Die Meinungen darüber, was einen richtigen Rasen ausmacht sind sehr unterschiedlich, sei es aus ökologischen oder aus ästhetischen Gründen. Während der eine viel Freizeit und Mühe investiert, um auf einen makellosen - sprich unkrautfreien - Rasen blicken zu können, nimmt‘s der andere locker und freut sich auch an Gänseblümchen, Schaumkraut, Klee und Löwenzahn (oder versucht es wenigstens).
Der Landschaftsarchitekt Wolfgang H. Niemeyer aus München hat sich im Laufe seines Lebens schon mit den unterschiedlichsten Aspekten zum Thema Rasen beschäftigt. Mit seinen Kompositionen „Sieben Rasenstücke für Querflöte, Sprecher und Rasenmäher“ und „Gartenmusik für fünf Querflöten, fünf Sprecher, fünf Heckenscheren und einen Heckengarten“ hat er seine Leidenschaft sogar mit einer anderen Passion kombiniert. Niemeyers Faible für Rasen ist in seinem persönlichen Umfeld bekannt und so wurde ihm an einem runden Geburtstag wohl in Anspielung auf seine Rasenstück-Kompositionen ein echtes in einen Rahmen montiertes „Rasenstück“ geschenkt.
Als (vorläufiger) Höhepunkt seiner Beschäftigung mit dem Rasen hat er kürzlich mit der Publikation „Rasen“ ein Fach- und Spassbuch in Form eines Rasenquadrates herausgegeben, in welchem der Leser gegliedert in die nachstehend aufgeführten Kapitel Rasengeschichten, Gestaltungsbeispiele, Fotos und Zeichnungen des Autors entdecken kann:
- Mein Rasenleben
- Definition Rasen
- Geschichte des Rasen
- Rasenlandschaften
- Rasenprojekte
- Rasenkunst
- Kunstrasen und Rasenallerlei
Was steckt überhaupt hinter dem Begriff Rasen? Laut Wikipedia handelt es sich um eine meist kurz geschnittene dekorative Grasfläche, deren Vegetationsdecke aus Gräsern besteht, die in einer fünfzehn bis zwanzig Zentimeter starken Oberbodenschicht wurzeln und Ausläufer bilden. Rasen muss nicht ein Synonym für eine grüne Fläche am Boden sein. Dies zeigen Beispiele eines Rasensofas sowie von sogenannten Rasenkissen und Rasenschuppen. In Island wird echter Rasen als Dachbegrünung verwendet und immer öfter fahren Strassenbahnen entlang grün umrahmter Gleise, die unter anderem den Vorteil aufweisen, die Aufheizung der Gleise zu reduzieren, und gleichzeitig einen Beitrag an die Biodiversität leisten.
Wolfgang H. Niemeyers eigene Beziehung zum Rasen begann schon in frühester Kindheit. Er erinnert sich an Rasenpicknicks und daran, dass ihm als Jugendlicher das Aufbessern des Taschengeldes irgendwann nicht mehr Motivation genug war, die Langweile des eintönigen Rasenmähens zu überdecken. Zum Rasenleben des Autors gehörte auch im Rasen liegend ein Buch zu lesen und nicht Riesenspass, sondern Rasenspass zu haben.
Der Autor ist zwar nicht besonders fussballinteressiert, dafür weiss er, welche Rasenmischungen sich als besonders trittfest bewährt haben, und ist fasziniert über den immer öfter praktizierten Rasendiebstahl nach dem Schlusspfiff, wenn sich manch einer als Erinnerung an ein Fussballspiel ein grünes Souvenir absticht und aus dem Stadion trägt.
In einem Kompendium über Rasen dürfen natürlich auch Pflegehinweise und Tipps gegen Krankheiten nicht fehlen. Vielleicht übernimmt der eine oder andere Leser einen der einfallsreichen Vorschläge und versucht beim Rasenmähen ein Experiment. Falls etwas schiefgeht, wachsen die Halme schliesslich schnell wieder nach und ein neues Feld zum Ausleben der Kreativität steht bald wieder zu Verfügung.
"Rasen" ist ein bemerkenswertes Sammelsurium an Informationen rund um den Rasen, mit welchem der Autor - oft mit einem Augenzwinkern - seine eigene Freude an der Vielseitigkeit von Grashalmen weitervermittelt.
PS: Wer auch im Urlaub nicht auf einen perfekt gepflegten Rasen verzichten und gleichzeitig die Welt sehen will, der bucht vielleicht eine Kreuzfahrt auf dem Schiff „Celebrity Shilhouette“. Auf deren Oberdeck wird ein echter Naturrasen gepflegt, auf dem Grillpartys stattfinden.
Wolfgang H. Niemeyer:
Rasen - Rasenkunst, Kunstrasen, Rasenstück, Fussballrasen, Stadtrasen, Rasengarten, Dachrasen, Rasenrelief, Landschaftsrasen und nocht viel mehr Variationen des grünen Themas
Deutsche Verlags-Anstalt, 2014
24. April 2014
19. April 2014
Jaromir Konecny: Tote Tulpen
Der sechzehnjährige Halbwaise Leon bekommt die Chance, in einem Blumenladen eine Ausbildung als Lehrling zu absolvieren. Eine Perspektive, die nicht gerade Enthusiasmus in ihm auslöst. Nachdem seine Mutter bei einem Autounfall gestorben ist, hat er zwei Jahre in einem Heim und zuletzt ein Jahr unschuldig im Jugendgefängnis verbracht. Hinter Gittern hat er unzählige Bücher gelesen und auch das Computernetzwerk betreut.
Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.
Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.
Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.
Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.
Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?
Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.
Jaromir Konecny:
Tote Tulpen
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.
Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.
Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.
Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.
Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?
Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.
Jaromir Konecny:
Tote Tulpen
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
15. April 2014
Zuletzt ausgelesen: Christiane Feuerstack – Kleingarten, Kompost, Karma
Die Autorin berichtet in diesem Buch mit farbenfrohem Umschlag in satten Farben von ihrem Einstieg ins Schrebergärtnern. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Übernahme einer verwilderten Parzelle schliessen das Ablegen von Vorurteilen und das Aufgeben von Widerständen ein. Weiter geht es um Begegnungen mit vierbeinigen Bewohnern und das Entdecken, wie schnell unabsichtlich gegen irgendwelche Vorschriften und Regeln verstossen wird – sei es bei der Anpflanzung von verbotenen Gewächsen oder der unkorrekten prozentualen Nutzung der Gesamtfläche.
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
11. April 2014
Eva Maaser: Eine Gurke macht noch keinen Frühling
Die alleinerziehende Städterin Carlotta kämpft Stunden nach dem Essen von Gurkensalat aus dem Garten ihres kürzlich von Tante Ella geerbten Hauses mit Brechreiz. Denn eben hat sie just unter den kräftig wachsenden Gurken eindeutig menschliche Knochen entdeckt. Statt den Fund der Polizei zu melden, schaufelt sie hastig Erde über das nach einem heftigen Wasserfall aufgetane Loch und versucht jeden Gedanken daran zu verdrängen, was an der entdeckten freigelegten Hand noch alles dranhängt. Ausserdem entsorgt sie den vom Mittagessen übrig gebliebenen Salat, schwört sich, keine weiteren Gurken aus diesem Garten mehr zu ernten und nimmt sich vor, den Vorfall zu vergessen.
Ein Vorsatz, der sich nicht ganz einfach umsetzen lässt. Denn noch während sie am Schaufeln ist, taucht eine Nachbarin aus dem Zweitausend-Seelen-Dorf im Garten auf, die sich förmlich um die vielen reifen Gurken reisst und sich nur mit Mühe davon abbringen lässt, sich selbst zu bedienen. Immerhin weiss Carlotta nun, dass sich die krummen Dinger ausgezeichnet als Einlegegurken eignen. Und dann gibt’s noch einen adligen Nachbarn mit einer Bulldogge namens Tobler, die ebenso zielsicher im Gurkenbeet graben will. Höchste Zeit also, dass sich Carlotta Gedanken über die Gartengestaltung macht oder wenigstens darüber, wie sie die Fundstelle abdecken kann.
Dabei hat Carlotta eigentlich genügend andere Probleme, auch finanzieller Art. Zu ihrer verstorbenen Tante Ella, einst eine erfolgreiche Opernsängerin, hatte sie praktisch keinen Kontakt. Warum ist gerade sie als Erbin des mehrfach um- und angebauten Hauses mit einem grossen Wintergarten eingesetzt worden? Das Haus entpuppt sich schnell als hypothekenbelastete Bruchbude mit dringendem kostspieligem Renovationsbedarf. Die Geldprobleme werden noch akuter als Carlottas Auto definitiv nicht mehr fahrtüchtig ist. Soll sie tatsächlich ihren Vater um Geld bitten? Und was hat es eigentlich mit den komischen Geräuschen im Haus auf sich?
Der Weinkeller scheint recht gut bestückt zu sein. Ob sich daraus Kapital schlagen lässt? Denn Carlotta muss auch für die Ausbildung ihrer Tochter dringend Geld auftreiben. Die elfjährige Meg und ihre Mutter haben schon äusserlich nicht viel gemeinsam. Während die rothaarige Mutter klein ist und ein paar Kilo zu viel herumschleppt, ist die Tochter schon heute grossgewachsen und athletisch gebaut. Meg ist ein Mathematikgenie. Mit Geplänkel und Diplomatie kann sie dagegen nichts anfangen. Sprache muss für sie ebenso logisch wie Mathematik sein, so dass sie oft als gefühllose Besserwisserin erscheint. Mutter und Tochter sind sich einig, dass Meg an ihrer bisherigen Schule fehl am Platz ist. Aber das angebotene Studium in Amerika ist für Calotta auch keine Alternative.
Um sich von ihren Sorgen abzulenken, lässt sich Carlotta auf eine Affäre mit einem Handwerker ein, obwohl sie seinen "Hausdiagnosen" misstraut und ihm unterstellt, aus ihr Kapital schlagen zu wollen. Dabei wird auch die eine oder andere Weinflasche aus dem Keller geleert. Gleichzeitig beginnt sich die junge Mutter für das Leben der ihr fast völlig unbekannten Tante zu interessieren und stöbert in Fotoalben und alten Briefen.
Ein in Ich-Form erzählter Roman mit überraschendem Ende- gespickt mit feiner Selbstironie - in dem sich alles um vertrackte Familienverhältnisse dreht. Hortikulturelles gibt es wenig zu berichten, aber nebenbei erfahren die Leser einiges über das Asperger-Syndrom und im Anhang sind verschiedene Gurkenrezepte aufgeführt.
Mein erster Eindruck, als dieses Buch ganz unverhofft den Weg in den Sofagarten gefunden hat, war: Was für ein merkwürdiger Buchtitel. Gurke statt Schwalbe und Frühling statt Sommer. Gurken reifen doch üblicherweise im Sommer und nicht im Frühling (jedenfalls in unseren Breitengraden und ohne Gewächshaus). Aber vielleicht tut sich mir ja einfach der Sinn dieses Wortspieles nicht auf.
"Eine Gurke macht noch keinen Frühling" war nicht das erste Buch von Eva Maaser, das ich gelesen habe. „Kim und das Rätsel der fünften Tulpe“ habe ich hier vorgestellt und „Der Paradiesgarten“ habe ich vor meiner Blogger-Zeit trotz oder gerade wegen seines grossen Umfanges (beinahe 700 Seiten) mindestens dreimal gelesen und sogar in doppelter Ausführung (gebunden und als Taschenbuch) hier stehen. Vielleicht trenne ich mich demnächst von einem Exemplar – wie ich bereits auf Facebook erwähnt habe, bin ich ja dabei, Gartenzeitschriften und –bücher auszusortieren.„Der Paradiesgarten“ habe ich jedenfalls als annähernd perfekte fiktive Zeitreise durch die Gartengeschichte in Erinnerung. Der durch mehrere Jahrhunderte und die halbe Welt führende Roman eignet sich für lesende Gartenfreunde, die sich nicht davon abschrecken lassen, wenn ein Gärtner vom Tegernsee während mehreren Jahrhunderten lebt und dazwischen immer mal wieder in einen Tiefschlaf fällt.
Eva Maaser:
Eine Gurke macht noch keinen Frühling
Knaur Taschenbuch, 2014
Ein Vorsatz, der sich nicht ganz einfach umsetzen lässt. Denn noch während sie am Schaufeln ist, taucht eine Nachbarin aus dem Zweitausend-Seelen-Dorf im Garten auf, die sich förmlich um die vielen reifen Gurken reisst und sich nur mit Mühe davon abbringen lässt, sich selbst zu bedienen. Immerhin weiss Carlotta nun, dass sich die krummen Dinger ausgezeichnet als Einlegegurken eignen. Und dann gibt’s noch einen adligen Nachbarn mit einer Bulldogge namens Tobler, die ebenso zielsicher im Gurkenbeet graben will. Höchste Zeit also, dass sich Carlotta Gedanken über die Gartengestaltung macht oder wenigstens darüber, wie sie die Fundstelle abdecken kann.
Dabei hat Carlotta eigentlich genügend andere Probleme, auch finanzieller Art. Zu ihrer verstorbenen Tante Ella, einst eine erfolgreiche Opernsängerin, hatte sie praktisch keinen Kontakt. Warum ist gerade sie als Erbin des mehrfach um- und angebauten Hauses mit einem grossen Wintergarten eingesetzt worden? Das Haus entpuppt sich schnell als hypothekenbelastete Bruchbude mit dringendem kostspieligem Renovationsbedarf. Die Geldprobleme werden noch akuter als Carlottas Auto definitiv nicht mehr fahrtüchtig ist. Soll sie tatsächlich ihren Vater um Geld bitten? Und was hat es eigentlich mit den komischen Geräuschen im Haus auf sich?
Der Weinkeller scheint recht gut bestückt zu sein. Ob sich daraus Kapital schlagen lässt? Denn Carlotta muss auch für die Ausbildung ihrer Tochter dringend Geld auftreiben. Die elfjährige Meg und ihre Mutter haben schon äusserlich nicht viel gemeinsam. Während die rothaarige Mutter klein ist und ein paar Kilo zu viel herumschleppt, ist die Tochter schon heute grossgewachsen und athletisch gebaut. Meg ist ein Mathematikgenie. Mit Geplänkel und Diplomatie kann sie dagegen nichts anfangen. Sprache muss für sie ebenso logisch wie Mathematik sein, so dass sie oft als gefühllose Besserwisserin erscheint. Mutter und Tochter sind sich einig, dass Meg an ihrer bisherigen Schule fehl am Platz ist. Aber das angebotene Studium in Amerika ist für Calotta auch keine Alternative.
Um sich von ihren Sorgen abzulenken, lässt sich Carlotta auf eine Affäre mit einem Handwerker ein, obwohl sie seinen "Hausdiagnosen" misstraut und ihm unterstellt, aus ihr Kapital schlagen zu wollen. Dabei wird auch die eine oder andere Weinflasche aus dem Keller geleert. Gleichzeitig beginnt sich die junge Mutter für das Leben der ihr fast völlig unbekannten Tante zu interessieren und stöbert in Fotoalben und alten Briefen.
Ein in Ich-Form erzählter Roman mit überraschendem Ende- gespickt mit feiner Selbstironie - in dem sich alles um vertrackte Familienverhältnisse dreht. Hortikulturelles gibt es wenig zu berichten, aber nebenbei erfahren die Leser einiges über das Asperger-Syndrom und im Anhang sind verschiedene Gurkenrezepte aufgeführt.
Mein erster Eindruck, als dieses Buch ganz unverhofft den Weg in den Sofagarten gefunden hat, war: Was für ein merkwürdiger Buchtitel. Gurke statt Schwalbe und Frühling statt Sommer. Gurken reifen doch üblicherweise im Sommer und nicht im Frühling (jedenfalls in unseren Breitengraden und ohne Gewächshaus). Aber vielleicht tut sich mir ja einfach der Sinn dieses Wortspieles nicht auf.
"Eine Gurke macht noch keinen Frühling" war nicht das erste Buch von Eva Maaser, das ich gelesen habe. „Kim und das Rätsel der fünften Tulpe“ habe ich hier vorgestellt und „Der Paradiesgarten“ habe ich vor meiner Blogger-Zeit trotz oder gerade wegen seines grossen Umfanges (beinahe 700 Seiten) mindestens dreimal gelesen und sogar in doppelter Ausführung (gebunden und als Taschenbuch) hier stehen. Vielleicht trenne ich mich demnächst von einem Exemplar – wie ich bereits auf Facebook erwähnt habe, bin ich ja dabei, Gartenzeitschriften und –bücher auszusortieren.„Der Paradiesgarten“ habe ich jedenfalls als annähernd perfekte fiktive Zeitreise durch die Gartengeschichte in Erinnerung. Der durch mehrere Jahrhunderte und die halbe Welt führende Roman eignet sich für lesende Gartenfreunde, die sich nicht davon abschrecken lassen, wenn ein Gärtner vom Tegernsee während mehreren Jahrhunderten lebt und dazwischen immer mal wieder in einen Tiefschlaf fällt.
Eva Maaser:
Eine Gurke macht noch keinen Frühling
Knaur Taschenbuch, 2014
6. April 2014
Andreas Händel und Josh Westrich: Hepatica – Leberblümchen
Sogenannte Osterblümchen, zu denen auch Hepatica gehören, haben den dannzumal fünfjährigen Andreas Händel in einem Thüringer Mischwald bedeutend mehr fasziniert als die anstehende Ostereiersuche. „Hepatimanie“ nennt der Autor den Virus, an dem er sich damals angesteckt hat und der ihn nach wie vor fest im Griff hat (und den er im Übrigen gar nicht loswerden will). Später, als ausgebildeter Gärtner mit bereits ausgeprägter Sammelleidenschaft, stellte er schnell fest, dass Leberblümchen grundsätzlich zwar durchaus begehrt sind, aber wegen schwieriger und langwieriger Vermehrung so gut wie nirgends grosse Bestände gepflegt und ausgebaut wurden – eine Erkenntnis, die gleichzeitig einer Herausforderung entsprach und sich mit Sammeln, Auslese und Züchtung zu einer echten Lebensaufgabe entwickelt hat.
Längst gilt Andreas Händel unter Kennern als Nummer 1 in Sachen europäisches Leberblümchen. Er betreut eine eigene informative Webseite und stellt sein umfangreiches Wissen nun nach siebenjähriger Vorbereitung mit der Publikation „Hepatica – Leberblümchen“ in gedruckter Form zur Verfügung. Er vermittelt nicht nur einen detaillierten Einblick in seine Züchtertätigkeit, sondern verrät auch das eine oder andere Geheimnis für erfolgreiches Nachahmen.
Josh Westrichs Passion wiederum gilt dem Portraitieren von Pflanzen. Der Faszination seiner traumhaften Blütenaufnahmen kann sich wohl kein Betrachter entziehen. Für sein florales Werk hat er denn auch schon verschiedene Preise eingeheimst. In dieser Publikation vereinigen sich nun die jeweiligen Leidenschaften der beiden Herren zu einem einzigartigen Druckwerk.
Gegliedert ist das Buch wie folgt:
- Einstimmung
- Zur Geschichte der Leberblümchen
- Allgemeine Beschreibung
- Das Hepaticasortiment
- Kultur und Pflege im Garten
- Die lieben Nachbarn
- Vermehrung
- Züchtungen und ihre Züchter
- Krankheiten und Schädlinge
- Etwas Botanik zum Schluss
- Bestimmungshilfe für Hepatica-Arten
- Blütenportraits
- Register und Anhang, Literatur und Bezugsquellen
Die Bezeichnungen Leberblümchen und Hepatica beziehen sich auf die Form der Blätter, die an das Äussere der Niere erinnern. Deshalb wurden dem Frühjahrsblüher einst Heilkräfte bei Erkrankungen der Leber zugesagt. Leberblümchen zählen in bestimmten Kreisen zwar zu Sammlerobjekten, dennoch wage ich mal zu behaupten, dass die meisten Leute bestenfalls die blau-violetten Formen von Waldspaziergängen kennen.
Schon bei einem ersten oberflächlichen Durchblättern des grossformatigen Buches stellt der Betrachter fest, dass das Farbspektrum überaus vielfältig ist. Es gibt nämlich auch Blütenblätter in blau, weiss, rosa oder rot, und zwar in verschiedensten Variationen und Schattierungen. Beim Betrachten der detaillierten Blüten kommt man nicht umhin zu bewundern, wir perfekt die Farben der Blüten mit jenen der Staubblätter harmonieren oder auch kontrastieren. Etliche Sorten weisen nicht nur einfache Blüten, sondern halbgefüllte oder gefüllte auf. Zu den farblichen Überraschungen im Züchteralltag schreibt der Autor, dass die Ergebnisse meist Freude machen. Selten sind sie eine Enttäuschung und noch viel seltener sind sie mit einem Lottogewinn vergleichbar.
Leberblümchen zeigen sich auch hinsichtlich der Blattformen und Zeichnungen ausgesprochen variantenreich und verschiedene Sorten können durchaus als Blattschmuckstauden bezeichnet werden. Da gibt es panaschierte Blätter, Silberzeichnungen, unbehaarte Leberblümchen und solche mit Blättern wie die Haselwurz. Die Laubblätter können auch gerüscht oder gekerbt sein und ein schöner Hingucker sind auch jene Hepatica, die rot gerandete Blätter haben oder eine rote Blattunterseite. Nur auf zwei zu Korea gehörenden Inseln kommt der Dinosaurier unter diesen Frühblühern vor - das Riesenleberblümchen, das bis zu 35 Zentimeter hoch wird.
Auf den Fotos wirken die Leberblümchen zuweilen zerbrechlich wie Porzellan, bilden aber bei optimalen Bedingungen mit den Jahren immer grössere Bestände. Und auch wenn sich etwa eine eigene Sorte als zickig erweist, weil sie nur sehr langsam wächst, ist der Autor und Züchter stolz auf seine erste echte Hybride. Er verschweigt aber auch andere Nachteile wie zu lange Blütensteile einer Pflanze nicht.
Übrigens verkaufen viele Sammler und Züchter ihre besonderen Leberblümchen-Schätze nicht, sondern geben diese nur im Tausch gegen andere Edelsteine aus dem Frühlingsgarten her. Falls Sie selber mit dem Züchten von Leberblümchen liebäugeln – neben einem grünen Daumen, Visionen, Ausdauer und Erfahrung ist insbesondere die lückenlose schriftliche Dokumentation sowie das konsequente Etikettieren unerlässlich.
Das Buch „Hepatica – Leberblümchen“ ist eine ausserordentlich beeindruckende Publikation – ein grossformatiges Schwergewicht, aus welchem umfangreiches Hintergrundwissen zusammen mit faszinierenden Fotos gleichzeitig ein Garten- und Kunstbuch schaffen. Die Buchausstattung ist in jeglicher Hinsicht anspruchsvoll, seien es die Texte, die Fotos oder die Aufmachung und hat auch die Jury des Gartenbuchpreises 2014 überzeugt. Das Buch wurde nämlich im März gleich in zwei Kategorien prämiert: 1. Platz in der Kategorie „Bestes Gartenportrait“ und Gewinner des Stihl–Sonderpreises.
Etwas vermisst habe ich einzig das eine oder andere Foto mit ausschliesslich grösseren Mengen an blühenden Leberblümchen – aber bei diesem Krtitikpunkt handelt es sich um Jammern auf hohem Niveau. Störend waren hingen die fehlenden Legenden und Bildunterschriften. Ein letzter Nachteil, aber gleichzeitig auch Zweck des Buches ist, dass es wohl bei manchem Leser die Gier weckt, sprich das „Haben-Wollen-Gen“ aktiviert oder eben die Infektion mit Hepatimanie auslöst, wie Andreas Händel es nennen würde. So geht es hoffentlich auch demjenigen, der sich mein erstes Buchexemplar geschnappt hat, das irgendwo auf dem Postweg verschwunden ist.
Die wunderschönen, aussagekräftigen Fotos sind jedenfalls viel zu schade, um ihr Dasein versteckt zwischen zwei Buchdeckeln zu fristen. Einzelne Blütenportraits sind als Kunstkarten zu erwerben. Und vielleicht findet sich ja eine Galerie oder ein anderer passender Ort, wo nicht nur der Leserkreis Zugang zu diesen hat. Jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher, dass so mancher Betrachter sich dann ebenfalls mit Hepatimanie anstecken würde.
Andreas Händel und Josh Westrich:
Hepatica – Leberblümchen; Edelsteine im Frühlingsgarten
Edition Art und Nature, 2013
Längst gilt Andreas Händel unter Kennern als Nummer 1 in Sachen europäisches Leberblümchen. Er betreut eine eigene informative Webseite und stellt sein umfangreiches Wissen nun nach siebenjähriger Vorbereitung mit der Publikation „Hepatica – Leberblümchen“ in gedruckter Form zur Verfügung. Er vermittelt nicht nur einen detaillierten Einblick in seine Züchtertätigkeit, sondern verrät auch das eine oder andere Geheimnis für erfolgreiches Nachahmen.
Josh Westrichs Passion wiederum gilt dem Portraitieren von Pflanzen. Der Faszination seiner traumhaften Blütenaufnahmen kann sich wohl kein Betrachter entziehen. Für sein florales Werk hat er denn auch schon verschiedene Preise eingeheimst. In dieser Publikation vereinigen sich nun die jeweiligen Leidenschaften der beiden Herren zu einem einzigartigen Druckwerk.
Gegliedert ist das Buch wie folgt:
- Einstimmung
- Zur Geschichte der Leberblümchen
- Allgemeine Beschreibung
- Das Hepaticasortiment
- Kultur und Pflege im Garten
- Die lieben Nachbarn
- Vermehrung
- Züchtungen und ihre Züchter
- Krankheiten und Schädlinge
- Etwas Botanik zum Schluss
- Bestimmungshilfe für Hepatica-Arten
- Blütenportraits
- Register und Anhang, Literatur und Bezugsquellen
Die Bezeichnungen Leberblümchen und Hepatica beziehen sich auf die Form der Blätter, die an das Äussere der Niere erinnern. Deshalb wurden dem Frühjahrsblüher einst Heilkräfte bei Erkrankungen der Leber zugesagt. Leberblümchen zählen in bestimmten Kreisen zwar zu Sammlerobjekten, dennoch wage ich mal zu behaupten, dass die meisten Leute bestenfalls die blau-violetten Formen von Waldspaziergängen kennen.
Schon bei einem ersten oberflächlichen Durchblättern des grossformatigen Buches stellt der Betrachter fest, dass das Farbspektrum überaus vielfältig ist. Es gibt nämlich auch Blütenblätter in blau, weiss, rosa oder rot, und zwar in verschiedensten Variationen und Schattierungen. Beim Betrachten der detaillierten Blüten kommt man nicht umhin zu bewundern, wir perfekt die Farben der Blüten mit jenen der Staubblätter harmonieren oder auch kontrastieren. Etliche Sorten weisen nicht nur einfache Blüten, sondern halbgefüllte oder gefüllte auf. Zu den farblichen Überraschungen im Züchteralltag schreibt der Autor, dass die Ergebnisse meist Freude machen. Selten sind sie eine Enttäuschung und noch viel seltener sind sie mit einem Lottogewinn vergleichbar.
Leberblümchen zeigen sich auch hinsichtlich der Blattformen und Zeichnungen ausgesprochen variantenreich und verschiedene Sorten können durchaus als Blattschmuckstauden bezeichnet werden. Da gibt es panaschierte Blätter, Silberzeichnungen, unbehaarte Leberblümchen und solche mit Blättern wie die Haselwurz. Die Laubblätter können auch gerüscht oder gekerbt sein und ein schöner Hingucker sind auch jene Hepatica, die rot gerandete Blätter haben oder eine rote Blattunterseite. Nur auf zwei zu Korea gehörenden Inseln kommt der Dinosaurier unter diesen Frühblühern vor - das Riesenleberblümchen, das bis zu 35 Zentimeter hoch wird.
Auf den Fotos wirken die Leberblümchen zuweilen zerbrechlich wie Porzellan, bilden aber bei optimalen Bedingungen mit den Jahren immer grössere Bestände. Und auch wenn sich etwa eine eigene Sorte als zickig erweist, weil sie nur sehr langsam wächst, ist der Autor und Züchter stolz auf seine erste echte Hybride. Er verschweigt aber auch andere Nachteile wie zu lange Blütensteile einer Pflanze nicht.
Übrigens verkaufen viele Sammler und Züchter ihre besonderen Leberblümchen-Schätze nicht, sondern geben diese nur im Tausch gegen andere Edelsteine aus dem Frühlingsgarten her. Falls Sie selber mit dem Züchten von Leberblümchen liebäugeln – neben einem grünen Daumen, Visionen, Ausdauer und Erfahrung ist insbesondere die lückenlose schriftliche Dokumentation sowie das konsequente Etikettieren unerlässlich.
Das Buch „Hepatica – Leberblümchen“ ist eine ausserordentlich beeindruckende Publikation – ein grossformatiges Schwergewicht, aus welchem umfangreiches Hintergrundwissen zusammen mit faszinierenden Fotos gleichzeitig ein Garten- und Kunstbuch schaffen. Die Buchausstattung ist in jeglicher Hinsicht anspruchsvoll, seien es die Texte, die Fotos oder die Aufmachung und hat auch die Jury des Gartenbuchpreises 2014 überzeugt. Das Buch wurde nämlich im März gleich in zwei Kategorien prämiert: 1. Platz in der Kategorie „Bestes Gartenportrait“ und Gewinner des Stihl–Sonderpreises.
Etwas vermisst habe ich einzig das eine oder andere Foto mit ausschliesslich grösseren Mengen an blühenden Leberblümchen – aber bei diesem Krtitikpunkt handelt es sich um Jammern auf hohem Niveau. Störend waren hingen die fehlenden Legenden und Bildunterschriften. Ein letzter Nachteil, aber gleichzeitig auch Zweck des Buches ist, dass es wohl bei manchem Leser die Gier weckt, sprich das „Haben-Wollen-Gen“ aktiviert oder eben die Infektion mit Hepatimanie auslöst, wie Andreas Händel es nennen würde. So geht es hoffentlich auch demjenigen, der sich mein erstes Buchexemplar geschnappt hat, das irgendwo auf dem Postweg verschwunden ist.
Die wunderschönen, aussagekräftigen Fotos sind jedenfalls viel zu schade, um ihr Dasein versteckt zwischen zwei Buchdeckeln zu fristen. Einzelne Blütenportraits sind als Kunstkarten zu erwerben. Und vielleicht findet sich ja eine Galerie oder ein anderer passender Ort, wo nicht nur der Leserkreis Zugang zu diesen hat. Jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher, dass so mancher Betrachter sich dann ebenfalls mit Hepatimanie anstecken würde.
Andreas Händel und Josh Westrich:
Hepatica – Leberblümchen; Edelsteine im Frühlingsgarten
Edition Art und Nature, 2013
1. April 2014
Sarah Fasolin: Gartenreiseführer Schweiz
Haben Sie sich schon mal geärgert, weil Sie hierzulande vergeblich etwas kaufen wollten, das Ihnen im Ausland gute Dienste geleistet hat? Sarah Fasolin wollte nach einem Gartenurlaub in England, in welchem ihr ein Gartenreiseführer nützlich war, ein Schweizerisches Pendant erwerben und musste feststellen, dass ein solcher noch nicht geschrieben worden ist. Kurz entschlossen hat die Gartentexterin diese Aufgabe selber übernommen und während acht Monaten die Schweiz kreuz und quer durchreist.
380 Gärten und Parks hat sie besucht, 300 haben es schliesslich in die Publikation geschafft. Die Reiseroute folgte der Vegetationsentwicklung vom Süden in den Norden und vom Flachland in hügeligere Gebiete bis zum Alpengarten auf rund 2000 Meter über Meer. Die am Foto-Vortrag „Gartenzauber Schweiz“ in der Kartause Ittingen von der Autorin gezeigte Grafik über ihre Reisewege war jedenfalls ausserordentlich beeindruckend.
Alphabetisch vom Kanton Aargau bis zum Kanton Zürich werden die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist eine Schweizer Karte abgebildet, auf welcher im jeweiligen Kanton die Seitenzahl aufgeführt ist, ab welcher die entsprechenden Kapitel und Kurzportraits zu finden sind. Auf der hinteren Umschlaginnenseite sind die Zeichenerklärungen zu den im Buch verwendeten Piktogrammen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Einleitung, in welcher die Autorin etwa auf geschichtliche Hintergründe oder auf besondere gartenkulturelle Begebenheiten hinweist. Jede Gartenvorstellung wird komplettiert mit Angaben zu den Eigentümern, Adresse, besonderen Attraktionen, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
Für die kleine Schweiz mit ihren grossen klimatischen und landschaftlichen Unterschieden hat Sarah Fasolin eine erstaunliche Vielfalt an Gartentypen dokumentiert: einen Panzerhöckergarten, Schlossgärten, Landschaftsparks, Friedhofgärten, Schaugärten, ein Volksgarten, Skulpturengärten, Gemeinschaftsgärten, Alpengärten, Künstlergärten, Museumsgärten, Sammlergärten, Botanische Gärten, ein Medizinal-Pflanzen-Garten und viele andere mehr. Auch im Hinblick auf die Grösse, den Zeitpunkts der Entstehung oder die Bepflanzung der Gärten deckt die Publikation ein grosses Spektrum an unterschiedlichen Gartentypen ab. Im Serviceteil finden sich Hinweise auf wichtige regelmässige Gartenveranstaltungen, ein Index sämtlicher Gärten nach Ortschaften geordnet sowie Literaturhinweise. Für I-Phone-Besitzer ist der trotz seines Umfangs von über 400 Seiten handliche Reiseführer auch als App erhältlich.
Zu entdecken gibt es beispielsweise eine Mini-Welt aus Farnen und Moosen, einen Rosengarten auf über 1200 Meter über Meer, eine grosse Sammlung seltener Stauden und im Garten „Am Ende der Welt“ werden die Pflanzen um ihre Meinung gebeten, wo sie gerne ihre Wurzeln ausstrecken wollen. Ein anderer Garten wartet mit fast drei Dutzend Sitzplätzen auf, während es von einem anderen heisst, es finde sich alle zehn Schritte eine Sitzgelegenheit.
Die einzelnen Portraits sind aus Platzgründen kurz und knapp gefasst und werden oft visuell durch Fotos ergänzt. Immer wieder finden sich auch Informationen zu den Beweggründen, wieso ein bestimmter Gartenstil gewählt worden ist. So soll der Garten ordentlich sein, weil der Schreibtisch stets chaotisch ist und ein anderer Gärtner verrät, dass er einige Pflanzen besonders wegen ihres botanischen Namens mag, derweilen ein Dritter gefüllt blühende rote Leberblümchen in Erinnerung an seine Gotte hegt. In der Südschweiz lassen sich zur richtigen Jahreszeit und nach Voranmeldung eine vom Dalai Lama gesegnete tibetische Magnolie bewundern und ein Exemplar der Magnolie „Princes Margaret“, das von (oder mit Unterstützung) der Namenspatronin gepflanzt worden ist.
Zwischen den Zeilen mag man auch etwas die Vorlieben der Autorin zu deuten versuchen, wenn sie bei der Beschreibung eines Künstlerinnengartens mit umstrickten Bäumen die Grenze von Kitsch und Kunst erwähnt und hin und wieder gibt es einen Vermerk über brachliegendes Potential oder ganz offensichtlich mangelnde Pflege. Noch einiges mehr an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken verrät Sarah Fasolin an ihren Foto-Vorträgen (Termine hier). Sie berichtet an diesen Anlässen über die Entstehung des Führers und ihre manchmal berührenden Begegnungen während ihrer hortikulturellen Tour de Suisse.
Mit ihrem Reiseführer beweist Sarah Fasolin, dass Gartenliebhaber nicht unbedingt nach England, Holland oder Belgien fahren müssen – auch hierzulande finden sich viele sehenswerte Gärten. Trotz den verhältnismässig geringen Ausmassen unseres Landes ist man erfahrungsgemäss oft länger als beabsichtigt unterwegs, um ein (Garten-)Ziel zu erreichen. Sei es, weil man sich verfahren oder verlaufen hat oder eben die Wege doch nicht so kurz sind, wie angenommen. Um die jeweiligen Gärten auch in Ruhe geniessen zu können, ist es von Vorteil, sich für einen Tag nicht zu viel vorzunehmen und mit Hilfe des Reisebegleiters gut zu planen. Für den Kanton Luzern findet sich in diesem sogar eine Anleitung zu einer idealen Gartenreise.
Beim Lesen des Führers habe ich festgestellt, dass ich zwar schon etliche der präsentierten Gärten kenne, aber bis anhin trotzdem nur über einen Bruchteil der Gartenwege persönlich gelaufen bin. Schon unzählige Male bin ich am nicht weit von meinem Wohnort gelegenen Schlosspark Andelfingen vorbeigefahren und habe schon oft über diesen gelesen – vielleicht schaffe ich es demnächst dank dem auf Seite 366 im Buch angebrachten Post-it-Zettel, mir diesen mal in Natura anzuschauen.
Sarah Fasolin:
Gartenreiseführer Schweiz
Callwey Verlag, 2014
380 Gärten und Parks hat sie besucht, 300 haben es schliesslich in die Publikation geschafft. Die Reiseroute folgte der Vegetationsentwicklung vom Süden in den Norden und vom Flachland in hügeligere Gebiete bis zum Alpengarten auf rund 2000 Meter über Meer. Die am Foto-Vortrag „Gartenzauber Schweiz“ in der Kartause Ittingen von der Autorin gezeigte Grafik über ihre Reisewege war jedenfalls ausserordentlich beeindruckend.
Alphabetisch vom Kanton Aargau bis zum Kanton Zürich werden die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist eine Schweizer Karte abgebildet, auf welcher im jeweiligen Kanton die Seitenzahl aufgeführt ist, ab welcher die entsprechenden Kapitel und Kurzportraits zu finden sind. Auf der hinteren Umschlaginnenseite sind die Zeichenerklärungen zu den im Buch verwendeten Piktogrammen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Einleitung, in welcher die Autorin etwa auf geschichtliche Hintergründe oder auf besondere gartenkulturelle Begebenheiten hinweist. Jede Gartenvorstellung wird komplettiert mit Angaben zu den Eigentümern, Adresse, besonderen Attraktionen, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
Für die kleine Schweiz mit ihren grossen klimatischen und landschaftlichen Unterschieden hat Sarah Fasolin eine erstaunliche Vielfalt an Gartentypen dokumentiert: einen Panzerhöckergarten, Schlossgärten, Landschaftsparks, Friedhofgärten, Schaugärten, ein Volksgarten, Skulpturengärten, Gemeinschaftsgärten, Alpengärten, Künstlergärten, Museumsgärten, Sammlergärten, Botanische Gärten, ein Medizinal-Pflanzen-Garten und viele andere mehr. Auch im Hinblick auf die Grösse, den Zeitpunkts der Entstehung oder die Bepflanzung der Gärten deckt die Publikation ein grosses Spektrum an unterschiedlichen Gartentypen ab. Im Serviceteil finden sich Hinweise auf wichtige regelmässige Gartenveranstaltungen, ein Index sämtlicher Gärten nach Ortschaften geordnet sowie Literaturhinweise. Für I-Phone-Besitzer ist der trotz seines Umfangs von über 400 Seiten handliche Reiseführer auch als App erhältlich.
Zu entdecken gibt es beispielsweise eine Mini-Welt aus Farnen und Moosen, einen Rosengarten auf über 1200 Meter über Meer, eine grosse Sammlung seltener Stauden und im Garten „Am Ende der Welt“ werden die Pflanzen um ihre Meinung gebeten, wo sie gerne ihre Wurzeln ausstrecken wollen. Ein anderer Garten wartet mit fast drei Dutzend Sitzplätzen auf, während es von einem anderen heisst, es finde sich alle zehn Schritte eine Sitzgelegenheit.
Die einzelnen Portraits sind aus Platzgründen kurz und knapp gefasst und werden oft visuell durch Fotos ergänzt. Immer wieder finden sich auch Informationen zu den Beweggründen, wieso ein bestimmter Gartenstil gewählt worden ist. So soll der Garten ordentlich sein, weil der Schreibtisch stets chaotisch ist und ein anderer Gärtner verrät, dass er einige Pflanzen besonders wegen ihres botanischen Namens mag, derweilen ein Dritter gefüllt blühende rote Leberblümchen in Erinnerung an seine Gotte hegt. In der Südschweiz lassen sich zur richtigen Jahreszeit und nach Voranmeldung eine vom Dalai Lama gesegnete tibetische Magnolie bewundern und ein Exemplar der Magnolie „Princes Margaret“, das von (oder mit Unterstützung) der Namenspatronin gepflanzt worden ist.
Zwischen den Zeilen mag man auch etwas die Vorlieben der Autorin zu deuten versuchen, wenn sie bei der Beschreibung eines Künstlerinnengartens mit umstrickten Bäumen die Grenze von Kitsch und Kunst erwähnt und hin und wieder gibt es einen Vermerk über brachliegendes Potential oder ganz offensichtlich mangelnde Pflege. Noch einiges mehr an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken verrät Sarah Fasolin an ihren Foto-Vorträgen (Termine hier). Sie berichtet an diesen Anlässen über die Entstehung des Führers und ihre manchmal berührenden Begegnungen während ihrer hortikulturellen Tour de Suisse.
Mit ihrem Reiseführer beweist Sarah Fasolin, dass Gartenliebhaber nicht unbedingt nach England, Holland oder Belgien fahren müssen – auch hierzulande finden sich viele sehenswerte Gärten. Trotz den verhältnismässig geringen Ausmassen unseres Landes ist man erfahrungsgemäss oft länger als beabsichtigt unterwegs, um ein (Garten-)Ziel zu erreichen. Sei es, weil man sich verfahren oder verlaufen hat oder eben die Wege doch nicht so kurz sind, wie angenommen. Um die jeweiligen Gärten auch in Ruhe geniessen zu können, ist es von Vorteil, sich für einen Tag nicht zu viel vorzunehmen und mit Hilfe des Reisebegleiters gut zu planen. Für den Kanton Luzern findet sich in diesem sogar eine Anleitung zu einer idealen Gartenreise.
Beim Lesen des Führers habe ich festgestellt, dass ich zwar schon etliche der präsentierten Gärten kenne, aber bis anhin trotzdem nur über einen Bruchteil der Gartenwege persönlich gelaufen bin. Schon unzählige Male bin ich am nicht weit von meinem Wohnort gelegenen Schlosspark Andelfingen vorbeigefahren und habe schon oft über diesen gelesen – vielleicht schaffe ich es demnächst dank dem auf Seite 366 im Buch angebrachten Post-it-Zettel, mir diesen mal in Natura anzuschauen.
Sarah Fasolin:
Gartenreiseführer Schweiz
Callwey Verlag, 2014
28. März 2014
Zuletzt ausgelesen: Dirk Kruse – Tod im Botanischen Garten
Der Buchumschlag mit Verwendung eines Bildes von Maria Sibylla Merian und der Buchtitel selber lassen (nicht ganz umsonst) einen hortikulturellen Hintergrund in diesem Kriminalroman vermuten. Und tatsächlich wird Bonvivant Frank Beaufort in seinem dritten Fall von seinem ehemaligen Doktorvater gebeten, sich um die Aufklärung von diversen Diebstählen von wertvollen Büchern und Kunstwerken in der Erlanger Universitätsbibliothek zu kümmern und die Nachforschungen führen eben auch in den titelgebenden Botanischen Garten.
Frank Beaufort ist in Sachen moderner Gadgets nicht auf dem neuesten Stand, dafür kennt er unzählige Zitate aus der Literatur und setzt bei seinen Ermittlungen auf sein umfangreiches Allgemeinwissen, seine Beobachtungsgabe und seine Intuition. Und wenn er sich zuweilen in brenzligen Situationen wie etwa an Tatorten wiederfindet, kann er sich immer auf die Hilfe seines Freundes, einem Richter, verlassen.
Das Interesse an der Aufklärung der Kunstdiebstähle rückt etwas in den Hintergrund, als ein Kurator nach einem Fenstersturz tot aufgefunden wird. Während die Polizei von einem Suizid ausgeht, kann Beaufort dieser Schlussfolgerung nicht zustimmen. Vor der innert Wochenfrist geplanten Ausstellungseröffnung sollen die Bibliotheksdiebstähle aufgeklärt sein, weil dann das Fehlen einer Dürer-Grafik nicht mehr länger verheimlicht werden kann.
Besteht allenfalls ein Zusammenhang zwischen den Diebstählen und dem Todesfall? Einem Buch von Maria Sibylla Merian ist nicht nur das Umschlagmotiv entnommen, sondern eine Originalausgabe eines Werks dieser Künstlerin spielt auch eine wichtige Rolle in der Aufklärung in einem der zu lösenden Fälle.
Dirk Kruse:
Tod im Botanischen Garten
Ars Vivendi Verlag, 2012
Frank Beaufort ist in Sachen moderner Gadgets nicht auf dem neuesten Stand, dafür kennt er unzählige Zitate aus der Literatur und setzt bei seinen Ermittlungen auf sein umfangreiches Allgemeinwissen, seine Beobachtungsgabe und seine Intuition. Und wenn er sich zuweilen in brenzligen Situationen wie etwa an Tatorten wiederfindet, kann er sich immer auf die Hilfe seines Freundes, einem Richter, verlassen.
Das Interesse an der Aufklärung der Kunstdiebstähle rückt etwas in den Hintergrund, als ein Kurator nach einem Fenstersturz tot aufgefunden wird. Während die Polizei von einem Suizid ausgeht, kann Beaufort dieser Schlussfolgerung nicht zustimmen. Vor der innert Wochenfrist geplanten Ausstellungseröffnung sollen die Bibliotheksdiebstähle aufgeklärt sein, weil dann das Fehlen einer Dürer-Grafik nicht mehr länger verheimlicht werden kann.
Besteht allenfalls ein Zusammenhang zwischen den Diebstählen und dem Todesfall? Einem Buch von Maria Sibylla Merian ist nicht nur das Umschlagmotiv entnommen, sondern eine Originalausgabe eines Werks dieser Künstlerin spielt auch eine wichtige Rolle in der Aufklärung in einem der zu lösenden Fälle.
Dirk Kruse:
Tod im Botanischen Garten
Ars Vivendi Verlag, 2012
24. März 2014
Gabriele Tergit: Der alte Garten
Von der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert in Holland liest man immer mal wieder, wenn diese etwa im Zusammenhang mit Turbulenzen an den Börsen als erstes Börsencrash-Beispiel herangezogen wird. Aber haben Sie gewusst, dass im 18. Jahrhundert in England eine Ranunkelmanie herrschte? Im Jahr 1792 waren tausende Sorten im Umlauf, 1820 wurden noch deren 800 angeboten. Aber auch für Hyazinthenzwiebeln wurden einst beeindruckende Geldbeträge hingeblättert. Gab es 1597 erst vier Sorten, waren es 1725 schon rund 2000 und ein Preis von 4‘000 Mark galt als üblich. Da erscheint der Preis für eine Aurikel im 17. Jahrhundert mit 400 Mark ja fast günstig. In dem kleinen Büchlein „Der alte Garten“ führt Gabriele Tergit (1894 – 1982) durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende in der Kulturgeschichte der Blumen - gespickt mit Anekdoten, Kuriositäten, Sitten und Bräuchen und paralleler Vermittlung von Einblicken in wichtige historische Ereignisse.
Nach einer als sentimental betitelten Einleitung über die Freude an der Natur folgen Abschnitte mit Titeln wie „Die Päonie der Chinesen und die Lotusblume der Ägypter“, „Die sakrale Lilie“, „Rosennarretei“, „Le Notre und die Verbannung der Blumen in den Küchengarten“ und „Englischer contra französischer Garten“. Die Autorin hält fest, dass es natur- oder garten-gemäss ist, dass Gärtner ein hohes Alter erreichen und setzt das menschliche Leben in Zusammenhang mit dem Gartenjahr. Stark zusammengekürzt bedeutet dies, dass das Leben im Februar mit der Geburt anfängt; der Monat Juli steht für das Alter vierzig, August und September für die Ernte des Lebens und November und Dezember repräsentieren die Menschenjahre zwischen siebzig und neunzig, in welchen Geist und Körper vertrocknen und sowohl Mensch als auch Natur enden im Januar im weissen Totenhemd.
Im Text erfährt man weiter, dass im alten Ägypten der Gastgeberin keine Blumen mitgebracht wurden, dafür aber die Gäste Kränze aus Lotusblumen erhielten. Letztere galten auch in Indien als wichtiges Symbol. Die Zeiten haben auch in Sachen Namensgebung einen Wandel erfahren. Während römische Familien den Namen von Blumen annahmen, wurden in den letzten Jahrhunderten umgekehrt Blumen nach ihren Entdeckern oder nach Botanikern benannt. Auch Blüten auf dem Teller sind keine Erfindung unserer Zeit. Bereits im Mittelalter wurden Speisen mit Blumen gesüsst und Braten mit Blumen gewürzt.
Weiter berichtet Gabriele Tergit von Zeiten, in der die Natur verdächtig war und es sogar päpstlich verboten war, sich mit ihr zu beschäftigen. Mindestens so seltsam mutet die Passage an, an der die Autorin davon erzählt, dass sich eine Darmstädter Freundin von Goethe zuweilen in ein offenes Grab unter einer Rosenlaube legte, um (Zitat) „die Empfindung des Sterbens vom Hauch und Duft der Natur umweht, auszukosten“. Thematisiert werden auch die Aufs und Abs der Nelke in der Gunst der Blumenliebhaber, die Autorin geht auf die Begründung der Chemie durch die Araber ein, erzählt über das Leben des Albert Magnus und davon, dass im 17. Jahrhundert 33 Medizinen aus Rosen bekannt waren, mit denen Krankheiten geheilt wurden.
Waren Blumen lange Jahre (fast) ausschliesslich wegen ihrer Heilwirkung, ihres Nährwerts und der zugesagten Zauberwirkung geschätzt, fiel der Fokus in der Renaissance im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Buchdrucks und von Blumenentdeckern oder Pflanzenjägern auf die Schönheit derselben. Thema ist schliesslich auch der Übergang vom Sammeln möglichst vieler verschiedener Pflanzen im Garten zu ersten architektonisch gestalteten Anlagen.
Im Juli 1991 habe ich in der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ ein Inserat mit folgendem Text aufgegeben: „Unterhaltsame Gartenbücher – Zu meiner Lieblingslektüre gehören Gartenbücher, die in Romanform geschrieben sind. Meisterhaft verstanden dies beispielsweise Richard Katz, Karel Capek und Jo Hanns Rösler. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen unterhaltsamen Titeln. Wer verhilft mir zu weiteren vergnüglichen Lesestunden?“
Sie fragen sich, was diese Anzeige mit dieser Buchvorstellung zu tun hat? Nun, in der Folge habe ich verschiedene Gartenliteraturtipps erhalten, darunter eben auch Hinweise auf das Buch „Kaiserkron' und Päonien rot“ von Gabriele Tergit, das aber schon dannzumal längst vergriffen bzw. nur noch antiquarisch erhältlich war. Meine Büchergestelle platzen auch ohne (oder mit nur wenigen) Büchern aus zweiter Hand aus allen Nähten, so dass dieses Buch über zwanzig Jahre einen Stammplatz auf meiner ewigen Wunschliste hatte.
Dank der aktuellen Neuauflage des ersten Teils der Originalausgabe des Buches, kann ich es dort nun herauslöschen - nicht ohne nach der Lektüre festzustellen, dass sich das lange Warten gelohnt hat. Ein nicht unbedeutender Teil des Charmes dieses Büchleins ist nach meinem Empfinden darauf zurückzuführen, dass es vor über fünfzig Jahren verfasst worden ist. Und zuletzt hoffe ich, dass der zweite Teil der Ausgabe aus dem Jahr 1958 demnächst auch noch neu aufgelegt und die Reihe der immer wieder bemerkenswerten Gartenlesebücher vom Schöffling Verlag noch lange weitergeführt wird.
Gabriele Tergit:
Der alte Garten
Schöffling und Co., 2014
Nach einer als sentimental betitelten Einleitung über die Freude an der Natur folgen Abschnitte mit Titeln wie „Die Päonie der Chinesen und die Lotusblume der Ägypter“, „Die sakrale Lilie“, „Rosennarretei“, „Le Notre und die Verbannung der Blumen in den Küchengarten“ und „Englischer contra französischer Garten“. Die Autorin hält fest, dass es natur- oder garten-gemäss ist, dass Gärtner ein hohes Alter erreichen und setzt das menschliche Leben in Zusammenhang mit dem Gartenjahr. Stark zusammengekürzt bedeutet dies, dass das Leben im Februar mit der Geburt anfängt; der Monat Juli steht für das Alter vierzig, August und September für die Ernte des Lebens und November und Dezember repräsentieren die Menschenjahre zwischen siebzig und neunzig, in welchen Geist und Körper vertrocknen und sowohl Mensch als auch Natur enden im Januar im weissen Totenhemd.
Im Text erfährt man weiter, dass im alten Ägypten der Gastgeberin keine Blumen mitgebracht wurden, dafür aber die Gäste Kränze aus Lotusblumen erhielten. Letztere galten auch in Indien als wichtiges Symbol. Die Zeiten haben auch in Sachen Namensgebung einen Wandel erfahren. Während römische Familien den Namen von Blumen annahmen, wurden in den letzten Jahrhunderten umgekehrt Blumen nach ihren Entdeckern oder nach Botanikern benannt. Auch Blüten auf dem Teller sind keine Erfindung unserer Zeit. Bereits im Mittelalter wurden Speisen mit Blumen gesüsst und Braten mit Blumen gewürzt.
Weiter berichtet Gabriele Tergit von Zeiten, in der die Natur verdächtig war und es sogar päpstlich verboten war, sich mit ihr zu beschäftigen. Mindestens so seltsam mutet die Passage an, an der die Autorin davon erzählt, dass sich eine Darmstädter Freundin von Goethe zuweilen in ein offenes Grab unter einer Rosenlaube legte, um (Zitat) „die Empfindung des Sterbens vom Hauch und Duft der Natur umweht, auszukosten“. Thematisiert werden auch die Aufs und Abs der Nelke in der Gunst der Blumenliebhaber, die Autorin geht auf die Begründung der Chemie durch die Araber ein, erzählt über das Leben des Albert Magnus und davon, dass im 17. Jahrhundert 33 Medizinen aus Rosen bekannt waren, mit denen Krankheiten geheilt wurden.
Waren Blumen lange Jahre (fast) ausschliesslich wegen ihrer Heilwirkung, ihres Nährwerts und der zugesagten Zauberwirkung geschätzt, fiel der Fokus in der Renaissance im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Buchdrucks und von Blumenentdeckern oder Pflanzenjägern auf die Schönheit derselben. Thema ist schliesslich auch der Übergang vom Sammeln möglichst vieler verschiedener Pflanzen im Garten zu ersten architektonisch gestalteten Anlagen.
Im Juli 1991 habe ich in der Zeitschrift „Mein schöner Garten“ ein Inserat mit folgendem Text aufgegeben: „Unterhaltsame Gartenbücher – Zu meiner Lieblingslektüre gehören Gartenbücher, die in Romanform geschrieben sind. Meisterhaft verstanden dies beispielsweise Richard Katz, Karel Capek und Jo Hanns Rösler. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen unterhaltsamen Titeln. Wer verhilft mir zu weiteren vergnüglichen Lesestunden?“
Sie fragen sich, was diese Anzeige mit dieser Buchvorstellung zu tun hat? Nun, in der Folge habe ich verschiedene Gartenliteraturtipps erhalten, darunter eben auch Hinweise auf das Buch „Kaiserkron' und Päonien rot“ von Gabriele Tergit, das aber schon dannzumal längst vergriffen bzw. nur noch antiquarisch erhältlich war. Meine Büchergestelle platzen auch ohne (oder mit nur wenigen) Büchern aus zweiter Hand aus allen Nähten, so dass dieses Buch über zwanzig Jahre einen Stammplatz auf meiner ewigen Wunschliste hatte.
Dank der aktuellen Neuauflage des ersten Teils der Originalausgabe des Buches, kann ich es dort nun herauslöschen - nicht ohne nach der Lektüre festzustellen, dass sich das lange Warten gelohnt hat. Ein nicht unbedeutender Teil des Charmes dieses Büchleins ist nach meinem Empfinden darauf zurückzuführen, dass es vor über fünfzig Jahren verfasst worden ist. Und zuletzt hoffe ich, dass der zweite Teil der Ausgabe aus dem Jahr 1958 demnächst auch noch neu aufgelegt und die Reihe der immer wieder bemerkenswerten Gartenlesebücher vom Schöffling Verlag noch lange weitergeführt wird.
Gabriele Tergit:
Der alte Garten
Schöffling und Co., 2014
19. März 2014
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos): Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
In ihrer aktuellsten Publikation hat sich Heidi Howcroft auf die Spuren von bedeutenden Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihren Gärten begeben. Thematisch gegliedert in die Kapitel „Von den Meisterinnen lernen“, „Geerbt, gebaut, gepflanzt – die neuen Gärten“ und „Einflüsse von der grünen Insel“ stellt sie die nachstehend aufgeführten Gartenikonen vor und zeigt auf, von welchen Einflüssen diese selber geprägt waren, wie sie ihre eigenen Ideen umgesetzt und wie sich ihre Gartenstile weiterverbreitet haben:
Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.
Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.
Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.
Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.
Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.
So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos):
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2014
Rosamund Wallinger, Vita Sackville-West, Beatrix Havergal, Margery Fish, Rosemary Verey, Beth Chatto, Mary Keen, Anne Chambers, Gill Richardson, Lady Xa Tolemache, Rachel James, Rosanna James, Sue Whittington und Helen Dillon.
Zumindest einige dieser Gartengestalterinnen sind einem auch hierzulande bekannt, wenn man sich ein wenig mit der Gartenwelt beschäftigt. Doch auch in deren Portraits gibt’s Informationen zum (Wieder-)Entdecken. So weist die Autorin darauf hin, dass Rosemary Verey mit der Anlage ihres berühmten Potagers in Barnsley Garden den Boden dafür (mit-)geebnet hat, dass der Gemüseanbau heute wieder vorzeigbar ist. Falls Sie Rosen mögen, ist ihnen die Kiftsgate-Rose wahrscheinlich nicht unbekannt. Die ebenfalls portraitierte Anne Chambers gärtnert in der dritten Generation in Kiftsgate Court Gardens, wo seit rund achtzig Jahren das „Original“ der Kiftsgate-Rose wächst. Diese Pflanze wurde einst in einer Gärtnerei als Moschata-Rose gekauft, später als unbekannte Form identifiziert und schliesslich von Graham Thomas auf den Namen „Kiftsgate“ getauft.
Rosamund Wallinger hat die bemerkenswerte Herausforderung angenommen, ohne gärtnerische Kenntnisse die Wiederherstellung eines verwilderten Getrude Jekyll-Gartens in Angriff zu nehmen. Als Basis dienten ihr Pläne und alte Fotografien. Die schwierige Aufgabe hat sie mehr als souverän gelöst. Sie betont aber unermüdlich, dass der Garten Upton Grey eine Nachbildung von Gertrude Jekylls Kunst ist und keinesfalls ihre eigene Kunst. Über ihre eigenen hortikulturellen Erfahrungen hat sie zwei (englische) Bücher verfasst, die zusammen mit verschiedenen anderen Titeln in der Literaturliste im Anhang des Buches aufgeführt werden.
Auch in England sind die klimatischen Bedingungen nicht überall (annähernd) perfekt für gärtnerische Erfolge. Gill Richardson kämpft in Lincolnshire nicht nur gegen den Ostwind, auch verschiedene Vierbeiner machen ihr das Leben schwer. Muntjaks - kleine Hirsche - haben sich ausgerechnet ihre Helleboren als Lieblingsmahlzeit auserkoren. Doch trotz schwierigen Bedingungen hat die Gärtnerin ein Meisterwerk geschaffen und kombiniert immer wieder andere Pflanzen zu neuen Gartenbildern.
Helen Dillon ist eine bekannte irische Gärtnerin, deren Bücher leider bis jetzt ebenfalls (noch) nicht auf Deutsch übersetzt worden sind. Die Inselgärtnerin löst mit oft radikalen Veränderungen im Garten immer wieder Kopfschütteln aus. Denn viele Zeitungsleser kennen ihr grünes Reich aus Dillons regelmässig publizierten Kolumnen und scheinen oft deutlich weniger experimentierfreudig zu sein, als die Gestalterin selber. Diese ersetzt schon mal den Rasen durch ein formales Wasserbecken und stellt nach dem Entdecken der silbern bepflanzten Blumenrabatten in Metz die heimische Farbpalette nicht nur in Frage, sondern empfindet diese plötzlich als stark verbesserungswürdig. In Frankreich lohnt es sich übrigens nicht nur in Metz, "Blumeninseln“ genauer zu betrachten – u.a. auch in Nancy, Lyon und Paris finden sich in kommunalen Anlagen harmonisch abgestimmte Staudenkombinationen.
So wie diese für die englische Gartenbewegung prägenden Gärtnerinnen Kenntnisse über das Anlegen von stimmungsvollen Blumengärten wenigstens zum Teil von Vorfahren, Gleichgesinnten und aus Publikationen wie etwa Russel Pages „The Education of a Gardener“ übernommen haben, kann der Leser in diesem prächtig illustrierten Band Inspirationen für den eigenen Garten übernehmen. Oder zumindest von stimmigen Kombinationen in Farbe und Struktur träumen. Die wunderschöne Verbindung von Himalaya-Mohn mit Akeleien wird hierzulande ziemlich sicher leider nicht in der abgebildeten Pracht gedeihen, aber vielleicht lohnt sich ein Versuch mit einem Laubengang aus Wicken? Den Abschluss der mehrseitigen Portraits bilden jeweils ein von passenden Fotos begleiteter Leitfaden sowie Hinweise auf Leitpflanzen und ein Leitmotiv der jeweiligen Gärtnerin. So sieht Sue Whittington in jedem Pflanzenverlust die Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Heidi Howcroft (Text) und Marianne Majerus (Fotos):
Englische Gartenikonen – Die Schöpferinnen des englischen Gartenstils und ihre Gärten
Callwey Verlag, 2014
15. März 2014
Zuletzt ausgelesen: Lucinda Riley – Die Mitternachtsrose
Lucinda Riley besetzt mit ihren Büchern regelmässig vordere Plätze in den Bestseller-Listen. Zuletzt habe ich hier im Blog von dieser Autorin "Der Lavendelgarten" und "Das Orchideenhaus" vorgestellt. Die aktuellste Publikation „Die Mitternachtsrose“ ist in vielen Buchhandlungen fast übertrieben omnipräsent und ausführliche Rezensionen finden sich mit wenigen Klicks im Internet. Deshalb erspare ich mir eine detaillierte Beschreibung, verlinke hier zur Inhaltsangabe auf die Webseite des Verlags und beschränke meine Zeilen auf die (geringen) hortikulturellen Vorkommnisse auf den knapp 600 Seiten dieses Romans.
Das alte, etwas heruntergekommene Herrenhaus Astbury dient als Kulisse für einen Film, der in den 1920er Jahren spielt. Umgeben wird das Anwesen von einem Blumengarten, viel Rasen und einem Park. Eine Orangerie beherbergte einst unzählige exotische Mitbringsel aus aller Welt. Aktuell kümmert sich ein traurig und einsam wirkender Gärtner um die Pflanzen, zu denen auch die titelgebende Mitternachtsrose gehört. Deren samtigen Blüten erscheinen fast schwarz, erscheinen zuverlässig und verwandeln die alte Pflanze in ein Schmuckstück.
Im Lauf der Lektüre wird die Leserin Zeugin, wie ein Ableger dieses dornigen Rosenbuschs vor ein Cottage in der Nähe des Herrenhausses gepflanzt wird. Neben diesem Häuschen stand dannzumal ein kleines Gewächshaus, in und neben dem eine kräuterkundige Frau Heilpflanzen angebaut und mit den Kräutern vielen Menschen geholfen hat.
Ein Roman, um ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit, in dem sich Vergangenheit und Fiktion vermischen und die Leserin nebenbei Einblick in die indische Kultur und in englische Gepflogenheiten in der beschriebenen Zeit erhält.
Lucinda Riley:
Die Mitternachtsrose
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
Das alte, etwas heruntergekommene Herrenhaus Astbury dient als Kulisse für einen Film, der in den 1920er Jahren spielt. Umgeben wird das Anwesen von einem Blumengarten, viel Rasen und einem Park. Eine Orangerie beherbergte einst unzählige exotische Mitbringsel aus aller Welt. Aktuell kümmert sich ein traurig und einsam wirkender Gärtner um die Pflanzen, zu denen auch die titelgebende Mitternachtsrose gehört. Deren samtigen Blüten erscheinen fast schwarz, erscheinen zuverlässig und verwandeln die alte Pflanze in ein Schmuckstück.
Im Lauf der Lektüre wird die Leserin Zeugin, wie ein Ableger dieses dornigen Rosenbuschs vor ein Cottage in der Nähe des Herrenhausses gepflanzt wird. Neben diesem Häuschen stand dannzumal ein kleines Gewächshaus, in und neben dem eine kräuterkundige Frau Heilpflanzen angebaut und mit den Kräutern vielen Menschen geholfen hat.
Ein Roman, um ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit, in dem sich Vergangenheit und Fiktion vermischen und die Leserin nebenbei Einblick in die indische Kultur und in englische Gepflogenheiten in der beschriebenen Zeit erhält.
Lucinda Riley:
Die Mitternachtsrose
Wilhelm Goldmann Verlag, 2013
11. März 2014
Sarah Jio: The Last Camellia
Um die Jahrtausendwende zieht die Amerikanerin Addison mit ihrem Mann Rex in das englische Herrenhaus Livingston Manor, das ihre Schwiegereltern kürzlich erworben haben. Die junge Frau führt ein eigenes Landschaftsgestaltungsbüro und wird gleich vom riesigen Garten, der die Liegenschaft umgibt, magisch angezogen. Während ihr Mann vom Landsitz inspiriert ein neues Buch schreibt, vertieft sich Addison in das Buch „The Years“ von Virginia Woolf, das einst einer Frau namens Flora gehört hat. Neben dem eigentlichen Text fasziniert sie besonders die Widmung einer Georgia auf der ersten Seite: „The true oft he matter is that we always know the right thing to do. The hard part is doing it“. Wer waren Flora und Georgia?
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Sarah Jio:
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
Weitere Rätsel geben Addison der Fund eines alten Gartenbuchs auf, in dem auf einem Gartenplan neben vielen verschiedenen Kamelien unerklärliche Codes eingetragen sind. Addison setzt sich per Email mit einer befreundeten Botanikerin in Verbindung und erfährt Hintergrundwissen über eine ganz besondere Kamelie, die den Namen „Middlebury Pink“ trägt. Weitere Nachforschungen die Vergangenheit ihres neuen Heims betreffend führen zu einer beträchtlichen Anzahl verschwundener junger Frauen, deren Schicksal nie geklärt worden ist und mit dem sogenannten „Jack the Ripper von Clivebrook“ in Verbindung gebracht werden. In Addison keimt der schreckliche Verdacht auf, dass die Spur dieser Frauen in den Kameliengarten von Livingston Manor führt. Doch auch sie selber trägt ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, das sie in England wieder einholt.
Ein zweiter Erzählstrang führt ins Jahr 1940. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat nämlich bereits eine andere Amerikanerin den gleichen Weg wie Addison von New York auf den ehemaligen Landsitz der Livingstons zurückgelegt. Die verzweifelte Bäckerstochter Flora hat damals keine andere Möglichkeit gesehen, ihre Eltern finanziell zu unterstützen, als auf ein dubioses Angebot einzugehen. Denn während ihre Eltern glauben, Floras ehrenamtliche Tätigkeit im Botanischen Garten von New York habe ihr eine Stelle als Botanikerin in London eingebracht, sieht die Wahrheit nicht ganz so rosig aus. Flora wird nämlich von einem zwielichtigen Mr. Price, der seine eigene betrügerische Tätigkeit schönfärberisch mit „Vermittler“ bezeichnet, als Nanny in die Familie von Lord Livingston eingeschleust. Das Wichtigste an Floras Aufgabe ist nicht die Kinderbetreuung, sondern dass die junge Amerikanerin sich Zutritt in den herrschaftlichen Garten voll besonderer Kamelien verschafft. Sie soll herausfinden, wo ein ganz besonderes seltenes Exemplar der Kamelie“ Middlebury Pink“ wächst, und den Standort rapportieren. Ein zahlungskräftiger Käufer aus dem dritten Reich möchte die weisse Rarität mit pinken Spitzen unbedingt und für jeden Preis erwerben.
Die junge Amerikanerin übernimmt die Betreuung und Erziehung der vier Kinder der auf mysteriöse Weise verstorbenen Lady Anna und schafft es rasch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dank ihrem grünen Daumen wird Flora auch die Pflege der Pflanzen im Gewächshaus von Lady Anna anvertraut. In dem handgeschriebenen Buch „The Camellias of Livingston Manor“ von Anna Livingston findet Flora schliesslich Details zu den preisgekrönten Kamelien der verstorbenen Lady, die sich hauptsächlich durch das Studium von Pflanzenbüchern ein immenses Wissen angeeignet hatte. Zum eigentlichen Garten, in dem viele seltene Pflanzen aus allen Ecken der Welt versammelt sind, bekommt Flora kaum Zugang. Sie beobachtet dort aber nachts wiederholt merkwürdige Vorkommisse und gerät selber unvermittelt in grosse Gefahr, als sie trotz ihrem hortikulturellen Wissen eine Ausrede von wegen wild wachsenden Kartoffeln nicht richtig einordnet.
Sarah Jio:
The Last Camellia
Plume (Penguin Group), 2013
6. März 2014
Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos): Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland
Das Schlaraffenland ist laut Definition im Duden ein märchenhaftes Land für Schlemmer und Faulenzer. Der erste Teil der Bedeutung lässt sich sinnverwandt auf die portraitierten Küchengärtnerinnen und -gärtner in Christa Hasselhorsts neuester Publikation übertragen. Nicht faulenzen, sondern Wissen und zielstrebiges Gärtnern gepaart mit Wetterglück führt zum im Buch vorgeführten Erntesegen. Da passt die Bemerkung aus dem vorgestellten Garten der Familie Paasen: „Welch schöne Arbeit!“. Im gleichen Portrait ist auch der Unterschied in der Wahrnehmung des Begriffs Arbeit zwischen niederländischen und deutschen Gartenbesuchern zu lesen. Während der Deutsche sagt „schön, aber viel Arbeit“, findet der Niederländer „viel schöne Arbeit“.
„Geliebte Küchengärten“ ist das fünfte gemeinschaftliche Buchprojekt von Christa Hasselhorst und Ursel Borstell. Basis für die nun vorliegende Sofareise bildeten Fahrten, die quer durch Deutschland bis in die Schweiz und nach Österreich geführt haben. Die Portraits der fünfundzwanzig Gärten, die den Weg ins Buch gefunden haben, beinhalten neben mundwässernden Fotos und dem Textteil einen Steckbrief mit Daten zu Lage, Besitzer, Grösse, Planung und der Art des Gartens. Vereinzelt sind die Portraits mit Rezepten wie "Sylter Strandsalat" oder "Kartoffel-Eigelb-Raviolo" ergänzt und einige Gärtner verraten Tipps, wie etwa die Zusammensetzung von „Schwester Christas Pflanzenjauche“ oder den Nutzen von zerriebenen, scharfkantigen Eierschalen zur Schneckenbekämpfung.
Die einzelnen Kapitel locken mit Überschriften wie „Hier landet alles auf dem Teller“, „Kabinett für die Kulinarik“ oder „Leckerbissen im Barock-Rahmen“. Dahinter verbergen sich Schreber- Bauern-, Kloster-, Gourmet- oder Landhausgärten in unterschiedlichen Grössen, deren Besitzer sich samt und sonders auch als passionierte Köche entpuppen. Die Autorin bezeichnet einen Gourmetgärtner gleich als Botaniker, Kräuterhexer, Aromen-Exeperten und Würz-Magier in Personalunion.
Ob die vorgestellten Küchengärtner der familiären Tradition verpflichtet sind oder nicht vom Einheitsangebot im Supermarkt abhängig sein wollen - geschätzt wird nicht nur der ausgeprägte Geschmack des selber gezogenen Gemüses, sondern auch die Wirkung aufs Auge. Die Gärten sollen nützlich, gleichzeitig aber auch schön sein. Beliebt sind einerseits "gewöhnliche" Gemüse und traditionelle Klassiker, anderseits aber auch immer öfter Gemüsesorten, die früher saisonal regelmässig aufgetischt wurden, in den letzten Jahrzehnten jedoch aus den Gärten verschwunden sind. In den Gemüserabatten gedeihen Bohnen, Feder- und Palmkohl, Pastinaken und Malabarspinat, aber auch alte Getreidesorten wie Proveisergerste, Zwergweizen und Kolbhirse. Und ganz sicher kommt hier keiner auf die Idee, Obst und Gemüse wegzuwerfen, wie es in unserer Wohlstandsgesellschaft ja leider gang und gäbe ist.
Im Garten Kirsch-Brohmann in Niedersachsen sind wegen ungeeignetem sandigen Boden Blumenkohl und Lauch durch ein prächtiges Mohnmeer ersetzt worden, das Verwendung in Backwaren findet. Trotzdem spendet der Garten dermassen viel Gemüse, so dass das Fleisch eines Tages weggelassen wurde. Nicht in allen präsentierten Gärten kommt das Gemüse nach der Ernte in die Küche und schliesslich auf den Tisch. Sowohl im Schau-Küchengarten Schloss Wildegg wie auch im Allgäuer Saatgut-Garten werden in erster Linie (seltene) Schätze angepflanzt, um Saatgut zu ernten, damit vom Aussterben bedrohte Sorten weitervermehrt werden können.
Im Anhang des Buches finden sich Adressen und Hinweise zu Besuchsmöglichkeiten sowie nützliche Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen und ein Register.
Der Leser erhält in dieser Publikation zahlreiche Anregungen für den eigenen Garten und die heimische Küche. Die stimmigen Fotos wecken schon beim ersten Durchblättern Lust aufs Entdecken der einzelnen Gärten. Die Texte fand ich zuweilen gar knapp bemessen und hätte es geschätzt, etwas mehr über portraitierten Gärtner und ihre Gärten zu erfahren.
Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos):
Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland
Eugen Ulmer Verlag, 2014
„Geliebte Küchengärten“ ist das fünfte gemeinschaftliche Buchprojekt von Christa Hasselhorst und Ursel Borstell. Basis für die nun vorliegende Sofareise bildeten Fahrten, die quer durch Deutschland bis in die Schweiz und nach Österreich geführt haben. Die Portraits der fünfundzwanzig Gärten, die den Weg ins Buch gefunden haben, beinhalten neben mundwässernden Fotos und dem Textteil einen Steckbrief mit Daten zu Lage, Besitzer, Grösse, Planung und der Art des Gartens. Vereinzelt sind die Portraits mit Rezepten wie "Sylter Strandsalat" oder "Kartoffel-Eigelb-Raviolo" ergänzt und einige Gärtner verraten Tipps, wie etwa die Zusammensetzung von „Schwester Christas Pflanzenjauche“ oder den Nutzen von zerriebenen, scharfkantigen Eierschalen zur Schneckenbekämpfung.
Die einzelnen Kapitel locken mit Überschriften wie „Hier landet alles auf dem Teller“, „Kabinett für die Kulinarik“ oder „Leckerbissen im Barock-Rahmen“. Dahinter verbergen sich Schreber- Bauern-, Kloster-, Gourmet- oder Landhausgärten in unterschiedlichen Grössen, deren Besitzer sich samt und sonders auch als passionierte Köche entpuppen. Die Autorin bezeichnet einen Gourmetgärtner gleich als Botaniker, Kräuterhexer, Aromen-Exeperten und Würz-Magier in Personalunion.
Ob die vorgestellten Küchengärtner der familiären Tradition verpflichtet sind oder nicht vom Einheitsangebot im Supermarkt abhängig sein wollen - geschätzt wird nicht nur der ausgeprägte Geschmack des selber gezogenen Gemüses, sondern auch die Wirkung aufs Auge. Die Gärten sollen nützlich, gleichzeitig aber auch schön sein. Beliebt sind einerseits "gewöhnliche" Gemüse und traditionelle Klassiker, anderseits aber auch immer öfter Gemüsesorten, die früher saisonal regelmässig aufgetischt wurden, in den letzten Jahrzehnten jedoch aus den Gärten verschwunden sind. In den Gemüserabatten gedeihen Bohnen, Feder- und Palmkohl, Pastinaken und Malabarspinat, aber auch alte Getreidesorten wie Proveisergerste, Zwergweizen und Kolbhirse. Und ganz sicher kommt hier keiner auf die Idee, Obst und Gemüse wegzuwerfen, wie es in unserer Wohlstandsgesellschaft ja leider gang und gäbe ist.
Im Garten Kirsch-Brohmann in Niedersachsen sind wegen ungeeignetem sandigen Boden Blumenkohl und Lauch durch ein prächtiges Mohnmeer ersetzt worden, das Verwendung in Backwaren findet. Trotzdem spendet der Garten dermassen viel Gemüse, so dass das Fleisch eines Tages weggelassen wurde. Nicht in allen präsentierten Gärten kommt das Gemüse nach der Ernte in die Küche und schliesslich auf den Tisch. Sowohl im Schau-Küchengarten Schloss Wildegg wie auch im Allgäuer Saatgut-Garten werden in erster Linie (seltene) Schätze angepflanzt, um Saatgut zu ernten, damit vom Aussterben bedrohte Sorten weitervermehrt werden können.
Im Anhang des Buches finden sich Adressen und Hinweise zu Besuchsmöglichkeiten sowie nützliche Bezugsquellen für Saatgut und Pflanzen und ein Register.
Der Leser erhält in dieser Publikation zahlreiche Anregungen für den eigenen Garten und die heimische Küche. Die stimmigen Fotos wecken schon beim ersten Durchblättern Lust aufs Entdecken der einzelnen Gärten. Die Texte fand ich zuweilen gar knapp bemessen und hätte es geschätzt, etwas mehr über portraitierten Gärtner und ihre Gärten zu erfahren.
Christa Hasselhorst (Text) und Ursell Borstell (Fotos):
Geliebte Küchengärten – Eine Reise durchs Schlaraffenland
Eugen Ulmer Verlag, 2014
1. März 2014
Gabriele Hefele: Mein andalusischer Gärtner
Im Jahr 2000 ziehen Gabriele Hefele und ihr Mann nach Andalusien auf eine Finca mit rund 34‘000 Quadratmetern Umschwung. Hier sammelt die ungeduldige Autorin ihre ersten hortikulturellen Erfahrungen im Gemüsegarten, den sie etwas voreilig noch während Umbauarbeiten anlegt. Doch die Grösse des Geländes macht die Anstellung eines Gärtners notwendig.
Zwar ist nicht gleich der erste unter Vertrag genommene Gärtner ein Glücksgriff, aber mit dem im Buch Miguel genannten Arbeiter haben die Auswanderer eine gute Wahl getroffen. Er weiss nicht nur genau, welche Bäume zur Befruchtung einen Partnerbaum brauchen (etwa Johannisbrotbäume), welche Bäume man im Sommer nicht giessen soll (gibt Würmer in den Früchten) und was es mit den zuckerwatteähnlichen Gebilden auf Pinien auf sich hat (gefährliche Parasiten, die Allergieschocks auslösen können), sondern führt die Deutschen in der vormittäglichen Kaffeepause auch in die andalusische Kultur ein, hilft beim Überwinden von gelegentlich auftretenden Sprachbarrieren und betätigt sich als Lehrer in Sachen Geschichte der Iberischen Halbinsel.
Auch der Leser lernt nebenbei etwas Spanisch, da viele Ausdrücke in dieser Sprache festgehalten werden. Daneben gibt’s viele Garten- und Tiertipps zu lesen, wobei diese natürlich vorwiegend die südliche Hemisphäre betreffen, und nur beschränkt im nördlicheren Europa anzuwenden sind. Die Ratschläge, die Mondphasen zu beachten und vor dem Giessen um die Pflanzen Mulden zu bilden, dank denen vor allem bei grosser Hitze das kostbare Wasser direkt an die Wurzeln gelangen soll, sind aber auch in hiesigen Gefilden sinnvoll, während Hinweise für den besten Zeitpunkt fürs Umpflanzen nicht eins zu eins übernommen werden kann.
Daneben liest man auch mal einen juristischen Tipp (über angeeignetes Besitztum aus Gewohnheitsrecht), über vergnügliche Flamenco-Lektionen, immer wieder über die fast heilige Neun-Uhr-Pause und über Erfahrungen, die das Leben schreibt. Nämlich zum Beispiel die, dass sich der Südländer lösungs- und der Nord- und Mitteleuropäer vorschriftenorientiert verhält.
Am Schluss dieser Anekdotensammlung stehen Komplimente des andalusischen Gärtners Miguel an seine deutschen Arbeitgeber. Nicht zu übertreffen soll die Tatsache sein, dass er schon über vier Jahre bei ihnen arbeitet. So lange hat er es (der nicht mehr 25 Jahre alt ist), noch an keiner Stelle ausgehalten. Miguel verteilt am Schluss der Lektüre nicht nur Komplimente. Er verrät auch noch, ob die Autorin tatsächlich eine überzeugte Gärtnerin ist oder eher nicht.
Fünf Jahre nach der Publikation dieses Büchleins bleibt offen, ob der andalusische Gärtner heute noch auf der Finca arbeitet. Und ob Die Flamenco-Kleider-Sammlung der Autorin inzwischen ähnliche Ausmasse angenommen hat, wie die Dirndl-Sammlung in Bayern…
Gabriele Hefele:
Mein andalusischer Gärtner
Editorial alhulia, 2008
Zwar ist nicht gleich der erste unter Vertrag genommene Gärtner ein Glücksgriff, aber mit dem im Buch Miguel genannten Arbeiter haben die Auswanderer eine gute Wahl getroffen. Er weiss nicht nur genau, welche Bäume zur Befruchtung einen Partnerbaum brauchen (etwa Johannisbrotbäume), welche Bäume man im Sommer nicht giessen soll (gibt Würmer in den Früchten) und was es mit den zuckerwatteähnlichen Gebilden auf Pinien auf sich hat (gefährliche Parasiten, die Allergieschocks auslösen können), sondern führt die Deutschen in der vormittäglichen Kaffeepause auch in die andalusische Kultur ein, hilft beim Überwinden von gelegentlich auftretenden Sprachbarrieren und betätigt sich als Lehrer in Sachen Geschichte der Iberischen Halbinsel.
Auch der Leser lernt nebenbei etwas Spanisch, da viele Ausdrücke in dieser Sprache festgehalten werden. Daneben gibt’s viele Garten- und Tiertipps zu lesen, wobei diese natürlich vorwiegend die südliche Hemisphäre betreffen, und nur beschränkt im nördlicheren Europa anzuwenden sind. Die Ratschläge, die Mondphasen zu beachten und vor dem Giessen um die Pflanzen Mulden zu bilden, dank denen vor allem bei grosser Hitze das kostbare Wasser direkt an die Wurzeln gelangen soll, sind aber auch in hiesigen Gefilden sinnvoll, während Hinweise für den besten Zeitpunkt fürs Umpflanzen nicht eins zu eins übernommen werden kann.
Daneben liest man auch mal einen juristischen Tipp (über angeeignetes Besitztum aus Gewohnheitsrecht), über vergnügliche Flamenco-Lektionen, immer wieder über die fast heilige Neun-Uhr-Pause und über Erfahrungen, die das Leben schreibt. Nämlich zum Beispiel die, dass sich der Südländer lösungs- und der Nord- und Mitteleuropäer vorschriftenorientiert verhält.
Am Schluss dieser Anekdotensammlung stehen Komplimente des andalusischen Gärtners Miguel an seine deutschen Arbeitgeber. Nicht zu übertreffen soll die Tatsache sein, dass er schon über vier Jahre bei ihnen arbeitet. So lange hat er es (der nicht mehr 25 Jahre alt ist), noch an keiner Stelle ausgehalten. Miguel verteilt am Schluss der Lektüre nicht nur Komplimente. Er verrät auch noch, ob die Autorin tatsächlich eine überzeugte Gärtnerin ist oder eher nicht.
Fünf Jahre nach der Publikation dieses Büchleins bleibt offen, ob der andalusische Gärtner heute noch auf der Finca arbeitet. Und ob Die Flamenco-Kleider-Sammlung der Autorin inzwischen ähnliche Ausmasse angenommen hat, wie die Dirndl-Sammlung in Bayern…
Gabriele Hefele:
Mein andalusischer Gärtner
Editorial alhulia, 2008
24. Februar 2014
Anne Wareham: The Bad Tempered Gardener
Ann Wareham hat mit „The Bad Tempered Gardener“ gleichzeitig eines der spezielleren wie auch der lesenswertesten Gartenbücher der letzten Jahre geschrieben. Auf rund 160 Seiten tut sie ihre Meinung zu den verschiedensten hortikulturellen Themen kund und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Logisch, dass sie sich damit nicht nur Freunde macht. Erwarten Sie also weder ein „how-to-do-book“ noch eines, in dem die Aussagen eins zu eins mit üblicherweise verbreiteten, oft geschönten und/oder immer wieder ungeprüft übernommenen Ansichten übereinstimmen. Und vielleicht geht es ihnen ja wie der Sofagärtnerin und Sie denken während der Lektüre immer mal wieder, Sie selber hätten der Autorin Teile des Textes vordiktiert oder zumindest Gedankenanstösse geliefert.
Die Titel der Kapitel in unterschiedlichen Längen erscheinen ganz unverfänglich und lauten etwa:
- Plant Obssessives
- Deadheading
- New Media
- The Veg Plot
- Show Gardens
- Visitors oder
- A History of the Site
Einzelne Überschriften lassen aber doch schon etwas Aufmüpfigkeit durchschimmern:
- Truth and The Garden World
- I hate Gardening
- Experts und
- Are Gardens for Gardeners?
Für sie enttäuschende Besuche in bekannten und vielgelobten Gartenanlagen führen der Autorin vor Augen, dass ihr eigener Garten mit strenge Linien und Mustern strukturiert sein muss. Grösstmögliche Wirkung erzielt sie mit Wiederholungen von unzähligen gleichen Pflanzen und sie will keinesfalls einen Sammlergarten anlegen. Da nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um einen vergleichsweise grossen Garten mit Grünzeug zu füllen, nutzt Anne Wareham Pflanzen gewissermassen als Waffen, die grosse Flächen schnell und günstig überwachsen sollen.
Anne Wareham ist selber nicht unendlich fasziniert von Pflanzen, sondern betrachtet diese in erster Linie als Werkzeug, um ihre Ideen von Gartengestaltung umzusetzen. Ihre Vorliebe gilt nicht minimalen Unterschieden in Blüte und Struktur, sondern grosszügigen Effekten. So beklagen sich ihre Gartenbesucher immer mal wieder über ihre angeblich langweiligen Pflanzen. Doch wem muss der Garten eigentlich gefallen? Der Gärtnerin oder dem Besucher?
Gartenwege sind mit Enttäuschungen gepflastert. Die Autorin selber liebt Showgärten – aber nicht wegen der dort präsentierten Gärten, sondern wegen der Begegnungen. Und sie ist selber enttäuscht, wenn sie in der Gärtnerei ein Auge auf eine bestimmte Pflanze geworfen hat, und sich diese als unverkäufliche Mutterpflanze entpuppt. In ihrer Tätigkeit als Journalistin hat sie ausserdem gelernt, von ihr verfasste Text nie in der endgültigen oft zur Unkenntlichkeit gekürzten Druckversion zu lesen, um sich so manchen Dämpfer zu ersparen. Ebenfalls ein Thema sind die unterschiedlichen Status von Gartenschriftstellern, Gartenbesitzern und Fotografen, die in direktem Zusammenhang damit stehen, dass die meisten Leser nicht lesen, sondern Bilder anschauen (darum heisst es ja auch lesen …).
Die Autorin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Sendungen und macht sich Gedanken die Veränderung von Technologien und die Auswirkungen von Neuen Medien wie Blogs und Twitter auf das Gärtnern. Für ihre Idee, ein Buch mit ungeschönten Kritiken über Gärten zu verfassen, fand sie bis jetzt keinen Verleger. Doch ist wirklich alles Mainstream? Die Geschmäcker und Ansprüche sind nun mal wie die Hintergründe und Erwartungen der Betrachter verschieden.
Weiter berichtet Anne Wareham offen über ihre eigenen Erfahrungen mit (unbefriedigenden) Chemieeinsätzen im Garten und listet Tätigkeiten auf, die sie nie erledigt. Dazu gehören das Wenden des Komposts, Blumentöpfe schrubben, Rasenkanten schneiden und das Reinigen von Gartenwerkzeug. Sie erzählt von (beinah) gebrochenem Herzen, wenn Kaninchen in kürzester Zeit mühsam gezogene Pflänzlein zerstören, von der Leere, die sie empfindet, wenn sie Gartensendungen mit vielen hübschen Bildern und wenig Informationsgehalt im Fernsehen ansieht und vom Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Gastgebern und Besuchern in offenen Gärten.
Aus den Fotos im Buch ist unschwer zu erkennen, dass der Garten der Autorin viel Schneidearbeit mit sich bringt. Kein Wunder ist in dieser Publikation nicht von Gelassenheit und pflegeleichten Gärten die Rede, sondern von vergänglichem Enthusiasmus sowie Kummer und Anstrengung (aber natürlich auch von Erfolgserlebnissen und der Liebe zur Natur!). Und Anne Wareham vergleicht die Hausarbeit mit Gärtnern und meint, staubfrei sei identisch mit unkrautfrei. Stimmt nicht! Oder vielleicht doch ein bisschen?
Anne Wareham:
The Bad Tempered Gardener
Frances Lincoln, 2011
Die Titel der Kapitel in unterschiedlichen Längen erscheinen ganz unverfänglich und lauten etwa:
- Plant Obssessives
- Deadheading
- New Media
- The Veg Plot
- Show Gardens
- Visitors oder
- A History of the Site
Einzelne Überschriften lassen aber doch schon etwas Aufmüpfigkeit durchschimmern:
- Truth and The Garden World
- I hate Gardening
- Experts und
- Are Gardens for Gardeners?
Für sie enttäuschende Besuche in bekannten und vielgelobten Gartenanlagen führen der Autorin vor Augen, dass ihr eigener Garten mit strenge Linien und Mustern strukturiert sein muss. Grösstmögliche Wirkung erzielt sie mit Wiederholungen von unzähligen gleichen Pflanzen und sie will keinesfalls einen Sammlergarten anlegen. Da nur beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um einen vergleichsweise grossen Garten mit Grünzeug zu füllen, nutzt Anne Wareham Pflanzen gewissermassen als Waffen, die grosse Flächen schnell und günstig überwachsen sollen.
Anne Wareham ist selber nicht unendlich fasziniert von Pflanzen, sondern betrachtet diese in erster Linie als Werkzeug, um ihre Ideen von Gartengestaltung umzusetzen. Ihre Vorliebe gilt nicht minimalen Unterschieden in Blüte und Struktur, sondern grosszügigen Effekten. So beklagen sich ihre Gartenbesucher immer mal wieder über ihre angeblich langweiligen Pflanzen. Doch wem muss der Garten eigentlich gefallen? Der Gärtnerin oder dem Besucher?
Gartenwege sind mit Enttäuschungen gepflastert. Die Autorin selber liebt Showgärten – aber nicht wegen der dort präsentierten Gärten, sondern wegen der Begegnungen. Und sie ist selber enttäuscht, wenn sie in der Gärtnerei ein Auge auf eine bestimmte Pflanze geworfen hat, und sich diese als unverkäufliche Mutterpflanze entpuppt. In ihrer Tätigkeit als Journalistin hat sie ausserdem gelernt, von ihr verfasste Text nie in der endgültigen oft zur Unkenntlichkeit gekürzten Druckversion zu lesen, um sich so manchen Dämpfer zu ersparen. Ebenfalls ein Thema sind die unterschiedlichen Status von Gartenschriftstellern, Gartenbesitzern und Fotografen, die in direktem Zusammenhang damit stehen, dass die meisten Leser nicht lesen, sondern Bilder anschauen (darum heisst es ja auch lesen …).
Die Autorin berichtet von ihren eigenen Erfahrungen mit der Produktion von TV-Sendungen und macht sich Gedanken die Veränderung von Technologien und die Auswirkungen von Neuen Medien wie Blogs und Twitter auf das Gärtnern. Für ihre Idee, ein Buch mit ungeschönten Kritiken über Gärten zu verfassen, fand sie bis jetzt keinen Verleger. Doch ist wirklich alles Mainstream? Die Geschmäcker und Ansprüche sind nun mal wie die Hintergründe und Erwartungen der Betrachter verschieden.
Weiter berichtet Anne Wareham offen über ihre eigenen Erfahrungen mit (unbefriedigenden) Chemieeinsätzen im Garten und listet Tätigkeiten auf, die sie nie erledigt. Dazu gehören das Wenden des Komposts, Blumentöpfe schrubben, Rasenkanten schneiden und das Reinigen von Gartenwerkzeug. Sie erzählt von (beinah) gebrochenem Herzen, wenn Kaninchen in kürzester Zeit mühsam gezogene Pflänzlein zerstören, von der Leere, die sie empfindet, wenn sie Gartensendungen mit vielen hübschen Bildern und wenig Informationsgehalt im Fernsehen ansieht und vom Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Gastgebern und Besuchern in offenen Gärten.
Aus den Fotos im Buch ist unschwer zu erkennen, dass der Garten der Autorin viel Schneidearbeit mit sich bringt. Kein Wunder ist in dieser Publikation nicht von Gelassenheit und pflegeleichten Gärten die Rede, sondern von vergänglichem Enthusiasmus sowie Kummer und Anstrengung (aber natürlich auch von Erfolgserlebnissen und der Liebe zur Natur!). Und Anne Wareham vergleicht die Hausarbeit mit Gärtnern und meint, staubfrei sei identisch mit unkrautfrei. Stimmt nicht! Oder vielleicht doch ein bisschen?
Anne Wareham:
The Bad Tempered Gardener
Frances Lincoln, 2011
19. Februar 2014
Lucie Flebbe: Das fünfte Foto
In einer Reihenhaussiedlung im Bochumer Stadtteil Gerthe ist eine Frau seit ungefähr drei Wochen nicht mehr gesehen worden. Es ist aber nicht der Ehemann, der sie vermisst und die Privatdetektei Danner und Ziegler einschaltet, sondern zwei besorgte Nachbarinnen. Währenddessen begibt sich der unbesorgt wirkende Ehemann jeden Morgen mit einem ausreichend grossen Biervorrat in den Schrebergarten und legt abends betrunken die gleiche Strecke in die andere Richtung wieder zurück.
Die Ich-Erzählerin Lila, Tochter eines handgreiflichen Staatsanwalts und einer Luxustrinkerin und seit frühester Kindheit eine Aussenseiterin (früher mit lila Haaren, aktuell immer mit lila Schlabberpulli), empfindet die nachbarschaftliche Fürsorge eigentlich deutlich übertrieben. Doch die Nachbarinnen wollen in der Wohnung der verschwundenen Sabine Kopelski Blut entdeckt haben, worauf sich die beiden Detektive ebenfalls mit einem Reserveschlüssel Zutritt verschaffen und mit einer UV-Lampe „Superlicht 400“ Spuren suchen. Während die aus dem Haus mitgenommenen Beweisstücke untersucht werden, pachten die beiden Detektive einen brachliegenden, völlig vernachlässigten Schrebergarten in der Kolonie „Zum friedlichen Nachbarn“, der direkt an die Parzelle der Kopelskis grenzt.
Das Ermittler-Duo Danner und Ziegler besteht aus dem meist unrasierten Glatzkopf Ben Danner und der deutlich jüngeren 20jährigen Lila Ziegler mit einer Vorliebe für die Farbe Lila. Die beiden unterschiedlichen Charakterköpfe leben zusammen und teilen die Abneigung, sich im Haushalt nützlich zu machen. Dafür übernehmen die beiden Schnüffler neben den Ermittlungen im Schrebergartenmillieu auch gleich noch den verwaisten Zeitungsausträgerjob der verschwundenen Sabine Kopelski und finden rasch heraus, dass die Vermisste in einem Wettbewerb ein teures Auto gewonnen haben soll.
Das Mietobjekt im Schrebergarten entpuppt sich als dschungelähnliches Grundstück voller Brennnesseln und Schlingpflanzen. Doch wenn genügend Bier ausgeschenkt und Bratwürstchen spendiert werden, kommen die Schrebergärtner der angrenzenden Grundstücke immer wieder gerne tatkräftig zur Hilfe und gleichzeitig lässt sich einiges erfahren. In den anderen Parzellen lassen sich gepflegter Rasen und Obstbäume entdecken, aber auch eine gefährliche Geisterschildkröte im Teich und nach amerikanischem Vorbild angelegte Gärten (ungemähtes Gras als Synonym für Präriegras und ein kleiner Teich, der einen kanadischen Bergsee imitiert) oder zu knorrigen Bonsais gestutzte japanischen Ahorne und mindestens so akkurat geschnittene Buchbaumwände. Verdächtig erscheint der neue Teich im Garten der Kopelskis.
Klick – der Kriminalroman wird immer wieder unterbrochen durch ge- und beschriebene Fotos und der Leser fragt sich, werde der Fotograf ist, der rundherum teilweise recht intime Fotos macht – nämlich von den verschiedenen Nachbarn aus der Reihenhaussiedlung, von den Schrebergärtnern und vom auffallend häufig vorfahrenden Pizzakurier.
Lila Ziegler ist botanisch nicht sehr versiert und hat zunächst nicht einmal eine Ahnung, worum es sich bei einem besonders hübschen fünfblättrigen Palmengewächs handelt, das einen Zimmergarten dominiert. Die junge Frau, die bis anhin überhaupt keine Übung hat in Gesprächen unter Frauen, macht während des Buches eine grosse persönliche Entwicklung durch und verwandelt sich vom Opfer in eine selbstbewusste junge Frau, die plötzlich Wert auf ihr Aussehen legt. Daneben liest man auch noch den einen oder anderen Gartentipp und erfährt etwa, wie oder besser worauf man Teichfolien besser nicht verlegt (nämlich auf Spraydosen und anderem Schrott, den man nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ bei dieser „praktischen“ Gelegenheit gleich verschwinden lassen will).
Lucie Flebbe:
Das fünfte Foto
Grafit Verlag, 2013
Die Ich-Erzählerin Lila, Tochter eines handgreiflichen Staatsanwalts und einer Luxustrinkerin und seit frühester Kindheit eine Aussenseiterin (früher mit lila Haaren, aktuell immer mit lila Schlabberpulli), empfindet die nachbarschaftliche Fürsorge eigentlich deutlich übertrieben. Doch die Nachbarinnen wollen in der Wohnung der verschwundenen Sabine Kopelski Blut entdeckt haben, worauf sich die beiden Detektive ebenfalls mit einem Reserveschlüssel Zutritt verschaffen und mit einer UV-Lampe „Superlicht 400“ Spuren suchen. Während die aus dem Haus mitgenommenen Beweisstücke untersucht werden, pachten die beiden Detektive einen brachliegenden, völlig vernachlässigten Schrebergarten in der Kolonie „Zum friedlichen Nachbarn“, der direkt an die Parzelle der Kopelskis grenzt.
Das Ermittler-Duo Danner und Ziegler besteht aus dem meist unrasierten Glatzkopf Ben Danner und der deutlich jüngeren 20jährigen Lila Ziegler mit einer Vorliebe für die Farbe Lila. Die beiden unterschiedlichen Charakterköpfe leben zusammen und teilen die Abneigung, sich im Haushalt nützlich zu machen. Dafür übernehmen die beiden Schnüffler neben den Ermittlungen im Schrebergartenmillieu auch gleich noch den verwaisten Zeitungsausträgerjob der verschwundenen Sabine Kopelski und finden rasch heraus, dass die Vermisste in einem Wettbewerb ein teures Auto gewonnen haben soll.
Das Mietobjekt im Schrebergarten entpuppt sich als dschungelähnliches Grundstück voller Brennnesseln und Schlingpflanzen. Doch wenn genügend Bier ausgeschenkt und Bratwürstchen spendiert werden, kommen die Schrebergärtner der angrenzenden Grundstücke immer wieder gerne tatkräftig zur Hilfe und gleichzeitig lässt sich einiges erfahren. In den anderen Parzellen lassen sich gepflegter Rasen und Obstbäume entdecken, aber auch eine gefährliche Geisterschildkröte im Teich und nach amerikanischem Vorbild angelegte Gärten (ungemähtes Gras als Synonym für Präriegras und ein kleiner Teich, der einen kanadischen Bergsee imitiert) oder zu knorrigen Bonsais gestutzte japanischen Ahorne und mindestens so akkurat geschnittene Buchbaumwände. Verdächtig erscheint der neue Teich im Garten der Kopelskis.
Klick – der Kriminalroman wird immer wieder unterbrochen durch ge- und beschriebene Fotos und der Leser fragt sich, werde der Fotograf ist, der rundherum teilweise recht intime Fotos macht – nämlich von den verschiedenen Nachbarn aus der Reihenhaussiedlung, von den Schrebergärtnern und vom auffallend häufig vorfahrenden Pizzakurier.
Lila Ziegler ist botanisch nicht sehr versiert und hat zunächst nicht einmal eine Ahnung, worum es sich bei einem besonders hübschen fünfblättrigen Palmengewächs handelt, das einen Zimmergarten dominiert. Die junge Frau, die bis anhin überhaupt keine Übung hat in Gesprächen unter Frauen, macht während des Buches eine grosse persönliche Entwicklung durch und verwandelt sich vom Opfer in eine selbstbewusste junge Frau, die plötzlich Wert auf ihr Aussehen legt. Daneben liest man auch noch den einen oder anderen Gartentipp und erfährt etwa, wie oder besser worauf man Teichfolien besser nicht verlegt (nämlich auf Spraydosen und anderem Schrott, den man nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ bei dieser „praktischen“ Gelegenheit gleich verschwinden lassen will).
Lucie Flebbe:
Das fünfte Foto
Grafit Verlag, 2013
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