Als die junge Mutter Nicci den Kampf gegen den Brustkrebs verliert, vermacht sie ihn Abschiedsbriefen ihren drei besten Freundinnen Lizzie, Jo und Mona nicht nur ihren Garten, sondern auch die Zwillingstöchter und ihren Mann. Lizzie hat mit der Patenschaft für den Garten die scheinbar einfachste Aufgabe zugeteilt bekommen. Was sich in der Clique alles ereignet zwischen der Übernahme des krankheitsbedingt vernachlässigten Gartens, einem zwischenzeitlichen Aufblühen desselben und einer weiteren Verwilderung nach fast fünfhundert Romanseiten schildert Sam Baker in ihrem berührenden Roman „Die besten Freunde meines Lebens“.
Nicci war immer die erste (oder andere erste Male zählen eben nicht): beim Heiraten, beim Kinderkriegen und nun auch beim Sterben. Den Lebensinhalt der 150 cm kleinen Frau bildeten neben ihrer Familie modische Kleider. Ihren untrüglichen Fashion-Geschmack hat sie mit ins Grab genommen und wie sich herausstellt auch das eine oder andere Familiengeheimnis. Sechzehn Jahre war sie mit ihrem Mann David zusammen und fast gleich lange ging sie mit ihren besten Freundinnen durch dick und dünn und ein Wochenende ohne gemeinsamen Sonntagsbraten wäre kein richtiger Sonntag gewesen.
Der viel zu frühe Tod von Nicci lähmt ihre Freundinnen und auch die grotesken Briefe tragen nicht zur Vereinfachung bei. Was wollte sie mit diesem scheinbar sinnlosen Vermächtnis bezwecken? Doch schon allein wegen ihrer gemeinsamen Aufgabe, die vielen autobiografisch geordneten Kleiderschränke zu räumen, müssen die zurückgebliebenen drei Frauen als sogenanntes „Verscherbler-Bewahrer-Spenderinnen-Komitee“ funktionieren und sich regelmässig treffen. Bei diesem Schrank-Ausräumen bekommt die Leserin Einblick in weit zurückliegende Ereignisse und die dazu passenden Klamotten.
Und schon bald beginnt die unglücklich verheiratete Lizzie, Gartenbücher zu studieren. Zunächst fühlt sie sich mit ihrer Aufgabe überfordert und ist mit belastenden Erinnerungen an ein gepflegtes Gemüsebeet, einen bunten Garten, ein Wigwam aus Bohnenstangen und ein Flammenmeer aus Chrysanthemen behaftet, doch wider Erwarten bekommt sie dank angelesener Unterstützung von Alan Titchmarsh sogar Spass am Gärtnern. Bei dieser Tätigkeit kann sie ihren unerfüllten Kinderwunsch ebenso temporär bei Seite schieben wie die Sorgen um ihre demente Mutter.
Auch Mona, alleinerziehende Mutter und Geliebte eines verheirateten Mannes, bekundet Mühe mit dem ihr zugedachten Part. Sie soll nämlich den Witwer David heiraten. Da hat es Jo, die Zahlenjongleurin und Co-Geschäftspartnerin von Nicci, die sich bereits liebevoll um die beiden Söhne ihres Partners aus einer früheren Beziehung kümmert, einfacher. Ihr wurden die Zwillingsmädchen anvertraut.
Die Autorin hat überaus nachvollziehbare Charaktere geschaffen und die Abschiedsbriefe entpuppen sich als nicht ganz so absurd, wie zunächst allgemein vermutet wird. Die Zukunft und Gefühle lassen sich nicht steuern – oder doch? Sam Baker umschifft gekonnt Klippen, die dem Roman Glaubwürdigkeit genommen hätten, und so enden die harten Monate nach Niccis Tod mit vielen Ups and Downs in den Beziehungen zwischen diesen besten Freunden nicht überall mit einem Happyend, aber es sind Silberstreifen am Horizont auszumachen. Die Lektüre ist melancholisch und emotional, aber auch immer wieder witzig. Wie etwa dann, wenn es heisst, „Kohlenhydrate und Fett ölen den Motor häuslicher Harmonie“ (Zitat)….
Sam Baker:
Die besten Freunde meines Lebens
Diana Verlag, 2013
11. Juli 2014
6. Juli 2014
Shannon Stacey: Ganz oder Kowalski
Eben aus dem Militär entlassen, hat Sean Kowalski noch keine konkreten Pläne, was er mit seiner Freiheit und Selbständigkeit anstellen, geschweige denn, wie seine Zukunft überhaupt aussehen soll. Da klopft eine ihm unbekannte Frau an die Türe seines Zimmers und stellt sich als Emma Shaw, seine falsche Verlobte vor. Sean hält seinen attraktiven Besuch, dem er nie zuvor begegnet ist, zwar für verrückt, hört sich aber dennoch seine Erklärungen an.
Emma ist nach dem frühen Tod ihrer Eltern von den Grosseltern aufgezogen worden. Seit einiger Zeit lebt ihre inzwischen verwitwete Grossmutter in Florida. Und statt das Leben zu geniessen, macht sie sich ständig Sorgen um ihre allein lebende Enkelin. Um sie zu beruhigen, hat Emma einen perfekten Lebenspartner erfunden. Dieser Schwindel hat tatäschlich vorübergehend seinen Zweck erfüllt, doch nun steht ein einmonatiger Besuch der Grossmutter bevor und die junge Gartengestalterin muss Farbe bekennen. Oder eben sie schafft es, ihren angeblichen Verlobten Sean zu überzeugen, einen Monat bei ihrer Lüge aus Liebe mitzuspielen.
Sean lässt sich nach einer ersten spontanen Ablehnung auf das Unterfangen ein. Als Lohn für seine Teilnahme am Experiment springt für ihn ein Job auf Zeit in Emmas Betrieb „Landschafts- und Gartengestaltung von Emma“ ein und im Schlafzimmer bekommt er das Bett, während seine langbeinige Auftraggeberin mit dem kurzen Sofa vorlieb nehmen muss.
Die beiden versuchen, sich in zwei, drei Tagen miteinander vertraut zu machen und eine gemeinsame Vergangenheit zu konstruieren. In dieser kurzen Zeit ist es jedoch unmöglich, sich ein genaues Bild über die Vorlieben und Abneigungen des anderen zu machen und so hat Emmas Grossmutter schon als sie auf dem Flughafen von dem angeblichen Verlobungspaar abgeholt wird den Eindruck, dass in der Beziehung zwischen den beiden etwas nicht stimmen kann, lässt sich aber nichts anmerken.
Wenn Emma nervös ist, putzt sie wie verrückt. Und sie putzt viel in diesen Wochen. Denn während die beiden falschen Verlobten sich gezwungenermassen immer besser kennen lernen, steigt parallel die körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen. Und Sean ist nicht nur dem Gespött seiner Cousins ausgesetzt, sondern als Wettobjekt auch den indiskreten Fragen seiner Brüder.
Nebenbei erfährt die hortikulturell interessierte Leserin, dass sich die körperlich schwer arbeitende Emma gerne auf die Gestaltung von Gärten konzentrieren und fürs Grobe jemanden einstellen möchte. Vorläufig muss sie sich aber selber mit schwarzem und goldenem Mulch und Akzentbeleuchtungen herumschlagen und versucht Sean zu erklären, dass der Kunde immer König ist und sein Wunsch Befehl. Auch wenn er einen Barfussweg mit ungeeigneten Kieseln auslegen will. Sean wiederum stellt schnell fest, dass er nicht sein ganzes Berufsleben mit dem Pflanzen von Blumen verbringen will und findet, der Name „Emma“ im Firmenlogo sei kontraproduktiv. Einig sind sich die beiden, dass ständig schwindeln und ein anderes Leben vorführen sehr anstrengend ist.
Shannon Stacey:
Ganz oder Kowalski
Mira Taschenbuch, 2013
Emma ist nach dem frühen Tod ihrer Eltern von den Grosseltern aufgezogen worden. Seit einiger Zeit lebt ihre inzwischen verwitwete Grossmutter in Florida. Und statt das Leben zu geniessen, macht sie sich ständig Sorgen um ihre allein lebende Enkelin. Um sie zu beruhigen, hat Emma einen perfekten Lebenspartner erfunden. Dieser Schwindel hat tatäschlich vorübergehend seinen Zweck erfüllt, doch nun steht ein einmonatiger Besuch der Grossmutter bevor und die junge Gartengestalterin muss Farbe bekennen. Oder eben sie schafft es, ihren angeblichen Verlobten Sean zu überzeugen, einen Monat bei ihrer Lüge aus Liebe mitzuspielen.
Sean lässt sich nach einer ersten spontanen Ablehnung auf das Unterfangen ein. Als Lohn für seine Teilnahme am Experiment springt für ihn ein Job auf Zeit in Emmas Betrieb „Landschafts- und Gartengestaltung von Emma“ ein und im Schlafzimmer bekommt er das Bett, während seine langbeinige Auftraggeberin mit dem kurzen Sofa vorlieb nehmen muss.
Die beiden versuchen, sich in zwei, drei Tagen miteinander vertraut zu machen und eine gemeinsame Vergangenheit zu konstruieren. In dieser kurzen Zeit ist es jedoch unmöglich, sich ein genaues Bild über die Vorlieben und Abneigungen des anderen zu machen und so hat Emmas Grossmutter schon als sie auf dem Flughafen von dem angeblichen Verlobungspaar abgeholt wird den Eindruck, dass in der Beziehung zwischen den beiden etwas nicht stimmen kann, lässt sich aber nichts anmerken.
Wenn Emma nervös ist, putzt sie wie verrückt. Und sie putzt viel in diesen Wochen. Denn während die beiden falschen Verlobten sich gezwungenermassen immer besser kennen lernen, steigt parallel die körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen. Und Sean ist nicht nur dem Gespött seiner Cousins ausgesetzt, sondern als Wettobjekt auch den indiskreten Fragen seiner Brüder.
Nebenbei erfährt die hortikulturell interessierte Leserin, dass sich die körperlich schwer arbeitende Emma gerne auf die Gestaltung von Gärten konzentrieren und fürs Grobe jemanden einstellen möchte. Vorläufig muss sie sich aber selber mit schwarzem und goldenem Mulch und Akzentbeleuchtungen herumschlagen und versucht Sean zu erklären, dass der Kunde immer König ist und sein Wunsch Befehl. Auch wenn er einen Barfussweg mit ungeeigneten Kieseln auslegen will. Sean wiederum stellt schnell fest, dass er nicht sein ganzes Berufsleben mit dem Pflanzen von Blumen verbringen will und findet, der Name „Emma“ im Firmenlogo sei kontraproduktiv. Einig sind sich die beiden, dass ständig schwindeln und ein anderes Leben vorführen sehr anstrengend ist.
Shannon Stacey:
Ganz oder Kowalski
Mira Taschenbuch, 2013
1. Juli 2014
Katie Crouch: Der Magnolienclub
Zufälligerweise habe ich in letzter Zeit gleich zwei sehr ähnliche Romane aus den Südstaaten gelesen. Beide werden von jungen mutterlosen Frauen in der Ich-Form erzählt und beide hat des nach dem Tod der Mutter dorthin verschlagen. Dennoch könnten die Inhalte fast nicht unterschiedlicher sein. Bei diesem Buch hier habe ich mich vor allem darüber geärgert, dass ich nicht vor der Lektüre bemerkt habe, dass es sich nicht um eine abgeschlossene Erzählung handelt. Denn ich mag Bücher nicht besonders, wenn sie genau dann aufhören, wenn so etwas wie Spannung aufkommt. Letztere ebbt dann natürlich wieder ab in der monate- oder jahrelangen Wartezeit auf die Fortsetzung und wenn frau dazwischen Dutzende anderer Titel gelesen und durchlitten hat, ist der Inhalt des ersten Bandes längst in irgendwelchen Gehirnwindungen verschwunden. Und manchmal wartet man sogar vergebens auf die versprochene Fortsetzung, wie zum Beispiel bei den "Poison Diaries", wo sich die Autorin nach dem zweiten Band entschieden hat, kein drittes Buch mehr zu schreiben. Zum Inhalt:
Die 16jährige Alexandria Lee ist ohne Vater in einer Hippie-Kommune in Kalifornien aufgewachsen und hat schon als Kleinkind auf den Feldern mitgeholfen. Sie weiss alles über den organischen Anbau von Gemüse und einiges über die Herstellung und Verwendung von Naturheilmitteln. Nach dem Tod ihrer Mutter, die über ein umfangreiches Kräuterwissen verfügte und einen grossen Teil davon als Geheimnis hütete, wird Alex gezwungen, zu ihrer Grossmutter nach Savannah, Georgia, zu ziehen und sie muss ihren Freund zurücklassen. Nun gilt es die Regeln der Grossmutter zu befolgen und prioritär soll sie in den kleinen elitären Magnolien-Club eingeführt werden und sich an Weihnachten den Debütantinnen anschliessen.
Doch die umweltbewusste etwas pummelige Alex fühlt sich nicht wohl in diesem Kreis, es zieht sie zurück nach Mendocino. Sie haut ab und muss tief enttäuscht feststellen, dass dort das Leben auch ohne sie weitergegangen ist. Ihr Freund hat eine andere und der Kräutergarten der Mutter wurde komplett gerodet und musste Platz machen für eine besser rentierende Hanfplantage. Denn schliesslich müssen auch die Bewohner der Raincatcher-Farm ihre Steuern bezahlen und Oma Lee hat ja dafür gebürgt, dass die Drogenpolizei die Öko-Kommune in Ruhe lässt.
Alex kehrt also zurück zu ihrer Grossmutter und schickt sich in ihr neues Leben. Sie liest immer noch gerne und viel und sie fährt weiterhin viel Velo und lehnt sich gegen Geldverschwendung, Oberflächlichkeit, Klamotten und die Magnolien auf. Doch nach und nach entwickelt sie sich immer weiter weg von ihren früheren Prinzipien und eifert plötzlich selber irgendwelchen Schönheitsidealen nach. Zufällig findet sie ein Pendant vom Paradies-Garten ihrer Mutter und sie erfährt von den Buzzards, die Magie verkaufen, diese aber nur sehr beschränkt anwenden, während die Magnolien ohne sie nicht leben und herrschen können. Und es gibt jemanden, der sie mag, wie sich wirklich ist. Die echte Alex mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, Dreadlocken, wilder roter Mähne und nicht die herausgeputzte abgemagerte Magnolie. Doch ist die definitive Verwandlung der Hippie-Ziege in eine Magnolie noch zu stoppen?
Ein Jugendroman mit offenem Ende (Fortsetzung folgt) über Manipulation, Intrigen, Zauberrituale, schwarze Magie (Hoodo ist nicht gleich Voodo), Kontrolle und die Gestaltung des Lebensweges und die Suche nach den Hintergründen des Rätsels rund um eine besondere Halskette.
Katie Crouch:
Der Magnolienclub
Carl Hanser Verlag, 2013
Die 16jährige Alexandria Lee ist ohne Vater in einer Hippie-Kommune in Kalifornien aufgewachsen und hat schon als Kleinkind auf den Feldern mitgeholfen. Sie weiss alles über den organischen Anbau von Gemüse und einiges über die Herstellung und Verwendung von Naturheilmitteln. Nach dem Tod ihrer Mutter, die über ein umfangreiches Kräuterwissen verfügte und einen grossen Teil davon als Geheimnis hütete, wird Alex gezwungen, zu ihrer Grossmutter nach Savannah, Georgia, zu ziehen und sie muss ihren Freund zurücklassen. Nun gilt es die Regeln der Grossmutter zu befolgen und prioritär soll sie in den kleinen elitären Magnolien-Club eingeführt werden und sich an Weihnachten den Debütantinnen anschliessen.
Doch die umweltbewusste etwas pummelige Alex fühlt sich nicht wohl in diesem Kreis, es zieht sie zurück nach Mendocino. Sie haut ab und muss tief enttäuscht feststellen, dass dort das Leben auch ohne sie weitergegangen ist. Ihr Freund hat eine andere und der Kräutergarten der Mutter wurde komplett gerodet und musste Platz machen für eine besser rentierende Hanfplantage. Denn schliesslich müssen auch die Bewohner der Raincatcher-Farm ihre Steuern bezahlen und Oma Lee hat ja dafür gebürgt, dass die Drogenpolizei die Öko-Kommune in Ruhe lässt.
Alex kehrt also zurück zu ihrer Grossmutter und schickt sich in ihr neues Leben. Sie liest immer noch gerne und viel und sie fährt weiterhin viel Velo und lehnt sich gegen Geldverschwendung, Oberflächlichkeit, Klamotten und die Magnolien auf. Doch nach und nach entwickelt sie sich immer weiter weg von ihren früheren Prinzipien und eifert plötzlich selber irgendwelchen Schönheitsidealen nach. Zufällig findet sie ein Pendant vom Paradies-Garten ihrer Mutter und sie erfährt von den Buzzards, die Magie verkaufen, diese aber nur sehr beschränkt anwenden, während die Magnolien ohne sie nicht leben und herrschen können. Und es gibt jemanden, der sie mag, wie sich wirklich ist. Die echte Alex mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, Dreadlocken, wilder roter Mähne und nicht die herausgeputzte abgemagerte Magnolie. Doch ist die definitive Verwandlung der Hippie-Ziege in eine Magnolie noch zu stoppen?
Ein Jugendroman mit offenem Ende (Fortsetzung folgt) über Manipulation, Intrigen, Zauberrituale, schwarze Magie (Hoodo ist nicht gleich Voodo), Kontrolle und die Gestaltung des Lebensweges und die Suche nach den Hintergründen des Rätsels rund um eine besondere Halskette.
Katie Crouch:
Der Magnolienclub
Carl Hanser Verlag, 2013
28. Juni 2014
Zuletzt ausgelesen: Gerard Donovan – Winter in Maine
Viele Jahre hat Julius Winsome allein in den Wäldern von Maine gelebt, die aus unzähligen Kiefern, Eichen, Fichten, Tannen und Ahornbäumen zusammengesetzt sind. Im Sommer legt er jeweils am Rand der Lichtung ein Blumenbeet an und freut sich nicht nur an den gelben, lilafarbenen und dunkelroten Blüten, sondern auch an den herumflatternden Schmetterlingen. Seit einigen Jahren ist ein Pitbullterrier namens Hobbes sein treuer Gefährte.
Die Winter in Maine sind kalt, lang und schneereich. Während Julius Winsome im Sommer als Landschaftsgärtner und in einer Autowerkstatt arbeitet, verbringt er den Winter grösstenteils lesend in seiner abgelegenen Hütte, oft den ganzen Tag im Bett in Decken gehüllt. 3‘282 Bücher hat er von seinem Vater geerbt, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. Die Bücherreihen dienen gleichzeitig der Lektüre und der Isolation gegen die Kälte und für jeden Titel existiert eine Karteikarte mit Angaben zu Autor, Titel, Verlag, Jahrgang und einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und die nächsten Nachbarn wohnen rund fünf Kilometer entfernt.
Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem Ausflug zurück und sein Herrchen muss feststellen, dass er mit einer Schrotflinte erschossen worden ist. Der 51jährige Ich-Erzähler versucht erfolglos, mit Plakaten Hinweise auf den Täter zu erhalten. Hat der Tod des Hundes etwas mit jener Frau zu tun, die eines Tages vor seiner Hütte auftauchte und nur wenig später wieder aus seinem Leben verschwunden ist? Jedenfalls beginnt der Mann mit Prinzipien einen unvergleichlichen, erschreckenden Rachefeldzug, welcher die wenigen Tage vom 30. Oktober bis 2. November, der Nacht des 2. Novembers und vom 3. – 5. November umfassen.
Gerard Donovan:
Winter in Maine
btb Verlag, 2011
Die Winter in Maine sind kalt, lang und schneereich. Während Julius Winsome im Sommer als Landschaftsgärtner und in einer Autowerkstatt arbeitet, verbringt er den Winter grösstenteils lesend in seiner abgelegenen Hütte, oft den ganzen Tag im Bett in Decken gehüllt. 3‘282 Bücher hat er von seinem Vater geerbt, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. Die Bücherreihen dienen gleichzeitig der Lektüre und der Isolation gegen die Kälte und für jeden Titel existiert eine Karteikarte mit Angaben zu Autor, Titel, Verlag, Jahrgang und einer kurzen Inhaltsbeschreibung. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und die nächsten Nachbarn wohnen rund fünf Kilometer entfernt.
Eines Tages kehrt Hobbes nicht von einem Ausflug zurück und sein Herrchen muss feststellen, dass er mit einer Schrotflinte erschossen worden ist. Der 51jährige Ich-Erzähler versucht erfolglos, mit Plakaten Hinweise auf den Täter zu erhalten. Hat der Tod des Hundes etwas mit jener Frau zu tun, die eines Tages vor seiner Hütte auftauchte und nur wenig später wieder aus seinem Leben verschwunden ist? Jedenfalls beginnt der Mann mit Prinzipien einen unvergleichlichen, erschreckenden Rachefeldzug, welcher die wenigen Tage vom 30. Oktober bis 2. November, der Nacht des 2. Novembers und vom 3. – 5. November umfassen.
Gerard Donovan:
Winter in Maine
btb Verlag, 2011
24. Juni 2014
Harold Koopowitz: Orchid Tales
Der Botaniker und Orchideenspezialist Harald Koopowitz nimmt für diese Orchideengeschichten bekannte und weniger bekannte Begebenheiten aus Pflanzenjägerbiografien als Grundlage und bettet diese in einen passenden Rahmen. Die Erzählungen tragen Titel wie „Chocolate slippers“, „A Red Feather Night“, „Tea, Tigers and Spice“, „At the End of the Day“, „Mrs. Spicer’s Orchid“ und „A Known Fact“ und handeln von verschiedenen Orchideen wie etwa „Cattleya labiata“, „Vanda coerulea“ und „Vanilla planifolia“.
Die Vanille-Orchidee konnte lange Zeit nur an ihrem angestammten Ort angepflanzt werden, weil sie zur Bestäubung auf ganz spezielle Bienen- und Kolibriarten angewiesen ist. Im Jahr 1841 entdeckte schliesslich ein zwölfjähriger Sklave namens Edmond Albius auf der kleinen Insel Réunion im Indischen Ozean, wie die Gewürz-Vanille manuell bestäubt werden kann. Durch diese Entdeckung konnte die Pflanze gezielt vermehrt werden, was dem Land einen gewissen Wohlstand verschaffte. Diese Methode der Bestäubung wird auch heute noch angewendet.
In einer anderen Kurzgeschichte soll 1925 die sogenannte "Shakespeareana", die damals grösste private Sammlung in Europa, ins Ausland verkauft werden, um mit dem Erlös finanzielle Mittel für den Kauf von kostbaren Orchideen zu generieren. Da ein Export mit hohen Zollkosten verbunden ist, wurde die kostbare Büchersammlung mit einem Trick ausser Land geschafft.
Bei Harold Koopowitz ist es nicht Edmond Albius, sondern William, dem die folgenreiche Beobachtung des Ablaufs in der Bestäubung der Vanille-Orchidee gelingt. Denn in sämtlichen Kurzgeschichten spielt dieser William zusammen mit George, Matilda und Grosstante Bertha die Hauptrolle. Mal ist das Quartett mit Frank Kingdon-Ward auf der Suche nach grünem Gold in Asien unterwegs, mal leben sie im Wilden Westen, mal im Mittelalter und eine Erzählung führt die Vier sogar in die Zukunft.
Diese Kurzgeschichten sind vorab in der Zeitschrift „Orchid Digest“ erschienen und werden mit dieser Publikation nun als Sammlung einer grösseren Lesergemeinde zugänglich gemacht. Die Geschichten sind meistens spannend, aber ich empfand es als Leserin der Buchform befremdend, dass sämtliche Hauptrollen - egal, in welchem Jahrhundert diese spielen, und wo auf der Welt sie angesiedelt sind – immer durch die gleichen vier Charaktere eingenommen werden. Diese Tatsache ist wahrscheinlich weniger auffällig und störend, wenn man die Erzählungen in der periodisch erscheinenden Publikation „Orchid Digest“ liest.
Im Anschluss an jede Orchideen-Kurzgeschichte erläutert der Autor kurz die wichtigsten Details zu den tatsächlichen Fakten, auf denen diese beruht.
Harold Koopowitz:
Orchid Tales – The Adventures of George and Matilda, William and Great-Aunt Bertha
Orchid Digest Corporation, 2013
Die Vanille-Orchidee konnte lange Zeit nur an ihrem angestammten Ort angepflanzt werden, weil sie zur Bestäubung auf ganz spezielle Bienen- und Kolibriarten angewiesen ist. Im Jahr 1841 entdeckte schliesslich ein zwölfjähriger Sklave namens Edmond Albius auf der kleinen Insel Réunion im Indischen Ozean, wie die Gewürz-Vanille manuell bestäubt werden kann. Durch diese Entdeckung konnte die Pflanze gezielt vermehrt werden, was dem Land einen gewissen Wohlstand verschaffte. Diese Methode der Bestäubung wird auch heute noch angewendet.
In einer anderen Kurzgeschichte soll 1925 die sogenannte "Shakespeareana", die damals grösste private Sammlung in Europa, ins Ausland verkauft werden, um mit dem Erlös finanzielle Mittel für den Kauf von kostbaren Orchideen zu generieren. Da ein Export mit hohen Zollkosten verbunden ist, wurde die kostbare Büchersammlung mit einem Trick ausser Land geschafft.
Bei Harold Koopowitz ist es nicht Edmond Albius, sondern William, dem die folgenreiche Beobachtung des Ablaufs in der Bestäubung der Vanille-Orchidee gelingt. Denn in sämtlichen Kurzgeschichten spielt dieser William zusammen mit George, Matilda und Grosstante Bertha die Hauptrolle. Mal ist das Quartett mit Frank Kingdon-Ward auf der Suche nach grünem Gold in Asien unterwegs, mal leben sie im Wilden Westen, mal im Mittelalter und eine Erzählung führt die Vier sogar in die Zukunft.
Diese Kurzgeschichten sind vorab in der Zeitschrift „Orchid Digest“ erschienen und werden mit dieser Publikation nun als Sammlung einer grösseren Lesergemeinde zugänglich gemacht. Die Geschichten sind meistens spannend, aber ich empfand es als Leserin der Buchform befremdend, dass sämtliche Hauptrollen - egal, in welchem Jahrhundert diese spielen, und wo auf der Welt sie angesiedelt sind – immer durch die gleichen vier Charaktere eingenommen werden. Diese Tatsache ist wahrscheinlich weniger auffällig und störend, wenn man die Erzählungen in der periodisch erscheinenden Publikation „Orchid Digest“ liest.
Im Anschluss an jede Orchideen-Kurzgeschichte erläutert der Autor kurz die wichtigsten Details zu den tatsächlichen Fakten, auf denen diese beruht.
Harold Koopowitz:
Orchid Tales – The Adventures of George and Matilda, William and Great-Aunt Bertha
Orchid Digest Corporation, 2013
19. Juni 2014
Rose Tremain: Der unausweichliche Tag
Die Publikation „Wie man Bäume richtig zeichnet“ war in jungen Jahren ihr Lieblingskunstbuch - inzwischen ist die Engländerin Veronica Verey schon seit langem als Gartenarchitektin tätig und lebt in Südfrankreich. Das Gärtnern in der trockenen Landschaft ist sehr mühsam. Ein Obstgarten mit vielen Aprikosenbäumen entschädigt wenigstens teilweise für die unabänderliche Tatsache, dass viele ihrer Lieblingspflanzen hier nicht gedeihen. Dafür findet die Frau Inspiration und Material für ihr geplantes Gartenbuch mit dem Arbeitstitel „Gärtnern ohne Regen“. Zwei Kapitel sind bereits angedacht, nämlich „Dekorative Kiessorten“ und „Die Bedeutung des Schattens“. Illustriert werden soll die Publikation mit Zeichnungen und Fotos ihrer fünfundfünfzigjährigen Lebenspartnerin Kitty Meadow, einer Künstlerin mit (zu) wenig Talent.
Die scheinbare Zufriedenheit der beiden Frauen wird auf eine Belastungsprobe gestellt, als Veronicas jüngerer Bruder Anthony in die Nähe seiner Schwester zu ziehen beabsichtigt und sich anlässlich seiner Suche nach einer geeigneten Liegenschaft im Frauenhaushalt einquartiert. Der vierundsechzigjährige Mann führte jahrelang ein erfolgreiches Antiquitätengeschäft in London und hat sich fast ausschliesslich mit schönen Einrichtungsgegenständen, die er etwas gewöhnungsbedürftig als seine Lieblinge bezeichnet, beschäftigt. Schon längere Zeit läuft das Geschäft nicht mehr, so dass er seinem Leben einen (letzten) neuen Sinn geben will.
Dieser Entschluss bringt das Leben seiner Schwester Veronica und deren Partnerin Kitty völlig durcheinander. Und noch ein anderes Geschwisterpaar kämpft mit Turbulenzen, deren Ursachen bis in die Kindheit zurückgehen. Der ungepflegte und verlogene Aramon möchte sein Elternhaus „Mas“ verkauften und einen möglichst grossen Profit herausschlagen. Ihm, seiner Maklerin und potentiellen Interessenten ist eine Hütte mit Blechdach am Rand seiner Parzelle ein Dorn im Auge. Dort lebt abgeschoben und recht zurückgezogen seine jüngere Schwester Audrun unter ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Tod der Mutter ist die damals junge Frau ist jahrelang von ihrem Bruder und dem längst verstorbenen Vater missbraucht worden. Und noch heute wird sie vom Bruder ständig belogen und betrogen.
Die Wege der französischen und englischen Geschwisterpaare, die beide schon mehrere Lebensjahrzehnte auf dem Buckel haben, kreuzen sich kurz und vermeintlich beiläufig und haben doch dramatische Veränderungen für alle Beteiligten zur Folge.
Die hortikulturellen Erwähnungen in dieser Buchvorstellung sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „blumige“ Hintergrund gemessen am Umfang von rund 330 Seiten gering ist. Zentrale Themen des Buches sind aber ja auch Geschwisterliebe, Hass, Rache und nicht gärtnern. Ich verrate wohl auch nicht zu viel, wenn ich hier erwähne, dass das Buchprojekt „Gärtnern ohne Regen“ auch in der Fiktion nie gedruckt werden wird.
Rose Tremain:
Der unausweichliche Tag
Suhrkamp Verlag, 2013
Die scheinbare Zufriedenheit der beiden Frauen wird auf eine Belastungsprobe gestellt, als Veronicas jüngerer Bruder Anthony in die Nähe seiner Schwester zu ziehen beabsichtigt und sich anlässlich seiner Suche nach einer geeigneten Liegenschaft im Frauenhaushalt einquartiert. Der vierundsechzigjährige Mann führte jahrelang ein erfolgreiches Antiquitätengeschäft in London und hat sich fast ausschliesslich mit schönen Einrichtungsgegenständen, die er etwas gewöhnungsbedürftig als seine Lieblinge bezeichnet, beschäftigt. Schon längere Zeit läuft das Geschäft nicht mehr, so dass er seinem Leben einen (letzten) neuen Sinn geben will.
Dieser Entschluss bringt das Leben seiner Schwester Veronica und deren Partnerin Kitty völlig durcheinander. Und noch ein anderes Geschwisterpaar kämpft mit Turbulenzen, deren Ursachen bis in die Kindheit zurückgehen. Der ungepflegte und verlogene Aramon möchte sein Elternhaus „Mas“ verkauften und einen möglichst grossen Profit herausschlagen. Ihm, seiner Maklerin und potentiellen Interessenten ist eine Hütte mit Blechdach am Rand seiner Parzelle ein Dorn im Auge. Dort lebt abgeschoben und recht zurückgezogen seine jüngere Schwester Audrun unter ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Tod der Mutter ist die damals junge Frau ist jahrelang von ihrem Bruder und dem längst verstorbenen Vater missbraucht worden. Und noch heute wird sie vom Bruder ständig belogen und betrogen.
Die Wege der französischen und englischen Geschwisterpaare, die beide schon mehrere Lebensjahrzehnte auf dem Buckel haben, kreuzen sich kurz und vermeintlich beiläufig und haben doch dramatische Veränderungen für alle Beteiligten zur Folge.
Die hortikulturellen Erwähnungen in dieser Buchvorstellung sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „blumige“ Hintergrund gemessen am Umfang von rund 330 Seiten gering ist. Zentrale Themen des Buches sind aber ja auch Geschwisterliebe, Hass, Rache und nicht gärtnern. Ich verrate wohl auch nicht zu viel, wenn ich hier erwähne, dass das Buchprojekt „Gärtnern ohne Regen“ auch in der Fiktion nie gedruckt werden wird.
Rose Tremain:
Der unausweichliche Tag
Suhrkamp Verlag, 2013
15. Juni 2014
Zuletzt angefangen zu lesen: Anna Maria Lage - Saharablüte
Anna Maria Lage blickt in diesem Roman in die Mitte unseres Jahrhunderts, wo die Protagonisten nach etlichen kulturellen und politischen Veränderungen in einer lebenswerteren, aber teilweise recht fremd erscheinenden Welt leben. Der Klimanwandel ist nach wie vor ein grosses Thema, während andere Probleme, die früher die Schlagzeilen beherrscht haben, endlich gelöst worden sind und nur noch in der Erinnerung existieren.
Der Magerwahn für Mädchen ist vorbei und es wird die Einheitssprache Elingua gesprochen. Die Menschen sind so sensibel, dass sie sich in Lebensmittel einfühlen können und spüren, ob diese ihrem Körper gut tun, den sie gerne in Stoffe aus Segge kleiden. Mittlerweile gehören sogenannte Skelett-Checks zur Gesundheitsvorsorge. Dank diesem Instrument werden Krankheiten früher entdeckt und die früher ständig wachsenden Kosten im Gesundheitswesen sind endlich unter Kontrolle.
Bodenspekulanten sind längst die Grundlagen entzogen worden, im Nahen Osten ist Frieden eingekehrt und etliche Kibuzze sind zu Zentralen für die Urbanisierung der umliegenden Felder umfunktioniert worden. Der Globalisierung wurde abgeschworen und in sämtlichen Lebensbereichen wird Regionalität bevorzugt und Kunstdünger und Pestizide sind verpönt.
Der Leser begleitet die Schulabgängerin Hannah zunächst mit ihren Freundinnen mit interessanten Fortbewegungsmitteln quer durch Europa, bevor sie in Oxford am neuen Studiengang „Forest Farming“ teilnimmt. In England lernt sie viele gleichgesinnte Studenten kennen, darunter ihren späteren Ehemann Bob und ihre neue Freundin Mari. Im Studium lernen die jungen Leute das Rüstzeug, um später erfolgreiche Projekte für die Bewirtschaftung von Trockengebieten durchzuziehen. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Menschen viel empfindlicher geworden sind, denn auch Pflanzen zeigen selber an, wo sie wachsen möchten. Und zwar genau dort, wo sie lebten, bevor Menschen früher ihnen den Lebensraum zerstört haben und nicht irgendwo in einer Wüste, die gegen alle Naturgesetzte begrünt werden soll.
Das Buch zeigt interessante Ansätze auf und der Leser kommt nicht umhin sich zu fragen, welche Ideen sich später einmal im Rückblick als richtige Vorhersage entpuppen werden. Schade, dass dieser Erzählung wie so vielen anderen Publikationen aus Eigenverlagen kein gründliches Lektorat zuteil wurde, das die zahlreichen Orthografiefehler und falschen Kommasetzungen vor dem Druck eliminiert hätte.
Anna Maria Lage:
Saharablüte
Novum Publishing, 2011
Der Magerwahn für Mädchen ist vorbei und es wird die Einheitssprache Elingua gesprochen. Die Menschen sind so sensibel, dass sie sich in Lebensmittel einfühlen können und spüren, ob diese ihrem Körper gut tun, den sie gerne in Stoffe aus Segge kleiden. Mittlerweile gehören sogenannte Skelett-Checks zur Gesundheitsvorsorge. Dank diesem Instrument werden Krankheiten früher entdeckt und die früher ständig wachsenden Kosten im Gesundheitswesen sind endlich unter Kontrolle.
Bodenspekulanten sind längst die Grundlagen entzogen worden, im Nahen Osten ist Frieden eingekehrt und etliche Kibuzze sind zu Zentralen für die Urbanisierung der umliegenden Felder umfunktioniert worden. Der Globalisierung wurde abgeschworen und in sämtlichen Lebensbereichen wird Regionalität bevorzugt und Kunstdünger und Pestizide sind verpönt.
Der Leser begleitet die Schulabgängerin Hannah zunächst mit ihren Freundinnen mit interessanten Fortbewegungsmitteln quer durch Europa, bevor sie in Oxford am neuen Studiengang „Forest Farming“ teilnimmt. In England lernt sie viele gleichgesinnte Studenten kennen, darunter ihren späteren Ehemann Bob und ihre neue Freundin Mari. Im Studium lernen die jungen Leute das Rüstzeug, um später erfolgreiche Projekte für die Bewirtschaftung von Trockengebieten durchzuziehen. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Menschen viel empfindlicher geworden sind, denn auch Pflanzen zeigen selber an, wo sie wachsen möchten. Und zwar genau dort, wo sie lebten, bevor Menschen früher ihnen den Lebensraum zerstört haben und nicht irgendwo in einer Wüste, die gegen alle Naturgesetzte begrünt werden soll.
Das Buch zeigt interessante Ansätze auf und der Leser kommt nicht umhin sich zu fragen, welche Ideen sich später einmal im Rückblick als richtige Vorhersage entpuppen werden. Schade, dass dieser Erzählung wie so vielen anderen Publikationen aus Eigenverlagen kein gründliches Lektorat zuteil wurde, das die zahlreichen Orthografiefehler und falschen Kommasetzungen vor dem Druck eliminiert hätte.
Anna Maria Lage:
Saharablüte
Novum Publishing, 2011
11. Juni 2014
Carol Wall: Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart
Carol Wall hat sich nie gerne die Hände beim Gärtnern schmutzig gemacht - es gab immer anderes zu tun, das wichtiger war. Und überhaupt mag sie Blumen nicht und gegen Azaleen hat sie eine spezielle Abneigung. Ausserdem verbringen ihrer Meinung nach viele Eheleute viel zu viel Zeit damit, sich um ihre Häuser (und Gärten?) zu kümmern, statt um ihre Partner.
Als sie eines Tages auf den Garten ihrer Nachbarn schaut und diesen mit ihrem eigenen vergleicht, schämt sie sich plötzlich für den Anblick, den ihr eigener Garten bietet und den sie ihren direkten Nachbarn zumutet.
Der Garten der Nachbarin blüht dank der Hege und Pflege von Giles Owita, der sich von diesem Zeitpunkt an auch um Carols Umschwung kümmert. Eine weisse Frau und ein dunkelhäutiger Afrikaner. Auf den ersten Blick scheinen die beiden Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen absolut keine Gemeinsamkeiten zu haben. Und doch kommen sie sich immer näher und werden gute Freunde.
Drei Kinder hat Carol Wall grossgezogen und eine Krebserkrankung überstanden. Obwohl sie sich nichts anmerken lässt, überschatten permanent grosse Ängste vor einem erneuten Ausbruch der Krankheit ihr Leben. Die eher introvertierte Frau mag es auch nicht, wenn sie durch ihre Krankheit im Mittelpunkt steht und ihr Gegenüber jegliche Privatsphäre ignoriert. Dass Angst ein Teil des Lebens ist, lernt Carol von Giles Owita, der nach und nach ihren Garten zum Blühen bringt und auch die Ursachen für ihre Abneigung gegen Blumen herausfindet, die in der Kindheit liegt.
Auch Giles Owita selber ist nicht nur der hervorragende Gärtner und starke Felsen, wie es vordergründig den Anschein macht und trägt seine eigenen schweren Lasten mit sich herum. Der elegante Kenianer mit akademischen Titeln hat sich das Leben in den USA anders vorgestellt. Von einer Stelle als Collegeprofessor hat er geträumt, doch er und seine Frau Bienta müssen sich und ihre Söhne mit Gelegenheitsjobs durchbringen. Eine grosse Bürde sind auch die hoffnungslos erscheinenden Bemühungen, ihre Tochter von Kenia nach Amerika nachzuholen, damit die Familie endlich komplett ist. Und zwischen den Eheleuten scheinen sich je länger je mehr Spannungen aufzubauen.
In ihrem berührenden Buch erzählt Carol, wie sie als „inofizielle“ Studentin Freude am Gärtnern findet und durch die Freundschaft und Unterstützung von Giles Owita durch den erneuten Ausbruch ihrer Krebskrankheit und die gesundheitlichen Probleme ihrer Eltern getragen wird und schliesslich nicht nur „Nehmerin“, sondern auch grosszügige „Geberin“ ist. Immer wieder (gelegentlich etwas wiederholend) werden ihr Ängste, Zweifel und Zerrissenheit thematisiert – wenn sie etwa wütend über die vielen Genesungswünsche ist und sich gleichzeitig über die Leute ärgert, die ihr keine solchen schicken.
Carol Wall:
Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart
Amy Einhorn Books, 2014
Der Garten der Nachbarin blüht dank der Hege und Pflege von Giles Owita, der sich von diesem Zeitpunkt an auch um Carols Umschwung kümmert. Eine weisse Frau und ein dunkelhäutiger Afrikaner. Auf den ersten Blick scheinen die beiden Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen absolut keine Gemeinsamkeiten zu haben. Und doch kommen sie sich immer näher und werden gute Freunde.
Drei Kinder hat Carol Wall grossgezogen und eine Krebserkrankung überstanden. Obwohl sie sich nichts anmerken lässt, überschatten permanent grosse Ängste vor einem erneuten Ausbruch der Krankheit ihr Leben. Die eher introvertierte Frau mag es auch nicht, wenn sie durch ihre Krankheit im Mittelpunkt steht und ihr Gegenüber jegliche Privatsphäre ignoriert. Dass Angst ein Teil des Lebens ist, lernt Carol von Giles Owita, der nach und nach ihren Garten zum Blühen bringt und auch die Ursachen für ihre Abneigung gegen Blumen herausfindet, die in der Kindheit liegt.
Auch Giles Owita selber ist nicht nur der hervorragende Gärtner und starke Felsen, wie es vordergründig den Anschein macht und trägt seine eigenen schweren Lasten mit sich herum. Der elegante Kenianer mit akademischen Titeln hat sich das Leben in den USA anders vorgestellt. Von einer Stelle als Collegeprofessor hat er geträumt, doch er und seine Frau Bienta müssen sich und ihre Söhne mit Gelegenheitsjobs durchbringen. Eine grosse Bürde sind auch die hoffnungslos erscheinenden Bemühungen, ihre Tochter von Kenia nach Amerika nachzuholen, damit die Familie endlich komplett ist. Und zwischen den Eheleuten scheinen sich je länger je mehr Spannungen aufzubauen.
In ihrem berührenden Buch erzählt Carol, wie sie als „inofizielle“ Studentin Freude am Gärtnern findet und durch die Freundschaft und Unterstützung von Giles Owita durch den erneuten Ausbruch ihrer Krebskrankheit und die gesundheitlichen Probleme ihrer Eltern getragen wird und schliesslich nicht nur „Nehmerin“, sondern auch grosszügige „Geberin“ ist. Immer wieder (gelegentlich etwas wiederholend) werden ihr Ängste, Zweifel und Zerrissenheit thematisiert – wenn sie etwa wütend über die vielen Genesungswünsche ist und sich gleichzeitig über die Leute ärgert, die ihr keine solchen schicken.
Carol Wall:
Mister Owita’s Guide to Gardening – How I Learned the Unexpected Joy of a Green Thumb and an Open Heart
Amy Einhorn Books, 2014
6. Juni 2014
Erica Matile und Sabine Reber: Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt
Sabine Rebers Wunsch eine Gartenbibel zu verfassen kombiniert mit einem von Erica Matile zusammengetragenen Stapel historischer Gartentipps aus Archiven ergab als Resultat eine Sammlung von rund 1000 Tipps in Buchform, welche die Gärten landauf und landab zum Blühen und eben zum Fortpflanzen bringen sollen.
In Kategorien wie „Gestaltung“, „Was wächst wo“, „Blumengarten“, „Zimmerpflanzen“, „Schnittblumen“, „Das Wohl der Gärtnerin“ und anderen mehr finden sich besonders für Garten-Neulinge nützliche Hinweise. Welche Pflanze schützt welche Pflanze? Hält Lavendel tatsächlich die Läuse von Rosen fern? Tomaten sollen intensiver schmecken, wenn sie in der Nachbarschaft von Petersilie wachsen und falls Sie sich trotz Zünsler und anderen drohenden Plagen doch noch Buchskugeln in den Garten holen wollen, findet sich ein Hinweis, wie Sie diese einfach selber formen können. Ein weiterer Tipp verrät, dass Spinnmilben mit einem Sud aus Zwiebelpflanzen den Garaus gemacht werden kann.
Ob man dann tatsächlich wie auch zu lesen ist, vergrabene tote Tiere als Dünger verwenden will, sei jedem selber freigestellt. Schliesslich sind nicht alle Tipps bierernst zu nehmen. Schnittblumenfreunden sei verraten, dass die Stile von Mohnblumen angebrannt werden sollen, bevor sie in die Vase gestellt werden, und Sanddornzweige verströmen ein Gas, das sämtliche Schnittblumen im gleichen Raum verwelken lässt.
Genügend Raum soll beim Gärtnern dem Spass und der Gesundheit eingeräumt werden und schwere Tätigkeiten wann immer möglich delegiert werden. Falls das nicht klappt, soll ein vorsorglich in die Schuhe gelegtes Farnblatt die Gärtnerin vor wunden Füssen bei der Gartenarbeit schützen. Die Ansprüche den Möglichkeiten anpassen und Entspannung einplanen – nicht alles muss perfekt sein! Der Rat, sich auch mal von Pflanzen zu trennen, weil sie zu gross geworden sind oder einem einfach nicht mehr gefallen, kann zweischneidig sein. Für das Ausgraben von Wurzelwerk und Füllen der entstandenen Lücken ist erst einmal kräftiger Körpereinsatz nötig. Vielleicht findet sich aber im Kapitel „Mit Kräutern heilen“ gleich ein Tipp für die Vor- oder Nachsorge.
Aufeinander gestapelte Autoreifen sollen als Kartoffel-Turm zu den Klassikern gehören. Ich kann mich nicht erinnern, je einen solchen gesehen zu haben. Beim Googeln lassen sich jedoch tatsächlich Bilder von solchen runden Gummi-Beeten finden – die Geschmäcker sind doch sehr verschieden! Die Hinweise, beim Rückschnitt die natürliche Wuchsform nicht aus den Augen zu verlieren und zu bedenken, dass Würfel und geometrische Figuren nicht überall hinpassen, könnte ich eigentlich kopieren und auf dem Arbeitsweg dort in den Briefkasten werfen, wo regelmässig (Wild-)Sträucher verunstaltet werden.
Den einen oder anderen Tipp werde ich selber ausprobieren, obwohl ich teilweise doch am Nutzen oder der Richtigkeit zweifle. Ganz sicher falsch ist die Information, dass Cyclamen hederifolium zu den Winterblühern gehören. Mit C. coum sind die Erfolgs-Chancen auf Alpenveilchen-Blüten im Winter mit Sicherheit deutlich höher. Bereits im Vorwort findet sich der Hinweis, dass sich die Ratschläge teilweise widersprechen – also selber ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln. Letzteres ist aber eben wie das empfohlene dichte Bepflanzen der Beete auch eine Geldfrage.
Das illustrierte Büchlein eignet sich als Mitbringsel für Anfänger-Gärtner, die sich wohl nicht daran stören, dass lateinische Namen häufig fehlen. Immerhin weiss ich jetzt, dass ich vor der kürzlichen Gartenumgestaltung einen Bauernjasmin (Philadelphus erectus) im Garten hatte. Diese deutsche Bezeichnung war mir nun gar nicht geläufig. Leider wird die Nützlichkeit der Publikation durch das Fehlen eines Registers stark eingeschränkt. .
PS für E.: Hast Du schon herausgefunden, ob der altertümliche Schlauchwagen vom Kraut und Krempel-Anlass bei Gaissmayer das Kriterium „vernünftig“ erfüllt?
Erica Matile und Sabine Reber:
Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt
Landverlag, 2014
In Kategorien wie „Gestaltung“, „Was wächst wo“, „Blumengarten“, „Zimmerpflanzen“, „Schnittblumen“, „Das Wohl der Gärtnerin“ und anderen mehr finden sich besonders für Garten-Neulinge nützliche Hinweise. Welche Pflanze schützt welche Pflanze? Hält Lavendel tatsächlich die Läuse von Rosen fern? Tomaten sollen intensiver schmecken, wenn sie in der Nachbarschaft von Petersilie wachsen und falls Sie sich trotz Zünsler und anderen drohenden Plagen doch noch Buchskugeln in den Garten holen wollen, findet sich ein Hinweis, wie Sie diese einfach selber formen können. Ein weiterer Tipp verrät, dass Spinnmilben mit einem Sud aus Zwiebelpflanzen den Garaus gemacht werden kann.
Ob man dann tatsächlich wie auch zu lesen ist, vergrabene tote Tiere als Dünger verwenden will, sei jedem selber freigestellt. Schliesslich sind nicht alle Tipps bierernst zu nehmen. Schnittblumenfreunden sei verraten, dass die Stile von Mohnblumen angebrannt werden sollen, bevor sie in die Vase gestellt werden, und Sanddornzweige verströmen ein Gas, das sämtliche Schnittblumen im gleichen Raum verwelken lässt.
Genügend Raum soll beim Gärtnern dem Spass und der Gesundheit eingeräumt werden und schwere Tätigkeiten wann immer möglich delegiert werden. Falls das nicht klappt, soll ein vorsorglich in die Schuhe gelegtes Farnblatt die Gärtnerin vor wunden Füssen bei der Gartenarbeit schützen. Die Ansprüche den Möglichkeiten anpassen und Entspannung einplanen – nicht alles muss perfekt sein! Der Rat, sich auch mal von Pflanzen zu trennen, weil sie zu gross geworden sind oder einem einfach nicht mehr gefallen, kann zweischneidig sein. Für das Ausgraben von Wurzelwerk und Füllen der entstandenen Lücken ist erst einmal kräftiger Körpereinsatz nötig. Vielleicht findet sich aber im Kapitel „Mit Kräutern heilen“ gleich ein Tipp für die Vor- oder Nachsorge.
Aufeinander gestapelte Autoreifen sollen als Kartoffel-Turm zu den Klassikern gehören. Ich kann mich nicht erinnern, je einen solchen gesehen zu haben. Beim Googeln lassen sich jedoch tatsächlich Bilder von solchen runden Gummi-Beeten finden – die Geschmäcker sind doch sehr verschieden! Die Hinweise, beim Rückschnitt die natürliche Wuchsform nicht aus den Augen zu verlieren und zu bedenken, dass Würfel und geometrische Figuren nicht überall hinpassen, könnte ich eigentlich kopieren und auf dem Arbeitsweg dort in den Briefkasten werfen, wo regelmässig (Wild-)Sträucher verunstaltet werden.
Den einen oder anderen Tipp werde ich selber ausprobieren, obwohl ich teilweise doch am Nutzen oder der Richtigkeit zweifle. Ganz sicher falsch ist die Information, dass Cyclamen hederifolium zu den Winterblühern gehören. Mit C. coum sind die Erfolgs-Chancen auf Alpenveilchen-Blüten im Winter mit Sicherheit deutlich höher. Bereits im Vorwort findet sich der Hinweis, dass sich die Ratschläge teilweise widersprechen – also selber ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln. Letzteres ist aber eben wie das empfohlene dichte Bepflanzen der Beete auch eine Geldfrage.
Das illustrierte Büchlein eignet sich als Mitbringsel für Anfänger-Gärtner, die sich wohl nicht daran stören, dass lateinische Namen häufig fehlen. Immerhin weiss ich jetzt, dass ich vor der kürzlichen Gartenumgestaltung einen Bauernjasmin (Philadelphus erectus) im Garten hatte. Diese deutsche Bezeichnung war mir nun gar nicht geläufig. Leider wird die Nützlichkeit der Publikation durch das Fehlen eines Registers stark eingeschränkt. .
PS für E.: Hast Du schon herausgefunden, ob der altertümliche Schlauchwagen vom Kraut und Krempel-Anlass bei Gaissmayer das Kriterium „vernünftig“ erfüllt?
Erica Matile und Sabine Reber:
Fortpflanzen! 1000 Tipps, damit es im Garten wirklich klappt
Landverlag, 2014
1. Juni 2014
Olaf Kolbrück: Keine feine Gesellschaft
Die 42jährige Kriminaloberkommissarin Eva Ritter hat vor drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen ihren Dienst quittiert und arbeitet nun mit geregelten Arbeitszeiten als Risk-Management-Beraterin. Mit dem Jobwechsel einher ging für sie die Annahme, sich nie mehr prüfend vor einer Leiche zu finden. Doch nun stösst sie in der Gartengerätebox eines Kleingartens auf eine verrenkte männliche Leiche. Der ungefähr dreissig Jahre alte Verstorbene kommt ihr irgendwie bekannt vor. So hatte sie sich die Gartensaison-Eröffnung, die als Sektfrühstück im Grünen gedacht war, nun wirklich nicht vorgestellt.
Wider Willen nimmt Eva Ritter das Auffinden der Leiche persönlich und gleichzeitig die Herausforderung an, den Mörder zu finden. Nachforschungen führen in die Frankfurter Finanzwelt und in die sogenannt besseren Kreise. Dass die ehemaligen Kollegen bei der Kripo an Eva Ritters Recherchen, mit denen sie diesen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, keine Freude haben, muss nicht speziell betont werden. Obwohl, auch von offiziellen Stellen kann sie ganz inoffiziell auf die eine oder andere Information zählen. Und bevor klar ist, wer hinter dem Mord an Jens Lücker, einem Fondsverwalter und der Nr. 2 der Eurobest-Bank steckt, wird ein zweites Mordopfer entdeckt.
Eva Ritters Freundin Doris kennt sich im Kreis der oberen Zehntausend aus und teilt ihr Insiderwissen gerne. Der als Schürzenjäger bekannte Jens Lücker hat seine Kunden mit hohen Renditeversprechen geködert, die er mit einem Schneeballsystem zu finanzieren gedachte. Seine Gartenlaube hat er erst kürzlich von seinem verstorbenen Vater übernommen und in ein heimliches Privatbüro umfunktioniert.
Die nebenberuflichen Ermittlungen von Eva Ritter wechseln ab mit Einblicken ins Privatleben der Ex-Kommissarin. Vor drei Jahren hat ihr Mann die gemeinsame Wohnung verlassen und kam nie mehr nach Hause. Besonders authentisch werden Eva Ritters Ängste vor der definitiven Diagnose ihrer mysteriösen Muskelerkrankung geschildert. Will oder muss sie tatsächlich wissen, an welcher Krankheit sie leidet? Ohne genaue Diagnose kann die Krankheit allenfalls besser ignoriert werden. Ist die Mörderjagd eine Ablenkung von ihren Sorgen und sollte sie ihre begrenzten Kräfte nicht besser für ihren „richtigen“ Job einsetzen?
Ein Lichtblick im Leben der kranken Frau ist das herzliche Verhältnis zu ihrer 20jährigen Tochter. Gerade letztere sorgt im Lauf der Handlung für einige Überraschungen mit ihrem Beziehungs- und Hormonstatus.
Zwar beschränkt sich der hortikulturelle Hintergrund auf den Fundort der Leiche in der Kleingartenanlage, die Befreiung einer Quitte vom Winterschutz und Blumensamen für einen Gefängnisaufenthalt. Diese Tatsachte sollte aber kein Anlass sein, auf die Lektüre zu verzichten.
Olaf Kolbrück:
Keine feine Gesellschaft
fhl Verlag Leipzig UG, 2012
Wider Willen nimmt Eva Ritter das Auffinden der Leiche persönlich und gleichzeitig die Herausforderung an, den Mörder zu finden. Nachforschungen führen in die Frankfurter Finanzwelt und in die sogenannt besseren Kreise. Dass die ehemaligen Kollegen bei der Kripo an Eva Ritters Recherchen, mit denen sie diesen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, keine Freude haben, muss nicht speziell betont werden. Obwohl, auch von offiziellen Stellen kann sie ganz inoffiziell auf die eine oder andere Information zählen. Und bevor klar ist, wer hinter dem Mord an Jens Lücker, einem Fondsverwalter und der Nr. 2 der Eurobest-Bank steckt, wird ein zweites Mordopfer entdeckt.
Eva Ritters Freundin Doris kennt sich im Kreis der oberen Zehntausend aus und teilt ihr Insiderwissen gerne. Der als Schürzenjäger bekannte Jens Lücker hat seine Kunden mit hohen Renditeversprechen geködert, die er mit einem Schneeballsystem zu finanzieren gedachte. Seine Gartenlaube hat er erst kürzlich von seinem verstorbenen Vater übernommen und in ein heimliches Privatbüro umfunktioniert.
Die nebenberuflichen Ermittlungen von Eva Ritter wechseln ab mit Einblicken ins Privatleben der Ex-Kommissarin. Vor drei Jahren hat ihr Mann die gemeinsame Wohnung verlassen und kam nie mehr nach Hause. Besonders authentisch werden Eva Ritters Ängste vor der definitiven Diagnose ihrer mysteriösen Muskelerkrankung geschildert. Will oder muss sie tatsächlich wissen, an welcher Krankheit sie leidet? Ohne genaue Diagnose kann die Krankheit allenfalls besser ignoriert werden. Ist die Mörderjagd eine Ablenkung von ihren Sorgen und sollte sie ihre begrenzten Kräfte nicht besser für ihren „richtigen“ Job einsetzen?
Ein Lichtblick im Leben der kranken Frau ist das herzliche Verhältnis zu ihrer 20jährigen Tochter. Gerade letztere sorgt im Lauf der Handlung für einige Überraschungen mit ihrem Beziehungs- und Hormonstatus.
Zwar beschränkt sich der hortikulturelle Hintergrund auf den Fundort der Leiche in der Kleingartenanlage, die Befreiung einer Quitte vom Winterschutz und Blumensamen für einen Gefängnisaufenthalt. Diese Tatsachte sollte aber kein Anlass sein, auf die Lektüre zu verzichten.
Olaf Kolbrück:
Keine feine Gesellschaft
fhl Verlag Leipzig UG, 2012
28. Mai 2014
Zuletzt angefangen zu lesen: Wolfgang Ebert – Die erste Frau
Nach dem Tod ihrer Eltern und sehr unglücklichen Jahren, die sie bei einem Onkel und dessen Familie verbracht hat, kommt Jeanne Baret zum kinderlosen Ehepaar Tierri. Hier blüht sie auf und lernt Freundlichkeit kennen. Obergärtner Henri Tierri arbeitet im prächtigen Garten eines Barons und Jeanne geht ihm oft zur Hand. In diesem Garten Eden lernt sie den Naturforscher Phil Commerson kennen und erhält von diesem das Angebot, zu seiner Familie zu ziehen, und mit ihm zusammen zu arbeiten.
Als Jeanne bei der Familie Commerson eintrifft, haben sich die Umstände geändert. Phil Commerson ist Vater geworden und seine Frau bei der Geburt gestorben. Die wissbegierige Jeanne kümmert sich um das Baby und wird gleichzeitig von ihrem deutlich älteren verwitweten Lehrmeister ausgebildet. Sie liebt es, Samen in die Erde zu stecken und den Blumen beim Wachsen zuzusehen. Commerson seinerseits füllt Herbarien, die sie katalogisieren muss.
Das Zusammenleben der beiden sorgt in der Umgebung für viel Gesprächsstoff. Als Commerson die Gelegenheit erhält, mit Kommandant Louis-Antoine de Bougainville an der ersten französischen Weltumsegelung teilzunehmen, packt er diese beim Schopf. Als Mann verkleidet ist auch Jeanne Baret an Bord des Dreimasters „Etoile“, der Anfang Februar 1767 als Verpflegungsschiff in Rochefort in See sticht.
Jeanne hat bereits mit Pflanzen aus den verschiedensten Ecken der Welt gearbeitet. Diese bedeuten ihr mehr als alles andere und nun hofft sie auf die Gelegenheit, selber neue Schätze zu entdecken. Jean Bonnefoy ist nun ihr Name, und sie lebt in ständiger Angst vor Entlarvung. Während langer Monate fährt sie durch graues und blaues Nichts und vermisst Blütendürfte, Bienensummen und Vogelgezwitscher, statt sich an königlichen Pflanzenparadiesen zu erfreuen. Ob ihr letztes Experiment an Land wohl ein Erfolg geworden ist und die gepflanzte Blumenuhr nach Carl von Linné funktioniert?
Die bisher gelesenen Seiten - etwa zwei Drittel der Lektüre - lassen mich recht zwiespältig zurück, Der schwere und brutale Alltag auf dem Dreimaster wird sehr detailreich geschildert und scheint auf gründlichen Recherchen zu beruhen. Der Schreibstil dünkt mich recht schwerfällig - aber vielleicht überzeugen mich ja die letzten Seiten des Buches mehr?
Über den gleichen geschichtlichen Hintergrund sind schon weitere Bücher geschrieben worden. Die Version von Liv Winterberg mit dem Titel „Vom anderen Ende der Welt“ habe ich hier vorgestellt.
Wolfgang Ebert:
Die erste Frau
Verlag Komplett-Media, 2013
Als Jeanne bei der Familie Commerson eintrifft, haben sich die Umstände geändert. Phil Commerson ist Vater geworden und seine Frau bei der Geburt gestorben. Die wissbegierige Jeanne kümmert sich um das Baby und wird gleichzeitig von ihrem deutlich älteren verwitweten Lehrmeister ausgebildet. Sie liebt es, Samen in die Erde zu stecken und den Blumen beim Wachsen zuzusehen. Commerson seinerseits füllt Herbarien, die sie katalogisieren muss.
Das Zusammenleben der beiden sorgt in der Umgebung für viel Gesprächsstoff. Als Commerson die Gelegenheit erhält, mit Kommandant Louis-Antoine de Bougainville an der ersten französischen Weltumsegelung teilzunehmen, packt er diese beim Schopf. Als Mann verkleidet ist auch Jeanne Baret an Bord des Dreimasters „Etoile“, der Anfang Februar 1767 als Verpflegungsschiff in Rochefort in See sticht.
Jeanne hat bereits mit Pflanzen aus den verschiedensten Ecken der Welt gearbeitet. Diese bedeuten ihr mehr als alles andere und nun hofft sie auf die Gelegenheit, selber neue Schätze zu entdecken. Jean Bonnefoy ist nun ihr Name, und sie lebt in ständiger Angst vor Entlarvung. Während langer Monate fährt sie durch graues und blaues Nichts und vermisst Blütendürfte, Bienensummen und Vogelgezwitscher, statt sich an königlichen Pflanzenparadiesen zu erfreuen. Ob ihr letztes Experiment an Land wohl ein Erfolg geworden ist und die gepflanzte Blumenuhr nach Carl von Linné funktioniert?
Die bisher gelesenen Seiten - etwa zwei Drittel der Lektüre - lassen mich recht zwiespältig zurück, Der schwere und brutale Alltag auf dem Dreimaster wird sehr detailreich geschildert und scheint auf gründlichen Recherchen zu beruhen. Der Schreibstil dünkt mich recht schwerfällig - aber vielleicht überzeugen mich ja die letzten Seiten des Buches mehr?
Über den gleichen geschichtlichen Hintergrund sind schon weitere Bücher geschrieben worden. Die Version von Liv Winterberg mit dem Titel „Vom anderen Ende der Welt“ habe ich hier vorgestellt.
Wolfgang Ebert:
Die erste Frau
Verlag Komplett-Media, 2013
24. Mai 2014
Amanda Coplin: Im Licht von Apfelbäumen
Als Junge ist der Einzelgänger Talmadge in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Mutter und der Schwester in den Nordwesten Amerikas gekommen, wo er noch immer lebt. Erste Apfelbäume wurden gleich nach der Ankunft gesetzt und laufend zu einer grossen vielfältigen Obstplantage ergänzt – Gravensteiner, Rhode Island Greenings aber auch Walnüsse, Aprikosen und Pflaumen gehören zum umfangreichen Sortiment des mittlerweile vierzig Jahre alten auf zehn Hektaren angewachsenen Obstgarten.
Die Mutter ist vor vielen Jahren gestorben und die ein Jahr jüngere Schwester Elsbeth irgendwann spurlos im Wald verschwunden. Das Nichtwissen über deren Schicksal gärt auch nach Jahrzehnten noch pausenlos in dem grossen breitschultrigen Mann mit vernarbtem Gesicht und beschäftigt ihn während er mit seinen Bäumen arbeitet.
Talmadge führt ein sehr zurückgezogenes Leben und setzt seine Kräfte gänzlich in die Erfüllung seines strengen Tagwerks, das aus Beschneiden, Ernten, Pflegen und dem Pflanzen von Ersatzbäumen besteht. Befriedigung findet er in Ordnung und Struktur.Als seine einzigen Freunde können die Hebamme und Heilpflanzenkennerin Caroline Midday und Clee bezeichnet werden. Letzterer ist zwar nicht taub, spricht aber mit niemandem.
Als Talmadge eines Tages in der Stadt seine Äpfel und Aprikosen verkauft, wird er von zwei jungen schwangeren Mädchen bestohlen. Fortan begegnet er den beiden unvermittelt in sein ruhiges Leben geplatzten Mädchen immer wieder. Die drei beobachten sich gegenseitig, kommen sich aber nicht richtig näher und reden auch nicht miteinander. Die jungen Frauen schauen Talmadge bei seiner Arbeit an den Obstbäumen zu und er stellt ihnen immer wieder Essen auf die Veranda, das sie im Gras kniend schweigend essen. Der Mann wirkt trotz seiner Grösse dank seiner langsamen und bedächtigen Bewegungen freundlich und nicht angsteinflössend und er richtet den beiden Hochschwangeren sogar eine eigene Hütte ein. Diese nehmen zwar seine Mahlzeiten an, ignorieren ihn aber ansonsten wochenlang weitgehend.
Dann setzen bei beiden Schwestern am gleichen Tag Wehen ein. Während Della ihre Zwillinge tot gebärt, bringt Jane mit Hilfe der von Talmadge herbeigerufenen Caroline eine Tochter auf die Welt. Für ein paar wenige Wochen pendelt sich eine neue Routine ein – die beiden blutjungen Mütter kümmern sich gemeinsam und mit Unterstützung von Caroline mehr oder weniger pflichtbewusst um das Baby Angelene. Doch dann werden die beiden Mädchen von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt. Ihr Peiniger taucht auf der Obstplantage auf und ein weiteres tragisches Kapitel im von sexueller Ausbeutung geprägten Leben der beiden jungen Frauen wird aufgeschlagen, während das Schicksal Talmadge gleichzeitig eine neue Aufgabe zuteilt.
Eine unaufgeregte, aber trotzdem berührende Geschichte über den schwierigen Alltag einer zusammengewürfelten Familie, in der oft wird mehr geschwiegen als gesprochen wird. Offen bleibt, welches Leben Angelene am Ende als Erwachsene ohne ihre kleine Familie führt.
Amanda Coplin:
Im Licht von Apfelbäumen
Arche Literatur Verlag, 2013
Talmadge führt ein sehr zurückgezogenes Leben und setzt seine Kräfte gänzlich in die Erfüllung seines strengen Tagwerks, das aus Beschneiden, Ernten, Pflegen und dem Pflanzen von Ersatzbäumen besteht. Befriedigung findet er in Ordnung und Struktur.Als seine einzigen Freunde können die Hebamme und Heilpflanzenkennerin Caroline Midday und Clee bezeichnet werden. Letzterer ist zwar nicht taub, spricht aber mit niemandem.
Als Talmadge eines Tages in der Stadt seine Äpfel und Aprikosen verkauft, wird er von zwei jungen schwangeren Mädchen bestohlen. Fortan begegnet er den beiden unvermittelt in sein ruhiges Leben geplatzten Mädchen immer wieder. Die drei beobachten sich gegenseitig, kommen sich aber nicht richtig näher und reden auch nicht miteinander. Die jungen Frauen schauen Talmadge bei seiner Arbeit an den Obstbäumen zu und er stellt ihnen immer wieder Essen auf die Veranda, das sie im Gras kniend schweigend essen. Der Mann wirkt trotz seiner Grösse dank seiner langsamen und bedächtigen Bewegungen freundlich und nicht angsteinflössend und er richtet den beiden Hochschwangeren sogar eine eigene Hütte ein. Diese nehmen zwar seine Mahlzeiten an, ignorieren ihn aber ansonsten wochenlang weitgehend.
Dann setzen bei beiden Schwestern am gleichen Tag Wehen ein. Während Della ihre Zwillinge tot gebärt, bringt Jane mit Hilfe der von Talmadge herbeigerufenen Caroline eine Tochter auf die Welt. Für ein paar wenige Wochen pendelt sich eine neue Routine ein – die beiden blutjungen Mütter kümmern sich gemeinsam und mit Unterstützung von Caroline mehr oder weniger pflichtbewusst um das Baby Angelene. Doch dann werden die beiden Mädchen von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt. Ihr Peiniger taucht auf der Obstplantage auf und ein weiteres tragisches Kapitel im von sexueller Ausbeutung geprägten Leben der beiden jungen Frauen wird aufgeschlagen, während das Schicksal Talmadge gleichzeitig eine neue Aufgabe zuteilt.
Eine unaufgeregte, aber trotzdem berührende Geschichte über den schwierigen Alltag einer zusammengewürfelten Familie, in der oft wird mehr geschwiegen als gesprochen wird. Offen bleibt, welches Leben Angelene am Ende als Erwachsene ohne ihre kleine Familie führt.
Amanda Coplin:
Im Licht von Apfelbäumen
Arche Literatur Verlag, 2013
19. Mai 2014
Claudia Lanfranconi: Ladys in Gummistiefeln – Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Schon der Untertitel verrät, dass Claudia Lanfranconis neueste Publikation eine Fortsetzung des vor sechs Jahren erschienenen Buches „Die Damen mit dem grünen Daumen“ ist. Ähnlich ist auch die Aufmachung der Titelbilder, auf denen neben Blumen besonders die dunkelgrüne Kleidung und die die rote Kopfbedeckung auffallen.
Siebzehn Frauenportraits sind hier vereint, thematisch gegliedert nach
- Es wird durchgeblüht! – Gartengestalterinnen mit Stil
- Rund um den Globus – Pflanzenjägerinnen
- Ab in die Vase – Pionierinnen der Blumendekoration
- Inspirationen aus Floras Reich – Blumenmalerinnen
Während ich über die vorgestellten Norah Lindsay, Gabriella Pape, Jeanne Baret, Amalie Dietrich, Jelena de Belder, Valerie Finnis und Constance Spry schon Biografien und / oder fiktive Romane gelesen haben und ich deshalb auf diesen Seiten für mich persönlich nichts oder nur wenig Neues entdecken konnte, interessierten mich die anderen Portraits umso mehr.
Etwa das über die exzentrische Ganna Walska (1887 – 1984), die relativ spät zum Gärtnern kam, sich aber doch über fünfzig Jahre um ihr Tropenparadies in Kalifornien gekümmert hat, und zwar nach dem Motto „mehr ist besser“. Sie konnte keinen Grund finden (und hatte wohl auch keine Veranlassung, überhaupt nach einem solchen zu suchen), wenige Exemplare einer Pflanze zu setzen, wenn sie auch hunderte verwenden konnte. Ein riesiges Gelände und ein grosses Vermögen bildeten eine solide Basis zu dieser Einstellung.
Julia Clements (1906 – 2010) war eine englische Rednerin, die sich für die Entwicklung der Blumenkunst in England einsetze und massgeblich am Aufschwung der Floristik nach dem zweiten Weltkrieg mitbeteiligt war. In floraler Mission reiste sie durch die ganze Welt und verbreitete ihre Ideen etwa in Karachi, Hongkong, Hawai, Thailand und Kalkutta. Ihr Schulzimmer richtete sie einst sogar auf einem Kreufahrtschiff ein und führte die Crew auf dem Seeweg von England nach New York und zurück in die Kunst der Blumendekoration ein
Lelia Caetani Howard (1913 – 1977) eine Künstlerin und gleichzeitig Erbin von Ninfa zählt zu den Blumenmalerinnen unter den portraitierten Gartenladys. Sie bemalte die Leinwand mit dem Garten, wie er vor ihr lag und fügte gleichzeitig Pflanzen ein, die nach ihrem Empfinden fehlten. Falls das Bild stimmig herauskam, wurden die fehlenden gemalten Blumen und Sträucher nachträglich tatsächlich an die entsprechenden Stellen in die Erde gesetzt. Selber hat die Künstlerin nur wenige Änderungen in dem berühmten Garten vorgenommen. In der erwähnten Art und Weise kam auf ihre Anregung hin ein Steingarten mit Iberis, Alyssum, Eschscholzia und Aquilegia zustande, der in der Natur wie zuvor auf der Leinwand einen farbenfrohen Teppich bildete.
Zu den in weiteren Portraits vorgestellten Frauen gehören Alicia Amherst, Giovanna Ganzoni und Rosie Sanders, deren Aquarelle oft über einen Quadratmeter gross sind. In England ist diese Blumenmalerin besonders durch ihre Publikation „The Apple Book“ bekannt, für welche sie sämtliche auf der Insel kultivierten Apfelsorten zeichnete und klassifizierte. Im Anhang dieses grosszügig illustrierten und schön gestalteten Buches finden sich nützliche Adressen und ein interessantes Literaturverzeichnis.
Zum Abschluss der Buchvorstellung noch eine Ergänzung zur Bemerkung von Gabriella Pape, dass Engländer von Pflanzen die Namen kennen und Deutsche den Preis - beides ist wichtig. Als regelmässige Kundin in Gärtnereien in Nah und Fern schätze ich es, wenn die Töpfe mit den Pflanzennamen und vielleicht den wichtigsten Pflegehinweisen beschriftet sind und/oder ich selber ein Etikett hineinstecken kann. Und natürlich schätze ich auch, wenn ich zumindest ungefähr weiss oder aufgrund von Farbsystemen erahnen kann, welche Kosten auf mich zukommen. Tendenziell kaufe ich deutlich mehr ein, wenn ich die Preise kenne (und laufend falsch im Kopf addiere) – schon zu oft hat mich an der Kasse bei nicht preisgezeichneter Ware fast der Schlag getroffen…
Claudia Lanfranconi:
Ladys in Gummistiefeln – Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Elisabeth Sandmann Verlag, 2014
Siebzehn Frauenportraits sind hier vereint, thematisch gegliedert nach
- Es wird durchgeblüht! – Gartengestalterinnen mit Stil
- Rund um den Globus – Pflanzenjägerinnen
- Ab in die Vase – Pionierinnen der Blumendekoration
- Inspirationen aus Floras Reich – Blumenmalerinnen
Während ich über die vorgestellten Norah Lindsay, Gabriella Pape, Jeanne Baret, Amalie Dietrich, Jelena de Belder, Valerie Finnis und Constance Spry schon Biografien und / oder fiktive Romane gelesen haben und ich deshalb auf diesen Seiten für mich persönlich nichts oder nur wenig Neues entdecken konnte, interessierten mich die anderen Portraits umso mehr.
Etwa das über die exzentrische Ganna Walska (1887 – 1984), die relativ spät zum Gärtnern kam, sich aber doch über fünfzig Jahre um ihr Tropenparadies in Kalifornien gekümmert hat, und zwar nach dem Motto „mehr ist besser“. Sie konnte keinen Grund finden (und hatte wohl auch keine Veranlassung, überhaupt nach einem solchen zu suchen), wenige Exemplare einer Pflanze zu setzen, wenn sie auch hunderte verwenden konnte. Ein riesiges Gelände und ein grosses Vermögen bildeten eine solide Basis zu dieser Einstellung.
Julia Clements (1906 – 2010) war eine englische Rednerin, die sich für die Entwicklung der Blumenkunst in England einsetze und massgeblich am Aufschwung der Floristik nach dem zweiten Weltkrieg mitbeteiligt war. In floraler Mission reiste sie durch die ganze Welt und verbreitete ihre Ideen etwa in Karachi, Hongkong, Hawai, Thailand und Kalkutta. Ihr Schulzimmer richtete sie einst sogar auf einem Kreufahrtschiff ein und führte die Crew auf dem Seeweg von England nach New York und zurück in die Kunst der Blumendekoration ein
Lelia Caetani Howard (1913 – 1977) eine Künstlerin und gleichzeitig Erbin von Ninfa zählt zu den Blumenmalerinnen unter den portraitierten Gartenladys. Sie bemalte die Leinwand mit dem Garten, wie er vor ihr lag und fügte gleichzeitig Pflanzen ein, die nach ihrem Empfinden fehlten. Falls das Bild stimmig herauskam, wurden die fehlenden gemalten Blumen und Sträucher nachträglich tatsächlich an die entsprechenden Stellen in die Erde gesetzt. Selber hat die Künstlerin nur wenige Änderungen in dem berühmten Garten vorgenommen. In der erwähnten Art und Weise kam auf ihre Anregung hin ein Steingarten mit Iberis, Alyssum, Eschscholzia und Aquilegia zustande, der in der Natur wie zuvor auf der Leinwand einen farbenfrohen Teppich bildete.
Zu den in weiteren Portraits vorgestellten Frauen gehören Alicia Amherst, Giovanna Ganzoni und Rosie Sanders, deren Aquarelle oft über einen Quadratmeter gross sind. In England ist diese Blumenmalerin besonders durch ihre Publikation „The Apple Book“ bekannt, für welche sie sämtliche auf der Insel kultivierten Apfelsorten zeichnete und klassifizierte. Im Anhang dieses grosszügig illustrierten und schön gestalteten Buches finden sich nützliche Adressen und ein interessantes Literaturverzeichnis.
Zum Abschluss der Buchvorstellung noch eine Ergänzung zur Bemerkung von Gabriella Pape, dass Engländer von Pflanzen die Namen kennen und Deutsche den Preis - beides ist wichtig. Als regelmässige Kundin in Gärtnereien in Nah und Fern schätze ich es, wenn die Töpfe mit den Pflanzennamen und vielleicht den wichtigsten Pflegehinweisen beschriftet sind und/oder ich selber ein Etikett hineinstecken kann. Und natürlich schätze ich auch, wenn ich zumindest ungefähr weiss oder aufgrund von Farbsystemen erahnen kann, welche Kosten auf mich zukommen. Tendenziell kaufe ich deutlich mehr ein, wenn ich die Preise kenne (und laufend falsch im Kopf addiere) – schon zu oft hat mich an der Kasse bei nicht preisgezeichneter Ware fast der Schlag getroffen…
Claudia Lanfranconi:
Ladys in Gummistiefeln – Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Elisabeth Sandmann Verlag, 2014
15. Mai 2014
Zuletzt ausgelesen: Lotte Minck – Radieschen von unten
Dieses Buch gibt zunächst einen recht ausführlichen Einblick in die berufliche Tätigkeit der Enddreissigerin Loretta Luchs, die ihre Brötchen mit ihren Verführungskünsten in unterschiedlichsten Rollen an einer Sex-Hotline verdient.
Lorettas Schrebergartenwoche lässt ihr kaum Zeit, sich Gedanken über ihre verkorkste Beziehung zu machen. Nicht das bevorstehende Sommerfest in Verbindung mit der Wahl des schönsten Gartens beschäftigt sie, sondern die beiden Todesfälle von zwei Schrebergärtnern innert wenigen Tagen in der Laubekolonie.
Die Polizei scheint diese nicht als auffällig einzustufen, während Loretta sich über die nicht besonders unglücklich scheinenden Witwen wundert. Ihren Urlaub hat sie sich jedenfalls doch etwas anders vorgestellt und sie könnte gut darauf verzichten, ständig an den Fundort von frisch Verstorbenen gerufen zu werden.
Eine humorige „Krimödie“, die den Leser in die Abgründe von jahrzehntelangen Ehen zwischen ungeliebten bösen Ehemännern und ihren Frauen führt, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen.
Hier der Link zu Teil 1 dieser Kurzvorstellung.
Lotte Minck:
Radieschen von unten
Droste Verlag, 2013
Lorettas Schrebergartenwoche lässt ihr kaum Zeit, sich Gedanken über ihre verkorkste Beziehung zu machen. Nicht das bevorstehende Sommerfest in Verbindung mit der Wahl des schönsten Gartens beschäftigt sie, sondern die beiden Todesfälle von zwei Schrebergärtnern innert wenigen Tagen in der Laubekolonie.
Die Polizei scheint diese nicht als auffällig einzustufen, während Loretta sich über die nicht besonders unglücklich scheinenden Witwen wundert. Ihren Urlaub hat sie sich jedenfalls doch etwas anders vorgestellt und sie könnte gut darauf verzichten, ständig an den Fundort von frisch Verstorbenen gerufen zu werden.
Eine humorige „Krimödie“, die den Leser in die Abgründe von jahrzehntelangen Ehen zwischen ungeliebten bösen Ehemännern und ihren Frauen führt, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen.
Hier der Link zu Teil 1 dieser Kurzvorstellung.
Lotte Minck:
Radieschen von unten
Droste Verlag, 2013
11. Mai 2014
Karen Meyer-Rebentisch: Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
Nach ihren beiden früher erschienen Büchern "Das Gemüsebuch" und "Wintergemüse" hat Karen Meyer-Rebentisch nun mit einer Publikation über den Obstgarten die logische Ergänzung veröffentlicht. Mit Obst werden die Früchte und Samen mehrjähriger Bäume und Sträucher bezeichnet, die roh verzehrt werden können. Zu diesen pflanzlichen Lebensmitteln gehören neben dem im Buch behandelten Kern-, Stein- und Beerenobst auch exotische Früchte und Schalenobst wie Nüsse und Mandeln.
Immer mehr Konsumenten geben sich nicht mehr mit dem stark eingeschränkten Supermarkt-Allerlei zufrieden und legen Wert auf eine vielfältige und schmackhafte Obsternte. Sie schätzen die Abwechslung und sind auch bereit, sich dafür zu engagieren, sprich zu gärtnern. Und belohnt für ihre Tatkraft wird nicht nur der Gaumen nach der Ernte, sondern auch das Auge im Frühling, wenn die Bienenweiden um die Wette blühen.
Da die Gärten tendenziell immer kleiner werden, lohnt es sich, vor dem Pflanzen genau zu überlegen, welche Obstspflanzen angeschafft werden sollen. Mit einer gut durchdachten Sortenauswahl kann nämlich der Eigenbedarf an Obst - mit Konservierung – während einem grossen Teil des Jahres gedeckt werden. Selbst auf einer verhältnismässig kleinen Fläche von beispielsweise hundertfünfzig Quadratmetern lassen sich mit geschickter Planung und unter Einbezug von Hauswänden und Grundstückgrenzen etliche Pflanzen unterbringen. Die Autorin weist hier auf Spaliere und Mehrsortengehölze hin.
Neben kulturgeschichtlichen Informationen und Rezepten vermittelt Karen Meyer-Rebentisch in diesem Buch Wissenswertes zu den jeweiligen Obstsarten und hat auch gleich die meisten Fotografien selber beigesteuert. In der bereits bewährten Struktur der Gemüsebücher werden auch hier die Portraits gegliedert nach „Im Garten“, „Sorten“, „Ernten und Lagern“, „In der Küche“ und eben „Rezeptideen“. Von Menschen und ihren speziellen Beziehungen zu Obst handeln die Reportagen, welche zwischen den Obstportraits eingebettet sind.
Während um 1900 weltweit rund 20‘000 Apfelsorten kultiviert wurden, sind es heute nach der Industrialisierung des Obstbaus noch wenige Dutzend. Mit dieser vom Erwerbsgartenbau diktierten Veränderung ging gleichzeitig ein Wandel der Geschmacksgewohnheiten einher. Erreichten viele früher beliebte Apfelsorten ihre Genussreife erst nach Lagerung und mit einer damit verbundenen Mürbigkeit, sind heutzutage knackige Äpfel rund ums Jahr verfügbar und weiche Äpfel wenig gefragt.
Für eine grosse Obstvielfalt engagiert sich der Pomologe Jan Bade, der in der ersten von sechs Reportagen zu Wort kommt. Sein Fachwissen gibt er unter anderem in Schnittkursen weiter und setzt sich unermüdlich ein für das Biotop Streuobstwiese und für das Pflanzen und Erhalten von regional angepassten Sorten, die mit wenig oder ganz ohne Chemie auskommen. Der Tischlermeister Jens Meyer steht mit der gleichen Leidenschaft für seine Obstbäume ein. Er veredelt quasi am laufenden Band Apfel- und Birnensorten und erzählt von Zeiten, in denen die Birne teilweise bedeutender war als der Apfel.
Ein Arbeitsplatz in einem schlecht isolierten Gebäude, aus welchem die Wärme nach draussen dringt, führte einen Professor und Hobbywinzer auf die Idee, einen Weinberg auf einem Uni-Campus anzulegen. Nach Überwindung von etlichen bürokratischen Hindernissen, kann er mittlerweile kübelweise Trauben ernten – sofern er schnell genug ist und die über die Pflanzen gespannte blauen Netze ihren Zweck erfüllen und Langfinger und Vögel vom gleichen Vorhaben abhalten.
Rund ein Viertel der Buchseiten werden von den Kernobstarten Apfel, Birne und Quitte eingenommen, aber auch weniger gängige essbare Nutzpflanzen wie Mispel (Mespilus germanica), Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) werden vorgestellt. Zu den Portraits gehören Hinweise auf bewährte Sorten (nicht immer bebildert) mit Angaben über die jeweiligen Vor- und Nachteile und allfällige Anfälligkeit auf Krankheiten. Das Buch gibt Einsteigern einen breit gefächerten Überblick in die verschiedenen in unseren Breitengraden gut gedeihenden Obstspflanzen. Die Sortenempfehlungen sind aus Platzgründen eingeschränkt. Wer sich vertiefter mit dem Thema auseinandersetzen will, findet im Anhang der Publikation eine Literaturliste für weitergehende Informationen und Hinweise zu informativen Webseiten und Links.
Und wer keine Gelegenheit hat, sich eigenhändig als Obstgärtner zu betätigen, aber trotzdem gerne selber Obst ernten möchte, dem sei die Webseite www.mundraub.org empfohlen, auf der über frei zugängliche Obststandorte informiert wird.
Während ich diese Zeilen schreibe, blüht gerade unser Mispelbaum; teilweise immer noch behängt mit der vertrockneten letztjährigen Ernte, die wegen des milden Winters von den Vögeln weitgehend verschmäht worden und auch nicht abgefallen ist. Die problemlos erreichbaren Früchte habe ich im März abgelesen. In anderen Jahren ist für das Wegräumen der Mispeln üblicherweise mehr „Bückarbeit“ angesagt, weil die nicht geernteten Früchte auf den Boden fallen. Tatsächlich mag ich Mispeln nicht essen, aber mir gefällt die Wuchsform des Baumes und die Früchte sind wenn sie mir auch nicht schmecken, sehr hübsch anzuschauen. Da mein Mann früher im Herbst von seinem Arbeitsweg oft Mispeln nach Hause gebracht hat und sie für ihn mit Jugenderinnerungen verbunden sind, habe ich vor Jahren einen solchen Baum gepflanzt. Nicht ahnend, dass Früchte aus dem eigenen Garten nicht so faszinierend zu sein scheinen, wie wild wachsende… Vielleicht hätte ich doch besser einen Apfelbaum gepflanzt? Die appetitlichen Bilder von reifen Äpfeln und ihrer Verwertung in der Küche machen jedenfalls den Mund wässrig.
PS: Meinen Mispelbaum werde ich nicht auf der oben erwähten Internetseite zur freien Ernte ausschreiben und auch kein Schild am Zaun aufhängen, wie das in der Nachbarschaft praktiziert wird. Lieber lasse ich die Früchte am Baum vertrocknen, als mich über einen zetrampelten Cyclamenteppich zu ärgern. Die Baumscheibe erblüht nämlich über mehrere Monate im Jahr mit Cyclamen coum und hederifolium.
Karen Meyer-Rebentisch:
Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
BLV Buchverlag, 2014
Immer mehr Konsumenten geben sich nicht mehr mit dem stark eingeschränkten Supermarkt-Allerlei zufrieden und legen Wert auf eine vielfältige und schmackhafte Obsternte. Sie schätzen die Abwechslung und sind auch bereit, sich dafür zu engagieren, sprich zu gärtnern. Und belohnt für ihre Tatkraft wird nicht nur der Gaumen nach der Ernte, sondern auch das Auge im Frühling, wenn die Bienenweiden um die Wette blühen.
Da die Gärten tendenziell immer kleiner werden, lohnt es sich, vor dem Pflanzen genau zu überlegen, welche Obstspflanzen angeschafft werden sollen. Mit einer gut durchdachten Sortenauswahl kann nämlich der Eigenbedarf an Obst - mit Konservierung – während einem grossen Teil des Jahres gedeckt werden. Selbst auf einer verhältnismässig kleinen Fläche von beispielsweise hundertfünfzig Quadratmetern lassen sich mit geschickter Planung und unter Einbezug von Hauswänden und Grundstückgrenzen etliche Pflanzen unterbringen. Die Autorin weist hier auf Spaliere und Mehrsortengehölze hin.
Neben kulturgeschichtlichen Informationen und Rezepten vermittelt Karen Meyer-Rebentisch in diesem Buch Wissenswertes zu den jeweiligen Obstsarten und hat auch gleich die meisten Fotografien selber beigesteuert. In der bereits bewährten Struktur der Gemüsebücher werden auch hier die Portraits gegliedert nach „Im Garten“, „Sorten“, „Ernten und Lagern“, „In der Küche“ und eben „Rezeptideen“. Von Menschen und ihren speziellen Beziehungen zu Obst handeln die Reportagen, welche zwischen den Obstportraits eingebettet sind.
Während um 1900 weltweit rund 20‘000 Apfelsorten kultiviert wurden, sind es heute nach der Industrialisierung des Obstbaus noch wenige Dutzend. Mit dieser vom Erwerbsgartenbau diktierten Veränderung ging gleichzeitig ein Wandel der Geschmacksgewohnheiten einher. Erreichten viele früher beliebte Apfelsorten ihre Genussreife erst nach Lagerung und mit einer damit verbundenen Mürbigkeit, sind heutzutage knackige Äpfel rund ums Jahr verfügbar und weiche Äpfel wenig gefragt.
Für eine grosse Obstvielfalt engagiert sich der Pomologe Jan Bade, der in der ersten von sechs Reportagen zu Wort kommt. Sein Fachwissen gibt er unter anderem in Schnittkursen weiter und setzt sich unermüdlich ein für das Biotop Streuobstwiese und für das Pflanzen und Erhalten von regional angepassten Sorten, die mit wenig oder ganz ohne Chemie auskommen. Der Tischlermeister Jens Meyer steht mit der gleichen Leidenschaft für seine Obstbäume ein. Er veredelt quasi am laufenden Band Apfel- und Birnensorten und erzählt von Zeiten, in denen die Birne teilweise bedeutender war als der Apfel.
Ein Arbeitsplatz in einem schlecht isolierten Gebäude, aus welchem die Wärme nach draussen dringt, führte einen Professor und Hobbywinzer auf die Idee, einen Weinberg auf einem Uni-Campus anzulegen. Nach Überwindung von etlichen bürokratischen Hindernissen, kann er mittlerweile kübelweise Trauben ernten – sofern er schnell genug ist und die über die Pflanzen gespannte blauen Netze ihren Zweck erfüllen und Langfinger und Vögel vom gleichen Vorhaben abhalten.
Rund ein Viertel der Buchseiten werden von den Kernobstarten Apfel, Birne und Quitte eingenommen, aber auch weniger gängige essbare Nutzpflanzen wie Mispel (Mespilus germanica), Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) werden vorgestellt. Zu den Portraits gehören Hinweise auf bewährte Sorten (nicht immer bebildert) mit Angaben über die jeweiligen Vor- und Nachteile und allfällige Anfälligkeit auf Krankheiten. Das Buch gibt Einsteigern einen breit gefächerten Überblick in die verschiedenen in unseren Breitengraden gut gedeihenden Obstspflanzen. Die Sortenempfehlungen sind aus Platzgründen eingeschränkt. Wer sich vertiefter mit dem Thema auseinandersetzen will, findet im Anhang der Publikation eine Literaturliste für weitergehende Informationen und Hinweise zu informativen Webseiten und Links.
Und wer keine Gelegenheit hat, sich eigenhändig als Obstgärtner zu betätigen, aber trotzdem gerne selber Obst ernten möchte, dem sei die Webseite www.mundraub.org empfohlen, auf der über frei zugängliche Obststandorte informiert wird.
Während ich diese Zeilen schreibe, blüht gerade unser Mispelbaum; teilweise immer noch behängt mit der vertrockneten letztjährigen Ernte, die wegen des milden Winters von den Vögeln weitgehend verschmäht worden und auch nicht abgefallen ist. Die problemlos erreichbaren Früchte habe ich im März abgelesen. In anderen Jahren ist für das Wegräumen der Mispeln üblicherweise mehr „Bückarbeit“ angesagt, weil die nicht geernteten Früchte auf den Boden fallen. Tatsächlich mag ich Mispeln nicht essen, aber mir gefällt die Wuchsform des Baumes und die Früchte sind wenn sie mir auch nicht schmecken, sehr hübsch anzuschauen. Da mein Mann früher im Herbst von seinem Arbeitsweg oft Mispeln nach Hause gebracht hat und sie für ihn mit Jugenderinnerungen verbunden sind, habe ich vor Jahren einen solchen Baum gepflanzt. Nicht ahnend, dass Früchte aus dem eigenen Garten nicht so faszinierend zu sein scheinen, wie wild wachsende… Vielleicht hätte ich doch besser einen Apfelbaum gepflanzt? Die appetitlichen Bilder von reifen Äpfeln und ihrer Verwertung in der Küche machen jedenfalls den Mund wässrig.
PS: Meinen Mispelbaum werde ich nicht auf der oben erwähten Internetseite zur freien Ernte ausschreiben und auch kein Schild am Zaun aufhängen, wie das in der Nachbarschaft praktiziert wird. Lieber lasse ich die Früchte am Baum vertrocknen, als mich über einen zetrampelten Cyclamenteppich zu ärgern. Die Baumscheibe erblüht nämlich über mehrere Monate im Jahr mit Cyclamen coum und hederifolium.
Karen Meyer-Rebentisch:
Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
BLV Buchverlag, 2014
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