Tom ist schwer enttäuscht. Aus seinem Vorhaben, während der Schulferien zusammen mit seinem Bruder Peter auf dem alten Apfelbaum im elterlichen Garten ein Baumhaus zu bauen, wird nichts. Weil Peter nämlich die Masern hat, muss Tom zu Tante Gwen und Onkel Alan in Quarantäne. Die beiden sind zwar recht nett, wohnen aber sehr beengt und haben leider keinen Garten.
Doch die langweiligen Ferien entpuppen sich unvermittelt als spannendes Abenteuer, als Tom nachts schlaflos im Bett liegt und sich darüber wundert, warum die alte Standuhr im Erdgeschoss des Hauses um Mitternacht dreizehnmal die Stunde schlägt. Neugierig steht der Junge auf und möchte der Sache auf den Grund gehen. Im Schlafanzug verlässt er die Wohnung und entdeckt als er die Hintertüre öffnet einen richtigen Traumgarten. Dabei hatten Tante und Onkel ihm doch versichert, hinter dieser Türe ständen nur Abfalleimer herum. Doch nun steht Tom nicht vor einem schäbigen Platz, sondern vor einer grossen Rasenfläche und blickt auf überbordende Blumenbeete, Bäume und ein riesiges Gewächshaus. Er hat unverhofft den idealen Platz gefunden, um abwechslungsreiche Ferien zu verbringen!
Zurück im Bett wundert sich Tom, ob er alles nur geträumt hat. Am nächsten Morgen möchte er seine Verwandten der Lüge überführen. Doch als er selber bei Tageslicht die Hintertüre des Miethauses öffnet, ist da kein Traumgarten. Es stehen tatsächlich nur Abfallkübel herum und ein Mann liegt unter einem alten Auto, das er gerade repariert.
Doch so einfach gibt Tom nicht auf. Nacht für Nacht verlässt er nun leise sein Bett und vergnügt sich im geheimen Garten. Tagsüber schreibt er Briefe an seinen Bruder Peter, die dieser nach der Lektüre sofort vernichten soll. Kein Erwachsener soll von den nächtlichen Erlebnissen erfahren! Tom erzählt in den Briefen von den verschiedenen Jahreszeiten, die er im Garten erlebt und von Hatty, einem Mädchen aus einer anderen Zeit, das er im Garten kennengelernt hat und mit dem er im Garten Verstecken spielt und sogar ein Baumhaus baut.
Diese Parallelwelt zwischen zwölf und ein Uhr nachts ist zwar ziemlich merkwürdig, doch Tom geniesst den Garten und kümmert sich zunächst nicht um Ungereimtheiten. Seltsam findet er lediglich, dass er für (fast) alle anderen Hausbewohner in dieser Nebenwelt unsichtbar ist und sogar durch geschlossene Türen hindurchgehen kann. Nichtsdestotrotz versucht Tom mit Hilfe von Büchern über Kleiderstile und anhand von Hattys Bemerkung, dass eine Königin das Land regiert, herauszufinden in welchem Jahrhundert das Mädchen lebt.
Ausserdem möchte er bald mehr wissen über das Geheimnis, das hinter der alten Uhr steckt, die dreizehn Stunden schlägt. Während Tom im Garten immer gleich alt ist, entwickelt sich Hatty vom kleinen Mädchen, das den Tod seiner Eltern beweint, zu einem Teenager, der sich darüber beklagt, dass Tom nur alle paar Monate in den Garten kommt. Tom jedenfalls gefällt es bei Onkel und Tante mittlerweile so gut, dass er am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren möchte. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er herausgefunden hat, was es mit dem geheimen Garten auf sich hat.
Dieses Kinderbuch ist vor längerer Zeit auch auf Deutsch erschienen. Der Titel „Als die Uhr dreizehn schlug“ ist aber nur noch antiquarisch erhältlich.
Der gleichnamige Film mit dem Titel „Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug“ hält sich mit Ausnahme der gut passenden Rahmenhandlung an die mit Literaturpreisen ausgezeichnete Vorlage aus dem Jahr 1958.
Eine fantasievolle, gut durchdachte Erzählung, die sich auch für Erwachsene zu lesen lohnt!
Philippa Pearce:
Tom’s Midnight Garden
Harper Trophy Edition, 1992
Film von William Carrol:
Tom’s geheimer Garten – Als die Uhr 13 schlug
3L Film GmbH, 2012
25. September 2012
21. September 2012
Andreas Honegger und Gaston Wicky: Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich
Der Garten von Mina und Andreas Honegger wird bereits in einem Kapitel im Buch „Die geheimen Gärten von Zürich“ kurz vorgestellt. Nun bietet sich Gelegenheit, noch etwas genauer hinter die weissen Zäune mit Efeugirlanden zu schauen. Denn im Rahmen der Reihe „Das Gartenportrait“ aus der Deutschen Verlags-Anstalt ist einer der diesjährigen Herbsttitel diesem Stadtgarten mit besonderem Mittelmeer-Flair gewidmet. Dabei laden insbesondere auch die Fotos von Gaston Wicky zum Schwelgen ein.
Das erste Kapitel ist ein Rück- und Ausblick. Der Autor berichtet hier vom vorgefundenen Chaos beim Hauskauf, während in den folgenden Abschnitten die verschiedenen Pflanzensammlungen und die Gestaltung der einzelnen Gartenteile wie das Alpinum, die Allee der Zitrusbäume oder das Wasser rund ums Haus Thema sind. Der Leser erfährt aber auch von gewissen Konflikten, die gelöst werden müssen in Hinsicht auf die verschiedenen Prioritäten der Eheleute. Während er ein leidenschaftlicher Pflanzensammler ist, legt sie grösseren Wert auf die Gestaltung des Gartens. Dieser beherbergt ganz unterschiedliche Pflanzensammlungen. Um den Teich herum wachsen verschiedene kleine Ahornbäume, die im Herbst mit in verschiedenen Farben leuchtenden Blättern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hinter dem Haus breitet sich ein kleines Arboretum aus und in der sogenannten Zitronenalle stehen rund zwei Dutzend Zitrus-Bäumchen von der Zitrone, Orange, Clementine und Chinotto bis zur Grapefruit in grossen toskanischen Töpfen.
Nichts in dem Stadtgarten in einer Vorortgemeinde von Zürich erinnert inzwischen mehr an den ursprünglichen desolaten Zustand. Freilich war der Beginn der Gartenkarriere mitunter geprägt von Fehlschlägen. Die Hanglage des Gartens in einem ehemaligen Weibaugebiet am Zürichsee erwies sich jedoch als besonders geeignet für die von den Besitzern geschätzten und geliebten mediterranen und subtropischen Pflanzen. Der Garten wird nach wie vor immer wieder verändert. Vom Rasen ist nunmehr eine kleine Fläche übrig geblieben, dafür schmückt ein grosszügiger Schwimmteich die Parzelle und Pläne wie ein grosszügiger Wintergarten und ein abgedeckter Weg für die vielen verschiedenen kälteempfindlichen Zitruspflanzen sind umgesetzt worden.
Wer den gepflegten grünen Rasen im Sommer sieht, glaubt kaum, das sich darunter die Zwiebeln von Schachbrettblumen, Krokus und Zwergiris verbergen, welche die Grünfläche von Februar bis Mai in eine farbenfrohe Augenweide verwandeln. Im Frühling ziehen an der einen Grundstückgrenze Rhododendron in verschiedenen Farben die Aufmerksamkeit auf sich. Sobald deren Blütezeit vorbei ist, profitiert der Garten von den dunkelgrünen Sträuchern als ruhigem Hintergrund.
Der ungewöhnlich kalte Februar 2012 forderte auch in diesem Garten etliche Opfer. Doch glücklicherweise konnte die Zitruspflanzensammlung mit Hilfe von Grillkohle über die Kälteperiode gerettet werden. Da sämtliche Heizkörper ausverkauft waren, kamen die Gartenbesitzer auf die Idee, mittels in grossen Becken angefeuerter Grillkohle der eisigen Kälte zu trotzen. Dank dieser Bemühungen haben die Zitrusbäume die temporäre Eiszeit gut überstanden und der Rauch hatte den willkommenen Nebeneffekt, Schädlinge auszuräuchern bzw. in Zaum zu halten. Wenn nicht gerade ungewohnt kalte Winter den subtropischen Bewohnern zusetzen, gedeihen diese ausgesprochen prächtig. So prächtig, dass einige Exemplare in Töpfen bald die Decke erreichen. Da ist es ganz praktisch, wenn die beiden Wellensittiche dabei behilflich sind, die Grösse der Palmfarne in Schach zu halten, indem sie liebend gerne an deren Wedeln knabbern.
Auch ausserhalb der Zitronenalle hatten die grünen Gartenbewohner mit der Kälte zu kämpfen und verschiedene Gewächse haben sich definitiv verabschiedet, sind also auch im Laufe des Sommers nicht mehr aus dem Wurzelstock ausgetrieben. Daneben gibt es auch immer mal wieder Pflanzen, die einer Umgestaltung – gewollt oder auch ungewollt – zum Opfer fallen. So verdient sich ein Apfelbaum, der eine gelbe Magnolie ungebührlich bedrängt, seine Daseinsberichtigung nur damit, dass er Gastgeber einer Mistel ist, die aus einem an dessen Stamm geklebten Samen gewachsen ist.
Zum Garteninventar zählen auch zwei jahrhundertealte Olivenbäume. Sie sind als ausgewachsene Exemplare mit entsprechendem Aufwand in den Garten gezogen. Einiges Aufsehen erregte die letztjährige Aktion, eine hoch gewachsene Araukarie, die in der Nachbarschaft gefällt werden sollte, mit einem Kran in den Honegger-Garten zu hieven. Auf dem Foto, das dieses Unternehmen dokumentiert, erscheint der riesige Baum wie ein Spielzeug. Eine weitere Liebhaberei (der Autor selber schreibt von einer Spinnerei) sind die verschiedenen Bahnstrecken, die durch den Garten führen und auf denen Züge verkehren können, die sogar mit Sound- und Rauchanlagen ausgerüstet sind.
Meine persönliche mediterrane oder exotische Phase, in welcher ich (fast) jeden Kern oder Samen von dannzumal noch nicht alltäglichen Früchten wie Avocado, Litchies oder Karambole aber auch Zitrusfrüchten in die Erde steckte und ungeduldig darauf wartete, was sich daraus entwickeln würde und bei jedem Besuch in Norditalien mit dem Kauf einer kleinen Araucarie liebäugelte, liegt schon länger zurück. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich eher als unscheinbar zu bezeichnende Blüten, die ich vor wenigen Jahren nicht als besonders anziehend bezeichnet hätte. Und ich bevorzuge Pflanzen, welche die kalten Monate ohne besonders aufwendigen Winterschutz überstehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, finde ich den Garten Honegger mit seinen zahlreichen Exoten beeindruckend und habe die kürzliche Gartenführung ungeachtet des Dauerregens genossen. Ein Zückerchen war dabei natürlich die eine oder andere Anekdote aus dem Buch direkt von Gärtnerin, Gärtner und dem Fotografen erzählt zu bekommen!
Andreas Honegger und Gaston Wicky:
Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
Das erste Kapitel ist ein Rück- und Ausblick. Der Autor berichtet hier vom vorgefundenen Chaos beim Hauskauf, während in den folgenden Abschnitten die verschiedenen Pflanzensammlungen und die Gestaltung der einzelnen Gartenteile wie das Alpinum, die Allee der Zitrusbäume oder das Wasser rund ums Haus Thema sind. Der Leser erfährt aber auch von gewissen Konflikten, die gelöst werden müssen in Hinsicht auf die verschiedenen Prioritäten der Eheleute. Während er ein leidenschaftlicher Pflanzensammler ist, legt sie grösseren Wert auf die Gestaltung des Gartens. Dieser beherbergt ganz unterschiedliche Pflanzensammlungen. Um den Teich herum wachsen verschiedene kleine Ahornbäume, die im Herbst mit in verschiedenen Farben leuchtenden Blättern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hinter dem Haus breitet sich ein kleines Arboretum aus und in der sogenannten Zitronenalle stehen rund zwei Dutzend Zitrus-Bäumchen von der Zitrone, Orange, Clementine und Chinotto bis zur Grapefruit in grossen toskanischen Töpfen.
Nichts in dem Stadtgarten in einer Vorortgemeinde von Zürich erinnert inzwischen mehr an den ursprünglichen desolaten Zustand. Freilich war der Beginn der Gartenkarriere mitunter geprägt von Fehlschlägen. Die Hanglage des Gartens in einem ehemaligen Weibaugebiet am Zürichsee erwies sich jedoch als besonders geeignet für die von den Besitzern geschätzten und geliebten mediterranen und subtropischen Pflanzen. Der Garten wird nach wie vor immer wieder verändert. Vom Rasen ist nunmehr eine kleine Fläche übrig geblieben, dafür schmückt ein grosszügiger Schwimmteich die Parzelle und Pläne wie ein grosszügiger Wintergarten und ein abgedeckter Weg für die vielen verschiedenen kälteempfindlichen Zitruspflanzen sind umgesetzt worden.
Wer den gepflegten grünen Rasen im Sommer sieht, glaubt kaum, das sich darunter die Zwiebeln von Schachbrettblumen, Krokus und Zwergiris verbergen, welche die Grünfläche von Februar bis Mai in eine farbenfrohe Augenweide verwandeln. Im Frühling ziehen an der einen Grundstückgrenze Rhododendron in verschiedenen Farben die Aufmerksamkeit auf sich. Sobald deren Blütezeit vorbei ist, profitiert der Garten von den dunkelgrünen Sträuchern als ruhigem Hintergrund.
Der ungewöhnlich kalte Februar 2012 forderte auch in diesem Garten etliche Opfer. Doch glücklicherweise konnte die Zitruspflanzensammlung mit Hilfe von Grillkohle über die Kälteperiode gerettet werden. Da sämtliche Heizkörper ausverkauft waren, kamen die Gartenbesitzer auf die Idee, mittels in grossen Becken angefeuerter Grillkohle der eisigen Kälte zu trotzen. Dank dieser Bemühungen haben die Zitrusbäume die temporäre Eiszeit gut überstanden und der Rauch hatte den willkommenen Nebeneffekt, Schädlinge auszuräuchern bzw. in Zaum zu halten. Wenn nicht gerade ungewohnt kalte Winter den subtropischen Bewohnern zusetzen, gedeihen diese ausgesprochen prächtig. So prächtig, dass einige Exemplare in Töpfen bald die Decke erreichen. Da ist es ganz praktisch, wenn die beiden Wellensittiche dabei behilflich sind, die Grösse der Palmfarne in Schach zu halten, indem sie liebend gerne an deren Wedeln knabbern.
Auch ausserhalb der Zitronenalle hatten die grünen Gartenbewohner mit der Kälte zu kämpfen und verschiedene Gewächse haben sich definitiv verabschiedet, sind also auch im Laufe des Sommers nicht mehr aus dem Wurzelstock ausgetrieben. Daneben gibt es auch immer mal wieder Pflanzen, die einer Umgestaltung – gewollt oder auch ungewollt – zum Opfer fallen. So verdient sich ein Apfelbaum, der eine gelbe Magnolie ungebührlich bedrängt, seine Daseinsberichtigung nur damit, dass er Gastgeber einer Mistel ist, die aus einem an dessen Stamm geklebten Samen gewachsen ist.
Zum Garteninventar zählen auch zwei jahrhundertealte Olivenbäume. Sie sind als ausgewachsene Exemplare mit entsprechendem Aufwand in den Garten gezogen. Einiges Aufsehen erregte die letztjährige Aktion, eine hoch gewachsene Araukarie, die in der Nachbarschaft gefällt werden sollte, mit einem Kran in den Honegger-Garten zu hieven. Auf dem Foto, das dieses Unternehmen dokumentiert, erscheint der riesige Baum wie ein Spielzeug. Eine weitere Liebhaberei (der Autor selber schreibt von einer Spinnerei) sind die verschiedenen Bahnstrecken, die durch den Garten führen und auf denen Züge verkehren können, die sogar mit Sound- und Rauchanlagen ausgerüstet sind.
Meine persönliche mediterrane oder exotische Phase, in welcher ich (fast) jeden Kern oder Samen von dannzumal noch nicht alltäglichen Früchten wie Avocado, Litchies oder Karambole aber auch Zitrusfrüchten in die Erde steckte und ungeduldig darauf wartete, was sich daraus entwickeln würde und bei jedem Besuch in Norditalien mit dem Kauf einer kleinen Araucarie liebäugelte, liegt schon länger zurück. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich eher als unscheinbar zu bezeichnende Blüten, die ich vor wenigen Jahren nicht als besonders anziehend bezeichnet hätte. Und ich bevorzuge Pflanzen, welche die kalten Monate ohne besonders aufwendigen Winterschutz überstehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, finde ich den Garten Honegger mit seinen zahlreichen Exoten beeindruckend und habe die kürzliche Gartenführung ungeachtet des Dauerregens genossen. Ein Zückerchen war dabei natürlich die eine oder andere Anekdote aus dem Buch direkt von Gärtnerin, Gärtner und dem Fotografen erzählt zu bekommen!
Andreas Honegger und Gaston Wicky:
Ein Stadtgarten mit mediterranem Flair – üppig, ideenreich, gastlich
Deutsche Verlags-Anstalt, 2012
17. September 2012
Peter Freudenberger: Stiller und der Gartenzwerg
Wenige Tage nachdem Strunke, der Vorsitzende der Kleingartenanlage "Radieschenparadies", seine zehn Gebote und Verbote des Kleingärtners an die schwarzen Bretter der Kolonie geheftet hat, liegt er tot vor seiner Laube. Nicht nur mit diesen Geboten hat sich Strunke zu Lebzeiten unbeliebt gemacht. Er war gewissermassen Weltmeister im ständigen Erfinden von eigenen Regeln und pochte rigoros auf deren Einhaltung. Er gab sich nicht nur die Kompetenz über die Breite von Beeten und die Grösse von Türgriffen an den Gartentörchen zu bestimmen, er wachte auch über die Länge der Gardinen hinter den Laubenfenstern. Kein Wunder, dass sich seine Beliebtheit in recht engen Grenzen hielt und er den wenig schmeichelhaften Übernamen „E 605“ verpasst erhalten hat.
Der Journalist Paul Stiller interessiert sich für die Aufklärung dieses Tötungsdelikts und ist fest davon überzeugt, dass der Mörder im Laubenpieper-Milieu zu suchen ist. Darum übernimmt er inkognito eine temporär verwaiste Parzelle zur Betreuung und lässt seinem kriminalistischen Spürsinn freien Lauf. Gelingt es ihm, etwas herauszufinden, was die Polizei noch nicht weiss?
Wie auch das Team um den Ermittler Strobel bereits herausgefunden hat, hielt sich Strunke selber nicht einmal an die offiziellen Schrebergartenvorschriften. Seit ihn nämlich seine Frau Ursula aus dem gemeinsamen Heim herausgeworfen und die Scheidung eingereicht hat, weil sie genug von Beeten, Beeren und Botanik hatte, schlief Strunke nämlich heimlich in seinem Gartenhäuschen. Liegt das Mordmotiv vielleicht darin, zu verhindern, dass der verlassene Ehemann vor dem Vollzug der Scheidung das eheliche Vermögen verprassen könnte? Oder hat sich ein Pächter für eine Schikanekündigung gerächt?
Ein Regionalkrimi mit Lokalkolorit, mit einer etwas irritierenden Anhäufung von Namen, die mit „St“ beginnen: Strunke, Stiller, Strobel. Diese Tatsache machte besonders zu Beginn der Lektüre die Orientierung etwas mühsam.
Peter Freudenberger:
Stiller und der Gartenzwerg
Hermann-Josef Emons Verlag, 2012
Der Journalist Paul Stiller interessiert sich für die Aufklärung dieses Tötungsdelikts und ist fest davon überzeugt, dass der Mörder im Laubenpieper-Milieu zu suchen ist. Darum übernimmt er inkognito eine temporär verwaiste Parzelle zur Betreuung und lässt seinem kriminalistischen Spürsinn freien Lauf. Gelingt es ihm, etwas herauszufinden, was die Polizei noch nicht weiss?
Wie auch das Team um den Ermittler Strobel bereits herausgefunden hat, hielt sich Strunke selber nicht einmal an die offiziellen Schrebergartenvorschriften. Seit ihn nämlich seine Frau Ursula aus dem gemeinsamen Heim herausgeworfen und die Scheidung eingereicht hat, weil sie genug von Beeten, Beeren und Botanik hatte, schlief Strunke nämlich heimlich in seinem Gartenhäuschen. Liegt das Mordmotiv vielleicht darin, zu verhindern, dass der verlassene Ehemann vor dem Vollzug der Scheidung das eheliche Vermögen verprassen könnte? Oder hat sich ein Pächter für eine Schikanekündigung gerächt?
Ein Regionalkrimi mit Lokalkolorit, mit einer etwas irritierenden Anhäufung von Namen, die mit „St“ beginnen: Strunke, Stiller, Strobel. Diese Tatsache machte besonders zu Beginn der Lektüre die Orientierung etwas mühsam.
Peter Freudenberger:
Stiller und der Gartenzwerg
Hermann-Josef Emons Verlag, 2012
13. September 2012
Ruth Kassinger: Paradise under glass
Ein Spaziergang durch das U.S. Botanic Garden’s Conservatory weckt in Ruth Kassinger den Wunsch auf einen eigenen Wintergarten. Nach einer schweren Zeit mit eigener Brustkrebserkrankung und der Begleitung der Schwester durch eine unheilbare Krankheit bis zum Tod träumt sie plötzlich von einem Indoor-Dschungel als Rückzugsort. Ihr bisheriges Interesse an Grünzeug beschränkte sich im grossen und ganzen auf mehrheitlich vernachlässigte Topfpflanzen. Doch wenn die Autorin, die sich bisher hauptsächlich durch das Verfassen von Sach- und Geschichtsbüchern für Jugendliche einen Namen gemacht hat, sich mit einem Thema beschäftigt, dann richtig.
In ihrem Buch „Paradise under glass“ erzählt sie von der Entwicklung ihres braunen in einen grünen Daumen. Doch bevor es überhaupt dazu kommt, sich mit der Hege und Pflege von exotischen Pflanzen zu beschäftigen, gilt es zunächst einmal etliche Hürden im Zusammenhang mit der Beschaffung der Baubewilligung und dem Bau des Wintergartens zu überwinden.
Nachdem diese Hindernisse beseitigt sind, der Wintergarten mit ersten Pflanzen und Mobiliar eingerichtet ist, kommt an einem grauen Wintertag die Idee auf, dass farbige Schmetterlinge gut ins Glashaus passen müssten. Ob das gut geht? Für genaue Abklärungen fliegt die Frau aus der Nähe von Washington kurzerhand nach Florida und lässt sich in die Geheimnisse der Raupen- und Schmetterlingswelt einweihen. Sie erfährt, dass ihr Wunsch gar nicht so aussergewöhnlich und die Umsetzung nicht unmöglich ist. Und spätestens beim Füttern der Raupen lernt sie, wie wichtig botanische Namen sind und dass „milkweed“ nicht gleich „milkweed“ ist oder sein muss.
In das Buch eingebettet ist allerelei Wissenswertes wie beispielsweise Geschichten über Pflanzenjäger, die Meuterei auf der Bounty, die Entwicklung von Glashäusern und über Joseph Paxton. Die Autorin erwähnt diverse Besuche bei (Spezial)Gärtnereien oder gelbe Clivien, die zum Stückpreis von USD 995 den Besitzer wechseln, und berichtet über die hängenden Gärten von Patric Blanc. Zuweilen verliert sie sich in Details. So wird bei einem Besuch bei Glasshouse Works detailliert das (gesamte?) Nicht-Pflanzen-Sortiment an DDDWNB (Dingen, die die Welt nicht braucht) aufgezählt.
Das Glasparadies wird von allen Familienmitgliedern, auch den Kindern im College-Alter, geschätzt und zum bevorzugten Aufenthaltsraum. Ja, es führt sogar dazu, dass die Familie sich öfters zur gleichen Zeit im selben Raum statt in unterschiedlichen Zimmern aufhält. Ruth Kassinger lernt, dass “keep evenly moist“ gleichbedeutend ist mit dem garantieren Tod der Pflanze, da sie nach wie vor zu Vernachlässigung tendiert und keine grünen Bewohner schätzt, die zuviel Aufmerksamkeit fordern. Hortikulturelle Probleme, zum Beispiel solche mit Ungeziefer, genügen ihr als Herausforderung im grünen Bereich.
Denn den erträumten perfekten geschützen grünen Rückzugsbereich gibt es nicht – auch in diesem Refugium sind regelmässige Veränderungen an der Tagesordnung und müssen akzeptiert werden. Alles ist im Fluss – ein Kommen und Gehen von Familienmitgliedern, Freunden, Schmetterlingen, Pflanzen …
Ruth Kassinger:
Paradise under glass – An amateur creates a conservatory garden
William Morrow, 2010
In ihrem Buch „Paradise under glass“ erzählt sie von der Entwicklung ihres braunen in einen grünen Daumen. Doch bevor es überhaupt dazu kommt, sich mit der Hege und Pflege von exotischen Pflanzen zu beschäftigen, gilt es zunächst einmal etliche Hürden im Zusammenhang mit der Beschaffung der Baubewilligung und dem Bau des Wintergartens zu überwinden.
Nachdem diese Hindernisse beseitigt sind, der Wintergarten mit ersten Pflanzen und Mobiliar eingerichtet ist, kommt an einem grauen Wintertag die Idee auf, dass farbige Schmetterlinge gut ins Glashaus passen müssten. Ob das gut geht? Für genaue Abklärungen fliegt die Frau aus der Nähe von Washington kurzerhand nach Florida und lässt sich in die Geheimnisse der Raupen- und Schmetterlingswelt einweihen. Sie erfährt, dass ihr Wunsch gar nicht so aussergewöhnlich und die Umsetzung nicht unmöglich ist. Und spätestens beim Füttern der Raupen lernt sie, wie wichtig botanische Namen sind und dass „milkweed“ nicht gleich „milkweed“ ist oder sein muss.
In das Buch eingebettet ist allerelei Wissenswertes wie beispielsweise Geschichten über Pflanzenjäger, die Meuterei auf der Bounty, die Entwicklung von Glashäusern und über Joseph Paxton. Die Autorin erwähnt diverse Besuche bei (Spezial)Gärtnereien oder gelbe Clivien, die zum Stückpreis von USD 995 den Besitzer wechseln, und berichtet über die hängenden Gärten von Patric Blanc. Zuweilen verliert sie sich in Details. So wird bei einem Besuch bei Glasshouse Works detailliert das (gesamte?) Nicht-Pflanzen-Sortiment an DDDWNB (Dingen, die die Welt nicht braucht) aufgezählt.
Das Glasparadies wird von allen Familienmitgliedern, auch den Kindern im College-Alter, geschätzt und zum bevorzugten Aufenthaltsraum. Ja, es führt sogar dazu, dass die Familie sich öfters zur gleichen Zeit im selben Raum statt in unterschiedlichen Zimmern aufhält. Ruth Kassinger lernt, dass “keep evenly moist“ gleichbedeutend ist mit dem garantieren Tod der Pflanze, da sie nach wie vor zu Vernachlässigung tendiert und keine grünen Bewohner schätzt, die zuviel Aufmerksamkeit fordern. Hortikulturelle Probleme, zum Beispiel solche mit Ungeziefer, genügen ihr als Herausforderung im grünen Bereich.
Denn den erträumten perfekten geschützen grünen Rückzugsbereich gibt es nicht – auch in diesem Refugium sind regelmässige Veränderungen an der Tagesordnung und müssen akzeptiert werden. Alles ist im Fluss – ein Kommen und Gehen von Familienmitgliedern, Freunden, Schmetterlingen, Pflanzen …
Ruth Kassinger:
Paradise under glass – An amateur creates a conservatory garden
William Morrow, 2010
9. September 2012
Elizabeth Noble: Wo die Liebe zu Hause ist
Das Komitee zur Verschönerung des Hauses lädt alle Mitbewohner eines Stadthauses in der Upper East Side in Manhattan ein zu einem Treffen, bei dem Ideen zur Dachterrassengestaltung ausgetauscht werden sollen.
Die Engländerin Eve wohnt erst seit zwei Monaten in New York, weil ihr Mann hier ein tolles Job-Angebot angenommen hat. Die an und für sich sehr kontaktfreudige Frau fühlt sich in der Grossstadt ganz entgegen ihren Erwartungen sehr einsam. Als sie die wenigen Zeilen des Komitees liest, fühlt sie sich deshalb gleich angesprochen und entscheidet sich spontan, der Einladung Folge zu leisten.
Bei einer Diskussion um Bodenbeläge, Gartentische, Blumentöpfe und Bepflanzung bekommt sie einen ersten Eindruck von denjenigen Nachbarn, die sich ebenfalls an der Dachverschönerung beteiligen wollen. Insbesondere zu Violet Wallace, der deutlich älteren Organisatorin des Dachterrassenkomitees, die vor vielen Jahren ebenfalls von England nach Amerika gezogen ist, hat Eve gleich einen guten Draht und die beiden Frauen treffen sich in der Folge regelmässig.
Rund um die – zugegebenermassen eher unbedeutende – Dachterassengestaltung bekommt die Leserin einen Einblick in die unterschiedlichen Lebensweisen der Bewohner, insbesondere auch die Unterschiede vom englischen Alltag und demjenigen in New York, die Wünsche und Träume von Eves Nachbarn, in persönliche Tragödien und schaut hinter die Wohnungstüren, wo oft nur vordergründig perfekte Ehen und andere komplizierte Beziehungskisten entdeckt werden. Doch in welchem Appartement ist die Liebe aus dem Titel des Romans tatsächlich zu Hause?
Zu Beginn des Buches werden alle Bewohner des Appartmentshauses in einer Liste aufgeführt und kurz vorgestellt, was bei der Lektüre vor allem am Anfang der verschiedenen Episoden sehr nützlich ist. Die Charaktere sind sehr echt gezeichnet. Den einen oder anderen Bewohner würde man sich gerne als Nachbarn wünschen, während man bei anderen froh ist, dass sie nur Figuren in einem Roman sind.
Elizabeth Noble:
Wo die Liebe zu Hause ist
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012
Bei einer Diskussion um Bodenbeläge, Gartentische, Blumentöpfe und Bepflanzung bekommt sie einen ersten Eindruck von denjenigen Nachbarn, die sich ebenfalls an der Dachverschönerung beteiligen wollen. Insbesondere zu Violet Wallace, der deutlich älteren Organisatorin des Dachterrassenkomitees, die vor vielen Jahren ebenfalls von England nach Amerika gezogen ist, hat Eve gleich einen guten Draht und die beiden Frauen treffen sich in der Folge regelmässig.
Rund um die – zugegebenermassen eher unbedeutende – Dachterassengestaltung bekommt die Leserin einen Einblick in die unterschiedlichen Lebensweisen der Bewohner, insbesondere auch die Unterschiede vom englischen Alltag und demjenigen in New York, die Wünsche und Träume von Eves Nachbarn, in persönliche Tragödien und schaut hinter die Wohnungstüren, wo oft nur vordergründig perfekte Ehen und andere komplizierte Beziehungskisten entdeckt werden. Doch in welchem Appartement ist die Liebe aus dem Titel des Romans tatsächlich zu Hause?
Zu Beginn des Buches werden alle Bewohner des Appartmentshauses in einer Liste aufgeführt und kurz vorgestellt, was bei der Lektüre vor allem am Anfang der verschiedenen Episoden sehr nützlich ist. Die Charaktere sind sehr echt gezeichnet. Den einen oder anderen Bewohner würde man sich gerne als Nachbarn wünschen, während man bei anderen froh ist, dass sie nur Figuren in einem Roman sind.
Elizabeth Noble:
Wo die Liebe zu Hause ist
Wilhelm Goldmann Verlag, 2012
5. September 2012
Carole Ottesen: Dying for the Christmas Rose
Spontan hat sich die 48jährige Gartenjournalistin Mim Fitz an eine Helleborus-Tagung in Philadelphia angemeldet. Alle wichtigen Persönlichkeiten aus der Helleborus-Welt werden dort anwesend sein. Alle ausser Tate Adkins, ihrem Lebenspartner, der vor zwei Jahren auf einer Pflanzenexpedition im Balkan in den Bergen abgestürzt ist und dabei ums Leben kam. Von ihm geblieben sind der Frau, die sich als Gartendesignerin ein Zubrot verdient, neben ihren Erinnerungen ein mit kleinen Helleborus-Pflanzen gesäumter Weg in ihrem Garten.
Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist Mim‘s Umfeld der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärts schauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abzuschliessen und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass diese Tage inmitten von Leuten, die Tate gut gekannt haben, auch sehr schmerzliche Momente beinhalten werden. Glücklicherweise nimmt auch ihre Freundin Sally an der Tagung teil. Und die beiden wollen die Gelegenheit nutzen, zwischen den Vorträgen an ihrer geplanten gemeinschaftlichen Buchproduktion über Gestaltung mit Kräutern zu arbeiten.
Auf der Hinreise zur Tagung trifft Mim im Zug für sie überraschend ihren alten Bekannten Kevin, der als Reisejournalist ständig unterwegs ist, und ebenfalls an der Helleborus-Konferenz teilnehmen will. Er möchte aus erster Hand mehr über verschiedene mysteriöse Todesfälle unter Christrosen-Züchtern erfahren und darüber ein Buch schreiben. Und Mim vernimmt während der gemeinsamen Zugreise, dass Kevin zur gleichen Zeit wie Tate im Balkan unterwegs war, und diesem sogar begegnet ist.
Die eher unscheinbare 35jährige Margaret Stemple hat keinen Aufwand gescheut, ein hochwertiges Programm für die Helleborus-Konferenz zusammenzustellen. Für sich persönlich hofft sie, dass sich ihre jahrelange aufopfernde Arbeit im Hintergrund für die hortikulturellen Vereine endlich auszahlen und ihr der ihr gebührende Respekt entgegengebracht wird. Und vielleicht liegt auch ein privates Glück drin?
Auch Amy hat sich einer schwierigen Aufgabe zu stellen. Ihr Verlobter, der bekannte und erfolgreiche Helleborus-Züchter JP, ist vor zwei Wochen bei einem Einbruch in ihr gemeinsames Heim ermordet worden. Bei der Tat wurden sämtliche Computer und CDs gestohlen. Dank einer zufällig in einer Jacke steckenden Datensicherung auf einem Stick kann und will Amy unbedingt persönlich den Konferenzteilnehmern JP's für diese Tagung vorbereitetes Programm vorstellen. Doch warum nutzt die Organisatorin Margaret Stemple jede Gelegenheit, diesen Wunsch zu sabotieren?
Spannender Krimi rund um Züchter und Sammler von Helleboren, der Einblick gibt in die heutige Pflanzenjagd und den (nicht immer fesselnden) Ablauf einer mehrtägigen Helleborus-Konferenz für Gartenjournalisten. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen, die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan und es ist auch die Rede von blauen Helleboren. Die ideale Lektüre, um die Zeit bis zur nächsten Helleborus-Blüte zu überbrücken!
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
Nur eine kurze gemeinsame Zeit war dem Paar vergönnt und nicht zuletzt deshalb ist Mim‘s Umfeld der Meinung, sie solle endlich wieder vorwärts schauen. Nicht ganz einfach, wenn man immer noch schwer damit hadert, dass die Zukunft zu zweit ein derart abruptes Ende gefunden hat. Nun hofft Mim, mit Hilfe der Konferenz und der Teilnehmer dieses traurige Kapitel in ihrem Leben abzuschliessen und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass diese Tage inmitten von Leuten, die Tate gut gekannt haben, auch sehr schmerzliche Momente beinhalten werden. Glücklicherweise nimmt auch ihre Freundin Sally an der Tagung teil. Und die beiden wollen die Gelegenheit nutzen, zwischen den Vorträgen an ihrer geplanten gemeinschaftlichen Buchproduktion über Gestaltung mit Kräutern zu arbeiten.
Auf der Hinreise zur Tagung trifft Mim im Zug für sie überraschend ihren alten Bekannten Kevin, der als Reisejournalist ständig unterwegs ist, und ebenfalls an der Helleborus-Konferenz teilnehmen will. Er möchte aus erster Hand mehr über verschiedene mysteriöse Todesfälle unter Christrosen-Züchtern erfahren und darüber ein Buch schreiben. Und Mim vernimmt während der gemeinsamen Zugreise, dass Kevin zur gleichen Zeit wie Tate im Balkan unterwegs war, und diesem sogar begegnet ist.
Die eher unscheinbare 35jährige Margaret Stemple hat keinen Aufwand gescheut, ein hochwertiges Programm für die Helleborus-Konferenz zusammenzustellen. Für sich persönlich hofft sie, dass sich ihre jahrelange aufopfernde Arbeit im Hintergrund für die hortikulturellen Vereine endlich auszahlen und ihr der ihr gebührende Respekt entgegengebracht wird. Und vielleicht liegt auch ein privates Glück drin?
Auch Amy hat sich einer schwierigen Aufgabe zu stellen. Ihr Verlobter, der bekannte und erfolgreiche Helleborus-Züchter JP, ist vor zwei Wochen bei einem Einbruch in ihr gemeinsames Heim ermordet worden. Bei der Tat wurden sämtliche Computer und CDs gestohlen. Dank einer zufällig in einer Jacke steckenden Datensicherung auf einem Stick kann und will Amy unbedingt persönlich den Konferenzteilnehmern JP's für diese Tagung vorbereitetes Programm vorstellen. Doch warum nutzt die Organisatorin Margaret Stemple jede Gelegenheit, diesen Wunsch zu sabotieren?
Spannender Krimi rund um Züchter und Sammler von Helleboren, der Einblick gibt in die heutige Pflanzenjagd und den (nicht immer fesselnden) Ablauf einer mehrtägigen Helleborus-Konferenz für Gartenjournalisten. Im Zentrum stehen gestohlene Pflanzen und das Zuchtziel pünktlich zu Weihnachten in der Farbe Rot blühende Christrosen, die Aufarbeitung der Geschehnisse im Balkan und es ist auch die Rede von blauen Helleboren. Die ideale Lektüre, um die Zeit bis zur nächsten Helleborus-Blüte zu überbrücken!
Carole Ottesen:
Dying for the Christmas Rose
CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012
1. September 2012
Fred Zaugg und Adrian Moser: Botanischer Garten Bern
Beim Googeln mit den Stichworten „Buch“ und „Botanischer Garten“ bin ich auf diese überaus interessante Publikation gestossen, die im Jahr 2009 anlässlich des 150. Geburtstages des Botanischen Gartens (BOGA) Bern erschienen ist. Der grossformatige Band ist mit wunderschönen Fotos illustriert und im Textteil wechseln Artikel zu den Rubriken „Geschichten“, „Gartenträume“ und „Die Menschen und ihr Garten“ ab.
Die ersten Seiten des Buches decken ein Vorwort, eine Einleitung und ein ausführlicher Einblick in die wechselvolle Geschichte des BOGA Berns ab. In letzterem ist wie in verschiedenen anderen Texten auch immer wieder die jüngste Vergangenheit zentrales Thema. Schon wiederholt drohte der Institution nämlich das Aus. Bleibt mir als Nicht-Bernerin nur zu hoffen, dass die Finanzen im Lot sind und die Möglichkeit einer Schliessung definitiv vom Tisch ist. Und dass die Vorhersagen aus dem Jahr 2008, welche von einer gesicherten Finanzierung des BOGA für die nächsten 10 Jahre sprechen, sich bewahrheitet haben und nach wie vor gelten.
In den der Rubrik „Die Menschen und ihr Garten“ zugeordneten Seiten erzählen aktuelle oder pensionierte Mitarbeiter, Besucher oder Nachbarn von Ihrem Bezug zum BOGA Bern. Das Portrait über deren persönliche Beziehung wird mit dem Offenbaren der Lieblingspflanze komplettiert, die dann gleich in Wort und Bild kurz vorgestellt wird. Während die eine den BOGA als Hort der Ruhe schätzt, wo sie gerne die Mittagspause verbringt, jagt eine andere mit der Linse nach Pflanzen und Käfern und wähnt sich als Zeugin von Mord und Liebe im grünen Krimi. Ein anderer Fast-Krimi wird beim Nacherzählen der Suche nach der verschwundenen Didiers-Tulpe publik. Und an einer weiteren Stelle liest man von einer (wahren) tragischen Liebesgeschichte, die sich zu einem Politkrimi entwickelte.
Von stolzen Alten, zum Beispiel der Schwarzkiefer aus dem Jahr 1861, und fünf weiteren Senioren, die bereits im 19. Jahrhundert gekeimt sind, kann man in der Rubrik „Gartenträume“ lesen. Nicht von Träumen, aber von Fakten handelt die Beschreibung von der Pflege von Herbarien. Haben Sie gewusst, dass die Lebenserwartung von Betreuern von Herbarien vor der Verfügung von Tiefkühlanlagen massgeblich tiefer war? Die Herbarbelege mussten nämlich mit verschiedenen giftigen Substanzen, etwa auch mit Arsen, haltbar gemacht bzw. vor Schädlingen geschützt werden.
Weiter liest man von Kannibalentomaten, Gartenpädagogik mit spannenden Kindernachmittagen, Museumsnächten (siehe auch CD "Verbarium") sowie von Jazz-Matinés und erfährt, dass die Bundesverwaltung im BOGA ein Büro für den Vollzug des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) im Bereich Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse in der Schweiz unterhält oder erhält Antwort auf die Frage an Studenten, weshalb exotische Pflanzen bei uns so gut gedeihen.
Mein kurz zusammengefasstes Fazit zu diesem Buch: eine wunderschöne und gleichzeitig informative Liebeserklärung an den BOGA. Diese Publikation ist übrigens beim BOGA direkt zu einem günstigen Sonderpreis erhältlich.
Fred Zaugg und Adrian Moser:
Botanischer Garten Bern
Haupt Verlag, 2009
PS: Die Antwort auf obige Frage an Studenten - in der neuen Umgebung fehlen die natürlichen Frassfeinde dieser Pflanzen. Zuweilen finden diese jedoch nachträglich auch noch den Weg zu uns (beispielsweise der Buchsbaumzünsler).
Die ersten Seiten des Buches decken ein Vorwort, eine Einleitung und ein ausführlicher Einblick in die wechselvolle Geschichte des BOGA Berns ab. In letzterem ist wie in verschiedenen anderen Texten auch immer wieder die jüngste Vergangenheit zentrales Thema. Schon wiederholt drohte der Institution nämlich das Aus. Bleibt mir als Nicht-Bernerin nur zu hoffen, dass die Finanzen im Lot sind und die Möglichkeit einer Schliessung definitiv vom Tisch ist. Und dass die Vorhersagen aus dem Jahr 2008, welche von einer gesicherten Finanzierung des BOGA für die nächsten 10 Jahre sprechen, sich bewahrheitet haben und nach wie vor gelten.
In den der Rubrik „Die Menschen und ihr Garten“ zugeordneten Seiten erzählen aktuelle oder pensionierte Mitarbeiter, Besucher oder Nachbarn von Ihrem Bezug zum BOGA Bern. Das Portrait über deren persönliche Beziehung wird mit dem Offenbaren der Lieblingspflanze komplettiert, die dann gleich in Wort und Bild kurz vorgestellt wird. Während die eine den BOGA als Hort der Ruhe schätzt, wo sie gerne die Mittagspause verbringt, jagt eine andere mit der Linse nach Pflanzen und Käfern und wähnt sich als Zeugin von Mord und Liebe im grünen Krimi. Ein anderer Fast-Krimi wird beim Nacherzählen der Suche nach der verschwundenen Didiers-Tulpe publik. Und an einer weiteren Stelle liest man von einer (wahren) tragischen Liebesgeschichte, die sich zu einem Politkrimi entwickelte.
Von stolzen Alten, zum Beispiel der Schwarzkiefer aus dem Jahr 1861, und fünf weiteren Senioren, die bereits im 19. Jahrhundert gekeimt sind, kann man in der Rubrik „Gartenträume“ lesen. Nicht von Träumen, aber von Fakten handelt die Beschreibung von der Pflege von Herbarien. Haben Sie gewusst, dass die Lebenserwartung von Betreuern von Herbarien vor der Verfügung von Tiefkühlanlagen massgeblich tiefer war? Die Herbarbelege mussten nämlich mit verschiedenen giftigen Substanzen, etwa auch mit Arsen, haltbar gemacht bzw. vor Schädlingen geschützt werden.
Weiter liest man von Kannibalentomaten, Gartenpädagogik mit spannenden Kindernachmittagen, Museumsnächten (siehe auch CD "Verbarium") sowie von Jazz-Matinés und erfährt, dass die Bundesverwaltung im BOGA ein Büro für den Vollzug des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) im Bereich Pflanzen und pflanzliche Erzeugnisse in der Schweiz unterhält oder erhält Antwort auf die Frage an Studenten, weshalb exotische Pflanzen bei uns so gut gedeihen.
Mein kurz zusammengefasstes Fazit zu diesem Buch: eine wunderschöne und gleichzeitig informative Liebeserklärung an den BOGA. Diese Publikation ist übrigens beim BOGA direkt zu einem günstigen Sonderpreis erhältlich.
Fred Zaugg und Adrian Moser:
Botanischer Garten Bern
Haupt Verlag, 2009
PS: Die Antwort auf obige Frage an Studenten - in der neuen Umgebung fehlen die natürlichen Frassfeinde dieser Pflanzen. Zuweilen finden diese jedoch nachträglich auch noch den Weg zu uns (beispielsweise der Buchsbaumzünsler).
30. August 2012
Uschi Niemann: Vergissmeinnicht
Die
Puzzleteile auf der Umschlagsgestaltung dieses schmalen hundertseitigen
Büchleins stehen als Symbol für die Teilchen, die Kommissar Lüders und sein
Assistent Marcel im Laufe ihrer Ermittlungen zusammentragen und richtig
zusammensetzen müssen.
Am
Anfang steht der brutale Mord an Frau Gärtner. Der Tat dringend verdächtigt
wird ihr allseits beliebter Ehemann, der aber unter Schock steht und nicht
vernehmungsfähig ist. Was bedeuten die zartblauen Vergissmeinnicht-Blüten, die
auf dem Fussboden neben der Toten lagen? Die Untersuchungen führen endlich zu einer
vielversprechende Spur, als Marcel, der Assistent des Kommissars, der sich inkognito mit der Nachbarin der
Gärtners bekanntgemacht hat, in deren Computer eine Datei mit einem
interessanten Manuskript entdeckt.
In
diesem Kurzkrimi werden immer wieder botanische Häppchen eingestreut, wie etwa
Hinweise über die Pflege von Zimmerpflanzen und man liest, dass Ende April nicht
die richtige Jahreszeit zum Schneiden von Bäumen ist. Und schliesslich träumt der
ermittelnde Kommissar von seiner Pensionierung mit viel freier Zeit zum Züchten von Rosen, einem
Gewächshaus und selbst gezogenem biologischem Gemüse. Ausserdem gibt er während einem
Gespräch einer Zeugin Tipps für die richtige Ausrichtung eines Blumenfensters.
Doch eigentlich sollte Lüders ja den Mordfall Gärtner lösen und sich nicht nur
um sein eigenes neu gestaltetes Blumenfenster im Büro kümmern …
Uschi Niemann:
Vergissmeinnicht
Books on Demand, 2004
26. August 2012
Christa Pöppelmann: Hier wächst die Hoffnung!
Dieser gartenkulturgeschichtliche Rück- und Ausblick ist in die folgenden vier Kapitel gegliedert:
Bedürftige Familien bekamen im 18. Jahrhundert in England sogenannte „Allotments“ zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Diese Gartenparzellen, die als Nebenerwerbslandwirtschaft dienten, hatten in der Folge einen direkten Einfluss auf die Höhe der Ausgaben der Armenfürsorge. Christa Pöppelmann stellt fest, dass Gärten überhaupt zuweilen als Allheilmittel der Sozialfürsorge für die unterschiedlichsten Probleme angesehen wurden, zu denen finanzielle und soziale ebenso zählten wir moralische oder gesundheitliche.
Erfolgreiches Gärtnern setzt ein solides Basiswissen voraus. So erschienen denn im gartenbegeisterten England schon im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratgeber, die sich ausschliesslich dem Thema Garten widmeten, während im deutschsprachigen Raum sogenannte „Hausbücher“ veröffentlicht wurden, in denen neben Gärtnern vor allem Tipps rund ums Kochen und die Haushaltführung vermittelt wurden. Es versteht sich von selbst, dass das Zielpublikum dieser Publikationen nicht mit den oben erwähnten Bedürftigen übereingestimmt haben wird.
Mit dem Wachsen der Städte wuchs parallel auch das Bedürfnis nach mehr Landparzellen in der Peripherie. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden vermehrt auch illegale Gärten und die teilweise strengen Regeln in Laubenkolonien wurden nicht (mehr) eingehalten. Es gab aber auch Befürworter dieser Entwicklung, die dahingehend argumentierten, dass die Bewohner durch die Gartenarbeit das Arbeiten nicht verlernen würden und sich weitgehend oder zumindest zu einem Teil selber ernähren können.
Die Gärten und ihre Bewohner stehen im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Während früher im Garten Gemüse hauptsächlich angezogen wurde, um Geld zu sparen, steht in der modernen Kleingartenkultur der Wunsch nach ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln, der körperliche Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit an der frischen Luft und vielleicht auch ein wenig der Traum vom Garten Eden im Vordergrund. Ausserdem sind diese Parzellen Orte der Geselligkeit.
Diese grosszügig illustrierte Publikation ist eine Fundgrube an Informationen über die Entwicklung der unterschiedlichen Formen von Gemeinschaftsgärten. Zwischen die Texte werden immer wieder Zitate eingestreut, beispielsweise von Dieter Kienast, Jürgen Dahl, Antoine de Saint-Exupéry und Mahatma Gandhi. Auch allerlei Kurioses gibt es zu erfahren. So liest man, dass in Frankreich die Jardinaux famillaux (Familiengärten) oft ein Rückzugsort und (fast) ausschliesslicher Treffpunkt nur für Männer sind, die sich dort mit Freunden bei einem Glas Wein von der Familie erholen.
Daneben bekommt der Leser Einblick in Kleingärten aus verschiedenen Ländern wie Russland (Datschas), Japan oder der DDR. Thematisiert werden auch die Gartenstadtbewegung, die Gartenzwergbefreiungsfront und Kleingärten im Krieg, wie etwa die Konsequenzen der Belagerung von Sarajewo in den Jahren 1992 – 1996. Nelson Mandelas Gefängnisgarten wird ebenso erwähnt wie die Gefängnisgärtner aus Leyhill, auf deren Geschichte der Film „Greenfingers“ basiert. Und haben Sie schon festgestellt, dass inzwischen der Trend dahin geht, in Kleingärten „echte“ Kunst auf Zeit zu präsentieren? Unter dem Titel „Fokus“ schliesslich gibt es u.a. Artikel über das deutsche Kleingartenmuseum, Michelle Obamas Gemüsegarten am Weissen Haus und die Prinzessinengärten in Berlin.
Eine überaus informative empfehlenswerte Lektüre für Gärtner und alle anderen, die sich für Gartenkultur begeistern und interessieren. Und falls Sie bei einem allfälligen New York-Aufenthalt mal Heimweh nach ihrem Garten haben sollten, können Sie sich bei der Organisation „Get Dirty NYC!“ melden. Dort erhalten auch Touristen die Gelegenheit, auf einer Rooftop Farm mit Blick auf die Skyline von Manhattan Unkraut zu jäten …
Christa Pöppelmann:
Hier wächst die Hoffnung – Von der Laubenkolonie zum Guerilla-Garten
Gerstenberg Verlag, 2012
- Nicht allein das Privileg der Semiramis – Die Entwicklung des Nutzgartens von der Antike bis zur Neuzeit
- Neues Glück im Grünen! Die moderne Kleingartenkultur entsteht
- Die Gärten und ihre Bewohner – Gesellschaft im Miniaturformat?
- Die grüne Wende – Zwischen kommunaler Selbstversorgung, globaler Völkerverständigung und Umgestaltung der Städte
Bedürftige Familien bekamen im 18. Jahrhundert in England sogenannte „Allotments“ zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Diese Gartenparzellen, die als Nebenerwerbslandwirtschaft dienten, hatten in der Folge einen direkten Einfluss auf die Höhe der Ausgaben der Armenfürsorge. Christa Pöppelmann stellt fest, dass Gärten überhaupt zuweilen als Allheilmittel der Sozialfürsorge für die unterschiedlichsten Probleme angesehen wurden, zu denen finanzielle und soziale ebenso zählten wir moralische oder gesundheitliche.
Erfolgreiches Gärtnern setzt ein solides Basiswissen voraus. So erschienen denn im gartenbegeisterten England schon im 16. Jahrhundert zahlreiche Ratgeber, die sich ausschliesslich dem Thema Garten widmeten, während im deutschsprachigen Raum sogenannte „Hausbücher“ veröffentlicht wurden, in denen neben Gärtnern vor allem Tipps rund ums Kochen und die Haushaltführung vermittelt wurden. Es versteht sich von selbst, dass das Zielpublikum dieser Publikationen nicht mit den oben erwähnten Bedürftigen übereingestimmt haben wird.
Mit dem Wachsen der Städte wuchs parallel auch das Bedürfnis nach mehr Landparzellen in der Peripherie. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entstanden vermehrt auch illegale Gärten und die teilweise strengen Regeln in Laubenkolonien wurden nicht (mehr) eingehalten. Es gab aber auch Befürworter dieser Entwicklung, die dahingehend argumentierten, dass die Bewohner durch die Gartenarbeit das Arbeiten nicht verlernen würden und sich weitgehend oder zumindest zu einem Teil selber ernähren können.
Die Gärten und ihre Bewohner stehen im dritten Kapitel im Mittelpunkt. Während früher im Garten Gemüse hauptsächlich angezogen wurde, um Geld zu sparen, steht in der modernen Kleingartenkultur der Wunsch nach ökologisch unbedenklichen Nahrungsmitteln, der körperliche Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit an der frischen Luft und vielleicht auch ein wenig der Traum vom Garten Eden im Vordergrund. Ausserdem sind diese Parzellen Orte der Geselligkeit.
Diese grosszügig illustrierte Publikation ist eine Fundgrube an Informationen über die Entwicklung der unterschiedlichen Formen von Gemeinschaftsgärten. Zwischen die Texte werden immer wieder Zitate eingestreut, beispielsweise von Dieter Kienast, Jürgen Dahl, Antoine de Saint-Exupéry und Mahatma Gandhi. Auch allerlei Kurioses gibt es zu erfahren. So liest man, dass in Frankreich die Jardinaux famillaux (Familiengärten) oft ein Rückzugsort und (fast) ausschliesslicher Treffpunkt nur für Männer sind, die sich dort mit Freunden bei einem Glas Wein von der Familie erholen.
Daneben bekommt der Leser Einblick in Kleingärten aus verschiedenen Ländern wie Russland (Datschas), Japan oder der DDR. Thematisiert werden auch die Gartenstadtbewegung, die Gartenzwergbefreiungsfront und Kleingärten im Krieg, wie etwa die Konsequenzen der Belagerung von Sarajewo in den Jahren 1992 – 1996. Nelson Mandelas Gefängnisgarten wird ebenso erwähnt wie die Gefängnisgärtner aus Leyhill, auf deren Geschichte der Film „Greenfingers“ basiert. Und haben Sie schon festgestellt, dass inzwischen der Trend dahin geht, in Kleingärten „echte“ Kunst auf Zeit zu präsentieren? Unter dem Titel „Fokus“ schliesslich gibt es u.a. Artikel über das deutsche Kleingartenmuseum, Michelle Obamas Gemüsegarten am Weissen Haus und die Prinzessinengärten in Berlin.
Eine überaus informative empfehlenswerte Lektüre für Gärtner und alle anderen, die sich für Gartenkultur begeistern und interessieren. Und falls Sie bei einem allfälligen New York-Aufenthalt mal Heimweh nach ihrem Garten haben sollten, können Sie sich bei der Organisation „Get Dirty NYC!“ melden. Dort erhalten auch Touristen die Gelegenheit, auf einer Rooftop Farm mit Blick auf die Skyline von Manhattan Unkraut zu jäten …
Christa Pöppelmann:
Hier wächst die Hoffnung – Von der Laubenkolonie zum Guerilla-Garten
Gerstenberg Verlag, 2012
22. August 2012
Maryrose Wood: Die Poison Diaries 2 – Liebe ist stärker als der Tod
Jessamine Luxton hat sich inzwischen von ihrer plötzlichen schweren Erkrankung körperlich weitgehend erholt, doch die tugendhafte und gottesfürchtige junge Frau verspürt nach dem Verschwinden von Weed keine Lebensfreude mehr. Die Beziehung zu ihrem ständig schlecht gelaunten und pausenlos beschäftigten Vater ist nach ihrer Genesung schlechter als jemals zuvor. Immerhin wird Jessamine dank ihrem Wissen über die Anwendung von Kräutern als Heilerin von vielen Hilfesuchenden aus der Umgebung geschätzt und gleichzeitig auch etwas gefürchtet. Sie selber plagt sich ständig mit Gedanken an Weed. Wo ist er? Weshalb ist er so plötzlich verschwunden? Hängt sein Verschwinden mit dem Tod eines Predigers zusammen?
Vom Giftprinz Oleander erfährt Jessamine schliesslich, dass Weed noch lebt und er verspricht ihr, die beiden Liebenden wieder zusammenzuführen, wenn die junge Frau gewisse Aufgaben erfüllt. Dabei verschweigt er aber wohlweisslich, dass Weed beim Leben seiner Geliebten hat schwören müssen, niemals mehr nach Hulne Abbey zurückzukehren. Um mit Weed zusammenkommen zu können, muss Jessamine auf Verlangen von Oleander den Tod ihrer Mutter rächen und selber grosse Schuld auf sich laden.
Die junge Frau kann kaum glauben, was ihr von Oleander eingeflüstert wird. Ihr eigener Vater soll den Tod ihrer Mutter verschuldet haben. Doch tatsächlich hat ihr Vater Thomas Luxton selber handschriftlich festgehalten, welche Giftexperimente er mit Frau und Tochter angestellt hat, die Auslöser für den frühen Tod seiner Frau und auch der schweren Krankheit von Jessamine waren. Sehr schmal ist der Grat zwischen und Gut und Böse und eben auch die Entscheidung, pflanzliche Heilmittel in nützlicher, schädlicher oder gar tödlicher Dosis anzuwenden. Jessamine tut, was sie zu tun glauben muss und verlässt daraufhin ihr Zuhause.
Sie nennt sich nun Rowan und versucht ihre Heimat rasch möglichst weit hinter sich zu lassen. Doch ihre Reisebegleiter in der Kutsche sind ihr nicht wohlgesinnt und als sie einem kranken Mädchen mit ihren Heilfähigkeiten und Kräutern hilft, wird sie als Hexe verschrien und die Situation eskaliert. Gezwungenermassen nimmt sie nochmals eine neue Identität an und als Belladonna kommt die junge Frau scheinbar völlig von ihrem Weg ab. Sie kennt keine Gewissensbisse mehr, ihr Pflanzenwissen gegen Geld weiterzugeben und ihre Abhängigkeit von Laudanum und der Mangel an Skrupel machen sie zu einem willenlosen Spielball von Aufständischen und Revoluzzern in einer Zeit, wo sich halb Europa im Krieg befindet.
Währenddessen hat sich Weed einer Gauklertruppe angeschlossen und lässt dank seinen Fähigkeiten mit der Pflanzenwelt zu kommunizieren, Rosen auf Befehl erblühen und gleichzeitig die Frauenherzen schmelzen. Doch sein eigenes Herz gehört nach wie vor nur einer, nämlich Jessamine. In seiner freien Zeit liest er immer wieder in Thomas Luxtons Gifttagebuch. Luxton schreibt davon, dass das uralte Wissen über Pflanzen im botanischen Garten der Universität Padua in Italien am besten bewahrt wird und macht sich unterwegs dorthin. Er hofft, dort eine Spur von Jessamine zu entdecken.
Dieser zweite Band in zwei Erzählsträngen dünkte mich (noch) fesselnder als Teil 1. Doch wie es Bücher mit Fortsetzungen so an sich haben, hat das Lesevergnügen immer genau dann ein Ende, wenn es am Spannendsten ist. Leider lässt sich auf der Webseite der Autorin Maryrose Wood nicht herausfinden, wann es mit dem Finale weitergeht.
Hier der Link zu meinen Gedanken zu Band 1 der Trilogie.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries 2 – Liebe ist starker als der Tod
S. Fischer Verlag, 2012
Vom Giftprinz Oleander erfährt Jessamine schliesslich, dass Weed noch lebt und er verspricht ihr, die beiden Liebenden wieder zusammenzuführen, wenn die junge Frau gewisse Aufgaben erfüllt. Dabei verschweigt er aber wohlweisslich, dass Weed beim Leben seiner Geliebten hat schwören müssen, niemals mehr nach Hulne Abbey zurückzukehren. Um mit Weed zusammenkommen zu können, muss Jessamine auf Verlangen von Oleander den Tod ihrer Mutter rächen und selber grosse Schuld auf sich laden.
Die junge Frau kann kaum glauben, was ihr von Oleander eingeflüstert wird. Ihr eigener Vater soll den Tod ihrer Mutter verschuldet haben. Doch tatsächlich hat ihr Vater Thomas Luxton selber handschriftlich festgehalten, welche Giftexperimente er mit Frau und Tochter angestellt hat, die Auslöser für den frühen Tod seiner Frau und auch der schweren Krankheit von Jessamine waren. Sehr schmal ist der Grat zwischen und Gut und Böse und eben auch die Entscheidung, pflanzliche Heilmittel in nützlicher, schädlicher oder gar tödlicher Dosis anzuwenden. Jessamine tut, was sie zu tun glauben muss und verlässt daraufhin ihr Zuhause.
Sie nennt sich nun Rowan und versucht ihre Heimat rasch möglichst weit hinter sich zu lassen. Doch ihre Reisebegleiter in der Kutsche sind ihr nicht wohlgesinnt und als sie einem kranken Mädchen mit ihren Heilfähigkeiten und Kräutern hilft, wird sie als Hexe verschrien und die Situation eskaliert. Gezwungenermassen nimmt sie nochmals eine neue Identität an und als Belladonna kommt die junge Frau scheinbar völlig von ihrem Weg ab. Sie kennt keine Gewissensbisse mehr, ihr Pflanzenwissen gegen Geld weiterzugeben und ihre Abhängigkeit von Laudanum und der Mangel an Skrupel machen sie zu einem willenlosen Spielball von Aufständischen und Revoluzzern in einer Zeit, wo sich halb Europa im Krieg befindet.
Währenddessen hat sich Weed einer Gauklertruppe angeschlossen und lässt dank seinen Fähigkeiten mit der Pflanzenwelt zu kommunizieren, Rosen auf Befehl erblühen und gleichzeitig die Frauenherzen schmelzen. Doch sein eigenes Herz gehört nach wie vor nur einer, nämlich Jessamine. In seiner freien Zeit liest er immer wieder in Thomas Luxtons Gifttagebuch. Luxton schreibt davon, dass das uralte Wissen über Pflanzen im botanischen Garten der Universität Padua in Italien am besten bewahrt wird und macht sich unterwegs dorthin. Er hofft, dort eine Spur von Jessamine zu entdecken.
Dieser zweite Band in zwei Erzählsträngen dünkte mich (noch) fesselnder als Teil 1. Doch wie es Bücher mit Fortsetzungen so an sich haben, hat das Lesevergnügen immer genau dann ein Ende, wenn es am Spannendsten ist. Leider lässt sich auf der Webseite der Autorin Maryrose Wood nicht herausfinden, wann es mit dem Finale weitergeht.
Hier der Link zu meinen Gedanken zu Band 1 der Trilogie.
Maryrose Wood:
Die Poison Diaries 2 – Liebe ist starker als der Tod
S. Fischer Verlag, 2012
18. August 2012
Silke Schütze: Erdbeerkönigin
Die 42jährige gelernte Krankenschwester Eva Brandt sorgt in ihrer Nachbarschaft für Entsetzen und Kopfschütteln als sie in der perfekten Vorgartenrasenfläche ein rundes Erdbeerbeet anlegt. Einzig ihr pubertierender und fast ständig schlechtgelaunte Sohn Benny scheint von dieser Veränderung nichts mitbekommen zu haben.
Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.
Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.
Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.
Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?
Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012
Ein paar Tage nach dieser gärtnerischen Aktion verschwindet die frühere Erdbeerkönigin Eva Brandt an einem Mittwoch aus ihrem Leben und fährt spontan nach Hamburg. Auslöser für die Reise ist ein Schreiben eines Anwalts, der sie im Auftrag eines verstorbenen Mandanten bittet, bei dessen Urnenbeisetzung die Grabrede zu halten. Daraufhin hat Eva unverzüglich ihre Reisetasche gepackt und ihre Gewohnheiten und Rituale zurückgelassen.
Im separaten Erzählstrang „Damals“ erfährt die Leserin erste Details zu Evas zwanzig Jahre zurückliegenden Begegnung mit dem verstorbenen Daniel Eisenthuer, die nunmehr eine kostbare Erinnerung ist. Die wenigen gemeinsamen Stunden waren für Eva (Zitat:) „wie eine schöne Pflanze in einem verschlossenen Garten, zu dem nur sie den Schlüssel besass“. Der Anwalt lässt Eva in Daniels noch nicht aufgelöster Wohnung einziehen und sie beginnt eine Spurensuche, die gleichzeitig zu einer detaillierten Reflektion ihrer aktuellen Lebensumstände führt. Warum hängt in der Wohnung eines stilsicheren Galeristen eine billige Postkarte mit dem Motiv des Stillebens „Der Erdbeerkorb“ von Jean-Baptiste Siméon Chardin, gerahmt an der Wand? Dabei handelt es sich um die einzige Postkarte, die Eva jemals ans Daniel geschickt hat.
Verschiedene Freunde von Daniel erzählen ihr von ihm. Dabei kommt viel schönes, aber auch weniger schmeichelhaftes zu Tage. Doch wieso soll ausgerechnet Eva, die ihn nur ganz flüchtig gekannt hat, seine Grabrede halten? Ist Evas Leben nicht nur eine Ansammlung von angefangenen Geschichten und aufgegebenen Vorlieben, zu denen Mode, Sport, Freunde und Ehe zählen? Ein charmanter Franzose umschwärmt Eva und sie findet in einer pensionierten Ärztin eine neue gute Freundin. Und mit etwas Abstand zu ihrem Alltag und den familiären Streitigkeiten entdeckt sie, was ihr wirklich wichtig ist.
Einfühlsame Ich-Erzählung, die zum Nachdenken anregt. Wann und wie soll der Lebensweg wieder in eine andere Richtung gehen?
Silke Schütze:
Erdbeerkönigin
Knaur Taschenbuch, 2012
14. August 2012
Eran Riklis: Lemon Tree (DVD)
Vor fünfzig Jahren hat der Vater von Salma in der West Bank einen
Zitronenhain angepflanzt. Salma ist seit
zehn Jahren verwitwet und lebt seit dem Auszug ihrer drei Kinder zurückgezogen
in ihrem Haus und kümmert sich um die Zitronenbäume. Die unmittelbar an der Grenze zu Israel
stehenden Gewächse versorgen die Palästinenserin mit einem bescheidenen Einkommen.
Als direkt neben ihrem Grundstück auf der israelischen Seite der
Verteidigungsminister in sein neues Haus einzieht, mutiert der Zitronenhain zum Sicherheitsrisiko, in dem sich leicht
Terroristen verstecken könnten. Die Bäume sollen deshalb abgeholzt und Salma dafür
entschädigt werden. Doch die Frau ist ebenso tief mit ihrem Land und der
Plantage verwurzelt wie die Bäume in der Erde, in der sie sich seit Jahrzehnten
ungehindert austrecken können. Salma wehrt sich beim Militärgericht gegen die
Verfügung und zieht schliesslich mit dem jungen palästinensischen Anwalt Ziad
bis vor den obersten Gerichtshof.
Bereits während des laufenden Verfahrens wird die Zitronenplantage
eingezäunt und Salma kann sich nicht mehr um ihre Bäume kümmern. Diese
beginnen schnell unter der Vernachlässigung zu leiden, obwohl sich Salma nicht
das Verbot hält, welches ihr das Betreten des Geländes untersagt. Sogar von ihren eigenen
Landsleuten wird ihr Einspruch kritisiert. Sie soll sich nicht wehren und
insbesondere nicht das Ansehen ihres verstorbenen Mannes beschmutzen. Es haben
doch schon unzählige andere ihr Land verloren. Doch Salma denkt nicht daran aufzugeben und
kämpft wie David gegen Goliath.
Salmas Kampf zieht die Aufmerksamkeit und die Sympathie ihrer neuen
Nachbarin, der jüdischen Frau des
israelischen Verteidigungsministers, auf sich. Als während der
Einweihungsparty des neuen Hauses des Verteidigungsministers ein Anschlag ausgeübt wird, interessieren sich plötzlich auch ausländische
Medien für die Affäre und gleichzeitig kommen sich Salma und ihr junger
Anwalt näher.
Ein sehr einfühlsam inszenierter Film mit viel Saurem, aber auch durchblitzendem Humor – Bäume sind wie Menschen; sie haben eine Seele und verlangen nach
Liebe.
Film von Eran
Riklis:
Lemon Tree
Arsenal Filmverleih, 2009
6. August 2012
Ende Blog-Sommerpause
Auf Facebook
hatte ich ja vor der Blogpause mal kurz erwähnt, dass wir in unmittelbarer Nähe eines „Krisengebietes“
wohnen, wo gerade der gefährliche und bei Fund im Garten meldepflichtige Asiatische Laubholzbockkäfer
(Anoplophora glabripennis) wütet oder - wie man hoffentlich (!) inzwischen feststellen
darf - gewütet hat, der wahrscheinlich mit Verpackungsmaterial von aus China
importieren Steinen eingeschleppt worden ist. Ich glaube allerdings kaum, dass
mit den Aktionen (Rohdungen usw.) der letzten Wochen die Gefahr, die von diesen
gefrässigen Tieren ausgeht, definitiv gebannt ist. Man darf sich allerdings
kaum ausmahlen, wie unsere Gartenstadt ohne Laubbäume aussehen würde, sieht
doch schon das abgeholzte Gebiet mehr als trostlos aus. Vielleicht hat jener Leserbriefschreiber in unserer Lokalzeitung ja recht, der die Schäden dieser importieren Schädlinge ohne natürliche Feinde mit den Untaten der Pflanzenjäger aus früheren Jahrhunderten in Zusammenhang bringt.
Inzwischen ist auch der Buchsbaumzünsler, der seit diesem
Frühling in der Umgebung sein Unwesen treibt, in unserem Garten angekommen. Die Gärtnerin würde
sich nach den Ferien ein netteres und vor allem ein erfreulicheres
Empfangskomitee im Garten wünschen! Eigentlich hatte ich diese Tierchen schon
viel eher erwartet und habe mir schon längere Zeit alternative Gestaltungsideen
überlegt. Noch gebe ich aber meine doch schon etliche Jahre gehegt und
gepflegten Buchseinfassungen und die Kugeln nicht kampflos auf, obwohl das
Absammeln und Vernichten derselben wahrlich keine erspriessliche Beschäftigung
ist.
Mein letzter Buchsbaumkauf liegt schon ungefähr 10 Jahre
zurück und irgendwie hängt frau doch stärker an diesen Gartenelementen als
gedacht…Und obschon ich letzten Woche irgendwo gelesen habe, dass der
Buchsbaumzünsler sich in Asien auch an Ilex gütlich tut, habe ich nun
buchsblättrige Ilex (Ilex crenata) als Ersatzpflanzen bestellt, die ich als
Einfassung im kürzlich umgestalteten Gartenteil einsetzen will. Die Hoffnung
stirbt schliesslich zuletzt! Ausserdem warten noch etliche andere Pflanzen, die
ich auf Pflanzenmärkten oder in Staudengärtnereien erstanden habe, auf ihren
definitiven Platz im Beet. Leider waren die Aufenthalte in letzteren auf der
Rückreise von Urlaubsorten jeweils recht kurz zu fassen, da die Familie (leicht
genervt) im Auto wartete …
Angenehmeres gibt es von der Sofagarten-Front zu berichten, denn auch beim Sofagärtnern war ich nicht untätig. Welche
Bücher ich zuletzt gelesen habe oder mir aktuell zu Gemüte führe, steht wie
üblich rechts im Blog. Noch vor mir habe ich die Lektüre von „In the Footsteps
of Augustine Henry and his Chinese plant collectors“ von Seamus O’Brien mit
einem Vorwort von Roy Lancaster und „Fern Fever – The story of Pteridomania, A
Victorian Obsession“ von Sarah Whittingham. Beide grossformatigen Publikationen
machen schon beim Durchblättern aufs Lesen „gluschtig“. Als Reiselektüre sind
die beiden Wälzer aber leider nicht oder nur bedingt geeignet.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich die neuen Blogleserinnen und -leser begrüssen und mich pauschal für die Kommentare bedanken. Mit meinen Gartenbuchvorstellungen geht es nächste Woche
an dieser Stelle weiter.
19. Juli 2012
Max Scharnigg: Feldversuch – Unser Stück Land vor den Toren der Stadt
Allenthalben werden
gegen Sommerende die verschiedensten Kürbisse am Strassenrand zum Verkauf
angeboten. Eine solche Kürbispyramide weckt in Max Scharnigg und seiner
Freundin, dem lieben Fräulein, den Wunsch, einen eigenen Kürbishaufen zu
produzieren. Und natürlich noch vieles anderes, vorzugsweise essbares Grünzeug
mehr.
Auf einem
schmalen gepachteten Streifen Acker ausserhalb München wollen die beiden Städter
ihre Ernteträume schliesslich Realität werden lassen. Für 40 Euro steht ihnen
das Land von April bis November zur Verfügung – hernach wird vom Bauer das
ganze Feld wieder umgepflügt. Das Experiment „Feldversuch“ startet damit, dass
endlich der Inhalt der in einer Art Rauschzustand schon vorsorglich gekauften
Samentütchen nun guten Gewissens zum Keimen gebracht werden kann. Und im
letzten Urlaub vor der Übernahme des Ackers wird eifrig Gartenlektüre gewälzt.
Auf etwas mehr
als 200 Seiten berichtet der Autor nun in seinem Buch „Feldversuch“ detailliert über die
ersten Gehversuche als Gemüsegärtner und der Leser erfährt, wie sich die Wochenendbeziehung zwischen dem
Münchner Paar und den Pflänzchen und natürlich auch letztere sich selber im rund
zwanzig Autominuten von daheim entfernten Garten entwickeln. So erzählt Max Scharnigg von
der jeweils stürmischen Wiedersehensfreude (auf Seite der Zweibeiner), wegen
der schlechten Ökobilanz durch den Anfahrtsweg per Auto allerdings mit leicht
schlechtem Gewissen im Hinterkopf. Weiter geht es um Minderwertigkeitskomplexe angesichts von geometrisch perfekten und
aufgeräumten Nachbarschaftsstreifen, werden kleine Unkrautdepressionen nicht
verschwiegen oder die gelegentliche Unlust auf Bückarbeit und ganz nebenbei
gibt’s auch einiges über den Gemüseanbau zu lesen und vielleicht sogar zu
lernen.
Es gibt ja
inzwischen fast unzählige Erfahrungsberichte von Städtern, Gärtnern und
Hobby-Landwirten, die ihr Glück im Wühlen in der Erde suchen und die Leser
teilhaben lassen an ihren Erfolgserlebnissen, Ernteschwemmen und Wetterplagen.
Dank dem humorigen, selbstironischen Schreibstil des Autors ist dieser Titel ein
besonderes Lesevergnügen, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Sie
lernen hier beispielsweise Ausdrücke wie ackerfrei oder Ackereltern und lesen von Überlegungen,
wie Tomaten wohl vor der Erfindung von Abdeckhüllen in pflanzlicher Urzeit reifen
konnten und von Überraschungserfolgen, die beinahe die Idee aufkommen lassen,
dem Nachwuchs den Namen Dill zu geben (in Anlehnung an Till Schweiger). Ein weiterer
Seitenhieb in Richtung Schauspieler geht an Christine Neubauer, zu welcher der
Autor eine Verbindung herstellt im Zusammenhang mit dem geplanten Erntedankfest
mit (fast) ausschliesslich auf eigenem Acker produzierten Esswaren, der
Wichtigkeit von Kartoffeln und von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.
Obwohl die
ausgeklügelte und durchdachte Pflanzung (Stichworte "gute Nachbarn, schlechte
Nachbarn") bei der praktischen Umsetzung völlig untergegangen ist, können im
Laufe des Sommers verschiedene Ernteerfolge vorgewiesen werden und das Bild des
Ackerstreifens und die Stadtwohnung werden positiv aufgewertet durch die
blumigen Ergebnisse des lieben Fräuleins. Und bestimmt sind nicht sämtliche
Ernteerfolge auf Anfängerglück zurückzuführen.
Mit dieser
Buchvorstellung stelle ich das (Vor-)bloggen bis ungefähr Mitte August ein und
wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Hochsommer!
Max Scharnigg:
Feldversuch – Unser Stück Land vor den
Toren der Stadt
Fischer Taschenbuch Verlag, 2012
15. Juli 2012
Carolee Snyder: Herbal Passions - A gardening novel with herbal recipes
Auch Callie
Gardeners drittes Jahr als selbständige Unternehmerin und Inhaberin der „Joyful
Heart Herb Farm“ ist von sich ständig abwechselnden Höhen und Tiefen geprägt.
Immer wieder steht die junge Frau vor neuen, oft schier unlösbar scheinenden Herausforderungen
und sucht nach Lösungen für ihre Probleme.
Nach seinen
schweren Schussverletzungen kämpft sich Trooper Morgan Wright nur mit grosser
Mühe ins Leben zurück und Callie wächst die Arbeit langsam aber sicher über den
Kopf. Wie gewohnt beginnt die Abarbeitung des riesigen Berges unerledigter
Pendenzen mit dem Erstellen einer „Joblist“. Doch Callies grössten aktuellen
Probleme resultieren aktuell nicht nur aus ihrem Mangel an Personal und sondern
auch daraus, weil sie selber ständig hin und her pendelt zwischen Besuchen am
Krankenbett und der Erledigung der dringendsten Tätigkeiten in ihrem Betrieb.
Das
Mitarbeiter-Problem scheint gelöst, als Callie eine überaus engagierte und wissbegierige Frau anstellen kann. Leider entpuppt sich diese
Wahl als grosse Fehlentscheidung. Nach kurzer intensiver Einarbeitung nutzt
diese Angestellte die Abwesenheit ihrer Chefin und bedient sich zu
Mitarbeiterkonditionen am Grundstock von Callies wertvollem Pflanzenmaterial
und anderen nicht leicht wieder zu beschaffenden Artikeln in der Höhe ihres Restsalärs. Der
unerwartete Verlust der illoyalen Mitarbeiterin samt Mutterpflanzen wird noch getoppt durch
die Tatsache, dass diese in nächster Nähe der „Joyful Heart Herb Farm“ eine
eigene Kräutergärtnerei in einer gut erschlossenen Gegend eröffnet. Schamlos wurden
also nicht nur teilweise fast unersetzbare Pflanzen abgezügelt, sondern auch
noch das von Callie erworbene Know-How ausgenutzt. Doch Callie Gardener ist
eine Kämpferin und gibt sich nicht so leicht geschlagen.
Nachdem Callie
zwei initiative Frauen einstellen kann, wird ihre lang erträumte und zurückhaltend
geplante Englandreise doch noch Wirklichkeit und sie kann in britischen Gärten
schwelgen. Und sie lernt nach einer Brandkatastrophe, dass sich auch aus einer
grossen Zerstörung etwas Positives entwickeln kann – privat und geschäftlich.
Auch dieses
dritte Buch nach "Herbal Beginnings" und "Herbal Choices" rund um die umtriebige
Junggärtnerin Callie Gardener wird mit etlichen Rezepten angereichert und es
wird monatlich eine passende Pflanze mit Hinweisen zu Geschichte und Nutzen
detailliert vorgestellt. Und wie in den Vorgängertiteln fragte sich die Leserin immer
wieder, welche Episoden wohl auf eigenen Erfahrungen der Autorin und Gärtnerin
Carolee Snyder basieren und was Fiktion ist. Ob man/frau auf einen vierten Band
hoffen darf?
Carolee Snyder:
Herbal Passions:
A gardening novel with herbal recipes
AuthorHouse, 2012
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