gejätet werden, ein anderes Mal steht ein Heckenschnitt entlang einer stark befahrenen Strasse an, der kurzentschlossen auf dem Fahrzeug stehend ausgeführt wird. Zuweilen ist nicht nur von unüberlegten Aktionen, sondern von richtig dummen und ausserordentlich gefährlichen Unternehmungen die Rede. Aber wie heisst es so schön: „New Gardeneres Learn by Trowel and Error“.
Auch Kunden können merkwürdig sein. Ein regelmässiger Auftrag geht auf die Langeweile eines frisch Pensionierten zurück, der jeweils stundenlang überlegt, welche Arbeiten er überhaupt zu vergeben hat. Eigentlich gibt es nämlich gar nichts zu erledigen, aber der Klient vermisst das Befehlen und Delegieren aus seiner beruflichen Tätigkeit. In einem anderen Kapitel erinnert sich der Erzähler an eine Kundin, die ihm wegen einem finanziellen Engpass vorschlug, als Bezahlung das Boot ihres verstorbenen Mannes zu übernehmen.
Eine andere Kundin bietet früh an, ihr eigenes gärtnerisches Wissen an die "Green Fingers" weiterzuvermitteln. Das scheint sehr nützlich gewesen zu sein, denn das Geschäft hat über ein Jahrzehnt floriert, wenn der Gründer wohl auch nicht Millionär geworden ist. Und die Geschäftsaufgabe war übrigens auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen.
Michael K. Chapman:
A Fly on the Garden Wall or the Adventures of a Mobile Gardener
Eigenverlag, 2013
1. März 2016
Werner Färber: Baumkiller
Immer wieder kommt es vor, dass Landbesitzer ausgewachsene Bäume mit schützenswertem Stammumfang von ihrem Grundstück entfernen wollen, ohne im Besitz einer behördlichen Genehmigung zu sein. Was tun, wenn man der Sicht auf die Elbe mehr Priorität einräumt, als dem Erhalt eines gesunden, schön gewachsenen Baumes, von dem (leider) keinerlei Gefahr ausgeht? Für fast jedes Problem gibt eine Lösung und das Umgehen der Gesetze oder diesbezüglichen lokalen Vorschriften lässt sich delegieren. Im Hamburg-Krimi „Baumkiller“ versuchen die drei jungen Landschaftsgärtner Hanno, Yannick und Boris verzweifelt, ihr Kleinunternehmern am Überleben zu halten. Schon wiederholt sind sie nur knapp am Konkurs vorbeigeschlittert. Und dies nur, weil die drei Partner, die sich eigentlich als Naturschützer verkaufen wollen, immer mal wieder illegale Baumfällungen durchgeführt haben.
Jetzt endlich scheint der Betrieb dank eines regelmässigen Auftrags für die Pflege einer öffentlichen Kastanien-Allee, die mit Miniermotten befallen ist, vorerst gut aufgestellt zu sein. Just in diesem Moment wird einer der drei jungen Männer, nämlich Hanno, erhängt in einem Baum auf dem Altonaer Hauptfriedhof gefunden. Nicht nur berufliche Probleme halten oder hielten die Männer auf Trab, gleich zwei von Ihnen haben sich kürzlich von ihrer Lebensgefährtin getrennt.
Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Yannick hat die Umweltaktivistin Lea nichts mehr von ihrem Ex-Freund gehört. Nun meldet sich der junge Mann plötzlich bei der Fünfundzwanzigjährigen und berichtet ihr von Hannos Selbstmord. Nach der Trennung von seiner Frau war Hanno oft melancholisch, doch er war auch derjenige der drei Landschaftsgärtner, der die ständigen Geldsorgen immer verharmlost hat. Ein Selbstmord scheint so gar nicht zu seinem Charakter zu passen. Nachdem sich Lea mit Yannick verabredet hat, schaut sie im Internet, ob schon Informationen über den Todesfall zu finden sind. Und tatsächlich entdeckt sie ein Foto vom verstorbenen Hanno und glaubt, darauf verschiedene Ungereimtheiten auszumachen. Besonders entsetzt ist sie aber über den Fakt, dass der tote junge Mann erkannt werden kann. Als Yannick ihr bei einer polizeilichen Befragung überfallartig ein falsches Alibi abnötigt, wird sie noch neugieriger, was hinter dem mysteriösen Todesfall steckt.
Lea glaubt keine Sekunde, dass Yannick ein Mörder ist, möchte aber herausfinden, welche Bewegründe hinter dem falschen Alibi stecken. Die junge Frau ist selber ein schwieriger Charakter. Der Autor beschreibt die selbständige Webdesignerin sehr detailliert; ihre Gedanken und Handlungen werden oft fast minutiös dargelegt – oft wäre weniger mehr gewesen. Als Jugendliche war Lea sehr aufmüpfig und sie verfügt nicht nur aus jener Zeit über hinreichende Erfahrungen mit der Polizei. Sie ist auch schon als gewaltbereit aufgefallen und als Umweltaktivistin ist sie oft an waghalsigen Aktionen beteiligt. Natürlich hat sie ihre Prinzipien auch verteidigt, als sie von den illegalen Baumfällungen von Yannick und seinen Partnern erfahren hat. Diese waren zwar nicht der Trennungsgrund, aber natürlich Anlass für Diskussionen und Streitereien. Auch Leas Nachforschungen in Sachen „Baumkiller“ bringen sie wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihre einschlägigen Erfahrungen von Nutzen sind.
Werner Färber:
Baumkiller
Gmeiner-Verlag, 2015
Jetzt endlich scheint der Betrieb dank eines regelmässigen Auftrags für die Pflege einer öffentlichen Kastanien-Allee, die mit Miniermotten befallen ist, vorerst gut aufgestellt zu sein. Just in diesem Moment wird einer der drei jungen Männer, nämlich Hanno, erhängt in einem Baum auf dem Altonaer Hauptfriedhof gefunden. Nicht nur berufliche Probleme halten oder hielten die Männer auf Trab, gleich zwei von Ihnen haben sich kürzlich von ihrer Lebensgefährtin getrennt.
Seit dem Ende ihrer Beziehung mit Yannick hat die Umweltaktivistin Lea nichts mehr von ihrem Ex-Freund gehört. Nun meldet sich der junge Mann plötzlich bei der Fünfundzwanzigjährigen und berichtet ihr von Hannos Selbstmord. Nach der Trennung von seiner Frau war Hanno oft melancholisch, doch er war auch derjenige der drei Landschaftsgärtner, der die ständigen Geldsorgen immer verharmlost hat. Ein Selbstmord scheint so gar nicht zu seinem Charakter zu passen. Nachdem sich Lea mit Yannick verabredet hat, schaut sie im Internet, ob schon Informationen über den Todesfall zu finden sind. Und tatsächlich entdeckt sie ein Foto vom verstorbenen Hanno und glaubt, darauf verschiedene Ungereimtheiten auszumachen. Besonders entsetzt ist sie aber über den Fakt, dass der tote junge Mann erkannt werden kann. Als Yannick ihr bei einer polizeilichen Befragung überfallartig ein falsches Alibi abnötigt, wird sie noch neugieriger, was hinter dem mysteriösen Todesfall steckt.
Lea glaubt keine Sekunde, dass Yannick ein Mörder ist, möchte aber herausfinden, welche Bewegründe hinter dem falschen Alibi stecken. Die junge Frau ist selber ein schwieriger Charakter. Der Autor beschreibt die selbständige Webdesignerin sehr detailliert; ihre Gedanken und Handlungen werden oft fast minutiös dargelegt – oft wäre weniger mehr gewesen. Als Jugendliche war Lea sehr aufmüpfig und sie verfügt nicht nur aus jener Zeit über hinreichende Erfahrungen mit der Polizei. Sie ist auch schon als gewaltbereit aufgefallen und als Umweltaktivistin ist sie oft an waghalsigen Aktionen beteiligt. Natürlich hat sie ihre Prinzipien auch verteidigt, als sie von den illegalen Baumfällungen von Yannick und seinen Partnern erfahren hat. Diese waren zwar nicht der Trennungsgrund, aber natürlich Anlass für Diskussionen und Streitereien. Auch Leas Nachforschungen in Sachen „Baumkiller“ bringen sie wiederholt in brenzlige Situationen, in denen ihre einschlägigen Erfahrungen von Nutzen sind.
Werner Färber:
Baumkiller
Gmeiner-Verlag, 2015
20. Februar 2016
Philippa Pearce: Tom's geheimer Garten
Nach über einem Jahrzehnt erscheint dieses lesenswerte Kinder- und Jugendbuch wieder in einer deutschen Ausgabe. Aus diesem Anlass veröffentliche ich hier nochmals meine Buchvorstellung aus dem September 2012:
Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.
Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!
Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.
Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.
Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.
Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.
Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich. Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958. Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!
Philippa Pearce:
Tom's geheimer Garten
Aladin Verlag, 2016
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992
Film von William Carrol:
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug
3L Film GmbH, 2012
Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.
Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!
Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.
Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.
Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.
Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.
Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich. Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958. Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!
Philippa Pearce:
Tom's geheimer Garten
Aladin Verlag, 2016
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992
Film von William Carrol:
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug
3L Film GmbH, 2012
10. Februar 2016
Heather Tullis: Hello Again
Piper Daniels kümmert sich neben ihrem Vollzeit-Job bei einem Zahnarzt um ihren dreizehn Jahre jüngeren autistischen Bruder Spencer als wäre er ihr Sohn und sorgt mit ihrem Einkommen massgeblich zum Unterhalt des vaterlosen drei-Personen-Haushalts bei, der nichtsdestotrotz mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Immer wieder belasten unerwartete Ausgaben das knappe Budget. Zuletzt hat Spencer mit seinen beiden besten Freunden, die Piper sowieso ein Dorn im Auge sind, in einem verlassenen, halb zerfallenen Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft etliche Scheiben zerbrochen, die nun ersetzt werden müssen.
Piper ist eine strenge Schwester, die auf Konsequenzen für schlechtes Verhalten beharrt, aber auch sehr liebevoll. Immer wieder sucht sie nach Möglichkeiten, wie ihr Bruder während seiner Freizeit sinnvoll beschäftigt werden kann. Schliesslich reift in ihr die Idee, in der heruntergekommenen Wohngegend einen Gemeinschaftsgarten auf die Beine zu stellen. Piper hat vor dem Tod ihres Vaters während der zweiten Schwangerschaft ihrer Mutter auf dem Land gelebt und selber gerne mit ihren Händen in der Erde gewühlt, Blumen gepflückt und Erbsen geerntet.
Nun träumt sie von Früchten, Gemüse, Blumen und Kräutern, die im „Crystal Creek Community Garden“ von Jugendlichen und Kindern mit ihren Lehrpersonen gemeinsam angepflanzt, gepflegt und geerntet werden. So wären die Jugendlichen während dem Sommer beschäftigt, fühlten sich nützlich, und gleichzeitig würde die Nachbarschaft aufgewertet. Pipers Konzept ist schon recht weit gediehen. Sie hat nächtelang Gartenwebseiten studiert und wird in ihrem vielversprechenden Projekt von ihren beiden Freundinnen unterstützt. Mehrere in Frage kommende Areale hat sie bereits auf ihre Tauglichkeit geprüft. Ein Gelände scheint von Lage und Grösse her besonders ideal zu sein. Zwar verschwindet aktuell der gesamte Boden unter Tonnen von Abfall, aber dieses Problem will die in der Nachbarschaft gut vernetzte Piper mit einem Aufräum-Tag aus der Welt schaffen.
Die Endzwanzigerin bereitet ein Gesuch für einen Pachtvertrag an den Landbesitzer vor. Als sie erfährt, dass das Land der Stone Enterprise gehört, zögert sie, das Schreiben abzuschicken. Vor zehn Jahren hatte sie nämlich als Siebzehnjährige einen Sommer lang eine vielversprechende Beziehung mit dem jetzigen Firmeninhaber Reece Stone. Dann ist Reece ohne Erklärung aus ihrem Leben verschwunden und hat Piper am Boden zerstört zurückgelassen. Nun geht Piper optimistisch davon aus, dass sich Reece bestimmt nicht mit Anfragen wie der ihren beschäftigt. Doch nachdem dieser das Gesuch mit ihrem Namen studiert hat, erklärt Reece Stone das Anliegen zur Chefsache und lädt Piper ein, ihr Projekt persönlich vorzustellen.
Zehn Jahre sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, doch beide können eine gewisse Anziehungskraft nicht leugnen. Piper akzeptiert die geschäftliche Zusammenarbeit mit Reece, lässt ihn aber nicht an sich heran, da sie ihm nie vergeben hat, sich ohne Erklärung aus ihrem Leben geschlichen zu haben. Sind seine aktuellen Absichten seriös? Oder hilft er ihr nur beim Gartenprojekt, wenn sie seinem deutlichen Werben nachgibt? Reece drängt sich immer mehr in ihr Leben. Er freundet sich mit ihrem Bruder Spencer an und engagiert sich für die Landvergabe zu Gunsten des Gemeinschaftsgartens. Ausserdem unterstützt er sie beim Zusammenstellen einer Präsentation, beim Sammeln vom Spenden und bringt sie mit wichtigen Leuten zusammen. Eine Gönnerin gibt Piper den Tipp, als Gegenleistung für grosszügige Spenden die Verewigung des Spendernamens auf Treppenstufen anzubieten.
Plötzlich ist da ein Kaufinteressent, der genau das für den Gemeinschaftsgarten vorgesehene Land erwerben will. Die Offerte ist deutlich unter dem Landwert, doch Reece hat auf den Vergabeentscheid nur beschränkt Einfluss, da über dieses Geschäft ein Gremium aus mehreren Personen zu befinden hat. Auch im privaten Bereich hat Piper etliche Probleme zu lösen - die einen in ihrem unmittelbaren Umfeld, andere werden ausgelöst durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten, aus denen sie und Reece stammen. Die junge Frau mag nicht glauben, wer vor zehn Jahren Reece aus ihrem Leben vertrieben hat und versteht nicht, warum ihre Mutter sich immer mehr von Spencer zurückzieht und ihr die Verantwortung aufbürdet.
„Hello Again“ ist als erster Titel der „In the Garden Series“ überschrieben – auf eine Fortsetzung des Romans bin ich schon jetzt gespannt.
Heather Tullis:
Hello Again
Jelly Bean Press, 2015
Piper ist eine strenge Schwester, die auf Konsequenzen für schlechtes Verhalten beharrt, aber auch sehr liebevoll. Immer wieder sucht sie nach Möglichkeiten, wie ihr Bruder während seiner Freizeit sinnvoll beschäftigt werden kann. Schliesslich reift in ihr die Idee, in der heruntergekommenen Wohngegend einen Gemeinschaftsgarten auf die Beine zu stellen. Piper hat vor dem Tod ihres Vaters während der zweiten Schwangerschaft ihrer Mutter auf dem Land gelebt und selber gerne mit ihren Händen in der Erde gewühlt, Blumen gepflückt und Erbsen geerntet.
Nun träumt sie von Früchten, Gemüse, Blumen und Kräutern, die im „Crystal Creek Community Garden“ von Jugendlichen und Kindern mit ihren Lehrpersonen gemeinsam angepflanzt, gepflegt und geerntet werden. So wären die Jugendlichen während dem Sommer beschäftigt, fühlten sich nützlich, und gleichzeitig würde die Nachbarschaft aufgewertet. Pipers Konzept ist schon recht weit gediehen. Sie hat nächtelang Gartenwebseiten studiert und wird in ihrem vielversprechenden Projekt von ihren beiden Freundinnen unterstützt. Mehrere in Frage kommende Areale hat sie bereits auf ihre Tauglichkeit geprüft. Ein Gelände scheint von Lage und Grösse her besonders ideal zu sein. Zwar verschwindet aktuell der gesamte Boden unter Tonnen von Abfall, aber dieses Problem will die in der Nachbarschaft gut vernetzte Piper mit einem Aufräum-Tag aus der Welt schaffen.
Die Endzwanzigerin bereitet ein Gesuch für einen Pachtvertrag an den Landbesitzer vor. Als sie erfährt, dass das Land der Stone Enterprise gehört, zögert sie, das Schreiben abzuschicken. Vor zehn Jahren hatte sie nämlich als Siebzehnjährige einen Sommer lang eine vielversprechende Beziehung mit dem jetzigen Firmeninhaber Reece Stone. Dann ist Reece ohne Erklärung aus ihrem Leben verschwunden und hat Piper am Boden zerstört zurückgelassen. Nun geht Piper optimistisch davon aus, dass sich Reece bestimmt nicht mit Anfragen wie der ihren beschäftigt. Doch nachdem dieser das Gesuch mit ihrem Namen studiert hat, erklärt Reece Stone das Anliegen zur Chefsache und lädt Piper ein, ihr Projekt persönlich vorzustellen.
Zehn Jahre sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, doch beide können eine gewisse Anziehungskraft nicht leugnen. Piper akzeptiert die geschäftliche Zusammenarbeit mit Reece, lässt ihn aber nicht an sich heran, da sie ihm nie vergeben hat, sich ohne Erklärung aus ihrem Leben geschlichen zu haben. Sind seine aktuellen Absichten seriös? Oder hilft er ihr nur beim Gartenprojekt, wenn sie seinem deutlichen Werben nachgibt? Reece drängt sich immer mehr in ihr Leben. Er freundet sich mit ihrem Bruder Spencer an und engagiert sich für die Landvergabe zu Gunsten des Gemeinschaftsgartens. Ausserdem unterstützt er sie beim Zusammenstellen einer Präsentation, beim Sammeln vom Spenden und bringt sie mit wichtigen Leuten zusammen. Eine Gönnerin gibt Piper den Tipp, als Gegenleistung für grosszügige Spenden die Verewigung des Spendernamens auf Treppenstufen anzubieten.
Plötzlich ist da ein Kaufinteressent, der genau das für den Gemeinschaftsgarten vorgesehene Land erwerben will. Die Offerte ist deutlich unter dem Landwert, doch Reece hat auf den Vergabeentscheid nur beschränkt Einfluss, da über dieses Geschäft ein Gremium aus mehreren Personen zu befinden hat. Auch im privaten Bereich hat Piper etliche Probleme zu lösen - die einen in ihrem unmittelbaren Umfeld, andere werden ausgelöst durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten, aus denen sie und Reece stammen. Die junge Frau mag nicht glauben, wer vor zehn Jahren Reece aus ihrem Leben vertrieben hat und versteht nicht, warum ihre Mutter sich immer mehr von Spencer zurückzieht und ihr die Verantwortung aufbürdet.
„Hello Again“ ist als erster Titel der „In the Garden Series“ überschrieben – auf eine Fortsetzung des Romans bin ich schon jetzt gespannt.
Heather Tullis:
Hello Again
Jelly Bean Press, 2015
1. Februar 2016
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos): Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
Grossformatige Bücher haben es nach wie vor schwer, meine Aufmerksamkeit derart zu fesseln, dass ich sie erwerbe und dann auch lese. Sie sind ihrer Grösse wegen weder als Bett- noch als Pendlerlektüre geeignet, und auf dem Regal herrscht bei Büchern, die nicht im Taschenbuchformat daherkommen, absolute Platznot.
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
Als vor Jahresfrist die grösste hiesige Buchhandlung vor der Schliessung stand, bin ich wiederholt an der Publikation „Pflanzen-Schätze“ vorbeigelaufen und habe mich redlich bemüht, sie zu ignorieren. Kurz vor dem letzten Ladenschluss habe ich mich ihrer dann doch erbarmt und seither liegt sie quer über anderen Büchern, dem tatsächlich letzten Platz für grosse Bücher. Der Boden ist nämlich tabu. Wäre tabu. Denn dort stolpere ich bald einmal über die immer zahlreicher werdenden Schulordner.
Natürlich bin ich den „Pflanzen-Schätzen“ vor und nach dem Erwerb auch in den Medien immer wieder begegnet. Weder die Auszeichnung mit dem Gartenbuchpreis, noch verlockende Rezensionen konnten mich aber dazu verleiten, dem Buch mehr als die gelegentlich notwendige Sekunde zum Abstauben zu widmen. Über die letzten Feiertage habe ich mir nun die Zeit genommen, es endlich zu lesen.
Von Aurikeln über Cyclamen, Hamamelis, Mohn bis zu Rosen – die Auslöser der hier beschriebenen Passionen sind vielfältig und oft beschränkt sich die Pflanzensammelleidenschaft nicht auf ein einzelnes Gebiet. Einige der Sammler waren mir bereits bekannt, da ich schon öfters über sie gelesen habe oder wie im Fall der Hosta-Liebhaberin früher gelegentlich auf dem Blog herumgstöbert habe. Doch einige Namen sind richtige Neuentdeckungen – sowohl in Sachen Sammler wie in Sachen Sammlung. Etliche der Portraitierten führen haupt- oder nebenberuflich eine Spezialgärtnerei, in denen ihre Lieblinge erworben werden können, und oft beschäftigen sie sich nicht nur mit der Vermehrung, sondern auch der Züchtung ihrer Lieblingspflanzen.
Da sind Fingerhüte in einem langen, schmalen Beet vor einer Eibenhecke beneidenswert perfekt in Szene gesetzt, in einem anderen Garten kann der Kerzenknöterich als Herr der Beete bezeichnet werden, derweilen die vielen EU-Vorschriften mitschuldig sind, dass sich eine Viehzüchterin in eine Ilex-Spezialgärtnerin verwandelt hat. Und dominieren im niederländischen Ede Cyclamen, bei den die Formen und Zeichnungen der Blätter die Blütenpracht in den Hintergrund rücken lassen, sind es in Oterleek fast unendlich lange Narzissenfelder, in denen dicht gepflanzte historische Sorten um die Gunst der Betrachterin buhlen, und das Auge erfreuen.
Die einzelnen Portraits werden grosszügig von aussagekräftigen Fotos begleitet. Die Texte dünken mich aussergewöhnlich gut verfasst und verschafften mir einige Neuzugänge für meine Sammlung spezieller Formulierungen, wie etwa „über den botanischen Tellerrand gucken“. Noch wichtiger sind aber natürlich die spannenden Einblicke in die unterschiedlichen Wege und oft ähnlichen oder sogar identischen Ziele der Sammler, die sich in den Geschichten erfahren lassen.
Die gelungene Publikation wird durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis abgerundet. Im Anhang finden sich ausserdem nützliche Adressen. Besonders nützlich sind jene der vorgestellten Sammler und ihrer Pflanzen-Schätze – nützlich vielleicht im Rahmen der Planung einer Reise zwecks Anpassung der Route. Denn wohl jede dieser Sammlungen lohnt einen kleinen oder grösseren Umweg, um sie mit eigenen Augen betrachten zu können.
Stefanie Syren (Text) und Elke Borkowski (Fotos):
Pflanzen-Schätze – Sammler, ihre Gärten und ihre faszinierende Leidenschaft
BLV Buchverlag, 2014
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