Die 42jährige Kriminaloberkommissarin Eva Ritter hat vor drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen ihren Dienst quittiert und arbeitet nun mit geregelten Arbeitszeiten als Risk-Management-Beraterin. Mit dem Jobwechsel einher ging für sie die Annahme, sich nie mehr prüfend vor einer Leiche zu finden. Doch nun stösst sie in der Gartengerätebox eines Kleingartens auf eine verrenkte männliche Leiche. Der ungefähr dreissig Jahre alte Verstorbene kommt ihr irgendwie bekannt vor. So hatte sie sich die Gartensaison-Eröffnung, die als Sektfrühstück im Grünen gedacht war, nun wirklich nicht vorgestellt.
Wider Willen nimmt Eva Ritter das Auffinden der Leiche persönlich und gleichzeitig die Herausforderung an, den Mörder zu finden. Nachforschungen führen in die Frankfurter Finanzwelt und in die sogenannt besseren Kreise. Dass die ehemaligen Kollegen bei der Kripo an Eva Ritters Recherchen, mit denen sie diesen immer einen Schritt voraus zu sein scheint, keine Freude haben, muss nicht speziell betont werden. Obwohl, auch von offiziellen Stellen kann sie ganz inoffiziell auf die eine oder andere Information zählen. Und bevor klar ist, wer hinter dem Mord an Jens Lücker, einem Fondsverwalter und der Nr. 2 der Eurobest-Bank steckt, wird ein zweites Mordopfer entdeckt.
Eva Ritters Freundin Doris kennt sich im Kreis der oberen Zehntausend aus und teilt ihr Insiderwissen gerne. Der als Schürzenjäger bekannte Jens Lücker hat seine Kunden mit hohen Renditeversprechen geködert, die er mit einem Schneeballsystem zu finanzieren gedachte. Seine Gartenlaube hat er erst kürzlich von seinem verstorbenen Vater übernommen und in ein heimliches Privatbüro umfunktioniert.
Die nebenberuflichen Ermittlungen von Eva Ritter wechseln ab mit Einblicken ins Privatleben der Ex-Kommissarin. Vor drei Jahren hat ihr Mann die gemeinsame Wohnung verlassen und kam nie mehr nach Hause. Besonders authentisch werden Eva Ritters Ängste vor der definitiven Diagnose ihrer mysteriösen Muskelerkrankung geschildert. Will oder muss sie tatsächlich wissen, an welcher Krankheit sie leidet? Ohne genaue Diagnose kann die Krankheit allenfalls besser ignoriert werden. Ist die Mörderjagd eine Ablenkung von ihren Sorgen und sollte sie ihre begrenzten Kräfte nicht besser für ihren „richtigen“ Job einsetzen?
Ein Lichtblick im Leben der kranken Frau ist das herzliche Verhältnis zu ihrer 20jährigen Tochter. Gerade letztere sorgt im Lauf der Handlung für einige Überraschungen mit ihrem Beziehungs- und Hormonstatus.
Zwar beschränkt sich der hortikulturelle Hintergrund auf den Fundort der Leiche in der Kleingartenanlage, die Befreiung einer Quitte vom Winterschutz und Blumensamen für einen Gefängnisaufenthalt. Diese Tatsachte sollte aber kein Anlass sein, auf die Lektüre zu verzichten.
Olaf Kolbrück:
Keine feine Gesellschaft
fhl Verlag Leipzig UG, 2012
1. Juni 2014
28. Mai 2014
Zuletzt angefangen zu lesen: Wolfgang Ebert – Die erste Frau
Nach dem Tod ihrer Eltern und sehr unglücklichen Jahren, die sie bei einem Onkel und dessen Familie verbracht hat, kommt Jeanne Baret zum kinderlosen Ehepaar Tierri. Hier blüht sie auf und lernt Freundlichkeit kennen. Obergärtner Henri Tierri arbeitet im prächtigen Garten eines Barons und Jeanne geht ihm oft zur Hand. In diesem Garten Eden lernt sie den Naturforscher Phil Commerson kennen und erhält von diesem das Angebot, zu seiner Familie zu ziehen, und mit ihm zusammen zu arbeiten.
Als Jeanne bei der Familie Commerson eintrifft, haben sich die Umstände geändert. Phil Commerson ist Vater geworden und seine Frau bei der Geburt gestorben. Die wissbegierige Jeanne kümmert sich um das Baby und wird gleichzeitig von ihrem deutlich älteren verwitweten Lehrmeister ausgebildet. Sie liebt es, Samen in die Erde zu stecken und den Blumen beim Wachsen zuzusehen. Commerson seinerseits füllt Herbarien, die sie katalogisieren muss.
Das Zusammenleben der beiden sorgt in der Umgebung für viel Gesprächsstoff. Als Commerson die Gelegenheit erhält, mit Kommandant Louis-Antoine de Bougainville an der ersten französischen Weltumsegelung teilzunehmen, packt er diese beim Schopf. Als Mann verkleidet ist auch Jeanne Baret an Bord des Dreimasters „Etoile“, der Anfang Februar 1767 als Verpflegungsschiff in Rochefort in See sticht.
Jeanne hat bereits mit Pflanzen aus den verschiedensten Ecken der Welt gearbeitet. Diese bedeuten ihr mehr als alles andere und nun hofft sie auf die Gelegenheit, selber neue Schätze zu entdecken. Jean Bonnefoy ist nun ihr Name, und sie lebt in ständiger Angst vor Entlarvung. Während langer Monate fährt sie durch graues und blaues Nichts und vermisst Blütendürfte, Bienensummen und Vogelgezwitscher, statt sich an königlichen Pflanzenparadiesen zu erfreuen. Ob ihr letztes Experiment an Land wohl ein Erfolg geworden ist und die gepflanzte Blumenuhr nach Carl von Linné funktioniert?
Die bisher gelesenen Seiten - etwa zwei Drittel der Lektüre - lassen mich recht zwiespältig zurück, Der schwere und brutale Alltag auf dem Dreimaster wird sehr detailreich geschildert und scheint auf gründlichen Recherchen zu beruhen. Der Schreibstil dünkt mich recht schwerfällig - aber vielleicht überzeugen mich ja die letzten Seiten des Buches mehr?
Über den gleichen geschichtlichen Hintergrund sind schon weitere Bücher geschrieben worden. Die Version von Liv Winterberg mit dem Titel „Vom anderen Ende der Welt“ habe ich hier vorgestellt.
Wolfgang Ebert:
Die erste Frau
Verlag Komplett-Media, 2013
Als Jeanne bei der Familie Commerson eintrifft, haben sich die Umstände geändert. Phil Commerson ist Vater geworden und seine Frau bei der Geburt gestorben. Die wissbegierige Jeanne kümmert sich um das Baby und wird gleichzeitig von ihrem deutlich älteren verwitweten Lehrmeister ausgebildet. Sie liebt es, Samen in die Erde zu stecken und den Blumen beim Wachsen zuzusehen. Commerson seinerseits füllt Herbarien, die sie katalogisieren muss.
Das Zusammenleben der beiden sorgt in der Umgebung für viel Gesprächsstoff. Als Commerson die Gelegenheit erhält, mit Kommandant Louis-Antoine de Bougainville an der ersten französischen Weltumsegelung teilzunehmen, packt er diese beim Schopf. Als Mann verkleidet ist auch Jeanne Baret an Bord des Dreimasters „Etoile“, der Anfang Februar 1767 als Verpflegungsschiff in Rochefort in See sticht.
Jeanne hat bereits mit Pflanzen aus den verschiedensten Ecken der Welt gearbeitet. Diese bedeuten ihr mehr als alles andere und nun hofft sie auf die Gelegenheit, selber neue Schätze zu entdecken. Jean Bonnefoy ist nun ihr Name, und sie lebt in ständiger Angst vor Entlarvung. Während langer Monate fährt sie durch graues und blaues Nichts und vermisst Blütendürfte, Bienensummen und Vogelgezwitscher, statt sich an königlichen Pflanzenparadiesen zu erfreuen. Ob ihr letztes Experiment an Land wohl ein Erfolg geworden ist und die gepflanzte Blumenuhr nach Carl von Linné funktioniert?
Die bisher gelesenen Seiten - etwa zwei Drittel der Lektüre - lassen mich recht zwiespältig zurück, Der schwere und brutale Alltag auf dem Dreimaster wird sehr detailreich geschildert und scheint auf gründlichen Recherchen zu beruhen. Der Schreibstil dünkt mich recht schwerfällig - aber vielleicht überzeugen mich ja die letzten Seiten des Buches mehr?
Über den gleichen geschichtlichen Hintergrund sind schon weitere Bücher geschrieben worden. Die Version von Liv Winterberg mit dem Titel „Vom anderen Ende der Welt“ habe ich hier vorgestellt.
Wolfgang Ebert:
Die erste Frau
Verlag Komplett-Media, 2013
24. Mai 2014
Amanda Coplin: Im Licht von Apfelbäumen
Als Junge ist der Einzelgänger Talmadge in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Mutter und der Schwester in den Nordwesten Amerikas gekommen, wo er noch immer lebt. Erste Apfelbäume wurden gleich nach der Ankunft gesetzt und laufend zu einer grossen vielfältigen Obstplantage ergänzt – Gravensteiner, Rhode Island Greenings aber auch Walnüsse, Aprikosen und Pflaumen gehören zum umfangreichen Sortiment des mittlerweile vierzig Jahre alten auf zehn Hektaren angewachsenen Obstgarten.
Die Mutter ist vor vielen Jahren gestorben und die ein Jahr jüngere Schwester Elsbeth irgendwann spurlos im Wald verschwunden. Das Nichtwissen über deren Schicksal gärt auch nach Jahrzehnten noch pausenlos in dem grossen breitschultrigen Mann mit vernarbtem Gesicht und beschäftigt ihn während er mit seinen Bäumen arbeitet.
Talmadge führt ein sehr zurückgezogenes Leben und setzt seine Kräfte gänzlich in die Erfüllung seines strengen Tagwerks, das aus Beschneiden, Ernten, Pflegen und dem Pflanzen von Ersatzbäumen besteht. Befriedigung findet er in Ordnung und Struktur.Als seine einzigen Freunde können die Hebamme und Heilpflanzenkennerin Caroline Midday und Clee bezeichnet werden. Letzterer ist zwar nicht taub, spricht aber mit niemandem.
Als Talmadge eines Tages in der Stadt seine Äpfel und Aprikosen verkauft, wird er von zwei jungen schwangeren Mädchen bestohlen. Fortan begegnet er den beiden unvermittelt in sein ruhiges Leben geplatzten Mädchen immer wieder. Die drei beobachten sich gegenseitig, kommen sich aber nicht richtig näher und reden auch nicht miteinander. Die jungen Frauen schauen Talmadge bei seiner Arbeit an den Obstbäumen zu und er stellt ihnen immer wieder Essen auf die Veranda, das sie im Gras kniend schweigend essen. Der Mann wirkt trotz seiner Grösse dank seiner langsamen und bedächtigen Bewegungen freundlich und nicht angsteinflössend und er richtet den beiden Hochschwangeren sogar eine eigene Hütte ein. Diese nehmen zwar seine Mahlzeiten an, ignorieren ihn aber ansonsten wochenlang weitgehend.
Dann setzen bei beiden Schwestern am gleichen Tag Wehen ein. Während Della ihre Zwillinge tot gebärt, bringt Jane mit Hilfe der von Talmadge herbeigerufenen Caroline eine Tochter auf die Welt. Für ein paar wenige Wochen pendelt sich eine neue Routine ein – die beiden blutjungen Mütter kümmern sich gemeinsam und mit Unterstützung von Caroline mehr oder weniger pflichtbewusst um das Baby Angelene. Doch dann werden die beiden Mädchen von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt. Ihr Peiniger taucht auf der Obstplantage auf und ein weiteres tragisches Kapitel im von sexueller Ausbeutung geprägten Leben der beiden jungen Frauen wird aufgeschlagen, während das Schicksal Talmadge gleichzeitig eine neue Aufgabe zuteilt.
Eine unaufgeregte, aber trotzdem berührende Geschichte über den schwierigen Alltag einer zusammengewürfelten Familie, in der oft wird mehr geschwiegen als gesprochen wird. Offen bleibt, welches Leben Angelene am Ende als Erwachsene ohne ihre kleine Familie führt.
Amanda Coplin:
Im Licht von Apfelbäumen
Arche Literatur Verlag, 2013
Talmadge führt ein sehr zurückgezogenes Leben und setzt seine Kräfte gänzlich in die Erfüllung seines strengen Tagwerks, das aus Beschneiden, Ernten, Pflegen und dem Pflanzen von Ersatzbäumen besteht. Befriedigung findet er in Ordnung und Struktur.Als seine einzigen Freunde können die Hebamme und Heilpflanzenkennerin Caroline Midday und Clee bezeichnet werden. Letzterer ist zwar nicht taub, spricht aber mit niemandem.
Als Talmadge eines Tages in der Stadt seine Äpfel und Aprikosen verkauft, wird er von zwei jungen schwangeren Mädchen bestohlen. Fortan begegnet er den beiden unvermittelt in sein ruhiges Leben geplatzten Mädchen immer wieder. Die drei beobachten sich gegenseitig, kommen sich aber nicht richtig näher und reden auch nicht miteinander. Die jungen Frauen schauen Talmadge bei seiner Arbeit an den Obstbäumen zu und er stellt ihnen immer wieder Essen auf die Veranda, das sie im Gras kniend schweigend essen. Der Mann wirkt trotz seiner Grösse dank seiner langsamen und bedächtigen Bewegungen freundlich und nicht angsteinflössend und er richtet den beiden Hochschwangeren sogar eine eigene Hütte ein. Diese nehmen zwar seine Mahlzeiten an, ignorieren ihn aber ansonsten wochenlang weitgehend.
Dann setzen bei beiden Schwestern am gleichen Tag Wehen ein. Während Della ihre Zwillinge tot gebärt, bringt Jane mit Hilfe der von Talmadge herbeigerufenen Caroline eine Tochter auf die Welt. Für ein paar wenige Wochen pendelt sich eine neue Routine ein – die beiden blutjungen Mütter kümmern sich gemeinsam und mit Unterstützung von Caroline mehr oder weniger pflichtbewusst um das Baby Angelene. Doch dann werden die beiden Mädchen von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt. Ihr Peiniger taucht auf der Obstplantage auf und ein weiteres tragisches Kapitel im von sexueller Ausbeutung geprägten Leben der beiden jungen Frauen wird aufgeschlagen, während das Schicksal Talmadge gleichzeitig eine neue Aufgabe zuteilt.
Eine unaufgeregte, aber trotzdem berührende Geschichte über den schwierigen Alltag einer zusammengewürfelten Familie, in der oft wird mehr geschwiegen als gesprochen wird. Offen bleibt, welches Leben Angelene am Ende als Erwachsene ohne ihre kleine Familie führt.
Amanda Coplin:
Im Licht von Apfelbäumen
Arche Literatur Verlag, 2013
19. Mai 2014
Claudia Lanfranconi: Ladys in Gummistiefeln – Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Schon der Untertitel verrät, dass Claudia Lanfranconis neueste Publikation eine Fortsetzung des vor sechs Jahren erschienenen Buches „Die Damen mit dem grünen Daumen“ ist. Ähnlich ist auch die Aufmachung der Titelbilder, auf denen neben Blumen besonders die dunkelgrüne Kleidung und die die rote Kopfbedeckung auffallen.
Siebzehn Frauenportraits sind hier vereint, thematisch gegliedert nach
- Es wird durchgeblüht! – Gartengestalterinnen mit Stil
- Rund um den Globus – Pflanzenjägerinnen
- Ab in die Vase – Pionierinnen der Blumendekoration
- Inspirationen aus Floras Reich – Blumenmalerinnen
Während ich über die vorgestellten Norah Lindsay, Gabriella Pape, Jeanne Baret, Amalie Dietrich, Jelena de Belder, Valerie Finnis und Constance Spry schon Biografien und / oder fiktive Romane gelesen haben und ich deshalb auf diesen Seiten für mich persönlich nichts oder nur wenig Neues entdecken konnte, interessierten mich die anderen Portraits umso mehr.
Etwa das über die exzentrische Ganna Walska (1887 – 1984), die relativ spät zum Gärtnern kam, sich aber doch über fünfzig Jahre um ihr Tropenparadies in Kalifornien gekümmert hat, und zwar nach dem Motto „mehr ist besser“. Sie konnte keinen Grund finden (und hatte wohl auch keine Veranlassung, überhaupt nach einem solchen zu suchen), wenige Exemplare einer Pflanze zu setzen, wenn sie auch hunderte verwenden konnte. Ein riesiges Gelände und ein grosses Vermögen bildeten eine solide Basis zu dieser Einstellung.
Julia Clements (1906 – 2010) war eine englische Rednerin, die sich für die Entwicklung der Blumenkunst in England einsetze und massgeblich am Aufschwung der Floristik nach dem zweiten Weltkrieg mitbeteiligt war. In floraler Mission reiste sie durch die ganze Welt und verbreitete ihre Ideen etwa in Karachi, Hongkong, Hawai, Thailand und Kalkutta. Ihr Schulzimmer richtete sie einst sogar auf einem Kreufahrtschiff ein und führte die Crew auf dem Seeweg von England nach New York und zurück in die Kunst der Blumendekoration ein
Lelia Caetani Howard (1913 – 1977) eine Künstlerin und gleichzeitig Erbin von Ninfa zählt zu den Blumenmalerinnen unter den portraitierten Gartenladys. Sie bemalte die Leinwand mit dem Garten, wie er vor ihr lag und fügte gleichzeitig Pflanzen ein, die nach ihrem Empfinden fehlten. Falls das Bild stimmig herauskam, wurden die fehlenden gemalten Blumen und Sträucher nachträglich tatsächlich an die entsprechenden Stellen in die Erde gesetzt. Selber hat die Künstlerin nur wenige Änderungen in dem berühmten Garten vorgenommen. In der erwähnten Art und Weise kam auf ihre Anregung hin ein Steingarten mit Iberis, Alyssum, Eschscholzia und Aquilegia zustande, der in der Natur wie zuvor auf der Leinwand einen farbenfrohen Teppich bildete.
Zu den in weiteren Portraits vorgestellten Frauen gehören Alicia Amherst, Giovanna Ganzoni und Rosie Sanders, deren Aquarelle oft über einen Quadratmeter gross sind. In England ist diese Blumenmalerin besonders durch ihre Publikation „The Apple Book“ bekannt, für welche sie sämtliche auf der Insel kultivierten Apfelsorten zeichnete und klassifizierte. Im Anhang dieses grosszügig illustrierten und schön gestalteten Buches finden sich nützliche Adressen und ein interessantes Literaturverzeichnis.
Zum Abschluss der Buchvorstellung noch eine Ergänzung zur Bemerkung von Gabriella Pape, dass Engländer von Pflanzen die Namen kennen und Deutsche den Preis - beides ist wichtig. Als regelmässige Kundin in Gärtnereien in Nah und Fern schätze ich es, wenn die Töpfe mit den Pflanzennamen und vielleicht den wichtigsten Pflegehinweisen beschriftet sind und/oder ich selber ein Etikett hineinstecken kann. Und natürlich schätze ich auch, wenn ich zumindest ungefähr weiss oder aufgrund von Farbsystemen erahnen kann, welche Kosten auf mich zukommen. Tendenziell kaufe ich deutlich mehr ein, wenn ich die Preise kenne (und laufend falsch im Kopf addiere) – schon zu oft hat mich an der Kasse bei nicht preisgezeichneter Ware fast der Schlag getroffen…
Claudia Lanfranconi:
Ladys in Gummistiefeln – Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Elisabeth Sandmann Verlag, 2014
Siebzehn Frauenportraits sind hier vereint, thematisch gegliedert nach
- Es wird durchgeblüht! – Gartengestalterinnen mit Stil
- Rund um den Globus – Pflanzenjägerinnen
- Ab in die Vase – Pionierinnen der Blumendekoration
- Inspirationen aus Floras Reich – Blumenmalerinnen
Während ich über die vorgestellten Norah Lindsay, Gabriella Pape, Jeanne Baret, Amalie Dietrich, Jelena de Belder, Valerie Finnis und Constance Spry schon Biografien und / oder fiktive Romane gelesen haben und ich deshalb auf diesen Seiten für mich persönlich nichts oder nur wenig Neues entdecken konnte, interessierten mich die anderen Portraits umso mehr.
Etwa das über die exzentrische Ganna Walska (1887 – 1984), die relativ spät zum Gärtnern kam, sich aber doch über fünfzig Jahre um ihr Tropenparadies in Kalifornien gekümmert hat, und zwar nach dem Motto „mehr ist besser“. Sie konnte keinen Grund finden (und hatte wohl auch keine Veranlassung, überhaupt nach einem solchen zu suchen), wenige Exemplare einer Pflanze zu setzen, wenn sie auch hunderte verwenden konnte. Ein riesiges Gelände und ein grosses Vermögen bildeten eine solide Basis zu dieser Einstellung.
Julia Clements (1906 – 2010) war eine englische Rednerin, die sich für die Entwicklung der Blumenkunst in England einsetze und massgeblich am Aufschwung der Floristik nach dem zweiten Weltkrieg mitbeteiligt war. In floraler Mission reiste sie durch die ganze Welt und verbreitete ihre Ideen etwa in Karachi, Hongkong, Hawai, Thailand und Kalkutta. Ihr Schulzimmer richtete sie einst sogar auf einem Kreufahrtschiff ein und führte die Crew auf dem Seeweg von England nach New York und zurück in die Kunst der Blumendekoration ein
Lelia Caetani Howard (1913 – 1977) eine Künstlerin und gleichzeitig Erbin von Ninfa zählt zu den Blumenmalerinnen unter den portraitierten Gartenladys. Sie bemalte die Leinwand mit dem Garten, wie er vor ihr lag und fügte gleichzeitig Pflanzen ein, die nach ihrem Empfinden fehlten. Falls das Bild stimmig herauskam, wurden die fehlenden gemalten Blumen und Sträucher nachträglich tatsächlich an die entsprechenden Stellen in die Erde gesetzt. Selber hat die Künstlerin nur wenige Änderungen in dem berühmten Garten vorgenommen. In der erwähnten Art und Weise kam auf ihre Anregung hin ein Steingarten mit Iberis, Alyssum, Eschscholzia und Aquilegia zustande, der in der Natur wie zuvor auf der Leinwand einen farbenfrohen Teppich bildete.
Zu den in weiteren Portraits vorgestellten Frauen gehören Alicia Amherst, Giovanna Ganzoni und Rosie Sanders, deren Aquarelle oft über einen Quadratmeter gross sind. In England ist diese Blumenmalerin besonders durch ihre Publikation „The Apple Book“ bekannt, für welche sie sämtliche auf der Insel kultivierten Apfelsorten zeichnete und klassifizierte. Im Anhang dieses grosszügig illustrierten und schön gestalteten Buches finden sich nützliche Adressen und ein interessantes Literaturverzeichnis.
Zum Abschluss der Buchvorstellung noch eine Ergänzung zur Bemerkung von Gabriella Pape, dass Engländer von Pflanzen die Namen kennen und Deutsche den Preis - beides ist wichtig. Als regelmässige Kundin in Gärtnereien in Nah und Fern schätze ich es, wenn die Töpfe mit den Pflanzennamen und vielleicht den wichtigsten Pflegehinweisen beschriftet sind und/oder ich selber ein Etikett hineinstecken kann. Und natürlich schätze ich auch, wenn ich zumindest ungefähr weiss oder aufgrund von Farbsystemen erahnen kann, welche Kosten auf mich zukommen. Tendenziell kaufe ich deutlich mehr ein, wenn ich die Preise kenne (und laufend falsch im Kopf addiere) – schon zu oft hat mich an der Kasse bei nicht preisgezeichneter Ware fast der Schlag getroffen…
Claudia Lanfranconi:
Ladys in Gummistiefeln – Noch mehr Damen mit dem grünen Daumen
Elisabeth Sandmann Verlag, 2014
15. Mai 2014
Zuletzt ausgelesen: Lotte Minck – Radieschen von unten
Dieses Buch gibt zunächst einen recht ausführlichen Einblick in die berufliche Tätigkeit der Enddreissigerin Loretta Luchs, die ihre Brötchen mit ihren Verführungskünsten in unterschiedlichsten Rollen an einer Sex-Hotline verdient.
Lorettas Schrebergartenwoche lässt ihr kaum Zeit, sich Gedanken über ihre verkorkste Beziehung zu machen. Nicht das bevorstehende Sommerfest in Verbindung mit der Wahl des schönsten Gartens beschäftigt sie, sondern die beiden Todesfälle von zwei Schrebergärtnern innert wenigen Tagen in der Laubekolonie.
Die Polizei scheint diese nicht als auffällig einzustufen, während Loretta sich über die nicht besonders unglücklich scheinenden Witwen wundert. Ihren Urlaub hat sie sich jedenfalls doch etwas anders vorgestellt und sie könnte gut darauf verzichten, ständig an den Fundort von frisch Verstorbenen gerufen zu werden.
Eine humorige „Krimödie“, die den Leser in die Abgründe von jahrzehntelangen Ehen zwischen ungeliebten bösen Ehemännern und ihren Frauen führt, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen.
Hier der Link zu Teil 1 dieser Kurzvorstellung.
Lotte Minck:
Radieschen von unten
Droste Verlag, 2013
Lorettas Schrebergartenwoche lässt ihr kaum Zeit, sich Gedanken über ihre verkorkste Beziehung zu machen. Nicht das bevorstehende Sommerfest in Verbindung mit der Wahl des schönsten Gartens beschäftigt sie, sondern die beiden Todesfälle von zwei Schrebergärtnern innert wenigen Tagen in der Laubekolonie.
Die Polizei scheint diese nicht als auffällig einzustufen, während Loretta sich über die nicht besonders unglücklich scheinenden Witwen wundert. Ihren Urlaub hat sie sich jedenfalls doch etwas anders vorgestellt und sie könnte gut darauf verzichten, ständig an den Fundort von frisch Verstorbenen gerufen zu werden.
Eine humorige „Krimödie“, die den Leser in die Abgründe von jahrzehntelangen Ehen zwischen ungeliebten bösen Ehemännern und ihren Frauen führt, die sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen.
Hier der Link zu Teil 1 dieser Kurzvorstellung.
Lotte Minck:
Radieschen von unten
Droste Verlag, 2013
11. Mai 2014
Karen Meyer-Rebentisch: Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
Nach ihren beiden früher erschienen Büchern "Das Gemüsebuch" und "Wintergemüse" hat Karen Meyer-Rebentisch nun mit einer Publikation über den Obstgarten die logische Ergänzung veröffentlicht. Mit Obst werden die Früchte und Samen mehrjähriger Bäume und Sträucher bezeichnet, die roh verzehrt werden können. Zu diesen pflanzlichen Lebensmitteln gehören neben dem im Buch behandelten Kern-, Stein- und Beerenobst auch exotische Früchte und Schalenobst wie Nüsse und Mandeln.
Immer mehr Konsumenten geben sich nicht mehr mit dem stark eingeschränkten Supermarkt-Allerlei zufrieden und legen Wert auf eine vielfältige und schmackhafte Obsternte. Sie schätzen die Abwechslung und sind auch bereit, sich dafür zu engagieren, sprich zu gärtnern. Und belohnt für ihre Tatkraft wird nicht nur der Gaumen nach der Ernte, sondern auch das Auge im Frühling, wenn die Bienenweiden um die Wette blühen.
Da die Gärten tendenziell immer kleiner werden, lohnt es sich, vor dem Pflanzen genau zu überlegen, welche Obstspflanzen angeschafft werden sollen. Mit einer gut durchdachten Sortenauswahl kann nämlich der Eigenbedarf an Obst - mit Konservierung – während einem grossen Teil des Jahres gedeckt werden. Selbst auf einer verhältnismässig kleinen Fläche von beispielsweise hundertfünfzig Quadratmetern lassen sich mit geschickter Planung und unter Einbezug von Hauswänden und Grundstückgrenzen etliche Pflanzen unterbringen. Die Autorin weist hier auf Spaliere und Mehrsortengehölze hin.
Neben kulturgeschichtlichen Informationen und Rezepten vermittelt Karen Meyer-Rebentisch in diesem Buch Wissenswertes zu den jeweiligen Obstsarten und hat auch gleich die meisten Fotografien selber beigesteuert. In der bereits bewährten Struktur der Gemüsebücher werden auch hier die Portraits gegliedert nach „Im Garten“, „Sorten“, „Ernten und Lagern“, „In der Küche“ und eben „Rezeptideen“. Von Menschen und ihren speziellen Beziehungen zu Obst handeln die Reportagen, welche zwischen den Obstportraits eingebettet sind.
Während um 1900 weltweit rund 20‘000 Apfelsorten kultiviert wurden, sind es heute nach der Industrialisierung des Obstbaus noch wenige Dutzend. Mit dieser vom Erwerbsgartenbau diktierten Veränderung ging gleichzeitig ein Wandel der Geschmacksgewohnheiten einher. Erreichten viele früher beliebte Apfelsorten ihre Genussreife erst nach Lagerung und mit einer damit verbundenen Mürbigkeit, sind heutzutage knackige Äpfel rund ums Jahr verfügbar und weiche Äpfel wenig gefragt.
Für eine grosse Obstvielfalt engagiert sich der Pomologe Jan Bade, der in der ersten von sechs Reportagen zu Wort kommt. Sein Fachwissen gibt er unter anderem in Schnittkursen weiter und setzt sich unermüdlich ein für das Biotop Streuobstwiese und für das Pflanzen und Erhalten von regional angepassten Sorten, die mit wenig oder ganz ohne Chemie auskommen. Der Tischlermeister Jens Meyer steht mit der gleichen Leidenschaft für seine Obstbäume ein. Er veredelt quasi am laufenden Band Apfel- und Birnensorten und erzählt von Zeiten, in denen die Birne teilweise bedeutender war als der Apfel.
Ein Arbeitsplatz in einem schlecht isolierten Gebäude, aus welchem die Wärme nach draussen dringt, führte einen Professor und Hobbywinzer auf die Idee, einen Weinberg auf einem Uni-Campus anzulegen. Nach Überwindung von etlichen bürokratischen Hindernissen, kann er mittlerweile kübelweise Trauben ernten – sofern er schnell genug ist und die über die Pflanzen gespannte blauen Netze ihren Zweck erfüllen und Langfinger und Vögel vom gleichen Vorhaben abhalten.
Rund ein Viertel der Buchseiten werden von den Kernobstarten Apfel, Birne und Quitte eingenommen, aber auch weniger gängige essbare Nutzpflanzen wie Mispel (Mespilus germanica), Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) werden vorgestellt. Zu den Portraits gehören Hinweise auf bewährte Sorten (nicht immer bebildert) mit Angaben über die jeweiligen Vor- und Nachteile und allfällige Anfälligkeit auf Krankheiten. Das Buch gibt Einsteigern einen breit gefächerten Überblick in die verschiedenen in unseren Breitengraden gut gedeihenden Obstspflanzen. Die Sortenempfehlungen sind aus Platzgründen eingeschränkt. Wer sich vertiefter mit dem Thema auseinandersetzen will, findet im Anhang der Publikation eine Literaturliste für weitergehende Informationen und Hinweise zu informativen Webseiten und Links.
Und wer keine Gelegenheit hat, sich eigenhändig als Obstgärtner zu betätigen, aber trotzdem gerne selber Obst ernten möchte, dem sei die Webseite www.mundraub.org empfohlen, auf der über frei zugängliche Obststandorte informiert wird.
Während ich diese Zeilen schreibe, blüht gerade unser Mispelbaum; teilweise immer noch behängt mit der vertrockneten letztjährigen Ernte, die wegen des milden Winters von den Vögeln weitgehend verschmäht worden und auch nicht abgefallen ist. Die problemlos erreichbaren Früchte habe ich im März abgelesen. In anderen Jahren ist für das Wegräumen der Mispeln üblicherweise mehr „Bückarbeit“ angesagt, weil die nicht geernteten Früchte auf den Boden fallen. Tatsächlich mag ich Mispeln nicht essen, aber mir gefällt die Wuchsform des Baumes und die Früchte sind wenn sie mir auch nicht schmecken, sehr hübsch anzuschauen. Da mein Mann früher im Herbst von seinem Arbeitsweg oft Mispeln nach Hause gebracht hat und sie für ihn mit Jugenderinnerungen verbunden sind, habe ich vor Jahren einen solchen Baum gepflanzt. Nicht ahnend, dass Früchte aus dem eigenen Garten nicht so faszinierend zu sein scheinen, wie wild wachsende… Vielleicht hätte ich doch besser einen Apfelbaum gepflanzt? Die appetitlichen Bilder von reifen Äpfeln und ihrer Verwertung in der Küche machen jedenfalls den Mund wässrig.
PS: Meinen Mispelbaum werde ich nicht auf der oben erwähten Internetseite zur freien Ernte ausschreiben und auch kein Schild am Zaun aufhängen, wie das in der Nachbarschaft praktiziert wird. Lieber lasse ich die Früchte am Baum vertrocknen, als mich über einen zetrampelten Cyclamenteppich zu ärgern. Die Baumscheibe erblüht nämlich über mehrere Monate im Jahr mit Cyclamen coum und hederifolium.
Karen Meyer-Rebentisch:
Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
BLV Buchverlag, 2014
Immer mehr Konsumenten geben sich nicht mehr mit dem stark eingeschränkten Supermarkt-Allerlei zufrieden und legen Wert auf eine vielfältige und schmackhafte Obsternte. Sie schätzen die Abwechslung und sind auch bereit, sich dafür zu engagieren, sprich zu gärtnern. Und belohnt für ihre Tatkraft wird nicht nur der Gaumen nach der Ernte, sondern auch das Auge im Frühling, wenn die Bienenweiden um die Wette blühen.
Da die Gärten tendenziell immer kleiner werden, lohnt es sich, vor dem Pflanzen genau zu überlegen, welche Obstspflanzen angeschafft werden sollen. Mit einer gut durchdachten Sortenauswahl kann nämlich der Eigenbedarf an Obst - mit Konservierung – während einem grossen Teil des Jahres gedeckt werden. Selbst auf einer verhältnismässig kleinen Fläche von beispielsweise hundertfünfzig Quadratmetern lassen sich mit geschickter Planung und unter Einbezug von Hauswänden und Grundstückgrenzen etliche Pflanzen unterbringen. Die Autorin weist hier auf Spaliere und Mehrsortengehölze hin.
Neben kulturgeschichtlichen Informationen und Rezepten vermittelt Karen Meyer-Rebentisch in diesem Buch Wissenswertes zu den jeweiligen Obstsarten und hat auch gleich die meisten Fotografien selber beigesteuert. In der bereits bewährten Struktur der Gemüsebücher werden auch hier die Portraits gegliedert nach „Im Garten“, „Sorten“, „Ernten und Lagern“, „In der Küche“ und eben „Rezeptideen“. Von Menschen und ihren speziellen Beziehungen zu Obst handeln die Reportagen, welche zwischen den Obstportraits eingebettet sind.
Während um 1900 weltweit rund 20‘000 Apfelsorten kultiviert wurden, sind es heute nach der Industrialisierung des Obstbaus noch wenige Dutzend. Mit dieser vom Erwerbsgartenbau diktierten Veränderung ging gleichzeitig ein Wandel der Geschmacksgewohnheiten einher. Erreichten viele früher beliebte Apfelsorten ihre Genussreife erst nach Lagerung und mit einer damit verbundenen Mürbigkeit, sind heutzutage knackige Äpfel rund ums Jahr verfügbar und weiche Äpfel wenig gefragt.
Für eine grosse Obstvielfalt engagiert sich der Pomologe Jan Bade, der in der ersten von sechs Reportagen zu Wort kommt. Sein Fachwissen gibt er unter anderem in Schnittkursen weiter und setzt sich unermüdlich ein für das Biotop Streuobstwiese und für das Pflanzen und Erhalten von regional angepassten Sorten, die mit wenig oder ganz ohne Chemie auskommen. Der Tischlermeister Jens Meyer steht mit der gleichen Leidenschaft für seine Obstbäume ein. Er veredelt quasi am laufenden Band Apfel- und Birnensorten und erzählt von Zeiten, in denen die Birne teilweise bedeutender war als der Apfel.
Ein Arbeitsplatz in einem schlecht isolierten Gebäude, aus welchem die Wärme nach draussen dringt, führte einen Professor und Hobbywinzer auf die Idee, einen Weinberg auf einem Uni-Campus anzulegen. Nach Überwindung von etlichen bürokratischen Hindernissen, kann er mittlerweile kübelweise Trauben ernten – sofern er schnell genug ist und die über die Pflanzen gespannte blauen Netze ihren Zweck erfüllen und Langfinger und Vögel vom gleichen Vorhaben abhalten.
Rund ein Viertel der Buchseiten werden von den Kernobstarten Apfel, Birne und Quitte eingenommen, aber auch weniger gängige essbare Nutzpflanzen wie Mispel (Mespilus germanica), Gemeine Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) werden vorgestellt. Zu den Portraits gehören Hinweise auf bewährte Sorten (nicht immer bebildert) mit Angaben über die jeweiligen Vor- und Nachteile und allfällige Anfälligkeit auf Krankheiten. Das Buch gibt Einsteigern einen breit gefächerten Überblick in die verschiedenen in unseren Breitengraden gut gedeihenden Obstspflanzen. Die Sortenempfehlungen sind aus Platzgründen eingeschränkt. Wer sich vertiefter mit dem Thema auseinandersetzen will, findet im Anhang der Publikation eine Literaturliste für weitergehende Informationen und Hinweise zu informativen Webseiten und Links.
Und wer keine Gelegenheit hat, sich eigenhändig als Obstgärtner zu betätigen, aber trotzdem gerne selber Obst ernten möchte, dem sei die Webseite www.mundraub.org empfohlen, auf der über frei zugängliche Obststandorte informiert wird.
Während ich diese Zeilen schreibe, blüht gerade unser Mispelbaum; teilweise immer noch behängt mit der vertrockneten letztjährigen Ernte, die wegen des milden Winters von den Vögeln weitgehend verschmäht worden und auch nicht abgefallen ist. Die problemlos erreichbaren Früchte habe ich im März abgelesen. In anderen Jahren ist für das Wegräumen der Mispeln üblicherweise mehr „Bückarbeit“ angesagt, weil die nicht geernteten Früchte auf den Boden fallen. Tatsächlich mag ich Mispeln nicht essen, aber mir gefällt die Wuchsform des Baumes und die Früchte sind wenn sie mir auch nicht schmecken, sehr hübsch anzuschauen. Da mein Mann früher im Herbst von seinem Arbeitsweg oft Mispeln nach Hause gebracht hat und sie für ihn mit Jugenderinnerungen verbunden sind, habe ich vor Jahren einen solchen Baum gepflanzt. Nicht ahnend, dass Früchte aus dem eigenen Garten nicht so faszinierend zu sein scheinen, wie wild wachsende… Vielleicht hätte ich doch besser einen Apfelbaum gepflanzt? Die appetitlichen Bilder von reifen Äpfeln und ihrer Verwertung in der Küche machen jedenfalls den Mund wässrig.
PS: Meinen Mispelbaum werde ich nicht auf der oben erwähten Internetseite zur freien Ernte ausschreiben und auch kein Schild am Zaun aufhängen, wie das in der Nachbarschaft praktiziert wird. Lieber lasse ich die Früchte am Baum vertrocknen, als mich über einen zetrampelten Cyclamenteppich zu ärgern. Die Baumscheibe erblüht nämlich über mehrere Monate im Jahr mit Cyclamen coum und hederifolium.
Karen Meyer-Rebentisch:
Der Obstgarten – Sortenvielfalt, Rezepte, Reportagen
BLV Buchverlag, 2014
6. Mai 2014
Holly Goldberg Sloan: Counting by 7s
Die zwölfjährige Willow lebt mit ihren Eltern ein zurückgezogenes Leben. Die drei genügen sich selber. Es werden keine Freundschaften gepflegt und Verwandte gibt es mit Ausnahme einer dementen Grossmutter auch nicht. Willow ist adoptiert, aber obwohl sie überaus intelligent ist, gilt sie nicht als gute Schülerin. Ihr Verhalten und ihre Interessen zeigen fast keine Übereinstimmung mit demjenigen von Gleichaltrigen und sie gilt als Sonderling.
Willows Zimmer beeindruckt durch mit Bücher vollgestopfte Regale und auf ihrem Schreibtisch steht neben dem Computer ein Mikroskop. Drei Obsessionen beschäftigen sie stark: Die Zahl Sieben, Krankheiten und Pflanzen. Oft sitzt sie im Einkaufszentrum und stellt den Vorübergehenden im Geheimen medizinische Diagnosen oder sie studiert ihr Gegenüber und verspürt den dringenden Wunsch, diesem den Blutdruck zu messen oder eine Creme gegen Psoriasis zu empfehlen. Immer wieder gibt sich auch Ratschläge, wie jenen an den Taxifahrer Jairo Hernandez, dem sie empfiehlt, nie jemanden wissen zu lassen, dass er glaubt, etwas nicht tun zu können. Das Mädchen selber sieht sich als Pflanzenrarität. Ihr Garten, den sie rund um das Elternhaus angelegt hat, gleicht mit Bambus, Zitrusbäumen, Stauden und Gemüse einem Dschungel – und das in einer Gegend, in der es zweihundert Tage im Jahr nicht regnet.
Eben hat Willow die Schule gewechselt und versucht, sich dort zu integrieren. Um eine ältere Schülerin namens Mai zu beeindrucken, beginnt sie sogar, Vietnamesisch zu lernen. Weil sich Willow bei einer Prüfung mehr Mühe als üblich gibt und alle Ergebnisse richtig sind, wird sie zur Abklärung zum schulischen Berater geschickt. Dieser Dell Duke soll herausfinden, wie Willow gemogelt hat. Duke ist selber ein Aussenseiter. Die ihm anvertrauten schwierigen Kinder klassiert er in selber definierte Kategorien, stellt aber sehr schnell fest, dass Willow in keines seiner Raster passt.
Als Dell Duke eines Nachmittags entgegen den Vorschriften mit Willow, Mai und deren jüngerem Bruder Quang-ha im Auto unterwegs ist und Willow nach Hause bringt, steht ein Polizeiauto vor dem Haus. Willows Eltern Roberta und Jimmy sind beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das zwölfjährige Mädchen steht zum zweiten Mal in seinem noch jungen Leben ohne Mutter und Vater da. Spontan lügt Mai und behauptet, ihre und Willows Familien seien seit Jahren eng befreundet und so kann das verwaiste Mädchen provisorisch bei Mais Familie einziehen.
Mai, Quang-ha und ihre Mutter Pattie Nguyen leben vom bescheidenen Einkommen aus einem Nagelstudio und ausserordentlich beengt in einer Garage. Trotzdem wird Willow sehr herzlich aufgenommen und nur Mais Bruder hat Vorbehalte. Die regelmässigen Kontrollen der Behörden verlangen Flexibilität von allen Beteiligten und kurzerhand zieht die zusammengewürfelte neue Familie in die Wohnung von Dell Duke ein, der sich im gleichen Wohnkomplex ein Zimmer nehmen muss.
Der Tod von Willows Eltern verändert nicht nur das Leben der Adoptivtochter. Willow möchte niemanden belasten und versucht, sich möglichst unsichtbar zu machen. Die Siebner-Reihe ist nicht mehr aktuell und die Ich-Erzählerin trennt ihr Leben in ein altes Ich und ein neues Ich. Doch nicht nur Willow macht grosse Veränderungen durch. Teilweise auch unbewusst ist sie mitverantwortlich für einen Einschnitt und Neubeginn im Leben und Verhalten ihrer Mitbewohner, insbesondere demjenigen von Dell Duke, der sich zu einem verantwortungsbewussten Kümmerer mausert.
„Endings are always the beginnings of something else“ - Irgendwann beginnt Willow wieder etwas Hoffnung zu schöpfen und vertraut darauf, dass sie wie ein Baum ist, der nach einem Feuer die Kraft findet, einen grünen Spross ans Licht zu schicken. Sie findet in der Steinwüste rund um ihren neuen Wohnort „Gardens of Glenwood“ eine Herausforderung, die sie zum Blühen bringen will und die dem aktuell sehr unpassenden Namen Ehre machen soll. „Fantasia“, „Del Sol“, „Vanilla Ice“, „Honey Bears“, „Strawberry Blondes“ und „Chianti Hybrids“ – verschiedene Samenpäckchen von Sonnenblumen markieren den Beginn von Willows neuem Lebensweg.
Eine sehr berührende Erzählung über Freundschaft, Zusammenhalt, Akzeptanz und die Tatsache, dass Familie nicht gleichbedeutend mit Blutsverwandtschaft sein muss. Und am Ende der Lektüre entlässt man Willow mit viel Zuversicht auf ihren zukünftigen Lebensweg.
Holly Goldberg Sloan:
Counting by 7s
Dial Books, 2013
Willows Zimmer beeindruckt durch mit Bücher vollgestopfte Regale und auf ihrem Schreibtisch steht neben dem Computer ein Mikroskop. Drei Obsessionen beschäftigen sie stark: Die Zahl Sieben, Krankheiten und Pflanzen. Oft sitzt sie im Einkaufszentrum und stellt den Vorübergehenden im Geheimen medizinische Diagnosen oder sie studiert ihr Gegenüber und verspürt den dringenden Wunsch, diesem den Blutdruck zu messen oder eine Creme gegen Psoriasis zu empfehlen. Immer wieder gibt sich auch Ratschläge, wie jenen an den Taxifahrer Jairo Hernandez, dem sie empfiehlt, nie jemanden wissen zu lassen, dass er glaubt, etwas nicht tun zu können. Das Mädchen selber sieht sich als Pflanzenrarität. Ihr Garten, den sie rund um das Elternhaus angelegt hat, gleicht mit Bambus, Zitrusbäumen, Stauden und Gemüse einem Dschungel – und das in einer Gegend, in der es zweihundert Tage im Jahr nicht regnet.
Eben hat Willow die Schule gewechselt und versucht, sich dort zu integrieren. Um eine ältere Schülerin namens Mai zu beeindrucken, beginnt sie sogar, Vietnamesisch zu lernen. Weil sich Willow bei einer Prüfung mehr Mühe als üblich gibt und alle Ergebnisse richtig sind, wird sie zur Abklärung zum schulischen Berater geschickt. Dieser Dell Duke soll herausfinden, wie Willow gemogelt hat. Duke ist selber ein Aussenseiter. Die ihm anvertrauten schwierigen Kinder klassiert er in selber definierte Kategorien, stellt aber sehr schnell fest, dass Willow in keines seiner Raster passt.
Als Dell Duke eines Nachmittags entgegen den Vorschriften mit Willow, Mai und deren jüngerem Bruder Quang-ha im Auto unterwegs ist und Willow nach Hause bringt, steht ein Polizeiauto vor dem Haus. Willows Eltern Roberta und Jimmy sind beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das zwölfjährige Mädchen steht zum zweiten Mal in seinem noch jungen Leben ohne Mutter und Vater da. Spontan lügt Mai und behauptet, ihre und Willows Familien seien seit Jahren eng befreundet und so kann das verwaiste Mädchen provisorisch bei Mais Familie einziehen.
Mai, Quang-ha und ihre Mutter Pattie Nguyen leben vom bescheidenen Einkommen aus einem Nagelstudio und ausserordentlich beengt in einer Garage. Trotzdem wird Willow sehr herzlich aufgenommen und nur Mais Bruder hat Vorbehalte. Die regelmässigen Kontrollen der Behörden verlangen Flexibilität von allen Beteiligten und kurzerhand zieht die zusammengewürfelte neue Familie in die Wohnung von Dell Duke ein, der sich im gleichen Wohnkomplex ein Zimmer nehmen muss.
Der Tod von Willows Eltern verändert nicht nur das Leben der Adoptivtochter. Willow möchte niemanden belasten und versucht, sich möglichst unsichtbar zu machen. Die Siebner-Reihe ist nicht mehr aktuell und die Ich-Erzählerin trennt ihr Leben in ein altes Ich und ein neues Ich. Doch nicht nur Willow macht grosse Veränderungen durch. Teilweise auch unbewusst ist sie mitverantwortlich für einen Einschnitt und Neubeginn im Leben und Verhalten ihrer Mitbewohner, insbesondere demjenigen von Dell Duke, der sich zu einem verantwortungsbewussten Kümmerer mausert.
„Endings are always the beginnings of something else“ - Irgendwann beginnt Willow wieder etwas Hoffnung zu schöpfen und vertraut darauf, dass sie wie ein Baum ist, der nach einem Feuer die Kraft findet, einen grünen Spross ans Licht zu schicken. Sie findet in der Steinwüste rund um ihren neuen Wohnort „Gardens of Glenwood“ eine Herausforderung, die sie zum Blühen bringen will und die dem aktuell sehr unpassenden Namen Ehre machen soll. „Fantasia“, „Del Sol“, „Vanilla Ice“, „Honey Bears“, „Strawberry Blondes“ und „Chianti Hybrids“ – verschiedene Samenpäckchen von Sonnenblumen markieren den Beginn von Willows neuem Lebensweg.
Eine sehr berührende Erzählung über Freundschaft, Zusammenhalt, Akzeptanz und die Tatsache, dass Familie nicht gleichbedeutend mit Blutsverwandtschaft sein muss. Und am Ende der Lektüre entlässt man Willow mit viel Zuversicht auf ihren zukünftigen Lebensweg.
Holly Goldberg Sloan:
Counting by 7s
Dial Books, 2013
1. Mai 2014
Dominique Ghiggi: Baumschule – Kultivierung des Stadtdschungels
Als private Hobbygärtnerin habe ich wenig direkten Kontakt zu Baumschulen. Meine eigenen Berührungspunkte in der näheren Vergangenheit beschränken sich auf das regelmässige Vorbeiwalken an einer kleinen Baumschule im Nachbardorf, den noch nicht lange zurückliegenden Direktkauf von verschiedenen Eiben in einer Baumschule sowie das Buchgoogeln nach dem Stichwort „Baumschule“, das zum interessanten Buch "Exerzierplatz" von Siegfried Lenz geführt hat. Und schon im Vorwort der hier vorzustellenden Publikation lese ich die Bestätigung für meinen Eindruck. Denn dort führt Günther Vogt aus, dass im Zusammenhang von Verbindungen zwischen Mensch und Pflanzen Baumschulen tatsächlich oft vergessen gehen.
Nach Vorwort und Einleitung folgen geordnet in die folgenden Kapitel die einzelnen Essays:
- Kartografie des Waldes: Wildnis und Kultur
- Jäger und Sammler: Neugier und Ambition
- Werkstätte: Fabrikation und Ästhetik
- Sahel Vert: Migration und Refugium
- Better City: Städtebau und Zukunft
Nach dem ersten Durchblättern des grossformatigen Buches erwartete ich eine eher trockene Lektüre. Schnell habe ich dann aber festgestellt, dass es dem nicht so ist und auch der wissensdurstige Laiengärtner auf seine Kosten kommt. Der Leser erfährt beispielsweise, dass in Europa seit etwa fünfhundert Jahren Baumschulen existieren, während auf anderen Kontinenten die Baumproduktion und der Baumhandel schon viel länger praktiziert werden; in China etwa seit rund 4000 Jahren. Einen Aufschwung erfuhren die europäischen Baumschulen im 19. Jahrhundert parallel mit den Expeditionen und Einfuhren von Pflanzenentdeckungen durch die erfolgreichen Jäger des grünen Goldes. Thematisiert wird auch die aus heutiger Sicht zuweilen verwerflich erscheinende oft zügellose Sammeltätigkeit der Pflanzenjäger, die sich noch an keinerlei Naturschutzabkommen zu halten hatten.
Unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Erwartungen prägen die Sortimente der Baumschulen. Während für die Strassenbepflanzung genormtes Grün gefragt ist, sollen Ziergehölze für Parks eindrucksvolle Silhouetten aufweisen. In einem der Essays wird detailliert die Bepflanzung der Masoala-Halle im Zoo Zürich geschildert – vom Inventar und Einkauf der Bäume im Ursprungsland über die Verladung der Gehölze in Container, die Verschiffung nach Rotterdam, die Akklimatisierung in Baumschulen in den Niederlanden und Belgien bis zum Weitertransport nach Zürich und der Einpflanzung am Bestimmungsort. Mit „Scent Seeker – Reisetagebuch eines Duftforschers“ ist der Bericht über die Suche nach Duftpflanzen auf und über den Baumwipfeln von Französisch Guyana überschrieben. Als Tranportmittel diente hier ein zeppelinartiger Heissluftballon mit Dieselmotor.
Ferner erhält der Leser Einblick in die Geschichte des Baumzuchtgebiets Boskoop in Holland. Der Name steht nämlich nicht nur für eine bekannte Apfelsorte, sondern in erster Linie für das dichteste Baumschulzentrum in Europa, wo seit fünfhundert Jahren junge Gehölze geschult werden und heutzutage viele der spezialisierten Familienbetriebe mit Nachfolgeproblemen kämpfen. Für viele Tätigkeiten stehen zwar inzwischen kraftsparende Maschinen zur Verfügung, aber trotzdem ist die mehrfache Verpflanzung von Forstpflanzen nach wie vor mit viel Handarbeit verbunden.
Andere Artikel beschäftigen sich mit der Rhododendronmanie, der Waldnutzung, der Geschichte der Phaleonopsis von der teuren Orchideenrarität zur Massen- und Wegwerfpflanze und einem Bankschliessfach für Pflanzensamen in der Arktis sowie einem Relief der Urschweiz, dem ersten Geländemodell aufgrund Triangulation und barometrischen Höhenmessungen mit unterscheidbaren Nadel- und Laubbäumen. Die Vorteile und Probleme rund um die urbane Landwirtschaft werden an einem Beispiel in Tansania aufgezeigt - grüne Lungen in der Stadt verbessern die Luft, werden aber immer mehr an den Stadtrand verdrängt, weil das entsprechende Land für Immobilien benötigt wird - mit der Folge, dass sich die Luftqualität für die Einwohner verschlechtert.
Zwischen ehemaligen Industriegebieten und Baumschulen existieren diverse Gemeinsamkeiten. An beiden Orten wurde der Boden von Menschen über längere Zeit stark verändert und oft nicht nur verdichtet, sondern auch mit als Sonderabfall zu klassifizierenden Stoffen kontaminiert. Für (gesäuberte) städtische Brachen wird die Idee verfolgt, Baumschulen den Platz zur vorübergehenden Nutzung zur Verfügung zu stellen. Wenn die Areale später einem neuen Zweck zugeführt werden, kann ein Teil des Bedarfes an Bäumen aus direkter Nähe gedeckt werden.
Im Anhang der überaus informativen Lektüre finden sich Kurzportraits mit Fotos und wichtigen Eckdaten aus den Lebensläufen der Autoren und Akteure, die an dieser Publikation mitgewirkt haben. Verschiedene der teilweise recht dunkel gewählten Texthintergründe und die bei Legenden sehr klein gewählten Schriftarten sind dem Lesegenuss leider etwas abträglich. Das Buch ist übrigens auch in einer englischen Ausgabe erhältlich.
Dominique Ghiggi:
Baumschule - Kultivierung des Stadtdschungels
Lars Müller Publishers, 2010
Nach Vorwort und Einleitung folgen geordnet in die folgenden Kapitel die einzelnen Essays:
- Kartografie des Waldes: Wildnis und Kultur
- Jäger und Sammler: Neugier und Ambition
- Werkstätte: Fabrikation und Ästhetik
- Sahel Vert: Migration und Refugium
- Better City: Städtebau und Zukunft
Nach dem ersten Durchblättern des grossformatigen Buches erwartete ich eine eher trockene Lektüre. Schnell habe ich dann aber festgestellt, dass es dem nicht so ist und auch der wissensdurstige Laiengärtner auf seine Kosten kommt. Der Leser erfährt beispielsweise, dass in Europa seit etwa fünfhundert Jahren Baumschulen existieren, während auf anderen Kontinenten die Baumproduktion und der Baumhandel schon viel länger praktiziert werden; in China etwa seit rund 4000 Jahren. Einen Aufschwung erfuhren die europäischen Baumschulen im 19. Jahrhundert parallel mit den Expeditionen und Einfuhren von Pflanzenentdeckungen durch die erfolgreichen Jäger des grünen Goldes. Thematisiert wird auch die aus heutiger Sicht zuweilen verwerflich erscheinende oft zügellose Sammeltätigkeit der Pflanzenjäger, die sich noch an keinerlei Naturschutzabkommen zu halten hatten.
Unterschiedliche Kundenbedürfnisse und Erwartungen prägen die Sortimente der Baumschulen. Während für die Strassenbepflanzung genormtes Grün gefragt ist, sollen Ziergehölze für Parks eindrucksvolle Silhouetten aufweisen. In einem der Essays wird detailliert die Bepflanzung der Masoala-Halle im Zoo Zürich geschildert – vom Inventar und Einkauf der Bäume im Ursprungsland über die Verladung der Gehölze in Container, die Verschiffung nach Rotterdam, die Akklimatisierung in Baumschulen in den Niederlanden und Belgien bis zum Weitertransport nach Zürich und der Einpflanzung am Bestimmungsort. Mit „Scent Seeker – Reisetagebuch eines Duftforschers“ ist der Bericht über die Suche nach Duftpflanzen auf und über den Baumwipfeln von Französisch Guyana überschrieben. Als Tranportmittel diente hier ein zeppelinartiger Heissluftballon mit Dieselmotor.
Ferner erhält der Leser Einblick in die Geschichte des Baumzuchtgebiets Boskoop in Holland. Der Name steht nämlich nicht nur für eine bekannte Apfelsorte, sondern in erster Linie für das dichteste Baumschulzentrum in Europa, wo seit fünfhundert Jahren junge Gehölze geschult werden und heutzutage viele der spezialisierten Familienbetriebe mit Nachfolgeproblemen kämpfen. Für viele Tätigkeiten stehen zwar inzwischen kraftsparende Maschinen zur Verfügung, aber trotzdem ist die mehrfache Verpflanzung von Forstpflanzen nach wie vor mit viel Handarbeit verbunden.
Andere Artikel beschäftigen sich mit der Rhododendronmanie, der Waldnutzung, der Geschichte der Phaleonopsis von der teuren Orchideenrarität zur Massen- und Wegwerfpflanze und einem Bankschliessfach für Pflanzensamen in der Arktis sowie einem Relief der Urschweiz, dem ersten Geländemodell aufgrund Triangulation und barometrischen Höhenmessungen mit unterscheidbaren Nadel- und Laubbäumen. Die Vorteile und Probleme rund um die urbane Landwirtschaft werden an einem Beispiel in Tansania aufgezeigt - grüne Lungen in der Stadt verbessern die Luft, werden aber immer mehr an den Stadtrand verdrängt, weil das entsprechende Land für Immobilien benötigt wird - mit der Folge, dass sich die Luftqualität für die Einwohner verschlechtert.
Zwischen ehemaligen Industriegebieten und Baumschulen existieren diverse Gemeinsamkeiten. An beiden Orten wurde der Boden von Menschen über längere Zeit stark verändert und oft nicht nur verdichtet, sondern auch mit als Sonderabfall zu klassifizierenden Stoffen kontaminiert. Für (gesäuberte) städtische Brachen wird die Idee verfolgt, Baumschulen den Platz zur vorübergehenden Nutzung zur Verfügung zu stellen. Wenn die Areale später einem neuen Zweck zugeführt werden, kann ein Teil des Bedarfes an Bäumen aus direkter Nähe gedeckt werden.
Im Anhang der überaus informativen Lektüre finden sich Kurzportraits mit Fotos und wichtigen Eckdaten aus den Lebensläufen der Autoren und Akteure, die an dieser Publikation mitgewirkt haben. Verschiedene der teilweise recht dunkel gewählten Texthintergründe und die bei Legenden sehr klein gewählten Schriftarten sind dem Lesegenuss leider etwas abträglich. Das Buch ist übrigens auch in einer englischen Ausgabe erhältlich.
Dominique Ghiggi:
Baumschule - Kultivierung des Stadtdschungels
Lars Müller Publishers, 2010
28. April 2014
Zuletzt ausgelesen: Sarah Addison Allen – Das Wunder des Pfirsichgartens
In Walls of Water in North Carolina führt die dreissigjährige Willa ein Outdoorgeschäft mit Ökokleidung samt integriertem Kaffeeshop. Als Jugendliche hat sie anonym mit legendären Streichen für Aufregung gesorgt und als unbekannter „Joker“ Aufmerksamkeit und Bewunderung hervorgerufen. Gleichzeitig hat sie damit unabsichtlich die Lebenswege von ehemaligen Schulkameraden beeinflusst. Ihr eigenes Leben ist dagegen recht eintönig. Nun steht die Jubiläumsfeier des örtlichen Frauenclubs bevor, die etwas Ablenkung verspricht - doch Willa will der Veranstaltung fernbleiben.
Da wird bei Arbeiten im Garten eines Anwesens, das früher Willas Familie gehört hat, eine Leiche entdeckt. Dieser Fund und die Tatsache, dass sie plötzlich intensiven Kontakt zu den Zwillingsgeschwistern Osgood, nämlich dem Gartenarchitekt Colin und seiner Schwester Paxton hat, bringen ihr Leben richtig durcheinander. Nicht nur die Gegenwart verbindet die drei, sondern auch ein Geheimnis ihrer Grossmütter, das über 70 Jahre zurückliegt.
Die Autorin streut in ihre Bücher immer wieder Übersinnliches ein. In diesem Roman sind es verrückte Vögel und merkwürdig süssliche Gerüche. Hortikulturell gibt es wenig anzumerken. Die Pfirsichbaumentfernung, welche die oben erwähnte Leiche ans Tageslicht bringt, gibt insofern Rätsel auf, als das örtliche Klima und die Lage überhaupt nicht für einen solchen Baum geeignet sind. Es stellt sich dann heraus, dass der Tote aus einer Familie von Pfirsichpflanzern stammte. Fast minutiös wird die Ersatzpflanzung für den gefällten Pfirsichbaum – eine riesige Eiche – im Roman geschildert.
Vor einigen Jahren habe ich von der gleichen Autorin das Buch „Mein zauberhafter Garten“ gelesen, das mir deutlich besser gefallen hat - wobei ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die Geschichte erinnere.
Sarah Addison Allen:
Das Wunder des Pfirsichgartens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
Da wird bei Arbeiten im Garten eines Anwesens, das früher Willas Familie gehört hat, eine Leiche entdeckt. Dieser Fund und die Tatsache, dass sie plötzlich intensiven Kontakt zu den Zwillingsgeschwistern Osgood, nämlich dem Gartenarchitekt Colin und seiner Schwester Paxton hat, bringen ihr Leben richtig durcheinander. Nicht nur die Gegenwart verbindet die drei, sondern auch ein Geheimnis ihrer Grossmütter, das über 70 Jahre zurückliegt.
Die Autorin streut in ihre Bücher immer wieder Übersinnliches ein. In diesem Roman sind es verrückte Vögel und merkwürdig süssliche Gerüche. Hortikulturell gibt es wenig anzumerken. Die Pfirsichbaumentfernung, welche die oben erwähnte Leiche ans Tageslicht bringt, gibt insofern Rätsel auf, als das örtliche Klima und die Lage überhaupt nicht für einen solchen Baum geeignet sind. Es stellt sich dann heraus, dass der Tote aus einer Familie von Pfirsichpflanzern stammte. Fast minutiös wird die Ersatzpflanzung für den gefällten Pfirsichbaum – eine riesige Eiche – im Roman geschildert.
Vor einigen Jahren habe ich von der gleichen Autorin das Buch „Mein zauberhafter Garten“ gelesen, das mir deutlich besser gefallen hat - wobei ich mich natürlich nicht mehr im Detail an die Geschichte erinnere.
Sarah Addison Allen:
Das Wunder des Pfirsichgartens
Wilhelm Goldmann Verlag, 2014
24. April 2014
Wolfgang H. Niemeyer: Rasen
Die Meinungen darüber, was einen richtigen Rasen ausmacht sind sehr unterschiedlich, sei es aus ökologischen oder aus ästhetischen Gründen. Während der eine viel Freizeit und Mühe investiert, um auf einen makellosen - sprich unkrautfreien - Rasen blicken zu können, nimmt‘s der andere locker und freut sich auch an Gänseblümchen, Schaumkraut, Klee und Löwenzahn (oder versucht es wenigstens).
Der Landschaftsarchitekt Wolfgang H. Niemeyer aus München hat sich im Laufe seines Lebens schon mit den unterschiedlichsten Aspekten zum Thema Rasen beschäftigt. Mit seinen Kompositionen „Sieben Rasenstücke für Querflöte, Sprecher und Rasenmäher“ und „Gartenmusik für fünf Querflöten, fünf Sprecher, fünf Heckenscheren und einen Heckengarten“ hat er seine Leidenschaft sogar mit einer anderen Passion kombiniert. Niemeyers Faible für Rasen ist in seinem persönlichen Umfeld bekannt und so wurde ihm an einem runden Geburtstag wohl in Anspielung auf seine Rasenstück-Kompositionen ein echtes in einen Rahmen montiertes „Rasenstück“ geschenkt.
Als (vorläufiger) Höhepunkt seiner Beschäftigung mit dem Rasen hat er kürzlich mit der Publikation „Rasen“ ein Fach- und Spassbuch in Form eines Rasenquadrates herausgegeben, in welchem der Leser gegliedert in die nachstehend aufgeführten Kapitel Rasengeschichten, Gestaltungsbeispiele, Fotos und Zeichnungen des Autors entdecken kann:
- Mein Rasenleben
- Definition Rasen
- Geschichte des Rasen
- Rasenlandschaften
- Rasenprojekte
- Rasenkunst
- Kunstrasen und Rasenallerlei
Was steckt überhaupt hinter dem Begriff Rasen? Laut Wikipedia handelt es sich um eine meist kurz geschnittene dekorative Grasfläche, deren Vegetationsdecke aus Gräsern besteht, die in einer fünfzehn bis zwanzig Zentimeter starken Oberbodenschicht wurzeln und Ausläufer bilden. Rasen muss nicht ein Synonym für eine grüne Fläche am Boden sein. Dies zeigen Beispiele eines Rasensofas sowie von sogenannten Rasenkissen und Rasenschuppen. In Island wird echter Rasen als Dachbegrünung verwendet und immer öfter fahren Strassenbahnen entlang grün umrahmter Gleise, die unter anderem den Vorteil aufweisen, die Aufheizung der Gleise zu reduzieren, und gleichzeitig einen Beitrag an die Biodiversität leisten.
Wolfgang H. Niemeyers eigene Beziehung zum Rasen begann schon in frühester Kindheit. Er erinnert sich an Rasenpicknicks und daran, dass ihm als Jugendlicher das Aufbessern des Taschengeldes irgendwann nicht mehr Motivation genug war, die Langweile des eintönigen Rasenmähens zu überdecken. Zum Rasenleben des Autors gehörte auch im Rasen liegend ein Buch zu lesen und nicht Riesenspass, sondern Rasenspass zu haben.
Der Autor ist zwar nicht besonders fussballinteressiert, dafür weiss er, welche Rasenmischungen sich als besonders trittfest bewährt haben, und ist fasziniert über den immer öfter praktizierten Rasendiebstahl nach dem Schlusspfiff, wenn sich manch einer als Erinnerung an ein Fussballspiel ein grünes Souvenir absticht und aus dem Stadion trägt.
In einem Kompendium über Rasen dürfen natürlich auch Pflegehinweise und Tipps gegen Krankheiten nicht fehlen. Vielleicht übernimmt der eine oder andere Leser einen der einfallsreichen Vorschläge und versucht beim Rasenmähen ein Experiment. Falls etwas schiefgeht, wachsen die Halme schliesslich schnell wieder nach und ein neues Feld zum Ausleben der Kreativität steht bald wieder zu Verfügung.
"Rasen" ist ein bemerkenswertes Sammelsurium an Informationen rund um den Rasen, mit welchem der Autor - oft mit einem Augenzwinkern - seine eigene Freude an der Vielseitigkeit von Grashalmen weitervermittelt.
PS: Wer auch im Urlaub nicht auf einen perfekt gepflegten Rasen verzichten und gleichzeitig die Welt sehen will, der bucht vielleicht eine Kreuzfahrt auf dem Schiff „Celebrity Shilhouette“. Auf deren Oberdeck wird ein echter Naturrasen gepflegt, auf dem Grillpartys stattfinden.
Wolfgang H. Niemeyer:
Rasen - Rasenkunst, Kunstrasen, Rasenstück, Fussballrasen, Stadtrasen, Rasengarten, Dachrasen, Rasenrelief, Landschaftsrasen und nocht viel mehr Variationen des grünen Themas
Deutsche Verlags-Anstalt, 2014
Der Landschaftsarchitekt Wolfgang H. Niemeyer aus München hat sich im Laufe seines Lebens schon mit den unterschiedlichsten Aspekten zum Thema Rasen beschäftigt. Mit seinen Kompositionen „Sieben Rasenstücke für Querflöte, Sprecher und Rasenmäher“ und „Gartenmusik für fünf Querflöten, fünf Sprecher, fünf Heckenscheren und einen Heckengarten“ hat er seine Leidenschaft sogar mit einer anderen Passion kombiniert. Niemeyers Faible für Rasen ist in seinem persönlichen Umfeld bekannt und so wurde ihm an einem runden Geburtstag wohl in Anspielung auf seine Rasenstück-Kompositionen ein echtes in einen Rahmen montiertes „Rasenstück“ geschenkt.
Als (vorläufiger) Höhepunkt seiner Beschäftigung mit dem Rasen hat er kürzlich mit der Publikation „Rasen“ ein Fach- und Spassbuch in Form eines Rasenquadrates herausgegeben, in welchem der Leser gegliedert in die nachstehend aufgeführten Kapitel Rasengeschichten, Gestaltungsbeispiele, Fotos und Zeichnungen des Autors entdecken kann:
- Mein Rasenleben
- Definition Rasen
- Geschichte des Rasen
- Rasenlandschaften
- Rasenprojekte
- Rasenkunst
- Kunstrasen und Rasenallerlei
Was steckt überhaupt hinter dem Begriff Rasen? Laut Wikipedia handelt es sich um eine meist kurz geschnittene dekorative Grasfläche, deren Vegetationsdecke aus Gräsern besteht, die in einer fünfzehn bis zwanzig Zentimeter starken Oberbodenschicht wurzeln und Ausläufer bilden. Rasen muss nicht ein Synonym für eine grüne Fläche am Boden sein. Dies zeigen Beispiele eines Rasensofas sowie von sogenannten Rasenkissen und Rasenschuppen. In Island wird echter Rasen als Dachbegrünung verwendet und immer öfter fahren Strassenbahnen entlang grün umrahmter Gleise, die unter anderem den Vorteil aufweisen, die Aufheizung der Gleise zu reduzieren, und gleichzeitig einen Beitrag an die Biodiversität leisten.
Wolfgang H. Niemeyers eigene Beziehung zum Rasen begann schon in frühester Kindheit. Er erinnert sich an Rasenpicknicks und daran, dass ihm als Jugendlicher das Aufbessern des Taschengeldes irgendwann nicht mehr Motivation genug war, die Langweile des eintönigen Rasenmähens zu überdecken. Zum Rasenleben des Autors gehörte auch im Rasen liegend ein Buch zu lesen und nicht Riesenspass, sondern Rasenspass zu haben.
Der Autor ist zwar nicht besonders fussballinteressiert, dafür weiss er, welche Rasenmischungen sich als besonders trittfest bewährt haben, und ist fasziniert über den immer öfter praktizierten Rasendiebstahl nach dem Schlusspfiff, wenn sich manch einer als Erinnerung an ein Fussballspiel ein grünes Souvenir absticht und aus dem Stadion trägt.
In einem Kompendium über Rasen dürfen natürlich auch Pflegehinweise und Tipps gegen Krankheiten nicht fehlen. Vielleicht übernimmt der eine oder andere Leser einen der einfallsreichen Vorschläge und versucht beim Rasenmähen ein Experiment. Falls etwas schiefgeht, wachsen die Halme schliesslich schnell wieder nach und ein neues Feld zum Ausleben der Kreativität steht bald wieder zu Verfügung.
"Rasen" ist ein bemerkenswertes Sammelsurium an Informationen rund um den Rasen, mit welchem der Autor - oft mit einem Augenzwinkern - seine eigene Freude an der Vielseitigkeit von Grashalmen weitervermittelt.
PS: Wer auch im Urlaub nicht auf einen perfekt gepflegten Rasen verzichten und gleichzeitig die Welt sehen will, der bucht vielleicht eine Kreuzfahrt auf dem Schiff „Celebrity Shilhouette“. Auf deren Oberdeck wird ein echter Naturrasen gepflegt, auf dem Grillpartys stattfinden.
Wolfgang H. Niemeyer:
Rasen - Rasenkunst, Kunstrasen, Rasenstück, Fussballrasen, Stadtrasen, Rasengarten, Dachrasen, Rasenrelief, Landschaftsrasen und nocht viel mehr Variationen des grünen Themas
Deutsche Verlags-Anstalt, 2014
19. April 2014
Jaromir Konecny: Tote Tulpen
Der sechzehnjährige Halbwaise Leon bekommt die Chance, in einem Blumenladen eine Ausbildung als Lehrling zu absolvieren. Eine Perspektive, die nicht gerade Enthusiasmus in ihm auslöst. Nachdem seine Mutter bei einem Autounfall gestorben ist, hat er zwei Jahre in einem Heim und zuletzt ein Jahr unschuldig im Jugendgefängnis verbracht. Hinter Gittern hat er unzählige Bücher gelesen und auch das Computernetzwerk betreut.
Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.
Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.
Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.
Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.
Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?
Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.
Jaromir Konecny:
Tote Tulpen
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
Der Ausflug in die Freiheit auf Bewährung scheint sich als Einbahnstrasse zu entpuppen und auf direktem Weg wieder ins Gefängnis zu führen. Denn als Leon über Mittag den leeren Blumenladen betritt, wo er als Lehrling von der Pike auf alles lernen soll, was man im Blumenladen können und wissen muss, entdeckt er eine tote junge Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem Zettel mit einem Gedicht auf der Brust. Über das Tatwerkzeug ist er zuvor gestolpert und hält es in den Händen, als er noch völlig geschockt über seine Entdeckung aufgefordert wird, die Hände zu heben und sich langsam umzudrehen.
Wie sich herausstellt, ist es die äusserst hübsche gleichaltrige Tochter des Blumenladenbesitzers, welche eine Pistole auf ihn richtet. Diese Laura lässt sich in ein Gespräch verwickeln und schliesslich davon überzeugen, dass Leon der neue Lehrling ist, und absolut nichts mit dem Mord an der jungen Frau zu tun hat, die im Blumenladen richtiggehend zur Schau gestellt wird. Ihren abrupten Meinungswechsel verbindet Laura mit der Aufforderung an Leon, gemeinsam auf Mördersuche zu gehen. Arbeiten nicht viele grosse Detektive als Duo? Und Laura und Leon passen doch schon allein aufgrund der Namen perfekt zusammen.
Auf Lauras Geheiss verlässt Leon verlässt den Blumenladen in München-Giesing wieder und das Mädchen gibt kurz darauf lautstark vor, die tote Frau allein entdeckt zu haben. Leon soll erst später wieder im Geschäft eintreffen, wenn die Polizei informiert und bereits vor Ort ist. Die freie Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Auftauchen im Blumenladen verbringt Leon in einem Internetcafé und informiert sich über die seltsamen Mordverse, bei denen es sich offensichtlich um die Abwandlung eines Gedichts von Christian Morgenstern handelt.
Die verstorbene Tote hat zu Lebzeiten ihre Facebookseite „Tulpenbeet“ regelmässig mit Tulpenbildern, Tulpengedichten und Tulpengeschichten bestückt. Während der Vater der ebenson schlagfertigen wie schlagkräftigen Laura Tulpen nicht ausstehen kann, ist ihre Mutter ebenfalls eine passionierte Tulpensammlerin und befindet sich gerade in Paris an einer Tulpenausstellung.
Derweilen die ermittelnden Polizeibeamten bei der Leserin einen eher merkwürdigen Eindruck hinterlassen, stellen die beiden Teenager Laura und Leon stellen eigene Überlegungen an, warum die junge Frau ausgerechnet im Blumenladen ermordet worden ist. Sie besuchen eine der beiden Schwestern des Opfers und erfahren schreckliche Geheimnisse aus der Kindheit der Drillingsschwestern. Die Zahl Drei scheint sowieso eine wichtige Rolle zu spielen. Und was hat es mit den Tulpen, insbesondere solchen mit schwarzen Blüten wie die „Queen of the Night“, auf sich?
Leon gibt sich gegenüber Laura als Idiot aus, während er sich als Ich-Erzähler dieses temporeichen Jugendromans den Kopf zerbricht, in welchem Zusammenhang der Mord mit dem im Gefängnis gelesenen Buch „Die schwarze Tulpe“ von Alexandre Dumas steht. Seine Lehrlingsausbildung steht jedenfalls im Umfeld dieses Mordes naturgemäss im Hintergrund, aber er wird gemeinsam mit Laura zum Jäten und Blumengiessen geschickt. Und indessen ihn das Mädchen immer mehr fasziniert, befürchtet er gleichzeitig, ein Familienmitglied könnte für den Mord verantwortlich sein und sucht entlastende Gründe. Ausserdem ergibt sich eine Verbindung zu dem Heim, in welchem er gelebt hat, und die Gelegenheit, offene Fragen aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.
Jaromir Konecny:
Tote Tulpen
Deutscher Taschenbuch Verlag, 2014
15. April 2014
Zuletzt ausgelesen: Christiane Feuerstack – Kleingarten, Kompost, Karma
Die Autorin berichtet in diesem Buch mit farbenfrohem Umschlag in satten Farben von ihrem Einstieg ins Schrebergärtnern. Die Erfahrungen im Zusammenhang mit der Übernahme einer verwilderten Parzelle schliessen das Ablegen von Vorurteilen und das Aufgeben von Widerständen ein. Weiter geht es um Begegnungen mit vierbeinigen Bewohnern und das Entdecken, wie schnell unabsichtlich gegen irgendwelche Vorschriften und Regeln verstossen wird – sei es bei der Anpflanzung von verbotenen Gewächsen oder der unkorrekten prozentualen Nutzung der Gesamtfläche.
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
Das Buch ist eine Art Reiseführer, mit dem vom Schrebergarten aus Reisen in die geistige Welt unternommen werden. So wird beispielsweise der Komposthaufen als Metapher für Erneuerung ganz allgemein herangezogen. Für meinen Geschmack stimmt die Aufteilung der Seitenzahlen zwischen Spiritualität und Gärtnern nicht. Der Fokus liegt nämlich eindeutig auf ersterem, während die Erlebnisse rund um die Entstehung von schwarzen Rändern unter den Fingernägeln eher Beilage sind. Doch über die richtige die Mischung dieses Buches waren sich laut Vorwort bereits Freunde der Autorin uneinig.
Christiane Feuerstack:
Kleingarten, Kompost, Karma
Menschmedien Verlag, 2013
11. April 2014
Eva Maaser: Eine Gurke macht noch keinen Frühling
Die alleinerziehende Städterin Carlotta kämpft Stunden nach dem Essen von Gurkensalat aus dem Garten ihres kürzlich von Tante Ella geerbten Hauses mit Brechreiz. Denn eben hat sie just unter den kräftig wachsenden Gurken eindeutig menschliche Knochen entdeckt. Statt den Fund der Polizei zu melden, schaufelt sie hastig Erde über das nach einem heftigen Wasserfall aufgetane Loch und versucht jeden Gedanken daran zu verdrängen, was an der entdeckten freigelegten Hand noch alles dranhängt. Ausserdem entsorgt sie den vom Mittagessen übrig gebliebenen Salat, schwört sich, keine weiteren Gurken aus diesem Garten mehr zu ernten und nimmt sich vor, den Vorfall zu vergessen.
Ein Vorsatz, der sich nicht ganz einfach umsetzen lässt. Denn noch während sie am Schaufeln ist, taucht eine Nachbarin aus dem Zweitausend-Seelen-Dorf im Garten auf, die sich förmlich um die vielen reifen Gurken reisst und sich nur mit Mühe davon abbringen lässt, sich selbst zu bedienen. Immerhin weiss Carlotta nun, dass sich die krummen Dinger ausgezeichnet als Einlegegurken eignen. Und dann gibt’s noch einen adligen Nachbarn mit einer Bulldogge namens Tobler, die ebenso zielsicher im Gurkenbeet graben will. Höchste Zeit also, dass sich Carlotta Gedanken über die Gartengestaltung macht oder wenigstens darüber, wie sie die Fundstelle abdecken kann.
Dabei hat Carlotta eigentlich genügend andere Probleme, auch finanzieller Art. Zu ihrer verstorbenen Tante Ella, einst eine erfolgreiche Opernsängerin, hatte sie praktisch keinen Kontakt. Warum ist gerade sie als Erbin des mehrfach um- und angebauten Hauses mit einem grossen Wintergarten eingesetzt worden? Das Haus entpuppt sich schnell als hypothekenbelastete Bruchbude mit dringendem kostspieligem Renovationsbedarf. Die Geldprobleme werden noch akuter als Carlottas Auto definitiv nicht mehr fahrtüchtig ist. Soll sie tatsächlich ihren Vater um Geld bitten? Und was hat es eigentlich mit den komischen Geräuschen im Haus auf sich?
Der Weinkeller scheint recht gut bestückt zu sein. Ob sich daraus Kapital schlagen lässt? Denn Carlotta muss auch für die Ausbildung ihrer Tochter dringend Geld auftreiben. Die elfjährige Meg und ihre Mutter haben schon äusserlich nicht viel gemeinsam. Während die rothaarige Mutter klein ist und ein paar Kilo zu viel herumschleppt, ist die Tochter schon heute grossgewachsen und athletisch gebaut. Meg ist ein Mathematikgenie. Mit Geplänkel und Diplomatie kann sie dagegen nichts anfangen. Sprache muss für sie ebenso logisch wie Mathematik sein, so dass sie oft als gefühllose Besserwisserin erscheint. Mutter und Tochter sind sich einig, dass Meg an ihrer bisherigen Schule fehl am Platz ist. Aber das angebotene Studium in Amerika ist für Calotta auch keine Alternative.
Um sich von ihren Sorgen abzulenken, lässt sich Carlotta auf eine Affäre mit einem Handwerker ein, obwohl sie seinen "Hausdiagnosen" misstraut und ihm unterstellt, aus ihr Kapital schlagen zu wollen. Dabei wird auch die eine oder andere Weinflasche aus dem Keller geleert. Gleichzeitig beginnt sich die junge Mutter für das Leben der ihr fast völlig unbekannten Tante zu interessieren und stöbert in Fotoalben und alten Briefen.
Ein in Ich-Form erzählter Roman mit überraschendem Ende- gespickt mit feiner Selbstironie - in dem sich alles um vertrackte Familienverhältnisse dreht. Hortikulturelles gibt es wenig zu berichten, aber nebenbei erfahren die Leser einiges über das Asperger-Syndrom und im Anhang sind verschiedene Gurkenrezepte aufgeführt.
Mein erster Eindruck, als dieses Buch ganz unverhofft den Weg in den Sofagarten gefunden hat, war: Was für ein merkwürdiger Buchtitel. Gurke statt Schwalbe und Frühling statt Sommer. Gurken reifen doch üblicherweise im Sommer und nicht im Frühling (jedenfalls in unseren Breitengraden und ohne Gewächshaus). Aber vielleicht tut sich mir ja einfach der Sinn dieses Wortspieles nicht auf.
"Eine Gurke macht noch keinen Frühling" war nicht das erste Buch von Eva Maaser, das ich gelesen habe. „Kim und das Rätsel der fünften Tulpe“ habe ich hier vorgestellt und „Der Paradiesgarten“ habe ich vor meiner Blogger-Zeit trotz oder gerade wegen seines grossen Umfanges (beinahe 700 Seiten) mindestens dreimal gelesen und sogar in doppelter Ausführung (gebunden und als Taschenbuch) hier stehen. Vielleicht trenne ich mich demnächst von einem Exemplar – wie ich bereits auf Facebook erwähnt habe, bin ich ja dabei, Gartenzeitschriften und –bücher auszusortieren.„Der Paradiesgarten“ habe ich jedenfalls als annähernd perfekte fiktive Zeitreise durch die Gartengeschichte in Erinnerung. Der durch mehrere Jahrhunderte und die halbe Welt führende Roman eignet sich für lesende Gartenfreunde, die sich nicht davon abschrecken lassen, wenn ein Gärtner vom Tegernsee während mehreren Jahrhunderten lebt und dazwischen immer mal wieder in einen Tiefschlaf fällt.
Eva Maaser:
Eine Gurke macht noch keinen Frühling
Knaur Taschenbuch, 2014
Ein Vorsatz, der sich nicht ganz einfach umsetzen lässt. Denn noch während sie am Schaufeln ist, taucht eine Nachbarin aus dem Zweitausend-Seelen-Dorf im Garten auf, die sich förmlich um die vielen reifen Gurken reisst und sich nur mit Mühe davon abbringen lässt, sich selbst zu bedienen. Immerhin weiss Carlotta nun, dass sich die krummen Dinger ausgezeichnet als Einlegegurken eignen. Und dann gibt’s noch einen adligen Nachbarn mit einer Bulldogge namens Tobler, die ebenso zielsicher im Gurkenbeet graben will. Höchste Zeit also, dass sich Carlotta Gedanken über die Gartengestaltung macht oder wenigstens darüber, wie sie die Fundstelle abdecken kann.
Dabei hat Carlotta eigentlich genügend andere Probleme, auch finanzieller Art. Zu ihrer verstorbenen Tante Ella, einst eine erfolgreiche Opernsängerin, hatte sie praktisch keinen Kontakt. Warum ist gerade sie als Erbin des mehrfach um- und angebauten Hauses mit einem grossen Wintergarten eingesetzt worden? Das Haus entpuppt sich schnell als hypothekenbelastete Bruchbude mit dringendem kostspieligem Renovationsbedarf. Die Geldprobleme werden noch akuter als Carlottas Auto definitiv nicht mehr fahrtüchtig ist. Soll sie tatsächlich ihren Vater um Geld bitten? Und was hat es eigentlich mit den komischen Geräuschen im Haus auf sich?
Der Weinkeller scheint recht gut bestückt zu sein. Ob sich daraus Kapital schlagen lässt? Denn Carlotta muss auch für die Ausbildung ihrer Tochter dringend Geld auftreiben. Die elfjährige Meg und ihre Mutter haben schon äusserlich nicht viel gemeinsam. Während die rothaarige Mutter klein ist und ein paar Kilo zu viel herumschleppt, ist die Tochter schon heute grossgewachsen und athletisch gebaut. Meg ist ein Mathematikgenie. Mit Geplänkel und Diplomatie kann sie dagegen nichts anfangen. Sprache muss für sie ebenso logisch wie Mathematik sein, so dass sie oft als gefühllose Besserwisserin erscheint. Mutter und Tochter sind sich einig, dass Meg an ihrer bisherigen Schule fehl am Platz ist. Aber das angebotene Studium in Amerika ist für Calotta auch keine Alternative.
Um sich von ihren Sorgen abzulenken, lässt sich Carlotta auf eine Affäre mit einem Handwerker ein, obwohl sie seinen "Hausdiagnosen" misstraut und ihm unterstellt, aus ihr Kapital schlagen zu wollen. Dabei wird auch die eine oder andere Weinflasche aus dem Keller geleert. Gleichzeitig beginnt sich die junge Mutter für das Leben der ihr fast völlig unbekannten Tante zu interessieren und stöbert in Fotoalben und alten Briefen.
Ein in Ich-Form erzählter Roman mit überraschendem Ende- gespickt mit feiner Selbstironie - in dem sich alles um vertrackte Familienverhältnisse dreht. Hortikulturelles gibt es wenig zu berichten, aber nebenbei erfahren die Leser einiges über das Asperger-Syndrom und im Anhang sind verschiedene Gurkenrezepte aufgeführt.
Mein erster Eindruck, als dieses Buch ganz unverhofft den Weg in den Sofagarten gefunden hat, war: Was für ein merkwürdiger Buchtitel. Gurke statt Schwalbe und Frühling statt Sommer. Gurken reifen doch üblicherweise im Sommer und nicht im Frühling (jedenfalls in unseren Breitengraden und ohne Gewächshaus). Aber vielleicht tut sich mir ja einfach der Sinn dieses Wortspieles nicht auf.
"Eine Gurke macht noch keinen Frühling" war nicht das erste Buch von Eva Maaser, das ich gelesen habe. „Kim und das Rätsel der fünften Tulpe“ habe ich hier vorgestellt und „Der Paradiesgarten“ habe ich vor meiner Blogger-Zeit trotz oder gerade wegen seines grossen Umfanges (beinahe 700 Seiten) mindestens dreimal gelesen und sogar in doppelter Ausführung (gebunden und als Taschenbuch) hier stehen. Vielleicht trenne ich mich demnächst von einem Exemplar – wie ich bereits auf Facebook erwähnt habe, bin ich ja dabei, Gartenzeitschriften und –bücher auszusortieren.„Der Paradiesgarten“ habe ich jedenfalls als annähernd perfekte fiktive Zeitreise durch die Gartengeschichte in Erinnerung. Der durch mehrere Jahrhunderte und die halbe Welt führende Roman eignet sich für lesende Gartenfreunde, die sich nicht davon abschrecken lassen, wenn ein Gärtner vom Tegernsee während mehreren Jahrhunderten lebt und dazwischen immer mal wieder in einen Tiefschlaf fällt.
Eva Maaser:
Eine Gurke macht noch keinen Frühling
Knaur Taschenbuch, 2014
6. April 2014
Andreas Händel und Josh Westrich: Hepatica – Leberblümchen
Sogenannte Osterblümchen, zu denen auch Hepatica gehören, haben den dannzumal fünfjährigen Andreas Händel in einem Thüringer Mischwald bedeutend mehr fasziniert als die anstehende Ostereiersuche. „Hepatimanie“ nennt der Autor den Virus, an dem er sich damals angesteckt hat und der ihn nach wie vor fest im Griff hat (und den er im Übrigen gar nicht loswerden will). Später, als ausgebildeter Gärtner mit bereits ausgeprägter Sammelleidenschaft, stellte er schnell fest, dass Leberblümchen grundsätzlich zwar durchaus begehrt sind, aber wegen schwieriger und langwieriger Vermehrung so gut wie nirgends grosse Bestände gepflegt und ausgebaut wurden – eine Erkenntnis, die gleichzeitig einer Herausforderung entsprach und sich mit Sammeln, Auslese und Züchtung zu einer echten Lebensaufgabe entwickelt hat.
Längst gilt Andreas Händel unter Kennern als Nummer 1 in Sachen europäisches Leberblümchen. Er betreut eine eigene informative Webseite und stellt sein umfangreiches Wissen nun nach siebenjähriger Vorbereitung mit der Publikation „Hepatica – Leberblümchen“ in gedruckter Form zur Verfügung. Er vermittelt nicht nur einen detaillierten Einblick in seine Züchtertätigkeit, sondern verrät auch das eine oder andere Geheimnis für erfolgreiches Nachahmen.
Josh Westrichs Passion wiederum gilt dem Portraitieren von Pflanzen. Der Faszination seiner traumhaften Blütenaufnahmen kann sich wohl kein Betrachter entziehen. Für sein florales Werk hat er denn auch schon verschiedene Preise eingeheimst. In dieser Publikation vereinigen sich nun die jeweiligen Leidenschaften der beiden Herren zu einem einzigartigen Druckwerk.
Gegliedert ist das Buch wie folgt:
- Einstimmung
- Zur Geschichte der Leberblümchen
- Allgemeine Beschreibung
- Das Hepaticasortiment
- Kultur und Pflege im Garten
- Die lieben Nachbarn
- Vermehrung
- Züchtungen und ihre Züchter
- Krankheiten und Schädlinge
- Etwas Botanik zum Schluss
- Bestimmungshilfe für Hepatica-Arten
- Blütenportraits
- Register und Anhang, Literatur und Bezugsquellen
Die Bezeichnungen Leberblümchen und Hepatica beziehen sich auf die Form der Blätter, die an das Äussere der Niere erinnern. Deshalb wurden dem Frühjahrsblüher einst Heilkräfte bei Erkrankungen der Leber zugesagt. Leberblümchen zählen in bestimmten Kreisen zwar zu Sammlerobjekten, dennoch wage ich mal zu behaupten, dass die meisten Leute bestenfalls die blau-violetten Formen von Waldspaziergängen kennen.
Schon bei einem ersten oberflächlichen Durchblättern des grossformatigen Buches stellt der Betrachter fest, dass das Farbspektrum überaus vielfältig ist. Es gibt nämlich auch Blütenblätter in blau, weiss, rosa oder rot, und zwar in verschiedensten Variationen und Schattierungen. Beim Betrachten der detaillierten Blüten kommt man nicht umhin zu bewundern, wir perfekt die Farben der Blüten mit jenen der Staubblätter harmonieren oder auch kontrastieren. Etliche Sorten weisen nicht nur einfache Blüten, sondern halbgefüllte oder gefüllte auf. Zu den farblichen Überraschungen im Züchteralltag schreibt der Autor, dass die Ergebnisse meist Freude machen. Selten sind sie eine Enttäuschung und noch viel seltener sind sie mit einem Lottogewinn vergleichbar.
Leberblümchen zeigen sich auch hinsichtlich der Blattformen und Zeichnungen ausgesprochen variantenreich und verschiedene Sorten können durchaus als Blattschmuckstauden bezeichnet werden. Da gibt es panaschierte Blätter, Silberzeichnungen, unbehaarte Leberblümchen und solche mit Blättern wie die Haselwurz. Die Laubblätter können auch gerüscht oder gekerbt sein und ein schöner Hingucker sind auch jene Hepatica, die rot gerandete Blätter haben oder eine rote Blattunterseite. Nur auf zwei zu Korea gehörenden Inseln kommt der Dinosaurier unter diesen Frühblühern vor - das Riesenleberblümchen, das bis zu 35 Zentimeter hoch wird.
Auf den Fotos wirken die Leberblümchen zuweilen zerbrechlich wie Porzellan, bilden aber bei optimalen Bedingungen mit den Jahren immer grössere Bestände. Und auch wenn sich etwa eine eigene Sorte als zickig erweist, weil sie nur sehr langsam wächst, ist der Autor und Züchter stolz auf seine erste echte Hybride. Er verschweigt aber auch andere Nachteile wie zu lange Blütensteile einer Pflanze nicht.
Übrigens verkaufen viele Sammler und Züchter ihre besonderen Leberblümchen-Schätze nicht, sondern geben diese nur im Tausch gegen andere Edelsteine aus dem Frühlingsgarten her. Falls Sie selber mit dem Züchten von Leberblümchen liebäugeln – neben einem grünen Daumen, Visionen, Ausdauer und Erfahrung ist insbesondere die lückenlose schriftliche Dokumentation sowie das konsequente Etikettieren unerlässlich.
Das Buch „Hepatica – Leberblümchen“ ist eine ausserordentlich beeindruckende Publikation – ein grossformatiges Schwergewicht, aus welchem umfangreiches Hintergrundwissen zusammen mit faszinierenden Fotos gleichzeitig ein Garten- und Kunstbuch schaffen. Die Buchausstattung ist in jeglicher Hinsicht anspruchsvoll, seien es die Texte, die Fotos oder die Aufmachung und hat auch die Jury des Gartenbuchpreises 2014 überzeugt. Das Buch wurde nämlich im März gleich in zwei Kategorien prämiert: 1. Platz in der Kategorie „Bestes Gartenportrait“ und Gewinner des Stihl–Sonderpreises.
Etwas vermisst habe ich einzig das eine oder andere Foto mit ausschliesslich grösseren Mengen an blühenden Leberblümchen – aber bei diesem Krtitikpunkt handelt es sich um Jammern auf hohem Niveau. Störend waren hingen die fehlenden Legenden und Bildunterschriften. Ein letzter Nachteil, aber gleichzeitig auch Zweck des Buches ist, dass es wohl bei manchem Leser die Gier weckt, sprich das „Haben-Wollen-Gen“ aktiviert oder eben die Infektion mit Hepatimanie auslöst, wie Andreas Händel es nennen würde. So geht es hoffentlich auch demjenigen, der sich mein erstes Buchexemplar geschnappt hat, das irgendwo auf dem Postweg verschwunden ist.
Die wunderschönen, aussagekräftigen Fotos sind jedenfalls viel zu schade, um ihr Dasein versteckt zwischen zwei Buchdeckeln zu fristen. Einzelne Blütenportraits sind als Kunstkarten zu erwerben. Und vielleicht findet sich ja eine Galerie oder ein anderer passender Ort, wo nicht nur der Leserkreis Zugang zu diesen hat. Jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher, dass so mancher Betrachter sich dann ebenfalls mit Hepatimanie anstecken würde.
Andreas Händel und Josh Westrich:
Hepatica – Leberblümchen; Edelsteine im Frühlingsgarten
Edition Art und Nature, 2013
Längst gilt Andreas Händel unter Kennern als Nummer 1 in Sachen europäisches Leberblümchen. Er betreut eine eigene informative Webseite und stellt sein umfangreiches Wissen nun nach siebenjähriger Vorbereitung mit der Publikation „Hepatica – Leberblümchen“ in gedruckter Form zur Verfügung. Er vermittelt nicht nur einen detaillierten Einblick in seine Züchtertätigkeit, sondern verrät auch das eine oder andere Geheimnis für erfolgreiches Nachahmen.
Josh Westrichs Passion wiederum gilt dem Portraitieren von Pflanzen. Der Faszination seiner traumhaften Blütenaufnahmen kann sich wohl kein Betrachter entziehen. Für sein florales Werk hat er denn auch schon verschiedene Preise eingeheimst. In dieser Publikation vereinigen sich nun die jeweiligen Leidenschaften der beiden Herren zu einem einzigartigen Druckwerk.
Gegliedert ist das Buch wie folgt:
- Einstimmung
- Zur Geschichte der Leberblümchen
- Allgemeine Beschreibung
- Das Hepaticasortiment
- Kultur und Pflege im Garten
- Die lieben Nachbarn
- Vermehrung
- Züchtungen und ihre Züchter
- Krankheiten und Schädlinge
- Etwas Botanik zum Schluss
- Bestimmungshilfe für Hepatica-Arten
- Blütenportraits
- Register und Anhang, Literatur und Bezugsquellen
Die Bezeichnungen Leberblümchen und Hepatica beziehen sich auf die Form der Blätter, die an das Äussere der Niere erinnern. Deshalb wurden dem Frühjahrsblüher einst Heilkräfte bei Erkrankungen der Leber zugesagt. Leberblümchen zählen in bestimmten Kreisen zwar zu Sammlerobjekten, dennoch wage ich mal zu behaupten, dass die meisten Leute bestenfalls die blau-violetten Formen von Waldspaziergängen kennen.
Schon bei einem ersten oberflächlichen Durchblättern des grossformatigen Buches stellt der Betrachter fest, dass das Farbspektrum überaus vielfältig ist. Es gibt nämlich auch Blütenblätter in blau, weiss, rosa oder rot, und zwar in verschiedensten Variationen und Schattierungen. Beim Betrachten der detaillierten Blüten kommt man nicht umhin zu bewundern, wir perfekt die Farben der Blüten mit jenen der Staubblätter harmonieren oder auch kontrastieren. Etliche Sorten weisen nicht nur einfache Blüten, sondern halbgefüllte oder gefüllte auf. Zu den farblichen Überraschungen im Züchteralltag schreibt der Autor, dass die Ergebnisse meist Freude machen. Selten sind sie eine Enttäuschung und noch viel seltener sind sie mit einem Lottogewinn vergleichbar.
Leberblümchen zeigen sich auch hinsichtlich der Blattformen und Zeichnungen ausgesprochen variantenreich und verschiedene Sorten können durchaus als Blattschmuckstauden bezeichnet werden. Da gibt es panaschierte Blätter, Silberzeichnungen, unbehaarte Leberblümchen und solche mit Blättern wie die Haselwurz. Die Laubblätter können auch gerüscht oder gekerbt sein und ein schöner Hingucker sind auch jene Hepatica, die rot gerandete Blätter haben oder eine rote Blattunterseite. Nur auf zwei zu Korea gehörenden Inseln kommt der Dinosaurier unter diesen Frühblühern vor - das Riesenleberblümchen, das bis zu 35 Zentimeter hoch wird.
Auf den Fotos wirken die Leberblümchen zuweilen zerbrechlich wie Porzellan, bilden aber bei optimalen Bedingungen mit den Jahren immer grössere Bestände. Und auch wenn sich etwa eine eigene Sorte als zickig erweist, weil sie nur sehr langsam wächst, ist der Autor und Züchter stolz auf seine erste echte Hybride. Er verschweigt aber auch andere Nachteile wie zu lange Blütensteile einer Pflanze nicht.
Übrigens verkaufen viele Sammler und Züchter ihre besonderen Leberblümchen-Schätze nicht, sondern geben diese nur im Tausch gegen andere Edelsteine aus dem Frühlingsgarten her. Falls Sie selber mit dem Züchten von Leberblümchen liebäugeln – neben einem grünen Daumen, Visionen, Ausdauer und Erfahrung ist insbesondere die lückenlose schriftliche Dokumentation sowie das konsequente Etikettieren unerlässlich.
Das Buch „Hepatica – Leberblümchen“ ist eine ausserordentlich beeindruckende Publikation – ein grossformatiges Schwergewicht, aus welchem umfangreiches Hintergrundwissen zusammen mit faszinierenden Fotos gleichzeitig ein Garten- und Kunstbuch schaffen. Die Buchausstattung ist in jeglicher Hinsicht anspruchsvoll, seien es die Texte, die Fotos oder die Aufmachung und hat auch die Jury des Gartenbuchpreises 2014 überzeugt. Das Buch wurde nämlich im März gleich in zwei Kategorien prämiert: 1. Platz in der Kategorie „Bestes Gartenportrait“ und Gewinner des Stihl–Sonderpreises.
Etwas vermisst habe ich einzig das eine oder andere Foto mit ausschliesslich grösseren Mengen an blühenden Leberblümchen – aber bei diesem Krtitikpunkt handelt es sich um Jammern auf hohem Niveau. Störend waren hingen die fehlenden Legenden und Bildunterschriften. Ein letzter Nachteil, aber gleichzeitig auch Zweck des Buches ist, dass es wohl bei manchem Leser die Gier weckt, sprich das „Haben-Wollen-Gen“ aktiviert oder eben die Infektion mit Hepatimanie auslöst, wie Andreas Händel es nennen würde. So geht es hoffentlich auch demjenigen, der sich mein erstes Buchexemplar geschnappt hat, das irgendwo auf dem Postweg verschwunden ist.
Die wunderschönen, aussagekräftigen Fotos sind jedenfalls viel zu schade, um ihr Dasein versteckt zwischen zwei Buchdeckeln zu fristen. Einzelne Blütenportraits sind als Kunstkarten zu erwerben. Und vielleicht findet sich ja eine Galerie oder ein anderer passender Ort, wo nicht nur der Leserkreis Zugang zu diesen hat. Jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher, dass so mancher Betrachter sich dann ebenfalls mit Hepatimanie anstecken würde.
Andreas Händel und Josh Westrich:
Hepatica – Leberblümchen; Edelsteine im Frühlingsgarten
Edition Art und Nature, 2013
1. April 2014
Sarah Fasolin: Gartenreiseführer Schweiz
Haben Sie sich schon mal geärgert, weil Sie hierzulande vergeblich etwas kaufen wollten, das Ihnen im Ausland gute Dienste geleistet hat? Sarah Fasolin wollte nach einem Gartenurlaub in England, in welchem ihr ein Gartenreiseführer nützlich war, ein Schweizerisches Pendant erwerben und musste feststellen, dass ein solcher noch nicht geschrieben worden ist. Kurz entschlossen hat die Gartentexterin diese Aufgabe selber übernommen und während acht Monaten die Schweiz kreuz und quer durchreist.
380 Gärten und Parks hat sie besucht, 300 haben es schliesslich in die Publikation geschafft. Die Reiseroute folgte der Vegetationsentwicklung vom Süden in den Norden und vom Flachland in hügeligere Gebiete bis zum Alpengarten auf rund 2000 Meter über Meer. Die am Foto-Vortrag „Gartenzauber Schweiz“ in der Kartause Ittingen von der Autorin gezeigte Grafik über ihre Reisewege war jedenfalls ausserordentlich beeindruckend.
Alphabetisch vom Kanton Aargau bis zum Kanton Zürich werden die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist eine Schweizer Karte abgebildet, auf welcher im jeweiligen Kanton die Seitenzahl aufgeführt ist, ab welcher die entsprechenden Kapitel und Kurzportraits zu finden sind. Auf der hinteren Umschlaginnenseite sind die Zeichenerklärungen zu den im Buch verwendeten Piktogrammen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Einleitung, in welcher die Autorin etwa auf geschichtliche Hintergründe oder auf besondere gartenkulturelle Begebenheiten hinweist. Jede Gartenvorstellung wird komplettiert mit Angaben zu den Eigentümern, Adresse, besonderen Attraktionen, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
Für die kleine Schweiz mit ihren grossen klimatischen und landschaftlichen Unterschieden hat Sarah Fasolin eine erstaunliche Vielfalt an Gartentypen dokumentiert: einen Panzerhöckergarten, Schlossgärten, Landschaftsparks, Friedhofgärten, Schaugärten, ein Volksgarten, Skulpturengärten, Gemeinschaftsgärten, Alpengärten, Künstlergärten, Museumsgärten, Sammlergärten, Botanische Gärten, ein Medizinal-Pflanzen-Garten und viele andere mehr. Auch im Hinblick auf die Grösse, den Zeitpunkts der Entstehung oder die Bepflanzung der Gärten deckt die Publikation ein grosses Spektrum an unterschiedlichen Gartentypen ab. Im Serviceteil finden sich Hinweise auf wichtige regelmässige Gartenveranstaltungen, ein Index sämtlicher Gärten nach Ortschaften geordnet sowie Literaturhinweise. Für I-Phone-Besitzer ist der trotz seines Umfangs von über 400 Seiten handliche Reiseführer auch als App erhältlich.
Zu entdecken gibt es beispielsweise eine Mini-Welt aus Farnen und Moosen, einen Rosengarten auf über 1200 Meter über Meer, eine grosse Sammlung seltener Stauden und im Garten „Am Ende der Welt“ werden die Pflanzen um ihre Meinung gebeten, wo sie gerne ihre Wurzeln ausstrecken wollen. Ein anderer Garten wartet mit fast drei Dutzend Sitzplätzen auf, während es von einem anderen heisst, es finde sich alle zehn Schritte eine Sitzgelegenheit.
Die einzelnen Portraits sind aus Platzgründen kurz und knapp gefasst und werden oft visuell durch Fotos ergänzt. Immer wieder finden sich auch Informationen zu den Beweggründen, wieso ein bestimmter Gartenstil gewählt worden ist. So soll der Garten ordentlich sein, weil der Schreibtisch stets chaotisch ist und ein anderer Gärtner verrät, dass er einige Pflanzen besonders wegen ihres botanischen Namens mag, derweilen ein Dritter gefüllt blühende rote Leberblümchen in Erinnerung an seine Gotte hegt. In der Südschweiz lassen sich zur richtigen Jahreszeit und nach Voranmeldung eine vom Dalai Lama gesegnete tibetische Magnolie bewundern und ein Exemplar der Magnolie „Princes Margaret“, das von (oder mit Unterstützung) der Namenspatronin gepflanzt worden ist.
Zwischen den Zeilen mag man auch etwas die Vorlieben der Autorin zu deuten versuchen, wenn sie bei der Beschreibung eines Künstlerinnengartens mit umstrickten Bäumen die Grenze von Kitsch und Kunst erwähnt und hin und wieder gibt es einen Vermerk über brachliegendes Potential oder ganz offensichtlich mangelnde Pflege. Noch einiges mehr an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken verrät Sarah Fasolin an ihren Foto-Vorträgen (Termine hier). Sie berichtet an diesen Anlässen über die Entstehung des Führers und ihre manchmal berührenden Begegnungen während ihrer hortikulturellen Tour de Suisse.
Mit ihrem Reiseführer beweist Sarah Fasolin, dass Gartenliebhaber nicht unbedingt nach England, Holland oder Belgien fahren müssen – auch hierzulande finden sich viele sehenswerte Gärten. Trotz den verhältnismässig geringen Ausmassen unseres Landes ist man erfahrungsgemäss oft länger als beabsichtigt unterwegs, um ein (Garten-)Ziel zu erreichen. Sei es, weil man sich verfahren oder verlaufen hat oder eben die Wege doch nicht so kurz sind, wie angenommen. Um die jeweiligen Gärten auch in Ruhe geniessen zu können, ist es von Vorteil, sich für einen Tag nicht zu viel vorzunehmen und mit Hilfe des Reisebegleiters gut zu planen. Für den Kanton Luzern findet sich in diesem sogar eine Anleitung zu einer idealen Gartenreise.
Beim Lesen des Führers habe ich festgestellt, dass ich zwar schon etliche der präsentierten Gärten kenne, aber bis anhin trotzdem nur über einen Bruchteil der Gartenwege persönlich gelaufen bin. Schon unzählige Male bin ich am nicht weit von meinem Wohnort gelegenen Schlosspark Andelfingen vorbeigefahren und habe schon oft über diesen gelesen – vielleicht schaffe ich es demnächst dank dem auf Seite 366 im Buch angebrachten Post-it-Zettel, mir diesen mal in Natura anzuschauen.
Sarah Fasolin:
Gartenreiseführer Schweiz
Callwey Verlag, 2014
380 Gärten und Parks hat sie besucht, 300 haben es schliesslich in die Publikation geschafft. Die Reiseroute folgte der Vegetationsentwicklung vom Süden in den Norden und vom Flachland in hügeligere Gebiete bis zum Alpengarten auf rund 2000 Meter über Meer. Die am Foto-Vortrag „Gartenzauber Schweiz“ in der Kartause Ittingen von der Autorin gezeigte Grafik über ihre Reisewege war jedenfalls ausserordentlich beeindruckend.
Alphabetisch vom Kanton Aargau bis zum Kanton Zürich werden die verschiedensten Gartentypen vorgestellt. Auf der vorderen Umschlaginnenseite ist eine Schweizer Karte abgebildet, auf welcher im jeweiligen Kanton die Seitenzahl aufgeführt ist, ab welcher die entsprechenden Kapitel und Kurzportraits zu finden sind. Auf der hinteren Umschlaginnenseite sind die Zeichenerklärungen zu den im Buch verwendeten Piktogrammen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Einleitung, in welcher die Autorin etwa auf geschichtliche Hintergründe oder auf besondere gartenkulturelle Begebenheiten hinweist. Jede Gartenvorstellung wird komplettiert mit Angaben zu den Eigentümern, Adresse, besonderen Attraktionen, Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln usw.
Für die kleine Schweiz mit ihren grossen klimatischen und landschaftlichen Unterschieden hat Sarah Fasolin eine erstaunliche Vielfalt an Gartentypen dokumentiert: einen Panzerhöckergarten, Schlossgärten, Landschaftsparks, Friedhofgärten, Schaugärten, ein Volksgarten, Skulpturengärten, Gemeinschaftsgärten, Alpengärten, Künstlergärten, Museumsgärten, Sammlergärten, Botanische Gärten, ein Medizinal-Pflanzen-Garten und viele andere mehr. Auch im Hinblick auf die Grösse, den Zeitpunkts der Entstehung oder die Bepflanzung der Gärten deckt die Publikation ein grosses Spektrum an unterschiedlichen Gartentypen ab. Im Serviceteil finden sich Hinweise auf wichtige regelmässige Gartenveranstaltungen, ein Index sämtlicher Gärten nach Ortschaften geordnet sowie Literaturhinweise. Für I-Phone-Besitzer ist der trotz seines Umfangs von über 400 Seiten handliche Reiseführer auch als App erhältlich.
Zu entdecken gibt es beispielsweise eine Mini-Welt aus Farnen und Moosen, einen Rosengarten auf über 1200 Meter über Meer, eine grosse Sammlung seltener Stauden und im Garten „Am Ende der Welt“ werden die Pflanzen um ihre Meinung gebeten, wo sie gerne ihre Wurzeln ausstrecken wollen. Ein anderer Garten wartet mit fast drei Dutzend Sitzplätzen auf, während es von einem anderen heisst, es finde sich alle zehn Schritte eine Sitzgelegenheit.
Die einzelnen Portraits sind aus Platzgründen kurz und knapp gefasst und werden oft visuell durch Fotos ergänzt. Immer wieder finden sich auch Informationen zu den Beweggründen, wieso ein bestimmter Gartenstil gewählt worden ist. So soll der Garten ordentlich sein, weil der Schreibtisch stets chaotisch ist und ein anderer Gärtner verrät, dass er einige Pflanzen besonders wegen ihres botanischen Namens mag, derweilen ein Dritter gefüllt blühende rote Leberblümchen in Erinnerung an seine Gotte hegt. In der Südschweiz lassen sich zur richtigen Jahreszeit und nach Voranmeldung eine vom Dalai Lama gesegnete tibetische Magnolie bewundern und ein Exemplar der Magnolie „Princes Margaret“, das von (oder mit Unterstützung) der Namenspatronin gepflanzt worden ist.
Zwischen den Zeilen mag man auch etwas die Vorlieben der Autorin zu deuten versuchen, wenn sie bei der Beschreibung eines Künstlerinnengartens mit umstrickten Bäumen die Grenze von Kitsch und Kunst erwähnt und hin und wieder gibt es einen Vermerk über brachliegendes Potential oder ganz offensichtlich mangelnde Pflege. Noch einiges mehr an persönlichen Erlebnissen und Eindrücken verrät Sarah Fasolin an ihren Foto-Vorträgen (Termine hier). Sie berichtet an diesen Anlässen über die Entstehung des Führers und ihre manchmal berührenden Begegnungen während ihrer hortikulturellen Tour de Suisse.
Mit ihrem Reiseführer beweist Sarah Fasolin, dass Gartenliebhaber nicht unbedingt nach England, Holland oder Belgien fahren müssen – auch hierzulande finden sich viele sehenswerte Gärten. Trotz den verhältnismässig geringen Ausmassen unseres Landes ist man erfahrungsgemäss oft länger als beabsichtigt unterwegs, um ein (Garten-)Ziel zu erreichen. Sei es, weil man sich verfahren oder verlaufen hat oder eben die Wege doch nicht so kurz sind, wie angenommen. Um die jeweiligen Gärten auch in Ruhe geniessen zu können, ist es von Vorteil, sich für einen Tag nicht zu viel vorzunehmen und mit Hilfe des Reisebegleiters gut zu planen. Für den Kanton Luzern findet sich in diesem sogar eine Anleitung zu einer idealen Gartenreise.
Beim Lesen des Führers habe ich festgestellt, dass ich zwar schon etliche der präsentierten Gärten kenne, aber bis anhin trotzdem nur über einen Bruchteil der Gartenwege persönlich gelaufen bin. Schon unzählige Male bin ich am nicht weit von meinem Wohnort gelegenen Schlosspark Andelfingen vorbeigefahren und habe schon oft über diesen gelesen – vielleicht schaffe ich es demnächst dank dem auf Seite 366 im Buch angebrachten Post-it-Zettel, mir diesen mal in Natura anzuschauen.
Sarah Fasolin:
Gartenreiseführer Schweiz
Callwey Verlag, 2014
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