Dahlien werden als blühfreudig und ausdauernd geschätzt. Die fast hundertjährige Hotelbesitzerin Dalia Gutbauer hat im Lauf ihres langen Lebens viele Geschenke erhalten und natürlich auch Dahliensträusse, doch keines der Präsente bedeutete ihr so viel, wie das vor sechzig Jahren erhaltene Dahlienbild von Henri Fantin-Latour, das - nebenbei bemerkt - mittlerweile einen Wert von mehreren Millionen Franken hat. Wichtig war und ist ihr nicht in erster Linie der Wert in Franken, sondern die Erinnerungen, die mit dem Gemälde verknüpft sind.
Doch nun ist aus den Räumlichkeiten von Dalia Gutbauers Wohnung in der 4. Etage des in die Jahre gekommenen Schlosshotels genau dieses Kunstwerk entwendet worden. Pikanterweise ist es vor Jahrzehnten ebenfalls durch einen Diebstahl in den Besitz der alten Dame gekommen, nämlich 1958 als kleine Aufmerksamkeit eines damaligen Verehrers, zuvor aus einem ungenügend gesicherten Provinzmuseum entwendet. Eine Anzeige bei der Polizei ist deswegen ausgeschlossen und so soll Johann Friedrich von Allmen, genannt John von Allmen, das Werk wieder beschaffen.
Allmen selber wird von Geldsorgen geplagt und ist deshalb vom Haupthaus der Villa Schwarzacker ins Gärtnerhaus gezogen, wo er zusammen mit Maria Moreno aus Kolumbien und Carlos aus Guatemala in recht beengten Verhältnissen wohnt, aber gewisse Gewohnheiten eines gehobenen Lebensstils weiter pflegt. Zu diesen gehören auch ein Privatchauffeur und ein Ei zum Frühstück. Aber nicht ein einfaches Drei-Minuten-Ei. Nein, zu jedem Wochentag gehört ein in anderer Form zubereitetes Ei – am Montag etwa ein Rührei und am Dienstag Ei im Glas. Allmens beiden Mitbewohner ohne gültige Papiere unterstützen ihn in seinem Job als Privatdetektiv bei „A.I.I.- Allmen International Inquiries“. Und obwohl der Chef den Lohn nur unregelmässig zahlt und nicht bemerkt, wenn er Überstunden verlangt, kann er auf seine loyalen Mitarbeiter zählen.
Die Nachforschungen im Schlosshotel müssen unter Bewahrung äusserster Diskretion stattfinden und so bezieht Allmen ein Zimmer und gibt vor, für eine Versicherung Abklärungen zu treffen. Gleichzeitig beginnt Maria Moreno dort als Zimmermädchen zu arbeiten und Carlos recherchiert zwischen Rasenmähen und anderen zu seinem Job gehörenden Tätigkeiten im Internet.
Bei Reinigungsarbeiten im Zimmer des eben verstorbenen Dauergastes Hardy Frey entdeckt Maria ein gerahmtes Foto des gestohlenen Dahlienbildes und es stellt sich die Frage, in welcher Verbindung Dalia Gutbauer und Hardy Frey standen.
Der teure gemalte Blumenstrauss hat immer wieder als Liebesgeschenk für Frauen mit dem „richtigen“ Vornamen gedient und so liegt der Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels um ein vogelfreies Kunstwerk denn auch in den Beziehungen und im Umstand, Grosszügigkeit nicht mit Unversöhnlichkeit zu verwechseln.
Ein Suter-Roman rund um ein gestohlenes Dahlienbild passend als Abrundung zur aktuellen Dahlienblüte in den Gärten. Ich bin keine regelmässige Leserin von Martin Suters Büchern, aber an die wenigen, die ich gelesen habe, erinnere ich mich gerne, und sie gehören zu den eher wenigen Titeln auf den Bestsellerlisten, die mit meinem Geschmack übereinstimmen. Ein unaufgeregter Roman in einer unaufdringlichen Spannung, die einem dennoch anzieht. Etwas störend fand ich die vor allem zu Beginn häufigen in den Text eingestreuten fremdsprachigen Worte und kurzen Sätze (deren Bedeutung aber auch ohne Beherrschen der Sprache erraten werden konnte).
Martin Suter:
Allmen und die Dahlien
Diogenes Verlag, 2013
9. September 2013
5. September 2013
Karin Standler (Hrsg.): best private plots – Die besten Gärten 2012
Eine wechselnde Jury präsentiert und wählt nach einer Idee und auf Initiative des Büros Karin Standler Landschaftsarchitektur seit 2006 regelmässig im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs die besten privaten Gärten aus. Ziel ist es, innovative Landschaftsarchitekten und –architektinnen zu finden und die Qualität in der Gestaltung von privaten Gärten zu steigern. Mitglieder der Jury 2012 waren Franziska Bark Hagen, Tom Stuart-Smith, Teresa Möller, Stig L. Andersson und Vladimir (Tom) Sitta. Parallel zum anlässlich der Preisverleihung jeweils stattfindenden Symposium erscheint ein Katalog mit den nominierten Projekten.
In der aktuellen Publikation werden in den folgenden sieben nach Themen geordneten Kategorien die besten Gärten 2012 präsentiert:
- never-ending
- land art
- urban
- good living
- get-together
- rural
- moveable
Insgesamt wurden für den Wettbewerb 2012 104 Vorschläge aus 26 Ländern eingereicht. Nominiert und ins Buch aufgenommen wurden Projekte aus den Kontinenten Australien, Amerika, Asien, Afrika und Europa. Letzterer ist unter anderem mit Projekten aus den Ländern Griechenland, Belgien, England, Frankreich und Deutschland vertreten.
Auf den ersten Seiten finden sich ein Inhaltsverzeichnis, Vorwort, eine Einführung durch das Team private plots, Kurportraits der Jurymitglieder sowie Essays der Jurymitglieder. In seinem gedanklichen Streifzug durch den Garten pocht Vladimir Sitta auf das Recht des Landschaftsarchitekten auf seine Geheimnisse („für die eigenen Zweifel gibt es keine Abnehmer“, Zitat aus dem Buch) und ermuntert seine Berufskollegen, aus der Rolle zu fallen und ein gesundes Mass an Respektlosigkeit in die Arbeit einzubringen, derweilen seine Jurykollegin Teresa Möller ihren eigenen Garten in Santiago vorstellt. Die gesamte Publikation ist durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst.
Die vorgestellten Gartenprojekte sind völlig unterschiedlich in ihrer Gestaltung. In Erfurt etwa wurden in einem unebenen 1'500 Quadratmeter grossen Garten die bestehenden Obstbäume mit neu angepflanzten Felsenbirnen ergänzt und dazwischen ungefähr 7‘000 Liguster zu einem wellenförmigen Labyrinth angeordnet. Unterbrochen werden die verschieden hohen Hecken durch Rasenwege und -plätze. Wenn auch nur ein Bruchteil der Liguster im Sommer blüht, muss es dannzumal unwahrscheinlich duften. Dieses verfremdete Heckenlabyrinth hat übrigens den 1. Preis der Ausschreibung gewonnen.
Das Thema „Verbindung von alt und neu“ wird in einem Amsterdamer Garten ganz unterschiedlich umgesetzt. Mit der Umgestaltung werden die Jahreszeiten erlebbarer durch eine ausgeklügelte Anpflanzung aus Sträuchern, Stauden und Zwiebeln, die alle ausschliesslich in der Farbe weiss blühen. Wenn im Garten selber mal nichts blüht, zieht der weisse Maschendrahtzaun mit eingewobenen stilisierten Blumen die Blicke auf sich. Im Bundesstaat New York wiederum hat der Landschaftsarchitekt gleich selber Hand angelegt und einen imponierenenden Steinfluss aus Glimmerschiefer verlegt. Der sich unaufdringlich durch den Wald schlängelnde Weg ist gleichzeitig auch ein Kunstwerk. Die grossen Betonplatten in einer sogenannten Gartenoase wirken auf den ersten Blick überaus wuchtig, auf ihnen zeichnet sich aber ein reizvolles mit dem Sonnenstand wechselndes Muster der Randbepflanzung ab.
Besonders gut gefallen haben mir die mit Bubikopf beplanzten Baumscheinben in einem Garten in Kyoto. Gemäss Internet-Recherchen soll das auch in Mitteleuropa machbar und dauerhaft sein. Die konsultierten Einträge sind allerdings vor den letzten beiden strengen Wintermonaten 2011/12 und 2012/13 verfasst worden und wohl inzwischen überholt. Weitere Projekte sind die schnell wegräumbare "Möblierung" einer 40 Quadratmeter grossen Terrasse im 39. Stock in Downtown Manhattan und ein geheimer Gemüse-Dachgarten auf zwei Ebenen in Turin.
Spannend sind auch die Portraits über das zum Wohn- und Essraum umfunktionierte Glashaus, in dem ausgediente Zinngiesskannen unter der Glasdecke hängen, ein eher kleiner Hofgarten rund um eine Quelle mit einer Höhendifferenz von fast vier Metern, der mit Hilfe von Treppen, Stegen, Plattformen und Metallkanälen gestaltet wurde und der Gemüse-Sand-Garten aus zweckentfremdeten weissen (gebrauchten und nicht kontaminierten) Sandsäcken, aus denen teilweise das Gemüse gleich herauswächst.
Eine Idee für ein Mitbringsel ist vielleicht der tragbare Garten. Fast-Food-Boxen werden (temporär) statt mit Mahlzeiten mit Kräutern oder anderen geeigneten kleinen Pflanzen gefüllt und prompt wird die Kresse zum hohen Gras und der Rosmarin mutiert zum Baum.
Eine interessante Publikation für Gartenfreunde, die ein Faible für moderne Gartengestaltung haben, das uneingeschränkte Spiel mit den Formen der Natur mögen und dabei auch vor philosophischen Aspekten nicht zurückschrecken.
Karin Standler (Hrsg.):
best private plots – Die besten Gärten 2012
Team private plots, 2012
In der aktuellen Publikation werden in den folgenden sieben nach Themen geordneten Kategorien die besten Gärten 2012 präsentiert:
- never-ending
- land art
- urban
- good living
- get-together
- rural
- moveable
Insgesamt wurden für den Wettbewerb 2012 104 Vorschläge aus 26 Ländern eingereicht. Nominiert und ins Buch aufgenommen wurden Projekte aus den Kontinenten Australien, Amerika, Asien, Afrika und Europa. Letzterer ist unter anderem mit Projekten aus den Ländern Griechenland, Belgien, England, Frankreich und Deutschland vertreten.
Auf den ersten Seiten finden sich ein Inhaltsverzeichnis, Vorwort, eine Einführung durch das Team private plots, Kurportraits der Jurymitglieder sowie Essays der Jurymitglieder. In seinem gedanklichen Streifzug durch den Garten pocht Vladimir Sitta auf das Recht des Landschaftsarchitekten auf seine Geheimnisse („für die eigenen Zweifel gibt es keine Abnehmer“, Zitat aus dem Buch) und ermuntert seine Berufskollegen, aus der Rolle zu fallen und ein gesundes Mass an Respektlosigkeit in die Arbeit einzubringen, derweilen seine Jurykollegin Teresa Möller ihren eigenen Garten in Santiago vorstellt. Die gesamte Publikation ist durchgehend zweisprachig in Deutsch und Englisch verfasst.
Die vorgestellten Gartenprojekte sind völlig unterschiedlich in ihrer Gestaltung. In Erfurt etwa wurden in einem unebenen 1'500 Quadratmeter grossen Garten die bestehenden Obstbäume mit neu angepflanzten Felsenbirnen ergänzt und dazwischen ungefähr 7‘000 Liguster zu einem wellenförmigen Labyrinth angeordnet. Unterbrochen werden die verschieden hohen Hecken durch Rasenwege und -plätze. Wenn auch nur ein Bruchteil der Liguster im Sommer blüht, muss es dannzumal unwahrscheinlich duften. Dieses verfremdete Heckenlabyrinth hat übrigens den 1. Preis der Ausschreibung gewonnen.
Das Thema „Verbindung von alt und neu“ wird in einem Amsterdamer Garten ganz unterschiedlich umgesetzt. Mit der Umgestaltung werden die Jahreszeiten erlebbarer durch eine ausgeklügelte Anpflanzung aus Sträuchern, Stauden und Zwiebeln, die alle ausschliesslich in der Farbe weiss blühen. Wenn im Garten selber mal nichts blüht, zieht der weisse Maschendrahtzaun mit eingewobenen stilisierten Blumen die Blicke auf sich. Im Bundesstaat New York wiederum hat der Landschaftsarchitekt gleich selber Hand angelegt und einen imponierenenden Steinfluss aus Glimmerschiefer verlegt. Der sich unaufdringlich durch den Wald schlängelnde Weg ist gleichzeitig auch ein Kunstwerk. Die grossen Betonplatten in einer sogenannten Gartenoase wirken auf den ersten Blick überaus wuchtig, auf ihnen zeichnet sich aber ein reizvolles mit dem Sonnenstand wechselndes Muster der Randbepflanzung ab.
Besonders gut gefallen haben mir die mit Bubikopf beplanzten Baumscheinben in einem Garten in Kyoto. Gemäss Internet-Recherchen soll das auch in Mitteleuropa machbar und dauerhaft sein. Die konsultierten Einträge sind allerdings vor den letzten beiden strengen Wintermonaten 2011/12 und 2012/13 verfasst worden und wohl inzwischen überholt. Weitere Projekte sind die schnell wegräumbare "Möblierung" einer 40 Quadratmeter grossen Terrasse im 39. Stock in Downtown Manhattan und ein geheimer Gemüse-Dachgarten auf zwei Ebenen in Turin.
Spannend sind auch die Portraits über das zum Wohn- und Essraum umfunktionierte Glashaus, in dem ausgediente Zinngiesskannen unter der Glasdecke hängen, ein eher kleiner Hofgarten rund um eine Quelle mit einer Höhendifferenz von fast vier Metern, der mit Hilfe von Treppen, Stegen, Plattformen und Metallkanälen gestaltet wurde und der Gemüse-Sand-Garten aus zweckentfremdeten weissen (gebrauchten und nicht kontaminierten) Sandsäcken, aus denen teilweise das Gemüse gleich herauswächst.
Eine Idee für ein Mitbringsel ist vielleicht der tragbare Garten. Fast-Food-Boxen werden (temporär) statt mit Mahlzeiten mit Kräutern oder anderen geeigneten kleinen Pflanzen gefüllt und prompt wird die Kresse zum hohen Gras und der Rosmarin mutiert zum Baum.
Eine interessante Publikation für Gartenfreunde, die ein Faible für moderne Gartengestaltung haben, das uneingeschränkte Spiel mit den Formen der Natur mögen und dabei auch vor philosophischen Aspekten nicht zurückschrecken.
Karin Standler (Hrsg.):
best private plots – Die besten Gärten 2012
Team private plots, 2012
1. September 2013
Katrin Tempel: Holunderliebe
In ihrer Freizeit pflanzt, gräbt, hackt und jätet die Geschichtsstudentin Lena Opitz gerne im Garten, der zum Hexenhäuschen ihrer WG ausserhalb von Münster gehört. Sie findet den Duft von Kräutern schöner als jedes Parfum. Doch nicht einmal ihr kleines Paradies vermag heute ihre trüben Gedanken zu vertreiben, denn ihr Professor hat ihren wichtigen Vortrag als ungenügend klassiert und damit die Fortsetzung ihres Studiums an der Uni in Frage gestellt. Auch ihre on-off-Beziehung mit Erik steckt gerade in einer schwierigen Phase. Aber schliesslich rafft sie sich doch noch auf und vertieft sich in der Bibliothek wieder einmal in dicke Wälzer - in der Hoffnung, ihre Semesterarbeit vielleicht doch noch retten zu können.
Als Lena am Feierabend zur Rückgabe der ausgeliehen Bücher aufgefordert wird, entscheidet sie sich ganz spontan und eigenmächtig für die natürlich strikt verbotene Wochenendausleihe einen alten Schinkens, der ihr nützlich erscheint. Unglücklicherweise stürzt sie auf dem Heimweg bei Nieselregen mit dem Fahrrad und das wertvolle Exemplar landet genau wie die Fahrerin auf dem feuchten und dreckigen Boden. Wie soll sie ihr unüberlegtes Handeln nun begründen? Ohne Kommentar zurückgeben kann sie das Buch jedenfalls nicht mehr, denn über die Rückseite geht ein Riss, in dem sogar noch Erde und Gras kleben. Bedrückt zieht Lena ihre Mutter ins Vertrauen. Diese schlägt vor, das Buch einer befreundeten Buchbinderin zur Einschätzung vorzulegen.
Diese Fachfrau entdeckt bei der Entfernung des alten defekten Einbandes ein verborgenes noch älteres Buch. Lena fährt darauf mit dem nächsten Zug in ihren Heimatort, um mit der Restauratorin das weitere Vorgehen zu besprechen. Die alte Schrift entpuppt sich als Gedicht rund um den Anbau von Früchten und Pflanzen von Walahfrid Strabo aus dem 9. Jahrhundert. Steckt in dem Buch tatsächlich eine Sensation? Ziemlich aufgeregt beschliesst Lena, sich vor Ort auf der Insel Reichenau ein Bild zu machen. Vielleicht gibt es dort ja mehr über das Manuskript zu erfahren.
Die Insel befindet sich noch im Winterschlaf. Im restaurierten Kräutergarten des Mönchs und Dichters Strabo entdeckt Lena zwar Eberraute, Poleiminze, Rettich und Marrubium, aber nicht mehr. Doch worum handelt es sich bei dem fehlenden 24. Kraut im Hortulus? Die junge Frau beginnt sich bereits über ihre Spontanität zu ärgern und befürchtet, ihre Zeit besser in die Semesterarbeit investiert zu haben. Da lernt sie den früh verwaisten Simon Linde kennen, der einen Kräuterladen auf der Insel führt, einen grossen Kräutergarten pflegt und über ein immenses Wissen über Heilpflanzen verfügt. Und die Studentin ahnt nicht, wie stark ihr Schicksal bereits in der Vergangenheit mit dem des jungen Mannes verbunden war.
In der Parallelerzählung des zweiten Lesestrangs wird der Leser ins Mittelalter geführt, als der im Krieg schwer verletzte Krieger Thegan sich im Kloster auf der Bodenseeinsel, die damals noch Sintlasau geheissen hat, erholt. Er freundet sich mit dem noch jungen Mönch Walahfrid Strabo an und beginnt diesem im Garten zur Hand zu gehen, um von seinen traumatischen Erlebnissen Ablenkung zu finden. Gemeinsam pflanzen sie die geheimnisvollen Samen, die Thegan von einem maurischen Medicus erhalten hat, und rätseln darüber, welcher Teil des „Ambrosia“ genannten Gewächses als Heilmittel verwendet werden kann und führen auch Selbstversuche durch.
Gegen Ende der Lektüre kommt noch ein kurzer dritter Erzählstrang dazu, der Lena zu ihren bis anhin gänzlich unbekannten Wurzeln führt und in der Folge schliesslich die Weichen für ihre Zukunft in eine andere Richtung stellt. So ganz nebenbei erfährt der Leser in diesem Roman – einer Vermischung von Dichtung und Wahrheit - einiges über Kräuter und ihre Wirkung. Etwas Mühe hatte ich mit der Verknüpfung der beiden Parallelerzählungen aus der Gegenwart und dem 9. Jahrhundert. Lena fällt nämlich immer wieder in einen seltsamen Tiefschlaf und in ihren Träumen und Visionen kann sie eben jene Dinge sehen, die vor rund 1'200 Jahren geschehen sind. Im Nachwort hat die Autorin Erklärungsversuche zusammengetragen, um welche Pflanze es sich bei der Ambrosia handeln könnte, aber vorher erfährt man noch, was es mit dem Buchtitel "Holunderliebe" für eine Bewandtnis hat.
Die Insel Reichenau ist von hier aus in weniger als einer Stunde erreichbar und ich war schon wiederholt dort. Der Roman erinnerte mich an vielen Stellen an unseren noch gar nicht lange zurückliegenden Ausflug dorthin, als wir an einem heissen Samstag mit Mietvelos kreuz und quer an Gewächshäusern vorbeigeradelt sind und in einem zweckentfremdeten zu Mittag gegessen haben. Wir waren auch auf der Hochwacht und haben bestimmt auch die Bucht passiert, an der sich Thegan immer wieder mit seiner Hemma getroffen hat. Und selbstverständlich haben wir auch einen Blick in den sagenumworbenen Kräutergarten von Strabo geworfen.
Katrin Tempel:
Holunderliebe
Piper Verlag, 2013
Als Lena am Feierabend zur Rückgabe der ausgeliehen Bücher aufgefordert wird, entscheidet sie sich ganz spontan und eigenmächtig für die natürlich strikt verbotene Wochenendausleihe einen alten Schinkens, der ihr nützlich erscheint. Unglücklicherweise stürzt sie auf dem Heimweg bei Nieselregen mit dem Fahrrad und das wertvolle Exemplar landet genau wie die Fahrerin auf dem feuchten und dreckigen Boden. Wie soll sie ihr unüberlegtes Handeln nun begründen? Ohne Kommentar zurückgeben kann sie das Buch jedenfalls nicht mehr, denn über die Rückseite geht ein Riss, in dem sogar noch Erde und Gras kleben. Bedrückt zieht Lena ihre Mutter ins Vertrauen. Diese schlägt vor, das Buch einer befreundeten Buchbinderin zur Einschätzung vorzulegen.
Diese Fachfrau entdeckt bei der Entfernung des alten defekten Einbandes ein verborgenes noch älteres Buch. Lena fährt darauf mit dem nächsten Zug in ihren Heimatort, um mit der Restauratorin das weitere Vorgehen zu besprechen. Die alte Schrift entpuppt sich als Gedicht rund um den Anbau von Früchten und Pflanzen von Walahfrid Strabo aus dem 9. Jahrhundert. Steckt in dem Buch tatsächlich eine Sensation? Ziemlich aufgeregt beschliesst Lena, sich vor Ort auf der Insel Reichenau ein Bild zu machen. Vielleicht gibt es dort ja mehr über das Manuskript zu erfahren.
Die Insel befindet sich noch im Winterschlaf. Im restaurierten Kräutergarten des Mönchs und Dichters Strabo entdeckt Lena zwar Eberraute, Poleiminze, Rettich und Marrubium, aber nicht mehr. Doch worum handelt es sich bei dem fehlenden 24. Kraut im Hortulus? Die junge Frau beginnt sich bereits über ihre Spontanität zu ärgern und befürchtet, ihre Zeit besser in die Semesterarbeit investiert zu haben. Da lernt sie den früh verwaisten Simon Linde kennen, der einen Kräuterladen auf der Insel führt, einen grossen Kräutergarten pflegt und über ein immenses Wissen über Heilpflanzen verfügt. Und die Studentin ahnt nicht, wie stark ihr Schicksal bereits in der Vergangenheit mit dem des jungen Mannes verbunden war.
In der Parallelerzählung des zweiten Lesestrangs wird der Leser ins Mittelalter geführt, als der im Krieg schwer verletzte Krieger Thegan sich im Kloster auf der Bodenseeinsel, die damals noch Sintlasau geheissen hat, erholt. Er freundet sich mit dem noch jungen Mönch Walahfrid Strabo an und beginnt diesem im Garten zur Hand zu gehen, um von seinen traumatischen Erlebnissen Ablenkung zu finden. Gemeinsam pflanzen sie die geheimnisvollen Samen, die Thegan von einem maurischen Medicus erhalten hat, und rätseln darüber, welcher Teil des „Ambrosia“ genannten Gewächses als Heilmittel verwendet werden kann und führen auch Selbstversuche durch.
Gegen Ende der Lektüre kommt noch ein kurzer dritter Erzählstrang dazu, der Lena zu ihren bis anhin gänzlich unbekannten Wurzeln führt und in der Folge schliesslich die Weichen für ihre Zukunft in eine andere Richtung stellt. So ganz nebenbei erfährt der Leser in diesem Roman – einer Vermischung von Dichtung und Wahrheit - einiges über Kräuter und ihre Wirkung. Etwas Mühe hatte ich mit der Verknüpfung der beiden Parallelerzählungen aus der Gegenwart und dem 9. Jahrhundert. Lena fällt nämlich immer wieder in einen seltsamen Tiefschlaf und in ihren Träumen und Visionen kann sie eben jene Dinge sehen, die vor rund 1'200 Jahren geschehen sind. Im Nachwort hat die Autorin Erklärungsversuche zusammengetragen, um welche Pflanze es sich bei der Ambrosia handeln könnte, aber vorher erfährt man noch, was es mit dem Buchtitel "Holunderliebe" für eine Bewandtnis hat.
Die Insel Reichenau ist von hier aus in weniger als einer Stunde erreichbar und ich war schon wiederholt dort. Der Roman erinnerte mich an vielen Stellen an unseren noch gar nicht lange zurückliegenden Ausflug dorthin, als wir an einem heissen Samstag mit Mietvelos kreuz und quer an Gewächshäusern vorbeigeradelt sind und in einem zweckentfremdeten zu Mittag gegessen haben. Wir waren auch auf der Hochwacht und haben bestimmt auch die Bucht passiert, an der sich Thegan immer wieder mit seiner Hemma getroffen hat. Und selbstverständlich haben wir auch einen Blick in den sagenumworbenen Kräutergarten von Strabo geworfen.
Katrin Tempel:
Holunderliebe
Piper Verlag, 2013
29. August 2013
Dorothy Cannell: Auf dem Holzweg
Die adoptierte Pastorentochter Tessa wurde als Baby in einem Weidenkörbchen vor dem Pfarrhaus aufgefunden. Schon seit längerer Zeit möchte die junge Frau unbedingt das Rätsel ihrer biologischen Herkunft lösen. Durch ihre Opferrolle in einem gemeinsam mit Harry geplanten fingierten Überfall findet sie Aufnahme auf dem alten Familiensitz aus Cotswoldstein der Familie Tramwell. Zwei alte Damen kümmern sich hinter efeubewachsenen Mauern hingebungsvoll um Tessa, während diese hofft, inkognito näheres über ihre Mutter herauszufinden. Da ihr Adoptivvater noch lebt, interessiert sie sich mehr für die Mutter als für den Vater.
Während Tessa also ihren erfundenen Gedächtnisverlust auskuriert, spitzt sie ihre Ohren und schnüffelt herum. Sie findet schnell heraus, dass mehr als nur ein Dorfbewohner ein kleines Geheimnis zu verbergen versucht. Doch sie muss während ihrem Aufenthalt bei den Tramwells auch immer wieder an ihren detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Und als in unmittelbarer Nähe ein Mord passiert, sucht sie zusätzlich auch gleich noch einen Mörder. Doch wer führt hier eigentlich wen hinters Licht und wer betrügt wen? Kompliziert ist auch das Verhältnis zu Harry, Tessas geheimen Liebe.
Auf den Holzweg geführt wurde ich, als ich mir dieses Buch aufgrund verschiedener Empfehlungen in englischen „Garden-Mysteries-Listen“ vor längerer Zeit zugelegt habe. Wie und warum es „Down the Garden Path“ in solche Empfehlungen geschafft hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, ausser diese beruhen ausschliesslich auf dem englischen Originaltitel. Zwar tragen die beiden Tramwell-Damen die blumigen Namen Hyacinth und Primerose und kümmern sich aus Geldnot selber um den Garten. Dann wird einmal ein ausgedehnter Garten erwähnt, der über bemooste Stufen erreichbar ist, es gibt Rosen in allen möglichen Farben, Schattierungen und Formen, zartbunte Blumenbeete und der Rasen ist zu weichem Plüsch geschoren. Viel mehr aus dem hortikulturellen Bereich gibt es aber nicht festzustellen. Ob beim Übersetzen wohl einige botanische Stellen weggelassen worden sind?
Das Buch lebt vom komisch-englischem Humor und dem skurilen Verhalten der beiden alten Damen, die ihren ganz eigenen Regeln folgen. So besitzen etwa beide keinen Führerschein und verwenden aus Pietätsgründen denjenigen der längst verstorbenen Mutter. Zuweilen etwas verworren sind auch die Gedankengänge der Ich-Erzählerin Tessa.
Dorothy Cannell:
Auf dem Holzweg
Argument Verlag, 1994
Während Tessa also ihren erfundenen Gedächtnisverlust auskuriert, spitzt sie ihre Ohren und schnüffelt herum. Sie findet schnell heraus, dass mehr als nur ein Dorfbewohner ein kleines Geheimnis zu verbergen versucht. Doch sie muss während ihrem Aufenthalt bei den Tramwells auch immer wieder an ihren detektivischen Fähigkeiten zweifeln. Und als in unmittelbarer Nähe ein Mord passiert, sucht sie zusätzlich auch gleich noch einen Mörder. Doch wer führt hier eigentlich wen hinters Licht und wer betrügt wen? Kompliziert ist auch das Verhältnis zu Harry, Tessas geheimen Liebe.
Auf den Holzweg geführt wurde ich, als ich mir dieses Buch aufgrund verschiedener Empfehlungen in englischen „Garden-Mysteries-Listen“ vor längerer Zeit zugelegt habe. Wie und warum es „Down the Garden Path“ in solche Empfehlungen geschafft hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, ausser diese beruhen ausschliesslich auf dem englischen Originaltitel. Zwar tragen die beiden Tramwell-Damen die blumigen Namen Hyacinth und Primerose und kümmern sich aus Geldnot selber um den Garten. Dann wird einmal ein ausgedehnter Garten erwähnt, der über bemooste Stufen erreichbar ist, es gibt Rosen in allen möglichen Farben, Schattierungen und Formen, zartbunte Blumenbeete und der Rasen ist zu weichem Plüsch geschoren. Viel mehr aus dem hortikulturellen Bereich gibt es aber nicht festzustellen. Ob beim Übersetzen wohl einige botanische Stellen weggelassen worden sind?
Das Buch lebt vom komisch-englischem Humor und dem skurilen Verhalten der beiden alten Damen, die ihren ganz eigenen Regeln folgen. So besitzen etwa beide keinen Führerschein und verwenden aus Pietätsgründen denjenigen der längst verstorbenen Mutter. Zuweilen etwas verworren sind auch die Gedankengänge der Ich-Erzählerin Tessa.
Dorothy Cannell:
Auf dem Holzweg
Argument Verlag, 1994
25. August 2013
Karin Standler: Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa
In dieser Publikation lädt Karin Standler den Leser ein auf eine Entdeckungsreise kreuz und quer durch eine Auswahl botanischer Gärten in Europa. Kriterien für die Aufnahme der vorgestellten Institutionen in die Publikation waren spezielle Konzepte, die historische Bedeutung oder besonders beachtliche Sammlungen.
Im ersten von zwei Beiträgen zur Bedeutung von Botanischen Gärten gehen Karin Standler und Iris Meder auf die Rolle derselben aus städtebaulicher Sicht ein und beleuchten Erholungs- und Tourismusaspekte während Marianne Klemun den Wissenswandel im Zusammenhang mit diesen Institutionen reflektiert. Hernach werden 22 Botanische Gärten von Wien, Meise über Berlin, Bordeaux, London, Rom, Uppsala bis Belgrad (*) in dreiseitigen Kurzportraits in Wort und Bild und mit Kontaktangaben vorgestellt. Am Anfang und am Ende der Vorstellungen sind meistens Zwischenblätter mit Pflanzenillustrationen eingefügt.
Die verschiedenen Gärten haben unterschiedliche Forschungs- wie auch Sammlungsziele. Sammeln die einen Sukkulenten, Farne oder Palmen fokussieren sich andere auf Rosen, Iris oder Sumpfplanzen. Einen hohen Stellenwert hat in allen Institutionen der Austausch mit anderen Forschungsanstalten und sie funktionieren gleichzeitig als Experimentierfelder wie auch als (oft kostenloses) Naherholungsgebiet für Menschen und als Orte der Begegnung. Einzelne trumpfen auch immer wieder in architektonischen Belangen auf. Erwähnt sei als Beispiel Kew Garden in London mit den modernen Glashauskomplexen des Princess of Wales Conservatory aus dem Jahr 1987 und einem Steg aus schwarzem Granit und Bronze über einen künstlichen See, „Sackler Crossing“ genannt.
In einem Buch über Botanische Gärten in Europa darf natürlich auch der allererste dieser Gattung in Padua nicht fehlen. Der Leser erfährt, dass die Einführung von exotischen Pflanzen nach dessen Gründung im Jahr 1545 als „Hortus Simplicium“ dermassen erfolgreich war, dass er wegen andauernder Diebstähle bereits 1552 ummauert und in einen „Hortus concusus“ umgewandelt werden musste. Weiter liest man, dass die verschiedenen Pflanzenhäuser im Botanischen Garten von St. Petersburg zusammen eine Länge von 1,1 Kilometer aufweisen und sich dort eine umfangreiche Sammlung der Werke von und über Carl von Linée samt Briefwechseln und internationaler Literatur befindet.
Im belgischen Meise beherbergt der Botanische Garten eine Sammlung von Kaffeegewächsen und die hauseigene Mischung kann im Shop erworben werden. Und derweilen Barcelona einen grossen Herbarienbestand aufweist und wichtige Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation des Mittelmeerraumes betreibt, experimentiert man in Leiden in Sachen UV-Schutz auf der Grundlage der Schutzschicht von Latschenkiefer-Nadeln.
Im Anschluss an die Portraits ist eine Europakarte abgedruckt, auf welcher die im Buch erwähnten Botanischen Gärten eingezeichnet sind und ein Verzeichnis aller Institutionen mit Adressen und Internet-Adressen. Ein informatives und schön gestaltetes Buch, das Lust macht, den Hin- oder Rückweg zur nächsten Feriendestination mit einem in der Nähe liegenden Botanischen Garten zu verbinden.
Karin Standler:
Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa Team private plots, 2013
(*) Auflistung der im Buch vorgestellten Botanischen Gärten: Wien, Meise, Brünn, Berlin, Giessen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Barcelona, Bordeaux, London, Zagreb, Padua, Rom, Ventimiglia, Leiden, Krakau, Bukarest, St. Petersburg, Uppsala, Laibach, Belgrad
Im ersten von zwei Beiträgen zur Bedeutung von Botanischen Gärten gehen Karin Standler und Iris Meder auf die Rolle derselben aus städtebaulicher Sicht ein und beleuchten Erholungs- und Tourismusaspekte während Marianne Klemun den Wissenswandel im Zusammenhang mit diesen Institutionen reflektiert. Hernach werden 22 Botanische Gärten von Wien, Meise über Berlin, Bordeaux, London, Rom, Uppsala bis Belgrad (*) in dreiseitigen Kurzportraits in Wort und Bild und mit Kontaktangaben vorgestellt. Am Anfang und am Ende der Vorstellungen sind meistens Zwischenblätter mit Pflanzenillustrationen eingefügt.
Die verschiedenen Gärten haben unterschiedliche Forschungs- wie auch Sammlungsziele. Sammeln die einen Sukkulenten, Farne oder Palmen fokussieren sich andere auf Rosen, Iris oder Sumpfplanzen. Einen hohen Stellenwert hat in allen Institutionen der Austausch mit anderen Forschungsanstalten und sie funktionieren gleichzeitig als Experimentierfelder wie auch als (oft kostenloses) Naherholungsgebiet für Menschen und als Orte der Begegnung. Einzelne trumpfen auch immer wieder in architektonischen Belangen auf. Erwähnt sei als Beispiel Kew Garden in London mit den modernen Glashauskomplexen des Princess of Wales Conservatory aus dem Jahr 1987 und einem Steg aus schwarzem Granit und Bronze über einen künstlichen See, „Sackler Crossing“ genannt.
In einem Buch über Botanische Gärten in Europa darf natürlich auch der allererste dieser Gattung in Padua nicht fehlen. Der Leser erfährt, dass die Einführung von exotischen Pflanzen nach dessen Gründung im Jahr 1545 als „Hortus Simplicium“ dermassen erfolgreich war, dass er wegen andauernder Diebstähle bereits 1552 ummauert und in einen „Hortus concusus“ umgewandelt werden musste. Weiter liest man, dass die verschiedenen Pflanzenhäuser im Botanischen Garten von St. Petersburg zusammen eine Länge von 1,1 Kilometer aufweisen und sich dort eine umfangreiche Sammlung der Werke von und über Carl von Linée samt Briefwechseln und internationaler Literatur befindet.
Im belgischen Meise beherbergt der Botanische Garten eine Sammlung von Kaffeegewächsen und die hauseigene Mischung kann im Shop erworben werden. Und derweilen Barcelona einen grossen Herbarienbestand aufweist und wichtige Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation des Mittelmeerraumes betreibt, experimentiert man in Leiden in Sachen UV-Schutz auf der Grundlage der Schutzschicht von Latschenkiefer-Nadeln.
Im Anschluss an die Portraits ist eine Europakarte abgedruckt, auf welcher die im Buch erwähnten Botanischen Gärten eingezeichnet sind und ein Verzeichnis aller Institutionen mit Adressen und Internet-Adressen. Ein informatives und schön gestaltetes Buch, das Lust macht, den Hin- oder Rückweg zur nächsten Feriendestination mit einem in der Nähe liegenden Botanischen Garten zu verbinden.
Karin Standler:
Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen in Europa Team private plots, 2013
(*) Auflistung der im Buch vorgestellten Botanischen Gärten: Wien, Meise, Brünn, Berlin, Giessen, Karlsruhe, München, Stuttgart, Barcelona, Bordeaux, London, Zagreb, Padua, Rom, Ventimiglia, Leiden, Krakau, Bukarest, St. Petersburg, Uppsala, Laibach, Belgrad
21. August 2013
Evelyn Düll: Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps
Als Tom nach einem Weinfest mit seiner Schwester Sabine mit dem Velo nach Hause fährt, ahnt er nicht, dass eine seltsame Beobachtung auf einem vorbeifahrenden Laster voller Gräserschnitt und anderen Gartenabfällen, die er bei diffusem Licht in der Abenddämmerung macht, sein Leben in den nächsten vierzehn Tagen in ein spannendes, aber auch überaus gefährliches Abenteuer verwandeln wird.
Seit seinem Studiumabschluss vor einigen Monaten sucht der sechsundzwanzigjährige Tom Sauer erfolglos einen Job. Die Region um die Grossstädte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg lässt ihn nicht los und diese Inflexibilität in Sachen Mobilität wirkt sich negativ auf seine Stellensuche aus. Immerhin verdient er als freier Mitarbeiter für die Lokalzeitung mit Texten ein wenig Geld. Nichtsdestotrotz ist er inzwischen recht frustriert und sein Selbstbewusstsein schwindet. Und nun führt die nächtliche Beobachtung, die er zunächst als Einbildung abgetan hat, auch noch zu wiederholten schrecklichen Alpträumen.
Mit Hilfe seiner Schwester findet Tom heraus, dass der Laster aus jener Nacht aufgrund des Logos einer Gärtnerei vor den Toren der Domstadt Speyer gehört und er erinnert sich, kürzlich in der Zeitung ein Stelleninserat derselben gelesen zu haben. Spontan beschliesst er, sich dort zu bewerben. Seine Trägheit der letzten Wochen ist mit einem Mal wie weggewischt und er möchte den ausgeschriebenen Job unbedingt erhalten, um dort persönlich Nachforschungen anstellen zu können. Sein Vorstellungsgespräch bei der etwas überfordert wirkenden Junior-Chefin Elfi Landgraf beginnt nicht gerade vielversprechend, doch er schafft es, eine Praktikumsstelle zu ergattern und er erfährt gleichzeitig, dass der Inhaber der Baumschule Landgraf seit vier Tagen spurlos verschwunden ist.
Toms eher dilettantischen Schnüffelaktionen bleiben nicht lange unbemerkt und er sieht sich gezwungen, Elfi seine wahren Motive für sein Interesse am Betrieb zu offenbaren. Er hat aber bereits herausgefunden dass der verschwundene Besitzer, der hobbymässig Rosen züchtet, nicht besonders beliebt ist und das Schnittgut einer Drachsensicheltanne ist eine Spur, der Tom nachgeht. Ausserdem hat er inzwischen sein Interesse fürs Grünzeug entdeckt. Plötzlich hat nicht mehr seine Schwester Sabine, die Biogärtnerin auf Öko-Trip, den grünsten Daumen in der Familie Sauer, sondern Tom eifert ihr nach.
Der Baumschulbetrieb scheint das Unglück anzuziehen. Neben dem Verschwinden des Chefs ereignen sich ein schwerer Unfall beim Schreddern und ein tödlicher Verkehrsunfall und damit ist die Serie an mysteriösen Todes- und Unglücksfällen noch nicht abgeschlossen.
Die Autorin und Diplom-Ingenieurin Gartenbau Evelyn Düll bettet in diesen Krimi mit etwas gar vielen Unglücken auf rund 180 Seiten fast unzählige Gartentipps ein - beispielsweise zu den Themen Erde aus Klärschlamm, Düngung, Bonsais, Rosenzucht, Teichbau, Gift, Schnecken und Kompostieren. Besonders gefallen hat mir, an einzelnen Buchstellen an unseren letztjährigen Aufenthalt in der Gegend dieser Erzählung erinnert zu werden.
Evelyn Düll:
Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps
Eigenverlag, 2012
Seit seinem Studiumabschluss vor einigen Monaten sucht der sechsundzwanzigjährige Tom Sauer erfolglos einen Job. Die Region um die Grossstädte Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg lässt ihn nicht los und diese Inflexibilität in Sachen Mobilität wirkt sich negativ auf seine Stellensuche aus. Immerhin verdient er als freier Mitarbeiter für die Lokalzeitung mit Texten ein wenig Geld. Nichtsdestotrotz ist er inzwischen recht frustriert und sein Selbstbewusstsein schwindet. Und nun führt die nächtliche Beobachtung, die er zunächst als Einbildung abgetan hat, auch noch zu wiederholten schrecklichen Alpträumen.
Mit Hilfe seiner Schwester findet Tom heraus, dass der Laster aus jener Nacht aufgrund des Logos einer Gärtnerei vor den Toren der Domstadt Speyer gehört und er erinnert sich, kürzlich in der Zeitung ein Stelleninserat derselben gelesen zu haben. Spontan beschliesst er, sich dort zu bewerben. Seine Trägheit der letzten Wochen ist mit einem Mal wie weggewischt und er möchte den ausgeschriebenen Job unbedingt erhalten, um dort persönlich Nachforschungen anstellen zu können. Sein Vorstellungsgespräch bei der etwas überfordert wirkenden Junior-Chefin Elfi Landgraf beginnt nicht gerade vielversprechend, doch er schafft es, eine Praktikumsstelle zu ergattern und er erfährt gleichzeitig, dass der Inhaber der Baumschule Landgraf seit vier Tagen spurlos verschwunden ist.
Toms eher dilettantischen Schnüffelaktionen bleiben nicht lange unbemerkt und er sieht sich gezwungen, Elfi seine wahren Motive für sein Interesse am Betrieb zu offenbaren. Er hat aber bereits herausgefunden dass der verschwundene Besitzer, der hobbymässig Rosen züchtet, nicht besonders beliebt ist und das Schnittgut einer Drachsensicheltanne ist eine Spur, der Tom nachgeht. Ausserdem hat er inzwischen sein Interesse fürs Grünzeug entdeckt. Plötzlich hat nicht mehr seine Schwester Sabine, die Biogärtnerin auf Öko-Trip, den grünsten Daumen in der Familie Sauer, sondern Tom eifert ihr nach.
Der Baumschulbetrieb scheint das Unglück anzuziehen. Neben dem Verschwinden des Chefs ereignen sich ein schwerer Unfall beim Schreddern und ein tödlicher Verkehrsunfall und damit ist die Serie an mysteriösen Todes- und Unglücksfällen noch nicht abgeschlossen.
Die Autorin und Diplom-Ingenieurin Gartenbau Evelyn Düll bettet in diesen Krimi mit etwas gar vielen Unglücken auf rund 180 Seiten fast unzählige Gartentipps ein - beispielsweise zu den Themen Erde aus Klärschlamm, Düngung, Bonsais, Rosenzucht, Teichbau, Gift, Schnecken und Kompostieren. Besonders gefallen hat mir, an einzelnen Buchstellen an unseren letztjährigen Aufenthalt in der Gegend dieser Erzählung erinnert zu werden.
Evelyn Düll:
Der Mörder mit dem grünen Daumen – Ein Kriminalroman mit vielen Gartentipps
Eigenverlag, 2012
17. August 2013
Elsemarie Maletzke: Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks
Haben Sie Lust auf einen angenehmen Lesespaziergang durch Gärten und Parks? Vielleicht auf einer bequemen Bank im kühlen Schatten eines Baums sitzend? Der Garten und die Sehnsucht nach dem verlorenen Eden waren schon immer ein beliebtes Thema für Dichter und Schriftsteller. Und so führt die Herausgeberin Elsemarie Maletzke in diesem Buch in sechs Kapiteln durch verschiedene Gärten und Parks in unterschiedlichen Jahrhunderten und steuert jeweils am Kapitalanfang eigene Gedanken bei.
Gegliedert ist die grosszügig mit Gemälden und Fotos illustrierte Publikation mit Texten von Bettina von Arnim über Christian Morgenstern und Walahfrid Strabo bis Caroline Wolzogen in die folgenden Abschnitte:
- Formale Gärten
- Englische Landschaftsgärten
- Kraut und Rosen
- Geliebte Bäume
- Willkommen und unerwünscht
- Jenseits der Gartenmauer
Wer hat wohl als Erster Rosen neben Lauch gepflanzt? Mit dieser Frage beginnen die einleitenden Sätze zum Kapitel „Formale Gärten“, in dessen Beiträgen hernach Eduard Möricke in ein Labyrinth, Karl-Philipp Moritz auf einen Ausflug nach Vauxhall und Heinrich Heine in die Tuilerien einladen. An anderer Stelle plaudert Karel Câpek über das Gefühl von Freiheit beim Laufen über Wiesen und welchen Einfluss auf den Charakter und die Weltanschauung diese Möglichkeit eröffnet, während er im „Gebet eines Gärtners“ seine Anweisungen für die perfekten Niederschlagsmengen in höhere Sphären weitergibt.
Johann Peter Hebel wiederum macht sich in einem engagierten Plädoyer für Maulwürfe stark. Er räumt mit Hilfe von detaillierten und eher unappetitlichen Details zum Mageninhalt derselben mit Vorwürfen auf, die den Insektenfresser als Wurzelfrevler verdammen. Der Nicht-Gärtner Gerald Durech seinerseits verfügt über eine ausgeprägte Schwäche für Schnecken und glaubt, diese auch lieben zu können, wenn sie seine Pflanzen fressen würden. Er ist sogar der Meinung, es sei eine Ehre, wenn sich welche im Garten tummeln. Na ja, es gibt erfreulichere Ehrbezeugungen. Mehr Verständnis bringt die Sofagärtnerin für die 76jährige Sidonie Colette auf, die eine eine Einladung ihres Schwiegersohnes ausschlägt, weil sie das unmittelbar bevorstehende Ereignis einer nur alle vier Jahre aufgehenden rosa Blüte an ihrem Kaktus nicht verpassen will.
Johann Christoph Heppe stellt verschiedene Gehölze von der Aalkirsche bis zur Quitschbeere und von der Hagebuche bis zum Machandel (Wacholder) vor, während Jane Austen auf die lästigen Seiten von Gemüsegärten hinweist, zu denen sie das Verfaulen der Vegetation, speziell von Kohlgewächsen im Oktober, zählt. Weiter liest man über Heilige Hallen (den ältesten deutschen Buchenwald), die architektonischen Narreteien namens „Follies“, von mit Ölfarbe angestrichenen Gebirgen aus Brettern und erfährt, dass die Anlagen von Wörlitz als Hintergrund für Goethes Wahlverwandtschaften dienten. Und derweilen in einem 1897 in der „Gartenwelt“ publizierten Artikel die Rede ist von der Vollkommenheit der Natur und von gelb blühenden Wiesen geschwärmt wird, weist die Herausgeberin auf die ausgeklügelten Strategien von Ranunculus und Co. hin, die schon manchen Gärtner an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.
In „Willkommen und unerwünscht“ erfährt der Leser ein wenig über die persönlichen Vorlieben und Abneigungen von Elsemarie Maletzke selber. So missfallen ihr beispielsweise Eisbegonien und Heidekraut. Sie rät jedoch gleichzeitig, nie die Pflanzen anderer Gärtner zu beleidigen. Schliesslich lässt sich über Geschmack nicht streiten und sie vermerkt zugleich, dass der Natur aber tatsächlich nicht alle Blumen gleich gut gelungen sind.
Elsemarie Maletzke:
Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks
Gerstenberg Verlag, 2013
Gegliedert ist die grosszügig mit Gemälden und Fotos illustrierte Publikation mit Texten von Bettina von Arnim über Christian Morgenstern und Walahfrid Strabo bis Caroline Wolzogen in die folgenden Abschnitte:
- Formale Gärten
- Englische Landschaftsgärten
- Kraut und Rosen
- Geliebte Bäume
- Willkommen und unerwünscht
- Jenseits der Gartenmauer
Wer hat wohl als Erster Rosen neben Lauch gepflanzt? Mit dieser Frage beginnen die einleitenden Sätze zum Kapitel „Formale Gärten“, in dessen Beiträgen hernach Eduard Möricke in ein Labyrinth, Karl-Philipp Moritz auf einen Ausflug nach Vauxhall und Heinrich Heine in die Tuilerien einladen. An anderer Stelle plaudert Karel Câpek über das Gefühl von Freiheit beim Laufen über Wiesen und welchen Einfluss auf den Charakter und die Weltanschauung diese Möglichkeit eröffnet, während er im „Gebet eines Gärtners“ seine Anweisungen für die perfekten Niederschlagsmengen in höhere Sphären weitergibt.
Johann Peter Hebel wiederum macht sich in einem engagierten Plädoyer für Maulwürfe stark. Er räumt mit Hilfe von detaillierten und eher unappetitlichen Details zum Mageninhalt derselben mit Vorwürfen auf, die den Insektenfresser als Wurzelfrevler verdammen. Der Nicht-Gärtner Gerald Durech seinerseits verfügt über eine ausgeprägte Schwäche für Schnecken und glaubt, diese auch lieben zu können, wenn sie seine Pflanzen fressen würden. Er ist sogar der Meinung, es sei eine Ehre, wenn sich welche im Garten tummeln. Na ja, es gibt erfreulichere Ehrbezeugungen. Mehr Verständnis bringt die Sofagärtnerin für die 76jährige Sidonie Colette auf, die eine eine Einladung ihres Schwiegersohnes ausschlägt, weil sie das unmittelbar bevorstehende Ereignis einer nur alle vier Jahre aufgehenden rosa Blüte an ihrem Kaktus nicht verpassen will.
Johann Christoph Heppe stellt verschiedene Gehölze von der Aalkirsche bis zur Quitschbeere und von der Hagebuche bis zum Machandel (Wacholder) vor, während Jane Austen auf die lästigen Seiten von Gemüsegärten hinweist, zu denen sie das Verfaulen der Vegetation, speziell von Kohlgewächsen im Oktober, zählt. Weiter liest man über Heilige Hallen (den ältesten deutschen Buchenwald), die architektonischen Narreteien namens „Follies“, von mit Ölfarbe angestrichenen Gebirgen aus Brettern und erfährt, dass die Anlagen von Wörlitz als Hintergrund für Goethes Wahlverwandtschaften dienten. Und derweilen in einem 1897 in der „Gartenwelt“ publizierten Artikel die Rede ist von der Vollkommenheit der Natur und von gelb blühenden Wiesen geschwärmt wird, weist die Herausgeberin auf die ausgeklügelten Strategien von Ranunculus und Co. hin, die schon manchen Gärtner an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.
In „Willkommen und unerwünscht“ erfährt der Leser ein wenig über die persönlichen Vorlieben und Abneigungen von Elsemarie Maletzke selber. So missfallen ihr beispielsweise Eisbegonien und Heidekraut. Sie rät jedoch gleichzeitig, nie die Pflanzen anderer Gärtner zu beleidigen. Schliesslich lässt sich über Geschmack nicht streiten und sie vermerkt zugleich, dass der Natur aber tatsächlich nicht alle Blumen gleich gut gelungen sind.
Elsemarie Maletzke:
Wenn ich in den Garten geh – Ein Lesespaziergang durch Gärten und Parks
Gerstenberg Verlag, 2013
21. Juli 2013
Andreas Séché: Namiko und das Flüstern
Der für den Leser namenlose Ich-Erzähler sitzt traurig, wehmütig und gleichzeitig glücklich als 48jähriger auf seinem Sofa mit dem Namen „Herr Matthau“ und schreibt seine Erinnerungen an die intensive, aber zeitlich begrenzte Zeit mit Namiko nieder. Gleichzeitig denkt er nach über den Sinn von Koans, kleinen tückischen Texten, die einem das Leben schwer machen und zu deren Verstehen, das Bauchgefühl wichtiger ist, als das, was der Verstand meint.
Eine Japan-Reise – er, der deutsche Reporter, soll einen Artikel über die Gärten von Kyoto schreiben - hat vor knapp zwei Jahrzehnten sein Leben grundlegend verändert. Der Journalist und Buchliebhaber verliebte sich damals in die Studentin Namiko, die ihn schon bei der ersten Begegnung in einem Garten fasziniert und unweigerlich in ihren Bann gezogen hat. Das Kennenlernen beginnt mit der Übersetzung des Gartens und dem Erklären der Geheimnisse hinter den japanischen Schriftzeichen. Geheimnisse spielen überhaupt eine wichtige Rolle im Leben des Journalisten. Doch während solche in seiner früheren Beziehung mit Eva einen negativen Beigeschmack hatten und ein Synonym für Heimlichkeiten waren, bedeuteten Geheimnisse für Namiko, den anderen in etwas einzubeziehen, in dem man dem Gegenüber die Augen für Unbekanntes öffnet. Der Reporter lernte auf diese Weise Dinge und die Umwelt aus einer anderen Sichtweise zu betrachten und dass es bei Speisen nicht nur auf den Geschmack ankommt, sondern auch darauf, wie sich diese im Mund anfühlen.
Dem Erzähler bietet sich also unvermittelt die Möglichkeit, einen anderen als den scheinbar geplanten und vorgegebenen Lebensweg in Deutschland weiterzuverfolgen und damit steckt er gleichzeitig in einem Dilemma. Zukunftsängste kommen auf, Zweifel und Respekt vor dem Kulturwechsel, doch auch Gedanken an die als verschwendet empfundene Lebenszeit in der früheren Partnerschaft spielen eine Rolle. Was hält ihn eigentlich in Hamburg? Ist sein Job mit einem Chef, der Berichte über Prominente mehr schätzt als Texte mit Tiefgang nicht austauschbar? Wie soll er sich entscheiden?
Derweilen bekommt der Leser Einblick in die Unterschiede der japanischen und europäischen Kultur und lernt ebenfalls andere Denk- und Sichtweisen kennen. Wozu im Dunkeln Feuerzeug benützen, wenn man auch mit den Ohren sehen kann? Nur was man nicht kann, kann man lernen und ist Neues nicht immer Altes mit anders zusammengesetzten Zutaten? Ist es vielleicht tatsächlich so, dass ein Paar, das eine rege Kommunikation pflegt, Probleme hat? Und schliesslich kann ein Weg, der sich als Irrweg erweist, ja auch wieder verlassen werden.
In die berührende, melancholisch angehauchte Lektüre eingestreut sind immer wieder Andeutungen auf den folgenden Schicksalsschlag, der den Leser aber wie den Journalisten schliesslich doch völlig unvorbereitet trifft, letzteren aber den Wert des Gewesenen schätzen lernt.
Ausgezeichnet in den Sofagarten passt das traurig-schöne Buch wegen seinem ausgeprägten hortikulturellen Hintergrund, der dem Leser nebenbei auch noch die japanische Gartenkultur näher bringt. Namiko selber verbringt mehr Zeit in Gärten als mancher Gärtner und arbeitet als Touristenführerin in solchen. Der Ich-Erzähler wiederum wird vom Schwiegervater in die japanische Gartenkunst eingeführt und lernt das Setzen von Pflanzen, Schneiden von Bäumen, das wirkungsvolle Arrangieren von nicht-pflanzlichen Materialien wie Steinen und Laternen, das Verwenden von Sand als Symbol für Wasser und dass ein sprudelnder Bach, eine Metapher für den Lauf des Lebens ist – wohin fliesst er oder es?
Mit dieser inspirativen Buchempfehlung – einem Tipp aus der Leserschaft - verabschiede ich mich in die Sommerpause und wünsche allen Leserinnen und Lesern einen erspriesslichen (Lese-)Sommer!
Andreas Séché:
Namiko und das Flüstern
Ars Vivendi Verlag, 2011
Eine Japan-Reise – er, der deutsche Reporter, soll einen Artikel über die Gärten von Kyoto schreiben - hat vor knapp zwei Jahrzehnten sein Leben grundlegend verändert. Der Journalist und Buchliebhaber verliebte sich damals in die Studentin Namiko, die ihn schon bei der ersten Begegnung in einem Garten fasziniert und unweigerlich in ihren Bann gezogen hat. Das Kennenlernen beginnt mit der Übersetzung des Gartens und dem Erklären der Geheimnisse hinter den japanischen Schriftzeichen. Geheimnisse spielen überhaupt eine wichtige Rolle im Leben des Journalisten. Doch während solche in seiner früheren Beziehung mit Eva einen negativen Beigeschmack hatten und ein Synonym für Heimlichkeiten waren, bedeuteten Geheimnisse für Namiko, den anderen in etwas einzubeziehen, in dem man dem Gegenüber die Augen für Unbekanntes öffnet. Der Reporter lernte auf diese Weise Dinge und die Umwelt aus einer anderen Sichtweise zu betrachten und dass es bei Speisen nicht nur auf den Geschmack ankommt, sondern auch darauf, wie sich diese im Mund anfühlen.
Dem Erzähler bietet sich also unvermittelt die Möglichkeit, einen anderen als den scheinbar geplanten und vorgegebenen Lebensweg in Deutschland weiterzuverfolgen und damit steckt er gleichzeitig in einem Dilemma. Zukunftsängste kommen auf, Zweifel und Respekt vor dem Kulturwechsel, doch auch Gedanken an die als verschwendet empfundene Lebenszeit in der früheren Partnerschaft spielen eine Rolle. Was hält ihn eigentlich in Hamburg? Ist sein Job mit einem Chef, der Berichte über Prominente mehr schätzt als Texte mit Tiefgang nicht austauschbar? Wie soll er sich entscheiden?
Derweilen bekommt der Leser Einblick in die Unterschiede der japanischen und europäischen Kultur und lernt ebenfalls andere Denk- und Sichtweisen kennen. Wozu im Dunkeln Feuerzeug benützen, wenn man auch mit den Ohren sehen kann? Nur was man nicht kann, kann man lernen und ist Neues nicht immer Altes mit anders zusammengesetzten Zutaten? Ist es vielleicht tatsächlich so, dass ein Paar, das eine rege Kommunikation pflegt, Probleme hat? Und schliesslich kann ein Weg, der sich als Irrweg erweist, ja auch wieder verlassen werden.
In die berührende, melancholisch angehauchte Lektüre eingestreut sind immer wieder Andeutungen auf den folgenden Schicksalsschlag, der den Leser aber wie den Journalisten schliesslich doch völlig unvorbereitet trifft, letzteren aber den Wert des Gewesenen schätzen lernt.
Ausgezeichnet in den Sofagarten passt das traurig-schöne Buch wegen seinem ausgeprägten hortikulturellen Hintergrund, der dem Leser nebenbei auch noch die japanische Gartenkultur näher bringt. Namiko selber verbringt mehr Zeit in Gärten als mancher Gärtner und arbeitet als Touristenführerin in solchen. Der Ich-Erzähler wiederum wird vom Schwiegervater in die japanische Gartenkunst eingeführt und lernt das Setzen von Pflanzen, Schneiden von Bäumen, das wirkungsvolle Arrangieren von nicht-pflanzlichen Materialien wie Steinen und Laternen, das Verwenden von Sand als Symbol für Wasser und dass ein sprudelnder Bach, eine Metapher für den Lauf des Lebens ist – wohin fliesst er oder es?
Mit dieser inspirativen Buchempfehlung – einem Tipp aus der Leserschaft - verabschiede ich mich in die Sommerpause und wünsche allen Leserinnen und Lesern einen erspriesslichen (Lese-)Sommer!
Andreas Séché:
Namiko und das Flüstern
Ars Vivendi Verlag, 2011
17. Juli 2013
Elizabeth Loupas: Die Blumenleserin
Edinburgh im Jahr 1560: Die siebzehnjährige Rinette von Granmuir lebt seit drei Jahren gegen ihren Willen am königlichen Hof. Sie vermisst das Landleben, das Meer und ganz besonders die Blumen aus ihrer Heimat. Nun liegt ihre Ziehmutter, die Königin Marie de Guise, im Sterben und vertraut ausgerechnet ihr eine Silberschatulle mit Briefen und Prophezeiungen an. Rinette soll diese deren Tochter Maria Stuart übergeben, und zwar genau an dem Tag, an dem diese wieder schottischen Boden betritt. In der Zwischenzeit soll die junge Frau die Schatulle samt Inhalt an einem geheimen von der Königin bestimmten Ort verstecken. Doch bevor Rinette ihr widerwillig gegebenes Versprechen einlösen kann, muss sie Hals über Kopf vom Hof fliehen, da nach dem Tod der Königin ein Streit zwischen verfeindeten Adeligen um Rinette und Granmuir entbrennt.
Erst ein Jahr später kehrt Rinette hochschwanger zusammen mit ihrem Mann Alexander Gordon an den Hof zurück, um die Dose endlich am von der Königin gewünschten Ort zu verstecken und schliesslich der achtzehnjährigen Regentin Marian Stuart zu übergeben. Doch noch am gleichen Tag, gerade als das Ehepaar eben die Schatulle versteckt hat, wird Rinettes Mann und Jugendliebe Alexander ermordet und sie selber stirbt beinahe bei der Geburt ihrer Tochter.
Jedermann scheint hinter der silbernen Dose her zu sein – die Protestanten, die Katholiken und die Hugenotten. Während sich Rinette nur ganz langsam erholt, versuchen verschiedene verfeindete Lager an die Schatulle heranzukommen und die junge Frau muss erfahren, dass ihr eigener Mann die Dose hinter ihrem Rücken zum Verkauf angeboten hat. Schliesslich schliesst Rinette mit der neuen Königin einen Pakt: sobald Maria Stuart ihr Alexanders Mörder präsentiert, übergibt sie im Gegenzug die silberne Schatulle. Ausserdem wird Rinette zu keiner von ihr ungewünschten Hochzeit gezwungen.
Mördersuche ist keine leichte Aufgabe für eine Hofdame, die ständig unter Beobachtung steht. Und wenn als einziger Anhaltspunkt ein Rubin aus der Mordwaffe dient, vereinfacht dies die Sache auch nicht. Wem gehört der Dolch mit dem fehlenden Rubin? Wer hatte einen Nutzen an Alexanders Tod? Und welche Rolle spielt Nicolas de Clerac, der ihr fast wie ein Schatten folgt?
In diesem fiktiven in Ich-Form erzählten Roman um die junge Maria Stuart sucht Rinette immer wieder Rat bei den Blumen und hält grosse Stücke auf ihre geliebten Anemonen. Während von Pflaumenbäumen Zuneigung, Treue und Loyalität ausgeht, erfährt sie von den Menschen Zurückweisung und gerät immer wieder in die Mühlen von geheimnisvollen und heimtückischen Intrigen. Und ausgerechnet in ihrer schwersten und bittersten Zeit versagt ihre Gabe der Blumenkommunikation.
Elizabeth Loupas:
Die Blumenleserin
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2012
Erst ein Jahr später kehrt Rinette hochschwanger zusammen mit ihrem Mann Alexander Gordon an den Hof zurück, um die Dose endlich am von der Königin gewünschten Ort zu verstecken und schliesslich der achtzehnjährigen Regentin Marian Stuart zu übergeben. Doch noch am gleichen Tag, gerade als das Ehepaar eben die Schatulle versteckt hat, wird Rinettes Mann und Jugendliebe Alexander ermordet und sie selber stirbt beinahe bei der Geburt ihrer Tochter.
Jedermann scheint hinter der silbernen Dose her zu sein – die Protestanten, die Katholiken und die Hugenotten. Während sich Rinette nur ganz langsam erholt, versuchen verschiedene verfeindete Lager an die Schatulle heranzukommen und die junge Frau muss erfahren, dass ihr eigener Mann die Dose hinter ihrem Rücken zum Verkauf angeboten hat. Schliesslich schliesst Rinette mit der neuen Königin einen Pakt: sobald Maria Stuart ihr Alexanders Mörder präsentiert, übergibt sie im Gegenzug die silberne Schatulle. Ausserdem wird Rinette zu keiner von ihr ungewünschten Hochzeit gezwungen.
Mördersuche ist keine leichte Aufgabe für eine Hofdame, die ständig unter Beobachtung steht. Und wenn als einziger Anhaltspunkt ein Rubin aus der Mordwaffe dient, vereinfacht dies die Sache auch nicht. Wem gehört der Dolch mit dem fehlenden Rubin? Wer hatte einen Nutzen an Alexanders Tod? Und welche Rolle spielt Nicolas de Clerac, der ihr fast wie ein Schatten folgt?
In diesem fiktiven in Ich-Form erzählten Roman um die junge Maria Stuart sucht Rinette immer wieder Rat bei den Blumen und hält grosse Stücke auf ihre geliebten Anemonen. Während von Pflaumenbäumen Zuneigung, Treue und Loyalität ausgeht, erfährt sie von den Menschen Zurückweisung und gerät immer wieder in die Mühlen von geheimnisvollen und heimtückischen Intrigen. Und ausgerechnet in ihrer schwersten und bittersten Zeit versagt ihre Gabe der Blumenkommunikation.
Elizabeth Loupas:
Die Blumenleserin
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2012
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